Das Ende des Erinnerns an den Holocaust

Jeff Jacoby, The Boston Globe, 1. Mai 2016

Lange bevor der Holocaust seinen Lauf nahm gab es bereits verzweifeltes Drängen ihn nicht vergessen zu lassen. In Verstecken und auf der Flucht, im Schatten der Gaskammern und dem Rauch der Krematorien versuchten Juden verzweifelt Zeugnis von den Ungeheuerlichkeiten der Nazis festzuhalten. Umgeben von Grauen, in Erwartung des eigenen Todes appellierten sie an die Zukunft: Erinnert euch.

In seiner Rede zur Verleihung des Nobelpreises erinnerte sich Elie Wiesel 1986 an den angesehenen Historiker Simon Dubnow, der immer und immer wieder sein Mitbewohner des Ghettos von Riga beschwor: „Yidden schreibt und farschreibt“ – „Juden, schreibt alles auf.“

Viele empfanden ein überwältigendes Bedürfnis die Wahrheit zu bewahren. „Zahllose Opfer wurden zu Chronisten und Historikern in den Ghettos, selbst in den Todeslagern“, sagte Wiesel. „Sie hinterließen außergewöhnliche Dokumente. Zeugnis abzulegen wurde zu einer Obsession. Sie hinterließen uns Gedichte und Briefe, Tagebücher und Fragmente für Romane, von denen einige weltweit Berühmtheit erlangten, andere immer noch unveröffentlicht sind.“ Und als der Krieg aus war und man das wahnsinnige Ausmaß der Endlösung voll begriff – die deutschen und ihre Kollaborateure hatten 6 Millionen Juden aus allen Ecken Europas ausgelöscht und mehr als ein Drittel der jüdischen Weltbevölkerung vernichtet – wurde der moralische Imperativ sich zu erinnern nur noch stärker.

Das Judentum hat mit Erinnerung immer eine intensive Bedeutung beigegeben; in zahlreichen Versen der hebräischen Bibel macht diese sie sogar zu einer ausdrücklichen religiösen Verpflichtung. Es überrascht nicht, dass Israels Parlament dem jüdischen Kalender für jeden Frühling den Yom HaSchoah – oder Holocaust-Gedenktag – hinzugefügt hat. (Er beginnt dieses Jahr Mittwochabend.) Für viele Holocaust-Überlebende und ihre Kinder wurde „Never Forget“ (Niemals vergessen) verständlicherweise fast zum 11. Gebot.

Aber eine Hingabe an Erinnerung ging weit über die Gemeinschaft dieser am stärksten von der industriellen Nazi-Kampagne zur Ausrottung der Juden hinaus. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Holocaust-Gedenken, besonders im Westen, zu einem weit verbreiteten Kulturphänomen. Zahllose Bücher, Vorträge und Dokumentationen sind dem Thema gewidmet worden. Die akademische Welt ist reichlich mit Programmen für Holocaust-Studien ausgestattet. Auf kleinen wie großen Bildschirmen sind Filme und Miniserien zum Thema Holocaust sind zu überragenden Erfolgen geworden. Online-Quellen zum Lernen über den Holocaust sind fast zu zahlreich, als dass man sie zählen kann. Und Holocaust-Gedenkstätten und -Museen sind in großen und kleinen Städten auf jedem Kontinent außer der Antarktis gebaut worden.

Die Auslöschung des europäischen Judentums durch die Nazis, ein Übel, das so ohnegleichen ist, dass das Wort „Genozid“ zu seiner Beschreibung geprägt werden musste, gehört zu den am vollständigsten erforschten, dokumentierten und mit Gedenkstätten versehenen Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Der mächtige Naziführer Heinrich Himmler, der 1943 den bereits gut in Gang gekommenen Massenmord an den von Juden 1943 als „eine ruhmvolle Seite in unserer Geschichte, die niemals geschrieben werden darf“ bezeichnete, lag falsch. Die Geschichte wurde geschrieben. Die Erinnerung daran wird von einem Ozean an Forschung, Zeugenaussagen, Literatur und Bildung aufrechterhalten. Die letzten lebenden Überlebenden des Holocaust sind heute zumeist in ihren 80-er und 90-er Jahren; in ein paar Jahren wird fast niemand mehr übrig sein, um von den persönlichen Erfahrungen dessen zu erzählen, was es bedeutet in den einzigartigen Horror der Schoah eingehüllt zu sein.

Doch die Überlebenden haben zumindest diese Zusicherung: Was ihnen geschah wird nicht vergessen werden.

Oder etwa doch?

Die Ereignisse des Holocaust haben mich verfolgt, sei ich mich erinnern kann. Mein Vater, der 1925 in einem winzigen Dorf an der Grenzen zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn geboren wurde, ist ein Überlebender von Hitlers Vernichtungsprogramm. Mit seinen Eltern und vier seiner Brüder und Schwestern wurde er von den Nazis im Frühjahr 1944 verhaftet, in einem überfüllten Ghetto eingesperrt und dann nach sechs Wochen in einen Viehwaggon getrieben, um nach Auschwitz abtransportiert zu werden. Von den sieben unmittelbaren Familienangehörigen, die im Todeslager ankamen, wurden sechs ermordet; einzig mein Vater entkam dem Tod.

Für mich ist der Holocaust immer immens persönlich gewesen. Er mag zwar vor eineinhalb Jahrzehnte vor meiner Geburt geendet haben, aber ich haben immer verstanden, dass auch ich zur Vernichtung ausgewählt war. In einer öffentlichen Rede hatte Hitler 1939 gelobt „die Vernichtung der jüdischen Rassen in Europa“ zu verwirklichen. Der Kern der Endlösung besteht darin endgültig zu sein. Keine Juden sollten überleben – vor allem keine jüdischen Kinder, über die 3.000 Jahre jüdischer Existenz fortzusetzen. Das war das Ziel, für das Deutschland eine solche, auf dem ganzen Kontinent durchgeführte Operation aufbaute und solch immense finanzielle Ressourcen einsetzte: Um auch den letzten Juden in Europa ausfindig zu machen und zu ermorden.

Niemals zuvor hatte eine Weltmacht, von Antisemitismus wahnsinnig gemacht, die Ausrottung eines gesamten Volks zu ihrem zentralen Ziel gemacht oder es derart zum Äußerten getrieben es zu erreichen. Das ist es, was den Holocaust so grotesk, entsetzlich einzigartig macht. Die beispiellose Bosheit des Antisemitismus, eines Hasses, der älter und anders ist als jeder andere der Menschheitsgeschichte, ist der Kern, um den es beim Holocaust geht – dies und die Rolle der Juden als der Kanarienvogel im Bergwerk der Zivilisation. Wenn eine Gesellschaft sich mit giftigen moralischen Dämpfen vollstopft, werden Juden zum Ziel von Fanatismus und Terror. Aber es endet selten bei ihnen. Hitler macht sich daran die Juden zu verbrennen; am Ende stand ganz Europa in Flammen.

Die Geschichte ist angefüllt mit furchtbaren Illustrationen der menschlichen Fähigkeit zu Grausamkeit, Hass und Gewalt; in jedem Zeitalter hat es skrupellose Tyrannen gegeben, die bereit waren zum Erhalt von Macht und Wohlstand zu foltern und zu töten. Dass unkontrollierte Intoleranz und Rassismus zu barbarischen Verbrechen führen können, ist eine unverzichtbare Lektion. Aber wenn „Nie wieder“ mehr als das ist, dann muss die Holocaust-Erinnerung als Fehlschlag gewertet werden.

Es war immer unausweichlich, dass die Ungeheuerlichkeit im öffentlichen Bewusstsein schwinden würde. Der menschliche Verstand ist zum Vergessen gemacht; weder Einzelne noch Gesellschaften können verhindern, dass das Ausmaß der quälenden Erinnerungen im Lauf der Zeit abnimmt. IN seinem neuen Buch In Praise of Forgetting denkt David Rieff über König Philips Krieg nach, einen mörderischen Konflikt zwischen englischen Siedlern und Indianern im Neuengland des 17. Jahrhunderts. Auf einer Pro-Kopf-Basis war es der blutigste Krieg der amerikanischen Geschichte und diejenigen, die das Gemetzel überlebten, müssen leidenschaftlich überzeugt gewesen sein, dass es niemals vergessen werden wird.

„Und doch“, schreibt Rieff, „redet abgesehen von professionellen Historikern der Krieg von König Philip fast niemand mehr darüber… Die historische Bedeutung eines Ereignisses in seiner eigenen Zeit und in den Jahrzehnten danach bietet keine Garantie, dass man sich im nächsten Jahrhundert noch daran erinnern wird, ganz zu schweigen von den vielen danach.“

Früher oder später – ich fürchte: früher als später – wird dem Holocaust dasselbe Schicksal zuteil werden.

Wie andere furchtbare Ausbrüche an Grausamkeit und Gemetzel wird der Holocaust gewissermaßen „gewöhnliche“ Geschichte werden. Inzwischen gibt es reichlich Belege, dass das, was Europas Juden während des Zweiten Weltkriegs widerfuhr, aus dem Allgemeinwissen verschwindet. 2013 stellte eine Umfrage bei 53.000 Befragten in 101 Ländern fest, dass lediglich 54 Prozent der Erwachsenen der Welt vom Holocaust überhaupt gehört hatten – und von diesen glaubt ein Drittel, dass er entweder ein Mythos ist oder enorm übertrieben worden ist.

So entmutigend diese Zahlen auch sind, sie werden sich zwangsläufig verschlechtern. Da die Generation der Holocaust-Überlebenden stirbt, da Holocaust-Leugner ihr Gift verbreiten, da Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichte ihren unvermeidlichen Tribut fordert, wird die Erinnerung an den Völkermord der Nazis an den Juden sich verflüchtigen.

Mehr und mehr werden die Holocaustterminologie und seine Bilder banalisiert werden. Tatsächlich sind die Worte und Bilder seit Jahren furchtbar missbraucht worden. In ihrer Kampagne „Der Holocaust auf Ihrem Teller“ hat die Tierschutzorganisation PETA Hitlers Millionen menschliche Opfer mit Hühnern gleich gesetzt, die als Lebensmittel geschlachtet werden. In Taiwan wurden riesige Hitler-Bilder mit zum Nazigruß erhobenen Arm genutzt, um für Heizgeräte zu werben. In einer Fernsehsendung bestand der evangelikale Prediger Pat Robertson darauf, dass „was Nazideutschland den Juden antat, hat tut das liberale Amerika heute den evangelikalen Christen an … Das ist nichts anderes, das ist dasselbe.“

Holocaust-Erinnerung hat das Einsetzen der Holocaust-Amnesie nicht verhindert.

Während ein paar Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg machte seine schiere Monstrosität den Holocausts als Thema für Witze es undenkbar. Aber auch das ist über Bord gegangen, zusammen mit dem kurzfristigen Nachkriegs-Tabu, das widerlichen Antisemitismus aus der höflichen Gesellschaft verbannte. Heute wuchern Holocaust-Witze. „Geschmacklos und in üblem Geist sind einige davon Teil des Repertoires populärer Stand-up-Comedians geworden“, schreibt Alvin Rosenfeld, ein Forscher an der Indiana University. „Indem man jüdisches Leiden bespöttelt und verhöhnt versuchen Komiker wie Frankreichs Dieudonné, Norwegens Otto Jespersen, Irlands Tommy Tiernan und ihre Pendants in anderen Ländern Hitlers jüdische Opfer mit einem Lachen abzutun, indem sie sie über sie lustig machen.“

Das Gewissen der Welt war – hinterher – schockiert vom Ausmaß und der Grausamkeit des Holocaust. Angesichts solch monumental Bösenkönnte „Niemals vergessen“, wie „Nie wieder“ die einzig mögliche anständige Antwort gewesen sein. „Nach dem Krieg“, sagte Elie Wiesel, „beruhigten wir uns selbst damit, dass es ausreichen würde von einer einzigen Nacht in Treblinka zu erzählen … um die Menschheit aus ihrer Gleichgültigkeit zu rütteln und die Folterer davon abzuhalten jemals wieder zu foltern.“

Aber das reichte nicht. Berichte von dem, was in Treblinka getan wurde, verhinderte den Massenmord in Kamboscha oder Bosnien oder Ruanda nicht. Holocaust-Erinnerung hat die Menschen nicht gegen brutale Behandlung anderer Menschen geimpft. Museen und Filme und College-Kurse über die Schoah haben Völkermord nicht undenkbar gemacht – nicht einmal einen weiteren an Juden, wie die Regime im Iran und dem Gazastreifen regelmäßig deutlich machen.

Holocaust-Erinnerung hat Ausbruch der Holocaust-Vergesslichkeit nicht verhindert.

Für Überlebende wie meinen Vater und für die von ihnen aufgezogenen Söhne und Töchter ist es selbstverständlich, dass „Niemals vergessen“ ein unauslöschbarer moralischer Imperativ bleibt. Ich habe den Holocaust immer persönlich genommen und werde es immer tun. Aber die Welt, das weiß ich, wird es nicht tun. Irgendwann wird alles vergessen. Selbst die schlimmsten Verbrechen der Geschichte.

Ist Antizionismus Antisemitismus?

Zionistische Prinzipien abzulehnen heißt Juden abzulehnen

Daniel Gordis, The New York Times, 4. April 2016

Der Hauptfehler, den viele jüdisch-amerikanische Organisationen machen, besteht darin, dass sie wütend auf Kritik an Israel reagieren, ohne zuzugeben, dass es auch legitime Kritik gibt. Das hinterlässt unvermeidlicherweise den Eindruck, dass sie glauben, keine Kritik an Israel sei legitim. Aber das ist absurd. Israel macht wie alle Länder schwere Fehler und kann von Israelis wie Nichtisraelis, von Juden wie Nichtjuden auf redliche Weise kritisiert werden.

Israel wurde gegründet, um die Sicherheit und das Gedeihen des jüdischen Volks sicherzustellen. Es abzulehnen stellt einen Angriff auf Juden dar.

Doch ein Großteil der Kritik an Israel, die wir heute erleben, geht weit über die Grenze zulässiger Kritik hinaus. Die Vereinten Nationen sind der Ground Zero dieses Phänomens. Letzten Monat verurteilte die UNO-Kommission für den Status der Frauen nur ein einziges Land, weil es Frauenrechte verletzt. Das war Israel, dem vorgeworfen wird die Rechte palästinensischer Frauen zu verletzen. Zufälligerweise beendete am selben Tag der UNO-Menschenrechtsrat seine Sitzung in Genf und verurteilte Israel fünfmal mehr als alle anderen Mitgliedsstaaten der UNO. Ist Israel ein stärkerer Menschenrechtsverletzer als Syrien? Als Nordkorea? Als der Jemen? Jede derartige Andeutung ist so offenkundig lachhaft, dass man nicht anders kann als zu fragen, was hinter dieser Kaskade der Schmähungen steckt.

Im Spiel ist hier die Tatsache, dass Israel die jüdische Zukunft darstellt. Juden fliehen wieder aus Europa. Der Islamische Staat befindet sich mit dem gesamten Westen im Krieg, aber in der Türkei bestehen seine jüngsten Pläne offenbar aus Angriffen auf jüdische Institutionen und auf jüdische Kinder.

2016, etwa 70 Jahre nach dem Ende des Holocaust, hat sich die Welt weniger verändert als wir gehofft hatten. Und Israel ist das einzige Land der Welt, das von Rechts wegen Juden auf der Flucht nicht nur Zuflucht sondern auch die Staatsbürgerschaft garantiert.

Die Einseitigkeit und Unbarmherzigkeit der Kritik, der Israel unterzogen wird (und von der die Palästinenserführung und ihre Politik weithin ausgenommen sind), wird von einer fundamentalen Ablehnung der Vorstellung eines jüdischen Staats angetrieben. Da der Staat in erster Linie gegründet wurde, um die Sicherheit und das Gedeihen des jüdischen Volks sicherzustellen, stellt diese Ablehnung einen Angriff auf die Sicherheit des jüdischen Volks dar. Damit ist das per Definition die neueste Form des Jahrhunderte alten Virus namens Antisemitismus. Das ist illegitim. Es ist unmoralisch. Und es muss gestoppt werden.

Nicht wegen der „Besatzung“

Boaz Bismuth, Israel HaYom, 23. März 2016

Am 14. November, einen Tag nach den entsetzlichen Terroranschlägen von Paris, erklärte der französische Präsident François Hollande, Frankreich befinde sich im Krieg. Es war echt das Letzte, das die Bürger Frankreichs in Besonderen und die Europas im Allgemeinen hören wollten. Hollande verkündete nach den Anschlägen, die vermutlich in Terrorstaaten wie Syrien, dem Irak und Belgien geplant wurden, zudem einen Ausnahmezustand im Land.

Noch bevor man versucht zu verstehen warum, wollten die Menschen Frankreichs, zusammen mit ihren europäischen Landsleuten, wissen, wie lange ihr Alltagsleben gestört sein würde. Ein Krieg gegen den Terror, sagt ihr? Kommt schon, wir leben in Europa, nicht im Nahen Osten. „Wenn Europa den Mund aufmacht“, witzelte der frühere französische Präsident François Mitterand einmal bekanntlich, „dann nur um zu gähnen.“ Lebt man in einem Zustand des Leugnens, dann ist sicher, dass das Folgen hat. Willkommen in „Brüsselistan“!

Wie symbolisch, dass die zwei fürchterlichen Bombenanschläge in Brüssel, die das Leben von mindestens 30 Menschen forderten, am Flughafen und der U-Bahn-Station „Europa“ gegenüber dem EU-Hauptsitz stattfanden. Das waren keine Zufallsziele, die die Gruppe Islamischer Staat sich aussuchte, die uns vielleicht zeigen will, dass die Hauptstadt Europas jetzt eine Hauptstadt des Terrors ist. Das ist der beste Ort, von dem aus man eine drohende Botschaft an die „ungläubigen Kreuzzügler“ schicken kann, „denen weitere dunkle Zeiten bevorstehen“. Und in einer Art krankem Wettbewerb ist es auch eine Botschaft an Al-Qaida: Auch wir wissen, wie man koordinierte Anschläge verübt.

Für alle, die es vergessen haben: Letzten Freitag [18.03.2016 – heplev] atmeten die Belgier kollektiv erleichtert auf. Salah Abdeslam, einer der Terroristen von Paris, wurde in Molenbeek festgenommen, einem Vorort von Brüssel, der sich vor den Augen der blegischen Behörden eine „made-in-Belgium“-Jihadistenbrutstätte verwandelt hat. Einwohner von Moldenbeek sind in Belgien geboren und zur Schule gegangen; sie erhalten Sozialleistungen; und im Nachhinein betrachtet – natürlich inoffiziell – gehen sie auch davon aus, dass sie eine Lizenz zum Töten anderer Belgier haben. Der Grund? Jihad. Keine Besatzung, kein Gefühl der Verzweiflung, kein George W. Bush – Jihad. Nach dem Irak und Syrien denken sie sich selbst gegenüber wie ISIS: Warum nicht das Kalifat auch auf Belgien ausdehnen?

Nicht wegen der „Besatzung“

Die Fahndung nach Abdeslam dauerte vier Monate. Ein Kleinkrimineller, der im Namen des Islam zu einer Erzterroristen wurde. Es war jedem klar, dass seine Genossen – diejenigen, die ihm halfen seinen Anschlag auszuführen, zu entkommen und sich zu verstecken – immer noch frei herumliefen. Es war nur logisch von weiteren Anschlägen auszugehen. Wir können sogar annehmen, dass sie nach der Festnahme Abdeslams die Notwendigkeit erkannten ihre bereits geplanten Anschläge rasch auszuführen, da er wahrscheinlich während seiner Verhöre Informationen ausplaudern würde. Offenbar waren die belgischen Sicherheitskräfte kräftig aber damit beschäftigt sich selbst auf die Schulter zu klopfen, statt ihn angemessen zu verhören.

Und während die Rechtsanwälte und das Gericht damit beschäftigt waren die Bedingungen der Auslieferung Abdeslams an Frankreich zu diskutieren, setzten seine Kumpel die Räder für ihre koordinierten Bombenanschläge in Bewegung.

Ich habe viele Jahre in Europa gelebt. Und seit vielen Jahren wollten die Europäer nicht ein einziges Wort zum Terror hören. Es gab immer einen Grund: Entweder war es Terror gegen Juden oder Amerika oder gegen die Imperialisten. Ein anderes Mal war es wegen des Kriegs in Algerien oder wegen des Kriegs im Irak. Die Kurden waren bereits misslich vergessen.

Die Europäer fanden immer eine Ausrede für die Terroranschläge auf ihrem Boden. Aus welchem Grund auch immer fühlten sie sich damit sicherer. Und wenn die Ausreden ausgingen, gibt es immer die ultimative Zuflucht, die für alle Terroranschläge auf dem Kontinent verantwortlich ist: Die zionistische Besetzung und Unterdrückung der Palästinenser. Immerhin weiß jeder, dass Abdeslam wegen des „bitteren Schicksals“ seiner Brüder in Gaza nachts nicht schlafen konnte. Wirklich, es reicht jetzt! Würden die Experten in Israel bitte aufhören auf Schritt und Tritt diesen Unsinn hinzurotzen?

Der Feind befindet sich bereits im Inneren

Aber bitte, meine Damen und Herren, strapazieren Sie die Europäer bitte nicht mit Gerede vom Krieg. Stressen Sie sie nicht mit islamischem Terror. Stressen Sie übrigens auch US-Präsident Obama damit nicht. Es ist zu romantisch und angenehm in Verleugnung zu leben, in einer Welt, in er jeder jeden lieb hat und in der es keine Kriege gibt; und wo muslimische Immigranten aus dem Irak und Syrien sich nahtlos integrieren, ohne dass gefährliche, jihadistische Infiltratoren sich unter ihnen befinden.

Vielleicht können trotz allem die Bombenexplosionen in Brüssel von Dienstag den Kontinent aus seinem Tagtraum holen. Die Brüssel zugefügten Schrecken waren die Folge der Laxheit der belgischen Sicherheitskräfte und der Blindheit der Regierung. Und ihr Versagen hatte einen hohen Preis. Wie viele weitere Anschläge sind nötig, wie viele weitere Opfer, damit der andere Fuß aufkommt und erkannt wird, dass wir uns nicht nur im Krieg befinden, sondern ein dritter Weltkrieg zwischen der aufgeklärten Welt und den Mächten der Dunkelheit stattfindet? Mit denen, die uns zurück ins siebte Jahrhundert ziehen wollen oder – schlimmer – das siebte Jahrhundert an unsere Türschwelle bringen wollen?

Wir sollten den Bürger Europas nichts vorwerfen. Das von seinen Mächtigen gelenkte Europa ist nicht länger aufgestellt um Kriege führen zu können. Seine Regierungen haben ihre Militär- und Geheimdienst-Budgets beträchtlich verkleinert. Was Europas große, sensible muslimische Bevölkerung angeht, dürfen ihre Sensibilitäten um jeden Preis nicht beleidigt werden, selbst wenn es dadurch nötig wird wegzusehen. Wie schmerzlich ist es dann in der Tat, wenn die Illusion eines gesamten Kontinents ihm um die Ohren fliegt. Vielleicht wäre es für Europa besser die Augen weiter geschlossen zu halten oder – als Alternative – einmal mehr zu dem Schluss zu kommen, dass der „Grund“ für die Probleme nichts anderes ist als das „Palästinenserproblem“.

Europa wollte glauben, dass diese Einschnitte der Jahre 732, 1529 und 1638 – als die Eroberung des Kontinents durch die Muslime drohte – der Vergangenheit angehörten. Europa begreift nicht, dass die Lage heute viel schlimmer ist. Damals wurde, wie wir wissen, der muslimischer Eindringling von Mauern aufgehalten. Heute muss der Feind nicht einmal eindringen. Er ist bereits hier, Zuhause; er muss nur eine selbst gebaute Bombe vorbereiten und sich auf die Straße begeben. ER sieht auch keine Armee, die ihm im Weg steht.

Sollten wir in der Zeit zum 25. März 1957 zurückreisen – als die Römischen Verträge unterzeichnet und die EU praktische geschaffen wurde – und den Europäern erzählen, dass Großbritannien 59 Jahre später eine Reisewarnung für Belgien ausgeben wird, dann können wir davon ausgehen, dass wir in eine Anstalt eingewiesen würden. Aber „Belgistan“ ist bereits etwas ganz anderes. Es ist wirklich gefährlich dort. Wenn der Schlummer fortgesetzt wird und Europa diesen Kampf verliert, werden unsere Enkel lernen, dass die Kontinente Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und „Europastan“ heißen. Und ich kann bereits einige Experten sehen, die den Zuschauern erklären, dass die Juden dafür verantwortlich sind. Was, das wussten Sie nicht? Das alles geschieht, weil die Palästinenser unterdrückt werden. Alles in Ordnung, solange es einen Grund gibt nicht in den Krieg zu ziehen.

USA und Europa schufen Terror in Brüssel, sagte Sprecher der PA-Sicherheitskräfte

Itamar Marucs/Nan Jacques Zilberdik, PMW Bulletins, 23. März 2016

Nach Brüsseler Terroranschlägen:

Sprecher der PA-Sicherkräfte behauptet
USA und Europa
führten Terror selbst herbei.

„Wer das Gift bereitet,
wird es selbst kosten.
Und heute hat Europa eine Kostprobe von dem bekommen,
was es mit eigenhändig zubereitet hat.“

Text auf Schild: „Naher Osten“ [Offizielle PA-Tageszeitung Al-Hayat al-Jadida, 23. März 2016]
Nach den Terroranschlägen in Brüssel gestern, bei denen mindestens 30 Menschen ermordet und Hunderte verletzt wurden, schrieb Adnan Al-Damiri, Sprecher der PA-Sicherheitskräfte, in einem Eintrag auf seiner Facebook-Seite, dass die USA und Europa diejenigen sind, die den internationalen Terror schufen. Er behauptete zum Beispiel, dass Europa und die USA dafür verantwortlich seien „jüdischen Terror nach Palästina zu exportieren“ und Europa daher direkt verantwortlich für den Terror ist, der es trifft:

„Diejenigen, die das Gift bereiteten, werde es selbst zu kosten bekommen und heute hat Europa eine Kostprobe dessen bekommen, was es eigenhändig zubereitet hat.“
[Facebook-Seite des Sprechers der PA-Sicherheitskräfte, Adnan Al-Damiri, 22. März 2016]

Heute trug die offizielle PA-Tageszeitung in oben gezeigten Karikatur dieselbe Botschaft vor – eine Person, deren Kopf der Globus ist, der die westliche Welt repräsentiert, wird gezeigt, wie er versucht den Nahen Osten in die Luft zu sprengen, wobei er sich aber ungewollt selbst hochjagt. [Offizielle PA-Tageszeitung Al-Hayat al-Jadida, 23. März 2016]

Der folgende Text wurde vom Sprecher der PA-Sicherheitskräfte, Adnan al-Damiri, am 22. März 2016 auf seiner Facebook-Seite nach den Terroranschlägen in Brüssel gepostet:

„Wir verurteilen zwar terroristische Akte überall in der Welt, aber wir Araber sind diejenigen, die am schwersten vom Feuer des Terrors verbrannt worden sind, das von den USA und Europa seit den arabischen Jihad-Kämpfern in Afghanistan geschaffen und exportiert wurde und vorher durch den Export des jüdischen Terrors in Palästina und dass sie ihn unterstützen und rechtfertigen. Heute wird Europa von seinem [des Terrors] Feuer an seinen Flughäfen und auf seinen Plätzen verbrannt. Ich fühle keine Häme, sonder Schmerz wegen jeder unschuldigen Seele, die getötet wurde, aber diejenigen, die das Gift bereiten, werden es selbst zu schmecken bekommen und heute hat Europa eine Kostprobe von dem bekommen, was es eigenhändig bereitet hat. Wenn ihr den Terror nicht überall bekämpft, vor allem in Palästina, da die [israelische] Besatzung die übelste Form des Terrors ist, ebenso in Syrien, dem Irak, Jemen, Libyen, Ägypten, Tunesien und Jordanien – dann werdet ihr von seinem Feuer verbrannt werde und Terror hat keine Religion.“
[Facebookseite des Sprechers der PA-Sicherheitskräfte, Adnan Al-Damiri, 22. März 2016]

—–

[heplev] Fazit: Juden sind Terroristen. Die Araber sind das Opfer der Juden. Die Europäer und Amerikaner haben den jüdischen Terror herbeigeführt. Araber/Muslime können gar keinen Terror verüben, weil sie nichts und niemanden besetzen und „Terror keine Religion hat“. Wunderbar. Die Europäer werden ihm das auch noch abnehmen und nicht nur der muslimische Antisemitismus feiert weiter fröhliche Urstände – muslimischer Terror sowieso.

Wie man Juden für Antisemitismus verantwortlich macht

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Eine weit verbreitete Überzeugung lautet, dass Juden für Antisemitismus verantwortlich sind; sie ist in der westlichen Welt seit vielen Jahrhunderten verankert. 2015 legte Isaac Bachman, der israelische Botschafter in Schweden, diese pervertierte Vorstellung offen, als er zu einem seltenen Interview im staatlichen Radio eingeladen wurde. Die Interviewerin fragte ihn, ob Juden für den steigenden Antisemitismus in Europa verantwortlich seien. Der Botschafter verwarf die Frage komplett.

Die Interviewerin bestand jedoch darauf. Bachmann antwortete dann: „Die Frage, ob eine Frau zu der Tatsache ihrer Vergewaltigung beiträgt, ist völlig irrelevant. Ich glaube nicht, dass es irgendeine Provokation gibt, die Juden ausüben – außer dass es sie gibt.“ Hinterher unternahm Schwedens Staatsradio den ungewöhnlichen Schritt sich öffentlich zu entschuldigen und löschte die Frage sogar aus der Aufnahme des Interviews in seinem digitalen Archiv.[1]

Eine vor kurzem in Frankreich durchgeführte Meinungsumfrage brachte diese immer schwelende Überzeugung ins Rampenlicht. Siebzehn Prozent der Befragten aus der allgemeinen Öffentlichkeit antworteten, dass Juden in beträchtlichem Maß für den Antisemitismus verantwortlich sind. Bei Muslimen lag der Prozentsatz weit höher, bei 31%. Zusätzliche 42 Prozent sowohl der Allgemeinheit als auch der muslimischen Befragten antworteten, dass es jüdische Verantwortung für Antisemitismus gibt, diese aber minimal sei.[2] Die Mehrheit der Franzosen halten also an dieser falschen Beschuldigung fest, deren Anfänge mehr als 15 Jahrhunderte zurückreichen.

Jüdische Verantwortung für das, was viel später Antisemitismus genannt wurde, ist ein uraltes Herzstück der Idee des Christentums, das gewöhnlich mit zwei weiteren, extrem bösartigen Konzepten eingesetzt wird: kollektiver Verantwortung und der Suche nach einem Sündenbock. Die Juden wurden als für die Kreuzigung Jesu verantwortlich ausgemacht, die in Wirklichkeit ein Urteil war, das von den Römern gefällt und vollstreckt wurde.

Wenn überhaupt welche, dann waren nur wenige Judenwenn überhaupt welche, waren bei der Kreuzigung anwesend. Das verhinderte nicht die kollektive Schuldzuweisung an alle Juden über alle Generationen hinweg, die für einen üblen Akt verantwortlich gemacht werden, den nicht einmal diese wenigen begangen hatten. Das ist ein weiteres Beispiel einer typisch fanatischen, diskriminierenden Einstellung: die der Stereotypisierung einer gesamten Gruppe Menschen für die bösartigen Taten, die angeblich von einer kleinen Zahl ihrer Mitglieder begangen wurden. Im Gegenteil: Die Verantwortung für die unzähligen, von Christen durch die Jahrhunderte hindurch verübten antisemitischen Angriffe, Vertreibungen, Pogrome und Ähnlichem, liegt ausschließlich bei denen, die solche Taten befahlen und begingen.

Selbst Martin Niemöller, einer der bekanntesten protestantischen deutschen Kritiker des Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkriegs, hielt vor dem Krieg Predigten, in denen er behauptete die Juden seien verflucht, weil ihre Vorfahren Christus töteten.[3] Die Verfolgung der Juden ist so ein ikonenhaftes Beispiel für Schuldzuweisungen an Opfer geworden.

1937 schrieb Winston Churchill einen Artikel mit dem Titel „Wie die Juden die Verfolgung bekämpfen können“; er wurde nie veröffentlicht. Er machte Juden teilweise für Antisemitismus verantwortlich. Obwohl er schrieb, dass Juden fleißig und gesetzestreu seien, fügte Churchill hinzu: „Es gibt Zeiten, in denen man instinktiv das Gefühl hat, dass all das nur eine weitere Erscheinungsform des Unterschieds ist, der Absonderung der Juden.“ Dann machte er die Juden für „Unnahbarkeit“ verantwortlich und drängte sie sich in die breitere Gesellschaft zu integrieren, um zukünftige Verfolgung zu verhindern.[4] Churchill wurde unter der deutschen Besatzung schon bald dramatisch widerlegt. Wenn auf konvertierte oder assimilierte Juden die Definition zutraf, die in den Nürnberger Gesetzen niedergelegt war, wurden sie zusammen mit anderen Juden ermordet.

Der amerikanische Psychologie-Professor Kevin MacDonald ist stark für das Konzept der jüdischen Verantwortung für Antisemitismus eingetreten – und hat es missbraucht. In seiner Buchserie zu evolutionärer Psychologie, die von 1994 bis 2004 veröffentlicht wurde, behauptete dieser Hass-Schürer, dass Juden eine erfolgreiche Gruppe „evolutionärer Strategien“ hatten und dass Antisemitismus eine „rationale“ Reaktion auf jüdische Erfolge ist. Aus seiner Sicht war die spanische Inquisition eine „Verteidigungsreaktion auf die wirtschaftliche und politische Dominanz [der Juden]“ und sogar der Nationalsozialismus war als „Gruppe evolutionärer Strategie, die das Judentum spiegelte“ gerechtfertigt.[5]

Selbst einige intelligente Juden haben das heimtückische Wesen dieser antisemitischen Ausdrucksweise nicht begriffen. 2003 sprach der Milliardär und Philanthrop George Soros vor dem Jewish Funders Network. Außer dass er die Politik Israels und der USA beschuldigte, schrieb er auch noch sich selbst Schuld zu. Seine Worte: „Auch ich bin sehr besorgt wegen meiner eigenen Rolle, denn der neue Antisemitismus behauptet, dass die Juden die Welt beherrschen… Als ungewollte Folge meines Handelns trage auch ich zu diesem Image bei.“

In Reaktion auf Soros‘ Rede gab der verstorbene Elan Steinberg, damals Seniorberater des World Jewish Congress, die richtige Antwort: „Lassen Sie uns die Dinge klar verstehen: Antisemitismus wird nicht von Juden verursacht; er wird von Antisemiten verursacht. Man kann natürlich die Politik von Bush oder Sharon kritisieren, aber jedes Abweichen von der Erkenntnis der wahren Ursache des Antisemitismus ist nicht nur ein Bärendienst, sondern eine historische Lüge.“[6]

[1] Itamar Eichner: Swedish radio asks ambassador: Are Jews causing anti-Semitism? YNet, 19. Februar 2015.

[2] Brice Teinturier/Etienne Mercier: Perceptions et attentes de la population juive. Fondation du Judaïsme Français, IPSOS Public Affairs, 2015, S. 28-34.

[3] Martin Niemöller, Biography: Holocaust Encyclopedia, United States Holocaust Memorial Museum. 29. Januar 2016.

[4] Reuters: Pre-WW2 Churchill Article Says Jews Partly to Blame for anti-Semitism. Ha’aretz, 11. März 2007.

[5] Kevin MacDonald: Extremism in America, The Anti-Defamation League. 2013.

[6] In Rare Jewish Appearance, George Soros Says Jews and Israel Cause Anti- Semitism. JTA, 10. November 2003.

Weitere antisemitische und aufstachelnde Karikaturen arabischer Medien

Elder of Ziyon, 21. Februar 2016

Ich stolperte gerade über eine weitere palästinensisch-arabische Nachrichten-Internetseite namens omamh.net; sie hat einen großen Abschnitt mit von der Redaktion ausgesuchten Karikaturen.

Das Versprechen von Balfour/das Versprechen Allahs

Friedhof der Invasoren