Unwissen – ein Kennzeichen von Qualitätsjournaille

gefunden  auf twitter – SPIEGEL online hatte zum Antisemitismus gewisser preisgekrönter Rapper „recherchiert“ – und dann das hier ins Netz gestellt (Screenshot), was dann gerne aufgenommen und kommentiert wurde.

 

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Araber wissen immer noch nicht, wie die Al-Aqsa-Moschee aussieht

Elder of Ziyon, 16. Juli 2017

Al Khaleej Online, eine Nachrichtenagentur mit Sitz in Großbritannien mit Zielpublikum im Arabischen Gold, hat einen Hintergrundbericht zur „Al-Aqsa-Moschee“ als Reaktion auf die Ereignisse von Freitag [Doppelmord durch israelische Araber am Tempelberg].

Hier ist die automatisch übersetzte Schlagzeile mit Foto:

Die Fotos zeigen natürlich den Felsendom, nicht die Al-Aqsa-Moschee.

Tatsächlich ergibt eine Google-Bildersuche zu „Al Aqsa Mosque“ auf Arabisch, dass im Ergebnis etwa die Hälfte der Fotos den Felsendom zeigen.

Man sollte glauben, dass der angeblich drittheiligste Ort des Islam den Muslimen besser bekannt wäre.

(Die Worte auf dem roten Streifen oben rechs lauten „Sonderbericht“.)

Ahnungslosigkeit und Unwissen (nicht nur) beim „Focus“

Der Focus nahm am Freitag, 9. Oktober 2015 die aktuelle Terrorwelle als Anlass für eine Fotostrecke, die das Ganze Unwissen der deutschen Qualitätsjournaille in Sachen Israel/Nahost-Konflikt offenbart.

Es geht schon mit der Eingangsseite dazu los:

Focus2015-10-09_00

Das Bild ist ziemlicher Unsinn, denn es zeigt nicht, dass Juden beschützt werden, sondern dass Polizei den Hinternhebern gegenüber stehen. Die Schwäbische Zeitung macht das zunächst schon minimal besser: Dort schreibt man „beim Freitagsgebet“. (Gegen 13.30 Uhr am 10. Oktober wurde beim Focus die Bildbeschreibung geändert; jetzt heißt es „Schwer bewacht: Gläubige Muslime beim Freitagsgeben in Jerusalem.“) Ob sie wohl von selbst drauf gekommen sind…?

Schwaebische.de_2015-10-09

Nur, dass das immer noch keine gläubigen Juden sind, sondern Muslime…
Zur „Ehrenrettung“ von Focus und Schwäbischer: Die anderen machen es auch nicht besser – web.de, Stimme.de, RuhrNachrichten, Tageblatt.de, Bonner General-Anzeiger, Abendzeitung München, Weserkurier, Der Westen.

Noch etwas, dass allen gleich ist (aber sie verwenden ja alle dieselbe Fotostrecke eines arabischen Fotojournalisten): Im Text, manchmal in der Überschrift, manchmal in der Unter-Überschrift steht etwas von Unruhen und Messerattacken (auf Israelis), die Bilder zeigen aber als Bewaffnete und Gewalt Nutzende nur israelische Soldaten (und einen Zivilisten) mit Schusswaffen (beim die Bilder 3, 4, 5 und 7 am liebsten im Anschlag, teilweise schießend und dann auch noch mit der Bemerkung versehen „zielt auf Palästinener“. „Palästinenser“ hingegen – die die Messerangriffe ausführen, kommen nur einmal vor, als harmloser Teenager, der durch einen Metalldetektor gehen muss.

Focus2015-10-09_05

Was allen zu entgehen scheint: Das ist kein normales (Freitags-) Gebet, denn das würde in einer Moschee stattfinden. Vielleicht auf dem Tempelberg in Jerusalem auch außerhalb der Moscheegebäude, aber auf dem Plateau. Hier sehen jedoch wir Muslime, die irgendwo auf einer Straße beten und diese damit blockieren. Das ist auch eine Art seinen Vorherrschaftsanspruch zu demonstrieren. Aber unsere Medien bemerken das nicht einmal, die übernehmen blind und ohne auch nur im Geringsten nachzudenken, was ihnen vorgesetzt wird…

Die Ahnungslosigkeit geht weiter: Bild 6 zeigt „Spezialisten der israelischen Polizei“, die „nach einer Messerattacke in Jerusalem Spuren“ sichern.

Focus2015-10-06

Das ist sind keine Polizisten, sondern Mitarbieter von ZAKA, der Freiwilligenorganisation zur Identifizierung von Unfallopfern“, die auch bei Terroranschlägen immer vor Ort geht, um sorgfältig alle Leichenteile einzusammeln und den Opfern zuzuordnen, damit diese entsprechend der jüdischen Halacha möglichst vollständig beerdigt werden können. Sie reinigen manchmal auch die Tatorte, leisten häufig Erste Hilfe oder helfen bei der Suche nach Vermissten. Das ist eine Arbeit, die vorwiegend orthodoxe Juden tun.

Endgültig völlig am Thema vorbei ist das letzte Bild: „Eine Rauchwolke steht über einem umkämpften Dorf in Syrien.“

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Das ist die Qualität, mit der der Michel informiert wird. Diesmal nicht öffentlich-rechtlich. Allerdings habe ich bei denen lieber gar nicht erst gesucht…

Je ahnungsloser, desto krawallo

Was toben sie immer, die arabisch-muslimischen Hetzer gegen Israel, besonders einige arabisch-israelische „Aktivisten“, aber auch sonst jeder, der etwas zu geifern hat:Die Juden untergraben den Tempelberg (so nennen sie ihn nicht), um die Al Aqsa-Moschee zu zerstören und ihren Tempel dort zu errichten.

Die Juden öffnen einen antiken Tunnel, angeblich „unter“ dem Tempelberg, um die Al Aqsa-Moschee zu zerstören, damit sie ihren Tempel dort errichten können.

Die Juden machen angebliche archäologische Ausgrabungen neben dem Tempelberg, um die Al Aqsa-Moschee zu zerstören, damit sie ihren Tempel dort errichten können.

Die Juden bauen jenseits der Ostseite des Tempelberg-Vorplatzes einen Aufzug, um die Al Aqsa-Moschee zu zerstören, damit sie ihren Tempel dort errichten können.

Wunderbar. Die Juden haben nichts anderes vor als die Al Aqsa-Moschee zu zerstören, damit sie ihren Tempel dort errichten können. Etwas anderes scheint die Juden nicht zu motivieren, außer natürlich der Hass auf Araber und der Wille sie zu demütigen und zu vernichten.

Ach, wie einfach kann die Welt sein!

Wenn da nicht so ein dummer Fehler wäre: Die Al Aqsa-Moschee ist, was den Tempel angeht, für Juden völlig uninteressant! Waurm?

Es gibt da noch so eine andere Moschee, die bei uns gemeinhin „Felsendom“ genannt wird und den Wikipedia als „Schrein“ statt Moschee bezeichnet wissen will. Und dort stand der eigentliche Tempel (was Wikipedia hier verschweigt). Wenn die Juden einen neuen Tempel bauen, dann sicherlich nicht da, wo die Al Aqsa-Moschee steht, sondern am Ort des Felsendoms. Die Hetzer verzapfen mit ihren verlogenen Behauptungen also absoluten Unsinn.

Einen Unsinn, der aber auch wieder auf alle möglichen Leute abfärbt, die dem islamisch-arabischen Verleumdungsprojekt kritisch gegenüber stehen. Ein aktuelles Beispiel findet sich hier, in den Kommentaren. Auch dieser positive Kommentar leidet unter der falschen Vorstellung, der Felsendom sei die Al Aqsa-Moschee, ein durchaus üblicher Fehler. Dieser hat derart um sich gegriffen, dass er als Modellbeispiel dafür gelten kann, wie uninformiert heute über Dinge im Nahen Osten, über Judentum, Israel, Islam, Araber geredet wird – und wie nötig es wäre, jede Unterhaltung darüber zu einer Vorlesung über Fakten und Daten zu machen, die unbekannt oder nicht begriffen worden sind. Das Un- und Halbwissen ist eklatant – aber besonders laut krakeelen die, die am uninformiertesten sind und sich nicht bequemen sich besser zu informieren, sondern Propaganda nachplappern. Traurig, dass die Propagandisten und Lügner damit auch wiederum bei denen Erfolg haben, die eigentlich auf der richtigen Seite stehen.

Fundamente der Israel-‚Kritik’

Es ist immer wieder erstaunlich, wie widersprüchlich die Herrschaften „Israelkritiker“, denen natürlich immer nur das Wohl Israels am Herzen liegt, „argumentieren“. Eines der besten Beispiele liefert Claudio Casula in seinem Gastbeitrag über Rudolf Augstein bei Lizas Welt, ohne näher darauf einzugehen. Deshalb hier ein paar Gedanken dazu:

Augstein meinte von sich geben zu müssen:

„Die Juden in den USA sind wohlorganisiert. Sie halten untereinander enger zusammen als andere Minderheiten, besonders wenn es um Israel geht. Ohne Zuschüsse aus Washington und ohne Spenden der amerikanischen Juden könnte das Land finanziell nicht existieren.“ (Spiegel 40/1991)

„Namentlich demokratische Kongressabgeordnete sind auf Wahlkampfspenden jüdischer Geldgeber angewiesen.“ (ebenda)

Wer so etwas schreibt, der hat offensichtlich keinerlei Ahnung von den Verhältnissen in den USA und frönt ausschließlich seinem Antiamerikanismus (und in der Folge einer gewissen Form von Antisemitismus – schließlich ist die Aussage, die Juden würden Amerika im Griff haben und zwingen, nach ihrer Pfeife zu tanzen, letztlich nichts anderes).

Den „Ostküstenjuden“ in die Schuhe zu schieben, sie steckten hinter allem, was Israel tun und machen kann, ohne dass ihm jemand in den Arm fällt, ist schlichtweg realitätsfremd. Gerade „die Ostküste“ denkt liberal/links; dort und in Kalifornien sitzen die politisch „kritischsten“ Leute, was Israel angeht. Gerade dort – und das gilt auch für die jüdischen Amerikaner – regt sich die meiste Begeisterung für linke „Friedensinitiativen“ im Nahen Osten, die auf Kosten Israel gehen.

Augstein schrieb dies 1991 – das ist „lange her“, aber wer die Äußerungen des Spiegel-Gründers über die Jahre hinweg liest, wird merken, dass er vorher nicht anders dachte und hinterher auch nicht, beispielsweise trotz des Oslo-Friedensprozesses oder der Frage, welche amerikanischen Präsidenten und Parteien Israel wie unterstützten (oder auch nicht). In der oben zitierten Tirade ist lediglich eine einzige Andeutung richtig: Jüdische Amerikaner unterstützen mehrheitlich demokratische Politiker. Augstein und seine Kumpels haben allerdings offensichtlich nicht nachgehakt wieso, sie fahren auf ein Singular-Kausalität ab: Israel. Das war schon 1991 Blödsinn.

Anscheinend ist Augstein argumentativ bei 1948 stecken geblieben. Damals unterstützte der demokratische Präsident Truman gegen den ausdrücklichen Widerstand seines Außenministeriums und viele Demokraten (wie Republikaner) die Befürwortung der Gründung des jüdischen (und gleichzeitig eines arabischen) Staates im Mandatsgebiet Palästina. Seitdem sind demokratische Präsidenten und Mehrheiten nicht als große Unterstützer Israels in Erscheinung getreten. Kennedy und Johnson hatten zu viel mit Vietnam zu tun, Carter ist ausgewiesener Israel-Hasser, Clinton hat die pal-arabischen Terroristen hofiert und mit allen Mitteln hoffähig zu machen versucht. Mahnungen gingen in erster Linie an Israel, es solle nachgeben. Der PA wurde gelegentlich der mahnende Zeigefinger gezeigt, aber das war’s dann auch. Die demokratischen Politiker als extremistische Bande im Griff des „Ostküsten-Judentums“ darzustellen, war nie mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen. Trotzdem ist das heute weiterhin eines der beliebtesten „Argumente“ über Zusammenhänge der Weltpolitik und Israels.

Wie schwachsinnig das heute ist, zeigt die politische Stellung der meisten Demokraten zur Nahostpolitik der USA. Gerade sie sind es, die eine „Europäisierung“ der US-Politik anstreben: Raus aus dem Irak, raus aus Afghanistan, den Palästinensern volle Unterstützung in ihrem „Freiheitskampf“ und die Israelis sind die Nazis von heute. Das können wir Augstein nicht vorwerfen, er ist seit 4 Jahren tot. Aber sein Geisteszustand in Bezug auf Israel und den Nahen Osten lebt. Realitätsfremd und ideologisch gegründet. Und weh dem, der das anders sieht.