Wissen, wie man sich verteidigt, auf Angriffe vorbereitet

Prof. Eyal Zisser, Israel HaYom, 18. September 2016

Vor den Manövern, die das Heimatfrontkommando diese Woche veranstalten wird, veröffentlichten Israels Zeitungen eine Beschreibung „des nächsten Krieges“, die die Manöver simulieren sollen. Es stellt sich heraus, dass die IDF schätzt, dass es ein mit Raketen geführter Krieg sein wird, ähnlich dem Zweiten Libanonkrieg von 2006 und der Operationen Wolkensäule (2012) und Fels in der Brandung (2014).

Das Hisbollah und Hamas zur Verfügung stehende Arsenal – ganz zu schweigen von Syrien und dem Ira – umfasst rund 230.000 Flugkörper, von denen bis zu 5% eine große Reichweite haben. Einige sind starke Präzisionswaffen. Die IDF erwartet, dass an jedem Tag des Krieges zwischen 1.000 und 1.500 Raketen auf Israel geschossen werden, was zu tausenden Angriffe auf dicht bevölkerte Gebiete und hunderte Verletzte Zivilisten führen wird. Und als besondere Bedrohung wir das Manöver erfordern, dass die IDF sich auf die Möglichkeit vorbereitet, dass Hisbollah-Agenten und möglicherweise Hamas versuchen werden Gemeinden und Militärposten entlang der Grenze anzugreifen.

All das zeigt natürlich, dass Israel immer noch keine Lösung dafür gefunden hat die Wurzeln der Kampfansage an seine Sicherheit anzugehen, der es sich in den letzten zwei Jahrzehnten gegenüber sah: die Raketenlager von Hisbollah und Hamas. Israel hat in der Tat langfristige Ruhe entlang seiner Nordgrenze und sogar an seiner Südgrenze sichergestellt, aber der Preis für diese Ruhe – der Kern der gegenseitigen Abschreckung zwischen Israel, Hisbollah und Hamas – besteht darin, dass diese Organisationen zwei- bis dreimal so stark geworden sind, als sie es waren und die Qualität sowie Quantität ihrer Raketen verbessert wurde. All dies unter den halb geschlossenen Augen Israels, das es vorgezogen hat die Ruhe so lange wie möglich zu erhalten, bis der Krieg schließlich ausbricht.

Die Geschichte des IDF-Manövers wirft die Frage auf, wie realistisch eine solche Art von Krieg ist. Am Ende hat niemand in der Region, nicht die Führer der Hamas oder Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah, ein Interesse daran die Grenze anzuzünden und in einen ausgewachsenen Krieg mit Israel gezogen zu werden. Immerhin ist das, was in dem Manöver nicht geübt wird, die Macht einer israelischen Reaktion auf einen Angriff. Die Schläge gegen die Schiiten des südlichen Libanon würden weit schmerzhafter sein als im Zweiten Libanonkrieg oder bei den letzten Konfrontationen im Gazastreifen.

Doch der Nahe Osten ist an Kriege gewöhnt, die ausbrechen, obwohl niemand sie wollte. Eine Panne oder eine falsche Entscheidung reicht aus, um dafür zu sorgen, dass die Dinge bergab gehen und außer Kontrolle geraten. Die auf israelische Flugzeuge geschossenen syrischen Raketen von letzter Woche demonstrieren die zunehmende Zuversicht auf der anderen Seite der Grenze und es ist möglich, dass jetzt, wo Russland wieder in der Nachbarschaft aktiv ist, Nasrallah und der syrische Präsdient Bashar Assad selbstsicherer sind und das Gefühl haben, sie würden an der Seite Syriens als Absicherung und Unterstützung kämpfen.

Aus Russland ist von Bedeutung. In jedem Abrutschen in Krieg würde Russland eine wichtige Rolle spielen, hoffentlich eine positive und stabilisierende. 1967 war es die Sowjetunion, die die Region in den Krieg stürzte, aber seitdem und auf jeden Fall in den letzten Jahren scheint es so, als ob Russland und die USA jeden Einfluss auf das verloren haben, was hier geschieht. Jetzt ist Russland zurück und spielt eine Führungsrolle.

Moskau hat gute Beziehungen zu Israel wie Syrien, ebenso zum Iran und indirekt zur Hisbollah. DA Russland kein Interesse an einem Konflikt hat, der seine Interessen in der Region beeinträchtigen und seine Verbündeten (zu denen Israel nicht gehört) schädigen könnte, könnte es handeln, um zu verhindern, dass die Dinge in die Brüche gehen könnten und alle beteiligten Seiten unter Druck setzen, um die Bremsen zu ziehen, bevor sie vollkommen abrutschen. Das bedeutet natürlich eine Begrenzung der Operationsfreiheit Israels, wenn Moskau seinem Handeln nicht billigt.

Im Endeffekt wird Israels Sieg aber nicht durch den Schutz der Heimatfront oder die Fähigkeit kommen, Angriffe auf eine tapfere Zivilbevölkerung zu überstehen, denn Kriege werden nicht durch Verteidigung gewonnen. Israel muss sich darauf vorbereiten dem Feind einen Schlag zu versetzen, von dem er sich nicht leicht erholt; das wird Israel erlauben die Bedingungen zur Beendung des Kriegs zu diktieren, die verhindern, dass der Feind sich schon bald darauf wieder zu erholen und den Countdown zur nächsten Runde zu beginnen.

Die Zeit heilt nichts

Forest Rain, Inspiration from Ziyon, 17. September 2016

Wenn ein Terroranschlag geschicht, spüren viele die Auswirkungen, auch Leute außerhalb des direkten Umfelds der Betroffenen, über die Verwandten, Freunde, die Freunde von Freunden hinaus … schlagen die Wellen und es ist nicht möglich davon unberührt zu sein.

Selbst wenn es keine direkte Involvierung gibt, schmerzen manche Anschläge mehr als andere. Manchmal ist der Grund dafür die Grausamkeit, manchmal wegen des Heldenmuts der Betroffenen oder der Hinterbliebenen. „Das hätte ich sein können“, das Wissen, dass du selbst oder eine geliebte Person sich einen Moment vorher am Anschlagsort befand, dass jemand anderes statt dir verletzt wurde, ist sehr verstörend. Ein Anschlag auf jemanden mit Merkmalen verstärkt das Gefühl ebenfalls („sie war so alt wie meine Tochter“). Manchmal ist der Grund dafür, dass ein Anschlag dir mehr zu schaffen macht, dir länger im Gedächtnis bleibt als andere, nicht zu erklären. So ist es einfach.

Menschen, die in anderen, ruhigeren Ländern leben denken nicht an diese Dinge.

Es ist einfacher Terroranschläge als Statistiken oder Geschichte aus dem Leben zu sehen, die sich verändern, wenn die Nachrichten sich ändern. Das ist leichter zu vergessen.

Als in meinem Facebook-Feed ein Artikel über Nava Appelbaum auftauchte, konnte ich mich nicht erinnern, ob sie im Café Hillel oder im Café Monument ermordet worden war. Ich erinnerte mich nicht an das Jahr, in dem das geschah. Ich erinnerte mich an ihr Bild, wie sie lächelnd ihren Vater umarmt. Ich erinnere mich, dass sie am nächsten Tag heiraten wollte.

Ihr Vater hatte sich ausgeführt, um vor ihrer Hochzeit ein wenig besondere Zeit miteinander zu verbringen. Dr. Appelbaum, ein Spezialist für Notfallmedizin, der das Leben so vieler anderer Opfer von Terroranschlägen gerettet hatte, wurde an der Seite seiner kostbaren Tochter ermordet.

Diese Gedanken fluteten mein Hirn bevor ich den Link zu dem Artikel öffnete.

Klick.

Da war das Bild, an das ich mich erinnerte.

In dem Artikel stand, dass der Anschlag vor 13 Jahren stattfand. So viel Zeit ist vergangen?

Ich suchte in meinem Artikel-Archiv und sah mir die Titel an, um zu sehen, welcher von den Appelbaums handelte. Ich konnte mich nicht an die Überschrift erinnern, aber ich wusste, welcher es war, bevor ich ihn öffnete: „Ihr Hochzeitstag“.

Dies hier schrieb ich damals:

All ihr Lieben,

der folgende Text handelt von Ereignissen am 9. September 2003 in Israel. Heute befinden sich unserer Herzen bei Amerikas Opfern des 9/11.

Am 9. September, dem Tag der Anschläge in Tzrifin und dem Hillel Café, wurden insgesamt 15 Menschen getötet und mehr als 80 verletzt. [Mein Gott]

Ich wachte mit einer nicht erklärbaren Panik aus einem Mittagsschläfchen auf. Ich schaltete den Fernsehen ein und sah, dass vor nur ein paar Minuten ein Selbstmordbomber sich an einer Bushaltestelle gesprengt hatte. Die Panik war erklärt.

Später am Tag sprengte sich ein weiterer Selbstmordbomber im Café Hillel und tötete 7, darunter Nava und Dr. Appelbaum.

Beide Bomber waren Mitglieder der Hamas aus dem Dorf Rantis in der Westbank. Beide stuiderten zusammen an der Bir-Zeit-Universität in Ramallah. Beide waren vor 6 Monaten als „Vertrauen bildende Geste“ aus israelischem Gefängnis an die Palästinenser entlassen worden. [Werden wir je lernen, dass das Vertrauen, das wir mit diesen Gesten aufbauen, das Vertrauen ist, dass der Weg des Terrorismus ist, ihm zu helfen seine Ziele zu erreichen?]

Es war ihr Hochzeitstag.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie trafen sich, als sie 16 und 17 Jahre alt waren und sie waren seitdem immer zusammen. Je mehr Zeit sie mit einander verbrachten, desto glücklicher waren sie. Jeder wusste, dass sie heiraten würden. Chanan kaufte eine Wohnung und möblierte sie für seine zukünftige Frau. Er dachte sogar dran Pflanzen hineinzustellen und schrieb eine Mitteilung, die er seiner geliebten Nava in einen Topf legte, damit sie sie findet. Darin stand: „Diese Pflanze ist wie du. Sie wächst, wenn man ihr Wasser gibt und wird mit jedem Tag, der vergeht, schöner.“ Chanan kaufte auch besonderen Schmuck, den er Nava an ihrem Hochzeitstag geben wollte.

Nava sah die Mitteilung nie; sie bekam den Schmuck nie; und sie heiratete nie. Chanan sollte seine Braut nie den Gang entlang zu ihm kommen sehen, umgeben von ihren Freunden und Familie.

Freunde und Familie kamen, ein Meer an Menschen. Sie machten Platz, um Chanan und Navas Familie den Gang entlang gehen zu lassen, aber Chanan konnte das nicht. Er musste gestützt werden, wurde halb zum Grab seiner Geliebten getragen.

Statt zu heiraten fand sich Chanan auf einer Doppelbeerdigung wieder, der seiner 20-jährigen zukünftigen Frau und ihres Vaters, Dr. David Appelbaum, einem Experten für Notfallmedizin. Beide waren bei am Abend zuvor bei einem Terroranschlag getötet worden.

Chanan wurde gesagt, dass Dr. Appelbaum zuerst starb. Als ihm von Nava erzählt wurde, brach er auf der Stelle zusammen. Nachdem er wieder zu sich kam sagte er Verwandten, er könne niemals jemand anderes heiraten. Nava war seine Seelenverwandte, seine zweite Hälfte und ohne sie würde er immer nur ein halber Mensch sein. Einen Tag später war er immer noch nicht in der Lage zu funktionieren. Er schrieb einen Nachruf auf seinen Geliebte, war aber nicht in der Lage sich dazu  zu bringen ihn auf der Beerdigung vorzulesen.

Der Terrorist, der Nava und Dr. Appelbaum töteten auch etwas in Chanan. Er tötete auch die tausende Menschen, die Dr. Appelbaum gerettet hätte, hätte er weiter gelebt und in der Notfallmedizin gearbeitet. Tausende verdanken Dr. Appelbaum bereits ihr Leben. Wahrlich, wenn man einen Menschen tötet, tötet man die Welt.

Es ist interessant diese Worte heute zu lesen. An einem entsetzlichen Tag in Israel, bei all den verletzten Menschen, war es Navas Geschichte, die für mich am stärksten herausragte. Die Geschichte der Braut, die niemals auf ihrer Hochzeit tanzen würde, nie die Familie schaffen konnte, von der sie träumte; ihr Verlobter – todunglücklich… das war herzzerreißend. Der Verlust von Dr. David Appelbaum und – mit ihm – all der Menschen, die in der Zukunft hätten gerettet werden können, war eine Katastrophe nationalen Ausmaßes.

Gleichzeitig dachte ich aus irgendeinem Grund an die Auswirkungen des 9/11 in Amerika.

Seitdem ist so viel geschehen, so viele weitere Anschläge, neue Schrecken, dass ich nicht verfolgt habe, wie es mit der Familie Appelbaum weiter ging – aber ich vergaß sie nie.

Der Artikel fügte Einzelheiten an, die ich nicht kannte und die die Lücken füllten, die die vergangenen Jahre schufen.

Es ist eine Erleichterung zu wissen, dass Chanan 2010 heiratete. Ich wünsche ihm und seiner neuen Familie Freude, frei von Trauma und Not. Nava und ihr Vater werden auf zahlreiche Weisen geehrt, die die Erinnerung an sie wach halten und helfen Vermächtnis neues Leben positiv zu beeinflussen fortzusetzen.

Für mich ist dieses Bild das schönste Gedenken. All diese süßen Mädchen sind entweder Nava Nichten oder die Töchter ihrer direkten Kusinen; und sie alle wurden nach benannt. Von links nach rechts: Talia Nava Silberman, Nava Tiferet Appelbaum, Nava Bat-Ami Appelbaum, Nava Shani Maresky, Nava Tehila Kramer, Nava Rachel Abramson, Nava Yehudit Kasnett, Nava Noam Kalker. (Foto: Yael Appelbaum)

„Die Zeit heilt alle Wunden“ ist eine leere Plattitüde, mit der ungeschickte Menschen oft um sich werfen, die nicht wissen, wie sie die Trauernden trösten sollen. Die, denen ihre Lieben auf besonders grausame Weise entrissen wurden, hörend diese leeren, nutzlosen Versprechen, am häufigsten.

Die Zeit heilt gar nichts. Das, was du mit der Zeit tust, macht den Unterschied.

In guten Zeiten und in tragischen ist die Familie Appelbaum ein leuchtendes Beispiel für uns alle.

Wenn du dein Leben dazu nutzt anderen Freude zu bringen, kann dich nichts wirklich brechen. Selbst der Tod kann die Erinnerung an dich oder dein Vermächtnis nicht töten, wenn sie dazu genutzt werden die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Daran sollte man sich erinnern, sollte ein Tragödie deine Familie oder jemanden treffen, den du kennst.

Wenn die Appelbaums das tun können, dann kannst du das auch.

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Hier können Sie mehr über Nava, Dr. Appelbaum und das, was zum Erhalt ihres Vermächtnisses getan wird, lesen. (in Englisch)

Im Vorfeld von Annapolis (6): Die Grenze zwischen Wunschdenken und Einbildung…

Die USA (unter Außenministerin Rice) hatten für November ein Friedenskonferenz in Annapolis angesetzt, um den Nahost-Konflikt endlich zu lösen oder eine Lösung zumindest wieder in den Bereich des Möglichen zu bringen. Wie viel Sinn macht es, diese Konferenz zu führen? Kann sie ein positives Ergebnis bringen? Was sind die Motive der Veranstalter und Teilnehmer diese Konferenz abzuhalten? Wie realistisch ist die Erwartung, dass eine Lösung wenigstens ansatzweise auf den Weg gebracht wird? Was ist dazu nötig? Dazu hier der sechste von neun Texten, die vor der Konferenz eine Einschätzung gaben.

John Hinderaker, PoweLine, 4. November 2007

ist manchmal schwer zu ziehen, aber was über die anstehenden israelisch-palästinensischen Gespräche in Annapolis gesagt wird, geht über Einbildung hinaus. Der entsetzliche Ehud Olmert bereitet die Bühne:

Israels Premierminister Ehud Olmert sagte, er könnte in der Lage sein mit den Palästinensern bis Ende 2008 Frieden schließen, währen die Vereinigten Staaten hoch und heilig versprechen Israels Sicherheit während des schwierigen Prozesses zu verteidigen.

„Wenn wir entschieden zusammenarbeiten, wir und die Palästinenser, dann gibt es eine Chance, dass wir wirklich etwas erreichen, vielleicht sogar vor dem Ende von Präsident Bushs Amtszeit“, sagte er vor dem Think Tank Saban Forum in Jerusalem.

Sicher, Friede bis Ende 2008! Das ist genau das, was wir nicht brauchen: noch ein amerikanischer Präsident, der nach einem „Vermächtnis“ im Nahen Osten sucht. Olmert gräbt sich eine immer tiefere Grube.

„Es gibt keine Absicht die Verhandlungen endlos hinzuziehen. Es gibt keinen Grund wieder die Verzögerungstaktiken zu benutzen, die unsere Gespräche in der Vergangenheit kennzeichneten“, sagte der Premier.

Verzögerungstaktiken? Welche Verzögerungstaktiken? In Oslo liefen israelische Diplomaten um die Wette den Laden zu verschenken und das hat ihnen ja einen Haufen Gutes eingebracht. Wir wollen bitte nicht „Verzögerungstaktiken“ mit der genozidalen Geduld verwechseln, mit der die palästinensischen Araber und ihre Helfer die Vernichtung Israels zwei Generationen lang planten.

AFP, die Quelle genau dieser Nachricht, teilt sich mit anderen Nachrichtenagenturen eine merkwürdige Nichtneugier, was die jüngere Geschichte der Region betrifft:

Die beiden Seiten planen in der Folge des internationalen Treffens intensive bilaterale Gespräche über eine dauerhafte Vereinbarung zu beginnen, die auf die Wiederbelebung eines Friedensprozesses abzielt, der seit sieben Jahren ruht.

Mensch! Warum „ruht“ der „Friedensprozess“ seit sieben Jahren? Ich vermute, AFP wollte diese „Ruhe“ mit den sieben Jahren in Verbindung bringen, die Präsident Bush jetzt im Amt ist. In Wirklichkeit ruht der „Friedensprozess“, weil die Palästinenser es versäumt haben auch nur irgendeiner der in Oslo gemachten Verpflichtungen nachzukommen und statt dessen weiterhin Israelis mit Raketen und Selbstmord-Bombengürteln ermordeten.

Aber machen wir uns keine Sorgen: Diesmal stehen die USA direkt hinter Israel:

Bei derselben Veranstaltung versprach US-Außenministerin Condoleezza Rice hoch und heilig Israel zu verteidigen, wenn es den Friedensprozess puscht; sie sagte, es sei an der Zeit, dass alle Seiten die schwierigen Entscheidungen für einen dauerhaften Frieden träfen.

„Alle Israelis sollen zuversichtlich sein, dass Amerika voll hinter euch steht, dass wir eurer Sicherheit voll verpflichtet sind und dass ihr daher mutig in den Frieden verfolgen könnt“, sagte sie.

Schau’n wir mal: Wie sehr genau sind die USA Israels Sicherheit verpflichtet? Sind wir [die Amerikaner] bereit uns mit den Mullahs im Iran auseinanderzusetzen? Oder auf den Punkt gebracht: Wie genau werden wir Israels Pizzerien und Gaststätten vor Massenmord schützen oder seine Soldaten vor Stoßangriffen über die Grenze? Glaubt irgendjemand, dass wir die Absicht haben irgendetwas Konkretes zu tun – selbst, wenn wir annehmen, dass wir in der Lage sind irgendetwas Konkretes zu tun – um Terroranschläge auf Israel zu stoppen?

Natürlich, so werden wir oft gewarnt, könnte „Frieden“ nicht zu erreichen schreckliche Folgen haben:

Rice warnte bei ihrem seit Jahresbeginn achten Besuch in der Region davor, dass für den Fall, dass die Friedensanstrengungen zwischen Israel und den Palästinensern ins Schwimmen geraten, die Extremisten die Palästinenserführung übernehmen könnten.

„Wenn wir jetzt nicht handeln, um den Palästinensern einen Weg nach vorne zu zeigen, werden andere ihnen einen Weg vorwärts zeigen“, sagte Rice. „Ein Fehlschlag ist schlicht keine Option.“

Was? „Extremisten“ könnten „die Palästinenserführung übernehmen“? Aber wann sind die Palästinenser jemals von jemandem geführt worden, der kein Extremist war? War Erzterrorist Yassir Arafat kein „Extremist“? Nein, warten Sie, ich vergaß seinen Friedensnobelpreis. Sind Fatah und Hamas keine extremistischen Gruppen? Wenn der Aufruf zu Völkermord über einen Zeitraum von Jahrzehnten jemanden kein Extremist sein lässt, was dann?

Zu den vielen offensichtlichen Problemen mit der Konferenz in Annapolis gehört, dass die derzeit aufsteigende Palästinenser-Bande, die Hamas, nicht teilnehmen wird:

Die islamistische Bewegung Hamas, die den Gazastreifen seit einer blutigen Übernahme beherrscht, bei der zu Abbas stehende Sicherheitskräfte vor fast fünf Monaten besiegt wurden, hat die Konferenz abgelehnt.

Welchen Wert kann ein Vereinbarung für Israel – oder den „Weltfrieden“ – haben, die den wichtigsten Krieg führenden außen vor lässt? Natürlich selbst dann, wenn man annimmt, dass es einen Grund gibt zu glauben, dass die Hamas oder irgend eine andere Terrorgruppe sich an eine solche „Vereinbarung“ hält?

Dennoch bleibt trotz dieser offensichtlichen Probleme eine „Lösung“ für den Nahen Osten für einige verlockend einfach vorstellbar:

Der Nahost-Sondergesandte Tony Blair bestand dennoch darauf, dass trotz der Differenzen zwischen Israel und den Palästinenser jeder an den Verhandlungen Beteiligte weiß, wie eine Endvereinbarung aussehen wird.

„Die Ironie ist, dass die endgültige Lösung nicht schwer zu erkennen ist. Sie befindet sich in Sichtweite, das Haus auf dem Hügel. Aber der Weg dahin ist äußerst schwierig.“, sagte er.

Die offensichtliche „endgültige Lösung“ ist Land für Frieden. Aber warum ist diese „Lösung“ so „schwer“? Weil es leicht ist Land aufzugeben, aber irgendwie niemals der Frieden folgt. Was für ein Rätsel!

Das Ausmaß der palästinensischen Chutzpe, ganz zu schweigen von der fortgesetzten Katastrophe, die die palästinensischen Führer mehr als ein halbes Jahrhundert lang zustande gebracht haben, ist atemberaubend:

Die Palästinenser haben gefordert, dass Rice mehr Druck auf Israel ausübt; sie bestehen darauf, dass Israel für Sicherheit nur mit einer größeren politischen Lösung bekommen wird.

Direkter gesagt: Gebt uns, was wir wollen oder wir werden euch töten! Bemerkt Ministerin Rice nicht, dass dies eine weniger als geeignete Basis für diplomatische Verhandlungen ist? Weiter:

„Die Äußerungen einiger israelischer Offizieller, für die die Sicherheit Israels wichtiger ist als die Schaffung eines palästinensischen Staates, verhindern eine Vereinbarung“, sagte Abbas-Sprecher Nabil Abu Rudeina gegenüber AFP.

Diese Behauptung ist – anders als die meisten, die wir von den Palästinensern hören, tatsächlich wahr. Es würde weit einfacher sein eine „Vereinbarung“ zu erzielen, wenn die Israelis nicht so wegen ihrer „Sicherheit“ besorgt wären, d.h. die Palästinenser davon abzuhalten Massenmord an israelischen Staatsbürgern zu verüben. Wie kann man nur so selbstsüchtig sein? Das ist tatsächlich das, was die internationale Presse sich fragt.

Und schließlich der ultimative Unsinn:

„Die Einrichtung eines palästinensischen Staates wird die Sicherheit und Stabilität der gesamten Region garantieren“, fügte er hinzu.

Das ist der schiere Irrsinn. Warum um alles in der Welt sollte die Einrichtung eines „palästinensischen Staates“ – unter der Annahme, dass er sich wesentlich von dem schändlichen derzeitigen Zustand der Palästinenser unterscheidet – „die Sicherheit und Stabilität der gesamten Region garantieren“? Welche möglichen Auswirkungen würde ein palästinensischer Staat auf die regionalen und globalen Amibitionen der Iran haben; auf die Konflikte, die den Irak verfolgen; auf die Nuklearambitionen Syriens oder dessen Wunsch den Libanon zu kontrollieren; auf den Feldzug der Al-Qaida gegen die „Ungläubigen“ – eine Kategorie, die so ziemlich alle einschließt – aus dem Nahen/Mittleren Osten und letztlich vom Planeten zu vertreiben; auf die Besorgnisse der Türkei wegen ihrer kurdischen Minderheit; oder auf jeden der anderen Konflikte, die den Nahen Osten zu einer solch gefährlichen Region machen? Die Antwort ist: absolut keine. Dies ist wirklich das definierende Hirngespinst unserer Zeit: die Vorstellung, dass den Palästinensern einen „Staat“ zu geben, den dysfunktionalen und gefährlichen Zustand magisch zu heilen, in den die arabische Welt und ein Großteil der muslimischen Welt verfallen ist.

Wie immer bei solchen Ereignissen wird man in Annapolis sehr deutlich Hirngespinste sehen können.

Im Vorfeld von Annapolis (2): Ist der Kaiser verrückt geworden?

Die USA (unter Außenministerin Rice) hatten für November ein Friedenskonferenz in Annapolis angesetzt, um den Nahost-Konflikt endlich zu lösen oder eine Lösung zumindest wieder in den Bereich des Möglichen zu bringen. Wie viel Sinn macht es, diese Konferenz zu führen? Kann sie ein positives Ergebnis bringen? Was sind die Motive der Veranstalter und Teilnehmer diese Konferenz abzuhalten? Wie realistisch ist die Erwartung, dass eine Lösung wenigstens ansatzweise auf den Weg gebracht wird? Was ist dazu nötig? Dazu hier der zweite von neun Texten, die vor der Konferenz eine Einschätzung gaben.

Michael Freund, 02. November 2007

Heute hat Ha’aretz eine große Schlagzeile in der Zeitung; es ist die Art von Schlagzeile, bei der man sich am Kopf kratzt und sich den Geisteszustand der Inhaber der Stühle der Macht in Frage stellt.

„Olmert will zu ‚Kernfragen’ innerhalb eines Jahres Übereinkunft erzielen“, schreibt die Zeitung; in ihrem Bericht führt sie an: „Premierminister Olmert hofft innerhalb eines Jahres eine Übereinkunft in allen Kernfragen des israelisch-palästinensischen Konflikts zu erzielen, sagte der Premier in Gesprächen mit Vertretern Israels und ausländischen Diplomaten während der letzten Tage.“

Hinter dem eher unschuldig klingenden Begriff „Kernfragen“ verstecken sich natürlich einige Themen wie die Zukunft Jerusalems und das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge. Wenn entschiedene Friedensprozessler wie Yossi Beilin, Shimon Peres und Ehud Barak in dem Jahrzehnt nach den Oslo-Vereinbarungen nicht in der Lage waren die „Kernfragen“ zu lösen, was lässt dann Olmert glauben, dass er das in gerade einmal 12 Monaten schaffen kann?

Darüber hinaus erstaunt, wie Herrn Olmerts Optimismus so radikal von der Wirklichkeit vor Ort getrennt sein kann. Selbst während er eifrig damit beschäftigt war diese Gespräche mit israelischen und Auslands-Vertretern zu führen, fuhren die Palästinenser ihre täglichen Raketenangriffe auf die Städte im Süden Israels hoch.

Und mit wem plant Olmert überhaupt einen Handel zu schmieden? Er verhandelt mit Mahmud Abbas, dessen Kontrolle über die Palästinenser nicht weit über den Schreibtisch seines Sekretärs hinaus geht. Selbst wenn Olmert die Dinge mit Abbas zu Ende bringen sollte, welchen Wert hätte ein solcher Handel überhaupt?

Manchmal scheint es wirklich, ehrlich so, dass der Kaiser verrückt geworden ist, wie manche Bürger Roms – da bin ich sicher – von Zeit zu Zeit vor sich hin murmelten. Das einzige Problem ist, dass er, während er ihn den Wahnsinn abgleitet, das Risiko eingeht die Zukunft Israels mit sich zu nehmen.

Im Vorfeld von Annapolis (1): Anormal in Annapolis

Die USA (unter Außenministerin Rice) hatten für November ein Friedenskonferenz in Annapolis angesetzt, um den Nahost-Konflikt endlich zu lösen oder eine Lösung zumindest wieder in den Bereich des Möglichen zu bringen. Wie viel Sinn macht es, diese Konferenz zu führen? Kann sie ein positives Ergebnis bringen? Was sind die Motive der Veranstalter und Teilnehmer diese Konferenz abzuhalten? Wie realistisch ist die Erwartung, dass eine Lösung wenigstens ansatzweise auf den Weg gebracht wird? Was ist dazu nötig? Dazu neun Texte, die vor der Konferenz eine Einschätzung gaben.

Scott Johnson, PowerLine blog, 20. November 2007

Letzten Juli kündigte Präsident Bush an, dass Außenministerin Rice den Vorsitz der regionalen Friedenskonferenz führen sollte, an der Repräsentanten von Nationen teilnehmen sollten, die eine Zweistaaten-Lösung, die Ablehnung von Gewalt, die Anerkennung des Existenzrechts Israels und die Verpflichtung aller auf alle vorherigen Vereinbarungen zwischen den Parteien unterstützen. Ich dachte, das würde ein Treffen mit extrem wenig Teilnehmern werden.

Wir wussten, dass die Konferenz in Annapolis stattfinden sollte. Jetzt ist endlich ein Termin festgelegt worden und das Außenministerium hat eine Ankündigung ausgegeben:

Am 27. November werden die Vereinigten Staaten Gastgeber für eine Konferenz an der US Naval Academy in Annapolis (Maryland) mit Premierminister Olmert, den PA-Präsidenten Abbas und die Mitglieder des Quartetts, der Mitglieder des Nachfolgekomitees der Arabischen Liga, die G-8, die ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates und weiterer international Handelnder mit Schlüsselfunktion sein.

Ministerin Rice wird am Vorabend hier in Washington ein Abendessen geben, bei dem Präsident Bush sprechen wird. Präsident Bush und die Führer Israels und der Palästinenser werden Reden halten, um die formale Konferenz in Annapolis zu eröffnen.

Und Ministerin Rice hat genug Einladungen verschickt, um das zu einem großen Fest zu machen:

Algerien
Arabische Liga, Generalsekretär
Bahrain
Brasilien
Kanada
China
Ägypten
EU-Kommission
EU-Präsidentschaft Portugal
Frankreich
Deutschland
Griechenland
Indien
Indonesien
Irak
Italien
Japan
Jordanien
Libanon
Malaysia
Mauretanien
Marokko
Norwegen
Oman
Pakistan
Polen
Qatar
Russland
Saudi-Arabien
Senegal
Slowenien
Südafrika
Spanien
Sudan
Schweden
Syrien
Sondergesandter Tony Blair vom Nahost-Qaurtett
Tunesien
Türkei
Vereinigte Arabische Emirate
Großbritannien
UNO-Generalsekretär
Jemen

Als Beobachter
Internationaler Währungsfont
Weltbank

Ich lag nicht falsch damit zu sagen, dass eine regionale Konferenz, die auf diejenigen beschränkt ist, die Gewalt ablehnen, Israels Existenzrecht anerkennen und sich allen bisher zwischen den Parteien getroffenen Vereinbarungen verpflichten, ein kleines Treffen wäre. Zwischen Juli und November passiert etwas. Syrien z.B. befindet sich noch immer im Kriegszustand mit Israel. Die palästinensische Autonomie selbst erkennt Israels Recht als jüdischer Staat zu existieren nicht an. Bret Stephens führt an:

Zu den stark strittigen Prinzipien gehört, ob Israel ein jüdischer Staat ist. „Wir werden nicht zustimmen Israel als jüdischen Staat anzuerkennen“, sagt der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat und fügt hinzu: „Es gibt kein Land in der Welt, wo die religiöse und nationale Identität verflochten ist.“

Noah Pollak kommentiert das (und wundert sich):

Es erleichtert, wenn man sieht, dass Pakistan eingeladen worden ist – natürlich ist die pakistanische Regierung gerade ideal positioniert, um Palästina ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen. Wenn Al-Qaida Islamabad zwischen jetzt und der Konferenz erobert, wird Condi dann die Einladung zurückziehen? Und vielleicht wird Syrien versprechen im verbleibenden Kalenderjahr nur drei libanesische Politiker zu töten. Könnte man den Irak auffordern ein paar ihrer Vertragspartner zum Wiederaufbau von Schulen in Anbar umzuleiten, damit sie Schulen in Nablus bauen, so dass man dort eines Tages wieder Neunjährige darin unterrichten kann Selbstmord-Mord anzubeten? Werden die Sudanesen anbieten, dass Angehörige ihrer Janjawid-Trupps in der Westbank Seminare zur Terrorbekämpfung geben?

Lasst die Bearbeitung beginnen.

PAUL fügt hinzu: Scotts Eintrag hebt die Vergeblichkeit von „Annapolis“ heraus. Aber sein Unheil erstreckt sich weit über die verschwendete Zeit hinaus. Wie Bret Stephens aufzeigt, fürchten die Palästinenser wie die Israelis zu recht, dass ein Treffen, das keine Vereinbarung ergibt (was hier fast sicher der Fall sein wird), wird „das palästinensische Lager schwächen, die Hamas stärken und Gewalt verursachen“.

Sieben Dinge, die Israel nicht braucht

Vic Rosenthal, Abu Yehuda, 18. A ugust 2016

Eine im Westen beliebte Idee ist die, dass man Konflikte dadurch löst, dass man die Bedürfnisse der Menschen befriedigt. Finde einfach heraus, wie man aller Leute Bedürfnisse erfüllt und das  Ergebnis wird Frieden und Harmonie sein. Die amerikanische Administration und die Europäer wollen dem Rest der Welt – und besonders Israel – helfen diese Bedürfnisse zu erfüllen.

Das ist das Pferd von hinten aufgezäumt. Das Problem heute ist, dass der Nahe Osten zu viel Hilfe hat. Israel zum Beispiel erhält viele Geschenke, ohne die es besser dran wäre. Und da so viele davon von unseren Freunden in den USA und Europa kommen, fordere ich sie auf uns diese Dinge nicht mehr zu geben. Also, liebe Freunde, hier sind sieben Dinge, die wir nicht brauchen und von denen ich mir wünsche, dass ihr aufhört sie uns zu geben.

Wir brauchen die Millionen Dollar und Euro nicht, die an subversive Nichtregierungsorganisationen in Israel gehen. Davon haben wir Dutzende, die angeblich für Menschenrechte agieren, aber in Wirklichkeit Israel in den Augen der Welt dämonisieren, unsere Fähigkeit uns zu verteidigen schwächen, uns mit Prozessen und Ermittlungen beschäftigen und in unseren politischen Prozess eingreifen. Unser Kader an staatsfeindlichen Aktivisten erhalten von Israelis wenig Unterstützung. Würdet ihr bitte aufhören sie zu bezahlen?

Wir brauchen eure Hilfe nicht, um uns zu einer gerechteren Gesellschaft zu machen. Wir begreifen, dass ihr unsere Gesellschaft nicht im Geringsten versteht und wenn ihr Delegationen herschickt, um an (manchmal gewalttätigen) Demonstrationen an der Sicherheitsbarriere mitzumachen oder wegen dem zu drohen, was passieren wird, wenn wir dem nicht orthodoxen Judentum gegenüber freundlicher gesinnt werden, dann seid ihr möglicherweise auf der falschen Seite und verbessert die Lage bestimmt nicht.

Wir brauchen keinen Rag von haarsträubend uninformierten oder desinformierten amerikanischen Juden, die ihre Informationen von antizionistischen Organisationen wie J Street erhalten und zu glauben scheinen, dass ihre jüdische Abstammung sie dazu berechtigt sich an der Regierung des Staates Israel zu beteiligen. Wenn ihr helfen wollt, das Schicksal dieses Landes zu bestimmen, dann seid ihr hier willkommen, ihr könnte gerne herziehen, schickt eure Kinder in die Armee, zahlt Steuern, sorgt euch wegen Raketen und Terrorismus und wählt. Ansonsten: Erzählt uns nicht, was wir zu tun haben.

Die Amerikaner haben Zuhause jede Menge Rassengewalt und Europa macht die Erfahrung seuchenartiger Vergewaltigungen und sexueller Belästigungen. Darf ich vorschlagen, dass ihr zuerst das in Ordnung bringt, bevor ihr uns von eurem Rat profitieren lasst? Danke.

Wir brauchen eure Hilfe nicht bei unserem Wohnungsbau. Wir haben komplizierte Gesetze zu Landbesitz, die auf die osmanische Zeit zurückgehen und wir haben einen durchdachten Prozess dafür Baugenehmigungen zu bekommen. Wir haben Gerichte, die aufkommende Fragen entscheiden und die sind den Palästinensern gegenüber sehr fair. Wir können und sollten in der Lage sein unsere Grundstückseinteilungsregeln ohne Einmischung durchzusetzen. Gegenwärtig haben wir eine Situation, bei der antiisraelische NGOs, unterstützt von europäischem und amerikanischem Geld, dem US-Außenministerium von dem berichten, was nach ihrer Behauptung diskriminierendes Handeln ist, wonach das Außenministerium bei der israelischen Regierung Protest einlegt.

Und – EU, ich rede mit euch – ohne Genehmigung Bauten in unserem Land zu errichten und dann zu behaupten, dass „diplomatische Immunität“ heißt, ihr braucht keine Baugenehmigung, geht nicht. Beschwert euch nicht, wenn wir sie abreißen.

Wir brauchen euch nicht, um uns zu sagen, wo Juden leben dürfen. Selbst – besonders – in unserer Hauptstadt Jerusalem protestieren die USA und EU regelmäßig, wenn Juden in ein Viertel ziehen, das „Palästinenser für ihren geplanten Staat haben wollen“. Protestiert Israel, wenn eine christliche Familie in ein jüdisches Viertel in Silver Spring (Maryland) zieht? Die Tatsache, dass der Westen sogar den rassistischen arabischen Plan zur Schaffung eines judenreinen Staats durch ethnische Säuberung im 21. Jahrhundert unterstützt, ist irrsinnig, denkt man darüber nach.

Wir brauchen euch nicht, um unserer Grenzen festzulegen. Unsere Grenzen sind, wo sie sind, so wie überall sonst auf der Welt: ein Ergebnis von Kriegen und bilateralen Abkommen. Wir verstehen, dass unserer Feinde sie gerne schrumpfen sehen wollen, damit es einfacher wird und auszulöschen, aber wir können und werden die verteidigen, die wir haben. Wir brauchen die korrupten „Vereinten Nationen“ genauso wenig wie die feindselige Obama-Administration, die uns unter Druck setzen den Ausgang eines Verteidigungskriegs rückgängig und uns so verletztlich zu machen wie wir es vor 1967 waren. Lasst die USA zuerst einen Großteil ihrer Südwestens an Mexiko zurückgeben.

Wir brauchen eure Einmischung bei unseren demokratischen Wahlen nicht. Israel hat möglicherweise das demokratischste (wenn auch frustrierendes) Wahlsystem der Welt. Womöglich, dann ist es zu demokratisch, wie kleine Parteien zu viel Einfluss haben. Wir brauchen keine Auslandsmächte und ihre Stellvertreter, die Geld in unsere Wahlen spritzen oder der einen oder anderen Partei Berater bereitstellen. Ich weiß, ihr mögt Netanyahu nicht, aber Israel wählt ihn weiter, also akzeptiert das einfach. Das nennt man „Demokratie“. Wir mögen Obama auch nicht viel mehr.

Wir brauchen eure Militärhilfe nicht. Hier rede ich mit Amerikanern. Militärhilfe schadet unserer Industrie, lässt uns Sachen kaufen, die wir nicht brauchen, verzerrt die Entscheidungsfindung unserer militärischen Planer und gibt euch viel Einfluss auf unsere Politik. Was wir brauchen, können wir mit unserem eigenen Geld kaufen und das wäre gut für Israel und für Amerika.

All das oben sind Aspekte des einen Grundproblems: Die USA und Europa behandeln Israel nicht wie einen unabhängigen, souveränen Staat. Nicht in interne Angelegenheiten anderer Staaten einzugreifen ist ein Grundprinzip der internationalen Beziehungen und doch wird das in unserem Fall mehr über den Verstoß dagegen honoriert als in seiner Einhaltung.

Stück für Stück werden wir jedes Mal, wenn wir dem Druck aus dem Ausland nachgeben, weniger und weniger unabhängig. Das sind unser Land, unsere Hauptstadt, unserer Wahlen, unsere Grenzen, unsere Straßen und unsere Gebäude und unsere Armee. Nichts davon gehört Washington oder Brüssel. Es wird von unserer Knesset regiert, entsprechend unserer Gesetze, wie sie von unseren Gerichten interpretiert und von unserer Polizei durchgesetzt werden.

Israel hat einige Probleme, die zu ändern nicht in unserer Macht steht. Es wird keinen Frieden mit den Arabern geben, bis sie die Existenz des jüdischen Staates akzeptieren und das liegt ganz bei ihnen. Aber obwohl ich meine Beschwerden oben an die USA und Europa gerichtet habe, können wir fast alles davon selbst in Ordnung bringen, wir müssen uns einfach mehr durchsetzen. Hier sind einige Möglichkeiten wie wir versuchen oder versuchen sollten das zu tun.

Die Knesset nahm sich des Themas der Kontrolle vom Ausland finanzierter NGOs an und nach viel Mühe gebar sie eine Maus: ein NGO-Transparenzgesetz, dessen Höchststrafe dafür keinen Bericht über die zur Zersetzung ausgegebenen Millionen $7.500 beträgt. Ein hartes Gesetz würde Abhilfe zu einigen meiner Sorgen schaffen, da so viel Einmischung aus dem Ausland von diesen Gruppen vermittelt wird.

Bis vor kurzem gab es keine systematischen Überprüfungen von ins Land kommenden „Touristen“, um sicherzustellen, dass sei keine Aktivisten sind, die vorhaben an Demonstrationen teilzunehmen. Jetzt gibt es sie und wir werden sehen, ob sie effektiv sind.

Israel hat die USA um Militärhilfe angebettelt und tut das weiter. Lasst sie auslaufen.

Statt dem US-Außenministerium oder der EU für unsere Souveränität die Stirn zu bieten, flüchten wir oft in Bürokratie, machen Ausflüchte oder entschuldigen uns sogar. Aber die einzige Möglichkeit sie zu lehren, dass es uns erst ist, besteht darin in jedem einzelnen Fall Widerstand zu leisten. Die Antwort auf „in Ostjerusalem lebende Juden sind  ein Friedenshindernis“ muss lauten: „Erzählt uns nicht, wer in unserer Hauptstadt leben darf“ – und nichts anderes.

Unsere Haltung zu Grenzen sollte sein, dass wir einen historischen, moralischen und rechtlichen Anspruch auf die Gebiete haben, der stärker ist als der der Araber; und wir während wir im Zusammenhang mit Verhandlungen etwas Land abtreten könnten, sind wir dazu nicht verpflichtet. Und wir sind gewiss nicht verpflichtet Land westlich der Grünen Linie für etwas zu „tauschen“, das wir auf der Ostseite behalten, als ob die 19 Jahre illegaler jordanischer Besatzung irgendwie die Eigentumsrechte an dem Land den Arabern zusprechen würde.

Israel wurde 1948 ein souveräner Staat, aber es sieht so aus, als hätten wir das vergessen. Souveränität muss ausgeübt werden, wie Muskeln: Nutze sie oder verliere sie.