Unterstützung für Black Lives Matter wiederholt einen tödlichen Fehler der Geschichte

Viele Juden, besonders in Israel, haben braune oder schwarze Haut. Beim Weiß sein geht es aber weniger um Pigmentierung als um Macht. Op-ed.

Melanie Phillips, 21. August 2020

Wer nicht aus den Fehlern der Geschichte lernt, heißt es, ist dazu verdammt sie zu wiederholen.

Im 20. Jahrhundert unterstützten tausende progressiv gesonnene Menschen den Sowjet-Kommunismus. Diese Ideologie zu glauben war der Schlüssel zu einer besseren Welt, sie lehnten es ab die horrenden Misshandlungen unter Stalin einzugestehen, dass Millionen gehirngewaschen, ermordet oder zu Tode gehungert wurden.

Die heutigen Progressiven verhalten sich in Reaktion auf einen anderen Ansturm gegen zivilisierte Werte auf ähnliche Weise; dieser wird begangen im Namen einer Ideologie mit denselben Wurzeln wie der Sowjetkommunismus. Und genauso wie im letzten Jahrhundert ist eine erschreckende Zahl ihrer Bejubler jüdisch.

In Amerika wie in Britannien unterstützen jüdische Leiter und Gemeindegruppen überwiegend Black Lives matter. Da Juden unter Bigotterie, Diskriminierung und sozialer Entfremdung gelitten haben, empfinden sie es als Pflicht Solidarität mit Schwarzen zu äußern, von denen sie glauben, sie würden ähnliche Schwierigkeiten erleben.

Aber bei BLM, die nach dem Tod von George Floyd unter dem Knie eines Polizisten im Mai abhob, geht es nicht um das Werben um Fairness und Toleranz.

Stattdessen ist sie eine nihilistische, gewalttätige, revolutionäre Bewegung, die sich der Definanzierung der Polizei als unverbesserlich rassistischer Institution, der Schließung der Gefängnisse, der Zerstörung der Familie und dem Sturz der weiß-kapitalistischen Gesellschaft verschrieben hat. Darüber hinaus sind viele ihrer Anführer Weiße.

Zweifellos machen schwarze Menschen Erfahrungen mit Bigotterie und es gibt rassistische Polizisten.

Aber eine beträchtliche Zahl Polizisten ist selbst schwarz; die meisten Menschen, die in Polizeigewahrsam getötet werden, sind weiß; und die meisten schwarzen Menschen, die werden von anderen Schwarzen getötet.

Darüber hinaus ist das Anprangern der weißen Gesellschaft als rassistisch selbst eine rassistische Tat, denn sie kategorisiert eine gesamte ethnische Gruppe als böse. Trotzdem haben progressive Menschen diese unheilvolle Agenda übernommen.

Im Namen der BLM-Bewegung haben gewalttätige Mobs, darunter Unterstützer der „antifaschistischen“ Antifa die Öffentlichkeit im Verlauf der letzten drei Monate in einer Reihe von Städten einem schockierenden Niveau an Gewalt ausgesetzt. Demokratische Verwaltungen an solchen Orten haben das ohne Widerstand gegen die Gewalttäter geschehen lassen, manchmal sogar der bedrängten Polizei die Gelder entzogen.

In Seattle forderten die Marschierenden, dass weiße Einwohner ihre Häuser aufgeben und sie als Rassisten beschimpft, als sie protestierten. In Minnesota versammelten sich Obszönitäten kreischende Demonstranten außerhalb des Hauses des Polizeipräsidenten von Minneapolis und beschimpften seine Nachbarn.

Die schlimmste und anhaltende Gewalt hat in Portland (Oregon) stattgefunden. Diese Woche verprügelte ein solcher Mob eine obdachlose, weiße Transgender-Person. Ein Mann, der versuchte dem Opfer zu helfen, wurde wiederum von den Randalierern angegriffen, die ihn aus seinem LKW zogen und zu Tode prügelten.

Dennoch ist dieses anhaltende Prügeln von den Medien praktisch ignoriert worden. Es gibt nicht ein einziges kritisches Wort seitens der Demokratischen Partei. Stattdessen webte sie jetzt Unterstützung von BLM in ihren Wahlparteitag, wobei der Vorsitzende des Parteivorstands Tom Perez erklärte: „Wir werden diesen Augenblick nicht verpassen, um sicherzustellen, dass sich diese Werte in allem widerspiegeln, was wir tun.“

Noch schlimmer ist die Reaktion des breiteren intellektuellen Establishments. In Amerika wie in Britannien haben Universitäten, Konzerne, Freiwilligen-Organisationen, Kulturgremien und andere Institutionen die BLM-Agenda des Schikanierens Weißer um „ihre Privilegien zu stoppen“ übernommen.

In Britannien haben angeblich unparteiische Staatsdiener den BLM-Aktivismus offen begrüßt und ihre Absicht erklärt „das Weiß sein höherer Beamter anzugehen“. Eine davon nutzte das Intranet ihrer Behörde, um ihren Kollegen die Anweisung zu geben: „Erkennen Sie ihr weißes Privileg … Prangern Sie Rassismus (ob unbeabsichtigt oder nicht) in Ihrer Familie, unter Ihren Freunden und Kollegen an …“

Dieser teuflische Versuch Menschen zu zwingen sich selbst und ihre Lieben anzuprangern, kommt direkt aus dem sowjetisch-kommunistischen Lehrbuch.

So schreibt Yoram Hazony in Quillette: Antirassismus und andere „Woke“-Ideologien wurzeln allesamt im Marxismus. Sie haben einige seiner Schlüsselkonzepte übernommen: dass alle Beziehungen über Macht definiert werden, dass Menschen entweder Unterdrücker oder Unterdrückte sind und dass Unterdrücker wegen „falschem Bewusstsein“ vielleicht nicht einmal erkennen, dass sie in der Tat unterdrücken. Daher die Forderung an Weiße ihre Schuld einzugestehen.

Was jüdische Unterstützung für BLM noch grotesker macht, ist deren tiefgehender Antisemitismus, der „jüdisches Privileg“ als schlimmste Erscheinungsform von „weißem Privileg“ bezeichnet.

Viele Juden, besonders in Israel, haben in der Tat braune oder schwarze Haut. Beim Weis sein geht es allerdings weniger um Pigmentierung, als vielmehr um Macht. BLM-Ideologie stellt Juden als allmächtig dar, weil sie als die Welt beherrschend betrachtet werden, die Schwarze „unterdrücken“.

Dieses vergiftete Vorurteil gegen Juden, das solche Anziehungskraft gewonnen hat, dass „#JewishPrivilege“ kurze Zeit zu einem trendigen Twitter-Hashtag wurde, bis ein beherzter Israeli zum Leiter von Gegenwehr wurde, kommt insbesondere von zwei hoch einflussreichen Gruppen aus der Schwarzen-Gemeindschaft.

Die erste ist die Nation of Islam, die von Louis Farrakhan geführte Black Power-Bewegung, die Juden als „satanisch“ bezeichnet und sagt: „Wenn du in dieser Welt etwas willst, hält der Jude die Tür auf.“

Die zweite sind die Schwarzen Hebräischen Israeliten, von denen zwei Mitglieder in New Jersey letzten September ein koscheres Lebensmittelgeschäft angriffen und einen Polizisten ermordeten. Diese Gruppe verbreitet die absurde Falschmeldung, dass Schwarze die Nachkommen von Moses und die echten Kinder Israels sind, während die Juden selbst Betrüger sind, die ihnen das Judentum stahlen.

Das alles ist von progressiven Juden ignoriert worden, die stattdessen eifrig ihre Gemeinschaft als Freiwillige für massenhafte Selbstbezichtigung zur Verfügung stellen, indem sie „weißes jüdisches Privileg“ als schuldig bezeichnen.

Im Forward definiert zum Beispiel Julia Appel dies über „die Art, wie wir visuell im Bruchteil einer Sekunde die Machtstrukturen unserer Gesellschaft einstufen“.

Und so: „Du kannst Jude und das Kind von Holocaust-Überlebenden sein und trotzdem von weißem Privileg profitieren – ein Privileg, das dir zugute kommt, ob du dich dafür entschieden hast oder nicht.“

Für Leute wie sie können nur Weiße schlechter Dinger schuld sein. „Schwarze und Juden werden von weißen Rassisten in einem Atemzug genannt“, schreibt sie. Stimmt; aber es kommt ihr nicht in den Sinn, dass „Weiße und Juden“ von schwarzen Macht-Ideologen in einem Atemzug genannt werden. Leute wie Appel gleichen ihr „weißes Privileg“ auch nicht mit der Tatsache ab, dass Juden öfter als jede andere Gruppe rassistisch angegriffen werden.

Im Verlauf der Jahre haben Juden maßgeblich dazu beigetragen Vorurteile und Diskriminierung gegen Schwarze zu bekämpfen, von denen so viele anständig, moderat und patriotisch sind und deren Sichtweise auf Juden freundlich ist. Doch hier bieten Juden eifrig die kollektive Kehle der Gemeinschaft dem metaphorischen Messer der Verleumdung, Verunglimpfung und potenziell mörderischen Lüge dar, dass ihre bloße Identität sie zum unterdrückerischen, ausbeuterischen und insgesamt Bösen macht.

Sie sind von diesem hirnverdrehten Dogma derart ergriffen, dass sie einfach nicht begreifen, dass das, von dem sie sich selbst erzählen, es sei ein jüdischer moralischer Imperativ, in Wirklichkeit die Antithese jüdischer Ethik ist – und darüber hinaus eine, die die Juden selbst ins Visier nimmt.

1942 wurde von Stalin das Jüdische Antifaschistische Komitee gegründet, um Gelder für die Kriegsanstrengungen gegen Nazideutschland zu sammeln. Angeführt von prominenten jüdischen Autoren sammelte es in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern Millionen Dollar. Die Juden in diesem Komitee glaubten, sie stünden auf derselben Seite gegen das Böse wie Stalin.

Entsprechend versicherten sie ihrem westlichen Publikum, dass es in der Sowjetunion keinen Antisemitismus gebe. Aber als sie begannen Juden zu loben, die sich gegen Hitler erhoben hatten, wurde Stalins Antisemitismus von der Leine gelassen und wurden seine loyalen Apologeten im Komitee zusammengetrieben, gefoltert, geheimen Gerichtsprozessen unterzogen und hingerichtet.

Die heutigen Juden, die sich der BLM-Agenda angeschlossen haben, sind ihre ideologischen Erben.

Ach, es kotzt mich so an…

Wir haben wieder ein Paradesbeispiel für die Verharmlosung von Linksextremismus und Verschiebung nach „rechts“. Diesmal auf dem eigentlich meistens sehr geschätzten Blog tapfer im nirgendwo.

Am 6. August wird dort die von Linken „erzwungene“ Ausladung der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckart verarbeitet. (Ich selbst höre der nicht mehr zu, sie ist furchtbar, aber das ist nicht der Punkt.) Dabei fallen diese Sätze:

Gewalt als Mittel zur Unterdrückung von Worten und Kunst ist die Vorgehensweise von Faschisten.

Die Festivalleitung hat vor dieser Gewalt kapituliert. Sie hat vor Faschisten gekuscht.

Humor ist gefährlich. Darum gehört der Witz auch stets zu den ersten Dingen, die Faschisten bekämpfen. Jetzt ist es wieder in Hamburg geschehen.

„Faschisten“ ist hier völlig unangebracht. Faschismus wird mit Rechtsextremismus verbunden. Es handelt sich um einen bolschewistischen Kampfbegriff, der von Lenin und Co. als geprägt wurde, um missliebige Parteien zu verunglimpfen und (gewalttätig) zu bekämpfen. Dazu gehörten Sozialdemokraten, für die Kommunisten in Deutschland auch die SPD.

Heute ist Faschismus synonym für Rechtsextremismus. Die Meinungsdiktatoren von Hamburg (und sonstwo) sind aber keine Rechtsextremen, sondern Linke. Diese als Faschisten zu titulieren ist irreführend. Sie wenden ihren Lenin an, das muss benannt werden. Wer sie als Faschisten bezeichnet, verharmlost linke Gewalt und Terror, indem diese als „rechts“(extrem) dargestellt wird. Das ist Verfälschung linker Ideologie und Strategie.

Ich kenne das von anderen Situationen. Wer sich an Obama abarbeitete, stellte ihn als Hitler dar. Und er wurde mit anderen rechtsextrem wirkendem Vokabular titutliert. Die Kritik war berechtigt, aber Obama ist linksextrem und hatte auch seinen Lenin gut verinnerlicht. Mit diesen Darstellungen war linker Strategie und Unterdrückung die Absolution erteilt und einzig Rechtsradikales zum Übel erklärt.

Bei der Darstellung anderer Linksextremer war es immer wieder genauso. Nazi, Faschist usw. – aber linksextremistisches Vorgehen als linksextremistisch zu beschreiben ist offenbar nicht drin. Nein, das ist angeblich rechts. Womit alles Übel weiter „rechts“ bleibt und „links“ die Absolution bekommt. Dass das originär linke Machenschaften sind, will wohl keiner wahr haben. Aus welchen Gründen auch immer.

Nicht mit mir. Es reicht. Das ist Geschichtsverfälschung, geschichtsvergessen und falsch. Führt in die Irre. Verharmlost linke Ideologie und linken Terror.

Bei einigen ist es Taktik. Bei anderen Dummheit. Und bei noch anderen (naive?) Gedankenlosigkeit. Was schlimmer ist, überlasse ich anderen, ich finde eins so übel wie das andere.

So sollte man es wohl sehen – Widersprüche der Einstaatenlöser

Leute wie der US-Journalist und Politikwissenschaftler Peter Beinart (er ist zugleich ein Alibi-Jude, der nur allzu gerne gegen Israel hetzt) fordern, dass Israel und die Palästinensergebiete in einem einzigen Staat aufgehen. Dazu ein Kommentar (gefunden auf twitter bei CAMERA):

Wenn Beinart behauptet, dass Siedlungen die Zweistaaten-Lösung unmöglich gemacht haben, dann behauptet er implizit, aber definitiv, dass Juden nicht als Minderheit in einem Palästinenserstaat leben können.
Aber Juden als Minderheit in einem Palästinenserstaat ist genau das Heilmittel, das er vorschlägt.

 

Aktuelle Attacken gegen die Einzigartigkeit des Holocaust

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Erinnerung an den Holocaust ist seit vielen Jahrzehnten einem fortdauernden Angriff durch die extreme Rechte, die extreme Linke und Teile der islamischen Welt ausgesetzt. Dazu gehört auch einer seiner wichtigsten Aspekte: dass der Holocaust einzigartig war. Er ist bei vielen Gelegenheiten aus einer Vielzahl von Gründen attackiert worden. In den letzten Jahren sind neue Arten von Angriffen aufgekommen.

Der Holocaust war ein einzigartiges Ereignis. Einige Elemente sind zwar mit anderen Völkermorden vergleichbar, aber die Kombination seiner Charakteristika war es nicht. Es gibt eine Reihe Kriterien, die zusammen den Holocaust beispiellos machen: eine nie da gewesene Gesamtheit (alle Juden), Allgemeinheit (Juden überall), Vorrang (alle Bereiche des deutschen Staates waren involviert), industriellen Charakter, der zudem nicht praktisch war (statt jüdische Arbeitskraft auszubeuten, wurden sie getötet).

Vergleicht man die Schoah mit anderen Völkermorden, schrieb der führende Holocaust-Philosoph, der verstorbene Emil L. Fackenheim, so war der armenische Völkermord auf das türkische Reich beschränkt. Er richtete sich dort nicht gegen alle Armenier, zum Beispiel nicht gegen die in Jerusalem. Die geografische Beschränkung gilt auch für die Völkermorde in Kambodscha, Ruana, Bosnien und den Sudan.

Fackenheim sagte, dass im Gegensatz dazu die Nazis sich daran machten jeden Juden auf dem Angesicht der Erde auszurotten. Er stellte heraus, dass die „nordamerikanischen Indianer in Reservaten überlebt haben; jüdische Reservate waren in einem siegreichen Nazi-Imperium unvorstellbar.“ Fackenheim merkte an, dass vom Holocaust gesagt werden könne, er gehöre mit anderen Katastrophen zur Spezies Völkermord. Innerhalb dieser Kategorie ist die geplante und weitgehend ausgeführte Vernichtung im Holocaust ohne Vorbild und zumindest bisher ohne Nachfolger. Daher muss für ihn der Begriff „einzigartig“ verwendet werden.[1]

Ein anderer jüdischer Philosoph führte Fackenheims Sicht weiter aus. David Patterson schrieb zum Vergleich der Schoah mit anderen Völkermorden: „Ich würde noch weiter gehen und darauf bestehen, dass der Holocaust nicht auf einen Fall von Völkermord reduziert werden kann, genauso wenig wie man ihn auf irgendein anderes historisches oder politisches Phänomen im engeren Sinne reduzieren kann, obwohl er natürlich diese Elemente enthält. Die Nazis wollten mehr tun als ein Volk zu vernichten. Wir sagen, sie wollten ein grundlegendes Prinzip ausrotten, Jahrtausende jüdischer Lehre und Zeugnis auslöschen, den lebenden Gott Abrahams, Isaaks und Jacobs vernichten, eine Art Gott ausmerzen, wie man die Welt und die Menschheit begreift, wie sie insbesondere durch die Juden verkörpert wird.“[2]

In Deutschland wurde die Debatte des Themas der Einzigartigkeit des Holocaust gerade zum Anhängsel der Affäre Achille Mbembe. Dieser öffentliche Intellektuelle aus Kamerun war von den Organisatoren der Ruhrtriennale im August eingeladen worden den Eröffnungsvortrag zu halten. Dann wurde bekannt, dass er ein extremer antiisraelischer Hetzer und in antisemitische Taten involviert war. Es folgte eine öffentliche Debatte. Diese ging trotz der durch die Corona-Pandemie verursachten Absage des Festivals weiter.

Eine der vielen Rügen gegen Mbembe lautete, er habe den Holocaust mit der Apartheid Südafrikas gleich gesetzt. Er gab zu, dass es einen quantitativen Unterschied zwischen beiden gab. Dennoch reagierte Alan Posener, der für Die Welt schreibt, in einem Artikel damit, dass dies fundamental falsch sei: „Der Holocaust war nicht eine viel größere Form der Apartheid, und, was wichtiger ist, die Apartheid nicht eine kleinere Version des Holocausts. Vielmehr handelt es sich um einen nicht quantitativ, sondern qualitativ anderen Vorgang.“[3]

Seitdem hat Posener einen Teil der Weltsicht Mbembes als totale Attacke auf die europäische Tradition der Aufklärung entlarvt. Er fügte an: „Zwar ist die Aufklärung selbst nicht frei von antisemitischen Zügen; aber für die Gegenaufklärung ist der Antisemitismus konstituierend, wie der Antizionismus für den Anti-Aufklärer Mbembe.“[4]

Über Mbembes Antisemitismus und sein massives Reinwaschen hinaus entwickelte sich ein wichtiges sekundäres Element der Affäre, das sich auf die nationale Erinnerung bezieht. Leider wurde das Thema der nationalem Erinnerung Deutschlands hauptsächlich von Leuten aufgebracht, die Mbembes Antisemitismus übertünchten.

Die Erinnerung an den Kolonialismus war ein zentraler Teil eines offenen Briefes vom 18. Mai, der von mehr als 700 afrikanischen Wissenschaftlern und Künstler unterschrieben wurde. Er war an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Frank-Walter Steinmeier gerichtet. Der Brief begann mit einem Absatz, der zwei dicke Lügen enthielt. Die erste lautete, Mbembe habe sich nicht antisemitisch geäußert. In dem Brief hieß es: „Wir, afrikanische Intellektuelle, Denker, Schriftsteller und Künstler verurteilen vorbehaltlos die lügnerischen Antisemitismus-Anschuldigungen rechtsextremer fremdenfeindlicher und rechtskonservativer Gruppierungen in Deutschland gegen Professor Achille Mbembe.“[5]

Die zweite Lüge war, dass in dem Absatz behauptet wurde, die Vorwürfe gegen Mbembe kämen aus der extremen Rechten. Die Aufdeckung des Antisemitismus Mbembes stammte zumeist aus Mainstream-Quellen. Der Brief endete mit der Forderung, der deutsche Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein sollte gefeuert werden. Das war extrem dreist, denn dieser sagte die Wahrheit über Mbembes Antisemitismus noch bevor weitere Fakten zum Schüren von Hass durch den Mann ins Blickfeld gerieten.

Dasselbe Problem der Anerkennung der Erinnerungskultur zum Kolonialismus kam in einer chaotischen Debatte auf. Teil davon waren die Äußerungen einer prominenten Reinwäscherin Mbembes, Professorin Aleida Assmann. Sie ist eine führende deutsche Expertin zu Gedenkkultur. Anfangs vermittelte sie den Eindruck, dass sie den Holocaust relativiert.

Assmann versuchte ihre Haltung in einem Interview mit Die Welt zu klären. Sie sagte: „Für mich als Deutsche steht die Singularität des Holocaust außer Frage und ist nicht verhandelbar. Es besteht ein eklatanter Unterschied zwischen den kolonialen Genoziden und dem Holocaust. Die europäischen Kolonisatoren haben die Ureinwohner umgebracht, weil sie ihnen im Wege waren und sie sich ihr Land aneignen wollten. Die Deutschen haben die europäischen Juden systematisch verfolgt und umgebracht, weil sie von dem Wahn besessen waren, dass ihre Zukunft nur in einer Welt ohne Juden möglich sei.“ Sie fügte hinzu, dass die deutsche Fixierung auf die Einzigartigkeit des Holocaust kaum eine Erinnerung an andere Verbrechen zum Ergebnis habe, z.B. die Kolonialgeschichte oder den Vernichtungskrieg des Zweiten Weltkriegs.[6]

Die führende deutsche Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD) beteiligte sich ebenfalls an der Debatte um Mbembe. Sie forderte mehr Objektivität zu Postkolonialismus und Israelkritik sowie ernste Analyse von Mbembes Arbeit. In der Frankfurter Allgemeine Zeitung antwortete deren Journalist Patrick Bahners auf den offenen Brief der VAD mit dem Bericht, wie er den Leiter der VAD kontaktierte, den Frankfurter Professor für Ethnologie Hans Peter Hahn und ihn bat im einzelnen aufzulisten, wer seiner Meinung nach Mbembes Texte nicht genug Aufmerksamkeit schenkte.

Überraschenderweise erwähnte Hahn zwei Wissenschaftler, die sich für Mbembe aussprachen: Aleida Assmann und die Philosophin Susan Neiman, beides Expertinnen für Erinnerungskultur in globaler Perspektive. In seiner Antwort an Bahners verwies Hahn auf die Tatsache, dass Assmann am Ende einer 50-minütigen Radiosendung von Deutschlandfunk Kultur zum Fall Mbembe gefragt wurde, was sie aus seiner Arbeit mitgenommen habe. Sie sagte, es falle ihr schwer Mbembe zu verstehen; Grund sei sein abstrakter philosophischer Ton, der manchmal poetisch werde. Assmann fügte hinzu, dass sie am meisten an Mbembes Überlegungen zu Reparationen [postkoloniale Beziehungen] interessiert ist. Neiman sagte, sie wüsste nicht, was sie mitnehme.

Hahn argumentierte, dass das beiläufige Eingeständnis der beiden Experten, dass sie „keine Ahnung von Mbembes Theorien haben“, ein Ungleichgewicht im öffentlichen Radio widerspiegelt. „Deutsche Intellektuelle erlauben sich über und für afrikanische Autoren zu reden, ohne sie gelesen zu haben.“

Eine sehr starke Stimme in der Debatte zur Erinnerungskultur war die des Philosophen Ingo Elbe. Er schrieb, dass in der Debatte der Kampf gegen Israel auch stellvertretend über Angriffe auf die deutsche Erinnerungskultur und ihren angeblichen Provinzialismus ausgefochten wird.[7]

In einem anderen Artikel schrieb Elbe, dass das postkoloniale Erinnerungskonzept zu der falschen Behauptung geführt habe, die Betonung der Einzigartigkeit des Holocaust schaffe eine Blockade des Leidens und eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer. Elbe fügte hinzu, dass die Opferkonkurrenz bekämpft werden muss. Er schrieb darüber hinaus, die Behauptung, das Holocaust-Gedenken blockiere andere Erinnerungen, spiele schwarzen und muslimischen Antisemitismus herunter und übersehe besonders jüdische Erfahrungen, die einer Strategie der antirassistischen Gegenhegemonie geopfert werden.[8] Die um Mbembes geplanten Vortrag initiierte Debatte ist noch lange nicht vorbei.[9] Die damit verbundene Diskussion um Deutschlands Gedenkkultur dürfte jedoch viel länger andauern.[10]

In der internationalen akademischen Welt findet ein weiterer wichtiger Angriff auf die Einzigartigkeit des Holocaust statt. Der führende israelische Genozidforscher Israel W. Charny hat die schuldigen Wissenschaftler bloßgestellt. Er hat aufgezeigt: „In der akademischen Welt hat sich eine Alternative zu klassischen ‚schlampigen‘ Holocaust-Leugnungen entwickelt. Mehrere Forscher verbreiten heute die explizit falsche These, die Juden seien als Opfer nicht angegriffen worden, weil sie Juden waren. Stattdessen wird behauptet, sie seien eine Minderheit, die von den Nazis gemeinsam mit anderen Minderheiten verfolgt wurden.“

Charny fügte hinzu: „Diese Art fadenscheinigen intellektuellen Jonglierens führte zu absolut  falschen Äußerungen in mehreren Artikeln im ‚seriösen‘ Journal of Genocide Research (JGR). Der deutsche Fall der Holocaust-Verwässerung oder -Minimierung ist nicht nur ein deutsches Phänomen. In einem Artikel wird behauptet, die ausdrücklich antijüdische Wannsee-Konferenz sei überhaupt nicht von Judenhass motiviert gewesen, sondern stellte eine Politik gegenüber europäischen Minderheiten insgesamt dar, trotz der Tatsache, dass es diese Konferenz war, die die Pläne für die ‚Endlösung‘ festlegte.“

Charny schießt: „Die verzerrte Einstellung, dass der Holocaust nur einer von vielen Völkermorden ist, die das deutsche Nazi-Regime beging, ist eine Verniedlichung der grundlegenden Bedeutung des Holocaust, die von einer schockierenden Zahl gutgläubiger Wissenschaftler propagiert worden ist.“[11]

Es hat im vergangenen Jahrzehnt eine Explosion an Holocaust-Missbrauch gegeben. Dieser offenbart sich auf viele Weisen, einschließlich Holocaust-Umkehr (d.h. zu behaupten, dass Israel sich wie die Nazis verhält), Leugnung, Ablenkung, Reinwaschung, Entjudung, Gleichsetzung und Trivialisierung.[12] Diese Liste ist nicht vollständig, weil in den letzen Jahren mehrere zusätzliche Entstellungen aufgekommen sind. Solange es nirgendwo breit angelegte Post-Holocaust-Studienprogramme gibt, muss der Missbrauch des Holocaust in einer Kategorie nach der anderen angegangen werden.

[1] Emil L. Fackenheim: Holocaust. In: Michael Morgan (Hg.): A Holocaust Reader: Responses to the Nazi Extermination. New York (Oxford University Press) 2001, zitiert in: Patterson: Emil L. Fackenheim, S. 93.

[2] Patterson: Emil L. Fackenheim, S. 93.

[3] https://starke-meinungen.de/blog/2020/06/17/ueber-textverdrehungen-und-taschenspielertricks/

[4] https://starke-meinungen.de/blog/2020/07/13/mit-carl-schmitt-und-co-gegen-die-spaetmoderne-achille-mbembe/

[5] https://simoninou.files.wordpress.com/2020/05/brief-von-afrikanischen_intellektuellen_an-die-dt-bundeskanzlerin_-angela-merkel.pdf

[6] https://www.welt.de/kultur/plus208072327/Achille-Mbembe-und-der-Antisemitismus-Aleida-Assmann-ergreift-Partei.html

[7]  www.welt.de/debatte/kommentare/plus209117081/Mbembe-Debatte-Wenn-Linke-einen-Schlussstrich-unter-Auschwitz-fordern.html

[8] www.mena-watch.com/solidaritaet-statt-provinzialitaet-fallstricke-multidirektionaler-erinnerung/

[9] https://taz.de/Postcolonial-Studies-und-Herrschaft/!5691524/

[10] https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2020-06-25/geschichte-ist-immer-schmutzig/474847.html

[11] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/21517

[12] https://jcpa.org/text/holocaustabuse.pdf

Nicht nur die deutschen Kriminalstatistiken lügen linke zu rechter Gewalt um,…

Google macht das auch:

Heute arbeitete ich an einer Übersetzung. Manchmal überprüfe ich mit Google translate, ob ich den Sinn eines Satzes richtig erfasst und nichts vergessen habe, so auch diesmal. Dabei kam folgendes heraus:

Im englischen Text steht eindeutig „weit linke Extremisten“ – aber Google „Rechtsextreme“ als „Übersetzung“ an.

Warum?