Franklin Roosevelt und die Juden

Michael Curtis, The American Thinker, 9. Mai 2018

Von Zeit zu Zeit treten Retter des jüdischen Volks auf. Purim ist ein Feiertag, der die Rettung der Juden vor der Auslöschung im Perserreich feiert. Der Schurke Haman, königlicher Wesir, wollte alle Juden im Reich vernichten, was aber Königin Esther mit Hilfe ihres Cousins Mordechai verhinderte, der sich weigerte wich Hamas Verehrung zu zeigen. Die beiden überzeugten König Ahasveros ihr jüdisches Volk vor Völkermord zu retten. Der König war ein Retter: Er gewährte Esther ihre Bitte, die Juden wurden gerettet und der boshafte Haman wurde gehenkt.

Rund 2.500 Jahre später war ein weiterer mächtiger Führer einer großen Nation unwillig demselben Volk hu hlfen, obwohl der von seiner Frau Eleanor dazu gedrängt wurde. In Jerusalem ehrt die Gedenkstätte Yad Vaschem Einzelpersonen, die Gerechten unter den Völkern. Bisher gehören dazu mehr als 26.000 Menschen die ihr Leben riskierten um Juden vor dem Holocaust zu retten und als Retter betrachtet werden können. Bedauerlicherweise gehört US-Präsident F. D. Roosevelt, trotz seiner bemerkenswerten Beiträge zum amerikanischen Leben und öffentlichen Angelegenheiten, nicht dazu.

Seit dem Erscheinen von David Wymans Buch The Abandonment oft the Jews: Americans and the Holocaust, 1941-4[1] im Jahr 1984 mit seinem Argument, das US-Außenministerium und das britische Foreign Office hätten keinerlei Absichten gehabt eine große Zahl an Juden zu retten, gibt es eine tobende Kontroverse über das alles andere als schmeichelhafte Porträt Roosevelts als jemand, der vierzehn Monate lang, nachdem er von der Ermordung der europäischen Juden erfuhr, wenig bis nichts getan hat, um Juden zu retten.

Der Freigabe weiterer Dokumente zum Schicksal der Juden während des Zweiten Weltkriegs und die Ausstellung zum Thema im US-Holocaustmuseum in Washington wirft mehr Licht auf die Ansichten und Taten Roosevelts. Am meisten überrascht, dass er weniger mit direktem Handeln zum Erhalt des Lebens von Juden beschäftigt war als mit der Zukunft. Er beschäftigte sich mit der Frage, wo Heimatlose, einschließlich Juden, nach dem Krieg angesiedelt werden sollten. 1943 schrieb er an Winston Churchill, dass der beste Weg die Judenfrage zu lösen, der sei die Juden überall in die Welt zu verstreuen, statt sie alle an einem Ort zu halten.

Mit dieser Zielrichtung setzte Roosevelt am 30. Juli 1942 ein Geheimprojekt in Gang, das Projekt M (Migration), das seine Optionen für die Nachkriegsmigration heimatloser Europäer umriss. Sein Partner dabei war Henry Field, ein Anthropologe.

Das Projekt sollte die zu erwartenden ethnologischen Probleme wegen Rassenmischung im Nachkriegseuropa studieren. FDRs Personalwahl hierzu war fragwürdig. Seine erste Wahl für die Leitung des Projekts war Ales Hrdlicka, ein Anthropologe am Smithsonian Museum of Natual History, der an die Überlegenheit der weißen Rasse und Verfechte der Ansicht war, dass Japaner weniger entwickelte Schädel hatten und von Natur aus kriegerisch waren. Hrdlicka lehnte den Posten ab, weil ihm nicht die volle Kontrolle über das Projekt gegeben wurde.

Roosevelt ernannte dann Isaiah Bowman, 1935 bis 1948 den Präsidenten der Johns Hopkins University, von Beruf Geograf, der half die American Geographical Society zu gründen und als Berater sowohl für Woodrow Wilson als auch FDR fungierte. Allerdings war Bowman auch ein offenkundiger Antisemit, der erklärte, es gäbe zu viele Juden an der Hopkins; er schränkte die Zahl der jüdischen Studenten an der Universität ein und verhängte eine Quote für sie; und er feuerte den jungen Juden Eric Goldman aus dem Lehrkörper, der später in Princeton Professor wurde und Rendezvous with Destiny schrieb. Goldman schrieb von FDR als „rastlos und launenhaft in seinem Denken … er vertraute keinem System außer dem System der endlosen Experimentierei“.

Wie befinden uns in einer Zeit, in der die Ehrung von Personen aus der Vergangenheit neu bewertet wird. Heute sind Robert E. Lee, John Calhoun, Woodrow Wilson, Roger B. Taney, Cecil Rhodes und andere vom Thron gestoßen worden, physisch und buchstäblich; wird FDR dasselbe Schicksal erleiden? Natürlich wird sein Ruf durch die neuen Dokumente nicht verbessert. Über dieses Handeln und Nichthandeln tobt seit einiger Zeit ein Streit. Wann wusste FDR erstmals vom Holocaust? Warum befahl er kein konkretes Handeln um Juden zu retten?

Die neu aufgedeckten Dokumente zeigen, dass FDR mehr als zwei Jahre vor dem gewöhnlich angenommenen Datum von den Nazi-Gräueln wusste. Verschiedene Hinweise liegen vor. Der CBS-Journalist Edwad R. Murrow sendete am 13. Dezember 1942, dass man nicht länger einfach von Konzentrationslagern reden könne; man kann nur von Vernichtungslagern reden. Zeugenaussagen von Lagerhäftlingen zu den Schecken wurden an die Kriegsalliierten geschmuggelt. Der britische Außenminister Anthony Eden sagte am 17. Dezember 1942 dem Unterhaus, dass polnischen Behörden die Massenhinrichtungen an Juden bekannt waren und dass diese in der Presse weithin berichtet worden war. Eden merkte an, dass die deutsche Obrigkeit Hitlers oft wiederholte Absicht verwirklichten das jüdische Volk auszulöschen.

FDR selbst sagte in einer Äußerung vom 7. Oktober 1942, die Regierung erhalte Informationen zu den barbarischen Verbrechen an Zivilbevölkerungen in den besetzten Ländern, besonders auf dem europäischen Kontinent. FDRs Haupttenor war „den Krieg zu gewinnen“. Das, meinte er, war die beste Möglichkeit das Töten zu beenden. Die Täter dieser Verbrechen sollten nach dem Krieg vor Gerichten Rede und Antwort stehen. Was fehlt ist jegliche Erwähnung oder besondere Hinweis au Juden oder an bestimmtes Handeln um das Morden zu stoppen.

Verständlicherweise hatte FDR andere Prioritäten und wurde von verschiedenen Faktoren geplagt und behindert – zum Beispiel ressortübergreifenden Kämpfen innerhalb der Administration und dem feindseligen Sumpf des Außenministeriums, in dem Breckinridge Long, ehemaliger Botschafter und stellvertretender Außenminister, eine wichtige Rolle beim Abblocken von Visa für deutsche jüdische Flüchtlinge spielte und gezielt verhinderte, dass Informationen zum Massenmord an Juden im Kongress und den Medien bekannt wurden.

FDR handelte in einer Atmosphäre erheblichen Isolationismus, veranschaulicht durch mächtige Gestalten wie Charles Lindbergh, Henry Ford, Charles Coughlin und dem America First Committee. Meinungsumfragen des American Institute of Public  Opinion im November 1938 hielt fest, dass 71% zustimmten, dass die USA nicht erlauben sollten, dass eine große Zahl jüdischer Exilanten aus Deutschland in die USA kommen und dort leben. Im Nachhinein betrachtet ist offenkundig, dass die US-Medien und Hollywood, wenn sie das Verhalten der Nazis erwähnten, das nicht Juden als Hauptopfer der Verfolgung beinhaltete.

Umfragen zeigten ebenfalls, dass rund 90% der USA im Mai 1940 gegen ein US-Eingreifen in den Zweiten Weltkrieg waren.

Einige Einzelpersonen waren sich des fehlenden Handelns seitens FDR bewusst. Im Licht der Politik von heute gehörte Thomas D’Alesandro dazu, katholischer Sohn italienischer Einwanderer, Bürgermeister von Baltimore und Mitglied des Kongresses vom Januar 1939 bis Mai 1947 – und Vater von Nancy Pelosi. Er stimmte zwar in dem meisten Themen mit FDR überein, aber er war gegen dessen Beschränkung jüdischer Flüchtlinge und unterstützte die von Hillel Kook (alias Peter Bergson) geführten Bergson Group, die FDR in der Flüchtlingsfrage in Frage stellte und Lobbyarbeit für Handeln betrieb. Durch seine Aktivitäten und das Drängen Henry Morgenthaus, Finanzminister und der einzige Jude im Kabinett, gab FDR am 22. Januar 1944 eine Präsidentenanweisung zur Gründung des War Refugee Board aus, um diejenigen zu retten, die gerettet werden konnten – vielleicht 200.000.

Eine verbleibende Kontroverse dreht sich darum, weshalb FDR, als er vom laufenden Holocaust wusste, nicht die Bombardierung von Auschwitz befahl. Es wird offengelegt, dass US-Flugzeuge den nahe gelegenen Komplex der IG Farben in Monowitz bombardierte und dass von Juli bis November 1944 2.800 Flugzeuge Öl-Fabrikanlagen bombardierten, wobei sie manchmal Birkenau überflogen. Zweimal warfen Bomber weniger als 8km von den Gaskammern ihre Last ab. George McGovern, ein junger Bomberpilot bei einigen der Angriffe, sagte, das FDR, sein politischer Held, zwei große Fehler gemacht habe: die japanischen Amerikaner zu internieren und Auschwitz nicht zu bombardieren. Die Bombardierung hätte Juden gerettet und das Vorgehen wäre symbolisch wichtig gewesen.

Das Urteil zu FDR ist noch offen. Heute, wo der Öffentlichkeit alle Belege vorliegen, können wir vielleicht eine leidenschaftliche Debatte darüber erwarten, ob der FDR Drive in New York City umbenannt werden sollte.

[1] Die Preisgabe der Juden: Amerikaner und der Holocaust 1941-1944

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Polen, Holocaust-Verdrehung und das neue Gesetz

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Das unlängst verabschiedete Gesetz zur Rolle Polens im Holocaust und den damit zusammenhängenden Themen sind komplex. Polen sind Jahrzehnte lang zurecht wegen der Bezeichnung „polnische Todeslager“ vor den Kopf gestoßen gewesen. Dieser Begriff wurde von ehemaligen Nazis im deutschen Geheimdienst etwa 10 Jahre nach dem Krieg geprägt.[1] Fakt ist, dass Todeslager wie Belzec, Treblinka, Sobibor und Auschwitz-Birkenau von den deutschen Besatzern auf polnischem Boden errichtet und betrieben wurden.

Bis zum Beginn dieses Jahrhunderts lautete die geläufige historische Darstellung zu Polen während des Zweiten Weltkriegs, dass etwa drei Millionen nichtjüdische Polen und drei Millionen polnische Juden von den Deutschen ermordet wurden. Mehrere Polen halfen Juden zu verstecken. Der polnische Widerstand lieferte den jüdischen Kämpfern im Warschauer Ghetto Waffen.

Der vielleicht berühmteste Pole, der Juden half, war der außergewöhnlich mutige Jan Karski. Ende 1942 wurde er ins Warschauer Ghetto und wieder hinaus geschmuggelt, ebenso in ein Transitlager und wieder hinaus, wo er die Schrecken sah, die die Juden erlitten. Karski schaffte es hinterher nach London zu reisen, wo er der polnischen Exilregierung und ranghohen britischen Behördenvertretern, darunter Außenminister Anthony Eden, einen Bericht ablieferte. Im Juli 1943 traf Karski den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, um ihm dieselben Daten und einen Appel zu handeln übergeben.[2] Seine Mission brachte keine Ergebnisse.

Der Historiker David Bankier wies darauf hin, dass „die meisten polnischen Untergrundorganisationen glaubten, das Polen nach Hitler werde ein Land ohne Juden sein… Die Übriggebliebenen würden Polen nach dem Krieg verlassen müssen. Diese Ansicht wurde sogar in der Oragnisation Zegota vertreten, dem vom polnischen Widerstand gegründeten Rat für die Hilfe für Juden. Dazu gehörten Menschen, die ihr eigenes Leben riskierten, am auffälligsten die tiefgläubige Katholikin, berühmte Schriftstellerin und Mitgründerin der Zegota Zofia Kossak-Szczucka. Sie glaubte, dass Polen kein Land war, in dem Juden leben sollten; das lässt sehr stark erkennen, wie die wahren polnischen Gefühle damals aussahen.“[3]

Bankier fuhr fort: „In einem im August 1943 geschriebenen Artikel mit dem Titel ‚Wem helfen wir?‘ fasste Kossask-Szczucka ihre Gedanken zu polnischen Nachkriegshaltungen gegenüber den Juden zusammen: ‚Heute sehen sich die Juden der Auslöschung gegenüber. Sie sind die Opfer ungerechter mörderischer Verfolgung. Ich muss sie retten. ‚Tu andren, was du möchtest, dass sie dir tun.‘ Dieses Gebot verlangt, dass ich alle mit zur Verfügung stehenden Mittel einsetze um andere zu retten, genau die Mittel, die ich für meine eigene Rettung nutzen würde.

Sicher wird die Lage nach dem Krieg anders sein. Für die Juden und mich werden dieselben Gesetze gelten. An diesem Punkt werde ich den Juden sagen: ‚Ich habe euch gerettet, euch Unterschlupf gewährt, als ihr verfolgt wurdet. Um euch am Leben zu erhalten, riskierte ich mein Leben und das derer, die mir nahe standen. Jetzt droht euch nichts mehr. Ihr habt eure eigenen Freunde und auf manche Weise geht es euch besser als mir. Jetzt fordere ich, dass ihr geht und euch woanders niederlasst. Ich wünsche euch Glück und werde euch liebend gerne helfen. Ich werde euch nichts zuleide tun, aber in meinem Heim will ich alleine leben. Ich habe das Recht dazu.‘“[4]

Am Anfang dieses Jahrhunderts wurden weitere Fakten entdeckt, die zu radikal neuen Sichtweisen über die polnische Holocaust-Geschichte führten. Jan Gross, amerikanischer Historiker polnischer Abstammung, schrieb das Buch Neighbors (Nachbarn). Darin wird die Geschichte der polnischen Einwohner von Jedwabne erzählt, die fast alle örtlichen Juden ohne jegliche deutsche Einmischung ermordeten.[5] Zwei Dokumentationen zum Massenmord von Jedwabne wurden von Agnieszka Arnold erstellt.[6]

Die Offenbarungen zu den Morden in Jedwabne sorgten in Polen für große Erschütterung. Das Selbstbild des Landes wurde massiv in Mitleidenschaft gezogen. Es gab auch solche, die die mörderischen Fakten weiterhin leugnen und reinwaschen wollten.[7]

Die Lage veränderte sich drastisch, als der kanadische Historiker polnischer Herkunft Jan Grabowski 2013 sein Buch Hunt for the Jews: Betrayal and Murder in German-Occupied Poland (Die Jagd nach den Juden: Verrat und Mord im deutsch besetzten Polen) veröffentlichte.[8] Grabowski und seine Rechercheure dokumentierten die Richtigkeit früherer Schätzungen. Ihre Forschungsarbeiten zeigten, dass etwa 200.000 Juden von Polen ermordet wurden.[9] Das machte aus Polen eines der größten Holocaust-Täterländer.

Das neue Gesetz, vom polnischen Parlament verabschiedet und von Präsident Andrzej Duda unterschrieben, hat zwei Teile. Der erste verbietet die Formulierung „polnische Todeslager“. Der zweite macht es zu Verbrechen zu behaupten die polnische Nation sei im Holocaust oder einer anderen von Nazideutschland begangenen Gräueltat mitschuldig. Jetzt wurde verkündet, dass das Gesetz nicht umgesetzt wird, bevor Polens Verfassungstribunal es überprüft hat.[10]

Polens Bildungsministerin Anna Zalewska suggerierte 2016, dass die Morde von Jedwabne durch Polen eher Meinung als Tatsache waren. Das ist ein typischer Fall von bedeutender Holocaust-Leugnung[11]

Die Dinge wurden noch verschlimmert, als das Gesetz verabschiedet war. Auf der unlängst beendeten Münchener Sicherheitskonferenz konfrontierte der israelische Journalist Ronen Bergman, Sohn zweier Holocaust-Überlebender, den polnischen Premierminister Mateusz Morawiecki; er sagte: „Es gab Polen, die Juden verrieten, indem sie die Nazis mit Einzelheiten zu ihnen versorgten.“ Er verwies auf persönliche Erfahrungen seiner Mutter.

Der polnische Minister antwortete: „Ihr werdet nicht als Kriminelle betrachtet, wenn ihr sagt, dass es polnische Täter gab, so wie es jüdische Täter gab, wie es russische Täter gab und wie es ukrainische Täter gab – nicht nur deutsche Täter.“ Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu antwortete: „Die Äußerungen des polnischen Premierministers hier in München waren ungeheuerlich. Es gibt hier ein Problem der Unfähigkeit Geschichte zu begreifen sowie fehlende Sensibilität für die Tragödie unseres Volks.“[12]

Die verfälschenden Manipulationen des Holocaust durch Polen haben zu Spannungen zwischen der polnischen und israelischen Regierung geführt. Der Versuch einer polnischen Delegation zu Besuch in Israel, um diese Spannungen zu entschärfen, schlug fehl. Sie haben zudem eine Menge Schmerz bei polnischen Juden verursacht. Dreiundzwanzig jüdische Gruppen unterschrieben einen Brief, in dem es hieß, dass sie sich in Polen nicht sicher fühlen.[13] Israelische und polnische Interaktionen haben viele Aspekte. Israels Botschafter in Warschau zurückzurufen, ganz zu schweigen vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Polen wären keine guten Schachzüge.

Das Simon Wiesenthal Center hat vor kurzem bekannt gegeben, dass ein von US-Außenministerium freigegebener Bericht aus dem Jahr 1946 die verabscheuungswürdige Behandlung der polnischen Juden vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentierte. Der Bericht stellte den Umgang der Polen und der Nazis mit der jüdischen Bevölkerung auf eine Stufe und sagte, viele Juden hätten es nach dem Krieg vorgezogen zu fliehen, sogar nach Deutschland.[14]

Eine Studie der Universität Bielefeld stellte 2011 fest, dass 63% der Polen der Aussage zustimmen, „was der Staat Israel heute mit den Palästinensern tut, unterscheidet sich im Prinzip nicht von dem, was die Nazis den Juden im Dritten Reich antaten.“[15] Dieser Anteil war erheblich höher als in den anderen europäischen Ländern, in denen diese Umfrage durchgeführt wurde.

Mit der Leugnung der massiven Rolle polnischer Bürger im Holocaust hat die polnische Regierung sich für starke Kritik anfällig, die auf historischen Fakten gründet. Eine effektive Art damit umzugehen, besteht für jüdische Organisationen darin Internetseiten mit Zeugenaussagen zu den von Polen an Juden begangenen Morden und Fällen, bei denen Polen Juden an Nazis verrieten einzurichten. Zweihunderttausend von Polen ermordete Juden ist eine große Zahl, deshalb kann eine Menge Information eingeholt werden, um die Verfälschungen der polnischen Regierung zu entlarven.

Informationen zum weit verbreiteten extremen Vorkriegs-Antisemitismus in Polen hinzuzufügen, ist ein zusätzlicher Ansatz. Der Historiker Laurence Weinbaum schrieb: „1937 beschrieben zwei protestantische Pfarrer aus Nordamerika, selbst kaum philosemitisch, ihre Erschütterung, dass sie in polnischen (katholischen) Kirchen neben Rosenkränzen, Bibeln und anderen religiösen Artikeln auch antisemitische Literatur zum Verkauf sahen, die nicht weniger ekelhaft war als die von Julius Streicher gelieferte; Streicher ist der berüchtigte Verleger des Nazi-Hetzblattes Der Stürmer.“[16]

Das ist nur ein Beispiel für das, was fast unbegrenzte Zahl an Zitaten zu polnischem Antisemitismus auf einer Vielzahl an Internetseiten. Es gibt jetzt zwei Alternativen: Entweder gibt die polnische Regierung ihre Verfälschungen der Geschichte des Landes zur Kriegszeit zu oder sie wird regelmäßig als extremer Holocaust-Verzerrer bloßgestellt.

[1] www.timesofisrael.com/do-the-words-polish-death-camps-defame-poland-and-if-so-whos-to-blame/

[2] http://www.ushmm.org/wlc/en/article.php?ModuleId=10008152

[3] http://www.manfredgerstenfeld.com/polish-war-time-views-on-jews-this-is-not-your-home/

[4] ebenda

[5] https://press.princeton.edu/titles/7018.html

[6] http://www.revolvy.com/main/index.php?s=Agnieszka%20Arnold

[7] http://www.pri.org/stories/2017-03-24/massacre-villages-jews-their-neighbors-wwii-poland-remembered-and-misremembered

[8] www.amazon.com/Hunt-Jews-Betrayal-Murder-German-Occupied-ebook/dp/B00EZNA8XM/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1519034328&sr=1-1&keywords=Jan+Grabowski (Das Buch wurde unter dem Titel „Judenjagd“ ins Polnische übersetzt.)

[9] http://www.timesofisrael.com/complicity-of-poles-in-the-deaths-of-jews-is-highly-underestimated-scholars-say/

[10] http://www.jpost.com/printarticle.aspx?id=543527

[11] http://www.thestar.com/news/world/2016/07/14/polish-education-minister-blasted-for-jewish-massacre-remarks.html

[12] www.reuters.com/article/us-israel-poland/israels-netanyahu-condemns-polish-pm-for-jewish-perpetrators-comment-idUSKCN1G10TE; http://www.jta.org/2018/02/17/news-opinion/world/polish-prime-minister-slammed-for-mentioning-jewish-perpetrators-of-the-holocaust

[13] http://www.jta.org/2018/02/19/news-opinion/world/polish-jewish-groups-say-they-dont-feel-safe-due-to-rise-in-anti-semitism

[14] http://www.jpost.com/Diaspora/1946-US-document-reveals-Poles-treated-Jews-as-badly-as-Germans-did-543940

[15] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.

[16] http://jcpa.org/article/penitence-and-prejudice-the-roman-catholic-church-and-jedwabne/

Weiter nichts Neues in den Niederlanden

Vor einigen Wochen hatte sich die Regierung von Luxemburg für die Rolle ihres Landes bei der Kollaboration mit den Nazis im Holocaust entschuldigt. 70 Jahre dem Krieg scheint das reichlich spät zu sein, aber für Opfer ist es sicherlich trotzdem wichtig, dass Geschichte auch nach so langer Zeit geklärt wird. Das zeigte sich auch bei einer Veranstaltung im Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, wo sich die Firma Mitsubishi offiziell bei einem amerikanischen Soldaten und überlebenden Kriegsgefangenen entschuldigte.

Eine solche Entschuldigung zeigt, dass die Nachfolger bzw. Nachkommen der Täter mit den Verfolgten in der historischen Interpretation der Ungerechtigkeit bzw. der Taten einer Meinung sind.

Die luxemburgische Entschuldigung kam sehr spät. Man sollte meinen und glauben, dass die (west-) europäischen Ländern damit ihren Anteil am Holocaust aufarbeiten und den ersten Schritt abgeschlossen haben. Dem ist aber nicht so, denn es gibt eine Regierung, die sich immer noch weigert dies zu tun. Wie Manfred Gerstenfeld schon mehrfach auf meinem Blog dokumentiert hat, sind die Niederlande ein Staat, der sich immer noch weigert das zu tun.

Bei Beginn der deutschen Besatzung lebten 140.000 Juden in den Niederlanden. 102.000 wurden bis 1945 ermordet. Sie wurden von niederländischen Polizisten verhaften, von der niederländischen Eisenbahn abtransportiert, von niederländischer Militärpolizei bewacht.

Die niederländische Exilregierung, berichtet Gerstenfeld zusammen mit Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center im Wall Street Journal, fragte erst rund 18 Monate nach Beginn der Deportationen in die Todeslager nach dem Schicksal dieser Juden. Ein Niederländer schrieb einen Bericht darüber, in dem stand, dass nach seiner Schätzung bereits 90% der Deportierten ermordet worden waren. Niemand in der Exilregierung war bereit den Bericht auch nur zu lesen.

Es gibt in den Niederlanden keinen Widerstand sich für Fehler zu entschuldigen. Die Regierung entschuldigte 2011 sich bei Witwen in Indonesien für ein Massaker an ihren Männern, das niederländische Soldaten 1947 verübt hatten. Der niederländische Verteidigungsminister entschuldigte sich bei den Familien bosnischer Muslime, die in Srebrenica von Serben ermordet wurden, nachdem niederländische Blauhelme sie nicht schützten, sondern aus einer Kaserne warfen. Es gibt weitere Beispiele.

Es mangelt auch nicht an Forderungen von Niederländern, dass es eine offizielle Entschuldigung geben muss, darunter auch frühere Regierungsmitglieder und selbst ein ehemaliger Premierminister. Man kann natürlich fragen, warum der das nicht in seiner Amtszeit gemacht hat, aber er ist inzwischen zur Einsicht gekommen. Anders als die aktuelle Regierung unter Mark Rutte, der sich mehrfach weigerte; er verwies lediglich auf eine Rede von Königin Beatrix in der Knesset, in der diese bedauert hatte, dass das Volk der Niederlande es nicht geschafft hatte ihre jüdischen Mitbürger vor der Vernichtung zu retten. Eine Verweis auf aktives Mittun von niederländischen Behörden, Polizei usw. und das Verhalten der Regierung im Exil fehlte damals auch schon. Eine Entschuldigung war das nicht.

Darüber, warum die Regierung Rutte eine Entschuldigung weiter verweigert, kann nur spekuliert werden. Fakt ist: Die Niederlande als Staat weigern sich ihre Schuld einzugestehen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das irgendwann ändert. Die Erfahrung lässt leider vermuten, dass die Regierung mit massivem Druck dazu gezwungen werden muss – Druck von innen, aus der Bevölkerung. So wie bei einigen anderen Dingen, die sich niederländische Regierungen und Behörden nach dem Krieg leisteten.

Irre Kreuzträger

Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet:

Führende Kirchenvertreter aus Brandenburg haben öffentlich Zweifel an der deutschen Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg geäußert. „Ich vermute, es ist zu einfach zu sagen, am 1. September ’39 hat der Zweite Weltkrieg durch Deutschland begonnen und Deutschland war ganz allein Schuld und alle anderen wollten gar keinen Krieg, die Großmächte“, sagte die evangelische Generalsuperintendentin Heilgard Asmus im RBB-Fernsehen.

Auch der katholische Potsdamer Pfarrer Klaus-Günter Müller äußerte sich missverständlich: „Der Friede von Versailles, der war so ungerecht, dass die Leute sagen, das ist Unrecht. Und wenn man einen ungerechten Frieden macht: dass das nach Revanche schreit, ist doch klar.“ Der Versailler Vertrag sei ein ungerechter Frieden gewesen und habe nach Revanche geschrien, sagte er.

Der Artikel enthält noch mehr, das diese Kirchenvertreter in recht zweifelhaftes Licht stellt. Aber dieser Wahn sollte schon genügen.

Dass der Versailler Vertrag ein Rache-Frieden war und den Boden für die Revanchisten ebnete, dürfte zweifelsohne eine berechtigte Sicht sein. Aber wer sich die Entwicklung in der zweiten Hälfte der 1920-er Jahre ansieht, der sollte erkennen, dass sich da ein gewaltiger Wandel ergab. Dieser wurde durch den Machtantritt der Nazis zurückgeschraubt, aber der Versailler Vertrag wurde im Laufe der 1930-er Jahre ausgehöhlt und seine Vorkehrungen zum Teil abgeschafft. Das Nazi-Regime brach ihn, zog sich aus dem Völkerbund zurück und führte sich heftig auf, ohne dass es Konsequenzen gab.

Noch eklatanter war Hitlers Wille Krieg zu führen und „Lebensraum“ zu erobern. Dazu war er fanatisch entschlossen und keiner konnte etwas dagegen unternehmen, ohne Krieg zu führen. Das belegen alle Protokolle und Bericht aus Hitlers Umfeld und der Nazi-Führungsetage. Er wollte diesen Krieg, koste es, was es wolle. Das beweisen alleine schon seine Ausbrüche nach dem Münchener Abkommen.

Wer vor diesem Hintergrund behauptet, die die Entente-Mächte mit ihrem Versailler Vertrag hätten eine Mitschuld am Zweiten Weltkrieg zu tragen, der lügt. Man kann die Westmächte kritisieren, weil sie Hitler zu lange mit Appeasement ruhigzustellen versuchten. Man kann sie kritisieren, dass sie die Tschechen verrieten, dass sie den Verletzungen der Bestimmungen des Versailler Vertrags durch Hitler keine Konsequenzen folgen ließen. Aber die Schuld für den Zweiten Weltkrieg trägt Hitlerdeutschland alleine.

Wer etwas anderes behauptet, ist entweder völlig ahnungslos oder ein Charakterschwein, das nicht in der Lage ist geradeaus zu denken. (Aber welche modernen … nee, das lasse ich jetzt, das ist ein Vorurteil, wenn auch eines, das immer wieder bestätigt wird.)

Foto der Woche – Kriegsende

Gestern und heute wurde des Endes des Zweiten Weltkriegs (in Europa) gedacht. Hier mit Nachdenklichkeit, dort mit Pomp und Täterätä. Jeder eben so, wie es ihm gefällt und es gut findet. Es gibt wunderbare Traditionen (so in Russland die Ehrung der Veteranen durch die ganz normalen Staatsbürger). Es gibt Bilder, die nachdenklich machen, es gibt Bilder, die die schiere Freude ausdrücken; Bilder, die Verzweiflung zeigen, Bilder die Erleichterung zeigen – bei den Besiegten Deutschen, wie auch bei den Alliierten. Die Wehrmacht war geschlagen, die Sieger wachten über die Besiegten.

Und es gibt auch satirisch-amüsante Vergleiche  wie den unten – soll man so ewtas zeigen? Vielleicht nicht, vielleicht ja. Ich denke, diesen Wahnsinn satirisch/humoristisch/zynisch zu kommentieren, ist auch eine legitime Verarbeitung und vielleicht sogar Warnung. Auf jeden Fall eine Erinnerung daran, wer sich letztlich lächerlich gemacht hat, obwohl es so furchtbar ernst war. Es gibt böse Witzfiguren; wir sollten sie erkennen, um sie rechtzeitig bloßzustellen.

WKII_Scissors-beat-PaperSchnick-schnack-schnuck:
Schere besiegt Papier!

Gedankenverlorenes Territorium – 11 SS-Männer getötet, als Juden versuchen den Status quo in Sobibor zu ändern

Preoccupied Territory, 9. November 2014

Sobibór, besetztes Polen, 14. Oktober 1943 – Die Juden dieses Lagers im Generalgouvernement Polen versuchten diese Woche den Status quo dort zu ändern, was Gewalt auslöste, die elf SS-Offiziere und eine Reihe Wachen tot zurückließ.

Der Status quo war in bestand, seit Sobibór im Mai letzten Jahres den Betrieb aufnahm, eine Situation, die mehr oder weniger stabil geblieben war. In den letzten Wochen ist jedoch offenbar geworden, dass die Juden von Sobibór unzufrieden geworden sind und danach strebten größere Privilegien zu erreichen, die sie bis dahin im Lager nicht genossen.

Die Gewalt begann damit, dass Juden elf SS-Männer und eine unbekannte Anzahl Wachen töteten; die Morde sollten offenkundig im Geheimen geschehen und das Leben des gesamten SS-Personals im Lager kosten. Die Lagerobrigkeit entdeckte die Morde jedoch und zwang die Juden sich zu zerstreuen, woraufhin Hunderte durch Gewehrfeuer, Minenfelder und Schleppnetzfahndung nach Geflohenen eliminiert wurden, was den Status quo wiederherstellte.

Offizielle Vertreter des Lagers beschuldigten die Juden die Abmachung zu stören, die seit fast siebzehn Monaten alles glatt laufen ließ. „Es bracht eine besondere Art Übeltäter, um den Status quo infrage zu stellen, der so lange so gut funktionierte“, sagte der amtierende Kommandant, SS-Scharführer Herbert Floss. „Ich fürchte, das könnte ein Trend werden, da Juden überall in der Operation Reinhard zu glauben beginnen, es sei in Ordnung zu versuchen die Dinge zu ändern.“

In der Tat erfolgten die Unruhen in Sobibór kurz nach einem ähnlichen Vorfall in Treblinka im August. Die beiden Vorfälle sorgen für Sorgen bei Vertretern des GEneralgourvernements, dass Juden in der Region weiterhin für Luxus wie nicht vergast, nicht erschossen, nicht massenvergewaltigt und nicht zu Tode gehungert oder gearbeitet zu werden agitieren.

Früher, im Juni, versuchten Judenbanden auch den Status quo im Warschauer Ghetto gewaltsam zu verändern, was die Abzweigung von wertvollen Männern und Material von der Ostfront zur Folge hatte, um die Gewalt niederzuschlagen. Wie in Sobibór und Treblinka versuchten die Juden dort Privilegien zu erreichen, die keiner der anderen Juden unter deutscher Herrschaft genießen.

„Solche Forderungen sind schlicht unangemessene Änderungen des Status quo und völlig inakzeptabel“, betonte Floss.