Jüdisch sein ist, was immer du es sein lassen willst – außer jüdischem Nationalbewusstsein

Elder of Ziyon, 8. April 2021

Ich twitterte neulich das hier:

„Ich drücke mein Jüdisch sein über tikkun olam aus!“

„Klasse!“

„Ich drücke meines über alte jiddische Theaterstücke aus.

„Fantastisch!“

„Bei mir Jüdische Küche!“

„Sagenhaft!“

„Meines läuft über Zionismus!“

„Wie kannst du es wagen Zionismus mit Judentum zu verbinden!“

Mein Punkt ist, dass die Anti-Israel-Truppen es lieben von ihrem jüdischen Erbe zu reden, das alles vom Essen von Bagels bis zur Erforschung des Feuers in der Triangle-Shirtwast-Fabrik sein kann. Das ist für sie alles Teil der Darstellung des Judentums.

Aber für Leute, die jüdisches Nationalbewusstsein als integralen Bestandteil ihres Judentums betrachten, hat ihre ausgedehnte Definition dessen, was Jüdisch sein bedeutet, hier seine Grenze.

Sie würden jeden, der irgendeinen Aspekt ihres Jüdisch seins attackiert, als antisemitisch bezeichnen, aber den jüdischen Staat oder jüdisches Nationalbewusstsein angreift, ist nicht antisemitisch – im Gegenteil, sie finden das lobenswert.

So sehr sie versuchen vorzugeben, dass der Zionismus irgendwie nichts mit dem Judentum zu tun hat, können sie scheinbar nicht erklären, was ihre Grenzen dafür sein, was jüdisch ist. Und für Leute, die andere beschuldigen sie als Juden zu auszugrenzen, ist das mehr als ein wenige scheinheilig.

„Das Historische Palästina“ – ein irreführender Anachronismus

Aslo Aizenberg, HonestReporting, 29. März 2021

Das „historische Palästina“ ist ein landläufig verwendter Begriff, wenn der arabisch-israelische Konflikt diskutiert wird. Die Wendung suggeriert, dass in der Vergangenheit eine als Palästina bekannte Nation existierte, wobei das Wort „historisch“ den Eindruck vermittelt, dass diese Nation in der Region tief verwurzelt ist und damit einen natürlichen Anspruch hat in Form eines modernen Staats namens Palästina wiederbelebt zu werden. Indem auf das Land so ohne Erwähnung jüdischer Geschichte verwiesen wird, wird auch subtil angedeutet, dass jüdische Präsenz in der Region fremd ist.

Dieser Artikel diskutiert die Herkunft und Evolution der Verwendung von „Palästina“ als Ortsname und dass aktuelle Vorstellungen des „historischen Palästina“ allesamt auf einem falschen Verständnis der geografischen und politischen Historie der Region beruhen.

Das historische Palästina im heutigen Gebrauch bezieht sich auf das Territorium, das jetzt Israel, die Westbank und den Gazastreifen umfasst. Hier sind mehrere markante Beispiele der Verwendung des Begriffs.

  • Saeb Erekat, Chefunterhändler der palästinensischen Autonomiebehörde, erkärte in einem im Mai 2019 in der New York Times veröffentlichten Kommentarartikel, die Palästinenser würden Israel in den „Grenzen von 1967, gleichbedeutend mit 78 Prozent des historischen Palästina“ anerkennen.[i] Auf welches „historische Palästina“ bezog sich Erekat und umfasst Israel wirklich 78% dieses „historischen“ Territoriums?
  • Die Columbia Journalism Review veröffentlichte im Januar 2019 einen Artikel mit der Überschrift „Palstinensische Bürger Israels kämpfen darum ihre Geschichte zu erzählen“, in der der Autor behauptete: „Das historische Palästina unter osmanischer und britischer Kontrolle hatte eine blühende arabische Presse.“[ii] War Palästina jemals ein Territorium unter osmansicher Kontrolle?
  • Ein Artikel im The Washington Report vom Juni 2019 zu Nahost-Angelegenheiten über Trumps „Deal des Jahrhunderts“ für den Frieden im Nahen Osten erklärt, dass der Deal dem „neue Palästina“ die Verantwortung „über 12 Prozent des historischen Palästina“ überlassen könnte.[iii] Welches Gebiet des Landes wurde verwendet, um bei dieser Zahl anzugelangen?
  • Präsident Abbas stellte im November 2012 in seiner Rede vor den Vereinten Nationen Folgendes fest: „Die Zweistaatenlösung, d.h. der an der Seite des Staates Israel koexistierende Staat Palästina, repräsentiert den Geist und das Wesen des historischen Kompromisses, der in der Prinzipienerklärung von Oslo verkörpert wird, der vor 19 Jahren zwischen der Palästinenesischen Befreiungsorganisation (PLO) und der Regierung Israels unter der Schirmherrschaft der USA auf dem Rasen des Weißen Hauses unterschriebenen Vereinbarung, ein Kompromiss, bei dem das palästinensische Volk um des Friedensschlusses willen akzeptierte seinen Staat auf nur 22% des Territoriums des historischen Palästina zu gründen.“[iv] Ist diese Zahl von 22% akkurat?

Geografische Geschichte des Heiligen Landes

Palästina, oder offiziell „Provinica Syria Palaestina“, war ein von den Römern 135 n.Chr. erfundener Name als Ersatz für „Judäa“, im Versuch, nach der Niederlage Bar Kohbas bei der jüdischen Rebellion gegen das römische Reich alle Bezeichnungen des Judentums in der Region zu verdrängen. Ebenso wurde Jerusalem offiziell in Aelia Capitolina umbenannt. Im vierten Jahrhundert wurde die Provinz in drei kleinere Einheiten aufgeteilt: Palaestina Prima, Palaestina Secunda und Palaestina Tertia (s. Karte A). Beachten Sie, dass die neuen Provinzen horizontal organisiert waren und Gebiete auf beiden Seiten des Jordan umfassten.

Karte A. Das römische Palästina

Im frühen siebten Jahrhundert kam in Arabien der Islam auf und muslimische Armeen begannen große Teile des Nahen Ostens zu erobern, darunter im Jahr 640 n.Chr. die drei „Palaestinas“. Die muslimischen Eroberer behielten die römisch-byzantinische Teilung der Region weitgehend bei: Paleastina Prima wurde in „Jund Filastin“ (Militärdistrikt Filastin) umbenannt und Palaestina Secunda wurde nach dem Jordan in „Jund Al-Urdunn“ umbenannt. Palaestina Tertia hörte auf ein eigener Distrikt zu sein und wurde Teil des Wüstenterritoriums im Süden. Jund Filastin und Jund Al-Urdunn umfassten zwei von fünf Provinzen (dazu gab es Jund Dimaschk, Jund Hims und Jund Kinnasrin), die eine größere geografische Region bildeten, die auf Arabisch als „Esch-Scham“ oder „Bilad al-Scham“ bekannt war. Bilad al-Scham bedeutete „Land der linken Hand“, im Gegensatz zu „Bilad al-Yaman“, was „Land der rechten Hand“ bedeutete. Wenn man in Mekka oder Medina stand und nach Osten schaute, lag Bilad al-Scham zur Linken oder im Norden, während Bilad al-Yaman rechts oder im Süden lag. „Esch-Scham“ bezog sich auch auf die Stadt Damaskus und seine weitere Bedeutung war, dass die gesamte Region von Damaskus aus regiert wurde. Esch-Scham wurde später mit „Syrien“ und dem Konzept von „Großsyrien“ assoziiert, was weiter unten diskutiert wird.

Esch-Scham und die Jud-Distrikte bleiben bis zur Eroberung durch die christlichen Kreuzritter 1099 in Kraft. Das neu geformte Lateinische Königreich Jerusalem begann als kleines Territorium, weitete sich dann allmählich aus, um ein Gebiet zu umfassen, das sich in seiner größten Ausdehnung von einem Punkt nördlich von Beirut bis zur Wüste Sinai und auf beiden Seiten des Jordan erstreckte, wie Karte B zeigt. Die christlichen Herrscher nannten keine Provinz oder Bezirk Palästina. Im Verlauf der nächsten zwei Jahrhunderte führte eine Serie von miltärischen Aktionen mit einem Hin und Her zwischen Muslimen und Christen zu fließenden Grenzen, aber am Ende des dreizehnten Jahrhunderts wurden die Kreuzritter von den Mameluken komplett vertrieben. Die Kreuzritter-Periode und die Gründung des Lateinischen Königreichs Jerusalem flößten innerhalb der christlichen Welt ein Bewusstsein des heiligen Landes als einer geografischen Einheit ein und verstärkten religiöse Zuordnungen mit der Region, die bis ins 19. und 20. Jahrhundert weitergetragen wurden.


Karte B: das Lateinische Königreich Jerusalem

Die Mameluken blieben die nächsten Jahrhunderte in Kontorolle und führten neue geografische Einteilungen ein; sie benannten Provinzen entsprechend ihrer Hauptstädte. Die meiste Zeit dieser Periode war das Land beiderseits des Jordan in sechs Distrikte eingeteilt, deren Hauptstädte in Gaza, Hebron, Jerusalem, Ludd, Nablus und Qaqun (eine Stadt nördlich von Jaffa) waren. Wie bei früheren muslimischen Reichen wurden diese Distrikte als Teil eines größeren Territoriums Esch-Scham/Bilad al-Scham betrachtet, deren Zentrum Damaskus war. Die Mameluken nannten keinerlei Territorium Palästina/Filastin, das inzwischen wenig andere Bedeutung hatte als der frührere Name einer Provinz des lange untergegangenen christlichen, römisch-byzantinischen Imperiums zu sein.

1516 wurden die Mamluken von einem weiteren muslimischen Imperium abgelöst, dem der osmanischen Türken, die aus Kleinasien kamen. Die Türken führten neue gegrafische Bezeichnungen für ihre Eroberungen ein; sie teilten das Territorium in Verwaltungsprovinzen ein, die als Eyalets bekannt waren. Anfangs wurde der größte Teil des Territoriums, das heute Syrien, den Libanon, Jordanien, Israel, die Westbank und den Gazastreifen ausmacht (die als die „modernen Staaten“ bezeichnet werden können) in das einzelne Eyalet Sam eingegliedert, das allgemein der armen Region entsprach, die man als „Esch-Scham“ kannte. Einmal mehr war es so, dass die Osmanen keinerlei Territorium als Palästina/Filastin bezeichneten, obwohl die Osmanen natürlich die Geschichte der Region und ihre alten Namen kannten. Palästina war zudem für Juden ein irrelevanter Name geworden, sie zogen “Eretz Israel” (Land of Israel) vor; gleiches gilt für die Araber und Muslime, die weiterhin von Esch-Scham sprachen. Selbst bei Christen war Palsätina ein verlorener Name für den Großteil des osmanischen Gebiets, da sie es vorzogen die Region das „Heilige Land“ oder „Judäa“ zu nennen.

Die Verwaltungsgrenzen und Namen der Eyalets veränderten sich im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals und im frühen 19. Jahrhundert wurde das Eyalet Sam in drei neue Eyalets aufgeteilt: Aleppo, Sidon und Damaskus. Die Gegend, die üblicherweise mit dem Heiligen Land assoziiert wird, bestand im Großen und Ganzen aus den Eyalets Sidon und Damaskus, also wurde die Verwaltung vom heutigen Libanon und Syrien aus gehandhabt. 1864 verfügten die Osmanen eine weitere Neuorganisation der Verwaltung, die die alten Eyalets zugunsten neuer Provinzen abschaffte, die Vilayets hießen, die dann weiter in Unterbezirke aufgeteilt wurden, die Sanjaks hießen. Jedes Vilayet wurde von einem Vali oder Generalgouverneur und jeder Sanjak wurde von einem Mutesarrif regiert. Die Neuorganisation schuf ein neues Vilayet Suriya (die arabische Form von Syrien), das im Wesentlichen eine Union der früheren Eyalts Sidon und Damaskus war, wobei der Vali in Damaskus saß, das den Großteil des Territoriums dser modernen Staaten umfasste. Die Gründung dieser Provinz war das erste Mal, dass der Name „Syrien“ von den Osmanen offiziell verwendet wurde, um ein Gebiet zu benennen.

Weniger als ein Jahrzehnt später, 1873, führten die Osmanen eine weiterte Verwaltungsänderung bei den Bezirken ein, indem ein Teil des Vilalyet Suriya genommen wurde, um daraus eine Provinz namens „Mutasarrifiya Jerusalem“ zu machen. Eine Mutasarrifiya (oder Mutessariflik) war eine Provinz ähnlich einem Vilayet mit einem Gouverneur, der direkt dem Sultan unterstand. Der Sultan schuf diese Provinz mit Hauptquartier in Jerusalem, das ihm direkt unterstand, weil die heilige Stadt in der Weltpolitik immer wichtiger wurde, hauptsächlich infolge des zunehmenden europäischen Interesses an der Region. 1888 wurde das Vilayet Suriya mit der Schaffung eines neuen Vilayets Beirut weiter verkleinert; das Vilayet Beirut enthielt fünf Sanjaks: Latakia, Tripoli, Beirut, Akko und Nablus. Diese Verwaltungstrukturt, wie Karte C sie zeigt, blieb bis zum Ersten Weltkrieg allgemein stabil.[v] Der lila Bereich zeigt das verkleinerte VIlayet Syrien, die neue Mutasarrifiya Jerusalem ist rosa. Das neue Vilayet Beirut liegt nördlich der Mutasarrifiya Jerualem in orange. Mit dieser Organisation waren Bereiche, die normalerweise als Teil Palästinas gelten – z.B. Nablus, Haifa und Akko – Teil der Provinz Beirut, was nicht ungewöhnlich ist, weil die Osmanen zwischen Bereichen im heutigen Norden Israels und dem Süden des Libanon keinen Unterschied machten. Die einzige Gemeinsamkeit durch die ganzen Verwaltungsänderungen unter osmanischer Kontrolle hindurch besteht darin, dass Palästina als Ortsname niemals in Betracht kam, nicht einmal für eine kleinere Verwaltungseinheit wie einen Sanjak. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war „Palästina“ als Ort fast ein Jahrtausend lang nicht mehr existent, ein Überbleibsel antiker römischer Herrschaft.[vi]

Karte C: Osmanische Verwaltungseinheiten (Vilayets) 1903

Karte C (2)

Palästina: Pflege eines antiken Namens

Selbst unter den osmanischen Türken, die die Region Jahrunderte lang kontrollierten und ihre eigenen politischen Grenzen unterhielten, die den lange ausgestorbenen Ort namens „Palästina“ nicht enthielten, und obwohl niemand in der Region sich als „Palästinenser” betrachtet hätte, kam der Begriff im 19. Jahrhundert wieder in Gebrauch – aber nicht durch die Araber oder jüdische Einwohner der Region oder die herrschenden Osmanen, sondern durch Christen aus dem Ausland. Irgendwann in der europäischen Renaissance mit ihrem erneuerten Interesse an der klassischen Welt, kam wieder christliches Interesse an dem römischen Namen „Palaestina“ auf, später gestärkt durch Napoleons Vorstoß in den Nahen Osten im Jahr 1799. Obwohl er von den Osmanen, Juden, Muslimen, Arabern und sogar den meisten Christen lange schon ausrangiert wurde, wurde der Jahrhunderte alte Name für das alte römische Land Jesu und der Bibel wieder aktuell.[vii]

Der erste Versuch ein eingenes Gebiet namens „Palästina“ präzise zu kartieren und abzugrenzen wird normalerweise Pierre Jacotin, einem Mitglied der Entourage Napoleons, zugeschrieben und kurz nach der Expedition veröffentlicht. Im 19. Jahrhundert wurden viele weitere Landkarten produziert, aber die Version mit der höchsten Qualität wurde 1878 vom Palestine Exploration Fund veröffentlicht. Diese Landkarten hatten wenig mit der Wirklickeit der tatsächlichen politischen Grenzen gemein, die von der türkischen Obrigkeit etabliert wurden und gründeten stattdessen auf Vorstellungen eines Gebiets, das in der Bibel umrissen war. Ein Gelehrter der Geografie der Region  des 19. Jahrhunderts erklärte: „… diese Kartographen waren vielleicht mehr damit beschäftigt das Buch Josua zu illustrieren als daran, zukünftigen Historikern des osmanischen Reiches zu helfen…“[viii] Wie man erwarten konnte, varriierten die Karten zudem beträchtlich, da die Kartografen unsicher waren, wie das Territorium auf Grundlage von nur verbalen Beschreibungen in antiken Texten gezeigt werden sollte. Ein Beispiel findet sich in Karte D, die 1892 in Deutschland veröffenlicht wurde. Sie zeigt Palästina sowie eingeklinkt die antiken Stämme Israels und das Hochland von Judäa.[ix] Die Encyclopedia Britannica von 1911 beschreibt die Unklarheit dieses schwammigen Ortes namens Palästina:

PALÄSTINA, ein geografischer Name, der eher lose verwendet wird. Etymologische Genauigkeit würde erfordern nur den schmalen Küstenstreifen so zu bezeichnen, der einst von den Philistern besetzt war, von denen der Name abgeleitet ist. Er wird jedoch herkömmlicherweise als Name für ein Territorium verwendet, das im Alten Testament als Erbteil der Hebräer vor dem Exil angegeben wird; somit könnte allgemein gesagt werden, dass es sich um das südliche Drittel der Provinz Syrien handelte. Außer im Westen, wo das Land ans Mittelmeer grenzt, kann die Grenze des Landes auf der Karte nicht als definitive Linie festgelegt werden. Die modernen Unterteiliungen unter der Zuständigkeit des osmanischen Reichs sind keineswegs deckungsgleich mit denen der Antike und bieten daher keine Grenze, nach der Palästina genau vom Rest Syriens im Norden oder von der Sinai bzw. der Arabischen Wüste im Süden und Osten getrennt werden kann; es gibt auch keine Aufzeichnungn antiker Grenzen, die ausreichen, um die vollen und eindeutigen Grenzen angeben, um die komplette Grenzziehung für das Land möglich macht… Nimmt man als Anhaltspunkt die natürlichen Gegebenheiten, die diesen Gegebenheiten am besten entsprechen, dann können wir Palästina als den Streifen Land beschreiben, der sich entlang des Ostufers des Mittelmeers von der Mündung des Flusses Litani oder Kasimiya (33° 20‘ N) nach Süden bis zur Mündung des Wadi Ghuzza erstreckt; Letzteres stößt bei 31° 28‘ N, etwas südlich von Gaza, ans Meer und verläuft dann in südöstlicher Richtung, so dass es an seiner nörldichen Seite den Ort Beersheba einschließt. Nach Osten gibt es eine solche Grenze nicht. Es stimmt, dass der Jordan eine Abgrenzungslinie zwischen dem westlichen und dem östlichen Palästina bildet; aber es praktisch nicht zu sagen, wo letzteres endet und die Arabische Wüste beginnt. Vielleicht ist die Linie der PIlgerstraße von Damaskus nach Mekka die geeignetste mögliche Grenze.

Wie in dieser maßgeblichen, in Großbritannien veröffentlichten Enzyklopädie veröffentlicht, gehörten zu Palästina Teile des heutigen Südliblllanon und Territorium östlich des Jordan, aber wenig von der Wüste Negev.

Karte D: In Deutschlanad veröffentlichte Landkarte Palästinas, 1892

Das historische Palästina: ein Anachronismus

Die tatsächliche politische Geografie der Region wurde in den meisten Weltatlanten akkurat dargestellt, korrekt in Karten des osmanischen Reichs der Türkei einbezogen oder genauer der „asiatischen Türkei“ (wie schon in Karte C gezeigt), gegenüber der „europäischen Türkei“. Diese Landkarten zeigen korrekt die osmanischen Einteilungen, ohne dass Palästina zu finden war, weil es nicht existierte. Seltsamerweise, aber entsprechend dem biblischen Interesse am Heiligen Land seitens Christen in Europa und Amerika, beinhalteten dieselben modernen Weltatlanten neben der der osmanischen Türkei zusätzlich eine Karte von „Palästina“, wie man an disem Beispiel von Rand, McNallys „Geschäftsatlas“ sehen kann, der 1892 veröffentlicht wurde (s. Karte E, ähnlich dem deutschen Beispiel in Karte D).[x] Diese kuriose Entscheidung wäre ähnlich einem Weltaltas von 2019, der zum Beispiele eine Landkarte des modernen Irak wiedergibt und dann auf einer anderen Seite eine Landkarte des antiken Sumer zeigt – ohne dass eine andere antike Landkarte oder untergeganger Geograife irgendeines anderen Landes angeboten wird. Warum gaben diese zeitgenössischen Atlas-Verlage eine Karte Palästinas an, die auf die Römerzeit zurückging? Wegen des Glaubens, dass das Land Jesu ein Lese-Muss war, selbst in einem Atlas, der sich der Darstellung der modernen Welt widmete.

Karte E: In den USA veröffentlichte Lankarte Palästinas, 1892

Viele moderne Historiker haben diesen Anachronismus übernommen, beschreiben oder zeigen manchmal Palästina, wie es angeblich während der Zeit der Osmanen erschien.[xi] All diese Darstellungen sind allerings fehlerhaft, da die Osmanen kein einziges Gebiet als Palästina bezeichneten oder den Namen in irgendeiner offiziellen Funktion verwendeten.[xii] Leider ist es Brauch geworden die heutige typische Definition des „historischen Palästina“ (d.h. des Gebiets, das das heutige Israel, die Westbank und dne Gazastreifen umfasst) über die Landkarten des osmanischen Reichs zu legen, womit der falsche Eindruck vermittelt wird, die Definition von heute gründe auf irgendeine Weise auf osmanischer Geografie.

Die Briten und Franzosen sollten später das osmanische Vilayet-System ebenfalls ignorieren; stattdessen zerstückelten sie die Region einzig auf Grundlage der Bedürfnisse der beiden Mächte. Bemerkenswert ist: Als die Briten nach dem Ersten Weltkrieg mit den Franzosen über die Grenzen des neuen Mandats Palästina verhandelten, gründete die ursprüngliche britische Haltung auf der vagen biblischen Benennung des Landes Israels als „von Dan bis Beersheva“ (1. Samuel 24,2) liegend. Gideon Berger, ein bekannter Erforscher der Geografie der Region, erklärt: „Diese biblische Formel, die von den die Bibel kennenden Briten vorgetragen wurde, ist schnell zur zentralen Formel bei der Festlegung der zukünftigen Grenzen Palästinas geworden.“[xiii]

Diese in der heutigen Diskussion über den Konflikt beschworenen, von oden Europäern des zwanzigsten Jahrhunderts geschaffenen Grenzen werden heute als langjährig und heilig behandelt, während die osmanischen Benennungen eine lange zurückliegende Erinnerung. Ein weiterer Kernfehler in der heutigen Verwendung von „historisches Palästina“ ist, dass die gebräuchliche Definition Gebiete östlich des Jordan ausschließt, obwohl die ganze Geschichte hindurch, von der römisch-byzantinischen Zeit bis ins 19. Jahrhundert, Landkarten bis zur ursprünglichen Bildung des britischen Mandats Palästina, Teile des modernen Jordanien IMMER als Teil Palästinas betrachtet wurden.

Es ist in Wirklichkeit „das historische Syrien“

Während sich die Begrifflichkeiten des heiligen Landes oft auf Palästina konzentirerten, ist es für das Verständnis der geografischen Geschichte der Region wichtig die Verwendung und Geografie von Syrien zu verstehen. Genau genommen übernahmen die Osmanen „Syrien“ als den Namen für eines ihrer Vilayets, das die Jahrhunderte alte Bezeichnung der Region als „Esch-Scham“ ersetzte. Über den Einfluss der christlich-arabischen Literatur und westeuropäischer Verwendung während des 19. Jahrhunderts kam es dazu, dass die moderne arabische Form von Syrien (oder „Suriya“) in regelmäßigen Gebrauch kam und Ende des Jahrhunderts ersetzte er selbst im muslimisch-arabischen allgemeinen Gebrauch Esch-Sham oder Bilad al-Scham. Die modernen Staaten, einschließlich Israls, waren eigentlich alle Teil dessen, was besser als das „historische Syrien“ oder seinem früheren Gegenstück Esch-Scham beschrieben würde, nicht als „historisches Palästina“, eine Tatsache, die in der heutigen Diskussion über den Nahen Osten komplett verloren gegangen ist. Eine ausgezeichnete Darstellung davon, wie die Region allgemein als Syrien bekannt war, findet sich in Karte F, veröffentlicht vom französischen Geografen Vital Cuinet im Jahr 1896, die das Vilayet Syrien und die osmanischen Verwaltungseinheiten zeigt.

Karte F: Das osmanischei Syrien

Die damalige lokale arabische Bevölkerung hätte ebenfalls allgemein die gesamte Region als Syrien und sich selbst als „Syrer“ (oder nach dem früheren Namen Esch-Scham/Bilad al-Scham) bezeichnet, wie sie es in den aufeinander folgenden muslimischen Reichen viele Jahrhunderte lang gemacht hatten. Diese präzise Erinnerung an „Groß-Syrien“ dauerte Jahrzehne lang, wie es Faiz El-Khouri, Minister der syrischen Gesandtschaft in Washington in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 14. Mai 1947 zur Palästina-Frage ausdrückte:

… Ich möchte der Vollversammlung gerne erklären, wie die Position Syriens in Bezug auf Palästina aussieht. Ich denke, die meisten von Ihnen, wenn nicht alle, wissen, dass Palästina eine syrische Provinz war. Es gibt dort geografische, historische, rassische und religiöse Verbindungen. Es gibt nicht einen einzigen Unterschied zwischen den Palästinensern und den Syrern und ohne die Balfour-Erklärung und die Bestimmungen des Mandats wäre  Palästina heute eine syrische Provinz, wie sie das früher immer war.[xiv]

Ein früheres Beispiel der Verbindungen zu Syrien ist in einer Resolution des Ersten Kongresses der Muslimisch-Christlichen Gesellschaft zu finden, der im Januar 1918 in Jerusalem stattfand. Er wurde zusammengerufen, um arabische Delegierte für die erste Friedenskonferenz nach dem Ersten Weltkrieg auszuwählen. In der Resolution hieß es: „Wir betrachten Palästina als Teil des arabischen Syrien, da es von diesem zu keiner Zeit getrennt war. Wir sind mit ihm durch nationale, religiöse, sprachliche, natürliche, wirtschaftliche und geografische Bande verbunden.“[xv] Es gab eine deutliche Anerkenntnis, dass Palästina eine künstliche Schöpfung des christlichen Europa war und der Kongress es vorzog sich auf die lange bestehende Benennung der Region als Syrien zu konzentrieren.

Natürlich sind all diese Fakten im heutigen Diskurs verloren gegangen, mit einer Verschleierung der historischen Wirklichkeit, es habe ein eigenständiges sowohl ethnisches als auch geografisches palästinensisches Bewusstsein gegeben, das aber erst im 20. Jahrhundert aufkam. Syrien ist der bei weitem genauere Begriff, der auf die Menschen und die Geografie der Region angewendet werden sollte, wenn das Wort „historisch“ verwendet wird.

Die Bildung des modernen Palästina

Palästina als formell-politische Einheit entstand als Ergebnis von Handeln, das von den wichtigsten Alliierten Mächte nach dem Ersten Weltkrieg auf der im April 1920 abgehaltenen Konferenz von San Remo unternommen wurde. Die Resolution von San Remo mit Datum vom 25. April 1920 war das Dokument, das offiziell ein Mandat für Palästina schuf und den Briten die Kontrolle über das Gebiet übertrug. Die Resolution wies die „Mandatsmacht“, also die Briten, an, eine nationale Heimstatt für das jüdische Volk in der neuen Entität einzurichten; die Grundlage dafür war die zuvor ausgegebene Balfour-Erklärung.

Am 1. Juli 1920 setzten die Briten die in der Resolution von San Remo umrissenen Vereinbarungen um und beendeten die Militärverwaltung des Territoriums, das offiziell „Occupied Enemy Territory Administration“ (OETA) hieß. Palästina war geboren. Die ursprünglichen Grenzen des Mandats Palästina, wie sie von den Hauptmächten in der Region – Großbritannien und Frankreich – vereinbart waren, einschließlich des gesamten Territoriums, das heute Israel, Jordanien, die Westbank und den Gazastreifen beinhaltet. Die Briten wählten den Namen „Palästina“ in Übereinstimmung mit christlich-europäischer Tradition, wobei sie wiederum lokale Terminologie und osmanische Benennungen ignorierten. Als Zugeständnis an die jüdische Bevölkerung und in Bestätigung der Balfour-Erklärung fügten sie der hebärischen Form des Namens Palästina die Initialen „aleph“ und „yud“ (die für Eretz Israel standen, das „Land Israel“) hinzu. Im Verlauf der nächsten drei Jahre sollten ständige Verhandlungen mit den Franzosen und andere regionale Ereignisse zu beträchtlichen Veränderungen der Grenzen des Mandats Palästina führen. Diese modifizierten Grenzen sollten schließlich die Grenzlinien für die Staaten des heutigen Nahen Ostens und wiederum als scheinbar heilige historische Grenzen kanonisiert werden.

Während dieser Diskussionen zwischen den Mächten beschlossen die Briten aus Gründen, die über den Umfang dieses Artikels hinausgehen, einseitig 77% des den Briten in San Remo bewilligten Mandats Palästina herauszunehmen und unter die Kontrolle Abdallahs zu stellen, den sie den neuen Emir von Transjordanien nannten (siehe Karte G). Diese neue arbische Gebilde, das in Wirklichkeit Teil des „historischen Palästina“ war, wurde offiziell am 11. April 1921 aus der Taufe gehoben. Wie so oft wird dieses entscheidende Ereignis in der geografischen Geschichte der Region heute normalerweise ignoriert. Die meisten Diskussionen über den Konflikt erkennen nicht an, dass das moderne Jordanien ethnisch und geografisch immer das gleiche Gebiet gewesen ist wie Bereiche westlich des Jordan.

Karte G: das britische Mandat Palästina

Schlussfolgerung

Es ist schwer die alte Realität von unserer modernen Terminologie zu trennen und die sich ständig ändernden Ortsnamen zu organisieren. Zur Verwirrung trägt die Tatsache bei, dass christliche Fremde im 19. und frühen 20. Jahrhundert beschlossen antike Gebiete und Ortsnamen mit Grenzen wiederzubeleben und aufrechtzuerhalten, obwohl weder die aktuellen politischen Herrscher des Territoriums noch die örtlichen Einwohner für diese Ortsnamen eine Verwendung hatten. Hier sind die Schlüsselfolgerungen, die Teil des Diskurses zur Geschichte der Region werden sollten:

  • Palästina war ein Provinzname, der von den Römern im Jahr 135 n.Chr. eingeführt wrude, um „Judäa“ zu ersetzen und nach der Niederwerfung der jüdischen Rebellion alle anderen Spuren jüdischen Lebens in der Region zu ersetzen. Die muslimischen Eroberer im 7. Jahrhundert behielten den Namen „Filastin“, um eine Provinz zu bezeichnen, aber ab der christlichen Eroberung wurde der Name nicht mehr verwendet.
  • Die muslimischen Mameluken, die die Christen besiegten, bezeichneten keinerlei Territorium als Palästina/Filastin und genauso wenig machten es die osmanischen Türken, die die Region ab dem frühen 16. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg kontrollierten. Fast ein Jahrtausend lang wurde der Ortsname „Palästina“ nicht verwendet, ein lange vergessenes Überbleibsel römischer Herrschaft in der Antike.
  • Der Begriff „Palästina“ wurde von christlichen Europäern im 19. Jahrhundert wieder aufgrund seiner Verbindung zur Bibel und zum Land Jesu wieder regelmäßig verwendet. Weder die osmanischen Türken noch die örtlichen Bewohner verwendeten zu dieser Zeit den Begriff „Palästina“.
  • Europäer zeichneten im 19. und frühen 20. Jahrhundert Landkarten von „Palästina“auf Grundlage antiker biblischer Vorstellungen von dieser Region und steckten sie anachronistisch in moderne Atlanten des Gebiets, obwohl ein solches Gebilde nicht existierte. Die tatsächlichen Ortsnamen und Grenzen der Region waren in denselben Atlanten unter dem korrekten Titel „asiatische Türkei“ zu finden. Das wäre so, als würden Westler heute darauf bestehen den irak als historisches Sumer zu bezeichnen und Landkarten des antiken Sumer in zeitgenössischen Atlanten einbinden, ohne uralte Karten für irgendeinen anderen Staat.
  • Das Palästina während der Römerzeit, wie sie in von Europäern im 19. Jahrhundert erstlelten Landkarten und der Bildung des Mandats Palästina 1920 gezeigt wurden, schlossen immer Gebiet östlich und westlich des Jordan ein. Auch der südliche Libanon gehörte dazu, der sich historisch nicht von Bereichen in Nordisrael unterschied. Das wird von zahlreichen geografischen Studien der Region bestätigt, die im 19. Jahrhundert, von britischen Geografen geleitet durchgeführt wurden (z.B. veröffentlichte der Palestine Exploration Fund 1881 „An Introduction to the Survey of Western Palestine“, wo Westpalästina am Jordan endet und Ostpalästina auf der anderen Seite).
  • Das nach dem Ersten Weltkrieg unter britische Kontrolle gestellte Mandat Palästina entsprach der Tatsache, dass Palästina in all seinen Verkörperungen immer Territorium auf beiden Seiten des Jordan beinhaltete.
  • Als die Briten 1921 eigenmächtig beschlossen auf 77% des Territoriums des Originalmandats Transjordanien zu schaffen, behielten sie nur 23%, den Teil westlich des Jordan, unter dem Namen „Palästina“. Irgendwie wurde in den Jahrzehnten nach dieser Trennung die Vorstellung von „Palästina“ und dem „historischen Palästina“ nur auf Teile westlich des Jordan eingeschränkt.
  • Der Teilungsplan von 1947, der die Aufteilung des Mandats Palästina in einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat empfahl, gewährte dem jüdischen Staat etwa 56% des Territoriums – aber das waren nur 13% des ursprünglichen Mandats Palästina. Fakt ist, dass der Teilungsplan den Arabern pratisch zwei Staaten auf dem Mandat Palästina einräumte, die 87% des Originalmandats umfassten.
  • Nach dem Unabhängigkeitskrieg von 1948 weitete der neue Staat Israel sein Territorium auf etwa 78% des reduzierten Mandats Palästina aus, während die Westbank und der Gazastreifen sich auf 22% des Gebiets beliefen.
  • Als Abbas sagte, das palästinensische Volk werde um des Friedens willen einen Staat auf nur 22% des Territoriums des „historischen Palästina“ akzeptieren, lag er grob falsch. Da das historische Palästina notwendigerweise Gebiete östlich und westlich des Jordan einschließt, wie das ursprüngliche Mandat Palästina es akkurat widerspiegelte, beläuft sich das Land, das Jordanien, die Westbank und den Gazastreifen umfasst, heute 82% des Gesamtgebiets. Israel ist ein Staat, der am Ende einen Anteil von weniger als 15% des Mandats Palästina hatte.
  • Die meisten Leute verwenden heute die Grenzen des Mandats Palästina nach 1921 als ihre Definition des „historischen Palästina“, obwohl diese künstlich geschaffenen Grenzen in Wirklichkeit ahistorisch, neuer und künstlich geschaffen sind. „Mandat Palästina“ wäre ein genauerer Begriff gewesen und sollte von den Medien anstelle von „historisches Palästina“ verwendet werden.
  • In den heutigen Diskussionen wird vergessen, dass es weit genauer wäre die Region „historisches Syrien“ zu nennen, da die allgemeine Region des heutigen Israel, der Westbank, des Gazastreifens, Jordaniens, Syriens und des Libanon geografisch und ethnisch Teil einer politischen Einheit waren, die als Esch-Scham und später Syrien bekannt waren. Die lokale Bevölkerung hätte sich zudem nicht als Teil dieses Territoriums betrachtet. Ohne die Wiederbelebung des Namens Palästina durch das christliche Europa irgendwann im 19. Jahrhundert hätte sich sicher Syrien als Name der Region durchgesetzt, so wie es Jahrhunderte lang gewesen war. Das oben angeführte Zitat durch den Minister der syrischen Gesandtschaft in Washington von 1947 macht das deutlich.


Quellen:

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MacCoun, Townsend: The Holy Land in Geography and in History, Bd. II (MacCoun, New York, 1897).

Parkes, James: History of Palestine From 135 A.D. to Modern Times (Oxford University Press, New York, 1949).

Pitcher, Donald Edgar: An Historical Geography of the Ottoman Empire (E.J. Brill, Leiden, Netherlands, 1972).

Porath, Yehoshua: The Emergence of the Palestinian-Arab National Movement 1918-1929 (Frank Cass, London, 1974).

Richter, Julius: A History of Protestant Missions in the Near East (Fleming H. Revell Company, New York, 1910).

Zachs, Fruma: The Making of A Syrian Identity, Intellectuals and Merchants in Nineteenth Century Beirut (Brill, Leiden, 2005).


[i] Erekat, Saeb: Trump Doesn’t Want Peace. He Wants Palestinian Surrender. New York Times, 22. Mai 2019. https://www.nytimes.com/2019/05/22/opinion/trump-israel-palestinian-peace-plan.html

[ii] Berger, Miriam: Palestinian citizens of Israel struggle to tell their stories. Columbia Journalism Review, 11. Januar  2019. https://www.cjr.org/analysis/palestinian-citizens-of-israel-musawa.php

[iii] Cook, Jonathan: The ‘Deal of the Century’ Would Force Palestinians to Swallow a Bitter Pill. Washington Report on Middle East Affairs. Juni/Juli 2019, S. 8-10. https://www.wrmea.org/2019-june-july/the-deal-of-the-century-would-force-palestinians-to-swallow-a-bitter-pill.html

[iv] (29. November 2012) Erklärung von Präsident Abbas vor der Verabschiedung der Resolution 67/19 zum Status Palästinas bei den Vereinten Nationen. http://palestineun.org/29-november-2012-statement-of-president-abbas-before-the-adoption-of-resolution-6719-on-the-status-of-palestine-in-the-united-nations/

[v] Dodd, Mead & Company, 1903

[vi] Zu den Quellen für diesen Teil gehröt Kark (Biger-Artikel); s. 15-18; Parkes, S. 87-88; Le Strange (S. 5 und 27), MacCoun, S. 107-109; Pitcher, S. 128 und 141; Zachs, S. 95-102;  Lewis, S. 158.

[vii] Biger (Kark), p. 19.

[viii] Hopkins, p. 30, 36.

[ix] F.A. Brockhaus, Leipzig, 1892.

[x] Rand, McNally & Cos Enlarged Business Atlas, Chicago, 1892.

[xi] siehe z.B. Dowty, S. 19.

[xii] Doumani, S. 261.

[xiii] Biger, S. 68

[xiv] Achte Plenarsitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen (A/2/PV.78) in der Vollversammlungshalle in Flushing Meadow, New York, 14. Mail 1947 um 15 Uhr.

[xv] Porath, S. 82.

Das Problem mit der Jerusalemer Antisemitismus-Erklärung – schädlich für Juden

David Collier, Beyond the Great Divide, 30. März 2021

In Wirklichkeit ist alles, was diese Definition tut, Antisemiten zu erlauben mit Übergriffen gegen Juden davonzukommen.

Vor kurzem wurde eine Antisemitismus-Definition namens Jerusalem-Erklärung zu Antisemitismus (JDA – Jerusalem Declaration on Antisemitism) veröffentlicht. Sie stellt sich selbst als Alternative zur international anerkannten IHRA-Definition dar.

Die Herkunft der Jerusalem-Erklärung

Die Samen der Jerusalem-Erklärung wurden in London und Deutschland gesät. Im Vereinten Königreich gab es die von der Regierung geförderte Übernahme der IHRA durch mehrere Universitäten, am bemerkenswertesten durch die UCL in London. In Deutschland hat die Regierung die BDS-Aktivitäten eingeschränkt, die Bewegung wurde als antisemitisch gekennzeichnet und alle Gelder für Gruppen, die Israel boykottieren zurückgezogen. Das gab Anlass zu einer Bewegung von Akademikern, die sich dem Schritt entgegenstellen wollen.

Der Grund, dass die Übernahme an der UCL so wichtig ist, lautet, dass nach ihrer Annahme mehrere Akademiker eine Gegenwehr begannen. Das UCL Academic Board (das Gremium der UCL-Akademiker) trat zusammen und lehnte die IHRA-Definition ab; sie forderten, dass die Universität „sie ersetzt“.

Der Schlüsselorganisator des Akademiker-Gegenschlags der UCL war Seth Anziska. Anziska ist ein akademischer Schützling von Rashid Khalidi, einem ehemaligen Sprecher der PLO in Beirut:

Ich hatte das Glück eine historiografisches Seminar von Rashid Khalidi zu belegen, der dann großzügig zustimmte einen unabhängige Studie über die Ursprünge des israelisch-palästinensischen Konflikts zu beaufsichtigen. Seine Führung und Mentorentätigkeit seitdem – von der Beratung meiner Doktorarbiet bis zum Sponsoring dieser Dissertation – ging über alle mögliche Erwartung hinaus.

Anziska ist ein revisionistischer Historiker. Er verbrachte auch einige Zeit in Beirut und seine Schriften sind eine einzige Liste von Angriffen auf Israel in akademischer Prosa. Als Khalidis eigene Qualifikationen attackiert wurden, war es Anziska, der ihm zur Seite sprang. Das bedeutet, dass die Person, die die UCL-Untersuchung der IHRA-Definition für Antisemitismus leitete, Jahre damit verbrachte von einem früheren PLO-Sprecher akademisch geformt zu werden.

Das Hauptproblem für den Gegenschlag der UCL bestand darin, dass es keine Alternative zur IHRA-Definition gab, die die UCL an ihrer statt annehmen konnte – es scheint also so, dass Seth Anziska es zu seinem Geschäft machte dabei zu helfen eine zu schaffen. Das Ergebnis ist die Jerusalem-Erklärung.

Wie die meisten linksextremen Propagandaübungen manipulieren sie die Titel, um falsche Legitimierung hinzuzufügen – „Jerusalem“ hat damit wenig zu tun – aber es klingt jüdisch und Respekt einflößend.

Die Jerusalem-Erklärung

Die Erklärung hat ihre eigene Internetseite, die erst vor drei Wochen gekauft wurde. Sie hat sich vorgenommen an Stelle der IHRA-Definition verwendet zu werden. Das hier ist aus der Präambel:

Wir schlagen unsere nicht rechtlich bindende Erklärung als Alternative zur IHRA-Definition vor.

Die grundlegende Prämisse hinter der ganzen Übung ist fehlerhaft – insofern, als sie nahelegt, die IHRA-Definition bedrohe „freie Meinungsäußerung“. Die Unfähigkeit der IHRA jüdische Studenten in Bristol zu schützen oder die Universität Bristol – die die IHRA übernommen hat – in die Lage zu versetzen mit dem Antisemitismus von Professor David Miller fertig zu werden, betont nur, was für ein Strohmann-Argument eine solche Prämisse ist.

Die Definition fährt damit fort ausreichend Platz zu dafür schaffen, dass fast jeder Antisemit, der keinen Nazigruß gibt, frei davonkommt. Auf die eine oder andere Weise wird fast alles entschuldbar. Die Definition schließt den übliche linksradikalen „aller Rassismus ist wichtig“-Doppelsprech ein, das alles Geschriebene fast unverständlich macht. Das macht sie für ein Opfer judenfeindlichen Rassismus nicht brauchbarer als ein Schinkenbrot an Yom Kippur.

Keine andere Minderheitengruppe würde eine Rassismusdefinition über sich schreiben lassen, die ausdrücklich die Beleidigungen erlaubt, unter denen sie leidet. Nur bei judenfeindlichem Rassismus haben die Leute das Gefühl sie müssten Definitionen so schreiben, dass die Rassisten gewissenhaft beschützt werden.

Weil die Jerusalem-Erklärung aus einer israelfeindlichen oder antizionistischen Ideologie herrührt, gestattet sie hardcore-antizionistischer Ideologie frei zu agieren. Es handelt sich um eine Definition zum Selbstschutz, geschrieben in dem Wissen, dass sie die Schlacht verlieren. Sie gesteht gezielt ein wenig ein, um zu vermeiden den Krieg zu verlieren. Dadurch ist sie in sich widersprüchlich:

Sie scheint zum Beispiel Israels Existenz zu unterstützen, tut das aber nicht, weil sie Doppelsprech verwendet um Gelegenheiten für Antisemitismus zu eröffnen. Das ist eines der dafür angeführten Beispiele, was Antisemitismus ist:

10. Juden im Staat Israel das Recht verweigern, kollektiv oder individuelle, als Juden, in Übereinstimmung mit dem Prinzip der Gleichstellung zu existieren und zu gedeihen.

Das mag nett klingen, aber es beseitigt das Recht auf jüdische Selbstbestimmung – was sie widersprüchlich macht. Juden haben kein Recht in Israel zu existieren und zu gedeihen (was die überwiegende Wahl der Israelis ist), wenn ihnen Israel unter einer extern geschaffenen und künstlichen Forderung nach Gleichstellung weggenommen werden kann. Israel unter einem unechten Banner der Gleichberechtigung zu vernichten ist das Ziel der BDS-Bewegung, die natürlich unter der neuen Definition zulässig ist:

14. Boykott, De-Investition und Sanktionen sind übliche, gewaltfreie Formen politischen Protests gegen Staaten Im Fall Israels sind sie nicht per se antisemitisch.

Das besteht auch einen grundlegenden Test nicht, da es den wahren Rassismus nicht ansatzweise begreift. Diskriminierung – die grundlegendste rassistische Einstellung – fehlt in der Definition. Wenn die Autoren anerkennen, dass manche verbalen Angriffe auf Israel von Antisemitismus getrieben sind – dann ist logischerweise an Israel zweierlei Maß anzulegen offensichtlich unfair und wird zu einem offensichtlichen Alarmzeichen für judenfeindliche Einstellungen.

Das Element „zweierlei Maß“, das von der IHRA-Definition ausdrücklich eingeschlossen wird, wird bei der Jerusalem-Erklärung eklatant ausgelassen – und die wird damit nutzlos.

Warum um alles in der Welt ist es in Ordnung Israel anders zu behandeln?

Stellen Sie sich vor, wie das sich in einer Welt ohne MacPerson abspielt. Die Londoner Police hätte freie Hand institutionell rassistisch zu bleiben und weiterhin auf BAME-Gemeinschaften (Black & Minoritised Communities herumzuhacken und sie zu diskriminieren, solange kein Mitglied der Polizeikräfte tatsächlich etwas unverhohlen rassistisches sagt.

Ein weiterer unentschuldbarer Fehler tritt auf, weil die Erklärung von Jerusalem Vergleiche zwischen Israel und den Nazis zulässt, indem sie darauf hinweist, dass „Kritik, die manche als übertrieben oder umstritten betrachten“, kein Antisemitismus ist. Nazi-Vergleiche werden somit entschuldbar.

15. Politisches Rede muss wohlüberlegt, verhältnismäßig oder vernünftig sein, damit sie von Artikel 19 der Universalen Erklärung der Menschenrechte oder Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt wird. Kritik, die manche als übertrieben oder umstritten betrachten oder als Ausdruck von „zweierlei Maß“ betrachten, ist nicht per se antisemitisch.

Dieser Standpunkt ist absurd und solche Standards werden nicht auf Rassismus gegen irgendeine andere Minderheitsgruppe angewandt. Wenn die Jerusalem-Erklärung sich tatsächlich als Bildungsinstrument betrachtet, hätte sie natürlich Nazi-Analogien einbezogen. Die Tatsache, dass sie das nicht tut, hebt heraus, dass sie geschrieben wurde, um Antisemiten zu erlauben unbehindert antisemitisch zu sein.

Die politisierte Definition

Drei der Autoren, Elissa Bemporad, Alon Confino und Derek Penslar, schrieben einen einleitenden Artikel im Forward. In dem Artikel wurden Worte geschrieben, die die Jerusalem-Erklärung als das heimtückische, linksradikale und gefährliche Dokument entlarven, das es tatsächlich ist. Dies ist der  vierte Absatz des Artikels:

Obwohl wir die Schädlichkeit des Antisemitismus von links nicht unterschätzen, ist klar, dass die gefährlichste Bedrohung für Juden heute von der extremen Rechten und von populistischen Gruppen kommt. Wir können und sollten den Kampf gegen diese Gruppen nicht auf eigene Faust führen. Stattdessen müssen wir anstreben Bündnisse mit anderen Gruppen zu schaffen, die unter Rassismus und Bigotterie leiden.

Dieser Absatz lässt die Autoren wie linksradikale Corbynisten klingen. Sie akzeptieren, dass es bei der Linken vielleicht ein Problem mit Antisemitismus gibt, aber sie wollen, dass wir alle uns mit dem realen Antisemitismus beschäftigen – der „gefährlichsten Drohung“ – nämlich dem der Rechten. Das ist unbestreitbar eine politisch aufgeladene Äußerung, die die wahren Absichten und politische Orientierung der Autoren entlarvt. Sie ist zudem nachweislich falsch.

Die gefährlichste Bedrohung für Juden kommt heute vom islamistischen Antisemitismus – den die Autoren bemerkenswerterweise nicht einmal anführen. Und weil islamistischer Antisemitismus im Westen, wenn sie abstimmen, dazu tendieren, sich mit linksradikalen politischen Elementen zu verbünden, hat das eine sehr potente und gefährliche Allianz geschaffen.

Über die Drohung durch weißes Herrenmenschentum hinaus begreifen die Autoren den modernen Antisemitismus eindeutig nicht einmal ansatzweise – und sie erweisen sich selbst als wenig mehr als politische Aktivisten, die es auf sich genommen haben ihren eigenen Bereich des politischen Spektrums durch Ausverkauf der Mehrheit der Juden zu schützen.

Zwei dieser Autoren:

Alon Confino hat Parallelen zwischen dem Holocaust (dem industriellen Abschlachten der Juden) und der Nakba (dem Ergebnis eines winzigen zivilen Konflikts, den die Araber suchten und verloren) gezogen. Confino war einer der israelischen Akademiker, der versuchte Deutschland davon abzuhalten anti-BDS-Gesetze zu erlassen. Er unterschrieb zudem einen Brief, der die Universität Tel Aviv aufforderte Ausgrabungen in der Davidstadt zu boykottieren und nahelegte, mit der Arbeit werde versucht „die Gegend zu judaisieren“.

Elissa Bemporad unterschrieb einen Brief, der Israel angriff, weil es prominente BDS-Aktivisten nicht ins Land einreisen ließ. Warum um alles in der Welt sollte irgendein Staat Ausländer ins Land lassen, wenn deren einzige Absicht darin bestand, sobald sie eingereist sind, diesem Staat zu schaden?

Autoren, Koordinatoren und Unterstützer

Die Jerusalem-Definition hat acht „Koordinatoren“: Die Einseitigkeit von Seth Anziska und Alon Confino ist bereits diskutiert worden.

Emily Dische-Becker ist eine Journalistin, die oft harte israelfeindliche Kommentare puscht – so wie diesen von ihr geteilten Artikel eines Antizionisten, der erklärte, Israel sei offensichtlich ein Apartheidstaat:

Wenn Sie dazu neigen sich gegen Beschwörung von „Apartheid“ in Bezug auf Israel zu sträuben, lesen Sie @sareemakdisi in der Los Angeles Times.

Amos Goldberg schrieb einen Artikel, der im antizionistischen Magazin +972 veröffentlicht wurde; darin behauptete er, er pusche die krasse Lüge, die IHRA-Definition versuche „Israel vor jeglicher Kritik abzuschirmen“. Der Artikel verweist auch auf nicht mit Israel verbundenen „echten Antisemitismus“. Goldberg unterschrieb zudem den Brief, der BDS gegen deutsche Gesetze verteidigt. Stefanie Schüler Springorum unterzeichnete den Brief in Deutschland ebenfalls. Brian Klug war 2007 ein Unterzeichner der Erklärung der radikalen Linken-Gruppe Independent Jewish Voices. Er hat außerdem gegen die Vorstellung eines „neuen Antisemitismus“ argumentiert. David Feldmann war stellvertretender Vorsitzender der Chakrabarti-Ermittlung – die zu einer totalen Reinwaschung der Labour Party von Antisemitismus führte.

Was es in dieser linksradikalen Gruppe nicht gibt, die die IHRA-Definition verwässern will – ist jeglicher echter ideologischer Dissens.

Das ist der Grund, dass zu ihren Anhängern Leute wie Jackie Walker gehören:

Eine Antisemitismus-Definition, die brauchbar und akzeptabel ist… „Weil die IHRA unklar und offen für unterschiedliche Interpretationen ist, hat sie Verwirrung gestiftet und Streit hervorgerufen, daher den Kampf gegen den Antisemitismus geschwächt.

Das erklärt auch, warum Antizionisten und Einstaat-Absolutisten wie Peter Beinart und Neve Gordon – zusammen mit anderen giftigen Akademikern wie Richard Falk – sie alle unterschrieben haben.

Zu weiteren bemerkenswerten Unterzeichnern gehören Sergio Luzatto, der das berüchtigte Buch Pasquedi di Sangue (Blut-Pessah) gut hieß und dann verteidigte, in dem behauptet wurde, an der Pessah-Ritualmordlüge sei etwas Wahres dran.

Seien wir ehrlich – wenn Jackie Walker und Richard Falk deine Antisemitismus-Definition unterstützen, dann bist du ziemlich auf dem Holzweg.

Jerusalem-Erklärung – eine ungewollte, vorsätzliche Schweinerei

Jahrzehnte lang wurde dem Antisemitismus in israelfeindlichem Aktivismus keine Aufmerksamkeit geschenkt und das erlaubte dem Antisemitismus sich praktisch unangefochten auszubreiten – in der Politik, auf der Straße und in der akademischen Welt. An vielen Universitäten wurde Antisemitismus zur Norm und er wurde derart eingebettet, dass die, die sich gegen ihn stellten, als die Seltsamen oder Extremisten betrachtet wurden. Die dringend gebrauchte IHRA-Definition wurde eingeführt, um bei Bildung zu helfen und den Lauf der Dinge aufzuhalten.

Das einzige, was die Jerusalem-Erklärung tut, ist die Sache so weit zu trüben, dass alles durchs Netz schlüpfen kann.

Die Motivation hinter der Jerusalem-Erklärung ist klar: Sie wurde geschrieben, um die IHRA-Definition zu attackieren und ihre Verbreitung aufzuhalten. Die neue Definition kommt aus den Händen derer, die sonst niemals daran gedacht hätten eine Antisemitismus-Definition zu schreiben. Sie wird nur von Gruppen genutzt die Antisemitismus niemals bekämpft haben, einzig um die IHRA-Definition zu attackieren. Antisemiten werden sie nutzen, um sich vor Antisemitismus-Vorwürfen zu schützen. Sie ist faktisch ein sorgfältig erstellter „Ich komme mit Antisemitismus davon“-Freifahrtschein. Sie muss abgelehnt und gemieden werden, wo immer sie auftaucht.

Hinweis: audiatur online hat einen weiteren Text übersetzt, der sich mit der noch stärker alles verwässernden „Nexus-Erklärung“ befasst.
Alan Posener schrieb in der WELT darüber, weshalb die Jerusalem-Erklärung Mumpitz ist.
Alex Feuerherdt schreibt bei MENA Watch ausführlicher über den Sinn und  Unsinn der Jerusalem-Erklärung und die ZIele ihrer Verfasser bzw. Unterstützer.

Palästinensisches Recht schließt Israelis ausdrücklich von Abstimmungen aus. Apartheid!!!

Elder of Ziyon, 25. März 2021

Uns ist unzählige Male dieses Jahr erzählt worden, dass Israel ein rassistischer Apartheidstaat sei, weil es den Palästinenser nicht erlaubt zu wählen, obwohl Israel großen Einfluss auf ihr Leben hat.

Es stellt sich heraus, dass das palästinensische Recht eine besondere Regelung hat, dass niemand mit israelischer Staatsbürgerschaft wählen darf.

Wahlrecht: …. Entziehung des Wahlrechts:
1. Personen soll das Wahlrecht entzogen werden, wenn er/sie:
a. dieses Recht infolge juristischer Entscheidungen … entzogen wurde.
b. von einer endgültigen juristischen Entscheidung für unfähig erklärt wurde.
c. wegen eines Verbrechens verurteilt wurde, das die Ehre und Integrität verletzt…
d. die israelische Staatsbürgerschaft erwarb.

Israelische Leben werden sehr stark von dem beeinflusst, wer immer die PA führt. Wenn die Hamas gewinnt, könnte es bedeuten, dass Raketen aus der Westbank geschossen werden, die jeden einzelnen israelischen Bürger treffen können. Es könnte eine neue Intifada bedeuten, dass Terroristen über Abschnitte nach Israel strömen, wo der Sicherheitszaun nie fertiggestellt wurde.

Dennoch dürfen die Israelis nicht mitentscheiden, wer die PA führt.

Ist das nach Maßgabe der Israelkritiker keine Apartheid?

Tatsächlich ist das schlimmer. Das Gesetz sagt nicht, dass diejenigen mit, sagen wir, jordanischer Staatsbürgerschaft oder kanadischer Staatsbürgerschaft nicht wählen dürfen. Palästinenser in den USA, die zurück nach Ramallah reisen, um abzustimmen, scheinen gemäß diesen Gesetzen wählen zu dürfen.

Nur israelischen Staatsbürgern ist es nicht erlaubt zu wählen. Das Gesetz richtete sich ausdrücklich gegen Israelis und niemanden sonst.

Wenn israelische Gesetze sagen, dass kein Nichtbürger wählen darf, „Apartheid“ ist, wie bezeichnen Sie dann ein Gesetz, nach dem die einzigen Menschen, die nicht wählen dürfen, Israelis sind?

Die Fakten zu den palästinensischen Toten im Krieg 2014 auf die Reihe bekommen

Prof. Hillel Frisch, BESA Center Perspectives Papar Nr. 1.978, 26. März 2021

IDF-Soldaten während der Operation Fels in der Brandung, 1. August 2014 (Bild via IDF Flickr CC)

Zusammenfassung: Die mögliche Ermittlung des Internationalen Strafgerichtshof (ICC) zu Israels Verhalten im Gazastreifen wird wahrscheinlich das Interesse an der Konfrontation von Hamas und Israel im Jahr 2014 erneuern. Es gibt viele Belege, die nahelegen, dass die Zahl der palästinensischen Todesfälle übertrieben wrude und dass die meisten von ihnen Terroristen waren, nicht Zivilisten.

Ob Israel mit einem juristischen Team des Internationalen Strafgerichtshofs kooperiert oder nicht, es wird jetzt wahrscheinlich eine erneute Konzentration auf die Konfrontation zwischen Israel und der Hamas vom 8. Juli bis 26. August 2014 geben. Insbesondere zwei Dinge sollten ins Blickfeld geraten: Die Zahl der palästinensischen Opfer und die Aufteilung in zivile und terroristische Todesopfer.

Nach Angaben sowohl der IDF als auch palästinensischer Quellen gibt es mindestens 2.000 palästinensische Tote durch die 50-tägige Konfrontation. Es gibt jedoch Gründe diese Zahl zu anzuzweifeln.

Nach Angaben des palästinensischen statistischen Zentralbüros gab es 2013 im Gazastreifen 4.609 Tote bzw. einen monatlichen Durchschnitt von 430 Toten. Im Jahr darauf, als die Konfrontation stattfand, wurden 6.774 Tote registriert, eine nie da gewesene Zunahme von 2.165 Toten, die vordergründig dem Konflikt zugeschrieben werden könnte. Da er über 50 Tage verlief, scheint es in dieser Zeit fast dreimal so viele Tote wie bei der natürlichen Auftretenshäufigkeit der monatlichen Toten im Gazastreifen gegeben zu haben.

Diese hohe Todesrate veranlasst einige Fragen.

Angesichts der hohen Kosten für das Betreiben von Leichenhallen würden selbst die am weitesten entwickelten Staaten der Welt keinen Überschuss für Notfälle aufrecht erhalten. Das bedeutet, wenn eine beträchtliche Zunahme an Todesfällen auftritt – sagen wir von 13 bis 40 Toten pro Tag – müsste es Szenen übervoller Leichenhallen und eine enorme Zunahme von Beerdigungsaktivitäten auf Friedhöfen geben. Die Phänomene sind insofern miteinander verzahnt, als fehlender Platz in Leichenhallen schnelle Beerdigungen erfordert, um die Verbreitung von Krankheiten zu vermeiden. Rasche Bestattung ist in einer religiösen Gesellschaft wie der des Gazastreifens auch eine islamische religiöse Verpflichtung.

Man kann sicher davon ausgehen, dass diese Szenen, wären sie aufgetreten, von den gut geölten, der palästinensischen Sache verständnisvoll gegenüber stehenden Propagandaorganen, sowie dem gewaltigen Spektrum an palästinensischen „Menschenrechts“-Organisationen, der OCHA der UNO, antiisraelische Medien wie Al-Jazira und natürlich Hamas, Fatah, die PA und den vielen Medienorganen, die sie finanzieren und kontrollieren, ausgenutzt worden wären.

Aber das gewaltige Filmmaterial der Konfrontation von 2014 brachte weder Beweise für überfüllte Leichenhallen noch für zunehmende Bestattungsraten.

Stattdessen sieht man sogenannte Leichen in Grabtüchern, die von Müttern und Verwandten bei Prozessionen getragen oder auf den Boden gelegt (selten auf dem Friedhof beerdigt) werden. Das Problem mit diesen Fotos ist, dass sie der Wirklichkeit verfaulender Leichen in der Sommerhitze des Juli und August im Gazastreifen trotzen. Eine menschliche Leiche ist sehr penetrant. Zuschauer bedecken in Anwesenheit von Leichen, die der Hitze ausgesetzt sind, automatisch ihre Nasen, um widerliche Gerüche abzuwehren. Dennoch zeigen die Fotos Menschen, die lässig um diese „Leichen“ herumlaufen. Da wird etwas vorgegaukelt.

Ein weiteres bezeichnendes Merkmal der unverhüllten „Leichen“, die auf dem Boden liegen, besteht darin, dass sie keine Zeichen von Verletzungen zeigen. Wären sie von Kugeln oder größerer Munition getroffen worden, die die israelische Luftwaffe (oder eigentlich jede Luftwaffe) einsetzt, wären die Ergebnisse weit blutiger gewesen.

Man muss diese Fotos nur mit den grausigen Fotos vergleichen, die von der Propagandaabteilung der syrisch-arabischen Armee von Leuten verbreitet wird, die aus der Luft oder bei Kämpfen am Boden getötet wurden. Sie sind fast nie intakt, so wie man es von Zielen geschmolzenen Bleis und keine Unterscheidungen machenden Granatsplittern zu erwarten ist.

Die Hamas sollte Erster sein einzuräumen, dass Fotos intakter Körper der Realität widersprechen. Als Israel bestimmte Terroristen aus der Luft beschoss, wurden die Opfer von den  Hamas-Medien oft so beschrieben, dass sie in Fetzen gerissen wurden, wodurch sie oft nur schwer identifizierbar waren.

Zusätzlich zur Debatte über die Zahl der Getöteten, in der man ernsthaft die von der IDF selbst veröffentlichten Zahlen infrage stellen sollte, gibt es eine noch stärkere Debatte darüber, wer getötet wurde – Zivilisten oder Terroristen. Israelische Quellen argumentieren, dass die meisten Terroristen waren, während die Palästinenser behaupten, die Mehrheit waren Zivilisten.

Videoaufnahmen können helfen das aufzuklären. Eines der auffälligen Merkmale der Aufnahmen ist, dass Einwohner des Gazastreifens zu sehen sind, wie sie auf getroffene Gebiete zulaufen, statt von ihnen weg. Die automatische Reaktion auf einen ballistischen Angriff besteht darin, vor ihm zu fliehen. Außerhalb von Hollywood gibt es nur selten Personen, die einem solchen Angriff entgegenlaufen.

Ein weiteres seltsames Charakteristikum eines Großteils der Aufnahmen des Konflikts von 2014 ist das Spektakel von Gazanern, die in Bereichen direkt neben dem Angriffsort herumlungern. Angriffe von F-16-Kampfflugzeugen oder Kampfhubschraubern sorgen, um es vorsichtig auszudrücken, im Allgemeinen dafür Zivilisten in den Häusern und von der Straße fernzuhalten.

Warum also verhalten sich die Gazaner so? Offenbar weil die zivilen Einwohner des Gazastreifens wissen, dass die israelische Luftwaffe sehr sorgfältig auf ihren Feind zielt und sie selbst hatten eine starke Ahnung, was in ihrer direkten Umgebung beschossen wurde – ein Raketensilo, ein Waffenlager oder ein Tunnel, in dem Terroristen Zuflucht suchten. Im engen Gazastreifen ist es schwierig diese Orte vor den Einheimischen geheim zu halten.

Wird irgendetwas von diesen Belegen eine Rolle spielen? Wahrscheinlich nicht. Das Urteil wird vermutlich gefällt, bevor die juristische Ermittlung überhaupt beginnt. Aber es ist wichtig, dass der Staat Israel sein Material den Israelis und der Welt zeigt. Wie der Sieg der Alliierten über die Achsenmächte zeigte, obsiegt rationaler Anstand langfristig über irrationalen Hass.

Das Problem mit der Antisemitismus-Definition der „Jerusalem-Erklärung“

Elder of Ziyon, 26. März 2021

Auf den ersten Blick scheint die Jerusalem-Erklärung zu Antisemitismus (JDA – Jerusalem Declaration on Antisemitism) sich nicht sonderlich von der IHRA-Arbeitsdefinition für Antisemitismus zu unterscheiden, die die Verfasser ersetzen wollen.

Beide betonen, dass ihre Beispiele für Antisemitismus komplett von Kontext abhängen.

Die IHRA führt ihre Beispiele damit ein, dass sie sagt: „Zeitgenössische Beispiele für Antisemitismus im öffentlichen Leben, den Medien, Schulen, am Arbeitsplatz und dem religiösen Bereich könnten, nimmt man den Gesamtkontext in Betracht, beinhalten, sind aber nicht beschränkt auf…“

Die JDA geht darauf ein, widerspricht auch der IHRA keineswegs: „Im Allgemeinen sollte jeder, wenn man die Richtlinien anwendet, sie im Licht des anderen und immer mit einem Blick auf den Kontext lesen. Kontext kann die Absicht hinter einer Äußerung beinhalten oder ein Redemuster im Lauf der Zeit oder sogar die Identität des Sprechenden, besonders wenn das Thema Israel oder der Zionismus ist. So könnte z. B. Feindschaft gegenüber Israel ein Ausdruck einer antisemitischen Feindseligkeit sein oder sie könnte eine Reaktion auf eine Menschenrechtsverletzung sein oder sie könnte die Emotion sein, die eine palästinensische Person aufgrund ihrer Erfahrung durch den Staat empfindet.“

Das ist alles absolut richtig.

Das Problem mit der JDA ist exakt ihr Kontext, nämlich die Gründe, warum sie geschrieben wurde. Und je tiefer man blick, desto schlimmer wird es.

Die Arbeitsdefinition der IHRA wurde nicht als politisches Dokument geschrieben. Sie wurde nicht von „rechten Zionisten“ geschrieben. Sie sollte die genaueste Definition von Antisemitismus sein, wobei ein Auge auf alle Arten von Antisemitismus geworfen wurde, egal aus welcher Quelle. Sie deckt den rechtsextremen Antisemitismus, linksextremen Antisemitismus, arabischen Antisemitismus, Farrakan-artigen Antisemitismus ab – es gibt nicht das kleinste Bisschen Tendenz darin, egal, was ihre Kritiker behaupten.

Die JDA hingegen ist höchst politisch. Wie die Autoren in The Forward schrieben: „Obwohl wir die Schädlichkeit des Antisemitismus von links nicht unterschätzen, ist klar, dass die gefährlichste Bedrohung für Juden heute von der extremen Rechten und von populistischen Gruppen kommt.“ Eine Antisemitismus-Definition sollte nicht zwischen den Quellen des Antisemitismus unterscheiden.

Kontext ist in der Tat entscheidend, um festzustellen, ob eine Äußerung oder Handlung antisemitisch ist oder nicht. Die IHRA sagt, „zweierlei Maß anzuwenden, indem man von Israel ein Verhalten verlangt, das von keinem anderen demokratischen Staat erwartet oder gefordert wird“, ist ein guter Indikator für Antisemitismus, wenn auch nicht notwendigerweise immer. Die JDA sagt: „Kritik, die manche als exzessiv oder kontrovers betrachten oder als ein ‚zweierlei Maß‘ spiegelnd, ist an und für sich nicht antisemitisch.“ Wieder widersprechen sie einander nicht – beide Definitionen sagen, dass Kontext entscheidend ist um antisemitischen Inhalt festzustellen.

Der Unterschied besteht darin, dass die IHRA versucht in ihrer Definition so inklusiv wie möglich zu sein und die JDA versucht so ausschließend wie möglich zu sein. In allen anderen Kontexten – bei der Definition von Rassismus oder Frauenfeindlichkeit oder jeder anderen Bigotterie – ist die Linke so inklusiv wie möglich und der Opfergruppe muss geglaubt werden, wenn sie sagt, dass sie angegriffen wurde. Aber im Fall des Antisemitismus engen die JDA-Autoren die Definition absichtlich so ein, dass sie jeden ausschließt, den sie nicht mit der Rechten assoziieren kann.

Lassen Sie uns ein paar Beispiele durch beide Definitionen laufen.

Wenn jemand, der keine Geschichte antisemitischer Äußerungen hat, aus heiterem Himmel kommt und sagt, dass Israel sich gegenüber den Palästinensern wie Nazi-Deutschland verhält, ist das antisemitisch?

Die IHRA sagt: „Vergleiche zwischen zeitgenössischer israelischer Politik und der der Nazis zu ziehen“ ist ein Beispiel für Antisemitismus.

Die JDA sagt: „Selbst wenn es kontrovers ist, ist es nicht per se antisemitisch Israel mit anderen historischen Fällen zu vergleichen, einschließlich Siedler-Kolonialismus oder Apartheid.“ Der Nationalsozialismus ist ein historischer Fall und dürfte demnach nicht unter diese Definition fallen.

Was ist mit dem Kontext? Es ist klar, dass jeder Vergleich zwischen Israel und Nazideutschland nichts bedeuten soll, aber es soll Juden verletzten, dass man sie mit ihren Mördern auf eine Stufe stellt. Wenn Israel kein jüdischer Staat wäre, würde der Vergleich nicht gezogen. Natürlich ist das antisemitisch. Die Tatsache, dass dieses Beispiel bei der JDA-Definition ausgeschlossen wurde, auch wenn es bei der IHRA ausdrücklich eingeschlossen ist, zeigt, dass die Auslassung bewusst gemacht wurde – die JDA wollte nicht sagen, dass Gleichsetzung des jüdischen Staates mit Nazideutschland als antisemitisch angenommen wird, was zeigt, wie weit die Autoren bei der Verteidigung des Antizionismus als legitim gehen würden.

Das zweierlei Maß kommt ins Spiel, wenn Israel als rassistischer oder Apartheidstaat bezeichnet wird oder massive Kampagnen zum Boykott Israels geschaffen werden, wenn es keine auch nur entfernt ähnlichen Kampagnen gegen irgendeinen anderen Staat gibt. Die JDA sinkt bei diesem Thema zur Farce ab, wenn sie sagt: „Boykott, De-Investition und Sanktionen sind übliche, gewaltfreie Formen politischen Protests gegen Staaten. Im Fall Israel ist das per se nicht antisemitisch.“

Üblich? Welche anderen Staaten boykottieren die Leute mit der Menge an Publicity, die BDS hat? Und warum wird Israel herausgehoben, wenn nach jeder Berechnungsweise, selbst wenn man die irrsinnigsten Lügen über Israel glaubt, immer noch nicht das Niveau der Menschenrechtsverletzungen erreicht, die von den meisten Staaten, einschließlich westlichen, erreicht wird?

Genauso wird die Linke diskutieren, wie man den jüdischen Staat beseitigt und durch einen weiteren arabischen Staat ersetzt (der fälschlich als „binational“ bezeichnet wird). Welchem anderen Staat, der auf einer nationalen Gruppe von Menschen basiert, ist je gesagt worden, er solle sich selbst abschaffen? Welchem anderen Staat wird ständig gesagt, er habe kein Existenzrecht?

Die Botschaft der JDA lautet, dass es nur ein großer Zufall sei, dass der einzige Staat auf dem Planeten, der boykottiert, als illegitim angesehen, mit Südafrika gleichgesetzt wird und dem man sagt, sein nationaler Ethos sei rassistisch, ausgerechnet der einzige Staat voller Juden ist. Vielleicht kaufen einige dieses Argument, aber die meisten Leute tun das nicht – und es gibt einen sehr guten Grund, warum die IHRA-Definition von bisher 29 Staaten angenommen oder begrüßt worden ist.

Der Antizionismus ist offensichtlich mit dem Antisemitismus verwandt, schlicht, weil es in der Welt einfach kein vergleichbares „anti“ gibt. Dazu kommt, dass diese zwei „anti“ einander sehr, sehr ähnlich sind – der Dinge, derer Juden historisch beschuldigt wurden, wird heute der jüdische Staat beschuldigt, so der unzulässige Einfluss auf Regierungen, die Ermordung von Kindern, weil einem danach ist und die bewusste Verbreitung von Krankheiten. Es gibt keinen Unterschied zwischen denen, die Israel beschuldigen palästinensisches Wasser zu vergiften oder palästinensische Organe zu stehlen und denen, die historisch Juden beschuldigen die Brunnen zu vergiften, eine Seuche zu verursachen oder Ritualmorde zu begehen.

Es gibt einen weiteren Punkt, der festgestellt werden muss: Antisemitismus hat historisch Juden als der verabscheuungswürdigsten Verbrechen beschuldigt. Israel wird der verabscheuungswürdigsten Verbrechen unserer Zeit beschuldigt – Rassismus, Kolonialismus, wahlloser Tötung und Inhaftierung von Kindern, Apartheid, ethnischer Säuberung. Die Parallelen sind für jeden offensichtlich, der auch nur flüchtige Geschichtskenntnisse hat, aber die JDA gesteht diesen Aspekt des modernen Antisemitismus nicht ein.

Eine Definition, die bewusst die meisten Beispiele dessen ausschließt, was sie zu definieren behauptet, ist überhaupt keine Definition. Sie ist Propaganda.

Natürlich könnte es Ausreißerfälle geben, bei denen fanatischer Antizionismus nicht antisemitisch ist, aber sie sind die Ausnahme. Eine ganze Kategorie wegen theoretisch möglicher Ausnahmen von Antisemitismus auszuschließen ist keine Bekämpfung von Antisemitismus, sondern ermöglicht ihn.

Und wenn man sich die Unterzeichner der JDA ansieht, dann sieht man jemanden wie Richard Falk, dessen antisemtischer Stammbaum lang und vielseitig ist. Er mag diese Definition, weil, so glaubt er, sie ihn vom Haken lässt. Und die JDA wollte seine Unterschrift haben und stolz zur Schau stellen, ohne auch nur eine Spur der Angst, dass das das gesamte Dokument diskreditiert.

Die JDA ist keine ernsthafte Definition. Sie ist Irreführung, um die heute wesentliche Erscheinungsform des Antisemitismus zu ignorieren. Linker Antisemitismus mag nicht so tödlich sein wie der der Rechten, aber er wird als Mainstream betrachtet – und das macht ihn auf viele Weisen weit gefährlicher.

(Anmerkung: Auch Matthias Küntzel hat sich mit der JDA befasst. Er kommt zum gleichen Ergebnis. Die Ruhrbarone gehen auf einige entscheidende Details ein.)