Wie die Gesellschaft sich verändern wird, wenn die Coronavirus-Krise nachlässt

Dr. Manfred Gerstenfeld, BESA Center Perspective Papers Nr. 1.546, 3. Mai 2020

Foto: Edward Howell via Unsplash CC

Zusammnefassung: Während sie beginnen ihren Coronavirus-Lockdown und die Distanzierungsmaßnahmen zu lockern, werden westliche Regierungen mit riesigen Problemen konfrontiert sein, von denen man viele nicht vorhersehen kann. Von einem politischen Standpunkt aus betrachtet macht der Versuch Sinn, zur Realität von vor der Pandemie zurückzukehren, obwohl das nicht komplett möglich sein wird.

Westliche Regierungen werden mit vielen komplexen Problemen zu tun haben, wenn sie beginnen ihren Lockdown und Distanzierungsmaßnahmen beenden, von denen viele nicht vorzeitig ausgewertet oder gar vorhergesehen werden können. Viele Regierungschefs in westlichen Ländern haben während der Coronavirus-Krise an Popularität gewonnen, aber sie werden sich nie dagewesenen neuen Herausforderungen gegenüber sehen, während die Gefahr für die öffentliche Gesundheit abklingt.

Vom Standpunkt der Öffentlichkeit aus macht es Sinn den Versuch zu unternehmen, so weit wie möglich zur Realität vor der Pandemie zurückzukehren. Größtenteils funktionierte die Gesellschaft vor dem Virus auf vernünftige Weise. Westliche Volkswirtschaften wuchsen, wenn auch langsam. Die Arbeitslosigkeit schwankte in den großen Ländern zwischen niedrig und nicht sonderlich hoch. Die Lage vor dem Virus war sicherlich besser als die unerprobten Pseudo-Realitäten, die von einer Reihe von Ideologen propagiert wurden.

Eine volle Rückkehr zu dem Zustand, der vorher herrschte, kann niemals vollständig erreicht werden. Die höchste Priorität der Regierungen muss die Wiederbelebung der nationalen Weltwirtschaft sein. Es wird Kämpfe um Ressourcen geben, egal wie sie verteilt werden. Worte wie „optimal“, „fair“ und „Solidarität“ haben in diesem Kontext nur eingeschränkte Bedeutung. Zukünftige Generationen werden einige der Kosten tragen müssen, die das Ergebnis der wirtschaftlichen Unruhe sind, die die Pandemie verursacht hat. Wir wissen jetzt noch nicht, wie sich die finanziellen Folgen insgesamt auswirken werden.

Die Arbeitslosigkeit hat in mehreren Ländern hohe Anteile erreicht. Sie muss schnell heruntergefahren werden. Das allgemeine Bild verbirgt viele persönliche Tragödien, wobei eine große Anzahl von Leben durch das plötzliche Ende der früheren Realität schwer gestört wird. Es muss versucht werden, die durch die Pandemie verursachte strukturelle Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Einige Geschäfte werden noch bankrott gehen, während andere, die vor dem Ausbruch randständig waren, wahrscheinlich gar nicht wieder öffnen. (Bedenken Sie zum Bespiel den „Tod des Kaufhauses“, wie er von der New York Times ausführlich beschrieben wurde.) Fluktuationsbedingte Arbeitslosigkeit wird ebenfalls eine Herausforderung darstellen. Wenn Fluggesellschaften ein paar Monate warten müssen, bis sie wieder fliegen können, müssen die Beschäftigten viel länger warten, bevor sie wieder zurück zur Arbeit gerufen werden.

Es gibt weitere Gründe dafür, dass die Rückkehr zur Realität vor dem Coronavirus sich als unmöglich erweisen wird. Eine Reihe Unternehmen haben bereits angekündigt, dass sie keine Dividenden ausschütten werden, um ihre Bilanzen zu stärken. In Großbritannien geschah das nicht freiwillig; Banken wurde von der Bank of England gesagt, sie sollten das tun. Das wird Auswirkungen auf Pensionsfonds, Aktienmärkte und Einzelinvestoren haben.

Der Internationale Währungsfond (IWF) sagte, die Welt stehe vor ihrem schlimmsten Abschwung seit der großen Depression und sagt für dieses Jahr ein Schrumpfen der Weltwirtschaft um 3% voraus. Vor dem Ausbruch des Virus lag die Voraussage bei 3,3% Wachstum. Aus Vergleichsgründen soll gesagt sein, dass die Weltwirtschaft während der Krise von 2008 um weniger als 1% schrumpfte.

Konkrete Prognosen sind sinnvoll. Selbst wenn sie weitgehend falsch liegen, veranlassen sie Diskussionen zu Themen im Zusammenhang mit der Pandemie. Einer, der mehrere spezifische Vorhersagen machte, ist David Folkerts-Landau, Chefökonom der Deutsche Bank.

Folkerts-Landau ist der Meinung, dass wir die physische Distanzierung noch einige Zeit beibehalten müssen, um zukünftige Ausbrüche der Krankheit zu kontrollieren. In der Praxis wird das bedeuten, dass es eine lange Zeit keine Massenkonzerte oder Sportveranstaltungen mit großen Menschenmengen geben wird. Restaurants werden ihre Tische weiter auseinanderstellen müssen. Alle Formen der öffentlichen Verkehrsmittel, einschließlich Flugzeugen, werden Sitzplätze frei lassen müssen, was zu höheren Preisen führen wird. Folkerts-Landau glaubt zudem, dass die Menschen sich davon entfernen werden ihre Wirtschaften zu teilen. Das könnte bedeuten, dass es ihnen stärker widerstreben wird als bisher ihre Häuser z.B. über Aibnb zu vermieten.

In der Realität nach dem Virus wird es Menschen geben, die in der Lage sein werden ihre Geschäfte mit rechtzeitiger Finanzhilfe der Regierung wieder aufzunehmen, die aber während der Störung übersehen wurden. Aus diesem Grund ist es unerlässlich eine funktionierende, nicht bürokratische Organisation zum Umgang mit Härtefällen zu haben. Während dieser Krise wurde z.B. deutlich, dass es in Frankreich Engpässe bei medizinischen Sauerstoffflaschen und anderen damit zusammenhängenden Produkten für Menschen gab, die an anderen Krankheiten als dem Coronavirus litten. Die einzige Fabrik dafür in der EU, Luxfer, liegt in Frankreich, wurde aber vor ein paar Monaten geschlossen. Parlamentarier fordern die Regierung jetzt auf sie zu verstaatlichen und wieder zu öffnen.

Welche Maßnahmen auch immer von Regierungen getroffen werden, es wird sowohl anfangs als auch langfristig Unzufriedenheit geben. Das könnte Proteste nach sich ziehen, die ihrerseits unvorhergesehene Auswirkungen haben. Regierungen sollten sich daher besonders bemühen diejenigen zu identifizieren, denen mit relativ wenig Unterstützung geholfen werden kann und die übersehen wurden.

Manche glauben, es sei die Zeit für radikale Umstrukturierung von Wirtschaft und Gesellschaft im Allgemeinen. Viele von ihnen vertraten diese Ideen schon vor der Pandemie und sehen das Unheil als Gelegenheit einige ihrer Ziele zu verwirklichen. Umweltschützer mögen glauben, jetzt sei die Zeit die Umwelt verschmutzende Unternehmen für immer zu schließen, erst recht, weil der Energiebedarf gesunken ist. Sollten solche Maßnahmen umgesetzt werden, wird es entscheidend sein sicherzustellen, dass sie sich nicht negativ auf die Beschäftigungszahlen auswirken.

Viele andere Ideologen haben das Gefühl, im Aufstehen der Welt aus der Krise bestehe eine Chance für sie, darunter Anhänger einer neomarxistischen Erweckung. Es wäre töricht, auf sie zu hören. Die aktuellen Regierungen wurden nicht gewählt um radikale Veränderungen zu inszenieren. Den Unsicherheiten der Neubelebung etwas hinzuzufügen wird nur weitere Probleme schaffen.

Einige Bereiche, in denen Veränderung unausweichlich ist, sind bereits klar. Einer davon ist die Geopolitik. Der Westen wird zum Beispiel einen gründlichen Blick auf seine Beziehungen zu China werfen müssen. Das wird weit über die Überprüfung des Kaufs von Material hinaus gehen.

Entglobalisierung könnte zum Modewort werden. Solange die Agenda für eine solche Idee nicht klar detailliert beschrieben ist, bedeutet sie nicht viel. Überstaatliche Gremien haben Prügel einstecken müssen; die meisten von ihnen haben wenig mehr getan als nur zu reden, während die nationalen Regierungen handelten. Die EU knarzt noch mehr als früher, obwohl es unwahrscheinlich ist, dass sie kollabiert. Ein Indikator, der diese Veränderungen offenbart, ist der Sprachgebrauch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Im Verlauf der letzten drei Jahre hat er regelmäßig das Konzept der europäischen Souveränität diskutiert. Heute sichert er sich ab, indem er Frankreich als in mehreren wichtigen Bereichen autark bezeichnet. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel ankündigte, dass sie bei den nächsten Bundestagswahlen nicht mehr antreten werde, machte sich Macron daran sich als die dominierende Persönlichkeit der EU aufzustellen. (Das könnte ohnehin ein Hirngespinst gewesen sein, weil Frankreich wirtschaftlich weit schwächer ist als Deutschland.)

Derweil werden konkrete Vorschläge vorgelegt, um die finanziellen Solidaritätsprobleme der EU zu lösen, so die Vorschläge von George Soros und anderen, dass die EU permanent Anleihen ausgeben soll. Auch wenn diese Pläne möglicherweise keinen Wert haben, sind sie die Werkzeuge, um das Problem besser zu diskutieren.

In einer Menge Felder werden viele Studien durchgeführt werden. Eine der fundamentalsten Fragen, die sich aus der Krise ergeben werden, lautet, warum Deutschland weit weniger Tote hat als Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien. Andere Studien werden sich mit den Maßnahmen beschäftigten, die von verschiedenen Ländern getroffen wurden, um mit der Krise auf ihrem Höhepunkt umzugehen und welche Ausstiegsstrategien sich als die besten herausstellen. Früher oder später werden die Menschen fragen, welchen Wert verschiedene Länder dem Erhalt menschlichen Lebens gaben. Die belgische Wochenzeitung Knack hat bereits Zahlen zum Wert des Lebens veröffentlicht, die in der Krise dank der Regierungsmaßnahmen verschont wurden.

Es gibt viele weitere Fragen. Wie sehen die Auswirkungen auf die mentale Gesundheit der vom Lockdown Betroffenen aus? Wie vergleichbar ist das mit anderen Stress-Perioden? Das kann zu einer tiefer gehenden Frage führen: Ist die derzeitige Generation im Westen mental schwächer als die der Vergangenheit, weil sie nie mit enormen Herausforderungen zu kämpfen hatte, wie es bei den Kriegsgenerationen der Fall war? Eine weitere Frage: Wie viel Angst haben die Menschen vor einer zweiten Welle des Coronavirus?

Ein Thema, das auf der Makroebene nicht übersehen werden darf, ist die Gesamtverletzlichkeit moderner Gesellschaften. Auch wenn das heute weitgehend vergessen ist, gab es vor nicht allzu langer Zeit eine Situation ähnlich weit verbreiteter Angst wegen einer sehr anderen möglichen Katastrophe: die Y2K-Krise, von der viele erwartet hatten, dass sie sie die Computer der Welt im Jahr 2000 heimsuchen würde. Wäre diese Krise wie erwartet eingetreten, hätte sie die Wirtschaft der Länder, die heute die Hauptopfer des Coronavirus sind, erheblich gestört.

Juden und Labour – was kann die Zukunft bringen?

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Am 4. April wählte die britische Labour Party einen neuen Parteivorsitzenden – Sir Keir Starmer. Er erhielt 56% der Stimmen gegen zwei Mitbewerber. Starmer führte sofort an, dass er das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft in der Labour Party wieder aufbauen wolle. Er sagte, er wollte „den Schmerz anerkennen, den die Labour Party Juden in den letzten Jahren zugefügt hat: Antisemitismus ist ein Fleck auf der Weste unserer Partei gewesen… Ich will mich erneut entschuldigen und meine Zusage bekräftigen dieses Gift mit seiner Wurzel zu beseitigen… Ich weiß, dass ich am Ende nicht nur daran gemessen werde, was ich sage, sondern was ich tue.“[1] Starmer fügte hinzu, dass er mit den Leitern der jüdischen Gemeinschaft darüber reden werde, „wie wir zusammenarbeiten kann, um den Antisemitismus aus der Labour Party auszumerzen“.

Der scheidende Labour-Parteichef Jeremy Corbyn hatte sich als Freund und Bruder der völkermörderischen, antisemitischen Organisationen Hamas und Hisbollah bezeichnet.[2] Unter seiner Führung hörten die meisten bisherigen jüdischen Labour-Wähler auf, die Partei zu unterstützen. Eine Meinungsumfrage bei Juden fand 2019 heraus, dass 86% der Befragten glaubten, es gebe bei Mitgliedern der Labour Party und ihrer gewählten Repräsentanten ein hohes Maß an Antisemitismus.[3]

Die beiden wichtigsten jüdischen Dachorganisationen suchen die Aussöhnung. Der Jewish Leadership Council und das Board of Deputies bestanden darauf, dass von denen, die für die Labour-Führung kandidierten einige Bedingungen erfüllt werden müssten. Starmer und die beiden anderen Bewerber Rebecca Long-Bailey und Lisa Nandy akzeptierten diese. Angela Rayner, die gewählte Vizevorsitzende, verpflichtete sich ebenfalls diese Bedingungen zu erfüllen. Zwei andere, erfolglos für den Posten Kandidierende lehnten dies ab.

Das Board of Deputies legte 10 Forderungen vor, die von Kandidaten für die Labour-Führung unterschrieben werden sollten. Dazu gehörte, dass die Kandidaten versprechen, innerhalb einer begrenzten Zeit ungeklärte Fälle von Antisemitismus-Vorwürfen zu lösen. Die Kandidaten wurden aufgefordert die Disziplinarprozesse zu den Anzeigen durch eine unabhängige Stelle zu untersuchen und Transparenz in den Beschwerdeverfahren sicherzustellen. Zu weiteren Forderungen gehörte, dass prominente Täter nicht wieder in die Partei aufgenommen werden. Darüber hinaus sollte denen keine Bühne mehr gegeben werden, die wegen Antisemitismus suspendiert wurden; zudem müssen Kandidaten zustimmen die Antisemitismus-Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) in Gänze anzuerkennen. Die Kandidaten müssen ebenfalls die Einrichtung eines Antirassismus-Bildungsprogramms akzeptieren, das von der Jewish Labour Movement (JLM) genehmigt wurde, was zu einer Ausbildung führen soll. Zu den zehn Forderungen gehörte, dass die Partei mit jüdischen Hauptrepräsentanten und nicht mit Randorganisationen in Kontakt tritt. Schließlich wird vom Labour-Führer erwartet persönliche Verantwortung für die Beendigung der Antisemitismus-Krise zu übernehmen.[4]

Starmer betonte an seinem ersten Tag im Amt seine familiäre Beziehung zur jüdischen Gemeinschaft. Er führte an, dass seine Frau Jüdin und Mitglied einer Synagoge sei. Er sagte auch, dass er Verwandte in Israel hat. Weiterhin sagte er, er unterstütze das Recht Israels als jüdisches Heimatland zu existieren.[5]

Trotz all dem ist Starmer in der Vergangenheit kritisiert worden, als er Mitglied von Corbyns Schattenkabinett war und es versäumte etwas gegen Antisemitismus zu unternehmen. Die Daily Mail zitierte einen Freund des verstorbenen Rabbi David Goldberg, der ihm gesagt hatte: „Ich bin sehr enttäuscht von Keir Starmer. Insbesondere, weil seine Frau und Kinder Mitglieder meiner Synagoge sind. Es ist ihre Gemeinde, die bedroht wird und trotzdem hat er so wenig unternommen. Das ist armselig.“[6] Starmer ist außerdem Mitglied der Labour Friends of Palestine and the Middle East. Es gibt in seiner Vergangenheit weitere dunkle Flecken.[7]

Starmers Hauptziel besteht darin die Labour Party bei den nächsten Wahlen zum Sieg zu führen. Das Antisemitismus-Problem zu bereinigen würde einen großen Teil der negativen Medien-Publicity beseitigen. Corbyn hatte als Parteichef in vielerlei Hinsicht versagt. Nicht einmal unter Corbyns Führung war Antisemitismus der Schlüssel für die Wahlniederlage der Partei. Er war allerdings Ursache für unangenehme Hintergrundgeräusche.

Es gibt einen weiteren Grund dafür, dass Starmer alles ihm Mögliche tun wird, um das Antisemitismus-Problem aus dem Weg zu schaffen. Es wird erwartet, dass die Equality Human Rights Commission (EHRC) in den kommenden Monaten ihren Bericht über die Untersuchung der Labour Party vorlegen wird.[8] Starmer wird in einer Position sein wollen, in der er behaupten kann, dass seit Beginn der Untersuchung wichtige Fortschritte gemacht worden seien.

Inzwischen ist eine weitere, nicht vorhersehbare Hürde aufgetaucht. Ein großer, nicht redigierter interner Bericht ist in die Medien gelangt. Darin wird behauptet, dass die Beschwerdeabteilung funktionsgestört ist. Diese Abteilung war mit Anhängern des früheren Labour-Parteichefs Tony Blair besetzt. Diese Leute, heißt es, unternahmen ihr Möglichstes, um Corbyn zu schädigen. Der Bericht erklärt es stimme, dass die Abteilung mit Antisemitismus-Anzeigen nicht wirkungsvoll umging. Doch genau das war auch bei allen anderen Anzeigen der Fall.

Die Veröffentlichung des Berichts hat möglicherweise die Privatsphäre mehrerer Angestellter der Labour Party verletzt. Labour legte der EHRC diesen Bericht nicht vor. Aber ein Einzelner hat veröffentlicht, dass er das gemacht hat.[9]

Selbst wenn die Partei unter Starmer die zehn Bedingungen der jüdischen Organisationen erfüllt, fragt man sich, ob viele Juden wieder für Labour stimmen werden. Die Aussöhnung ist eine weithin symbolische Sache. Juden stellen nur 0,4% der britischen Bevölkerung. Bestenfalls haben ihre Stimmen in ein paar wenigen Wahlkreisen Einfluss. Weit wichtiger für Labour ist, dass jüdische Repräsentanten aufhören zu sagen, die Partei sei institutionell antisemitisch.

Es bleiben Handicaps für bewusste Juden, die Labour wählen wollen. Die Partei hat viele Mitglieder, die Corbyn positiv sehen. Sie haben sich in der Momentum Group organisiert. Es gibt sogar im Schattenkabinett eine Reihe Corbynisten.

Es gibt ein weiteres Problem, das in den Vordergrund gerückt werden sollte. 2014 brachte Labour im Unterhaus einen Antrag ein, dass das Vereinte Königreich Palästina anerkennen solle. Er wurde mit einer gewaltigen Mehrheit angenommen.[10] Die Palästinenser haben weiterhin alle israelischen Friedensvorschläge zurückgewiesen.

Ein Jude, der für Labour stimmt, stimmt für eine Partei, die ein Volk anerkennen will, dessen größte Partei, die Hamas, Völkermord an Juden verüben will. Die zweitgrößte Partei, die Fatah, belohnt Mörder israelischer Bürger. Lisa Nandy war eine der Abgeordneten, die für den Antrag stimmten. Trotzdem unterstützte die Jewish Labour Movement (JLM) sie bei ihrem gerade erfolglosen Versuch die Wahl zum Labour-Parteivorsitz zu gewinnen. Juden, die in der Zukunft für Labour stimmen, können sich nicht darauf berufen unschuldig zu sein und das gilt auch für JLM-Mitglieder.

[1] www.standard.co.uk/comment/comment/i-apologise-to-the-jewish-community-rebuilding-your-trust-starts-now-a4408901.html

[2] https://foreignpolicy.com/2018/10/03/jeremy-corbyn-has-a-soft-spot-for-extremists-ira-hamas-hezbollah-britain-labour/

[3] www.survation.com/new-polling-of-british-jews-shows-tensions-remain-strong-between-labour-and-the-british-jewish-community/

[4] www.thejc.com/news/uk-news/board-of-deputies-demands-labour-leadership-contest-race-candidates-sign-up-to-pledges-antisemitism-1.495274

[5] http://www.timesofisrael.com/keir-starmer-elected-uk-labour-chief-apologizes-to-jews-for-party-anti-semitism/

[6] www.dailymail.co.uk/news/article-8186219/Sir-Keir-question-cowardice.html

[7] www.timesofisrael.com/keir-starmer-elected-uk-labour-chief-apologizes-to-jews-for-party-anti-semitism/

[8] www.thejc.com/news/uk-news/ehrc-s-into-labour-antisemitism-on-going-despite-coronavirus-outbreak-1.498205

[9] https://consortiumnews.com/2020/04/21/on-that-leaked-report-on-uk-labour-anti-semitism/

[10] https://publications.parliament.uk/pa/cm201415/cmhansrd/cm141013/debtext/141013-0004.htm

Ist Antizionismus antisemitisch?

Die Frage wurde irgendwo in den USA von zwei jungen Juden diskutiert, schrieb Victor Rosenthal auf seinem Blog Abu Yehuda anlässlich seines Erlebens des Vormittags des Yom HaSchoah, des Holocaust-Gedenktags in Israel.

Seine Reaktion: Ihr scherzt ja wohl?

Das war wohl eine rhetorische Frage. Aus ihr klingt Empörung. Zurecht.

Aber den Unbedarften und vor allem den Hetzern muss man das traurigerweise immer wieder erklären, wobei vor allem Letztere das ums Verrecken nicht einsehen werden, denn dann müssten sie ja mal zugeben, dass sie falsch gedacht haben. Und sie müssten von ihrem Hass ablassen und das geht ja nun gar nicht.

Zionismus ist die „Nationalbewegung der Juden“. Was nichts anderes hießt, als dass Juden als Volk das Recht auf ihren eigenen Staat in Anspruch nehmen wollen. Wer also gegen Zionismus ist, der verweigert – einzig – den Juden ihren eigenen Staat. Das machen gerade diese Hetzer mit keinem einzigen anderen Volk so. Selbst den Kurden gegenüber gestehen sie ein, dass diese eigentlich einen eigenen Staat haben könnten, auch wenn in der politischen Realität dann ganz anders gehandelt wird. Dass Kurden kein Volk sind, keinerlei Selbstbestimmungsrecht haben, wird so nicht zum Ausdruck gebracht. Das geschieht ausschließlich mit den Juden. Und ausschließlich Juden etwas zu verweigern, was allen anderen – wirklich, theoretisch oder auch nur prinzipiell – zugestanden wird; heißt, dass man einzig Juden diesbezüglich diskriminiert. Weil sie Juden sind.

Und das ist Antisemitismus.

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Wer jetzt kommt und davon faselt, dass Israel ja den Palästinensern Land raubt, den Hals nicht voll bekommt usw.: Blödsinn. Die Juden hatten sich mit weniger zufrieden gegeben, sie hätten ihren Staat auch auf dem kleinen Fetzen gegründet, den ihnen die Peel-Kommission 1936 vorgeschlagen hat. Sie haben sich gegen den von den Arabern angestrebten Völkermord wehren müssen. Müssen sich heute weiter gegen den von den palästinensischen Arabern angestrebten Völkermord wehren.

Dass Israel heute flächenmäßig größer ist als beim Vorschlag von 1936 und beim Teilungsplan der UNO 1947 hat einen einzigen Grund: die Völkermord-Bestrebungen der Araber. Jede Mal wollten sie die Juden vernichten, jedes Mal hatten sie hinterher von ihnen teilweise illegal besetztes Land verloren. Also kommt mir nicht weiter mit euren verlogenen Charakterschweinereien. Wer den Juden verweigert, was er anderen zusteht, ist ein Antisemit. Basta.

Antisemitismus effektiv lehren

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die aktuelle große Nachkriegsexplosion europäischen Antisemitismus begann vor zwanzig Jahren. Frankreich war das erste Land, das eine kräftige Zunahme an Vorfällen hatte. Man hätte erwarten sollen, dass verschiedene jüdische Organisationen seitdem Lernpakete entwickelten. Diese hätte man dazu nutzen können Menschen zu unterrichten, damit sie das Wesen des Antisemitismus als Vorbedingungen für Handeln verstehen. Ich habe nie effektive Pakete gesehen. Es folgen ein paar Dinge, die Teil eines solchen Lernprogramms sein sollten.

Für Schüler ist es entscheiden zu verstehen, dass der hautpsächliche Teil der antisemitischen Hetze aus Bereichen der riesigen islamischen Welt kommt. Das lässt sich durch einen kurzen Brocken aus dem Text der Rede des malaysischen Premierministers Mohamad Mahathir beim Gipfel der Organisation der Islamischen Konferenz im Oktober 2002 verdeutlichen. Die Führer von 57 Ländern waren anwesend. Mahathir, Gastgeber der Konferenz, stellte die Beziehungen zwischen Muslimen und Juden als weltweite, frontale Konfrontation dar und führte einige Beispiele einer „jüdischen Verschwörung“ an.[1] Ihm wurde von den Teilnehmern applaudiert.

Diese Behauptung könnte in dem Paket weiter durch Daten der weltweit durchgeführten ADL-Studie illustriert werden. Sie zeigt, dass 49% der Muslime der Welt Antisemiten sind; bei Christen sind es hingegen 24%, bei Atheisten 21%.[2] Die FRA-Studie von 2018 stellte fest, dass europäische Juden muslimischen Antisemitismus als die größte Bedrohung betrachten.[3] Eine Liste der ideologisch motivierten Morde an Juden in Europa im aktuellen Jahrhundert sollte ebenfalls Teil dieser Information sein. Sie wurden allesamt von Muslimen begangen. Es ist allerdings genauso wichtig nicht alle Muslime als Antisemitismus zu stereotypisieren.

Ein weiteres Schlüsselelement des Lernpaketes sollte die Dämonisierung Israels in Europa und der arabischen Welt sein. Diese könnte über die Darstellung der ehemaligen israelischen Premierminister Ariel Sharon[4] und Ehud Olmert[5] als Nazis in Karikaturen der progressiven norwegischen Zeitung Dagbladet gezeigt werden. Diesen kann man Karikaturen des früheren israelischen Premierminister Ehud Barak als Nazi in arabischen Zeitungen hinzufügen. Somit wäre die die Verbindung zwischen antisemitischen Mitgliedern der europäischen progressiven Linken und der Aufstachelung von Arabern erklärbar.

Dieses Element des Pakets würde durch Statistiken der vielen Dutzend Millionen Europäer Rückhalt verliehen, die Israelis als Nazis betrachten. Die Daten aus den Studien der Universität Bielefeld von 2011[6] und der ungarischen Organisation Inspira von 2019[7] können die Hauptinformationen liefern. Es sollte zudem auf Studiendaten hingewiesen werden, die zeigen, dass Muslime in Europa diese Dämonisierungsideen stärker unterstützen als es die einheimische Bevölkerung tut.

Der nächste Teil des Pakets ist auch einfach zu verstehen. Er besteht darin zu demonstrieren, dass die extreme Rechte – Neonazis oder nicht – ebenfalls eine wichtige Rolle im zeitgenössischen Antisemitismus spielt. Das müsste Bilder von den Schüssen in der Synagoge von Pittsburgh am 27. Oktober 2018 beinhalten. Diese forderten 11 Menschenleben, der schlimmste Akt antisemitischer Gewalt in der amerikanischen Geschichte.[8] Der Anschlag auf die Synagoge in Poway am 27. April 2019 – dem letzten Tag des Pessahfestes – forderte einen Toten.[9] Eine Beschreibung des fehlgeschlagenen Anschlags auf die Synagoge von Halle am Yom Kippur 2019 müsste ebenfalls Teil dieses Paketes sein.[10]

Wichtig ist auch zu betonen, dass Antisemitismus nicht auf rechtsextreme Weiße und Muslime beschränkt ist. Dem Lehrmaterial sollten Bilder des tödlichen Anschlags auf ein koscheres Geschäft in Jersey City Anfang diesen Jahres hinzugefügt werden.[11] Einige Zitate von Amerikas führendem Antisemiten, Louis Farrakhan, können das weiter illustrieren.[12] Das Paket sollte außerdem ein Bild von Farrakhan mit Barack Obama vor dessen Entscheidung für die US-Präsidentschaft zu kandidieren beinhalten. Das illustriert, dass der führende Verbreiter antisemitischen Hasses im Land von wichtigen Amerikanern nicht gemieden wird. Obama hatte es geschafft, das Bild während seiner gesamten Präsidentschaft erfolgreich aus der Öffentlichkeit herauszuhalten.[13]

Antisemitische Motive wie die Ritualmordlüge kehren durch die Jahrhunderte hindurch wieder. Man kann mit Dave Browns Karikatur des ein Baby essenden israelischen Premierministers Sharon beginnen. Sie wurde 2003 in der progressiven britischen Tageszeitung The Independent veröffentlich. Noch wichtiger ist, dass sie von der Organisation britischer Karikaturisten zur besten Karikatur des Jahres gekürt wurde. Der Preis wurde dem Karikaturisten von der ehemaligen Ministerin der Labour Party Clare Short überreicht. Veranstaltungsort war das Büro der gut beleumdeten britischen Wochenzeitung Economist.[14] Direkt neben die Sharon-Karikatur kann man das Bild des italienischen Malers Giovanni Gasparro von 2020 stellen, das die mittelalterliche Ritualmordlüge über Simon von Trient zeigt.[15]

Es ist ebenfalls wichtig die Rolle jüdischer Masochisten zu erklären, die den Antisemiten helfen. Die führende jüdisch-masochistische Organisation der Welt ist J-Street. Die Hagada von J-Street für 2020 in das Lehrmaterial einzubeziehen ermöglicht die detaillierte Bloßstellung solcher masochistischen Ideen. Ein Zitat von vielen in dieser Publikation lautet: „Was soll ich als Jude, der mit Israel verbunden ist, von dem furchtbaren Preis halten, den das palästinensische Volk für die Gründung des jüdischen Staates zahlt?“[16] Die Wahrheit sieht anders aus: Die Palästinenser zahlen einen furchtbaren Preis für ihren Widerstand gegen alle israelischen Friedensprojekte. Die Haggadah erwähnt das Völkermord-Ziel der Palästinenserpartei Hamas überhaupt nicht. Als weiteres Beispiel jüdischen Masochismus, könnte der offene Brief von 240 jüdischen und israelischen Akademikern aus dem Jahr 2019 einbezogen werden. Sie baten die deutsche Regierung ein Gesetz abzulehnen, das die Bewegung Boykott, De-Investitionen und Sanktionen für antisemitisch erklärt.[17]

Das oben Angeführte sind einfach wichtige Beispiele für ein notwendiges detaillierteres Lernpaket zu Antisemitismus. Alles, was nötig ist: dass eine jüdische Organisation – der die Wahrheit mehr wert ist als politische Korrektheit – einige Experten anstellt, die dies und eine Reihe weiterer Punkte in ein brauchbares Paket bringt. Das wird noch nicht einmal viel Geld kosten.

[1] https://jcpa.org/article/the-mahathir-affair-a-case-study/

[2] https://global100.adl.org/map

[3] https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/fra-2018-experiences-and-perceptions-of-antisemitism-survey_en.pdf, Seite 52

[4] “Sharon the Nazi” (Karikatur von Finn Graff, Dagbladet, April 2002), abgedruckt in: Erez Uriely: Jew-Hatred in Contemporary Norwegian Caricatures. Post-Holocaust and Anti-Semitism, 50, 1. November 2006.

[5] “Olmert the Nazi” (Karikautr by Finn Graff, Dagbladet, 10. Juli 2006), reproduiert ebenda.

[6] http://library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[7] Action and Protection League: Number of anti-semitic incidents hate crime Incidents per Year. Beircht vorbereitet von Inspira.

[8] http://www.nbcbayarea.com/news/national-international/fatal-shooting-at-pittsburgh-tree-of-life-synagogue/2037076/

[9] http://www.sandiegouniontribune.com/news/gallery/one-dead-three-injured-in-poway-synagogue-shooting

[10] http://www.jta.org/2019/10/09/global/gunmen-kill-two-in-attack-on-german-synagogue-kebab-shop

[11] https://edition.cnn.com/2019/12/11/us/jersey-city-new-jersey-shooting-wednesday/index.html

[12] https://besacenter.org/wp-content/uploads/2018/12/1034-Louis-Farrakhan-Americas-Foremost-Antisemite-Gerstenfeld-final.pdf

[13] http://www.ajc.com/news/local/could-this-long-lost-photo-have-derailed-obama-2008-campaign/jC8NKhQr6a72VjRYY9o0EM/

[14] www.independent.co.uk/news/media/independent-cartoonist-wins-award-80239.html

[15] http://www.algemeiner.com/2020/04/01/blood-libel-never-a-church-teaching-says-prominent-us-catholic-academic-as-defenders-of-antisemitic-italian-painting-come-forward/

[16] https://jstreet.org/wp-content/uploads/2020/03/J-Street-Passover-Haggadah.pdf, S. 12

[17] http://www.jpost.com/diaspora/antisemitism/240-israeli-jewish-academics-urge-against-calling-bds-antisemitic-592205

Beschönigung des Holocaust, Antisemitismus und Bernie Sanders

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Da die Gesellschaft zunehmend komplex wird, hilft es, sich mit semantischen Mitteln vertraut zu machen, die uns die aktuellen Ereignisse besser verstehen lassen. Zum Beispiel ist es wichtig die Varianten wiederkehrender Motive zu erkennen. Das wird selten, wenn überhaupt systematisch gelehrt. Ein regelmäßig wiederholtes Motiv, das verwendet wird, um Menschen zu täuschen, ist Reinwaschen. Je dunkler der Sachverhalt, desto mehr Reinwaschen wird betrieben. Um dieses Konzept deutlicher zu verstehen, kann die Vertuschung von mit dem Holocaust verbundenen Dingen als gutes Beispiel verwendet werden. In der Vielzahl der Verfälschungen des Holocaust hat das Reinwaschen einen wichtigen Platz.

Ein paar Veranschaulichungen: 1985 lud Bundeskanzler Helmut Kohl US-Präsident Ronald Reagan zu einem gemeinsamen Besuch des deutschen Soldatenfriedhofs in Bitburg ein. Es sollte ein symbolischer Akt für die starken Bande zwischen den USA und Deutschland 40 Jahre nach der deutschen Kapitulation sein. Es wurde zuerst der Eindruck vermittelt, dass nur Soldaten und Offiziere der Wehrmacht dort beerdigt waren. Die Deutschen wollten einen Unterschied zwischen der Armee, die angeblich nicht an Kriegsverbrechen beteiligt war, und der kriminellen SS, die die meisten der Massenmorde an Juden verübten, schaffen. Diese Täuschung war ein Rohrkrepierer. Kurz nach der Ankündigung des Besuchs sickerte durch, dass Mitglieder der Waffen-SS, des militärischen Zweigs der SS, ebenfalls auf diesem Friedhof beerdigt waren. Das führte zu gewaltigen Protesten gegen den Besuch.

In seinen Memoiren widmet Elie Wiesel der Affäre Bitburg ein komplettes Kapitel. Er fasst zusammen, dass Kohl Reagan wissentlich in den Besuch, wie auch in den Kern des Reinwaschungsversuchs hineintrickste.[1] Im Jahr nach dem Besuch in Bitburg wurde zudem öffentlich bekannt, dass die Wehrmacht regelmäßig an den Massenmorden an Juden beteiligt gewesen war.[2]

Eine weitere Veranschaulichung des Reinwaschens zum Holocaust: Der Vatikan versuchte das Museum Yad Vashem unter Druck zu setzen den Text unter einem Foto von Papst Pius XII. zu ändern. Der Vatikan wollte das Verhalten des Papstes im Krieg reinwaschen. Yad Vashem reagierte damit, dass es sagte, es ein unvorstellbar, dass in einer Frage historischer Forschung diplomatischer Druck eingesetzt würde.[3]

Eine dritte Veranschaulichung betrifft den amerikanischen Kriegszeit-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt. Abgesehen vom Reinwaschen involviert dies ein weiteres Motiv, „Ablenkung“. Vertreter des US-Außenministeriums wurden für die Tatsache verantwortlich gemacht, dass die Einwanderung von Juden in die Vereinigten Staaten während des Krieges weit unter den gesetzlichen Grenzen lag, die der Kongress festgelegt hatte. Historiker haben bewiesen, dass diese Politik mit vollem Wissen und Zustimmung Roosevelts erfolgte.[4]

Reinwaschung wird oft auch als wichtiges Motiv beim Leugnen von Antisemitismus verwendet. Das wird regelmäßig zusammen mit seiner „Bagatellisierung“ eingesetzt. Die britische Labour Party ist ein Musterbeispiel. Eine Mehrheit ihrer Mitglieder sind Antisemitismus-Beschöniger und -Bagatellisierer. Eine aktuelle Umfrage von YouGov für die Mail on Sunday zeigte, dass 53% der Labour-Mitglieder glauben, das Problem des Antisemitismus in der Partei werde übertrieben. Weitere 25% glauben, dass es so ein Problem überhaupt nicht gibt.[5] Eine detaillierte Studie des Wissenschaftlers Alan Johnson, selbst Labour-Mitglied, hat jedoch gezeigt, dass die Partei institutionell antisemitisch ist.[6] Das Beschönigen/Bagatellisieren durch die Mehrheit der Labour-Mitglieder kann als Teil dieses institutionellen Antisemitismus angesehen werden.

Sich mit diesen Beispielen für das Reinwaschungsmotiv vertraut zu machen ermöglicht den Vergleich mit anderen zeitgenössischen Themen. Ein fast klassisches Beispiel aus dem US-Kongress war eine Äußerung der jüdischen, progressiven Kongressabgeordneten der Demokraten Jan Schakowsky zu mehreren antisemitischen Bemerkungen ihrer Kollegin Ilhan Omar. Sie sagte: „Als somalischer Flüchtling aus einer anderen Kultur muss Omar einiges lernen.“ Der uninformierte Leser könnte glauben, dass Omar erst vor kurzem in die USA kam. Fakt ist, dass sie seit den 1990-er Jahren in den USA lebte. Während dieser Zeit lernte Omar erfolgreich für den Kongress zu kandidieren – eine Herausforderung, die weit schwieriger ist als die Verwendung antisemitischer Kommentare zu vermeiden.[7]

Im März 2020 siegte Marie Newman über den amtierenden Demokraten in einer heftig umkämpften Vorwahl eines den Demokraten zugeneigten Kongress-Distrikts in Illinois. Ein rascher Blick auf ihre Internetseite zeigt, dass Newman gegen die Gewalt sowohl der Israelis als auch der Palästinenser ist. Daneben gibt es keine weiteren Forderungen an die Palästinenser, aber viele an Israel. Newman ist eine extreme Reinwäscherin der Palästinenser, indem sie von deren antidemokratischen Taten und Verbrechen nichts erwähnt.[8]

US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders ist ein Vielzweck-Reinwäscher. Selbst heute ist er immer noch nicht bereit den kubanischen Führer und Massenmörder Fidel Castro öffentlich völlig zu verurteilen.[9] Sanders sprach auch davon, dass die Würde der Palästinenser respektiert werden müsse. Doch die haben bei ihren Parlamentswahlen dafür gestimmt der völkermörderischen Hamas-Bewegung eine Mehrheit zu geben. Die Führung der palästinensischen Autonomiebehörde glorifiziert Mörder und hat eine „Geld für Mord“-Politik, um sie oder ihre Familien für die Ermordung von Israelis zu belohnen. Sanders bezeichnet die israelische Regierung zudem als rassistisch. Er wäscht sich selbst rein, indem er sagt, er sei ein demokratischer Sozialist für „Gerechtigkeit, Anstand und Menschenwürde“.[10] Dennoch sagen andere Demokraten nichts Negatives über andere Demokraten, während sie gleichzeitig Mörder ehren.

Zu lehren, wie das Motiv des Reinwaschens angewendet wird, ist wichtig für diejenigen, die gegen Antisemitismus sind. Es ist aber auch hilfreich für jeden, der sein Verständnis dafür verbessern will, was hinter den Nachrichten steckt. Das und andere Motive zu lehren, indem umfangreiche Beispiele bereitgestellt werden, wird auch für Schüler äußerst hilfreich sein. Es wird ihnen ermöglichen die zunehmend undurchsichtige und verwirrende Gesellschaft zu verstehen, in der sie leben werden.

[1] Elie Wiesel: And the Sea Is Never Full: Memoirs, 1969. New York (Alfred A. Knopf), 1999, S. 224-250

[2] www.goethe.de/wis/fut/ins/en3150943.htm.

[3] www.jpost.com/Israel/Vatican-to-skip-Yad-Vashem-ceremony

[4] Brief des David S. Wyman Institute for Holocaust Studies an Cynthia Koch und Herman Eberhard; Franklin D. Roosevelt Musuem, 6. Juli 2005

[5] https://antisemitism.uk/labour-members-dismiss-antisemitism-in-new-poll-but-it-persists-in-the-party-at-national-and-local-levels-and-on-social-media/

[6] fathomjournal.org/wp-content/uploads/2019/03/Institutionally-Antisemitic-Report-embargoed.pdf

[7] www.algemeiner.com/2019/03/22/the-multiple-faces-of-whitewashing-antisemitism/; www.realclearpolitics.com/video/2019/03/07/dem_rep_jan_schakowsky_ilhan_omar_apologized_to_me_personally_as_a_jew_she_comes_from_a_different_culture.html

[8] http://www.marienewmanforcongress.com/wp-content/uploads/2019/10/Israel_Palestine-1.pdf

[9] www.nationalreview.com/2020/02/bernie-sanders-support-communism-moral-failing/#slide-1

[10] http://www.vox.com/policy-and-politics/2019/6/12/18661708/bernie-sanders-definition-democratic-socialism-explained

Das sich ausdehnende dunkle Universum des Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; auf Englisch auch veröffentlicht auf BESA Center, 11. März 2020)

Im weltweiten Kampf gegen die vielen Antisemiten ist eine Definition dieses Hasses unerlässlich. Das ist der Grund, weshalb eine Reihe von Ländern, Städten, Universitäten und anderen Institutionen in Europa die nicht rechtsverbindliche Antisemitismus-Arbeitsdefinition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) für den internen Gebrauch angenommen haben.[1]

Dieser Text wurde 2016 vom Vorstand der IHRA genehmigt, der aus den Repräsentanten von 34 Ländern besteht.[2] Die meisten sind Mitglieder der EU, zu den weiteren gehören unter anderem die USA, Kanada und Australien. Die Genehmigung durch alle Mitgliedstaaten war für die Annahme der Definition notwendig.

Das Definitionsdokument der IHRA beinhaltet auch elf Beispiele für Antisemitismus. Eine Reihe von ihnen betreffen Israel. Dennoch würde sich eine gesonderte Definition des Antiisraelismus lohnen. Keine Definition, auch nicht die der IHRA – selbst wenn die Initiatoren viele weitere Beispiele hinzugefügt hätten – kann der Abdeckung der Vielzahl der Fälle nahe kommen, die Elemente des Antisemitismus beinhalten oder berühren. Das ist zum Teil das Ergebnis der postmodernen Zeit, in der wir leben. Viele Dinge sind bruchstückhaft und Antisemitismus ist eines davon.

Es gibt ein riesiges dunkles Universum voller Dinge, die Antisemitismus über die IHRA-Definition hinaus berühren. Viele davon gab es in der klassischen Periode religiöser und nationalistischer/ethnischer Versionen des Antisemitismus vor dem Zweiten Weltkrieg nicht. Eine Reihe ausgesuchter Beispiele wird das illustrieren.

Dem institutionellen Antisemitismus in der britischen Labour Party ist viel Aufmerksamkeit gewidmet worden. Das kam klar an die Öffentlichkeit, nachdem Jeremy Corbyn im September 2015 zum Parteivorsitzenden gewählt wurde. Er hat bei zahlreichen Gelegenheiten antisemitische Einstellungen gezeigt. Dennoch ist die IHRA-Definition bei der Identifizierung davon nicht hilfreich. Sie deckt sein Willkommen der Repräsentanten der völkermörderischen Bewegungen Hamas und Hisbollah im Unterhaus[3] nicht ab. Diejenigen, die die Definition entwarfen, haben zudem die Äußerungen Corbyns nicht vorhersehen können, der diese Repräsentanten extrem mörderischer antiisraelischer Terrororganisationen als seine „Freunde“ und „Brüder“ bezeichnete.[4] Die IHRA-Definition deckt zudem Corbyns – auch finanzielle – Unterstützung der Organisation eines Holocaust-Leugners[5] und das gemeinsame Podium mit einem weiteren Holocaust-Verdreher ab.[6]

Ein weniger transparentes Beispiel im Antisemitismus-Universum betrifft Bernie Sanders, einen führenden jüdischen Bewerber in den Präsidentschaftsvorwahlen der US-Demokraten. Wenn er von den Palästinensern spricht, verweist er auf ihre Würde.[7] Man fragt sich, wie die Würde derer aussieht, die bei den palästinensischen Parlamentswahlen 2006 der Hamas die Mehrheit gaben; diese erklärt offen, dass es ihr Auftrag ist massiv Juden zu ermorden. Andererseits spricht Sanders von Israels „rassistischer Regierung“ und seinem „rassistischen Premierminister“.[8] Die Kombination dieser Äußerungen zeigt Sanders’ Affinität zu extremen palästinensischen Antisemiten.

Vor dem Zweiten Weltkrieg hatten Antisemiten keinen Grund ihren Antisemitismus zu verstecken. Dieser Hass war in Europa vollauf akzeptabel. Heutzutage ist Antisemitismus im Mainstream der Gesellschaften des Westens ausdrücklich nicht mehr politisch korrekt. Daher ist Vernebelung – als Antisemit vorzugeben, man sei kein solcher – recht produktiv eingesetzt worden. Ein Antisemit könnte sogar fälschlich behaupten, der sei ein „Freund Israels“. Eine detaillierte Analyse der Äußerungen des ehemaligen deutschen Außenministers und sozialistischen Parteichefs Sigmar Gabriel zu Israel illustriert dies.[9]

Etwas, das das Verständnis des zeitgenössischen Antisemitismus entscheidend verkompliziert, beseht in der Mutation des Haupttypus der Antisemiten in der westlichen Welt. Während des Aufstiegs und der Herrschaft der Nazis waren viele Judenhasser Vollzeit-Antisemiten. Das war nicht nur bei Deutschen der Fall. Zum Beispiel gehörte Vidkun Quisling, während des Krieges norwegischer Premierminister, in diese Kategorie. Heute sind die meisten jedoch Teilzeit-Antisemiten.

Ein solcher Teilzeit-Antisemit könnte sogar nur eine einzige wichtige antisemitische Äußerung tätigen, ohne sie zu wiederholen. Ein Beispiel für einen Einmal-Antisemiten ist der deutsche Botschafter bei der UNO, Christoph Heusgen. Zur Erklärung der vielen antiisraelischen Abstimmungen seines Landes gab Heusgen im März 2019 in der UNO eine niederträchtige Erklärung ab: „Wir glauben, dass das internationale Recht am besten geeignet ist, Zivilisten zu schützen, damit sie in Frieden und Sicherheit leben können, damit sie ohne Angst vor israelischen Bulldozern oder Hamas-Raketen leben können“, sagte Heusgen im März unter anderem.“[10]

Die größte deutsche Tageszeitung, BILD, schrieb eine Antwort auf Heusgens Äußerung, in der er palästinensische Raketen mit israelischen Bulldozern gleichsetzte. Sie merkte an: „Diese Gleichsetzung ist pure Häme in einer Woche, in der die israelische Bevölkerung immer wieder vor Raketen-Beschüssen der Hamas-Terroristen fliehen musste. Heusgens Anspielung auf die Bulldozer bezieht sich hingegen auf Maßnahmen der israelischen Regierung gegen ungenehmigte Bauten, von denen vor allem Palästinenser, aber auch israelische Siedlungen betroffen sind.“[11] Das Simon Wiesenthal Center nahm Heusgens UNO-Äußerung in seine Liste der wichtigsten antisemitischen Vorfälle des Jahres 2019 auf.[12]

Da Antisemitismus politisch nicht korrekt ist, haben seine Leugnung, Beschönigung und Bagatellisierung exponentiell zugenommen. Die britische Labour Party ist ein Paradebeispiel. Sie steckt voller Antisemitismus-Beschöniger. Eine Umfrage unter zahlenden Labour-Mitgliedern im März 2018 stellte fest, dass 47% sagten, Antisemitismus sei ein Problem, aber das Ausmaß des Problems werde übertrieben, „um der Labour Party und Jeremy Corbin zu schaden oder Kritik an Israel zu abzuwürgen“. Weitere 31 Prozent sagten, Antisemitismus sei kein ernstes Problem. 61 Prozent glaubten, Corbyn handhabe die Antisemitismus-Vorwürfe gut.[13]

Für solche Verschleierung sind viele Techniken entwickelt worden. Man findet sogar Beschöniger extremer Fälle von Antisemitismus. Die naziartigen Umzugswagen beim Karneval im belgischen Aalst im Februar 2020 wie auch ein Jahr zuvor sind ein Beispiel dafür.[14]

Louis Farrakhan ist Amerikas führender Antisemit. Viele seiner Äußerungen über Juden erfüllen die Definition der IHRA. Er hat Juden als „Termiten“ und „Giftmischer“ bezeichnet.[15] Doch wie beschreibt man Leute, die seine Gesellschaft suchen? Ist gewollt mit ihm fotografiert zu werden eine antisemitische Tat? Vermutlich nicht, aber es ist ein weiterer dunkler Fleck im Universum des Antisemitismus. Es ist das, was Barack Obama 2005 machte, bevor er verkündete, dass er sich um die Präsidentschaft bewirbt. Später schaffte Obama es, dieses Foto einige Jahre lang zu unterdrücken.[16] Verschiedene demokratische Kongressmitglieder und Gründer des Women’s March suchten ebenfalls die Nähe zu Farrakhan.[17][18]

Zu behaupten, dass die Juden selbst die Ursache von Antisemitismus sind, war in den historischen Ursprüngen ein Schlüsselfaktor dieses Hasses. Als Christen Juden brutal behandelten, behaupteten sie, dass das sich daraus ergebende Leiden der Juden Gottes Strafe dafür sei Jesus nicht anzuerkennen. Dieses Motiv jüdischer Schuld kehrt in vielen Versionen wieder. Sawsan Chebli, die sozialistische Staatssekretärin für außenpolitische Angelegenheiten in Berlin, twitterte einen Tag nach der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz dieses Jahr: „Ist ja alles traurig, was damals passierte. Aber dass der Hass wieder aufkommt, da sind die Juden nicht ganz unschuldig. Siehe Siedlungspolitik, Annexion…“ Das höre ich sehr oft, und zwar nicht von Muslimen, Arabern oder Flüchtlingen, sondern von Deutschen ohne Zusatz.“[19]

The Berlin Spectator berichtete, Burkard Dregger, CDU-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, beschuldigte Chebli der Verbreitung von klassischem Antisemitismus und die Juden für ihr Leiden in der Vergangenheit verantwortlich zu machen. [20] Andererseits hat Chebli sich aktiv gegen Antisemitismus ausgesprochen und hat dafür sogar einen Preis erhalten. Sie ist repräsentativ für eine ambivalente Form des Antisemitismus. Man könnte auch sagten, dass sie eine bipolaren Einstellung zu diesem Hass hat.

Es gibt viele weitere Beispiele, die in das dunkle Universum des Antisemitismus gehören. In diesem sich ausdehnenden Universum treten im Verlauf der Zeit neue davon auf.

[1] http://www.holocaustremembrance.com/working-definition-antisemitism

[2] http://www.holocaustremembrance.com/about-us/our-partners

[3] http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/aug/13/jeremy-corbyn-labour-leadership-foreign-policy-antisemitism

[4] ebenda

[5] http://www.telegraph.co.uk/news/2017/05/20/jeremy-corbyns-10-year-association-group-denies-holocaust/

[6] www.theguardian.com/politics/2018/aug/01/jeremy-corbyn-issues-apology-in-labour-antisemitism-row

[7] http://www.jpost.com/American-Politics/Bernie-Sanders-Im-pro-Israel-but-we-must-treat-Palestinians-with-dignity-608540

[8] http://www.newsweek.com/bernie-sanders-calls-israels-netanyahu-reactionary-racist-says-hed-consider-moving-embassy-1489109 www.timesofisrael.com/sanders-netanyahu-is-racist-us-must-also-be-pro-palestinian/ www.timesofisrael.com/netanyahu-gives-restrained-response-after-sanders-calls-him-a-racist/ www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/276245

[9] www.inss.org.il/sigmar-gabriel-german-foreign-minister/

[10] www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism/German-UN-ambassador-makes-list-of-worst-antisemiticanti-Israel-incidents-610660

[11] www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/deutscher-uno-botschafter-provoziert-hitzige-debatte-um-gaza-konflikt-60895806.bild.html

[12] www.wiesenthal.com/about/news/top-ten-worst-anti-semitic.htm

[13] www.thetimes.co.uk/article/labour-poll-says-antisemitism-row-is-exaggerated-8tdj7wffh

[14] www.ad.nl/binnenland/beledigende-carnavalsoptocht-in-vlaamse-aalst-zonder-problemen-verlopen~a387fa03/

[15] www.jewishvirtuallibrary.org/minister-louis-farrakhan-in-his-own-words

[16] www.ajc.com/news/local/could-this-long-lost-photo-have-derailed-obama-2008-campaign/jC8NKhQr6a72VjRYY9o0EM/

[17] https://abcnews.go.com/Politics/republican-jewish-coalition-calls-resignation-democrats-ties-farrakhan/story?id=53601481

[18] www.harpersbazaar.com/culture/politics/a25920871/womens-march-controversy-explained-louis-farrakhan/

[19] https://twitter.com/SawsanChebli/status/1222159170306179073; https://berlinspectator.com/2020/01/29/berlin-state-secretary-stirs-outrage-with-tweet-1/

[20] ebenda

Ich verwahre mich…

… gegen diese anmaßende, boshafte Vereinnahmung durch den Vatikan.

Ich bin Christ. Entschiedener Christ. Bibeltreuer Christ.
Wenn der Vatikan behauptet eine christliche Sichtweise zu verkünden, dann behauptet die Kurie, sie spräche auch für mich.
Das ist eine Anmaßung. Tut der Haufen abgehobener Kleriker nämlich nicht. Schon gar nicht, wenn solche Sachen behauptet werden:

– Die Lage der Christen im Westjordanland ist wegen Israel katastrophal.

– Israel kolonisiert das Westjordanland.

– Egal wer bei der Wahl gewinnt, es wird sich nichts ändern, weil alle den Trump Plan befürworten.

Erstens ist die Lage der Christen in Judäa und Samaria sowie dem Gazastreifen allein den Terroristen von der PA, Hamas usw. geschuldet. Es müsste aber selbst dem dümmsten Ignoranten auffallen, dass es den Christen in Judäa, Samaria und dem Gazastreifen erst immer schlechter geht, seit die selbsternannten Palästinenser dort etwas zu sagen haben. Sollte man vertreten Israel sei die Ursache der Notlage der Christen, dann vielleicht höchstens so: weil Israel es zugelassen hat, dass die PLO dort die Macht übergeben wurde. Aber das meinen die Israelhasser von Papst Franz ja nicht.

Zweitens: Judäa und Samaria werden nicht von Israel kolonisiert. Kolonisierung würde bedeuten, dass Menschen dort Land weggenommen, sie vertrieben und ausgebeutet werden. Trifft alles nicht zu. Die Siedlungen wurden auf ungenutztem Brachland errichtet, für das kein Nachweis von arabischem Privatbesitz existiert. Wo das anders ist, werden die illegalen Außenposten immer abgerissen. Kein einziger Araber wurde dafür vertrieben.
Die jüdischen Siedler beschäftigen palästinensische Araber, sorgen dafür, dass diese ein Auskommen haben, das deutlich besser ist als alles, was die Araber selbst schaffen. Die Juden investieren, sie beuten nicht aus.

Drittens: Der Trump-Plan ist nicht die Bibel. Es liegt an den Konfliktparteien vor Ort für Frieden zu sorgen. An beiden Seiten. Israel ist immer dazu bereit gewesen, hat immer Verhandlungen angeboten, hat mehrfach Vorschläge gemacht. Die Araber dagegen haben immer alles abgelehnt, keine Gegenvorschläge gemacht – wenn denn überhaupt einmal verhandelt wurde. Was der Vatikan anscheinend vertritt ist einzig: Gebt den Terroristen, was sie wollen – lasst euch vernichten.

Und das soll eine christliche Sicht sein? Das ist höchstens eine vatikanische Sicht, noch nicht einmal eine katholische, denn ich kenne jede Menge katholischer Israelfreunde, die diese Haltung des Vatikan heftig ablehnen. Wenn der Vatikan von einer christlichen Sicht spricht, dann ist das mehr als anmaßend. Es arrogant und verleumderisch. Und die Lügen, die damit verbreitet werden sind zutiefst unchristlich.