Tweets, Kontext und Geschichte

Daniel Gordis, 30. Dezember 2014

Immer wieder mal ist etwas Einfaches wie ein Tweet Ursache für die Erinnerung daran, dass – im Leben allgmein, aber besonders in dieser Region – Kontext und Geschichte wichtig sind.

Der fragliche Tweet dieser Woche kam von Gershon Baskin, dem Gründer des Israel/Palestine Center vor Research and Information und selbsterklärtem Befreier von Gilad Shalit. Der Tweet war einfach: „Wenn die Welt die Anerkennung des Staats Palästina befürwortet, befürwortet sie auch Israel auf 78% des Landes zwischen Fluss und Meer.“

Nun, da fühle ich mich doch gleich viel besser.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, als Stockholm, Paris, Dublin und andere „Palästina“ (in Anführungszeichen, weil es Palästina nicht gibt) anerkannten, war das zu einem gewissen Grad ein feindlicher Akt gegenüber Israel. Immerhin erkennten die Führer von „Palästina“ Israel als jüdischen Staat nicht an und beharren darauf, dass sie es nie tun werden. Sie bestehen auf dem Rückkehrrecht der Flüchtlinge, was Israel als jüdischen Staat vernichten würde und sagen zumindest öffentlich, dass sie sich in dieser Sache niemals bewegen werden.

Also ja, ich gebe es zu: Wenn europäische Hauptstädte einen Staat anerkennen, der sowohl nicht existiert als auch anstrebt Israel als jüdischen Staat zu vernichten, dann bin ich besorgt.

Doch jetzt, wird mir gesagt, soll ich mich besser fühlen. Denn diese Länder – sowie die, die ihnen wahrscheinlich noch folgen werden – versuchen überhaupt nicht Israel Schaden zuzufügen. In Wirklichkeit ist eine solche Anerkennung Palästinas „Unterstützung Israels“ auf 78 Prozent des Landes zwischen Fluss und Meer.

Abgesehen davon, dass der Tweet Palästinas Haltung zu Israel ignoriert, ist es auch wert erwähnt zu werden, was für ein kleiner Teil dessen diese 78% sind, was dem jüdischen Volk ursprünglich versprochen wurde. Wir mögen deswegen nichts unternehmen können, aber wir sollten scharfsichtig sein, welches Spiel die internationale Gemeinschaft schon seit langem spielte und weiterhin spielt.

Die Balfour-Erklärung von 1917 besagte: Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstatt für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei, wohlverstanden, nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte.

Es können viele Fragen zu Balfour gestellt werden. Ist eine „nationale Heimstatt“ ein Staat? Wie kann die jüdische Heimat aufgebaut werden, ohne irgendwie die „bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina“ zu beeinflussen? Und vieles mehr. Aber für unsere Vorhaben ist eine Frage absolut vorherrschend: Was ist dieses Palästina, wo die jüdische Heimstatt aufgebaut werden soll und wie sehen seine Grenzen aus? Das sagt Balfour nicht.

Später fügten britische Dokumente Klarheit hinzu. Die Palestine Royal Commission von 1937 (allgemein als Peel-Kommission bekannt) erklärte klar: „Als Feld, in dem die jüdische nationale Heimstatt gegründet werden sollte, wurde zur Zeit der Balfour-Erklärung das ganze historische Palästina verstanden.“

Das „Ganze“ schloss natürlich Transjordanien ein, das man heute als Jordanien kennt. Das hielt die Peel-Kommission nicht davon ab die Größe eines vorgeschlagenen jüdischen Staates noch weiter zu reduzieren. Damit wurde das Land, das das britische Empire dem jüdischen Volk versprach 1922 erstmals geteilt, als 75% des „historischen Palästina“ abgeschlagen und zur Schaffung eines Landes namens Jordanien genutzt wurde.

Peel schlug dann etwas noch Kleineres vor.

Dann wurden, als 1947 die UNO über eine (zweite) Teilung abstimmte, weitere Teile aus einem zukünftigen jüdischen Staat ausgeschlossen; das Sonderkomitee der UNO zu Palästina hatte entschieden noch einen zweiten arabischen Staat auf den Land zu gründen, den die Balfour-Erklärung für die Juden vorgesehen hatte. (zum Beispiel hatte die Peel-Kommission vorgeschlagen Westgaliläa den Arabern zu geben.) Die Karte, über die die UNO-Vollversammlung am 29. November 1947 abstimmte, war eine, die den Juden weniger als ein Achtel dessen gab, wie ihnen mit Balfour nur 30 Jahre früher versprochen worden war.

Dem jüdischen Staat Land wegzunehmen ist eine langjährige Tradition.

Der einzige Grund, dass Israel niemals dazu gezwungen war tatsächlich innerhalb der nicht zu verteidigenden und unbewohnbaren Grenzen von 1947 zu leben, besteht darin, dass die Araber Israel nach der Abstimmung in der UNO angriffen; und dann noch lärmender, nachdem Israel am 14. Mai 1948 seine Unabhängigkeit erklärte. In dem von den Arabern losgetretenen Krieg war Israel in der Lage – mit Waffengewalt – Land zu erobern, das die UNO ihm nicht versprochen hatte. Die 1949 erreichten Linien, die sogenannte Grüne Linie, sind keine in irgendeinem Friedensvertrag vereinbarten Grenzen. Sie sind Waffenstillstandslinien: Sie sind einfach da, wo die zwei erschöpften Seiten sich entschieden die Dinge ruhen zu lassen, als die Kämpfe abklangen.

Israel eroberte dann im Juni 1967 weiteres Land, in einem weiteren Krieg, den es nicht wollte. Es übernahm die Westbank von Jordanien, nachdem es König Hussein anbettelte nicht in die Kämpfe einzutreten – eine Warnung, die der König dummerweise ignorierte. Die internationale Gemeinschaft hat entschieden, dass das von Israel 1967 eroberte Territorium zurückgegeben werden muss.

Wird sie das eines Tages auch von Land sagen, das Israel zwischen der Abstimmung in der UNO im November 1947 und dem Ende des Unabhängigkeitskriegs im März 1949 eroberte? Vielleicht nicht, aber wer weiß? Das Schachbrett namens Naher Osten unterscheidet sich stark von dem vor nur gerade mal einem Jahrzehnt. Israels Aktien in der internationalen Gemeinschaft stehen schlechter als seit langer Zeit, vielleicht schlechter als je zuvor. Die Kälte in den Beziehungen zwischen den USA und Israel (von beiden Seiten bestritten, aber offensichtlich sehr real) schächte Israel weiter. Amerikanische Juden sind zunehmend wegen eines Israel frustriert, das ihrer Meinung nach zu wenig Annäherungsversuche den Palästinenser gegenüber macht. Der Iran kommt Atomwaffen immer näher und Israel könnte die USA durchaus benötigen (wahrscheinlich mit einem ganz anderen Präsidenten), um ihn aufzuhalten.

Ungeachtet aller Beteuerungen einiger Israelis könnte Israel sich auf dem Rückzug vom Jordan zu etwas finden, das der Grünen Linie nahe kommt. Einige Israelis werden jubeln, andere werden trauern. Der Rückzug könnte Frieden bringen; wahrscheinlicher ist, dass er das am Ende nicht tut.

Doch was immer auch geschieht, wir sollten zumindest verstehen, was geschieht. Ja, Israel würde mit kolossalen 78% des Landes zwischen Fluss und Meer zurückbleiben. Aber das ist nur ein Bruchteil dessen, was dem jüdischen Volk ursprünglich versprochen wurde und wenn die internationale Gemeinschaft weiterhin darauf besteht, dass Israel Territorium aufgibt, das es kämpfend gewonnen hat, könnte uns am Ende weit mehr fehlen.

Täuschen wir uns nicht. Die europäischen Regierungen, die Palästina anerkannten, erkennen nichts zu Israel an. Sie warten lediglich darauf, ihren nächsten Zug auf dem Schachbrett tun zu können.

Ein Zeichen der Unterdrückung und Armut…

gefunden auf Facebook: Dieses Foto ist einfach zu frappierend, um es nicht zu verbreiten. Es handelt sich um die Residenz von Mahmud Abbas, dem Führer der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Abbas-residence

Paula R. Stern kommentierte:

Ich möchte Präsident Mahmud Abbas zu seinem schönen neuen Haus gartulieren – sicher leiden die armen Palästinenser, sterben auf den Straßen hungers, ihnen fehlen Abwasserleitungen und Gesundheitsvorsorge und Wohnungen. Aber hey, er hat seinen Palast bauen lassen. Also konzentrieren wir uns auf die wichtigen Dinge…

außer…

außer… sie sterben nicht und verhungern nicht und leide gar nicht. Sind sie – weil sie Milliarden Dolar bekommen haben, die die Dämlacken in der Europäischen Union, UNRWA und den Vereinten Nationen werfen ihnen weiter Geld hinterher und was sie nicht für ihre Villen und Raketen abschöpfen, tropft dann tatsächlich zu den armen Leuten hinunter… die schicke Einkaufszentren haben, neue Autos und die jüngsten technischen Spielereien.

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Nachricht von Ulrich W. Sahm:
Bei dem Gebäude handelt es sich um den „Gästepalast“, mit 2 Hubschrauberlandeplätzen auf dem Suda-Hügel.
Ursprünglich sollte der Palast 80 Mio. Dollar kosten, jetzt behauptet Pedcar, dafür nur 13 Mio. auszugeben.

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Aus die Maus: BDS ist das Gesicht des modernen Antisemitismus

Der Versuch Matisyahu zu boykottieren hat einen unbezahlbaren Blick in die einzigartige Struktur des zeitgenössischen Antisemitismus geboten – und zeigt uns, wie er bekämpft werden kann.

Ari Soffer, Israel National News, 23. August 2015

Die Debatte darüber ob die BDS-Bewegung – die Boykotte, De-Investitionen und Sanktionen gegen den Staat Israel fordert – antisemitisch ist, tobt seit deren Gründung vor etwa einem Jahrzehnt.

Als Beweis ihres Antisemitismus deuten die BDS-Gegner auf die Tatsache, dass sie den jüdischen Staat (eigentlich besonders die israelischen Juden und jüdische Institutionen/Firmen in Israel, nicht israelische Araber) aussondert, während sie massive Menschenrechtsverletzungen anderswo in der Region ignoriert – selbst wenn sie, wie z.B. in Syrien, an anderen Palästinensern verübt werden.

Sie führen weiterhin die schaurigen Ähnlichkeiten zwischen den Kampagnen zum Boykott (von Juden) im jüdischen Staat und früheren antisemitischen Boykottkampagnen in Europa (z.B. die von Nazi-Deutschland verübten) an. Und natürlich ist da die Frage der vielen offenen Antisemiten, die vom BDS und breiteren antiisraelischen Bewegungen aus allen Ecken des politischen Spektrums angezogen werden.

Die BDS-Unterstützer begegnen diesem Argument weitgehend damit, dass sie auf die nicht unbedeutende Handvoll Juden zeigen, die eine – manchmal herausragende – Rolle in ihrer Kampagne spielen, ebenso auf die Tatsache, dass (in ihren eigenen Worten) sie öffentlich jede Form von Rassismus ablehnen. Wie kann eine Kampagne, an der Juden beteiligt sind und die Rassismus ablehnt, eine antisemitische sein?

Die jüngste Saga zu Matsyahus Auftritt beim Rototom Sunsplash-Festival sollte diese Debatte ein für alle Mal beenden. Nach den Ereignissen der letzten Wochen sollte es mehr als klar sei, dass BDS nicht nur völlig antisemitisch ist, sondern sie und die breitere Antiisrael-Bewegung sind in der Tat gerade das Symbol des modernen Antisemitismus.

Es geht nicht um das „Warum-Geeiere“

Es geht nicht darum, dass BDS Matisyhau aufgrund der fadenscheinigen Grundlage der Sorge um „Menschenrechte“ ins Visier nahm, während die extrem homophoben Künstler ignoriert werden, die auf demselben Festival auftraten. Sicher, diese Scheinheiligkeit ist ein Kennzeichen der Schande für die Festival-Organisatoren; die Wiedereinladung Matisyahus macht die Tatsache nicht ungeschehen, dass sie ihn als „Verdächtigen“ behandelten, weil er ein pro-israelischer Jude war, während mit Homophoben, die das Verbrennen von Schwulen befürworten, nicht ebenso unter Druck gesetzt wurden.

Das ist ein wichtiger Punkt: Die BDS ist nicht antisemitisch, weil sie „sich nicht auf andere Menschenrechtsverletzung konzentriert“. Dieses Argument, das von pro-israelischen Gruppen oft angeführt wird, ist ineffektiv. Fakt ist, dass BDS eine der zahllosen Ein-Thema-Kampagnen rund um die Welt ist, die sich auf eine bestimmte Frage/Ort/angebliche Ungerechtigkeit fokussiert während andere ignoriert werden. So funktioniert eine Ein-Thema-Kampagne nun mal. Um Antisemitismus zur Rechenschaft zu ziehen und zu bekämpfen, müssen wir ihn unbedingt genau identifizieren – und die dass BDS sich auf ein einziges Thema konzentriert, spielt keine Rolle.

(Die einzige Ausnahme ist, wenn BDS – eine Gruppe, die behauptet sich zutiefst wegen der Rechte der Palästinenser zu sorgen – „palästinensischem Leid“ vergleichsweise wenig bis keinerlei Aufmerksamkeit widmet, wenn Israel nicht beteiligt ist. Zum Beispiel, wenn in Syrien das Regime und ISIS gleichermaßen Palästinenser abschlachtet oder an Hunger sterben lässt; oder im Libanon und Jordanien, wo ihnen grundlegende Rechte wie das Recht auf Arbeit, die Staatsbürgerschaft oder andere grundlegende Freiheiten verweigert werden. Aber selbst dann, obwohl diese Heuchelei ein Indikator ist, dass etwas an der Kampagne stinkt, ist das an sich noch kein Antisemitismus.)

Um zu verstehen, wieso BDS den modernen Antisemitismus im Westen verkörpert (die arabisch-muslimische Welt ist ein völlig anderer Fall), müssen wir zuerst die genaue Natur dieser eigenartigen Unterart der Bigotterie untersuchen. Antisemitismus tendiert wie ein Virus dazu sich zu wandeln und dadurch zu entwickeln, dass er sich die vorherrschenden Gewohnheiten und Diskurse der Gesellschaft nutzbar macht, um der Art von „Fortschritt“ gegenüber resistent zu bleiben, der unausweichlich anderer Formen der Engstirnigkeit aus dem Mainstream-Diskurs hinauswirft.

Als der christliche Fundamentalismus der letzte Schrei war, waren Juden „Christusmörder“. Als die Theorien der Rassenüberlegenheit als Mainstream galten, „verunreinigten/zerrütteten/ Juden die weiße Rasse“ oder wirkten gegen sie. Im Zusammenhang mit dem Kommunismus waren Juden Teil der „Bourgeoisie/Eliten/globalen Banker“ – im Gegensatz zu faschistischen Regimen, für die wir Hand in Hand mit den Kommunisten arbeiten.

Es kann verwirrend sein einem derart verworrenen Mix aus oft diametral entgegengesetzten Beschuldigungen zu folgen – aber so sieht das Wesen des Antisemitismus aus.

Wie andere Formen des Fanatismus ist er irrational. Wie andere Formen des Fanatismus wird es immer solche geben, die sich ihm anschließen und in seinem Namen sogar abscheuliche Verbrechen begehen. Aber anders als andere Formen des Fanatismus ist er „Fortschritt“ gegenüber resistent; seine Anhänger werden immer eine Möglichkeit finden ihn nicht nur für sich selbst zu rechtfertigen, sondern – was entscheidend ist – ihn selbst im Mainstream-Diskurs „akzeptabel“ und „gerechtfertigt“ zu halten.

Um zeitgenössischen Antisemitismus zu erkennen ist es daher entscheidend sich neben die früheren Paradigmen zu stellen, innerhalb derer er einst agierte, die er aber seitdem preisgegeben hat. Innerhalb solcher veralteter Paradigmen zu agieren – z.B. nach Beweisen für auf Rasse oder Religion basierenden Fanatismus zu suche – stärkt die zeitgenössischen Antisemiten sogar darin für ihre neue Version des Hasses zu werben, indem sie die echten Unterschiede zwischen sich und ihren Vorgängern als Beweis aufzeigen, dass sie „nicht wie die“ sind. Und doch ist es ein Fehler, den wir immer und immer wieder machen.

Um das zu illustrieren gib es eine gemeinsame Haltung, die von vielen Gegnern der BDS zu hören bekommen habe: „Während die Bewegung selbst nicht per se antisemitisch ist, gibt es gewiss einige/viele Antisemiten, die darin involviert sind.“ Was diese Leute tatsächlich sagen, ohne es zu erkennen: Es gibt Leute innerhalb der BDS und der breiteren Antiisrael-Bewegung, die einigen der alten, diskreditierten Versionen des Antisemitismus beipflichten, auch wenn die Bewegung selbst – damit erkennt man ihren Giftgehalt – manchmal versucht sich von ihnen zu distanzieren. In diesem Sinne haben sie recht; man musst innerhalb der Antiisrael-Gruppe nicht weit sehen, um eine kunterbunte Auswahl rechtradikaler Holocaustleugner, islamistische Fanatiker, Anhänger der christlichen Ersetzungstheologie und Neomarxisten zu finden, die allerlei „weniger akzeptable“ antisemitische Verschwörungstheorien und Ideen speien.

Doch wieder kann zwar die Tatsache, dass solche Einzelpersonen von der Antiisrael-Bewegung angezogen werden, ein Indikator ihrer antisemitischen Natur sein, aber das ist kein eindeutiger Beweis, solange solche Gruppen sich offen und öffentlich von solchen Vorstellungen distanzieren (so voller Ungereimtheiten solche Distanzierungen auch klingen mögen).

Antizionismus as Antisemitismus

BDS und andere antiisraelische Gruppen im Westen glauben – als Bewegung – nicht, dass alle Juden getötet oder bekehrt werden sollten (obwohl viele Einzelne innerhalb der Bewegung solche Überzeugungen hegen mögen und die Bewegung selbst offen andere völkermörderische Gruppen wie die Hamas unterstützt). Das ist keine spezifische Form des Antisemitismus, dem sie sich anschließen. Sie sind jedoch sehr offen, was die Version des Antisemitismus angeht, der sie beipflichten, obwohl sie die typischerweise so abstreiten: Antizionismus.

Dieser kommt zwar in vielen Schattierungen daher, aber der Zionismus in seinem grundlegendsten Sinn ist schlicht der Glaube, dass das jüdische Volks das Recht auf Freiheit und politische Unabhängigkeit in seinem uralten, historischen, angestammten Heimatland, Eretz Yisrael hat. Antizionismus oder „gegen Israel“ zu sein ist damit der Glaube, dass – während jede andere Nation dieses Recht besitzt – wir Juden es nicht haben oder an uns zumindest ein anderes Maß angelegt werden sollte, wenn wir es einmal haben, erbarmungslos unter die Lupe genommen gepiesackt werden sollten, wobei jeder Mangel (ob real oder imaginär) unter ein Mikroskop gelegt wird.

Noch tiefer sitzt, dass diese Überzeugung auf der perversen Vorstellung des Juden als „edlem Opfer“ basiert. Das ist der Grund, warum so viele antiisraelische Typen betonen, dass sie den Holocaust verurteilen (das ist natürlich sehr großzügig von ihnen) oder keine Mühen scheuen zu sagen, dass sie großes Mitgefühl für die Erfahrung der Juden haben, die ihn durchmachten. In den meisten Fällen tun sie das wirklich aufrichtig – denn Holocaust-Opfer sind genau die Art von tragisch schönen, „reinen“, verfolgten Juden, mit denen sie leben können. Jüdische Schwäche ist für zeitgenössische Antisemiten „attraktiv“, während jegliches wie auch immer geartetes Anzeichen jüdischer Stärke automatisch für „provokativ“ gehalten wird.

In diesem Sinne ist der zeitgenössische Antisemitismus eher mit dem Rassismus gegen Schwarze der Apartheid, des Jim Crow und der anschaulichsten Sklaverei vergleichbar als mit – sagen wir – dem Antisemitismus der Nazis.

Viele oder sogar die meisten Sklavenhalter zum Beispiel „hassten“ schwarze Menschen nicht in dem Ausmaß, dass sie sie alle tot sehen wollten. Viele von ihnen mögen sogar Zuneigung zu „ihren“ schwarzen Sklaven gehabt und sie gut behandelt haben. Aber das machte sie nicht zu Nichtrassisten, denn sie waren weiter der fundamental rassistischen Überzeugungssystem verschrieben, dass Schwarze Weißen rassisch unterlegen waren und dass ihre Status innerhalb der Gesellschaft das daher spiegeln sollte (entweder als Sklaven oder zumindest als Bürger zweiter Klasse). Schwarze, die für eine Veränderung agitierten, wurden als Unruhestifter oder Schlimmeres betrachtet – weil sie „kein Recht hatten“ frei zu sein.

Im zeitgenössischen Diskurs betrachten Antisemiten Juden auf die gleiche Weise.

Während andere Nationen frei sind, sogar ermutigt und unterstützt werden für ihre nationalen Rechte zu kämpfen, werden Juden dazu aktiv demotiviert und dafür schlecht gemacht. Während in jedem anderen Zusammenhang ein indigenes Volk, das seine angestammte Heimat physisch befreien will und gleichzeigt die durch die erobernden imperialistischen Mächte geänderte Ortsnamen zurückfordert – egal, wie lange es her ist, dass sie ihnen genommen und sie kolonisiert wurde – Wohlwollen gewinnen würde, werden Juden, die das tun, verhöhnt und verdammt, beschuldigt „auf uralter Geschichte herumzureiten“.

Es ist schon erstaunlich, dass wir Juden gleichzeitig der Unterdrückung des „uralten“ palästinensischen Volks – die angeblich „uralte“ Geschichte ist unerklärlich relevanter und weniger absurd als unsere eigene wachzurufen – über unseren modernen Nationalstaat beschuldigt werden. Diese schamlose logische Widersprüchlichkeit dienst als grafische Illustration der Schlüpfrigkeit des Antisemitismus und seiner Fähigkeit selbst in einem zeitgenössischen Kontext sein Aussehen zu ändern – manchmal innerhalb eines einzigen Atemzugs.

Das ist der Grund, dass Matisyahu zu boykottieren absolut auf einer Linie mit den Haltungen der BDS. Es spielt keine Rolle, dass er kein Israeli ist, worauf es ankommt ist, dass er ein jüdischer „Unruhestifter“ ist, denn auch wenn er nie politische Aussagen auf der Bühne macht, ist er klar pro-Israel und schämt sich dafür nicht.

Mit denjenigen, die dagegen vorgehen – bestimmt können sich nur die extremsten, Schaum vor dem Mund habenden, randständigen Antisemiten innerhalb der BDS-Bewegung möglicherweise einem solch offenen antisemitischen Standpunkt verschreiben – würde ich gerne einen Tweet teilen, den ich von jemandem erhielt, den sie vielleicht erkennen:

Ari Soffer:
Die Weigerung der BDS gegenüber zu katzbuckeln diente als Vorbild für junge Juden. Bei jüdischem Stolz geht es nicht um gefühlte Notwendigkeit „sich selbst zu beweisen“.
Jim Clancy:
Jeder trifft seine Wahl.
Poster:
Matiyahu und David Broza werden life auf der AIPAC-Politik-Konferenz 2015 auftreten.
Air Soffer:
Alter Schwede! Ein Jude, der Israel mag. Schnell, zwing ihn zur Unterwerfung!

Sagen Sie über Jim Clancy, was Sie wollen, aber der Mann betrachtet sich gewiss nicht als antisemitisch. Doch er suggeriert – als ehemaliger Rundfunksprecher eines der am stärksten zum „Mainstream“ gehörenden Senders, den man sich vorstellen kann – offensichtlich, dass die Tatsache, dass ein Juden es wagt Israel zu unterstützen, wenn auch nur auf sehr allgemeine Weise, ihn dies zu Freiwild für Boykotte und Attacken macht.

Natürlich ist das nur ein Tweet. Aber er ist ein genauer Spiegel der vielen Botschaften, die in Verteidigung der BDS-Entscheidung zirkulierten Matisyahu ins Visier zu nehmen und dass Rototom ihn dann auslud, als die Story noch ganz neu war: „Das ist nicht, weil er Jude ist – das ist, weil er Zionist ist!“

Zerlegt man jedoch die Terminologie, dann wird die fundamentale Bigotterie einer solchen Äußerung offensichtlich: „Natürlich ist es inakzeptabel einen jüdischen Künstler zu boykottieren, nur weil er eine jüdische Einzelperson ist. Aber das Problem mit Matisyahu besteht darin, dass er sich mit den nationalen Rechten seines Volks und dessen Erscheinungsformen identifiziert und dass macht ihn natürlich zu Freiwild.“

Mit anderen Worten: Juden, israelisch oder nicht, sollten ihren Platz kennen.

Dass es Juden gibt, die sich antizionistischen Ideen verschreiben, beweist nichts. In Wirklichkeit spiegelt es genau die Reaktion der stark assimilierten Juden einerseits und der hareidischen Antizionisten andererseits während der letzen großen Welle des europäischen Antisemitismus.

Der Judenhass der Nazis, darauf bestanden viele assimilierte deutsche Juden, war für die „Ostjuden“ reserviert – den primitiven, religiösen, unkultivierten Juden Osteuropas. Selbst als der Antisemitismus der Nazis auch sie anvisierte, geschah das nur, weil einige Europäer nicht zwischen „guten“ assimilierten Juden und „schlechten“ primitiven unterscheiden konnten.

Nach Ansicht der hareidischen/religiösen Antizionisten war der Antisemitismus eine Strafe Gottes für den „Zionismus“, den sie (fälschlich) sowohl als inhärent säkulare Idee, als auch als „Provokation der Nationen“ betrachteten – dieses unterwürfige letztere Argument wurde aus einer eigenartigen Interpretation talmudischer Schriften abgeleitet und besagt, dass man versuchen soll jüdische Unabhängigkeit bis zur Ankunft des Messias zu verhindern. Als solche würde Gott sie sicherlich schützen, während die zionistischen „Sünder“ untergehen würden.

Wie falsch sie lagen! Und wie falsch ihre ideologische Nachkommenschaft doch auch heute falsch in dem Glauben liegt – von der assimilierten jüdischen Linken bis zur Naturei Karta – sie hätten Liebe, Akzeptanz und Schutz gewonnen, weil sie sich von nationaler Unabhängigkeit fernhalten. In Wirklichkeit haben sie lediglich ihren Status als zweitklassige menschliche Wesen akzeptiert.

Renitenz als Lösung

Wenn Matisyahu anzuvisieren der BDS die Maske herunterriss und das Gesicht des modernen Antisemitismus offenlegte, hat seine Reaktion eine wichtige Lektion geboten, wie man zurückschlägt.

Er kapitulierte vor ihren Forderungen nicht und demütigte sich nicht vor dem bellenden Mob in der vergeblichen Hoffnung sie würden besänftigt werden; aber genauso wichtig ist, dass er keine Ausreden für seine Unterstützung Israel machte. Er ging nicht einmal auf die völlig haltlosen, beleidigenden Beschuldigungen des Staates Israel ein – obwohl er natürlich nicht mit ihnen übereinstimmte – denn das zu tun würde ihnen eine Legitimität einräumen, die sie nicht verdienen. Er ist kein Unterstützer von Bigotterie (anders als andere, die auf derselben Veranstaltung auftraten), sonder der legitimen Recht des jüdischen Volks; warum also sollte er sich gegen haltlose Anschuldigungen verteidigen?

Stattdessen war seine Reaktion eine der Verachtung – Verachtung gegenüber den Beschuldigungen und Beschuldigern und Verachtung gegenüber dem empörenden Ultimatum, das ihm gestellt wurde; die Art von Verachtung, die nur mit Selbstvertrauen und Sicherheit bezüglich der Richtigkeit der eigenen Sache kommt.

Die BDS-Bewegung und jeder andere antiisraelische Bewegung wie sie, will nicht den Juden ihre Leben oder ihre Religion rauben, sondern ihre Würde – ob durch Kapitulation oder durch gestammelte Ausflüchte. Das ist das Gesicht des modernen Antisemitismus.

Genau die Tatsache, dass in einer Diskussion über den arabisch-israelischen Konflikt die Stange dafür, nicht total bigott zu sein, oft in der „Anerkennung des Existenzrechts Israels“ liegt – eine Äußerung, die absolut bizarr, sogar beleidigend wäre, würde sie über irgendein anderes Land getätigt – ist ein Hinweis darauf, dass dieses Vorurteil zwar nicht durchgängig akzeptiert ist, aber den Diskurs des Mainstreams infiltriert und infiziert hat und dies weiter tut.

Die Reaktion muss daher darin bestehen, dass wir die uns Angreifenden verachten und auf das Wissen um die Richtigkeit unserer Sache stolz sind.

Für das zu kämpfen, von dem wir wissen, dass es richtig ist, ohne Ausflüchte und ohne Angst.

Etwa so:

Die wahren Opfer

Paula R. Stern, Facebook, 25. August 2015

„Yuval ist seit bereits zweieinhalb Wochen nicht aufgewacht. Wir hoffen, dass es diese Woche geschehen wird’s. Jeder redet über den Gesundheitszustand des Terroristen, aber niemand spricht über meinen Sohn, der seit dem Terroranschlag immer noch nicht aufgewacht ist“.

Das sagte Nachum Afel, Vater von Yuval Afel, einem Soldaten, der bei Schiloh vor rund zwei Wochen von einem Terroristen überfahren wurde. Jeder hofft (und betet) und erwartet gute Nachrichten – dass Yuval die Augen öffnen wird, auf seinen eigenen Beinen steht und seinen Vater umarmt.

Wer sind hier die Einheimischen?

Vic Rosenthal, Abu Yehuda, 21. August 2015

Ergreift des weißen Mannes Bürde
die bestialischen Kriege des Friedens
füllt den hungrigen Mund
und bekämpft die Krankheit,
und wenn euer Ziel ganz nah ist,
das Ziel, das ihr für andere erstrebt habt,
seht zu, wie Trägheit und heidnischer Wahn
all eure Hoffnung zunichte machen.
Rudyard Kipling, 1899

Neulich sprach ich mit Freunden und die Diskussion wandte sich der einzigartigen Lage Israels als Nationalstaat zu, der seine Existenz ständig rechtfertigen muss. Andere Länder mögen in Kämpfe darüber verwickelt sein, wer der Diktator, Präsident oder regierende Partei sein wird, aber mir fällt kein anderes Land ein, dessen Sein umstritten ist.

Beispielsweise forderte letztes Jahr der „Oberste Revolutionsführer“ des Iran, Ali Khamenei, die Vernichtung des „barbarischen, wölfischen und Kinder mordenden Regimes von Israel“ und die Zerstreuung der Juden, die von anderswo nach Israel eingewandert waren.

Alle Urvölker Palästinas, einschließlich der Muslime, Christen und Juden, wo immer sie sind, in Palästina oder in Flüchtlingslagern in anderen Ländern oder einfach irgendwo anders, nehmen an einem öffentlichen Referendum teil. Natürlich haben die jüdischen Einwanderer, die überzeugt wurden nach Palästina zu emigrieren, kein Recht an dem Referendum teilzunehmen…

Die folgende Regierung … wird entscheiden, ob die nicht palästinensischen Einwanderer .. weiterhin in Palästina leben dürfen oder in ihre Heimatländer zurückkehren sollten.

Das ist aufschlussreich, denn es entlarvt das Narrativ, das den meisten antiisraelischen Argumenten zugrunde liegt. Sie wissen schon – wenn Sie sagen: „Israel ist nach dem internationalen Recht völlig legitim“ und sie sagen: „Wen juckt das? Ihr habt palästinensisches Land gestohlen und die Ureinwohner kolonisiert.“

Das ist das, was die Diskussion immer beendet. Israel ist schwulenfreundlich? Wen kümmert es, ihr bringt das nur auf, um uns von euren Verbrechen am palästinensischen Volk abzulenken. Israel ist eine Demokratie? Wen kümmert es, es ist auf dem Grundeigentum von jemand anderem gebaut. Denn von Israel heißt es, es sei ein „Siedler-Kolonialstaat“, ein europäischer Eindringling, der von einem Volk des Nahen Ostens schmarotzt – wir haben kein moralisches Recht hier zu sein.

Im 19. Jahrhundert wurde Kolonialismus als legitim angesehen. „Ergreift des weißen Mannes Bürde“ schrieb Kipling und tut den Eingeborenen einen Gefallen, trotz ihrer so oft gewalttätig zum Ausdruck gebrachten Undankbarkeit. Aber heute gibt es keine größere nationale Sünde als die Ausbeutung eines Ureinwohner-Volks.

Es gibt nur eine kleine Schwachstelle in diesem von den Linken und Akademikern so geliebten Beweis: Das jüdische Volk ist das der Ureinwohner im Land Israel und die sogenannten „Palästinenser“ sind die Kolonisatoren, Invasoren und Besatzer des Landes eines anderen Volkes. Wie so viel an ihrer Rhetorik ist, dass die Araber sich in unserem Land als „einheimisch“ bezeichnen, eine Umkehr der Realität, ein Einsatz der Technik der Großen Lüge.

Hier ist eine moderne Definition von „eingeborenem Volk“ (aus Jose R. Martinez Cobo):

Eingeborene Gemeinschaften, Völker und Nationen sind diejenigen, die eine historische Kontinuität mit Gesellschaften vor einer Invasion und vorkolonialen Gesellschaften haben, die sich auf ihrem Territorium entwickelten, sich als unterschiedlich von anderen Teilen der Gesellschaften betrachten, die heute auf diesen Territorien oder Teilen davon herrschen. Sie bilden aktuell nicht dominierende Sektoren der Gesellschaft und sind entschlossen zukünftigen Generationen die Territorien und ihre ethnische Identität zu erhalten, zu entwickeln und weiterzuvererben, als Basis ihrer fortbestehenden Existenz als Volk, im Einklang mit ihren eigenen kulturellen Strukturen, sozialen Institutionen und Rechtssystemen.

Diese historische Kontinuität kann aus der Fortsetzung eines oder mehrerer der folgenden Faktoren bestehen, die über einen längeren Zeitraum, der in die Gegenwart reicht:

  • Besatzung der ererbten Ländereien oder mindestens eines Teils davon.
  • Gemeinsame Ahnenschaft mit den ursprünglichen Bewohnern dieser Ländereien.
  • Kultur im Allgemeinen oder in bestimmten Erscheinungsformen (wie Religion, leben in einem Stammessystem, Mitgliedschaft in einer indigenen Gemeinschaft, Kleidung, Mittel zum Lebensunterhalt, Lebensweise usw.).
  • Sprache (ob als einzige Sprache oder als Muttersprache genutzt, als gewohnheitsmäßiges Kommunikationsmittel Zuhause oder in der Familie oder als hauptsächliche, bevorzugte, gewöhnliche oder normale Sprache).
  • Wohnsitz in bestimmten Teilen des Landes oder in bestimmten Regionen der Welt.
  • Andere relevante Faktoren

Das jüdische Volk in Israel bewohnt sein angestammtes Land und hat eine gemeinsame Vorfahrenschaft mit den einzigen „ursprünglichen Einwohnern‘, die noch als Volk existieren. Es gibt keine Philister mehr, keine Jebusiten, Hetiter usw. (trotz all der Fantasien der Araber). Es gibt immer noch Juden, mit einer Religion, Kultur und Sprache, deren Verbindung zu den ursprünglichen Einwohnern gut belegt ist.

Es stimmt, dass die jüdische Bevölkerung Israels und Judäas im Verlauf der Jahrhunderte schwankte, während Römer, Araber, Osmanen, Briten usw. in das Land eindrangen und es kolonisierten. Aber die Kontinuität war ungebrochen, während das jüdische Volk die Wechselfälle eines indigenen Volks erlitt, das von Kolonialmächten unterdrückt wird. Einige Juden blieben im Land und andere gingen überall in die Welt ins Exil, aber unser Volk sein bestand fort.

Die Araber betrachten westliche Unterstützung der Gründung des jüdischen Staates als widerrechtliche kolonisatorische Aneignung ihrer Eingeborenenrechte. In Wirklichkeit war es die Anerkennung – durch Balfour und weitere – des wahrhaften Eingeborenenstatus des jüdischen Volks, der die Formalisierung des Rechts des jüdischen Volks auf das Land vom Fluss bis zum Meer rechtfertigte, was schließlich im Mandat für Palästina zum Ausdruck kam.

Das Mandat konkretisierte zum ersten Mal unser moralisches Recht auf das Land als dessen historische Eigentümer als juristischer Anspruch gemäß dem internationale Recht. Es ist ironische, dass Israel, dessen Existenzrecht als umstritten betrachtet wird, tatsächlich stärkere moralische und juristische Berechtigung auf seine Souveränität hat als andere – wie Jordanien, das tatsächlich durch koloniale Anordnung geschaffen wurde; oder Saudi-Arabien, das das Ergebnis von gewaltsamer Eroberung ist.

Auf der anderen Seite sind die sogenannten „Palästinenser“ – obwohl sie wilde Behauptungen aufstellen von den „ursprünglichen“ Einwohnern wie Kanaanitern oder Philistern abzustammen – in erster Linie Nachkommen von Leuten, die in das Land einwanderten, von denen einige wenige bis zur arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert zurückreichen. Die meisten von ihnen kamen jedoch erst nach Mohammed Alis Feldzug aus Ägypten nach Syrien um 1830; und die Zuwanderung nahm zu, nachdem die Zionisten in den 1880-er Jahren anfingen das Land zu verbessern und zu entwickeln.

Jüdischer Nationalismus hat es Tausende Jahre lang gegeben. Aber ein richtig „palästinensisches“ Bewusstsein entwickelte sich bei den Araber in der Region erst, als sie anfingen sich allem entgegenzustellen, was sie als drohende jüdische Souveränität im frühen 20. Jahrhundert betrachteten; und selbst dann gründete ein Großteil der Opposition zu einem jüdischen Staat auf einem weit diffuserem arabischen Nationalismus. Ein ausgeprägt palästinensisches Volk kam nicht vor Mitte der 1960-er Jahre mit dem Beginn der PLO auf. Und das zentrale Dogma der „palästinensischen“ Kultur ist ihr gewalttätiger Hass auf und Kampf gegen die jüdische Eigenstaatlichkeit.

Yassir Arafat und andere haben ihr Bestes getan den jüdischen Ursprung aus dem Land Israel zu bestreiten; sie behaupteten, es habe keine jüdischen Tempel in Jerusalem gegeben und so weiter. Aber die archäologischen Beweise – die weiterhin entdeckt werden – sind überwältigend, trotz pseudoakademischer Versuche sie zu entkräften.

Bedauerlicherweise sind es nicht nur unsere Feinde, die dieses auf den Kopf gestellte Narrativ indigener Araber und kolonisierender Juden übernommen haben. Wenn unsere eigenen Regierung ihr Argumentation für die fortgesetzte Präsenz in Judäa und Samaria auf Sicherheitserwägungen abstellt, statt auf unsere moralischen und juristischen Rechte auf das Land, dann ist das so, als würde jemand dein Auto stehlen und dann fordern es behalten zu können, weil er ein Auto braucht, um damit zur Arbeit zu fahren.

Wenn unsere eigenen Regierung der Einschränkung von Bautätigkeit in bestimmten Teilen des Landes Israel zustimmt oder zustimmt, dass jede „Siedlung“, die wir nach einer Friedensvereinbarung behalten, gegen andere Teilstücke des Landes eingetauscht wird, dann ist die Folge, dass wir das Land nicht wirklich besitzen, obwohl wir es kontrollieren. Aber während wir sicherlich entscheiden können, dass wir im Interesse des Friedens das Recht auf einiges von unserem Land aufgeben – unter Annahme, dass das möglich ist – sind wir moralisch nicht dazu verpflichtet.

Die Europäer mit ihrer langen Geschichte als koloniale Unterdrücker bestehen selbstgefällig darauf, dass wir moralisch dazu verpflichtet sind einen Teil unseres Landes (oder alles) abzugeben. Wir sind aber nicht sie. Obwohl einige unserer Vorfahren in Europa und an anderen Orten im Exil waren, gaben wir im Exil nicht auf ein Volk zu sein. Wir gehören zum Land Israel und es gehört zu uns.

Die Zionisten kamen nicht als Kolonisatoren aus Europa nach 1945 und enteigneten das lange verwurzelte palästinensische Volk, wie ihr Narrativ uns erzählt. Die wahre Geschichte lautet, dass es die Juden sind, die immer hier waren, ein unterdrücktes und kolonisiertes indigenes Volk wie viele andere. Etwas, das uns allerdings von anderen unterscheidet, ist, dass wir die europäischen Kolonisatoren erfolgreich hinauswarfen und die Selbstbestimmung erreichten, die das höchste politische Ziel eines indigenen Volks ist.

Jetzt ist es an uns es gegen diejenigen, wie Khamenei, zu behalten, die ihm ein Ende setzen möchten.