Zehn Gebote für moderne Antisemiten und solche, die es werden wollen

von Jacob Prabutzki (gefunden auf Facebook)

*Erstes Gebot – Hebe so oft wie möglich hervor, dass du kein Antisemit bist! Wenn nötig, lass dir eine möglichst dumme Ausrede einfallen, weshalb du nie und nimmer ein Antisemit sein kannst, z. B. weil die Palästinenser schließlich auch Semiten sind oder weil Jesus auch Jude war.

*Zweites Gebot – Betone stets, wie schrecklich du den Holocaust findest, dass es jetzt aber wohl genug damit sei! Wie lange soll sich Deutschland, nach all den großzügigen Entschädigungszahlungen, denn noch kollektiv schuldig fühlen?

*Drittes Gebot – Denk immer daran, was für ein mutiger, tabubrechender Held du doch bist, weil du Israel kritisierst! Deklariere dich möglichst als Opfer der “Antisemitismus-Keule”. Ziehe aus dem Holocaust die Lehre, dass du nicht tatenlos zusehen kannst, wie die Israelis heute die Palästinenser unterdrücken. Unterdrückung in anderen Regionen dieser Erde ignorierst du geflissentlich, dort sind ja keine Juden am Werk.

*Viertes Gebot – Immunisiere dich gegen jede Kritik. Die Massenmedien werden schließlich eh von den “Weisen von Zion” – Pardon, ich meinte natürlich die “Israel-Lobby” – kontrolliert, auch wenn statistisch gesehen rund acht Zehntel der gesamten westlichen Nahost-Berichterstattung neutral bis “israelkritisch” und nur ein Bruchteil tatsächlich pro-israelisch ist.

*Fünftes Gebot – Miss mit zweierlei Maß: Selbst das kleinste Vergehen, dessen sich Israel schuldig macht, wiegt immer noch millionenfach schwerer, als das schlimmste von Palästinensern oder Anderen verübte Verbrechen! Verharmlose “Hamas, Hamas, alle Juden ins Gas”-Sprechchöre palästinensischer Demonstranten. Das meinen die doch eh nicht so…

*Sechstes Gebot – Denk daran, die Palästinenser sind arme, unterdrückte Wesen! Ihre Terroranschläge auf israelische Schulbusse und Diskotheken sind nur verzweifelte Hilfeschreie. Israel hat kein Recht, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Tut es das doch, ist dies nur ein weiterer Beweis für seine aggressive, unversöhnliche Haltung.

*Siebtes Gebot – Sei vernichtend in deiner “Israelkritik”: Benutze eine möglichst übertrieben-polemische Sprache, nenne Israel z. B. einen rassistischen, imperialistischen, kolonialistischen, Gottes-, Apartheid- oder was-auch-immer-Staat. Am besten sagst du, dass die Juden den Palästinensern heute dasselbe antun, was die Nazis früher den Juden angetan haben. Benutze Wendungen wie “Westbank-Ghetto” oder “KZ Gaza”. Das wirkt, und es entlastet dich auch von deinen eigenen Schuldgefühlen gegenüber den Holocaustopfern!

*Achtes Gebot – Vergiss auch niemals, dass bereits Israels Entstehung ein schlimmes Unrecht war und es erst dann Frieden mit den Palästinensern geben kann, wenn Israel sich kollektiv und reumütig zu seiner historischen Schuld bekennt.

*Neuntes Gebot – Such dir einen “guten Juden”, der auch so “israelkritisch” ist wie du, z. B. Norman G. Finkelstein, Felicia Langer oder Uri Avnery. Betone dabei stets, dass wenn ein Jude etwas Kritisches über Israel sagt, es ja unbedingt auch stimmen muss. Und ein Jude kann schließlich kein Antisemit sein, gell?

*Zehntes Gebot – Vergiss niemals: Im Zweifelsfall ist immer Israel schuld! Mach Israel prinzipiell für alle Übel dieser Welt verantwortlich! Solidarisiere dich mit der Hamas und Hisbollah, nimm an Anti-Israel-Demonstrationen teil, rufe zum Israel-Boykott auf! Gib dich dabei aber stets als “Freund” Israels aus.
Befolge diese Gebote und Du kannst Dir sicher sein, dass Du ein waschechter Antisemit bist. Herzlichen Glückwunsch!

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Das Beleidigende der beleidigenden Frage überwinden

Paula Stern, Israel Blogger, 18. Mai 2018

Wir sind alle schon einmal etwas gefragt worden, das unsere Nerven in Brand gesetzt hat. Es ist eine Frage, die nicht hätte gestellt werden sollen, aber mehr noch: Es ist eine Frage, die nicht hätte gestellt werden MÜSSEN. Die Antwort ist offensichtlich, nicht wahr? Jeder von uns hat seine „beleidigende“ Frage. Beleidigend in Anführungszeichen, weil es zwar schwer zu glauben ist, aber eine Frage, die für jemanden so sehr beleidigend ist, möglicherweise andere bei weitem nicht derart beleidigt.

In meinem Leben habe ich zweimal dieselbe Frage gehört – zuerst vor ein paar Jahren und dann heute Morgen wieder. Das erste Mal begleitete ich einen internationalen Gast, einen Christen, der nicht zu erkennen schien, dass der Kern der Frage falsch war. Aber diesmal schien es so, dass selbst der die Frage Stellende gewusst haben muss, dass sie beleidigend war.

Ehrlich gesagt, erinnere ich mich nicht, wie ich das erste Mal antwortete. Er war von mir zu einer internationalen Veranstaltung eingeladen worden. Ich denke, ich erklärte ihm, warum die Grundlage, auf der er die Frage stellte, falsch war, aber ich bin mir nicht sicher. Ich weiß, dass ich lange brauchte hinter mir zu lassen, dass ich das gefragt wurde. Vielleicht habe ich das aber auch nie geschafft.

Und diesmal, als ich die Frage las, bestand meine erste Reaktion aus Wut. Zwei andere sprangen ein und beantworteten die Frage ziemlich so, wie ich es getan hätte. Aber ich möchte immer noch antworten, muss antworten.

Die Frage, falls Sie sich wundern, lautete: Was haben die Juden gemacht, dass die Leute sie so sehr hassen? So wurde sie das erste Mal formuliert. Heute Morgen lautete sie so:

Als junger Mann wurde ich gelehrt, dass Hitler schlecht war, weil er die Juden tötete, was mich fragen ließ, warum er sie tötete. Was hatten sie getan? Heute, als alter Mann, kann ich sehen, warum sie von so vielen verachtet werden. Weil sie glauben, sie seien besser als jeder andere. Mir tun sie leid.

In gerechtfertigter Wut bezeichneten zwei andere ihn als Antisemiten. Er ist vermutlich einer. Aber darüber hinaus, jenseits der Beleidigung, liegt ein tief eingefleischte Ignoranz des „anderen“. Es ist dasselbe Gefühl, das zum Holocaust führte. Wenn man jemanden erfolgreich als „anderen“ oder als „anders“ kennzeichnet, dann setzt die menschliche Natur ein. Überleben der Stärkeren und all das. Wenn sie der andere sind, müssen sie niedriger stehen. Wenn sie anders sind, bin ich vielleicht besser.

Nicht jeder denkt so, zum Glück, aber nur allzu viele tun es.

Was machten also die Juden, um gehasst zu werden? Um umgebracht zu werden? Her ist meine Antwort an den alten Mann:

Hitler war schlecht, wie er Millionen Menschen ermordete – einschließlich sechs Millionen Juden. Er war ein Mann voller Hass. Er glaubte, dass er und sein Volk überlegen und alle anderen weniger als menschlich seien. Und so ermordete er oder plante sie Ermordung von Schwarzen, Homosexuellen, Zigeunern und vielen anderen. Was taten die Juden, dass die Nazis sie töten wollten? Ich denke, diese Frage ist in etwas die gleiche wie die, was eine Frau tut, damit ein Mann sie vergewaltigt. Was tut ein Kind, damit seine Eltern es missbrauchen?

Was die angeht, die glauben besser zu sein als alle anderen – das war in Wirklichkeit arische Indoktrination (oh, Entschuldigung, das ist ein zu großes Wort für Sie … es bedeutet Gehirnwäsche). Andere haben die Wahrscheinlichkeit kommentiert, dass Sie Antisemit sind, also lasse ich das, aber ich möchte einen Kommentar abgeben. Sie schreiben, sie täten Ihnen leid (vermutlich die Juden). Da Sie ein alter Mann sind, biete ich Ihnen Rat an. Lassen Sie uns Ihnen nicht leid tun. Wir sind ein ewiges Volk. Wir haben Hass und Verfolgung überlebt – vermutlich von Ihren Vorfahren – und doch gedeihen wir. Heute, nach zweitausend Jahren, sind wir zurück in unserer uralten Heimat und wir haben einen Staat aufgebaut, der herausragt und stark ist.

Unsere Kinder sind unglaublich. Hingebungsvoll, schön. Stark. Engagiert. Wir leben unseren Traum – ein Traum seit mehr als 2000 Jahren. Wir gehen auf denselben Hügeln und in denselben Tälern wie unsere Vorfahren. Um eine Frage zu beantworten, die niemals hätte gestellt werden sollen: Wir haben NICHTS gemacht, das den von Hitler gegen uns geführten Holocaust verursacht hat oder rechtfertigen könnte; aber ich verspreche Ihnen, was wir MACHTEN, ist stark geworden zu sein. Stärker als der Hass  Hitlers; stärker als die Ignoranz alter Männer.

Wird er erkennen wie beleidigend er seine beleidigende Frage formuliert hat? Fraglich. Aber während ich die obige Antwort schrieb, ging mir ein Lied durch den Kopf. Es ist eines, das ich immer geliebt habe. Die Worte sind sehr einfach und haben mein Volk durch die härtesten Zeiten und die beleidigendsten Fragen geleitet.

Ein ewiges Volk, heißt es in dem Lied, fürchtet keine lange Straße, keine lange Reise. Wir sind ein ewiges Volk. Zweitausend Jahre lang befanden wir uns auf einer sehr langen Straße und obwohl wir nach Hause gekommen sind, geht die Reise weiter.

Ein ewiges Volk hat keine Angst vor der langen Reise

Antisemitisches

Es gibt immer wieder Äußerungen angesehener Personen, die sich gegen die Juden richten. Ein paar dieser Äußerungen möchte ich hier auflisten – um sie ins richtige Licht zu rücken und um ihren Stellenwert in unserer Gesellschaft und ihr Ansehen zu relativieren.

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WSJ „Best of the Web“, 27. Januar 2004: Wer ist wie Hitler?
Während einige Bekloppte es spannend und amüsant finden, Präsident Bush mit Hitler zu vergleichen, kann man echte – wenn auch eher unauffällige – Echos der Nazis finden, wenn man an den richtigen Stellen nachsieht. Der Indipendent aus London berichtet über eine neue Umfrage der italienischen Zeitung Corriere della Sera, die Einwohner von neun europäischen Ländern befragte – aus Österreich, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden und Spanien – über ihre Haltung zu den Juden. Zu den Ergebnissen gehört:

– 35% sagten, Juden „sollten aufhören, die Opfer von Holocaust und Verfolgung vor 50 Jahren zu spielen“.
– 16,1% sagten, es „wäre besser, wenn der Staat Israel nicht existierte und die Palästinenser ihr Land zurück bekämen“.
– 40% denken, Juden hätten eine „besondere Beziehung zu Geld“.

„In allen Ländern“, merkt die Jerusalem Post an, „wurden antisemitische Gefühle positiv mit antiisraelischen Gefühlen in Beziehung gebracht.“ Und der Independent beschreibt die Europäer als Ignorant und bigott: „Den befragten Leuten wurden vier Fragen zum Nahostkonflikt gestellt. Fast ein Drittel erwies sich als ahnungslos. Nur 6,2 Prozent gaben die richtigen Antworten.“ Und in Europa sonnen sie sich alle in dem „Wissen“, dass die Amerikaner unwissend und ignorant sind!

Und damit keiner sagen kann, bei den Amis gäbe es keine Spinner: In der Zwischenzeit berichtet OC Weekly in Orange County, Kalifornien, dass Bill Baker, ein früherer Anführer der neonazistischen Volkspartei, „als Gastsprecher auf muslimischen Veranstaltungen in ganz Nordamerika wieder auftaucht“.

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TheMediaLine berichtet in ihrer Nachrichten-Email vom 04.05.2003:

Tony Blair von Vorwürfen ‚jüdischer Kontrolle‘ betroffen

Wie sein amerikanisches Gegenstück ist der britische Premierminister Tony Blair beschuldigt worden, sich von „einer Clique jüdischer Berater“ leiten zu lassen. Die Anschuldigung wurde von Parlaments-Abgeordneten Tam Dalyell von der Labour Party gemacht; heute berichtet der Londoner „Telegraph“ darüber. Nach dem Bericht bezog sich Dalyell besonders auf „Lord Levy, Tony Blairs persönlichen Nahost-Gesandten, Peter Mandelson, dessen Vater jüdisch war, und Jack Straw, den Außenminister, der jüdische Vorfahren hat, als die drei führenden personen, die Mr. Blairs Nahostpolitik beeinflussten.“ Der Abgeordnete beschuldigte Blair auch, er sei von der jüdischen Clique des amerikanischen Präsidenten George Bush beeinflusst, in die er Richard Perle, Paul Wolfowitz und den Präsidentensprecher Ari Fleischer einschloss. Die Bemerkungen von Dalyell kommen in der Folge eines berichteten Anstiegs antisemitischer Akte in Großbritannien.

Fragt sich nur, wann die Regierung ihrer Majestät – wie der französische Präsident – behauptet, es gäbe in Großbritannien keinen Antisemitismus. Allerdings halte ich Blair diesbezüglich für ehrlicher, auch wenn ich seine Politik gegenüber Israel zum Kotzen finde.

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Der große portugiesische Romancier Jose Saramago beschrieb Israels Invasion von Ramallah als „ein Verbrechen, das Auschwitz vergleichbar ist“. [heplev: Es kann auch sein, dass er sich damit Jenin meinte.]

In einem seiner langen, verschachtelten Sätze schrieb Saramago in der Madrider Zeitung „El Pais“ (in Englische übersetzt von Paul Berman in „The Forward“, 24.05.02):

„Geistig vergiftet von dem messianischen Traum eines Groß-Israel, das am Ende die expansionistischen Träume des radikalsten Zionismus erreichen wird; von der monströsen und tief verwurzelten ‚Überzeugung‘ kontaminiert, dass in dieser katastrophalen und absurden Welt ein Volker existiert, das von Gott auserwählt ist und dass, konsequenterweise, alles Handeln eines besessenen, psychologisch und pathologisch exklusivistischem Rassismus gerechtfertigt sind; ausgebildet und trainiert in der Vorstellung, dass jedes Leiden, das jemandem zugefügt worden ist oder zugefügt wird, immer hinter dem zurück bleiben wird, was sie selbst im Holocaust erlitten hatten, kratzen die Juden ohne Ende ihre Wunde auf, um sie weiter bluten zu lassen, sie unheilbar zu machen; und sie zeigen sie der Welt wie eine Standarte.“

Bitte genau hinschauen: Das delikat hinten eingestellte Subjekt dieses Satzes ist – „die Juden“. Nicht die rechtsextremen Juden, die militaristischen Israelis, die Zionisten, sondern „die Juden“. Auf einmal werden die Juden auf eine einzige karikierte (sollten wir sagen: hakennasige) Figur reduziert und wir werden in die hirnlose, ruinöse, abgrundtiefe, Bildersprache geworfen, die jeden noch so gering vernünftigen Menschen vor Schreck erschauern lassen sollte.

Anmerkung heplev: Mit anderen Worten: Saramago „outet“ sich mit solchen Bemerkungen als Antisemit! Und weil er Nobelpreis-Träger ist, wird ihm zugehört und wird er zitiert und seine Meinung verbreitet – und für richtig und bemerkenswert dargestellt.

Auszug aus Todd Gitlin: The Rough Beast Returns (Das rauhe Biest kehrt zurück), http://www.motherjones.com/web_exclusives/commentary/opinion/gitlin_june.html
Todd Gitlin ist Professor für Journalistik, Kultur und Soziologie an der New York University und Autor vieler Bücher über Medien und Soziologie.

Ein britischer Premierminister Corbyn? Die Juden und Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Vor drei Jahren grenzte die Vorhersage, dass der Labour-Unterhausabgeordnete Jeremy Corbyn eines Tages Premierminister des Vereinten Königreichs werden könnte, an Irrsinn.[1] Nach Angaben der heutigen Quoten der Buchmacher steht er nach dem rechts-konservativen Brexit-Befürworter Jacob Rees-Mogg auf Platz 2 der Favoriten.[2] Sollte Corbyn gewählt werden, dürfte das durchaus Folgen sowohl für die britischen Juden als auch Israel haben.

Angesichts dieser Möglichkeit ist es wichtig Corbyns Vergangenheit sowie auch Ereignisse den Antisemitismus und Antiisraelismus der Labour Party betreffend seit seiner Wahl zum Parteivorsitzenden im September 2015 zu analysieren. 2017 wurde eine Kurzdokumentation mit dem Titel „Whitewashed, Antisemitism in the Labour Party“[3] veröffentlicht, in der David Hirsh, ein britischer Soziologe und langjähriger Aktivist gegen Antisemitismus, die Bekundungen des Hasses gegen Juden und Israel in der Labour Party entlarvte.[4] Der Film beginnt mit Ausschnitten davon, wie Jeremy Corbyn von 2009 die arabischen Terrororganisationen Hisbollah und Hamas rühmt. Er nennt sie seine Freunde und heißt sie im Unterhaus willkommen. Sein verspätetes Bedauern dazu kann als fast irrelevant betrachtet werden.[5] Corbyns Vergangenheit schließt zudem finanzielle und aktive Unterstützung für die vom Holocaustleugner Paul Eisen geführte Gruppe Deir Yassin Remembered ein.[6]

Kurz nach seiner Wahl zum Labour-Vorsitzenden berief Corbyn zwei extrem antiisraelische Personen auf wichtige Parteiposten. Ken Livingstone, ehemaliger Bürgermeister von London, der eine anhaltende Geschichte des Schürens von Hass gegen Israel und die Juden hat, wurde zum Vizevorsitzenden des Verteidigungsausschusses der Partei ernannt.[7] Er wurde später von der Partei suspendiert, aber es wurde nie gegen ihn ermittelt. Inzwischen will er der Partei wieder beitreten.[8] Seamus Milne wurde zum Director of Strategy and Communications ernannt – mit anderen Worten, Corbyns Spin-Doktor. Dieser Hamas-Fan hat die Gründung Israels als „Verbrechen“ bezeichnet.[9] [10]

Im Februar 2016 trat Alex Chalmers, einer der beiden Vizevorsitzende des Oxford University Labour Club (OULC) von seinem Posten zurück. Er klagte, dass viele Mitglieder der Organisation „Probleme mit Juden hatten“.[11] Das führte zu einer Untersuchung durch das Parteimitglied Baroness Jan Royal. Das National Executive Committee (NEC) [der Parteivorstand] erlaubte die Veröffentlichung nur eines Teils ihres Berichts. Ein paar Monate später wurde er trotzdem allgemein zugänglich.[12]

Ed Miliband, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, war von 2010 bis 2015 Corbyns Vorgänger als Parteichef. Auch unter Miliband gab es extreme Bekundungen von Antiisraelismus, oft durch gewählte muslimische Repräsentanten, die gewöhnlich Wahlkreise mit vielen muslimischen Wählern vertraten. Äußerungen dieser Hassschürer erregten damals wenig Aufmerksamkeit.[13]

Corbyns Amtsantritt als Parteichef gab antisemitischen Hetzern das Gefühl, dass jetzt mehr erlaubt ist. Eine der extremsten Äußerungen kam von MP Naz Shah, die den Wahlkreis Bradford vertritt, eine Muslim-Hochburg. Sie schlug vor, Israel solle in die USA verlegt werden.[14] Shah entschuldigte sich und tat Buße. Dennoch nahm sie mit anderen Abgeordneten vor kurzem an einer Veranstaltung teil, die von Aktivisten organisiert wurde, denen Antisemitismus vorgeworfen wird.[15] Fühlt sie sich jetzt unverwundbar? Heutzutage werden in den Mainstream-Medien gelegentlich Nachrichten zu Antisemitismus in Labour-Ablegern veröffentlicht. Eine ganze Menge mehr davon dürfte die Medien vermutlich nie erreichen.

2016 versuchte Corbyn die Antisemitismus-Vorwürfe gegen seine Partei zu stoppen, indem er die Menschenrechtsaktivistin Shami Chakrabarti damit beauftragte einen Bericht zum Thema zu erstellen. Dieses im Juni desselben Jahres vorgelegte Dokument war höchst unprofessionell und zeigte, dass Chakrabarti wenig begriff, was Antisemitismus angeht. Ihre Glaubwürdigkeit wurde weiter untergraben, als sie kurz darauf auf Empfehlung von Corbyn Mitglied des Oberhauses wurde.[16]

Die jüdische Abgeordnete Luciana Berger hat tausende Hassmails erhalten; in einigen davon wurde ihr mit Mord gedroht. Das geschah in Reaktion auf ihre Kritik an der Ablehnung der Labour Party Antisemitismus zu verurteilen. Eine weitere jüdische Abgeordnete, Ruth Smeeth, erhielt 25.000 Schmähbotschaften. Zur jährlichen Labour-Konferenz im September 2016 erschien Smeeth mit einem Personenschützer.[17]

Eine Woche vor den Parlamentswahlen im Juni 2017 veröffentliche der Jewish Chronicle eine Meinungsumfrage. Diese stellte fest, dass 13% der jüdischen Wähler Labour unterstützten, während 77% sagten, sie hätten vor für die Konservativen zu stimmen. Die Wähler wurden weiter gebeten die Parteien auf einer Skala von 1 bis 5 zu bewerten. Je höher die Zahl, desto stärker bewertet man den Antisemitismus bei den Mitgliedern und gewählten Vertretern der Partei. Labour erhielt mit 3.94 die höchste Wertung. Die Anti-EU-Partei UKIP folgte mit 3.63. Die Liberaldemokraten erhielten 2.7 und die von Premierministerin Theresa May geführten Konservativen 1.96.[18]

Bei den Wahlen vom Juni 2017 schnitt Corbyn als Wahlkämpfer gut ab, während May schwach war.[19] Als May die Wahlen ansetzte, zeigten die Umfragen, dass die Konservativen viele Sitze gewinnen würden. Tatsächlich verlor die Partei ihre Mehrheit und war von der nordirischen Partei DUP abhängig, wollte sie eine Mehrheitsregierung bilden.[20]

Corbyn stärkt seinen Zugriff auf die Labour Party weiter. Seit Januar 2018 kontrolliert er das NEC.[21] Bald wird ein Corbyn-Anhänger zum Generalsekretär der Labour Party gewählt werden. Vor den nächsten Wahlen wird man versuchen viele moderate Labour-Abgeordnete durch Corbyn-freundliche Kandidaten zu ersetzen. Wenn Corbyn gewählt wird, wird er wahrscheinlich den nichtexistenten Palästinenserstaat anerkennen und eine Vielzahl anderer antiisraelischer Maßnahmen treffen. Bezüglich der vielen Missbräuche des Iran wird er viel toleranter sein als die Vereinigten Staaten.

Derweil bleibt für die britischen Juden eine ganze Menge Ungewissheit und Sorge. Wenn Corbyn Premierminister werden sollte, könnte das auch die Antisemiten und diejenigen ermutigen, die extreme physische Angriffe auf Juden verüben würden. Wenn solche Vorfälle ein paar Mal auftreten, könnte es langfristig weitere Auswanderung auslösen. Meinungsumfragen haben gezeigt, dass zum einen oder anderen Zeitpunkt ein Drittel der britischen Juden darüber nachgedacht haben das Land zu verlassen.[22]

[1] http://www.newyorker.com/news/news-desk/the-corbyn-supremacy

[2] http://www.oddschecker.com/politics/british-politics

[3] Reingewaschen: Antisemitismus in der Labour Party; http://www.youtube.com/watch?v=te684rBHzOA

[4] http://jewishnews.timesofisrael.com/howard-jacobson-labour-anti-semitism-at-whitewashed-film-launch/

[5] http://www.theguardian.com/politics/2016/jul/04/jeremy-corbyn-says-he-regrets-calling-hamas-and-hezbollah-friends

[6] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3187428/Jeremy-Corbyn-s-links-notorious-Holocaust-denier-revealed.html

[7] http://www.telegraph.co.uk/news/politics/labour/12002961/Ken-Livingstones-appointment-shows-Jeremy-Corbyns-contempt-for-his-MPs.html

[8] http://www.theguardian.com/politics/2018/feb/24/ken-livingstone-hitler-suspension-end-no-further-action

[9] http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/211571#.VzWK8_l967Q

[10] http://www.newstatesman.com/politics/media/2015/10/jeremy-corbyn-appoints-seumas-milne-head-strategy-and-communications

[11] http://cherwell.org/2016/02/15/oulc-cochair-resigns-citing-antisemitism-within-club/

[12] http://www.oxfordsu.org/asset/News/6013/Report_OUC_Final.pdf

[13] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18841

[14] http://www.businessinsider.com/labour-mp-naz-shah-has-resigned-after-saying-israel-should-be-relocated-to-the-us-2016-4

[15] http://www.thejc.com/news/uk-news/naz-shah-clive-lewis-labour-mps-attended-event-organised-by-activists-facing-antisemitism-claims-1.459187

[16] https://heplev.wordpress.com/2016/07/18/die-hoechst-unprofessionelle-untersuchung-des-britischen-labour-antisemitismus/

[17] http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/labour-membership-new-rules-abuse-online-jeremy-corbyn-trolling-a7319906.html

[18] www.thejc.com/news/uk-news/labour-support-just-13-per-cent-among-uk-jews-1.439325

[19] http://www.theguardian.com/politics/2017/jul/01/over-60-of-voters-view-theresa-may-as-pm-negatively-poll

[20] http://www.bbc.com/news/40575129

[21] http://www.telegraph.co.uk/politics/2018/01/15/momentum-founder-jon-lansman-elected-labour-party-nec-jeremy/

[22] http://www.dailymail.co.uk/news/article-4806578/One-British-Jews-considered-quitting-UK.html

Fehldiagnose eines ignoranten Antisemiten

Roger Waters ist voll des Lobes: Auf Facebook hebt er die neuseeländische Musikerin Lorde und die pal-arabische Terror-Teenie Ahed „Shirley Temper“ Tamimi in höchste Höhen: Sie seien mutige junge Frauen. Lorde, weil sie angeblich für Menschenrechte einsteht indem sie sich dem Druck beugt und einen Auftritt in Israel absagt. Tamimi, weil sie es „gewagt“ hat einen schwer bewaffneten israelischen Soldaten zu ohrfeigen.

Zu Lorde behauptete er, sie stehe „auf den Barrikaden zur Verteidigung von Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit“. Zu Tamimi hatte er noch anzumerken, dass „ihr Land seit 70 Jahren brutal besetzt“ ist – von einer Armee, deren einen Soldaten sie jetzt ohrfeigte.

Was sagt das über Roger Waters aus?

Nun, erstens ist er jemand, der brutal zweierlei Maß anlegt. Denn wenn er wirklich für die Menschenrechte eintreten will, warum gibt er dann gleich zwei Konzerte in Russland – das Land, das an seinen Nachbarstaaten knabbert, um dort Land zu „gewinnen“, auf Kosten der jeweiligen Bevölkerung, die unterschwelligen bis offenen Krieg über sich ergehen lassen muss. Das Land, das Schwule und Lesben verfolgt. Das Land, in dem willkürlich verhaftet, verurteilt und ins Gefängnis gesteckt wird, wer gegen den Präsidenten opponiert. Das Land, in dem kritische Stimmen durchaus einen plötzlichen, gewalttätigen Tod sterben, wenn sie sich nicht ein schüchtern lassen. Das Land, das dem syrischen Diktator das Überleben ermöglichte, indem eben nicht nur den IS bekämpft wurde, sondern alle, die Assad nicht passen massenhaft zerbombt werden – ohne Rücksicht auf Zivilisten, auch auf Gebäude wie Krankenhäuser.

Waters hat also nicht Menschenrechte auf der Fahne, sondern Israelhass, der sich auch bei ihm oft genug als Antisemitismus erweist.

Und was ist „mutig“ daran, dass eine Musikern sich dem Druck, den Drohungen, den Verleumdungen einer Bewegung beugt, die eindeutig antisemitisch ist? Mutig wäre gewesen, dem Druck standzuhalten und Waters et.al. den Stinkefinger zu zeigen. Ihm zu sagen, er solle sich um seinen eigenen Sch… kümmern. Stattdessen hat sie klein beigegeben, gekuscht. Das ist kein Mut.

Und Ahed Tamimi? Mut? Sie ist von ihren Eltern dahin erzogen worden alles zu tun, was provoziert – Soldaten, Juden, wen auch immer, der nicht vor dem arabischen Totalitarismus und Judenhass kuscht. Sie weiß es gar nicht anders, als so zu handeln. Das ist kein Mut. Und es ist erst recht kein Mut, weil sie weiß, dass die Kameras da sind und dokumentieren, was  passiert – und dass ihr dann eben nichts passiert, dass der Soldat das über sich ergehen lässt und ihr nicht eins in die Fresse gibt oder sie übers Knie legt, wie es sich für ein solches Gör gehören würde. Wenn jemand weiß, dass nichts passiert, wie viel Mut braucht diese Person dann, das zu tun, was sie tut/tat?

Was ist mit ihren Aufrufen zum Terrorkrieg gegen Israelis, Herr Waters? Ist das Mut? Ist das „Menschenrecht“? Haben die Juden keine Menschenrechte? Nur weil sie in Israel leben?

Wes Geistes Kind Roger Waters ist, zeigt sich in seiner Aussage, die israelische Armee besetze das Land von Ahed Tamimi seit 70 Jahren. Demnach ist ganz Israel eine einzige Siedlung und der Staat muss weg. Die Juden dürfen ihren Staat nicht haben. Dafür dürfen Araber Juden morden, wie sie wollen. Dafür ist jedes Mittel recht. Und ein Jude, der sich dagegen wehrt ermordet zu werden, ist ein Unterdrücker.

Nein, Roger Waters‘ moralischer Kompass befindet sich absolut im Irrlauf. Er ist ein Charakterschwein, wie es im Buche steht. Und natürlich selbstgerecht bis zum Geht-nicht-mehr. Denn ihn ficht Kritik nicht an, die lässt er a) nicht gelten und b) gar nicht erst an sich rankommen. Was ganz natürlich dazu führt, dass seine Diagnosen mit der Realität nichts zu tun haben.

Antizionisten – Fiktion und Fakten

Judean Peoples Front, Israellycool, 8. Dezember 2017 (Karikatur eingedeutscht)

Jeder, der mutig oder dumm genug ist die herauszufordern, die nicht nur israelische Politik kritisieren, sondern Juden in den sozialen Medien angreifen, hat mehr als wahrscheinlich als Reaktion von jemandem, der behauptet nur „antizionistisch“ zu sein, diese Karikatur zugeschickt bekommen

Abgesehen von der krass antisemitischen Symbolik der Karikatur selbst besteht das Problem darin, dass die Antizionisten nicht nur am „Ende der Besatzung“ arbeiten. Sie arbeiten daran den jüdischen Staat zu vernichten und als solche betreiben viele (sogar die meisten, aber nicht alle) klassischen Antisemitismus. Daher entschieden wir uns die Karikatur nachzubessern, um die Wirklichkeit besser zu spiegeln und zu helfen die Dinge richtigzustellen:

Downloaden und teilen!

Die angeblichen Pro-Palästinenser sind einfach nur Judenhasser

Barry Shaw, Facebook, 26. November 2017

Ich habe nie jemanden getroffen, der sich wirklich und echt um die Palästinenser schert, außer es ist mit einer Nabelschnur mit dem Hass auf Israel verbunden.

Die beiden sind derart miteinander zusammengeschweißt, dass man darüber nachdenken muss, was zuerst da war – das palästinensische Huhn oder das israelische Ei.

Diejenigen, die sich einer palästinensischen Sache annehmen, nutzen sie als Knüppel um auf Israel einzuschlagen. Zeigen Sie mir irgendjemanden, der die Palästinenser liebt ohne Israel zu hassen.

Ihre angebliche Liebe für die Palästinenser ist selektiv. Sie lieben sie nur, wenn Israel irgendwo in ihrem Narrativ lauert.

Sie lieben sie nicht ausreichend, wenn sie in Syrien, Ägypten, Jordanien, Kuwait und anderen Ländern missbrauch und von Arabern getötet werden, die behaupten Palästinenser zu sein. Sie schweigen. Ich frage mich warum.

Es gibt keine BDS-Kampagnen gegen Ägypetn wegen dessen Blockade des Gazastreifens. Kein Pro-Palästinenser protestiert vor syrischen Botschaften wegen dessen massenhaften Abschlachtens von in Syrien lebenden Palästinensern. BDS hat nichts über Apartheid-Jordanien zu sagen, das die palästinensischen Araber 70 Jahre lang unter Flüchtlingsstatus gehalten hat, seit 1948. Noch schlimmer ist: Sie schweigen gegenüber der palästinensischen Autonomiebehörde, die  in den von ihnen kontrollierten und verwalteten  Gebieten Flüchtlingslager unterhält!

Wie kann man palästinensischer Flüchtling sein, wenn man unter der Kontrolle der palästinensischen Autonomie lebt?

Machen Sie sich selbst einen Reim drauf, denn ich habe keine Antwort. Vielleicht ja BDS?

Menschen, die sich keinen Deut um die Kurden, Jesiden oder Drusen kümmern, brüllen und kreischen wegen der Verfassung der Palästinenser.

Wenn Besatzung ihr Thema ist, warum gibt es keine Boykott-Kampagnen gegen die zweihundert Länder, die ein Besatzungsproblem haben? Sie tun nichts, um gegen die Besatzung Nordzyperns oder kurdischem Gebiet zu protestieren. Oder gegen Marokkos Besatzung der Westsahara. Wie kommt es, dass nur Israel sie verrückt machen kann?

Diesen tief sitzende Hass, der gegen Israel eitert, gibt es nur zu Israels als Nationalstaat des jüdischen Volks.

Es ist eine exklusive Verachtung, die sich gegen alle Vernunft und Logik richtet; und sie zeigt sich in den Unwahrheiten, die Perversion der Fakten, der Geschichte und der Ritualmordvorwürfe, mit denen Juden nach Jahrhunderte ähnlicher Verleumdung nur allzu vertraut sind.

Denn im dunklen Herzen dieser Pro-Palästinenser ist antiisraelische Gehässigkeit Antisemitismus.