Zur Bekämpfung der Ideologie des militanten Islam

Daniel Pipes/Graham Fuller, Policy Watch No. 746, 10. April 2003

Bericht des Special Policy Forum:
Analyse der Nahost-Politik durch Forscher und Honorarkräfte am Washington Institute

Am 3. April 2003 sprachen Daniel Pipes und Graham Fuller vor dem Special Policy Forum des Washington Institute. Mr. Pipes ist Direktor des Middle East Forum und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts. Sein jüngstes Buch ist „Militant Islam Reaches America“ (Der militante Islam erreicht Amerika). Mr. Fuller ist ehemaliger Vize-Vorsitzender des National Intelligence Council bei der Central Intelligence Agency und hochrangiger Politik-Wissenschaftler bei RAND. Sein jüngstes Buch ist „The Future of Political Islam“ (Die Zukunft des politischen Islam). Der nachfolgende Text ist eine Zusammenfassung der Aussagen der Referenten.

Daniel Pipes

Heutzutage werden Amerikaner wahrscheinlich drei Antworten auf die Frage „Wer ist der Feind?“ zu hören bekommen. Die erste Antwort – „Terroristen“ – ist die der Bush-Administration, die darauf besteht, dass es keine Verbindung zwischen Islam und Terrorismus gibt. Nach dieser Sichtweise ist der Islam eine Religion des Friedens und Gewalt in seinem Namen eine Perversion der wirklichen Religion.

Die zweite Antwort – „Mulime“ – besagt, dass der Feind der Islam selbst ist. Diese Ansicht, früher kaum in Worte gefasst, hat seit dem 11. September an Boden gewonnen, mit prominenten Fürsprechern und Argumenten in Buchlänge. Sie ist besonders stark unter evangelikalen Christen vertreten.

Eine dritte und bessere Antwort ist, dass der Feind der Islamismus ist, eine terroristische Version des Islam. Islamismus ist die totalitäre Wurzel des Problems; Terrorismus ist nur ein Symptom, ein Kriegsinstrument, das von Islamisten benutzt wird um ihre Ziele zu erreichen. Sind diese Fakten einmal verstanden, dann wird klar, dass der Kampf letztlich einer der Ideen und Armeen ist, nicht ein kriminaltechnischer oder religiöser. Wie im Zweiten Weltkrieg oder im Kalten Krieg muss der ideologische Feind besiegt werden; dem muss ein Wiederaufbau der Gesellschaften folgen, in denen die Ideologie Fuß fasste.

Wenn der militante Islam das Problem ist, dann ist der moderate Islam die Lösung. Die Welt steht nicht einem Zusammenprall der Zivilisationen gegenüber, sondern eher einem Kampf zwischen muslimischen Moderaten und Militanten. Die Muslime müssen so Grund legende Dinge wie das Konzept des Jihad, die Stellung der Frauen und den Platz der nicht muslimischen Minoritäten neu interpretieren. Die Vereinigten Staaten können eine moderne, moderate und gut nachbarliche Version des Islam unterstützen, aber die können nicht von sich aus das Aufkommen einer solchen Version sicher stellen. Nur die Muslime können das.

So etwas wie einen moderaten Islamisten gibt es nicht, denn alle Islamisten haben die gleichen langfristigen Zeile; sie unterscheiden sich lediglich in den Mitteln. Die Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei in der Türkei z.B. unterscheidet sich von den Taliban in den Mitteln, aber nicht bezüglich des Endziels. Wenn diese Partei die volle Kontrolle über die Türkei erhalten sollte, dann könnte sie genauso gefährlich sein, wie es die Taliban in Afghanistan waren.

Der größte Fehler der US-Regierung im Nahen Osten war, dass die Herrschaft von Tyrannen akzeptiert wurde, weil man fürchtete, dass die Alternative schlimmer wäre: Islamisten, Baathisten oder andere feindliche Kräfte. Die Zeit ist für Washington gekommen, zu einer demokratischen Entwicklung zu ermutigen, aber in kleinen, allmählichen Schritten. Das bedeutet, dass zivile Gesellschaften aufgebaut werden, in denen Gesetzestreue, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sich entwickeln können, lokale Wahlen statt finden usw. Nationale Wahlen würden der Abschlussstein in diesen Veränderungen sein. Diese Reihenfolge umzudrehen – also abrupt von rigidem Autoritarismus zu nationalen Wahlen überzugehen, ohne zuerst eine zivile Gesellschaft aufzubauen – trägt das Risiko, dass die Wahlen von islamistischen Kräften „gestohlen“ werden, wie es in Algerien geschah.

Graham Fuller

Islamismus ist eine Ideologie mit einer viel größeren Reichweite, als radikale Terroristen sie haben. Ein Islamist ist jeder, der die Annahme glaubt und sie umzusetzen versucht, dass der Koran und die Tradition der Hadithe als Hilfsmittel und Leitfaden der Art und Weise genutzt werden sollen, wie Gesellschaften und Regierungen zu führend sind. Diese Definition wird von einem weiten Spektrum der Muslime getragen, von Unterstützern der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) bis zu Osama bin Laden. Die islamistische Bewegung wächst und diversifiziert schnell; sie schließt immer mehr Menschen mit stark unterschiedlichen Ansichten darüber, was Islam sein sollt, ein.

Islamismus ist keine Analogie zu Faschismus oder Kommunismus. Er ist eher ein religiöses, politisches und kulturelles Rahmenwerk, das die Anliegen der Muslime betrifft und dient als attraktivere Alternative zu arabisch-ideologischen Bewegungen der Vergangenheit, die nicht das brachten, was gewöhnliche Muslime brauchen. Der Islamismus hat keinen zentralen Führer oder ein zentrales Programm. Er nimmt keine festgelegte Haltung bezüglich der Rolle einer Regierung ein oder wie der Islam ausgebreitet werden soll oder wie ein islamischer Staat aussehen sollte. Obwohl die Idee der Einführung der Sharia (dem islamischen Gesetz) sehr populär ist, gibt es viele unterschiedliche Ansichten darüber, wie das gemacht werden sollte, einige davon sehr eng und gefährlich, andere viel weiter gefasst und toleranter. Schließlich diskutiert die Sharia nur eine sehr kleine Bandbreite der menschlichen Aktivitäten und beschäftigt sich mit den meisten Funktionen eines Staates nicht.

Das islamistische Phänomen ist nicht Ergebnis eines globalen Trends zur Modernisierung, keine Antwort auf die Probleme und Ansprüche der modernen Welt. Islamismus ist Teil des universellen Kampfes, eine Welt voller Sorgen zu ordnen, in diesem Fall durch eine Religion. Er ist auch Teil der Bestrebung, die Identität und Würde der muslimischen Welt wieder herzustellen. Die Spannungen zwischen dem Westen und der muslimischen Welt sind nicht das Ergebnis eines Zusammenpralls der Religionen; sie sind eher das Symptom eines tief verwurzelten Aufeinanderstoßens von Interessen.

Die USA müssen aufpassen, dass sie in ihrem Versuch, bin Laden selbst aufzustöbern, keine weiteren bin Ladens schaffen. Das ist das wahrscheinlichste Szenario, wenn Washington die Politik weiter führt Staaten unterstützen, die Islamisten zerschlagen. Eine solche Politik geht vermutlich nach hinten los. Die Lösung ist die Unterstützung moderater Islamisten, selbst wenn sie auf Gewalt als politisches Mittel nicht ausdrücklich verzichten.

Demokratie ist die beste Option für die muslimische Welt; ein Ende der Herrschaft unpopulärer Führer würde im größten Interesse der Vereinigten Staaten sein. Diese Führer lenken ständig Feindseligkeit auf die USA, statt gegen solche Ansichten vorzugehen. Als Ergebnis dessen sind sie leichte Ziele für Islamisten, die dem Unvermögen solcher Führer ihre eigenen Handlungen entgegen setzen und sich als die einzigen darstellen, die in der Lage zu sein scheinen, etwas gegen den westlichen Imperialismus zu unternehmen. Demokratisierung wird ein langer Prozess sein, weshalb Washington daran bereits jetzt zu arbeiten beginnen sollte, statt irgendwann später. Muslimische Bevölkerungen sind Jahre lang eingesperrt worden; wenn die Tore sich öffnen, wird es stürmisch. Islamisten werden die ersten Wahlen gewinnen, aber auch die nächsten? Wenn Islamisten die Erwartungen nicht erfüllen können, werden sie scheitern; man muss nur einen Blick auf den Iran werfen, um den Beweis dieser Tatsache zu sehen.

Dieser Bericht des Special Policy Forum wurde von Shoshana Haberman verfasst.

Persönliche Anmerkung: Ich neige stark der Ansicht von Daniel Pipes zu. Mr. Fullers Ansicht, dass man mit moderaten Islamisten zusammenarbeiten sollte, stellt nur eine Form dessen dar, was immer wieder kritisiert wurde: Der Unterstützung von Fanatikern, um andere Fanatiker im Zaum zu halten. Das hat nichts mit Realpolitik zu tun, sondern baut die zukünftigen Monster auf, die dann erneut bekämpft werden müssen oder – ganz in europäischer Tradition der letzten Jahre – nach Gutdünken schalten und walten dürfen und auch noch den Hintern geküsst bekommen.

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Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (11.-17. Februar 2018)

Dieser Eintrag wird auf der Seite oben gehalten; die sonstigen Einträge folgen darunter.
Eine Liste der täglichen terroristischen ‚Vorkommnisse‘ wird in den Friedfertigkeiten 2017 geführt.

Sonntag, 11.02.2018:

Eine arabische Knesset-Abgeordnete behauptet die Eskalation im Norden am Samstag sei von Netanyahu gezielt vorbereitet und initiierte worden; er wolle damit sein politisches Überleben sichern. Auch einige linke Abgeordnete äußerten sich so. Ausgerechnet die Vorsitzende der linksextremen Meretz-Partei verurteilte diese Äußerungen. „Die Verschwörungstheorien, die gerade verbreitet werden, nach denen Netanyahu die Aufmerksamkeit von den Ermittlungen gegen ihn ablenken wolle, haben keine Grundlage und sind unnötig, … beleidigend und empörend.“

Eine syrische Beobachtergruppe mit Sitz in London gibt an, bei den israelischen Angriffen am Samstag seien 6 „syrische und nichtsyrische Kämpfer“ ums Leben gekommen.

Die syrische Armee bestreitet Berichte, dass Israel auch Damaskus bombardiert habe.

Der UNO-Generalsekretär rief „die Beteiligten“ (an den militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Syrien) auf „an einer sofortigen und bedingungslosen Deeskalation der Gewalt und Zurückhaltung zu arbeiten“.

Die USA „unterstützen Israels Recht auf Selbstverteidigung“ und teilen die Sorge, dass der Iran die Region stabilisiert.

Die Hamas bejubelt den Abschuss der israelischen F-16, als hätten sie das geschafft. Das sein ein „schwerer Schlag“ für Israel. An manchen Orten in Judäa und Samaria wurden Süßigkeiten verteilt, um den Verlust des Flugzeugs zu feiern.

Montag, 12.02.2018:

Die arabische Knesset-Abgeordnete Hanin Zoabi wurde aus dem Bildungsausschuss entfernt, nachdem sie israelische Soldaten (pauschal) als „Mörder“ bezeichnet hatte.

Die PA zerstörte 40 „illegale Fahrzeuge“ – Autos, die PA-Araber in Israel gestohlen haben. Statt sie an die israelischen Eigentümer zurückzugeben ( was zudem billiger wäre als ihre Zerstörung).

Die Hisbollah droht: Sollte Israel Ziele im Gazastreifen angreifen, dann will sie eine „zweite Front“ in Syrien und dem Libanon eröffnen.

Die Polizei konnte vor etwa einer Woche einen PA-Polizisten festnehmen, der an mehreren Anschlägen auf Israelis mit Felsbrocken und Brandsätzen beteiligt war.

Die israelischen Geheimdienste deckten ein Netzwerk von Hamas-Hetzern auf, zu dem ein israelischer und ein türkischer Staatsbürger gehörten. Sie versorgten die Hamas mit Geld aus der Türkei.

Die Fatah feierte einen Selbstmordbomber als „heldenhaften Märtyrer“ und „Giganten“, der 14 Juden ermordete.

Dienstag, 13.02.2018:

Die PA hat die gestern in Jenin einer Soldatin gestohlene Waffe an die IDF zurückgegeben.

Laut Sputnik News hat die PA verkündet, sie sei zu „direkten Verhandlungen mit Israel über Russland bereit“.

Die Zivilverwaltung schloss eine illegale Müllkippe in Samaria, die zum Verbrennen von Müll verwendet wurde.

Auf arabische Fahrzeuge in einem PA-Dorf in Samaria wurden Sprüche gesprüht, darunter „Tod den Arabern“.

Die Polizei verhaftete einen PA-Araber aus Umm Ar-Rihan, der antike Artefakte im Wert von NIS200.000 in seinem Haus versteckte.

Hisbollah-„Kämpfer“ in Syrien trainieren, wie sie nach Israel einsickern können.

Donnerstag, 14.02.2018:

Am Mittwoch besuchte der hochrangig Fatahnik Jibril Rajoub mit seinem offiziellen Gast aus Oman (der Außenminister) Hebron. Der Besuch lief eigentlich völlig ruhig und geordnet ab, bis Rajoub an einer Sperre anfing eine Grenzpolizistin zu beschimpfen, als einer seiner palästinensischen Begleiter aufgehalten wurde. Er brüllt sie an, sie solle den Mund halten und zur Hölle fahren, sie sei unverschämt und bezeichnete sie als wahnsinnig. Die Vorgesetzte der Grenzpolizistin berichtete, dass Rajoub versuchte die junge Frau zu provozieren, um eine Szene zu haben, die er gegen Israel verwenden kann – dass diese sich aber nicht provozieren ließ. (Der Rundgang durch die Stadt ging danach problemlos weiter.)

Freitag, 16.02.2018:

7 NGOs in Israel, die vorgeben Gelder für Bildungs-, soziale und kulturelle Zwecke zu sammeln, wurden aufgelöst, nachdem sich herausstellte, dass sie in Wirklichkeit zur verbotenen Islamischen Bewegung nördlicher Zweig gehören.

Wegen der Zunahme der Messerangriffe am Damaskustor sollen dort zwei Wachtürme errichtet werden. Die Araber wüten: das sei ein Angriff auf das islamische Erbe und den muslimischen Charakter der Stadt. Sie sollen deshalb Proteste zur Beseitigung der Türme.

Samstag, 17.02.2018:

Bauminister Galant kündigte auf einer Konferenz an, wenn Israel noch einmal in Syrien angreifen müsse, dann werde es „die Handschuhe ausziehen“ und mit voller Kraft antworten.

Palästinensergruppen im Gazastreifen priesen den Terroranschlag auf die Soldaten am Gazastreifen als „Heldentat“ und warnten Israel vor Gegenschlägen. Keine der Gruppen beanspruchten den Anschlag für sich.

Die Hamas macht Israel für die (heutige) Eskalation am Gazastreifen verantwortlich. [Wie üblich: Sie fangen mit dem Terror an, aber Israel ist verantwortlich dafür, dass sie das machen.]

 

Wie sie es auch machen … und Trump und Netanyahu tun in der Tat

Melanie Phillips, JNS.org, 9. Februar 2018

US-Präsident Donald Trump mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu am Internationalen Flughafen Ben-Gurion am 23. Mai 2017 (Foto: Kobi Gideon/GPO)

Tagein, tagaus stehen zwei Männer – zwei entscheidende Führer der Welt – unter einer ständigen Trommelfeuer verbaler Angriffe. Sie sind einem besessenen, aus den Angeln gehobenen und nie da gewesenen Strom an Beschimpfungen, Verfälschungen, Rufmord und böswilligen Fantasien.

Sollten Sie es nicht bereits erraten haben: Es handelt sich um Premierminister Benjamin Netanyahu und US-Präsident Donald Trump. Die gegen sie gerichtete Kampagne kennzeichnet eine kulturelle Störung im Westen, die ans Pathologische grenzt.

Netanyahu hat natürlich seine Fehler. Man könnte seine Arroganz, moralische Feigheit und seine Tendenz ein Kontrollfreak zu sein anführen. Er kann Kritik nicht gut vertragen. Er hat es verfehlt zu organisieren, dass seine Regierung sich mit dem im Gericht der westlichen öffentlichen Meinung so verheerend gegen Israel geführten psychologischen Krieg beschäftigt. Und vielleicht, wer weiß, werden einige der vielen Korruptionsvorwürfe gegen ihn haften bleiben.

Aber seine Leistungen sind eindrucksvoll. Netanyahu hat Israel ermöglicht die ununterbrochenen Versuche von Präsident Barack Obama zu überleben, der wohl in Sachen Israel der bisher feindseligste amerikanische Präsident war. Netanyahu hat den jüdischen dazu geführt ein Dynamo im Bereich der Technologie sowie Forschung und Entwicklung zu werden, zum großen Teil durch seine Liberalisierung der israelischen Wirtschaft. Er hat über die Achse nach Asien neue Bündnisse eröffnet. Er hat die Stellung gegen die Abnutzungsachse Palästinenser-Europa gehalten. Und er schwimmt auf der Welle einer neuen regionalen Ordnung, die Allianzen mit Ägypten und Saudi-Arabien involviert.

In Israel und bei der westlichen Intelligenzija kann allerdings die Abscheu kaum überschätzt werden, die er provoziert. Seine Leistungen werden ignoriert oder ungeniert ausgeblendet. Stattdessen wird er (lächerlicherweise) für die Verhinderung einer Lösung völligen Stillstands im Nahen Osten verantwortlich gemacht. Nicht weniger lächerlich wird er für Obamas über acht Jahre konstante Feindseligkeit verantwortlich gemacht. Von ihm wird gesagt, er sei ein beginnender Diktator, ein rassistischer Ethno-Nationalist und ein „Alternativ-Zionist“. Das alles ist keine Kritik; das ist irres Gerede im Delirium.

Drüben in den Vereinigten Staaten hat Trump natürlich seine Fehler. Man könnten sein nicht vorhandene Konzentrationsspanne anführen, seine Geringschätzung für Details, seine Fahrlässigkeit in Sachen Sorgfalt, seine unverantwortliche und zwanghafte Twitterei, sein grobes und geschwollenes Reden und seine Scheitern Kritik zu ertragen.

Dennoch sind auch seine Leistungen nach nur einem Jahr im Amt beeindruckend. Er leitet eine boomende Wirtschaft mit riesiger Zunahme an Arbeitsstellen; er stellte bei der Einwanderung die Rechtsstaatlichkeit wieder her; er dreht die Regulierungen zurück; er hat herausragende Ernennungen in der Justiz getätigt; er zwingt Saudi-Arabien sich zu reformieren; und er bietet dem Iran, den Vereinten Nationen und den Palästinenser die Stirn.

Man kann aber keinesfalls die Verachtung und den Schrecken überschätzen, mit dem er betrachtet wird. Er wird beschuldigt rassistisch und antisemitisch zu sein, die Rechtstaatlichkeit auszuhöhlen, sich wie Mussolini zu benehmen. Es gibt zwar nicht die Spur eines Beweises für die Behauptungen, er habe mit Russland konspiriert, aber die Beweise häufen sich, dass Elemente des FBI und Justizministerium unter der Obama-Administration auf illegale Weise gegen ihn agiert haben.

Die Demokraten reden will davon ihn wegen Amtsvergehen anzuklagen. Sie werden später entscheiden aus welchem Grund. Das ist nicht Opposition; das ist geistige Umnachtung.

Warum werden die beiden Männer so behandelt? In Israel ist es einfacher Netanyahu zu beschuldigen als sich den furchterregenden Komplexitäten des gegen das Land geführten existenziellen Kriegs und den schwierigen Entscheidungen zu stellen, die getroffen werden müssen.

In Amerika provoziert Trump eine derart überreizte Reaktion, weil er außerhalb aller Konventionen agiert. Er stellt unangreifbare linke Orthodoxien zu Immigration, nationaler Identität und Opferkultur infrage und er stellt die Schwächen auf seiner eigenen republikanischen Seite bloß.

Wo beide, er und Netanyahu, erfolgreich sind: Sie sprechen für die große Mitte ihres Wahlvolks – die gewöhnlichen Leute die mit stillem Erstaunen und Wut beobachten, wie das kulturelle und politische Establishment ihre Sorgen nicht nur ignoriert, sondern für illegitim hält.

Das Mittel-Israel begreift, dass der schwierige und gefährliche Status quo mit den Palästinensern dennoch angesichts ihrer andauernden Verweigerungshaltung unvermeidbar ist. Mittel-Amerika begreift, dass unter Obama die Rechtstaatlichkeit durch illegale Immigration, dass die Finanzbehörden zur Waffe gegen konservative Gruppen gemacht wurden und die Unterstützung der Black Power-Aktivisten gegen die Polizei ausgehöhlt wurde.

Das ist der Grund, dass sie für Netanyahu und Trump stimmten. Und das ist der Grund, dass das linke Establishment, das für diesen Angriff die Kultur verantwortlich ist, nicht nur Netanyahu und Trump verdammt, sonder auch die Öffentlich, die für sie stimmte.

In einem Artikel in Tablet ringt Autor Paul Berman die Hände wegen Trumps Wahl. Er geht eine Erklärungen durch, die von seinem Händewringer-Kollegen Thomas B. Edsall angeboten werden, der ein einer Kolumne für die New York Times auf die „materiellen Klagen der weißen Arbeiterklasse“ und „rassistische Animositäten gegenüber Schwarzen und den neuesten Immigranten, zusammen mit einem unwirschen Hass auf die Snobs an den beiden Küsten“ zeigt.

Berman allerdings glaubt, der wahre Grund für Trumps Wahl sei nichts weniger als ein „breiter kultureller Kollaps“. Er schreibt: „Es ist ein Kollaps, mindestens, des bürgerlichen Wissens – ein Kollaps der Fähigkeit politische Realität zu identifizieren, ein Kollaps der Fähigkeit sich der Natur der Demokratie und des amerikanischen Ideals zu erinnern. Letztlich ein intellektueller Kollaps. Und die Zeichen dieses Kollaps ist eine Unfähigkeit zu erkennen, dass Donald Trump aussieht wie ein fremdes Objekt innerhalb der Tradition amerikanischer Präsidenten.“

Man muss sich darüber wirklich die Augen reiben. Acht Jahre lang hatte Amerika mit Barack Obama einen Präsidenten, der Zuhause die Verfassung zerrüttete und sein Land im Ausland schwächte, indem er half diejenigen mächtig zu machen, die dem Land Böses wünschten (bedenken Sei das Regime im Iran oder die Muslimbruderschaft).

Mit Trump hat Amerika heute einen Präsidenten, der den Respekt für die Verfassung und die Rechtstaatlichkeit wieder herstellt, außerdem Zuhause wie im Ausland für amerikanische Interessen einsteht. Und der außerdem derzeit wegen dem beschossen wird, was sehr stark wie ein versuchter Staatsstreich des Establishments gegen seine Präsidentschaft aussieht.

Berman kehrt das um. Trumps Wahl war nicht der Beweis für einen kulturellen Kollaps; sie war eine Reaktion auf den kulturellen Kollaps.

Wäre das nicht so ernst, wäre es komisch einige unserer herausragendsten Denker zu sehen, die ihren Kopf in Händen halten und sich laut frage, was denn dafür gesorgt haben könnte, dass ihr Land in einen Abgrund fiel. Die Antwort ist einfach: Sie selbst.

Trump und Netanyahu führen den Westen auf einen neuen und hoffnungsvolleren Pfad. Sicher, sie sind nicht perfekt und es bleibt vieles, das nicht angegangen wird. Aber es ist das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass die Demoralisierung des Westens angepackt worden ist.

Länder, die dieser Führung feindlich gegenüber stehen, einschließlich Großbritanniens und Westeuropas, lassen den Ball der Zivilisation jetzt fallen. Das einzige, was sie noch in der Hand haben werden, sind ihre Nasen.

Diese jungen arabischen Muslime und wir

Hume Horan, Middle East Quarterly, Herbst 2002

Vorbemerkung heplev:
Ich fand diesen Artikel sehr interessant, auch wenn ich persönlich ihm nicht in allen Teilen zustimme. Besonders die Forderung nach Anerkennung, dass Juden, Christen und Muslime alle zum selben Gott beten, ist nicht akzeptabel. Ich begreife nicht, wieso das sein muss. Allerdings finde ich, dass unterschiedliche Religionen kein Hinderungsgrund sein dürften, in gegenseitiger Akzeptanz zu leben, ohne sich zu bekämpfen.
Ich fürchte auch, dass Horan mit der Annahme nicht richtig liegt, dass die Amerikaner alles so durchsetzen können, wie er das in seinem Lösungsansatz glaubt. Trotzdem sind seine Vorstellungen bedenkenswert.

Die Monate, die seit dem 11. September 2001 vergingen, haben viel Nachdenken unter den Arabisten, wie bei allen Amerikanern gebracht. Besonders wir professionellen Arabisten haben uns die Frage immer wieder gestellt: Warum sind junge, männliche, arabische Muslime in den Akten des Terrors des letzten Vierteljahrhunderts so herausragend in Erscheinung getreten?

Um ein paar Vorfälle zu erwähnen: da gab es 1970 die Ermordung des Militärattachés Bob Perry in Amman und des Botschafters Cleo Noel und seines Stellvertreters Curt Moor 1972 im Sudan; die Bombe auf die Kaserne der US-Marines in Beirut 1983; die zwei Bomben auf die US-Botschaft in Beirut 1983 und 1985; die Ermordung Leon Klinghoffers an Bord der „Achille Lauro“ 1985; Die Ermordung von Oberstleutnant William Higgins 1988 im Südlibanon; der Anschlag auf das World Trade Center von 1993; die Zerstörung der US-Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998; der Anschlag auf die „USS Cole“ 2000; und dann die Schrecklichkeit am 11. September. So lang diese Liste schon scheinen mag, sie ist bei Weitem nicht vollständig.

Es gibt verschiedene Gründe für die Wut, die einige junge Muslime uns gegenüber fühlen – Muslime, die in den sterilen Brutplätzen der Flüchtlingslager oder den Religionsschulen von Saudi Arabien aufgezogen werden. Am häufigsten wird unsere Unterstützung Israels genannt. Aber diese Sache verdient eine genauere Betrachtung.

Es gibt keine Anerkennung

Es ist traurig, aber wahr, dass Amerika nie viel Anerkennung für das bekommen hat, was es tatsächlich für die Palästinenser tut. Seit einem halben Jahrhundert haben wir den größten Anteil der Finanzen für die UNRWA (United Nations Relief and Works Agency) für die Palästinenser gezahlt. Fast genauso lange haben wir die internationalen Bemühungen angeführt, den Friedensprozess im Nahen Osten voran zu bringen. Präsident Clinton höchstpersönlich saß den intensiven Verhandlungen vor, die den Oslo-Vereinbarungen von 1993 und der Schaffung der palästinensischen Autonomiebehörde folgten. Er widmete darüber hinaus zwei Wochen seiner zu Ende gehenden Präsidentschaft der Umreißung und dem Versuch, die Parteien zu einer Annahme der Grundlinien der Vorstellung einer Vereinbarung anzubetteln – nur, zu erleben, wie Yassir Arafat das ablehnte, ohne es auch nur als Grundlage für weitere Diskussionen zu akzeptieren. Und wir hören wenig von den US-Bemühungen den Muslimen in Kuwait, Somalia, Bosnien und dem Kosovo zu helfen.

Stattdessen bekam ich, als ich an den saudischen Außenminister Prinz Saud appellierte, der UNRWA mehr Mittel zu geben, die Antwort: „Ich Amerikaner habt das Flüchtlingsproblem geschaffen, jetzt löst es auch.“ Als Antwort fragte ich ihn, ob er sich vorstellen könne, dass, wenn eine Katastrophe eine halbe Million Kanadier nach North Dakota, Idaho und Minnesota getrieben hätte, dass drei Generationen später diese Menschen immer noch in Flüchtlingslagern gehalten würden? Wie ganz anders die halbe Million Juden, die 1948 aus den arabischen Ländern vertrieben wurden, in Israel empfangen wurden, verglichen mit dem Empfang der halben Million Araber, die im selben Jahr aus Palästina getrieben wurden, durch ihre arabischen Nachbarn.

Die Wahrheit ist, dass für arabische Regierungen die Palästinenserfrage – unter anderem – eine nützliche Taktik ist. Indem sie „die blutige Fahne schwenken“, können die arabischen Regierungen ihre Untertanen von schlechter Regierung, Unterdrückung und Elend Zuhause ablenken. Besonders die Klagen der Palästinenser gegenüber Israel finden Ihresgleichen in dem halben Jahrhundert Ablehnung und Unterdrückung, die sie durch ihren vermeintlichen „Brüdern“, den arabischen Regimen erlitten haben.

Tatsache ist, dass so, wie die Dinge jetzt stehen, wir auch bei einer raschen Lösung des palästinensisch-israelischen Konflikts durch Diktat von außen, immer noch das Angriffsziel entfremdeter junger, arabischer Muslime sein würden. Warum? Weil der Konflikt der Araber mit Israel nur ein Symptom eines tiefer gehenden Problems ist, eines, das nicht durch Shuttle-Diplomatie, Sonderbeauftragte oder Konferenzen in Wye gelöst werden kann.

Dieses tiefer gehende Problem existiert auf zwei Ebenen. Oberflächlich hat es mit dem Fehlschlagen arabischer politischer und intellektueller Institutionen zu tun, sich mit den Bedürfnissen der jungen Bevölkerung auseinander zu setzen. Wie kann Staatsbürger eines Landes wie Syrien, dem Libanon oder Ägypten, Algerien oder Sudan zu sein jungen Arabern das Gefühl patriotischer Identität geben, wie sie Amerikaner durch ihre US-Staatsbürgerschaft bekommen? Arabische Staaten haben wenig emotionalen Zugang zur Loyalität ihrer Bevölkerungen; die meisten arabischen Regime sind Korrupt und moralisch unglaubwürdig. Das trifft insbesondere auf Saudi Arabien zu, das sich außenpolitisch auf die USA stützt, während es innenpolitisch Opposition dadurch beschwichtigte wie unterdrückte, dass es die „Rechtsgewalt“ in sozialen Angelegenheiten an reaktionäre, fremdenfeindliche muslimische Geistliche (Ulema) abgab. Welche persönliche Bindung können Saudis – von denen 60 Prozent jünger als 18 Jahre als sind – für ihre Herrscher empfinden? Der König und viele der führenden Prinzen sind über 70 Jahre alt und müssen als von den Saudis weiter entfernt erscheinen, als – sagen wir, George Washington es von uns ist.

Arabische Intellektuelle haben die jungen Araber ebenfalls im Stich gelassen. Wo sind die arabischen Reinhold Neibuhrs, Christopher Dawsons, Karl Barths, Martin Bubers? Wo sind die politisch engagierten Intellektuellen, die jungen Arabern helfen können Klarheit in einer Besorgnis erregenden modernen Welt zu finden? Sie existieren kaum in der arabischen Welt. Die wenigen, die das versuchen, werden bedroht, ins Gefängnis gesteckt, ins Exil gezwungen – oder noch Schlimmeres. Im Januar 1985 kontaktierte ich den sudanesischen Präsidenten, um um das Leben eines frei denkenden islamischen Reformers zu bitten: Mahmud Mohammed Taha. Während seines Verfahrens wegen Gotteslästerung unter der Sharia (dem muslimisch-religiösen Gesetz) hatte Taha es abgelehnt, seine liberalen Ansichten zu widerrufen und wurde zum Tode verurteilt. Mir wurde gesagt, dass der Präsident nicht mit mir sprechen würde und dass kein Appell beim herrschenden Religionstribunal möglich sei. Taha wurde öffentlich gehenkt.

Dementsprechende wird vielen jungen und sensiblen Arabern – insbesondere Mitgliedern der gebildeten Elite – moralische und intellektuelle Führung durch ihre eigenen religiösen Institutionen verweigert. Ohne bedeutsame Leitung nutzen sie Gewalt, um die Lücke zu füllen, um eine Art Antwort- wenn auch eine negative – auf die Frage zu erhalten: „Wer bin ich?“ Waschlappen, die sie sind, werden dann viele von ihnen zu den Felsen der Weltsicht eines Osama bin Laden gezogen.

Die Herausforderungen der Moderne

Aber noch grundsätzlicher werden alle arabischen Muslime – nicht nur die jungen, gebildeten Männer – von der modernen Welt kosmologisch herausgefordert. Von Anfang an betrachteten Muslime die islamische Gesellschaft als eine „Stadt Gottes“ auf Erden. Die islamische Gesellschaft wurde auf den perfekten Lehren von Gottes offenbartem Wort gebaut, diktiert und unveränderbar: dem Koran. In einem Geist, der an das dritte und vierte Buch Mose erinnert, wurden die Anweisungen selbst für die kleinsten Kleinigkeiten des täglichen Lebens darin göttlich gewürdigt. Praktischerweise stellte die sofortige, schnelle Ausdehnung des Islam, seine politischen und kulturellen Triumphe unbestreitbare Belege für die Muslime, dass Gott die Menschheit mit seinen perfekten und ultimativen Anweisungen ausgestattet hatte, für jetzt und immer. Und Araber betrachteten Gottes Offenbarung des Koran an die Araber und in arabischer Sprache als ein Merkmal besonderer göttlicher Bevorzugung.

Aus der Sicht eines Muslims waren die Herausforderungen vor Mohammed von einer Größe, die tatsächlich nur durch göttliche Führung und Inspiration überwunden werden konnten. Mohammed war der Prophet, der Träger von Gottes letzter Offenbarung. Aber angesichts der politischen Anarchie Arabiens, seiner sozialen und intellektuellen Unordnung und der Nähe der sassanidischen (persischen) und byzantinischen Reiche musste er auch den islamischen Staat gründen. Er musste die politischen und rechtlichen Institutionen schaffen, die seinen Lehren schützen und bleibenden Ausdruck verleihen konnten.

Als religiöse Person war Mohammed mehr ein Moses als ein Christus. Trotzdem wurden im sunnitischen Islam die säkularen wie die religiösen Seiten der Mission Mohammeds gleichermaßen unverletzlich und unveränderbar – und sind es theoretisch bis heute geblieben. Muslime waren in Weltfragen überlegen, weil sie Recht hatten; und sie hatten Recht, weil sie überlegen waren. Erst im 18. Jahrhundert begann diese beruhigenden, selbstgefällige Allianz zwischen Offenbarung und Macht auseinander zu brechen. Dieser Bruch hat sich seitdem fortgesetzt – und sich beschleunigt.

Im Gegensatz dazu war im Christentum die Beziehung von Politik zu Offenbarung ganz anders. Die christliche Offenbarung entstand im römischen Reich und unter Roms etablierten Rechts- und Politik-Institutionen. Das frühe Christentum neigte dazu, diese als gegeben zu betrachten. Es erwartete eine baldige Rückkehr des Messias und konzentrierte sich auf die spirituellen, jenseitigen Aspekte der christlichen Offenbarung. Die Entwicklung des Christentums war dementsprechend nicht sonderlich durch göttliche Vorschriften für die praktische Organisation des menschlichen Lebens auf der Erde beschränkt.

Wie sollte ein junger, arabischer Muslim also heute die große Frage beantworten: „Wie nun sollte ich leben?“. Wie ihre Folgen: „Wie sollen wir die Versicherungen göttlicher Gunst und weltlicher Macht des Koran mit dem täglichen Beweis überein bringen, dass wir Muslime zurück fallen? Dass wir nicht nur hinter die USA und Europa zurück bleiben, sondern sogar hinter ihrem gering geschätzten ‚Stiefkind’, Israel? Wo sind heute die glücklichen, erfolgreichen und vor allem mächtigen Staaten des Islam? Wie kann Gott erlauben, dass sein Volk derart verwirrt wird? Sind unsere Leiden eine Bestrafung für unsere falsche Umsetzung seiner Lehren?“ Eine zunehmende gemeinsame Antwort zu all diesen Zweifeln ist diese: „Ich sollte mich entschließen, immer stärker eifrig und rigoros dem Islam zu folgen.“

Leider wird dieses Rezept nie eine Erleichterung des Gefühls der politischen oder moralischen Verlassenheit vieler junger Araber bringen. Sie sind sozusagen gefangen am Boden eines Brunnens und versuchen zu entkommen, indem sie tiefer graben – nach China. Die Lösung verschlimmert das Problem nur. Ihre Wut und ihr Frust gegen den Westen wachsen, besonders gegen den Standartenträger, die USA. Unser weltlicher Erfolg, unsere bloße Existenz, bedroht die Überzeugungen und Tradition zu widerlegen, die dem Leben der arabischen Jugendlichen Bedeutung geben.

Was muss getan werden? Die langfristigere Lösung der Drangsals der arabisch-muslimischen Zivilisation muss in den inneren Ressourcen und stärkenden Kräften des Islam selbst gefunden werden. Aber hier begegnen wir einem anderen Problem: die passive, rigide, unkreative Art, in die die islamische Kultur seit dem islamischen Mittelalter verwandelt wurde. Modernen arabischen Gesellschaften fehlt eine Tradition der Selbstkritik, der rationalen Analyse. Ohne die Fähigkeit, erfolgreich das Handeln der Welt um sie herum zu analysieren oder nur ihre eigene Gesellschaft, hat das öffentliche arabische Ego viele Rückschläge erfahren. Sie ist defensive und unsicher geworden. Die öffentliche Auseinandersetzung wird von einem Zeitgeist dominiert, der jede schlechte Nachricht dem Wirken verschiedener externer, feindseliger Mächte zuschreibt: dem Britischen Geheimdienst, der zionistischen Verschwörung, der CIA – aber nie den eigenen Unzulänglichkeiten. Solch ein Alibi entledigt die arabischen Egos jeglicher Verantwortung oder Schuld für jeden einzelnen Rückschlag.

Denken Sie an ein recht neues Beispiel: die Weigerung der ägyptischen Regierung auch nur die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass am 31. Oktober 1999 der Pilot von Egypt Air Flug 990 sein Flugzeug absichtlich ins Meer flog, wobei er sich, die übrige Besatzung und 271 Passagiere an Bord tötete. Für die Ermittler des National Transportation Safety Board war die Ursache offensichtlich: der Pilot hatte absichtlich das Flugzeug ins Verderben gestürzt. Aber bis heute verfolgt die ägyptische Regierung unkritisch immer erfinderischere und weiter her geholte Strategien der Verleugnung. Vervielfältigt durch eine beliebige Anzahl ähnlicher Vorfälle jedoch führt dazu, dass die Araber sich als ohnmächtig empfinden, als Spielzeug unsichtbarer, aber immer feindseliger Kräfte.

Es ist für uns im Westen schwer, selbst, wenn wir „als Freund sprechen“, den unbegreiflichen, verletzten Stolz einer großen Zivilisation zu heilen. Man wird uns nicht zuhören. Es gibt im Islam keine ökumenische Tradition. Es gibt in ganz Amerika Moscheen – sogar in Rom steht eine -, aber Christen dürfen nicht einmal eine Bibel nach Saudi Arabien mitbringen. Es ist unvorstellbar, dass irgendwo in der islamischen Welt der Kopf einer religiösen Schule Professuren für Buddhismus, Frauenfragen und die Rolle der Religion in internationalen Konflikten einrichten würde, wie Vater Bryan Hehir es in Harvard tat. In islamischen Kulturen erfährt die ausgestreckte Hand des Fremden keine Antwort; vielmehr wird diese Geste wahrscheinlich zurückgewiesen oder falsch gedeutet.

Gleichermaßen könnte ein Muslim versuchen einen Christen oder Juden zu bekehren. Aber dass er sich in einen echten Dialog mit ihnen einlassen würde, würde andeuten, dass ihr Glaube ein Fünkchen Wahrheit enthielte, die nicht im Koran gefunden werden kann und von Muslimen für eine perfektere Anbetung und ein besseres Verständnis Gottes nützlich sein könnten. Und eine solche Möglichkeit ist für einen treuen islamischen Gläubigen buchstäblich unvorstellbar.

Ich werde König Faisals höfliches, aber kühles Abtun meiner naiven Andeutung – 1973 als junger Geschäftsträger in Jiddah -, dass viel Gewinn für den Westen wie die arabische Welt daraus entstehen könne, wenn Saudi Arabien einige junge islamische Gelehrte an religiöse Schulen in den USA schicken würde. Ein königlicher Ratgeber hielt mir hinterher vor, die Frage aufgebracht zu haben: „Sie verlangten von seiner Majestät, die Wahrheit mit Falschheit zu vermengen!“

Gefechtsbedingungen

Was könnten die Muslime selbst tun, um sich der modernen Welt wieder anzuschließen, zu Bedingungen, die im Einklang mit unserer Zeit und der islamischen Offenbarung stehen? Einige Ideen hierzu folgen.

Zuallererst müssen die Muslime versuchen aus der Abgeschlossenheit zu entkommen, in die die Geschichte sie gebracht hat. Was immer vor so langer Zeit als kanonisch für das islamische säkulare und spirituelle Leben des Islam offenbart wurde, wurde sein Gefängnis. Der Islam, wie andere Religionen, hat, geblendet und überwältigt von der transzendenten Macht der Gottheit, ausführlich gearbeitet, um die Macht zu zähmen und zu begrenzen, damit sie sicher beobachtet werden kann oder sogar zu nützlicher Arbeit durch die Sterblichen gebraucht wird. Um es anders auszudrücken: Nicht unähnlich der klerikalen Klasse anderen Glaubens hat die islamische Ulema au seiner Religion eine Art göttliches Vehikel, alles in Schach zu halten – ein Regelbuch, ein mechanischer Code, der den wahren Gläubigen Macht und Erlösung verspricht.

Die verschiedenen muslimischen Geistlichen und ihre Helfer in der arabischen Welt werden natürlich jede Herausforderung des lukrativen Monopols der Interpretation des Koran bekämpfen, das sie mehr als ein Jahrtausend lang genossen. Aber in der Zwischenzeit ändert sich die Welt um sie immer schneller; sie lässt sie und die Gesellschaften, die sie zu führen vorgeben, immer weiter zurück. Der jüngste katastrophale Fehlschlag des militanten politischen Islam mag die Todeszuckungen eines Kreuzzugs zu repräsentieren, der schrecklich irre ging. Werden nach dem 11. September und nach der Vernichtung der Taliban in Afghanistan junge Muslime immer noch Osama bin Laden nacheifern? Wer erinnert sich heute noch an die Mahdi, die von Kitchener 1898 in Omdurman geschlagen wurden, oder die gefürchteten Assassinen von Alamut, die von Hulagu Khan 1256 vernichtet wurden?

Man könnte hoffen, dass besonders die Vernichtung der Taliban den Weg für die Muslime frei macht, zu überlegen, wie es weiter gehen soll. Auf der Makroebene könnten junge Muslime beginnen die gotteslästerliche Natur des aggressiven, politischen Islam zu erkennen, der seine Nachfolger von der Verehrung Gottes und dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit abhält, um einen ablenkenden Kreuzzug nach Macht in dieser Welt zu führen. Der politische Islam hat eine Götzen-Qualität, die irdische Macht das Hauptziel der muslimischen Bestrebungen macht. Man fühlt sich an die Verunglimpfung des römischen Historikers Livy jeglicher Religion erinnert, „durch die der Wille der Götter als Vorwand für Verbrechen angeboten wird“.

Auf der Mikroebene sieht man, dass junge Muslime die fehl gehenden Aspekte ihrer Tradition nicht zurückweisen, sondern sie schlichtweg ignorieren. Viele ernsthafte, gottesfürchtige muslimische Männer und Frauen schaffen sich ihre eigenen „rechtschaffen begründeten“ Übereinstimmungen mit der Moderne. Sie handeln, wie es viele Katholiken tun: folgen ihrem eigenen Gewissen zu Geburtenkontrolle und anderen sozialen Fragen – trotz des päpstlichen Anspruchs auf Unfehlbarkeit in Fragen des Glaubens und der Moral.

Da der Koran mehr oder weniger gebildeten Muslimen weitgehend verfügbar ist, könnte der sunnitische Islam für seine eigene protestantische Reformation reif sein. Gott hat im Islam immer eine persönliche, direkte Beziehung zu seinen Gläubigen: „Ich bin euch sogar näher als die Arterie eures Genicks“, sagt der Koran. Könnten Muslime – von der Basis aus nach oben – bereit sein, aus der Orthodoxie auszubrechen, die ihnen vor so langer Zeit aufgedrückt wurde? Der jetzige Augenblick könnte der richtige sein für das Erscheinen eines geläuterten, realistischen, flexibleren muslimischen Ansatzes für das 21. Jahrhundert. Wenn einzelne Muslime eigenständig an die Sache heran gehen können und, falls notwendig, die „Tore des Itihad“ neu öffnen können – d.h. neue Interpretationen durch zeitgenössische Gelehrte legitimieren -, dann könnte es Hoffnung für die Aussöhnung ihrer Gemeinschaft mit unserer Zeit geben. Im arabischen Herzland des Islam – Ägypten, Syrien und Jordanien – könnte eine solche Initiative von gebildeten, durchsetzungsfähigen, berufstätigen arabischen Frauen kreativ angeführt werden. An anderer Stelle könnte ein solcher Versuch in der muslimischen Diaspora stattfinden – in Indonesien oder Indien oder sogar in den USA. Und wie sieht es mit dem schiitischen Zweig des Islam aus? Es wäre ironisch, wenn die Schiiten, die ihren rechtskundigen – den großen Ayatollahs – so große interpretative Autorität gewähren, die islamische Welt zu einer bedeutenderen und besser angepassten Form des Islam führen sollten.

Es könnte Hoffnung geben. Aber, wie unser bemerkenswerter, verstorbener Botschafter in Saudi Arabien, William Porter, zu sagen pflegte: „Hoffnung ist ein guter Weggenosse, aber ein schlechter Führer.“ Als Mit-Monotheisten, als Bewunderer der Beiträge des Islam zur Zivilisation können wir hoffen, dass der Islam sich nicht in einer obskuren Sackgasse selbst in die Falle führt. Die Geschichte ist jedoch schonungslos darwinistisch gegenüber Gesellschaften, die von der natürlichen Selektion nicht gemocht werden. Die Geschichte tischt uns Gewinner und Verlierer auf. Wo befindet sich jetzt die klassische Zivilisation? In unseren kulturellen Genen oder im Museum. Byzanz? Es überlebt als ein verstümmelter, rechthaberischer Teil „dessen, was einmal groß war“. Das Tempo der modernen Welt nimmt zu. Es wird für Gesellschaften, die nicht auf die Herausforderungen der heutigen Zeit und die Bedürfnisse ihrer Mitglieder reagieren, immer schwieriger dranzubleiben, geschweige denn aufzuholen. Und stellen Sie sich die Gewalt, den Schmerz, die furchtbare Mühsal, wenn die islamische Zivilisation, Halbbruder des Westens, in die Häckselmaschine der Geschichte gezogen würde. Als Freunde des Islam können wir nicht an der Bettkante Wache halten – und hoffen und beten.

Wie Amerika helfen kann

Aber es gibt nicht viel mehr, das wir tun könnten. Ich würde zuerst vorschlagen, dass wir alle, wenn wir in Englisch sprechen oder schreiben, aufhören „Gott“ zu benutzen, wenn wir „Gott“ meinen. Ein Leser oder Hörer könnte schließen, dass der Gott der Muslime furchtbar ist, ein Moloch oder etwas, das aus der aztekischen Mythologie stammt. Wenn wir uns nicht einigen können, dass wir denselben Gott verehren und dass er allen Gebeten gleichermaßen zuhört – den Gebeten der Juden, der Christen und der Muslime -, dann werden wir uns nie über kleinere Fragen einigen, wie der des arabisch-israelischen Konflikts.

Zweitens sollten die USA mit ihrer niemals gleichen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Macht gebieterisch den arabisch-israelischen Konflikt beenden. Er hat schon zu viele Leben verschwendet, zu viel unserer Aufmerksamkeit in Anspruch genommen und Ressourcen verschlungen, die hätten helfen können die Gegend voran zu bringen. Er ist eine zu große Ablenkung gewesen. Der Begriff „Vertrauen bildende Maßnahmen“ trägt eine fantastische, sogar zynische Irrealität, wenigstens so, wie er im Nahen Osten verwendet wird. Der sogenannte „Friedensprozess“ hat sich als wenige mehr als ein diplomatisches Perpetuum Mobile erwiesen. Er sorgt dafür, dass jeder Entschuldigungen finden, die Dinge aufzuhalten. Zwischen arabischem Antisemitismus und jüdischer Angst vor arabischem Revanchismus kann wahrscheinlich keine Vereinbarung erreicht werden bzw. eingehalten zu werden, wenn wir keine harte Hand einsetzen.

Uns und vielen anderen Freunden der Region sind die Umrisse einer Einigung ziemlich klar: Sie würden den Vorschlägen von Camp David ähnlich sehen. Es würde einen palästinensischen Staat geben, der sich verpflichtet mit Israel in Frieden zu leben; Israels Siedlungen in der Westbank – ein Stachel, der jede Friedensbemühung scheitern lässt – würden abgebaut. Es würde Sicherheitsgarantien für Israel wie für die Palästinenser geben. Als Begleitung jeglicher Übereinkunft sollte es Maßnahmen zur Beobachtung der Art des entstehenden palästinensischen Staates geben; ein von den Taliban dominierter Staat hat gereicht.

Wir sollten hart daran arbeiten, die Verbindung und Unterstützung unserer westlichen Alliierten in diesen Bemühungen zu bekommen. Aber wir sollten nicht in Details versinken. Wir sollten diejenigen ignorieren und links liegen lassen, die unsere Friedensbemühungen durch Versuche verhindern, die Einsprüche wieder aufleben lassen, die aus 50 Jahren fehl geschlagenen Friedensbemühungen stammen. Nach meiner Erfahrung ist es so, dass, wenn die USA aller Welt deutlich machen, dass sie zu allem entschlossen sind, um etwas zu erreichen, die Wirklichkeit dazu tendiert, sich entgegenkommend damit zu arrangieren. Wenn wir das tun, dann könnten die arabischen und israelischen Führer ihrer Bevölkerung gegenüber treten und Schulter zuckend sagen: „Was hätten wir denn gegen die Macht und den Willen der USA tun können?“

Drittens sollte unsere Außenpolitik härter und beständiger Amerikas Ideale widerspiegeln. Als Außenminister Power so überzeugend die Unterdrückung der Frauen durch die Taliban verurteilte, war ich da der einzige Zuhörer, der dachte, das würde genauso viel Sinn machen, wenn erst „saudi“ sagte, wo immer „afghanisch“ erwähnt wurde? Unsere Regierung sagt, sie wolle die Herzen und den Verstand der Muslime erreichen, die „Straße“. Aber wie soll das geschehen? Es gibt für uns eine Lektion in der politischen Landschaft des Nahen Ostens: Wo immer die Regierung uns freundlich gesonnen ist, da sind wir auf der arabischen Straße unbeliebt. Wo immer die Regime uns unfreundlich gesonnen sind, da sind wir in der Regel beliebt. Der Grund könnte sein, dass wir in dem einen Fall als Regierung betrachtet werden, als ein Komplize der unbeliebten lokalen Machthaber, während wir in dem anderen Fall als befreiende Zivilisation gelten.

Die amerikanische Ausnahmestellung ist nie deutlicher demonstriert worden, als nach den Ereignissen des 11. September und unserem Sieg in Afghanistan. Wir stehen in der Weltgeschichte einzigartig da, praktisch ungehemmt von traditionellen Überlegungen zur Machtbalance. Zur Zeit gibt es keinen wirklichen Gegner. Daher sind wir frei die Quelle unserer Stärke und unsere Zugkraft in vollerem Umfang zu gebrauchen. Trotzdem sollten wir, wie Reinhold Niebuhr sagte, „bescheidene Falken“ sein. Wir sollten diesen Jahrtausend-Augenblick nutzen und an einer internationalen Gemeinschaft arbeiten, die unsere Ideale besser wieder gibt, die weder Ost noch West ist und deren Anziehungskraft die Mehrzahl der Kulturen übersteigt.

Tod Amerika

Daniel Pipes, New York Post, 8. September 2002

(Vorbemerkung heplev: Persönlich denke ich, dass Amerikas Krieg gegen den Terror nicht schon 1979 begann; angesichts der Versäumnisse, die Daniel Pipes hier und in anderen Artikeln aufzeigt, begann 1979 der Krieg des militanten Islam gegen Amerika, aber noch nicht umgekehrt. Dieser findet erst seit dem Herbst 2001 statt.)

Amerikas Krieg gegen den Terrorismus begann nicht im September 2001. Er begann im November 1979.

Das war kurz nachdem Ayatollah Khomeini die Macht im Iran mit dem Slogan „Tod Amerika“ übernommen hatte – und prompt begannen bald darauf die Anschläge auf Amerikaner. Im November 1979 besetzte ein militant-islamischer Mob die US-Botschaft in Teheran und nahm 52 Amerikaner 444 Tage lang als Geiseln.

Das Rettungsteam, das die Geiseln im April 1980 befreien sollte, hatte acht Tote; das machte sie zu den ersten von vielen amerikanischen Opfern des militanten Islam. Andere folgten, darunter:

April 1983: 17 Tote in der US-Botschaft in Beirut.

Oktober 1983: 241 Tote in der Kaserne der US-Marines in Beirut.

Dezember 1983: 5 Tote in der US-Botschaft in Kuwait.

Januar 1984: Der Präsident der Amerikanischen Universität von Beirut wird getötet.

April 1984: 18 Tote in der Nähe einer US-Luftwaffenbasis in Spanien.

September 1984: 16 Tote in der US-Botschaft in Beirut (einmal mehr).

Juni 1985: Ein Toter bei einer Flugzeugentführung nach Beirut.

Nach einer Pause begannen die Angriffe erneut: 5 und 19 Tote in Saudi Arabien 1995 und 1996; 224 Tote bei den US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 und 17 Tote auf der USS Cole im Jemen im Oktober 2000.

Gleichzeitig fand der mörderische Angriff des militanten Islam auch auf amerikanischem Boden statt:

Juli 1980: ein iranischer Dissident in der Umgebung von Washington D.C. getötet.

August 1983: ein Führer der islamischen Ahmadiyya-Sekte in Canton, Michigan getötet.

August 1984: drei Inder in einem Vorort von Tacoma, Washington getötet.

September 1986: ein Arzt getötet in Augusta, Georgia.

Januar 1990: ein ägyptischer Freidenker getötet in Tucson, Arizona.

November 1990: ein jüdischer Führer in New York getötet.

Februar 1991: ein ägyptischer Islamist in New York getötet.

Januar 1993: zwei CIA-Mitarbeiter vor dem Hauptquartier in Langley, Virginia getötet.

Februar 1993: 6 Menschen im World Trade Center getötet.

März 1994: ein jüdisch-orthodoxer Junge auf der Brooklyn-Bridge getötet.

Februar 1997: ein dänischer Tourist im Empire State Building getötet.

Oktober 1999: 217 Passagiere der Egypt Air vor New York getötet.

Vor dem September 2001 verloren alles in Allem 800 Menschen durch Angriffe des militanten Islam auf Amerikaner ihr Leben – mehr als von jedem anderen Feind seit dem Vietnamkrieg getötet wurden. (Außerdem schließt diese Liste nicht die Dutzende Amerikaner in Israel mit ein, die von militant-islamischen Terroristen getötet wurden.)

Und trotzdem wurden diese Morde kaum wahr genommen. Erst mit den Ereignissen vor einem Jahr begriffen die Amerikaner endlich, dass „Tod Amerika“ wirklich ein Schlachtruf des gefährlichsten Feindes aus dieser Gegend ist – des militanten Islam.

Im Nachhinein betrachtet fing der Fehler an, als Iraner die US-Botschaft in Teheran angriffen und keinen Widerstand erlebten. Es ist interessant, dass ein Marine-Feldwebel, der sich an diesem schicksalsträchtigen Tag im November 1979 in der Botschaft befand, dieser Wertung zustimmt. Als der militant-islamische Mob die Botschaft stürmte, folgte Rodney V. Sickmann seinen Befehlen und schützte weder sich noch die Botschaft. Das Ergebnis war, dass er zur Geisel wurde und heute seine Geschichte erzählen kann. (Er arbeitet jetzt für Anheuser-Busch.)

In der Rückschau betrachtet, sieht er seine Passivität heute als Fehler an. Die Marines hätten ihren Dienst tun sollen, auch wenn es ihr Leben gekostet hätte. „Hätten wir das Feuer auf sie eröffnet, hätten wir vielleicht nur eine Stunde durchgehalten.“ Aber hätten sie das getan, dann „hätten sie die Geschichte verändert“.

Sich zu verteidigen hätte ein starkes Signal ausgesandt, dass die USA nicht straflos angegriffen werden können. Die Kapitulation der Botschaft sandte statt dessen das gegenteilige Signal – dass die Amerikaner Freiwild sind. „Wenn man zurück blickt, dann fing es 1979 an und eskalierte seitdem“, schlussfolgert Sickmann völlig zu Recht.

Dem kann der größte geostrategische Denker des Landes, Robert Strausz-Hupé nur seine Zustimmung geben. Kurz bevor er dieses Jahr im Alter von 98 Jahren starb, schrieb Strausz-Hupé seine letzten Worte und zwar über den Krieg gegen den Terrorismus: „Ich habe lange genug gelebt um das Gute mehrfach über das Böse gewinnen zu sehen, wenn auch zu einem Preis, der höher war als nötig. Diesmal haben wir bereits den Preis für den Sieg bezahlt. Es ist an uns, ihn zu gewinnen.“

Kloppe

Bilanz-Vergleich: Je höher das Verhältnis der Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt, desto schlechter für den Staat. Für das erste Jahr von Trump ist die Rate bei 1,2%. In Obamas erstem Jahr betrug sie 14,5%, über seine gesamte Amtszeit hinweg 37%. Die Rate ist auf einem 50-Jahres-Tief.

Der SPIEGEL hat (online) Trumps Rede zur Lage der Nation „analysiert“. Und kommt nicht über emotionalisierte Abscheu statt journalistischer Arbeit hinaus, wie Clauido Casula bei der Achse des Guten schreibt.

Trump hat seine erste „Rede zur Lage der Nation“ gehalten. Das ZDF „berichtet“ den ganzen Tag über, er habe den wirtschaftlichen Aufschwung von Obama geerbt. Und: Das Land sei weiterhin gespalten; wozu ein Ausschnitt aus der Rede eines unbedeutenden Hinterbänklers gebracht wird, nur weil er ein Kennedy-Verwandter ist (und natürlich, weil er Trumps Fakten „widerlegt“). Was irgendwie nicht so ganz zu der Meldung passt, dass 75% der Amerikaner ihm zustimmen und seine Rede positiv bewerten.

Das FBI hat so Probleme den Leuten klarzumachen, dass man ihm gegenüber ehrlich sein muss:

Er fraß Lois Lerners Festplatte,
Hillarys E-Mails,
FBI-Akten…
und er möchte Sie erinnern, dass es ein Verbrechen ist uns anzulügen.

Obamanisten:

Die Rede zur Lage der Nation und die Reaktion der Demokraten:

Nancy Pelosi aus der Chefetage der Demokraten im Kongress ist – nicht zum ersten Mal – etwas „verwirrt“: Sie redete (stotternd) vom Präsidenten, den sie „Präsident Bush“ nannte. Irgendwie schienen Feindbilder derart fest eingebrannt zu sein, dass man diese Leute ihre aktuellen Feindbilder nicht mehr richtig auf die Reihe bekommen.

Sie wehren sich gegen Trumps Steuerreform:

Wie bringen die die Arbeitnehmer dazu zu glauben, dass es schlecht ist, wenn sie mehr von ihrem Geld behalten?

Und dazu haben sie einen neuen „Star“ – einen Kennedy:

Die Linke: Geld ist böse. Reiche sind gierig. Ererbtes Vermögen ist widerlich.
Dieselbe Linke: Bitte einen weiteren Kennedy!
(die Kennedys sind ja arm wie die Kirchenmäuse, nicht wahr?)

Und der neue Kennedy ist natürlich gegen eine Mauer…

Joe Kennedys Haus – eine echt nette Mauer hast du da, Joe.

Wie irritiert man einen Linken? So:

(Hier wohnt Donald Trump)

Und ein bisschen Verarsche darf auch sein:

Können Sie uns sagen, wie viel der Präsident wiegt?
Ja. Er wiegt 0,73 Oprahs.

Hey Hillary: Es ist weiß. Es ist ein Haus. Welchen Unterschied macht das jetzt?

Die Obamedien:

Sie sind voll von Michelle Obamas Beschwerde, die sie „endlich“ mal losließ (natürlich in der Talkshow einer  Obamanistin, Ellen DeGeneres): Melania Trump hatte es gewagt der damaligen Noch-First-Lady-für-ein-paar-Stunden zum offiziellen Empfang im Weißen Haus vor der Vereidigung ihres Mannes ein Geschenk mitzubringen. Was für ein Vebrechen! Bruch des Protokolls! Wie konnte sie nur? Und alle springen drauf an, damit sie auf die Trumps eindrschen können. Im begleitenden Video sieht man, wie angeekelt sie war
Nun, Melania Trump konnte, weil Frau Obama den Präzedenzfall dafür gesetzt hatte, dem die neue First Lady folgte: Acht Jahre zu vor hatte sie nämlich Laura Bush auch ein Geschenk mitgebracht. Und Frau Bush machte im Gegensatz zu Frau Obama kein Theater daraus. Und nur in einem einzigen Medium wurde das gezeigt, während mehr als 100 in das Gejammer der Trulla einstimmten. Sie haben auch allesamt vergessen: Damals fanden sie es ganz toll, dass M.O. das machte, feierten ihre Großzügigkeit. Und damit entlarven sie sich selbst als das, was sie sind: Linke Propagandaorgane, die nicht berichten, sondern manipulieren.

Der Donald:

Wenn Donald Trump vereidigt wird, um eine Aussage zu machen, z.B. in Sachen Russland-Affäre:

Schwören Sie die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit?
Lassen Sie mich sagen, dass niemand die Wahrheit sagt, wie ich sie sage. Ich bekommen SEHR, sehr gute Kritiken zu meiner Wahrheit, glauben Sie mir, wie nichts, das Sie bisher gesehen haben. Ich werde so viel Wahrheit sagen – es wird so großartig und grandios sein – dass sie es müde sein werden, das sich die Wahrheit sagt, total müde. Ich habe die beste Wahrheit und Sie werden sie absolut lieben, glauben Sie mir. So wahr, so wahr…
(Schreiberin: Wir werden ziemlich lange hier sein…)

Gegen wen kämpfen wir? Eine kurze Geschichte des militanten Islam

Jonathan Schanzer, Middle East Forum, Frühjahr 2002

Es ist ein „Krieg gegen den Terror“, sagt Präsident George W. Bush. Manchmal wird uns sogar gesagt, es sei ein Krieg gegen „das Böse“. Aber ungeachtet der Namengebung unternimmt die Bush-Administration große Anstrengungen zu betonen, dass dies auf keinen Fall ein Krieg gegen den Islam ist. Ist er das nicht?

Die kurze Antwort ist: Nein. Wir bekämpfen nicht den Islam, denn so etwas wie den einen Islam gibt es nicht. Ein einziger Islam kann nicht aus den vielen Abzweigungen, Seitenlinien und Sekten heraus geholt werden, die die 1,3 Millionen Muslime dieser Welt ideologisch, religiös und politisch aufspalten wie die anderen beiden monotheistischen Glauben, das Christentum und das Judentum.

Trotzdem waren alle 19 Flugzeugentführer des 11. September Muslime. Jeder einzelne auf der FBI-Liste der 22 meist gesuchten Terroristen ist Muslim. Fast alle Gruppen und Individuen, die in Präsident Bushs Anordnung zur Blockierung terroristischer Finanzquellen aufgelistet werden, sind auch muslimisch. Wie kann das also kein Krieg gegen den Islam sein?

Korrektur: gegen den militanten Islam

Der „Krieg gegen den Terror“ sollte eigentlich „Krieg gegen den militanten Islam“ genannt werden. Die Terroristen des 11. September, Osama bin Laden, Al Qaida und die Taliban halten alle an einer Ideologie fest, die wir als militanten Islam kennen gelernt haben – ein Minderheitszweig des Glaubens, der bitteren Hasse gegen westliche Ideen aussondert, zu denen auch Kapitalismus, Individualismus und Konsumgeist gehören. Er lehnt den Westen ab und das, je mehr er zu bieten hat (bis auf die Ausnahme von Waffen, Medikamenten und anderen brauchbaren Technologien) und sucht stattdessen die Einsetzung einer strikten Interpretation des Koran (des heiligen Buchs des Islam) und der Scharia (dem islamischen Gesetz). Amerika, wie radikale Muslime es sehen, ist das Haupthindernis beim Aufbau einer islamischen Weltordnung.

Entsprechend richtet der militante Islam sein Gift gegen Amerika und den Westen. Der oberste Führer der Taliban, Mullah Muhammad Omar, sagte nach dem 11. September, dass „der Plan (Amerika zu zerstören) voran geht und, wenn Allah es will, durchgeführt wird; es sei aber eine riesige Aufgabe, die über den Willen und das Verständnis menschlicher Wesen hinaus ginge. Wenn Allahs Hilfe mit uns ist, dann wird das innerhalb kurzer Zeit passieren.“

Scheik Ikarama Sabri, ein palästinensischer Mufti (islamische religiöse Autorität) sagte in einer Radio-Predigt, die 1997 ausgestrahlt wurde: „Oh Allah, zerstöre Amerika, seine Agenten und seine Verbündeten! Wirf sie in ihre eigenen Fallen und mache das Weiße Haus schwarz!“

„Das amerikanische Regime ist der Feind der (iranischen) islamischen Regierung und unserer Revolution“, sagte Irans religiöser Führer Ali Khamenei 1988. „Es ist der Feind eurer Revolution, eures Islam und eures Widerstands gegen amerikanisches Muskelspiel.“

Also sichern radikale Muslime ihre Worte mit Taten ab. Sie haben eine Geschichte der Gewalt gegen amerikanische, westliche und sogar muslimische Interessen. Aber die Bewegung kam nicht spontan auf. Sie hat 14 Jahrhunderte gebraucht sich zu entwickeln.

Von Eroberern zu Eroberten

Die Geschichte beginnt mit der Geburt des Islam im Jahr 610, als der Prophet Mohammed seine göttliche Mission empfing und Allahs Anweisungen für eine neue Religion akzeptierte, die den Glauben an einen einzigen Gott befahl. Die nächsten 22 Jahre diente Mohammed als Vermittler der Botschaft Allahs und sein muslimisches Reich wuchs so weit, dass es fast die gesamte arabische Halbinsel umfasste. Nach dem Tod des Propheten dehnte sich das muslimische Reich bis ins 17. Jahrhundert weiter aus, als die Muslime fraglos die größte Militärmacht der Welt waren; sie hatten ausgedehnte Gebiete erobert und Millionen im Nahen Osten und Südeuropa konvertiert. Der Islam hatte auch unvergleichliche Fortschritte in Architektur, Kunst, Gesetzgebung, Mathematik und den Wissenschaften gemacht.

Mit der Ausnahme der Kämpfe gegen die christlichen Kreuzfahrer hatten die meisten Muslime wenig mit dem Westen zu schaffen. Tatsächlich betrachtete die ottomanische Türkei, die dominante islamische Macht des 16. Jahrhunderts, den Westen mit dem, was der Islam-Experte Bernard Lewis in seinem Buch „Der Islam und der Westen“ eine „amüsierte Geringschätzung“ wegen ihrer unterlegenen Kultur und Religion nennt.

Im 17. Jahrhundert aber, als der Westen militärische Überlegenheit erreichte, schreibt Lewis, dass der Ton sich zu „alarmierter Abneigung“ verschob. 1967 hatten die Russen den Türken ihre erste schwere Niederlage beigebracht, was auf einen neuen und schwierigen Weg des Islam in die Zukunft deutete. Anstatt zu erobern, wurden die Muslime erobert.

Das Reich trennte sich bald auf. 1798 führte Napoleon Bonaparte seine Expedition nach Ägypten. 1830 übernahmen die Franzosen Algerien. Neun Jahre später verleibten die Engländer sich Aden (im heutigen Jemen) ein. 1881 besetzten die Franzosen Tunesien und 1882 festigten die Engländer ihren Zugriff auf Ägypten. 1911 eroberten die Russen Teile Persiens. Im gleichen Jahr verkündete Italien die Annexion von Tripolis, was später zur Schaffung des modernen Staates Libyen führte. 1912 dehnten die Franzosen ihren Einfluss auf Marokko aus. Am Ende des Ersten Weltkriegs hatte das ottomanische Reich den Nahen Osten verloren, als Frankreich und England das muslimische Reich als Kriegsbeute aufteilten. Die muslimische Welt konnte wenig mehr tun als hilflos zuzusehen.

Aber das schmerzlichste westliche Eindringen in die islamische Welt war unzweifelhaft die Einrichtung des Staates Israel im Jahr 1948. Zur Verwirrung der muslimischen Welt verlor die vereinigte Front der arabischen Armeen einen bitteren Krieg gegen das neu geformte Land von nur 600.000 Juden.

Während der Westen keine längerfristigen imperialistischen Vorstellungen zum Nahen Osten mehr haben mag, ist sein Einfluss allgegenwärtig. Das schließt Fortschritte in praktischen und physischen Wissenschaften ein, moderne Waffen und militärische Reformen, Massenkommunikation, Gesetz und politische Reform und ganz zu schweigen von seinem Anteil an McDonalds goldenen Bögen. Westliche Konzeptionen und Institutionen, wenn sie in die muslimische Welt versetzt werden, wirken oft destabilisierend. Sie bedrohen den Status quo und sind oftmals zu radikal anders, um in eine tief verwurzelte, traditionelle und gemeinhin statische muslimische Kultur hineinzupassen. Kurz gesagt: Die islamische Welt dürfte für einige dieser Veränderungen nicht bereit gewesen sein.

Der Aufstieg der Radikalen

Während viele Muslime sich an die schnellschrittigen Veränderungen anpassten, die in der westlichen Industrialisierung und Modernisierung üblich waren, einige Muslime lehnten sie ab. Statt dessen schufen sie eine rigide Ideologie, die in den traditionellen Werten und Gesetzen des Koran eingebettet war. Das ist das Phänomen, das heute als islamischer Fundamentalismus oder Islamismus bekannt ist.

Islamismus wurde im Lauf der Zeit als Kampf zur Rückkehr zu den ruhmreichen Tagen, als der Islam vorherrschend regierte, angesehen. Er repräsentiert eine Sehnsucht nach dem „puren“ Islam, wie er vom Propheten praktiziert wurde. Den amerikanischen Amish People nicht unähnlich, lehnt die Bewegung vieles ab, das innovativ ist. Islamisten aber führen die Ablehnung der Moderne einen Schritt weiter. Sie sehen diejenigen, die diese Innovationen einführten (den Westen), als ihren Feind an.

Der westliche Einfluss war aber unaufhaltbar. Konsequenterweise, schreibt der Experte für islamischen Fundamentalismus, Emmanuel Sivan, in seinem Buch „Radikaler Islam“ entwickelte sich unter religiösen Muslimen ein Gefühl von „Untergang und Schwermut“. Einige sahen nach Lewis diese Welt als „das Gefängnis der Gläubigen und das Paradies der Ungläubigen“ an. Für sie erklärte dies, warum islamische Werte dem Säkularismus des Westens unterliegen. Andere argumentieren, dass Allah den Muslimen böse war, weil sie vom richtigen Weg abwichen und sie deshalb wegen ihres Ungehorsams bestrafte.

Im Laufe der Zeit bekam die islamische Vision eine feste Form. Nicht nur der Einfluss des Westens wurde abgelehnt, auch die Legitimität der eigenen Regierungen in der arabischen Welt, die man als dem Westen untertan ansah. Auf diese Weise wurde der Sturz dieser Regime ein wichtiger Teil dem islamistischen Programm.

Das Entstehen einer Bewegung

Der größte Schub für dieses Programm kam 1928 mit der Gründung der Ikhwan al-Muslimun oder Moslembruderschaft in Ägypten. Diese Organisation wurde der Grundstein für die meisten der islamistischen Bewegungen, die für islamische Glaubensgrundsätze und Werte eintreten, wie sie vom gewöhnlichen Ägypter ausgedrückt werden. Die von Hassan al-Banna (1906-1949) gegründete Organisation lehnte westliche Herrschaft und Englands säkularen Einfluss in Ägypten ab. Ohne religiöse Regierung, glaubte al-Banna, würde die muslimische Welt eine „Gesellschaft kultureller Bastarde und spiritueller Halbblute“ werden.

„Politik ist Teil der Religion“, schrieb er. „Caesar und was Caesar gebührt ist für Gott, den Allmächtigen allein. Der Islam befahl die Einheit des Lebens; dem Islam die christliche Trennung von Kirche und Staat aufzudrücken, bedeutet ihm lebenswichtige Bedeutung und seine pure Existenz zu verweigern.“

Ägyptens Moslembruderschaft entwickelte schnell bewaffnete Zellen, die die Regierung und ihre Unterstützer angriffen. Dass die Bewegung verboten wurde, überrascht daher nicht. Das hielt die Gruppe aber nicht davon ab ihre Aktivitäten fortzusetzen. In einem Versuch, die Bewegung zu unterdrücken, wurde al-Banna 1949 in Kairo hingerichtet.

Al-Bannas Tod behinderte aber das Wachstum der Bewegung nicht. Die Moslembruderschaft fand in den 50-er und 60-er Jahren weitere Inspiration bei Sayyid Qutb (1906-1966), einem radikalen Ausleger, der koranische Rechtfertigungen für Angriffe auf säkulare arabische Spitzenpolitiker lieferte, die sich selbst Gläubige nannten, ihre Regierungen aber nicht entsprechend der Scharia oder den islamischen Gesetzen führten. In seinem berühmten Buch „Meilensteine“ propagierte er den Jihad oder heiligen Krieg als Mittel, die Fesseln der repressiven säkularen Regime abzuschütteln.

„Diese Bewegung … macht sich materielle Macht zunutze und beruft sich auf den Jihad um die Ordnung der Jahili (Ignoranten) und ihrer unterstützenden Beamtenschaft zu beseitigen, denn sie stören und verhindern die Bemühungen den Glauben und die Ideen der Menschheit als Ganzes zu reformieren und zwingt sie mittels seiner Reichtümer und abweichlerischen Methoden ihnen zu gehorchen und lässt sie sich vor den menschlichen Herren beugen statt vor dem allmächtigen Gott… Der genaue Zweck dieser Bewegung ist die Freisetzung der Menschen von dem Joch der menschlichen Versklavung und sie dazu zu bewegen, dem einen und einzigen Gott zu dienen.“

Qutb wurde vom ägyptischen Regime 1966 wegen der Propagierung islamischen Radikalismus und politischer Gewalt hingerichtet. Trotzdem überlebte die Bewegung. In der Tat hat sich die Moslembruderschaft seitdem global ausgebreitet. Die Organisation hat heute hunderte Zweige in über 70 Ländern weltweit.

Der militante Islam gewann nach den vernichtenden arabischen Verlusten der Araber im Sechs-Tage-Krieg vom Juni 1967 an Schwung. Aber die Muslime erlitten noch weitere Niederlage durch die Juden, ein Volk, das Muslime als religiös minderwertig ansehen. Schlimmer war die Tatsache, dass Jerusalem, die drittheiligste Stätte des Islam, erobert worden war. Auf der Suche nach Antworten wandten sich nahöstliche Muslime zunehmend ihren islamischen Wurzeln zu.

1969 übernahm Oberst Muammar Gaddafi Libyen die Macht durch einen Militärputsch. Gaddafi, merkt der Historiker Raphael Israeli an, begann bald „den Trend zu einer Vorherrschaft des Islam in der Gestaltung der Innenpolitischen und internationalen Politik der islamischen Staaten“ zu betonen. Mit dem riesigen Ölreichtum hinter sich finanzierte Gaddafi verschiedene Terroroperationen gegen das, was er als den imperialistischen Westen ansah. Gaddafi bleibt bis heute einer der größten Geldgeber des Terrors des militanten Islam.

Schließlich, ein Jahrzehnt später, passierte, was viele Historiker „das Erdbeben“ nennen. 1979 wurde der Iran die erste moderne islamische Republik, als Ayatollah Khomeini das säkulare Regime des Schah stürzte und eine neue Ordnung errichtete, in der die Scharia das Gesetz wurde. Plötzlich war der Islamismus nicht länger eine Ideologie der Bewegungen. Er hatte einen Staat angeregt.

Ein 23-jähriger Krieg

Amerikas erste Einführung in den militanten Islam kam kurz nachdem Khomeinis Islamische Republik 1979 gegründet wurde, als islamische Extremisten die US-Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran besetzten. 444 Tage lang hielten die Militanten 52 Amerikaner als Geiseln. Nach einem misslungenen Rettungsversuch mit Hubschraubern stimmte Amerika der Abgabe von 8 Milliarden US-Dollar iranischer Werte zu, um die Geiseln frei zu bekommen. Die Geiseln wurden heraus gegeben und Amerika atmete erleichtert durch. Die meisten Menschen hatten das Gefühl, der Albtraum sei vorbei. In Wirklichkeit war das nur der Anfang.

Wir lernten bald, dass der Iran den radikalen Islam erfolgreich in andere Teile der islamischen Welt „exportierte“. Das einfachste Ziel von allen war der Libanon, ein kleiner, vom Krieg zerrissener Staat, der durch Jahre interner Konflikte ausgeblutet war.

Als amerikanische Soldaten zu einer Friedensmission im Libanon ankamen, schlug der militante Islam wieder zu. 1983 gab es zwei tödliche Anschläge auf Amerikaner. Der erste war eine Bombe an der amerikanischen Botschaft in Beirut. Sechs Monate später fand ein Selbstmordanschlag auf die Kaserne der US Marines am 23. Oktober mit 241 Toten.

Der Selbstmordanschlag war Amerikas erste Begegnung mit dieser Art Terror. Mit der Zeit erfuhr man, dass der Anschlag durch die von Iran gestützte Guerilla-Bewegung namens Hisbollah (Partei Gottes) gebilligt wurde. Der geistliche Führer der Gruppe, Mohammed Hussein Fadlallah, behauptete in einer hitzigen Rede, dass „die unterdrückten Nationen nicht die Technologie und zerstörerischen Waffen Amerikas und Europas haben. Sie müssen daher mit ihren eigenen, besonderen Methoden arbeiten.“ Diese besonderen Methoden waren offensichtlich zu viel für Amerika. Die US-Streitkräfte verließen den Libanon einige Monate später.

Von einem zwiespältigen Amerika ermutigt, folgte schnell weitere islamistische Gewaltakte. Zuerst wurde die amerikanische Botschaft in Beirut am 20. September 1984 erneut bombardiert. Dann folterten und ermordeten entführten islamische Terroristen im Dezember 1984 in einem in Teheran entführten Flugzeug zwei Amerikaner. Das passierte neben der Entführung von mehr als einem Dutzend Amerikaner in Beirut zwischen März 1984 und Januar 1985. Schließlich entführten im Juni 1985 islamische Militante noch ein weiteres Flugzeug mit mehr als 100 Amerikanern an Bord und töteten einen davon.

Der militante Islam tauchte am 21. Dezember 1988 wieder auf, als Pan Am Flug 103 über Lockerbie in Schottland explodierte, wobei alle 259 Menschen an Bord, wie auch 11 Einwohner am Boden ums Leben kamen, die vom Flugzeugrumpf auf dem Boden getroffen wurden. Der Flug war auf dem Weg von Frankfurt über London nach New York.

Die Bewegung fand 1989 weiteren Antrieb aus dem Aufruhr über Salman Rushdie und sein umstrittenes Buch „Die satanischen Verse“. Bei der Betrachtung des folgenden Absatzes sollte es nicht überraschen, dass das Buch weltweit Muslime vor den Kopf stieß:

„Unter den Palmen der Oase Gibreel erschien der Prophet und sprudelte Regeln, Regeln, Regeln hervor, bis die Gläubigen kaum noch die Aussicht auf mehr Offenbarungen ertragen konnten, sagte Salman, Regeln über jedes verdammte Einzelheit: Wenn ein Mann furzt, dann lass ihn sein Gesicht in den Wind richten; eine Regel darüber, welche Hand zum Reinigen des Gesäßes benutzt werden soll. Es war, als sollte kein einziger Aspekt der menschlichen Existenz ungeregelt, frei bleiben sollte. Die Offenbarung, die Rezitation sagte den Gläubigen, wie viel sie essen sollten, wie tief sie schlafen sollten und welche Sexstellungen göttliche Erlaubnis erhalten hatten, so dass sie erfuhren, dass Sodomie und die Missionarsstellung durch die Erzengel abgesegnet waren, während die verbotenen Positionen all jene einschlossen, in der die Frau sich oben befand.“

Statt lediglich zu erklären, dass das Buch anstößig war oder es aus den muslimischen Buchläden zu verbannen, verurteilte Ayatollah Ruhollah Khomeini Rushdie wegen Blasphemie zum Tode:

„Im Namen Gottes, des Allmächtigen. Wir gehören zu Gott und zu ihm werden wir zurückkehren. I möchte alle unerschrockenen Muslime in der Welt davon informieren, dass der Autor des Buches Satanische Verse …und die Verleger, die seinen Inhalt kannten, zum Tode verurteilt sind. Ich rufe alle eifrigen Muslime auf, sie schnell hinzurichten, wo immer sie sie finden, damit niemand es wagt die islamischen Heiligkeiten zu verunglimpfen. Wer immer dabei getötet wird, wird als Märtyrer gelten, so Gott will. Zusätzlich sollte jeder, der Zugang zu dem Autor des Buches hat und nicht die Kraft besitzt ihn hinzurichten, ihn den Menschen zeigen, damit er für seine Taten bestraft werden kann. Möge Gottes Segen mit euch sein. Ruhollah Musavi al-Khomeini“

Khomeinis Fatwa – oder Urteil – löste eine beispiellose Welle internationaler islamistischer Gewalt aus. Im folgenden Jahr wurden Buchhändler erstochen, Zeitungen mit Brandsätzen beworfen und Demonstrationen endeten regelmäßig in Blutbädern.

Der Kampf kommt nach Hause

Im Laufe der Zeit flaute die Rushdie-Affäre ab, aber der Krieg ging weiter. Am 23. Februar 1993 explodierte eine große Bombe im New Yorker World Trade Center, tötete sechs und verwundete 1.000. Geführt von Scheik Omar Abdel Rahman, dem „Blinden Scheik von New York“, wurde das Komplott der al-Gama’a al-Islamiyya zugeschrieben, einer radikalen ägyptischen Gruppe, von der gedacht wurde, dass sie sich auf dieses Land beschränkte. Die amerikanische Regierung machte hervorragende Arbeit und brachte die Schuldigen hinter Gitter, überließ aber die wirkliche und schmutzige Antiterrorarbeit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, der die Schlacht gegen die aufständische Gruppe bis heute führt.

Aber vielleicht erschreckender als der erste Anschlag auf das World Trade Center selbst war die Erkenntnis, dass die Schuldigen seit Jahren in Amerika gelebt haben. Noch schlimmer, ihr Vorhaben sind lagen vor den Anschlägen deutlich gemacht worden. Früher im selben Jahr beschuldigte Rahman Amerika als den ersten Feind des Islam. „Wir müssen Terroristen sein“, sagte er, „und wir müssen die Feinde des Islam terrorisieren und sie das Fürchten lehren und sie beunruhigen die Erde unter ihren Füßen erschüttern.“ Als der Fall vor Gericht gebracht wurde, erfuhr man, dass die Bomber gehofft hatten das World Trade Center einstürzen zu lassen – ein Ziel, zu dessen Erreichung weitere acht Jahre gebraucht wurde.

Am 3. Oktober 1993 erlitt Amerika eine weitere Niederlage gegen den militanten Islam, diesmal in Somalia. Wie im neuen Film „Blackhawk Down“ dargestellt, wurden zwei Blackhawk-Hubschrauber der amerikanischen Armee in einer verpfuschten Aktion zur Gefangennahme eines radikal-muslimischen Warlords abgeschossen, ein dritter musste notlanden. Das Ergebnis war, dass 18 Amerikaner starben und 78 verletzt wurden.

1995 nahm ein Selbstmord-Autofahrer ein militärisches Trainingslager in Riyadh (Saudi Arabien) ins Visier und tötete fünf amerikanische Ausbilder. Ein Jahr später explodierte eine Lastwagen-Bombe, die einen Häuserkomplex zerstörte, der von amerikanischem Luftwaffenpersonal in Dahran in Saudi Arabien. Bei diesem Anschlag wurden 19 Amerikaner getötet und 240 verletzt. Die USA antworteten mit Sanktionen gegen das islamistische Regime im Sudan, wo ein Terrorist namens Osama bin Laden als Gast lebte.

Inzwischen machte 1995 eine vorher unbekannte Gruppe, die Taliban genannt wurden, Schlagzeilen, als sie mehr als die Hälfte Afghanistans nach Jahren blutiger, interner Konflikte eroberte. Während brutale Gewalt alltäglich wurden und Menschenrechte praktisch nicht existent waren, begann die Gruppe berüchtigt zu werden, als sie dem flüchtigen bin Laden 1997 Asyl gewährte. Im sicheren Hafen Afghanistan begann bin Ladens Al Qaida-Organisation mit zunehmender Wirkung zu agieren.

Al Qaida formiert sich

Trotz der ganzen medialen Aufregung ist Al Qaida (wörtlich: „Die Basis“) nur ein Dachverband, der die Operationen der islamischen Militanten weltweit fördert und leitet. Al Qaida ist eine Art Internet für Terroristen, durch das Informationen, Mittel und Menschen miteinander verbunden und durch ein Verteilzentrum geschleust werden. Mit anderen Worten: Osama bin Laden kann unmittelbar oder mittelbar für die Anschläge am 11. September, auf die USS Cole und die beiden Botschaften in Ostafrika verantwortlich sein. Wie auch immer, bin Ladens Organisation kann seit ihrer Entstehung 1988 mit der Planung dieser Operationen, wie auch anderer Komplotte in der ganzen Welt in Verbindung gebracht werden.

Al Qaidas Wurzeln liegen im von der CIA finanzierten afghanischen Krieg gegen die Sowjets (1980-1989). Während dieser Zeit kamen mit Hilfe der US-Waffen und -Finanzen radikale Muslime aus aller Welt nach Afghanistan um die sowjetische Besatzung zu bekämpfen. Darunter befand sich bin Landen, Sohn eines saudischen Millionärs. Allen Berichten zufolge gewann er die Herzen seiner Mit-Mujaheddin (Jihad-Kämpfer), indem er nicht nur heldenhaft kämpfte, sondern auch eine Rekrutierungsbüro für den afghanischen Jihad finanzierte.

Genauer gesagt: bin Laden und ein palästinensischer Militanter namens Abdallah Azzam eröffneten „Maktab al-Khidamat“ – das Streitkräfte-Büro. Berichten zufolge zahlte bin Laden, um die neuen Rekruten nach Afghanistan zu bringen und baute Trainingscamps für sie. Weiterhin importierte „der Prinz“, wie er gerufen wird, Experten, die die neuen Mujaheddin in Guerilla-Taktik und Terrorkrieg ausbildeten. Im Laufe der Jahre trainierten Tausende in diesen Camps.

Als 1988 der Krieg dem Ende zu ging, begann bin Laden ein offizielles Netzwerk aus diesen muslimischen Extremisten zu schmieden. Er nannte dieses Netzwerk Al Qaida. Obwohl diese Jihad-Kämpfer in ihre Heimatländer in der ganzen Welt zurückkehrten hat bin Laden seit jetzt vierzehn Jahren dieses Netzwerk mit Hilfe des Internets, Mobiltelefonen, Faxgeräten und anderen Hightech-Mitteln am Leben erhalten,.

Die Ziele der Al Qaida sind dreigeteilt. Erstens will die Organisation die, wie sie es sieht, korrupten und ketzerischen Regierungen der heutigen muslimischen Staaten stürzen, besonders in bin Ladens Heimatland Saudi Arabien. Bin Laden betrachtet das saudische Regime als amerikanische Lakaien, besonders seit die königliche Familie den US-Soldaten erlaubt hat, nach dem Golfkrieg von 1991 im Land zu bleiben. Entsprechend sieht Al Qaida die USA als den Hauptfeind des Islam and und will ihn zerstören.

Schließlich versucht Al Qaida, die Bemühungen der Jihad-Gruppen in der ganzen Welt zu unterstützen. Das schließt Algerien, Tschetschenien, Eritrea und Somalia mit ein, beschränkt sich aber nicht auf diese allein. Afghanistan und der Sudan, zwei Regime, die strikte islamistische Gesetze übernahmen, wurden auch stark von Al Qaida beeinflusst.

Bin Laden taucht auf

Zuerst wurde bin Ladens Name nur lose mit verschiedenen Terrorakten in Verbindung gebracht. Nach dem US-Außenministerium war sein Netzwerk in die Anschläge auf ein Hotel im Jemen im Dezember 1992 verwickelt, bei dem mehrere Touristen verwundet wurden, der aber wahrscheinlich auf amerikanische Soldaten zielte. Sein Name kam auch in Verbindung mit dem ersten Bombenanschlag auf das World Trade Center und die Anschläge 1993 gegen amerikanische Soldaten in Somalia. Von bin Ladens Netzwerk wurde zusätzlich gesagt, dass es den Terroristen half, die 1995 versuchten, den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zu ermorden und auch denen, die für die Anschläge auf amerikanisches Ausbildungspersonal in Riyadh im November 1995. Er wurde auch in Verbindung mit dem Bombenanschlag gebracht, der rund 30 Menschen in Dahran in Saudi Arabien im Juni 1996 tötete.

Aber erst am 23. Februar 1998 begannen wird das wahre Gesicht von Osama bin Laden und seines terroristischen Netzwerks zu sehen, als die Organisation gegründet wurde, die er „Die islamische Weltfront für den Kampf gegen die Juden und Kreuzzügler“ nannte.

In einer Erklärung der Islamischen Weltfront rief die Gruppe die „muslimische Ulema, Führer, Jugend und Völker“ auf, die „Amerikaner und ihre Verbündeten Zivilisten und Militärs zu töten. Dies stimmt mit den Worten des allmächtigen Gottes überein.“

Mit der Schaffung des Dachverbandes wurde offensichtlich, dass Al Qaida eine größere Reichweite hatte als bis dahin angenommen. Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehörten Führer der radikalen ägyptischen Gruppen „al-Gama’a al-Islamiyya“ und „al-Jihad“, wie auch die pakistanische „Jamiat-ul-Ulema-e-Pakistani“ und die Jihad-Bewegung in Bangladesch.

Trotz all dieser Verbindungen und dem frisch entdeckten Terrornetzwerk konnte US-Bundesanwältin Mary Jo White Al Qaida nur indirekt mit der Ausbildung der Stammeskrieger in Verbindung bringen, die US-Soldaten in Somalia angriffen. Das änderte sich im August 1998, als der Al Qaida-Agent Sadiq Odeh in Pakistan verhaftet wurde. Beim Verhör durch das FBI lieferte Odeh Details über bin Ladens internationales Netzwerk, wie auch über seine Rolle in den Bombenanschlägen auf die Botschaften. Seitdem haben andere Verdächtigte gleich wichtige Informationen geliefert.

Im Juni 1999 wurde bin Laden auf die FBI-Liste der meistgesuchten Personen gesetzt. Einen Monat später belegte US-Präsident Bill Clinton die Taliban mit Sanktionen, weil sie ihn beherbergten. Trotz dieses Drucks fuhr bin Laden fort, Al Qaida mit zunehmender Effektivität aus den Höhlen Afghanistans zu leiten. Der US-Geheimdienst gelangte sogar in den Besitz einer Ausgabe des sechsbändigen Terrorismus-Handbuchs, das von bin Laden benutzt wurde um seine Rekruten für Al Qaida auszubilden.

Der US-Geheimdienst verhinderte seitdem viele Al Qaida-Komplotte, einschließlich eines auf die Milleniums-Feiern im Dezember 1999. Konnten unzählige Anschläge noch verhindert werden, beweisen die Anschläge auf die USS Cole und die auf das Pentagon und das World Trade Center vom 11. September, dass Al Qaida-Komplotte gegen amerikanische Interessen dem Radar immer noch entgehen können.

Mit der Zerschlagung des Taliban-Regimes und Osama bin Laden auf der Flucht musste sich Al Qaida neu strukturieren. Wenn bin Laden gefangen wird, wird Al Qaida einen weiteren schweren Schlag erleiden. Da sie aber nur ein Förder-Netzwerk für den militanten Islam ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Al Qaida lange überlebensfähig bleibt, mit größter Wahrscheinlichkeit gesichert. So ist die Aussicht auf einen langen und sich hin ziehenden Krieg gegen den militanten Islam so gut wie garantiert.

Eine kleine Perspektive

Angesichts dessen, dass der militante Islam Amerika 22 Jahre lang peinigt und dass bin Laden Amerika seit 14 Jahren terrorisiert, hätten die Anschläge vom 11. September nicht überraschen dürfen. Ein Trend wurde festgestellt. So war die größte Schock dieser Tragödie vielleicht die totale Überraschung der Nation. Psychologisch war Amerika auf diese Angriffe völlig unvorbereitet. Warum?

Der frühere CIA-Direktor James Woolsey hat eine Erklärung. In einem Referat vor dem Middle East Forum in New York am 7. März 2001 verglich er die 80-er und die 90-er Jahre in Amerika mit einem anderen Zeitabschnitt der US-Geschichte, den wilden 20-ern. In den 20-er Jahren war Amerika nach dem Nachklingen seines jüngsten Sieges im Ersten Weltkrieg euphorisch. Ein Gefühl der Unbesiegbarkeit fegte durch Amerika, das die Nation dazu verleitete, den Aufstieg Hitlers in Deutschland völlig zu übersehen. Als Europa dem Krieg entgegen sank, stand Amerika untätig und in einem Stadium der Verleugnung auf der anderen Seite des Atlantik. Schließlich war Amerika durch einen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor geschockt, wütend und drängte widerwillig in den Krieg.

Das heutige Amerika ist nicht viel anders. Dank des exponentialen wirtschaftlichen Wachstums, eines beispiellosen Technologie-Booms und seines Status als einziger Supermacht der Welt wuchs Amerika in den 80-ern und 90-ern sprunghaft an und wurde verständlicherweise einigermaßen selbstgefällig. Unsere Regierung weigerte sich die ganze Zeit, dem neuen Feind ins Gesicht zu sehen. Der militante Islam hatte schon drei Länder des Nahen Ostens erobert: den Iran, den Sudan und Afghanistan. Die ganze Zeit kämpften mehr als ein Dutzend anderer Regime um die nackte Existenz gegen militante islamische Bewegungen, die Tag für Tag stärker wurden. Es war ein furchtbarer Tag wie der 11. September nötig, damit die Amerikaner begriffen, dass das Problem nicht länger ignoriert werden konnte.

Tatsächlich steckt unsere ständige Abneigung, auf frühere Anschläge zu antworten, hinter den Geschehnissen des 11. September. Bedenken Sie bin Ladens eigene Worte: „Wir haben im vergangenen Jahrzehnt die Niedergang der amerikanischen Regierung und die Schwäche des amerikanischen Soldaten gesehen. Er ist bereit, kalte Kriege zu führen, aber unvorbereitet heiße Kriege zu führen… Wir sind auf alle Fälle vorbereitet, wir vertrauen auf Gott.“

Was bin Laden damals, 1998, sagte: Amerika schreckte ihn nicht ab. Drei Jahre später fühlte er sich genug ermutigt, um Amerika anzugreifen, denn wir hatten bis dahin fast jede Auseinandersetzung gescheut. Amerika mochte zwar die stärkste Militärmacht der Welt haben, aber es hatte eine Geschichte der Kraftlosigkeit gegenüber dem militanten Islam. Ohne US-Vergeltungsmaßnahmen, ohne Abschreckung fand der militante Islam das Zutrauen, wieder zuzuschlagen.

Amerika schlägt zurück

Mit Beginn der Operation Enduring Freedom kämpft Amerika jetzt darum, diese Abschreckung wieder aufzubauen. Amerika nahm die Taliban in Afghanistan praktisch auseinander und wägt sorgfältig seine Optionen für das nächste Ziel ab. Das nächste Ziel ist allerdings nicht so einfach auszusuchen.

Zum einen ist das Ziel nicht einfach auszumachen. Von Marokko in Nordwestafrika bis Malaysia in Südostasien wächst der militante Islam heimlich weiter. Anhänger des militanten Islam machen nach Daniel Pipes, einem Experten hierzu, etwa 15-20 Prozent der muslimischen Welt aus Das bedeutet, dass mehr als 150 Millionen Menschen Teil des Problems sind. Was alles schlimmer macht: Sie verstecken sich unter den Moderaten. Sie tragen keine Uniform und weisen sich selten als Militante aus.

Zum Glück können wir einige ihrer Einflusszentren feststellen. Amerika hat dem entsprechend den Druck auf Länder wie Saudi Arabien und den Jemen erhöht, wo radikale Muslime seit Jahrzehnten frei agieren konnten. Um in der Grund der aufgewachten (und verärgerten) USA zu verbleiben, haben diese Staaten – wie auch andere – an der Koordination mit dem amerikanischen Geheimdienst gearbeitet, sind gegen Militante vorgegangen und amerikanischen Operationen vorgebeugt. Man könnte dies auch Operation Enduring Freedom, „Phase 1.5“ nennen. Nur die Zeit wird zeigen, ob diese Länder selbst effektiv gegen den Terror kämpfen können.

Ausblick

Amerika steht harten Entscheidungen gegenüber. In diesem neuen und lange überfälligen Krieg gegen die Kräfte des Terrors ist der vor ihm liegende Weg erschreckend. Der militante Islam hat Stützpunkte in Algerien, Ägypten, Somalia, Syrien, Saudi Arabien, dem Sudan, den Palästinensergebieten, dem Libanon, Jordanien, Jemen, Malaysia, den Philippinen, Indonesien, Nigeria und Pakistan, um nur einige wenige Länder zu nennen. Die Herausforderung wird nun sein, Wege zu finden, die Radikalen-Infrastruktur zu zerstören und die Militanten zu verhaften oder zu töten, während gleichzeitig der Einfluss der moderaten Muslime befördert wird. Wie das erreicht werden soll, ist unklar.

Zu ihren Gunsten muss gesagt werden, dass die Bush-Administration bisher alle richtigen Schritte unternommen hat. Im Moment scheint der radikale Islam sich auf dem Rückzug zu befinden. Aber die Schlacht ist noch nicht gewonnen. Die Wurzeln des militanten Islam liegen tief und es könnte Jahre dauern, sie auszumerzen. Entsprechend muss dieses Land [HE: die USA] sich auf zukünftige Konfrontationen vorbereiten. Noch wichtiger: Die Amerikaner müssen verstehen, dass dies kein Krieg gegen den Terrorismus (allgemein) ist. Terrorismus ist in Wirklichkeit nur eine Taktik. Der Kampf richtete sich gegen eine radikale, utopische Ideologie und diejenigen, die Gewalt in ihrem Namen ausführen.