Wenn sich Unwissen mit Einseitigkeit paart…

12. August 2010 um 9:38 | Veröffentlicht in Geistesgrößen, Medien+Nahost | 11 Kommentare
Schlagwörter: ,

…dann haben wir deutsche Qualitätsjournaille mit  ihrer antiisraelischen Hetze, verkleidet in wohl formulierte Texte und scheinbare Vernunft. So wie in einem Leit(!)artikel einer gewissen Elisabeth Zoll in der Südwest-Presse.

Die Dame ist enorm fleißig dabei, die Lage im Nahen Osten zu analysieren. Dazu führt sie Beispiele an, die sie miteinander verwebt und zu denen sie einen Kenntnisstand verströmt, der mit der Gegenwart nichts zu tun hat.

Diese durchgeknallte Journalistin schreibt über eine Woche nach dem Hinterhalt der libanesischen Armee an der Grenze bei Adaisseh immer noch, dass der zu fällende Baum der Auslöser des Mordes des „Schlagabtauschs mit vier Toten“ war. Es waren fünf – die Dame ist also uninformiert auf dem Kenntnisstand des 3. August. Dem arabischen „Kenntnisstand“ plus Unwissen: „als Israeli in der blauen Zone, dem Streifen zwischen der internationalen Grenze und dem Grenzzaun, einen Baum fällten“, schreibt sie – es gibt keine blaue Zone, es gibt die Blaue Linie und die hatten die Israelis nicht einmal berührt.

Natürlich gilt als Rechtfertigung des Mordes an einem weitab vom Zaun und der Fällaktion stehenden israelischen Offizier, dass Israel ständig provoziere – was nicht weiter ausgeführt wird. Und natürlich wird aus einer brenzligen Situation heute leichter ein Flächenbrand als früher, denn es gibt ja da eine „außenpolitisch kompromisslos agierende israelische Regierung“. Was sich besonders darin zeigt, dass Olmert/Livni in den Libanon einmarschieren ließen, Netanyahu aber nicht.

Natürlich ist die andere Seite nicht unschuldig. Man will ja äquidistant sein und Neutralität beweisen. Also ist auch im Libanon etwas nicht in Ordnung. Die Regierung hat sich vom Beschwichtiger der Hisbollah in einen Scharfmacher entwickelt. Denn: „Präsident Suleiman der bis zu seiner Amtsübernahme 2008 Oberbefehlshaber der libanesischen Streitkräfte war, hat Sprache und – was gefährlicher ist – die Denkweise eines Militärs nicht abgelegt.“ Klar doch, Militär will immer und ausschließlich Krieg. Dass ein Militär, ein Offizier, ein (ehemaliger) Generalstabschef Frieden in Ordnung finden könnte, geht nicht. Jetzt mag das bei Suleiman so sein, wie Frau Zoll es sieht (oder auch nicht), aber dieses Geschreibsel offenbart eine allgemeine Haltung, die natürlich auch auf Israel zu übertragen ist (und auf die USA, …).

„Das jüngste Scharmützel geht auf das Konto seiner Truppen, der regulären Armee, und nicht auf das der Hisbollah.“ Jawoll, nur: Wie viele Hisbollah-Leute befinden sich in dieser Armee? Woher kam der Befehl zum Mord? Wie kommt es, dass dieser Mord ausgerechnet im direkten Umfeld eines „Dorfs“ verübt wurde, das ein riesiges Hisbollah-Waffenlager ist – und keine Einwohner hat? Fragen, die Frau Zoll nicht stellt. Nicht zu stellen bereit ist.

„Ein Krieg würde die Region destabilisieren und die Gespräche aushebeln, die Israeli und Palästinenser unter internationalem Druck ausloten. Einem auf Ausgleich zielenden Friedensprozess können die Extremisten auf israelischer und palästinensischer Seite nichts abgewinnen. Auch deshalb wird gezündelt.“

Da haben wir sie, die vermeintlich neutrale Schreiberin, die damit doch nur ihr Unwissen und ihre Einseitigkeit unter Beweis stellt. Wer die „Extremisten auf israelischer“ Seite sind, hat sie vorher schon klar gemacht: die Regierung Netanyahu. Dass ausgerechnet diese Regierung ständig ihre Bereitschaft zu Friedensverhandlungen und Ausgleich nicht nur in Worte fasst, sondern auch unter Beweis stellt, davon hat die Zoll keine Ahnung. Das passt nicht ins Bild. Dass Netanyahu und Lieberman dabei auch auf Ausgleich aus sind, wird sie ihnen nicht abnehmen – denn „Ausgleich“ kann nicht heißen, dass Israel auch etwas bekommt, wenn es gibt.

Gezündelt wird fast ausschließlich auf „palästinensisch“ Seite; aber das geht in der Qualitätsjournaille nicht. Wenn Israel nicht alleine schuld sein kann, dann muss es genauso Schuld haben wie die Araber. Die Araber können nicht alleine etwas anzetteln, ohne das Israel denselben Anteil Schuld vorgeworfen bekommen muss. So, wie es mit den Friedensverhandlungen ist:

Eine Ablenkung mit Waffengewalt käme auch anderen zupass. Auf palästinensischer Seite ist nach Jahren der politischen Stagnation die Frustration gefährlich hoch. Viele Palästinenser glauben, auf dem Verhandlungsweg rein gar nichts zu gewinnen.

Vermerke: „auch“. Heißt: Eigentlich wollen sie nicht, aber die Israelis lassen ihnen keine andere Wahl. Durch den von Israel verschuldeten Frust. Dass „viele Palästinenser glauben, auf dem Verhandlungsweg rein gar nichts zu gewinnen“, kann nur an Israel liegen. Aber nicht an der Lehre der Hamas wie der PA, dass der Weg zur „Befreiung Palästinas“ (übrigens: „ganz“ „Palästinas“!) nur über „Widerstand“ (sprich: Gewalt, Terror und Mord gegen jeden Juden im Land) führt, ist im Kinderfernsehen, in Schulen, Moscheen und auf Demonstrationen eingehämmerte Doktrin. Doktrin, die von den Geistesgrößen des Westens, insbesondere den Medien, schlicht ignoriert wird.

Auf israelischer Seite führen Hardliner die Regie. Eine internationale Isolation schreckt sie nicht, wie der Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte mit neun Toten jüngst gezeigt hat. Mit dem Libanon ist nach dem wenig ruhmreich verlaufenen Krieg vor vier Jahren noch eine Rechnung offen.

Ja, die ignoranten Israelis, die haben sie nicht mehr alle. Sie sind gewalttätig, kriegslüstern und rachsüchtig. Und die Rachsucht ist besonders schlimm, weil sie sich nicht nur auf tatsächliche Rachegründe bezieht, sondern auch auf „offene Rechnungen“, die sie selbst verschuldeten. Und weil Olmert und Livni zu blöde waren einen Krieg zu gewinnen, macht jetzt Netanyahu weiter, wo die beiden versagt haben. Der Hardliner mit seinem noch hardlinerigen Außenminister. (Warum gibt es solche Vokabeln nirgendwo für Libanesen, nicht einmal für Hisbollah-Terrorführer?)

Ach ja: Wieso schreckt die Israelis eine internationale Isolation nicht? Weil die „Hardliner“ Regie führen? Oder nicht vielleicht vielmehr deshalb, weil die „internationale Gemeinschaft“ sich erlaubt ohne Kenntnis der Gesamtlage immer und überall Israel in die Pfanne zu hauen und Aggression und Mord gegen Israelis zu verharmlosen? Der „Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte mit neuen Toten jüngst“ hat also israelische Aggression gezeigt – entweder hat die Dame die Videos nicht gesehen, die zwar von den Israelis veröffentlicht, aber von den Terrorschiffern höchstselbst aufgenommen und in der Türkei stolz verbreitet wurden; oder aber sie ignoriert deren Inhalte, weil sie nicht in ihr Bild passen. Die Israelis waren die Angreifer, das genügt. Gründe dafür? Keine, es war ja eine „Hilfsflotte“! Mal den Bericht des ZDF (auf arte) über die IHH gesehen? Ach, die anderen kümmert das auch nicht, wenn sie zwar wissen und zeigen, dass die IHH eine Terrorhelfer-Truppe mit (gegen Israel gerichteten) terroristischen Ambitionen ist; dass Israel sie stoppte, ist Verbrechen genug, da muss nicht weiter überlegt werden, welche Ziele die „Aktivisten“ da hatten.

Zwischen all den Hitzköpfen stehen 12 000 Soldaten der internationalen Unifil. Kampfhandlungen über ihre Köpfe hinweg würden die internationale Gemeinschaft gegen jeden Aggressor aufbringen. Das hält im Moment die Kriegsgelüste in Schach und räumt der Diplomatie Chancen ein.

Oh, wie süß! Die UNIFIL hält die Kriegsgelüste im Schach! Damit, dass sie den Israelis zuwinken und -rufen (gut, es schien ein warnendes Winken und Rufen zu sein), während die Libanesen in Stellung gehen? Damit, dass sie ganz schnell einen Abgang machen, wenn es irgendwo kritisch wird – einen kenntnisreichen Abgang übrigens, denn die Philippinos mit den blauen Helmen machten sich weiter aus dem Staub, als es im ersten Schreck logisch erscheinen würde. Libanesische Soldaten stellen in Gegenwart von UNO-Blaumützen eine Falle und fangen an zu schießen – das ist nach Frau Zoll also „Kriegsgelüste in Schach halten“.

Und was heißt in diesem Zusammenhang eigentlich „würde die internationale Gemeinschaft gegen jeden Aggressor aufbringen“? 2006 im Libanon wurde auf Israel eingeprügelt; die Aggression ging von der Hisbollah/dem Libanon aus. 2008/09 wurde auf Israel eingeprügelt; die Aggression ging von der Hamas aus. Bei der Murmelschiff-Affäre wurde auf Israel eingeprügelt, die UNO hat zwei Untersuchungsausschüsse gegen Israel eingerichtet; die Aggression ging von den „Hilfsaktivisten“ aus. Im August 2010 wurden „beide Seiten“ von der „Weltgemeinschaft“ zu „äußerster Zurückhaltung“ aufgefordert; die Aggression ging vom Libanon aus.

Im letzten Fall hieß es schon am Tag nach dem Vorfall, dass die Aggression vom Libanon ausging, dass die Israelis zu ihrem Tun am Zaun jedes Recht hatten und sich nicht auf libanesischem Territorium befanden. Wo, bitte, ist die gegen den Libanon aufgebrachte „internationale Gemeinschaft“, die Suleiman die Leviten liest? Nein, alles beschäftigt sich damit, dass Israel überreagieren könnte. Das Israel, das sich zurückhält, das nicht in den Libanon einmarschiert ist (wie 2006). Bei Frau Zoll liest sich das sehr anders.

Um sie zu nutzen, müssen mehrere Stimmen laut werden: die der Türkei, weil das Land zu einem Mittler in Nahost geworden ist, die der US-Regierung, weil ohne deren Druck sich in Israel nichts bewegt, aber auch die der Europäischen Union. Trotz koordinierter Außenpolitik ist sie im Krisenraum nur wenig präsent. Anscheinend ist die Brisanz der Lage in Brüssel noch nicht angekommen.

Wieder zeigt die Klugscheißerin, dass sie hinter meilenweit der aktuellen Geschichte herhinkt. Die Türkei als Mittler im Nahen Osten – das war vielleicht vor Erdogan einmal, heute ist sie das Gegenteil. Heute ist die Türkei Partei; die Türkei hetzt und wiegelt auf; sie verbündet sich mit allen Aggressoren der Region; sie betreibt offenen Antisemitismus; Ankara lässt keine Gelegenheit aus Israel vor den Kopf zu stoßen und Messer in den Rücken zu rammen. Diese Stimme also soll laut werden?

Die US-Regierung muss laut werden? War diese US-Regierung das nicht zur Genüge – nein, im Übermaß? Und hat deren Druck auf Israel nicht dazu geführt, dass die Palästinenser in ihrer Position nur weiter verhärteten und ihre Forderungen weiter nach oben schraubten? Und wieso muss sich in Israel etwas bewegen, bei den Palästinensern aber nicht? Die Israelis haben sich Jahre, Jahrzehnte lang bewegt – das Ergebnis war das Erstarken der extremistischsten Extremisten auf der pal-arabischen Seite, die sich nicht einen Millimeter in Richtung Entspannung beweg(t)en, im Gegenteil. Von Druck auf die PalAraber ist bei Frau Zoll nichts zu lesen.

Ach ja, die EU soll laut werden. Ist sie ja bisher nie gewesen, nicht wahr? Dass die EUropäer sich in den letzten Jahren selbst aus der Rolle gebracht haben, die Frau Zoll ihnen zuweisen will, erkennt sie nicht. Dass die EU im Nahost-Quartett vertreten ist, dessen Repräsentant ein Europäer ist, weiß sie vielleicht nicht einmal. Was ihr aber überhaupt nicht auffällt: Die EU hat sich in Person von Baroness Ashton gerade in den letzten Wochen diskreditiert, denn die hat sich eindeutig auf die Seite der Hamas-Terroristen gestellt; und die Parteinahme der EU zugunsten der Mavi Marmara-Jihadisten samt einhelliger Pauschal-Verurteilung Israels bei diesem Angriff auf seine Rechte und Pflichten dem eigenen Volk gegenüber war die EU auch ganz vorne zu finden. Von Gelegenheiten wie den Verurteilungen Israels im angeblichen Menschenrechtsrat der UNO mal ganz zu schweigen.

Die Brisanz ist also nach Meinung von Frau Zoll in Brüssel noch nicht angekommen. Der Satz stimmt, aber nicht so, wie die Dame ihn meint. Die regelmäßigen Noten aus der EU-Kommission und die Entschlüsse im EU-„Parlament“ haben stets ein und dieselbe Richtung: „Kritik“ an Israel. Die Terroristen kommen ungeschoren davon, wenn man „in Brüssel“ gut drauf ist. Normalerweise wird für sie Partei ergriffen. Ja, in Brüssel ist einiges noch nicht angekommen – aber nicht das, was Zoll gerne will. Frau Zoll, die Ahnungslos; Frau Zoll, die Unwissende – wenn man es gut meint. Ehrlich gesagt: Ich meine es nicht gut. Für mich ist es Frau Zoll, die Ignorantin; Frau Zoll, die Giftspritze; die „Journalistin“, die ihre schiefe Sicht auf den Konflikt im Nahen Osten nicht durch vollständige Fakten gestört haben möchte.

Nachtrag:
Auf Facebook hatte dieser Text folgenden Austausch verursacht:
– Text wurde von einer Leserin verlinkt
– dann wurde er für von jemandem für gut befunden
– dann las ihn Alan Posener und ließ Folgendes wissen:
Südwestpresse, dazu fällt mir folgende Geschichte ein: Als eine Reisejournalistin für die SWP unterwegs war – übliche Journalistenkonditionen: Reise und Unterkunft umsonst, Extras sind privat zu bezahlen -, verlangte sie zusätzlich eine “Alkoholpauschale”. Passt irgendwie.
Und das lasse ich jetzt mal einfach so stehen…

Bloggen Sie auf WordPress.com. | The Pool Theme.
Entries und Kommentare feeds.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 480 Followern an

%d Bloggern gefällt das: