Politisch korrekt berichtet

„Die israelische Armee hat erneut Ziele im Gazastreifen angegriffen. Dabei wurden 14 Palästinenser getötet. Weitere 20 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben von Palästinensern waren unter den Opfern auch Kinder [Zahl angeführt, ich erinnere mich leider nicht an sie]. Ein Angriff galt offenbar dem Flüchtlingslager Jebaliyah. Auslöser war der Tod eines Israelis durch einen Raketenangriff am Mittwoch.“

So der WDR2 am Ende seiner 10-Uhr-Nachrichten.

In den 11-Uhr-Nachrichten wird ausführlicher berichtet, mit Augenmerk ausschließlich auf palästinensischen Opfern, vor allem den Zivilen (obwohl von den 20 berichteten Toten auch einige als „Kämpfer“ der – nicht so genannten – Terrorgruppen genannt wurden). „Ein Vater und seine Kinder“ ist eine Aussage, die betroffen macht/machen soll. Dafür fallen die Terror-Raketen jetzt endgültig unter den Tisch.

Was lernt der Hörer daraus? Zuallerst einmal, dass es Israel ist, das angreift und mordet. Und zwar massenhaft und Unschuldige. Und dass die Israelis/Juden es nicht bei einem Gegenschlag sein lassen, sondern schon drei Tage lang weiter machen – was ganz klar ein Fall von völliger Unverhältnismäßigkeit und „biblischer“ Rachsucht ist.

Was lernt der Hörer nicht?
– dass die Angriffe Terroristen gelten.
– dass die Terroristen sich menschliche Schutzschilde halten, die sich an den Abschusgeräten aufhalten.
– dass die Terroristen im Februar 289 Qassams und Katjuschas aus dem Gazastreifen nach Israel geschossen haben, davon alleine 113 in der letzten Woche (24.-29.02., Samstag noch nicht mitgezählt) – von den weitaus mehr Mörsergranaten ganz zu schweigen.
– dass das ausdrückliche Ziel dieser Raketen ist, israelische Zivilisten zu treffen, zu töten und israelisches Eigentum zu zerstören.
– dass es nicht nur einen Toten gab, sondern auch jede Menge z.T. schwer Verletzte.

Zu berichten, dass jetzt sogar ein UN-Beauftragter die Raketen auf Sderot als Terror gegen die Zivilbevölkerung Israels bezeichnete, geht endgültig über den Horizont des WDR hinaus. (Gut, das muss man nicht gelesen haben, da der Bericht ansonsten nur die üblichen antiisraelischen Parolen enthält; da kann man das vielleicht auch leicht übersehen). Danke, WDR, das ist Berichterstattung vom Feinsten! Die Terroristen sind die Opfer, die Dauerbombardierten die Täter. Hervorragend!

Die tagesschau (18.50 Uhr) will offenbar mithalten. „Nach Militärangaben“ wurden 45 Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt. Äh – welches Militär? Die Terroristen haben keins und die Israelis haben bisher wohl kaum so genau gezählt, oder? Oder vielleicht doch? Bei IsraelNationalNews.com haben sie eine recht detaillierte Auflistung, wer da wo getroffen wurde. Aber Ungenauigkeiten sind ja das Salz in der Suppe des Israel-Bashing.

Ebenfalls keine Erwähnung in den deutschen Medien habe ich von der Festnahme der verhinderten 17-jährigen Selbstmord-Bomberin in Jerusalem gefunden

Ach ja, der SPIEGEL darf auch nicht fehlen. Die putzige Ulrike hat ausschließlich die palästinensische Opferseite im Blick, bei der Seitenhiebe gegen Israel nicht fehlen dürfen, durch Auslassungen:
– wie ist es möglich, dass zwei sich im Haus aufhaltende Jugendliche durch Schusswechsel bei Kampfhandlungen getötet werden?
– die meisten „Kinder“ (Jugendlichen) sind bei Qassam-Aschussanlagen oder bei Raketentransport getötet worden;
– der massive Raketenbeschuss fehlt (lediglich eine putzige Erwähnung von „Raketenangriffen“, keinerlei Spezifizierung);
– Opfer der Raketen auf israelischer Seite sind uninteressant.

Dafür geben die Schlagzeilen anderer Meldungen weiter den Ton an:
Israelische Armee tötet Dutzende Palästinenser;
Palästinenser werfen Israel „verrückten Krieg“ vor (ausgerechnet die Terroristen, die in den letzten Wochen immer mehr Raketen auf Israel schossen – was ist verrückter?).

Gerade der letztgenannte Bericht geht gleich in die Vollen – die Eskalation wird auf Israel geschoben (wenn man den Eingangsabsatz nicht mehrfach liest). Da wäre eine Bewertung der Haniye-Äußerung nicht schlecht, die dem SPIEGEL fehlt: Gezielte Tötungen von Führern des „Widerstandes“ sowie Kindern würden die Palästinenser weder einschüchtern noch vom Dschihad (heiliger Krieg) bis zum Sieg abbringen, sagte Hanija in Gaza.

Wenn sie sich durch die israelischen Maßnahmen „nicht davon abbringen“ lassen, dann haben sie dieses Ziel (egal, was alle sonst behauptet wird) und wollen es auch ohne militärisches Vorgehen Israels nicht aufgeben – was eigentlich nur heißen kann, dass Israel wohl alle beseitigen muss, die dieses Ziel vertreten. Bis nur noch Leute übrig sind, die der Hamas dann doch nicht mehr folgen (was ja nach Angaben der Terror-Versteher die Mehrheit sein soll).

Der „verrückte Krieg“ hat dann nach SPON-Angaben auch erst am Mittwoch begonnen; seitdem sind 120 Raketen nach Israel abgeschossen worden. Ah ja. Wie wär’s, wenn mal der gesamte Februar mit seinem Raketen- und Mörserregen betrachtet würde? Oder wenigstens die ganze letzte Woche (immerhin 289 Raketen!)? Aber irgendwie müssen die Terroristen-Taten heruntergeschrieben und Israels Handeln zum Bösen umgedeutet werden.

Hach, was haben wir tolle Medien! Die sind ja soooooo objektiv! Und berichten immer nur neutral…

Was allerdings beim SPON besser ist, als man erwartet: Er schreibt sehr deutlich, welchen Propaganda-Blödsinn die Terroristen jetzt wieder versuchen, indem sie dem stellvertretenden Verteidigungsminister unterstellen, er wolle einen Holocaust an den Gaza-PalArabern verüben: Vilnai sagte dem israelischen Armeerundfunk, dass die fundamental-islamistische Hamas-Organisation mit ihren Raketenangriffen den Palästinensern im Gaza-Streifen eine große Katastrophe bringen werde. Auf Hebräisch benutzte er dabei das Wort „Shoah“ – aber ohne den bestimmten Artikel, was übersetzt eben „Katastrophe, Untergang, Desaster“ bedeutet. Mit bestimmtem Artikel meint es „die Shoah“, also den Holocaust. Zunächst hatten mehrere Agenturen vom Holocaust gesprochen. Von „Holocaust“-Absichten kann also keine Rede sein. (Was die Wortwahl des Politikers nicht gut heißen soll; er hätte andere Vokabeln zur Verfügung gehabt.)

Weitere lesenswerte Bemerkungen zur Berichterstattung über die Ereignisse im und am Gazastreifen (und was in unseren Medien so eklatant fehlt):
Zusatzinformationen (Lila, Letters from Runghold)
Kurze Presseschau (Lila, Letters from Runghold)
Nur zur Erinnerung (Lila, Letters from Runghold)
Eine Schande (Lila, Letters from Rungstet)
Wenn mal wieder von einem Massaker die Rede ist (Ruth, Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus)
Internationale Reaktionen auf die Kämpfe im Gazastreifen (Ruth, Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus)
Hamas kills PalArab baby with its own rocked (Elder of Ziyon)
Wie, die Juden wehren sich? (Rowlf the Dog, Spirit of Entebbe, zum SPIELGEL online)
und besonders zur putzigen Ulrike:
Die Libido der „Israelkritiker“ (Lizas Welt)
Putz‘ Welt (tw_24)

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„Vermuten“, „mehrfach“

WDR2 Radionachrichten um 12.30 Uhr: „Israel greift weiterhin Ziele im Gazastreifen an, hinter denen sie Mitglieder der Führung der Hamas vermuten. Hintergrund ist, dass Palästinenser Israel mehrfach mit Raketen beschossen haben.“

Man sieht wieder: Die Israelis haben nichts Konkretes in der Hand, mit dem sie ihr Tun begründen könnten. Sie vermuten nur. Sie reagieren über – das bisschen „mehrfacher“ Beschuss ist doch nun völlig unerheblich! (hier der aktuelle „Qassam-Kalender“ für Mai!)

Die fortgesetzte, ständige antisemitische Hetze, der feste Wille Israel zu vernichten, die anhaltenden Versuche des Massenmordes an Juden – alles nicht wichtig? Spielt jedenfalls in der Bewertung (statt nüchternen Reportage) des WDR keine Rolle. Israel agiert (mit Angriffen), die Palästinenser machen nichts wirklich Schlimmes. Verteilung von Schuld und Opferrollen sind vorgegeben.