Im Faschisten-Fieber: Nazi-Trump-Titelseite verursacht Spekulationen über deutsche Medien

Berichte, dass deutsche Medien als fügsamer Kanal zur Desinformation durch die Regierung zweckentfremdet werden, werfen Fragen nach der wahren Herkunft der Attacke der Zeitschrift auf

Mordechai Sones, Israel National News, 24. August 2017

Trump zeigt Nazi-Neigungen an der Westmauer in Jerusalem (Foto: Reuters)

Inmitten Berichten deutscher Journalisten, die erklären, dass die Medien ihres Staates eine „Regierungsventil, das kritische Ansichten unterdrückt“ geworden sind, hat die offene Antipathie für US-Präsident Donald Trump mit der Gleichsetzung des US-Präsidenten mit Adolf Hitler in einer Fotomontage auf der Titelseite der gestern veröffentlichten Ausgabe ein neues Niveau der Schmähungen erreicht. Die Montage zeigt Trump in ein US-Flagge gewickelt beim Nazi-Gruß. Die Schlagzeile ist ein Wortspiel: Sie dreht Hitlers Autobiografie „Mein Kampf“ in „Sein Kampf“.

Der Leitartikel leitet über auf Präsident Trumps angebliche Verbindungen zur Neonazi-Szene in den Vereinigten Staaten n ach den Vorfällen in Charlottesville. Die Unterzeile lautet: „Neonazis, Ku-Klux-Klan, Rassismus: Wie Donald Trump den Hass in Amerika schürt.“

Die Titelseite der deutschen Wochenzeitschrift hat bereits heftige Kritik ausgelöst, besonders bei amerikanischen Konservativen. Auch in den sozialen Netzwerken ist Kritik an der „Sinnlosigkeit“ der Titelseite und der Trivialisierung der Verbrechen Hitlers vernichtend: „Kann man Trump nicht kritisieren ohne ihn mit Hitler zu vergleichen?“ und „Wer verbreitet hier Hass?“ sind repräsentative Reaktionen deutscher Journalisten und verschiedener anderer Organisationen.

So verstörend die Schmähungen der Zeitschrift sein mögen, Berichte dass deutsche Medien als Ganzes dazu zweckentfremdet werden als fügsamer Kanal für Desinformation der Regierung zu dienen, wirft Fragen auf, wo der wahre Ursprung der Attacke des Stern auf den Präsidenten zu finden ist.

Ein Protestierender hält auf einer Pressekonferenz von Trump in Turberry (Schottland) einen Golfball mit Hakenkreuz hoch (Foto: Reuters)

Die niederländische Medien-Website TOP Online veröffentlichte ein Interview mit der deutschen Journalistin Claudia Zimmermann, berichtete The Old Continent (Der Alte Kontinent). Als Reporterin, die 24 Jahre lang für den öffentlich-rechtlichen WDR gearbeitet hatte, wurde sie zu der Art und Weise befragt, wie über die Flüchtlingskrise und die Silvester-Vorfälle in Köln berichtet wurde. In der Sendung wurde sie gefragt, ob von ihr erwartet wurde, dass sie auf bestimmte Weise über Migranten und Flüchtlinge berichtet.

Zimmermann antwortete: „Wir sind öffentlich-rechtlicher Rundfunk und darum angehalten, das Problem in einer mehr positiven Art anzugehen. Das beginnt mit der Willkommenskultur von Merkel bis zu dem Augenblick, als die Stimmung kippte und es mehr kritische Stimmen im Rundfunk und auch von der Politik gab. … Wir sind natürlich ein öffentlich-rechtlicher Sender, das heißt, es gibt verschiedene Kommissionen, die bestimmen, wie unser Programm aussehen muss. Und wir sind natürlich sehr wohl angewiesen, ein bisschen pro Regierung zu berichten.“

The Old Continent berichtet, dass der WDR damit reagierte Zimmermanns „Anschludigungen“ gegen sich zu bestreiten und soll sie gezwungen haben eine Entschuldigung zu unterschreiben: „Ich habe an dieser Stelle Unsinn geredet. Unter dem Druck der Live-Situation in der Talkrunde habe ich totalen Quatsch verzapft. Mir ist das ungeheuer peinlich. Denn ich bin niemals als freie Journalistin aufgefordert worden, tendenziös zu berichten oder einen Bericht in eine bestimmte Richtung zuzuspitzen.“

Es heißt, dass Zimmermann inzwischen angibt, dass sei diese Anschuldigungen niemals erhob und gezwungen wurde die Entschuldigung zu unterschreiben, nach der sie praktisch keine Arbeit mehr erhielt. Sie sagt, dass die gesamte Struktur der deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten darauf abzielt ungewünschte Nachrichten zu zensieren.

Nach dem Zimmermann zum Beispiel beobachtete, dass junge Frauen auf der Straße belästigt wurden und erfuhr, dass dies tagtägliche vorkommt, „schlug ich das dem WDR als Thema vor, aber meine Kollegen sagten: ‚Wir werden das nicht machen, denn das hilft Pegida.‘ Das war ein Redakteur des WDR. Und es gab ähnliche Situationen. Am Wasserspender, wo Kollegen miteinander sprachen, sagten andere: ‚Mein Gott, passiert das alles?‘ Aber es wurde nie darüber berichtet.“

Zimmermann wird von The Old Continent auch damit zitiert, dass sie ausdrücklich auf die deutsche Berichterstattungspolitik zu Trump verwies: „Wenn ich frühere Kollegen auf der Straße treffe, sagen sie mir: ‚Ich finde, dass es sehr gut war, was du sagtest, was du tatest, aber ich darf echt nicht mit dir reden.‘ … Redakteure gehen auf Seminare in eng verbundenen Gruppen, nur bestimmte Reporter werden nach Köln geschickt, arbeiten eng mit einem Chefredakteur zusammen. Das ist der Grund, dass es so wenige kritische Artikel gibt … Kommentare und Meinungen werden mit Nachrichten verwechselt.

Ich kann das bei Trump erkennen. Selbst wenn man kein Trump-Fan ist, soll ein Journalist die Nachten berichten, so neutral wie möglich; und die Bevölkerung macht sich ein eigenes Bild. Und die AfD wird totgeschwiegen. Das ist einfach eine Maschine um Meinungen zu schaffen.“

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Die deutschen Medien und die Dämonisierung Israels

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die ARD hat der Saga der von Joachim Schröder und Sophie Hafner produzierten Antisemitismus-Dokumentation Auserwählt und ausgeschlossen: der Hass auf Juden in Europa neue Manipulationen hinzugefügt. Der von der EU subventionierte deutsch-französische, öffentlich-rechtliche Fernsehsender ARTE hatte diese Dokumentation über das ARD-Mitglied WDR in Auftrag gegeben.

Soweit bekannt hatte der WDR keine Einwände, bevor er die Dokumentation an ARTE weiterleitete. Dieser lehnte den Film jedoch ab und behauptete er habe professionelle Mängel und entspreche nicht dem vertraglich festgelegten Auftrag.

Daraufhin stellte die größte deutsche Zeitung BILD die Dokumentation 24 Stunden lang online – ohne das Copyright dafür zu haben. Von dort aus wurde die Dokumentation auf YouTube hochgeladen.[1] In Reaktion auf die öffentliche Aufmerksamkeit entschied sich die ARD die Dokumentation am Abend des 21. Juni auszustrahlen.

Der Film wurde auf eine nie da gewesene Weise entstellt. Es gab eine Einführung, die den Zuschauer anleitete, wie er die Dokumentation zu betrachten habe; zusätzlich blendete der WDR ständig Kommentare ein, die die Richtigkeit einzelner Elemente in Zweifel zogen. Darüber hinaus stellte der WDR am Tag vor der Sendung einen „Faktencheck“ auf seine Internetseite, der fast 30 „Fehler“ oder „Unwahrheiten“ aufführte.[2] Einige dieser „Faktenchecks“ sind schon auf den ersten Blick haltlos. Viele weitere werden überzeugend bestritten.[3] Zudem schrieb NGO Monitor dem WDR einen Brief, der detailliert anführte, dass der Sender die Organisation in ihrem Faktencheck verleumdet hatte. NGO Monitor verlangte eine sofortige Rücknahme dieser Anmerkungen.[4]

Danach beging die ARD eine weitere Manipulation. Nach der Ausstrahlung der Dokumentation veranstaltete sie eine Diskussionsrunde mit der bekannten Talkmasterin Sandra Maischberger.[5] Die Produzenten der Dokumentation waren jedoch nicht eingeladen daran teilzunehmen. Die Zusammensetzung der Runde war unausgewogen. Ihr gehörten drei prominente Israelkritiker an, dagegen standen zwei pro-israelische Experten. Zudem repräsentierte WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn seinen Sender.

Die Qualitätszeitung DIE WELT schrieb, dass von den Diskussionsteilnehmern nur die beiden Pro-Israelis als Experten angesehen werden können: der Historiker Michael Wolffsohn und der heute in Berlin lebende israelische Araber Ahmad Mansour. Über diesen hieß es in dem Artikel: „Kaum jemand weiß mehr über den islamischen Antisemitismus in Europa.“ Über einen der anderen wurde geschrieben; „Rolf Verleger [ein Psychologie-Professor] qualifizierte sich einzig und allein für die Runde, weil er ein Jude ist, der Israel kritisiert.“

Dann gab es die Journalistin Gemma Pörzgen, eine „Expertin für die Apartheidpolitik in Südafrika und für Osteuropa“. Sie hatte den Film bereits auf Facebook scharf als „unsägliches Machwerk von Überzeugungstätern“ kritisiert. Der dritte antiisraelische Teilnehmer war der frühere CDU-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Über ihn schrieb DIE WELT: Er „ist dabei, weil er immer dabei ist. Und weil er sich als Israel-Kritiker profiliert hat.“[6] Blüm ist außerdem jemand, der den Holocaust indirekt umkehrt. 2009 zog er eine Verbindung zwischen der Judenverfolgung durch die Nazis und Gräueltaten gegen Palästinenser.[7]

2002 konstatierte Blüm, der jüdische Staat führe einen „Vernichtungskrieg“ gegen die Palästinenser.[8] Schon Jahrzehnte vor dem Einmarsch in die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Begriff für den deutschen Völkermord an den Hereros in Südwestafrika verwendet.

Blüms aufstachelnde und falsche Äußerung über Israel ist repräsentativ für die damalige Meinung einer großen Mehrheit der Deutschen. 2004 führte die Universität Bielefeld in Deutschland eine Meinungsumfrage durch; darin wurde gefragt, ob man mit der Äußerung übereinstimmt, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt. Achtundsechzig Prozent der Befragten stimmten dem zu.[9]

Von derselben Universität wurden 2011[10] und 2014[11] zwei weitere Studien wurde durchgeführt. Die Zahl der Deutschen, die der Äußerung zustimmen, hatte sich auf 48%, dann auf 40% verringert. Weitere Umfragen durch die Bertelsmann-Stiftung und die Universität Bielefeld wollten wissen, ob die Menschen der Äußerung zustimmen, das Israel sich gegenüber den Palästinensern so verhält wie die Nazis gegenüber den Juden. Die Zahl der Deutschen, die dem zustimmten war sehr wechselhaft. 2004 stimmten 51% der Befragten[12] zu, 2007 dagegen waren es 30%.[13] 2014 stimmten 27% zu[14] und bis 2015 hatte der Anteil der Befragten diesbezüglich auf 41% zugenommen.[15]

Hätten Blüm und die große Anzahl der Deutschen in ihrer Wahrnehmung des erfundenen israelischen Vernichtungskriegs Recht gehabt, dann hätten die Filmemacher bei Besuchen im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem keine palästinensischen Patienten filmen können, die dort behandelt werden. Während des Zweiten Weltkriegs brauchten die Deutschen lediglich zwei Jahre, um in den Vernichtungslagern Treblinka, Sobibor und Belzec zwei Millionen Menschen zu ermorden, vorwiegend Juden.

Nazideutschland dämonisierte die Juden, indem es behauptete sie seien eine minderwertige Rasse. Dutzende Millionen heutiger Deutscher dämonisieren Israel, indem sie die Israelis wie die Nazis ansehen. In vielen anderen europäischen Ländern findet eine ähnliche Dämonisierung Israels statt. Indes sind dort sowohl die Medien als auch die Politiker daran beteiligt diese Atmosphäre geschaffen zu haben.

In Deutschland haben die meisten Politiker aus dem Mainstream mit Ausnahme einiger weniger – wie Blüm oder gelegentlich der sozialdemokratische Außenminister Sigmar Gabriel – sowie der Linken gezögert solch extreme verbale Gewalt und Aufhetzung gegen Israel zu verwenden.

Da Menschen nicht als Israelverleumder geboren werden, ist es offensichtlich, dass Deutschland ein Land ist, in dem die gewaltige Dämonisierung Israels hauptsächlich Teilen der Sende- und Medienfirmen entspringt. Durch ihre nie da gewesene Verstümmelung der Dokumentation von Antisemitismus hat die ARD einem wichtigen Versuch enormen Schaden zugefügt, der versucht dieser Dämonisierung gegenzusteuern.

[1] http://www.youtube.com/watch?v=I0ffyhZ2_TE

[2] www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/unternehmen/doku-faktencheck/doku-faktencheck-gesamt-100.html

[3] http://www.audiatur-online.ch/2017/06/21/das-handwerk-des-antisemitismus/

[4] http://www.ngo-monitor.org/letter-wdr-failure-adhere-journalistic-standards/

[5] http://www.youtube.com/watch?v=HHhQGIMGNWg

[6] http://www.welt.de/vermischtes/article165784062/Muss-ein-Film-gegen-Antisemitismus-in-Europa-pro-juedisch-sein.html

[7] http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/gaza-krieg-bei-plasberg-schlamassel-mit-der-deutschen-schuld-a-602764.html

[8] „Der Vorwurf des Antisemitismus wird auch als Knüppel benutzt,“ Stern, 18. Juni 2002.

[9] Wilhelm Heitmeyer, “Texte zu Ergebnissen der Umfrage 2004 des Projektes” (Universitaet Bielefeld, Institut fur interdisziplinare Konflikt- und Gewaltforschung, 2004)

[10] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.

[11] „Zusammenfassung zentraler Ergebnisse,“ Friedrich Ebert Stiftung/Universität Bielefeld, 20. November 2014.

[12] Aribert Heyder/Julia Iser/ Peter Schmidt: Israelkritik oder Antisemitismus? Meinungsbildung zwischen Öffentlichkeit, Medien und Tabus, In: Wilhelm Heitmeyer (Hg.): Deutsche Zustände. Frankfurt am Main (Suhrkamp) 2005, S. 144ff.

[13] www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_LW_Germany_and_Israel_today_2015.pdf, p.35

[14] „Zusammenfassung zentraler Ergebnisse.“ Friedrich Ebert Stiftung/Universität Bielefeld, 20. November 2014.

[15] www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_LW_Germany_and_Israel_today_2015.pdf. p.35

Die unterdrückte Antisemitismus-Dokumentation aus historischer Perspektive

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die anfangs von dem öffentlich-rechtlichen und von der EU subventionierten, deutsch-französischen Fernsehsender arte unterdrückte Dokumentation über europäischen Antisemitismus passt durchaus in eine lang andauernde europäische Geschichte des Verbergens von Informationen über Antisemitismus und diejenigen, die ihn begehen. Drei extreme solche Fälle seit Beginn dieses Jahrhunderts, die unten diskutiert werden, veranschaulichen ein weit allgemeineres Phänomen.

Nach Beginn der zweiten palästinensischen Intifada im Herbst 2000 gab es in Westeuropa einen großen Ausbruch von Antisemitismus. Das erste Land, in dem sich das manifestierte, war Frankreich. Viele der gewalttätigen antisemitischen Vorfälle waren von Muslimen verursacht. Die damalige sozialistische Regierung von Premierminister Lionel Jospin wollte die Tatsachen nicht eingestehen, ganz zu schweigen davon die Gemeinschaft der Haupttäter zu identifizieren.

Der französische Soziologe Shmuel Trigano berichtete, dass antisemitische Gewalt mehrere Monate lang weitgehend weder von der Presse noch von den Behörden berichtet wurde. Die Polizei stufte die Vorfälle als „Rowdytum“ ein.[1] Wir können heute nachvollziehen, dass in diesen Jahren die mentale Infrastruktur für die beträchtliche Emigration französischer Juden während der letzten Jahre geschaffen wurde.

Ein weiterer wichtiger Fall, der dieselbe „Politik des Versteckens der Wahrheit“ verdeutlicht, ereignete sich, als das Europäische Beobachtungszentrum für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) – eine Organisation der EU – 2002 die damals 15 EU-Mitgliedstaaten aufforderte antisemitische Gewalt und Ansichten zu melden. Die von der EUMC abgerufenen Informationen wurden an das ZfA weitergeleitet, das Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin; es hatte den Auftrag die Daten zu analysieren.

Die amerikanische Forscherin Amy Elman analysierte in ihrem Buch The European Union, anti-Semitism and the Politics of Denial[2], wie dieses Thema sich entwickelte. Sie sagte in einem Interview: „Das ZfA vollendete seinen Bericht im Oktober 2003. Es stellte fest, dass gewalttätige Angriffe auf Juden oft aus ansteckendem Antizionismus des gesamten politischen Spektrums entstanden. Darüber hinaus ermittelte es junge Muslime arabischer Herkunft als Haupttäter physischer Angriffe auf Juden sowie der Schändung und Zerstörung von Synagogen. Viele waren selbst Opfer von Rassismus und sozialer Ausgrenzung.“[3]

Die EUMC entschied sich den Bericht des ZfA nicht zu veröffentlichen. Es wurde behauptet, dass er nicht zur Veröffentlichung vorgesehen war. Das ZfA reagierte damit, dass die regelmäßige Erwähnung muslimischer Täter von Antisemitismus und antizionistischen Angriffen das war, was die EUMC verschreckte. Das ZfA machte zudem öffentlich, dass die EUMC wiederholt dazu gefordert hatte die Befunde zu ändern, was es abgelehnte.

Dieses Ausrangieren des Berichts und die Reaktion des ZfA führten zu einem Skandal. Der World Jewish Congress veröffentlichte schließlich den unveränderten ZfA-Bericht im Internet. Im April 2004 gab die EUMC eine ausführlichere Studie zu Antisemitismus aus, der weitgehend auf dem ZfA-Bericht gründete. Obwohl er länger war, erwähnte er kaum irgendwelche Täter, womit die vielen Fälle muslimischen und linken Antisemitismus versteckt wurden.[4]

2012 wurde von Israels Fernsehsender Kanal 10 eine vierteilige Sendung namens Allah-islam, die Verbreitung des Islam in Europa ausgestrahlt. Der israelische Journalist Zvi Yehezkeli gab sich in Europa als Palästinenser aus. Er filmte die muslimischen Ghettos in einer Reihe europäischer Länder. Die Sendung konzentrierte sich auf Gewalt, Drogen und Waffenbesitz sowie andere kriminelle Aktivitäten, die in Teilen der muslimischen Gemeinschaften vorkommen.

Yehezkeli erwähnte den religiösen Fanatismus, die Einschüchterung von Muslimen mit anderer Meinung, die Diskriminierung von Frauen und Ehrenmorde. Er widmete auch dem weit verbreiteten Antisemitismus in diesen Gemeinschaften Aufmerksamkeit. Die seltenen europäischen Fernsehsendungen, die solche Themen diskutierten, behandelten in der Regel ein paar wenige bestimmte Probleme mit Bezug auf muslimische Gemeinschaften in einem einzelnen Land.

Nachdem von Kanal 10 die gesamte Serie ausgestrahlt worden war, kam ein belgischer Journalist, um mich dazu zu interviewen. Meine erste Reaktion war, dass in den Jahren davor solche Dokumentationen von einer Vielzahl von Sendern in europäischen Ländern hätten erstellt werden sollen. Dann wäre es logisch gewesen, wenn Kanal 10 eine davon gekauft, hebräische Untertitel eingefügt und diese gesendet hätte. Ich vermerkte, dass es bezeichnend sei, dass Kanal 10, da es keine solchen Sendungen gab, keine andere Wahl gehabt hatte, als beträchtliche Geldsummen in die Produktion der eigenen Serie zu stecken.

Ich sagte auch, die Tatsache, dass von europäischen Sendern keine solchen Dokumentationen erstellt wurden, zeigte, dass viele problematische Fragen mit Teilen der muslimischen Gemeinschaften unter den Teppich gekehrt würden. Der Interviewer stimmte mir zu. Er fügte an, dass seinen Bossen wahrscheinlich nicht gefallen würde, was ich sagte. In der Tat brachten sie das Interview nicht.

artes ursprüngliche Entscheidung, die von den deutschen Produzenten Joachim Schröder und Sophie Hafner erstellte Dokumentation Auserwählt und ausgegrenzt: Der Hass auf Juden in Europa zu unterdrücken, setzt dieses Muster fort. Der öffentlich-rechtliche Sender WDR, über den arte die Dokumentation in Auftrag gegeben hatte, zögerte weiter sie zu senden.

Diesmal war das Ergebnis der Unterdrückung von Informationen zu Antisemitismus ein Rohrkrepierer. Die BILD stellte die Dokumentation 24 Stunden lang ins Internet. Hunderttausende sahen sie sich an diesem Tag an. Heute ist sie auf YouTube zu finden.[5] Danach revidierte der WDR seine Entscheidung und beschloss den Film auszustrahlen.[6]

All das wird wahrscheinlich der Anfang einer internationalen Karriere der Dokumentation sein. Das Simon Wiesenthal Center in Los Angeles hat bereits angekündigt, dass es den Film mit englischen Untertiteln in seinem Toleranz-Museum in Los Angeles zeigen will.[7]

[1] www.jcpa.org/phas/phas-26.htm

[2] Die Europäische Union, Antisemitismus und die Politik des Leugnens

[3] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/15697

[4] ebenda

[5] http://www.youtube.com/watch?v=I0ffyhZ2_TE

[6] http://www.lepoint.fr/societe/arte-diffusera-un-documentaire-sur-l-antisemitisme-initialement-refuse-20-06-2017-2136807_23.php

[7] http://www.huffingtonpost.com/entry/how-the-documentary-chosen-and-excluded-the-hate_us_5947bf51e4b0d188d028001b

„Funkhaus Wallraffplatz“, 09.03.2002

Am 9.3.02 wurde in der Sendung „Medien im Gespräch“ eingeladen, mit zwei Korrespondenten des WDR über die Berichterstattung aus dem Nahen Osten zu diskutieren. Ich bin zwar durch gekommen, wurde aber nicht zurück gerufen. Daher eine Hörer-Reaktion an den WDR:

Sehr geehrte Damen und Herren,

am heutigen Samstag luden Sie in Ihrer Sendung „Funkhaus Wallraffplatz“ zu einer Diskussion über die Berichterstattung aus dem Nahen Osten ein. Nachdem mich ein Freund auf den heutigen Inhalt Ihrer Sendung aufmerksam gemacht hat, habe ich sie eingeschaltet und mich auch bei Ihrer Aktions-Hotline gemeldet. Leider wurde ich nicht zurück gerufen. Deshalb hier eine ausführliche Stellungnahme zu den Dingen, die in dieser Sendung Thema waren und besprochen wurden.

Grundsätzlich halte ich Ihre Berichterstattung über Israel für absolut einseitig zugunsten der Palästinenser. Die Sendung hat das einmal mehr belegt. Die Auswahl Ihrer Gesprächspartner am Telefon spricht für sich – es handelte sich weitgehend um Menschen, die die von Ihnen verbreiteten Berichte und Positionen als gut oder zu wenig gegen Israel gerichtet ansehen. Die wenigen Stimmen, die sich kritischer in der anderen Richtung äußerten, sind sehr harmlos gewesen. Ich weiß von mindestens zwei Personen, die weitaus mehr dazu beigetragen hätten, die von Ihnen aber nicht zurück gerufen wurden. Warum? Haben die bei ihrem Anruf so gute Argumente gebracht, dass ihre Korrespondenten dem nicht hätten Stand halten können? Eine kritische Auseinandersetzung mit der Arbeit Ihres Senders war also nicht wirklich erwünscht.

Frappierend war der Inhalt der Gespräche. Es sollte ja wohl um die Berichterstattung aus dem Nahen Osten gehen. Ihre Korrespondenten haben ihre jeweilige einseitige Haltung klar zum Ausdruck gebracht, als sie die Palästinenser ausschließlich als das unterdrückte und seiner Rechte beraubte Volk darstellten. Von dieser Position gehen sie aus und das bestimmt ihre Berichterstattung. Sie waren wenigstens so ehrlich zuzugeben, dass eine „neutrale“ Berichterstattung nicht möglich ist. Aber sie behaupteten immer noch, ausgewogen zu berichten. Ich widerspreche dem.

Ihre Korrespondenten – wie auch die von Ihnen zugelassenen Hörer/Anrufer – haben sich praktisch ausschließlich mit israelischen „Verbrechen“ bzw. „Untaten“ befasst. Premierminister Sharon wurde massiv für die Zustände verantwortlich gemacht. Die Massaker der Falangisten von 1982 wurden wieder aufgeführt. Es wurde von israelischen Maßnahmen gegenüber der Presse geredet. Alles ausschließlich negativ bis auf die Tatsache, dass in Israel Pressefreiheit herrscht (dass das auf palästinensischer Seite anders aussieht, wurde nicht einmal angedeutet!). Abgesehen davon, dass die Widerrechtlichkeit der israelischen Maßnahmen gegenüber den Palästinensern nicht gegeben ist, gibt es gewichtige Gründe für das, was Israel in den letzten 35 Jahren getan hat – Gründe, die einer Überprüfung durchaus stand halten!

Aber diese Gründe wurden geflissentlich außen vor gelassen.

Ihre Korrespondenten behaupteten, es sei kaum noch möglich mehr zu tun als die Toten auf beiden Seiten zu zählen. Das spiegelt sich leider in Ihrer Berichterstattung generell. Nur: Es ist nicht wahr. Die Zusammenhänge, unter denen Menschen umkommen/getötet werden, können durchaus – auch in sehr kurzen Meldungen – dargestellt werden. Sie unterlassen dies aber.

Von Ihren Korrespondenten wurde – nicht nur in dieser Sendung – nicht ein einziges Wort dazu gesagt, welche Verantwortung die Palästinenser an der Situation tragen. Dem überkritischen Umgang mit Premierminister Sharon auf der einen Seite steht ein völliges Auslassen der Person Arafats und seiner Verbrechen gegenüber. Dass dieser Vater des Terrorismus sich in den letzten 40 Jahren nicht einen Millimeter auf Israel zu bewegt hat, es sei denn aus taktischem Kalkül, um eine bessere Ausgangsposition für den nächsten Schlag zu bekommen, findet bei Ihnen und den beiden Herren keinerlei Erwähnung. Dass Israel mit Kontrollen Attentaten vorbeugen MUSS, wird verschwiegen (statt dessen werden sie als Unterdrückungsmaßnahme gebrandmarkt). Dass die Nervosität der israelischen Soldaten an den „Grenzübergängen“ durch palästinensische Übergriffe ohne Ende verursacht und sicher gerechtfertigt ist, fällt unter den Tisch. So, wie Ihr Korrespondent sich ausdrückte, könnte man meinen, das liege an der Schießwütigkeit der Soldaten!

Sie zählten auf, dass Israel Verpflichtungen aus Verträgen nicht nachgekommen sei. Dabei plappern Sie die palästinensische Propaganda nach – merken Sie das überhaupt? -, die es inzwischen geschafft hat, dass die eigenen Verpflichtungen bezüglich dieser Verträge unter den Tisch fallen gelassen werden. Eine ausgewogene Berichterstattung – und ein ausgewogenes Gespräch in Ihrer Sendung – hätte das mit aufrollen müssen. Dazu waren Sie aber offensichtlich nicht bereit – weder ihre Korrespondenten noch die Personen, die die Anrufer durchgestellt haben.

Wo bleibt da Ihr Versuch der Ausgewogenheit? Er ist schlichtweg nicht vorhanden!

Es wurde von einem Hörer auch die Auswahl der Gesprächspartner in der Berichterstattung angesprochen. Dieser sprach sich dafür aus, dass mehr Menschen wie Uri Avneri zu Wort kommen sollten. Ihre Korrespondenten wiesen richtigerweise darauf hin, dass Herr Avneri nur einen marginalen Anteil der israelischen Bevölkerung repräsentiert und es auch andere Gesprächspartner in genügender Auswahl gibt. Was dabei verschwiegen wird: Ihre israelischen Gesprächspartner – zumindest, soweit sie ihre Positionen ausführlich darlegen können, ohne dass man mit aggressiver Nachfragetechnik ihre Darstellung massiv in Frage stellt – sind zum größten Teil aus dem gleichen politischen Lager und unterstützen vor allem die Palästinenser.
Meine kritische Äußerung über die Auswahl der Gesprächspartner zum „Jahrestag“ des Beginns der derzeitigen Terror-„Intifada“ wurde von der Redaktion des WDR2-Mittagsmagazins mit dem stolzen Hinweis darauf beantwortet, dass man israelische Experten wie Uri Avneri und Moshe Zimmermann regelmäßig zu Wort kommen lässt. Deren einseitige, pro-palästinensische Haltung wird von Ihnen gerne und regelmäßig verbreitet, also nicht – wie Ihre Korrespondenten andeuteten – ihrem Einfluss angemessen. Wirkliche Darstellung der Regierungsposition ist beim WDR unverhältnismäßig stark unterrepräsentiert.

Insgesamt ist Ihre Berichterstattung unverhältnismäßig einseitig, denn sie fokussiert sich auf das Problem des Unterdrückers Israel gegen die unterdrückten Palästinenser. Die ideologische Gleichschaltung der Palästinenser, ihre systematische Aufhetzung gegen Israel und gegen den Frieden durch Arafats Propagandamaschine (Printmedien, Radio, Fernsehen) und Bildungssystem wird unterschlagen und nicht berücksichtigt. Die arabische Strategie, dem Westen gegenüber Friedensaufrufe zu verkünden, den eigenen Leuten gegenüber aber zum Jihad aufzurufen und das „Märtyrertum“ der Selbstmord-Terroristen zu verherrlichen, scheint Ihnen völlig zu entgehen. Damit erweisen Sie dem journalistischen Berufsstand alles andere als Ehre.

Verlogenes Radiopack

Heute Morgen im Lokalradio wurde um 6.30 Uhr der Eindruck erweckt, Israel fliege die Angriffe gegen die Hamas im Gazastreifen als Rache für die Ermordung der drei israelischen Jugendlichen. Dazu bediente man sich der üblichen Vorgehensweise: „Nach dem Tod dreier israelischer Jugendlicher flog die israelische Luftwaffe…“

Der WDR ist da weniger indirekt, sondern lügt ganz offen. Dort hieß es in den Nachrichten um 7 Uhr ganz klar, dass das Vergeltungsangriffe für den Tod der drei Jungen seien.

Man fragt sich, wie das sein kann – heißt es doch in derselben Nachricht, dass das israelische Sicherheitskabinett am späten Abend tagte und noch keine Beschlüsse über Vergeltungsangriffe getroffen habe.

Widersprüchlich? Für den WDR wohl nicht, denn da ist die Sicht noch klarer als im Lokalradio. Die Juden sind die mit dem mittelalterlichen Verhalten. Basta.

Was von beiden Qualitätsmedien völlig außen vorgelassen wurde: Die Hamas und ihre Kumpane beschossen Israel seit zwei Wochen massiv mit Raketen, am Freitag brannte in Sderot deshalb eine getroffen Fabrik bis auf die Grundmauern ab und es war ein Wunder, dass es nur drei Leichtverletzte gab. Die Sprengsätze gegen israelische Patrouillen an Grenzzaun zum Gazastreifen blieben ebenfalls außen vor. Die Freudenfeiern zur Entführung und die positiven Äußerungen der Terrorgranden waren keiner Erwähnung wert.

Dass die Angriffe wenig mit dem Dreifachmord und alles mit dem allgemeinen, gerade sehr aktiven Terror der Terroristen zu tun haben – das darf die deutsche Qualittäsjournaille nicht bringen, denn dann wäre ja Israel nicht mehr er (einzig) Schuldige und könnte nicht so schön verdammend hingestellt werden!

Interessant? Ja, aber nur, weil die Juden es haben

Der WDR definierte heute Morgen Har Homa so: „eine Siedlung nördlich von Bethlehem“. Dass es sich um ein Stadtviertel von Jerusalem handelt – uninteressant. Dass es sich um ein Gebiet handelt, wo sich nie Araber niedergelassen haben – aber den Juden gefälligst abgesprochen wird. Eine Stelle, keinen interessiert hat – bis die Juden anfingen dort zu bauen.

Es handel sich um ein typisches Muster im Nahen Osten. Jeder Fleck Land wird völlig ignoriert, egal, wie „heilig“ oder sonstwie er eigentlich vielleicht unter Umständen interessant sein könnte. Das fing schon bei den ersten Juden an, die im 19. Jahrhundert aus Russland ankamen. Die kauften Land – zu völlig überhöhten Preisen. Land, das niemand wollte, das von allen Arabern als völlig unbrauchbar angesehen wurde. Sie machten das unbrauchbare Land urbar, verwandelten z.B. Sümpfe in Äcker. Heute heißt es, die Juden hätten den Arabern das Land genommen.

So ging es Jahrzehnte weiter. Juden kauften Land von Arabern – und mussten es unter Lebensgefahr in Besitz nehmen oder später, wenn es nicht mehr „unbrauchbar“ war, verteidigen. Es war interessant geworden, weil es auf einmal Wert bekam. Werte konnte man den Juden nicht genehmigen.

Die Juden haben niemandem Land weggenommen. Sie haben es rechtmäßig erworben. Sie haben sich dort niedergelassen, wo freies Land war. Land, das keinem Araber wert schien es zu besitzen, oder zu besiedeln. Öde.

Das war in der Mandatszeit so. Das war auch nach 1967 so. Und es war mit Har Homa so. Eine Müllkippe, bestenfalls. Nichts, das irgendjemandem irgendwie der Rede wert gewesen wäre. Bis die Stadt Jerusalem dort Häuser bauen wollte. Seitdem gibt es ein Geheule und Gezetere. Aber erst seitdem.

Wie üblich, selbst mit den „heiligen“ Orten der Araber. Wie war es mit dem Felsendom, bis Juden nach „Palästina“ einwanderten? Er verfiel, sah abgewrackt aus und eine Moschee irgendwo, wo niemand hin wollte (die Juden stellten zwei Drittel der Bevölkerung Jerusalems, die arabische Christen gab es immer noch doppelt so viele wie Muslime). Erst in den 1920-er Jahren wurde die Kuppel des Felsendoms renoviert – nachdem Juden im Mandatsgebiet für steigenden Wohlstand in der Normalbevölkerung sorgten und der Mufti von Jerusalem Stimmung gegen die Juden schürte, islamisch-antisemitische Hetze betrieb und Geld sammelte, um alte Herrlichkeit wieder herzustellen.

Der saudische König klagte nach dem Sechs-Tage-Krieg, er könne nicht mehr in der Al Aksa-Moschee beten – ohne das bis dahin jemals getan zu haben. Jerusalem war uninteressant, der Tempelberg mit den Moscheen war völlig uninteressant, so lange die Juden nicht die Hand drauf hatten. Auf einmal aber wird der Ort interessant und fehlender Zugang beklagt; das allerdings ohne je ausprobiert zu haben, ob die Israelis ihn wirklich nicht dort hin lassen würden.

Das Muster lässt ich beliebig fortsetzen. So lange die Juden nichts damit zu tun hatten, war jeder leere Platz im Land Israel (Mandatsgebiet Palästina) uninteressant, keiner kümmerte sich darum. Bis Juden sich darum kümmerten. Auf einmal ist dieses Fleckchen Land das wichtigste des Universums. Die Juden haben es „gestohlen“, Araber vertrieben, ihnen Rechte genommen. Und so kam ein US-Präsident mit Vorliebe für weibliche Lippen in seinen unteren Körperregionen dazu zu behaupten, die Israelis hätten geglaubt in ein leeres Land zu kommen, dann aber eine einheimische Bevölkerung vorgefunden, der sie nichts hätten wegnehmen dürfen. Und weil Billy Boy das sagte, gilt es heute als unverrückbar wahr. Die Lüge hat ihren offiziellen Segen der Welt erhalten. Und vor diesem Hintergrund wird dann auch ein Stadtteil von Jerusalem zu einer „Siedlung nördlich von Bethlehem“, statt einer ehemaligen „Müllhalde“, die von niemandem benutzt wurde.

Overstatement der Woche

Es muss nicht immer subtil sein, auch wenn eben das durch die Fotos und die Bildunterschriften gleichzeitig geschieht. Aber die Deutsche Welle braucht’s dazu auch etwas gröber: Israel fliegt Luftangriffe titeln sie am Donnerstag, 17.05.2007.

Das ist die Überschrift für einen Artikel, der nebenher erzählt, wer die meisten palästinensischen Toten verursacht hat: Die Palästinenser. Aber das ist nicht weiter wichtig. Wichtig ist, dass Israel bombt. Staatsterrorismus, der dem Waffenstillstand entgegen steht, wie gleich der fett gedruckte Unterüberschrifts-Absatz vermittelt:

Eigentlich hatten Israel und die Palästinenser eine Waffenruhe vereinbart. Doch jetzt fühlt sich Ministerpräsident Olmert provoziert. Die internen Kämpfe zwischen rivalisierender Hamas und Fatah dauern an.

Man führe sich zu Gemüte: Seit Tagen schlachten sich die Terrorgruppen gegenseitig ab – und „Ministerpräsident Olmert fühlt sich provoziert“. Von den internen Kämpfen, muss man bei dieser Darstellung annehmen. Dazu das Bildchen von qualmenden Häusern mit der Beschriftung „Keiner hält sich an die Waffenruhe“. Aktiv schießend: Israel. Die Terroristen haben nur „interne Kämpfe“ – kein Wort vom Morden.

Der nächste Absatz geht weiter ausführlich auf israelische Bomben ein. Es wird schön genau geschildert, was die Luftwaffe verschießt und welche Wirkung das hat („mindestens 15 Verletzte“, „sechs Hamas-Mitglieder getötet“). Und dann ein kleiner Nachsatz, dass „bei Kämpfen“ „seit Mittwoch mindestens 23 Menschen ums Leben“ kamen. Fällt dem geneigten Leser etwas auf? Von Israel wird aktiv getötet und verletzt; Palästinenser töten keine Palästinenser, sondern da kommen sie ums Leben, passiv und ohne jedes echte Zutun…

In den nächsten beiden Absätzen wird zwar einiges von den internen Kämpfen der Palästinenser beschrieben. Aber danach kommt wieder die ausführliche Schilderung israelischen Tuns: „Vergeltungsmaßnahmen“, gleich zwei Stück, eine Mittwoch, eine Donnerstag. Die dazu gelieferten Zahlen und Angaben über den Raketenbeschuss zeigen die relative Harmlosigkeit und damit die Überreaktion der Israelis. Zehn Raketen sollen es gewesen sein, die ein bisschen Sachschaden an einer leeren Schule anrichteten – im Konjunktiv formuliert, damit die Zweifelhaftigkeit der Angaben auch unterstrichen wird. Die DW-Zahlen sind allerdings mehr als untertrieben. Alleine Dienstag und Mittwoch waren es mindestens 25 Qassams, die für mindestens 21 Verletzte in Israel sorgten. Letztere erwähnt die Deutsche Welle nicht einmal, warum? 15 durch eine israelische Militäraktion verletzte Palästinenser sind der Erwähnung wert, 21 von Qassams verletzte Israels nicht. Der Leser des Beitrags muss meinen, dass die „Vergeltung“ Israels absolut ungerechtfertigt ist. Schließlich ist doch nicht wirklich etwas passiert!

Gewürzt wird das Ganze dann mit Fotos – dem ersten mit den qualmenden palästinensischen Häusern, einem Maskierten mit AK-47 („Erneute Machtkämpfe zwischen Hamas und Fatah“), eine schreiende Frau, die geborgen wird („Folgen einer ‚kleinen Einsatztruppe’ Israels – wieso wirkt der eine Helfer, als hätte er einen Kippa auf dem Kopf?), ein Mann, der die Arme gegen eine Wand lehnt und den Kopf darauf stützt („Bilanz: 50 Tote seit dem Wochenende“).

Über die Platzierung der Bilder darf der Leser die Hauptschuld der Toten Israel zuschreiben, auch wenn der Text das inhaltlich nicht direkt wieder gibt. Das Ausmaß der Beschreibungen des Handelns Israel, das nicht vorhandene Beschreiben der Kämpfe der Terroristen untereinander, die Platzierung des „Kleine Einsatztruppe“-Bildes reichen deutlich, um den gewünschten Effekt zu erzeugen. Dazu hätte es noch nicht einmal des fehl leitenden Anfangs des Berichts bedurft.

Bravo, Deutsche Welle. Ein Bravour- und Lehrstück deutscher Medientätigkeit gegen Israel ist hervorragend gelungen!

Nur, dass man nicht meint, andere Publikationen wären sonderlich besser:

  • Netzzeitung: Gewalt in Nahost eskaliert: Israel fliegt wieder Luftangriffe
  • 20Minuten: Israel schlägt zurück

Es geht auch anders, jedenfalls den Überschriften nach:

Nachtrag: Der WDR fährt eine Art „wenn schon nicht Israel alleine, dann sind beide Seiten gleich Schuld“-Berichterstattung: In den 12 Uhr-Nachrichten vom 18.05. auf WDR2 „schaukelt sich die Gewalt im Gazastreifen weiter hoch“ – weil die Israelis Panzer in den Streifen schicken und die Palästinenser deswegen schießen. Die Aktion der Israelis ist nach Angaben des WDR eine Reaktion auf einen palästinensischen Beschuss Israel in der letzten Nacht – als hätte es die „Schüsse“ der ganzen Woche nicht gegeben. Israel reagiert nur auf ein einzelnes Ereignis – also völlig über – und nicht auf eine lange Kette von Terror. Gut, dass wir wissen, dass die Palästinenser nicht anders können, die Israelis aber wohl. Dank der neutralen Berichterstattung des WDR.

Einen weiteren „Leckerbissen“ – diesmal vom ZDF – hat Weapons of Modern Democracy parat. Da wird Sderot zu einer „israelischen Siedlung“, Selbstverteidigung wird zu „Vergeltung“ und über die „anhaltende Gewalt“ berichtet man so erst, wenn Israel zu den Waffen greift. Das Ganze aber nur über die Fernsehschirme, nicht auf der Internetseite. Methode?

Update, 21.05.07: Dass man von der Linksaußenpresse nichts Brauchbares erwarten kann war klar. Man könnte höchstens noch fragen, ob die taz (PI berichtet darüber) den Ton vorgibt oder sich in diesem Fall nur an die MSM angehängt hat.