Dry Bones – Golden Oldie von 1991 und immer noch komplett zutreffend

Dry Bones, 1. August 2019

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Warum Israelis ihr 9/11 nie vergessen haben

Viele Amerikaner sind in Sachen Terrorismus in eine Mentalität vom 10. September 2001 zurückgesunken. Ist in den Gemütern der Israelis hingegen ist der Horror der zweiten Intifada immer noch sehr stark vorhanden.

Jonathan S. Tobin, JNS.org, 11. September 2019

Am 18. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 gedachten Regierungsvertreter und Institutionen überall in Amerika der Schrecken dieses Tages. Aber nach all den Jahren gibt es ein Gefühl, dass – anders als für diejenigen, die Familienmitglieder oder enge Freunde verloren – die Feiern zunehmend eine Sache sind, bei der die Dinge durchgezogen werden, als dass nationale Trauer gezeigt wird.

Sehr ähnlich der Art der Erinnerung an den japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 – eine vergleichbare Tragödie, die das Leben der Nation veränderte – die Routine und dann letztlich zu einer Fußnote wurde, während die Jahrzehnte vergingen, wird der 9/11 ein Augenblick, der in der Vergangenheit eingefroren ist statt einer Erinnerung an die gefährliche Welt, in der wir immer noch leben.

Dass dies stimmt, ist wahrscheinlich genauso ein Produkt der menschlichen Natur wie das Versagen unserer Führungskräfte in der Welt nach dem 9/11. Aber es lohnt sich aufzuzeigen, dass dieser Prozess in Israel nicht wiederholt wurde, als die Zeit seit dem Ende der zweiten Intifada verging, die ihren Opfern ähnlich weit verbreiteten Schrecken brachte. Wie ein in der New York Times veröffentlichtes, vorausahnendes Op-Ed von Matti Friedman feststellte, hängt die Erinnerung an das Schlachten über der israelischen Gesellschaft und ist immer noch ein entscheidender Faktor in ihrer Politik.

Es gibt tiefgreifende Unterschiede zwischen dem 9/11 und der Intifada. Der 9/11 war ein Tag, der sich zum Glück auf amerikanischem Boden nie wiederholte (ein Punkt, der Präsident George W. Bush in der Öffentlichkeit anscheinend nicht gedankt wurde, obwohl die meisten von uns annahmen, dass wieder etwas passieren würde). Im Gegensatz dazu war das, was den Israelis zustieß, mehrere Jahre Terror-Abnutzungskrieg mit hunderten Anschlägen, einschließlich Selbstmord-Bombern, die im ganzen Land zuschlugen statt sich auf nur ein paar Orte zu konzentrieren.

Die Amerikaner identifizierten sich mit den Opfern des 9/11 und hatten Angst, sie könnten die nächsten sein. Aber das war nicht vergleichbar mit der Tortur, die alle Israelis tagtäglich durchlitten, da sie nie wussten, ob der nächste Bus, den sie nahmen oder das Restaurant oder Nachtclub, den sie betraten, das Ziel eines Bombers sein würde.

Die überwältigende Mehrheit der Israelis war nicht nur von der Erfahrung traumatisiert, sondern auch gezwungen zu akzeptieren, dass dieser Glaube an Politik, die in territorialem Kompromiss und Vertrauen in palästinensische Absichten wurzelte, unangebracht war. Das Bewusstsein, dass die Angriffe durch einen Versuch in Form der Oslo-Vereinbarungen Frieden zu schließen möglich gemacht wurden, wenn nicht gar unausweichlich waren, an den die meisten Israelis einst geglaubt hatten, ist damit um so schmerzlicher.

Einige der Linken glauben, Israelis seien zu Unrecht von dieser Zeit besessen und würden es verfehlen anzuerkennen, dass die Bedrohung durch den Terror in vieler Hinsicht nachgelassen hat. Aber die meisten im Land begreifen richtigerweise, dass selbst mit dem Bau der Sicherheitsbarriere in der Westbank und Jerusalem, mit Checkpoints, die die Fähigkeit der Terroristen zu agieren beobachten sowie den Batterien „Eiserne Kuppel“, die auf Terrorraketen schießen, ihre Sicherheit nichts ist, dass sie für selbstverständlich nehmen können, solange Hamas und die PA, die die Flut an Terroranschlägen verübten, an der Macht bleiben.

Das ist der Grund, dass Premierminister Benjamin Netanyahu, trotz all des Gepäcks, das zehn aufeinander folgende Jahre im Amt mit sich bringen, weiterhin die Loyalität so vieler Wähler behält. Während seine Gegner sich über seinen Anspruch „Mr. Security“ zu sein lustig machen, begreift die Öffentlichkeit, dass er die einzigartige Fähigkeit hat den Terrorismus in Grenzen zu halten, während er beim Einsatz von Gewalt umsichtig ist. Während viele Amerikaner ihn verunglimpfen, er habe nicht den „Mut“ Risiken für Frieden einzugehen, den die Palästinenser nicht einmal zu wollen scheinen, begreifen die Israelis, dass sein Job in erster Linie darin besteht für ihre Sicherheit zu sorgen – nicht Kritiker im Ausland zu beeindrucken.

Im Gegensatz dazu spielt die Erinnerung an den 9/11 bei der Festlegung der US-Außen- oder -Sicherheitspolitik kaum eine Rolle.

Das hat zum Teil mit der Ermüdung infolge der Art zu tun, wie die Kriege im Irak und Afghanistan sich in die Länge zogen, ebenso wie die Tatsache, dass viele, wenn nicht die meisten von uns – eine Kategorie, die offenbar den Präsidenten der Vereinigten Staaten einschließt – zu glauben scheinen, dass der Einsatz amerikanischer militärischer Gewalt gegen die Täter vom 9/11 und deren Verbündete wie die Taliban zusätzlich zu anderen Bedrohungen des internationalen Friedens wie Saddam Hussein ein Fehler war.

Es scheinen mehr Amerikaner überzeugt zu sein, dass die Bekämpfung islamistischer Terroristen Unsinn ist, als es solche gibt, die zu Wachsamkeit raten oder Befürchtungen wegen der Wiederbelegung von Gruppen wie ISIS und der Gefahr äußern, die von Regimen wie dem Iran ausgeht. In den Augen mancher bestand die große Sünde des 9/11 darin, dass es zu extremen Vorurteilen gegen unschuldige Muslime führen könnte, selbst wenn die Vorstellung von Gegenreaktionen wegen des 9/11 mehr Mythos als Tatsache ist.

Wie anders kann man das Fehlen allgemeiner Empörung über den Gedanken erklären, Frieden mit den Taliban zu schließen – den Verbündeten und Gastgebern von Osama bin Laden – außer mit einer 10. September-Mentalität, die sich wünscht die Vereinigten Staaten um jeden Preis aus dem Nahen Osten herauszuziehen?

Präsident Donald Trump stellte US-Streitkräfte ab um ISIS zu bekämpfen und zu besiegen – eine Nachfolgegruppe der Al-Qaida, deren Aufstieg durch Präsident Barak Obamas Abzug aus dem Irak ermöglicht wurde. Aber er scheint jetzt mehr daran interessiert zu sein sich in Afghanistan und Syrien aus dem Staub zu machen, als diesen Kampf fortzusetzen. Er könnte jetzt auch überlegen Bemühungen zurückzufahren den weltführenden staatlichen Terrorförderer unter Quarantäne zu stellen: den Iran. Demokraten kritisieren Trump für die Art, wie er diese Politik betreibt, obwohl sie kein Problem mit deren Inhalten haben.

Das bedeutet: Was die Festlegung der US-Politik betrifft, wird die Erinnerung an den 9/11 rapide nicht mehr bedeutender sein als Pearl Harbor.

Während die Amerikaner beschlossen haben die Bedeutung der fortgesetzten Bedrohung ihrer Sicherheit durch Terror zu ignorieren, haben die Israelis diesen Luxus nicht. Diejenigen, die sich fragen, wie die israelischen Wahlen ausgehen oder wieso Netanyahu weiter so beliebt ist, sollten sich zur Erklärung ansehen, wie das Land über seine Version eines 9/11 denkt.

Schon mal gemerkt, dass nur zionistische Reisen nach Israel „ausgewogen“ ein müssen, aber antizionistische Reisen nicht?

Elder of Ziyon, 4. September 2019

Einer der unaufrichtigsten Teile davon, dass Gruppen wie IfNotNow fordern zu zionistischen Organisationen wie Birthright müssten einen antizionistischen Standpunkt beinhalten, besteht darin, das niemand – und ich meine wirklich: niemand – jemals daran denkt, höflich zu fordern, dass sogenannte „propalästinensische“ Gruppen das zionistische Narrativ in ihren Diskussionen einbeziehen.

Der Grund dafür kommt in einem kleinen Artikel auf der PLO-Internetseite auf. Eine Delegation Studenten und Professoren der Universität Glasgow und einer Universität in Kalifornien nahmen an einem „Bildungsprogramm zu Geschichte, der Sache der Palästinenser und israelischer Verstöße gegen unser Volk und Verletzungen des internationalen Rechts“ in diesem Sommer teil.

Fordert irgendjemand, dass die PLO diesen Studenten und Professoren erlaubt mit Israelis zu sprechen, ganz zu schweigen von jüdischen Siedlern?

Schon die Idee ist absurd. Denn absolut niemand erwartet von Palästinenser ausgewogen zu sein oder fair oder unvoreingenommen. Niemand fordert, das berücksichtigen, dass israelische Standpunkte irgendwie Gültigkeit haben oder dass sie das Recht haben konnten laut ausgesprochen zu werden.

Birthright gibt Studenten eine Gelegenheit Fragen zur palästinensischen Sicht zu stellen und zu erfahren. Lassen die antiisraelischen Reisen – ob von de rPLO oder von Breaking the Silence oder der International Solidarity Movement – auf ihren Reisen ähnliche Gelegenheiten zu?

Wir alle kennen die Antwort. Nach Angaben all dieser sogenannten Progressiven müssen zionistische Gruppen ein antizionistisches Narrativ einbinden und auch antizionistische Gruppen müssen ein antizionistisches Narrativ lehren. Prozionistische Stimmen müssen zum Schweigen gebracht oder übertönt werden, denn nur eine Seite hat überhaupt Legitimität, folgt man diesen Leuten, die sich selbst dazu gratulieren, wie unvoreingenommen sie sind – in eine Richtung.

Die Hamas hat der Welt gerade erzählt, warum Israel die Grenze zum Gazastreifen schützen muss

Avi Abelow, Israel Unwired, 9. September 2019

Israel kämpft an vorderster Front gegen Terrorismus. Und einige in der Welt glauben tatsächlich, es sollte sich zurückhalten und die Grenze zum Gazastreifen nicht schützen?

Hier ist ein Video enthalten: Was die Hamas gerade gemacht hat

Israel MUSS die Gaza-Grenze schützen!

2005 zog Israel komplett aus dem Gazastreifen ab. Nicht ein einziger Jude wurde zurückgelassen. Es war eine tragische und herzzerreißende Zeit in Israels Geschichte. Ohne in die Details der Politik hinter dem umstrittenen Schritt z u gehen: Die palästinensischen Araber HÄTTEN ihren eigenen, florierenden Staat aufbauen können. Israel hinterließ dem Gazastreifen wunderbare Gebäude und Natur mit Gewächshäusern und Bäumen. Aber die palästinensischen Araber zerstörten sie. Und sie wählten die Hamas.

Warum also macht die Welt Israel für das Leiden im Gazastreifen verantwortlich? Die palästinensischen Araber leiden, weil die Hamas die Kontrolle hat. Wegen der Hamas und ihrer Führung haben sie keinen eigenen Staat. Sie würden lieber den jüdischen Staat und die jüdische Nation vernichten, als ihren eigenen Staat zu schaffen. Und nachdem Sie ein Video wie dieses angesehen haben, glauben Sie wirklich, dass Israel aufgeben und die Grenze zum Gazastreifen nicht schützen wird? Glauben Sie wirklich, dass es einfach hingehen und den Terroristen erlauben wird ins Land zu kommen und unschuldige Israelis zu ermorden? Denken Sie nochmal nach.

Das ist die Seite, auf die die Welt sich schlägt

Werfen Sie einen Blick darauf, auf wessen Seite die Welt sich gegen Israel stellt. Das Video zeigt einen ranghohen Hamas-Führers namens Fathi Hammad. Seine Ziele sind klar. Er sagt, dass die Hamas eine neue Fabrik gebaut hat. Wofür? Um Selbstmord-Bombenwesten herzustellen, die palästinensisch-arabischen Mädchen (und Jungen) gegeben werden sollen – KINDERN – damit die die israelische Grenze stürmen und israelische Familien in die Luft jagen.

Jetzt wissen Sie, warum die IDF die Grenze zum Gazastreifen schützt.

Die eine Sache, über die kein Israeli reden will

Der entscheidende Faktor in der nächsten Wahl – und der Grund für Benjamin Netanyahus Langlebigkeit als Regierungschef – ist verdrängte Erinnerung

Matti Friedman, The New York Times 9. September 2019

Flucht vor einem Selbstmord-Bombenanschlag im Jahr 2002 im Café Moment in Jerusalem, bei dem 11 Israelis getötet wurden (Foto: Lior Mizrahi/Getty Images)

Versucht man Israels Wahl am 17. September zu verstehen, die zweite innerhalb von sechs Monaten, dann kann man sich schnell in Einzelheiten verlaufen – Korruptionsvorwürfe, Koalitionsgerangel, Gezänk zwischen Links und Rechts. Aber die beste Erklärung könnte ein kleiner Film sein, den Sie wahrscheinlich nicht sehen werden; er handelt von etwas, über das die Leute hier lieber nicht sprechen.

Die Eröffnungsszene von „Born in Jerusalem and Still Alive“ (In Jerusalem geboren und immer noch am Leben), der gerade den ersten Preis des Jerusalem Film Festival gewann, fängt die Hauptfigur ein, wie er eine Grimasse zieht, als er eine wortgewandte Fremdenführerin hört, die ihrer Gruppe die Innenstadt von Jerusalem als „wunderschön“ beschreibt, das „Zentrum des Nachtlebens und des Essens für die junge Generation“. sie Ronen, ein ernster Mann Ende dreißig, unterbricht.

„Glauben Sie ihr nicht“, sagt der den Touristen in hebräisch gefärbtem Englisch. „Sehen Sie diesen Markt? Vor fünfzehn Jahren war das Kriegsgebiet. Direkt neben meiner Oberschule gab es einen Terroranschlag. Neben der Universität dort gab es einen Terroranschlag. Als ich das erste Mal Sex hatte, gab es einen Terroranschlag.“ Eine der Terroristinnen schlängelt sich interessiert zu ihm durch. „Ja“, sagt Ronen ihr, „wir mussten anhalten“.

Kein Einzelereignis hat Israels Bevölkerung und Politik so geformt wie die Welle der Selbstmord-Bombenanschläge, die Palästinenser in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts verübten. Ein Großteil dessen, was Sie hier 2019 sehen, ist die Folge dieser Zeit und jede Wahl seitdem ist in ihrem Schatten erfolgt. Die Anschläge, bei denen hunderte israelischer Zivilisten getötet wurden, beendete die Hoffnung auf einen Verhandlungsfrieden und vernichtete die Linke, die an der Macht war, als die Welle einsetzte. Jegliches Mitgefühl, das die Mehrheit der Israelis gegenüber den Palästinensern empfand, verflog.

Mehr als jede andere Entwicklung erklärt diese Periode die Dauerhaftigkeit des Benjamin Netanyahu, die Außenseiter zu begreifen sich manchmal schwer tun. Einfach ausgedrückt: In dem Jahrzehnt, bevor Netanyahu 2009 an die Macht kam, begleitete uns an öffentlichen Orten Todesangst. Es bestand das Risiko, dass dein Kind im Bus von der Schule nach Hause in die Luft gejagt wurde. Im Jahrzehnt seitdem hat das aufgehört. Neben dieser Tatsache verblassen alle anderen Dinge. Welche Anerkennung auch immer dem Premierminister dafür gebührt, für viele Wähler reicht das als Grund aus, um ihn am 17. September an der Macht zu halten.

Angesichts der zentralen Bedeutung dieser Jahre ist es erstaunlich, wie selten sie tatsächlich in Gesprächen aufkommt. Entlang der Jaffa Road, der am härtesten getroffenen Straße (und dem Handlungsort von „Born in Jerusalem“) sind die Spuren fast unsichtbar geworden. Die Pizzeria Sbarro, wo 2001 ein palästinensischer Selbstmordbomber 15 Menschen tötete, darunter 7 Kinder und einen Schwangere, ist heute eine Bäckerei mit anderem Namen. Sie befindet sich ein paar Schritte entfernt von der Stelle, an der ich diese Zeilen schreibe und ist voller Kunden, von denen viele wahrscheinlich nicht wissen, was dort geschah.

Darum geht es in „Born in Jerusalem“. Nicht um Politik, sondern das Verdrängen der persönlichen Erinnerung, die es uns gestattet hat weiterzumachen, während es ein verunsicherndes Gefühl fehlender Zeit hinterließ.

Die Pizzeria an der Jaffa Road, in der 2001 15 Menschen von einem palästinensischen Selbstmord-Bomber getötet wurden. Heute ist es eine Bäckerei. (Foto: Peter Dejong/Associated Press)

In einer weiteren Szene des Films diskutieren Ronen und die Frau, für die er sich interessiert, Asia aus Jerusalem, über diese Jahre, die sie nur als „die Zeit der Anschläge“ bezeichnen kann. Es erlaubt ihm auf das Seltsamste dieser Zeit zu deuten, das darin besteht, dass sie keinen Namen hat. Die Palästinenser nennen sie die „zweite Intifada“ und die Israelis umschreiben sie als „die Situation“.

Sie wird nicht offiziell als Krieg betrachtet, obwohl dabei mehr Israelis starben als im Sechstage-Krieg von 1967. Und niemand kann genau sagen, wann sie begann oder endete. Die Anschläge nahmen Mitte der 1990-er Jahre zu, als Israel einen Friedenshandel verfolgte und Land abgab, aber das Schlimmste kam zwischen 2000 und 2004. Obwohl andere Formen der Gewalt fortbestehen, gab es den letzten israelischen Todesfall durch einen palästinensischen Selbstmord-Bomber im Jahr 2008.

Das Verdrängen der Erinnerung hat der Palästinenserführung geholfen so zu tun als sei nichts davon je geschehen und wenige der Auslands-Journalisten, die heute aus dem Land berichten, waren damals hier. Warum haben moderate Israelis Angst aus der Westbank abzuziehen? Warum ist die einst dominante Linke zu einem mageren parlamentarischen Rest geworden? Warum gibt es eine Sperranlage? Warum wird das Wort „Frieden“ sarkastisch betont, während das Wort „Sicherheit“ eine Art übernatürliches Gewicht besitzt? Wenn Sie damals nicht in Israel waren und Zugang zum nationalen Unterbewusstsein haben, wird die Antwort schwer nachvollziehbar sein.

Der Ronen im Film ist das Alter Ego von Yososi Atia (39), der ihn spielt und das Drehbuch zum Film schrieb sowie mit Regie führte. Atia durchlebte diese Jahre, wie ich, als College-Student. Seine Filmfigur kann das Schweigen nicht ertragen oder das Gefühl, dass er verrückt ist sich zu erinnern, also fängt er an eigene Führungen durch das Herz der Stadt zu geben: Die Pizzeria Sbarro, den Ort, wo zwei Bomber sich gemeinsam am Zionsplatz sprengten, den Gemüsemarkt, der immer wieder getroffen wurde.

Er gibt Touristen alte Nokia-Handys und lässt sie eines der Schlüsselrituale der Zeit simulieren: die Anrufe, die wir nach Anschlägen tätigten, um unseren Familien zu sagten, dass es uns gut geht. Es ist unklar, ob das als Bildung für die Leute gemeint ist, die er herumführt oder als Therapie für sich selbst. Er erklärt die merkwürdigen sozialen Berechnungen, die einem Anschlag folgten: Wenn gerade acht Menschen, sagen wir: in einem Bus, getötet wurden, könntest du an dem Abend mit einem Freund einen trinken gehen? (Ja.) Was wäre, wenn es zwölf in einem Café waren? Könntest du zu einem Date gehen? (Nein.) Ronen hat doch tatsächlich eine Grafik dazu.

Ich erinnere mich an diese Zwickmühlen der Terror-Etikette, genauso daran dass ich an einer Bushaltestelle stand und hörte, wie ein Selbstmord-Bomber sich eine Straße weiter sprengte und 11 Menschen im Café Moment ermordete. Meine Mutter ging durch den Bahnhof von Nahariya, unmittelbar bevor ein Selbstmord-Bomber dort zuschlug; und meine Schwester war in einer Cafeteria der Hebräischen Universität, als Palästinenser sich in einer anderen Cafeteria sprengten. Ich habe viele derartige Erinnerungen, die allesamt für damals Standard sind.

Als ich mit Atia sprach, sagte er, er dachte die Israelis würden das Thema aus einem offensichtlichen Grund meiden: Es ist zu entsetzlich. Weil das Gemetzel nicht auf einem weit entfernten Schlachtfeld oder beschränkt auf Soldaten stattfand, die Erfahrung die gesamte Gesellschaft umfasste und man solche Bilder oder die Angst nicht vergessen kann, selbst wenn du sie in die dunkelsten Schichten deines Gehirns verbannt hast. „Das war kein militärischer Krieg, das war ein ziviler Krieg und die Opfer waren Zivilisten“, sagte er. Seine Figur, Ronen, will darüber reden und das macht ihn seltsam. „Niemand will zuhören.“

Atias Film handelt nicht von irgendwelcher erkennbarer Wut auf die Palästinenser oder sonst irgendjemanden, nicht einmal als Ronen demonstriert, wie der Sbarro-Bomber einen Gitarrenkoffer mit seinem Sprengstoff bestückt. Der Ansatz ist eine Art leichter Surrealismus. Am nächsten an einen politischen Kommentar kommt er, als er aufzeigt, dass auf den Gedenktafeln für die Anschläge aus den 1990-ern, den Jahren des Friedensprozesses, den Namen der Opfer der traditionelle jüdischen Satz „Möge ihre Erinnerung ein Segen sein“ folgte. In den frühen 2000-ern änderte sich das zu einem anderen Satz aus der Tradition: „Möge Gott ihr Blut rächen.“

Für einen Zuschauer der sich an diese Zeit erinnert, entstammt viel von der Resonanz des Films dem Kontrast zwischen dem, was Ronen auf seinen Führungen beschreibt und der vergesslichen Stadt von heute um ihn herum. Der Jaffa Road, die in den schlimmsten Augenblicken öde und verlassen war, wurde ein Facelifting verpasst und eine neue Straßenbahn gegeben; sie ist heute gedrängt voll mit Fußgängern, lebhaft und nicht wiederzuerkennen. Die von Ronen seinen Touristen beschriebenen Ereignisse sind kaum zu glauben.

Aber er weiß, was geschah und genauso weiß es die israelische Wählerschaft. Ein Psychiater könnte uns sagen, dass etwas um so stärker verdrängt wird, je mehr Macht es ausübt. Wenn also Netanyahu in einer Wahlwerbung erklärt, dass „wir in der stürmischen See des Nahen Ostens bewiesen haben, dass wir Israel als eine Insel der Stabilität und Sicherheit erhalten können“, dann wissen wir alle, was er meint, selbst wenn wir nicht für ihn stimmen. Das ist seine stärkste Karte und wenn er gewinnt, wird das der Grund dafür sein. Das Szenario, das wir fürchten, ist klar, selbst wenn es keinen Namen hat. Es braucht keinen.

Führender Politiker, der oft auf CNN erscheint und Op-Eds für die NYT schreibt, trauert um einen Terroristen.

Aber er ist Palästinenser, also ist alles gut

Elder of Ziyon, 9. September 2019

Das zweierlei Maß der Welt ist recht offensichtlich, wenn man das, was für jeden westlichen Politiker eine die Karriere beendende Entgleisung wäre, mit dem vergleicht, was respektierte, „moderate“ Politiker des palästinensischen Mainstreams ständig von sich geben.

Das jüngste Beispiel:

Palästina trauert um den Märtyrer Bassam Al-Saeh, der in einem israelischen Gefängnis starb. Wir halten die israelische Regierung voll verantwortlich und fordern den Internationalen Strafgerichtshof auf mit einer sofortigen Ermittlung zu beginnen. Die israelischen Behörden müssen zur Verantwortung gezogen werden.

Wie wir gesehen haben, war Bassam Al-Sayeh in dem Mord an einem Rabbiner und seiner Frau vor den Augen ihrer Kinder beteiligt. (Und Israel bot ihm ausgezeichnete medizinische Versorgung.)

Dieser Mörderische Unmensch ist für die Palästinenser tatsächlich ein Held.

Erekat ist angeblich ein „Moderater“. Er ist oft im Fernsehen. Er schreibt Op-Eds in großen Zeitungen.

Dennoch stellt ihn kein Reporter wegen seiner direkten und ausdrücklichen Unterstützung von Terror, wie wir sie hier sehen, zur Rede. Kein Diplomat verurteilt seine Äußerungen zur Unterstützung eines Mörders.

Würde ein israelischer Politiker öffentlich einen Mörder preisen, würde er weltweit verachtet. Ihm oder ihr würde die Einreise in die meisten westlichen Länder verweigert.

Die Grundlinie dafür, welches Verhalten von Palästinensern erwartet wird, liegt knapp über der von Tieren. Und sie erfüllen die Erwartungen in vollem Umfang.

Trotzdem ist das Verlangen einen „moderaten“ Terroristenliebhaber zu finden so groß, dass jemand wie Saeb Erekat und Hanan Aschrawi die abscheulichsten, widerwärtigsten Haltungen von sich geben und unterstützen können und sich keinerlei Sorgen um die Auswirkungen machen müssen – die Medien und die Politiker der Welt brauchen sie um das Narrativ zu beweisen, dass beide Seiten moralisch gleich und gleich schuldig sind.

Dieser Tweet beweist, dass das einfach nicht stimmt.