Als Arafat der Welt drohte – und die Welt applaudierte

Elder of Ziyon, 25. Juni 2018

1974, nach mehreren Jahren Flugzeugentführungen und anderer Terroranschläge, ging Yassir Arafat zur UNO und hielt eine Rede. Der Architekt des Terrors wurde plötzlich ein geehrter Diplomat.

Der berühmteste Satz seiner Rede lautete: „Heute bin ich mit einem Olivenzweig und einem Gewehr des Freiheitskämpfers. Lassen Sie den Olivenzweig nicht aus meiner Hand fallen. Ich wiederhole: Lassen Sie den Olivenzweig nicht aus meiner Hand fallen.“

Denken Sie mal darüber nach, was er sagte. Er sagte, dass die Welt tun muss, was die Palästinenser wollen, sonst werde es mehr Terror geben.

Das war eine Drohung.

Jemand Normales kann einen Olivenzweig halten oder ein Gewehr oder beides. Jemand Normales trifft die Entscheidung, ob er friedlich oder gewalttätige sein will, ob er sich den Frieden zueigen macht oder den Krieg.

Arafat sagte, die Entscheidung ob er den Olivenzweig würde fallen lassen, hinge davon ab, ob die Welt Israel unter Druck setzt den Forderungen von Terroristen nachzugeben. Er lehnt es ab das „Gewehr eines Freiheitskämpfers“ fallen zu lassen und seine Alternative auch einen Olivenzweig zu halten hinge komlett davon ab, dass Andere seinen Wunsch erfüllen.

Das ist Mafia-Stil: „ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst“. Und die Nationen der Welt gaben ihm stehende Ovationen.

Das ist Teil eines größeren Musters Drohungen zu nutzen, um die Welt dazu zu bringen Israel unter Druck zu setzen; und das hat bis heute glänzend funktioniert.

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Yassir Arafat, der Palästinenser

gefunden auf Facebook:

Yassir Arafat – Palästinenser,
geboren in Palästina, korrekt?
Nö – Ägypter:
geboren in Kairo – 24. August 1929
Abschluss an der Universität Kairo – 1950
Gestorben in Paris – 11. November 2004

 

Arafat’s Suicide Factory

Daniel Pipes, The New York Post, 9. Dezember 2001

Indem er seinen eigenen Krieg gegen den Terrorismus erklärte, unternahm Premierminister Ariel Sharon letzte Woche einen überraschenden Schritt. Er sagte, dass Yassir Arafat, der palästinensische Führer, „verantwortlich ist für alles, was hier passiert“, ein Verweis auf den Angriff von vier Selbstmord-Operationen, die gerade 26 tote Israelis und rund 200 Verwundete hinterließ.

Worauf man vernünftigerweise fragen möchte: Warum Arafat verantwortlich machen?

Niemand macht Präsident Bush für die Katastrophe vom 11. September verantwortlich – oder andere Politiker für den Terrorismus, der in ihrer Amtszeit stattfindet. Warum sollte es bei Arafat anders sein? Ist Sharon nicht unfair?

Schauen wir uns die Beweise an.

Jede Untersuchung palästinensischer Selbstmord-Anschläge – und besonders Nasra Hassans bemerkenswerter Bericht in einer der letzten Ausgaben des „New Yorker“ – stellt fest, dass diese nicht einfach so spontan geschehen, sondern aus einer großen und hoch entwickelten Infrastruktur heraus kommen.

Diese Infrastruktur hat einen Grund: normale Menschen zum Sterben bereit zu machen. Weil islamisches Recht Selbstmord verbietet, kann keine selbstmordgefährdete Person dafür rekrutiert werden eine solche Mission durchzuführen. Stattdessen ist es (perverserweise) nötig, nur jemanden loszuschicken, der nicht selbstmordgefährdet ist.

Der Islamische Jihad, der wie Hamas Selbstmord-Mörder ausbildet, erklärt: „Wir nehmen keine depressiven Leute. Wenn es nur eine Minimal-Chance von 1 zu 1000 gäbe, dass eine Person selbstmordgefährdet wäre, würden wir ihm nicht erlauben, sich zum Märtyrer zu machen. Um ein Märtyrer-Bomber zu sein, musst du leben wollen.“ Dieselbe befremdliche Logik gilt für Hamas, die jeden ablehnt, „der Selbstmord begeht, weil er die Welt hasst“.

Gesunde Individuen davon zu überzeugen sich selbst in die Luft zu jagen, ist offenbar nicht leicht, sondern bedarf Ideen und Institutionen. Der Prozess beginnt damit, dass die palästinensische Autonomiebehörde (PA) ihrer Bevölkerung zwei Dinge einimpft, womit sie bei den Kindern beginnt: einen Hass auf die Juden und eine Liebe zum Tod. Lehrpläne, Ferienlager, Fernseh-Programme und religiöse Indoktrination stellen die Israelis in nazi-ähnlicher Manier dar, als Untermenschen, die getötet werden dürfen und verwerfen dann den Selbsterhaltungstrieb, indem sie beindruckbaren jungen Menschen erzählen, dass ihr Leben zu opfern das ehrenhafteste aller Ziele sei.

Das System funktioniert: Hassan berichtet, dass „Horden junger Männer“ danach verlangen, in ihre eigene Vernichtung geschickt zu werden. Hamas und Islamischer Jihad haben in den Moscheen einen Auswahlprozess eingerichtet, wo „ein bemerkenswert fanatische Jugendliche“, vorbereitet auf ihr Märtyrertum, von Klerikern aufmerksam registriert werden, die sie für die Auswahl empfehlen.

Diejenigen, die es schaffen, beginnen ein langwieriges, streng beaufsichtigtes und diszipliniertes Ausbildung in spirituellen Studien und militärähnlichem Training. Dieses Können wird gelehrt, um die Selbstmord-Aktionen als eine Möglichkeit zu sehen, „die Tür zum Paradies“ für sich und die Familie zu sehen. „Ich liebe das Märtyrertum“, sagt ein solcher „lebender Märtyrer“.

Kurz vor dem Anschlag führen die Männer besondere fromme Vorbereitungen aus (Waschungen, saubere Kleidung, ein gemeinschaftliches Gebet). Ihre Tode werden von Hamas oder Islamischem Jihad durch eine instrumentalisierte Beerdigungsfeier („als wäre es eine Hochzeit“, beschreibt es Hassan) und die Verteilung von Videokassetten mit einer Erklärung aus dem Grab gefeiert. Die Organisation, die das sponsert, stellt sicher, dass die Familie [des „Märtyrers“] soziale Ehren und finanzielle Belohnungen erhält.

Diese Fakten sagen uns dreierlei: Selbstmord-Attentäter des militanten Islam werden nicht geboren, sondern geschaffen. Wie die vier gleichzeitigen Selbstmord-Flugzeugentführungen am 11. September resultierten die vier fast gleichzeitigen Selbstmord-Anschläge letzte Woche in Israel aus einer langfristigen Planung durch erfahrene Organisationen. Sie können nicht heimlich agieren, sondern bedürfen der Erlaubnis einer regierenden Obrigkeit, entweder der Taliban oder der PA.

All dies führt zu der Schlussfolgerung, dass Sharon Recht hatte, als er Arafat für den Schlag der Selbstmord-Attentate auf Israelis verantwortlich machte.

Dies hat umgekehrt eine Folge für den Krieg gegen den Terrorismus. Mindestens genauso wie in Afghanistan muss das amerikanische Ziel sein, die Selbstmord-Fabrik in den Palästinenser-Gebieten zu schließen.

Und während es wunderbar gelegen käme, wenn Yassir Arafat diese Aufgabe übertragen werden könnte, so sind die Chancen dafür, dass er das tut in etwa so groß wie die der Taliban, Al Qaida abzustoßen – mit anderen Worten: „gleich null“. Arafat ist seit fast vier Jahrzehnten im Geschäft des Ermordens von Israelis tätig; er verdient nicht noch eine weitere Chance.

Glücklicherweise ist in diesem Fall – anders als in anderen Teilen der Welt, wo Amerikaner den Kampf gegen den Terrorismus auf eigene Faust führen müssen – ein Verbündeter, Israel, bereit und willens, den Terrorismus selbst zu bekämpfen. Die Zeit ist reif, sie dazu anzuspornen.

Spielt die Wahrheit überhaupt eine Rolle?

Warum ignoriert die Welt die Beweise für Saudische und Arafats Verbindung zum Terror?

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 13. Mai 2002

Als ich kürzlich eine Highschool-Klasse besuchte, stellte mir einer der Schüler eine recht gezielte Frage:

„Gibt es so etwas wie eine Geschichte, die objektiv wahr ist?“, erkundigte er sich.
„Todesanzeigen“, antwortete ich.

Die Antwort erntete Gelächter, aber er verdiente eine tiefer gehende Antwort als die begrenzte Zeit erlaubte.

Beobachtet man das diplomatische Menuett, das derzeit von Israel, den USA und unserem arabischen „Hauptverbündeten“, Saudi Arabien, getanzt wird, kann ich nur denken, wie wenig Wirkung die grundsätzliche Sorge dieses Studenten – die Suche nach Wahrheit – heute auf die amerikanische Außenpolitik hat.

Knackpunkt sind die Beweise, die Israel zur direkten Verwicklung des palästinensischen Führers Yassir Arafat zum Terrorismus vorgelegt hat.

Arafat war immer ein Terrorist. Seine Palästinensische Befreiungsorganisation – 1964 gegründet (3 Jahre VOR der „Besetzung“, die angeblich den Vorwand für antiisraelischen Terrorismus liefert) – hatte vom ersten Tag an Terror als Daseinsgrund. Er war der Pionier der Flugzeugentführungen und des bewussten Zielens auf unschuldige Zivilisten, besonders Frauen und Kinder.

Aber nachdem er einmal die Osloer Friedensvereinbarungen 1993 unterschrieb, war das alles vorgeblich Vergangenheit. Seit diesem Tag wurde Arafat von der Weltpresse wie ein Staatsmann behandelt.

Die folgenden 8 ½ Jahre boten haufenweise Gründe, diesen Status in Frage zu stellen, aber nichts scheint diese Einstellung seitens des Großteils der diplomatischen und des Pressekorps erschüttert zu haben.

Aber anders als einige seiner Vorgänger der letzten Jahre hat die jetzige Regierung Israels die schlechten Manieren gezeigt, ein Dossier mit vernichtenden Beweisen zusammenzustellen, das zeigt, dass palästinensischer Terrorismus nicht das Werk einiger weniger Extremisten ist, wie man uns erzählt hat.

Ein Schulterzucken und ein Gähnen

Stattdessen hat eine systematische Terrorkampagne, die hunderte Israelis in den letzten 19 Monaten das Leben gekostet hat, direkt zu Yassir Arafat zurück verfolgt werden. Er ist nicht nur derjenige, der Gewalt durch Hass erfüllte Reden angezettelt hat oder sie mit der Ermutigung zu „Jihad“ schürt und die steigenden Verluste von „Märtyrern“ betrauert, die Israelis umbringen.

Die riesigen Stapel an Dokumenten, die Israel im Verlauf seiner Durchforstung der terroristischen Büros in den Gebieten entdeckte, zeigen, dass Arafat auch der Zahlmeister und Koordinator des Terrorismus ist.

Unglücklicherweise wird die Wahrheit auch bezüglich unserer saudischen „Verbündeten“ als irrelevant betrachtet. Derselbe Schatzfund an palästinensischen Unterlagen enthüllte, dass die saudische Königsfamilie und Regierung Millionen von Dollars in die terroristische Infrastruktur schleuste, wobei besonders die Familien der Selbstmord-Bomber begünstigt wurden, die die Saudis lieber „Märtyrer“ nennen.

Die Beweise werden auch von Washington ignoriert, das sich selbst in die Vorstellung hinein täuscht, dass es die Finanziers des Terrorismus als Verbündeten im Krieg gegen die Täter gewinnen könnte.

Die Dokumente zeigen auch, dass die Palästinensische Autonomiebehörde, wie die Saudis, direkt mit den islamischen Fundamentalisten-Gruppen – Hamas und Islamischer Jihad – in Verbindung steht, die Arafat auf Flehen westlicher Regierender unterdrücken soll. Die PA selbst bildet eine Infrastruktur des Terrors, deren gesamte Mittel auf den Terror gerichtet wurden.

Aber Washingtons Antwort auf diesen wasserdichten Fall gegen Arafat sind ein Schulterzucken und ein Gähnen gewesen.

Ein von der New York Times zitierter „hochrangiger amerikanischer Beamter“ sagte am 5. Mai, dass er nicht genau wüsste, was er mit den von Israel vorgelegten Beweisen anfangen solle. Selbst wenn sie wahr wären – und er räumte ein, dass „einiges davon“ wahr ist – sei man unbeeindruckt.

„Israel kann letztlich nicht die palästinensische Führung aussuchen und es muss mit sich der Autonomiebehörde arrangieren.“

Der erste Teil dieser Stellungnahme ist unzweifelhaft wahr, der zweite aber folgt daraus nicht zwingend. Denn die P A hat sich dem Terrorismus verschrieben – und ein Haufen von Vorfällen wie das Waffenschmuggel-Schiff Karine-A und neun Jahre des Terrors sind objektiver Beleg dafür – was wird solches Arrangieren mit der PA erreichen?

Hatte Arafat schließlich nicht jedes Mal, wenn er eine Friedensvereinbarung mit Israel unterschrieb, dem Terror entsagt? Da aber israelische Zugeständnisse in mehr Macht für ihn umgesetzt wurden, wuchsen seine Verletzungen des Banns gegen den Terror immer unverschämter an.

Jedes Mal, wenn er bei diesen Lügen ertappt wurde, hatte man ihn mit mehr Druck der internationalen Gemeinschaft belohnt – Druck auf Israel, nicht auf Arafat. Alles, was seit 1993 geschehen ist, hat ihn überzeugt, dass Terror sich wunderbar auszahlt.

Ist die Ermordung von Juden eine gerechte Sache?

Was motiviert diese internationale Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit über Arafat? Eine hetzerische Karikatur von Tony Auth vom Philadelphia Inquirer am 7. Mai könnte einen Erklärungsansatz bieten.

Auth zeigte einen aufgedunsenen israelischen Premierminister Ariel Scharon, der sich bei Präsident Bush beschwerte: „Ihr müsst nicht mit dem Terroristen bin Laden verhandeln, wie kommt es, dass ich mit diesem Stinktier verhandeln muss?“, während er auf Arafat zeigt, der buchstäblich als riechendes Stinktier gezeichnet ist. Auth lässt Bush antworten: „Für den Anfang: Er hat eine gerechte Sache.“

Auth (der ohne Zweifel Beschwerden von arabischen Lesern bekommen wird, die dagegen Einspruch erheben, dass Arafat als stinkendes Tier gezeigt wird) hat offensichtlich den Eindruck, dass Arafats Terror eine angemessene, sogar eine „gerechte“ Sache ist, die sein scheußliches Verhalten als vernünftig darstellt. Wird die Belohnung mit Zugeständnissen, von denen der Karikaturist und der „ranghohe“ US-Beamte glauben, dass sie ihn befriedigen werden, eine gerechtere Welt schaffen?

Diese Geisteshaltung zu verstehen bedeutet die Feindseligkeit all derer offen zu legen, die uns erzählen, dass Arafats kriminelle Vergangenheit unbedeutend ist.

Denn wenn die ursprünglichen Oslo-Vereinbarungen und Ehud Baraks Angebot eines Staates, der praktisch aus dem gesamten Gebiet besteht, das Israel 1967 eroberte, Arafat nicht befriedigt oder ihn vom Terror abhält, dann ist die unvermeidliche Schlussfolgerung, dass sein Ziel die Auslöschung des jüdischen Staates ist, egal, wie eingeschränkt seine Grenzen sein mögen.

Daher dürfte Israels größtes Problem nicht darin bestehen, die Welt zu überzeugen, Arafat als Terroristen zu betrachten, sondern darin, sie aufzufordern, ernsthaft darüber nachzudenken, was seine wirklichen Ziele sind und ob er sie mit fairen Mitteln verfolgt oder nicht.

Die Wahrheit über Arafat zu ignorieren, ist nicht nur diplomatische Höflichkeit. Es ist eine Erklärung, dass die Ermordung von Juden, wie der schlechte Geruch, der von Arafat in Auths Karikatur ausgeht, nicht mehr als schlechte internationale Manieren sind – und kein Verbrechen.

Für die „hochrangigen Beamten“, die die Korridore des Außenministeriums und des Weißen Hauses patrouillieren – gar nicht zu reden von der UNO – ist ein „Freifahrtschein aus dem Gefängnis“ für Arafat, trotz des jüdischen Blutes, das deutlich an seinen Händen klebt, nicht mehr als das gewöhnliche Staatsgeschäft, während sie versuchen eine Irritation für ihre Pläne des Krieges gegen den Irak aus dem Weg zu räumen.

Aber die Amerikaner sollten erkennen, dass die Kosten dieses Wahnsinns nicht von den Israelis allein getragen werden müssen.

Während sich der Schwung für die nächste Runde der „Friedens“-Verhandlungen aufgebaut, wird uns zunehmend erzählt, dass amerikanische Friedenstruppen oder „Beobachter“ nötig sein werden, um den Handel zu sichern. In der Zukunft werden es möglicherweise wirklich Amerikaner sein, die ihr Leben verlieren, wenn Arafat und seine kriminelle Bande ihren nächsten Vertrag verletzen. Wir können auch nicht sicher sein, dass palästinensische oder saudische „Märtyrer“ nicht wieder amerikanische Städte ins Ziel nehmen, während wie uns in neue Beschwichtigungsrunden drücken.

Wie ich meinem jungen Freund hätte sagen sollen: die Wahrheit ist mehr als nur ein ästhetischer Wert. Sie zu ignorieren, verlangt uns manchmal einen hohen Preis ab. Obwohl es Arafat zukünftigen Opfern kein Trost sein wird: Es soll keiner behaupten, wir seien nicht gewarnt worden.

Gläubige Christen sollten endlich aufwachen und Arafats Endziel erkennen

Jonathan Tobin, Jewish World Review, 7. Januar 2002

Eines der Paradoxe des Nahen Ostens ist, dass einer der ersten wichtigen palästinensisch-arabischen Nationalisten ein Christ war.

Das Buch „Das arabische Erwachen“ von George Antonius war eine der frühesten intellektuellen Ausdrücke des palästinensisch-arabischen Unwillens gegenüber dem Zionismus. Aber Antonius war bei Weitem nicht allein als christlicher Araber, der seine Zukunft eher bei den Ansprüchen der muslimischen Mehrheit der arabischen Welt sah als bei denen des christlichen Westens. Einige mögen diese Ansichten als Schutzmechanismus angenommen haben, aber andere wie Antonius waren entschlossen, bessere Araber als jeder Muslim sein zu wollen.

Andere Christen im Libanon und sogar in Syrien übernahmen einen verbissenen arabischen Nationalismus. Die Gründer der Ba’ath-Partei – eine säkulare arabische Ideologie, deren Anhänger zurzeit Syrien und den Irak in einer Terrorherrschaft halten – waren Christen. Und auch viele der führenden Stimmen der palästinensisch-arabischen Politik und Gewalt sind Christen wie der Terrorchef George Habash und die (PA-)Sprecherin Hanan Ashrawi.

Nur in diesem Zusammenhang der Verbindung säkularer Christen und muslimisch dominierter, nationalistischer Bewegungen kann man verstehen, warum die jährlichen christlichen Festivitäten in Bethlehem in ein Symbol palästinensischer Identität verwandelt werden konnten.

Daher ist die Skepsis über die Notwendigkeit für einen muslimischen Terroristen wie Yassir Arafat von der Autonomiebehörde, die Mitternachtsmesse in Bethlehem besuchen, nicht ganz angebracht. Arafat und sein Propaganda-Leute in der palästinensischen Presse haben ständig Christliche Symbole vereinnahmt, wenn auch nur, um die Juden um so gründlicher um das Erbe ihres Landes bringen und christliche Sympathien im Ausland wecken zu können. In dieser verdrehten Mythologie sind die Juden europäische „Kolonialisten“ in Israel, dessen Ureinwohner die Ahnen der Juden der biblischen Zeiten sind.

Diese boshafte Art des Revisionismus ist durch Generationen von hauptsächlich protestantischen Christen ermuntert worden, Missionaren in dieser Region, die Institutionen wie die Amerikanischen Universitäten in Kairo und Beirut gründeten, die Zentren des Arabismus und der Feindschaft gegenüber dem Zionismus sind.

Zeitgleich haben die Palästinenser den christlichen Heiland als den ersten Palästinenser und die Palästinenser als moderne Verkörperung des gekreuzigten Messias dargestellt, ein weiterer, noch bedrohlicherer Trend ist in der Region eingetreten: die massenhafte Dezimierung und Entvölkerung der christlich-arabischen Gemeinschaften in arabischem Land.

Der Untergang der christlichen Araber

Im Libanon war der Untergang der christlichen Maroniten, die früher die Platzhirsche waren, vielleicht unvermeidbar. Nie willens, sich ganz mit dem jüdischen Staat zu verbünden, rührten die Maroniten keinen Finger zur Unterstützung von Israels fehlgeleiteter Intervention von 1982 (außer um ihre Rechnung mit den Palästinensern zu begleichen und Israel die Verantwortung zuschieben zu lassen) und hatten sich mit Unbehagen auf ihren Platz unter syrischer Herrschaft begeben. Auch nach der Wiederbelebung Beiruts nach dem Ende des langen libanesischen Bürgerkriegs schrumpft der christliche Libanon.

Sogar noch dramatischer ist der Zusammenbruch der christlich-arabischen Gesellschaft unter der Herrschaft Arafats, nachdem Israel große Teile von Judäa und Samaria an die Autonomiebehörde übergab.

Die muslimisch dominierte PA hat den Christen das Leben unangenehm gemacht. Und der Aufstieg von Hamas und Islamischer Jihad – islamischer Fundamentalisten, die gleichzeitig Rivalen und Verbündete der PA und ihrer terroristischen Kräfte sind – hat Zweifel am dauerhaften Überleben der palästinensischen Christen geweckt.

Gegenden, in denen christliche Araber bis vor Kurzem in der Mehrheit waren, wie in Bethlehem und den es umgebenden Dörfern, sind heute mehrheitlich muslimisch. Tausende emigrieren weiter nach Lateinamerika und in die Vereinigten Staaten, wo viele als lautstarke Sprecher gegen Israeldienen.

Christen haben am stärksten unter der mafiösen Herrschaft von Arafats Kleptokratie gelitten. Das ruft starke Erinnerungen daran wach, was im Südlibanon vorging, bevor Israel die PLO 1982 aus dieser Region vertrieb. Wie im Libanon ist Gewalt gegen Christen, besonders christliche Frauen, tritt beständig auf und wird offensichtlich von den palästinensischen Führern nicht missbilligt, die es ablehnen, die Tanzim- und Fatah-„Aktivisten“, die gewalttätiger Verbrechen beschuldigt worden sind, in ihre Schranken zu weisen.

Es mag sein, dass dies eher zur Lebenspraxis an einem Ort gehört, der weniger von Recht und Gesetz hält als von religiöser Diskriminierung, aber das ist in solchen Gesellschaften immer das Schicksal religiöser Minderheiten. Dhimmi, die klassische Studie des Lebens religiöser Minderheiten unter muslimischer Herrschaft von 1985 durch die Historikerin Bat Ye’or, betonte dieses Paradox. Obwohl der palästinensische Nationalismus grundsätzlich säkular ist, bietet das Leben den Christen unter seiner Herrschaft denselben Status wie unter dem klassischen Islam: ein Leben als minderwertige, wenn auch beschützte, Minderheit. In ihrem neuesten Buch, „Islam und Dhimmi: Wo Zivilisationen zusammen stoßen“, fügt Ye’or neue Einsichten in dieses Konzept hinzu und wie die Verwestlichung der islamischen Welt zum Gefühl der Frustration der Muslime beigetragen hat, die von der Anwesenheit eines Staates mit jüdischer Mehrheit im Nahen Osten erbost sind.

Angesichts ihres gemeinsamen Status als Minderheiten in einer überwältigend muslimisch dominierten Region, könnte man erwarten, dass die christlichen Araber einige Gemeinsamkeiten mit den Juden und Israel finden. Aber die traditionelle Antipathie der östlichen Christenheit gegenüber dem Judentum, in Kombination mit der vergeblichen Hoffnung auf Assimilation in die arabische Welt, haben diese Möglichkeit ausgeschlossen.

All dies hat uns zu dem seltsamen Punkt geführt, an dem christliche Araber gleichzeitig aus den Palästinenser-Gebieten verdrängt werden und trotzdem als einige der grausamsten Feinde Israels dienen.

Amerikanische Christen und Israel

Gleich kurios sind die genauso unterschiedlichen Gefühle der amerikanischen Christen gegenüber den Fragen des Nahen Ostens.

Die meisten amerikanischen Christen sind einfach desinteressiert am Schicksal ihrer Glaubensgenossen in der arabischen Welt. Während Gefahren, denen Juden im Ausland ausgesetzt sind, eine Quelle politischen Aktivismus, Menschenliebe und aufrichtige Besorgnis um amerikanische Juden geworden sind, ist die Lage von Christen in Israel und den arabischen Ländern nicht gerade etwas, das die über 90 Prozent der Amerikaner, die sich den christlichen Konfessionen zurechnen, besonders aufregt.

Gleichzeitig – und obwohl Arafat hofft und Israel fürchtet, dass dieser christliche Symbolismus bei Amerikanern Widerhall findet – ist es sehr zweifelhaft, dass irgendjemand in den USA sich sonderlich dafür interessiert. Trotz der amerikanisch-jüdischen Paranoia zu Antisemitismus sind jetzt gläubige Christen der Rückhalt der amerikanischen Unterstützung für Israel.

Die jüngsten Stellungnahmen des Papstes und die Furcht des Vatikans um die Sicherheit der arabischen Christen haben zu einer Politik geführt, die Israel aus der Fassung bringt. Aber die Ablehnung antisemitischer Lehren durch die katholische Kirche steht im Gegensatz zu einigen der weniger aufgeklärten Reden, die in christlichen Gemeinschaften des Ostens aufgetaucht ist. Und während liberale protestantische Denominationen Sympathien für den arabischen Nationalismus hegen und dem Zionismus feindlich gesinnt sind, ist es mit konservativeren, evangelikalen christlichen Protestanten genau umgekehrt, von denen viele Israels größte Fans sind.

Ironischerweise stehen amerikanische Christen wie auch israelische Juden verwirrt neben der fortgesetzten Zerstörung des christlichen Palästina. Anstatt die Nähe Israels und die Möglichkeiten der Hilfe aus den Vereinigten Staaten als Druckmittel zur Lockerung der muslimischen Unterdrückung zu nutzen, scheinen arabische Christen nicht in der Lage zu sein, zu ihrer eigenen Verteidigung zu sprechen, besonders, wenn es Israel einen Vorteil bringen könnte.

Die Christen „Palästinas“ sind dazu bestimmt, dass ihr Lebensstil durch genau die Sache zunichte gemacht wird, für deren Vorankommen sie so viel getan haben.

Das ist die Ironie der religiösen Kriege, die diese unglückliche Gemeinschaft blind gemacht haben für ihre wichtigsten eigenen Interessen.

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Ergänzung (e-mail-Nachricht über IMRA vom 26.12.2001)

PALESTINIAN MEDIA WATCH
59 King George Ave., Jerusalem, Israel

Christliches Leiden unter der palästinensischen Autonomiebehörde

Als Service für unsere Abonnenten haben wir einen Artikel übersetzt, der gestern in der hebräischen Tageszeitung Ma’ariv erschien und die Furcht und Unterdrückung beschreibt, unter der Christen in der Autonomie leben und die dazu führt, dass viele von ihnen Bethlehem verlassen.
Es folgen Auszüge aus dem von Hanan Shlein geschriebenen Artikel (vom 24.12.2001):

Machen Sie keinen Fehler – Arafats Bestehen darauf, dass er „notfalls zu Fuß“ zur Mitternachtsmesse in Bethlehem gehen würde, falls Israel ihm nicht erlaubt nach Ramallah aufzubrechen, spricht nicht unbedingt für eine große Liebe zwischen Moslems und Christen in den von der PA kontrollierten Gebieten. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall. Die Christen leiden schon stark darunter, dass sie in PA-Gebiet leben, was aus dem deutlich wurde, was während der Feuerwechsel zwischen Palästinensern in der christlichen Stadt Beit Jala und IDF-Soldaten im Jerusalemer Stadtteil Gilo durchsickerte. Auf der Höhe der Kämpfe wurden die Christen von Beit Jala besonders schmerzlich umarmt: Tanzim-Aktivisten – natürlich Muslime – suchten sich ihre Feuerstellungen so nahe wie möglich an religiösen christlichen Einrichtungen. Die Christen verstanden die List sofort: eine kleine Abweichung des israelischen Vergeltungsfeuers auf Beit Jala würde genügen um die christlichen Institutionen oder Häuser zu beschädigen. In einem solchen Fall würde Israel schwerwiegende Reaktionen der Christen in aller Welt erhalten und es gäbe einen doppelten Gewinn: Gilo wie auch die Beziehungen Israels mit dem internationalen Christentum wären schwer angeschlagen.

Ein Einwohner Beit Jalas erinnert sich traurig: „Wir wurden von den Muslimen in Bethlehem ständig gedemütigt. Wir Christen machten einmal 50% der Bevölkerung der Stadt aus. Heute sind wir vielleicht 20%. Jeder, der es sich leisten konnte, ging fort.“

Aus Angst um ihre Sicherheit sind christliche Sprecher nicht glücklich, mit Namen genannt zu werden, wenn sie sich über die Behandlung durch die Muslime beschweren. Vertraulich erzählen sie von den Belästigungen und den Terror-Taktiken, hauptsächlich von Schlägertrupps, die plünderten und Christen, wie auch ihr Eigentum ausraubten – unter dem Schutz der palästinensischen Sicherheitskräfte.

Die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen verschlechterten sich nach dem Abzug der israelischen Armee aus Bethlehem. Damals kamen PA-Sicherheitskräfte, alles Muslime, herein und die Empfindungen und Frustrationen auf Seiten der Muslime wurden in Aktionen umgesetzt. In Israel kamen Beschwerden von Christen über die Beschädigungen von Kirchen und das Zerschlagen von Kreuzen an, die ohne echte Vorbeuge-Maßnahmen durch die lokale Polizei stattfanden. Zusätzlich begann die (körperliche) Belästigung von Christen, die ihren Höhepunkt erreichte, als Muslime christliche junge Mädchen aus Beit Sahur sexuell belästigten… [heplev: andere Quellen sprechen sogar von sexuellen Nötigungen bis Vergewaltigungen.]

„Wir sind alle Palästinenser“

Der Kalte Krieg Europas gegen Israel – ein Essay in 5 Teilen

Uli Krug, Nahost-Focus, Juli 2002 (nicht mehr online)

Der ordinäre deutsche Nah-Ost-Korrespondent betätigt sich als Lieferant für den Bedarf des „ehrbaren Antisemitismus“ (Amery). Selten lügt er direkt, besitzt aber eine perfide Kunstfertigkeit darin, die Assoziationen und Imaginationen des Massenbewusstseins durch das Verschweigen historischer, geographischer und aktuell politischer Zusammenhänge sowohl zu bedienen als auch in Gang zu setzen.

Die jüngste „Nahost“-Berichterstattung variiert dabei die antisemitische Stereotypie vom Judentum als Urheber von Bolschewismus und Finanzkapitalismus nur im zeitgenössischen Gewand: Israel erscheint sowohl in der Rolle des Bolschewiken, der die Schlesier zu „Flüchtlingen“ machte, und zugleich als Büttel und Nutznießer des Wall-Street-Kapitalismus, der arme Kleinbauern um Land und „Kultur“ betrügt. „Synthetisiert“ werden diese widersprüchlichen Regungen in projektiver Wendung darin, Israel als III. Reich des 21.Jahrhunderts vorzustellen.

Der portugiesische Romancier Saramago vergleicht bei einer Ergebenheitsvisite in Arafats Hauptquartier den israelischen Gegenschlag der letzten Wochen „durchaus mit Auschwitz“ (Welt, 19.4.2002), nachdem die Jeanne d’Arc der Globalisierungskritiker, Frau Roy, zuvor schon Staudammbauten mit Auschwitz in eins gesetzt hatte. Derartig moralisch gewappnet macht sich dann der deutsche Journalist zum Al-Quaida-Sprecher und erklärt, die Juden hätten „in Palästina so wenig verloren (…) wie die Kreuzritter“. (SZ, 15.4.2002)

Eine Ausnahme von der Regel ist Ulrich Sahm, der deswegen außer in n-tv nur in der Jüdischen Allgemeinen und in der Welt zu Wort kommt. Für letztere führte er am 7.4. ein Interview mit Shimon Peres, dem israelischen Außenminister und kam in einer Frage auf den Zusammenhang zwischen offizieller antiisraelischer Rhetorik von Presse bzw. Politik und der Angriffsserie auf Juden und jüdische Einrichtungen aller Art in ganz Europa zu sprechen.

Sahm: „In Frankreich brennen Synagogen. Norweger rufen zum Boykott von israelischen Waren auf. Ägypten bricht die Kontakte ab. Ihr Freund Bülent Ecevit bezichtigt Israel des Völkermordes an Palästinensern. Sie sind der Außenminister. Ist Ihre Außenpolitik gescheitert?“
Peres: „Wir müssen gegen Vorurteile kämpfen. Und wir müssen einen latenten Antisemitismus bekämpfen. Wie manche Leute in Europa die Zukunft Europas darstellen, so stellen wir die Vergangenheit Europas dar. Die Europäer müssen uns in die Augen schauen und sich erinnern, was passiert ist. Wir versuchen jetzt, unser Leben zu verteidigen. Wir haben keinerlei Absichten, fremdes Land zu besetzen oder ein Volk zu beherrschen. Aber ich frage mich, was sie, die Europäer, tun würden, wenn sie sich täglich mit Selbstmordattentätern auseinander setzen müßten und mit anschauen müssten, wie ihre Kinder und Jugendlichen Opfer von Terror werden. Was schlagen die Europäer vor? Um ehrlich zu sein, verstehe ich deren Opposition überhaupt nicht. Warum unterstützen sie die Palästinenser? Wofür kämpfen eigentlich die Palästinenser? Für Unabhängigkeit? Wir haben ihnen doch Unabhängigkeit angeboten. Kämpfen sie für ein palästinensisches Land? Wir haben ihnen ein palästinensisches Land angeboten. Sie wollten einen Platz in Jerusalem. Auch ein Platz in Jerusalem wurde ihnen angeboten. Also warum der Terror? Warum unschuldige Menschen umbringen? Die Europäer, unsere Freunde und Kritiker, müssen diese Fragen ehrlich beantworten.“

Kein „rationaler“ Konflikt

Die schreckliche Wahrheit, die Peres zumindest ahnt, ist folgende: Gerade weil die Europäer wissen, dass der Kampf der Palästinenser nicht einer für etwas ist, sondern nur einer gegen etwas, die Juden nämlich, genau deswegen unterstützen sie diesen Kampf so solidarisch, lassen sich durch nichts beirren. Um es in Peres‘ Worten zu sagen: Die „Leute, die Europas Zukunft darstellen“, solidarisieren sich mit den Palästinensern und ihrem hemmungslos eliminatorischen Antisemitismus, also einem, dem Vernichtung Ziel und Mittel zugleich ist, gerade, weil Israel „die Vergangenheit Europas darstellt“, weil die „Europäer uns in die Augen schauen und sich erinnern müssen, was passiert ist.“

Der sogenannte Nahost-Konflikt, bei dem es um Landstriche geht, die in ihren Dimensionen denen des Landes Hessen gleichen, ist keiner um einen Gewinn im materiellen Sinne. Wäre er ein dergestalt „rationaler“ Konflikt, wie Linke mit Spürnase für strategische Interessen meinen herausgefunden zu haben, wäre er längst beigelegt; dass er es nicht sein kann, dass das deutsch-europäische Interesse an ihm so überproportional und eindeutig projektiver Natur ist, zeigt, dass der globale Antizionismus auf Israel genau so losgeht wie es zuvor der unverblümte Antisemitismus gegen das „Judentum“ tat. Antiisraelische Politik und Propaganda und volkstümliches, antisemitisches Bedürfnis einigen sich in einer paradoxen Kreation: einem antifaschistischen Antisemitismus, der Israel zum „faschistischen“ Staat, im etwas feineren UN-Sprech zum „Rassisten“ und „Menschenrechtsverletzer“, deklariert.

Die Europäer, aus deren Reihen sich derzeit nur Teile der politischen Klasse Großbritanniens wohltuend durch Zurückhaltung abheben, wofür die britische Botschaft in Berlin vom antisemitischen Mob am palästinensischen „Tag des Bodens“ mit Steinen eingedeckt wurde, können tatsächlich nur in den Kategorien, die der Nationalsozialismus setzte, von Israel denken. Deutschland, das Land eines heute als diplomatische Waffe gegen Israel eingesetzten Versöhnungskultes, entwickelte mit diesem Kult die notwendige „moralische“ Sichtweise. In der schon von je feindselig durchwirkten und nur mühselig zugestandenen Singularität Israels, begründet aus der Massenvernichtung der europäischen Juden, schwang schon immer das Moment mit, den Opfern nicht verzeihen zu können, was man ihnen angetan hatte. Die deutsche Manie der Versöhnung zielte stets darauf, Israel abzuluchsen, dass es ja gar nicht sooo schlimm gewesen sei, dass schließlich niemand frei von Schuld sei und läuft auf jenen bundesrepublikanischen Philosemitismus heraus, demzufolge man ja eigentlich auch Jude sei, ja eigentlich mehr als der Jude noch gebeutelt werde vom historischen Schicksal und von der Welt unverstanden bliebe. Es galt, mit der Gleichstellung von Juden und Deutschen im Zeichen der Versöhnung die Verbindung zwischen der Singularität der Judenvernichtung und der Gründung des jüdischen Staates zu lösen. Joschka Fischer eifert darin die im Führerbunker zu Ramallah ausharrende deutsche Friedensfee Julia Deeg genauso nach wie ein anderes deutsches Seelchen, der EKD-Auslandsbischof Rolf Koppe: Den befriedigt es ungemein, dass die Juden endlich nicht nur als Opfer, sondern auch als Täter dastünden, die christliche Kirchen angreifen, „einen Tabubruch ersten Ranges“ (Welt, 4.4.2002) begingen, hinter dem die EKD ihren eigenen versteckt, nämlich sich endlich wieder alter antijudaischer Stereotype bedienen zu können, um gemeinsam mit „Pax Christi“ so recht gegen den „westlichen Egoismus“, vulgo das „raffende Kapital“ hetzen zu können.

Die Vorlage für derlei hatten in den 70er und 80er Jahren die Magazine der radikalen Linken, die israelische Politik mit Lagern, Gas und Endlösung assoziierten, geliefert. Phantasierten während des Libanon-Kriegs taz und Arbeiterkampf von der „Endlösung der Palästinenserfrage“, so fabulieren heute SZ und die österreichische Neue Kronen-Zeitung vom „totalen Krieg“ (2.4.2002) Israels gegen die Palästinenser und der Osservatore Romano des Vatikans von der „Vernichtung des Heiligen Landes“ (5.4.2002). Norbert Blüm schließlich, der „Herz-Jesu-Sozialist“ der alten BRD, bezeichnet gegenüber Israels Botschafter Shimon Stein die verzweifelte Polizeiaktion Israels gegen die operative Basis rivalisierender Milizen namens „Autonomiegebiete“ als „hemmungslosen Vernichtungskrieg“. Als ob ein Vernichtungskrieg nicht vielmehr aus diesem Gangland gegen Israel geführt würde; aus einem Gebiet, in dem die Staatsbande „Al-Fatah“ Selbstmordattentäter ausbildet, besoldet und die Angehörigen berenten lässt, in dem die sogenannten Sicherheitskräfte eigenhändig den Transfer dieser Attentäter „hinter israelische Linien“ besorgen (FAZ, 30.3.2002), während die Richter nach „palästinensischem Recht“ Judenmord nicht als Straftatbestand anerkennen (FAZ, 4.12.2001).

Teil 2: Unschuld contra Verderbtheit.

Die in der europäischen Propaganda allgegenwärtige Konstruktion, dass Israel und die Juden eigentlich die Nazis von heute darstellen, ist dabei nicht allein nur der nachträglichen Legitimation des bereits vollzogenen Judenmordes geschuldet, sondern bereitet ebenso aktuellem wie künftigem Morden den Weg.

Weil es einer der Grundzüge des Antisemitismus ist, sich als berechtigte Notwehr gegen die Juden zu empfinden, kann er auch nicht innehalten. So finden sich alle Figuren des klassischen Antisemitismus in seiner neuesten, monströsen Notwehr-Konstruktion, die zusammen den „Nahost“-Konflikt in seiner medialen Aufbereitung als auch politischen Instrumentalisierung ergibt, aufgehoben – und jeder, der die „Elemente des Antisemitismus“ gelesen hat, müßte sie leicht als solche erkennen, „die völkischen Phantasien jüdischer Verbrechen, der Kindermorde und sadistischen Exzesse, der Volksvergiftung und internationalen Verschwörung (,die) genau den antisemitischen Wunschtraum (definieren)“ (1): Die Juden als Synonym der Überwältigung der vormodernen Unschuld durch die technologisch-zivilisatorische Verderbtheit; Macht und Geld contra Tradition und Gemeinschaft; Panzer gegen Kinder, Soldaten gegen Priester, Wasserdiebe gegen Kleinbauern.

Diese Bildersprache, die mit zutiefst archaisch-regressivem seelischen Material arbeitet, bestimmt die „europäische“ Sicht, die genau darin mit der ihrer palästinensischen Schützlinge übereinstimmt, die glauben, von den Juden durch Giftgas unfruchtbar gemacht zu werden, die glauben, dass Juden das Blut von Arabern trinken, die glauben, dass Juden heroinbestrichene Briefmarken verteilen, die eigentlich alles glauben, was die Register der Psychopathologie zu bieten haben (2). So wird denn auch der Mord an Juden, sowohl in der Phantasie deutscher Friedensfreunde als auch im arabischen Schulbuch, zur Notwehr gegen die Massaker, die Juden angerichtet hätten, wäre ihnen nicht der Antisemit in den Arm gefallen. Besser als ein nach eigenem Bekunden palästinensischer Randalierer es auf einer BAHAMAS-Veranstaltung formulierte, hätte weder die LibÈration noch die National-Zeitung, weder La Repubblica noch junge Welt formulieren können: „Die jüdischen Faschisten wollen über nichts als Auschwitz reden“. Genau deswegen befindet sich Europa im kalten Krieg mit Israel.

Dieser „kalte Krieg“ ist die konsequente Fortsetzung des Jugoslawienkrieges, der, so wie die öffentliche Aufbereitung Jugoslawiens gestrickt war, zum unmittelbaren Vorlauf der heutigen antiisraelischen Aggression zählt. Diese Aggression kann zum tatsächlichen Krieg sich noch nicht aufschwingen, die Marschrichtung aber, die im ersten Fall schließlich auf die Verstümmelung und Delegitimation Jugoslawiens hinauslief, ist die gleiche.

„Damit aber die deutsche Unschuld wieder unbefangen verfolgen kann, muss sie erst glaubwürdig wiederhergestellt werden: Dazu müssen die ehemaligen Opfer des ersten deutschen Gewissenskrieges, der ja auch nicht um den schnöden Mammon, sondern für eine Erlösung der Welt durch Opferung des Bösen geführt wurde, heute die Täter sein“, also das tun, was man selber tat.

„Da man Israel sich als materiellen Kriegsgegner und Schurkenstaat – ein ideeller war es bereits die ganzen letzten 50 Jahre – verkneifen muss, hält man sich an Jugoslawien bzw. Serbien schadlos. Es hat sozusagen als Projektionsfläche des neuen Deutschlands vom alten Deutschland herzuhalten, mit dem dieses neue Deutschland aber gerade in der Projektivität, in der untrennbaren Einheit von Wahn und Staatsraison, innige Seelenverwandtschaft pflegt.“ Die, mit denen wir demonstriert hatten, als diese Zeilen in der BAHAMAS 30 (S.25) erschienen, bewegte allerdings alles andere als der Kampf gegen den deutschen Antisemitismus, der sich zum postmodernen Antifaschismus gemausert hatte und sich doch deutlich durch seine Projektionen verriet. Denn nicht gegen Deutschland und seine Freunde – vorzugsweise islamisierte Völkerschaften, die bloße Großrackets, bewaffnete Banden vorstellen, die außer Terror und Identität nichts zu bieten haben – ging es ihnen; sondern mit dem besseren Deutschland gegen den westlichen Imperialismus wollten sie zu Felde ziehen.

Die Gelegenheit haben sie jetzt reichlich: Je weiter Deutschland und mit ihm Kontinentaleuropa seinen eigenen Imperialismus pflegt, der vom Antiimperialismus nicht mehr zu unterscheiden ist, weil er nichts gewinnen, sondern zerstören will, d.h. einer archaisch-pathologischen Krisenlösungsstrategie verhaftet ist, desto willfähriger fordert seine linke und liberale Öffentlichkeit das, was offen auszusprechen dem Establishment immer noch zu heikel erscheint. Die Stimmung gegen Israel übertrifft dabei noch die gegen Serbien, weil in ihr alle Strömungen … zusammenkommen, die pazifistisch-betroffenen, die multikulturell-„antirassistischen“, die links- oder rechtsdrehenden nationalrevolutionären: Nach einer von der Welt in Auftrag gegebenen emnid-Untersuchung halten 73% der Deutschen Israels Vorgehen für ungerechtfertigt und Sharon für den Auslöser der „Krise“ (Welt, 5.4.2002). Wer angesichts dessen von einer „pro-israelischen“ Öffentlichkeit schwafelt, dem kann es nur um die Zerstörung Israels gehen.

Teil 3: Die Produktion lebender Bomben

Nicht, dass die EU und die UN, die beiden Zentralausschüsse des völkisch-neidhammeligen Antiimperialismus, dies nicht auch wollten; allein, sie müssen über das, was sie praktisch betreiben, noch durch die Blume sprechen. Da beschwert sich ein Kofi Annan bereits Wochen vor Beginn der „Operation Schutzwall“ öffentlich über die „unbeschränkte, konventionelle Kriegsführung“ Israels gegen die Palästinenser (Welt, 20.3.2002). Dass die keineswegs „unbeschränkte“ Kriegsführung Israels elementarste Polizeifunktionen wahrnehmen muss und dies einen hilflosen Versuch darstellt, die komplett schranken- und hemmungslose Kriegsführung der Palästinenser-Gangs gegen alles, was ihnen Jude heißt, einzudämmen und abzuschrecken, darüber schweigt des Vorsitzenden Höflichkeit.

Nicht nur, dass Annan sich noch einmal die Schand-Resolution 3379 vom 10.9.1975, in der „Zionismus“ als „Rassismus“ gebrandmarkt wird, die eigentlich am 16.12.1991 – und damit als einzige jemals – von der Vollversammlung außer Kraft gesetzt wurde, in Durban aufs neue bestätigen ließ, zeigt welches schmutzige Spiel er und die UN treiben. Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNRWA) beispielsweise registriert immer noch Flüchtlinge aus Palästina, obwohl seit 54 Jahren kein neuer Flüchtling aus dem heutigen Staatsgebiet Israels dazugekommen ist. Dennoch ist die Zahl der „Flüchtlinge“ von ursprünglich zwischen 538.000 nach israelischen und 850.000 nach palästinensischen Quellen auf stattliche 4 Millionen heute angewachsen. Flüchtling ist – im klaren Verstoß gegen die sonstige Definition der UNRWA von Flüchtlingen – jeder Nachkomme dieser ursprünglichen Flüchtlinge, selbst wenn er zwischenzeitlich beispielsweise die jordanische Staatsbürgerschaft erlangt hat. (3)

Hält die Bevölkerungsentwicklung in den palästinensischen Autonomiegebieten an – und das wird sie, dafür sorgt die Übereinkunft zwischen islamischer Sexualmoral und dem nationalen Appell, Kinder als künftige Soldaten gegen Israel zu zeugen, wie es die EU-finanzierte „Stimme Palästinas“ täglich fordert -, dann wird es wohl in einem Jahrzehnt weit über 4 Millionen Flüchtlinge geben, die das Land, aus dem sie geflohen sein sollen, noch nie betreten haben. Was sich aus Fernsehen und Radio über die von ihren Eltern und deren Führern schon bei Geburt zum Tode bestimmten Kinder ergießt, klingt so: „‚Folgt mir ins Paradies‘. quäkt eine kitschige Kinderstimme“ – mehrfach täglich – „zu den Bildern des“ – nach aller Wahrscheinlichkeit von eigenen Marodeuren – „am 30.9.2000 erschossenen 12-jährigen Mohammad-al-Dura.“ Das Musik-Programm sieht wie folgt aus: „Ein anderer Spot zeigt einen palästinensischen Sänger: ‚Die Zeit für Spielzeuge ist vorbei‘, singt er schmalzig, und die Kamera zeigt Bilder von Kindern, denen die Puppen und Spielzeuge aus der Hand fallen. Stattdessen greifen sie zu Steinen und rennen auf israelische Armeeposten zu (…) der Sänger flüstert ermutigend: ‚Fürchte Dich nicht vor dem Tod, Märtyrertum ist süß.‘“ (Tagesspiegel, 21.8.2001) Die Konditionierung auf den Tod funktioniert: „Kinder spielen auf den Straßen ‚Märtyrer‘, Aufdrucke mit den Konterfeis der Attentäter zieren T-Shirts und Schlüsselanhänger.“ (Welt, 16.4.2002)

Dass diese „Flüchtlings“-Kinder obendrein in „Lagern“ leben, verdanken sie weniger den Israelis, sondern eben den arabischen Brudernationen, die jegliche Repatriierung der Flüchtlinge, ja sogar die in Aussicht dafür gestellten Finanzhilfen seit 1949 ablehnten und statt dessen die Araber, die das Staatsgebiet Israels verlassen hatten, in Grenznähe zusammenpferchten; eine Tradition, die Arafats Schergen mit deren Nachkommen bis zum heutigen Tage fortsetzen. Dass die entsprechenden Grenzregionen hauptsächlich Jordaniens nach dem Angriff desselben auf Israel nach internationalem Recht 1967 legitimerweise besetzt wurden, passt in das wahrhaft diabolische Konzept: Die arabische Liga und die palästinensische Führung haben mit voller Absicht Millionen von vorneherein verlorener Existenzen gezüchtet, die nur auf Antisemitismus gedrillt sind, lebende Bomben, die seit 1967 auch noch unter israelische Besatzung gekommen sind. Und das nicht nur in Gaza und im Westjordanland, sondern auch an der israelischen Nordgrenze; Syrien, das einst im Libanonkrieg Palästinenser zu Abertausenden massakrierte, lässt die Kinder derer, die den syrischen Flächenbombardements entgingen, heute einen stellvertretenden „Zermürbungskrieg“ gegen Israel führen: Syrische Truppen ziehen sich aus dem Grenzgebiet zu Libanon und Israel zurück, überlassen „zielsichere Raketen iranischer Produktion“ (Welt, 17.4.2002) der Hisbollah; diese schickt sowohl Bewohner der Flüchtlingslager auf never-come-back-Mordmissionen „gegen israelische Farmen, Dörfer und Grenzposten“ (Welt, 8.4.2002), während sie diese zugleich einem Dauerbombardement aus dem Libanon heraus unterzieht.

Dass Herr Annan Israel drängt, das Friedensangebot der arabischen Liga, wie sie es bei ihrer letzten Konferenz in Beirut verabschiedet hat, anzunehmen, wundert nicht; genauso wenig, dass die EU in dieselbe Kerbe schlug: Unter beifälligen Grinsen des Applaus umtosten Saddam Hussein, dessen Irak sich heute noch im offiziellen Kriegszustand mit Israel befindet (seit dem Invasionsversuch 1948), wurde dem ursprünglichen „Abdallah“-Plan, der eine äußerst „zweifelhafte Normalisierung“ gegenüber Israel in Aussicht stellte, nämlich noch das „Rückkehrrecht für alle Flüchtlinge“ beigefügt; eine monströse Forderung nach der Vernichtung Israels, die nicht einmal die UN der 60er Jahre dem Land zumuten wollten, die damals immerhin anerkannten, dass Israel entschädigungslos zwischen 600.000 und einer Million aus den Angreiferstaaten von 1948 geflohener Juden aufnahm.

Da können die Solanas, Pattens und Prodis heutzutage doch erheblich freier von der Leber weg sprechen. Nicht ganz so offenherzig wie Lamers oder Möllemann: Hört jener ausgerechnet durch Joschka Fischer „die Israelis sprechen“ (Tagesspiegel, 6.4.2002), so identifiziert dieser im typischen Wahrheitsdrang des Paranoikers gleich palästinensische Selbstmordattentäter mit deutschen Fallschirmspringern (taz, 4.4.2002). Aber aus den Zentralen der Macht klingt es nur wenig moderater. Ein Wut entbrannter Solana schnauft in die Fernsehkameras der ARD, dass es Israel „noch eidtun würde“, ihn nicht zu seinem Terrorzögling Arafat durchgelassen zu haben und droht gemeinsam mit Schröder mit „Bundeswehrsoldaten“ im „Rahmen eines UNO-Mandats“ (Zeit 16/2002). Kurz zuvor hatte die EU-Kommission entschieden, die Finanzhilfe für die Palästinensische Autonomiebehörde von 10 Millionen Euro monatlich weiterlaufen zu lassen, obwohl Israel am selben Tag Dokumente aus Arafats Hauptquartier vorlegte, die bewiesen, was ohnehin klar war: Dass diese Behörde die Spesen- und Sprengstoffrechnungen der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden bezahlt, was wiederum nur auf dem keineswegs israelfreundlichen US-amerikanischen Fernsehsender CNN zu sehen war.

Und nicht nur Dokumente tauchten auf: Israel fand auf dem Gelände zwei „Lastwagenladungen von SAM-7-Luftabwehrraketen und 200 LAW Anti-Panzer-Raketen“, deren Besitz nach dem Oslo-Vertrag verboten und deren Existenz immer abgestritten wurde (Washington Post, 3.4.2002) .

In Europa debattiert man indessen munter – auf abwechselnd spanische, belgische oder dänische Initiative – immer weiter über einen EU-Boykott gegen Israel, dessen Abriegelung der Palästinensergebiete laut EU-Außenkommissar Chris Patten nach echt antisemitischer Verkehrungslogik Schuld sein soll an der dort herrschenden „Gewalt“ (Welt, 3.4.2002) – und nicht etwa umgekehrt. Nein, man sei keineswegs parteiisch, betont Romano Prodi, obwohl die EU der größte Sponsor eines Gebildes ist, das durch nichts als Terror gegeneinander, kanalisiert im antisemitischen Terror gegen Israel, zusammengehalten wird: 179 Millionen Euro pro Jahr zahlte die EU in den letzten sechs Jahren an die Palästinensische Autonomiebehörde (Welt, 4.4.2002). Nein, parteiisch ist man in Brüssel nicht. Prodi: „Wir unterscheiden nicht zwischen Palästinensern und Israelis. Alle Gewalttaten sind gleich abscheulich.“ (ebenda) Die Verhaftung von Terroristen und Mördern, die ohne jede Veranlassung Heckenschützen auf Autofahrer und lebende Bomben auf Einkaufszentren loslassen, ist dem Europäer diesen Mordtaten gleich; das Töten von Juden um einer „Heimat“ willen, die den Mörder so wenig interessiert, dass sie ihm nur den Schauplatz seines Todes abgibt, gilt Herrn Prodi gleich dem verzweifelten Versuch Israels, solches in Zukunft zu verhindern: Arafat würde als Mitglied der EU-Kommission allein durch seine Kleidung, aber nicht durch seine Statements auffallen.

Teil 4: Von Racak nach Jenin

Auch die EU ist eine Meisterin des abgekarteten Spiels, wie es die Palästinenser seit Oslo demonstrieren: Immer wieder profiliert sich ein weiser Friedensonkel – hier Arafat, dort Fischer – gegen die „Radikalen“, der doch nur erntet, was diese zu seinem Frommen gesät haben. Insistierte bereits Dänemark darauf, Sharon vor ein europäisches Tribunal zu bringen, so ist es auch der norwegische UN-Sondergesandte Roed-Larsen, der in Jenin die Auschwitzkarte spielte, von einem „Schrecken, der das Verständnis übersteigt“ (Welt, 19.4.2002) spricht und die palästinensische Propaganda von „Hunderten von Toten“ durch bewusst unklare Formulierungen stützte. Selbstverständlich weiß er, dass er lügt: Ein italienischer Journalist hatte wegen des nahezu fehlenden Verwesungsgeruchs bereits Tage vorher die Angaben der israelischen Armee von einigen „Dutzend“ getöteter Kämpfer gestützt (Welt, 15.4.2002), eine Schätzung, die von französischen Beobachtern – u.a. Bernard-Henri Levi, der im ehemaligen Jugoslawien nie um einen „Völkermord“ verlegen war – bestätigt wird: „Wahnsinnsworte wie Massaker sind hier unangebracht“ (Welt, 20.4.2002). Die meisten Gebäudezerstörungen gingen darauf zurück, dass die Häuser „von Bewaffneten in Sprengfallen“ für die Israelis verwandelt wurden. Diese Form des tatsächlichen totalen Krieges, den die palästinensischen Milizen gegen ihre eigenen Behausungen, gegen ihre eigenen Kinder praktizierten, kostete – ziemlich massakerunüblich – 23 israelische Soldaten das Leben. Selbstverständlich wissen das Roed-Larsen, die EU-Kommission, Kofi Annan; allein, nicht einmal die schweren antisemitischen Ausschreitungen in Dänemark rund um das Länderspiel gegen Israel am 17.4.2002, denen durch die Massaker-Lüge Vorschub geleistet wurde, vermochten die Damen und Herren in ihrem Treiben zu irritieren.

Gegen derlei Gräuelpropaganda kann Fischer sich immer wieder als moderater Gegner von Sanktionen gegen Israel profilieren, um dann mit „Friedens“-Vorschlägen wahrhaft kosovarischer Dimension herauszukommen, die die deutsche Mission, sich als antifaschistische Patronatsmacht gegen den jüdischen Staat aufzuspielen, komplettieren durch die Delegitimation Israels als Schurkenstaat, der unter UN-Kontrolle gehalten werden müsse – eines der wichtigsten Etappenziele des palästinensischen Kampfes zur Vertreibung der Juden durch Traumatisierung und Zermürbung wäre damit erreicht: „Internationale Schutztruppen als dritte Partei sind wünschenswert“, souffliert Nabil Schaath, Minister für internationale Zusammenarbeit, seinem Partner Fischer in Berlin (Tagesspiegel, 19.4.2002). Im Außenministerium wiederum scheut man sich nicht Folgendes zu Protokoll zu geben: „Da Israel und Palästina allein keinen Ausweg finden, soll sich als dritte Partei eine Art Kontaktgruppe“ unter Führung des UN-Generalsekretärs „nach dem Vorbild der Balkan-Befriedung einschalten“ (Tagesspiegel, 9.4.2002). Wahrhaft ist die antiisraelische, propalästinensische Kampagne ein Duplikat der langwierigen aber zäh verfolgten Jugoslawienhetze vergangener Jahre, dabei aber doch das verspätete Original jener Hetze. Was Jugoslawien bereits geschah, steht Israel bevor, wenn die USA es nicht verhindern: Erst die Dämonisierung des Versuchs sich des von den Europäern hochgepeppelten Ethno-Bandenterrors zu erwehren, wobei Jenin durchaus die dubiose, aber nützliche Rolle Racaks bekommen kann, dann der internationale Eingriff, der dem Opfer des Terrors die Möglichkeiten zur Gegenwehr aus der Hand nimmt, und dann die von der passiven Mandatsmacht (unter UN-Kontrolle und deutschem Däumchendrehen) stillschweigend geduldete ethnische Säuberung und Judenvertreibung aus dem abgetrennten Territorium bei gleichzeitiger, quasi-offizieller Hochrüstung des Terrorstaates: Dem erzwungenen Rückzug Israels „unter Feuer“ auf die heutzutage kaum mehr zu verteidigenden exakten Grenzen des Jahres 1967 stünde ein Palästinenser-Staat gegenüber, der dann auch offiziell schwere Waffen kaufen dürfte. Kein Nasser war Israel je so gefährlich wie Fischer, dessen Plan schon praktische Konturen zeigt: Zeitgleich zu einem neuerlichen Selbstmordattentat in Haifa, wird ein deutsches „Waffenembargo“ gegen Israel ruchbar (Financial Times, 9.4.2002), welches speziell Panzerersatzteile betrifft – eine gezielte Schwächung der Waffengattung, mit der Israel sich gegen den flexiblen Terror zur Wehr zu setzen gezwungen sieht; kurz darauf fordert das EU-Parlament die Aussetzung der Zollfreiheit, die israelische Importe in die EU genießen (Welt, 12.4.2002).

Wie befreit bricht es aus den Repräsentanten Europas und ihrer globalisierungskritischen Erfüllungsgehilfen hervor, genau in dem Maße, wie gerade die linksgerichteten Eliten Frankreichs und Italiens den Antisemitismus wiederentdeckten und Deutschland lieben lernten: Hoch im Kurs stehen Gemeinwohl, Sozialpartnerschaft und Heidegger. Sie alle – vom Philosophen Baudrillard bis zum Oppositionsführer Veltroni – haben das Ersatzobjekt Jugoslawien endlich eintauschen können gegen das historische Objekt ihrer Begierde: Israel steht an der ideologischen Stelle, an der einst das „Weltjudentum“ stand, und wird zugleich jener Singularität beraubt, durch die es, wie Jugoslawien in einem gewissen, abgeschwächten Sinne auch, an die letzte globalisierungskritische Krisenlösung, die nazistische Kombination aus europäischer Gemeinschaft und Judenvernichtung, erinnert.

Der unwürdige Stalinistengreis Fritz Teppich, den der Tagesspiegel allen Ernstes als Vertreter der „Berliner Juden“ anführt, vergleicht „Selbstmordattentäter mit jüdischen Kämpfern im Warschauer Getto“ (9.4.2002), während in Frankreich der 68er Slogan: „Wir sind alle deutsche Juden“ zeitgemäß zur Demo-Parole „Wir sind alle Palästinenser“ mutiert, die die Libération als Schlagzeile übernimmt (3.4.2002). Und tatsächlich eint genau diese Parole den „Front National“ mit den maghrebinischen Jung-Antisemiten, die Brüsseler Deregulierer mit den autoritär-völkischen Globalisierungsgegnern von „attac“, den Papst mit dem islamischen Freitagsprediger. Alle sind sie Palästinenser, viel mehr noch als sie vor Jahren sogenannte „Kosovaren“ waren. Und das nicht nur, weil sie in den Palästinensern ideale Bauchredner gefunden haben, die an der Holocaust-Gedenkstätte am Berliner Wittenbergplatz herumpöbeln und statt ihrer eine für von „Juden begangene Verbrechen“ fordern (SFB-Abendschau, 8.4.2002).

Die palästinensischen Mordbanden sprechen nicht nur aus tiefster deutscher Seele, sie sind so deutsch, wie es sich die Deutschen mitsamt ihrer offenen Verbündeten und heimlichen Bewunderer zuletzt im II.Weltkrieg zu sein gestatteten. Jagte schon die UCK einer Beute nach, die sich tatsächlich in Wegerechten und -zöllen eines modernen Raubrittertums erschöpfte und gerade weil dem so ist, es nicht unter „Groß-Albanien“ bewenden lassen kann, so ging es wenigstens noch um Beute, bestand sie auch nur im spärlichen Hab und Gut des Nachbarn. Der Kampf der Palästinenser aber ist nur noch und wahrhaft idealistisch – und damit dem von Europa propagierten „Gewissenskrieg“ (Habermas) so zutiefst ähnlich.

Palästinenser sind sie alle, weil sie sich wie Gangster aufführen, die sich um die Beute nicht kümmern; die sich aus Prinzip und nicht um des Erwerbsstrebens willen mehr in Gangs und Rackets zusammenrotten. Diese Zusammenrottung, wie sie das Westjordanland heute beherrscht, lebt buchstäblich allein von der Zugehörigkeit zur Volks-Bande, die von der EU und den christlichen Kirchen ausgehalten wird und die nur im Vernichtungswillen gegen das Abweichende oder abweichend Gemachte ihren Daseinsgrund hat – Handel und Warenverkehr mit dem benachbarten Israel werden bewußt unmöglich gemacht; zur Abschreckung wie zur „Kindererziehung“ schlachtet man obendrein ständig „Kollaborateure“ viehisch dahin, hunderte Male zuvor so wie in Hebron am 23.4.2002: „Der erste Körper hing verkehrt herum (…) war mit Draht an dem Strommast befestigt, sein rechtes Bein stand in einem obszönen Winkel ab. Der zweite Körper war unendlich viel schlimmer zugerichtet, eine Metzgerarbeit (…) der fast nackte Torso zerrissen von Stichwunden. Zehn oder zwölf Jahre alte Palästinenser stachen in die Wunden und jaulten dabei vor Freude. Sein Kopf war vom Rest des Körpers fast abgetrennt (…) das Gesicht immer noch verzerrt vor Entsetzen (…) ‚Das ist eine Lektion für alle. Jeder sollte dies hier sehen’“, bemerkte „ein beleibter Mann mittleren Alters mit einem großen braunen Bart“ (Welt, 24.4.2002).

Da nur die Bandenchefs, allen voran Arafat und seine Hofschranzen, tatsächlich von der europäischen Terrorrendite profitieren, schlägt die verständliche Unlust des Fußvolks, auf Gedeih und Verderb der Bande anzugehören, obwohl man sich davon nichts Nennenswertes mehr noch versprechen kann, in Todessehnsucht um, die die verhasste Außenwelt, Juden, Amerikaner, Verräter, unmoralisch Lebende etc. mit ins Verderben reißen will.

Teil 5: Morbidität und Psychose

Das macht das „Faszinosum“ Palästina aus, wie Jenninger auf den NS hin formulierte. Zusammengeschlossen ohnehin nur in paramilitärischen Verbänden, exerziert es ein Katastrophenmodell vor, welches auf das an seinem eigenen kapitalistischen Antikapitalismus erstickende Deutschland, aber nicht minder auf andere EU-Mitglieder so enorm anziehend wirkt.

(…) Die Opferung der Überflüssigen durch die Überdrüssigen, wie ihn die beiden deutschen Weltkriege leisteten, in denen zynische alte Männer die todeswütige Jugend ins Blutbad schickten, ist der Grund, warum gerade das offenkundig unendlich Destruktive am Kampf der Palästinenser so identifikationsfördernd wirkt. Gerade, weil sie keinen Staat Palästina wollen, sondern nur die Juden ins Meer treiben, weil sie keinen Alltag, sondern den permanenten Ausnahmezustand suchen, sind sie das perverse Lebenselixier der bösartigen alten Welt. Der stets schwärmerisch und ethisch auftretende Nihilismus, die Gleichgültigkeit gegen alles in diesem Leben Mögliche und Bestehende, der Kampf also um etwas, was einen längst nicht mehr interessiert, nenne es sich Palästina, Großalbanien oder Großdeutschland, die „idealistische“ Mischung aus Gangstertum und Millenarismus lässt die bösen Greise allenthalben vor Mordlust erschauern und die ihnen unterworfene Jugend, die wenigstens im Untergang einmal der Welt des Genusses, für die israelische Teenager in ihren Augen stehen, ihren Stempel aufdrücken wollen, nach Tod und Vernichtung lechzen: Das ist das seelische Holz, aus dem schon immer – insbesondere deutsche – Helden geschnitzt wurden, solche, die narzisstische Selbsterhöhung der profanen Selbsterhaltung vorziehen.

Aus dieser Allianz von Morbidität und Psychose zieht Arafats Bandenterritorium seinen inneren Zusammenhalt; darin aber auch verwirklicht es die kollektiven Visionen seiner internationalen Bewunderer. Visionen, wie sie das Film-Genre der post-apokalyptischen Science-Fiction a la Mad Max auf den Punkt bringt, in welchem Auto und Waffen bewehrte Desperados ohne Erklärung, woher Autos, Benzin, Waffen etc. kommen, mit dem Töten beschäftigt sind. Die zugleich Geängstigten wie Gelangweilten des zusammenbrechenden Etatismus sehnen sich nach dem Inferno des technisierten Naturzustandes – wie des Führers Ehefrau Suha al-Taweel Arafat, die sich zwar aus Gaza nach Paris zurückzog, aber „keine größere Ehre“ kennen würde, als einen Sohn „für Palästina zu opfern“ (Welt, 16.4.2002).

Was man Palästina nennt, ist mehr noch als das Kosovo ein solches Mad Max-Land. Nicht im Kino, sondern als Konsequenz des Osloer Abkommens spielt sich am 1. Juli 1994 an der Grenze zu Israel jenes Szenario ab, das der Augenzeuge Michael Kelly so beschreibt:

„Arafats Einmarsch in Gaza war eine Schaustellung brutaler Macht. Er kam aus dem Sinai in einer langen Karawane von Mercedessen und BMW, 70 oder 80 Wagen bis ans Dach vollgepackt mit Gunmen. Die Karawane donnerte die menschengefüllten Straßen herunter, während die übergewichtigen, Leder bejackten und Sonnenbrillen tragenden Schränke von Arafats Leibwache ununterbrochen schrien und aus den Kalaschnikows feuerten, um ihr geliebtes Volk aus dem Weg des von ihnen geliebten Führers zu räumen.“ (newsweek.com./opinions/a pretense of peace, 4.4.2002)

Bis zum heutigen Tage brachte der „geliebte Führer“ trotz immenser Subvention nicht einmal die Organisation einer Müllabfuhr zustande, von anderen spielend finanzierbaren Mindeststandards völlig abgesehen – solcherlei überlässt man den europäischen Verbündeten oder den vorzugsweise islamischen (aber auch christlichen) Institutionen mit ihrer typischen Kombination aus Almosen und Judenhaß.

Vier Dinge waren es, auf die der Arafat-Clan sich konzentrierte:
> Verhaftung und Hinrichtung potentieller Oppositioneller,
> die Etablierung pausenloser antisemitischer Hetze via Radio und TV,
> die Bewaffnung aller nur möglichen Milizen, Untermilizen und sonstigen Banden, und schließlich
> die Requirierung opulenter Villen mit Seeblick für die Führung.

Wen wundert es, dass 5 Jahre des sogenannten Oslo-Friedensprozesses mehr Israelis das Leben kosteten als die 15 Jahre vor der Übernahme der besetzten Gebiete durch den Friedensnobelpreisträger Arafat?

Neben der saudischen, iranischen und irakischen Unterstützung für „Märtyrerfamilien“ und Institutionen, die solche „Shahide“ produzieren, ist es in erster Linie die staatliche und halbstaatliche europäische Hilfe, die dafür sorgt, dass dieser Albtraum immer weitergeht. Der Alb aber ist deswegen so zwingend, weil er so unnötig ist. Israel bietet und bot einen Staat, Wirtschaftshilfe, ökonomische Beziehungen, der europäisch-islamische Antisemitismus bietet den Millionen verlorener Seelen nur Mord und Tod. Alles spricht dafür, dass diese weiterhin die zweite Option wählen. Das einzige Fünkchen Hoffnung besteht nur darin, dass Antisemitismus zwar mit gesellschaftlicher Naturnotwendigkeit entsteht, es dennoch aber keinen anthropologischen Zwang gibt Antisemit zu werden. Nur das denkbar unwahrscheinlich gute Ende für Israel verhieße auch ein gutes Ende für die auf ein „Sein zum Tode“ gezüchteten jungen Palästinenser; dann nämlich, wenn sie sich endlich weigerten, sich von den bösen Alten, von den Arafats, den Mullahs, vom Papst, von den Husseins und den europäischen Außenministern opfern zu lassen; wenn sie endlich die Herrschaft der Kindersoldatenrekrutierer und Sprengstoffgürtelverteiler brächen, wenn sie endlich darauf bestünden, keine Bestien mehr sein zu wollen. Bis dahin aber kann es nur eine Forderung geben: Solidarität mit den israelischen Streitkräften!

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Anmerkungen:
1) Adorno, T.W./ Horkheimer, M.: Dialektik der Aufklärung, Frankfurt 1989, 195
2) Vgl.: v.d. Osten-Sacken, T./ Uwer, T.: Der arabische Antisemitismus, in: Konkret-Texte 29: Hat Israel noch eine Chance?, Hamburg 2001. Aufschlussreiches findet sich bei MIDDLE EAST MEDIA RESEARCH INSTITUTE, das u.a. politische Texte aus dem Arabischen übersetzt, unter http://www.memri.de
3) Vgl.: Peretz, D.: Palestinians, Refugees and the Middle East Peace Process, Washington 1993