Darwinismus, Judentum und der Zusammenprall von Naturwissenschaften und Religion

Melanie Phillips, 6. September 2019 (Jewish News Syndicate)

David Gelernter, Professor für Computerwissenschaften an der Yale University, hat seine bisherige Überzeugung von der Darwinschen Evolution aufgegeben.

Er schrieb, er sei betrübt „eine brillante und wunderschöne wissenschaftliche Theorie“ aufzugeben, sagte aber, er sei zu dem Schluss gekommen, dass sie das große Ganze nicht erklären könne – nicht das Feintuning bestehender Arten, sondern die Entstehung von neuen.

Ob dieses Argument stichhaltig ist oder nicht, soll ein anderes Mal diskutiert werden. Der Punkt hier ist, dass das von niemandem gesagt werden darf, der nicht bereit ist beruflichen und sozialen Selbstmord zu begehen.

Der Darwinismus, sagte Gelernter, habe die wissenschaftliche Argumentation hinter sich gelassen. Obwohl seine Kollegen in Yale höflich und kollegial mit ihm umgingen, hätten Leute ihr Leben in die eigene Hand genommen, um die darwinistische Evolution infrage zu stellen.

„Sie werden dich vernichten, wenn du sie anzweifelst“, sagte er. Es gab nichts, was in die Nähe von freier Meinungsäußerung kommt, wenn es um dieses Thema geht. „Das ist eine Art bittere, fundamentale, wütende, empörte, gewalttätige Reaktion, die einer wissenschaftlichen oder intellektuellen Diskussion nicht einmal ähnelt.“

Gelernters Schlüsse zum Darwinismus sind hauptsächlich aus seiner Analyse der statistischen Wahrscheinlichkeit der Evolution neuer Arten hergeleitet. Jedoch wird jeder, der den Darwinismus bezweifelt, sofort als „anti-wissenschaftlich“ etikettiert und beschuldigt ein religiöser Fanatiker zu sein.

Tatsächlich gehörte zur Gegenreaktion auf Gelernters Abfall die Feststellung, dass er religiöser Jude ist. Offenbar kann der einzige Grund, dass er zu seiner „leugnerischen“ Schlussfolgerung kam – heißt es auf einer pro-evolutionistischen Internetseite – sein, dass er die Wissenschaften durch eine „alttestamentliche Brille“ betrachtet.

In Wirklichkeit hat eine Überzeugung, die nicht angetastet werden darf, die Charakteristika eines religiösen Glaubens. Das ist der Grund, dass Gelernter den Darwinismus als Religion bezeichnet.

Es gibt jede Menge anderer unsagbarer Dinge in unserer von der Gedankenpolizei kontrollierten Gesellschaft. Menschgemachte Klimaerwärmung wird zum Beispiel als jenseits von Infragestellung betrachtet, weil von den Wissenschaften gesagt wird, dass das „entschieden“ ist. Das ist faktisch antiwissenschaftliches Dogma, denn in den Wissenschaften ist nichts jemals „entschieden“, das immer offen dafür ist neu hinterfragt zu werden.

Wie kommt dann unser wissenschaftliches Zeitalter dazu antiwissenschaftliche Ideen zu propagieren, die religiöser Doktrin gleichkommen und diese als Wissenschaft bezeichnet?

Unser Zeitalter hat sich angeblich der Förderung individueller Freiheit, Toleranz und dem Ende von Vorurteilen verschrieben. Warum werden dann so viele Ansichten zum Schweigen gebracht? Warum ist Diskussion so weithin durch hasserfülltes Beleidigen ersetzt worden? Und wie kommt es, dass dies von einer Welle des Antisemitismus begleitet worden ist, oft bei genau denselben Subskribenten der liberalen, antirassistischen „Woke“-Agenda[1]?

Es könnte hier eine Verbindung geben, die allgemein übersehen wird. Und die involviert die Juden.

Im Kern all dieses moralischen und intellektuellen Durcheinanders liegt ein Angriff auf die Kernprinzipien der westlichen Zivilisation auf der Grundlage, dass diese von Haus aus ausschließend, von Vorurteil befallen und unterdrückerisch seien.

Der Grund dafür lautet, sie sei in biblischen Werten verwurzelt, die für grausam, verdunkelnd und schädlich für die Vernunft, die Aufklärung und die Großzügigkeit des Geistes gehalten werden.

Im Gegensatz dazu wird von der säkularen Agenda geglaubt, sie stehe für alles Gute, das man mit der Moderne verbindet: Freundlichkeit, Rationalität und Fortschritt.

Der Westen sagt sich selbst, dass die Moderne einer Ablehnung der Religion in der Aufklärung des 18. Jahrhunderts entsprang.

Fakt ist, wie ein neues Buch aufzeigt, dass das Christentum im Kern des zeitgenössischen westlichen Denkens verbleibt, selbst bei denen, die es verachten. „Dominion“, geschrieben vom britischen Historiker Tom Holland, ist eine meisterhafte Analyse der Art, wie christliche Werte den Westen geformt haben und das immer noch an den unwahrscheinlichsten Stellen tun.

Sein Buch ist nicht nur ein faszinierender Bericht der außergewöhnlichen Reichweite und Beharrlichkeit des Christentums, das sich über Generationen und Gesellschaften hinweg entwickelt und angepasst hat. Er argumentiert zudem, dass christliche Werte, die manchmal zu Sklaverei, Imperium und Krieg geführt haben, trotzdem im Kern dessen liegen, was den Westen zivilisiert und gut macht.

Das hat Leute aufgeschreckt, für die es unumstößlich ist, dass nur der Säkularismus Gutes produziert, während Religion nur Schlechts schafft. Aber Holland stellt heraus, dass sogar Angriffe säkularer Liberaler auf christliches Denken von den christlichen Werten der Toleranz und Fairness motiviert sind.

Natürlich gibt auch einen Elefanten in diesem besonderen Raum. Denn obwohl diese westlichen Kernprinzipien vom Christentum eingeführt und verbreitet wurden, liegt ihre Herkunft in der hebräischen Bibel.

Holland schenkt den jüdischen Grundlagen des Christentums gebührende Beachtung, ebenso der furchtbaren Art, wie das Christentum sich in der Vergangenheit gegenüber den Juden verhalten hat.

Was aber so viele übersehen: Die moralischen Prinzipien, die vermeintlich vom Christentum erfunden wurden – z.B. Mitgefühl, Fairness, für die Armen sorgen oder andere an die erste Stelle setzen – sind der Welt allesamt von der hebräischen Bibel vorgestellt worden.

Es ist der mosaische Kodex des Judentums, der dem Westen sein Gewissen und die Wurzeln seiner Zivilisation gab, indem er dem selbstsüchtigen Appetit der Menschen Ketten anlegte. Und es fällt auf: Jede zeitgenössische Ideologie, die darauf abzielt den Westen zu untergraben oder umzuformen, gründet auf Gegnerschaft zu jüdischen religiösen Überzeugungen, jüdischem Moralkodex oder dem jüdischen Heimatland in Israel.

Tiefgrünes Umweltbewusstsein zum Beispiel will die Menschen von ihrem Sockel aus der Genesis stoßen, dass er die Krone der Schöpfung ist; die Wahl sexueller Lebensstile negiert die moralischen Codizes des Judentums; wissenschaftlicher Materialismus verwirft den Glauben an den göttlichen Schöpfer der Welt; der Antizionismus bestreitet das Recht der Juden auf ihr eigenes Heimatland; und linkem Universalismus ist es angeboren das Judentum anzugehen, das mit einem sturen und einzigartigen Überzeugungssatz immer einer jeden Universalisierungsideologie im Weg stand.

Ein großer Teil des säkularen Ansturms geht auf die zentrale Idee der Aufklärung einer Welt zurück, die auf Vernunft gründet, von denen besonders französische Denker der Aufklärung meinten, sie stünde in Gegnerschaft zu Religion.

Aber das westliche Konzept der Vernunft kommt in Wirklichkeit aus der hebräischen Bibel. Vorstellungen wie ein geordnetes und rationales Universum, das gemäß einem linearen Konzepts strukturiert ist, waren revolutionäre Konzepte, die im ersten Buch Mose eingeführt wurden.

Diese Ideen waren grundlegend für die Entwicklung der westlichen Wissenschaften. Frühe Wissenschaftler glaubten, dass Naturgesetze notwendigerweise einen Gesetzgeber voraussetzen. So sagte Galileo Galilei: „Die Gesetze der Natur sind von der Hand Gottes in der Sprache der Mathematik geschrieben.“

Die Gegnerschaft von Religion und Wissenschaften, die säkulare Liberale als fundamental annehmen, ist dem Judentum sogar fremd. Da so viel aus der hebräischen Bibel im Verlauf der Jahrhunderte als Allegorie oder Metapher interpretiert worden ist, hat das Judentum Wissenschaften nicht als Bedrohung betrachtet.

Der jüdische Weise Maimonides im 12. Jahrhundert war das große Beispiel der Überzeugung, dass Wissenschaften und Religion einander ergänzen. Er schrieb, dass der Konflikt zwischen Wissenschaft und Bibel entweder einem Mangel an wissenschaftlichem Wissen oder einem fehlerhaften Verständnis der Bibel entstammt.

Ohne die hebräische Bibel hätte es keine westliche Rationalität oder Prinzipien wie Gerechtigkeit und Mitgefühl gegeben. Aber der Säkularismus behauptet, dass die Regel der Vernunft, getrennt von biblischer Religion, Schlechtes wie Vorurteil oder Krieg aus der Welt und dem menschlichen Herzen verbannen werde.

Unmöglicher Utopismus wie dieser führt unweigerlich zu Unterdrückung. Das erwies sich beim apokalyptischen Christentum des Mittelalters so, bei der französischen Revolution, dem Kommunismus und dem Faschismus; und so erweist es sich heute beim kulturellen Totalitarismus der Linken.

Wie alle Utopisten glaubt die Linke, ihre Ideen seien unangreifbar, weil sie angeblich für die Tugend selbst stehen. Alle, die gegen sie sind, liegen daher nicht nur falsch, sondern sind auch böse. Also müssen Häretiker wie Gelernter ausgemerzt werden, weil keiner Herausforderung des Säkularismus jemals Pardon gegeben werden darf.

Was säkulare Liberale nicht begreifen: Angriffe auf die jüdischen Konzepte im Kern des christlichen Westens sind nicht nur einfach eine Zurückweisung ihrer angeblichen Ideale der Toleranz und Rationalität, sondern sägen den Ast ab, auf dem sie selbst sitzen.

[1] „woke“ = wach, politisch bewusst (insbes. bzgl. linker Themen, diesen sehr positiv gegenüber eingestellt)

Pierres neuer Freund – der Großimam der Al-Aqsa-Moschee

Pierre Rehov, Facebook, 14. Februar 2017

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Der Großimam der Al-Aqsa-Moschee wurde gefragt: „Wie kannst du wissen, dass Jerusalem der Ort ist, an dem die Al-Aqsa-Moschee gebaut werden sollte.“ Er antwortete: „Als der Prophet Mohammed zur ersten Moschee gefragt wurde, sagte er, dass die erste Moschee die Heilige Moschee in Mekka ist und die zweite in der Welt gebaute, war die Al-Aqsa-Moschee. Das ist, was der Prophet uns als Beweis gegeben hat. Und dass vierzig Jahre zwischen ihnen liegen. Das bedeutet, dass derjenige, der die Heilige Moschee baute, ADAM ist und der eine, der die Al-Aqsa-Moschee baute entweder ADAM oder sein Sohn ist…“

Das habe ich nicht erfunden. Das ist die genau Übersetzung von seinem Auftritt auf Arabisch auf ITV auf. Noch viel mehr von diesem Quatsch können Sie in „Unveiling the Tempel Mount“ (Entschleierung des Tempelbergs) sehen, der Dokumentation, die zu drehen ich die Ehre hatte (Danke für eure großzügigen Spenden! Übrigens, weitere Spenden sind weiterhin willkommen.)

Wissenschaften nach Madrassa-Art

Elder of Ziyon, 18. November 2008

Aus der „The National” der Vereinigten Arabischen Emirate:

Mitte der 1980-er Jahre reiste der Cousin meines Vaters, ein bekannter Notar, zu Madrassen (Religionsschulen) entlang der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan, die zu enormen Teilen von der saudischen Regierung finanziert werden. Diese Schulen waren Stützen des Jihad, denn sie lehrten die Kinder der afghanischen Flüchtlinge und produzierten am laufenden Band tausende von Kämpfern.

Mein Cousin beobachtete, dass Lehrer, die Geschichte oder grundlegende wissenschaftliche Konzepte lehrten – zum Beispiel, dass die Erde um die Sonne kreist – gefeuert und durch Mullahs ersetzt wurden, die nur ein paar Verse des Koran kannten; und die „Bedeutung“ des Tötens von Ungläubigen.

Die Ignoranz dieser Männer wurde durch eine besonders dumme Frage hervorgehoben, die meinem Cousin von einem Mullah gestellt wurde: „Wie kann jemand die Entfernung zwischen der Erde und der Sonne kennen? Niemand hat ein Lineal gemacht, das dafür lang genug wäre.“

Das Zeitalter der Unvernunft

Vorbemerkung:
Innerhalb des heutigen Westens (dem außerhalb der islamischen Parallel- und Nichtparallel-Gesellschaften) werden „Glaubenskriege“ im Namen der Wissenschaft ausgetragen. Das bedeutet allerdings, dass vor allem Wissenschaftler gegen jeden toben, der sich als an einen Gott (den jüdischen/christlichen, Allah) glauben. Als Begründung wird angegeben, dass Wissenschaft per Definition unreligiös ist, Göttliches jeglicher Art darin nichts zu suchen hat und Glaube schlicht unwissenschaftlich ist sowie dazu führt, dass wissenschaftliche Arbeit nicht möglich ist.
Abgesehen davon, dass sich unsere Wissenschaften von heute von einigen der entscheidenden Erkenntnisse trennen müssten, weil die Leute, die diese Dinge heraus gefunden haben, tief gläubige Christen waren (Isaac Newton zum Beispiel) und ihre Arbeit also als unwissenschaftlich gewertet werden müsste, verträgt sich diese Kampfbehauptung atheistischer Wissenschaftler nicht mit ihrem Anspruch der Wissenschaftlichkeit. Melanie Philipps hat das hervorragend herausgearbeitet:

Melanie Philipps, Daily Mail, 6. August 2007

Unser meist gefeierter Atheist, der Biologe Prof. Richard Dawkins, hat kürzlich seine Aufmerksamkeit vom Einschlagen auf Menschen, die an Gott glauben, abgewendet. Statt dessen ist er drauf und dran auf Menschen einzuprügeln, die sich „New Age“-Therapien verschreiben, von denen er sagt, dass sie auf „irrationalem Aberglauben“ gründen.

In einer Fernsehsendung, die im Verlauf dieses Monats ausgestrahlt werden soll, betrachtet Dawkins eine Reihe absurder Therapien und Gurus, darunter Glaubensheiler, psychische Medien, „Engel-Therapeuten“, „Aura-Fotografen“, Astrologen und andere. Es überrascht nicht, dass ihn solch weit verbreiteter Irrationalität entsetzt, ganz zu schweigen von der das ausnutzenden Industrie, die die Menschen schröpft, während sie sie ermutigt vor der Wirklichkeit davon zu laufen.

Er hat Recht alarmiert zu sein. Was früher in den Bereich der Kurpfuscher und Scharlatane gehörte, ist zum Mainstream geworden. Der NHS [der nationale Gesundheitsdienst in Großbritannien] finanziert Schamanen, während der „NHS-Direktor für Alternative und Ergänzende Medizin“ wirbt für „Wünschelrutengänger“, „Blumentherapeuten“ und „Kristall-Heiler“.

Solche Therapien sind nicht einmal die Hälfte des Ganzen. Millionen von uns sind nur allzu bereit zu glauben, dass die Welt von Verschwörungen und verdeckten Kräften kontrolliert ist, für die es nicht eine Spur von Beweisen gibt, weil solche Theorien schlicht verrückt sind.

So treiben Artikel in der Presse und Fernseh-Dokumentationen den Glauben an, dass die Anschläge auf Amerika vom 11. September von der US-Regierung selbst aufgezogen wurde. Gleichermaßen glauben Tausende, dass Prinzessin Diana durch eine Verschwörung des Duke of Edinburgh, Prinz Charles und das MI5 ermordet wurde.

Der ehemalige TV-Sportreporters David Icke, der verkündete, dass er „der Sohn Gottes“ ist, argumentiert in Bestseller-Büchern, dass Großbritannien von Flutwellen und Erdbeben vernichtet werden wird und dass die Welt von einer geheimen Gruppe namens „Globale Elite“ oder „Illuminati“ beherrscht wird, die für den Holocaust, den Bombenanschlag von Oklahoma City und den 11. September verantwortlich war.

Diese Trends sind nicht nur einfach bescheuert, sondern unheimlich. Tausende von Kulten kombinieren jetzt ähnlich verrückten Glauben mit Programmen zur Kontrolle des Denkens und Verhaltens der Menschen. Zu ihren Techniken gehören Entzug von Essen und Schlaf; die Herbeiführung von Trancezuständen durch Hypnose und ausgedehntes rhythmisches Skandieren; und „Bombardement mit Liebe“, bei dem Mitglieder des Kultes von an Bedingungen geknüpfter Liebe bombardiert werden, die immer dann entzogen wird, wenn eine Abweichung von den Diktaten des Führers vorliegt.

In der Tat verstörend. Aber Dawkins rennt mit seiner Annahme in die falsche Richtung, dass all das genauso irrational ist wie der Glaube an Gott. Die Wahrheit ist, das es der Zusammenbruch des religiösen Glaubens ist, der das Aufkommen solcher Irrationalität hervor gerufen hat.

Wir leben in einem wissenschaftlichen, weitgehend postreligiösen Zeitalter, in dem Glaube als unwissenschaftlicher Aberglaube dargestellt wird. Doch haben wir paradoxerweise solchen Galuben durch Glaube an erwiesenen Unsinn ersetzt. Es war G. K. Chesterton, der berühmt spottete: „Wenn die Menschen aufhören an Gott zu glauben, glauben sie nicht an nichts – sie glauben an alles.“ Das hat sich als wahr erwiesen. Aber wie lief das ab?

Der große Fehler ist es, die Religion und die Vernunft als diametrale Gegensätze zu betrachten. Sie sind es nicht. Tatsächlich ist die Vernunft wesentlich für die jüdisch-christlichen Tradition.

Die Bibel liefert das Bild eines rationalen Schöpfers und ein geordnetes Universum – die entsprechend die Schablone für die Ausübung der Vernunft und die Entwicklung der Wissenschaft liefert.

Dawkins schüttet seinen Hohn besonders über biblische Wunder aus, die nicht mit der wissenschaftlichen Realität korrespondieren. Aber religiöse Gläubige haben andere Arten diese Ereignisse zu betrachten, wobei viele sie entweder als Metaphern oder als natürliche Geschehnisse ansehen, die mit einer größeren Bedeutung umgeben sind.

Das Herz der jüdisch-christlichen Tradition ist der Glaube an das Konzept der Wahrheit, das die Vernunft aufkommen lässt. Aber unser postreligiöses Zeitalter hat proklamiert, dass es so etwas wie objektive Wahrheit nicht gibt, sondern nur das was „für mich wahr“ ist.

Der Grund dafür ist, dass unsere Gesellschaft nichts duldet, was dem, „was ich will“, im Weg steht. Wie wir uns bei etwas fühlen ist zum Wichtigsten überhaupt geworden. Und so ist die Vernunft von der Emotion entthront worden und das Denken wurde durch Gefühle ersetzt.

Das bedeutet, dass unsere Gesellschaft nicht länger zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden kann, indem sie Beweise und Logik nutzt. Und dieser Zusammenbruch der objektiven Wahrheit hat im Gegenzug dazu geführt die Gesellschaft selbst zu untergraben, die eine Rolle spielt, für die sie nicht gerüstet ist.

Als die Wissenschaft sich im Westen erstmals entwickelte, dachte sie sich selbst nur als ein Werkzeug zur Erkundung der natürlichen Welt. Sie schüttete keinen Hohn über Religion aus; in der Tat waren die Wissenschaftler überwältigend religiös Gläubige (wie es heute noch viele sind).

In modernen Zeiten hat die Wissenschaft allerdings dem „Scientismus“ zum Aufstieg verholfen – das ist der Glaube, dass die Wissenschaft alle Fragen der menschlichen Existenz beantworten kann. Das stimmt nicht. Die Wissenschaft kann nicht die Herkunft des Universums erklären. Dennoch maßt sie sich an, das tun zu können und das Ergebnis davon ist, dass sie in die Irrationalität abgeglitten ist.

Das auffälligste Beispiel dafür wird von Dawkins selbst geliefert, der die Regeln der wissenschaftlichen Beweisführung bricht, indem er zu behaupten versucht, dass Darwins Theorie der Evolution – die erklären wollte, wie sich komplexe Organismen durch zufällige natürliche Selektion entwickelten – auch für die Herkunft des Lebens selbst erklärt.

Dafür gibt es keinerlei Beweise und es ist nicht logisch. Immerhin, wenn die Leute sagen, dass Gott das Universum nicht geschaffen haben kann, weil das die Frage aufwirft wer Gott geschaffen hat, dann folgt daraus, dass Wissenschaftler, die sagen das Universum begann mit einem Urknall, eine weitere Frage aufgeworfen wird: „Was hat den Urknall geschaffen?“ Tatsächlich würde, wenn der Ursprung des Lebens wirklich spontan wäre, dies etwas darstellen, das religiöse Menschen ein Wunder nennen würden. Daher ähnelt diese Behauptung an sich weniger der Wissenschaft, als mehr dem Aberglauben, über den sich Dawkins lustig macht.

Mehr noch: Da die Wissenschaft uns im Endeffekt überall hin bringt, wohin die Beweise uns führen, haben die Erkenntnisse von mehr als 50 Jahren DNA-Forschung – die die beinahe unglaubliche Komplexität der Anordnungen, die zur Produktion des Lebens nötig sind – die Theorie in Zweifel gebracht, dass das Leben spontan in einem zufälligen Universum entstand.

Diese Theorie steht – natürlich – heftiger Gegenargumentation offen, aber Leute wie Prof. Dawkins und andere haben sich mächtig ins Zeug gelegt zu verhindern, dass sie überhaupt verbreitet wird; ihr Grund dafür: sie leugne wissenschaftliche Beweise wie die dokumentierten fossilen Funde und sei daher wertlos.

Dennoch sind angesehene Wissenschaftler gejagt und ihre Karrieren gefährdet worden, weil sie dafür eintraten, dass die fossilen Funde ein gigantisches Loch aufweisen. Vor etwa 570 Millionen Jahren, in einer Periode, die wir als kambrische Explosion kennen, entstanden die meisten Formen tierischen Lebens scheinbar ohne jegliche evolutionäre Vorgeschichte. Diese Wissenschaftler führen an, dass nur „rationale Agenten“ die Fähigkeit gehabt haben können solch komplexe und durchorganisierte Systeme zu schaffen.

Ob sie recht haben oder nicht (und ich weiß das nicht), ihre wissenschaftliche Argumentation zur Abwesenheit von Beweisen, um die Behauptung zu unterstützen, dass Leben sich selbst spontan schuf, wird unterdrückt – mit der total perversen Begründung, dass diese Argumentation den Regeln der Wissenschaft, wonach Beweise zur Stützung einer Theorie gebraucht werden, nicht entspräche.

Der Ergebnis dieser Arroganz ist, dass der Westen – der Schmelztiegel der Vernunft – die Uhr in ein vormodernes Zeitalter der Aufklärungsfeindlichkeit, der Dogmen und säkularen Hexenjagden zurückdrehen. Weit davon entfernt die Vernunft hoch zu halten, ist die Wissenschaft selbst unvernünftig geworden. Wenn also Prof. Dawkins gegen „New Age“-Irrationalität wettert, dann kommt unweigerlich das Bild vom Topf und Deckel auf.

Ein Lehrer mit Glaube und Vernunft


Haben Sie von dem religiösen Fundamentalisten gehört, der an der Universität in Cambridge Physik lehren wollte? Diese Möchtegern-Lehrer war nicht einfach ein Christ; er war so mit der biblischen Prophetie beschäftigt, dass er ein Buch mit dem Titel „Observations on the Prophecies of Daniel and the Apocalypse of St. John“ (Betrachtungen zu den Prophezeiungen von Daniel und der Apokalypse des Heiligen Johannes) schrieb. Auf der Grundlage seines Verständnisses des Propheten Daniel sagte er das Datum der Apokalypse voraus: nicht vor 2060. Er berechnete auch das Jahr, in dem die Welt geschaffen wurde. Wenn in 1. Mose (Genesis) 1,1 steht: „Im Anfang“, so legte er fest, bedeutete das 3.988 v.Chr.Nicht viele modernen Universitäten sind bereit einen wissenschaftlichen Professor zu beschäftigen, der sich nicht nur für „Intelligent Design“ stark macht, sondern für eine vollkommen göttliche Schöpfung. Die Schriften dieses Bewerbers über Astronomie z.B. beinhalten diese Gedanken zum Sonnensystem: „Dieses überaus schöne System von Sonne, Planeten und Kometen konnte nur aus dem Rat und der Vorherrschaft eines intelligenten und mächtigen Wesens herrühren… ER regiert alle Dinge und weiß alles, was ist oder getan werden kann.“

Sollte man jemanden mit diesen Ansichten einstellen, um Physik zu lehren? Ein baptistisches Junior College tief im amerikanischen Bible Belt vielleicht, aber der Lehrkörper würde einen Anfall bekommen, wenn man es irgendwo anders auch nur versuchen würde. Viele von ihnen würden Richard Dawkins aus Oxford nachplappern; der prominente Evolutionsbiologe schreibt in „The G-d Delusion“ (Die Täuschung Gott), er ist „fundamentalistischer Religion gegenüber feindselig eingestellt, weil sie aktiv das Unternehmen Wissenschaft korrumpiert… Sie unterwandert die Wissenschaft und untergräbt den Intellekt.“

Ebenso unverblümt ist Sam Harris, Doktorand für Neurowissenschaften und ein weiterer schonungsloser Feind der Religion. „Der Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft ist inhärent und hat (fast) keine Schnittmengen“, schrieb er. „Der Erfolg der Wissenschaften erfolgt oft auf Kosten des religiösen Dogmas; die Beibehaltung religiöser Dogmen erfolgt immer auf Kosten der Wissenschaften.“ Weniger elegant, aber mit mehr Einfluss klassifizieren die von der National Academy of Sciences 1895 herausgegebenen National Science Education Standards die Religion in die Kategorie der „Mythen“, „mystischen Inspiration“ und des „Aberglaubens“ – die allesamt ziemlich unkompatibel mit wissenschaftlichen Studien sind. Michael Dini, Biologe an der Texas Tech University in Lubbock, machte 2003 Schlagzeilen durch seine Politik Empfehlungsschreiben für Studenten im Hauptstudium abzulehnen, die nicht „wahrhaftig und offen die wissenschaftliche Antwort“ auf die Frage nach dem Ursprung der Menschheit beantworten können. Wissenschaft und Religion, sagte er zu dieser Zeit in einem Interview, „sollten sich nicht überlappen“.

Solche Überlegungen hielten Cambrigde aber nicht davon ab die oben beschriebene, von Theologie und der Bibel durchdrungene Person einzustellen. Tatsächlich gaben sie ihm den prestigeträchtigen Lucasian-Lehrstuhl für Mathematik – im Jahr 1668. Eine gute Sache, da Isaac Newton – ungeachtet seiner religiösen Leidenschaft und intensivem Interesse an biblischer Interpretation – dann später der berühmteste Wissenschaftler seiner Zeit wurde; und wohl der einflussreichste der Geschichte.

Newtons brennendes Interesse an Theologie, Eschatologie und den Geheimnissen der Bibel ist Thema einer neuen Ausstellung an der Hebräischen Universität in Jerusalem (online auf: http://jnul.huji.ac.il/dl/mss/Newton). Seine riesige Zahl religiöser Schriften – geschätzte drei Millionen Worte – reichen von den Dimensionen des Tempels Salomos bis zu einer Methode das Datum für Ostern entsprechend den Erklärungen biblischer Symbole zu berechnen. „Newton war einer der letzten großen Männer der Renaissance“, merken die Kuratoren an, „ein Denker, der in der Mathematik, der Physik, Optik, Alchemie, Geschichte, Theologie und der Interpretation der Propheten arbeitete und Verbindungen zwischen allen sah.“ Das Vorurteil des 21. Jahrhunderts, dass Religion ausnahmslos „die Wissenschaft untergräbt“, wird von der außergewöhnlichen Figur widerlegt, die es schaffte die Zusammensetzung des Lichts zu entdecken, die Gesetze der Bewegung zu deduzieren, die Integral- und Differentialrechnung zu erfinden, die Schallgeschwindigkeit zu berechnen und die Gravitation im Universum zu definieren – alles, während er tief an die „Beherrschung eines intelligenten und machtvollen Wesens“ glaubte. Weit entfernt davon seine wissenschaftliche Integrität zu untergraben, vermerkt die Ausstellung: „Newtons Frömmigkeit diente als eine seiner Inspirationen für das Studium der Natur und dessen, was wir heute Wissenschaften nennen.“

Für Newton war es axiomatisch, dass religiöse Forschung und wissenschaftliche Untersuchung einander ergänzen. Es gab in beiden von G-tt geschriebenen „Büchern“ Wahrheiten zu finden, dem Buch der Heiligen Schriften und dem Buch der Natur – oder wie Francis Bacon es nannte: dem „Buch des Wortes G-ttes“ und dem „Buch der Werke G-ttes“. Die Welt empirisch zu studieren bedeutete nicht, dass man den religiösen Glauben aufgab. Im Gegenteil: Je besser die Arbeitsweise der Schöpfung verstanden wurde, desto näher könnte man dem Schöpfer kommen. In der Sprache des 19. Psalms: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes[a], / und das Himmelsgewölbe verkündet seiner Hände Werk.“

Sicher, religiöses Dogma kann eine Augenbinde sein, die denen Wahrheiten versperrt, die sich weigern diese zu sehen. Wissenschaftliches Dogma kann denselben Effekt haben. Weder Glaube noch Vernunft können jede Frage beantworten. Wie Newton wusste, ist der sicherere Weg zur Weisheit der, der Raum für beides hat.