Malaysia. Die Rückkehr des antisemitischen Premierministers

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der zweiundneunzigjährige Mohamad Mahathir ist aus der Rente zurück, gewann die malaysischen Parlamentswahlen und wurde wieder Premierminister des Landes. Er hat eine lange Geschichte extrem antisemitischer Äußerungen. Eine sticht besonders heraus, weil er sie bei einer Versammlung fast aller muslimischen Länder tätigte. Sowohl Mahathirs Äußerungen als auch die internationalen Reaktionen darauf sind einer Erinnerung wert. Sie bieten viel Einsicht in das, was seitdem mit muslimischen Staaten und Gemeinschaften, wie auch den komplexen Einstellungen westlicher Demokratien ihnen gegenüber geschehen ist.

Im Oktober 2003 fand in Putrajaya in Malaysia das Zehnte Gipfeltreffen der Organisation der Islamischen Zusammenarbeit (OIC) statt. An ihr nahmen die Führer von 57 Ländern teil. Mahathir, damals Premierminister von Malaysia, griff in seiner Willkommensrede das jüdische Volk und den Westen an.

Mahathir stellte die Beziehungen zwischen Muslimen und Juden als weltweite, frontale Konfrontation dar. Er sagte: „1,3 Milliarden Muslime können nicht von ein paar Millionen Juden besiegt werden. Es muss einen Weg geben. Und wir können einen Weg nur finden, wenn wir anhalten, um nachzudenken, unsere Schwächen und unsere Stärken auswerten, planen, Strategien entwerfen und dann den Gegenangriff führen. An und für sich sind wir sehr stark. 1,3 Milliarden Menschen können nicht einfach aufgerieben werden. Die Europäer töteten sechs Millionen von 12 Millionen Juden. Aber heute beherrschen die Juden die Welt über Stellvertreter. Sie bringen andere dazu für sie zu kämpfen und zu sterben.“

Mahathir fuhr fort: „Wir haben es mit Menschen zu tun, die denken. Sie erfanden und propagierten erfolgreich den Sozialismus, den Kommunismus, die Menschenrechte und die Demokratie, damit sie zu verfolgen falsch erscheinen würde und sie gleiche Rechte wie die anderen genießen können. Damit haben sie heute die Kontrolle über die mächtigsten Länder gewonnen und diese winzige Gemeinschaft ist eine Weltmacht geworden. Wir können sich nicht allein mit Muskeln besiegen. Wir müssen auch unser Hirn benutzen.“[1] Die Kernaussage in Mahathirs Rede ist eine Mutation der extrem antisemtischen, zaristischen Fälschung Die Protokolle der Weisen von Zion.

Mit Verweis auf den Westen sagte Mahathir: „Wir sind alle Muslime. Wir alle werden unterdrückt. Wir alle werden gedemütigt. Wir kontrollieren 50 der 180 Länder der Welt.“ Man erkennt hier die Mythologie der weit verbreiteten muslimischen Opfer-Kultur. Viele muslimische Einwohner ölreicher Länder sind extrem reich. Wenn ein Teil der Muslime dort gedemütigt sind, dann durch andere Muslime.

Noch schlimmer ist, dass in den vergangenen Jahrzehnten Hunderttausende Muslime von anderen Muslimen ermordet wurden, zum Teil in Kriegen zwischen muslimischen Ländern. Der Iran-Irak-Krieg in den 1980-ern ist ein Beispiel dafür. Darüber hinaus sind viele Hunderttausende bei Bürgerkrieg und inneren Unruhen umgekommen. So sieht die anhaltende Realität in Syrien und dem Jemen aus.

Die Bedeutung dessen, was 2003 geschah, geht weit über die Äußerung eines muslimischen Hetzers hinaus. Die Washington Post verwies auf die stehenden Ovationen, die Mahathir für seine Rede erhielt: „Zu Mahathirs Claqueuren gehörten Saudi-Arabiens Kronprinz Abdallah, Pakistans Präsident Pervez Muscharraf, unser Mann in Afghanistan Hamid Karzai und sogar Russlands Wladimir Putin, der die große muslimische Minderheit seines Landes vertrat. … Was aber große Teile der islamischen Welt korrumpiert und schwächt sind nicht Juden in New York oder Tel Aviv, sondern ihre eigenen eigennützigen und unfähigen Führungen – sprich: einige genau der Leute, die aufstanden und die Rede bejubelten.“[2]

Die EU veranstaltete zur Zeit der OIC-Konferenz ebenfalls ein Gipfeltreffen. Dort wurde vorgeschlagen, dass in das neunzehnseitige Abschlussdokument eine Verurteilung der Äußerungen Mahathirs aufgenommen werden sollte. Nach Angaben von Ha’aretz stellte der Entwurf fest: „Seine inakzeptablen Kommentare behindern all unsere Bemühungen die interethnische und religiöse Harmonie zu fördern und haben in einer anständigen Welt keinen Platz. Derartige falsche und antisemitische Bemerkungen sind für Muslime genauso beleidigend wie für andere.“[3]

Trotz ihrer bewegten Vergangenheit gegenüber den Juden konnten die Europäer kein Einvernehmen für eine feste Verurteilung finden. Der französische Mitte-Rechts-Präsident Jacques Chirac war gegen diese Worte, ebenso der sozialistische griechische Premierminister Costas Simitis. Und das trotz der Tatsache, dass Mahathir ohne Proteste der Führer der muslimischen Länder einen Generalangriff auf alle Juden geritten hatte.

Es wurde daraufhin beschlossen, dass der italienische Präsident des EU-Rats auf dessen Internetseite eine Erklärung einstellen würde. Darin hieß es, dass die EU „die von Präsident Mahathir abgegebenen Kommentare missbilligt“. Ebenfalls hießt es: „Solche Worte behindern all unsere Bemühungen die interethnische und religiöse Harmonie zu fördern und haben in einer toleranten Welt absolut keinen Platz.“ Dem sollten Jahre schwacher europäischer Reaktionen auf extrem antisemitische Hetze durch Muslime folgen.

Allerdings lockte Mahathir Chirac in eine Falle. Er dankte ihm für die Blockierung der Erklärung des EU-Gipfeltreffens, die seine Rede missbilligte. Chirac wollte nicht öffentlich als jemand bloßgestellt werden, der extremen Antisemitismus billigt. Er antwortete Mahathir: „Ihre Bemerkungen zur Rolle der Juden provozierte in Frankreich und weltweit starkes Missfallen.“

Klare Worte gab es aus den Vereinigten Staaten. Präsident George W. Bush traf Mahathir ein paar Tage später auf dem Asien-Pazifik-Gipfel in Bangkok. Er sagte ihm, seine Worte seien „falsch und polarisierend“ und fügte hinzu: „Sie stehen in eklatantem Widerspruch zu allem, was ich glaube.“[4] [5] Mahathir bestritt jedoch, dass Bush ihn zurechtgewiesen hatte.

Mahathir hatte sich auch schon früher extrem antisemtisch geäußert. Westliche Medien erinnerten anlässlich dieser OIC-Rede 2003 an einige dieser Äußerungen. 1986 erklärte Mahathir bei einem Treffen der Blockfreien Staaten: „Die Vertreibung der Juden aus dem Heiligen Land vor 2000 Jahren und die Unterdrückung der Juden durch die Nazis haben sie nichts gelehrt. Wenn überhaupt, dann hat das aus den Juden genau die Monster gemacht, die sie in ihrem Propagandamaterial so rundheraus verurteilen. Sie sind die Schüler des verstorbenen Dr. Goebbels gewesen.“[6]

1997 behauptete Mahathir, seine Regierung habe Angst, dass die Juden planten Malaysias Wirtschaft sowie die anderer muslimischer Länder zu vernichten.[7] Auf der Weltwirtschaftskonferenz in Davos machte Mahathir 1999 die jüdische Verbindung für Asiens Wirtschaftsprobleme verantwortlich.

Die extremsten Hetzer gegen Juden und Israel kommen seit langem aus der muslimischen Welt. Muss man das anhand eines einzelnen Beispiels demonstrieren, dann ist dafür Mahathirs Rede von 2003 samt dem Applaus, den er von den politischen Führern der muslimischen Länder dort erhielt, bestens geeignet.

[1] http://www.smh.com.au/articles/2003/10/20/1066502121884.html

[2] http://www.washingtonpost.com/archive/opinions/2003/10/21/return-to-wannsee/aecded6d-7405-44b4-ac06-59a18c5c8602/?utm_term=.931c6f01b416

[3] Sharon Sadeh, Yoav Stern, and Amiram Barkat, „EU Condemns Malaysian PM’s Remarks on Jews, But No Apology is Forthcoming,“ Ha’aretz, October 19, 2003

[4] http://edition.cnn.com/2003/WORLD/asiapcf/southeast/10/16/oic.mahathir/

[5] http://www.nytimes.com/2003/10/21/world/malaysia-talk-attacking-jews-draws-bush-ire.html

[6] http://www.nysun.com/editorials/anti-semitism-with-a-purpose/77919/

[7] http://www.agi.or.jp/user03/926_174.pdf

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Wir machen das Spiel nicht mehr mit

Forest Rain, Inspiration from Zion, 9. Juni 2018

Es war einmal ein alter Mann, der fegte den Bereich direkt an der Kotel, der Westmauer. Als er gefragt wurde, warum er das macht, als so alter Mann, arbeitete, niedrige Tätigkeit verübte, erklärte er: In Auschwitz zeigte ein Nazi auf den Rauch, der aus dem Schornsteinen des Krematoriums quoll und sagte ihm: „Siehst du den Rauch da? Das ist deine Familie, die zu Asche wird und auch du wirst bald da drin sein!“ Seine Antwort: „Nein. Ich werde leben und Jerusalem sehen.“

Durch ein Wunder blieb er am Leben und für ihn war den Platz zu fegen und den Müll anderer Leute aufzuheben ein wunderbares Geschenk des Himmels, denn er war ausreichend gesegnet das an der Kotel, im Herzen Jerusalems zu tun.


Die Kotel ist 24 Stunden am Tag geöffnet. Egal, welche Tages- oder Nachtzeit es ist … sie ist niemals allein.

3000 Jahre lang ist Jerusalem die Hauptstadt der jüdischen Nation gewesen. Selbst im Exil, als das jüdische Volk die Souveränität über Jerusalem verlor, war es das Herz der Nation.

Jerusalem war und ist immer noch der Ort, dem sich die Juden im Gebet zuwenden, dreimal jeden Tag. Jerusalem wird bei jeder jüdischen Hochzeit als wichtiger als das Glück der Union zwischen Braut und Bräutigam erhoben. Das Passah-Abendessen, bei dem der Exodus der Kinder Israel aus der Sklaverei begangen wird, ist vollkommen, wenn wir rezitieren: „Nächstes Jahr in Jerusalem, wiederaufgebaut!“ Denn DAS ist das wahre Ende der Reise aus der Sklaverei in die Freiheit.

Die Juden Äthiopiens träumten von Jerusalem, so wie die in Sowjetrussland festsitzenden Juden. Jerusalem ist das Herz von Zion, ist es immer gewesen und wird es immer sein.

Interessanterweise wird diese bekannte Tatsache heute als etwas bezeichnet, das diskutierbar ist. Die einfache Erklärung, dass Jerusalem die Hauptstadt Israel ist, ist „umstritten“. Warum?

Jahrhunderte lang sind die Staaten der Welt dem jüdischen Volk gegenüber zwiespältig gewesen. Einerseits genossen sie die Vorteile, die wir ihren Ländern brachten (Bildung, Medizin, Erfindungen), andererseits störten sich an unserer „Andersartigkeit“, der Nichtbereitschaft ihre Religionen zu übernehmen, ihre Götter anzubeten, wie sie zu werden.

Das jüdische Volk lehnte das antike Griechenland ab, das antike Rom, das Christentum und den Islam, womit es den Anstoß gab das jüdische Volk zu bekritteln, was sich schnell in offene Verfolgung verwandelte. Moderner Judenhass ist nicht anders, auch das ist eine Reaktion auf ein Volk, das seine „Andersartigkeit“, seine Moral, seine Werte und sein Volkstum bewahrt, wenn sozialistische/globalistische Einflüsse implizieren, dass es falsch ist, das zu tun.

„Der Himmel hat keine Wut wie Liebe zum Hass gemacht wird
Keine Hölle eine Wut, wie eine betrogene Frau.“

Das jüdische Volk begann nach Zion zurückzukehren, sobald es ihm möglich war.

Meine Großmutter wuchs im britischen Mandat Palästina auf (ein Name, der diesem Land zweimal in dem Versuch gegeben wurde die Juden von Zion zu trennen, ein Name, der heute wieder verwendet wird, aus demselben Grund). Als junges Mädchen spürte sie die grausame Ambivalenz britischer Soldaten, die lachten, als sie – gerade 12 Jahre alt – um ihr Leben rannte, versuchte einem arabischen Lynchmob zu entkommen. Statt ihr zu helfen schlossen sie Wetten ab, ob das Kind in der Lage war die es mit Messern in der Hand verfolgenden Männer wegzulaufen.

Am Tag nach der offiziellen Ausrufung des Staats Israel erhoben sich die Araber des Landes in dem Versuch das neu geborene Land zu vernichten. Jeder war überrascht, als sie keinen Erfolg hatten.

1967 erhoben sich Ägypten, Jordanien und Syrien in einem koordinierten Angriff, sicher, dass sie zusammen den jüdischen Staat vernichten könnten. Die Welt sah mit angehaltenem Atem zu, sicher, dass das jüdische Volk keine Chance hatte zu überleben. Statt überrannt zu werden verblüffte Israel die Welt dadurch, dass es in nur SECHS Tagen die drei vereinten Armeen nicht nur zurückschlug, sondern auch die von Jordanien besetzte Altstadt von Jerusalem, den Tempelberg und das biblische Kernland Israels – Judäa und Samaria – zurückeroberte.

Dies Woche hat die Hamas große Demonstrationen (Krawalle) zum Protest gegen Israels Rückkehr dorthin, was der Nation Israel am heiligsten ist (Jerusalem) geplant, um dagegen zu protestieren, dass Israel 1967 nicht verschwand und auch noch zurückgewann, was uns vor Jahrhunderten gestohlen wurde.

Oder um es einfacher auszudrücken: Sie protestieren dagegen, dass sie die Schlacht um die Vernichtung Israels 1967 verloren haben.

Das ist derselbe Grund, warum die Hamas ihren „Marsch der Rückkehr“ plante, der in einem gewaltigen Krawall gipfeln sollte, mit dem an dem Tag, an dem Amerika seine Botschaft in Jerusalem eröffnete, Israels Grenze überrannt und Unheil angerichtet werden sollte – dem 14. Mai, dem Datum, an dem der Staat Israel 1948 offiziell ausgerufen wurde.

Mit anderen Worten: Die Hamas plante einen gewaltigen Protest an dem Datum, an dem Israels Unabhängigkeit erklärt wurde, an dem Datum, an dem Amerika anerkannte, dass Jerusalem die ewige Hauptstadt des jüdischen Volks ist.

Oder sagen wir es noch einfacher: Die Hamas plante einen riesigen, gewalttätigen Krawall zum Protest gegen Israels Existenz und dass Amerika diese Existenz anerkennt.

Israels Premierminister kehrte gerade von einer Reise nach Deutschland, Frankreich und Großbritannien zurück.

Der französisch Präsident Emmanuel Macron hatte die Dreistigkeit Netanyahu zu sagen, der Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem habe die Gazaner sterben lassen. Diese Äußerung ist sehr entlarvend.

Die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem war eine symbolische Anerkennung der Realität. Sie schuf keine Wirklichkeit, sie veränderte nichts. Sie tat eines: Sie erklärte, dass die Vereinigten Staaten das Spiel der Ambivalenz zur Existenz des jüdischen Volks und der Rückkehr in unsere angestammte Heimat nicht länger mitmachen; sie sandten die Botschaft: „Ja, wir haben begriffen. Die Juden sind in Zion und sie werden nirgendwo anders hingehen.“

Macrons Äußerung bedeutet, dass die Anerkennung der ewigen jüdischen Bindung zu Jerusalem die Araber zwang zu randalieren und dabei getötet zu werden. Dass es falsch ist die Tatsache zu akzeptieren, dass Juden nach Jerusalem gehören, dass Jerusalem immer die Hauptstadt des jüdischen Staates gewesen ist und sein wird.

Seiner Vorstellung nach ist es besser das Spiel der Ambivalenz weiter zu spielen – einerseits zu sagen, dass Antisemitismus falsch ist, andererseits zu erklären, dass man die jüdische Verbindung zu Jerusalem nicht anerkennen darf.

Vielleicht werden die Juden verschwinden. Vielleicht wird das die Araber beschwichtigen.

In Großbritannien sagte Theresa May Premierminister Netanyahu, sie „versteht Israels Recht sich zu verteidigen, aber sie mache sich Sorgen um das Leben der Gazaner“.

Es sollte in diesem Satz kein „aber“ geben.

Israel müsste sich nicht verteidigen, wenn wir nicht angegriffen würden. Und das Leben der Gazaner, um das Frau May sich sorgt? Weiß sie nicht, dass die Hamas stolz erklärt, dass die meisten Toten ihre eigenen Aktiven sind? Nicht einfach Mitglieder der Partei, sondern aktive, professionelle Militante?

Mit einem kleinen Wort verneinte Theresa May Israels souveränes Recht das Leben seiner Bürger zu schützen und seine Grenzen zu behaupten. „Aber“ schuf eine Gleichung, in der Terroristen, die ganz versessen darauf sind Israels zu töten, dasselbe sind wie Israelis, die in Frieden in ihren  Häusern wohnen wollen ohne ermordet zu werden.

Wie unterscheidet sich das von britischen Soldaten, die lachten und Wetten auf das Leben meiner Großmutter abschlossen? Sie wussten, dass das kleine Mädchen, um zu überleben, dem Lynchmob entkommen musste, ABER sie waren nicht bereit einzugreifen, vielleicht würde der Mob das jüdische Kind erwischen und die Soldaten hätten ihre nachmittägliche Belustigung…

Die Amerikanische Erklärung löste keine Gewalt aus. Von ihr wurde keine Gewalt „losgetreten“. Sie sie machte: Sie riss die Maske herunter, hinter der Judenhasser sich verstecken, verweigert die Gültigkeit die grausame Ambivalenz aufrechtzuerhalten, die in ihrem Schweigen zu Gewalt gegen den Staat Israel ermutigt.

Es war eine Erklärung: „Wir spielen diese Spiel nicht mehr mit.“ Und DAS ist das, was alle anderen Staaten der Erde zwingt sich zu entscheiden. Werden sie anerkennen, dass das jüdische Volk in unsere angestammte Heimat zurückgekehrt ist, um sie nie wieder zu verlassen? Oder werden sie weiter bei ihrer Ambivalenz bleiben, heimlich hoffen, dass das jüdische Volk verschwinden wird?

Die Krawalle, die Israel derzeit durchmacht, die Versuche uns vom Boden und aus der Luft anzugreifen, sind kein Produkt israelischer oder amerikanischer Politik. Sie sind eine Reaktion auf die Existenz Israels, arabischer Frust, dass der Staat Israel hier ist um zu bleiben, dass all ihre Anstrengungen uns verschwinden zu lassen fehlgeschlagen sind.

Was die Gewalt schürt sind Führer wie Macron und andere, die ihre Botschaft senden, dass arabische Gewalt nur zu erwarten ist, weil Araber das Gefühl haben ihnen sei durch die Existenz Israels und seine ewige Verbindung zu Jerusalem Unrecht zugefügt worden.

Das ist kein angenehmes Bild, aber es gibt hier tatsächlich Hoffnung. Wir müssen es unmöglich machen, diese Realität zu bestreiten. Es liegt an jedem einzelnen von uns offen zu erklären, dass wir das Spiel nicht länger mitmahcen. Es wird keine weiteren Versuche geben gegenüber der Gewalt Appeasement zu betreiben, indem die jüdische Verbindung zu Jerusalem nicht anerkannt wird. Es gibt keinen Raum für Diskussion. Keinen Raum für Fragen. Zion ist Zuhause, um zu bleiben.

Wenn es nicht länger möglich wird die Realität zu leugnen, wird Frieden möglich werden.

Deutschlands neuer Antisemitismusbeauftragter muss die Wahrheit aufdecken

Abraham Cooper und Manfred Gerstenfeld, The Hill, 10. Mai 2018

Die jüngste Zunahme antisemitischer Vorfälle in Deutschland bestätigt die  Notwendigkeit der Ernennung von Felix Klein zum ersten Antisemitismusbeauftragten des Landes. Es ist zudem ein Eingeständnis der deutschen Regierung, dass sie es seit vielen Jahren versäumt hat effektiv mit dem Problem umzugehen.

Wie Klein feststellen wird, manifestieren sich klassischer und neuer Antisemitismus auf viele Weisen – weit über das Rowdytum der Neonazis hinaus. Für ihn wäre ein guter Start seine Ermittlungen darin bestehen sich anzusehen, wie Deutsche den jüdischen Staat sehen. Nazi-Deutschland dämonisierte die Juden. Heutzutage dämonisieren große Teile des demokratischen Deutschlands Israel.

Eine Studie der Universität Bielefeld stellte fest, dass 51 Prozent der Deutschen zustimmen oder dazu neigen zuzustimmen, dass Israel die Palästinenser so behandelt wie die Nazis mit den Juden umgingen. Die Studie stellte 2004 zudem fest, dass 68 Prozent der Deutschen entweder zustimmen oder dazu neigen zuzustimmen, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt.

Hitlers Deutschland brauchte nur zwei Jahre, um in drei Vernichtungslagern – Belzec, Sobibor und Treblinka – fast 2 Millionen Menschen zu ermorden, die meisten davon Juden. Wäre die von vielen Deutschen gehegte aktuelle dämonische Sicht gegenüber Israel wahr, würde es nur noch wenige Palästinenser geben. Tatsächlich liegt die Geburtenrate der Palästinenser in der Westbank, Ostjerusalem und dem Gazastreifen im Zeitraum von 2011 bis 2013 bei 4,1 Kindern pro Frau.

Eines der ersten Vorhaben des Beauftragten sollte in einer detaillierten Studie bestehen, um festzustellen, woher die Dämonisierung Israels in der deutschen Gesellschaft stammt – und er sollte besondere Aufmerksamkeit auf die Medien legen.

Berichte über Antisemitismus in Großbritannien und Frankreich weisen darauf hin, dass der Antisemitismus von der extremen Rechten, der extremen Linken und Muslimen kommt. Deutschland muss eine gründliche Studie durchführen. Ohne eine solche ist es weit einfacher über die Jahre hinweg das notwendige Vorgehen gegen Antisemitismus zu vermeiden.

Die Zeit der Führung per politischer Korrektheit ist vorbei. Die heutigen Herausforderungen gehen über die angebenden jungen Nazischläger hinaus. Antijüdischer Hass offenbart sich mit Gewalt auf den Straßen Berlins und weiterer deutscher Städte, in den Klassenzimmern öffentlicher Schulen, wo jüdische Schüler schikaniert werden, sowie von den Kanzeln islamistischer theologischen Völkermord-Befürworter.

Vor mehr als drei Jahren, als Deutschlands jetziger Außenminister Heiko Maas Justizminister war, fragte ihn das Simon Wiesenthal Center, wie Deutschland vor habe mit dem von Migranten aus der arabischen und muslimischen Welt mitgebrachten antisemitischen Gepäck umzugehen. Damals gab es keinen Plan; eine Million Immigranten später gibt es immer noch keinen Plan. Die sehr wenigen partiellen aktuellen Meinungsumfragen zeigen, dass die Immigranten, die seit 2015 aus dem Irak, Syrien und Afghanistan weit antisemitischer sind als die einheimische deutsche Bevölkerung.

Um es einfach auszudrücken: Ein Land, das vor zwei Generationen bis zu sechs Millionen Juden ermordete, hätte es – im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte – nicht gestatten dürfen, dass auch nur ein einziger Antisemit nach Deutschland migriert. Trotzdem gibt es keinen Screeningprozess, wenn es um Judenhass geht und es gibt ziemlich wenig Handeln, um diese eigensinnig blinde Politik und ihre Konsequenzen anzugehen.

Zusätzlich entstammen viele antisemitische Vorfälle bestehenden deutsch-muslimischen Gemeinden. Diese werden in der Regel als Einzelfälle behandelt, einschließlich öffentlicher Angriffe auf Einzelpersonen und Synagogen sowie das Schikanieren jüdischer Kinder in Schulen. Es war das Spektakel der öffentlichen Verbrennung einer israelischen Flagge im letzten Dezember in Berlin nötig, damit führende Politiker endlich eingestanden, dass Antisemitismus in Teilen der muslimischen Gemeinschaft ein Problem darstellt. Jens Spahn, gerade zum Gesundheitsminister ernannt, sagte in einem Interview, er betrachte die Immigration aus muslimischen Ländern als einen Grund der jüngsten antisemitischen Demonstrationen in Berlin; er fügte hinzu, dass solche Vorfälle „auch mit Zuwanderung aus einem kulturellen Umfeld in Verbindung stehen, in dem man nicht gegenüber Juden oder Schwulen nicht weich handelt“.

Er fügte hinzu, wenn der Hass auf Juden tagtäglich in den Nachrichten, in der Familie und in der Moschee gepredigt wird, „dann werden diese Einstellungen auf Dauer verankert“, wodurch sie in den Nationen, aus denen muslimische Migranten kamen, zu einem „allgegenwärtigen Teil des Alltagslebens“ werden. Spahn forderte zudem, dass muslimische Organisationen verpflichtet werden sich zu äußern. „Wenn es antiislamischen Hass gibt, erwarten sie zurecht, dass wir dagegen vorgehen. Folglich sollten wir gemeinsam Flagge gegen Antisemitismus zeigen.“

Es ist daher entscheidend die Quellen des bösartigen Judenhasses, die unserer Migrantengemeinschaften infizieren, zu identifizieren und zu handeln. Antisemitismus ist in Europa weit verbreitet. Dennoch nimmt es in Deutschland angesichts seiner Vergangenheit dort besondere Dimensionen an.

Wir hoffen, der Auftrag Kleins und die Gelder dafür hinreichen werden, um zu erkunden, aufzudecken und zu neuer, robuster Politik zu führen, die diese neuen und alten Erscheinungsformen des Antisemitismus die Stirn zu bieten. Durch Darstellung eines uneingeschränkten Bildes des Antisemitismus in Echtzeit wird er helfen sicherzustellen, dass Juden sich wieder auf Deutschlands Straßen bewegen können, ohne Angst vor Dämonisierung oder Angriffen zu haben. Wir hoffen auch, dass diese Bemühungen die Deutschen inspirieren auf immer als Beschützer der Erinnerung zu dienen statt als die zu belohnen, die den Holocaust verhöhnen.

Erfolgreiche Umsetzung dieses Auftrags ist nicht nur für Juden entscheidend, sondern auch für das Wohlergehen des demokratischen Deutschland.

Eine berechtigte Frage, Frau Merkel

Giulio Meotti, twitter, 10. Juni 2018

Gestern marschierten sie in Berlin, um die Vernichtung Israels zu fordern. Aber die Juden können nicht mit Kippa auf die Straße gehen.
Ist das in Ordnung, Frau Merkel?

Deutschlands schiefe Antisemitismus-Statistiken

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Vor kurzem stellte der deutsche Innenminister Horst Seehofer die Kriminalstatistik des Landes für das Jahr 2017 vor. Dazu gehörten 1.500 kriminelle, antisemitische Taten – das sind etwa 4 pro Tag. Der Minister behauptete, 95% davon seien durch rechtsextreme Einstellungen motiviert.[1] Eine weitere Quelle berichtete, es habe 2017 in Berlin 947 antisemitische Vorfälle gegeben, eine Zunahme von 60% gegenüber dem Vorjahr.[2] Bei der Vorstellung der Ergebnisse gab Seehofer die obligatorische verbale Verpflichtung der Null-Toleranz gegenüber Verbrechen gegen Juden ab.

Wenn bei antisemitischen Taten rechtsextreme Täter derart überwiegen würden, warum äußerten sich dann etliche führende Politiker in den letzten Monaten gegen muslimischen Antisemitismus? Die breitere öffentliche Aufdeckung muslimischer Hassverbrechen gegen Juden begann nach dem Verbrennen einer selbstgemachten israelischen Flagge im Dezember 2017 in Berlin. Das Video dieses Vorfalls ging um die Welt. Es weckte unangenehme Assoziationen mit den weit massiveren Buchverbrennungen durch die Nazis 1933.

Seit vielen Jahren ist der muslimische Antisemitismus in Deutschland vorsätzlich ignoriert und manchmal beschönigt worden. Heftige Kriminalfälle, die aus Teilen dieser Gemeinschaft heraus begangen wurden, behandelte man als „Einzelfälle“ statt als strukturelles Problem. Der Christdemokrat Jens Spahn, heute Gesundheitsminister und damals parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, drückte es klar aus. Er sagte, Antisemitismus sei in einigen muslimischen Ländern allgegenwärtig. Spahn erwähnte fortgesetzte Aufstachelung in Familien und Moscheen. Er betonte zudem, dass die muslimische Zuwanderung zusätzlichen Antisemitismus nach Deutschland gebracht hatte. Spahn forderte die deutschen Muslim-Organisationen auf ihre Pflicht zu tun und die von Muslimen begangenen antisemitischen Verbrechen zu verurteilen.[3]

Bereits im Juni 2017 sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Wir dürfen es nicht hinnehmen, wenn Einwanderer aus muslimisch geprägten Regionen auch ihre Feindbilder importieren.“[4] Im Januar 2018 sagte Stephan Harbarth, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Parlament, gegen importierten Antisemitismus müssten Prävention und „alle Mittel der Repression bis hin zu den Möglichkeiten des Ausweisungsrechtes konsequent genutzt werden“.[5]

Ende März sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Antisemitismus sein kein „spezifisch muslimisches Problem. Aber jetzt wird er auch durch Migration und durch den von radikalen Kräften in der islamischen Welt geschürten Hass auf Israel wieder stärker.“[6]

Etwa zur gleichen Zeit forderte Volker Kauder, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dass deutsche Schulen verpflichtet werden antisemitische Vorfälle zu melden. Er stellte diese Forderung, nachdem ein jüdisches Mädchen im zweiten Schuljahr eine Berliner Grundschule von einem muslimischen Klassenkameraden bedroht wurde, er würde sie töten, weil sie nicht an Allah glaubt.[7]

Im April hatte dann sogar Kanzlerin Merkel das Gefühl sie könne nicht länger schweigen. Nach einem weiteren antisemitischen Angriff in Berlin sagte sie, die Behörden müssten mit aller Härte und Entschlossenheit gegen Antisemitismus sowohl bei Deutschen als auch Arabern vorgehen.[8] Ein Artikel in der jüdischen Monatszeitung Jüdische Allgemeine betonte Merkels schwere Verantwortung für Antisemiten, die aus muslimischen Ländern nach Deutschland kommen. Sie war es, die sie hereinholte. Der Artikel zitierte den Modedesigner Karl Lagerfeld zur Flüchtlingspolitik der Kanzlerin: „Selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, kann man nicht Millionen von Juden töten und danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen.“[9]

Der neu ernannte Antisemitismusbeauftragte Felix Klein sprach sich ebenfalls gegen muslimischen Antisemitismus aus. Er sagte, dass viele muslimische Flüchtlinge in Ländern sozialisiert wurden, in denen ein Hassbild von Juden und Israel gezeichnet wird. Er fügte hinzu: „Diese Menschen legen ihre Vorurteile ja nicht an der Grenze ab.“[10]

Selbst die Fraktionschefin der linken Grünen, Katrin Göring-Eckardt, beschäftigte das Thema. Sie sagte, ihre Partei habe wenig über Antisemitismus bei muslimischen und ethnisch arabischen Immigranten gesprochen. Göring-Eckardt behauptete, die rechte AfD missbrauche den Kampf gegen Antisemitismus, um ungestört islamophob sein zu können. Sie erklärte zudem, dass Antisemitismus in der Form von Feindschaft gegen Israel nicht toleriert werden dürfe.[11]

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer nutzte die Angriffe der AfD auf Muslime – denen sie implizit zuzustimmen schien – um die AfD wegen des Antisemitismus innerhalb ihrer eigenen Reihen anzugreifen.[12]

All diese Äußerungen zu muslimischem Antisemitismus scheinen bizarr, wenn tatsächlich 95% der antisemitischen Verbrechen in Deutschland von rechten Tätern verursacht sind. Die breite Öffentlichkeit hat kaum die Möglichkeit die Wahrheit herauszufinden.

Dafür muss man sich professionellere Dokumente ansehen. Das hessische Landesamt für Verfassungsschutz hat einen Bericht über Antisemitismus im deutschen Internet veröffentlicht; geschrieben wurde er von Ann-Christin Wegener.[13] Bei der Analyse der Erscheinungsformen und des ideologischen Hintergrunds der antisemitischen Agitation in sozialen Netzwerken in Deutschland fand der Bericht heraus, dass rechte und muslimische Täter bei der Verbreitung von Hass in mehr oder weniger gleich hoher Zahl auftreten.[14] Logisch: Fügt man die Hetze in deutschtürkischen und deutscharabischen sozialen Medien hinzu, kommt die Mehrheit dieses antisemitischen Hasses aus muslimischen Quellen.

Wegener erwähnt in ihrer Studie, dass die Behauptung der Behörden, die überwiegende Mehrheit der antisemitischen Vorfälle würden von Rechtsextremen verursacht, durch die Art zustande kommt, wie die Polizei Verbrechen meldet. Solange man nichts über die Motivation der Täter weiß, was oft der Fall ist, werden diese Vorfälle als rechtsextrem motiviert gekennzeichnet.[15]

Angesichts all dessen sollten die deutschen Behörden die Polizei anweisen zukünftig wahrhaftiger zu handeln, wenn sie über Täter antisemitischer Vorfälle berichtet.

[1] http://www.fr.de/politik/politische-straftaten-mehr-faelle-von-antisemitismus-a-1502314?GEPC=s5

[2] http://www.morgenpost.de/berlin/article214050765/947-antisemitische-Vorfaelle-in-Berlin-im-vergangenen-Jahr.html

[3] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jens-spahn-warnt-vor-importiertem-antisemitismus-a-1183490.html

[4] http://www.domradio.de/themen/kirche-und-politik/2017-06-29/steinmeier-warnt-vor-antisemitismus-import-durch-einwanderer

[5] http://www.dw.com/de/union-will-antisemitische-migranten-ausweisen/a-42046601

[6] https://www.welt.de/newsticker/news1/article175050620/Islam-Schaeuble-warnt-vor-Zunahme-von-Antisemitismus-auch-durch-Migration.html

[7] http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2018-04/volker-kauder-meldepflicht-antisemisitmus-jude-schulen

[8] http://www.welt.de/politik/deutschland/article175597957/Angela-Merkel-will-mit-aller-Haerte-gegen-Antisemitismus-vorgehen.html

[9] juedischerundschau.de/merkel-beklagt-das-vor-allem-wegen-ihrer-politik-wachsende-antisemitismus-problem-in-deutschland-135911986/

[10] http://www.poppress.de/boulevard/der-neue-antisemitismusbeauftragte-der-bundesregierung-felix-klein-fordert-die/56657043

[11] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-05/katrin-goering-eckardt-gruene-antisemitismus-muslime

[12] www.welt.de/politik/deutschland/article176352413/CDU-Generalsekretaerin-Kramp-Karrenbauer-attestiert-AfD-Antisemitismus-in-eigenen-Reihen.html

[13] https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/PAAF-Analysen%20IN%20ALLER%20K%C3%9CRZE%20Ausgabe%20%201.pdf

[14] Ebenda.

[15] Ebenda, 3

Palästinensischer Antisemitismus: Oberflächlich, weit verbreitet und nicht ganz verstanden

Auf diese Weise manifestiert sich Antisemitismus in der palästinensischen volkstümlichen Kultur

Seth J. Frantzman, Jerusalem Post, 4. Mai 2018

2014 nahm der palästinensische Professor Mohammed Dajani eine Gruppe Studenten mit auf einen Besuch in Auschwitz. Das hätte ohne weitere Aufmerksamkeit stattfinden sollen. Stattdessen fand sich der Professor inmitten einer Kontroverse an der Al-Quds-Universität wieder, wo er eine zentrale Figur in im Programm der American Studies war. Die Atmosphäre wurde so giftig, dass er die Universität verließ.

Als er von der Reise zu den Stätten des Holocaust sprach sagte er dem Guardian: „Ich fühlte, das gab für uns Palästinenser etwas Wichtiges aus diesem Ereignis zu lernen, zum einen, weil es historisch falsch ist es zu leugnen und auch weil es moralisch falsch ist es zu ignorieren.“ Doch andere Palästinenser betrachteten einen Besuch in Auschwitz als etwas, das das „zionistische“ Narrativ bestätigt und als „Kollaboration“ mit Israel.

Es gibt ein Janus-Gesicht dazu wie Antisemitismus sich in palästinensischen Medien und Politik manifestiert. ER existiert im Mainstream, tritt aber auf individueller Ebene weniger häufig auf. Wenn er an die Oberfläche tritt, dann resultiert er in Kommentaren wie denen, die PA-Präsident Mahmud Abbas von sich gab. Ich weiß das, weil ich Jahre lang an einer palästinensischen Universität lehrte und nie unter Antisemitismus litt, aber antisemitische Sprachbilder hörte ich oft.

Am Montag sagte Abbas dem palästinensischen Nationalrat, die „soziale Rolle“ der Juden hätte zu Antisemitismus in Europa geführt. Seine Worte sind inzwischen im gesamten Westen und in Israel als niederträchtig und inakzeptabel verurteilt worden. Aber sie werfen eine größere Frage auf. Abbas‘ Kommentare tauchten nicht einfach plötzlich auf. Er schrieb 1982 eine Doktorarbeit, die den Zionismus angriff und der Kollaboration mit den Nazis beschuldigte. Abbas verurteilte zudem 2014 in einer Erklärung den Holocaust als eine „Spiegelung des Konzepts ethnischer Diskriminierung und des Rassismus, die die Palästinenser heftig ablehnt und gegen sie vorgibt“.

Als Abbas am Montag seine Rede hielt, verursachte sie wenig Kontroverse innerhalb des Publikums und es gibt breit gestreutes Bestreiten, dass Antisemitismus ein Problem innerhalb der palästinensischen Gesellschaft ist. Eine Studie von 2006 zu „Judeophobie im Kontext: Antisemitismus unter modernen Palästinensern“ stellte zum Beispiel fest, dass „Palästinenser manchmal in ihrer Wahrnehmung des Konflikts [mit Israel] klar zwischen Zionismus (oder Israel) und Juden unterscheiden, es aber auch Fälle gibt, in denen nicht unterschieden wird, die die Verbreitung allgemeiner Feindschaft gegenüber Juden erlaubt“.

Es ist wichtig hier den größeren Zusammenhang zu sehen. In einer globalisierten Welt, die durch das Internet verbunden ist, ist Antisemitismus nicht auf eine einzelne Gesellschaft wie z.B. die Palästinenser beschränkt, er ist Teil eines viel größeren kulturellen Milieus. Mahathir Mohamad, der ehemalige [und gerade neu ins Amt gekommene – heplev] Premierminister von Malaysia, hielt 2003 vor der Organisation der Islamischen Zusammenarbeit eine antijüdische Rede. „1,3 Milliarden Muslime können nicht von ein paar Millionen Juden besiegt werden“ sagte er. Sie haben jetzt die Kontrolle über die mächtigsten Länder gewonnen.“

Niemand im Publikum protestierte. Später verglich Mohamad noch einen seiner Rivalen mit „kleinen Goebbels“. Es gibt eine Mainstreaming des Antisemitismus in Teilen der islamischen und arabischen Welt über die sozialen Medien. Aber das Mainstreaming hat eine bizarre Seite. Es beinhaltet antisemitische Redewendungen, Holocaust-Leugnung und Beschuldigungen an Isarel, ws gehe mit den Palästinensern um wie die Nazis mit den Juden. Wie die zwei zusammenpassen – Holocaust-Leugnung und Israel zu beschuldigen, es sei nazi – ist schizophren.

Gleichermaßen widersprüchlich schient die Präsenz von Hakenkreuz-Graffiti in Palästinensergebieten und dass Mein Kampf auf den Straßen Ramallahs manchmal offen zum Verkauf steht. Doch auf jede Andeutung, dass dies weit verbreiteten antijüdischen Gefühlen gleichkommt, wird mit Überraschung reagiert.

Eine Studie des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2016 vermerkt: „Im Gazastreifen und der Westbank gibt es Fälle, in denen Medienorgane, besonders solche, die von der Hamas kontrolliert werden, Material veröffentlichten und ausstrahlten, die Antisemitisches beinhalteten, das manchmal auf Aufstachelung zu Gewalt hinausläuft.“

Der Antisemitismus der Hamas ist integraler Bestandteil des Gründungsdokuments der Organisation. „Die Juden, Brüder von Affen, Prophetenmörder.“

Die Hamas geschuldigt den Zionismus zudem Teil einer internationalen Verschwörung zu sein, die die Freimaurer und Rotarier eint und behauptet, dass Juden hinter Kommunismus und Nationalsozialismus stecken. Her werden Juden einmal mehr nicht zu den Opfern des Nationalsozialismus, sondern beschuldigt auch noch Nazis zu sein.

Doch wie bekundet sich das in der Gesellschaft? Ich lehrte mehrere Jahre lang an einer palästinensischen Universität und spürte nie Antisemitismus.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine antijüdischen Ansichten gibt. Mir wurde z. B. gesagt, Juden hätten massiven Einfluss in Amerika, ihre Bevölkerung ist riesig und irgendwie kontrollieren sie das Land. Das ist der „Grund dafür, dass die USA Israel unterstützen , glauben einige Palästinenser.

Die „Nakba“ ist immer mit dem Holocaust verbunden, als würde es einen Wettbewerb um das  Leiden geben oder irgendeine Art quid pro quo: „Israelis bestreiten die Nakba, also bestreiten wir den Holocaust.“ Sie sagen, nur wenn die beiden Seiten akzeptieren, dass die Schoah und die Nakba dasselbe sind, kann eine Diskussion geführt werden.“

Nach meiner Erfahrung gab es nu rin Elitekreisen eine Tendenz „Juden“ und „Zionisten“ und „Israelis“ zu unterscheiden, als wenn die drei separaten Kategorien seien. Und selbst in elitären und intellektuellen Kreisen gab es nicht viel Verständnis der Unterschiede. Juden sind Zionisten und Israelis. Es gibt auch Generationenunterschiede.

Beispielsweise sagte Palästinenser, mit dem ich über dieses Thema sprach, die globalen Medien, insbesondere islamistische Medien, seien für die Verbreitung von Antisemitismus bei den Palästinensern verantwortlich gewesen. „Diese Niveau an Antisemitismus gab es vor der Bildung der palästinensischen Autonomiebehörde 1993 nicht und er stieg bestimmt nicht mit der Verbreitung des Antisemitismus an [Medien-] Orten wie Al-Jazira [Arabisch] an.“ Das wurde auch zu einem Problem in der Diaspora, sagte er.

Die Kommentare von Abbas werden bereits als noch eine weitere Möglichkeit dargestellt, wie Israel den Westen dahin manipuliert hat den Palästinenserführer zu verurteilen. Es gibt wenig Anerkennung durch die palästinensische Öffentlichkeit oder andere Führer, dass die Besessenheit mit „Juden“ Teil eines antisemitischen Musters ist.

Von den Hakenkreuzen im Gazastreifen zu den Hakenkreuzen in der Westbank gibt es ein Problem. Abbas hielt im Dezember eine ähnlich beleidigene Rede, in der er behauptete: „Im heiligen Koran wird erwähnt, dass sie [die Juden] Wahrheit fabrizieren“; dieser Kommentar bleib ohne Protest und wurde weithin unbeachtet.

So manifestiert sich allgemein der Antisemitismus in der palästinensischen Volkskultur. Ein Wort hier, ein Satz da, ein Kommentar. Aber er meist nicht mehr als Fassade getrennter und beleidigender Kommentare. Er wird nicht als nachhaltig ernst betrachtet. Deshalb habe ich in der Westbank Graffiti gesehen, in denen das Hakenkreuz direkt neben dem kommunistischen Hammer und Sichel erscheinen. Habt ihr nicht erkannt, dass die beiden Symbole sich miteinander im Krieg befinden? Nein.

Deutscher Beamter rügt große linke Zeitung wegen naziartiger Karikatur

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Nachdem in der Süddeutsche Zeitung (SZ) einmal mehr eine antisemitische Karikatur veröffentlicht wurde, behandelten die meisten Medien die darauf folgende Entwicklung fälschlich als isolierten Fall. Diese „progressive“ linke Zeitung ist eine der meistgelesenen Zeitungen Deutschlands. Die SZ wird zusammen mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Welt als eine der drei landesweiten Qualitätszeitungen betrachtet.

Am 15. Mai veröffentlichte die SZ eine Karikatur des 85-jährigen Dieter Hanitzsch. Dieser stellte den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu als die israelische Eurovisionssiegerin Netta Barzilay dar; er feiert den Sieg mit einer Rakete in der Hand, auf der sich ein Davidstern befindet. Hanitzsch zeichnete den israelischen Führungspolitiker mit übergroßer Nase, Ohren und Lippen, klassische antisemitische Stereotype.

Es gab viele negative Reaktionen. Ein paar Tage später schrieb Ernst Krach, Chefredakteur der SZ, dass die Karikatur zu Diskussionen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Zeitung geführt habe. Er erklärte, der Karikaturist behauptet, er habe nur Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken wollen, dass der Eurovisionswettbewerb 2019 in Jerusalem stattfinden wird. Krach fügte hinzu, dass man die Zeichnung jedoch auch anders verstehen und als antisemitisch ansehen könne. Die SZ entschuldigte sich; sie sagte, es sei ein Fehler gewesen sie zu veröffentlichen.[1][2] Nach einer solchen Erklärung wäre die Auseinandersetzung normalerweise beendet gewesen.

Doch auch der gerade ernannte deutsche Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein reagierte. Er erklärte, dass die „von der Karikatur Verbindungen mit den nicht zu tolerierenden Zeichnungen der nationalsozialistischen Propaganda schuf. Selbst wenn Karikaturen satirisch und provokativ sind, hat dies eine rote Linie überschritten.“[3] Inzwischen hat der deutsche Presserat eine Ermittlung zur Karikatur in Gang gesetzt.[4]

Kleins Äußerung bedeutete, dass ein Regierungsvertreter die Mainstream-Zeitung SZ der Veröffentlichung von naziartigem Material beschuldigt. Die Zeitung trennte sich dann von Hanitzsch, der seit Jahrzehnten für sie arbeitete.[5] Der Karikaturist hatte in der Vergangenheit das Bundesverdienstkreuz erhalten.[6] Hanitzsch reagierte mit einer langatmigen Erklärung, weshalb seine Karikatur nicht antisemitisch sei. Er erwähnte auch, dass er Reaktionen erhielt, die besagten, dass seine Karikatur durchaus in die extremen Publikationen des Nazis Julius Streicher passten,[7] der bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und gehenkt wurde.[8] Es bleibt Psychologen vorbehalten zu bewerten, wie sehr der Karikaturist von den Gedanken der Nazizeit beeinflusst wurde, die er im Schüleralter erlebte.

Die Bilanz des Schürens von antiisraelischem Hass durch die SZ ist weit wichtiger als dieser Einzelfall. Fakt ist, dass die Hetze der Zeitung eine lange Geschichte hat.[9] 2013 veröffentlichte die SZ eine Karikatur von Ernst Kahl mit einem Monster mit zwei Hörnern, das gerade essen wollte.[10] Die begleitende Bildbeschreibung lautete: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt.“

2014 erschien noch eine weitere antisemitische Karikatur in der SZ.[11] Burkhard Mohr zeichnete den jüdischen Facebook-Unternehmer Mark Zuckerberg als Kraken, der seine Tentakel ausstreckt, um die sozialen Medien zu kontrollieren. Der Karikaturist stellte Zuckerberg mit langer Nase und dicken Lippen dar, einmal mehr typische antisemitische Stereotype. Das Simon Wiesenthal Center reagierte mit der Erklärung, dass die Karikatur beweise, dass der Künstler antisemitisch ist.[12] Der Karikaturist bestritt, dass seine Zeichnung antisemitisch war und entschuldigte sich.

Der belgische Forscher Joel Kotek, führender Experte zu antisemitischen Karikaturen, hat beobachtet, dass arabische Karikaturisten Juden oft als bösartige Kreaturen wie Spinnen, Vampire oder Kraken darstellen. Er fügte hinzu, dass arabische Hassmotive manchmal in die westliche Gesellschaft sickern.[13]

All dies verblasst allerdings vor einem extrem abscheulichen, antiisraelischen Hassgedicht, das die SZ 2012 veröffentlichte. In diesem Gedicht behauptete der deutsche Literaturnobelpreisträger Günter Grass, dass Israel es darauf anlegt mit Atombomben Völkermord am iranischen Volk zu begehen. Der linke Dichter, der als junger Mann Mitglied der Waffen-SS war,[14] muss – genauso wie die SZ-Redakteure – gewusst haben, dass die Führer des Iran Israel mit Völkermord gedroht haben. Dennoch suggeriert er das Umgekehrte.

Das Gedicht wurde zum Symbol einer großen europäischen, progressiv antiisraelischen Perversität. Weitere fünf europäische linke Mainstream-Zeitungen veröffentlichten ebenfalls: die italienische La Repubblica,[15], der britische Guardian,[16], die spanische El-Pais,[17] die dänische Politiken[18] und die norwegischen Aftenposten.[19]

Rechter Antisemitismus wird in den deutschen Medien seit vielen Jahren aufgedeckt. Seit Dezember 2017, nach der Verbrennung einer selbstgemachten israelischen Flagge in Berlin durch deutsche Muslime, wird auch muslimischer Antisemitismus von führenden deutschen Politikern verurteilt.

In diesem Fall trat allerdings eine seltene Reaktion auf. Ein Beispiel des weit verbreiteten, progressiven Antisemitismus im deutschen Mainstream wurde von einem Regierungsvertreter verurteilt. Das ist umso wichtiger, als die SZ ein Standartenträger des Linksliberalismus in Deutschland ist.

Man sollte hoffen, dass der Tadel des Beauftragten gegen die SZ der Anfang einer weit systematischeren Offenlegung linksliberalen antiisraelischen Hassschürens ist. Es hat mehrere andere Zeitungen gegeben, die in diesem Bereich mit der SZ konkurrieren. 2012 führte das Simon Wiesenthal Center den Journalisten Jakob Augstein als einen der zehn führenden Antisemitismus Verübenden des Jahres weltweit.[20]

Die Annahme, dass Deutschland sich des Antisemitismus in weniger als 75 Jahren nach der Verübung eines Völkermords von solcher Bedeutung entledigen könne, ist eine Illusion. Die Auswirkungen manifestieren sich auf vielerlei Weise und in vielen Sektoren der deutschen Gesellschaft, einschließlich des linksliberalen Segments.

[1] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/31630

[2] http://www.haaretz.com/israel-news/german-newspaper-apologizes-for-cartoon-using-anti-semitic-stereotypes-1.6094472

[3] http://www.welt.de/politik/deutschland/article176437583/Geschmacklose-Zeichnung-Antisemitismusbeauftragter-kritisiert-Sueddeutsche-Zeitung-scharf.html

[4] https://in.reuters.com/article/germany-antisemitism-cartoon/update-1-german-newspaper-drops-cartoonist-after-netanyahu-drawing-idINL5N1SP5WN

[5] meedia.de/2018/05/18/nach-streit-um-karikatur-sueddeutsche-zeitung-trennt-sich-von-zeichner-dieter-hanitzsch/
http://www.jta.org/2018/05/16/news-opinion/top-german-newspaper-apologizes-cartoon-using-anti-semitic-stereotypes

[6] http://www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism-czar-slams-German-cartoon-as-Nazi-propaganda-556693

[7] http://www.haz.de/Nachrichten/Medien/Uebersicht/SZ-wirft-Karikaturisten-raus

[8] http://www.sueddeutsche.de/kolumne/in-eigener-sache-stereotype-und-klischees-1.3986184

[9] http://www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism-czar-slams-German-cartoon-as-Nazi-propaganda-556693

[10] http://www.zeit.de/kultur/2013-07/sueddeutsche-zeitung-israel-karikatur

[11] http://www.jpost.com/printarticle.aspx?id=342412

[12] www.timesofisrael.com/cartoon-of-zuckerberg-called-anti-semitic/

[13] www.jcpa.org/article/major-anti-semitic-motifs-in-arab-cartoons/

[14] http://www.spiegel.de/international/nobel-prize-author-guenter-grass-i-was-a-member-of-the-ss-a-431353.html

[15] Günter Grass: Quello che deve essere detto. In La Repubblica, 4. April 2012; Ugo Volli: Poesia dedicata a Günter Grass; Andrea Tarquini: Una poesia contro Israele. L’ultima provoczione die Grass Le sue atomiche una minaccia; Adriano Prosperi: Se la storia viene capovolta in un brusio di responsabilità. In: Informazione Coretta, 4. April 2012.

[16] Günter Grass, “What Must Be Said,” The Guardian, April 5, 2012.

[17] Günter Grass, “Lo que hay que decir,” El País, April 4, 2012.

[18] Dokumentation: Læs Günter Grass’ digt. Politiken, 7. April 2012.

[19] Günter Grass: Det som må sies. Aftenposten, 8. April 2012

[20] http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/TT_2012_3.PDF