Gedenken des barbarischen Lynchmords von Ramallah

Emanuel Miller, HonestReporting, 12. Oktober 2020

Die Medien lieben ein starkes Bild, aber genau 20 Jahre nach dem brutalen, barbarischen Lynchmord an zwei israelischen Reservesoldaten wird dieses nicht wieder veröffentlicht. Das ist die wichtige Story, die die Medien heute nicht erneut erzählen.

Am 12. Oktober 2000 bogen zwei israelische Reservesoldaten, Vadim Nurzhitz und Yossi Avrahami falsch ab und landeten in Ramallah. Die zwei Reservisten wurden von PA-Polizisten festgenommen und in eine lokale Polizeiwache gebracht.

Schnell verbreiteten sich Gerüchte, dass israelische Undercover-Agenten in dem Gebäude waren und eine wütende Menge von mehr als 1.000 Palästinensern versammelte sich vor der Wache und forderten den Tod der Israelis. Binnen kurzer Zeit überwältigten erboste Randalierer die Polizei und stürmten das Gebäude.

Die Soldaten wurden geprügelt, auf sie wurde eingestochen, ihnen wurden die Augen ausgestochen und Gliedmaßen ausgerissen. Während das geschah, kam ein Mann ans Fenster und zeigte der Menge triumphierend seine blutgetränkten Hände; diese brach in Jubel aus.

Die Menge applaudierte und jubelte, als dann die Leichen der Soldaten aus dem Fenster geworfen und von der rasenden Menge auf ihr herumgetrampelt und geschlagen. Eine der Leichen wurde in Brand gesetzt.

Kurz darauf zog die Menge die beiden verstümmelten Leichen auf den Al-Manara-Platz im Stadtzentrum, wo die Masse eine spontane Siegesfeier begann.

Nur Monate zuvor hatten Israel und die Palästinenser in Camp David begonnen über ein Friedensabkommen zu verhandeln. Israel machte massive Zugeständnisse, bot den Palästinensern weit mehr Land an als jemals zuvor – doch das beispiellos großzügige Angebot wurde von Arafat abgelehnt, sehr zum Entsetzen der Vermittler.

Statt einen dauerhaften Frieden zu schmieden waren die nächsten Jahre von fürchterlicher Gewalt gekennzeichnet, in der Wellen palästinensischer Selbstmordbomber israelische Busse, Einkaufszentren, Universitäten, Restaurants und Clubs angriffen.

Der bösartige Lynchmord an zwei israelischen Soldaten in einer eher liberal gesonnenen palästinensischen Stadt zeigte den Israelis, dass Frieden zwar sicherlich ein Ziel ist, aber solcher Hass und Gewalt auf der palästinensischen Seite massive Friedenshindernisse bleiben.

Die tiefgehenden Folgen, die dieser barbarische Akt auf das israelische Bewusstsein hatten, können kaum überbewertet werden. Zwei Jahrzehnte später bleibt dieses Bild eines Palästinensers, der seine blutgetränkten Hände einem frohen Mob zeigt, ins israelische Bewusstsein eingebrannt.

Für viele ist dieses Bild das bekannteste der zweiten Intifada.

Es handelt sich um ein überzeugendes Foto und eine horrende Geschichte. Aber sie stimmt nicht mit dem Narrativ überein, dass Israels die hilflosen Palästinenser gnadenlos unterdrückt. Und sie ist von den Medien heute völlig übersehen worden.

Zwanzig Jahre später hat Israel es geschafft, dass die Wellen der Selbstmordbomber und Schüsse innerhalb Israels komplett eingestellt sind; die Hamas ist zurückgedrängt, so dass deren effektivste Angriffe heute in Form von unregelmäßigen, intensiven Raketenschüssen aus dem Gazastreifen nach Israel.

Derweil verherrlicht die Palästinenserführung weiter solch barbarischen Akte des Hasses, indem sie öffentliche Schulen und Straßen nach verurteilten Mördern benennt und Mörder sowie deren Familien großzügige Gehälter zahlt.

Es liegt an uns dieser Geschichten zu gedenken und sie ständig zu erzählen, damit Journalisten, einfache Leute und Politiker die Brutalität nicht vergessen, der Israel ausgesetzt ist.

Fatah feiert Jahrestag des Beginns der zweiten Intifada

Elder of Ziyon, 30. September 2018

Die zweite Intifada war eine Jahre dauernde Terrororgie, die den Tod tausender Israelis und Palästinenser zur Folge hatte.

Sie tötete den Oslo-Prozess.

Sie überzeugte zahllose linke Israelis, dass es auf der palästinensischen Seite keinen wirklichen Friedenspartner gab.

Und die Fatah, die von Mahmud Abbas geführte Partei, feiert den Beginn der Terrororgie, die vor 19 Jahren anfing.

Sie erwähnen sogar, dass ihre eigenen nationalen Sicherheitskräfte, die von der Welt bewaffnet worden waren, um den Frieden zu erhalten, bei den Angriffen auf Israel mitmachten.

Doch wenn Abbas vor der UNO von „Frieden“ spricht, hat niemand den Mumm ihn zu fragen, warum seine eigene Partei jeden einzelnen Tag in ihren eigenen Medien Terror und Gewalt feiert.

Barghoutis Rolle bei der Anzettelung des Oslo-Kriegs

Zusammengestellt aus dem Newsletter von Arutz-7 und der Homepage der IDF, August 2002

Am 14. April 2000 verhaftete eine Einheit der israelischen Armee Marwan Barghouti, Kopf des Hohen Rats der Fatah in der Westbank und Führer ihres militärischen Flügels, der „Al Aksa-Märtyrerbrigaden“. Von September 2000 bis April 2002 führten diese tausende Terroranschläge gegen Israel aus, darunter Selbstmordattentate. In einem Interview, das er am 29. September 2001 der in London veröffentlichten Zeitung „Al Hayat“ gab, legte Barghouti seine Rolle in der Entfachung der „Al Aksa-Intifada“ dar. Hier Auszüge:

„Ich wusste, dass das Ende des Monats September [2000] die letzte Gelegenheit vor der Explosion sein würde, aber als Sharon an der Al Aksa-Moschee ankam, war es der stärkste (passendsted) Augenblick für den Ausbruch der Intifada. Der Grund ist, dass der Fall Jerusalem betrifft und noch mehr die Al Aksa. Seine Bedeutung: die gesamte Region in Brand zu setzen, besonders aber, weil die Frage der Al Aksa die Empfindlichkeit der Massen entflammt und aufheizt…

Am Abend vor Sharons Besuch nahm ich an der Diskussionsrunde eines örtlichen Fernsehsenders teil. Ich fand, dass dies die rechte Gelegenheit war, die Öffentlichkeit aufzurufen am nächsten Morgen zur Al Aksa zu gehen, weil es nicht sein konnte, dass Sharon den Haram-al-Sharif [also den Tempelberg] ‚einfach so‘ besuchen und friedlich wieder gehen sollte. Ich war entschlossen und früh am nächsten Morgen ging ich zur Al Aksa.

Als ich in der Umgebung der Moschee ankam, war ich ehrlich überrascht über die Anwesenheit der Menschen, die gekommen waren. Die Versammlung dort bestand ausschließich aus Palästinensern von 1948, acht von ihnen israelisch-arabische Parlaments-Abgeordnete und mehr als 60 andere gut bekannte Leute. Ich war unzufrieden mit der geringen Beteiligung und als keine Reibereien aufkamen, wurde ich ärgerlich. Wir versuchten erfolglos Zusammenstöße zu schaffen – wegen der aufgekommenen Meinungsverschiedenheiten mit Menschen, die sich zu dieser Zeit um die Spannungsorte auf dem Al Aksa-Platz aufhielten.

Wir brauchten keinen Krieg. Die Frage ist eine vollkommen andere. Kriege brechen aus, weil die Präsidenten oder Kommandierenden der Militärs dies beschließen. Die Intifada aber wurde nicht durch eine Person oder eine Gruppe von Menschen ausgelöst, sondern dadurch erzeugt, dass sie tief in die Gefühle der Massen hinein reicht… Es gab Gegner des Konflikts. Gleichzeitig sah ich in der Situation eine historische Chance den Konflikt auszulösen. Der heftigste Konflikt ist der, der von Jerusalem ausgeht, wegen der Empfindlichkeiten [bezüglich] der Stadt, ihrer Einmaligkeit und ihrem besonderen Platz im Herzen der Massen, die bereit sind sich [für sie] zu opfern, ohne auch nur an den Preis zu denken.

Nachdem Sharon ging, blieb ich etwa zwei Stunden mit anderen bekannten Personen vor Ort. Wir sprachen über die Art der Reaktion und darüber, wie die Menschen in allen Städten und Dörfern [ursprünglich in Lad] reagieren sollten, nicht nur in Jerusalem. Wir stellten Kontakt mit allen Fraktionen her.

Barghouti erklärte, dass er Jerusalem nicht verließ. Vom frühen Donnestagabend bis Freitagmorgen, nachdem er sich mit den Mitarbeitern der Shaviva-Organisatin der Fatah [die zur Jugend der Fatah gehören] abgesprochen hatte. Die Shaviva-Organisation verteilte am Mittwoch, dem Tag vor Sharons Besuch, eine Proklamation und rief die Öffentlichkeit auf, ihre Missbilligung des Besuchs zu äußern. Die Kontaktierungen, auch zu Mitgliedern der Fatah, drehten sich um eine Frage: die Art der Reaktion auf den folgenden Tag – Freitag, den 29. September 2000. Ein Tag, der einer ganzen Generation in Erinnerung bleiben und ins Gedächtnis geschrieben sein wird als der Tag, an dem die Intifada ausgelöst und die palästinensisch-israelischen Verhandlungen der letzten zehn Jahre, wie auch der zerbrechliche Friedensprozess auf den Kopf gestellt wurden. Dieser hat nur eine große Explosion hervor gebracht.

Als Barghouti an diesem Abend Jerusalem verließ, wusste er sehr genau, dass er wenige Stunden später zurückkehren würde… Er kam Freitagmorgen dorthin zurück, um den Ausbruch der Intifada mitzuerleben.

„Als ich in der Altstadt ankam, hatte der Konflikt bereits begonnen. Anfangs konnte niemand hinein oder heraus. Ich ging zur Saladin-Straße; sie war gesperrt. Dann ging ich in die Gegend von A-Tur, zum Elmakuasad-Krankenhaus, um den Zustand der Verwundeten und Verletzten zu untersuchen. Als wir dort ankamen, waren die Auseinandersetzungen [wörtlich: der Konflikt] auch dort angelangt. Rund 3.000 Menschen verbarrikadierten den Bereich.

Das war Krieg. Definitiv. Nun, mehr als jemals zuvor, kam es mir vor, als ob die Stadt Jerusalem brannte. Und ich spürte auch, dass die Jerusalemer und Palästinenser positiv reagierten. Über die Medien rief ich dazu auf, den nächsten Tag zu einem Tag der Solidarität mit Jerusalem zu machen.“

Am selben Abend fuhr Barghouti in das Arabische Dreieck in Israel, wo er an einer Versammlung teilnehmen sollte. Hierzu sagte er:

„Während wir im Auto auf dem Weg ins Dreieck waren, bereitete ich in Kooperation mit den Brüdern [offensichtlich Hamas] ein Flugblatt im Namen des Hohen Rates der Fatah vor, in dem wir zu einer Reaktion auf die Geschehnisse in Jerusalem aufriefen. Als ich nach Ramallah zurück kam, führte ich die Gespräche über den Charakter unserer Aktivitäten und die Fortführung der Reaktion [auf Sharons Besuch] mit den Kontakten weiter, die ich um mich versammelt hatte.“

Barghouti macht deutlich, dass die Dinge noch nicht in Gänze beschlossen waren, obwohl die Reaktion am letzten Samstag des September die Richtung vorgegeben hatte und „niemand etwas dagegen tun konnte, obwohl Druck ausgeübt wurde, um die menschliche Flut in allen eroberten Gebieten aufzuhalten…“

von der Internetseite der IDF (25. April 2002)

Ich denke, das sagt alles darüber aus, wer die „Intifada“ wollte, wer sie vorbereitet und wer sie ausgelöst hatte. Es hatte nichts mit Sharon zu tun. Sein Besuch auf dem Tempelberg hatte erst einmal gar nichts ausgelöst. Die Palästinenserführung musste sogar erst einmal mit der Enttäuschung fertig werden, dass sich kaum ein Mensch unter ihren Leuten dafür interessierte. Sie mussten erst noch heftiger dafür werben, dass der „Aufstand“ los ging. Erst dann, als die Israelis auf Gewalt reagieren mussten, konnte das als Anlass genutzt werden, die „Massen“ aufzustacheln und den Terror zu beginnen.

Hat Sharon die Zweite Intifada ausgelöst?

Aus deutschen Mainstream-Medien (beispielhaft):

tagesschau.de –  Die Chronologie der Ereignisse:
Der Besuch des Oppositionsführers Ariel Sharon auf dem Tempelberg in Jerusalem führt zu blutigen Auseinandersetzungen. Bilanz: mindestens 65 Tote, mehr als 1000 Verletzte.“ 

DER SPIEGEL, Jahreschronik 2001, S. 256:
Scharon, der im September 2000 mit seinem provokanten Besuch am Tempelberg die neue Intifada losgetreten hatte, führt Krieg im eigenen Land.

Hintergrundinfos aus israelischen und christlichen Quellen:

Wer hat die Unruhen ausgelöst?

(9. November 2000) Die Palästinenser behaupten, die Unruhen seien ausgelöst worden durch einen Besuch des Likudführers Ariel Sharon auf dem Tempelberg am 28. September, den sie als Provokation ansahen.
Jedoch war schon vor diesem Besuch ein markanter Anstieg an Spannungen zu beobachten. Diese Spannungen hatten sich bereits vor diesem Datum über mehrere Tage hinweg in einigen Angriffen auf Israelis bemerkbar gemacht. …

… So wurde z.B. bereits am 27. September an der Netzarim-Kreuzung eine israelische Militärpatrouille von palästinensischen Scharfschützen aus dem Hinterhalt überfallen; ein israelischer Soldat wurde dabei getötet.

(Quelle: Israel Defense Forces – Israelische Armee => http://www.idf.il

Auszüge aus: „Overview of the Violence in the Territories, 29 September – 9 November 2000“, aus dem Englischen übersetzt von Viola Oberrauch)Peres zu „stern“: Sharons Tempelberg-Besuch war mit PA abgesprochen

(18.10.2000, H a m b u r g)  Dramatische Wende im Streit um die Hintergründe der aktuellen Gewalt im Nahen Osten: Der Besuch von Israels Oppositionsführer Ariel Scharon auf dem Jerusalemer Tempelberg war zuvor mit den Palästinensern besprochen worden, sagte der israelische Minister Shimon Peres der am Donnerstag erscheinenden Hamburger Illustrierten „stern“. Die Nachrichtenagentur afp zitierte am Mittwochabend in einer Vorabmeldung den Friedensnobelpreisträger mit den Worten: Die palästinensische Seite habe signalisiert, der Besuch Sharons sei „kein Problem“, solange er sich von der Al-Aksa-Moschee fern halte.
Der Auftritt des Likud-Vorsitzenden am 28. September war von arabischer Seite in den vergangenen Tagen stets als Auslöser der sogenannten „Al-Aksa-Initifada“ bezeichnet worden. Der UN-Sicherheitsrat hatte Israel deswegen verurteilt.

(editor@israelnetz.de)

CIA: Arafat hat Krieg gewählt

22.10.2000, W a s h i n g t o n – PLO-Chef Yasser Arafat ist definitiv dazu entschlossen, statt des begonnenen Osloer „Friedensprozesses“ den Weg der Gewalt zu gehen. Zu diesem Ergebnis kommt der Direktor des amerikanischen Geheimdienstes CIA, George Tenet, in einem Bericht an US-Präsident Bill Clinton.
Nach CIA-Einschätzung der Araberkrawalle in den vergangenen drei Wochen sei deutlich geworden, so der Nachrichtendienst „Israelwire“, daß Arafat trotz öffentlich bekundeter Friedensabsichten dazu entschlossen sei, bis zum Ende mit Gewalt für einen eigenen Palästinenserstaat zu kämpfen.
Tenet habe dem amerikanischen Präsidenten mitgeteilt, daß die täglichen Feuerangriffe auf israelische Soldaten und jüdische Siedler innerhalb von Yesha (Judäa, Samaria, Gaza) von hochrangigen Führern der Palästinensischen Autonomiebehörde angeordnet und gebilligt worden seien.
Diese Einschätzung wird auch vom Geheimdienst der israelischen Armee geteilt. (hn)

(editor@israelnetz.de)

Enthüllt: Was Arafat unter „Waffenstillstand“ versteht

09.11.2000, J e r u s a l e m – Ein führender Vertreter der Fatah-Partei Yasser Arafats hat sensationelle Enthüllungen über den mangelnden Friedenswillen des PLO-Chef an den staatlichen israelischen Rundfunk (Kol Israel) weitergegeben.
Der Hörfunk-Korrespondent des Senders für Yesha, Avi Yisachar, berichtete am Donnerstag über ein Gespräch zwischen Arafat und dem Anführer der bewaffneten palästinensischen Tanzim-Milizen, Marwan Barghouti aus Ramallah.
Dabei habe Arafat zu Barghouti gesagt: „Jedesmal, wenn Du mich einen Waffenstillstand und ein Ende der Gewalt verkünden hörst, ignoriere sie. Du weißt, daß ich unter starkem Druck aus Europa und Amerika stehe. Ignoriere es und mache weiter. Wir sind wegen der Intifada in einer schwierigen finanziellen Situation. Wir werden keine Finanzhilfe mehr aus den USA bekommen und Israel wird seine monatlichen Zahlungen einstellen.
Unsere Hoffnung ist, Geld von den arabischen Staaten zu bekommen. Aber die arabischen Staaten geben uns kein Geld, wenn es kein Blut gibt.“
Der israelische Minister Shimon Peres kritisierte den Bericht. Er halte es für falsch, Material zu veröffentlichen, das gegen Arafat gerichtet sei. (zö)

editor@israelnetz.de

PALÄSTINENSISCHER MINISTER: DIE INTIFADA WAR SEIT ARAFATS RÜCKKEHR AUS CAMP DAVID GEPLANT.

Der Minister für Kommunikation der Palästinensischen Autonomiebehörde, Imad
Al-Faluji, besuchte vor kurzem den Libanon. Im Flüchtlingslager Ein
Al-Hilweh hielt er eine Rede, in der er klarstellte, dass die Al-Aqsa
Intifada lange von den Palästinensern vorbereitet worden war als Antwort auf
das Scheitern der Verhandlungen in Camp David. Israel hat Al-Falujis
Aussagen der Kommission Mitchell zur Aufklärung der Ursachen des Ausbruchs
der Intifada vorgelegt. Arafat setzte daraufhin Imad Al-Faluji unter Druck,
seine Aussagen zurückzuziehen. Kurz danach teilte Imad Al-Faluji mit, dass
er niemals solche Aussagen gemacht habe. Die nachfolgenden Auszüge seiner
Rede im Flüchtlingslager Ein Al-Hilweh wurden am 03/03/01 in der
libanesischen Zeitung Al-Safir veröffentlicht:

„Das palästinensische Volk ist die stärkere Hälfte der internationalen
Gleichung. Es ist der Geheimcode und der Schlüssel zu Stabilität und
Frieden – nicht nur im Nahen Osten sondern auf der ganzen Welt.“

„Ihr könnt euch sicher sein, dass euer Aufenthalt hier (im Libanon –
d.Verf.) nur zeitweilig ist. Wir werden keiner Macht erlauben, irgend einen
Einwand gegen das Recht auf Rückkehr zu erheben. Ich gratuliere Präsident
Emil Lahud, welcher unzählige Male gesagt hat, dass es keine Lösung für die
Palästinenser gebe wird, die nicht ihr Recht auf Rückkehr nach Palästina
beinhaltet. Wir antworten ihm: Ja. Diese Haltung ist der Konsens des
palästinensischen Volkes und der palästinensischen Führung…. Wir betonen,
dass die palästinensische Führung keinen Friedensvertrag unterschreiben
wird, der nicht die palästinensischen Rechte garantiert, und zuerst und an
erster Stelle das Recht auf Rückkehr (der palästinensischen Flüchtlinge von
1949 in den Staat Israel – d. Verf.), der Befreiung Jerusalems und ihrer
Rückkehr zu voller palästinensischer Souveränität. Dies sind unsere
fundamentalen palästinensischen Prinzipien, an denen wir festhalten und für
die wir kämpfen.“

„Die Al-Aqsa Intifada betont diese Prinzipien und Grundsätze.Wer auch immer
denkt, dass die Intifada wegen des Besuchs des verachteten Sharon in der
Al-Aqsa-Moschee ausbrach, irrt sich, auch wenn dies der Strohhalm war, der
den Rücken des palästinensischen Volkes zerbrach. Die Intifada war von
langer Hand geplant, seitdem Präsident Arafat von den Verhandlungen in Camp
David heimgekehrt war, wo er Clintons Tisch umgestürzt hatte. Arafat blieb
standhaft und griff Clinton an. Er lehnte die amerikanischen Bedingungen ab
und er tat dies im Herzen der USA. “

„Mein Besuch hier im Südlibanon ist eine klare Nachricht an den
zionistischen Feind. Wir sagen: Genau wie der nationale und islamische
Widerstand im Südlibanon Israel eine Lektion erteilte und es erniedrigt und
geschlagen zum Rückzug zwang, so wird der palästinensische Widerstand Israel
eine Lektion erteilen. Der palästinensische Widerstand wird in Tel-Aviv, in
Ashkelon, in Jerusalem, in jedem Zoll des natürlichen Palästinas zuschlagen.
Israel wird keine einzige ruhige Nacht haben. Es wird keine Sicherheit im
Herzen Israels geben.“

„Das palästinensische Volk ist geduldig, aber wenn es handelt – dann kann es
nichts und niemand aufhalten. Wenn das palästinensische Volk von der Wut
gepackt wird, dann wird die Welt es kennen lernen.“

„Wir sagen dem zionistischen Feind und wir sagen der ganzen Welt: Wir werden
zu den frühen Tagen der PLO zurückkehren, zu den Sechzigern und Siebzigern.
Die Falken der Fatah werden zurückkehren, die Brigaden Izz Al-Din Al-Qassam
(Hamas – d. Verf.) werden auch zurückkehren und die roten Falken (PFLP – d.
Verf.) werden auch zurückkehren. Eine neue Phase wird weitergeführt werden,
bis die Rechte ihren Eigentümern zurückgegeben werden… Wir werden jeden
schlagen, der uns für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich macht,
denn Präsident Arafats Geduld war größer als die Hiobs. Arafat wurde zum
Hiob des 20ten Jahrhunderts wegen dem, was die USA und Israel ihn auferlegt
haben…“

(09/03/01 MEMRI / Urs Pollatschek)

 

Wie der Krieg begann

Khaled Abu Toameh, Jerusalem Post, 19. September 2002 (mafhoum/A-Concept)

Eine Chronologie der palästinensischen Schritte, die zum Ausbruch der Gewalt vor zwei Jahren führten, zeigt, dass sie im Voraus geplant und über die Jerusalem-Frage entzündet wurde.

Wenige Tage nach dem Scheitern des Camp David-Gipfels im Juli 2000 veröffentlichte das palästinensische Monatsmagazin „Al-Shuhada“ (Die Märtyrer“) am 25. Juli den folgenden Brief: „Von der Verhandlungsdelegation [in Camp David], geführt vom Befehlshaber und Symbol, Abu Amar [Yassir Arafat] an das mutige palästinensische Volk: Seid vorbereitet. Die Schlacht um Jerusalem hat begonnen.“

Der Brief erschien unter den Nachwirkungen der Berichte, die von Camp David aus gingen und andeuteten, dass der Gipfel an Arafats Kompromisslosigkeit gescheitert sei. Nach PA-Quellen wurde der Brief von einem hochrangigen Arafat-Berater geschrieben und vom PA-Vorsitzenden vorher genehmigt.

Der Brief wurde in einer Zeitschrift veröffentlicht, die nur unter PA-Sicherheitspersonal verbreitet wurde. Er erschien in keiner der täglichen Zeitungen, die in Jerusalem oder Ramallah veröffentlich werden. Daher war die Botschaft klar, die Arafat seinen bewaffneten Männern vermittelte: „Seid vorbereitet auf Auseinandersetzung mit Israel, die mit aller Macht geführt wird, denn ich lehne es ab israelisches und amerikanisches Diktat anzuerkennen.“

Einen Monat später – lange, nachdem Arafat nach Gaza zurückkehrte – erzählte der (frühere) Polizeichef der PA, General Ghazi Jabali, der offiziellen palästinensischen Zeitung „Al-Hayat al-Jadida“ am 14. August: „Die palästinensische Polizei wird zusammen mit den edlen Söhnen des palästinensischen Volkes die Führung übernehmen, wenn die Stunde der Konfrontation kommt.“

Freih Abu Middein, PA-Justizminister, sagte, er könne das Menetekel an der Wand sehen. In einem Interview mit derselben Zeitung, veröffentlicht am 24. August 2000, warnte er: „Gewalt steht vor der Tür und die Palästinenser sind bereit sogar 5.000 Tote zu opfern.“ Die Erklärung erfolgte nach einer Reihe von Treffen, die Arafat mit seinen Ministern abhielt.

Ein weiteres offizielles Organ der PA, „Al-Sabah“ (Der Morgen), gab am 30. August 2000 den Ton der Eskalation wieder, als es erklärte: „Wir werden voran gehen und eine General-Intifada für Jerusalem ausrufen. Die Zeit für die Intifada ist da, die Zeit des Jihad ist gekommen.“

Die rhetorische Eskalation begann noch bevor Arafat und sein Gefolge Camp David verließen. Ein PA-Vertreter, der Arafat begleitete, sagte, der PA-Vorsitzende sei wütend auf Israel und die USA, weil diese ihn beschuldigt hatten für den verpfuschten Gipfel verantwortlich zu sein. Er hatte das Gefühl, dass Premierminister Ehud Barak und US-Präsident Bill Clinton nun versuchen würden ihn zu isolieren, indem sie erklärten, das palästinensische Volk verdiene eine bessere Führung.

Bei seiner Rückkehr aus Camp David erhielt Arafat einen Heldenempfang durch sein Volk, weil er als der arabische und muslimische Führer dargestellt wurde, der es ablehnte Kompromisse bezüglich ihrer historischen, nationalen und religiösen Rechte einzugehen. Meinungsumfragen zeigten einen dramatischen Anstieg seiner Beliebtheit und selbst seine säkularen und religiösen Rivalen überhäuften ihn mit Lob für seine Kompromisslosigkeit. Arafat erzählten Gratulanten, die ihn in Ramallah besuchten, dass er ablehnte der „zweite Sadat“ zu werden; der ägyptische Präsident Anwar Sadat war von vielen Arabern wegen seines Separatfriedens mit Israel verurteilt worden.

„Willkommen Arafat – Held des Krieges und Held des Friedens“, lautete ein Spruchband in den Straßen von Gaza, als Arafats Autokolonne vom Flughafen zu seinem Büro fuhr. Auf einem anderen stand: „Wir haben Jerusalem vor Augen, morgen haben wir es in unseren Händen.“ (Komisch, wieso werden da Erinnerungen wach an Parolen wie „Heute gehört uns Deutschland, morgen die ganze Welt“ – oder bin ich zu empfindlich?)

Früher an diesem Tag marschierten hunderte Palästinenser durch die Stadt und verlangten die Rückkehr zur Intifada gegen Israel. Belebt vom Fehlschlag von Camp David veröffentlichten Hamas und Islamischer Jihad Erklärungen, in denen Arafat gedrängt wurde die Friedensgespräche mit Israel aufzugeben und zum bewaffneten Kampf zurückzukehren. Die beiden radikal-islamischen Gruppen betrachteten den Zusammenbruch von Camp David als weiteren Beleg dafür, dass Israel nicht ernsthaft einen gerechten und umfassenden Frieden mit den Palästinensern wollte. Ihre Sprecher sagten Arafat auch, dass, wenn der Gipfel etwas beweise, dann die Tatsache, dass die USA bei ihrer Einseitigkeit zu Gunsten Israels blieben.

Nach dem Fehlschlag von Camp David besuchte Arafat fast alle arabischen Staaten, außer Syrien und den Irak. Er bat die Führer dieser Staaten um Unterstützung für seine Haltung. Er besuchte auch eine Reihe europäischer Länder in dem Versuch, seine Haltung zu erklären. Es wird berichtet, dass er den arabischen Königen und Präsidenten sagte: „Jerusalem und seine heiligen Stätten, besonders die Al Aksa-Moschee, gehören einer Milliarde Muslime und ich habe nicht das Recht, sie irgendjemandem zu überlassen.“

Die arabischen Führer versicherten Arafat, dass sie hinter ihm stünden, aber seine Nach-Camp David-Tour durch andere Hauptstädte der Welt stellte die Tatsache heraus, dass zum erstenmal seit Jahren die Sympathie nun auf Seiten Israels war. Für Arafat deutete das den Anfang seiner Isolation in der internationalen Arena an. Seit fast drei Jahrzehnten war der PLO-Führer daran gewöhnt von Königen und Staatsoberhäuptern auf der ganzen Welt einen roten Teppich ausgerollt zu bekommen. Er hatte sich auch daran gewöhnt, von seinen Gastgebern sympathisierende Worte für sich und die von ihm vertretene Sache zu hören. Jetzt fingen die Dinge an für Arafat im Westen anders auszusehen.

Der stellvertretende US-Außenminister Edward Walker wurde auf eine regionale Besuchstour durch 14 Staaten geschickt, um einen Versuch in letzter Minute zu unternehmen, die arabischen Verbündeten davon zu überzeugen, ihre Unterstützung von Arafats Haltung zurückzuziehen, aber es war schon zu spät.

Als sich der Druck auf ihn verstärkte, wurde Arafat noch trotziger, als er seine Pläne erläuterte, er würde am 13. September 2000 einen Palästinenserstaat ausrufen. In einem Interview mit einer saudischen Zeitung am 1. August sagte er: „Es gibt keinen Rückzug von dem festgelegten Zeitplan der Ausrufung des Staates. Er wird zur festgelegten Zeit am 13. September ausgerufen, so Allah will, egal, wer dem zustimmt oder nicht.“

Fast alle arabischen Staaten gaben Arafat ihren Segen für die Idee der Ausrufung des Staates. Der PA-Vorsitzende erhielt eine Verpflichtung zur diplomatischen Anerkennung durch den südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki, dessen Land damals großen Einfluss auf die Entscheidungen vieler anderer Staaten der Dritten Welt hatte. Arafat war so zuversichtlich, dass er breite Unterstützung erhalten würde, dass er das PA-Ministerium für Planung und internationale Kooperation anwies das Training von Palästinensern für diplomatische Posten im Ausland zu beginnen.

Aber am 10. September wurden Arafat und das Zentralkomitee der PLO – einmal mehr – zu einer Vertagung der geplanten Ausrufung des Staates gezwungen. Die Entscheidung erhöhte nur das bittere Gefühl unter den PA-Offiziellen, die die USA beschuldigten blind Israel zu unterstützen und den Rest der Welt bezüglich der Gründe für das Scheitern des Camp David-Gipfels zu täuschen.

Zusammen mit der politischen Offensive, die fast unmittelbar nach Camp David begann, bereitete die PA auch eine mögliche militärische Auseinandersetzung mit Israel vor. PA-Sicherheitsbeamte, die in den örtlichen Medien interviewt wurden, sprachen offen von einer drohenden bewaffneten Konfrontation. Einige warnten sogar davor, dass die PA-Gebiete in einen „Friedhof“ für die IDF verwandelt würde, sollte Israel sich entschließen, die Westbank und den Gazastreifen wieder zu besetzen. Ihre Erklärungen kamen als Antwort auf die Bemerkung des früheren israelischen Generalstabschefs Shaul Mofaz, der warnte, Israel würde Panzer und Kampfflugzeuge benutzen, wenn die Palästinenser eine bewaffnete Offensive begännen.

Nach Berichten aus Gaza von Mitte August hielten einige paramilitärische Einheiten der PA Manöver in Battalionsstärke ab. Darüber hinaus wurden viele hochrangige PA-Sicherheitsoffiziere zu militärischen Trainingskursen in Ländern wie Ägypten, Jemen, Algerien und Pakistan geschickt. Zuhause begannen die Palästinenser die Spannungen zu spüren, als Mitglieder der Force 17, Arafats präsidialer Elitegarde, beobachtet wurden, wie sei Gräben aushoben und ihre Positionen mit Sandsäcken stark befestigten. Innerhalb von Tagen sahen die meisten Polizeistationen und -kasernen der PA wie militärische Festungen aus.

Als der Camp David-Gipfel abgehalten wurde, begann Arafats Fatah-Organisation – die größte Fraktion der PLO – palästinensische Jugendliche für die bevor stehende Gewalt in 40 Trainingscamps in der Westbank und dem Gazastreifen auszubilden.

Einige PA-Vertreter und Zeitungskommentatoren begannen auch dazu aufzurufen die Strategie der Hisbollah zu übernehmen, von der sie glaubten, sie habe einige Monate vorher zum Rückzug der IDF aus dem Südlibanon geführt. Hisbollah-Führer, einschließlich Generalsekretär Hassan Nasrallah, erschienen in arabischen Satelliten-Fernsehsendern um sich über Arafat und seine Verhandler lustig zu machen; das Argument war, dass Palästina nur durch Gewalt befreit werden könne und nicht auf Gipfel wie dem in Camp David abgehaltenen.

Inzwischen war die Atmosphäre auf der palästinensischen Straße die, dass man sich „am Vorabend eines Krieges“ befindlich fühlte. Als Teil der Bemühungen, die Vorwürfe zurückzuweisen, dass die PA für das Scheitern der Gespräch in Camp David verantwortlich sei und die Palästinenser einmal mehr eine historische Gelegenheit ausgelassen hatten, verstärkten PA-Minister und -Abgeordnete ihre Kritik an Israel und den USA.

Von der PA ernannte Imame in den Moscheen der Westbank und des Gazastreifens begannen Israel als „den zionistischen Feind“ zu bezeichnen und drängten alle Muslime sich für den Krieg gegen die „Ungläubigen“ zu mobilisieren. Mit den Worten eines Predigers aus Gaza: „Alle Waffen müssen auf die Juden gerichtet werden, auf die Feinde Allahs, die verfluchte Nation im Koran, die der Koran als Affen und Schweine beschreibt, als Anbeter des Kalbes und Götzenverehrer.“

Andere Imame sprachen von der Notwendigkeit und der Pflicht Palästina von dem zionistischen Aggressor zu befreien. Diesmal wurde nicht nur davon gesprochen die Westbank und den Gazastreifen zu befreien. Jetzt verlangte man Jerusalem, Jaffa, Haifa und Aschkelon.

Israel wurde auch beschuldigt unter den jungen palästinensischen Männern und Frauen Drogen zu verteilen, um sie zu korrumpieren und den Zusammenbruch der palästinensischen Gesellschaft herbeizuführen. Zusätzlich zu den Drogen glaubte man auch, die Israelis würden hinter sexuell stimulierenden Kaugummis stecken, die in palästinensischen Geschäften gefunden wurden. Das angebliche Ziel: palästinensische Frauen zu Prostituierten zu machen. Als die Spannungen sich verstärkten, warfen PA-Vertreter Israel vor „radioaktive Gürtel“ zu verbreiten, die Krebs verursachten.

Eine vom Palestinian Center for Policy and Survey Research durchgeführte Umfrage vom 3. August deutet an, dass zwei Drittel der Palästinenser eine neue Intifada gegen Israel unterstützten. Das war das erste Mal seit der Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen, dass eine Mehrheit der Palästinenser sagte, sie befürworteten Gewalt gegen Israel.

In einem Versuch, den unvermeidlichen Zusammenstoß zu vermeiden, trafen sich hochrangige israelische und palästinensische Vertreter, darunter PA-Generalsekretär Tayeb Abdel Rahim und der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Ephraim Sneh, um die Spannungen abzubauen und den Ausbruch von Gewalt in Folge des Scheiterns der Gespräche von Camp David zu verhindern. Die Treffen waren von Arafat unter Druck Washingtons genehmigt worden.

Mehr als ein Jahr später, zum ersten Jahrestag der Intifada, gab Fatah-Führer Marwan Barghouti am 22. Oktober der arabischen Londoner Zeitung „al-Sharq al-Awsat“ ein Interview, in dem er zugab, dass er eine direkte Rolle in der Auslösung der Intifada spielte. Er sagte: „Ich wusste, dass das Ende des September der letzte Zeitraum vor der Explosion war, aber als Sharon die Al Aksa-Moschee erreichte, war das der passendste Augenblick für den Ausbruch der Intifada… In der Nacht vor Sharons Besuch nahm ich an einer Diskussion in einer örtlichen Fernsehstation teil und nutzte die Gelegenheit die Öffentlichkeit aufzurufen, morgens zur Al Aksa-Moschee zu gehen, denn es konnte nicht sein, dass Sharon einfach so auf den Haram-al-Sharif [also den Tempelberg] ging und ihn friedlich wieder verlassen könnte. Ich ging am Morgen zur Al Aksa… Wir versuchten vergeblich Zusammenstöße zu provozieren, weil zu dieser Zeit Meinungsverschiedenheiten mit anderen im Bereich der Al Aksa aufkamen… Nachdem Sharon wieder gegangen war, blieb ich zwei weitere Stunden in Gegenwart andere Leute dort. Wir diskutierten die Art der Antwort und wie es möglich war, in allen Städten zu reagieren, nicht nur in Jerusalem. Wir kontaktierten alle [palästinensischen] Fraktionen.“

Barghouti fuhr später am Tag in den Bereich des „Dreiecks“ in Israel, wo er an einer Konferenz teilnehmen musste. Er erklärte: „Während wir im Auto auf dem Weg ins Dreieck waren, bereitete ich in Kooperation mit den Brüdern [d.h. der Hamas] ein Flugblatt im Namen des Obersten Komitees der Fatah vor, in dem wir zu einer Reaktion auf die Geschehnisse in Jerusalem aufriefen.“

Imad Faluji, PA-Kommunikationsminister, gab am 11. Oktober 2001 zu, dass die Gewalt bereits im Juli geplant worden war, lange vor Sharons „Provokation“. Er sagte: „Wer immer glaubt, dass die Intifada wegen des Besuchs des verachteten Sharon an der Al Aksa-Moschee ausbrach, liegt falsch, auch wenn dieser Besuch der Tropfen war, der das Fass für das palästinensische Volk zum Überlaufen brachte. Diese Intifada wurde vorher geplant, seit Präsident Arafats Rückkehr von den Verhandlungen in Camp David, wo er Präsident Clinton den Büttel hin warf. Arafat blieb fest und forderte Clinton heraus. Er lehnte die amerikanischen Bedingungen im Herzen der USA ab.“

Sakher Habash, Mitglied des Zentralkomitees der Fatah, sagte in einem Interview mit der PA-Zeitung „Al-Hayat Al-Jadida“ am 7. Dezember 2000: „Nach dem Gipfel von Camp David wurde der Fatah-Bewegung klar, wie Bruder Abu Amar [Arafat] gewarnt hatte, dass die nächste Phase erfordert, dass wir uns auf den Konflikt [mit Israel] vorbereiten, weil Premierminister Barak keine Partner ist, der in der Lage ist den Plänen unseres Volkes nachzukommen. Angesichts dieser Einschätzung war die Fatah die am besten für einen Konflikt vorbereitete Gruppe der [palästinensischen] nationalen Bewegung. Auf dem Camp David-Gipfel dachten wir, dass Präsident Clinton in der Lage sei Druck auf die israelische Regierung auszuüben, bevor er das Weiße Haus verließ, so dass Barak einer für uns akzeptablen politischen Lösung zustimmen würde. Aber es wurde klar, dass die amerikanische Haltung mit der israelischen überein stimmt: mit uns geteilte Souveränität über Haram-al-Sharif und Teilung Ostjerusalems in vier oder fünf Teile, damit die israelische Kontrolle dort sicher gestellt ist.
Angesichts der Information, nach Analyse der politischen Lage nach dem Camp David-Gipfel und in Übereinstimmung mit dem, was Bruder Abu Amar sagt, wurde der Fatah deutlich, dass die nächste Phase die Vorbereitung auf die Konfrontation nötig machte, denn Premierminister Barak ist kein Partner, der dem Streben unseres Volkes antworten kann. Aufgrund dieser Bewertungen war Fatah besser als andere Bewegungen auf diese Konfrontation vorbereitet. Um die ihr zugewiesene Rolle zu spielen, koordinierte Fatah seine administrativen, zivilen und eigenständigen Apparate und war vom Ausbruch der derzeitigen Intifada nicht überrascht… Die Fatah-Bewegung glaubt, dass das Phänomen des umfassenden Kampfes in der Phase der Verhandlungen über den Endstatus auftreten würde.“

Im Oktober fuhr Arafat zum Gipfel von Sharm-el-Sheik, gegen den Willen der meisten Palästinenser-Fraktionen und einiger seiner Minister. PA-Quellen sagten, dass Arafats Entschluss, zu dem Gipfeltreffen zu gehen, hauptsächlich als Antwort auf den Druck von Ägypten und Saudi Arabien kam, die fürchteten, dass die israelisch-palästinensische Krise außer Kontrolle geriet. Was Arafat angeht, waren Premierminister Ehud Barak und seine Regierung nicht länger Friedenspartner.

Wie erwartet wurde das „Feuereinstellungs-Abkommen“ von Sharm el-Sheik von vielen Palästinensern angegriffen, die glaubten, Arafat war unter enormem Druck aus Washington, dem zuzustimmen. PA-Vertreter sagten palästinensischen Journalisten, dass Arafats Zustimmung zu der Vereinbarung „mehr oder weniger Höflichkeit gegenüber Präsident Clinton und dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak entstammte, der Gastgeber des Gipfels war.“ Arafat selbst leugnete später, dass er eine Vereinbarung mit Barak getroffen habe. Er lehnte eine israelische und amerikanische Forderung ab, direkt und persönlich die Palästinenser auf der Straße aufzurufen Zurückhaltung zu üben und die Ruhe wieder herzustellen. „Arafat war durch die Vorwürfe richtig beleidigt, er sei für den Fehlschlag der Gespräche in Camp David verantwortlich“, erklärte ein palästinensischer Unterhändler. „Das ist der Grund, warum er nicht bereit war, sich zu erniedrigen und zu einem Ende der Gewalt aufzurufen.“

Die Intifada war eigentlich das Beste, das Arafat passieren konnte. Sie kam zur rechten Zeit, weil sie die Wut der Palästinenser von dem korrupten und ungeeigneten Regime ablenkte, das er 1994 errichtete. Darüber hinaus vereinigte die Gewalt die Palästinensergruppen gegen den gemeinsamen Feind, Israel, und ließ das Volk sich hinter Arafat versammeln. Gewissermaßen rettete die Intifada Arafat und seine Regierung, weil sie die Wut und die Frustration gegen Israel statt gegen die PA lenkte.

Ein weiterer Grund, warum Arafat in den ersten Tagen der Intifada nicht schnell etwas zur Beendigung der Gewalt unternahm, ist die Tatsache, dass er glaubte, es würde seine Position in zukünftigen Verhandlungen verbessern. Arafat erwartete, dass die Intifada nur einige Tage oder höchstens einige wenige Wochen dauern würde und dass er sie nutzen könnte um Israel und der Welt zu sagen, dass dies eine Folge der fehl geschlagenen Friedensgespräche sei.

Eine Folgerung Arafats nach Camp David ist, dass der beste Weg, mehr Zugeständnisse aus Israel heraus zu holen, darin bestehen würde, weitere Länder in den Friedensprozess einzubeziehen. Eins seiner Hauptziele war nun, die arabischen Länder in den Konflikt mit Israel hinein zu ziehen. Er erinnerte die arabischen und muslimischen Länder wiederholt daran, dass auch sie für Jerusalem und seine heiligen Stätten verantwortlich sind.

Arafat und die Palästinenser wurden einmal mehr von der fehlenden Unterstützung durch den Gipfel der Arabischen Liga schwer enttäuscht, der im Oktober 2000 in Kairo statt fand. Es gab zwar viele Lippenbekenntnisse, aber auch keine Bereitschaft etwas Praktisches vor Ort zu tun.

Heute ist klar, dass die vergangenen zwei Jahre der Gewalt als Teil einer Strategie zur Internationalisierung des Konflikts ausgelöst wurden; Israel sollte zu weiteren Zugeständnissen gezwungen werden. Aber die gewalttätige Taktik geriet außer Kontrolle und gewann eine tödliche Eigendynamik. Es bleibt abzuwarten, ob es einen Ausweg gibt.