Die Auslöschung jüdischen Erbes in Nordzypern

Uzay Bulut, Jihad Watch, 4. November 2021

Zypern hat einen besonderen Platz in der jüdischen Geschichte. Juden sind in diesem Inselstaat tief verwurzelt, wo sie einst Wein für den im Tempel verwendeten Weihrauch erwarben (Jerusalemer Talmud Yoma 4), möglicherweise von dort lebenden Juden hergestellt. Juden haben nach Angaben historischer Aufzeichnungen Jahrtausende in Zypern gelebt. Das Hadassah-Magazin berichtet:

Zypern und Eretz Yisrael hatten schon Ende des dritten Jahrhunderts v.Chr. Handelsbeziehungen und Juden begannen sich auf der Insel niederzulassen. Im ersten Jahrhundert v.Chr. gab der römische Kaiser Augustus Herodes, dem König von Judäa, einen Teil der Verwaltung und der Einnahmen der Kupferminen der Insel. Zu den Minenarbeitern gehörten Juden und Kuper-Arbeiter. Nach dem Tod von Herodes heiratete seine Enkelin Alexandra einen zypriotischen Juden.

Die Gemeinde gedieh und es gab an mindestens drei Orten Synagogen: Golgoi, Lapethos und Constantia-Salamine. Einige zypriotische Juden zogen nach Jerusalem und der Talmud erwähnte den Import von Kumin, Wein und getrockneten Feigen aus Zypern.

Der European Jewish Congress gibt weitere Informationen:

142 v.Chr. war Zypern eines der Länder, die auf Ersuchen der Römer jüdische Rechte garantierte. Zypriotische Juden schienen 177 n.Chr. an einem Aufstand gegen Kaiser Trajan teilgenommen zu haben. Nachdem der Aufstand niedergeschlagen war, wurde Juden streng verboten einen Fuß auf Zypern zu setzen, aber dieses Verbot dauerte nicht lange an.

„Juden kehrten kurz danach auf die Insel zurück“, fügt der World Jewish Congress an. „Die jüdische Gemeinschaft in Zypern blühte über die Jahrhunderte hinweg weiter auf und zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert gab es mehr Juden auf Zypern als auf jeder anderen griechischen Insel.“

Heute ist Zypern ein mehrheitlich christliches Land und sein Schutzheiliger ist ein zypriotischer Jude: Der heilige Barnabas, der in Begleitung von Saulus (dem Apostel Paulus) und Markus nach Zypern segelte, um dort zu predigen (Apostelgeschichte Kapitel 13).

Heute blühen die Beziehungen zwischen Zypern und Israel. „Die Geschichte Zyperns hindurch haben immer jüdische Menschen auf der Insel gelebt“, sagte der Projektmanager des jüdischen Museums Zyperns, Skevi Philippou. „Es hat immer ein Band zwischen Israel und Zypern gegeben, besonders heute zwischen Tourismus- und Geschäfts-Kooperation. So nahe am Heiligen Land ist Zypern ein beliebter Ort für Juden, die zu Besuch kommen oder sich hier niederlassen. Heute leben auf Zypern 6.500 Juden. Die meisten sind aus Israel, Großbritannien, Osteuropa und Russland.“

Der Oberrabbiner von Zypern, Arie Ze’ev Raskin, dient der Gemeinschaft offiziell seit 2005. Der Rabbi und seine Frau kamen zusammen mit ihren Kindern 2003 nach Zypern. Fünf Jahre später wurde ihr fünftes Kind in dem Inselstaat geboren. Das Chabad-Haus – „Chabat Zypern“ – wurde 2005 eröffnet.

Heute steht das Cyprus Jewish Community Center in Larnaca der Gemeinschaft das ganze Jahr über offen. Und das dortige jüdische Museum schafft das Bewusstsein für die jüdischen Verbindungen zur Insel. Die aktuelle Ausstellung des Museums ist die „Nissenhütte“, ein Original-Artefakt aus dem Zweiten Weltkrieg.

Nach Angaben seiner Internetseite will das Museum die Öffentlichkeit bezüglich der wichtigen Rolle bilden, die Zypern und die Zyprioten „bei der Unterstützung von Holocaust-Opfern spielten, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Europa entkamen und sich auf dem Weg nach Israel befanden“.

Von 1878 bis 1960, als Zypern unabhängig wurde, stand die Insel unter britischer Herrschaft. Nach dem Aufstieg des Nationalsozialismus 1933 entkamen hunderte Juden nach Zypern. Die britische Regierung baute dort dann 12 Internierungslager für Holocaust-Überlebende auf, die in das damalige britische Mandat Palästina immigrierten oder versuchten zu immigrieren. Die Lager wurden von 1946 bis 1949 betrieben und hielten mehr als 53.000 Internierte fest. Sobald der Staat Israel gegründet war, zogen die meisten Flüchtlinge dorthin.

„Die Umstände in den Lagern waren furchtbar“, berichtete die Zeitung Cyprus Mail. „Aber es gab einen Hoffnungsstrahl für die, die auf der langen Reise nach Hause waren: Die lokalen Zyprioten, die drei lange Jahre lang halfen die Internierten auf ihre Kosten zu ernähren, zu kleiden und zu nähren. Als Einfall von Rabbi Arie Ze’ef Raskin, dem Oberrabbiner von Zypern, ist das Museum der Weg der jüdischen Gemeinschaft, denen Dank zu sagen, die den Internierten halfen.

„Rabbis Raskin empfang ein überwältigendes Bedürfnis den Menschen zu danken, die er als Helden betrachtet“, sagte Philippou.

Gewöhnliche Leute – Bauern, Arbeiter, Menschen, die kaum selbst genug zu essen für ihre eigenen Familien hatten – gaben Lebensmittel, Wasser und Medikamente für Flüchtlinge in lagern. Und die nächste Generation Zyprioten muss wissen und sich daran erinnern, was ihre Vorfahren taten, damit der Kreislauf der Güte weiter geht.

Diese 53.000 jüdischen Flüchtlinge und ihre Nachkommen verdanken ihre Gesundheit und Wohlergehen Zypern und dem Mitgefühl der Zyprioten; indem sie denen halfen, die ein neues Leben begannen, spielten die Zyprioten nicht nur eine wichtige Rolle dabei Holocaust-Opfern zu helfen nach dem Zweiten Weltkrieg aus Europa zu entkommen, sondern sie waren auch verantwortliche Hilfe bei der Förderung der Wiedergeburt jüdischen Lebens, Kultur, Feshalten an der Religion und dem jüdischen Erbe rund um die Welt fördern.

In der Zwischenzeit wird die Tradition gegen Antisemitismus zu sein in Zypern weitergeführt. 2019 begrüßte Zypern die Arbeitsdefinition Antisemitismus der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA). Der damalige Vorsitzende der Jewish Agency und aktuelle Präsident Israels Isaac Herzog lobte den Schritt, genauso David Harris, CEO des American Jewish Committee.

Viele kommunale Leiter in Zypern haben auch die Erklärung der Vereinigten Bürgermeister gegen Antisemitismus des American Jewish Committee (AJC) unterschrieben. Mehr als 500 europäische und US-Bürgermeister, darunter 22 Bürgermeister aus Zypern, schlossen sich der Initiative an.

„Die Beziehungen zwischen Israel und Zypern sind nie stärker gewesen al sheute“, sagte die AJC-Leiterin in Jerusalem, Oberstleutnant (a.D.) Avital Leibovich. „Sie gründen nicht nur auf gegenseitigen Interessen, sondern auch auf strategischen Herausforderungen und Kooperation auf vielen Ebenen – von Kultur zu Wissenschaften, von Tourismus zu Startups. Bei der Veränderung des Nahen Ostens sind solche Partnerschaften wichtig und werden in Ehren gehalten.“

Seit 1974 sind allerdings rund 40 Prozent des Territorium Zyperns im Norden der Insel illegal von der Türkei besetzt. In dem Jahr marschierte das türkische Militär zweimal in Zypern ein, das einer Kampagne ethnischer Säuberung ausgesetzt wurde, bei der  der demografische Charakter des Inselstaats gewaltsam verändert uwrde.

Von türkischen Truppen wurden viele Verbrechen an indigenen griechischen Zyprioten begangen. Zivile Ziele wie Krankenhäuser wurden bombardiert. Griechische Zyprioten, auch Kinder, wurden ermordet. Zivilisten wurden von türkischer Militärobrigkeit willkürlich verhaftet und entweder in Gefängnisse oder Konzentrationslager gesteckt. Einige mussten Zwangsarbeit verrichten. Die Europäische Kommission für Menschenrechte dokumentierte die Vergewaltigung von Frauen und Kindern im Alter von 12 bis 71, darunter auch Schwangere und geistig Zurückgebliebene. Die Vergewaltigungen waren derart weit verbreitet, dass die Kirche Zyperns gezwungen war ihre zuvor Einschränkungen von Abtreibungen zu lockern.

Fast 200.000 griechische Zyprioten wurden von den türkischen Invasionstruppen aus ihren Häusern zwangsvertrieben und von illegalen Siedlern aus der Türkei sowie türkischen Zyprioten verdrängt. Ländereien, Häuser und anderer Grundbesitz griechischer Zyprioten wurden beschlagnahmt, geplündert und an Türken verteilt. Als Ergebnis dieser ethnischen Säuberung ist das nördliche Zypern, das bis 1974 Jahrtausende lang eine mehrheitlich griechische Region war, zu einer türkischen Kolonie gemacht.

Historisch lebten große jüdische Bevölkerungsgruppen in Küstenstädten Zyperns, so auch im antiken Salamis in der Stadt Famagusta, die heute unter türkischer Besatzung steht. Leider hat der Invasionsfeldzug allen nichtmuslimischen historischen Stätten Zyperns weit verbreitete Zerstörung gebracht.

Bis heute fahren die Besatzungstruppen damit fort das zypriotische kulturelle Erbe zu plündern und zu zerstören, darunter auch das jüdische Erbe des besetzten Gebiets. Der dortige jüdische Friedhof ist zum Beispiel zerstört worden. Der Bericht „Verlust eine Zivilisation: Zerstörung kulturellen Erbes im besetzten Zypern“ von 2012 besagt:

Der historische jüdische Friedhof Margo, ein nationales Denkmal für das jüdische Volk südöstlich von Nicosia, ist auf dieselbe Weise geschändet und zerstört worden wie christliche Friedhöfe in der von türkischen Truppen besetzten Gegend geschändet und zerstört worden sind.

Der jüdische Friedhof Margo ist Heimat der Gräber von Diaspora-Juden  von 1885 und jüdischer Flüchtlinge, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Zypern kamen.

Der Friedhof liegt in einem streng kontrollierten militärischen Gebiet und wird von einem bewaffneten türkischen Soldaten bewacht. Jüdische Organisationen und andere Gruppen haben ständig um freien Zugang zum Friedhof gebeten, um dort religiöse Zeremonien durchführen zu können, aber diese Bitten sind von der Besatzungsmacht und ihrem Marionettenregime nie gewährt worden.

„Wir haben den Friedhof mehrfach besucht“, bestätigt Philippou. „Aber wir sind nicht in der Lage gewesen dort religiöse Zeremonien durchzuführen, es war nur ein schneller Besuch unter Aufsicht. Wir hätten ihn gerne restauriert, aber bisher wurde uns keine Erlaubnis dazu gegeben.“

Hier können Sie ein Video des zerstörten jüdischen Friedhofs im türkisch besetzten Teil von Nicosia sehen.

Die zypriotisch-niederländische Schriftstellerin und Kultur-Aktivistin Tasoula Hadjitofi wurde im Alter von 15 Jahren zum Flüchtling, als türkische Truppen 1974 in ihre Geburtsstadt Famagusta einmarschierten. Mehrere Jahrzehnte lang hat sie Artefakte und andere Symbole kulturellen Erbes gesammelt, die geraubt und gestohlen wurde, um sie nach Zypern nach Hause zu bringen. In Bezug auf die Befreiung von Gefangenen aus Nazi-Konzentrationslagern im Jahr 1945 sagte Hadjitofi:

Zyprioten kämpften als britische Truppen an der Seite der Alliierten während der Befreiung der Juden und anderer Gefangenen, denn Zypern war eine britische Kolonie. Es gab für diese Helden am Holocaust-Gedenktag in Großbritannien oder in Zypern keine Mohnblumen und man weiß wenig über sie. Die meisten dieser vergessenen Helden starben still und nahmen viele nicht erzählte Geschichten mit ins Grab. Vielleicht leben noch eine Hand voll? Ihre Geschichten müssen erzählt werden und ihr Mut muss geehrt werden.

„Die historischen Bande zwischen Israel und Zypern sind stark“, fügte Hadjitofi an. „Ich hoffe, dass unsere jüdischen Brüder und Schwestern weltweit die Islamisierung des nördlichen Zypern durch die Türkei aufmerksam beobachten, genauso der Zerstörung der christlichen und jüdischen Stätten in dem besetzten Gebiet. Und um unseres gemeinsamen Erbes, den historischen und aktuellen Kämpfen um die Freiheit willen sowie aus fundamentalen Prinzipien müssen sie ihr Möglichstes tun sie aufzuhalten.“

Zypern sagt seinen palästinensischen Yarmuk-Flüchtlingen höflich, sie sollten verschwinden. Niemanden kümmert es.

Elder of Ziyon, 16. Februar 2015

Rund 365 Flüchtlinge aus Syriens Lager Yarmuk, darunter viele mit palästinensischen Vorfahren, die letztes Jahr über das Meer Zypern erreichten, steckten in einem Flüchtlingslager bei Nikosia.

Anfang diesen Monats schloss Zypern das Lager.

Die Regierung bot ihnen 500 Euro pro Erwachsenem, 200 Euro pro Kind und ein befristetes Touristenvisum.

Das Lager Kokkinotrimithia war ein vorübergehendes, das mit EU-Geldern unterstützt wurde und die Migranten sollten bis zum 26. Dezember abgefertigt werden. Ihnen wurde aus humanitären Gründen eine Verlängerung bis zum 17. Januar gegeben, doch dann wurde das Lager am 3. Februar schließlich geschlossen, sagte Herr Hadjimichail. Die Flüchtlinge waren mindestens 15-mal zum Ministerium gebracht worden, um über ihren Status zu entscheiden, sagte er. Zwei Drittel der Flüchtlinge waren abgearbeitet worden, von denen eine beträchtliche Anzahl ins zentrale Asylantenlager Kofinou gebracht wurden und der Rest die Insel verließ, hieß es von dem Beamten. Der Rest wird Asyl beantragen müssen, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, oder illegal in Zypern bleiben, sagte er.

Weder das Innenministerium noch die Zivilschutz-Organisationen wissen, wohin die Migranten gegangen sind oder wie man sie kontaktieren kann.

Die Flüchtlinge wurden praktisch auf die Straße gesetzt. Viele befinden sich jetzt in einer Kirche in Strovolos.

Hier haben wir echte Flüchtlinge, keine künstlichen wie in den UNRWA-Lagern. Sie brauchen Kleidung und Lebensmittel und Unterkunft.

All die NGOs, die vorgeben sich um die palästinensischen Araber zu sorgen, schwiegen, als sie vor zwei Wochen obdachlos wurden.

Wenn man nur einen Weg finden könnte, die Israelis für ihr Leid verantwortlich zu machen, dann würde das Geld nur so strömen, um diesen Leuten zu helfen.

Kalter Türke

Michael Curtis, The American Thinker, 20. Oktober 2014

Studenten sollten in der Lage sein einfache Fragen zu beantworten. Welches Land im Nahen Osten ist „ethnischer Säuberungen“ für schuldig befunden worden? Welches Land der Region hat die Rückkehr von Flüchtlingen in ihre Häuser und auf ihr ehemaliges Land verhindert? Welches Land hat sich über Artikel 49 der 4. Genfer Konvention vom August 1949 hinweggesetzt, der der Besatzungsmacht verbietet Teile der eigenen Zivilbevölkerung auf das von ihr besetzte Territorium umzusiedeln? Welches Land ist für eine einseitige Unabhängigkeitserklärung verantwortlich? Im Gegensatz zu dem, was sie von ihren Professoren hören dürften, lautet die korrekte Antwort, dass all diese Dinge von der Türkei geleistet wurden.

Die Türkei ist derzeit nicht sehr angesagt. Zu sagen, die Türkei sei eine Enttäuschung im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus, wäre – untertrieben gesagt – eine Binsenwahrheit. Die Türkei ist Mitglied der NATO, das einzige muslimische Mitglied der Organisation; und Präsident Obama betrachtet sie immer noch als regionalen Verbündeten und als Symbol islamischer Moderatheit und Liberalismus. Angesichts dieses Verhaltens in den letzten Jahren kann sie jedoch niemand als hilfreichen Partner der USA und die anderen Länder betrachten, die bereit sind dem islamischen Terrorismus zu begegnen. 2003, vor dem Zweiten Golfkrieg, dem Einmarsch in den Irak Saddam Husseins, lehnte die Türkei es ab den USA zu gestatten ihre Basen im Land zu nutzen. Sie lehnt es immer noch ab die von den USA geführte Koalition zu unterstützen, um mit dem Islamischen Staat im Irak und Syrien klarzukommen und hat wieder verhindert, dass US-Aufklärungs- und Bombenangriffe über Syrien von der US-Luftwaffenbasis in Incirlik verhindert.

Zu dieser nicht hilfreichen und unkooperativen Politik kommt noch weiteres negatives Verhalten: die von der Türkei den Terrorgruppen – Hamas im Gazastreifen, dem Islamischen Staat und anderen – direkt und indirekt gegebene Hilfe. Die Türkei bot Hamas-Agenten logistische Unterstützung und beherbergte sie. Sie half der Nusra-Front, dem Al-Qaida-Ableger in Syrien. Sie half dem Islamischen Staat (IS), indem sie Waffen, Material und Personal über türkisches Territorium gehen ließ und über Schwarzmarkt-Transaktionen mit dem Iran ermöglicht sie dem IS das Öl aus den 10 Ölfeldern und Raffinerien zu verkaufen, die er erobert hat. Über diese Verkäufe gewinnt der IS Rund $2 Millionen am Tag. Erdoğan streitet diese Beziehung zum Iran ab, die weiterhin besteht; damit verletzt er die Politik der Sanktionen gegen diesen Staat.

All das ist wohlbekannt und Besorgnis erregend. Gleichermaßen bekannt und beklagenswert ist die Weigerung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan der beträchtlichen kurdischen Minderheit eine Art von Autonomie oder Selbstbestimmung in der Türkei zu gestatten. Er prüft und führt den Kampf über militärische Angriffe und Kampfjets geführten Kampf gegen kurdische Gruppen, besonders die Kurdistan-Arbeiterpartei (PKK) – die er als Terrororganisation betrachtet – als wichtiger als den Kampf gegen den Islamischen Staat. Erdoğan hat es sogar abgelehnt US-Waffenlieferungen an die Kurden zu gestatten, die die Hauptgefahr für die Welt – den Islamischen Staat – tatsächlich bekämpfen.

Weniger gekannt oder eher ignoriert ist, dass die Türkei nach internationalem Recht definierter Verbrechen schuldig ist, weil es Territorium besetzt und Besiedlung in einem Land ermutigt, auf das sie keinen berechtigten Anspruch hat. Präsident Erdoğan ist nur allzu bereit gewesen den Staat Israel wegen Besatzung, seiner Siedlungen und seines Handelns zu kritisieren. Manchmal wird diese Kritik milde ausgedrückt, aber häufiger mit exzessivem und kriegerischem Sprachgebrauch. Im Mai 2010 beschuldigte er Israel des „Staatsterrorismus“, weil es die von der Türkei aus organisierten Flottille daran hinderte nach Gaza zu schippern. Er äußerte sich zu Israels Operation „Fels in der Brandung“ im Gazastreifen vom Juli 2014, sie sei „schlimmer als der Nazi-Völkermord … und der (israelische) Barbarismus [habe] selbst den von Hitler übertroffen“.

Erdoğans Rhetorik legte nahe, dass er an „jüdische Weltverschwörung oder jüdische Macht“ glaubt, selbst an die Blutschuldvorwürfe, Beschuldigungen ritueller Morde von Juden an Christen, um deren Blut für die Herstellung von Pessah-Matzen zu benutzen. Bewusst oder unbewusst gibt diese Art Rhetorik Antisemitismus wieder. Er behauptete, Israel stecke hinter dem Sturz von Präsident Mohamed Morsi in Ägypten, der im Juli 2013 von Feldmarschall el-Sisi von der Macht entfernt wurde. Erdoğan forderte die Welt auch auf Israels Streben nach Völkermord zu stoppen, weil dessen Blutdurst nicht enden würde.

Erdoğan giert danach die Welt zum Handeln bezüglich Israel aufzufordern, aber wenn die „Welt“ über seine eigenen Missetaten oder die seines Landes spricht dann ignoriert er das. Er lehnt es ab anzuerkennen, dass die Welt gegen die illegale Besatzung eines Teils der Insel Zypern durch die Türkei ist. Die Frage ist einfach. Zypern, das seit 1878 unter britischer Verwaltung stand und seit 1925 britische Kronkolonie gewesen war, wurde 1960 als Republik Zypern unabhängig; Grundlage war der von Großbritannien, Griechenland und Zypern unterschriebene Garantievertrag. Allerdings begannen 1963 Feindseligkeiten zwischen griechischen und türkischen Zyprioten. Eine UNO-Truppe, die Friedenserhaltungstruppe in Zypern (UNFICYP), wurde im März 1964 aufgestellt; sie sollte dabei helfen, nach dieser Gewalt normale Beziehungen wiederherzustellen. Fünfzig Jahre später ist die UNFICYP immer noch dort, jetzt unter der Führung eines weiblichen Generals aus Norwegen, und versucht die Stabilität in der Gegend zu erhalten.

Am 20. Juli 1974 marschierten 30.000 türkische Soldaten auf der Insel ein, besetzten rund ein Drittel davon und halten es bis heute. Man kann es als ethnische Säuberung durch die Türken betrachten, dass 180.000 griechische Zyprioten aus ihren Häusern im Norden der Insel vertrieben wurden, während 50.00 türkische Zyprioten in Bereiche unter Kontrolle der türkischen Streitkräfte zogen. Im Widerspruch zu den Genfer und anderen internationalen Konventionen hat die Türkei einen Teil ihrer eigenen Bevölkerung in die Gegend umgesiedelt.

Am 15. November 1983 erklärten die türkisch-zypriotischen Behörden einseitig die Gründung eines unabhängigen Staates, der Türkischen Republik Nordzypern (TRNC). Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen betrachtete diese Erklärung rechtlich ungültig und forderte den sofortigen Rückzug. Die Europäische Union verurteilte diese einseitige Unabhängigkeitserklärung ebenfalls. Trotzdem hat die Türkei diese „Aufforderung an die Welt zu handeln“ ignoriert, obwohl kein Land außer der Türkei die Legitimität des TRNC-Staates anerkannt hat.

Wer sich mit Nahost-Fragen befasst, der sollte der unanständigen Natur und Bedeutung des türkischen Verhaltens in Zypern gegenüber nicht, wie es viele gewesen sind, vergesslich sein: der illegale Besetzung eines Landes, der Gründung von türkischen Siedlungen in der Gegend, die fortgesetzte Anwesenheit türkischer Truppen und das Aufzwingen einer „Grünen Linie“, die die beiden politischen Einheiten in Zypern trennt. Einige Jahre lang hat der UNO-Sicherheitsrat Resolutionen zu dieser Situation verabschiedet, die letzte war die Resolution UNSC Res. 2135 vom 30. Januar 2014, die den Grad der Stabilität entlang der Grünen Linie Stellung genommen wurde.

Die Türkei hat aber bezüglich ihrer illegalen Besatzungs- und Siedlungspolitik nicht nur der UNO getrotzt. Sie hat unverhohlen politische Realitäten geleugnet und mit Feindseligkeiten gegen die legitime Republik Zypern gedroht. Am 13. Oktober 2014 tadelte Präsident Erdoğan ein griechisch-zypriotisches Mitglied des EU-Parlaments, der türkische Truppen in Nordzypern als „Invasoren“ bezeichnete. Er lehnte es auch ab die Vorschläge für einen Rückzug türkischer Truppen anzuhören. Als die EU Zypern als Mitglied aufnahm, kommentierte Erdoğan, es hätte als „Südzypern“ aufgenommen werden müssen … „es gab kein Land namens Zypern“. Fakt ist, dass die gesamte Insel als Mitglied aufgenommen wurde, aber die EU-Rechte und Verpflichtungen beziehen sich nur auf den Teil unter der international anerkannten Regierung, der Republik Zypern. Im Januar 2014 lehnte die Türkei es ab die Zollabkommen mit der EU komplett umzusetzen, weil Zypern dazu gehören würde.

Erdoğan, ein autoritärer und aggressiver Herrscher, dem Korruption und Untergraben der Unabhängigkeit der Justiz vorgeworfen wird, hat bereits im September 2011 gedroht die Republik Zypern anzugreifen, sollte sie der Noble Energy Company aus den USA erlauben im großen Erdgasfeld Leviathan, das Israel erkundet, nach Gas zu bohren. Die internationale Gemeinschaft, der gegenüber Erdoğan so oft Handeln gegen Israel anmahnt, sollte nun die Türkei wegen der Vertreibung von Menschen, ethnischer Säuberung, Entzug der individuellen Rechte und ethnischer Diskriminierung von Minderheiten, die nicht muslimisch oder sunnitisch sind, vorwerfen.

Besatzung ist immer anders, wenn die Besatzer nicht die Juden sind

Dieser Tage lag wieder die ADAC-Motorwelt im Briefkasten. Darin eine volle Seite Werbung für Reisen nach Nordzypern „zum Spartarif“.

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Dort heißt es im Teaser dann: „Genießen Sie die herrliche Sonne am Mittelmeer, die einzigartige Landschaft sowie das milde Klima von Nordzypern zum unschlagbaren Preis.“

Dem folgt dann: „Ihr Urlaubsort Lapta liegt im türkischen Teil Zyperns…“

Im „türkischen Teil Zyperns“? Nicht „im türkisch besetzten Teil Zyperns“?

Es gibt eben solche und solche. Eine illegale militärisch Besatzung, verbunden mit der Vertreibung der Einwohner („ethnische Säuberung“ wurde in den 1990-er Jahren im damaligen Jugoslawien erst zum Begriff) und die Neuansiedlung von importierten ethnischen Türken in den zwangsweise frei gemachten Orten machen das also zum „türkischen Teil Zyperns“, für die zu werben in Europa ebenso wenig ein Problem ist wie die Förderung durch die EU.

Stellen wir uns vor, welcher moralisierend-stinkende Sturm der Empörung loslegen würde, hätte ein Reiseveranstalter den Nerv für Reisen in „den israelischen Teil des Westjordanlandes“ einzuladen – ein Gebiet, das Israel in einem von ihm nicht gewünschten Verteidigungskrieg völlig rechtmäßig eroberte; ein Gebiet, das dem jüdischen Staat entsprechend internationaler Verträge und internationalem Recht zustand; ein Gebiet, zu dem die Juden eine tiefe historische Verbindung haben; ein Gebiet, aus dem kein Araber verdrängt wurde, sondern „Siedlungen“ auf Brachland errichtet wurden. Ein Gebiet, das von Israel den sich „Palästinenser“ nennenden Arabern mehrfach fast vollständig zur Gründung eines eigenen Staates angeboten, von diesen aber abgelehnt wurde. Angebote, die seitens der Türkei in Sachen Zypern nicht einmal denkbar wären. Zudem wurde die Besatzung durch die Türkei sofort international als illegal und völkerrechtswidrig bezeichnet, während die „internationale Gemeinschaft“ ein paar Jahre lang brauchte, um ihre Haltung zu Judäa und Samaria auf Links zu drehen, damit Israel zum illegalen Besatzer gemacht werden konnte.

Aber da keine Juden an der Besatzung beteiligt sind, ist das „der türkische Teil Zyperns“, nicht der illegal von der Türkei besetzte Teil Zyperns. Der ist ein prima Touristenziel, wirtschaftlich gefördert von der EU und es kräht kein Hahn mehr danach, wie dieses illegale Konstrukt dem Völkerrecht nach eingestuft werden muss. Geld regiert, das Geschäft gehört in den Mittelpunkt. Aber nicht, wenn Juden dabei sind – diese geldgierigen Säcke müssen boykottiert werden.

Da gibt es zwei Begriffe für: Projektion – weil den Juden unterstellt wird, was die Europäer selbst tun – und Antisemitismus – weil dieses hysterische „Besatzungs“-Gebrüll samt geforderten Konsequenzen nicht nur falsch dargestellt, sondern auch ausschließlich dem jüdischen Staat gegenüber angewandt wird.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (03.-09.02.2013)

Sonntag, 03.02.2013:

Die PA bemüht sich darum, dass der Chef der Terrororganisation DFLP, seinen Wohnsitz in der „Westbank“ nimmt. Israel soll das genehmigen, fordert die Fatah.

Eine libanesische Internetseite sagt, israelische Kampfjets hätten „Scheinangriffe“ über Bereichen des Südlibanon geflogen.

Während aus Syrien eine Nachricht kommt, dass Assad sich für den israelischen Angriff wohl nicht rächen will, tönt es aus Teheran um so stärker: Die Mullahs wollen Israel wegen des Angriffs von den Syrern ins Koma schlagen lassen. Und dann legt Assad doch noch nach: Sein Militär sei bereit sich „jeder Aggression zu stellen“.

Montag, 04.02.2013:

Libanesische Quellen behaupteten gestern, dass Israel Scheinangriffe im südlichen Libanon geflogen habe. Jetzt wird der Luftwaffe eine Explosion östlich von Tyrus in die Schuhe geschoben, wovon aber offenbar selbst Al-Manar sagt, dass es Quatsch ist: Die Hisbollah lässt wissen, dass es sich um eine Blendgranate gehandelt habe. Später heißt es von den Terroristen, mit der Explosion sei ein israelisches Spionagegerät zerstört worden.

Die Terror-Mullahs wollen Assad helfen, wenn er gegen Israel „zurückschlägt“.

Heckmeck:
– Mahmud Abbas befand gegenüber einer russischen Nachrichtenagentur, der Nahost-Konflikt könne noch dieses Jahr gelöst werden – wenn denn Israel von der Welt unter Druck gesetzt wird und vor den Maximalforderungen der PLO kapituliert.

Dienstag, 05.02.2013:

Letzte Woche strahlte das Fernsehen der PA mehrfach ein Video aus, mit dem mehrere Terroristen für ihre Judenmorde geehrt wurden.

Mittwoch, 06.02.2013:

Moshe Feiglin (Likud) besuchte den Tempelberg. Eine arabische Organisation lässt wissen, sein Besuch sei ein Einbruch in die und eine Schändung der Al-Aqsa-Moschee.

Aus dem Libanon werden weitere „Scheinangriffe“ israelischer Kampfflugzeuge behauptet.

Heckmeck:
– Mohamed Morsi: Es wird keinen regionalen Frieden in der Region geben außer mit einem Palästinenserstaat.

Donnerstag, 07.02.2013:

Der moderate Friedenspartner Mahmud Abbas dankte in Kairo auch dem Terror-Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad für dessen Unterstützung.

Freitag, 08.02.2013:

Heckmeck:
– Zypern hat den Status der PLO-Mission auf den einer palästinensischen Botschaft aufgewertet.

Zur Erinnerung: die „täglichen Vorkommnisse“ (verhinderte Terroranschläge, versuchte Morde usw.) finden sich auf der Seite „Friedfertigkeiten 2013“; die humanitären Lieferungen und Maßnahmen Israels unter „Humanitäres“ (beides in der Sidebar zu finden).

Europäische Siedlungen und zweierlei Maß

Dore Gold, Israel Hayom, 5. Januar 2013

Wer auch immer mit der Fernbedienung durch die Kabelkanäle zappt, ist zweifelsohne schon über Programme britischer oder anderer Rentner aus Nordeuropa gestolpert, die versuchen dem harschen Klima zu entkommen, in dem sie leben; dazu erlauben sie sich, sich an bekannten Ferienorte entlang der Mittelmeerküste niederzulassen. Das schwierige Problem für diese Käufer sind die im Verlauf des letzten Jahrzehnts stark gestiegenen Grunstückspreise an Orten wie Marbella (Spanien), der französischen Riviera oder Italiens Amalfi-Küste, was viele dazu bringt sich nach billigeren Alternativen umzusehen. Als Ergebnis strömten viele europäische Käufer nach 2002 nach Nordzypern, wo eine Villa mit Swimmingpool zu Rabattpreisen gekauft werden kann.

Die nicht angesprochene juristische Hauptfrage zu diesem neuen europäischen Grundstücksboom ist der rechtliche Status des Gebiets, an dem diese neuen Häuser gebaut werden. Man sollte sich erinnern, dass die türkische Armee 1974 in Zypern einfiel, das seit 1960 ein unabhängiger Staat gewesen war; sie nahm mehr als 37 Prozent der Insel ein. Zehntausende griechischer Zyprioten wurden in diesem Zeitraum vertrieben, was sie als bewusste Politik der ethnischen Säuberung durch die türkische Armee ansahen. In der Folge der Invasion beschloss der UNO-Sicherheitsrat die Resolution 353, die „ein sofortiges Ende der militärischen Intervention des Auslands“ und „den unverzüglichen Rückzug ausländischen Militärpersonals aus der Republik Zypern“ forderte.

Die türkischen Zyprioten erklärten 1983 ihre Unabhängigkeit, indem sie die „Türkische Republik Nordzypern“ gründeten; dieser Akt wurde von der UNO als „null und nichtig“ verurteilt. Im Verlauf der Jahre zogen geschätzte 160.000 aus der Türkei kommende „Siedler“ nach Nordzypern. In vielen Fällen wurde Grundbesitz, den griechisch-zypriotische Flüchtlingen zurückgelassen hatten, von der nordzypriotischen Verwaltung an türkische Zyprioten und die türkischen Siedler gegeben, die sie an europäische Kunden verkauften. Bis heute haben rund 5.000 britische Staatsbürger Häuer in Nordzypern gekauft, obwohl es sich um einen eindeutigen Fall von „besetztem Gebiet“ handelt. Nach Angaben eines BBC-Berichts haben nicht weniger als 10.000 Ausländer ehemals griechisch-zypriotischen Grundbesitz in Nordzypern aufgekauft.

Gibt es irgendeine Grundlage Nordzypern mit der Situation in der Westbank zu vergleichen?

Eine Reihe eklatanter Unterschiede fällt auf. Erstens betrat Israel die Westbank 1967 in einem Verteidigungskrieg, als es einer arabischen Kriegskoalition gegenüber stand, die ihre Streitkräfte an seinen Grenzen zusammenzog. Im Gegensatz dazu sahen die Umstände der türkischen Invasion sehr anders aus. Die Türkei sah sich keinem unmittelbaren Angriff aus Zypern ausgesetzt, sondern war wegen der übergemeindlichen Spannungen in Zypern besorgt.

Zweitens gab es in der Westbank 1967 keine eingeführte Souveränität, die Israel verletzte; es gab keinen Palästinenserstaat und Jordaniens Souveränitätsanspruch wurde von den meisten in der internationalen Gemeinschaft abgelehnt – außer von Großbritannien und Pakistan. Darüber hinaus gab es ältere jüdische Rechte unter dem britischen Mandat, die niemals verfielen. Sieht man sich den Fall Zypern vor der türkischen Invasion 1974 an, dann war die Republik Zypern der unstrittige Souverän im gesamten Land, einschließlich des Gebiets von Nordzypern.

Schließlich sahen die vom UNO-Sicherheitsrat in den beiden Konflikten verabschiedeten Resolutionen sehr unterschiedlich aus. In der Folge des Sechstagekrieges nahm der UNO-Sicherheitsrat die Resolution 242, die Israel nicht aufforderte sich aus allen als Ergebnis des Konflikts eroberten Gebieten zurückzuziehen. Die Resolution schlug vor, dass die alten Waffenstillstandslinien durch sichere und anerkannte Grenzen ersetzt werden.

Im Fall Nordzypern schränkte die UNO ihre Forderung nach einem türkischen Rückzug aber nicht dadurch ein, dass sie z.B. gestattete, dass das türkische Militär auch nur auf Teilen der Insel verbleibt. Sieht man sich diese unterschiedlichen Betrachtungen an, dann scheint es so, dass die internationale Gemeinschaft den Streit um Nordzypern weit ernster hätte beurteilen sollen, als in der Art, wie sie es im Streit um die Westbank tut, wo Israel vielfältige Rechte hat, die es ausüben könnte, wenn es sich dazu entschiede.

In der Praxis war das jedoch nicht der Fall. Wie üblich erklärte die Europäische Union am 10. Dezember wieder einmal, das sie „tief bestürzt“ sei und „israelische Baupläne zur Erweiterung der Siedlungen in der Westbank, einschließlich Ostjerusalems heftig ablehnt“. Ihre Erklärungen stellten wilde Vorwürfe auf, israelische Bautätigkeit in E1 „könnte auch den erzwungenen Transfer von Zivilbevölkerung mit sich bringen“.

Schließlich fügte sie hinzu: „Die Europäische Union wiederholt, dass Siedlungen nach dem internationalen Recht illegal sind und ein Hindernis für den Frieden darstellen.“ Ironischerweise hat die EU, während sie schroffe Äußerungen dieser Art gegen Israel wegen jeder Bautätigkeit in Siedlungen der Westbank veröffentlicht, nichts zu zehntausenden türkischen Siedlern zu sagen, die nach Nordzypern gezogen sind.

Genauso wenig kritisieren europäische Regierungen ihre eigenen Bürger, die auf Territorium Villen mit Swimmingpools bauen wollen, das technisch immer noch unter türkischer Besatzung steht. Europäische Regierungen haben ihre Bürger gewarnt, dass die ehemaligen griechischen Einwohner Nordzyperns juristische Schritte vor europäischen Gerichten gegen diejenigen initiieren könnten, die ihr Eigentum übernehmen. Doch es gibt keinen prinzipiellen Einspruch dagegen, dass europäische Bürger in diese Gebiete ziehen, um dort Ferienhäuser zu bauen.

Wie ist das internationale Recht in diesen Situationen anwendbar? Es gibt einen langjährigen Streit darüber, ob Artikel 49 der Vierten Genfer Konvention – zum Schutz von Zivilisten – eng so verstanden werden sollte, dass er einer Besatzungsmacht verbietet seine Bevölkerung zwangweise in ein besetztes Gebiet zu transferieren (die traditionelle Sicht Israel und der USA) oder breit interpretiert werden sollte, so dass er einer Besatzungsmacht verbietet, dass ihre Bürger freiwillig in ein besetztes Territorium ziehen (die europäische und arabische Sicht).

Die europäischen Außenministerium können aber nicht beides haben: Sie können nicht Israelis verurteilen, die Häuser in der Westbank bauen, sie würden das internationale Recht brechen, während sie prinzipiell genehmigen oder zumindest schweigen, wenn türkische Siedler und ihre europäischen Geschäftspartner Nutzen aus von den türkischen Zyprioten übernommenen Ländereien ziehen, indem sie entwickeln, was einer der heißesten Immobilienmärkte des Mittelmeerraums für Europäer geworden ist, die einen Platz an der Sonne suchen.

Die illegale Besatzung, die enden muss

Steven Plaut, Jewish Press, 14. Juli 2010

Famagusta, Zypern: Die Geisterstadt liegt ziemlich nahe am Zentrum der Stadt, knapp außerhalb der venezianischen Mauern. Heimat ist sie nur für Schnecken, Skorpionen und Ratten in hundert Varianten. Schilder an den Zäunen um die Geisterstadt zeigen bewaffnete türkische Soldaten, die denjenigen, die fotografieren, mit Verhaftung und mehr drohen. Die verfallenden Gebäude innerhalb der Eingrenzung sind zeitlich 1974 eingefroren, als befände man sich in einer Episode der „Twilight Zone“.

Nichts hat sich geändert, seit das Zentrum von Famagusta von den Invasoren in eine Geisterstadt verwandelt wurde – man nennt sich Varosha. Es heißt, dass die Autogeschäfte in der Geisterstadt noch heute Autos aus dem Jahr 1974 auf Lager haben. Jahre nach der Vergewaltigung Famagustas erzählten Leute davon, dass man immer noch Glühbirnen in en Fenstern der verlassenen Häuser brennen sehen konnte. Hollyood-Studios könnte ganze Filmsets mit der Mode von 1974 ausstatten, die sich noch in den Schränken der Häuser befindet.

Drei Jahre nach der Invasion wurde die Szene vom schwedischen Journalisten Jan-Olof Bengtsson beschrieben: „Der Asphalt auf den Straßen ist in der warmen Sonne aufgebrochen und entlang der Gehwege wächst das Unkraut. heute – im September 1977 – sind die Frühstückstische immer noch gedeckt, die Wäsche hängt immer noch draußen und die Lampen brennen noch. Varosha ist eine Geisterstadt.“

Die Türken, derzeit ganz vorne an der Front der Angriffe auf Israel wegen „illegaler Besatzung“ seiner eigenen jüdischen Heimat und wegen angeblicher Misshandlungen der Palästinenser, sind genau dieselben Leute, die weiterhin das massive Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Form der Geisterstadt von Famagusta begehen. Geboren aus ethnischer Säuberung ist sie das anhaltende Zeugnis für den illegalen Landraub auf Zypern durch die Türkei, die massive Vertreibung ethnisch griechischer Zyprioten aus den nördlichen 40 Prozent der Insel, dem Diebstahl ihres Eigentums und eine unbekannten Zahl von Morden an griechischen Zyprioten durch die Türkei.

Die illegale „Türkische Republik Nordzypern“ wird von nicht einem Land außer der Türkei selbst anerkannt. Seit der brutalen Invasion hat die Türkei zahllose Tausende ihrer Bürger und soldaten nach Nordzypern gebracht. Das ist dieselbe Türkei, die Israel gehässig verurteilt, wenn es „Siedlungen“ in den Vororten Jerusalems für jüdische Zivilisten auf Land baut, das die legal erworben haben.

Famagusta wurde erstmals im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gebaut. Phönizier kamen und gingen, wie auch die Assyrer und die Perser. Griechische Siedler wurden zum dominierenden Bevölkerungsteil. Einige Juden emigrierten aus ihrer Heimat und produzierten Wein, der im Jerusalemer Tempel genutzt wurde, wie es der Talmud beschrieb; später lernten sie Seide herzustellen.

Die Venezianer gaben den Zentrum Famagustas mit seinen massiven Festungsmauern, Toren und Türmen seinen Charakter. Shakespeares mythologischer Othello herrschte über Famagusta und die größte venezianische Festung in den Mauern wird pflichtgemäß selbst heute noch Otheollos Turm genannt.

1571 übernahmen die ottomanischen Türken die Kontrolle, die sie 1878 an Großbritannien abtraten. Nach einem Feldzug von Zyprioten, verließen die Briten die Insel 1958 und Zypern wurde Republik. Die Dinge liefen allerdings in den internen Beziehungen zwischen den Gemeinschaften der zypriotischen Griechen und Türken nicht gut. Von beiden Seiten wurden Gräueltaten begangen. Nach einer besonders fürchterlichen Reihe von Anschlägen und teilweise in Antwort auf Versuche einiger radikaler griechischer Nationalisten der Insel, die die Vereinigung mit Griechenland anstrebten, marschierten die Türken im Sommer 1974 auf der Insel ein.

Innerhalb von zwei Tagen hatten sie Famagusta eingenommen. Die türkische Luftwaffe bombardierte die hilflose Stadt. Die gesamte griechische Bevölkerung floh nach Süden, weil sie Massaker durch die Invasoren befürchtete. In der Zwischenzeit rollten türkische Panzer weiter, bis die Türkei die Hälfte der zypriotischen Hauptstadt Nicosia erobert hatten. Dort errichtete sie Mauer, die durch das Stadtzentrum verlief.

Die Besatzungsmauer zieht keine „Solidaritäts“-Protestler oder linke Professoren aus dem Westen an. Sie sind zu beschäftigt Israel zu verurteilen und anzugreifen, weil es einen Sicherheitszaun um Jerusalem baut, einen Zaun, um die palästinensischen Selbstmord-Bomber davon abzuhalten jüdische Kinder zu ermorden. Keine Rachel Corrie geht nach Nicosia, um die türkische Besatzungsarmee herauszufordern. Sie wissen, dass sie auf der Stelle in einem typisch barbarischen Gefängnis der Türken landen würden.

Zahllose UNO-Resolutionen haben seit 1974 gefordert, dass die Türkei die Insel verlässt und den griechischen Zyprioten ihr Eigentum zurückgibt. Dieselbe türkische Regierung, die regelmäßig Israel verurteilt, weil dieses es wagt seine Zivilisten gegen arabische Terroristen zu verteidigen und die ansonsten antiisraelische Weltmeinung missachtet, hat niemals diese UNO-Resolutionen beachtet.

Die Türkei besteht darauf, das den Palästinensern Eigenstaatlichkeit und „Selbstbestimmung“ zu gewähren, während sie es türkischen Kurden, Armeniern, Assyrern, Griechen, Bulgaren, Azeris und anderen etwas in der Art auszuüben verweigert, selbst in der begrenzten Sprachautonomie. Während in Israel lebende Araber sich ein Level an Freiheit genießen, das hundertmal höher liegt als das der Türken in der Türkei, verurteilt die türkische Regierung Israel weiter wegen der angeblichen Unterdrückung arabischer „Menschenrechte“. An genau dem Tag, an dem die Türken vor kurzem 120 Kurden ermordeten, verurteilte es Israel, es begehe „Kriegsverbrechen“.

Respekt für Menschenrechte ist in der Türkei bemerkenswert abwesend. Die türkische Militärpolizei tötet regelmäßig Zivilisten. Journalisten sind ermordet worden. Der Islamofaschismus wird immer stärker und lokale islamisch-fundamentalistische Terroristen waren die Besatzung der von der Türkei gesponserten Gaza-„Friedensflotte“. Das sind die Terroristen, deren Unterdrückung durch Israel jetzt dazu geführt hat, dass die Türkei sich darauf konzentriert von Israel eine Entschuldigung zu fordern.

Als Israel in den Gazastreifen einmarschierte, um den von den Hamas-Terroristen durchgeführten massiven Raketenangriffen gegen seinen Zivilisten ein Ende zu setzen, verurteilte der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan Israel wegen „Massakrierung unschuldiger Frauen und Kinder“. Er beschuldigte Israel des „Massenmords“ im Gazastreifen und schwadronierte ausgedehnt darüber, wie Israel den Gazastreifen in ein „Freiluft-Gefängnis“ verwandelt habe.

Die größte „Freiluft“-Menschenrechtsverletzung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist in der Tat aber für jedermann sichtbar ausgestellt hinter dem Stacheldraht und den Zäunen in der Geisterstadt Famagustas zu sehen.