Der Mythos vom Arabischen Juden

Post- und Antizionisten ignorieren weiterhin, was die meisten Juden in arabischen Ländern aufgewachsene Juden sagen und fühlen, weil „Diskriminierung“ von Mizrahim als nützlicher Knüppel zum Einprügeln lauf den Zionismus dient.

Lyn Julius, Israel HaYom, 27. August 2019

Jeder, der mit dem wachsenden akademischen Feld der Mizrahi/Sephardisch-Studien (mizrahi: orientalisch, aus dem Nahen Osten; sephardisch: aus dem Spanien vor der Inquisition kommend) mithalten will, kann nicht anders als festzustellen, dass die überwiegende Mehrheit der Arbeiten sich auf angeblicher „Diskriminierung“ oder „Rassismus“ durch das aschkenasische Establishment konzentriert.

Typisch dafür ist die Arbeit einer Sarah Louden, „Israelischer Nationalismus: die Konstrukte des Zionismus und seine Auswirkungen auf interjüdischen Rassismus, Politik und radikalen Diskkurs“. Sie hat 455 Ansichten, mehr als jede andere Arbeit ihres Genres. Sie hält sich nicht mit Angriffen auf den „Rassismus“ des Zionismus zurück. Ihre Quellen sind fast ausschließlich mizrahische Antizionisten wie Ella Shohat.

Shohat ist Professorein an der New York University; sie machte sich einen Namen mit der Anwendung von Edward Saids Orientalismus-Theorie auf Israel und behauptete, dass sowohl Mizrahi-Juden als auch Araber Opfer des Westens (der Aschkenasim) sind.

Von mizrahischen Juden und Arabern wird angenommen, dass sie mehr miteinander gemeinsam haben als Juden aus dem Osten mit Juden aus dem Westen. Mizrahim, behaupten Shohat und Ihresgleichen, wurden vom Zionismus und Kolonialismus aus ihrer komfortablen „arabischen“ Umgebung gerissen und zu unfreiwilligen Feinde verwandelt.

Diese Akademiker nehmen weitgehend an, dass Mizrahi-Juden in Israel dem Likud und rechten Parteien anhängen, um sich beim von der Arbeitspartei dominierten ascheknasischen Establishment zu „revanchieren“.

Aber Louden und die andere wie sie erwähnen kaum einmal das Offensichtliche: Die unterschwellige Erinnerung an arabische und muslimische Verfolgung, die Eltern und Großeltern aus der arabischen Welt vertrieben hat.

Ist es nicht plausibel, dass Mizrahi-Juden die Raketenangriffe und Bombenanschläge, die Israel nur als letztes Kapitel einer langen Geschichte arabischen und muslimischen Antisemitismus heimsuchen, betrachten? Dass sie für den Likud stimmen, weil sie glauben, dass nur die Rechte die notwendige harte Antwort liefern kann?

Darüber hinaus verwenden westliche Akademiker fast unausweichlich den Ausdruck „arabische Juden“. Der Begriff tritt im Titel eines Buches von Prof. Sasson Somekh auf: „The Last Arab Jew“ (Der letzte arabische Jude).

Somekh starb letzte Woche. Weit links stehende Medienseiten betrauern ihn weiter als einen „arabischen Juden“.

Der 1933 in Bagdad geborene Somekh veröffentlichte zwei Autobiografien. Die erste, „Baghdad, Yesterday: The Making of an Arab Jew“ (Bagdad gestern: Die Entstehung eines arabischen Juden) behandelte sein Leben im Irak; die zweite, „Life After Baghdad: Memoirs of an Arab-Jew in Israel“ (Das Leben nach Bagdad: Memoiren eines arabischen Juden in Israel), behandelt sein Leben im jüdischen Staat.

Somekh war der Guru der Studien der Arabischen Literatur an der Universität Tel Aviv und verbrachte zwei Jahre in Kairo, wo er ein enger Freund des ägyptischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Naguib Mahfouz wurde, dessen Werk Somekh beansprucht einem größeren Publikum näher gebracht zu haben.

Einige der Jünger Somekhs in der Fakultät für Arabische Literatur der Universität Tel Aviv waren Antizionisten der Art von Somekh, aber Somekh betrachtete sich nie als arabischen Juden in ihren Begrifflichkeiten.

Er sagte Almog Behar, einem seiner früheren Studenten: „Die Tendenz bei führenden Mizrah-Intellektuellen der jüngeren Generation von sich als arabischen Juden zu sprechen, ist in erster Linie eine politische Position; heißt: Ihr Wunsch scharf gegen den Gefühl der Diskriminierung zu protestieren, von dem sie das Gefühl haben, sie richtet sich gegen die Mizrahim. Sie wollen tatsächlich ihre Abneigung herausstellen Teil des zionistischen Bestandes des Staates zu sein. Ich habe kein Problem mit diesen Haltungen, aber für mich ist das nicht die Art, wie die arabisch-jüdische Identität definiert wird.“

Für Somekh ist ein „arabischer Jude“ die „kulturelle Definition eines Juden, der Arabische spricht und in einem muslimischen Umfeld aufwuchs“. Er wollte betonen, dass „seine Identität aus seinem Blickwinkel als Person stammt, die in einer arabischen Kultur aufwuchs und sich weiterhin mit dieser Kultur beschäftigt“.

Der Irak war eines der wenigen arabischen Länder, in denen Juden eine führenden Rolle in der arabischen kulturellen und literarischen Renaissance der 1920-er und 1930-er Jahre einnahmen.

„Ich bin der letzte arabische Jude“, sagte Somekh. „Deshalb schrieb ich ‚Baghdfad, Yesterday‘ um das Leben eines jüdisch-arabischen Kinders zu dokumentieren. Jeder, der sich als arabische Jude definiert, um andere zu attackieren, der aber kein Arabisch spricht … zählt nicht als solcher. Ich definiere mich zwar selbst nicht als Zionisten, wenn Zionist zu sein bedeutet, dass alle Juden herkommen sollten, aber ich bin ein israelischer Patriot.“

Mit anderen Worten: Somekh betrachtete sich selbst nicht als ethnischen Araber, sondern als einen israelischen Juden mit Affinität für die arabische Kultur.

Ein weiterer Professor arabischer Herkunft, Reuven Snir von der Universität Haifa, stimmte zu: Juden, die im 20. Jahrhundert Literatur auf Arabisch schrieben, verspürten keine Notwendigkeit sich zu Arabern zu erklären, sagte er.

Eine Konferenz, die vor rund 10 Jahren von irakischen Juden veranstaltet wurde, lehnte den Ausdruck „arabischer Jude“ als Identitätskennzeichen lautstark ab. Die überwiegende Mehrheit der Juden aus der arabischen Welt hat sich historisch nicht als Araber identifiziert – sie würden sogar von einem solchen Etikett vor den Kopf gestoßen sein.

Aber post- und antizionistische Akademiker schlagen das in den Wind, was die meisten in arabischen Ländern aufgewachsenen Juden sagen und fühlen, solange „Diskriminierung“ von mizrahischen Juden als nützlicher Knüppel dient, mit dem man auf den Zionismus einprügeln kann.

Schon mal gemerkt, dass nur zionistische Reisen nach Israel „ausgewogen“ ein müssen, aber antizionistische Reisen nicht?

Elder of Ziyon, 4. September 2019

Einer der unaufrichtigsten Teile davon, dass Gruppen wie IfNotNow fordern zu zionistischen Organisationen wie Birthright müssten einen antizionistischen Standpunkt beinhalten, besteht darin, das niemand – und ich meine wirklich: niemand – jemals daran denkt, höflich zu fordern, dass sogenannte „propalästinensische“ Gruppen das zionistische Narrativ in ihren Diskussionen einbeziehen.

Der Grund dafür kommt in einem kleinen Artikel auf der PLO-Internetseite auf. Eine Delegation Studenten und Professoren der Universität Glasgow und einer Universität in Kalifornien nahmen an einem „Bildungsprogramm zu Geschichte, der Sache der Palästinenser und israelischer Verstöße gegen unser Volk und Verletzungen des internationalen Rechts“ in diesem Sommer teil.

Fordert irgendjemand, dass die PLO diesen Studenten und Professoren erlaubt mit Israelis zu sprechen, ganz zu schweigen von jüdischen Siedlern?

Schon die Idee ist absurd. Denn absolut niemand erwartet von Palästinenser ausgewogen zu sein oder fair oder unvoreingenommen. Niemand fordert, das berücksichtigen, dass israelische Standpunkte irgendwie Gültigkeit haben oder dass sie das Recht haben konnten laut ausgesprochen zu werden.

Birthright gibt Studenten eine Gelegenheit Fragen zur palästinensischen Sicht zu stellen und zu erfahren. Lassen die antiisraelischen Reisen – ob von de rPLO oder von Breaking the Silence oder der International Solidarity Movement – auf ihren Reisen ähnliche Gelegenheiten zu?

Wir alle kennen die Antwort. Nach Angaben all dieser sogenannten Progressiven müssen zionistische Gruppen ein antizionistisches Narrativ einbinden und auch antizionistische Gruppen müssen ein antizionistisches Narrativ lehren. Prozionistische Stimmen müssen zum Schweigen gebracht oder übertönt werden, denn nur eine Seite hat überhaupt Legitimität, folgt man diesen Leuten, die sich selbst dazu gratulieren, wie unvoreingenommen sie sind – in eine Richtung.

Antizionisten – Fiktion und Fakten

Judean Peoples Front, Israellycool, 8. Dezember 2017 (Karikatur eingedeutscht)

Jeder, der mutig oder dumm genug ist die herauszufordern, die nicht nur israelische Politik kritisieren, sondern Juden in den sozialen Medien angreifen, hat mehr als wahrscheinlich als Reaktion von jemandem, der behauptet nur „antizionistisch“ zu sein, diese Karikatur zugeschickt bekommen

Abgesehen von der krass antisemitischen Symbolik der Karikatur selbst besteht das Problem darin, dass die Antizionisten nicht nur am „Ende der Besatzung“ arbeiten. Sie arbeiten daran den jüdischen Staat zu vernichten und als solche betreiben viele (sogar die meisten, aber nicht alle) klassischen Antisemitismus. Daher entschieden wir uns die Karikatur nachzubessern, um die Wirklichkeit besser zu spiegeln und zu helfen die Dinge richtigzustellen:

Downloaden und teilen!

Fotofälschung der Woche: Grausamkeit gegenüber palästinensischen Frauen

Aussie Dave, Israellycool, 9. August 2017

Die Facebookgruppe Palestine Will Be Free liebte ihre antiisraelischen Darstellungen und hier ist eine, die sie letzte Woche veröffentlichten (und allein auf Facebook fast 350-mal geteilt wurde).

Eines Tages…
wird Palästina frei sein.
Und die bittere Geschichte der Grausamkeit israelischer Soldaten
gegenüber palästinensischen Frauen wird verschwunden sein.

Sie haben eindeutig die Bildbeschreibung weggelassen, als sie den Eintrag erstellten:

Sebastian Scheiner/Associated Press – Ein israelischer Soldat zog gestern in Hebron zwei jüdische Siedlerinnen von einem umstrittenen Gebäude weg. Sicherheitskräfte stürmten das Gebäude, um rund 200 Hardline-Siedler zu entfernen, die es seit März 2007 besetzten, als ein Handel es zu kaufen fehlschlug. (Sebastian Scheiner/Associated Press)

Und hier ist das Problem: Sie mussten den wahren Kontext des Fotos kennen, also haben sie bewusst gelogen. So, wie ihre Israelhasser-Kollegen es immer wieder tun.

‘Tschuldigung, habe ich Israelhasser gesagt? Mein Fehler.

Text über dem Bild:
Wer hat die Kontrolle? Zionistische Macht. 9 Arten von Zionisten sich die Welt zu greifen
Poster:
Wer hat wirklich die Kontrolle?
Die US-Notenbank und die Wall Street
Internetspionage
Hollywood und Fernsehen
Gerichte
Krebsindustrie
Pornografie
Kriege für Israel
Sexhandel
gefälschte Opposition

Eine Antwort an die neuen Antizionisten: Die Rechte des jüdischen Volks auf einen souveränen Staat in ihrer historischen Heimat

Dore Gold und Jeff Helmreich, Jerusalem Viewpoints Nr. 507, 16. November 2003


  • Eine neue Kritik an Israel schlägt seine Beseitigung und Ersetzung durch einen binationalen palästinensisch-israelischen Staat vor. Israels neue Kritiker bezweifeln die Legitimität jüdischer Eigenstaatlichkeit, obwohl sie nichts zur Gültigkeit Dutzender neuer Staaten sagen, die im letzten halben Jahrhundert entstanden und von denen vielen jegliche verwurzelte nationale Identität fehlt. Der neue Angriff auf Israels Existenzrecht als jüdischer Staat trägt besonders ironische Züge, weil die jüdische Nationalität tausende Jahre vor dem Aufkommen der meisten modernen Nationalstaaten bestand.
  • Die modernen Kritiker der jüdischen Eigenstaatlichkeit vernachlässigen die Tatsache, dass der Ausdruck israelischer Gemeinsamkeit – wie der vieler Staaten in der ganzen Welt – in keiner Weise die Rechte seiner Minderheiten angehörenden Staatsbürger verletzt, die gleiches Recht unter dem Gesetz und dem politischen System genießen. Sie ignorieren auch, dass diese Form des nationalen Ausdrucks nicht einmalig ist; die meisten Staaten identifizieren sich auf formale Weise mit dem religiösen oder kulturellen Erbe ihrer zahlenmäßig überlegenen Gemeinden. Trotzdem wird nur Israel zur Kritik ausgewählt.
  • Israel ist der einzige im letzten Jahrhundert gegründete Staat, dessen Rechtmäßigkeit nicht nur durch den Völkerbund, sondern auch die Vereinten Nationen anerkannt wurde. Das Völkerbund-Mandat schuf nicht die Rechte des jüdischen Volkes auf eine nationale Heimstätte in Palästina, sondern erkannte viel mehr ein schon existierendes Recht an – denn die Verbindungen des jüdischen Volkes zu ihrem historischen Land waren den Führern der Welt des letzten Jahrhunderts bekannt und von ihnen akzeptiert.
  • Bis 1864 entstand in Jerusalem eine klare jüdische Mehrheit – mehr als ein halbes Jahrhundert bevor das britische Empire und das Völkerbund-Mandat ankamen. In den Jahren, in denen die jüdische Präsenz in Eretz Israel wieder hergestellt wurde, fand ein riesiger arabischer Bevölkerungszustrom statt, weil arabische Immigranten die Vorteile höherer Löhne und wirtschaftlicher Chancen nutzen wollten, die durch die jüdische Besiedlung des Landes entstanden. Präsident Roosevelt schloss 1939, dass „arabische Immigration nach Palästina seit 1921 die totale jüdische Immigration in der gesamten Zeit weit überschritt“.
  • Israels neue Kritiker wollen jüdische nationale Rechte delegitimisieren, indem sie argumentieren, deren Behauptung sei eine Erweiterung des europäischen Imperialismus. In Wirklichkeit fochten jüdische Untergrundbewegungen in den 40-er Jahren einen antikolonialistischen Krieg gegen die fortgesetzte britische Herrschaft. Israel war eine antiimperialistische Macht, als es gegründet wurde, während die arabischen Staaten mit imperialistischen Mächten verbündet waren und ihre Armeen vom französischen und vom britischen Reich ausgebildet und versorgt wurden.
  • Vor 1967 gab es keine aktive Bewegung zur Bildung eines einzigartig palästinensischen Staates. 1956 sagte Ahmed Schugairy, der acht Jahre später die PLO gründen sollte, dem UN-Sicherheitsrat: „Es ist allgemein bekannt, dass Palästina nichts anderes ist als Süd-Syrien.“ In den frühen 60-er Jahren betrachteten die Palästinenser Ägyptens Abdul Nasser genauso als ihren Führer wie jeden anderen Palästinenser. Vor diesem historischen Hintergrund ist es unmöglich zu sagen, dass die Palästinenser einen Anspruch auf das Land Israel haben, der dem der Juden vorrangig sei, wie es Israels Kritiker geltend machen.
  • Der neue Angriff auf Israel gründet zum Teil auf der Ignoranz der jüdischen Geschichte in der heutigen, stark säkularisierten Welt. Er kommt aber auch aus der neuen antisemitischen Welle, die sich in einer Meinungsumfrage der Europäischen Kommission widerspiegelt, die Israel als das Land aufzeigt, das von den meisten Europäern als eine Bedrohung des Weltfriedens angesehen wird. Der Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi – anspielend auf den antisemitischen Unterbau, der zu dem Ergebnis der Umfrage führte – sagte, „dem Ausmaß gegenüber, dass dies ein tieferes, generelleres Vorurteil gegenüber der jüdischen Welt andeuten könnte, stellen wir unsere noch radikalere Abscheu entgegen.“

Die neuen Antizionisten

Obwohl Israel seine Existenz vor mehr als fünfzig Jahren erreichte, hat sich eine neue und heimtückische Kritik auszubreiten begonnen, die erneut die Rechtmäßigkeit der Gründung Israels als jüdischem Staat attackiert. Die neue Linie kommt nicht aus Teheran oder Riyadh, sondern erstaunlicherweise von größtenteils europäischen Intellektuellen und bestimmten Stimmen am äußersten Rand der amerikanischen Linken; sie tauchte kürzlich im „Guardian“ und der „New York Review of Books“ auf. Sie schlägt die Beseitigung Israels vor und wird gemeinhin von Forderungen begleitet, an seiner statt einen binationalen palästinensisch-jüdischen Staat zu schaffen.1 Die neuen Antizionisten beginnen ausnahmslos mit der Behauptung, dass es keine jüdischen Rechte auf Souveränität in Israel gäbe oder dass auf jeden Fall der jüdische Nationalismus von Natur aus ungerecht ist.

Kurioserweise wird diese Kampagne nicht durch entsprechende Fragen zur Validität anderer der mehr als 190 Mitgliedstaaten der UNO begleitet, ob sie Israel nun ähneln oder nicht. Es gibt keine derartige Untersuchung der Ministaaten Europas – von Liechtenstein bis zum Vatikan – oder der afrikanischen Viel-Stämme-Staaten, von denen viele zusammenbrechen. Genauso wenig gibt es ein Infrage stellen der Rechte ausdrücklich katholischer, protestantischer oder muslimischer Staaten in ihrer Existenz. Die ausschließliche Konzentration auf Israel wirft Besorgnis erregende Fragen über die wahren Motive dieser Kommentatoren auf. Michael Gove, stellvertretender Herausgeber der „Times of London“ merkte neulich an: „Ich weiß nicht, wie Zeitungen damit durch kommen können. Man kann den Staat Israel kritisieren, aber zu sagen, es sollte ihn nicht geben, ist etwas völlig anderes. Damit legt man an die Juden ein anderes Maß an, als auf jeden anderen.“2

Gleichermaßen bemerkenswert vermeidet der Angriff auf die jüdische Eigenstaatlichkeit bei aller Konzentration auf Israel die geringste Berücksichtigung der Besonderheiten des Falls Israel. Die Angreifer versäumen es, die rechtlichen und politischen Konsequenzen des nationalen Ausdrucks Israels als jüdischem Staat bezüglich seiner Nichtjuden, religiöser und rassischer Gleichstellung oder der zivilen und politischen Gleichstellung zu untersuchen (vielleicht, weil sie keine finden). Sie ignorieren ebenfalls die besonderen historischen Umstände und Gefahren, die die Notwendigkeit aufbrachten, dass Israel sich als jüdisch identifiziert. Kurz gesagt, es ist ein Angriff auf Israel ohne Berücksichtigung der Kosten, des Nutzens oder der Einzigartigkeit der jüdischen Eigenstaatlichkeit – eigentlich ohne überhaupt eine Grundlage zu haben. Das wird nach einer kurzen Untersuchung der Geschichte, des Gesetzes und der Fakten um Israels Existenz als jüdischem Staat klar.

Rechte der Staaten und die Rechte Israels

Das internationale Recht tritt traditionell dafür ein, dass politische Einheiten, um als Staat definiert zu werden, vier Punkte erfüllen müssen: Erstens muss es ein Volk geben; zweitens muss es Territorium geben; drittens muss es eine Regierung geben; und viertens muss es die Möglichkeit geben, Beziehungen mit anderen Staaten einzugehen. Im Eintreten für die Aufnahme Israels in die UNO argumentierte der US-Repräsentant 1948 im UN-Sicherheitsrat, dass Israel diese vier Bedingungen erfüllt. Fakt ist, dass die neuen Attacken auf Israels Rechte besonders ironische Züge tragen, das die jüdische Nationalität schon tausende Jahre vor dem Aufkommen der meisten modernen Nationalstaaten bestand. Und dennoch hat der heutige Diskurs Zweifel an der Grundlage jüdischen Volk seins und der Verbindung des jüdischen Volkes zu Israels Territorium geschaffen. Ob der neue Angriff auf Israel ein Nebenprodukt der radikalen Säkularisierung gewisser Intellektuellen-Kreise ist, die keine Ahnung von jüdischer Geschichte haben, oder ob er einem wieder geborenen, heimtückischen Antisemitismus entstammt, sein Handlanger ist die allgemeine, bezüglich der einzigartigen Wurzeln Israels ungezügelten Ignoranz.

Der jüdische Anspruch auf Souveränität im Land Israel (Eretz Israel, Palästina) kam im letzten Jahrhundert wegen dreier zentraler Gründe auf:

  • Erstens war es kein neuer Anspruch, sondern ein neu zum Ausdruck gebrachtes historisches Recht, das nie abgegeben oder vergessen worden war. Selbst nach der Zerstörung des letzten jüdischen Staates im ersten Jahrhundert behielten die Juden ihre eigenen, autonomen politischen und rechtlichen Institutionen bei: Die davidische Dynastie wurde in Bagdad bis ins dreizehnte Jahrhundert durch die Herrschaft des Exilarchen (Resch Galuta) erhalten, während die Rückkehr nach Zion in die am weitesten praktizierten jüdischen Traditionen eingegangen ist, einschließlich dem Ende des Yom-Kippur-Gottesdienstes und der Sederfeier am Passah, wie auch in täglichen Gebeten. Auf diese Weise wurden historische jüdische Rechte im jüdischen historischen Bewusstsein am Leben erhalten.
  • Zweitens wurde die Sicherheitslage für das jüdische Volk in der Diaspora völlig untragbar, weil die Bedrohung durch antisemitische Verfolgung und Angriffe im 20. Jahrhundert mit der Androhung der tatsächlichen Vernichtung – oder Völkermord – ersetzt wurde, demonstriert durch den Holocaust. Diese Bedrohung konzentrierte sich ursprünglich auf Europa, breitete sich aber bald in den Nahen Osten aus, wo unabhängige, neue arabische Staaten begannen, ihre alt hergebrachten jüdischen Gemeinschaften als europäische Fremde zu betrachten und systematisch deren grundlegende Menschenrechte verletzten, entweder durch Verweigerung von Schutz oder durch Konfiszierung ihres Eigentums. Vom Ritualmord-Vorwurf von Damaskus 1840 bis zum Pogrom gegen die Juden von Bagdad 1941 brach die früher bestehende, unsichere arabisch-jüdische Koexistenz noch vor dem Aufkommen des Staates Israel zusammen. Weit davon entfernt sich aufzulösen, bleibt die Gefahr fanatischen Antisemitismus bestehen; deshalb wird ein starker jüdischer Staat gebraucht, der als letzte Zuflucht für bedrohte Juden, wo auch immer, dienen kann. Das jüdische Volk hat gelernt, dass es nicht in einen Zustand der Machtlosigkeit zurückkehren darf.
  • Drittens drohte die stetige Zunahme der Assimilation die jüdischen Gemeinden weltweit zu eliminieren. Die Existenz des jüdischen Staates, dessen öffentliche Kultur auf den einzigartigen Praktiken des jüdischen Volkes basiert, ist die beste Garantie für jüdische Kontinuität – religiös wie nicht-religiös – und die Geburt einer neuen jüdischen Zivilisation, die weiterhin ihre Leistungen zur Weltgemeinschaft beisteuern.3

Israels historische Grundlage: Die ungebrochene jüdische Verbindung zum Land Israel

Israel ist der einzige im letzten Jahrhundert gegründete Staat, dessen Rechtmäßigkeit vom Völkerbund wie auch den Vereinten Nationen anerkannt wurde.4 Das von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs ausgegebene Völkerbund-Mandat schuf nicht die Rechte des jüdischen Volks auf eine nationale Heimstatt in Palästina, sondern erkannte ein bereits bestehendes Recht an, denn die Verbindungen des jüdischen Volkes zu seinem historischen Land waren im vorher gehenden Jahrhundert wohl bekannt und von den Führern der Welt von Präsident Joseph Adams über Napoleon Bonaparte bis zum britischen Außenminister Lord Palmerston akzeptiert.5 Diese Rechte wurden von der Nachfolge-Organisation des Völkerbundes, den Vereinten Nationen, unter Artikel 80 der UN-Charta aufrecht erhalten. Die alte, sogar biblische Verbindung des jüdischen Volkes mit dem Land Israel wurde in der jüdisch-christlichen Tradition als historisches Axiom akzeptiert.

Vom rechtlichen Standpunkt her ergab sich die Gelegenheit, dieses historisch anerkannte Recht wahrzunehmen. Seit 1517 hatte Eretz Israel unter der Souveränität des ottomanischen Reichs gestanden; als die Ottomanen 1918 den Briten unterlagen, übergaben sie die Souveränität über ihre asiatischen Territorien außerhalb der Türkei im Vertrag von Sevres. Ein Souveränitäts-Vakuum war geschaffen, in dem der historische Anspruch des jüdischen Volkes erhoben werden konnte. Die Juden hatten aber viel früher schon begonnen, ihn zu erheben.

Seit dem Verlust des zweiten jüdischen Staates an die römischen Legionen im Jahre 70 n.Chr. und der Zerstörung des Tempels in Jerusalem hat das jüdische Volk nie seine Verbindung zum Land Israel (Palästina) verloren. Das Land wurde nicht von einer anderen Nation als Heimat gefordert, sondern war eine Provinz anderer großer Reiche. Der angesehene Nahost-Historiker Bernard Lewis schrieb:

Vom Ende des jüdischen Staates in der Antike bis zum Beginn der britischen Herrschaft war das jetzt mit dem Namen Palästina bezeichnete Gebiet kein Land und hatte keine Grenzen, nur Verwaltungseinteilungen; es war eine Gruppe provinzieller Unterteile einer größeren Einheit und nie gleich.6

In der Zwischenzeit hörte das jüdische Volk nie auf, seinen Anspruch auf das Land auszuüben. Lewis merkt an: „Es gab durch die Jahrhunderte hindurch eine ständige Bewegung von Juden ins Heilige Land.“7 135 n.Chr. nahmen die Juden am Bar Kochba-Aufstand gegen das imperiale Rom teil und erklärten Jerusalem wieder zu ihrer Hauptstadt. Nach ihrer Niederlage gegen die brutalste aller römischen Legionen unter dem Kommando Kaiser Hadrians war es Juden fast 500 Jahre lang verboten in Jerusalem zu leben. Einmal im Jahr, am 9. Tag des hebräischen Monats Av war es ihnen erlaubt, an den Überbleibseln ihres zerstörten Tempels an einer Stelle zu weinen, die „Klagemauer“ genannt wurde. Inzwischen benannten die römischen Behörden Judäa in Palästina um, damit die Erinnerung an jüdische Eigenstaatlichkeit ausgelöscht würde.

In dieser Zeit verschob sich das nationale jüdische Zentrum von Judäa nach Galiläa, wo zwischen dem Mittelmeer und den Golanhöhen hunderte Synagogen gebaut wurden. Das jüdische Recht wurde dann in den Mischnah von Juda Ha-Nasi kodifiziert. Trotz der katastrophalen Verluste an jüdischem Leben in den Kriegen gegen die Römer bildeten Juden im vierten Jahrhundert immer noch die Bevölkerungsmehrheit Galiläas. Im obergaliläischen Dorf Pek’in bestand eine kontinuierliche jüdische Präsenz von der Zeit der Römer bis zur Entstehung des Staates Israel.

Mit der Niederlage des oströmischen Reichs (Byzanz) durch die persischen Armeen im Jahr 614 nahm das jüdische Volk Jerusalem wieder ein und machte es kurzzeitig wieder zu seiner Hauptstadt. Die byzantinische Herrschaft wurde bald wieder hergestellt und die Juden erneut gezwungen Jerusalem zu verlassen, bis die Byzantiner 638 von den islamischen Armeen des Kalifen Omar geschlagen wurden, der die Stadt wieder für jüdische Besiedlung öffnete. Eretz Israel wurde Teil der erfolgreichen muslimischen Reiche – der Raschidun (den unmittelbaren Nachfolgern des Propheten Mohammed, der von Medina aus regierte), der Omayyaden (die von Damaskus aus herrschten), der Abbassiden (die von Bagdad aus regierten) und der Fatimiden (die von Kairo aus regierten).

Unter dem Islam waren die Juden als „Volk des Buchs“ geschützt, aber trotzdem gezwungen diskriminierende Steuern zu zahlen, die Jizya (Kopfsteuer) und die Kharaj (Bodensteuer). Die drückende Last dieser beiden Steuern führte zu einem Verlust der jüdischen Kontrolle des Landes in Galiläa innerhalb der ersten Jahrhunderte islamischer Herrschaft. Während der Besatzung Eretz Israels durch die Kreuzfahrer wurden viele Juden abgeschlachtet, besonders in Jerusalem. Trotzdem forderte der große jüdische Gelehrte und Poet Rabbi Yehuda Halevi (1075 – 1141) immer noch die Massen-Immigration der Juden in das Land Israel.8

Die Anfänge der jüdischen Erholung in Eretz Israel begannen mit der Niederlage und dem Rauswurf der Kreuzfahrer 1187 durch den kurdischen Muslim-Krieger Saladin, der, wie Kalif Omar, den Juden erlaubt, sich wieder in Jerusalem niederzulassen. Zwischen 1209 und 1211 z.B. kamen 300 Rabbiner aus Frankreich und Südengland, um sich in Jerusalem anzusiedeln, sobald das wieder sicher getan werden konnte. Ihnen schlossen sich Rabbiner aus Nordafrika und Ägypten an. Der große jüdische Gelehrte Nachmanides (Ramban) baute 1267 in Jerusalem eine Synagoge, die in der Altstadt heute noch steht.

Im dreizehnten Jahrhundert stellten jüdische Familien die Gemeinde in Safed wieder her, die bis zum 16. Jahrhundert das Studienzentrum des jüdischen Mystizismus werden sollte. Verstärkt durch ihre steigende Zahl, zeigten die Juden wieder mehr Durchsetzungsvermögen bezüglich ihres Anspruchs auf Jerusalem, so dass der Papst Schiffskapitänen 1428 verbat Juden nach Palästina zu bringen.9 Trotz der Härten kehrten weiter Juden zurück. Der große Kommentator der Mischnah, Ovadia Bartinura, verließ Italien, um sich 1488 in Jerusalem niederzulassen; sein Grab liegt am Fuß des Ölbergs.

Der Zustrom von Juden in das ottomanische Reich (1517 übernahmen die Ottomanen die Kontrolle von Eretz Israel) durch die spanische Inquisition 1492 führte zu einer substantiellen Ausdehnung der jüdischen Präsenz in Safed, Hebron und Tiberias, wo Sultan Suleiman der Prächtige seinem portugiesisch-jüdischen Ratgeber Don Joseph Nais Land für die jüdische Wiederansiedlung zuteilte. Noch vor dem Aufkommen des modernen, politischen Zionismus strömten beständig Juden aus dem Jemen und Litauen ins Land, zu denen in den Jahren 1809 – 1811 die Studenten des halakhitischen Gelehrten Vilna Gaon gehörten. Bis 1864 gab es in Jerusalem eine klare jüdische Mehrheit, mehr als ein halbes Jahrhundert vor der Ankunft des britischen Empire, der Ausgabe der Balfour Declaration und der Erstellung des Völkerbund-Mandats.

Zu den palästinensischen Arabern gehören Wellen arabischer Einwanderer

Während der Wiederherstellung der jüdischen Präsenz im Land Israel war der überwältigende Eindruck westlicher Besucher des 19. Jahrhunderts, dass es nur wenige arabische Einwohner gab. Der britische Generalkonsul James Finn schrieb 1857: „Das Land ist zu einem beträchtlichen Teil ohne Einwohner.“ Er fügte an, dass „das größte Bedürfnis des Landes eine Einwohnerschaft“ sei.10 Mark Twain besuchte Eretz Israel 1867, bereiste das Jesreel-Tal und ließ wissen: „In seiner ganzen Weite gibt es nicht ein einziges Dorf.“11 Arthur Penrhyn Stanley, der große britische Kartograph, kam 1881 zu ähnlichen Schlussfolgerungen: „In Judäa ist es kaum übertrieben zu sagen, dass es Meile um Meile kein Zeichen von Leben oder Bewohnung gab.“12

Geographen haben lange geschlussfolgert, dass es unwahrscheinlich ist, dass „mehr als ein kleiner Teil der derzeitigen arabischen Bevölkerung Palästinas von den alten Einwohnern des Landes abstammt“; tatsächlich war Palästina, entsprechend ihrer Analyse, „bevölkert von den wandernden Bevölkerungen Arabiens und zu einem gewissen Ausmaß von den Hinterlassenschaften seiner Häfen.“13 Darüber hinaus siedelten die Ottomanen muslimische Bevölkerung als Puffer gegen Beduinen-Angriffe an; Ibrahim Pasche, der Herrscher Ägyptens, brachte in den 1830-er Jahren mit seiner Armee ägyptische Kolonialisten mit. Es ist bemerkenswert, dass der gebräuchliche palästinensische Name al-Masri, der von einem Clan in Nablus benutzt wird, buchstäblich „der Ägypter“ bedeutet.“14

Trotzdem hält die Palästinensische Befreiungsorganisation den Mythos aufrecht, der von Yassir Arafat bei den Vereinten Nationen 1974 auf der Weltbühne eingebracht wurde, dass „die jüdische Invasion [Palästinas] 1881 begann“. Zudem behauptete er, dass es bereits eine große einheimische, arabische Bevölkerung gab, als die Juden ankamen. Seine implizite Botschaft war, dass es vor Ort eine fest installierte palästinensische Gesellschaft vor Israels Wiedergeburt gab, eine Gesellschaft, die Rechte hatte, die über denen der zurückkehrenden Juden standen.

Nun ist aber klar, dass in den Jahren der Wiederherstellung der jüdischen Präsenz in Eretz Israel ein riesiger arabischer Bevölkerungszustrom aus den benachbarten Ländern statt fand, weil arabische Immigranten den Vorteil höherer Löhne und wirtschaftlicher Chancen zu nutzen suchten, die durch die jüdische Besiedlung des Landes entstanden. Präsident Franklin Delano Roosevelt schloss 1939, dass „arabische Immigration nach Palästina seit 1921 die totale jüdische Immigration in der gesamten Zeit weit überschritt“.15

Die Wiederherstellung Israels war kein Produkt des europäischen Imperialismus

Ein weiteres gängiges Argument, das von der PLO vorgebracht wird, ist: Israel sei in Wirklichkeit das Produkt europäischen Imperialismus und daher keine legitime nationale Bewegung an sich. Das Ergebnis war, dass der Zionismus in der arabischen Welt als „hyperaggressive Variante des Kolonialismus“ dargestellt wurde.16 Diese Wahrnehmung ist auch in den Diskurs der europäischen Kritiker Israels eingedrungen. Es ist wahr, dass die Idee eines wieder hergestellten jüdischen Heimatlandes ursprünglich ihren stärksten Schub aus der Erklärung des britischen Außenministers Lord Balfour von 1917 erhielt, der seine Schaffung forderte, nachdem die Briten das ottomanische Reich besiegten. Die Ironie ist, dass in den Folgejahren, während des britischen Mandats über Palästina, die europäische (und besonders die britische) imperiale Politik die Entstehung einer nationalen jüdischen Heimstatt verhinderte.

Zuerst einmal wurde das Territorium Transjordaniens aus dem Palästina-Mandat herausgeschnitten und von den Briten der Haschemiten-Dynastie Arabiens abgegeben, die ihre alt hergebrachte Heimat, den Hedschas, an den saudischen Clan aus dem östlichen Arabien verlor. Zweitens versuchten die Briten, das verbleibende Territorium des westlichen Palästina weiter zu teilen, in einen jüdischen und einen arabischen Staat, was das Gebiet für jüdische Besiedlung weiter verkleinerte. Schließlich beschränkten die Briten mit dem Weißbuch von 1939 die jüdische Einwanderung ausgerechnet dann, als Nazideutschland seine Eroberung Europas und seinen Holocaust gegen das europäische Judentum begann.

In diesem Zusammenhang überrascht es nicht, dass jüdische Untergrundbewegungen in den 1940-ern einen antikolonialen Krieg gegen die fortgesetzte britische Herrschaft führten. Mit anderen Worten: Israel war antikolonialistisch, als es entstand. Im Gegensatz dazu standen die arabischen Staaten der damaligen Zeit auf Seiten der imperialen Mächte. Die arabischen Staaten, die den neu geborenen Staat Israel überfielen, waren vom französischen und britischen Reich ausgebildet und ausgerüstet worden. Während Israels Unabhängigkeitskriegs kommandierten britische Offiziere die Arabische Legion Transjordaniens, während die Royal Air Force in der Verteidigung ägyptischen Luftraums 1949 über der Sinai-Halbinsel gegen die israelische Luftwaffe kämpfte. Und die Nationen der Welt rührten nicht einen Finger, als die Juden Jerusalems umzingelt waren und sich der Vernichtung gegenüber sahen, obwohl die UNO die Internationalisierung der Stadt forderte. Nur die israelischen Streitkräfte durchbrachen die Belagerung Jerusalems und retteten seine jüdischen Einwohner. Kurz gesagt: Die jüdische Unabhängigkeit in Israel wurde von einer einheimischen und im Land heimischen Gemeinschaft gewonnen, die in Selbstverteidigung ohne große Hilfe von außen handelte.

Ist die jüdische Staatsbürgerschaft diskriminierend?

Heute argumentieren manche, dass Israel Gründung als jüdischer Staat bereits nicht jüdische Israelis diskriminiert, sie sogar – wie ein jüngst erschienener Artikel behauptet – zu Bürgern zweiter Klasse machen.17 Eine solche Behauptung ist nicht nur vollkommen falsch, wie jeder Student des israelischen Rechts oder der Politik weiß; sie verdreht schlimm die harmlose – und eigentlich schöne – Art, in der Staaten die Identität ihrer großen Gemeinden widerspiegeln oder ihrer Gründungsgeschichte Tribut zollen können, ohne die Rechte der einzelnen Bürger zu verletzen. Israels Kritiker gehen zu weit, wenn sie den einfachen Ausdruck der israelischen Gemeinschaft in flammende Mäntel religiöser Diskriminierung stecken wollen.

Fast jedes Land der Welt rühmt sich einer Mehrheitsgemeinschaft und fast alle zeigen die kulturelle Identität dieser Gemeinschaft auf die eine oder andere Weise. Die USA feiern offiziell christliche Feiertage; viele europäische Länder identifizieren sich entweder als katholisch oder protestantisch und viele muslimische Länder bezeichnen sich unumstritten als „Islamische Republik“, ob sie nun demokratisch sind oder nicht. Für manchen ist eine solche Identifizierung einfach ein Signal der spirituellen Überzeugung der Mehrheit; für andere ist es eine Homage an die Grundlagen des Landes. Es ist nichts offensichtlich Falsches an solchem Ausdruck.

Es ist in der heutigen multikulturellen Umgebung, mit einer Renaissance öffentlicher Wertschätzung kommunaler Identität, ein Anachronismus anzudeuten, dass allein im Fall Israels kommunale Identifikation problematisch ist. Man kann sich nur wundern, warum der Ausdruck jüdischer Nationalität, ohne diskriminierendes Beiwerk, so einzigartig schwer zu ertragen ist.18 Vielleicht entstammt der Grund der Geschichte der Opposition zur jüdischen Eigenstaatlichkeit: sie wurde zuerst von den arabischen Nationalisten und islamischen religiösen Radikalen aufgebracht, die gegen jüdische Herrschaft auf dem waren, was sie „arabischen Boden“ nannten. Diese Gegnerschaft, wenn auch in der Rhetorik palästinensischer Gruppen wie Hamas heute weit verbreitet,19 ist in der westlichen politischen Diskussion weit gehend inakzeptabel. Das zwingt ihre Vertreter, ihre antiisraelische Feindseligkeit in universelle Sprache von Recht und Gleichheit umzuformulieren. Und doch hat Israels Selbstverständnis als jüdischer Staat, so bequem dieses Ziel auch sein mag, wie die gemeinschaftliche Identifikation eines jeden anderen Staats wenig Gewicht in Fragen von Recht und Gleichheit.

Der wichtige Punkt ist nicht, ob ein Staat sein Gemeinwesen annimmt, sondern wie in Wirklichkeit in ihm Unterschiede gemacht werden. Sind Minderheits-Angehörige vom Gesetz her gleich gestellt? Können Sie ihre eigene Kultur öffentlich und in Gemeinschaft leben? Haben sie die gleichen Möglichkeiten, an der Macht beteiligt zu sein und im System repräsentiert zu werden, vielleicht sogar die Möglichkeit, zur Mehrheit zu werden? Kurz gesagt: Sind sie Staatsbürger erster Klasse?

Für nicht jüdische Staatsbürger Israels ist die Antwort auf all diese Fragen: „Ja. Uneingeschränkt.“ Arabische Israelis sind vor dem Gesetz jüdischen Bürgern gleich gestellt; sie haben dieselben Rechte und werden rechtlich vor Diskriminierung geschützt. Nichtjuden erfreuen sich aller Freiheiten, die die Demokratie anerkennt, einschließlich Religionsfreiheit, der freien Ausübung des Glaubens, Gleichberechtigung in finanziellen, materiellen und Arbeitsgelegenheiten, politischer Macht und aller juristischen Rechte. Und in der Tat verlangt die Unabhängigkeitserklärung nichts weniger. Die Erklärung besagt: der jüdische Staat „wird die vollständige Gleichberechtigung bezüglich der sozialen und politischen Recht aller seiner Einwohner sicher stellen, ohne Ansehen von Religion, Rasse oder Geschlecht; er wird die Freiheit von Religion, Bewusstsein, Sprache, Ausbildung und Kultur garantieren; er wird die Heiligen Stätten aller Religionen sichern.“ Die arabischen Staatsbürger Israels haben Positionen in Israels Oberstem Gerichtshof erreicht und haben machtvolle Parteien in die israelische Knesset gewählt, die voll am politischen Leben Israels teil haben.

Manche Kritiker Israels nutzen das Wesen des parlamentarisch-politischen Systems Israels – oft mit fragwürdigen Motiven – aus, um die arabischen Staatsbürger fälschlich als verletzbare Minderheit darzustellen. Das sind sie in der Tat – aber nur insofern, wie alle Minderheiten in einer parlamentarischen Regierung außerhalb der Regierungskoalition einige Nachteile haben. In Israel gibt es ein lebhaftes System bestimmter Gemeinschaften, die Seite an Seite leben, oft für dieselbe begrenzte Versorgung der weit gehend sozialisierten nationalen Wohlfahrt und Hilfsprogramme konkurrieren. Israelische Araber stehen z.B. mit anderen Minderheiten in Wettstreit, die normalerweise nicht bis an die Spitze kommen – ultraorthodoxe Juden, russische Einwanderer und religiöse Sephardim. Dass einige dieser Gruppen manchmal besser fahren als andere, zeugt nicht von Diskriminierung, es zeigt nur, wie das System arbeitet.

Am wichtigsten ist aber, dass die Nachteile politischer Minderheiten in Israel nichts mit Israels zeremonieller Identifikation als jüdischer Staat zu tun haben. Ihre Situation wird sich ändern, falls und sobald Israels sich in eine System proportionaler Repräsentation verändert, in dem jede Minderheit eine Partei für sich hat, in ein bezirksabhängiges Wahlsystem. Viele Israelis unterstützen einen solchen Wandel, obwohl der auch Unzulänglichkeiten hat. Aber selbst in der derzeitigen, nicht perfekten politischen Realität sind jüdische und arabische Staatsbürger vor dem Gesetz gleich.

All das leugnet nicht, dass Israel einen besonderen Auftrag als jüdischer Staat hat – aber einen, der die Rechte seiner nicht jüdischen Bürger nicht betrifft. Israel wurde als Zuflucht für jüdische Flüchtlinge aufgebaut, die Verfolgung entkommen wollen. Der legendäre israelische Staatsmann Abba Eban bezog sich auf diesen Aspekt Israels als einem Fall „internationaler Förderung von Minderheiten“, weil es entworfen wurde, um einen innewohnenden Nachteil zu korrigieren, den eine bestimmte Gruppe durch die Geschichte hindurch erleiden musste, die ihnen die Gleichberechtigung versagte. Unglücklicherweise brauchten die Juden immer noch einen Zufluchtsort vor Verfolgung. Aus diesem Grund verdienen die Diaspora-Juden die besondere Behandlung, die sie diesbezüglich erhalten. Als die jüdische Gemeinde Äthiopiens im Bürgerkrieg von 1991 wehrlos dem Angriff bewaffneter Partisanen gegenüber stand; oder als Argentiniens Juden in der jetzigen Wirtschaftskrise zum Sündenbock gemacht wurden; oder als sowjetische Juden vor dem Kommunismus flohen, öffnete allein Israel bedingungslos seine Toren. Juden, die in Israel Zuflucht suchen, gewährt der Staat sofort die Staatsbürgerschaft. Ein Nichtjude hat dasselbe Recht und dieselbe Gelegenheit Israels Staatsbürgerschaft zu erwerben, wie es von jedem anderen Land angeboten wird, einschließlich der USA. Und als Staatsbürger erfreut er oder sie sich aller Rechte und Privilegien, die Israels Gesetz und Regierung der Mehrheit seines Volkes gewährt, auf dem Prinzip der Gleichheit, das jetzt im Grundgesetz des Landes und dem Gewebe seiner politischen Kultur eingraviert ist.

Israelische Rechte gegen palästinensische Rechte

Trotzdem sagen Kritiker, ungeachtet der seinen nicht jüdischen Bürgern gewährten Rechte, Israel aus verschiedenen Gründen Übles nach: dass die Palästinenser einen größeren Anspruch auf nationale Souveränität über dasselbe Land haben. Diese Behauptung muss separat untersucht werden. Besonders, ob es vor Israels Gründung einen besonderen palästinensischen Nationalismus gab, der um einen eigenen Platz im Land stritt.

Die palästinensischen Araber betrachteten sich ursprünglich im frühen 20. Jahrhundert als Teil einer größeren arabischen Nationalbewegung. Lange Zeit in der ersten Hälfte des letzen Jahrhunderts wollten sich die arabischen Staaten vereinigen, während sie verschiedene Pläne für die arabische Einheit unterstützten. Im Arabischen gibt es zwei Bezeichnungen für Nationalismus: „qawmiyah“ – Loyalität gegenüber der arabischen Nation als Ganzem und „wataniyah“ – Loyalität gegenüber dem Land, in dem man wohnt. Jahrzehnte lang war „qawmiyah“ für die palästinensischen Araber bei weitem wichtiger.

Bernard Lewis hat z.B. geschrieben, dass die palästinensischen Araber zwar ein wachsendes Gefühl der Identität mit ihrem Kampf gegen die jüdische Einwanderung in den 1930-er Jahren hatten, „ihre Grundempfindung gemeinschaftlicher historischer Identität aber immer noch auf den verschiedenen Ebenen eine muslimische oder arabische oder – für einige wenige – syrische war; es ist bedeutsam, dass es sogar 1948, am Ende des Mandats, nach 30 Jahren separater politischer Existenz Palästinas praktisch keine Bücher auf Arabisch über die Geschichte Palästinas gab.“20

Mehr noch: Der Teilungsplan von 1947 beschrieb die Palästinenser weiter als „Araber“ und forderte einen „arabischen Staat“ in Palästina neben einem jüdischen Staat. Im Mai 1956 erklärte Ahmed Schuqairy, der acht Jahre später die PLO gründen würde, vor dem UN-Sicherheitsrat: „Es ist allgemein bekannt, dass Palästina nichts anderes ist als Süd-Syrien.“21 In den frühen 1960-ern schauten viele Palästinenser mehr auf Ägyptens Gamal Abdel Nasser als ihren Führer, als auf irgendeinen Palästinenser. Es gab vor 1967 keine aktive Bewegung der Palästinenser, die Westbank von Jordanien oder den Gazastreifen von Ägypten abzutrennen, um einen eigenen palästinensischen Staat zu schaffen. Heute entsteht eine dritte Quelle der Loyalität unter den palästinensischen Arabern, die mit der Hamas oder dem Islamischen Jihad verbunden sind – Loyalität gegenüber der islamischen Nation oder „Umma“. Hamas ist schließlich der palästinensische Zweig der Muslim-Bruderschaft, einer Organisation mit pan-islamischen Ambitionen.

Trotzdem erkennt Israel an, dass heute eine einzigartige palästinensische nationale Identität existiert. Aber vor dem historischen Hintergrund ist es unmöglich zu zeigen, dass palästinensischer Nationalismus einen Anspruch auf das Land Israel gibt, der dem der Juden überlegen ist.

Welche politische Einheit die Palästinenser auch immer aus Teilen der Westbank und dem Gazastreifen entsteht, sie könnte sich gut und gerne entscheiden, in zehn oder zwanzig Jahren eine Föderation mit dem haschemitischen Königreich Jordanien einzugehen, wo es bereits jetzt eine palästinensische Mehrheit gibt. Auf dem Balkan ist es z.B. für die Europäer schwierig, die Zukunft von Bosnien oder dem Kosovo vorauszusehen. Wird die Bevölkerung dort anstreben, sich mit Staaten zu vereinigten, die dieselbe ethnische Zusammensetzung haben, so dass Kroaten in Bosnien sich mit Kroatien zusammenschließen, während die Kosovaren die Einheit mit Albanien suchen? Dieselbe langfristige Frage trifft auf die palästinensischen Gebiete unter Arafat zu.

Die andauernde Notwendigkeit der jüdischen Eigenstaatlichkeit

Eine einzigartig jüdisch-demokratische Gesellschaft wird es auf jeden Fall in Israel weiter geben, die als lebenswichtiger Fluchtpunkt für Juden dient, die Antisemitismus in Frankreich, Russland, Südamerika oder dem Jemen ausgesetzt sind. Israel bleibt das einzige Land, dass jüdische Einwanderung bedingungslos erlaubt. In ein paar Jahren wird Israel die größte jüdische Gemeinde der Welt sein. Nur die Armee des jüdischen Volkes, die Israel Defense Forces, kann diese Gemeinschaft beschützen.

Mancher meint, dass Juden nicht länger den existenziellen Bedrohungen ausgesetzt sind, die der Antisemitismus einst bereit hielt. Es wird sogar angedeutet, dass der heutige Antisemitismus durch Israels Politik verursacht wird, statt dass diese ihm entgegen wirkt. Aber die jüngsten Erfahrungen von Juden in Äthiopien, Argentinien und in Europa, gemeinsam mit den abscheulichen Verleumdungen über das Weltjudentum durch islamische Leiter wie Malaysias Mohammed Mahathir zeugen von der Falschheit dieser Euphorie. Antisemitismus hat es seit Jahrhunderten gegeben, lange bevor der Staat Israel aufkam. Es könnte eher gesagt werden, dass es nicht die Realität israelischer Politik ist, die den neuen Antisemitismus verursacht, sondern eher die Vorurteile europäischer Redakteure, die schwer wiegend antiisraelische Fotos, aus dem Zusammenhang gerissen, als Titelseiten-Inhalte verbreiten, während sie die schweren Massaker herunter spielen, wie sie sich z.B. in Afrika ereignen.

Heute sind Führer der Welt bereit zuzugeben, dass die harsche Kritik, die an Israel geübt wird, auf ältere, antisemitische Wurzel zurückzuführen ist. Romano Prodi, Präsident der Europäischen Kommission, sagte z.B. – als er eine neue Meinungsumfrage kommentierte, die zeigte, dass Israel von den meisten Norma-Europäern als das Land angesehen wird, das den Weltfrieden am stärksten bedroht – das Ergebnis „zeige auf die fortbestehende Existenz von Einseitigkeit, die von vorne herein verurteilt werden muss“ und gehe „so weit, dass es ein tiefer gehendes, allgemeineres Vorurteil gegen die jüdische Welt andeute, dem gegenüber unsere Ablehnung noch radikaler ist.“22

Es gibt sogar einen antisemitischen Strang, der in der radikalen Opposition zur Globalisierung aufgekommen ist, die jetzt Juden als eine Art transnationaler wirtschaftlicher Kraft angreift und sie in erschreckend bekannten Begriffen für wirtschaftliche Umwälzungen verantwortlich macht. Die antisemitische Bedrohung lebt leider – und lebt gut.

Aber nicht nur die Sicherheit der Juden steht auf dem Spiel, sondern auch die Fortsetzung der jüdischen Existenz. Durch die jüdische Geschichte hinweg wurde nationale Unabhängigkeit als Bedingung jüdischer Selbstverwirklichung angesehen.23 Erlösung wurde an die Idee der Rückkehr geknüpft. Aus diesem Grund stärkte die Wiedergeburt Israels die jüdische Identität. Eine Umkehr der jüdischen Unabhängigkeit würde ganz klar den gegenteiligen Effekt haben. So, wie die Dinge stehen, wird jüdische Kreativität zukünftig zunehmend aus Israel kommen, wenn der jüdische Staat als Hauptzentrum jüdischen Lebens entsteht. So, wie das jüdische Volk in der Diaspora einst zum Wachstum der modernen Zivilisation im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert beitrug, wird es die jüdische Zivilisation in Israel sein, die die Schlüsselquelle jüdischer Beiträge zur Weltgesellschaft im einundzwanzigsten Jahrhundert sein. Ein starker jüdischer Staat ist für den Schutz des Fortbestehens der jüdischen Identität und seinem Platz im Weltgeschehen lebenswichtig.

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Anmerkungen:

1. Tony Judt: Israel: The Alternative. New York Review of Books, Bd. 50, Nr. 16, 23. Oktober 2003.
2. Lawrence Marzouk: UK Media Blasted Over Israel. Bernet & Potters Bar Times (UK), 29. Oktober 2003; http://www.barnettimes.co.uk/features/newsfeatures/display.var.427956.0.uk_media_blasted_over_israel.php
3. Ruth Gavison: On the Jewish Right to Sovereignty. Azure, Sommer 2003.
4. Rede von Premierminister Netanyahu vor der UNO-Vollversammlung, 24. September 1998. Außenministerium: http://www.mfa.gov.il/mfa/go.asp?MFAH0h3f0
5. Benjamin Netanyahu: A Place Among the Nations: Israel and the World. New York, Bantam, 1993, S. 14-15. Um eine historische Perspektive zu erhalten, sollte man Ben Gurions erste Prämisse bedenken, die Hauptpflichten der Juden für dieses Land, die er am 7. Januar 1937 der Peel-Kommission gegenüber vorstellte: „Ich sage im Auftrag der Juden, dass die Bibel unser Auftrag ist; die Bibel, die von uns geschrieben wurde, in unserer eigenen Sprache, in Hebräisch, in genau diesem Land. Das ist unser Mandat. Einfach nur die Anerkennung dieses Rechts wurde in der Balfour-Erklärung ausgedrückt.“
6. Bernard Lewis: The Palestinians and the PLO. A Historical Approach. Commentary, Januar 1975, S. 32.
7. Bernard Lewis: Semites and Anti-Semites: An Inquiry into Conflict and Prejudice. New York, Norton, 1999, S. 164.
8. Arie Morgenstern: Dispersion and the Longing for Zion, 1240-1840. Azure, Winter 2002.
9. ebenda
10. Alan Dershowitz: the Case for Israel. Hoboken, John Wiley & Sons, S. 26.
11. Mark Twain: The Innocents Abroad. New York, Oxford University Press, 1996, S. 349.
12. Netanyahu: A Place Among the Nations. S. 38-40.
13. Palestine: A Study of Jewish, Arab, and British Policies. New Haven, Yale University Press und Esco Foundation for Palestine, Inc., 1947, Bd. 1, S. 463-464.
14. Joseph Alpher: Israel and the Palestinians: What Everyone Should Know About the Conflict. Reform Judaism, Herbst 2002, Bd. 31 Nr. 1.
15. Netanyahu: A Place Among the Nations, S. 36.
16. Mortimer B. Zuckerman: Graffiti on History’s Walls. U.S. News & World Report, 3. November 2003.
17. Judt: Isarel: The Alternative.
18. Dennis Prager, Joseph Telushkin: Why the Jews? New York, Touchstone, 2003, S. 170
19. Hama-Führer schwören, den Kampf gegen Israel voran zu treiben (Hamas Leaders Vow to Press Fight Against Israel), Washington Post, Kurzberichte, 27. Dezember 1999, S. A16
20. Bernard Lewis: Semites and Anti-Semites, S. 186.
21. Harris O. Schoenberg: Mandate for Terror: The United Nations and the PLO. New York, Shapolsky Publishers, 1989, S. 59.
22. Ed O’Loughlin: Europe Apologizes to Israel for Poll. The Age (Australien), 5. November 2003.
23. Marvin Fox: Jewish Power and Jewish Responsibility. In: Daniel J. Elazar (Hg).: Jewish Education and Jewish Statesmanship. Jerusalem Center for Public Affairs, Jerusalem 1996, S. 60

 

An die Antisemiten – Satirisches, Nachdenkliches und Witze (1) – Wie bitte? Antisemiten? Wer, wir Antizionisten?

Steven Plaut (Der Originaltext erschien an mehreren Orten und kann z.B. hier gelesen werden)

Wie bitte? Antisemiten? Wer, wir Antizionisten? WIR? Wer haben nichts gegen Juden an sich. Wir hassen lediglich den Zionismus und die Zionisten. Wir glauben, dass Israel nicht das Recht hat zu existieren. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben. Der Himmel möge uns beistehen. Bei Marx, das gibt’s nicht. Wir sind Humanisten. Progressive. Friedliebend.

Antisemitismus ist Judenhass. Antizionismus ist die Opposition zu Zionismus und der israelischen Politik. Die beiden haben nichts miteinander zu tun. Wie Venus und Mars, Tag und Nacht. Vertraut uns.

Sicher, wir glauben, dass das einzige Land auf der Erde, das ausgelöscht werden muss, Israel ist. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Sicher, Sicher, wir glauben, dass die einzigen Kinder dieser Erde, die in die Luft zu jagen in Ordnung ist, wenn es einer guten Sache dient, jüdische Kinder sind. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Sicher, wir glauben, dass Palästinenser, die legitime Klagen führen, dazu berechtigt sind, Massenmord an Juden zu begehen. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Natürlich glauben wir, dass das einzige Volk der Erde, dem es niemals erlaubt werden sollte das Recht auf Selbstverteidigung auszuüben, die Juden sind. Juden sollten die Aggression gegen sich nur durch Kapitulation lösen, nie durch Selbstverteidigung. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir verurteilen rassistische Apartheid im einzigen Land des Nahen Ostens, das KEIN rassistischer Apartheidstaat ist. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir lehnen die Anerkennung der Juden als Volk ab und glauben, das sei nur eine Religion. Wir haben keine Antwort auf die Frage, warum Menschen, die die jüdische Religion NICHT praktizieren, trotzdem als Juden gelten. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir glauben, dass alle Völker das Recht auf Selbstbestimmung haben, mit Ausnahme der Juden, aber einschließlich des angeblichen palästinensischen Volks. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir hassen es, wenn die Verantwortung auf die Opfer abgewälzt wird, außer natürlich, wenn man die Juden für die Jihads und Terrorkampagnen gegen sie verantwortlich macht. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir glauben, dass das einzige Land des Nahen Ostens faschistisch und antidemokratisch ist, dasjenige ist, das freie Wahlen abhält. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir verlangen, dass das einzige Land des Nahen Ostens mit Redefreiheit, freier Presse und unabhängigen Gerichten vernichtet wird. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir stellen uns gegen militärische Aggression, außer wenn sie gegen Israel gerichtet ist. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir verstehen wirklich die Selbstmord-Bomber, die ganze Busladungen jüdischer Kinder ermorden; und wir bestehen darauf, dass ihre Forderungen komplett erfüllt werden. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir glauben, dass der einzige Konflikt auf dieser Erde, der durch die Verstümmelung einer der Parteien gelöst werden sollte, der ist, an dem Israel beteiligt ist. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir glauben nicht, dass Juden irgendwelche Menschenrechte haben, die respektiert werden müssten, insbesondere nicht das Recht mit einem Bus zu fahren ohne ermordet zu werden. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Es gibt jüdische, linke Antizionisten und wir betrachten das als Beweis, dass Antizionisten unmöglich antisemitisch sein können. Nicht einmal diejenigen, die jubeln, wenn Juden in Massen ermordet werden. Das sind die einzigen Juden, von denen wir glauben, dass man ihnen Anerkennung zollen oder sie respektieren sollte. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir glauben nicht, dass Mord beweist, wie richtig und gerecht die Sache des Mörders ist, außer wenn es um die Ermordung von Juden geht. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir glauben nicht, dass Juden ein Recht auf einen eigenen Staat haben, sondern sich als Minderheit in einem Ruanda-artigen „binationalen Staat“ unterordnen müssen, obwohl von keinem anderen Staat auf der Welt, einschließlich der 22 arabischen Staaten, in gleicher Weise erwartet wird, dass er seiner Souveränität beraubt werden sollte. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir glauben, dass eine jüdische Mehrheit und ein Stern auf seiner Flagge Israel zu einem rassistischen Apartheidstaat macht. Wir glauben nicht, dass eine ethnisch-religiöse Mehrheit oder Kreuze oder Halbmonde oder „Allahu Akbar“ auf der Flagge zu haben, irgendeinen anderen Staat rassistisch macht oder er deswegen verstümmelt werden müsste. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir verurteilen die „Misshandlung“ von Frauen im einzigen Land des Nahen Ostens, in dem sie nicht misshandelt werden. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir verurteilen die „Misshandlung“ von Minderheiten im einzigen Land des Nahen Ostens, in dem Minderheiten NICHT brutal unterdrückt und in Massen ermordet werden. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir verlangen gleiche Bürgerrechte, weshalb das einzige Land des Nahen Ostens, das ausgelöscht werden muss, das ist, in dem es diese Rechte gibt. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wir haben keine Probleme mit der Tatsache, dass es keinem der arabischen Länder Religionsfreiheit gibt. Aber wir sind verteufelt wütend über Israel, das Religionsfreiheit verletzt – egal, dass wir nie genau wissen, wo oder wann es das tut. Aber das heißt nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Wie kann man als überhaupt sagen, wir seien Antisemiten? Wir sind bloß Antizionisten. Wir streben nach Frieden und Gerechtigkeit, das ist alles. Und das heißt sicher nicht, dass wir irgendetwas gegen Juden an sich haben.

Antizionisten: die stolzen antirassistischen Rassisten

Daniel Robert Krygier, The Times of Israel, 14. Juli 2015

Antizionisten tendieren dazu mit Entrüstung auf den Hinweis der Vorwürfe von Antisemitismus zu reagieren. Das ist verständlich, da Antizionisten sich als Speerspitze gegen Rassismus und Ungerechtigkeit verstehen. Wie könnten sie Antisemiten sein, wenn einige ihrer „besten Freunde“ Juden sind? Wir wollen mal ignorieren, dass diese „besten Freunde“ eine verschwindende Minderheit des Weltjudentums darstellen und dass ihre angebliche „jüdische Identität“ sich hauptsächlich darin beweist, dass sie gegen alles Jüdische sind, besonders aber gegen einen winzigen Teil Land an der östlichen Mittelmeerküste, den man als Israel kennt.

Antizionisten weinen, wenn sie Schindlers Liste ansehen und an den Holocaust erinnern, während sie warnen Israel beginge „Völkermord“ im Gazastreifen und bedrohe die Menschheit. Egal, dass – anders als die Juden Europas – die Bevölkerung des Gazastreifens sich vervierfacht hat – zu einem großen Teil wegen der ständigen Zuflusses grausamer zionistischer humanitärer Hilfe, Lebensmittel und Gesundheitsfürsorge. Mathematik ist in der Schule nie ein Stärke der Antizionisten gewesen.

Geschichte auch nicht. Dieser Splitter Land, den die Antizionisten als „ausländisches zionistisches Gebilde“ bezeichnen, ist mit 3.000 Jahren durchgängiger jüdischer Geschichte getränkt und war nie die Heimat einer anderen Nation als der der Juden. Antizionisten wissen es besser und bejammern die „Besatzung“ der „eingeborenen palästinensischen Nation“, deren stolze und angebliche Geschichte immer noch von Archäologen entdeckt werden muss. Der römische Eroberer Hadrian, der der Urheber des Begriffs „Palästina“ als Ablehnung des sturen Gebildes Judäa war, hat vermutlich nie erwartet, dass sein intellektueller Spross der heiß begehrte Name einer vielgestaltigen Gruppe Arabisch sprechender Immigranten des 19. und 20. Jahrhunderts werden würde, die irgendwie über Nacht zu seit undenkbaren Zeiten „Eingeborenen“ wurden.

Viele warten immer noch erwartungsvoll darauf, dass der Saeb Erekat, der Erzähler der „Arabischen Nächte“, aufzeigt, in welchem Jericho seine Vorfahren vor 10.000 Jahre lebten. Praktischerweise ist die Tatsache vergessen, dass Erekats Familie während des letzten Jahrhunderts ankam – wie die meisten arabischen Einwanderer in das Land Israel angezogen von der von den bösen zionistischen Juden verurschten wirtschaftlichen Wiederbelebung. Hundert Jahre oder Zehntausend Jahre, welchen Unterschied machen ein paar Nullen schon unter Freunden? Die Welt umarmt Erekats angeblich friedlichen Boss Abbas, dessen Fachgebiet Holocaustleugnung und eingebildete Moderatheit sind. Abbas spricht von der Notwendigkeit das zionistische „Krebsgeschwür“ mit Millionen ausländischer Araber auszuspülen und das mit einer gütigen Eloquenz, dass ihm das einen Job einem heiß begehrten amerikanischen Waschmittel-Werbespot einbringen würde.

Geografie ist ein weiteres Fach, das die Antizionisten in der Schule schwänzten. Wenn der Nahe Osten und Nordafrika ein Fußballstadion wären, würde das angebliche gigantische zionistische Imperium sich bedrohlich entlang der Linie zwischen zwei Torpfosten ausdehnen, während die arabische und muslimische Welt in einen beengten Bereich gepresst würde, der den Rest des Stadions abdeckt.

Wenn sie von zionistischer „Besatzung“ und „Aggression“ sprechen, dann haben die Antizionisten das Gefühl, dass sie Heimvorteil haben. Im Gegensatz zu historisch pazifizierten Juden in europäischen und nahöstlichen Ghettos, die den ihnen zugewiesenen Platz kannten, haben die widerlichen Zionisten den Nerv Gleichberechtigung und nationale Unabhängigkeit zu fordern. Als begeisterte Sportfans rennen Antizionisten die Extrameile zu erklären, dass Qassam-Raketen aus Schulen auf zionistische Kindergärten zu schießen und Tunnelmarathons mit Sprengstoff, Macheten und Maschinengewehren nach Israel zu laufen im Gazastreifen so natürlich ist wie Fußball in Italien. Den Gazanern diese stolze Sporttradition zu verweigern würde natürlich diskriminierend sein und das eine, was Antizionisten mehr hassen als alles andere ist Rassismus.

Der ägyptische Erzterrorist und Vater der Flugzeugentführungen, Yassir Arafat, war ein Visionär, der die Notwendigkeit erkannte seine „Befreiungs“-Organisation 1964 zu gründen, drei Jahre bevor es irgendeine „Besatzung“ seines Scheinlandes gab. Wenn nur die Zionisten die „Besatzung“ beenden und sich vorläuft auf eine Etage in Tel Avivs Azrieli-Turm zurückziehen würde, wäre der Nahe Osten so angenehm wie Kanada. Wie können die stocktauben Zionisten nur all die Friedenshymnen verpasst haben, die von der PLO, der Hamas, der Hisbollah, ISIS und dem Iran ausgehen?

Antizionisten haben oft das Gefühl, dass sie sich oft missverstanden und ihr Hobby verunglimpft wird. Ihr ideologischer Vorfahr, der deutsche Journalist Wilhelm Marr, hatte dasselbe Gefühl. Wie die heutigen Antizionisten bestritt Marr, das er ein Judenhasser war – ein Begriff, den er als primitiv und ziemlich vulgär empfand. Stattdessen gab er seinem Hobby 1879 einen neuen Namen: „Antisemitismus“; das hatte eine Aura vermeintlicher Wissenschaftlichkeit und Seriosität.

Der Holocaust, der, darauf bestehen Obamas iranische Völkermord anstrebende Partner, niemals stattfand, zwang dieses leidenschaftliche und tödliche Hobby durch eine weitere Umbenennungs-Kampagne; diesmal wurde daraus der Antizionismus. Die Antisemiten von gestern, die eine Welt frei von Juden wollten, waren natürlich keine Judenhasser, sondern handelten aus Sorge um die rassische Hygiene und das Wohlergehen der Menschheit. Ein österreichischer Gefreiter und gescheiterter Kunststudent dokumentierte das in seinem Werk Mein Kampf, das heute im Nahen Osten ein Bestseller und Pflichtlektüre für jeden ist, der Zweifel an der Boshaftigkeit der Juden, ‘tschuldigung: Zionisten hat.

Die heutigen Antizionisten, die eine Welt ohne den jüdischen Staat anstreben, betrachten sich natürlich auch nicht als von Judenhass getrieben. Als selbsternannte Vorzeige-Antirassisten sehen sich die Antizionisten als Inhaber der Schlüssel zu ewigem Frieden, Harmonie und Gerechtigkeit für die Menschheit. Wenn nur die zionistische Schlagen aus dem antizionistischen Garten Eden vertrieben würde, wäre alles vermeintlich alles gut.

Das Problem mit der antizionistischen Version des Gartens Eden besteht darin, dass es stark an die Hölle erinnert, wobei die Zionisten die Helfer des Teufels sind. Sollten immer noch Äpfel übrig sein, die an dem geschundenen Baum der Erkenntnis hängen, ist die Lektion für die Menschheit, dass Judenhass in jeglicher Form ein tödliches und giftiges Unkraut ist, das, wenn es unkontrolliert bleibt, das Wohlergehen der Juden und Nichtjuden bedroht. Borniertheit und Vorurteil kennen keine Grenzen und die Geschichte hat wiederholt gezeigt, dass das, was als „jüdisches Problem“ beginnt, schnell ein Problem der Welt wird.