Mein Israel

Paula R. Stern, 12. Januar 2016

Ein Post für Sarah Tuttle-Singer … die mich fragte und deshalb werde ich antworten, so gut ich kann…

Mein Israel ist ein Traum, der anfing, als ich 13 war, aber erst wahr wurde, als ich 33 war.

Mein Israel ist eine Insel, ein sicherer Hafen, ein Strahl, der durch die bewegte See scheint, die es umgibt.

Mein Israel ist eine Botschaft, die von Herz zu Herz und von Hirn zu Hirn gesendet wird – zu jedem Juden weltweit. Es ist Zuhause. Wenn du in Gefahr bist, wenn du in Angst lebst, wenn andere dich nicht sein lassen, wer du sein möchtest – komm nach Hause.

Mein Israel ist die Frau, die mir morgens um halb fünf am Kotel (der Westmauer des Tempelbergs in Jerusalem) einen Schal und warmen Tee gab, als ich auf den allerersten Minyan des Tages wartete, um die Morgengebete zu beginnen; und mein Israel sind die Vögel, die genau zur Morgendämmerung aufstiegen und anfingen über den Köpfen der Menschen zu kreisen, als der neue Tag geboren wurde. Beim dritten Mal, dass ich das erlebte, begriff ich, dass es Teil des Wunders der Zeit, des Ortes war.

Mein Israel ist ein Land, das seinen Söhne in den Dienst ruft, seine Mütter aufruft mutig genug für Unterstützung zu sein, wenn diese Söhne in den Krieg gerufen werden. Es ist ein Land, in dem Menschen öfter mutig in die Gefahr laufen als dass sie davor wegrennen.

Mein Israel ist ein Heim für ein Volk, das gewandert ist, sich aber immer Jerusalem zuwandte, wenn es betete, egal, wo sie waren. Es ist ein Land, das alle Religionen willkommen heißt – das einzige Land der Region, in dem Christen und Juden sicher Gottesdienst feiern können.

Mein Israel ist der Beduine, der unsere Straßen fegt; der arabische Arzt, der mir diesen Sommer half; die russische Krankenschwester, die sich vor kurzem um meinen Vater kümmerte, die französischen Nachbarn, die auf der anderen Straßenseite wohnen; der jemenitische Mann, der nebenan wohnt; der Marokkaner, der direkt neben dem nächsten Nachbarn wohnt; die amerikanische Familie, die dann kommt, der Iraner, bei dem ich so gerne Schuhe kaufe.

Mein Israel ist ein Land, das so viele Probleme hat – aber keine, die so schlimm sind, dass unserer Ärzte, Krankenpfleger, Rettungsteams und Hilfskräfte zögern würden einen Alarmstart hinzulegen und um die Welt zu fliegen, wenn andere eine Katastrophe erleben – nach Haiti, nach Kenia, nach Missouri, nach Indonesien…

Mein Israel ist ein Land der Wunder. Jeden. Einzelnen. Tag.

Mein Israel ist ein Versprechen, das mein Mann mir vor mehr als dreißig Jahren gab, ein Versprechen, das ich meinen Kindern vor dreiundzwanzig Jahren gab. Er stimmte zu ins Land zu kommen und es zu seinem Zuhause zu machen und wenn ich ihn heute frage, ob er reisen möchte, sagt er mir, es gäbe keinen Grund und so finden unsere Urlaube meistens irgendwo in der Nähe statt.

Mein Israel ist dort, wo es keine Rolle spielt, wie links oder rechts wir sind, wir treffen uns ohne zu zögern in der Mitte, wenn sich Tragödie oder Bedürftigkeit einstellen.

Unweihnachtliche Weihnachtsgedanken

Weihnachten – das scheint für einige DIE Gelegenheit zu sein entweder auf Israel einzuprügeln oder das Mantra der Bosheit Israels weiter einzuimpfen.

Ich habe gestern – Heiligabend – wenig Nachrichten mitbekommen. Erst auf der Fahrt nach Hause hörte ich um Mitternacht, was den Tag über so gewesen war. Da schickten WDR und NDR in ihrer gemeinsamen Nachrichtensendung ins Rennen, dass vier Palästinenser getötet wurden und auch am Tag vorher einiges los war. Sie „sollen“ Messerangriffe unternommen haben. Das ganz kam so rüber, dass der Tod der Mörder völlig unnötig war (wer den Bericht einer Wachfrau in Ariel liest, weiß, dass der Attentäter noch schwer verletzt weiter versuchte sie zu ermorden), während die jüdischen Opfer völlig außen vorgelassen wurden. Der Lateinische Patriarch beklagte in Bethlehem die Gewalt im Namen der Religion – einen Täter benannte er nicht. WDR/NDR nahmen das zum Anlass die „palästinensischen“ Toten aufzulisten und die jüdischen zu ignorieren. Passt also.

DIE ZEIT gerierte sich mal wieder als Lügner, ob aus Dummheit und Unwissen oder aus Bosheit, sei dahingestellt: Auch hier wurde von Gewalt geschrieben, die die Weihnachtsfeiern im Heiligen Land überschatteten. „Auch an Heiligabend hat es bei Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern Tote gegeben. Israelische Sicherheitskräfte erschossen im Westjordanland bei mehreren Zwischenfällen vier Palästinenser, von denen einige zuvor Israelis mit Messern angegriffen hatten. Mehrere Israelis waren dabei verletzt worden. Zuvor waren in Jerusalem zwei Palästinenser getötet worden, die an einem Zugang zur Altstadt auf Passanten eingestochen hatten.“ Dann folgt die undifferenzierte Auflistung der Toten auf beiden Seiten und die Mär, dass der Streit um den Tempelberg und die Besatzung Auslöser der seit drei Monaten andauernden Gewalt seien. Von der Hetze der Araber, der Hass-Erziehung in Medien, Schulen, Moscheen – kein Wort. Einseitig – ja, wenn auch nicht so schlimm wie es sonst in unseren Medien so üblich ist. Aber ein schwachsinniges Schmankerl darf dann denn wohl doch nicht fehlen: Der Gazastreifen ist immer noch von Israel besetzt:

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Das Foto ist von DPA verbreitet worden; hat sie auch die Bildunterschrift gemacht? Das Foto stammt jedenfalls aus Hebron, wo sich Sanitäter (vergeblich) um einen angeschossenen Terroristen kümmerten, der mit seinem Auto Soldaten gerammt hatte.

Es sagt viel darüber aus, was ein Qualitätsmedium vermitteln will, wenn es schlicht die Fakten falsch bringt.

Auch die Auswahl des Fotos macht Sinn: Die vielen Soldaten, die zeigen, dass das israelische Militär und Israel gewalttätig sind und die Palästinenser die Opfer am Boden. Von der Gewalt der Araber ist nichts zu sehen. Die kommt immer hinter dem, was die Israelis tun. Die wird eher nebenher erwähnt. Und im Bild kommst sie schon gar nicht vor. Dabei ist sie einfach zu finden, wenn man denn nur will. (Ein paar wenige Beispiel habe ich hier eingestellt.)

Aber immer noch etwas besser als einige andere. So ließ die Associated Press 2 Palästinenser nach einem Messeranschlag töten – man sollte also meinen, dass die beiden Araber die Opfer des Messerangriffs waren, in Wirklichkeit waren sie die von Sicherheitskräften erschossenen Täter (die nur keine weiteren Opfer finden konnten). Einige „Qualitätsmedien“ wie die New York Times und TIME übernahmen das. CNN machte es noch besser: „2 Tote bei Anschlag in Altstadt von Jerusalem“. Man muss AP zugute halten, dass sie nach heftiger Intervention von HonestReporting die eigene Schlagzeile änderte: „2 palästinensische Angreifer getötet, 2 Israelis sterben in Jerusalem.“ Was wiederum die Frage aufwirft: Warum werden die Araber aktiv „getötet“, während Israelis einfach nur ohne jede Ursache „sterben“?

Die absolute Krone der Verlogenheit setzt sich jedoch Press TV auf: „Israelische Streitkräfte erschießen 2 Palästinenser in Al-Quds“. Das wundert nicht, ist doch Press TV ein Organ der Terror- und Lügenmullahs in Teheran. Was jedoch auch wieder den Gedanken ins Spiel bringt, weshalb die westlichen Qualitätsmedien in ihrer Berichterstattung so nahe an der Lügenpresse einer Mordbande liegen.

Und auch sie dürfen nicht fehlen: die Alibijuden wie Avi Primor, die uns weiter mit der Mär indoktrinieren, die sogenannten Palästinenser würden nur aus Verzweiflung handeln (in diesem Fall mit der Vokabel „Hoffnungslosigkeit“ zum Ausdruck gebracht). Kann man solchen Leuten wirklich nicht beibringen, dass es auch andere Gründe für Judenmord gibt? Nein, das geht nicht, denn dann wäre es möglich, das arabische Terroristen auch mal aus Fanatismus handeln. Das können aber nach Maßgabe unserer Eliten und Qualitätsmedien ausschließlich Weiße, die dem Spektrum rechtsradikal bis Nazi zugeordnet werden, also alles, was nicht die Ansichten der Gutmenschen-Linken vertritt. Und dann werfen sie Leuten, die sie pauschal in diese Ecke stellen, vor, sie würden in Schwarz-weiß-Mustern denken und seien nicht in der Lage Nuancen zu erkennen. Na Mahlzeit.

Gibt es Aussicht, dass sich daran etwas ändert? Wohl kaum. Außer es wird endlich dem Volk mal aufs Maul geschaut und seine Sorgen ernst genommen, statt jeden Widerspruch oder auch jede (berechtigte!) Frage immer gleich in die Naziecke zu verbannen. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Problemen, statt Gift zu versprühen – das wäre mal ein Fortschritt. Vielleicht wird der endlich gemacht, wenn die bösen Verbrecher von den „rechtspopulistischen“ Parteien weiter Wahlerfolge erzielen. Irgendwann müssen die Großkopferten doch mal erkennen, dass sie die Menschen denen in die Arme treiben, die sie so verteufeln. Und vielleicht gibt es dann ein Umdenken und etwas realistischere Politik, statt der aktuellen Beschimpfungen Andersdenkender und das Abbügeln von allem, was ins ideologische Bild nicht passen darf. Eine Ausrichtung an der Realität, statt diese der Ideologie anpassen zu wollen (was nur vergeblich sein und letzten Endes schiefgehen kann) würde gut tun und eine Radikalisierung in die falsche Richtung verhindern. Hoffen wir, dass dieser Punkt bald erreicht wird.

Schule: Mädels, keine Miniröcke!

Dann war da noch die Schule, die ihren Mädchen angesichts des neuen Asylbewerberheims in der Nähe das Tragen von Miniröcken verbot – nicht aus Selbstschutz vor eventuellen Übergriffen, sondern um die muslimischen Bewohner nicht vor den Kopf zu stoßen. Da hatte einer den Eindruck, dass die Mädels auf ihre Weise auf das Verbot reagierten:

keinen-minirock

Nee, ist nicht echt. Gefunden auf Facebook.

Herr Gauck in Jordanien

Der Bundespräsident war in Jordanien. Dort äußerte er sich laut Bericht (nicht nur) in der WELT:

“Wenn sich irgendeine Gesellschaft vorstellt, dass es gut sei, auf Dauer Flüchtlinge in Lagern unterzubringen”, dann sei das “ein Irrweg”. Es müsse darum gehen, “Möglichkeiten der Integration” zu schaffen.

Da sich das an „Europa“ richtete, ist jetzt nicht so ganz, ob er meint, wir müssten die alle aufnehmen. Zumal er auch erfuhr bzw. wissen ließ, dass „es am besten wäre, sie könnten zurückkehren“. Was angesichts der Lage fragwürdig und zumindest zur Zeit unmöglich ist. Daher wohl auch die Forderung nach Integration – dort oder bei uns?

Können wir jetzt mal offen lassen. Mich interessiert eher, ob die Äußerung, es sei ein Irrweg Flüchtlinge auf Dauer in Lagern unterzubringen und es müssten Möglichkeiten der Integration geschaffen werden, sich auch auf andere Flüchtlinge bezieht, also allgemein gültig verstanden werden soll oder nicht.

Und wenn das allgemeingültig verstanden werden sollte, dann hätte ich eine Frage an den Herrn Bundespräsidenten:

Sagen Sie das gelegentlich auch mal den Arabern? Bezüglich der „Flüchtlinge“, die von denen seit 68 Jahren in Lagern gehalten werden?

Aber vielleicht gilt hier auch wieder nur das Prinzip: Für Israel gelten andere Regeln, das ist der Jude unter den Staaten. Und die Araber brauchen den Rat nicht, integrieren muss nur der Westler, gerade die, die aus dieser ganz anderen Kultur kommen, deren Mitglieder sich nicht anpassen brauchen, weil wir uns in sie zu integrieren haben?