Aus Menschlichkeit: Je suis Hebron

Barbara Sofer, The Jerusalem Post, 9. Juli 2016 (übersetzt von Cora)

Bestimmt können selbst jene, die Familien wie den Ariels die Schuld geben, weil sie in den biblischen Hügeln von Hebron leben, sehen, wo in dieser Geschichte das Böse ist.

In der Nacht vor ihrem Tod tanzte Hallel Jaffa Ariel in der Grundschule meiner Enkelin in Jerusalem.

Halleli, wie sie ihre Eltern zärtlich nannten, ging nicht in Jerusalem zur Schule. Harikud, das Zentrum für Tanz in Kiryat Arba/Hebron, geführt von Esther Marom, ist so gut, dass es Lehrer in die größeren Städte exportiert, sogar nach Jerusalem mit seinen Musikhochschulen und hochgepriesenen Tanzprogrammen.

Um die Darstellung zum Jahresabschluss der Tänzer der örtlichen Grundschule aufzuwerten, kam die Gruppe zu dieser Jahresabschlussgala. Die älteren Mädchen dienten dabei als Vorbilder, die zeigten, wie weit man kommen kann, wenn man übt.

Sie erfreuten Mütter und Großmütter, die gekommen waren um ihren kleinen Familienangehörigen zu applaudieren und nun diese kunstvolle und faszinierende Vorstellung der Tänzerinnen aus Hebron geboten bekamen.

Aus Kiryat Arba/Hebron? Sicher zeigten sie Kriegstänze mit Szenen von heraus gerissenen Olivenbäumen? Nichts dergleichen. Ausgefallen, sparsam, emotional. Wohlüberlegte Hebungen und Senkungen der Arme. Neigungen des Kopfes. Sparsam, mit emotionaler Intensität, Licht und Schatten erobernd, ein Band zwischen irdischem und der Spiritualität knüpfend. Selbstbewusst aber bescheiden. Vollkommen und ermutigend.

Am Morgen nach der Aufführung schlief Hallel aus. Wer von uns erinnert sich nicht an den tiefen Schlaf zu Beginn der Sommerferien? Sie hatte ihrem Vater, einem Winzer, versprochen, später am Vormittag zu helfen.

Ihre Eltern waren fortgefahren um Hallels jüngere Schwestern zu ihren Tagesaktivitäten zu bringen.

Muhammad Nasser Tarayrah, 17, erwachte am frühen Morgen in der Nachbarstadt Bani Naim. Größer als Kiryat Arba, dem jüdischen Teil Hebrons, hat Bani Naim 20.000 Einwohner, die meisten kamen während des britischen Mandats. Es ist ein Handelszentrum und wahrscheinlich liegt hier der biblische Lot begraben.

Die Jugendlichen haben Handys und Computer.

Die Stadtverwaltung hat eine Seite bei Facebook.

Es gibt keinen elektrischen Sicherheitszaun um Bani Naim. Mohammed untersuchte den, der Kiryat Arba umgibt und setzte den Alarm außer Betrieb. Das nächste Haus ist Teil eines kleinen Weinbaubetriebs. Mohammed kletterte hinein. Er schloss sich ein. Das einzige Geräusch war das ruhige Atmen einer 13jährigen.

Wovon träumte Hallel? Im Jahr ihrer Bat Mitzwah traf sie sich monatlich mit einer Frau, von der ihrer Mutter dachte, diese hätte einen entscheidenden Einfluss auf die Welt und könnte ihren Horizont erweitern. Manche sagten, sie wolle Tänzerin werden, andere Ärztin, wieder andere Zoologin, wenn sie erwachsen ist.

Hallel wird niemals erwachsen. Weil ihre Träume mit denen Mohammeds kollidierten.

Sein Traum, von seiner Facebookseite: „Es betrifft ein Krankenhaus + ein Bett und einen Arzt, der sagt: Wir haben einen Patienten verloren.“

Seine Nachricht drückt seine Verehrung für seinen Freund und Cousin Yousef aus, der bei dem misslungenen Versuch, Soldaten mit seinem Auto zu überfahren, erschossen wurde.

Er folgte dem Geräusch des Atmens und fand Hallel, allein und schlafend.

Wieder und wieder tauchte er sein Messer in sie.

Die Sicherheitsbrigade, mit ihrem Vater Amichai, kam Minuten später.

Mohammed kämpfte mit den Männern, doch sie konnten ihn überwältigen. Mohammed wurde mit dem blutigen Messer in seiner Hand getötet. Nun wird er zu einem geheiligten Märtyrer erklärt, wie sein Cousin.

Hallel wurde eiligst ins Krankenhaus gebracht. Die Ärzte schüttelten die Köpfe. Sie hatten einen Patienten verloren.

Bestimmt können selbst jene, die Familien, wie den Ariels die Schuld geben, weil sie in den biblischen Hügeln von Hebron leben, sehen, wo in dieser Geschichte das Böse ist.

Auch solche, die leichtherzig den radikalen Islamismus, dem wir Israelis ins Gesicht schauen, weil wir an unserem Anspruch auf dieses Land festhalten, wegwischen, müssen etwas für diesen kleinen Teenager empfinden, ihre braunen Haare auf dem Kissen, geweckt durch den Horror des ersten Messerstichs.

Je suis Hebron.

Die meisten von uns Juden sind tatsächlich aus Hebron.

Nach der Niederlage Shimon Bar Kochbas im Jahre 135 wurden wir vertrieben, auf dem Sklavenmarkt von Hebron verkauft, von den Römern verschickt um den Europäern zu dienen und sie zu belustigen.

So schreibt Heinrich Graetz in der `Geschichte der Juden´: „Von den Jugendlichen über 17 Jahre wurden die größten und hübschesten für den römischen Triumphzug ausgewählt, während die übrigen in die Minen geschickt wurden um dort für den Rest ihres Lebens zu schuften; oder sie wurden in die römischen Provinzen verbracht, um dort ihren Teil zu den Kämpfen in den Arenen beizutragen.

Jugendliche unter 16 Jahren und die meisten weiblichen Gefangenen wurden zu unglaublich niedrigen Preisen verkauft, denn der Markt war übersättigt. Welch grausame Szenen mussten von den Unglücklichen erlebt und durchlitten werden.“

Doch es gab eine Quelle der Hoffnung: die jüdischen Gemeinden in der Diaspora. „Ihnen blieb tatsächlich ein winziger Hoffnungsstrahl. Möglicherweise würden sie in eine römische Stadt gebracht, in der es auch eine jüdische Gemeinde gab. Ihre eigenen Leute würden sicherlich jeden Preis bezahlen um ihnen die Freiheit zu erkaufen und würden sie mit brüderlicher Liebe umgeben.“

Auch heute rufen wir nach unseren Brüdern.

Aber wir haben noch eine andere Quelle.

1893 schrieb Graetz: „Unter den Ruinen Jerusalems und des Tempels lagen die letzten Reste von Judäas Unabhängigkeit.“

Wir hielten an unserem Traum fest, zurück zu kommen. Wir belebten die Unabhängigkeit wieder und bauten einen Staat auf, auf den wir stolz sind.

Es gibt keinen Grund für Terrorismus!

Wenn ihr das nächste Mal versucht seid, den Terrorismus, dem wir uns als angeblich natürliche Nebenerscheinung unserer Existenz gegenüber sehen, klein zu reden – denkt an Halleli. Nicht alle Träume haben den gleichen Wert.

Je suis Hebron.

Antizionismus in einem Venn-Diagramm erklärt

Elder of Ziyon, 15. Mai 2016

Nachdem ich schon wieder einen Artikel sah, der jammerte Antizionismus habe nichts mit Judenhass zu tun, wollte ich die Dinge klarstellen:

antisemiten+antizionisten

Die Grafik lief auf Twitter recht gut, die darf gerne geteilt werden.

 

Terror ist grauenvoll – aber Sie werden nicht erraten, womit aus meiner Sicht schwerer umzugehen ist

Sheri Oz, Israel Diaries, 14. Juni 2016

Ich muss unter Schock gestanden haben. Denn ich brach erst jetzt zusammen und weinte. Dieses Video durchbrach schließlich die Schutzmauer, die ich um mir habe. Und wenn Sie es ansehen – ich hoffe, dass Sie das tun – werden sie vermutlich verstehen, warum es so machtvoll ist.

Ehrlich gesagt? Ich glaube, meine schützenden psychologischen Verteidigungsmechanismen haben weniger mit dem ständigen Hintergrund der drohenden Gefahren zu tun als mit etwas anderem, mit dem umzugehen mir weit schwerer fällt. Ja, die Angst vor einem Terroranschlag dudelt mir im Hinterkopf wie das Brummen der Klimaanlage, wenn sie ruhig läuft; oder wie Musik im Supermarkt, wenn sie nicht zu laut ist. Sie ist spürbar, wenn ich auf sie achte, aber das ich muss nicht unbedingt tun.

Womit umzugehen mir weit schwerer fällt, ist die Katzenmusik der Stimmen, die uns sagen, wir sollten Appeasement bei den Muslimen betreiben, wenn wir Frieden wollen. Uns sagen, dass eine imaginäre „Besatzung“ der Grund ist, dass Muslime Israelis (und Touristen, die gerade da sind, wenn sie auf ihre Mordzüge gehen) umbringen. Mir sind die Stimmen von außerhalb des Landes eigentlich ziemlich egal … jedem seine eigenen Meinung. Ich sehe, was in Europa passiert und frage mich, ob sie dort anfangen zu begreifen, in welcher Art Nachbarschaft wir hier leben.

Mir ist zwar etwas bange wegen der Art von Druck, den Europa oder die USA auf uns ausüben könnten, um uns ihrem Willen zu beugen, aber ich das macht mir weniger Sorge als etwas anderes.

Was mir Sorge macht, sind die Appeaser unter meinen israelischen Mitbürgern.

Wie leicht benutzt ihr, einige meiner israelischen Mitbürger, das Wort „Besatzung“. Wie schnell habt ihr vergessen, dass die Grüne Linie nicht mehr ist als eine Waffenstillstandslinie mit Jordanien und niemals eine internationale Grenze war. Wie schnell habt ihr die Bedingungen der Oslo-Vereinbarungen vergessen, die die PLO mit Israel aus vollem eigenen Willen unterschrieben hat. Wie die PLO zustimmte das Land zwischen der Grünen Linie und der Grenze mit Jordanien in drei Verwaltungsbereiche zu teilen, womit ein System zu geteilten Sicherheitsfragen eingerichtet wurde, während Verwaltungsverantwortlichkeiten für palästinensisch-arabische Belange der palästinensischen Autonomie übergeben wurde (was bedeutet, dass es keine Besatzung gibt und dass es keine Apartheid gibt). Wie ihr zu glauben ablehnt, dass die Muslime uns Tel Aviv und Haifa genauso überlassen wollen, wie sie von uns wollen, dass wir Judäa und Samaria aufgeben. Hber ihr euch IHRE Landkarte von Palästina nicht angesehen? Es geht vom Fluss bis zum Meer. Sie verstecken das nicht. Ihr ignoriert es.

Was mich am meisten schmerzt ist: Die meiste Zeit muss ich den Mund halten, weil meine Freunde und Familie sich als links definieren und ich misstrauisch beäugt werde, wenn ich anfange meine eigene Wahrheit zu äußern. Ich habe damit zu kämpfen vorzugeben, dass ich nichts zu sagen habe. Darin bin ich nicht sehr erfolgreich, das gebe ich zu. Manchmal kommt etwas heraus und ich bereue es sofort. Ich bin nicht bereit meine Familie oder Freunde aufzugeben (obwohl einige Freunde mich aufgegeben haben und ich weiß, dass noch mehr es tun würden, wenn ich meinen Mund nicht so viel halten würde, wie ich es tue).

Also müssen Schutzmauern hochgezogen werden. Und nicht wegen Terroristen, die aufspringen könnten, nachdem sie Drinks und Kuchen bestellten oder die ein Auto auf den Bürgersteig rammen könnten oder die plötzlich ein Messer unter dem Hemd hervorziehen könnten. Nein, meine Schutzmauern sind hochgezogen worden, weil es unter meinen eigenen Leuten solche gibt, die stolz Flaggen tragende Paraden belauern, um nach Juden zu gucken, von denen sie erwarten, dass sie sich schlecht verhalten, bereit das zu filmen und zu zeigen, dass wir verdienen, was wir bekommen. Meine Schutzmauern sind hochgezogen worden, weil einiger unserer eigenen Führungspersönlichkeiten behaupten, wir würden verdienen, was wir bekommen und weil diejenigen, die mir wichtig sind, dem zuzustimmen scheinen. Meine Schutzmauer sind hochgegangen, weil ich meine eigenen Wahrheit unter denen, die ich liebe und die mir wichtig sind, nicht sagen kann (und ich mich frage, wie viele von ihnen sich die Zeit nehmen zu lesen, was ich schreibe).

Und dann kommt etwas des Weges, das meinen Schutz durchbricht. Wenn ich sehe, was meine Tochter oder mein Schwiegersohn hätte sein können, die mit dem, was meine Enkelin hätte sein können, gebückt in Deckung laufen, sie schützen eng an sich haltend … vor diesem Schützen wegrennen, den ihre politischen Ansichten nicht interessieren.

Screenshot aus dem gezeigten Video

Der Schütze würde nehmen, was sie zu übergeben bereit sind und trotzdem auf sie schießen.

Aber ich kann ihnen nichts dergleichen sagen.

Was ein Selfie über die Verhältnisse sagen kann

Auf der Seite der Times of Israel schreibt Will T.G. Miller in seinem Blog über eine junge Muslima in Belgien, die von einigen linkslastigen (US-) Medien als Heldin der Eintracht und des Friedens gefeiert wurde. Sie hatte sich bei einer Demonstration in Antwerpen demonstrativ im Kopftuch vor Demonstranten für das Verbot islamischer Kopfbedeckungen (oder doch nur die Vollverschleierung?) gestellt und in Siegerpose ein Selfie gemacht, das (nicht nur) in den sozialen Medien die Runde machte und ihr als Vorbild für „Frieden und Liebe“ Lob einbrachte. Ihr Verhalten zeigt einen gewissen Mut und soll bewundert werden.

Schon bald stellte sich allerdings heraus, wie friedliebend und für Zusammenleben die junge Frau tatsächlich ist. Sie sagte zwar im Interview mit der BBC, dass sie mit dem Foto zeigen wollte, „dass wir zusammenleben können, nicht nebeneinander, sondern miteinander“; was die Medien aber nicht herausfinden wollten, was, dass sich Toleranz und Miteinander nicht auf Juden bezieht. Für Juden gilt:

Hitler tötete nicht alle Juden, er ließ ein paar übrig. Damit wir wissen, warum er sie tötete. A*löcher.
Sch*juden, wollaah, ich hasse sie so sehr.

Seitdem versuchte sie ihre antisemitischen Hass-Tweets zu löschen, schließlich löschte sie ihren Twitter-Account komplett, aber die waren bereits reichlich dokumentiert worden. Doch das soll hier nicht das Thema sein. Millers Aufruf die westlichen Medien endlich für ihre Ignoranz und ihr Weißwaschen von muslimischem Hass zur Verantwortung zu ziehen, möchte ich allerdings eindeutig weiterempfehlen.

Mir ist ein anderer Aspekt der Selfie-Affäre aufgefallen. Die Frau hat sich vor Demonstranten gestellt, die gegen die Verschleierung stellten. Sie hat das im Kopftuch getan. Sie hat damit den Demonstranten vorgeführt, dass sie deren Ansichten entgegen tritt.

Was wäre geschehen, wäre die Situation umgekehrt gewesen? Nehmen wir eine beliebige Kundgebung von Muslimen, die irgendetwas fordert – mehr Rechte für Muslime oder die Trennung die Möglichkeit der Nichtteilnahme von Mädchen am Schwimmunterricht oder… Wir können auch beliebige Demonstrationen wie die zum „Al-Quds-Tag“ nehmen. Was geschieht dort mit Leuten, die irgendwo am Rand eine abweichende Meinung demonstrieren?

Wir kennen das. Im Ruhrgebiet wurde derart randaliert, dass die Polizei eine Wohnung stürmte (die Wohnungstür aufbrach), um eine Israelfahne abzuhängen. Israelfreunde werden angegriffen, wenn sie am Rande einer Demonstration eine Fahne zeigen. Während der letzten Jahre hatten die Organisatoren der „Al-Quds“-Tage alle Hände voll zu tun, um ihre Leute davon abzuhalten auf Andersdenkende loszugehen.

Stellen wir uns also vor, die junge Frau sei keine Muslima vor Anti-Kopftuch-Demonstranten, sondern eine beliebige Person mit einem Davidstern oder einem Kreuz um den Hals vor einem Trupp Demonstranten, die gegen Islamkritik demonstrieren. Was wäre wohl geschehen? Hätte diese Person ein siegessicheres Selfie aufnehmen können? Eher nicht. Wenn doch, wie hätten die Leute im Hintergrund wohl ausgesehen? Hätten sie so ruhig und abgeklärt da gestanden, wie die Leute im Hintergrund der Kopftuch-Frau? Mit Sicherheit nicht.

Was sagt uns das? Es sagt uns, wer für freie Meinungsäußerung steht und wer nicht. Unsere Gesellschaft – vielleicht nicht unbedingt die Leute, vor die die Selfie-Frau getreten ist, das weiß ich nicht. Aber sicher ist, dass die „Kollegen“ der jungen Frau mit der freien Meinungsäußerung „weniger tolerant“ umgehen, als die, vor denen sie demonstrierend hinstellte. Noch sind wir eine freie Gesellschaft, die aber leider nur mit einer Sorte Kritik umzugehen weiß – den anderen gegenüber wird sie zunehmend intolerant und restriktiv. Es gibt gerechtfertigte Kritik, die inzwischen nicht mehr geduldet wird, weil die Kritisierten sie nicht haben wollen, nicht damit umgehen können und mit Gewalt darauf reagieren. Statt die zu maßregeln, die nicht in der Lage sind sich mit Kritik auseinanderzusetzen und sie auszuhalten, werden die Kritiker untergebuttert und kriminalisiert.

Und DAS erzählt uns dieses Selfie einer boshaften muslimischen Antisemitin, die eben NICHT die Heldin ist, zu der sie linkslastige, Probleme ausblendende Medien zu machen versuchen.