Offener Brief an den neuen Botschafter in Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Sehr geehrter Herr Botschafter Emanuele Giaufret,

willkommen in Israel. Da die Europäische Union Israel oft zweifelhaften Rat gegeben hat, nehme ich mir die Freiheit einige Hinweise zu geben, um Ihre Aufgabe hier erfolgreicher zu machen.

Bitte erinnern Sie sich, dass Sie den Großteil eines Kontinents vertreten, in dessen Kultur Antisemitismus über tausende Jahre verwurzelt wurde. Der führende akademische Antisemitismusforscher unserer Generation, der verstorbene Robert Wistrich, hat gezeigt, dass fast alle ideologischen Strömungen Europas während dieser Jahrhunderte antisemitisch waren.[1]

Bitte seien Sie sich auch bewusst, dass EU-Mitglieder in den letzten Jahrzehnten – ohne Auswahlprozess – Millionen Menschen aus Ländern hereingelassen haben, deren meiste Bürger antisemitisch sind. Um alles noch schlimmer zu machen ist in den letzten zwei Jahren einer großen Anzahl solcher Leute die Gelegenheit gegeben worden in die EU zu immigrieren.[2] Tatsache ist, dass alle Juden, die im aktuellen Jahrhundert in Westeuropa aus ideologischen Gründen getötet worden sind, von muslimischen Immigranten oder ihren Nachkommen ermordet wurden.[3]

Ihr dänischer Vorgänger, Botschafter Lars Faaborg-Andersen, erzählte Israel wiederholt, dass „Siedlungsbau ein Hindernis für den Frieden“ sei. Manchmal ging er so weit uns zu drohen. Zum Beispiel erklärte er 2014: „Wenn Israels Siedlungspolitik die aktuellen, von den USA geleiteten Friedensbemühungen ruiniert, dann würde Israel für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht.“[4] Er wies nicht darauf hin, dass die palästinensische Autonomiebehörde den Familien der Mörder israelischer Zivilisten ständig hohe „Gehälter“ zahlt.[5] Nicht zu erwähnen, ein welch hohes Hindernis für den Frieden dies darstellt, ist einer von vielen Gründen, dass er regelmäßig die Glaubwürdigkeit der EU in Israel untergrub. Er hätte auch öffentlich eingestehen sollen, dass europäische Länder, die die PA finanzieren, indirekt die Ermordung von Israelis belohnen.

Ich schlage zudem vor, dass Sie keine rosigen Bilder eines zukünftigen Friedens malen. Ihr Vorgänger erzählte uns, wie schön der Nahe Osten nach der Unterzeichnung einer Friedensvereinbarung aussehen würde. Er sagte: „Israel befände sich in der Pole Position zur Förderung der regionalen Integration im östlichen Mittelmeer.“[6] Fakt ist, dass trotz Israels Friedensvertrag mit Ägypten 1978 und dem mit Jordanien 1994 beide Länder auf der Liste großer antiisraelischer Aufwiegler und Antisemitismus-Förderer des US-Außenministeriums stehen.[7][8]

Früher dieses Jahr töteten vom Tempelberg kommende palästinensische Mörder israelische Polizisten. Israel ergriff daraufhin Sicherheitsmaßnahmen, die die Palästinenser als Gelegenheit zur internationalen Aufstachelung der Muslime zu nutzen. Es ist schwer erkennbar, dass, nachdem Israel territoriale Zugeständnisse für eine Zweistaaten-Friedensvereinbarung mit den Palästinensern machen würde, nichts die Palästinenser davon abhalten wird weiteres ungerechtfertigtes internationales religiöses Chaos um den Tempelberg zu schaffen.

Ich würde auch vorschlagen, dass Sie es vermeiden schlechten Rat zu erteilen. Ihr Vorgänger riet Israel mit der UNHRC-Ermittlungskommission zum Gaza-Krieg von 2014 zusammenzuarbeiten, ungeachtet der Tatsache, dass der UNHRC von Anfang an gegenüber Israel voreingenommen ist.[9] Bitte vermeiden Sie es auch Erklärungen abzugeben, in denen der Mangel an Wahrheit erkennbar ist. Das war bei dem Versuch Ihres Vorgängers der Fall, den diskriminierenden Charakter der EU-Kennzeichnung von Produkten aus der Westbank zu bestreiten. In Reaktion darauf beschuldigte Israels Außenministerium die EU, sie ignoriere mehr als 200 andere territoriale Konflikte weltweit, indem sie Israel aussondert, weil die Gebiete der einzige Ort sind, für den separate Etiketten gefordert werden.[10]

Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit sein in der Tat für einen EU-Botschafter entscheidend. Bei seiner Abschiedsrede sagte Herr Faaborg-Andersen, Israel könne bei der Bekämpfung von Terror von Europa lernen.[11] Es hat in Israel weit mehr versuchte Terroranschläge gegeben als in Europa. Doch bei keinem der tödlichen Anschläge in Israel hat es so viele Getötete gegeben wie bei denen in Madrid 2004, London 2005, Paris 2015 und Nizza 2016. Es gibt viel Information zur fehlenden Fähigkeit von EU-Mitgliedsländern die frühe Radikalisierung muslimischer Einzelpersonen wie auch ihre Absicht sich jihadistischen Organisationen anzuschließen und Terroranschläge zu verüben zu erkennen.

Ihr Vorgänger sagte auch: „Antisemitismus in Europa ist ein Phänomen, das wir bekämpfen – sogar noch stärker als Israel.“[12] Der erste Schritt zu effektiver Bekämpfung von Antisemitismus besteht darin eine akzeptierte Definition davon festzuschreiben. Die einzige Arbeitsdefinition, die von manchen in Europa anerkannt worden ist, wurde 2013 plötzlich von der Internetseite der EU-Agentur für fundamentale Rechte genommen.[13] Was wäre für die EU einfacher gewesen als die Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz von 2016 zu übernehmen und assoziiertes Mitglied der IHRA zu werden? Das machten sie nicht. All das oben Angeführte hat geholfen den Verdacht gegen die EU zu schaffen, auch wenn es viele interessante Aspekte einer Kooperation zwischen der EU und Israel gibt.

In Anbetracht des oben Angeführten werden EU-Einmischung und Kommentare zu internen israelischen Angelegenheiten nicht geschätzt. Die Menschen sind in der Regel offener für Ratschläge von denen, von denen sie unterstützt werden und die als Vorbilder fungieren.

Herr Botschafter, wie Sie sehr wohl wissen, besteht die Rolle eines EU-Diplomaten nicht nur darin seine Region zu repräsentieren. Er sollte auch denen, die ihn entsandten, Bericht erstatten, ob EU-Politik besseren Beziehungen mit dem Land dienlich sind, in dem er stationiert ist.

Ich wünsche Ihnen Erfolg für Ihre Bemühungen.

Manfred Gerstenfeld ist emeritierter Vorsitzender des Jerusalem Center for Public Affairds. Ihm wurde vom Journal for the Study of Antisemitism der Preis für sein Lebenswerk und vom Simon Wiesenthal Center der Preis für Internationale Führungskräfte verliehen.

[1] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/14217

[2] http://www.bbc.com/news/world-europe-34131911

[3] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/20768

[4] http://www.timesofisrael.com/eu-envoy-we-doesnt-understand-israels-jewish-state-demand/

[5] https://spectator.org/251138-2/

[6] http://www.haaretz.com/misc/haaretzcomsmartphoneapp/1.601978

[7] http://www.thetower.org/5348-state-dept-report-anti-semitism-pervasive-in-iran-egypt-jordan-qatar/

[8] http://www.state.gov/j/drl/rls/irf/2016/nea/268898.htm

[9] http://www.jpost.com/Arab-Israeli-Conflict/Israel-calls-UN-Gaza-war-report-politically-motivated-and-morally-flawed-from-the-outset-406775

[10] http://www.timesofisrael.com/eu-envoy-insists-settlement-labeling-purely-technical/

[11] http://www.jpost.com/In-Jerusalem/Rock-Solid-Europe-Israel-ties-are-flourishing-says-outgoing-EU-envoy-504256

[12] http://www.jpost.com/In-Jerusalem/Rock-Solid-Europe-Israel-ties-are-flourishing-says-outgoing-EU-envoy-504256

[13] http://www.timesofisrael.com/eu-drops-its-working-definition-of-anti-semitism/

Advertisements

Wem tut es leid? – ein Szenario

Doron Rosenblum, Ha’aretz, 27. Juni 2002 (übersetzt aus dem Englischen von Daniela Marcus; urspr. veröffentlicht bei Nahost-Focus)

Ein typischer Frühlingstag in Paris und London. Kinder spielen im Park, alte Männer sitzen auf Bänken. Dann die Explosion. Der ganze Park flog durch die Kraft der riesigen Bombe, die der Attentäter zündete, in die Luft. Der Himmel schien sich zu verdunkeln und gleich danach wurden die Überlebenden von einem Platzregen an Blut, Schmutz, Kleidungsstücken und verbrannten Körperteilen überflutet…

An diesem Tag war das Wetter in London überraschend mild. Dicke Wolken hingen am Himmel über dem „National“ und über dem „Tate Modern“ auf der Südseite der Themse. Doch auf der anderen Seite des Flusses malte die Sonne, die sich auf einem blauen Zipfel des Himmels niedergelassen hatte, die Blätter der jungen Bäume und das Gras auf den Plätzen in einem saftigen Grün.

Vier ältere Herren saßen auf einer Holzbank am „Berkeley Square“. Aufgrund der angenehmen Wärme der Sonne hielten sie ihre Augen geschlossen. Doch ab und zu beobachteten sie die kleinen Kinder, die lebhaft in der Nähe ihrer Mütter spielten. Einer der Kleinen, der gerade laufen lernte, fasste nach dem Griff seines Kinderwagens. Eine grauhaarige alte Frau lächelte freundlich über diesen Anblick, als plötzlich ein Schatten auf sie fiel. Sie sah auf und erblickte einen jungen Mann, der etwas aus seinem Mantel zog und sie anlächelte, bevor alles dunkel wurde.

Die Explosion, die der Selbstmordattentäter ausgelöst hatte, war so mächtig, dass die gesamte Glasfassade des nebenstehenden Hauses zerbrach, Stück für Stück zu Boden fiel und einen weißen Sturm von Dokumenten auslöste, der über den rauchenden Ruinen niederging. Auch die Rettungsmannschaft erkannte den Platz kaum wieder. Doch wer konnte sich vorstellen, dass dies nur der Prolog gewesen war?

Als Dutzende von Ambulanzen Richtung Mayfair rasten, wurde die Stadt von einer gewaltigen Explosion aus der Richtung des „Covent Garden“ erschüttert. Ein blauer Kleintransporter, der in der „Strand“ in der Nähe des „Bush House“ geparkt hatte, explodierte um 15.00 Uhr, wodurch Dutzende von Passagieren eines Doppeldecker-Busses getötet und verletzt wurden und ein Erdbeben im Hauptquartier der BBC-Weltnachrichten ausgelöst wurde. Radiohörer rund um die Erde bekamen die donnernde Explosion während der Nachrichten live übertragen mit, gerade als der Sprecher vom „Kreislauf der Gewalt im Nahen Osten aufgrund des gestern Abend stattgefundenen Angriffs“ sprach, „bei dem 15 Israelis dem Anschein nach durch das getötet wurden, was Israel ‚Terror‘ nennt.“

Reporter von „Sky News“, die direkt aus Londons Straßen sendeten, konnten kaum Worte finden, um die Tiefen ihres Schocks und ihres Entsetzens über diesen sinnlosen Massenmord an Dutzenden von unschuldigen Zivilisten auszudrücken: „Es ist Mord! Nichts anderes als geisteskranker, sadistischer Nazimord!“ schrie ein Reporter heraus und hob dabei angewidert Nägel und Schrauben hoch, die der Terrorist in die Bombe gepackt hatte, um die Zahl der Opfer zu erhöhen. „Es war keine Nachtigall, die gestern am Berkeley Square gesungen hat“, klagte „The Independent“ am nächsten Tag mit einer Umschreibung des alten Liedes „Es war der Teufel selbst“.

Die berühmte „stiff upper lip“ der Engländer – die Art, Niederlagen und kritische Situationen mit Haltung hinzunehmen – blieb wenigstens noch bis zum nächsten Abend erhalten, als sich zwei Terroristen (oder „Militante“, wie sie vom französischen Fernsehen genannt wurden) innerhalb kurzer Zeit nacheinander in die Luft sprengten: einer inmitten einer Menschenmenge im Foyer des Theaters „Gielgud“, der andere in einem mit Gästen gefüllten chinesischen Restaurant im Stadtteil Soho. Dutzende von Menschen wurden bei diesen beiden Explosionen getötet. West End leerte sich im Nu und glich in dem flackernden gelben Licht einer Geisterstadt. Das Heulen der Ambulanzen und Rettungsfahrzeuge „verwandelte die Metropole in einen einzigen gewaltigen Schrei“, wie „The Guardian“ es am nächsten Tag formulierte. Die ganze Titelseite des „Mirror“ war mit dem Wort „M-A-S-S-A-K-E-R!“ ausgefüllt, während die „Sun“ „R-A-C-H-E!“ forderte.

Die Kameras von „Sky News“ übertrugen live von der „Downing Street“ und fingen zufällig ein peinliches Spektakel ein, das wiederholt gesendet wurde: Cherie Blair, die Frau des Premierministers, war mit zerzausten Haaren und einem zerknitterten Morgenrock durch die halb offene Tür zu sehen. Sie trommelte auf die Brust eines Leibwächters und schrie hysterisch: „Meine Kinder! Wo sind meine Kinder! Sagen Sie mir, dass es ihnen gut geht! Machen Sie etwas! Irgendetwas!! Warum hat nicht schon irgendjemand diese stinkenden Mörder zur Strecke gebracht!!“ Der Premierminister selbst erschien kurz danach, gelassen und gefasst wie üblich, doch auch ein bisschen blass. Er verkündete, dass er das Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen und die Armee in höchste Alarmbereitschaft versetzen würde.

Fünf islamische Organisationen und eine temporäre Gruppe, die sich „Skalpierer der Anglo-Sachsen“ nannte, übernahmen die Verantwortung für diese Anschläge und drohten, dass diese erst der Anfang gewesen seien. Regierungs- und Armeesprecher bestanden jedoch darauf, dass diejenigen, die direkt für diese Taten verantwortlich wären, Saddam Hussein, Osama bin Laden, eine fanatische Sekte aus Ost-Timor und drei Individuen mit „nahöstlichem Aussehen“ aus Earl’s Court seien. Noch am gleichen Abend führten Kommandokräfte eine Razzia in Earl’s Court durch, über das aufgrund eines besonderen Notbefehls eine strikte Ausgangssperre verhängt worden war. Hartgesottene Fallschirmjäger errichteten auf der Cromwell Road Straßensperren (die Bitte einer schwangeren indischen Frau, sie passieren zu lassen, wurde zurückgewiesen), durchsuchten ein Haus nach dem anderen und führten Massenverhaftungen durch.

Die Öffentlichkeit zeigte Verständnis für die unkonventionellen Maßnahmen: „Alle Gesetze der Zivilisation und die Magna Charta sind angesichts solcher mörderischen Bastarde, die fähig sind, unschuldige Theaterbesucher zu massakrieren, null und nichtig“, erklärte die Schauspielerin und Politikerin Glenda Jackson in einem improvisierten Interview an der U-Bahnhaltestelle Hampstead.

Die Londoner wagten sich nicht mehr aus dem Haus, ernährten sich von Pizzas, die durch den Pizzabringdienst geliefert wurden, und verbrachten ihre Zeit damit, Gewinn- und Reiseshows im Fernsehen zu sehen. Doch nach dem Selbstmordanschlag auf Schulkinder an der „Paddington Station“ und einer zweiten Explosion, die den Rettungskräften galt, war es mit der „stiff upper lip“ der Engländer vorbei und Gelassenheit und Gefasstheit machten der Aufregung und der Unbeherrschtheit den Weg frei.

In einer Sendung der BBC sagten ein Militär-Analyst und ein sachverständiger Sprecher, dass die „Royal Air Force“ bereit sei zu handeln und dass eine Operation gegen Ost-Timor und andere Inseln des Indonesischen Archipels in Betracht gezogen werde.

Warum ausgerechnet gegen dieses Gebiet? Ein Sprecher von Whitehall erklärte: „Zuständige Experten haben den definitiven Beweis dafür, dass die ideologische Unterstützung für diese Terroranschläge von Terroristen in Timor – oder jedenfalls in Asien – kommt.“ Er lehnte es ab, nähere Einzelheiten zu nennen. In dieser militanten Atmosphäre hielt es keiner für nötig zu fragen, worauf dieser Beweis basierte. Reporter wollten wissen, ob und wann ein Angriff auf das jemenitische Dorf stattfinden würde, in dem nach den Anschlägen Süßigkeiten verteilt worden waren und Bewohner auf den Hausdächern getanzt hatten. „Obwohl wir kein Interesse daran haben, in Asien einzudringen, haben wir keine andere Wahl als das zu tun, was getan werden muss“, sagte der Sprecher. „Dies ist eine Art rollender Operation gegen jeden, der uns in die Quere kommt.“

Frankreichs Präsident Jacques Chirac drückte den Familien der Opfer das Beileid seines Landes aus, protestierte jedoch energisch gegen den „Schlag“, den man in Earl’s Court „gegen die Bewegungsfreiheit und die freie Meinungsäußerung“ geführt hätte. Er warnte auch vor raschen militärischen Operationen, die nur zu einer Eskalation der Gewalt führten. Dennoch „griffen“ genau an dem Tag, an dem er sprach, britische Bomber in einer Anzahl von Dörfern oder Inseln (die Streitkräfte äußerten sich nur vage darüber und verwehrten Reportern die Einreise nach Ostasien) „Ziele an“. Ein mit Kindern vollgefülltes Waisenheim wurde aus Versehen getroffen, doch Außenminister Jack Straw wies die europäische Kritik zurück, indem er sagte: „Ich drücke mein Bedauern aus, doch was kann man tun? Wo gehobelt wird, fallen Späne.“

Straw reagierte wütend auf die Warnung, die vom schwedischen Außenminister über mögliche Kriegsverbrechen geäußert wurde: „Ich möchte diesen schöngeistigen Skandinaviern nahelegen, uns nicht zu predigen. Wir werden sehen, wie sich diese Wikinger benehmen, wenn ihr Uppsala bei tagtäglichen Terroranschlägen in die Luft fliegt.“

Die BBC-Sprecher verloren ein bisschen etwas von ihrer berühmten britischen Ruhe, besonders nach dem gewaltigen Anschlag bei „Shepherd’s Bush“, nicht weit entfernt von den Fernsehstudios. Tim Sebastian machte während seiner Talkshow „Hard Talk“ den französischen Botschafter zur Schnecke. Er konnte sich nur mit Mühe zurückhalten:

„Was sagen Sie da? Dass wir kein Recht zur Selbstverteidigung gegen diesen mörderischen Terror haben?“

„Was Sie ‚Terror‘ nennen“, verbesserte ihn der Botschafter.

Die Venen an den Schläfen des Interviewers schienen beinahe zu platzen: „Was meinen Sie damit ‚Was Sie ‚Terror‘ nennen‘? Was ist es denn sonst, wenn nicht Terror? Wie sollten wir es nennen? Kohlrabi? Karbunkel? Was schlagen Sie vor, wie wir das tagtägliche Massaker an unseren Leuten nennen sollen?“

„Angriffe“, erwiderte der Botschafter gelassen und zündete sich mit einem vergoldeten Feuerzeug eine „Gitane“ an. „Dem Anschein nach Angriffe von mutmaßlichen Militanten.“

Für einen Moment sah es so aus, als wollte Sebastian seinen Gast erwürgen.

„Ich möchte eines klarstellen“, fuhr der Botschafter fort. „Meine Regierung und ich bedauern den Kreislauf der Gewalt und den Schaden, der Zivilisten auf beiden Seiten zugefügt worden ist. Doch wenn Sie mir gestatten zu sagen: Ich selbst fühle Mitleid für diejenigen, die sich veranlasst sahen, die Selbstmordanschläge auszuüben. Wie sagte Voltaire? ‚Obwohl ich…‘“

„Sie können sich Voltaire sonst wohin stecken, Sie Frosch“, brach es aus dem altgedienten BBC-Korrespondenten heraus. Er stürzte sich auf des Botschafters Hals. Der Bildschirm wurde über dem Geräusch von schreienden und keuchenden Stimmen dunkel.

Die erste Explosion in Paris geschah zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, an dem man es am wenigsten erwartet hatte: am Sonntagnachmittag neben einem Karussell im „Jardin du Luxembourg“, nicht weit entfernt vom Puppentheater. Der Platz war voll von Kindern und von Menschen, die Boule spielten. Die Spieler hatten ihre Jacken ausgezogen und aufgehängt. Sie krempelten ihre Ärmel hoch und rollten Eisenkugeln über den Boden. Eine bezaubernde junge Frau in eng anliegenden Jeans beugte sich vor und schickte ihre Kugel mit einer anmutigen Handbewegung langsam, jedoch akkurat, in Richtung der anderen. Doch gerade dann flog der ganze Park durch die Kraft der riesigen Bombe, die neben dem Karussell explodierte, in die Luft. Der Himmel schien sich zu verdunkeln und gleich danach wurden die Überlebenden von einem Platzregen an Blut, Schmutz, Kleidungsstücken und verbrannten Körperteilen überflutet.

Für einen Moment – um es genau zu sagen: für acht Sekunden – legte sich eine bizarre Stille über die Szene, die nur vom Flügelschlag der Tauben, die in einer großen Wolke davonflogen, und von den Alarmanlagen der Autos, die durch die Explosionswelle ausgelöst worden waren, unterbrochen wurde. Acht Sekunden gespenstische Stille – und dann die schrecklichen Schreie, das Stöhnen der Verwundeten und die endlosen Sirenen von Feuerwehr, Polizei und Ambulanzen, die den ruhigen Sonntagnachmittag bis zum Abend durchdrangen.

Ein intellektueller Pariser, der später am Tag an einer Fernsehdiskussion teilnahm, sprach von den „acht Sekunden katastrophaler Ruhe, die dem Sense schwingenden, erbarmungslosen Schnitter folgten. Der Meuchelmörder. Der Schlächter.“

Wer hätte sich vorstellen können, dass die „acht Sekunden der katastrophalen Ruhe“ eine beinahe tägliche Erscheinung in Paris und anderen französischen Städten werden würden? Eine Reihe von Explosionen und Warnungen über Selbstmordattentäter – islamische, solche aus dem Senegal, aus Timor, aus Algerien und offensichtlich auch Anarchisten, die sich in einem mörderischen Trancezustand befanden – verwandelte die Straßen der Städte in einen Sog von Explosionen, Horror, Sicherheitskontrollen, heulenden Sirenen, flackerndem Blaulicht und Straßensperren.

Die Anschläge wurden zu einer Art alptraumhafter Routine: die beiden Selbstmordattentäter in den Cafés „Flore“ und „Deux Magots“; der Bombenattentäter in dem Restaurant, das sich auf einem schwimmenden Boot befand; der Anschlag auf die Leute, die in einer Reihe vor dem Victor-Hugo-Haus am „Place des Vosges“ standen; die Frau, die sich im Kaufhaus „Samaritaine“ in die Luft jagte; die Autobombe an der „Sainte Chapelle“, die die wundervollen bunten Glasfenster zerstörte. Diese Glasfenster, die bisher jedes Auf und Ab der Geschichte überlebt hatten, waren nun durch einen Augenblick der Barbarei für immer verloren.

Wer kann sich an alle Anschläge erinnern? Wer kann alle Beerdigungen verfolgen?

Präsident Chiracs Gesicht während seiner Rede an die Nation sprach eine deutliche Sprache: „Dies ist ein Krieg für unsere Heimat. Mirabeaux sagte, dass Paris eine geheimnisvolle Sphinx ist. Heute ruft uns diese verwundete Sphinx zu: Rache! Rache! Rache!“

Am gleichen Abend schloss sich ein französischer Bomber den britischen Bombern an, die irgendwo in Asien eine Flächenbombardierung ausführten. Doch musste er wegen technischer Schwierigkeiten zum Stützpunkt zurückkehren. Ein Sprecher des Elysee-Palastes sagte, dass der Präsident und die Regierung den eventuellen Gebrauch von taktischen Nuklearwaffen nicht ausschließen: „Es ist ganz einfach. Entweder sie oder wir. Es sind entweder ein paar Dreckskerle in irgendeinem Wüstenstaat oder die Gänseleberpastete, der Beaujolais und die Pont Alexandre.“

Selbst der israelische TV-Journalist Emanuel Halperin wurde dabei gesehen, wie er die Stirn runzelte. Wegen unausgewogener und einseitiger Berichterstattung sandte die französische Regierung einen ärgerlichen Protest an das israelische Fernsehen.

Israel kämpft unseren Kampf

David Parsons, ICEJ, Sonderkommentar 2. April 2002 (nicht mehr online)

Während Israel eine lange überfällige Kampagne durchzieht, um endlich den palästinensischen Terrorismus an seiner Wurzel auszureißen, ist die über allem stehende Frage, wie schnell das gehen kann, bevor die Welt wieder einmal zur Rettung des umkämpften Palästinenserführers Yassir Arafat eingreift. Im Interesse der langfristigen Stabilität der Region und der Welt hoffen wirr, dass das nicht allzu bald passiert.

A. Kurzes Gedächtnis, geringe Einsicht

Als Antwort auf den fürchterlichen Selbstmord-Bombenanschlag an Passah führen israelische Streitkräfte derzeit die größte militärische Offensive gegen die palästinensische Terror-Infrastruktur durch. Armee-Kommandeure sind vom israelischen Premierminister Ariel Sharon angewiesen worden, bei der Fahndung nach gesuchten Flüchtigen und ihrer Verstümmelungs-Waffen unter jedem Stein nachzusehen.

Dieser Kampf hat sie an Arafats Türpfosten geführt, wo der alternde Revolutionär in ein paar Räumen seines Amtssitzes „isoliert“ worden ist und wo israelische Truppen reichlich Beweise fanden, die ihn direkt mit seinen terroristischen Milizen verbinden, einschließlich Sprengstoff-Westen und religiösen jüdischen Kleidungsstücken, wie sie von verdeckt arbeitenden Selbstmordbombern benutzt werden.

Als israelische Panzer letzten Freitag durch seine Tore brachen, gab Arafat arabischen Medien ein wildes Interview nach dem anderen, in denen er wieder einmal über den Aufruf des Korans an alle Muslime, die Juden „bis zum Jüngsten Tag“ zu bekämpfen, schwadronierte und Allah anbettelte aus ihm einen der „Millionen Märtyrer, die nach Jerusalem marschieren“ zu machen.

Im populären Al-Jazira-Satellitenfernsehen bestand er darauf: „Wir verteidigen nicht nur Palästina, die arabische Nation und nicht nur die heiligen islamischen und christlichen Stätten – sondern alle Menschen der Freiheit und Ehre dieser Welt. Das ist unser Schicksal. Das ist ein göttlicher Erlass…“

„Wir sagten den Amerikanern: Ihr müsst handeln. Wohin wollt ihr? Wisst ihr nicht, dass all dies den Nahen Osten erschüttern wird?“, fuhr Arafat fort. „Ich sage zu unserem palästinensischen Volk: ‚Oh Berg, der Wind wird dich nicht schütteln.‘ Ich sage unserer arabischen Nation: ‚Wir marschieren auf Jerusalem – Millionen von Märtyrern.'“

Der Aufruf ging auch über das ägyptische Fernsehen hinaus: „Mensch, wünsche mir keine Sicherheit! Bete dafür, dass ich das Märtyrertum erlange! Gibt es etwas Besseres als in diesem Heiligen Land zum Märtyrer zu werden? Wir alle suchen das Märtyrertum“, brüllte er auf Arabisch.

Trotz allem haben die international führenden Politiker und die Medien der gesamten Welt Arafats klare Verbindungen zum Terror und seine gefährliche Anstachelung der derzeitigen Krise vom Tisch gewischt und sind statt dessen auf die unangenehmen Bedingungen seines Hausarrests fixiert. „Kein Telefon, kein Licht, kein Essen. Wie kann das sein?“, fragen sie verwundert.

Sie haben auch schnell die gemeinsame Wut über das grauenhaften Passah-Seder-Massaker letzten Mittwoch wieder begraben, das den Kurs des Konflikts dramatisch veränderte. Mit viel Ähnlichkeit zur kurzlebigen Sympathie für das jüdische Volk in der Folge des Holocaust zerstreut sich das Mitgefühl für die Terror-Opfer rasend schnell, meist schon vor ihrer Beerdigung.

Es ist alarmierend zu sehen, wie die Instant-Analysen und die Schnellkoch-Abhilfen von gerade erst vor Ort angekommenen Nachrichtensprechern und Reportern von CNN, BBC und anderen Medien verteilt werden, die mehr aus ihrer „Wir wissen es definitiv besser“-Haltung kommen als aus der Basis wirklicher Kenntnis der Komplexität der Situation. „Ihr habt Arafat umzingelt“, belästigen sie israelische Offizielle, „und trotzdem kommen weiter Selbstmord-Bomber? Führen eure Aktionen nicht gerade dazu, dass mehr Selbstmordattentäter entstehen?“

Die Antwort auf dieses Dilemma kann nur verstanden werden, wenn man zwei Grundfakten begreift: Es hat Arafat Jahre gekostet, die heutigen Selbstmordattentäter mental zu programmieren und psychisch für ihre grässliche Aufgabe zuzurüsten; und dieses große Übel wird weiter gehen und sich sogar ausbreiten, solange die internationale Gemeinschaft Arafat und seine Leute glauben lässt, dass sie für Bestrafung immun sind.

B. Der lange Abschied

Die Selbstmord-Attentäter, die jetzt in die israelischen Städte pirschen, wachten nicht erst heute Morgen auf, stellten Arafats entwürdigende Einsperrung fest und entschieden sich, alleine loszuziehen und ihr Leben in Rache zu opfern.

Es braucht Zeit und kalkulierte Bemühungen, eine gesamte Generation einer Gehirnwäsche zu unterziehen, damit sie gezielt für ihre Sache stirbt. Schulbücher und Fernsehprogramme werden gebraucht um die jungen Gehirne für die Selbstzerstörung zu programmieren. Es gibt einen vollständigen Rekrutierungsprozess und eine Testphase, um die Kandidaten herauszufiltern, die der Aufgabe gewachsen sind. Dann wird eine Person ausgeschickt um die Ziele auszuspähen, während andere die Bombe bauen. Ein Video-Team muss die Abschiedsbotschaft des Bombers filmen. Jemand muss dann den Bomber mit letzten Anweisungen auf seine Mission schicken, während andere ihn an sein Ziel bringen.

Von dem Augenblick an, als Oslo es Arafat ermöglichte, einen Fuß auf Palästinensergebiet zu setzen, begann er eine Langzeitstrategie umzusetzen, um sein neues Lehensgut in eine Festung des Selbstmord-Terrors zu verwandeln, die sich gegen Israel wandte.

Arafat selbst sorgte 1995 für das Beispiel. In einem Video, das wiederholt im palästinensischen Fernsehen gesendet wurde, küsste er die süße Wange eines kleinen arabischen Mädchens, nachdem es einen quälenden Chorus über ihren drängenden Wunsch sang, als Selbstmord-Attentäterin nach Jerusalem zu gehen. Solche Indoktrination wurde schon lange vor dem Tod seines „Friedenspartners“ Yitzhak Rabin vorgenommen.

Arafat schaffte auch Gelder internationaler Spender bei Seite um Waffen und die Loyalität von Militanten zu kaufen, ein ausgedehntes Netzwerk von Terroristen unter dem Deckmantel seiner knapp ein Dutzend Sicherheitsorgane und der Fatah-Bewegung aufzubauen. Neben den offenen Eingeständnissen von Fatah-Aktiven gegenüber den Medien und bei israelischen Verhören, belegen Dokumente, die kürzlich im Orient Haus in Jerusalem entdeckt wurden, wie jetzt auch solche in Arafats Hauptquartier in Ramallah, dass diese Milizionäre, die Terrorangriffe diesseits und jenseits der Grünen Grenze ausführen, auf seiner Lohnliste und unter seinem Kommando stehen.

Dies sollte nicht überraschen, da Arafat selbst zuerst unter dem ägyptischen Zweig der Muslim-Bruderschaft aufstieg, des frühesten Pioniers der fundamentalistisch-ismalischen Ideologie, die jetzt den Jihad-Terrorismus geistig belebt. Dann machte er aus großen Teilen Jordaniens und des Libanon Terroristen-Basen, die sich inmitten von zivil bewohnten Gebieten breit machten; und er betrachtete es als sein königliches Vorrecht, dasselbe mit Judäa/Samaria und Gaza zu tun – ohne Rücksicht darauf, was es sein Volk kosten würde.

Der vielleicht größte Fehler von Oslo war die Politik wichtigster Führer der Welt – einschließlich der Clinton-Administration und bestimmter israelischer Regierungen – die Augen vor den täglichen Vorbereitungen der Palästinenser auf dieses Art von Terrorwelle zu verschließen, die vor 18 Monten begonnen wurde. Um die Wahrheit zu sagen: Das war schlimmer als eine bloße Ignorierung der Gehirnwäsche einer weiteren Generation palästinensische Kinder zum Judenhass und die Bewaffnung der Terror-Milizen. Es gab vielmehr aktive Bemühungen des (US-)Außenministeriums, dies zu vertuschen oder rein zu waschen, dazu andere offizielle Desinformationskampagnen.

Israels Taube, Außenminister Shimon Peres, behauptete in einem Interview mit CNN am Montag, dass Oslo nicht fehl geschlagen, sondern nie ausprobiert worden sei. Die Terroristen ließen den Friedensprozess im Frühjahr 1996 mit einer Anschlagsserie entgleisen, erklärte er, was ihn die Wahlen verlieren ließ und damit die Chancen, das Endspiel des Osloprozesses zu leiten.

Dabei ist das einzige, was nie versucht worden ist, genau das, was Israel jetzt zu tun versucht: ein uneingeschränkter Versuch, der Hydra des palästinensischen Terrorismus einen Todesstoß zu versetzen und eine Botschaft zu schicken, dass sie nie wieder aufstehen darf.

C. Dem Freikauf widerstehen

Die traurige Wahrheit ist, dass Israel den palästinensischen Terrorismus nicht geschlagen hat, weil ihm das nie erlaubt wurde. Arafat und seine Günstlinge haben ihr tödliches Spiel in dem Wissen weiter fortgeführt, dass es immer jemanden geben wird, der sie rettet. In dem Moment, als israelische Panzer in seinen Amtssitz rollten, türmten sich bereits die Schreie, Seiner Exzellenz dürfe kein Schaden zugefügt werden und Israel müsse sich unverzüglich zurückziehen.

Durch seine modern Geschichte hindurch hat es Israel geschafft, größere arabische Armeen zu verprügeln – nur damit ihm der Sieg aus der Hand genommen wurde. Das klassische Beispiel für diese Beschränkung Israels ist der Yom Kippur-Krieg von 1973, wo US-Außenminister Henry Kissinger die 8. Ägyptische Armee bei Kilometer 101 vor einer erniedrigenden Niederlage bewahrte. Heute kann man nach Kairo gehen und sich ein Monument zum ägyptischen „Sieg“ über Israel in diesem Konflikt ansehen.

Das ist dieselbe Art von „Sieg“, den der irakische Diktator Saddam Hussein über die Alliierte Koalition des 1991-er Golfkriegs behauptet, als ihm das Überleben und der weitere Kampf erlaubt wurden.

In einem Bericht an die zweite Reagan-Regierung riet der frühere US-Beauftragte Dennis Ross, dass die Möglichkeit der USA, Israel auf dem Schlachtfeld zu stoppen, irgendwann die arabische Welt dazu bewegen würde, Washington als den Hauptvermittler des Friedens zwischen den beiden Seiten zu akzeptieren. Sein Rat brachte ihm eine Schlüsselposition in der Formung der Nahostpolitik der ersten Bush-Regierung ein und der Rest ist – wie man so sagt – Geschichte.

Im Gegensatz dazu hat der derzeitige US-Präsident George W. Bush Sharon in den letzten Tagen den Freiraum gelassen, endlich eine anhaltende Militärkampagne gegen den palästinensischen Terrorismus zu unternehmen. Aber wird er angesichts wachsenden Drucks aus arabischen und europäischen Hauptstädten und der Kritik sogar aus dem Kongress Stand halten?

Bush fuhr am Montag fort, Israels Erweiterung der Antiterror-Offensive zu unterstützen. „Es wird niemals Frieden geben, solange es Terror gibt und wir alle müssen Terror bekämpfen“, erklärte er und schien damit eine Verbindung zwischen dem Kampf in Ramallah und seinem eigenen Krieg gegen den globalen Terrorismus herzustellen. Er lehnte es ab Israel zu drängen, die palästinensischen Städte zu verlassen und sagte Sharon sei in seiner Selbstverteidigung gerechtfertigt, während er ihm riet, sich auch eine Tür zum Frieden offen zu lassen.

Inzwischen bestand Bush darauf, dass Arafat die Schlüssel zu seinem Schicksal selbst in der Hand hält, wenn er nur die Selbstmordattentate aufgibt. „Selbstmordbomben im Namen der Religion sind schlichtweg Terror“, betonte Bush.

Andere beginnen endlich zu begreifen, dass der Preis sehr hoch sein wird, wenn dieser Selbstmord-Terror nicht sofort ausgeblasen wird. Sogar Peres und New York Times-Kolumnist Thomas Friedman [der mit dem Ruhm der saudischen Friedensinitiative] äußerten sich in den letzten Tagen besorgt, dass für den Fall, dass Arafats Gebrauch von Selbstmordattentätern ihm diplomatische Gewinne brächte, dies eine Strategie sei, die sich auf andere Regionen und Auseinandersetzungen ausbreiten und viele andere Staaten in Gefahr bringen könne. In der gestrigen Ausgabe der Times argumentierte Friedman, dass sie Palästinenser „Selbstmord-Anschläge als strategisches Mittel gewählt hätten, nicht aus Verzweiflung. Dies bedroht alles Zivilisationen, denn wenn Selbstmordanschläge in Israel funktionieren dürfen, dann werden sie – wie Flugzeugentführungen und Bomben in Flugzeugen – an anderer Stelle kopiert werden…“

Die Welt muss also begreifen, dass Israels Sieg in dieser Schlacht ein Sieg für uns alle ist. Und Arafat und seine Helfer einmal mehr freizukaufen, wird sie in ihrem Extremismus nur ermutigen und ihnen die Möglichkeit schaffen, später weiter zu töten.

Der palästinensische Gorbatschow?

heplev, 3. Februar 2002

Am 3. Januar 2002 enterten israelische Marineeinheiten ein Schiff im Roten Meer, auf dem sich 50t Waffen befanden. Die Israelis legten ihre Untersuchungen und Geheimdienst-Informationen westlichen Regierungen offen; diese belegten, dass die Palästinenserführung hinter dem Waffenschmuggel steckte und sie initiiert hatte. Das Schiff sollte die Ladung an die Palästinenser übergeben, damit diese ihren Terrorkampf gegen Israel verstärken konnten. In den USA hat das dazu geführt, dass der Kontakt der Amerikaner zu Yassir Arafat so gut wie abgebrochen wurde.

Ganz anders Europa. Trotz solcher Beweise für fehlende Friedfertigkeit und den fast eineinhalb Jahren Terror wird er in Europa weiterhin als Schlüsselfigur für den Frieden in Nahost angesehen. An ihm führt kein Weg vorbei. Soweit mag das stimmen – nur wird dabei Arafat ausschließlich als positive Figur, als Friedenspartner dargestellt; als der, der den Frieden bringt, nicht verhindert.

Die EU-Außenminister haben in ihren Beschlüssen von Laeken Ende Januar 2002 klar gesagt: „Israel braucht die Autonomiebehörde und ihren gewählten Präsidenten Yassir Arafat als Verhandlungspartner für beides: um den Terrorismus auszumerzen und auf einen Frieden hin zu arbeiten. Ihre Möglichkeit der Bekämpfung des Terrorismus darf nicht geschwächt werden.“

Was lässt die Minister zu dem Schluss kommen, dass man nur mit Arafat etwas erreichen kann? Wieso halten sie nicht nur derart an ihm fest, sondern fördern ihn auch ständig und unterstützen ihn, trotz seiner terroristischen Aktivitäten und der völligen Abstinenz jeglicher Taten, die Frieden zur Folge haben könnten?

Es gibt hier diejenigen, die bei einem Anschlag auf eine deutsche Synagoge für einen „Aufstand der Anständigen“ gegen „Rechts“ tönen – weil solche Anschläge nur Neonazis ausführen. Die gleichen Personen schweigen stille, wenn sich heraus stellt, dass dieser Anschlag von Menschen arabischer Herkunft bzw. Nationalität begangen wurden. Sie schweigen stille, wenn solche und schlimmere Taten im arabischen Raum geschehen. Sie schweigen stille, wenn arabische Terrorgruppen, hier oft nur als „militant“ oder gar als „Freiheitskämpfer“ bezeichnet, enge Kontakte zu unseren Neonazis pflegen.

Was ist das für ein Reflex?

Unsere Medien haben in der letzten Woche über die erste palästinensische Selbstmord-Attentäterin berichtet. Sie stellten sie in allen Einzelheiten vor; ihr Foto wurde gezeigt, wie sie eine Robe, einen „Doktorhut“ und ein Diplom in der Hand hält – offensichtlich die Verleihung eines Abschlusses (den sie aber gar nicht besitzt). Beschrieben und heraus gestellt wurde ihre Motivation, Verletzten zu helfen und so weiter und so fort. Sie wurde in den schillerndsten Farben dargestellt, alles Positive gezeigt, was man über sie sagen konnte. Auch ein paar Schatten – das abgebrochene Studium, die gescheiterte Ehe usw., aber das wurde nivelliert (durch das Problem der Kinderlosigkeit u.a.), machte sie noch sympathischer: Diese junge Frau stand mit beiden Beinen auf der Erde, rappelte sich nach solchen Rückschlägen wieder auf. Eine so sympathische junge Frau hat das Attentat ausgeführt?

Da kommt der Lesen/Zuschauer ins Grübeln. Wie kann so jemand nur so eine Tat ausführen? Und die einzig zulässige Erklärung: Verzweiflung. Verzweiflung über die Umstände, unter denen sie leben muss, unter denen ihr Volk leidet, unter denen … Und die Ursache kann nur bei den Israelis liegen, denn schließlich sind sie die Besatzer, die Unterdrücker, diejenigen, die die Gewalt anwenden. Aus dem Täter wird ein Opfer; die Erklärung wird zur Rechtfertigung und die Tat den Opfern angelastet.

Aber kann das so richtig sein? Das Motiv der Verzweiflung als einziger Erklärung für grässlichste Gewalttaten, wird Menschen wie den Selbstmord-Attentätern – oder auch den Kurden, die vor ein paar Jahren hier bei uns Autobahnen sperrten und von denen sich einer selbst verbrannte – ausschließlich unterstellt: Es „kann“ nur um Verzweiflung handeln, sonst würden diese Menschen nicht ihr Leben aufgeben.

Für grausame Taten und Attentate gegen Juden, Amerikaner, oft auch Christen kennt man keine andere Erklärung. Ausnahme: rechtsradikale Deutsche bzw. Europäer oder (nicht nur orthodoxe) Juden (in Israel). Die sind allesamt dumpf, verblendet, rassistisch und schlichtweg böse.

Begeht ein Moslem in „Palästina“ die gleichen Taten wie ein Neonazi bei uns, dann ist das erklärbar (und damit auch zu rechtfertigen). Begeht ein Moslem hier bei uns die Tat, dann gibt es auch Erklärungen dafür. Ihm wird die gleiche Verzweiflung unterstellt und zugute gehalten. Unterdrückt wurde er (wenn nicht von den Israelis, dann von seiner Familienstruktur oder der westlichen Gesellschaft, in der er lebt), benachteiligt (in der deutschen/europäischen Gesellschaft, die ihn in seiner Art nicht akzeptiert hat und nicht tolerant genug ist, ihm Chancen genommen oder verweigert hat, etc.); fehlende Chancengleichheit macht ihn verzweifelt.

Dass dieser Täter genauso verblendet, dumpf, rassistisch und schlichtweg böse gehandelt haben könnte wie die Neonazis, kommt nicht in Frage, selbst, wenn er einer islamistischen Gruppierung wie Mili Görüs angehört. Es kann nicht sein, was nicht sein darf?

Wie viel Realität steckt hinter der Erklärungs-Manie gegenüber moslemischen Tätern? (Vielleicht ja auch nur gegenüber Tätern, die nicht aus dem Westen kommen? Dahinter könnte ein Schuldkomplex der ehemaligen Kolonialherren stecken.) Wie viel Anerkennung – nicht nur Toleranz oder Verständnis! – „müssen“ wir den Menschen entgegen bringen, die unsere Werte nicht teilen, oft nicht zu teilen bereit sind oder dagegen kämpfen, aber hier leben wollen oder in ihrem Land unsere Gelder oder politische Unterstützung verlangen?

Mitte der 80-er Jahre erzählte mir eine Bekannte, dass ein iranischer Student ihres Umfelds sich so äußerte: „Deutsche Frauen sind alles Huren.“ Grund: Ihre Kleidung, die Titelblätter unserer Illustrierten und die („nicht vorhandene“) Sexualmoral. Meine Bekannte brachte dieser Haltung großes Verständnis entgegen. Man müsse das verstehen, in seinem Land herrschten ja schließlich striktere Vorstellungen. Das müsse man respektieren und akzeptieren. Sie fand nichts schlimm daran, dass der Mann so dachte. Sie rechtfertigte das.

Ich entgegnete ihr: Dieser Mann wusste, dass er sich in einer völlig anderen Kultur befand. Er war hoch gebildet. Und er hätte die Erfahrung haben müssen, dass nicht jede deutsche Frau mit jedem Mann beliebig in die Kiste hüpft; dass ein kurzer Rock nicht die ständige Aufforderung zu Sex ist. Sich diese Gedanken nicht zu machen, spricht von Ignoranz, ganz egal, was man von den offenherzigen Kleidungsgewohnheiten und der auch für viele hiesige Christen reichlichst laschen Sexualmoral in Europa hält. Seine Engstirnigkeit, die Verallgemeinerung wurde akzeptiert und als konsequent gelobt. Das nicht anzuerkennen wurde als intolerant und abzulehnen kategorisiert. Diese Gegenposition wurde von ihr (nach dem Verständnis ihres Bekannten selbst eine solche „Hure“, da deutsche Frau) nicht akzeptiert.

(Frage am Rande: Warum wird konservativen Christen nicht dieselbe Toleranz gegenüber ihrer Einstellung entgegen gebracht? Wo ist denn hier die Doppelmoral? Was den einen ohne Weiteres zugestanden wird, weil sie aus einem anderen Kulturkreis kommen, wird den anderen verboten, weil es als von Gestern und Bevormundung definiert wird, als „nicht mehr zeitgemäß“.)

Ähnliches beobachten wir mit den Geschehnissen im Nahen Osten: die Palästinenser dürfen vielleicht nicht alles tun, was sie tun, aber man hat enormes Verständnis und bietet jede Menge Rechtfertigung für Bomben, Mord, Verstümmelungen, übelste Hetz-Propaganda (die in Teilen sogar ungehemmt übernommen wird), Vertragsverletzungen usw. Aber derjenige, der sich dagegen wehrt, der wird verurteilt, dem wird jedes miese, hinterhältige Motiv unterstellt, das sich finden lässt.

Es wird ausgeblendet, dass Israel seit der Rückkehr der Juden nach „Palästina“ von allen umliegenden Arabern massiv bekämpft wird, mit dem einen, klar erklärten Ziel: Vernichtung. Es wird ausgeblendet, dass Arafat und seine Kumpane die Verträge von Oslo (und allen, die dazu gehören), nie Ernst gemeint haben – die Belege dafür werden schlichtweg nicht wahr genommen oder als israelische/rechte/extrem-christliche Propaganda abgetan. Es wird ausgeblendet, wie viel Israel sich bemüht hat, dass ein Friedensschluss möglich wird – die Angebote werden als nicht ausreichend angesehen (und damit die arabische Propaganda ohne sie zu hinterfragen übernommen). Es wird ausgeblendet, dass die PA ab 1993/94 statt z.B. einer vertraglich vereinbarten Erziehung zum Frieden und Ausgleich ausschließlich (!) den wilden Hass auf Juden/Israel in seinen Schulen, Medien und Moscheen predigen ließ. Hier hören wir immer nur – wie gerade erst wieder von den Außenministern der EU -, dass Arafat der einzig mögliche Partner für einen Frieden ist.

Arafat wird offensichtlich als eine Art Michail Gorbatschow des Nahen Ostens oder zumindest Palästinas angesehen. Wie der damals in der Sowjetunion eine neue Ära einläutete, so wird dies in Bezug auf den Nahen Osten Arafat zugeschrieben. So wie Gorbatschow in der zweiten Hälfte der 80-er Jahre Glasnost und Perestroika verkündete und eine gewisse Öffnung dem Westen gegenüber propagierte und die neue Offenheit in der eigenen Gesellschaft (wenigstens zum Teil) durchsetzte, so schreibt man Arafat den neuen Friedenswillen des Nahen Ostens und eine gewisse Öffnung zum Westen und zur Demokratie zu. Welche Berechtigung das hat, bleibt allerdings im Dunkeln.

Seit den 90-er Jahren verkündet Arafat gegenüber dem Westen Frieden; den „Frieden der Mutigen“, zu dem Israel ausgerechnet nach der unsäglichen PLO-Unterstützung für Saddam Hussein gedrängt wurde; es wurde der Prozess des „Land für Frieden“ vereinbart, der von der israelischen Linken mit Hilfe des Westens in einem Versuch angestrebt wurde, der durch keine einzige Erfahrung mit dem Vater des modernen Terrorismus gerechtfertigt war.

Wie widersprüchlich das ist, kann man vielleicht daran erkennen, dass Israel von Saddam mit Massenvernichtungsmitteln in einem Krieg bedroht wurde, der mit Israel nichts, aber auch gar nichts zu tun hatte. Allerdings kam der kollektive arabische Antiisrael-Reflex zum Tragen, als der Irak durch den Aufbau der US-Golf-Allianz in die Defensive gedrängt wurde und flux Israel zum eigentlichen Ziel seines Krieges erklärte. Anscheinend reicht das aus, um eine Koalition zu sprengen, die einen arabischen Aggressor bekämpfen will; der ruft zum Kampf gegen das „zionistische Gebilde“ auf und schon ist alles mehr oder weniger gerechtfertigt oder vergessen, was er vorher tat – er muss in diesem Kampf unterstützt werden, schließlich es geht ja gegen die Zionisten. Israel durfte sich nicht aktiv verteidigen, das hätte die Allianz gesprengt. Also fielen Raketen auf den jüdischen Staat, es gab Tote (wenn auch nur einen durch direkte Einwirkung dieser Waffen). Aber Israel hielt still. Es verzichtete darauf sich zu wehren.

Zur Belohnung für dieses Stillhalten, zur Belohnung, die Golfkriegs-Allianz nicht gesprengt zu haben, wurde ihm der „Frieden“ mit Arafat aufgedrückt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen gegen Irak hieß es, jetzt müsse aber Israel (das sich den Aggressionen der arabischen Seite gegenüber still verhalten hatte) den Palästinensern (die die Aggressionen begrüßt, unterstützt und bejubelt hatten) entgegen kommen. Als direkte Folge des Krieges Saddams und der westlichen Intervention zu Gunsten der übrigen Araber! Welche Logik hat das?

Arafat war durch sein Verhalten (jahrzentelanger Terror, Saddam-Unterstützung) zu diesem Zeitpunkt eigentlich im Mülleimer der Geschichte gelandet. Er wurde vor allem von Europa im Verein mit den Arabern aus diesem wieder hervor geholt. Wie sich jetzt zeigt, war das ein Riesenfehler; denn der Mann aus dem Müll mauserte sich durch geschickte Propaganda zum Friedensengel, der die Vernichtung Israels voran treibt. Nur: Europa will das nicht glauben, Europa verschließt die Augen davor.

Arafat redet ständig vom Frieden, von Rechten, von legitimem Widerstand und von Waffenstillständen – vor der westlichen Presse und vor westlichen Politikern. Die aufrührerischen Reden, das Gehetze in der arabischen Medienwelt, in arabischer Sprache, wird nicht wahrgenommen. Der Jubel über tatsächliche sowie die vermeintlichen Friedensbotschaften, Waffenstillstands-Ankündigungen und Gewaltsverzichts-Aufrufe übertönt die unmittelbar danach ausgegebenen gegenteiligen Parolen. Wen kümmert das schon? Europa folgt damit einem Wunschbild, das es sich selbst aufgebaut hat und das jeder Prüfung der Realität zum Opfer fallen würde.

Gorbatschow musste wohl nach seiner Wahl zum Partei- und Staatsratschef der KPdSU bzw. Sowjetunion die Partei-Sprache benutzen und erst alles umdefinieren, so dass es sich noch ähnlich bis gleich anhörte, aber doch dann eine andere Auslegung bekam; das war nötig, um die konservativen Parteibonzen bei der Stange zu halten oder ersetzen zu können und keine „Revolution“ gegen sich heraufzubeschwören. Die kam zwar 1992 trotzdem, aber da war schon so viel geschehen, dass es eine widerstandsbereite Bevölkerung und einen Boris Jelzin gab, die ihren Erfolg verhinderten.

Genau so scheint man Arafat zu sehen: Den eigenen Leuten gegenüber „muss“ er so reden, wie er redet. Nur darf man das nicht Ernst nehmen, denn es dient ja dem Frieden, weil er sein Volk erst langsam „umdrehen“ muss, weg von der Konfrontation und hin zum Miteinander. Und deshalb ist er einzig möglicher Verhandlungspartner; alle Hoffnung wird auf seine Version des vermeintlichen Friedens gesetzt. Aber ist das wirklich so?

Arafat hatte zehn Jahre Zeit, diesen „Umerziehungsprozess“ zu beginnen. Gorbatschow hatte sein Werk innerhalb von fünf Jahren so weit voran gebracht, dass der Ost- West-Konflikt praktisch ausgeräumt war. Arafat aber hat einen Propaganda-Apparat aufgebaut, der seit seiner Einrichtung kontinuierlich den Hass und den Kampf gepredigt hat; das Schulsystem der PA nutzt seit seiner Übernahme durch die PLO ausschließlich (aktuelle) Schulbücher, die aus den beiden Nachbarländern stammen, mit denen Israel Friedensverträge abgeschlossen hat: Jordanien und Ägypten. Aber diese Bücher verunglimpfen die Juden als Untermenschen, Teufel, Pest, Krebsgeschwür, Weltverschwörer usw., die ausgerottet werden müssen; diese Schulbücher predigen den Palästinenserstaat vom Jordan bis zum Mittelmeer – keine Rede vom Existenzrecht Israels. Die „Entschuldigung“, dass diese Bücher aus Ägypten und Jordanien stammen, zieht nicht. Was für ein Frieden ist das, der den Vertragspartner derart darstellt? Was kann Israel von diesen „friedlichen“ Nachbarn erwarten, wenn sie solche Hetze in ihre Kinder einpflanzen? Dann hätte das Material gar nicht benutzt werden dürfen oder es hätte in der Lehrerausbildung wie im Unterricht entsprechend aufgearbeitet werden müssen. Das geschah aber nicht, es wurde so gelehrt, wie es drin stand. Und dann hat nach sieben Jahren „Friedenspolitik“ des sich selbst zum Präsidenten überhobenen Vorsitzenden der Autonomiebehörde die PA für einige Klassen eine Reihe eigener, neu entwickelter Schulbücher eingeführt – von Mitgliedern der EU finanziert. Und was steht drin? Israel ist ein teuflisches, zionistisches Gebilde mit dem Ziel, die Palästinenser auszurotten, den Islam zu erniedrigen und die jüdische Weltverschwörung voran zu treiben; das „historische Palästina“ muss wieder errichtet werden (wann hat es je ein solches gegeben?), vom Jordan bis zum Mittelmeer. Der jüdische Staat existiert in den Büchern nicht, wird weder auf einer Karte gezeigt, noch anerkannt – statt dessen gilt „das ganze historische Palästina“ als von Juden besetzt und muss befreit werden.

Was hat Arafat getan, das mit Gorbatschow vergleichbar wäre? Ausschließlich die Reden gegenüber dem Westen, die er hält. Alles andere, die internen Änderungen, Reformen, hat er nicht einmal ansatzweise angefangen. Im Gegenteil: Er hat die Gegensätze zu Israel verschärft, hat schon 1994 verkündet, dass er die Verträge von Oslo als gleichwertig mit dem des Propheten Mohammed mit den Qureish ansieht. Der war auf zehn Jahre vereinbart worden, aber der Gründer des Islam hatte ihn nach nicht einmal zwei Jahren gebrochen, sobald er sich stark genug fühlte sie zu besiegen. Damit ist Oslo von Vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Ein Friede war nicht in Sicht. Aber die Schuld für die heutige Situation wird Netanyahu und anderen „rechten“ Politikern Israels angelastet.

Wieso? Weil Israel seinen Pflichten nicht nach kam und den Rückzug mit Übergabe von Territorium an Arafat nicht in der Geschwindigkeit durchführte, wie sie ursprünglich vorgesehen waren. Kein Wort darüber, dass Arafat seine Verpflichtungen nicht einmal ansatzweise umzusetzen begann; kein Wort darüber, dass Israel die „Friedensdividende“ erduldete (durch Terror ermordete und verstümmelte Israelis) und dass die Terroristen die Autonomiegebiete als Schutz- und Rückzugsgebiete nutzten, in denen sie nichts zu befürchten hatten, weil sie dort nicht verfolgt wurden, eher noch das Gegenteil. Statt Anerkennung für seine Geduld und lange Zurückhaltung zu ernten, wurde Israel beschimpft und angegriffen, Männer wie Netanyahu zu immer weiteren Rückzügen aus den Gebieten ohne irgendeine Gegenleistung der Palästinenser gezwungen.

Und selbst jetzt noch, nachdem Arafat einen Verhandlungsfrieden sabotiert hat und nach 17 Monaten Palästinenser-Terror, werden die Schuldigen weiter nur auf der Seite Israels gesucht. Die EU-Außenminister erklären, dass Arafat der einzig mögliche Verhandlungspartner ist – ausgerechnet der, der selbst auf dem Prüfstand stehen müsste; der endlich den Beweis erbringen müsste, dass er zum Frieden bereit ist; der immer mit gespaltener Zunge geredet hat – der wird nun zum Zentrum der Welt des Nahen Ostens gemacht, zu dem, der darüber entscheidt, was richtig ist und was nicht.

Nein, Arafat ist kein Gorbatschow, ganz im Gegenteil. Er ist eine inzwischen aus dem arabischen Nationalismus und Sozialismus heraus muslimisierte Version Stalins: Von Verfolgungswahn besessen, genauso von seiner Mission (Vernichtung des jüdischen Staates und der „jüdischen Verschwörung“), von Narzismus zerfressen; dazu noch mit einem derart korrupten Apparat umgeben und selbst mit derart Unmengen von Geldern in den eigenen Taschen (das könnte anders als bei Stalin sein), die seinem Volk hätten zu Gute kommen müssen, dass sogar seine eigenen „Brüder“ (sprich: die arabischen Staaten) ihm nichts gerne direkt in die Hände geben, sondern es – anders als die EU – kontrolliert selbst verteilen wollen – die versprochene eine Milliarde US-Dollar für die Unterstützung der „Intifada“ ist immer noch nur in Teilen eingetroffen!

Und von diesem, von seinen arabischen „Brüdern“ als nicht vertrauenswürdig angesehenen „Präsidenten“, sollen die Israelis ihr Schicksal bestimmen lassen. Dann können die Juden auch gleich kollektiven Selbstmord begehen.

Arafat kann schon deshalb kein Gorbatschow sein, weil er im Vergleich die Generation verkörpert, die mit dem Tod des letzten Vorgängers des sowjetischen Reformers unter ging. Es hat keinen fundamentalen Wechsel gegeben – Arafat macht das, was er immer gemacht hat, nur auf einem anderen Level und in einer anderen Art. So, wie z.B. Breschnjew nach Unterzeichnung der SALT-Abkommen die SS-20 stationierte, lässt Arafat Waffen einschmuggeln – Gorbatschow hatte dagegen zur Verringerung der (Atom-)Waffen beigetragen.

Der große Wechsel hat nirgendwo in „Palästina“ stattgefunden. Arafat hätte wie Gorbatschow die Gegner des notwendigen neuen Weges zurück drängen müssen – er hat sie aber gefördert und genährt und zur Haupt- wenn nicht der einzigen Kraft in „Palästina“ gemacht. Er hätte wie Gorbatschow Reformen beginnen müssen – er hat aber die Kräfte forciert, die jede Reform verhinderten und sich lediglich bereichern. Die Liste lässt sich beliebig verlängern.

Europa drängt nicht nur, es fordert kategorisch die Zusammenarbeit mit Arafat. Ohne Arafat kann man sich nicht vorstellen, dass etwas erreichbar ist. Was aber ist MIT Arafat erreichbar?

Was ist, wenn dieser über 70 Jahre alte Scheinmessias plötzlich, aus welchem Grund auch immer (aber ohne Einwirkung der Israelis) nicht mehr zur Verfügung steht? Wird dann alles wirklich nur noch schlimmer?

Die Terroristen verlören nach europäischer Lesart (die berechtigt zu sein scheint) eine Identifikationsfigur, eine einigende Persönlichkeit, eine Art Übervater. Was ist daran so schlimm? Der vermeintliche Gorbatschow Palästinas wird keinen akzeptablen Frieden bringen, sondern nur eine Verbesserung der Ausgangssituation im Kampf gegen Israel anstreben. Der tödliche Überlebenskampf Israels wird weiter gehen.

Und was sollte ohne Arafat schlimmer werden? Die Attentate finden auch jetzt statt. Der Hass der Palästinenser wird von ihm nicht weniger geschürt. Die Ziele werden nicht geändert. Es besteht aber die Chance, dass die Uneinigkeit der Palästinenser nach Arafat dazu führt, dass Israel die zersplitterten Gruppierungen und Fraktionen eine nach der anderen in die Schranken weisen kann.

Eine Sowjetunion ohne Gorbatschow hätte die Konfrontation mit dem Westen weiter verfolgt. Die Sowjetunion unter Gorbatschow suchte die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und eines gewissen Ausgleichs mit dem Westen. Ein „Palästina“ verfolgt ausschließlich den Kampf gegen die Juden – mit oder ohne Arafat. Keine Rücksicht auf wirtschaftliche Nöte des Volkes, kein Weg des Ausgleichs mit den Israelis – nur Konfrontation und Maximalforderungen, die Israels Selbstmord bedeuten würden. Arafat weiß, was für Israel inakzeptabel ist und fordert daher genau das. Damit wird ein Ausgleich von vorne herein verhindert und der Grund für die Fortsetzung des „bewaffneten Kampfes“ geschaffen.

Während also Gorbatschow für den Wechsel stand, für eine neue Generation in der Sowjet-Führung, steht Arafat in der PLO/PA für Kontinuität der Konfrontation. Aber so, wie Gorbatschow vor seiner Wahl ins wichtigste Amt der UdSSR kaum bekannt war und jeder sich erst einmal fragte: „Wer ist denn der?“, so könnte auch aus den Palästinensern einer an die erste Stelle gespült werden, der heute weitgehend unbekannt und unbeachtet ist. Dann wäre ein Wechsel der palästinensischen Politik möglich. Diese Chance darf man nicht verneinen, nur weil man hier bei uns niemanden sieht, der den Stuhl Arafats übernehmen könnte.

Ob Europa das zu begreifen in der Lage ist? © heplev, Februar 2002

Mein „Freund“ Jürgen M.

Persönliche Wahrnehmung der Aktivitäten des Jürgen M. im Herbst 2001

Franz Josef Strauß nannte ihn einen „Mümmelmann“. Damals war er ein kleiner, aber aufstrebender Möchtegroß der FDP. Zwischenzeitlich ist er als Bundesminister wegen unsauberer Machenschaften heftig abgestürzt, war kurzfristig praktisch von der politischen Bühne verschwunden und versucht nun über die Landespolitik in Nordrhein-Westfalen wieder zu bundespolitischer Bedeutung zu kommen. Darin wird er momentan von vielen Medien heftig (aber vielleicht unfreiwillig?) unterstützt, weil er so schön kontrovers ist und polarisiert. Die Schalker Vereinsmitglieder haben ihn allerdings im November 2001 aus ihrem Vorstand abgewählt – Gründe unbekannt.
Was wenige wissen: Er ist der Vorsitzende der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. Und dieser Posten hat ihn im Herbst 2001 auf eine Nahost-Reise geführt. Davor und danach fielen in mehreren Fernseh-Diskussionen und sonstigen Medienäußerungen, die leider weitgehend unkommentiert geblieben sind. Hat keiner mehr den Mut, dem Unsinn entgegen zu treten, den Jürgen M. redet? „Schaun mir mal“, pflegt eine „Lichtgestalt“ des deutschen Fußballs zu sagen, also schaue ich mal:

1. Akt: ZDF „Berlin Mitte“, Donnerstag, 4.10.2001
E-mail an Herrn Jürgen M. in Folge seiner Wortbeiträge bei „Berlin Mitte“

Sehr geehrter Herr M.,

mit Interesse habe ich Ihre Aussagen in der heutigen Sendung von Frau Illner im ZDF verfolgt. Sie haben mich allerdings erzürnt.

Sie haben in der bin-Laden-Terrorismus-Debatte die Israelis und den Konflikt im Nahen Osten eingebracht, was in dieser Situation nun wirklich nichts ursächlich miteinander zu tun hat. Das hat Ihnen Herr Vollmer auch deutlich gesagt – und so wenig ich mit seinen Positionen im Allgemeinen überein stimme, hier stimme ich ihm voll zu.

Was mich aber sehr erbost ist Ihre Behauptung, dass Israel Staatsterrorismus betreibt. Vielleicht sollte ich von Ihnen als Vorsitzendem der Deutsch-Arabischen Gesellschaft nichts anderes erwarten; aber dass Sie die Realitäten derart ignorieren, spricht nun wirklich nicht für Sie. Die von den Israelis vorgelegte Liste enthält Namen von Palästinensern, von denen bekannt ist, dass sie an Terrorakten teilgenommen haben. Israel verlangt deren Auslieferung, um sie vor Gericht stellen zu können. Diese Leute sind nur dann – wie Sie zu sagen beliebten – „zum Abschuss frei gegeben“, weil sie
1.) Terroristen sind, die schon einige Akte gegen israelische Zivilisten unternommen haben,
2.) von denen zu erwarten ist, dass sie weiteren Terror verüben werden und
3.) die nicht von der PA festgesetzt werden.

Es ist einfach unglaublich, wie einseitig verfälschend Sie diese Liste darstellen. Würde der Verbrecher und Terrorist Arafat wenigstens ansatzweise seinen Verpflichtungen nachkommen, dann brauchte Israel sich nicht mit gezielten Tötungs-Aktionen dieser menschenverachtenden Terroristen zu erwehren.

Herr M., Sie verkehren eklatant Ursache und Wirkung. Dass Sie das auch noch öffentlich verbreiten, ist eigentlich ein Skandal, der mit einer Verleumdungsklage beantwortet werden müsste.

Hochachtungsvoll


2. Akt: Kölner Stadtanzeiger, 3.11.2001

M.: Israel schafft neuen Hass
Jürgen M. bleibt bei seiner Verurteilung der Politik Israels, benutzt aber nicht mehr den Begriff Staatsterrorismus
Düsseldorf – Der FDP-Landesvorsitzende M. sagte nach seiner Nahost-Reise, er habe zur Kenntnis genommen, dass der Ausdruck „Staatsterrorismus“ ablenke von dem, um was es gehe. Er sei auch wegen des Vorgehens der USA gegen Afghanistan „sehr beunruhigt“ über die Perspektiven dieser Region. M.s Kernthese: „Die beste Bekämpfung des Terrorismus sind nicht verschärfte Gesetze, sondern eine Lösung des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern.“ Es sei „ein weltweit einmaliger Vorgang, dass ein Kabinett eine Namensliste von Personen beschließt, die hingerichtet, nicht verhaftet werden sollen“. Israels Vorgehen sorge für neuen Hass, bringe neue Terroristen hervor. „Diese Praxis ist mit internationalem Recht in keiner Weise vereinbar. Das sind Methoden, die wir bei Terroristen kritisieren.“ Das sei auch Meinung des FDP-Präsidiums, sagte der ehemalige Außenamts-Staatsminister und Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. Er widersprach damit indirekt Spekulationen, seine Israel-Kritik habe dafür gesorgt, dass er in Westerwelles FDP-Wahlkampfmannschaft nicht mit dem Thema Außenpolitik beauftragt worden sei.

Auszüge aus meiner daraufhin geschriebenen E-mail an die FDP (Präsidiumsmitglieder der Bundes-FDP, ähnlich an die Mitglieder des Landes-Vorstands der FDP in Nordrhein-Westfalen):

1.) M. hetzt nicht nur weiter, wie bereits im Oktober, er greift inzwischen zu blanken Lügen. Die Liste ist eine Liste von Terroristen, von denen die israelische Regierung fordert, dass sie verhaftet und vor Gericht gestellt werden. Dem arbeitet die Autonomiebehörde gezielt entgegen. Nur deshalb werden Personen, die auf dieser Liste stehen, eventuell mit gezielten Schlägen getötet. Zu behaupten, dass die Liste beschlossen ist, damit getötet wird, nicht verhaftet, ist eine feiste Lüge, die durch nichts zu entschuldigen ist.

2.) Die Behauptung, diese Praxis sei mit internationalem Recht in keiner Weise vereinbar, sollte Herr M. belegen. Er führt dafür keine Beweise an. Die israelische Regierung hat im Gegensatz dazu Belege angeführt, dass dieses Vorgehen rechtens ist. Das kann z.B. auf der Internetseite des israelischen Außenministeriums nachgesehen werden.

3.) Herr M. stellt einmal mehr einen Zusammenhang zwischen dem Terroristen Osama bin Laden und dem, was dieser vertritt, einerseits und der Lage in Israel her. Dieser Zusammenhang besteht nicht, denn bin Laden verfolgt seine terroristischen Ziele nicht wegen des Konflikts der Israelis mit den Palästinensern, sondern weil die USA Truppen in Saudi Arabien stationiert haben und wegen der korrupten arabischen Regime. Herr M. lügt, wenn er diesen Zusammenhang herstellt. Dieser wird von vielen arabischen Politikern und Medien behauptet, um die Stimmung gegen Israel zu schüren. Das macht ihn nicht richtiger!

Insgesamt habe ich sehr stark den Eindruck, dass Herr M. lediglich – relativ unreflektiert – die Positionen der Araber wieder gibt, die er auf seiner Nahostreise zu hören bekam und die er schlichtweg übernimmt. Ein solcher Mann ist als Außenpolitiker unverantwortbar. Er hat keinerlei unabhängige Sicht auf die Dinge, ist zu einer neutralen Betrachtung der Situation nicht in der Lage und dient nicht dem deutschen Volk.

Herr M. behauptet, das FDP-Präsidium sei derselben Meinung wie er. Ich fordere deshalb den Bundesvorsitzenden der FDP, Herrn Guido Westerwelle, sowie alle anderen Mitglieder des FDP-Präsidiums auf, sich von Herrn M. zu distanzieren und deutlich zu machen, dass sie seine verleumderischen und falschen, der Realität widersprechenden Stellungnahmen zu den derzeitigen Konflikten in/mit der arabischen / islamischen Welt nicht teilen.

Hochachtungsvoll

3. Akt: FDP-Reaktionen

Ich erhalte einen Brief vom Büro der Bundestagsfraktion der FDP mit einer Presseerklärung von Dirk Niebel (MdB, stellv. Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft), der sich deutlich von M. distanziert, außerdem Kopien von Stellungnahmen der FDP-Führungsköpfe, die Gleiches, wenn auch weniger deutlich tun.

Gleichzeitig geht eine E-mail aus der FDP-Bundeszentrale ein; Tenor:
Es gehöre zu den Gepflogenheiten einer demokratischen Partei, dass einzelne Mitglieder unterschiedliche Auffassungen verträten. Herr Dr. Westerwelle und die übrigen Mitglieder des Präsidiums der FDP verträten eine andere Meinung als Herr M., dem es jedoch selbstverständlich frei stehe, seine persönliche Auffassung zu vertreten, auch wenn das in dieser außenpolitischen Frage nicht die Position der FDP sei.

Deutlich, oder?
Betrachte ich aber den Artikel im Kölner Stadtanzeiger, dann frage ich mich jetzt:
Hat nun Jürgen M. gelogen (als er behauptete, das FDP-Präsidium teile seine Meinung) oder der Stadtanzeiger (als er das schrieb)?

4. Akt: 4.11.2001 – ÑSabine Christiansenì
Diskussion zur Inneren Sicherheit im Zusammenhang mit den Wahlen in Hamburg und Berlin (Schill-Partei, Schily-Entwürfe)

Auch hier ist Jürgen M. zugegen. Und er schafft es wieder, die Verbindung zum Nahen Osten herzustellen und Israel den Schwarzen Peter für den Terrorismus in der Welt in die Schuhe zu schieben. Diesmal widerspricht niemand, es gab sogar (vereinzelte) Klatscher im Publikum. Herr Koch (Hessen-Ministerpräsident) sagte nichts, Herr Lafontaine („Saar-Napoleon“) sagte nichts, auch Herr Schill sagte nichts (schüttelte den Kopf, Ursache aber nicht erkennbar), Frau Christiansen griff nicht ein und der Mann von der Süddeutschen Zeitung nickte leicht (also Zustimmung?). Frau Pau von der PDS kam bei dieser Gelegenheit nicht ins Bild.

5. Akt: 19.11.2001 – E-mail von Jürgen M.als Antwort auf mein Schreiben vom 4.10.

Darin behauptet er erneut, Israel habe mehrfach eine Liste von Palästinensern festgelegt, die getötet werden sollten, was dann auch mehrfach praktiziert worden sei; seiner Meinung nach gehörten Gewalttäter und Verbrecher vor ein ordentliches Gericht mit der Möglichkeit, sich ordentlich zu verteidigen, was den Getöteten verweigert worden sei. Dieses Vorgehen sei rechtsstaatswidrig, Israel habe dieselben Mittel wie die Terroristen angewandt.

Ich konnte mir nicht verkneifen darauf noch einmal zu reagieren:
Sehr geehrter Herr M.,
vielen Dank für Ihre Antwort. Ich hätte gerne auch Stellungnahmen Ihrer NRW-Vorstandskollegen erhalten, diese sind bisher aber leider ausgeblieben. Ich nehme mir die Freiheit, Ihnen folgendes zu antworten:
Sie verleugnen weiterhin, dass die israelische Regierung eine Fahndungsliste herausgegeben hat und bezeichnen diese weiterhin als Todesliste – das ist unehrenhaft und verleumderisch. Sie erwähnen nirgendwo, dass Israel durch Arafat die Möglichkeit genommen wird, diese Terroristen festzunehmen und einem ordentlichen Gerichtsverfahren zu unterwerfen. Sie verweigern Israel damit das Recht, sich selbst zu schützen – ein Recht, das jeder Staat hat!
Ihre Gleichsetzung der israelischen Angriffe mit denen der Terroristen ist wirklich das Allerletzte und stellt meines Erachtens eine perfide Verdrehung der Tatsachen dar. Während die Palästinenser gezielt und in unglaublichem Ausmaß alles unternehmen, um möglichst viele Zivilisten zu töten, die wahllos ausgesucht und angegriffen werden, unternimmt Israel alles, um die Zahl der unschuldigen Opfer möglichst gering zu halten. Wenn Sie das mit dem Arafat-Terrorismus gleich setzen wollen, dann ist das inakzeptabel (privat äußere ich mich drastischer). Ich kann auf einen solchen „Volksvertreter“ verzichten, der ungehemmt die arabische Lügen-Propaganda nachplappert!
„Hochachtungsvoll“

Nachtrag vom 1.12.2001:
Israel hat in den letzten Wochen bei seinen Vorstößen in PA-Gebiete eine ganze Reihe von Terroristen festgenommen, darunter auch einige derer, die auf der von Jürgen M. so titulierten „Todesliste“ stehen – die entsprechenden „Herren“ leben noch und sitzen in israelischen Gefängnissen. Damit dürften die Behauptungen des Jürgen M. wohl endgültig als der Unsinn entlarvt sein, den sie darstellen. Ob Jürgen M. das auch so sieht, wage ich zu bezweifeln.

Überraschung am 6.12.2001:
Die Beschwerden beim FDP-Landesvorstand vom 4./5.11. haben eine späte Folge: Die E-mail des Jürgen M. als Antwort auf meine Mail vom 4.10. (kam am 19.11.) kommt als Antwort auf das Schreiben vom 5.11. („Auftritt“ bei Sabine Christiansen) wortwörtlich noch einmal. Der gute Mann scheint das als Standardtext zu verschicken – warum wohl? Er hat auch nicht bemerkt, dass er mir diese Mail bereits schon einmal schickte. Sollte das daran liegen, dass zu dem Thema Beschwerden in massiver Zahl aufgetaucht sind und Jürgen M. und seine Mitarbeiter dadurch den Überblick nicht mehr haben, wem sie das unsägliche Teil schon alles geschickt haben?

———————————–

Rheinische Post: Möllemann rechtfertigt Gewalt

Die Rheinische Post schreibt in ihrer Ausgabe vom 30.03.2002 auf der Titelseite:

Den Ankündigungen der Al-Aksa-Brigaden und des Dschihad, weiter Anschläge auf Israel zu verüben, werde nur dann der Boden entzogen, wenn man einen Palästinenserstaat in eigener Verantwortung schaffe. „Anderenfalls werden die Extremisten solange ihre eigenen radikalen Positionen beibehalten, solange sie ihren Anhängern gegenüber sagen können: Was gibt uns die Regierung Scharon? Israel hat seine Panzer in unserem Land stehen. Wer anderer Leute Länder besetzt, darf sich nicht wundern, wenn die sich wehren. Wenn Deutschland besetzt würde, würde ich mich auch mit Gewalt wehren“, meinte Möllemann.

Auf einer der folgenden Seiten werden die Ausführungen Möllemanns ausführlicher dargestellt.

Herr Möllemann fährt wieder mal auf der Verleugnungslinie:
Er verleugnet, dass das erklärte Ziel der „Extremisten“ ist: Israel vernichten.
Er verleugnet, dass Arafats Autonomiebehörde in ihren Schulen und Medien seit 8 Jahren gepredigt hat, Palästina gehöre den Palästinensern allein und nehme das gesamte Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer ein.
Er verleugnet, dass die „Extremisten“ nicht nur Hamas und Islamischer Jihad sind, sondern dass die Mehrheit der Anschläge von Arafats eigenen Leuten ausgeführt wurde; er verleugnet, dass zwar die „großen“ Attentate während des Passahfestes von Jihad und Hamas ausgeführt wurden, aber die anderen, die verhindert wurden und wo die Bombe zu früh los ging, alle von Arafats Al-Aksa-Märtyrern ausgeführt werden sollten; dass die überwiegende Mehrzahl der Anschläge zuletzt von Arafat direkt unterstellten „Organisationen“ ausgeführt wurden.
Er verleugnet, dass Arafat rein gar nichts getan hat, den Terror zu verhindern oder einzudämmen, sondern im Gegenteil: ihn mit seinen Reden und Taten geschürt hat.
Er verleugnet, dass das Problem des Konflikts nicht erst mit der „Besatzung“ entstand.
Er verleugnet, dass Arafat mit gespaltener Zunge spricht – dem Westen gegenüber von „Frieden“ redet, die eigenen Leuten auf den Jihad einschwört und das Märtyrertum verherrlicht.
Er verleugnet, dass „die israelischen Panzer“ schon oft abgezogen worden sind, dann aber prompt die Terroranschläge verstärkt wurden.
Er verleugnet, dass die Gewalt von den Palästinensern begonnen wurde; er verleugnet, dass Israel derjenige ist, der immer wieder Zeichen setzte, indem auf Vergeltung verzichtet wurde – gerade erst die Woche vor dem Netanya-Anschlag wieder – während die palästinensische Seite das zur Erweiterung des Terrors nutzte.

Möllemann ist auf dem arabischen Auge blind. Er lügt sich und der deutschen Bevölkerung weiter in die Tasche und entledigt sich jeden Sinns für Objektivität. Der oberste deutsche Nahost-Lügner hat wieder zugeschlagen. Man kann nur hoffen, dass ihm keiner mehr zuhört.

Propaganda aus dem arabischen Raum (3/3)

Syrien: „Hizbollah ist keine Terror-Organisation“ – (IMRA, 27.04.2003)

Bouthana Shaaban, Sprecherin des syrischen Außenministeriums, sagte heute gegenüber Fox News, dass Hizbollah „nie irgendwann auf Zivilisten in Israel gezielt“ habe und sie sei „keine Terror-Organisation“. Jonathan Peled, Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte allerdings gegenüber Eli Stutz von Arutz-7, dass Shaaban in ihrer Darstellung der Fakten nicht ganz genau sei:
„Hizbollah ist eine Terror-Organisation und hat israelische Zivilisten angegriffen – in Israel wie im Ausland. 1992 sprengte sie die israelische Botschaft in Buenos Aires, wobei 29 Menschen umkamen. Sie haben Raketen über die Grenze auf israelische Orte geschossen und sind aktiv in palästinensischen Terror-Organisationen verwickelt, indem sie sie in der Ausführung von Anschlägen unterstützen. Syrien unterstützt die Hizbollah nicht nur, sie schützt sie auch noch aktiv.“

Vor gerade einmal 14 Monaten, am 12. März 2002, drangen zwei Hizbollah-Terroristen nach Nordisrael ein und schossen beim Kibbutz Metzubah auf vorbei fahrende Autos – und ermordeten fünf israelische Zivilisten und einen Soldaten.

Die arabischen Darstellungen der Vorgänge in und um Israel ist – sei es durch Regierungserklärungen oder aus der arabischen Presse – insofern sehr interessant, als diese nie unabhängig sind und offizielle Meinungen repräsentieren. So gesehen gibt es Grund, sich anzusehen, was dort zu sagen ist und wie der Nahost-Konflikt dargestellt wird.

————

aus: arabicnews.com, 6.1.2003

Zwei palästinensische Operationen in Tel Aviv töten 23 Israelis, verwunden 80

Zwei Palästinenser führten gestern zwei Operationen in der Nähe einer Bushaltestelle im Zentrum von Tel Aviv aus, durch die 23 israelische Siedler getötet und 80 weitere verwundet wurden, von denen sich sieben in kritischem Zustand befinden.

Das israelische Radio sagte, dass zwei gewaltige Explosionen an zwei Kreuzungen statt fanden, nur 200 Meter voneinander entfernt, und in schweren Schäden resultierten, während das israelische Fernsehen sagte, dass nur eine Minute zwischen den beiden Explosionen lag…

Es ist schon sehr interessant, dass eine arabische Mediengesellschaft so falsche Angaben macht:
1. es wurden keine 23 Israelis getötet, sondern Israelis und nicht-Israelis (legale und illegale Gastarbeiter)
2. Menschen aus Tel Aviv sind also „Siedler“. Was sagt uns das bezüglich arabischer Ansichten zu möglichen Friedensaussichten mit Israel? Es kann uns nur eines sagen: Die Israelis müssen aus allen „besetzten Gebieten“ raus; Tel Aviv ist besetztes Gebiet; also muss Israel verschwinden. Wie viel Möglichkeiten einer friedlichen Einigung, außer des Verschwindens Israels, kann es unter solchen Umständen geben? Vor allem, da die Juden ja nicht freiwillig ins Meer gehen werden?

————

aus Al-Akhbar (Ägypten), 22. November 2002: (Quelle: MEMRI)

Hintergrund: Am 21.11.02 sprengte ein palästinensischer Selbstmord-Bomber in Kiryat Menachem in (West-!) Jerusalem einen Bus der Linie 20 in die Luft. 11 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Die Toten waren eine 48-jährige Frau mit ihrem 16-jährigen Sohn, zwei 13-jährige Schulkinder, eine 56-jährige Frau, drei weitere Frauen im Alter von 20, 32 und 46 Jahren und eine rumänische Touristin. Die Verletzten waren zum großen Teil Schulkinder und eine 22-jährige Schwangere mit ihren drei Kindern, die bereits zum zweiten Mal ein solches Attentat überlebte.

Schlagzeige: Die Operation in Jerusalem: Die einzige Antwort auf den israelischen Terrorismus
Aus dem Text: Diese Operation, bei der elf israelische Terroristen getötet und Dutzende verletzt wurden, hat eine Reihe von Gründen, deren erster der ist, dass diese Operation eine Konsequenz des mutigen Zuschlagens ist, vorbereitet von palästinensischen Märtyrer … in Hebron … wegen des Zustands von Wahnsinns, der die regierende israelische Bande übermannt hat, geführt von Ariel Sharon, der nur das Ziel hat, weiteres palästinensisches Blut zu vergießen, besonders das Blut von Kindern, Frauen, Alten und den mutigen Menschen des Widerstands. (Im Weiteren schreibt der Autor davon, die Aktion habe im „besetzten Jerusalem“ statt gefunden!)

Wer solche Tatsachenverzerrung von sich gibt, der kann keine Stimme sein, die etwas zum Frieden beizutragen hat. Das ist die Stimme der Hetze, Verleumdung, des Terrors und der Menschenverachtung. Gerade hat ein Terrorist genau solche Leute ermordet, auf die angeblich die Regierung Sharon zielt. Diese Ermordeten werden als Terroristen bezeichnet. Das ist die Wahrheit so vollkommen auf den Kopf gestellt, dass die Worte fehlen, dafür die richtige Bezeichnung zu finden – außer, man bedient sich dessen, was die Amerikaner „four-letter-words“ nennen.

Andere Zeitungen gehen in ihrer Verherrlichung des Mordes ähnlich weit. So schreibt Al-Gumhuriyya (22.11.02):
„Diese heroische, mutige Operation … die höchst ehrenhafte Mission“ und
„Es sind die Juden, die hinter allem Unheil stecken“ (daran Schuld sind)

Michael Widlanski von TheMediaLine berichtete in einem Gespräch mit IMRA, dass das palästinensische Radio „Voice of Palestine“ in seinen Nachrichten auch erst davon sprach, Kiryat Menachem liege im „besetzten Jerusalem“. Diese Bezeichnung wurde später fallen gelassen und durch „die Kolonie Kiryat Menachem“ ersetzt. Was ist das jetzt? Ausdruck der wahren Ziele (= Vernichtung Israels, weil ja alle Gebiete zwischen Jordan und Mittelmeer besetzt sind und von Juden gereinigt werden müssen)? Oder „nur“ bewusste Fehl-Information um Stimmung zu machen?

————

aus Jordan Times, 26. August 2002:

In einem Artikel über die Sorgen, die Israels „Transfer-Politik“ betreffen, schreibt ein jordanischer Journalist (er ist besorgt, dass Jordanien Palästinenser aufnehmen muss, während Israel sie nach Gaza (!) abschiebt!):

1948 öffnete Jordanien seine Grenzen fliehenden Palästinensern als Ouvertüre dazu eine Union mit der Westbank zu schmieden, aber das Königreich schloss sich gegenüber den besetzten Gebieten Palästinas ab, nachdem Israel gegründet wurde.

Das ist interessant:
Sollte der Autor die „Westbank“ meinen, dann lügt er, denn Jordanien annektierte diese.
So meint er also das Staatsgebiet Israels, wenn er von „besetzten Gebieten Palästinas“ schreibt. Soweit zum Verständnis besetzter Gebiete und dem was „befreit“ werden muss.

————

aus Al Ahram, Ausgabe vom 22.-28.082002:

„Israel ist eine Fälschung der großen westlichen, imperialistischen Mächte, ursprünglich Großbritanniens und danach der USA. Es ist kein Werk des Zionismus, der nur Insturment der verschiedenen imperialistischen Systeme war, die den Nahen Osten wegen seiner geopolitischen Lage kontrollieren wollten…“

Na Klasse, warum regt ihr Araber dann so sehr über die Zionisten auf?
Übrigens: Jordanien ist das Paradebeispiel für die Werke der imperialistischen Mächte – es wurde ausschließlich aus dem Willen Großbritanniens heraus geschaffen, das einem eifersüchtigen Haschemiten-Prinzen einen Gefallen tat – unter Biegung der Regeln und ohne Zustimmung des Völkerbundes! Wie wäre es, wenn ihr da genauso böse reagieren würdet?
Allerdings solltet ihr Araber euch auch vor Augen halten, damit ihr die Geschichte nicht wieder einmal falsch darstellt: Alle imperialistischen Zentren in England und den USA waren GEGEN die Gründung von Israel. Die entschiedene Opposition in den USA kam aus dem Außenministerium, dem Verteidigungsministerium, von den großen Ölgesellschaften und den internationalen Banken (ein Wunder, dass die USA für den Teilungsplan stimmten). Die Engländer enthielten sich der Stimme. Sie trugen nicht zur Staatsgründung bei, sondern taten alles in ihrer Macht stehende, damit die Araber den Juden überlegen waren, als es dann zur Staatsgründung und dem arabischen Vernichtungskrieg kam.

…Es war das ethische Recht der Araber, das Prinzip der Teilung abzulehnen… ob die Ablehnung der Teilung die taktisch effizienteste Wahl war, ist diskutabel. Natürlich half es den fremden Siedlern ihren aggressiven, expansionistischen Krieg als „defenisive“ Maßnahme darzustellen.
Dass die Araber „die Juden ins Meer treiben“ und „die Juden vernichten“ wollten und dass die Armeen von sieben Staaten losmarschierten, war also nicht der Grund, dass es den Krieg gab, sondern jüdische Aggression!

Die imperialistischen USA sicherten wiederholt den „Schutz Israels“. Der Krieg von 1967 wurde 1965 in Washington geplant. Sein Ziel war die Zerstörung der Versuchs Nassers zu einer unabhängigen Entwicklung.
Genau: Die USA haben Ägypten dazu veranlasst, die Straße von Tiran zu sperren, die UNO (fast alles US-Truppen) aus dem Sinai auszuweisen und das massiv sowjetisch aufgerüstete ägyptische, syrische sowie das jordanische Militär an den 1949-er Waffenstillstandslinien auffahren zu lassen. Die USA haben die Hetz- und Vernichtungsparolen Nassers und der Syrer gesteuert, damit Israel sich bedroht fühlte, obwohl es gar nicht bedroht wurde.

… Diese Politik [heplev: der „ethnischen Säuberungen“] begann früh, mit den Massakern von Deir Yassin (1948), Tantura und anderen, gefolgt bei der Massenausweisung von hunderttausenden von Palästinensern, denen Israel das im internationalen Recht geheiligte Rückkehrrecht verweigert… Es gibt keine Impfung, die verhindert, dass die Opfer im Gegenzug zu Schlächtern werden. Von Deir Yassin bis Jenin gibt es fortgesetzte Massaker.
Ja, bitte weiter mit den Geschichtsfälschungen und den Lügen: Deir Yassin u.a. waren Kampfzonen, in denen die arabischen Armeen mehr Tote verursachten als die Israelis. Das als Massaker zu bezeichnen, entlarvt die arabische Verdrehung von Tatsachen: Die Masskrierenden waren dann wohl eher die Araber.
„Massenausweisung“? Rund 95% der arabischen „Flüchtlinge“ haben einen bewaffneten Israeli nicht einmal gesehen! Sie folgten den Anweisungen, dem Drängen und dem Drohen der arabischen Kriegstreiber, die ihnen sagten: Unsere Bomben können nicht unterscheiden zwischen Juden und Arabern; in ein paar Tagen könnt ihr zurück in eure Häuser; wer nicht geht, ist ein Verräter an der arabischen Sache und wird entsprechend behandelt. Wer hat hier ausgewiesen?
O ja, das Massaker von Jenin! Wie viele Lügen sollen uns eigentlich noch aufgetischt werden? Ach so, die Leser sind ja Araber, die glauben das leider alles. Und damit hat wieder einmal Israel für den Hass gesorgt, hat es doch die Unverschämtheit, zu existieren. Die Hass-Propaganda ist Israels Schuld!

————

Jordan Times, 24.07.2002
Hassan Abu Nimah, ehemaliger jordanischer UN-Botschafter in einem Artikel über die UNO:

„… Resolution 181, die die Teilung Palästinas und die Errichtung zweier Staaten (einer arabisch, einer jüdisch) vorsah, endete mit der Schaffung nur eines jüdischen Staates, der nicht nur die 56,47% von Palästina besetzte, die der Teilungsplan vorsah, sondern den Anteil durch militärische Eroberung und Terrorismus gegen die örtlichen Palästinenser auf 78% ausdehnte, darunter den größten Teil Jerusalems, das nach Resolution 181 eine besondere, internationalisierte Zone sein sollte…“

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Araber lehnten unisono die Teilung (Rest!-)Palästinas (westlich des Jordans) ab. Sie begannen einen Krieg zur Vernichtung der Juden. Sie waren unter keinen Umständen bereit, einen jüdischen Staat zuzulassen, geschweige denn eine Teilung „Palästinas“. Sie waren noch nicht einmal bereit, einen arabisch-„palästinensischen“ Staat zu gründen, sondern Ägypten und Transjordanien annektierten Samaria, Judäa und den Gazastreifen. Israel konnte nur überleben, weil es den Verteidigungskrieg gewann. Es konnte keine territorialen Zugeständnisse machen, weil 1.) kein Staat auf dem dafür vorgesehenen Gebiet gegründet wurde und 2.) kein arabischer Staat auch nur den Hauch einer Möglichkeit für eine Friedensregelung erkennen ließ (sondern ganz im Gegenteil!).

Und jetzt geht dieser „Diplomat“ hin und macht die UNO dafür verantwortlich, dass die Zweistaaten-Lösung nicht umgesetzt wurde! Gibt es wirklich etwas Lächerlicheres als diese arabischen Lügen?
Ich wette, es gibt wieder einige Ahnungslose hier bei uns, die dieser Geschichtsverfälschung auch noch folgen werden und sie öffentlich vertreten!

————

Jordan Times am 07.07.2002 zum Anschlag auf den El Al-Schalter in Los Angeles:

Zur Klärung: Am 4.7.02 ging ein Ägypter, Hesham Muhammad Ali Hadayet, der seit 1992 in den USA lebte, auf den El Al-Schalter am Los Angeles International Airport zu und schoss um sich. Er tötete zwei Menschen und verletzte mehrere andere, bevor ein El Al-Sicherheitsmann ihn erschoss. Das FBI will nicht von einem Terroranschlag wissen, Israel spricht von Terror. Es gibt Hinweise darauf, dass der Mann islamistischem Gedankengut mehr als nahe stand (Aussagen seiner Nachbarn und ehemaligen Arbeitskollegen). Die arabische Presse sieht das anders. In der Jordan Times stand:

„Ägyptische Sicherheitskreise bestätigten…, dass der Vorfall aufgrund finanzieller Probleme mit El Al stattfand“, sagte sein Cousin Emad Al Omda gegenüber AFP.
Omda sagte, dass die israelische Fluglinie mit der Zahlung für zwei Limousinen im Rückstand war, die sie von Hadayets Firma gemietet hatte.
Klasse – das ist Grund genug um Menschen umzubringen? In was für einer Kultur leben diese Leute?

„Wir sind sicher, dass er keine Verbindung zu extremistischen Organisationen hatte. Er ist ein gottesfürchtiger Muslim, aber er ist keinesfalls ein Extremist. Beleg dafür ist, dass er mit der israelischen Firma El Al zu arbeiten bereit war“, sagte Omada.
Für Israelis zu arbeiten scheint für Araber nie ein Problem gewesen zu sein. Und wir haben eine Menge „extremistischen Verhaltens“ dort beobachten können. Eine ganze Reihe von Morden an Israelis waren nur möglich, weil diese ihren palästinensischen Arbeitskräften vertrauten!

In der Zwischenzeit drückte der ägyptische Außenminister Ahmad Mahr Bestürzung über das aus, was er die „übertrieben Aufmerksamkeit“ nannte, die dem Schusswechsel gegeben wird.
„Solche Vorfälle gibt es in den USA und dem Rest der Welt regelmäßig“, sagte er Reportern. „Wir müssen das Ende der Untersuchungen abwarten, bis wir einen Kommentar geben.“
Als wenn das nicht schon Kommentar genug gewesen wäre! Aber einer, der die ganze Vorurteils-Lawine des Ägypters gegenüber den USA verdeutlicht!

„Wir sind in Kontakt mit dem Außenministerium um seine Leiche heim zu holen. Aber wir wollen, dass zuerst die Wahrheit klar gestellt wird, denn wir sind sicher, dass er kein Mörder sein kann“, sagte Omada.
Mal abgesehen davon, dass Familienmitglieder grundsätzlich etwas Probleme haben, solchen Tatsachen ins Gesicht zu sehen: Der ganze Tenor des Artikels nimmt Partei für den Mörder und will ihn von Schuld möglichst befreien. Was ist das für eine Sichtweise? Was ist das für ein Verständnis von Menschlichkeit, wenn ein Mörder nicht mehr Mörder genannt werden soll; wenn leichte finanzielle Auseinandersetzungen als Rechtfertigung für Mord herhalten dürfen?
Ich habe ein Befürchtung: dass das repräsentativ für arabische Wertevorstellungen und arabisches Verhalten ist!

————

Al-Ahram (ägyptische Wochenzeitung) in der Woche vom 18.-24. April 2002:

Amerikanischer und israelische Druck auf Arafat hat zu einer Stellungnahme der Palästinensischen Autonomiebehörde geführt, in der Selbstmordangriffe auf Zivilisten in Israel verurteilt werden. Das ist ein großer Rückschlag.

Wenn das die Meinung der Zeitung ist, dann ist sie FÜR Terrorismus. Dann kann man – da die Zeitung unter Kontrolle der Regierung steht – auch davon ausgehen, dass die ägyptische Regierung den Terrorismus gegen Israel unterstützt. Es wird für das Recht auf Terror durch die PLO plädiert. Aber wehe, die Israelis wehren sich! Wer verliert hier eigentlich das Maß?

————

Syrische Nachrichtenagentur: 14 Siedler getötet

  1. März – SANA – Fortgesetzter israelischer Blitzkrieg und Aggressionen

    Früher am Tag wurden Dutzende Palästinenser von israelischen Besatzungstruppen getötet und verwundet, hunderte gefangen genommen und 14 israelische Siedler – mindestens – getötet und weitere 25 bei einem Selbstmordangriff in Jaffa verwundet.

Abgesehen davon, dass der Anschlag in Haifa stattfand und nicht in Jaffa: Laut der syrischen Nachrichtenagentur SANA sind also auch diejenigen Israelis Siedler (= jüdische Verbrecher, die widerrechtlich auf arabischem Land siedeln), die innerhalb der Grenzen von 1967 leben – so viel dazu, wie ernst der saudische „Friedensplan“ zu nehmen ist, den die Arabische Liga gerade erst beschlossen hat!

————

Aus einer Erklärung der Präsidenten Mubarak und Assad vom 20.03.2002 (SANA):

… Die Präsidenten Assad und Mubarak riefen Israel auf, all seine unterdrückerischen Praktiken zu stoppen, einschließlich der Terrorisierung der Palästinenser und das ihnen auferlegte Verbot, der Besatzung zu widerstehen…
Mit anderen Worten: Der Ägypter und der Syrer verlangen von Israel, sich dem Terror zu ergeben und sich auf keinen Fall dagegen zu wehren!

————

Jordan Times, 10.03.2002: „Jordanien verurteilt die israelische Eskalation“

„Amman – Die Regierung verurteilte Freitag scharf die israelische militärische Eskalation, durch die mehr als Palästinenser umkamen…“
„…diese Politik der Ermordung und Zerstörung gegen wehrlose palästinensische Zivilisten, der Wiederbesetzung palästinensischer Städte und Lager wird keinen Frieden und Sicherheit bringen.“…
Die Jordan Times wie auch die jordanische Regierung verschweigen geflissentlich, dass die toten Palästinenser fast ausschließlich bewaffnete Kämpfer waren – nach der Genfer Konvention damit ausdrücklich keine Zivilisten mehr! (Der ganz normale Menschenverstand sagt doch auch schon, dass einer, der mit Waffen gegen Soldaten vorgeht, dabei vermutlich auch umkommen kann.)
Die Lüge, Israel schlachte wehrlose Zivilisten ab, wird im arabischen Raum bewusst gepflegt – aber sollte der Westen auch darauf herein fallen?

————

Ibrahim Nafie, Chef der ägyptischen Wochenzeitschrift Al-Ahram und der Lieblings-Journalist von Hosni Mubarak, in der Ausgabe vom 27.12.01:

„…von Arafat zu verlangen, dass er die Intifada stoppt, widerspricht bestehenden Prinzipien des internationalen Rechts.“
Da frage ich mich, wo im internationalen Recht steht, dass Mord und Totschlag, „Kampfhandlungen“, Terror, usw. fortgeführt werden müssen, wenn die Möglichkeit einer Einigung durch Verhandlungen gegeben ist – wozu in allen anderen Konflikten von den internationalen Gremien aufgerufen und entsprechend Druck ausgeübt wird!

————

Syrische Nachrichtenagentur SANA (23.12.2001) zum Besuch des chinesischen Außenministers:

„Der chinesische Minister besuchte die befreite Stadt Quneitra, wo er über die Zerstörung der Stadt vor dem israelischen Rückzug im Befreiungskrieg von 1973 informiert wurde.“
Die Lügen in diesem kleinen Abschnitt:
1.) Die Stadt wurde nicht befreit, sie wurde von den Israelis freiwillig im Rahmen einer UN-Regelung geräumt.
2.) Die Stadt wurde nicht von Israel vor dem Abzug zerstört, sie wurde durch die Kämpfe zwischen der israelischen und der syrischen Armee (beim Vorgehen Israels gegen die den syrischen Angriffskrieg) zerstört. Die Syrer habe sie seit 1973 wieder – warum haben sie sie nicht aufgebaut, sondern weiter verfallen lassen? (Rhetorische Frage!)
3.) Der Krieg von 1973 war kein Befreiungskrieg, sondern ein Aggressionskrieg der Ägypter und Syrer, die keinen Frieden schließen wollten. Syrien hätte den Golan nach 1967 im Zuge einer Friedensregelung zurück bekommen können.

————

Jordan Times, 5.12.2001

„Israel tötet tausende von Kindern, Frauen und jungen Männern, ermordet Palästinenser und zerstört die Infrastruktur der Autonomiebehörde“, sagte Al-Watan aus Saudi Arabien.
Dazu sollte wohl noch gesagt werden, dass nach den massiven Selbstmord-Attentaten in Jerusalem und Haifa, gerade mal zwei Palästinenser durch die folgenden israelischen Luftangriffe (auf die sich Al-Watan bezieht) getötet wurden!

————

Al Ahram – ägyptische Wochenzeitschrift, 6.12.2001

Der israelische Premierminister hat kein Programm zur Erzielung einer politischen Lösung. Er hat ein militärisches Programm, den Gebrauch von übermäßiger Gewalt um die Intifada zu unterdrücken und seine Bedingungen dem palästinensischen Volk aufzuzwingen. Sharons größte Sorge ist, dass die sieben Tage Ruhe, die er verlangt, tatsächlich stattfinden könnten.
Warum geht Arafat dann nicht hin und tut genau das, was angeblich Sharons größtes Problem ist? Damit würde er ihn ja mit seinen eigenen Mitteln schlagen! Aber diese Lösung ist Arafat zu einfach und zu wenig kriegerisch!

————

Al-‚Usbu‘ Al-Adabi (Wochenmagazin der Syrischen Schrifsteller-Vereinigung), 1. Januar 2000:
(Der Name „Israel“ wird nicht einmal erwähnt, weil man die Existenz auch des letzten Quadratzentimeters eines jüdischen Staates für illegal hält und zerstören will.)

„Sogar der ägyptische Boden ist nicht sicher vor dem satanischen Krieg, der vom Zionismus geführt wird. Zehntausende Tonnen Samen wurden durch landwirtschaftliche Abkommen mit dem zionistischen Gebilde geschickt. Diese Samen zerstörten den ägyptischen Boden, indem sie einen Teil von ihm unfruchtbar machten.“
Kann man dazu noch etwas sagen? So hysterisch und fanatisch, derart hasserfüllt kann nur sein, wer nichts anderes will als eins: Hassen bis zum Tod! Keine Chance für Verstand! Und vor allem: Keine Chance auf Frieden!

„Allein unter Flüchtlingen“ vs „Hello Refugees!“

Tuvia Tenenboms neues Buch ist jetzt auch auf Englisch erschienen – ungeschwärzt (also habe ich es sofort bestellt). Ich kann ja verstehen, dass im Deutschen mit dem Titel ein Wiedererkennungswert erzeugt werden soll und seine Bücher dort deshalb der Langeweile frönen, weil sie alle so fantasielos „Allein unter…“ heißen. Die englischen Titel sind eingängiger und lustiger. Und so heißt „Allein unter Flüchtlingen“ in Englisch treffender „Hello Refugees!“ (Hallo Flüchtlinge), was so ein wenig an den „Refugees Welcome“-Hype an Bahnhöfen erinnert.

Was aber deutlich besser ist, ist die Gestaltung der Buchcover. Gerade bei „Hello Refugees!“ Schaut selbst und entscheidet, was euch besser gefällt.

Das haben wir auch bei dem einen oder anderen Buch der Reihe: