10 Wege für die Vorurteile der Welt gegen Israel

David Harris, The Algemeiner, 16 Juni 2015 (übersetzt von Cora)

Wenn man sieht, wie Israel international mit einem völlig anderem Maßstab gemessen wird als jedes andere Land, dann sträuben sich einem die Haare. Natürlich muss Israel geprüft werden, so wie jedes andere Land auch. Aber es verdient eine faire Behandlung – nicht mehr, nicht weniger.

Erstens: Israel ist der einzige UNO-Mitgliedsstaat, dessen pures Existenzrecht ständig infrage gestellt wird.

Abgesehen von der Tatsache, dass Israel die uralte Verbindung mit dem jüdischen Volk verkörpert, welche immer wieder in dem meistgelesenen Buch der Welt, der Bibel, dargestellt ist, es aufgrund einer Abstimmung der UNO im Jahre 1947 gegründet wurde und seit 1949 Mitglied der Weltorganisation ist, gibt es einen unablässigen Chor von Staaten, Institutionen und Individuen, die Israel die politische Legitimität absprechen.

Niemand würde es wagen, das Existenzrecht jener Länder infrage zu stellen, deren Legitimität weitaus fraglicher ist, als die Israels, einschließlich derer, die durch brutale Gewalt, Besatzung oder ferne Kartenmacher entstanden sind. Warum wird nur Jagd auf Israel gemacht? Könnte es etwas damit zu tun haben, dass es das einzige Land mit einer jüdischen Mehrheit in der Welt ist?

Zweitens: Israel ist der einzige UNO-Mitgliedsstaat, dem von einem anderen UNNO-Mitgliedsstaat mit der Vernichtung gedroht wird.

Denken Sie mal darüber nach. Die Herrscher Iran rufen ständig mit den vom ihenn finanzierten Stellvertreter im Libanon und Gaza dazu auf, Israel von der Karte zu wischen. Gibt es irgendein anderes Land, das einer derartigen genozidalen Gefahr ausgeliefert ist?

Drittens: Israel ist die einzige Nation, deren Hauptstadt, Jerusalem, von den anderen Staaten nicht anerkannt wird.

Macht euch diese Absurdität bewusst! Ausländische Diplomaten leben in Tel Aviv, tun aber so, als würden sie ihre Geschäfte von Jerusalem aus führen. Obwohl kein westlicher Staat Israels Präsenz in der westlichen Hälfte der Stadt, dort wo das Büro des Premierministers, die Knesset (Parlament) und das Außenministerium ist, in Frage stellt, gibt es dort keine einzige Botschaft.

Schauen Sie sich die Liste der Hauptstädte an, einschließlich der Geburtsorte in einem Pass, sieht man etwas Erstaunliches: Paris – Frankreich; Tokyo – Japan; Pretoria – Südafrika; Lima – Peru; Jerusalem – ohne Land, verwaist, wenn man so will.

Viertens: Die UNO hat zwei Organisationen, die sich um Flüchtlinge kümmern.

Eine, das „Hohe Kommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge“ (UNHCR) ist für alle Flüchtlinge der Welt zuständig, außer einer Gruppe.

Die andere, die „Agentur der Vereinten Nationen für Hilfe und Arbeit für Palästina“ (UNRWA) ist nur für die Palästinenser da. Aber die Unterschiede gehen weit über die Strukturen und die Bürokratie der beiden hinaus. Tatsächlich haben sie zwei völlig unterschiedliche Aufgabenstellungen.

Das UNHCR versucht die Flüchtlinge wieder anzusiedeln, die UNRWA eben nicht.

Als 1951 der damalige Direktor der UNRWA, John Blanford, versuchte, die etwas über 250.000 Flüchtlinge in den umliegenden arabischen Ländern anzusiedeln, kam ihm aus diesen Ländern ein derartiger Zorn und eine derartige Verweigerung entgegen, dass er abreiste. Die Nachricht wurde verstanden. Kein UNO-Vertreter hat seitdem wieder eine Aufnahme verlangt.

Überdies unterscheiden sich die Definitionen von Flüchtlingen durch die UNRWA und das UNHCR erheblich. Während das UNHCR nur auf diejenigen gerichtet ist, die aktuell aus ihrer Heimat fliehen müssen, beinhaltet die Definition der UNRWA „die Nachkommen jener Personen, die 1948 Flüchtlinge wurden“ ohne jegliche Einschränkung.

Fünftens: Israel ist das einzige Land, das alle Kriege um sein Überleben und die Selbstverteidigung gewonnen hat, nur um sich besiegten Gegnern gegenüber zu sehen, die darauf bestehen, die Bedingungen für einen Frieden zu diktieren.

Während sie das tun, finden sie ironischerweise Unterstützung von vielen Ländern, die selber im Krieg siegreich, Grenzverschiebungen verlangten und bekamen.

Sechstens: Israel ist das einzige Land, das ein separater und ständiger Tagesordnungspunkt, # 7, beim Genfer UNO-Menschenrechtsrat ist.

Kein anderer Mitgliedsstaat, einschließlich ständiger Menschenrechtsverletzer wie Nord-Korea, Syrien, Iran und Sudan, ist ein eigener Tagesordnungspunkt. Nur die einzige Demokratie im Nahen Osten wird derart offensichtlich voreingenommen behandelt. Das geht ganz einfach: Die bösen Jungs bauen eine Wagenburg um sich gegenseitig zu schützen und um sich gleichzeitig gegen Israel zusammenzurotten, indem sie eine Mehrheit gegen dieses Land aufbauen.

Siebtens: Israel ist das einzige Land, welches in diesem Jahr namentlich bei der alljährlichen Versammlung der UNO-Gesundheitsbehörde für die „Verletzung“ von Gesundheitsrechten verurteilt wurde.

Diese Unterstellung geschah trotz der Tatsache, dass Israel syrische Verwundete, die durch den Bürgerkrieg in ihrem Land verletzt wurden, mit erstklassig medizinisch versorgt, ebenso die Palästinenser aus dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen, es die höchste Lebenserwartung für all seine Bürger, ob jüdisch oder nicht, erreicht hat und unter den ersten ist, die medizinische Hilfe bei humanitären Krisen leistet, egal wo immer sie passieren, von Haiti bis Nepal und tagtäglich die medizinischen Grenzen für alle erweitert. Das ist etwas, das nicht von vielen anderen Nationen gesagt werden kann.

Achtens: Israel ist das einzige Land, das tagtäglich von UNO-Gremien angegriffen wird, die einzig und allein dazu gegründet wurden und dafür unterstützt werden die Sache der Palästinenser zu unterstützten und Israel anzugreifen: Das Komitee zur Durchsetzung der unveräußerlichen Rechte des palästinensischen Volkes; das außerordentliche Komitee zur Untersuchung israelischer Handlungen, die die Menschenrechte des palästinensischen Volkes betreffen; und die Abteilung für die palästinensischen Rechte im politischen Ausschuss der Vereinten Nationen.

Neuntens: Israel ist das einzige Land, das jährlich zur Zielscheibe von über 20 Resolutionen der UNO-Vollversammlung wird, zusätzlich zu den unzähligen Maßnahmen, wie denen des UN Menschenrechtsrates.

Es ist wirklich erstaunlich, dass Israel jedes Jahr auf der Empfängerseite von weitaus mehr Anstrengungen steht, als alle 192 Mitgliedsstaaten der UNO zusammen. Niemand kann ernsthaft behaupten, dass dies auch nur im entferntesten gerechtfertigt ist; aber es ist die Realität, weil es in allen UNO-Gremien – außer dem Sicherheitsrat, in dem alle fünf ständigen Mitglieder ein Vetorecht haben – bei den Abstimmungen eine einfache Mehrheit genügt.

Wenn 2/3 der Staaten der Welt der Bewegung der Blockfreien angehören und wenn diese ein Land wie den Iran zu ihrem Anführer wählen, mit Venezuela als Stellvertreter, dann sagt das eigentlich schon alles.

Und zehntens ist Israel das einzige Land, auf das die BDS Bewegung (Boykott, De-Investition und Sanktionen) zielt.

Hat irgendjemand eine signifikante Aktivität auf dem Campus gesehen, die sich gegen die wirklichen Menschenrechtsverletzer, einschließlich jener in Israels Nachbarschaft, richtet? Gegen jene mit Leidenschaft angeht, die köpfen, Christen gewaltsam zu Konversion zwingen oder verjagen, die mit Chemikalien gefüllt Fassbomben auf Zivilisten werfen, den Palästinensern jegliche Rechte verweigern und die Todesstrafe anwenden – auch bei Minderjährigen?

Hat irgendeine Studentengruppe versucht, Studenten davon abzuhalten, in irgendein Land zu reisen, außer nach Israel, wie es der Fall mit dem „Ehrenwort“ war, das an der UCLA (University of California, Los Angeles) kursierte?

Hat hat irgendjemand von links außen Gruppierungen in Europa organisierte Flottillen oder Flytillen gesehen, die keine Anti-Israel Verbindung hatte?

Die Türkei, nur als ein Beispiel, hat vor 41 Jahren dreist und gegen jedes Recht 1/3 des Inselstaates Zypern besetzt, 40.000 Soldaten dort stationiert, unzählige Siedler aus Anatolien dorthin gebracht und es ist kein Pieps gegen Ankara von jenen zu hören, sie behaupten, sie handelten im Namen des „Rechts“ und gegen eine „Besatzung“.

Nimmt man diese politischen Realitäten, ist die Lösung auch nur eines dieser unerhörten doppelten Standards und offensichtlichen Heucheleien eine immense Herausforderung. Dabei ist diese Liste entsetzlicherweise nicht einmal vollständig.

Eine alte Anzeige verkündete, dass man nicht Jude sein muss um Levys jüdisches Roggenbrot zu mögen. Und man muss ganz sicher kein Pro-Israel Aktivist sein, um wegen dieser grotesk ungerechten Behandlung Israels besorgt zu sein. Alles was nötig ist, ist die Fähigkeit zu einer moralischen Empörung darüber, dass solche Dinge heute geschehen.

Wo ist die Empörung wegen ermordeter Juden?

David Harris, The Algemeiner, 2. Juni 2015

Neulich hatte ich die Gelegenheit wieder einmal die großartige Rede des französischen Premierminister Manuel Valls an die Nationalversammlung in Paris an zu sehen, die er im Januar, direkt nach den tödlichen Angriffen in Paris hielt.

Seine leidenschaftlichen Ausführungen über den Anstieg des Antisemitismus und die Gefahr die dieser für Frankreich mit sich bringt, sollten regelmäßig angesehen werden. Ein Satz hat mich besonders bewegt. „Wir haben nicht genug Empörung gezeigt!“, verkündete der erste Mann Frankreichs.

Diese Aussage war an die politische Klasse Frankreichs und an das gesamte Publikum gerichtet. Aber aus meiner Erfahrung heraus könnte man diese Worte auch an einige Juden, vor allem in Amerika, richten. Natürlich sind sich die meisten der Entwicklung bewusst und besorgt. Doch gleichzeitig ist die jüdische Antwort auf die Gefahren wie immer ziemlich verzwickt.

Da sind die Juden, die versuchen, die Gefahr herunterzuspielen oder sie gleich ganz verleugnen. Andere überzeugen sich selbst, dass all das nicht gegen sie persönlich gerichtet ist; oder ihr spezifischer Platz im Leben sie vor all dem schützt, beziehungsweise sie glauben, als eine Variante des Stockholm-Syndroms, all das könnte irgendwie gerechtfertigt werden und es bräuchte, natürlich, nur eine Verhaltensänderung der (anderen) Juden. Andere hoffen, wenn sie nur der Welt erzählen, wie viel die Juden in den Wissenschaften, der Medizin, Kultur und Philanthropie für jeden tun, würden die Antisemiten ihre Gesinnung ändern. Andere lehnen die jüdische Ansicht ab, dass „alle Juden füreinander verantwortlich sind“ und so ist das, was in Paris oder Brüssel passiert absolut irrelevant für das Leben auf der anderen Seite des Ozeans oder sie beschwören das WdnI-Syndrom – „Wenn doch nur Israel“ anders handeln würde, dann wäre alles in Butter.

Es ist für uns, so glaube ich, allerhöchste Zeit mehr Empörung über einige Dinge die passieren zu zeigen.

Es ist inakzeptabel, dass die Juden in einigen europäischen Ländern sich darum sorgen, ob sie eine Zukunft dort haben, denn es ist nicht länger klar, ob die Regierungen, so sehr die das vielleicht möchten, sie schützen können.

Es ist inakzeptabel dass wir mörderische Angriffe auf Juden in Toulouse, Burgas, Paris, Brüssel und Kopenhagen, alle von Islamisten, erleben müssen.

Es ist inakzeptabel, dass Gläubige in der Pariser Synagoge Don Isaak Abravanel im letzten Sommer von einem tobenden Anti-Israel-Mob, der „Hitler hatte Recht“ und „Schlachtet die Juden“ grölte, umzingelt wurden und einige mutige jüdische Hilfskräfte und Polizisten sie daran hinderten, schwere Zerstörungen anzurichten.

Es ist inakzeptabel, dass sich jüdische Eltern in Frankreich, Belgien oder sonst wo fragen, ob sie es verantworten können, ihre Kinder in eine jüdische Schule zu schicken, welche eines Tages ins Fadenkreuz der Terroristen geraten könnte, ganz so wie die Ozar Ha Thora Schule in Toulouse.

Es ist inakzeptabel, dass, wie im letzten Jahr, die Synagoge der deutschen Stadt Wuppertal mit Brandbomben attackiert wird, derweil mit Keffiyehs vermummte Jugendliche in den Straßen von Berlin skandieren: „Jude, Jude, feiges Schwein! Komm heraus und kämpf allein“.

Es ist inakzeptabel, dass die Fans des holländischen Fußballvereins FC Utrecht „Hamas, Hamas – Juden ins Gas“ singen, um damit Fans eines anderen Fußballvereins, Ajax Amsterdam, welcher traditionell von der jüdischen Gemeinschaft unterstützt wird, zu beleidigen.

Es ist inakzeptabel, dass ein als Jude verkleideter Journalist in Malmö belästigt, verhöhnt und bedroht wird, während er durch die Straßen der drittgrößten Stadt Schwedens geht.

Es ist inakzeptabel, dass die offensichtliche Neo-Nazi Partei „Goldene Morgenröte“ im griechischen Parlament sitzt und jede nur denkbare Verschwörungstheorie gegen Juden verbreitet.

Es ist inakzeptabel, dass der Sprecher der fremdenfeindlichen Partei Jobbik im ungarischen Parlament dazu aufruft alle Juden zu registrieren, um damit in der Lage zu sein, festzustellen wer und wo jeder Jude ist.

Es ist inakzeptabel, dass die einzige jüdische Nation, Israel, das einzige Land ist welches das Ziel einer Vernichtung durch ein anderes Land, Iran, während Teheran dafür nicht nur durch die UN ungestraft davonkommt, sondern auch noch den 120 blockfreien Staaten vorsitzt.

Es ist inakzeptabel, dass Israel das einzige Land auf der Welt ist, dessen Existenzrecht täglich auf dem Prüfstand steht, während keine andere Nation Zielscheibe einer derartigen Delegitimierung ist.

Es ist inakzeptabel, dass Israel, die einzige liberale Demokratie im Nahen Osten, die einzige Nation auf der Erde ist, die von einer BDS-Bewegung angegriffen wird.

Es ist inakzeptabel, dass Israel, welches bei vielen Gelegenheiten versucht hat eine Zweistaaten-Lösung mit den Palästinensern zu finden, nur um jedes Mal zurückgewiesen zu werden, jetzt von vielen Regierungen, den Medien und der gelehrten Welt als „Haupthindernis“ für den Frieden dargestellt wird.

Es ist inakzeptabel, dass das Menschenrechtsgremium der UNO über 50% seiner landesspezifischen Resolutionen Israel widmet – eine Nation, die vom Recht regiert wird, das von forschenden Medien überwacht wird und das eine starke, lebendige Zivilgesellschaft hat – während andere Länder deren Menschenrechte haarsträubend und mehr sind, ungeschoren davonkommen.

Es ist inakzeptabel, dass das einzige Land, für das das Menschenrechtsgremium der UN eine eigene Agenda hat, nicht Syrien, Libyen, Sudan, Iran oder Nord-Korea ist, sondern Israel.

Es ist inakzeptabel, dass während des letzten Kriegs im Sommer, ausgelöst durch die Raketen aus dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen und der Ermordung der drei jungen Israelis, das gleiche Menschenrechtsgremium Israel mit einer Votierung von 29 zu 1 (Vereinigte Staaten) und 17 Enthaltungen kritisierte, während es ungeniert die Verantwortung der Hamas ignorierte.

Es ist inakzeptabel, dass fünf südamerikanische Länder, einschließlich Brasilien, Chile und Peru, ihre Botschafter im letzten Sommer abberiefen, wohingegen sich niemand daran erinnern kann, wann genau diese Länder eine solche diplomatische Aktivität irgendwo auf der Welt gezeigt hätten, trotz der Flut von Kriegen und Krisen.

Es ist inakzeptabel, dass die Präsidenten der Türkei und Venezuelas versuchten die örtlichen jüdischen Gemeinden dazu zu zwingen Israel zu verurteilen.

Es ist inakzeptabel, dass zwei UCLA-Studenten über Monate schikaniert und vor ein studentisches Gericht gezerrt wurden, weil sie Israel besucht hatten, womit sie sich für einige an der Teilnahme einer Abstimmung über BDS in der studentischen Verwaltung disqualifiziert hatten.

Es ist inakzeptabel, dass zwei Studenten an der UCLA und in Stanford darüber befragt wurden, ob die Tatsache, dass sie Juden sind, wesentlich dafür ist, dass sie sich um ein Amt auf dem Campus bewarben.

Und es ist absolut inakzeptabel, dass die Überlebenden des Holocausts, die sich nichts mehr wünschen, als dass die Welt von dem, was sie erleben mussten, etwas daraus gelernt habe, nun ihre restlichen Tage in der Angst verbringen müssen, dass die Juden wieder in Gefahr sind.

Wenn wir nicht empört sind, warum nicht?

Wenn wir jetzt nicht zur Tat schreiten, wie viel muss noch passieren?

Lebensbedingungen für Christen im Heiligen Land

Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 25. Juni 2015 (direkt vom Autor)

Radio Vatikan hat ein Interview mit dem Nuntius im Heiligen Land veröffentlicht: „Wenn sich die Lebensbedingungen für Christen im Heiligen Land verbessern, würden sie das Land nicht verlassen.“ Das sagte Giuseppe Lazzarotto, Nuntius in Israel und Apostolischer Delegat für Palästina, über die Bedingungen von Christen im Heiligen Land.

Vor allem die wenigen verbliebenen Christen in Bethlehem und Ramallah, also in den Gebieten unter der palästinensischen Autonomiebehörde, verlassen das Land. Sie sind zunehmend Diskriminierungen ihrer muslimischen Nachbarn ausgesetzt. Bethlehem war bis 1948 eine rein christliche Stadt. Inzwischen bilden die Christen eine bedrängte und diskriminierte Minderheit von weniger als 20%. Sie wandern vor allem aus wirtschaftlichen Gründen aus, wie einst der legendäre Bürgermeister Elias Fredsch gestand und nicht wegen der „Besatzung“. Die endete 1994.

Kaum jemand weiß, dass zu Ehren von Jassir Arafats Einzug nach Bethlehem an Weihnachten 1994 ein überdimensionales Modell des Felsendoms auf das Dach der Geburtskirche in Bethlehem gehievt worden ist. Es sollte den Christen demonstrieren, dass fortan der Islam in der Geburtsstadt Jesu herrsche.

Weiter sagte Lazzarotto in dem Interview: Dass Christen trotz der Mauer an heilige Stätten gelangen, sei glücklicherweise immer öfter möglich. Von Seiten der israelischen Behörden sieht er in diesem Punkt immer mehr Bereitschaft.

Auch ohne „israelische Bereitschaft“ sollte der Nuntius wissen, dass die rund 160.000 Christen in Israel israelische Staatsbürger sind und sich frei bewegen können. Sie leben in Nazareth, Haifa, Lod und Ramleh. Für sie sind die meisten Heiligen Städten unproblematisch erreichbar, darunter am See Genezareth und in Jerusalem. Hinzu kommt, dass die meisten Christen als Araber gelten und deshalb ungehindert auch palästinensische Städte wie Bethlehem jederzeit besuchen können. Jüdischen Israelis ist jedoch der Besuch in Städten unter palästinensischer Kontrolle streng verboten.

Christen aus den palästinensischen Gebieten und besonders aus dem Gazastreifen haben es schwerer. Sie benötigen eine Sondergenehmigung. Viele haben sie, darunter die ehemalige Tourismusministerin und heutige Botschafterin in Berlin, Khoulud Daibes. Auch christlich-palästinensische „Sprecher“ wie Mitri Raheb, Faten Mukarker oder Sumaya Farhat-Naser, von manchen auch als „Propagandisten“ bezeichnet, beweisen allein durch ihre häufigen Auftritte in Deutschland und Jerusalem, frei reisen zu können. Verschwiegen werden Anschläge von Moslems auf Christen wie in Taibe oder Flugblätter der IS in Ost-Jerusalem, die Christen „Rache“ ankündigen.

Recht hat der Nuntius, dass Angriffe auf Christen, wie der Brandanschlag auf das Benediktinerkloster in Tabgha, die Christen vor Ort verbittern. Das hat der Vatikan-Diplomat richtig beobachtet. Genauso verbittert sind darüber auch jüdische Israelis, vom Staatspräsidenten abwärts bis zur Polizei, die Attacken auf Christen nicht zeitig aufklärt.

Jüdische Israelis sind verbittert, dass ihr 3.000 Jahre alter Friedhof auf dem Ölberg zunehmend geschändet wird. Gräber werden zertrümmert und Trauernde können sich kaum noch dorthin wagen. Sie werden von Palästinensern mit Steinen beworfen, während ihre Autos zerstört werden. Die Zustände sind so schlimm geworden, dass die Sicherheitsbehörden langsam aufwachen und mehr Geld für den Schutz des historischen Friedhofs, aber auch gefährdeter Kirchen ausgeben wollen.

In der aufgeheizten Stimmung im „Heiligen Land“ gibt es einen ständigen Kampf von Extremisten vor allem gegen symbolhafte Einrichtungen. Das Niederbrennen einer Kirche, der Mordüberfall in einer Synagoge oder die Brandschatzung einer Moschee machen größere Schlagzeilen weltweit, als die Brandbombe auf ein Familienhaus oder das Überfahren von Passanten an einer Bushaltestelle in Jerusalem. Es sei an den Terroranschlag in der Synagoge in Har Nof erinnert. Am 18. November 2014 wurden vier Juden beim Gebet von zwei jungen Palästinensern mit Äxten erschlagen. Zudem wurde ein drusischer Polizist getötet.

Zum Glück haben sich jüdische Extremisten bisher auf Graffiti und Brandanschläge in Kirchen und Moscheen beschränkt. In den letzten Jahren sind „im Heiligen Land“ keine Christen oder Moslems wegen ihrer Religionszugehörigkeit ermordet worden. Juden hingegen werden nach Angaben palästinensischer Attentäter fast täglich ermordet, nur weil sie Juden sind.

Bei aller Aufregung über Terror gegen Menschen oder Kirchen im Heiligen Land ist es kein Trost, dass der Zustand im Rest der Welt viel schlimmer ist.

Der Nuntius ist nur für das Heilige Land zuständig und sieht deshalb wohl nicht, dass Hunderttausende Christen aus Ägypten, Syrien und Irak geflohen sind. Da die Heilige Familie in Ägypten war, Erzvater Abraham der syrischen Stadt Aleppo den Namen gegeben hat und Saulus aus Tharsus auf dem Weg nach Damaskus zum Paulus geworden ist, werden auch diese Gebiete oft dem „Heiligen Land“ hinzugerechnet.

In uralten christlichen Kirchen und Heiligen Stätten in Syrien oder Irak wurde nicht nur ein Empfangsraum in Brand gesteckt, wie in Tagbha. Vielmehr wurden Kirchen mitsamt Gläubigen gesprengt. Ganze christliche Städte oder Viertel in Aleppo, Damaskus und anderswo wurden dem Erdboden gleich gemacht. 2014 habe es laut einem Report des amerikanischen State Department 13.463 Terroranschläge gegeben, 35% mehr als im Vorjahr. Dabei wurden mehr als 32.700 Tote gezählt, ein Anstieg von 81 % im Vergleich zu 2013. Über 9.400 Menschen seien entführt und in Geiselhaft genommen wurden. Darunter waren auch Tausende Christen, in Nigeria und im Mittleren Osten.

(C) Ulrich W. Sahm