Der Holocaust fand auch außerhalb Europas statt

Georgia Gilholy, The Times of Israel blogs, 7. April 2021

Während der sechsmonatigen Nazi-Besatzung ab November 1942 wurden tunesische Juden für Zwangsarbeit verpflichtet (Foto: Yad Vashem)

Einmal im Jahr ertönt in Israel eine durchdringende Sirene. Auf jeder Straße, an jeder Straßenecke des Landes, wird das Leben vorübergehend angehalten. Die Menschen halten mitten im Gehen, Fahren oder der Arbeit an, um in Stille zu stehen und aus Anlass des nationalen Gedenktags in Israel des Leids des Holocaust zu gedenken.

Der Tag wurde erstmals 1951 begangen; er wird umgangssprachlich „Yom HaSchoah“ genannt und fällt jedes Jahr auf den 27. Nisan des hebräischen Kalenders – außer der 27. fällt auf einen Sabbat. Dieses Jahr war das der 8. April. Während der internationale Holocaust-Gedenktag aus offensichtlichen Gründen das weltweite Holocaust-Gedenken dominiert, ist der Yom HaSchoah ein Schlüsseltag der Besinnung und Trauer für Juden in Israel und überall auf der Welt.

Für viele von uns beschwört das Wort Holocaust sofort Visionen von Stacheldrahtzäunen und Gaskammern aus Beton herauf, die Europa aufgezwungen wurden; oder die beengten Ghettos, in denen Juden auf die Deportation und oft den Tod warteten – beides Kulissen für Hollywood-Blockbuster wie Schindlers Liste und Der Pianist. Das macht Sinn. Immerhin wurden bei dem Nazi-Völkermord rund sechs Millionen Juden ermordet und deutlich mehr als 98 Prozent waren in Europa geboren. An was wir uns als cineastische Schnappschüsse erinnern, war für sie grauenvolle Wirklichkeit. Aber die Schrecken des Holocaust ereigneten sich auch außerhalb Europas, warum also versäumen wir es landläufig das anzuerkennen?

Natürlich war der Holocaust in erster Linie ein europäisches Phänomen. Seine Ideologie, auch wenn sie teilweise in uraltem und religiösem Antisemitismus wurzelte, war eine komplett moderne. Seine Philosophie entstand aus Konzepten radikalisierter Überlegenheit und Unterlegenheit der Aufklärung und der Postaufklärung, moralischem Relativismus und Unterwerfung unter einen totalitären Staat. Ideen sind jedoch nicht immer dazu bestimmt nur dort erfolgreich zu sein, wo sie entstanden. Der Nazi-Antisemitismus hat seinen Weg in die mehrheitlich muslimischen Regionen des Nahen Ostens und Nordafrikas gefunden, wo die antizionistische und antisemitische Rhetorik verstärkt wurde, die von arabisch-nationalistischen Parteien in Syrien und dem Irak bereits zusammen mit Ägyptens Muslimbruderschaft losgetreten worden war. Allerdings kamen nicht nur freischwebende Philosophien des Hasses auf und schlugen außerhalb Europas Wurzeln, sondern auch begleitende gesetzliche Diskriminierung und physische Gewalt.

Im Juni 1940 hatte Frankreichs Premierminister vor den Nazis kapituliert und eine deutsche Besatzungszone in Nord- und Westfrankreich gegründet; Südfrankreich fiel unter die Herrschaft einer neuen Regierung mit Sitz in Vichy, die direkt mit den Nazis kollaborierte. Vichy-Nordafrika wurde dann während des gesamten Zweiten Weltkriegs zu einer Brutstätte der gemeinsamen Kräfte des französischen Kolonialismus und des Nazi-Faschismus.

Anfang 1941 überstellten die Vichy-Behörden hunderte Flüchtlinge aller Geschlechter und Alters in Arbeitslager und Haftlager in der Sahara. Viele dieser Gefangenen waren Juden aus dem Ausland, auch wenn sie nicht allgemein deswegen verhaftet wurden. In Algerien wurden etwa 2.000 bis 3.000 Juden mit allerlei politischen Gefangenen in Lagern interniert.

Bis zur zweiten Hälfte des Jahres 1941 wurden alle Juden mit ausländischer Staatsbürgerschaft im von Italien besetzten Libyen deportiert, zumeist in italienische Arbeitslager. Viele wurden dann zu Vernichtungslagern in Deutschland und Osteuropa geschafft. 1942 befahl Mussolini, dass die Juden der Cyrenaika aus dem libyschen Kriegsgebiet entfernt werden sollten. Die meisten der aufgrund dieses Befehls deportierten 2.600 Juden wurden in Lager in Giado, Buqbuq und Sidi Azaz deportiert. Die Insassen wurden in allen Lagern Zwangsarbeit unterworfen, wobei die Verhältnisse in Giado sich als besonders schlimm erwiesen. Teile der Jahre 1942 und 1943 stand Tunesien unter direkter Herrschaft der Nazis und 5.000 tunesische jüdische Männer wurden in fast 40 Internierungslager und Zwangsarbeits-Einrichtungen eingezogen.

Es ist fast sicher, dass ein ähnliches Niveau der Vernichtung zu der in Europa erlebten über Nordafrika gefegt wäre, wären die Alliierten nicht schließlich erfolgreich vorgestoßen. Darüber hinaus beweist die gewalttätige Enteignung und Deportation der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung der muslimischen Welt ab 1948, dass ein bestehendes Nazi-Reich gar nicht nötig war, um das Vermächtnis seiner führenden Ideologie fortzusetzen: gewalttätigen Antisemitismus. Aber warum werden diese Fakten oft unter den sprichwörtlichen Teppich gekehrt? Im Fall der arabischen und muslimischen Welt gibt es nicht nur einen Aussetzer in der Erinnerung, sondern eine bewusste Anstrengung die Rolle der nichteuropäischen Handelnden im Holocaust zu verschleiern.

Die Journalistin Lyn Julius – selbst irakisch-jüdischer Herkunft – hob 2015 in einem Artikel über das Thema hervor: „Der Mythos der Araber als unschuldige Zuschauer, die keine Verantwortung für den Holocaust trugen – und eigentlich sogar den Preis für ein europäisches Verbrechen zahlten, als Israel gegründet wurde – wird weithin geglaubt.“ In der Tat haben Werke wie „Die Araber und der Holocaust“ von Professor Gilbert Achcar alles getan, um die Komplizenschaft führender Muslime wie Fawzi al-Qawuqji, Raschid Ali al-Kelani, Abu Ibrahim al-Kabir, Hassan Salama und Arif Abd al-Raziq sowie Verwaltungen mit dem Dritten Reich reinzuwaschen.

Das könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Der Großmufti von Jerusalem, Haddsch Amin al-Husseini zum Beispiel, spielte eine zentrale Rolle bei der Planung des nazifreundlichen Putschs im Irak. Er organisierte das Töten von 12.600 bosnischen Juden durch auf seine Initiative in die bosnische Waffen-SS-Division rekrutierte Muslime. Er verhinderte auch, dass 4.500 jüdische Flüchtlinge Europa verließen und ließ sie nach Auschwitz schicken und vergasen; verhinderte, dass weitere 2.000 Juden Rumänien und 1.000 Ungarn in Richtung Palästina verließen, Auch sie wurden in die Todeslager geschickt.

Außerdem ist zwar klar, dass die direkte Besatzung durch deutsche, französische und italienische Streitkräfte eine große Rolle in den Gräueln an den Juden Nordafrikas spielten, diese aber nicht für die weitreichenden Kollaborationsanstrengungen zwischen muslimischen Führern und den Nazis gegen ihre angeblichen „gemeinsamen Feinde“ Kommunismus, Zionismus und den Westen verantwortlich ist. Es erklärt auch weder die Nürnberg würdigen Gesetze, die nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus verhängt wurden, noch die Tatsache, dass Mein Kampf immer noch ein langjähriger Bestseller in der Türkei, Bangladesch und Afghanistan ist. Ganz zu schweigen davon, dass der nazifreundliche Putsch im Irak 1941 volle neun Jahre nach dessen Unabhängigkeit von britischer Verwaltung erfolgte. Dieser Putsch gipfelte 1942 im Pogrom Farhud (buchstäblich gewaltsame Enteignung), bei dem hunderte irakischer Juden ermordet, verprügelt und sexuell angegriffen wurdeb, tausende Kilometer entfernt vom Schauplatz von Nazibesatzung und Krieg – eine Tragödie, für die das Bewusstsein zu wecken der israelische Aktivist Hen Mazzig unermüdlich arbeitet, aber eine, die während der mehr als zwei Jahrzehnte, die ich im britischen Bildungssystem verbrachte, nie erwähnt wurde.

Mit der fehlenden Anerkennung der Gemeinden außerhalb Europas und der Komplizenschaft nichtwestlicher Akteure beim Holocaust versäumen wir es voll zu verstehen, was einer der verheerendsten und prägendsten Momente des zwanzigsten Jahrhunderts war, dessen Auswirkungen für die jüdische und die nichtjüdische Welt bis heute anhalten. Obwohl Kooperation als Folge von Initiativen wie den Abraham-Vereinbarungen zuzunehmen scheint, ist die Oberhand von Antisemitismus an der Basis überall in der muslimischen Welt wohl die größte Hürde für friedliche Koexistenz zwischen Israel und seinen Nachbarn. Wir können die Gegenwart nicht vernünftig angehen, ohne die Vergangenheit anzuerkennen, so unbequem diese auch sein mag. Um die Beziehungen zwischen Israel und Elementen seiner muslimischen Nachbarn ehrlich zu beurteilen, müssen wir das komplette Bild der Geschichte akzeptieren und die immerwährende Falschmeldung von Israel und den Juden als von Natur aus kolonialen Unterdrückern und der arabischen Welt als völlig unschuldigen Opfern europäischer Einmischung aufgeben.

Vor 80 Jahren: US-Senatoren für eine jüdische Heimstatt – britische und türkische Diplomaten protestieren, sagen es wäre besser, Juden bleiben unter der Herrschaft der Nazis

Elder of Ziyon, 20. April 2021

Im April 1941 schlossen sich 70 US-Senatoren einem Aufruf an „der Bewegung für die Wiederherstellung der Juden in Palästina jede mögliche Unterstützung zu geben“; das solle die „erklärte Politik der Vereinigten Staaten sein“ und der Wiedergründung einer jüdischen nationalen Heimstatt in Palästina Unterstützung zu bieten; angeführt wurde die Anstrengung von Senator Robert F. Wagner, dem Vorsitzenden des American Palestine Committee.

Die Erklärung hielt fest:

280.000 Flüchtlinge kamen seit dem Aufkommen des Naziregimes in Deutschland 1933 nach Palästina. Die beispiellose Arbeit der Wiederherstellung des Heiligen Landes und der Wiederherstellung eines Volkes ist ohne Unterbrechung verlaufen und geht heute trotz der Kriegsumstände weiter.

Palästina ist von Großbritannien mit Genehmigung der Vereinigten Staaten und anderer Nationen als Zuflucht für das jüdische Volk anerkannt und bestimmt worden und Flüchtlinge strömen an seine Küste, trotz restriktiver Maßnahmen, die von der Administration dieses Landes neuerdings in Kraft gesetzt sind.

Die tragische Zwangslage von Flüchtlingen, die vor Verfolgung fliehen und kein Heim finden, eine Lage, die durch die Versenkung von Flüchtlingsschiffen mitsamt ihrer menschlichen Fracht so dramatisch zur Aufmerksamkeit der Welt gebracht wurde, muss unsere Aufmerksamkeit erzwingen und unsere Entschlossenheit stärken, jede mögliche Ermutigung für die Bewegung zur Wiederherstellung der Juden in Palästina als große humanitäre Anstrengung und in Übereinstimmung mit dem Geist biblischer Prophetie fortzusetzen.

Die Archive des US-Außenministeriums beschreiben die Reaktion von Diplomaten in der Türkei und Britannien auf diese Erklärung. Sie sagen, dass Juden unter der Herrschaft der Nazis zu belassen im Vergleich damit, die Araber zu verärgern, das geringere Übel ist.

Am 21. April traf sich ein Mr. Butler von der britischen Botschaft, der im Namen des britischen Botschafters Lord Halifax handelte, mit US-Außenstaatssekretär Sumner Welles. Welles schrieb:

Mr. Butler sprach zuerst von der großen Sorge, die bei der Botschaft durch die Ankündigung des Dinners bewirkt wurde, das am 30. April unter Schirmherrschaft von Senator Wagner und einigen anderen gleichermaßen prominenten Senatoren sowie Mr. William Green von der American Federation of Labor veranstaltet wurde, bei der Doktor Weizmann im Auftrag der zionistischen Bewegung in Palästina sprechen soll.

Die britische Botschaft hat das Gefühl, dass die deutsche Propaganda jetzt an die arabische Welt gerichtet ist, was es so aussehen lässt, dass die britische Regierung komplett unter der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten steht und dass die Vereinigten Staaten Großbritannien zwingen würden am Ende des Krieges, wenn Großbritannien siegreich ist, ganz Palästina für jüdische Wiederansiedlung zu öffnen. Die britische Regierung glaubt, dass dies eine überaus gefährliche Form der Propaganda ist und wenn jetzt in den USA Reden von Prominenten in oberen Regierungskreisen gehalten werden, die für die sofortige Öffnung Palästinas für die jüdische Wiederansiedlungsplanung im Fall eines britischen Sieges eintreten, sehr große Unruhen in der arabischen Welt geschaffen werden, insbesondere im Irak, wo bereits eine höchst kritische Lage besteht. Die britische Regierung drängte darauf, dass die Exekutive dieser Regierung alles ihr möglich tut, um den Sponsoren des Dinners die Lage deutlich zu machen.

Ich sagte, ich würde mich sehr freuen mir die Sache anzusehen und dass ich Mr. Butler sehr bald wissen lassen würde, welche Schritte, wenn überhaupt, in dieser Richtung unternommen werden könnten.

Am 22. April besuchte der türkische Botschafter in den USA das Außenministerium ebenfalls:

Bei einem Anruf heute zu einer anderen Sache sagte der türkische Botschafter, er sei von einem Zeitungsbericht recht verstört, der besagte, dass siebzig US-Senatoren sich einer Erklärung angeschlossen hätten, die zu „jeder möglichen Ermutigung für die Bewegung für die Wiederherstellung der Juden in Palästina“ auffordere. Der Botschafter sagte, dass seiner Meinung nach solche Aktivitäten für die Sache der Briten im nahen Osten besonders schädlich seien und zudem erwartet werden könne, dass sie ungünstige Auswirkungen für die Juden selbst haben werden.

Der Botschafter fügte hinzu, dass seine Regierung langjährige Erfahrung im Umgang mit den Arabern habe und ihre Mentalität gründlich kenne. Es gab seiner Meinung nach nicht die geringste Frage, dass Aktivitäten in den Vereinigten Staaten, die weitere jüdische Immigration nach und Kontrolle von Palästina befürworten, von den Achsenmächten in ihrer Propaganda für die arabischen Länder genutzt würde. Jegliche derartige Aktivität wie die des American Palestine Committee würde nur die arabische Meinung weiter anheizen und die Probleme der Briten in der für sie so wichtigen Region des Nahen Ostens verstärken.

Ich sagte dem Botschafter, dass die Senatoren und Kongressmitglieder natürlich absolut frei seien sich jedem Komitee anzuschließen, wie sie wollen und dass die Exekutivarm der Regierung selbstverständlich keine Kontrolle über solche Aktivitäten hat.

… Der Botschafter sagte dann, dass jegliche Aktivitäten, die dazu dienen die Araber im nahen Osten aufzuheizen und die Probleme für die Briten zu verstärken, natürlich von großem Interesse für seine eigene Regierung seien, die mit Großbritannien verbündet war. Er fügte hinzu, dass sie Frage stattdessen über die arabischen Länder hinaus gehe und auch Indien treffe. Er sagte, dass er viele enge Freunde unter den indischen Muslimen habe und dass er mir feierlich versichern könne, dass die Gruppe der Muslime in Indien, auf die Großbritannien für Unterstützung in diesem Land angewiesen war, von Äußerungen wie der der siebzig Senatoren nur nachteilig beeinflusst werde kann. Er sagte, es sei notwendig für ihn die Bedeutung der Loyalität der Muslime Indiens für Großbritannien und die traurigen Auswirkungen zu betonen, die folgen könnten, wenn sie das Gefühl hatten, dass ihre Religionsbrüder in Palästina keine Gleichbehandlung erführen.

Beachten Sie, dass der Diplomat zu sagen versuchte, es sei besser für die Juden in Europa zu bleiben, damit sie abgeschlachtet werden, als es so erscheinen zu lassen, dass die USA es unterstützen sie in Sicherheit zu bringen.

Vor die Wahl zwischen toten Juden und wütenden Arabern und Muslimen gestellt, entscheiden sich höfliche Diplomaten für tote Juden.

Wie und warum landete ein Talmud-Traktat in Hitlers Bunker?

Der Daf Yomi, die tägliche Talmud-Seite, die diese Woche gelesen wird, könnte die Antwort auf eine 75 Jahre alte Frage geben. Op-ed.

David Bedein, Israel HaYom, 18. Februar 2021

Talsmud-Studium (Foto: iStock)

Eine der Nazi-Täuschungen beinhaltete die Vereinnahmung der Bräuche und Tragödien der jüdischen Geschichte.

In diesem Zusammenhang kam am Ende des Krieges ein Rätsel um die Entdeckung des Traktats Pesachim des Talmuds in Hitlers Bunker auf. Gefunden wurde es kurz nachdem der Bunker in die Hände der Alliierten fiel.

Wie kam es dazu, dass ein Traktat des Talmuds in den Händen der Nazis war? Und warum dieses Traktat? Was hätte die Nazis an diesem Traktat interessieren können?

Warum unterscheidet sich dieses Traktat von allen anderen?

Während dieses Zeitraums, als die Juden den täglichen Talmud-Studienzirkel Dav Yomi lernen, ist das studierte und gelehrte Traktat kein anderes als Pesachim, das sich um alle möglichen Aspekte von Pessah dreht, zusammen mit wichtigen Aspekten der jüdischen Überlieferung und Geschichte.

Am 16. Februar 2021 wurde im Lernzirkel Daf Yomi die Seite 87 des Traktats Pesachim gelehrt. Und ich denke, ich habe die Antwort gefunden.

Auf Seite 87b erinnert der Talmud an die Verfolgung, unter der die Juden in jeder Generation leiden, gefolgt von einer berühmten Talmduc-Beobachtung, dass Gottes Gnade den Juden gegenüber darin besteht, dass die Juden nicht nur nicht an einen Ort verbannt wurden, so dass die sie, wenn sie irgendwo verfolgt wurden, an einem anderen aufblühen können.

Der Schluss der Diskussion gibt die Worte eines prominenten Römers wieder, der sagte, er träume, dass sie in eines Tages in der Lage sein werden tatsächlich alle Juden zu töten.

Genau das war die „Vision“ der Wannseekonferenz, die vor achtzig Jahren stattfand, als Führer des Dritten Reichs zu einer Konferenz zusammenkamen, um einen Plan zur Ermordung aller 11 Millionen Juden Europas in Gang zu setzen.

Könnte es angesichts der Vorliebe der Nazis tatsächlich von jüdischen Texten zu lernen, um „den Feind zu kennen“, sein, dass es Deutsche im Bunker gab, die Pesachim 87b studierten? Wir werden es nie erfahren, aber das scheint zu passen.

Der Band des im Nazi-Bunker gefundenen Pesachim-Traktats wurde von den Alliierten an Rabbi Isaac Herzog übergeben, damals der Oberrabbiner Palästinas.

Dieser Band ist heute im Besitz seines Namensvetters Yitzhak Herzog, des Leiters der Jewish Agency for Israel, der den Auftrag hat die Juden aus den vier Enden der Erde zu sammeln und für ihre Rückkehr in ihr Heimatland in Israel zu sorgen.

Volle Offenlegung: Ich habe in den letzten 35 Jahren jeden Tag an einer frühmorgendlichen Daf Yomi-Sitzung teilgenommen.

Wenn ein Reporter, der über Antisemitismus und das Schicksal der Juden berichtet, die Gelegenheit wahrnimmt Daf Yomi zu lernen, bevor er jeden Tag zur Arbeit geht, ist Perspektive unerlässlich. Und man weiß nie, welche Geheimnisse der Talmud offenbaren kann.

Wie die Juden des Kaukasus eine Epidemie nutzten, um die Nazis auszutricksen

Während der Besatzung durch die Nazis halfen Muslime bei den Bemühungen die Herkunft der lokalen Juden zu verbergen, was die Ausrottung einer Gemeinschaft verhinderte

Alissa Abramov, the Librarians, 27. Janaur 2021

Deutsche Soldaten bei der Eroberung des Kaukasus (Foto: Bundesarchiv der BRDeutschland)

Im Juli 1942 begann die deutsche Wehrmacht Gebiete im nördlichen Kaukasus zu besetzen. Auch wenn diese Besatzung nur ein paar Monate andauerte, hatte das starke Auswirkungen auf die jüdischen Gemeinden des Gebiets. In Dörfern wie Bogdanowka und Menschinsky, in denen es Kolchosenkollektive von Kaukasus-Juden (oder „Bergjuden“) sowie aschkenasische Juden gab, wurden von Erschießungskommandos groß angelegte Massaker verübt.

Anfangs behandelten die Nazis die lokale jüdische Bevölkerung nicht anders. Sie glaubten, ihr Schicksal solle dem der europäischen Juden ähneln. Der Begriff „Bergjuden“, von den Russen allgemein verwendet, gab die Herkunft der Gemeinschaften preis. Aber als deutsche Streitkräfte die Stadt Naltschik eroberten, gab es Leute, die in einem verzweifelten Versuch sie zu retten die jüdische Identität infrage stellten.

Damals gab es in der Stadt tausende Juden. Während des heftigen Beschusses befahlen die Nazis den Juden sich bei der SS-Einheit zu registrieren, die das deutsche Militär begleitete. Die angesehenen Familien Efraimow und Schaulow waren die ersten, die hingerichtet wurden. Eine Gruppe lokaler jüdischer Leiter, angeführt von Markl Schaulow, versuchte die Gemeinde vor der drohenden Ausrottung zu retten, indem sie probierten die Nazis davon zu überzeugen, dass die Bergjuden in Wirklichkeit kein Teil der jüdischen Rasse waren. Sie behaupteten stattdessen zum Volk der Tat zu gehören, einer der vielen im Kaukasus lebenden ethnischen Gruppen.

Als Teil dieses Einsatzes für wohlwollende Täuschung nutzten die jüdischen Leiter ihre ausgezeichneten Beziehungen zur lokalen muslimischen Gemeinschaft. Der Leiter des Kabardino-Balkarischen Nationalrats appellierte an die Nazi-Kommandeure und forderte, dass sie die Bergjuden als eine der ethnischen Gemeinschaften des Kaukasus behandeln.

Aus politischen und militärischen Gründen ging die deutsche Armee gegenüber der örtlichen muslimischen Bevölkerung vorsichtiger vor und verschob die Anweisung zur Hinrichtung der Juden der Stadt um zwei Monate. In dieser Zeit studierten deutsche Forschungsinstitute unter Leitung des Reichsahnenamts den Fall. Es wurden Fragen zu gemeinsamen Herkunft mit europäischen Juden aufgeworfen, während religiöse Symbole, Literatur, traditionelle Kleidung, Bräuche und die gesprochene Sprache ebenfalls untersucht wurden. Die gesamte jüdische Gemeinschaft versuchte jeden Hinweis auf ihre wahre Identität zu verschleiern. Viele Juden versteckten sich und vergruben Bücher und heilige Objekte in den Höfen ihrer Häuser.

Rabbi Nachmiel Amirow

Während dieser Zeit ereignete sich ein berühmter Vorfall, der in mehreren autobiografischen Berichten der Zeit erwähnt wird. Diese Berichte behandeln einen Versuch Thora-Rollen heimlich aus der örtlichen Synagoge zu entfernen. Eine Gruppe Männer, angeführt von Nachmiel Amirow, dem Oberrabbiner der Stadt, veranstaltete eine Beerdigung, um die Thora-Rollen zu verstecken und sie, eingewickelt in Beerdigungstücher, zu vergraben. Der fingierte Beerdigungszug bewegte ich auf einen Friedhof zu, der nahe des deutschen Hauptquartiers lag. Um die Nazi-SS-Offiziere fernzuhalten überzeugten die Organisatoren der Beerdigung sie, dass die Toten einer Typhus-Epidemie zum Opfer gefallen seien, die im Zweiten Weltkrieg tatsächlich weit verbreitet war. Diese Seuchengerüchte sorgten dafür, dass die SS-Soldaten auf Abstand blieben und die Thora-Rollen wurden erfolgreich beerdigt.

Die Anstrengungen zur Lösung der Frage, ob die Gemeinschaft jüdisch ist, retteten schließlich die meisten Juden der Stadt. Es dauerte nicht lange, bis die deutsche Armee sich nach der Niederlage in der Schlacht von Stalingrad aus dem Kaukasus zurückziehen musste. Während dieser kurzen Besatzungszeit waren die Nazis allerdings in der Lage zu plündern, Juden zu drangsalieren und viele in die Zwangsarbeit zu schicken.

Holocaust-Abfindungsansprüche gegen nationale Eisenbahnen

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Holocaust-Entschädigung nach dem Zweiten Weltkrieg hat nicht nur zu sehr unvollständigen Abfindungen für jüdischen Vorkriegsbesitz geführt. Der amerikanische Finanzexperter Sidney Zabludoff hat geschätzt, dass weniger als 20% des Gestohlenen zurückerstattet wurde. Weit über einhundert Milliarden Dollar in aktuellem Wert wurden den jüdischen Eigentümern oder ihre Erben nicht zurückgegeben.[1]

Am Ende des letzten Jahrhunderts fand in einer Reihe von Ländern, darunter der Schweiz, den Niederlanden und Norwegen, eine zweite Runde der Rückgaben statt. Das betrifft einen kleinen Teil dessen was insgesamt genommen wurde. Folglich verbleiben viele ungelöste Fragen, von denen man sich derzeit ein paar stellt.

Bei einigen davon geht es um europäische Eisenbahngesellschaften. Diese transportierten eine massive Anzahl an Juden zu Beginn des Wegs in ihre Vernichtung. Im Dezember 2014 stimmten Frankreich und die Vereinigten Staaten einem Entschädigungspaket für außerhalb Frankreichs lebende Holocaustopfer zu, die von der französischen nationalen Eisenbahngesellschaft SNCF deportiert wurden. Überlebende aus Frankreich, die von der SNCF deportiert wurden und heute in einigen anderen Ländern wie z.B. Belgien leben, wurden in der Vereinbarung ebenfalls von den Zahlungen ausgeschlossen.

Die zwei Länder kündigten gemeinsam einen $60 Millionen-Entschädigungsfonds an, der von der französischen Regierung finanziert wird. Frankreich zahlte die Summe an die USA. Letztere zahlten das Geld dann an außerhalb Frankreichs lebende Überlebende aus. Die Zahlungen an einzelne Überlebende beliefen sich auf etwa $100.000. Als Teil der Vereinbarung versprach die US-Regierung zu versuchen alle Klagen vor Gericht und Ansprüche gegen die SNCF in den USA zu beenden.[2]

Die Vereinbarung wurde erzielt, als US-Abgeordnete versucht hatten die SNCF wegen ihrer Kollaboration mit den deutschen Besatzern Frankreichs während des Zweiten Weltkriegs von Verträgen in den USA auszuschließen. Von 76.000 Juden, die die SNCF während des Holocaust in Nazi-Lager transportierte, überlebten nur 3.000.

Davor hatte es in Frankreich erfolglose finanzielle Forderungen gegen die SNCF gegeben. 2006 verklagten Alain Lipietz und seine Schwester Hélène die Gesellschaft. Lipietz war damals für die Grünen Mitglied des Europaparlaments. Die Anspruchsteller forderten von der Eisenbahngesellschaft Entschädigungen für den Transport ihrer Familien ins französische Deportationslager in Drancy.

Die Geschwister Lipietz gewannen den ersten Prozess. Das Tribunal in Toulouse wies den französischen Staat und die SNCF an der Familie insgesamt €60.000 zu bezahlen. Die Richter stellten fest, dass die SNCF niemals gegen den Transport solcher Häftlinge Einspruch erhob.[3] Eine ähnliche Klage im Jahr 2003 war gescheitert, als ein Gericht in Paris urteilte, es könne nicht feststellen, dass die SNCF während der Nazi-Besatzung für den Transport von Juden verantwortlich war.[4]

Die SNCF legte gegen das Urteil aus Toulouse zugunsten der Lipietz-Geschwister Berufung ein. 2007 urteilen die Berufungsrichter, dass Verwaltungsgerichte nicht über die Schuld der SNCF entscheiden können. Damit musste die SCNF nicht zahlen. Das höchste französische Verwaltungsgericht, der Staatsrat, erklärte sich für nicht zuständig in dem Fall zu urteilen.[5]

Die SNCF ist Jahre lang für ihre Rolle bei der Deportation der Juden im Krieg kritisiert worden. Mehrere ihrer Präsidenten begriffen, dass ihre Kriegsgeschichte ein heikles Thema war. 1990 beschloss der damalige SNCF-Präsident Jacques Fournier, dass alle Firmenarchive – mit Priorität der Archive aus der Kriegszeit – an einem einzigen Ort gelagert werden sollten. Darüber hinaus wurde auf seine Anweisung hin ein Bericht zur Geschichte der SNCF während des Zweiten Weltkriegs erstellt.

Im Jahr 2000 beschloss der damalige SNCF-Präsident Louis Gallois, dass es von 2002 bis 2004 eine Bildausstellung deportierter und ermordeter Kinder in 20 großen französischen Bahnhöfen geben sollte. Sie wurden auch im SNCF-Hauptsitz, dem französischen Parlament und der Stadtverwaltung von Paris gezeigt. Die Ausstellung wurde von geschätzten einer Million Menschen besucht.

2008 drückte der neue SNCF-Präsident Guillaume Pepy sein Bedauern wegen der Folgen des Verhaltens der SNCF während des Krieges aus. Es wurdeb allerdings keine Zahlungen an diejenigen angeboten, die die Transporte überlebt hatten. Das musste bis zum bereits erwähnten französisch-amerikanischen Abkommen von 2014 warten, das nur für einen Teil der Überlebenden gedacht war.

In den Niederlanden schaffte es ein einzelner Aktivist die NS (Niederländische Eisenbahn) zu überzeugen Zahlungen an niederländische Holocaust-Überlebende zu leisten. Salo Muller – dessen Eltern in Auschwitz ermordet wurden – ist in Amsterdam ein bekannter Name. Er war viele Jahre lang der Physiotherapeut des großen Fußballvereins Ajax.

Letztlich zwang Mullers Druck die NS Zahlungen an Überlebende zu leisten, die sie abtransportiert hatte, alternativ an ihre Ehepartner oder Kinder.[6] Gemäß der Vereinbarung zahlte die Firma etwa 40 bis 50 Millionen Euro.[7] Diese Zahlungen erfolgten 2020. Empfohlen wurde das von einer unabhängigen Kommission, geleitet vom ehemaligen Bürgermeister von Amsterdam, Job Cohen.

Da es viele ermordete Menschen gibt, die keine Angehörigen hinterlassen haben, empfahl die Kommission auch, dass die NS in Bezug auf sie eine Zahlung leistet.[8] Was diese Zahlungen angeht, ignorierte die NS die Meinung der jüdischen Gemeinschaft. Sie beschloss die Zahlungen von insgesamt €5 Millionen Euro an vier niederländische Kriegsgedenkzentren zu leisten.[9] Das war keine kluge Entscheidung. Obwohl die NS beträchtliche Summen auszahlte gibt es der Firma gegenüber in der jüdischen Gemeinschaft immer noch Bitterkeit.

Bereits 2005 hatte der damalige NS-Präsident Aad Veenman sich unerwartet bei der jüdischen Gemeinschaft für das Verhalten der Gesellschaft während des Krieges entschuldigt. Bis dahin hatte ihr Management bestritten, dass es sich für die Dienste entschuldigen würde, die ihre Vorgänger in der Kriegszeit ohne Protest bei der Deportation  des Großteils des niederländischen Judentums geleistet hatten.[10]

Nach seinem Erfolg gegen die NS beschloss Muller eine Forderung gegen den deutschen Staat zu erheben. Diese verweist auf die Rolle der deutschen staatlichen Eisenbahn im Krieg, der damaligen Deutschen Reichsbahn. Muller fordert eine Entschuldigung und finanzielle Entschädigung für niederländische Holocaust-Überlegende und ihre nächsten Angehörigen. Sein Anwalt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben, dass die Erben der deutschen Eisenbahn eine moralische und rechtliche Verpflichtung haben ihre Rolle beim Leid der Juden, Sinti und Roma anzuerkennen.

Der 84 Jahre alte Muller kommentierte im niederländischen Fernsehen in Sachen Reichsbahn: „Ich mache die Eisenbahngesellschaft dafür verantwortlich wissentlich Juden transportiert zu haben und dafür, dass diese Juden auf furchtbare Weise getötet wurden.“ Die deutsche Eisenbahn führte etwa 100 Transporte von der niederländischen Grenze nach Auschwitz und zum Vernichtungslager Sobibor durch.[11]

Eine breitere Sichtweise vertritt der bekannte jüdische Amsterdamer Anwalt Herman Loonstein. In einem Interview mit der Tageszeitung Trouw sagte er, dass viel von den im Krieg gestohlenen Besitztümern niederländischer Juden immer noch nicht zurückgegeben wurde. Loostein erwähnte als Beispiele Kunstwerke oder Häuser, die die deutschen Lager überlebende Juden nach dem Krieg im Besitz anderer vorfanden. Er behauptet, dass die niederländische Regierung nichts zur Rückgabe davon unternimmt und den Überlebenden den Kampf darum überlässt. Er erklärte zudem, dass das, was es an Rückerstattung gab, willkürlich gewesen ist.

Loonstein hat gesagt: „Der Zweite Weltkrieg ist, rechtlich gesehen, weit davon entfernt zu Ende zu sein.“ Er erwähnte kleine Fälle wie, dass Juden Stadtverwaltungen die gelben Sterne bezahlen mussten, die sie zu tragen gezwungen wurden. Loonstein erwähnte auch, dass die Amsterdamer Elektro-Straßenbahn-Gesellschaft – wie alle Eisenbahnen – Juden innerhalb von Amsterdam in den Deportationsprozess transportierte. Die Firma lehnte es ab sich mit der Entschädigungsfrage zu beschäftigen. Allerdings betonte Loonstein, dass die größten verbleibenden Probleme Kunstwerke und Wohnungen betreffen.

Loonstein sagte dem Interviewer als Kuriosität auch, dass einer seiner Söhne, ein Rechtsanwalt, entdeckte, dass das Eigentum an einer Wohnung eines Juden am Tag seiner Deportation an einen der bekanntesten und größten Kriegsverbrecher der Niederlande übertragen wurde, Pieter Menten. Loonstein fragt sich, ob er gegen die niederländische Regierung Klage erheben kann. Er nimmt an, dass die aktuellen Eigentümer die Wohnung in gutem Glauben erworben haben. Er sagt aber auch, dass die niederländische Regierung einen Teil der Verantwortung für diese Affäre trägt. Die Notare, die bei dem Transfer gestohlenen jüdischen Grundeigentums kollaborierten, waren zum Teil niederländische Staatsbedienstete.[12]

Angesichts all dessen scheint es so, als werde weitere Holocaust-Rückerstattung in mehreren europäischen Ländern noch auf Jahre hinaus ein Diskussionsthema bleiben, sowohl privat wie in den Medien.

[1] https://jcpa.org/article/restitution-of-holocaust-era-assets-promises-and-reality/

[2] http://www.bbc.com/news/world-europe-30351196

[3] http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/6499227.stm

[4] http://www.theguardian.com/world/2006/jun/07/france.topstories3

[5] http://www.lemonde.fr/societe/article/2007/12/21/le-conseil-d-etat-refuse-de-se-prononcer-sur-la-culpabilite-de-la-sncf-dans-les-deportations_992555_3224.html

[6] https://nos.nl/nieuwsuur/artikel/2290638-ns-betaalt-holocaust-slachtoffers-wat-ging-eraan-vooraf.html

[7] http://www.parool.nl/nieuws/ns-komt-overlevenden-en-nabestaanden-holocaust-financieel-tegemoet~b8cb2b3d/

[8] https://commissietegemoetkomingns.nl/app/uploads/2019/06/Samenvatting-advies-Commissie-In

[9] https://nieuws.ns.nl/ns-steunt-herinneringscentra-tweede-wereldoorlog/

[10] https://jcpa.org/book/the-abuse-of-holocaust-memory-distortions-and-responses/, S. 142

[11] http://www.theguardian.com/world/2020/jul/30/holocaust-survivor-launches-legal-claim-against-german-railways

[12] http://www.trouw.nl/binnenland/juridisch-gezien-is-de-oorlog-alles-behalve-voorbij-dus-blijft-advocaat-herman-loonstein-strijden~bc4301f8/

Und wenn sie die Bombe nicht geworfen hätten?

Die Jahrestage der Atombombenabwürfe auf Hiroschima und Nagasaki bringen wieder Gedenken. Und wieder Anklagen gegen die Amerikaner, wie die das tun konnten. Unmenschlich. Böse. Hätte nicht gemacht werden dürfen. Das (heute) übliche Gezeter mit Verurteilungen, die im Nachhinein billig und verlogen sind. Und geschichtsvergessen. (Eine ganz einfache Frage: War der Luftangriff auf Tokio mit 300 Bombern, der ca. 100.000 Tote forderte, etwa auch nur einen Deut besser? Nur weil bei den Angriffen vom 6. und 9. August 1945 jeweils nur eine Bombe geworfen wurde?

Was wäre denn die Alternative zu den Atombomben gewesen?

Die Japaner änderten im Sommer 1944 ihre Strategie. Sie gingen von Angriff (um jeden Preis) auf Verteidigung über; das bedeutete, dass sie so kämpften, dass sie Amerikanern möglichst hohe Verluste zufügten, damit die (nervlich) erschöpft den Krieg über Verhandlungen beenden würden statt die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation aufrecht zu erhalten.

Bei der Schlacht um Saipan (offiziell 13. Juni bis 9. Juli 1944) fand dieser Wechsel in der Strategie erstmals Anwendung. Die japanischen Truppen gruben sich ein und leisteten in aussichtsloser Position und ohne Nachschub erhalten zu können Widerstand, um den Amerikanern möglichst hohe Verluste beizubringen. Nachdem das nicht mehr möglich war, führten die Soldaten noch einen Banzai-Angriff (teilweise mit Bambusspeeren) durch, in dem sie keine Überlebenschance hatten. Tausende japanische Zivilisten stürzten sich infolge der japanischen Propaganda aus Angst vor den Amerikanern von Felsklippen zu Tode. Die Eroberung der Insel forderte bei den Japanern das Leben von ca. 24.000 Soldaten, 12.000 Zivilisten und 4.000 Koreanern; die US-Streitkräfte verloren rund 3.500 Gefallene.

In der Folge bauten die Japaner ihre Verteidigungsstellungen aus, um wirkungsvoller gegen erobernde US-Truppen vorgehen zu können. Bei der Schlacht um die Insel Peleliu östlich der Philippinen wirkte sich das als Nächstes aus; sie dauerte (offiziell) vom 15. September bis zum 25. November 1944 – eine enorm lange Zeit für eine nur 13 Quadratkilometer große Insel. Zumal versprengte Reste japanischer Soldaten auch danach noch immer wieder amerikanische Truppen angriffen. (Die letzten 34 überlebenden Japaner gaben erst im April 1947 auf Befehl eines ehemaligen Armee-Offiziers auf, der eigens dafür vor Ort geholt wurde!) Die Amerikaner verloren bei den Kämpfen fast 8.000 Mann (Gefallene, Vermisste und Verwundete), eine Division der Marines war so reduziert, dass sie erst im April 1945 wieder eingesetzt werden konnte. Auf japanischer Seite fielen etwa 95% der 11.000 Verteidiger.

Diese „erfolgreiche“ Methode wurde ab da vom japanischen Militär für weitere Inseln und für die Heimatinseln vorgesehen. Überall wurden massiv entsprechende Verteidigungsstellungen ausgebaut. Der Angriff auf die Insel Iwo Jima (24 Quadratkilometer, etwa 1.000km südlich von Tokio) wurde von US-Truppen am 19. Februar 1945 begonnen; die Insel wurde am 26. März 1945 für gesichert erklärt, allerdings wurden bis Juni 1945 weitere 2.400 Japaner getötet und gefangen genommen, die auf eigene Faust weiterkämpften. Die Insel wurde von 21.000 japanischen Armee- und Marinesoldaten verteidigt. Von diesen überlebten nur knapp 1.100, die in gefangen genommen wurden – fast alle nach Ende der eigentlichen Kämpfe. Die Amerikaner hatten am ersten Invasionstag 2.400 Gefallene zu beklagen. Insgesamt hatten die Amerikaner 6.800 Gefallene. Iwo Jima war die einzige Schlacht im Pazifik, bei der die Amerikaner mehr Gesamtverluste (Gefallene plus Verwundete) hatten als die Japaner.

Der nächste große Angriff der Amerikaner erfolgte auf Okinawa, das seit 1871 unter japanischer Verwaltung stand und ab 1941 zu einem Hauptstützpunkt der kaiserlichen Marine ausgebaut wurde. Bei der Landung am 1. April 1945 fanden die US-Truppen kaum Widerstand; erst als sie weiter vordrangen, stießen sie auf die Hauptverteidigungslinie, die vom Bombardement von Flugzeugen und Schiffen kaum betroffen war. 119.000 Japaner verteidigten die Insel, die Invasionstruppen der Amerikaner zählten 180.000 Mann. Die Kämpfe zogen sich în der Hauptsache bis zum 30. Juni hin, aber auch im Juli noch mussten versprengte japanische Truppen bekämpft werden, teilweise hatten diese keine Munition mehr und gingen mit Knüppel und bloßen Händen auf die Marines und Gis los. Am Ende hatten die Amerikaner Verluste von fast 50.000 Mann (Gefallene und Verwundete), die Japaner hatten gut 76.000 Gefallene, davon 4.600 Kamikaze-Flieger. Die US-Marine hatte etwa 35 Schiffe verloren, 368 waren beschädigt, 763 Flugzeuge waren abgeschossen worden. Die beteiligte britische Trägergruppe verlor 98 Flugzeuge, hatte vier beschädigte Schiffe, 62 Tote und 82 Verwundete.

Diese Erfahrungen zeigen, dass die Japaner mit äußerster Härte gegen die Amerikaner/Alliierten kämpften; Aufgeben gab es nicht, die Gefangenen waren zum allergrößten Teil schwer Verwundete, die nicht mehr kämpfen konnten (abgesehen von Okinawa, wo sich von den Japanern ohnehin verachtete Einheimischen-Truppen ergaben). Die Amerikaner mussten enorm hohe Verluste in Kauf nehmen, um ihren Vormarsch weiterzuführen. Die japanischen Hauptinseln wurden derweil deutlich stärker ausgebaut. Die japanische Führung dachte nicht einmal im Traum daran den Krieg zu beenden. Es wurde fanatisch gekämpft, ohne Rücksicht auf eigenes Leben.

Die amerikanische Militärführung ging davon aus, dass eine Eroberung der japanischen Inseln mindestens zwei Jahre dauern und mindestens eine Million Mann Verluste in den eigenen Reihen zur Folge haben würde.

Eine „Verhandlungslösung“ kam nicht in Frage. Die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg bzw. dessen Folgen hatten dafür gesorgt, dass das nicht erwogen wurde. Ohne einen kompletten Sieg waren Staaten wie Japan und Deutschland nicht dazu zu bringen Frieden zu halten.

Eine Eroberung der japanischen Inseln hätte für die Japaner bedeutet, dass sie mehr oder weniger ausgelöscht worden wären. Das Beispiel Saipan zeigte, wie die Zivilbevölkerung reagierte. Mal ganz davon abgesehen, dass diese auch in die Kämpfe mit einbezogen worden wäre. Einzelne Bomberangriffe, wie sie weiter massiv erfolgt wären, hatten jeweils bis zu 100.000 Todesopfer gefordert. Nach einer solchen Eroberung hätte es kein Japan, vielleicht keine Japaner mehr gegeben.

Das war sicherlich keine Überlegung, die Truman und seine Militärs dazu bewegte die Atombombe einzusetzen. Für sie zählte einzusetzen, was den Amerikanern den baldigen Sieg bringen würde. Den Japanern musste demonstriert werden, dass sie keine Chance hatten; dass die Amerikaner zum totalen Sieg entschlossen waren. Und die Atombombe war eine gute Möglichkeit das zu tun. Effektivität zu beweisen, der Japan nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Und selbst das wäre fast misslungen, wenn es nach den japanischen Militärs gegangen wäre – sie bestanden darauf weiter zu kämpfen. Einzig ein Machtwort des Tenno konnte das verhindern und die Kapitulation einleiten.

Der Einsatz der Atombomben gegen Japan, ihr Abwurf auf Hiroschima und Nagasaki verhindert Millionen weitere Tote – rette amerikanischen Soldaten das Leben, aber auch dem japanischen Volk das Überleben. Das vergessen alle nur allzu gerne, die sich nur darauf konzentrieren ihren Einsatz zu verurteilen. Sie wollen nicht wahr haben, dass es diese fürchterliche Waffe war, die den Zweiten Weltkrieg beendete. Ich höre da oft, dass es nur eine Frage der Zeit gewesen sei, bis der Krieg zu Ende gewesen wäre – aber welchen Preis hätte diese Zeit gefordert? Ich habe oben beschrieben. Im Nachhinein kann man sich sehr schön hinsetzen und die Situation anders analysieren, als es die Politiker und Militärstrategen zum damaligen Zeitpunkt tun mussten. Aber selbst dabei wird nur allzu gerne außen vor gelassen, was die Folgen anderen Handelns gewesen wären. Eine realistische Einschätzung kann nur sein: Die Atombomben-Abwürfe haben zwar 120.000 direkte Tote gefordert, ein furchtbarer Blutzoll. Aber sie nicht einzusetzen hätte unendlich viel mehr Tote gebracht. Die Verdammung der Abwürfe aus heutiger Sicht ist bestenfalls naiv; wahrscheinlich ist sie eher rein ideologisch bedingt.

Die negative Verurteilung des Atombomben-Abwurfs kann nur in einem Klima erfolgen, in dem die Alternative nicht zu Ende gedacht wird. Sie erfolgt in einem Klima, in dem von denjenigen, die die Freiheit verteidigen oder zurückerobern, verlangt wird, das unter größten Opfern zu tun, ohne Rücksicht auf eigene Verluste, aber gefälligst so, dass diejenigen, gegen die die Freiheit verteidigt wird, möglichst geschont werden, ihnen nicht allzu sehr in den Arm gefallen wird, sie die Opfer sind, nicht die Täter. Das Paradebeispiel dafür erleben wir im Nahost-Konflikt zwischen Israel und den Terror-Arabern.

Wir leben in einer Zeit der Pervertierung von Werten und Moral.

Das arabische Kapitel des Holocaust

Der palästinensische Mufti Haddsch Amin al-Husseini spornte Hitler an Europas Juden auszulöschen, gründete eine muslimische SS-Division und stachelte zum mörderischen „Farhud“-Pogrom in Bagdad an. Lasst uns nie die elenden Konzentrationslager in Nordafrika vergessen.

Mordechai Kedar, Israel HaYom, 2. Mai 2019

Natürlich wird der Holocaust als fundamental europäisches Ereignis wahrgenommen. Er wird üblicherweise als „Holocaust am europäischen Judentum“ behandelt, dessen Täter europäische Staaten waren, die Deutschen und ihre Verbündeten. Aber wir sollte nicht die Aspekte des Holocausts ignorieren, die die arabische Welt betreffen.

Einer der auffallenderen dieser Aspekte war die Rolle des palästinensischen Mufti Haddsch Amin al-Husseini. Schon vor dem Holocaust, als er verschiedene öffentliche Ämter im Land Israel bekleidete (1920-1937), stachelten seine Predigten zur Ermordung von Juden in den Krawallen von 1920, 1921 und 1929 auf, dann wieder in der arabischen Revolte von 1936. Es überrascht nicht, dass er später am Völkermord an den Juden Europas beteiligt war.

Nach Zeugenaussagen von Nazi-Offizieren bei den Nürnberger Prozessen nach dem Krieg wurde der Mufti als eine der Personen angeführt, die Hitler dazu drängten die Juden Europas zu vernichten und zwar von dem Moment an, an dem er Ende 1941 nach Deutschland kam. Zwar ist die Annahme begründet, dass Hitler nicht sonderlich vom Mufti „ermutigt“ werden musste, aber seine Rolle bei der Werbung für die Idee der Vernichtung der Juden und deren Umsetzung ist auffällig.

Der Mufti spielte zudem in den Jahren 1942 bis 1944 für die Nazis eine wichtige Rolle, als er die Gründung muslimischer Einheiten im deutschen Militär und der SS initiierte, deren Soldaten in Jugoslawien und Bulgarien eingezogen wurden. 1944, als im Raum Budapest die Mehrheit der ungarischen Juden zusammengetrieben wurde – mehr als eine halbe Million Menschen – hatten die Deutschen vor sie per Zug ins Vernichtungslager Auschwitz zu transportieren; er aber hatte Sorge, dass Partisanen die Brücken im Versuch die Transporte zu stören sprengen könnten. Der Mufti schickte die muslimischen Einheiten los, um die Brücken zu schützen und sicherzustellen, dass die Juden in den Tod geschickt wurden.

Der Mufti hielt mit seinen Absichten nicht hinterm Berg. Er schrieb und sendete – hauptsächlich auf Arabisch per Radio aus Berlin – sein Engagement unter allen Umständen die Immigration der europäischen Juden nach „Palästina“ zu verhindern, deren Auslöschung aus seiner Sicht notwendig und entscheidend war. Im Juli 1945 beschloss die „Jugoslawische Kommission zur Bestimmung von Verbrechen der Besatzer und ihrer Kollaborateure“ die Resolution 1892, die Amin al-Husseini wegen seiner Rolle bei der Zwangsrekrutierung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten auf die Liste der Kriegsverbrecher übernahm; Grundlage dafür war die Klausel 23 der Haager Konventionen von 1899 und 1907.

Die Kommission vermerkte: „Als Ergebnis von Al-Husseinis Handeln … wurde die muslimische Division der SS gegründet … Überall, wo sie eingesetzt wurden, begingen sie zahlreiche Kriegsverbrechen, wie Massenmorde, abscheuliche Gräueltaten, brannten ganze Gemeinden nieder und plünderten. Wegen dieser Aktivitäten … ist der Großmufti Haddsch Amin al-Husseini auf die Liste der internationalen Kriegsverbrecher gesetzt worden … Er trägt die Verantwortung für dien Einsatz der muslimischen Massen, mit anderen Worten dafür diese Leute dazu zu treiben, die gezwungen wurden in den Dienst faschistischer Militärorganisationen zu treten und dementsprechend ist er auch derselben Verbrechen schuldig.“ Nach dem Krieg floh der Mufti nach Frankreich, wo die Franzosen ihn herzlich willkommen hießen und ihm ein Jahr lang eine Villa schenkten, in der er lebte.

Allerdings müssen wir über die Rolle des Muftis hinaus in diesem Kontext die Konzentrationslager in Libyen zur Kenntnis nehmen, die während des Krieges unter italienischer Kontrolle standen. Die Juden Libyens wurden in Lager in der Wüste geschickt: Jadu, Sidi Azaz, Gharyan, Buq Buq, Ifrane. Sie wurden unter verwahrlosten Umständen gehalten, litten unter Hunger und Durst; hunderte krepierten. Wer jagte die Juden? Wer identifizierte sie für die Deutschen? Die Antwort ist klar: ihre muslimischen Nachbarn.

Schließlich müssen wir uns an die „Farhud“ in Bagdad erinnern, ein Pogrom mit Mord, Vergewaltigung und Plünderung, begangen von irakischen Arabern gegen die Juden von Bagdad am Feiertag Schavuot 1941. Insgesamt wurden 179 Juden ermordet, tausende verletzte, Frauen wurden vergewaltigt und Kinder zu Waisen gemacht, alles durch die dämonische Hetze, die al-Husseini erbrach, der sich zu dieser Zeit in Bagdad befand.