Aus die Maus: BDS ist das Gesicht des modernen Antisemitismus

Der Versuch Matisyahu zu boykottieren hat einen unbezahlbaren Blick in die einzigartige Struktur des zeitgenössischen Antisemitismus geboten – und zeigt uns, wie er bekämpft werden kann.

Ari Soffer, Israel National News, 23. August 2015

Die Debatte darüber ob die BDS-Bewegung – die Boykotte, De-Investitionen und Sanktionen gegen den Staat Israel fordert – antisemitisch ist, tobt seit deren Gründung vor etwa einem Jahrzehnt.

Als Beweis ihres Antisemitismus deuten die BDS-Gegner auf die Tatsache, dass sie den jüdischen Staat (eigentlich besonders die israelischen Juden und jüdische Institutionen/Firmen in Israel, nicht israelische Araber) aussondert, während sie massive Menschenrechtsverletzungen anderswo in der Region ignoriert – selbst wenn sie, wie z.B. in Syrien, an anderen Palästinensern verübt werden.

Sie führen weiterhin die schaurigen Ähnlichkeiten zwischen den Kampagnen zum Boykott (von Juden) im jüdischen Staat und früheren antisemitischen Boykottkampagnen in Europa (z.B. die von Nazi-Deutschland verübten) an. Und natürlich ist da die Frage der vielen offenen Antisemiten, die vom BDS und breiteren antiisraelischen Bewegungen aus allen Ecken des politischen Spektrums angezogen werden.

Die BDS-Unterstützer begegnen diesem Argument weitgehend damit, dass sie auf die nicht unbedeutende Handvoll Juden zeigen, die eine – manchmal herausragende – Rolle in ihrer Kampagne spielen, ebenso auf die Tatsache, dass (in ihren eigenen Worten) sie öffentlich jede Form von Rassismus ablehnen. Wie kann eine Kampagne, an der Juden beteiligt sind und die Rassismus ablehnt, eine antisemitische sein?

Die jüngste Saga zu Matsyahus Auftritt beim Rototom Sunsplash-Festival sollte diese Debatte ein für alle Mal beenden. Nach den Ereignissen der letzten Wochen sollte es mehr als klar sei, dass BDS nicht nur völlig antisemitisch ist, sondern sie und die breitere Antiisrael-Bewegung sind in der Tat gerade das Symbol des modernen Antisemitismus.

Es geht nicht um das „Warum-Geeiere“

Es geht nicht darum, dass BDS Matisyhau aufgrund der fadenscheinigen Grundlage der Sorge um „Menschenrechte“ ins Visier nahm, während die extrem homophoben Künstler ignoriert werden, die auf demselben Festival auftraten. Sicher, diese Scheinheiligkeit ist ein Kennzeichen der Schande für die Festival-Organisatoren; die Wiedereinladung Matisyahus macht die Tatsache nicht ungeschehen, dass sie ihn als „Verdächtigen“ behandelten, weil er ein pro-israelischer Jude war, während mit Homophoben, die das Verbrennen von Schwulen befürworten, nicht ebenso unter Druck gesetzt wurden.

Das ist ein wichtiger Punkt: Die BDS ist nicht antisemitisch, weil sie „sich nicht auf andere Menschenrechtsverletzung konzentriert“. Dieses Argument, das von pro-israelischen Gruppen oft angeführt wird, ist ineffektiv. Fakt ist, dass BDS eine der zahllosen Ein-Thema-Kampagnen rund um die Welt ist, die sich auf eine bestimmte Frage/Ort/angebliche Ungerechtigkeit fokussiert während andere ignoriert werden. So funktioniert eine Ein-Thema-Kampagne nun mal. Um Antisemitismus zur Rechenschaft zu ziehen und zu bekämpfen, müssen wir ihn unbedingt genau identifizieren – und die dass BDS sich auf ein einziges Thema konzentriert, spielt keine Rolle.

(Die einzige Ausnahme ist, wenn BDS – eine Gruppe, die behauptet sich zutiefst wegen der Rechte der Palästinenser zu sorgen – „palästinensischem Leid“ vergleichsweise wenig bis keinerlei Aufmerksamkeit widmet, wenn Israel nicht beteiligt ist. Zum Beispiel, wenn in Syrien das Regime und ISIS gleichermaßen Palästinenser abschlachtet oder an Hunger sterben lässt; oder im Libanon und Jordanien, wo ihnen grundlegende Rechte wie das Recht auf Arbeit, die Staatsbürgerschaft oder andere grundlegende Freiheiten verweigert werden. Aber selbst dann, obwohl diese Heuchelei ein Indikator ist, dass etwas an der Kampagne stinkt, ist das an sich noch kein Antisemitismus.)

Um zu verstehen, wieso BDS den modernen Antisemitismus im Westen verkörpert (die arabisch-muslimische Welt ist ein völlig anderer Fall), müssen wir zuerst die genaue Natur dieser eigenartigen Unterart der Bigotterie untersuchen. Antisemitismus tendiert wie ein Virus dazu sich zu wandeln und dadurch zu entwickeln, dass er sich die vorherrschenden Gewohnheiten und Diskurse der Gesellschaft nutzbar macht, um der Art von „Fortschritt“ gegenüber resistent zu bleiben, der unausweichlich anderer Formen der Engstirnigkeit aus dem Mainstream-Diskurs hinauswirft.

Als der christliche Fundamentalismus der letzte Schrei war, waren Juden „Christusmörder“. Als die Theorien der Rassenüberlegenheit als Mainstream galten, „verunreinigten/zerrütteten/ Juden die weiße Rasse“ oder wirkten gegen sie. Im Zusammenhang mit dem Kommunismus waren Juden Teil der „Bourgeoisie/Eliten/globalen Banker“ – im Gegensatz zu faschistischen Regimen, für die wir Hand in Hand mit den Kommunisten arbeiten.

Es kann verwirrend sein einem derart verworrenen Mix aus oft diametral entgegengesetzten Beschuldigungen zu folgen – aber so sieht das Wesen des Antisemitismus aus.

Wie andere Formen des Fanatismus ist er irrational. Wie andere Formen des Fanatismus wird es immer solche geben, die sich ihm anschließen und in seinem Namen sogar abscheuliche Verbrechen begehen. Aber anders als andere Formen des Fanatismus ist er „Fortschritt“ gegenüber resistent; seine Anhänger werden immer eine Möglichkeit finden ihn nicht nur für sich selbst zu rechtfertigen, sondern – was entscheidend ist – ihn selbst im Mainstream-Diskurs „akzeptabel“ und „gerechtfertigt“ zu halten.

Um zeitgenössischen Antisemitismus zu erkennen ist es daher entscheidend sich neben die früheren Paradigmen zu stellen, innerhalb derer er einst agierte, die er aber seitdem preisgegeben hat. Innerhalb solcher veralteter Paradigmen zu agieren – z.B. nach Beweisen für auf Rasse oder Religion basierenden Fanatismus zu suche – stärkt die zeitgenössischen Antisemiten sogar darin für ihre neue Version des Hasses zu werben, indem sie die echten Unterschiede zwischen sich und ihren Vorgängern als Beweis aufzeigen, dass sie „nicht wie die“ sind. Und doch ist es ein Fehler, den wir immer und immer wieder machen.

Um das zu illustrieren gib es eine gemeinsame Haltung, die von vielen Gegnern der BDS zu hören bekommen habe: „Während die Bewegung selbst nicht per se antisemitisch ist, gibt es gewiss einige/viele Antisemiten, die darin involviert sind.“ Was diese Leute tatsächlich sagen, ohne es zu erkennen: Es gibt Leute innerhalb der BDS und der breiteren Antiisrael-Bewegung, die einigen der alten, diskreditierten Versionen des Antisemitismus beipflichten, auch wenn die Bewegung selbst – damit erkennt man ihren Giftgehalt – manchmal versucht sich von ihnen zu distanzieren. In diesem Sinne haben sie recht; man musst innerhalb der Antiisrael-Gruppe nicht weit sehen, um eine kunterbunte Auswahl rechtradikaler Holocaustleugner, islamistische Fanatiker, Anhänger der christlichen Ersetzungstheologie und Neomarxisten zu finden, die allerlei „weniger akzeptable“ antisemitische Verschwörungstheorien und Ideen speien.

Doch wieder kann zwar die Tatsache, dass solche Einzelpersonen von der Antiisrael-Bewegung angezogen werden, ein Indikator ihrer antisemitischen Natur sein, aber das ist kein eindeutiger Beweis, solange solche Gruppen sich offen und öffentlich von solchen Vorstellungen distanzieren (so voller Ungereimtheiten solche Distanzierungen auch klingen mögen).

Antizionismus as Antisemitismus

BDS und andere antiisraelische Gruppen im Westen glauben – als Bewegung – nicht, dass alle Juden getötet oder bekehrt werden sollten (obwohl viele Einzelne innerhalb der Bewegung solche Überzeugungen hegen mögen und die Bewegung selbst offen andere völkermörderische Gruppen wie die Hamas unterstützt). Das ist keine spezifische Form des Antisemitismus, dem sie sich anschließen. Sie sind jedoch sehr offen, was die Version des Antisemitismus angeht, der sie beipflichten, obwohl sie die typischerweise so abstreiten: Antizionismus.

Dieser kommt zwar in vielen Schattierungen daher, aber der Zionismus in seinem grundlegendsten Sinn ist schlicht der Glaube, dass das jüdische Volks das Recht auf Freiheit und politische Unabhängigkeit in seinem uralten, historischen, angestammten Heimatland, Eretz Yisrael hat. Antizionismus oder „gegen Israel“ zu sein ist damit der Glaube, dass – während jede andere Nation dieses Recht besitzt – wir Juden es nicht haben oder an uns zumindest ein anderes Maß angelegt werden sollte, wenn wir es einmal haben, erbarmungslos unter die Lupe genommen gepiesackt werden sollten, wobei jeder Mangel (ob real oder imaginär) unter ein Mikroskop gelegt wird.

Noch tiefer sitzt, dass diese Überzeugung auf der perversen Vorstellung des Juden als „edlem Opfer“ basiert. Das ist der Grund, warum so viele antiisraelische Typen betonen, dass sie den Holocaust verurteilen (das ist natürlich sehr großzügig von ihnen) oder keine Mühen scheuen zu sagen, dass sie großes Mitgefühl für die Erfahrung der Juden haben, die ihn durchmachten. In den meisten Fällen tun sie das wirklich aufrichtig – denn Holocaust-Opfer sind genau die Art von tragisch schönen, „reinen“, verfolgten Juden, mit denen sie leben können. Jüdische Schwäche ist für zeitgenössische Antisemiten „attraktiv“, während jegliches wie auch immer geartetes Anzeichen jüdischer Stärke automatisch für „provokativ“ gehalten wird.

In diesem Sinne ist der zeitgenössische Antisemitismus eher mit dem Rassismus gegen Schwarze der Apartheid, des Jim Crow und der anschaulichsten Sklaverei vergleichbar als mit – sagen wir – dem Antisemitismus der Nazis.

Viele oder sogar die meisten Sklavenhalter zum Beispiel „hassten“ schwarze Menschen nicht in dem Ausmaß, dass sie sie alle tot sehen wollten. Viele von ihnen mögen sogar Zuneigung zu „ihren“ schwarzen Sklaven gehabt und sie gut behandelt haben. Aber das machte sie nicht zu Nichtrassisten, denn sie waren weiter der fundamental rassistischen Überzeugungssystem verschrieben, dass Schwarze Weißen rassisch unterlegen waren und dass ihre Status innerhalb der Gesellschaft das daher spiegeln sollte (entweder als Sklaven oder zumindest als Bürger zweiter Klasse). Schwarze, die für eine Veränderung agitierten, wurden als Unruhestifter oder Schlimmeres betrachtet – weil sie „kein Recht hatten“ frei zu sein.

Im zeitgenössischen Diskurs betrachten Antisemiten Juden auf die gleiche Weise.

Während andere Nationen frei sind, sogar ermutigt und unterstützt werden für ihre nationalen Rechte zu kämpfen, werden Juden dazu aktiv demotiviert und dafür schlecht gemacht. Während in jedem anderen Zusammenhang ein indigenes Volk, das seine angestammte Heimat physisch befreien will und gleichzeigt die durch die erobernden imperialistischen Mächte geänderte Ortsnamen zurückfordert – egal, wie lange es her ist, dass sie ihnen genommen und sie kolonisiert wurde – Wohlwollen gewinnen würde, werden Juden, die das tun, verhöhnt und verdammt, beschuldigt „auf uralter Geschichte herumzureiten“.

Es ist schon erstaunlich, dass wir Juden gleichzeitig der Unterdrückung des „uralten“ palästinensischen Volks – die angeblich „uralte“ Geschichte ist unerklärlich relevanter und weniger absurd als unsere eigene wachzurufen – über unseren modernen Nationalstaat beschuldigt werden. Diese schamlose logische Widersprüchlichkeit dienst als grafische Illustration der Schlüpfrigkeit des Antisemitismus und seiner Fähigkeit selbst in einem zeitgenössischen Kontext sein Aussehen zu ändern – manchmal innerhalb eines einzigen Atemzugs.

Das ist der Grund, dass Matisyahu zu boykottieren absolut auf einer Linie mit den Haltungen der BDS. Es spielt keine Rolle, dass er kein Israeli ist, worauf es ankommt ist, dass er ein jüdischer „Unruhestifter“ ist, denn auch wenn er nie politische Aussagen auf der Bühne macht, ist er klar pro-Israel und schämt sich dafür nicht.

Mit denjenigen, die dagegen vorgehen – bestimmt können sich nur die extremsten, Schaum vor dem Mund habenden, randständigen Antisemiten innerhalb der BDS-Bewegung möglicherweise einem solch offenen antisemitischen Standpunkt verschreiben – würde ich gerne einen Tweet teilen, den ich von jemandem erhielt, den sie vielleicht erkennen:

Ari Soffer:
Die Weigerung der BDS gegenüber zu katzbuckeln diente als Vorbild für junge Juden. Bei jüdischem Stolz geht es nicht um gefühlte Notwendigkeit „sich selbst zu beweisen“.
Jim Clancy:
Jeder trifft seine Wahl.
Poster:
Matiyahu und David Broza werden life auf der AIPAC-Politik-Konferenz 2015 auftreten.
Air Soffer:
Alter Schwede! Ein Jude, der Israel mag. Schnell, zwing ihn zur Unterwerfung!

Sagen Sie über Jim Clancy, was Sie wollen, aber der Mann betrachtet sich gewiss nicht als antisemitisch. Doch er suggeriert – als ehemaliger Rundfunksprecher eines der am stärksten zum „Mainstream“ gehörenden Senders, den man sich vorstellen kann – offensichtlich, dass die Tatsache, dass ein Juden es wagt Israel zu unterstützen, wenn auch nur auf sehr allgemeine Weise, ihn dies zu Freiwild für Boykotte und Attacken macht.

Natürlich ist das nur ein Tweet. Aber er ist ein genauer Spiegel der vielen Botschaften, die in Verteidigung der BDS-Entscheidung zirkulierten Matisyahu ins Visier zu nehmen und dass Rototom ihn dann auslud, als die Story noch ganz neu war: „Das ist nicht, weil er Jude ist – das ist, weil er Zionist ist!“

Zerlegt man jedoch die Terminologie, dann wird die fundamentale Bigotterie einer solchen Äußerung offensichtlich: „Natürlich ist es inakzeptabel einen jüdischen Künstler zu boykottieren, nur weil er eine jüdische Einzelperson ist. Aber das Problem mit Matisyahu besteht darin, dass er sich mit den nationalen Rechten seines Volks und dessen Erscheinungsformen identifiziert und dass macht ihn natürlich zu Freiwild.“

Mit anderen Worten: Juden, israelisch oder nicht, sollten ihren Platz kennen.

Dass es Juden gibt, die sich antizionistischen Ideen verschreiben, beweist nichts. In Wirklichkeit spiegelt es genau die Reaktion der stark assimilierten Juden einerseits und der hareidischen Antizionisten andererseits während der letzen großen Welle des europäischen Antisemitismus.

Der Judenhass der Nazis, darauf bestanden viele assimilierte deutsche Juden, war für die „Ostjuden“ reserviert – den primitiven, religiösen, unkultivierten Juden Osteuropas. Selbst als der Antisemitismus der Nazis auch sie anvisierte, geschah das nur, weil einige Europäer nicht zwischen „guten“ assimilierten Juden und „schlechten“ primitiven unterscheiden konnten.

Nach Ansicht der hareidischen/religiösen Antizionisten war der Antisemitismus eine Strafe Gottes für den „Zionismus“, den sie (fälschlich) sowohl als inhärent säkulare Idee, als auch als „Provokation der Nationen“ betrachteten – dieses unterwürfige letztere Argument wurde aus einer eigenartigen Interpretation talmudischer Schriften abgeleitet und besagt, dass man versuchen soll jüdische Unabhängigkeit bis zur Ankunft des Messias zu verhindern. Als solche würde Gott sie sicherlich schützen, während die zionistischen „Sünder“ untergehen würden.

Wie falsch sie lagen! Und wie falsch ihre ideologische Nachkommenschaft doch auch heute falsch in dem Glauben liegt – von der assimilierten jüdischen Linken bis zur Naturei Karta – sie hätten Liebe, Akzeptanz und Schutz gewonnen, weil sie sich von nationaler Unabhängigkeit fernhalten. In Wirklichkeit haben sie lediglich ihren Status als zweitklassige menschliche Wesen akzeptiert.

Renitenz als Lösung

Wenn Matisyahu anzuvisieren der BDS die Maske herunterriss und das Gesicht des modernen Antisemitismus offenlegte, hat seine Reaktion eine wichtige Lektion geboten, wie man zurückschlägt.

Er kapitulierte vor ihren Forderungen nicht und demütigte sich nicht vor dem bellenden Mob in der vergeblichen Hoffnung sie würden besänftigt werden; aber genauso wichtig ist, dass er keine Ausreden für seine Unterstützung Israel machte. Er ging nicht einmal auf die völlig haltlosen, beleidigenden Beschuldigungen des Staates Israel ein – obwohl er natürlich nicht mit ihnen übereinstimmte – denn das zu tun würde ihnen eine Legitimität einräumen, die sie nicht verdienen. Er ist kein Unterstützer von Bigotterie (anders als andere, die auf derselben Veranstaltung auftraten), sonder der legitimen Recht des jüdischen Volks; warum also sollte er sich gegen haltlose Anschuldigungen verteidigen?

Stattdessen war seine Reaktion eine der Verachtung – Verachtung gegenüber den Beschuldigungen und Beschuldigern und Verachtung gegenüber dem empörenden Ultimatum, das ihm gestellt wurde; die Art von Verachtung, die nur mit Selbstvertrauen und Sicherheit bezüglich der Richtigkeit der eigenen Sache kommt.

Die BDS-Bewegung und jeder andere antiisraelische Bewegung wie sie, will nicht den Juden ihre Leben oder ihre Religion rauben, sondern ihre Würde – ob durch Kapitulation oder durch gestammelte Ausflüchte. Das ist das Gesicht des modernen Antisemitismus.

Genau die Tatsache, dass in einer Diskussion über den arabisch-israelischen Konflikt die Stange dafür, nicht total bigott zu sein, oft in der „Anerkennung des Existenzrechts Israels“ liegt – eine Äußerung, die absolut bizarr, sogar beleidigend wäre, würde sie über irgendein anderes Land getätigt – ist ein Hinweis darauf, dass dieses Vorurteil zwar nicht durchgängig akzeptiert ist, aber den Diskurs des Mainstreams infiltriert und infiziert hat und dies weiter tut.

Die Reaktion muss daher darin bestehen, dass wir die uns Angreifenden verachten und auf das Wissen um die Richtigkeit unserer Sache stolz sind.

Für das zu kämpfen, von dem wir wissen, dass es richtig ist, ohne Ausflüchte und ohne Angst.

Etwa so:

Der Krieg gegen die Juden

Efraim Karsh, Middle East Forum, 14. August 2012 (urspr. Israel Affaris, Juli 2012, S. 319-343)

Die anhaltende antiisraelische Delegitimierungs-Kampagne ist eine logische Folge der tausendjährigen Besessenheit mit den Juden in der christlichen und muslimischen Welt. Da Israel der einzige jüdische Staat der Welt ist und da der Zionismus die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes ist, bedeutet Antizionismus – anders als Kritik bestimmter israelischer Politik oder Handelns – die Verweigerung des Rechts der Juden auf nationale Selbstbestimmung. Solch eine diskriminierende Verweigerung dieses Grundrechts gegenüber nur einer einzigen Nation (und auch noch der einen, die die Identität ihrer Gemeinschaft und territoriale Verbundenheit bis in die Antik zurückverfolgen kann), während es gleichzeitig allen anderen Gruppen und Gemeinschaften zugestanden wird, so neu und dünn ihr Anspruch auf Eigenstaatlichkeit sein mag, ist reiner und unverfälschter Rassismus – oder, wie er allgemein bekannt ist: Antisemitismus.

Nach jedem vorstellbaren Standard ist Israel eine außergewöhnliche Erfolgsstory geworden: nationale Wiedergeburt im Heimatland ihrer Vorväter nach Jahrtausenden Exil und Zerstreuung; Wiederbelebung einer nicht aktiven biblischen Sprache, die Schaffung einer modernen, hoch gebildeten, technologisch fortgeschrittenen und kulturell wie wirtschaftlich gedeihenden Gesellschaft sowie einer pulsierenden liberalen Demokratie in einer der am wenigsten demokratischen Regionen der Welt. Es ist weltführend unter anderem in Landwirtschafts-, medizinischen, militärischen und Solarenergie-Technologien; eine High-Tech-Supermacht, die mehr Beteiligungskapital pro Kopf anzieht als die USA und Europa; Heimat eines der weltbesten Gesundheitssysteme und philharmonischen Orchester, ebenso für zehn Nobelpreisträger. Und so weiter und so fort.

Warum ist dann Israel der einzige Staat der Welt, dessen Existenzrecht ständig diskutiert und angefochten wird, während weit weniger erfolgreiche Staaten – einschließlich zahlreicher „failed states“ – als legitime und unanfechtbare Mitglieder der internationalen Gemeinschaft gelten? Die von diesem angebotene Antwort: Dieses weit verbreitete Vorurteil gegen Israel, den einzigen jüdischen Staat, den es seit biblischen Zeiten gab, ist eine logische Folge der Jahrtausende bestehenden Besessenheit mit den Juden in der christlichen und der muslimischen Welt.

Gelegentlich, besonders unter frommen und/oder wiedergeborenen evangelikalen Christen, hat sich diese Besessenheit in Bewunderung und Unterstützung für die nationale jüdische Auferstehung im Heiligen Land manifestiert. In den meisten Fällen haben aber antijüdisches Vorurteil und Anfeindung – oder wie es allgemein heißt: Antisemitismus – dafür gesorgt, dass Misstrauen und Hass auf Israel verstärkt werden. In der Tat legt die Tatsache der internationalen Berichterstattung zum arabisch-israelischen Konflikt und die Verleumdungen des Zionismus und Israels, wie die ekelhaften Vergleiche zu Nazideutschland und dem Südafrika der Apartheid einen Grad an Intensität und emotionale Auseinandersetzung gespiegelt, die weit über den normalen Grad hinaus geht, die man von unparteiischen Beobachtern erwarten kann, nahe, dass sie, statt eine Antwort auf konkretes israelisches Handeln zu sein, Ausdruck lange bestehender Vorurteile ist, die von den Wirren des Konflikts offen gelegt worden ist.

Antizionismus oder Antisemitismus?

Natürlich haben die Israel-Basher als Grundargument angeführt, sie hätten nichts gegen das Judentum oder die Juden, sondern nur gegen den Zionismus und die Zionisten; ihre Kritik müsse als Ausdruck des Frustes wegen des Zionismus verstanden werden, nicht wegen der Juden oder dem Judentum. Doch all ihre Beteuerung des Gegenteils haben Gegner des Zionismus und Israels nie wirklich unter Zionisten, Israelis und Juden unterschieden und diese Begriffe oft synonym verwandt.

„Ich kann nicht wirklich erkennen, dass es eine Art des Umgangs mit der zionistischen Frage gibt, außer hin und wieder ein Massaker“, schrieb Freya Stark, bekannte britische Arabistin und Antizionistin, 1943 während eines Einsatzes in den Vereinigten Staaten, bei dem sie für die britische Palästina-Politik warb. „Was können wir tun? Es ist das gnadenlose Herausquetschen den letzten Pfennigs, der dafür sorgt… die Welt hat sich entschieden sie in Abständen zu massakrieren; und wessen Fehler ist das?“[1]

Als die israelische Regierung im Juni 1967 eine französische Warnung vor einem Präventivschlag gegen die drohende panarabische Attacke zu ignorierte, griff Präsident Charles de Gaulle die Juden – nicht die Israelis – verbal an als „Volk der Elite, von sich selbst überzeugt und herrschsüchtig“. Sieben Jahre später machte der US-Generalstabschef, General George S. Brown, seinem Zorn Luft, indem er nicht zwischen Israelis und amerikanischen Juden unterschied; er erklärte unverblümt: „Wissen Sie, sie besitzen die Banken in diesem Land, die Zeitungen, sehen Sie sich einfach an, wo das jüdische Geld in diesem Land ist.“[2] Und Anis Mansur, einer der tonangebenden ägyptischen Journalisten und einmal Vertrauter von Präsident Anwar Sadat, formulierte denselben Gedanken in noch offeneren Begriffen: „Es gibt in der Welt so etwas wie Juden und Israelis nicht. Jeder Jude ist ein Israeli. Daran ist nicht zu rütteln.“[3]

Die Wahrheit dazu ist: Da Israel der einzige jüdische Staat der Welt ist und weil der Zionismus die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volks ist, bedeutet Antizionismus – anders als Kritik an bestimmter israelischer Politik oder Handeln – die Leugnung des jüdischen Rechts auf nationale Selbstbestimmung. Es muss natürlich nicht erst gesagt werden, dass eine diskriminierende Leugnung dieses Grundrechts bei nur einem Land (und einem der wenigen die ihre Volksidentität und territoriale Bindung bis in die Antike zurückverfolgen können), während man sie allen andere Gruppen und Gemeinschaften , so neu und unbedeutend ihr Anspruch auf nationale Identität auch sein mal, purer und unverfälschter Rassismus ist. Doch genau deshalb, weil er stillschweigend so ausgelegt ist, dass er die schlimmsten Charakteristika versinnbildlicht, die mit Juden verbunden werden, dass Israel in einem derart schrecklichen Licht dargestellt werden konnte und seine Vernichtung als Behebung einer historischen Anomalie statt der völkermörderischen Tat, die sie in Wahrheit ist.

Nehmen wir die wiederholten Forderungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad, Israel „von der Landkarte zu wischen“. Auf einer Ebene ist es erfrischen einen Politiker zu sehen, der anders als viele seiner westlichen Gegenüber ein hohes politisches Amt und offen zu sprechen nicht als einander ausschließend ansieht. Auf einer anderen kann der Anblick eines Staatsoberhauptes, das offen die Auslöschung eines bestehenden Staates vertritt, der seinem Land, von dem er fast 1600km entfernt ist, nichts angetan hat, nichts anderes als absolut Grauen erregend sein.

Oder vielleicht nicht? Kaum waren die Nazilager zur Vernichtung des europäischen Judentums öffentlich bekannt geworden, da verkündete die aufkeimende Arabische Liga (am 2. Dezember 1945) einen offiziellen Boykott „jüdischer Produkte und gefertigter Waren“. Zwei Jahre später, am 11. Oktober 1947, als die UNO-Vollversammlung über die Schaffung eines jüdischen Staates in einem Teil des Mandats Palästina beratschlagte, drohte der Generalsekretär der Liga, Abdel Rahman Azzam, ein solcher Schritte würde „einen Vernichtungskrieg und folgenschweres Massaker entfesseln, von dem gesprochen werden wird wie vom Tartaren-Massaker oder den Kreuzzugskriegen“.[4]

Solches Reden ist von einer langen Reihe arabischer und muslimischer Führer verwendet worden. Während der 1950-er und 1960-er Jahre war es Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser, der die Forderung nach Israels Vernichtung anführte. Nachdem sein Ziel von dem erstaunlichen Sieg des jüdischen Staates im Sechstagekrieg 1967 durchkreuzt wurde, ging der Stab an eine neue Generation aufstrebender panarabischer Recken weiter, insbesondere an den syrischen Präsidenten Hafez Assad, den irakischen Tyrannen Saddam Hussein und den libyschen Diktator Muammar Gaddafi. Irans Ayatollah Khomeini seinerseits, Ahmadinedschads verehrter spiritueller Mentor, hatte die Notwendigkeit der Auslöschung des jüdischen Staates, deutlich bevor er 1979 an die Macht kam und während der Zeit seiner Herrschaft, betont; die Vernichtung Israels entwickelte sich in ein ganz oben auf der Liste stehenden Dogmas der Islamischen Republik und hat seinen Tod im Juni 1989 lange überdauert.

Wir wollen die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) nicht vergessen, deren seit ihrer Gründung 1964 öffentlich erklärtes Ziel die Vernichtung des Staates Israel gewesen ist. Im Juni 1974 führte sie eine neue Stufenstrategie ein, die es ihr ermöglicht jedes Stück Land, das Israel ihnen aushändigt, als Sprungbrett für weitere territoriale Zugewinne zu nutzen, bis die „völlige Befreiung Palästinas“ – d.h. Israel Vernichtung – „erzielt werden konnte“.[5] Doch im November 1974 wurde der PLO-Vorsitzende Yassir Arafat der erste, der kein Staatsoberhaupt war, der vor der UNO-Vollversammlung sprach; und 1975, dem Jahr, nachdem Israel die ultimative Demütigung der „Zionismus ist Rassismus“-Resolution erlitt, schuf die PLO einen weiteren Präzedenzfall, als sie zu Sitzungen des UNO-Sicherheitsrats auf der gleichen Basis wie Mitgliedsstaaten eingeladen wurde. 1980, nur Wochen, nachdem die Fatah, die die PLO dominierende Mitgliedsgruppe, ihr Ziel der Liquidierung Israels noch einmal betont hatte, gab die Europäische Gemeinschaft die Erklärung von Venedig aus, die die „Einbindung“ der PLO in den politischen Prozess forderte.

Kein Wunder also, dass trotz ihrer offiziellen Verpflichtung zu Frieden mit Israel innerhalb des Rahmens des Oslo-Prozesses, Arafat und seine PLO-Nachfolger nie ihr Bemühen zur Vernichtung Israels nie aufgegeben haben. Stattdessen habe sie ein kompliziertes Spiel der Jekyll-und-Hyde-Politik begonnen, bei dem sie israelisches und westliches Publikum ständig ihrer friedfertigen Absichten versichern, während sie gleichzeitig die Friedensvereinbarungen ihrer palästinensischen Wählerschaft gegenüber als vorübergehende Maßnahme verunglimpfen, die bei der ersten möglichen Gelegenheit über Bord geworfen werden. Weder diese Doppelzüngigkeit noch der von Arafat im September 2000 begonnene Terrorkrieg scheint die PLO in den Augen der internationalen Gemeinschaft als Friedenspartner diskreditiert zu haben.[6]

Vor diesen Hintergrund von sechs Jahrzehnten internationaler Duldung ständiger Forderungen nach der Vernichtung Israels muss Ahmadinedschad das Gefühl gehabt haben, er sei etwas unfair herausgegriffen worden, als seine genozidale Hetze von Führungspolitikern und Organisationen der Welt rundheraus verurteilt wurde. Doch obwohl diese untypisch harsche Antwort natürlich willkommen ist, fragt man sich, ob sie durch echte Sorge um Israels Sicherheit oder den wachsenden Frust wegen des beharrlichen Drängens des Iran zu Atomwaffen motiviert ist.

Dass das durchaus so sein könnte, wird von der fortgesetzten Toleranz subtilerer Formen heimtückischer Hetzte bewiesen, wie dem palästinensischen Bestehen auf das „Rückkehrrecht“ – der arabische Standard-Euphemismus für Israels Vernichtung durch demografische Subversion.[7] Schlimmer ist, dass während etwas des vergangenen Jahrzehnts die tatsächliche Beseitigung des jüdischen Staates bei vielen gebildeten Westlern eine cause célèbre geworden ist. Die so genannte „Einstaaten-Lösung“ (oder ein „binationaler Staat“) ist eine beschönigende Formel, die die Ersetzung Israels durch einen Staat vorschlägt, der theoretisch das gesamte historische Palästina umfasst, in dem Juden auf den Status einer permanenten Minderheit reduziert sein werden, die unter der Fuchtel der arabisch-muslimischen Mehrheit steht. Nur so, heißt es, kann die „Ursünde“ der Gründung Israels gesühnt werden, die (in den Worten eines Kritikers) ein Akt war, der „auf den Ruinen des arabischen Palästina“ aufbaute und durch die gewollte und aggressive Enteignung seiner eingeborenen Bevölkerung erreicht werden konnte.[8]

„Ich finde die Idee eines jüdischen Staates nicht allzu interessant“, sagte der amerikanisch-arabische Akademiker Edward Said der israelischen Tageszeitung Ha’aretz im August 2000. „Für würde ich keinen wollen. Selbst wenn ich Jude wäre, würde ich dagegen kämpfen. Und er wird nicht von Dauer sein… Nehmen Sie mich beim Wort… Man wird sich nicht einmal dran erinnern.“ Er machte seine eigene Zukunftsvision deutlich, indem er hinzu fügte: „Die Juden werden überall eine Minderheit sein. Eine jüdische Minderheit kann [im arabischen Palästina] überleben, wie andere Minderheiten in der arabischen Welt überlebten.“

„Da ich die Region kenne und angesichts der Geschichte des Konflikts, glauben Sie, solche eine jüdische Minderheit würde fair behandelt?“

„Darum mache ich mir Sorgen. Die Geschichte der Minderheiten im Nahen Osten ist nicht so schlimm gewesen, wie in Europa, aber ich frage mich, was passieren würde. Es macht mir große Sorgen. Die Frage, wie das Schicksal der Juden aussehen wird, ist für mich sehr schwierig. Ich weiß es nicht wirklich. Es macht mir Sorgen.“[9]

Said machte sich wenigstens die Mühe Sorge um das Schicksal weiterer sechs Millionen Juden zu heucheln, für die ethnische Säuberung bevorstand und deren blühender Staat vernichtet werden soll, um Platz für seine Vorstellung eines „binationalen Staates“ zu machen – obwohl ihn das nicht dazu führte seine genozidale Idee zu überdenken. Professor Tony Judt (selbst Jude) von der New York University gab sich diese Mühe nicht. So weit es ihn anging, gab es „keinen Platz in der heutigen Welt für einen ‚jüdischen Staat‘“ und die Vorstellung einer jüdischen Eigenstaatlichkeit war „nicht nur ein Anachronismus, sondern eine gestörte“. „heute fühlen nicht israelische Juden sich einmal mehr der Kritik und schutzlos Angriffen ausgesetzt für Dinge, die sie nicht begingen“, schrieb er 2003. „Das zunehmende Auftreten von Angriffen auf Juden in Europa und andernorts muss in erster Linie fehlgeleiteten Versuchen zugeschrieben werden, oft durch junge Muslime, es Israel heimzuzahlen.“[10]

Antisemiten hat es natürlich nie an Ausreden gefehlt, um Juden anzugreifen und zu töten und unendlich größere zahlen von Juden wurden kurz vor der Gründung des Staates Israel ausgelöscht, als in den 64 Jahren seit seiner Existenz, ganz zu schweigen von den Millionen, die in Eruopa und dem Nahen Osten seit der Antike massakriert wurden. Genauso wenig hatten die europäischen Judenhasser die Gründung Israels abgewartet, um auf die Überbleibsel des Holocaust loszugehen. Antisemitische Gefühle blieben so ausgeprägt wie immer, besonders in Osteuropa, das schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Zeuge ein paar grausamer Pogrome war.[11] Selbst in Deutschland fanden sich Juden Angriffen und Misshandlungen in der Öffentlichkeit ausgesetzt, wo 60 Prozent der Deutschen offene Akte der Gewalt gegen Juden stillschweigend billigten. Doch selbst diese düstere Bilanz hielt Judt – der europäische Geschichte studierte – nicht davon ab auf die Ente hereinzufallen, israelisches Handeln sei der Grund und nicht der Vorwand für die schlimmste Welle an Angriffen auf Juden und jüdische Ziele in Europa seit den 1930-er Jahren.

Wäre es nicht so erschreckend, könnte man sogar über die Ironie staunen, dass sie, siebzig Jahre, nachdem sie gezwungen wurden gelbe Sterne zu tragen, das Ziel von Verfolgung sein können und deutsche Juden angewiesen werden, zum eigenen Schutz jedes Zeichen ihrer jüdischen Identität zu verbergen.

Palästina ist nicht das Probem

Aber lassen Sie uns um des Arguments willen annehmen, dass Israel und die von der PLO dominierte PA einen formellen Friedensvertrag unterzeichnen. Würde das die Bemühungen der Kampagne zur Delegitimierung des jüdischen Staates stoppen oder den Antisemitismus von der europäischen Bühne eliminieren? Kaum – aus dem einfachen Grund, dass die Palästinafrage mit beidem praktisch nichts damit zu tun hat. Obwohl Antizionismus seit den 1930-er Jahren das Grundprinzip der panarabischen Solidarität gewesen ist – immerhin ist es leichter Menschen durch gemeinsamen Hass zu einen, als durch eine gemeinsame Loyalität – haben die arabischen Staaten (und die internationalen Helden der Palästinenser) weit weniger Interesse am Wohlergehen der Palästinenser gezeigt als an ihren eigenen Interessen.

Beispielsweise war es allgemein bekannt, das die panarabische Invasion des entstehenden Staates Israel im Mai 1948 mehr ein Gerangel um palästinensisches Territorium war als ein Kampf um nationale palästinensische Rechte. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Azzam, gab einst einem britischen Reporter gegenüber zu, dass das Ziel König Abdallahs von Jordanien „war, die zentrale Hügelregion Palästinas zu schlucken, mit Zugang zum Mittelmeer bei Gaza. Die Ägypter wollten den Negev bekommen. Galiläa sollte an Syrien gehen, bis auf den Küstenstreifen bis Akko, der dem Libanon zugeschlagen werden sollte.“[12]

Von 1948 bis 1967, als Ägypten und Jordanien die Palästinenser des Gazastreifens und der Westbank regierten, verfehlten es die arabischen Staaten diese Bevölkerung auf den Weg zur Eigenstaatlichkeit zu bringen. Sie zeigen ebenso wenig Interesse am Schutz ihrer Menschenrechte oder gar an der Verbesserung ihrer Lebensqualtiät – was Teil des Grundes ist, dass 120.000 Westbank-Palästinenser auf die Ostseite des Jordans zogen und 300.000 weitere ins Ausland auswanderten. „Uns könnte es nicht weniger interessieren, würden all diese Flüchtlinge sterben“, äußerte sich einmal ein ägyptischer Diplomat. „Es gibt genug Araber.“[13]

Es überrascht nicht, dass die arabischen Staaten niemals zögerten Palästinenser in großen Stil zu opfern, wenn das ihren Bedürfnissen diente. Als 1970 seine Krone durch die PLO bedroht war, hatte der freundliche und gründlich verwestlichte König Hussein von Jordanien keine Skrupel Tausende Palästinenser abzuschlachten – ein Ereignis, das als „Schwarzer September“ bekannt ist. Sechs Jahre später massakrierten christliche libanesische Milizen, gedeckt von der syrischen Armee, rudn 3.500 Palästinenser, zumeist Zivilisten, im Beiruter Flüchtlingslager Tel Zaatar. Diese Milizen schlachteten 1982 in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila erneut Hunderte Palästinenser ab, diesmal unter dem wachsamen Auge Israels. Im Sommer 2007 tötete die libanesische Armee Hunderte Palästinenser, einschließlich vieler Zivilisten, im Flüchtlingslager Nahr al-Bared im Norden. Keiner der arabischen Staaten kam den Palästinensern zu Hilfe. Schlimmer noch: Als Mitte der 1980-er Jahre die PLO – offiziell von der Arabischen Liga als „einziger Repräsentant des palästinensischen Volkes“ – versuchte seine militärische Präsenz im Libanon wiederherzustellen, wurde sie von Präsident Assad von Syrien vertrieben.

Die Geschichte arabischer Führer, die die palästinensische Sache für ihre eigenen Ziele manipulieren, während sie das Schicksal der Palästinenser ignorieren, geht immer weiter. Saddam Hussein behauptete in einem Versuch seine räuberischen Pläne zu verwirklichen, er würde nicht darüber nachdenken seine Invasion Kuwaits vom August 1990 zu beenden, ohne „den sofortigen und bedingungslosen Rückzug Israel aus den besetzten arabischen Gebieten in Palästina“. Kurz nach dem Golfkrieg begann Kuwait die PLO für ihre Unterstützung Husseins zu bestrafen – indem sie die finanzielle Unterstützung abschnitt, rund 440.000 palästinensische Arbeiter vertrieb und Tausende abschlachtete. Die Rache war derart heftig, dass Arafat zu dem Eingeständnis gezwungen war, dass, „was Kuwait dem palästinensischen Volk antat, schlimmer ist, als das, was Israel den Palästinensern in den besetzten Gebieten angetan wurde“.[14]

Wenn schon die arabischen Staaten wenig Mitgefühl für das Leid der gewöhnlichen Palästinenser gezeigt haben, so ist die islamische Verbindung zum Palästinenserproblem sogar noch dürftiger. Nicht aus Sorge um ein palästinensisches Recht auf nationale Selbstbestimmung, sondern als Teil eines heiligen Krieges zur Verhinderung des Verlustes eines Teils des „Hauses des Islam“ ereifern sich Islamisten gegen den jüdischen Staat Israel. Die Hamas schreibt in ihrer Charta: „Das Land Palästina ist durch die Generationen hindurch ein islamisches Treuhandgebiet (waqf) gewesen und wird es bis zum Tag der Wiederauferstehung bleiben… Wenn unsere Feinde islamisches Land usurpieren, dann wird der Jihad zu einer Pflicht, an die alle Muslime gebunden sind.“[15]

In dieser Beziehung gibt es keinen Unterschied zwischen Palästina und anderen Teilen der Welt, die von den Streitkräften des Islam im Verlauf der Geschichte erobert wurden. Bis heute schmachten z.B. die Araber und viele Muslime unverfroren nach der Restauration Spaniens und betrachten ihre Vertreibung aus dem Land im Jahr 1492 als massive historische Ungerechtigkeit. Es ist sogar so, das selbst Länder die nie unter islamsicher imperialer Herrschaft standen, zu legitimen Zielen radikalen islamischen Eifer geworden sind. Dieses Ziel muss nicht notwendigerweise mit dem Schwert verfolgt werden; es kann durch demografisches Wachstum und stete Übertritte zum Islam erreicht werden. Sollten sich aber friedliche Mittel als unzureichend erweisen, kann ohne Weiteres physische Gewalt zur Anwendung gebracht werden. Wie die überwältigende Unterstützung der Anschläge vom 9/11 in der gesamten arabischen und islamischen Welt zeigt, ist diese Vision keineswegs auf einen desillusionierten und dunklen Rand des Islam beschränkt; und innerhalb dieses großen Plans ist der Kampf zwischen Israel und den Palästinensern nicht mehr als ein einzelnes Element, noch dazu eines, dessen angebliche Zentralität im Westen weit stärker ins Blickfeld rückt, als in islamischer Sicht.

Der öffentliche Krieg gegen die Juden

Wenn es so wenig authentische Sorge um das Wohlergehen der Palästinenser gibt, warum ist ihnen universell die Rolle des ultimativen Opfers gegeben worden, zu Lasten der totalen Vernachlässigung weit schlimmerer menschlicher Tragödien und Gräueltaten? Weil sie als letzter Blitzableiter gegen die Juden gedient haben, wobei ihre angebliche Schikanierung deren tausendjährige Dämonisierung bestätigt. Hätten die Palästinenser einen Disput mit anderen Arabern, Muslimen oder irgendeinem anderen Gegner, dann hätte das nur einen Bruchteil der des Interesses geweckt, den er derzeit hat.

Wenige, wenn überhaupt jemand in der internationalen Gemeinschaft beachtet den fortgesetzten Missbrauch der Palästinenser in der gesamten arabischen Welt, von Saudi-Arabien zum Libanon, der seiner 400.000 Menschen betragenden palästinensischen Bevölkerung die grundlegendsten Menschenrechte von Landbesitz über Berufe bis hin zur Reisefreiheit vorenthält. Es hat auch keinen internationalen Aufschrei gegeben, als die arabischen Länder in großem Stil Palästinenser töteten. Die Tatsache, dass König Hussein von Jordanien in Verlauf eines einzelnen Monats mehr Palästinenser tötete, als Israel es in Jahrzehnten schaffte, wurde ihm nie angelastet und hat auch nie seiner weithin geltenden Wahrnehmung als Mann des Friedens eine Schramme versetzt. Der angeblich propalästinensische Journalist Robert Fisk formulierte es ein seinen Memoiren so: König Hussein konnte man „oft nur schwer etwas aussetzen“.[16] Kuwaits Abschlachtung Tausender unschuldiger palästinensischer Arbeiter im Jahr 1991 entging den internationalen Medien praktisch. Im Gegensatz dazu wird jedes durch Israel verursachte palästinensische oder arabische Opfer sofort international kritisiert.

Nehmen wir die generelle Medienberichterstattung zu Israels militärischer Reaktion im Libanon (2006) und dem Gazastreifen (2008/09), die die sie auslösenden ursprünglichen Angriffe der Hisbollah und der Hamas ausließ; sie steht in heftigem Gegensatz zur völligen Gleichgültigkeit gegenüber blutigeren Konflikten, die zur gleichen Zeit rund um die Welt im Gang waren. Am 19. Juli 2006 z.B. drangen 5.000 äthiopische Soldaten in Somalia in; Addis Abeba behauptete, das sei eine Aktion, um eine islamistische Bedrohung der Regierung des Nachbarn zu „zerschlagen“. Einen Monat später schoss die Artillerie Sri Lankas Trommelfeuer auf Territorium, das von den Rebellen der Tamil Tigers gehalten wurde, was Massenvertreibung und mehr als 500 Tote zur Folge hatte, darunter geschätzte 50 tote Kinder, nachdem die Luftwaffe Sri Lankas ein Waisenhaus bombardierte. Doch keiner dieser Vorfälle erhielt irgendeine Berichterstattung in den Medien, ganz zu schweigen von Dringlichkeitssitzungen des UNO-Sicherheitsrats, genauso wie das damals fortgesetzte Blutbad im Irak mit seinen geschätzten 3.000 Toten pro Monat durch Hisbollah-artige Militante in Vergessenheit geriet, weil die Welt sich auf den Libanon konzentrierte.

Und was ist mit dem schon lange laufenden Völkermord in Darfur mit seinen geschätzten 300.000 Toten und mindestens 2,5 Millionen Flüchtlingen? Oder mit dem Krieg im Kongo mit über 4 Millionen Toten oder aus ihren Häusern Vertriebenen oder Tschetschenien wo durch die Hände des russischen Militärs geschätzte 150.000 bis 160.000 gestorben und bis zu einem Drittel der Bevölkerung heimatvertrieben sind? Keine dieser Tragödien erlebte, dass Protestierende auf die Straßen von Moskau, Montreal, Sydney, London, Dublin, Kopenhagen, Berlin, Bern, Paris, Stockholm und den USA-Städten New York, Los Angeles, Chicago, San Francisco und Bosten (um nur eine kurze Liste anzuführen) strömten, wie es während der Krisen im Libanon und dem Gazastreifen der Fall war.

Wie kann das sein? Warum begrüßen Bürger in Demokratien enthusiastisch zwei der gefährlichsten und effektivsten Terrororganisationen der Welt, die sich offen nicht nur der Vernichtung einer souveränen Demokratie, sondern auch die Unterordnung westlicher Werte und Lebensgewohnheiten unter ein weltweites islamisches Kalifat (oder Umma) verschrieben haben?

Genauso wenig sollten wir vergessen, dass die Hisbollah bei Dutzenden internationalen Terroranschlägen von Brüssel bis Buenos Aires eine Rolle spielte. Tatsächlich bietet die Reaktion auf ihren Terroranschlag auf die Asosación Mutual Israelita Argentina (AMIA – ein soziales Zentrum für die große jüdische Bevölkerung von Buenos Aires) am 18. Juli 1994 einen aufschlussreichen Kontrast zur unablässigen Berichterstattung über die Ereignisse im Libanon im Jahr 2006. Es war der schlimmste Terroranschlag in der Geschichte Argentiniens; dabei kamen 100 Menschen um und mehr als 200 wurden verletzt. Bei diesem Bombenanschlag starben mehr Menschen als bei jeder Einzelaktion im Libanonkrieg von 2006. Dennoch befand die auf ihre weltweite Berichterstattung stolze BBC diese Gräueltat in ihren Abendnachrichten für nicht erwähnenswert. Angesichts einer Beschwerde durch das normalerweise zaghafte Bord of Deputies – die Dachorganisation der britischen Juden – offerierte der Sender eine Art Entschuldigung, mit der die Auslassung auf einen besonders arbeitsreichen Tag geschoben wurde.

Wie sahen diese Tagesereignisse aus, die die Aufmerksamkeit der BBC möglicherweise von dem Massaker in Argentinien abgelenkt haben könnten? Eine Durchsicht der Zeitungen offenbart, das der neue Steven Spielberg-Film „Die Familie Feuerstein“ Premiere hatte; der Prince of Wales nahm daran teil. Es war auch der Tag, an dem Gavin Sheerard-Smith, der sechs Monate in Qatar mit einem Stock geschlagen und inhaftiert war, nachdem er wegen Kauf und Verkauf von Alkohol verurteilt wurde, nach Großbritannien zurückkehrte, wo er seine Unschuld beteuerte; und David MacGregor, ein unter Platzangst leidender Mann, der wegen Steuerrückständen 14 Tage im Gefängnis verbrachte, bekam seine Strafe abgenommen. In der ersten Wirtschafts-Debatte im Unterhaus seit Weihnachten behauptete Finanzminister Kenneth Clarke, die Regierung habe die seit einer Generation günstigsten Wirtschaftsverhältnisse geschaffen, während die ein alle Parteien übergreifenden Bericht feststellte, dass Großbritannien mehr als £160 Millionen seines Hilfshaushalts für die ärmsten Staaten Afrikas nach Osteuropa und die ehemalige Sowjetunion umlenken musste, als Teil eines von Premierminister John Major auf dem letzten EU-Gipfel ausgehandelten Handels. In der Tat ein ereignisreicher Tag.

Angesichts der Gleichgültigkeit der BBC gegenüber dem Massenmord an argentinischen Juden durch die Hisbollah überrascht es kaum, dass der Sender – zusammen mit einem Großteil der Weltmedien – die fast täglichen Raketenangriffe derselben Gruppe auf Israels Nordgrenze ignorierte, ganz zu schweigen von den ständigen Angriffen aus dem Gazastreifen, die dem israelische Abzug aus beiden Gebieten in den Jahren 2000 und 2005 folgten.

Und warum sollten sie auch nicht? Das Töten von Juden und die Vernichtung oder der Zugriff auf ihren weltlichen Besitz ist kaum eine Nachricht wert. Seit Jahrtausenden ist jüdisches Blut billig, wenn nicht gar kostenlos gewesen, überall in der christlichen und muslimischen Welt, wo die Juden zum Inbegriff der Machtlosigkeit wurden, ein immerwährender Sandsack und Sündenbock für alle Missstände, die die Gesellschaft befallen. Es gibt daher keinen Grund, warum Israel nicht in die Fußstapfen dieser vergangenen Generationen treten, seine arabischen Nachbarn nicht verärgern und Zurückhaltung üben sollte, wann immer es angegriffen wird. Doch nein, statt seinen Platz zu kennen hat der unverschämte jüdische Staat seine historische Rolle verwirkt, indem der einen Preis für jüdisches Blut fordert und die Schläger schlägt, die bisher in der Lage gewesen sind die Juden ungestraft zu drangsalieren. Daher die Empörung der globalem Gemeinde und daher die Bereitstellung unbegrenzter Ressourcen der Weltmedien, um über jede Minute der „unverhältnismäßigen“ Reaktion Israels zu berichten, aber keine einzige über die Verwüstung und die Verlagerung, die an israelischen Städten und ihren Einwohnern angerichtete wurden, von denen Hunderttausende zu Flüchtlingen wurden.

Nationen vereint im Hass

Selbst die Vereinten Nationen schienen bezüglich ihrer Entscheidung vom November 1947 zur Gründung eines jüdischen Staats einen Rückzieher zu machen, als sie zunehmend von den arabischen und muslimischen Staaten samt ihren sowjetischen Verbündeten und denen aus der Dritten Welt beherrscht wurden. Dieser Prozess erreichte seinen Höhepunkt mit der berüchtigten Resolution der Vollversammlung, die die Idee jüdischer Eigenstaatlichkeit mit „Rassismus und Diskriminierung“ gleich setzte; die Resolution wurde zwar sechszehn Jahre später widerrufen, doch die UNO ist einer der führenden Lieferanten antiisraelischer und antisemitischer Hetzte geblieben.

Immer wieder, Jahr um Jahr diskutierte ihre Menschenrechtskommission über Israels angebliche Menschenrechtsverletzungen, während sie bei den Mengen tatsächlicher Gräueltaten rund um die Welt wegsah. Von den zehn Dringlichkeitssitzungen in der Geschichte der Vollversammlung konzentrierten sich sechs auf Israel, während die jährlichen Sitzungen des Gremiums regelmäßig zahlreiche antiisraelische Resolutionen aufweisen. Die 59. Sitzungsperiode z.B. (2004/05) erließ neunzehn antiisraelische Resolutionen, aber nicht eine einzige zum laufenden Völkermord des Sudan in Darfur, wo Hunderttausende unschuldige Zivilsten umkamen. Bei einem von der UNO geförderten „Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“, der am 29. November 2005 abgehalten wurde – dem 57. Jahrestag der Teilungsresolution – saß Generalsekretär Kofi Annan, flankiert von hochrangigen UNO-Beamten, auf dem Podium neben einer arabischsprachigen „Landkarte von Palästina“, die ein Palästina zeigte, das Israel ersetzte.[17]

Die Welt-Organisation hat 192 Mitgliedsstaaten, aber der Sicherheitsrat dieses erlauchten Gremiums hat mehr als ein Drittel seiner Aktivitäten und Kritik nur einem dieser Staaten gewidmet – Israel. Gleichermaßen haben rund ein Drittel aller von der UN-Kommission für Menschenrechte verabschiedeten Resolutionen Israel kritisiert, das das einzige Land ist, zu dem es bei Treffen eine separate und exklusive Agenda gibt. Allein im Jahr 2001 gab die Kommission sechs Verurteilungen Israels aus, nur um diese Zahl im folgenden Jahr zu überbieten; da waren es acht antiisraelische Verurteilungen. Im Gegensatz dazu hat kein anderer Staat jemals von diesem Gremium mehr als eine Verurteilung innerhalb eines Jahres erhalten; mehr als drei Viertel der UNO-Mitglieder haben nie eine verurteilende Resolution erhalten, darunter solche Musterknaben wie Saudi-Arabien, China, Simbabwe und Syrien, das unter Präsident Hafez Assad – auf dass wir das nie vergessen mögen – im Februar 1982 die Stadt Hama schleifte und zwischen 20.000 und 30.000 Zivilisten im Verlauf einer Höllenwoche tötete.

Die UNO beruft selten Dringlichkeitssitzungen ein und sah keinerlei Grund, ein solches Treffen einzuberufen, um den Völkermord in Ruanda zu diskutieren, die ethnischen Säuberungen in Jugoslawien, den Völkermord in Darfur oder die fürchterlichen Massaker in Osttimor. Doch alleine 2003 hatte sie die Notwendigkeit empfunden nie da gewesene drei Dringlichkeitssitzungen einzuberufen – zwei, um Israels Sicherheitsbarriere zu kritisieren und eine, um Israel dafür zu kritisieren, dass es überlegte (überlegen, nicht einmal durchführte!) Arafat zu deportieren. Dabei hat Israels Gebrauch militärischer Gewalt im Verlauf der 64 Jahre seines Bestehens zusammen genommen weniger Opfer gefordert und Schaden angerichtet, als jedes einzelne dieser Ereignisse, ganz zu schweigen von denen in Afghanistan, Algerien, Angola, Bangladesch, Bosnien, Burundi, Kambodscha, dem Tschad, Tschetschenien, Kolumbien, Kongo, El Salvador, Eritrea und Äthiopien (und das sind nur [auf Englisch] die ersten fünf Buchstaben des Alphabets; wenn wir uns Ländern zuwenden, die mit „I“ anfangen, gibt es Indien, Indonesien, Iran, Irak).

Nirgendwo demonstriert sich diese Heuchelei krasser als in der Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängender Gewalt, die im September 2001 in der südafrikanischen Stadt Durban stattfand. Volle acht Tage lang frönten Delegierte aus zahlreichen Ländern und Tausende von NGOs einer fremdenfeindlichen Orgie antiisraelischer und antisemitischer Hetze, die dem ursprünglichen Zweck der Konferenz Hohn sprach. Poster, die den Zionismus mit dem Nationalsozialismus gleich setzten, wurden weithin verteilt, während Zehntausende Hass ausgießender Demonstranten durch die Straßen marschierten, die Spruchbänder trugen, auf denen unter anderem proklamiert wurde, „Hitler hätte den Job zu Ende führen sollen“. Vertreter jüdischer Gruppen wurden Spott, physischer Einschüchterung und organisiertem höhnischen Gejohle ausgesetzt, als die Hassliteratur wälhrend der Konferenz verteilt wurde, darunter Die Protokolle der Weisen von Zion, ein von der russischen Geheimpolizei im 20. Jahrhundert erfundenes, virulent antisemitisches Traktat, das eine organisierte jüdische Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft behauptet; außerdem gab es auf der Konferenz Karikaturen von Juden mit Hakennasen, palästinensisches Blut an den Hände, umgeben von Geld, dazu Naziembleme tragende Israelis. Täglich wurden Pamphlete mit der Aufschrift „Nazi-israelische Apartheid“ verteilt, zusammen mit Flyern, die (zustimmend) fragten: „Was, wenn Hitler gewonnen hätte?“; derweil erhoben Repräsentanten so repressiver Staaten wie Syrien und Iran Einspruch gegen die Aufnahme von Antisemitismus oder dem Holocaust in die Tagesordnung und begründeten das damit, der Holocaust sei ein „kompliziertes“, „sonderbares“ und „bizarres“ Konzept und Bezugnahme zum Holocaust würde unausgewogen oder „Bevorzugung“ sein. So ist es kaum ein Wunder, dass Resolutionen, mit denen Israel „Völkermord und ethnische Säuberungen“ vorgeworfen und faktisch seine Beseitigung gefordert wurde, in Regionalausschüssen abgestimmt wurde und vom NGO-Forum der Konferenz angenommen wurden.

Als Protest gegen diesen atemberaubenden Fanatismus verließen die amerikanische und die israelische Delegation die Konferenz zusammen mit den Repräsentanten von elf jüdischen NGOs, deren Resolutionsvorschlag gegen Antisemitismus nicht zum Schlussdokument gehörte. „Dieses Forum ist jetzt judenrein“, erklärte ein prominenter jüdischer Delegierte, während US-Außenminister Colin Powell die „von Hass erfüllte Sprache“ verurteilte, „die zum Teil ein heftiger Rückschritt in die Zeiten des ‚Zionismus ist Rassismus‘ ist; oder die Idee unterstützt, dass wir aus dem Holocaust zu viel gemacht haben; oder nahe legt, dass es in Israel Apartheid gibt; oder nur ein Land der Welt – Israel – für Kritik und Schmähung aussucht.“[18]

Der Auschwitz-Komplex: Zionismus, der neue Nationalsozialismus

Sollte dieses zweierlei Maß und die Enthumanisierung nicht schlimm genug sein (wie anders kann man es nennen, wenn einem Land das Grundrechts auf Selbstverteidigung verweigert wird?), dann gibt es auch die Tatsache, dass dies der einzige Fall ist, in dem eine Partei eines territorialen Disputs – Israelis und ihre Unterstützer weltweit – kollektiv wegen Regierungshandeln stigmatisiert und für politische, wirtschaftliche und akademische Boykotte wie ausgesucht sowie als Erben der Nazis in der modernen Welt diffamiert wird.

Die britische Regierung und besonders Premierminister Tony Blair ist weltweit dafür kritisiert worden, dass er Soldaten nach Afghanistan und in den Irak schickte, aber niemand hat das britische Volk für diese Entscheidung kollektiv verantwortlich gemacht oder versucht sie für die Tatsache zu boykottieren, dass ihre Regierung seit 2001 in zwei Fällen Soldaten in Länder schickten, die sie nicht direkt angegriffen hatten und die keine unmittelbare Bedrohung der britischen Sicherheit darstellten. In den Jahren, seit Serbien und die serbische Minderheit in Bosnien den Krieg auf dem Balkan initiierten und ein Programm der ethnischen Säuberung gegen bosnische Muslime begannen, wurden weder Staatsbürger Serbiens noch christlich-orthodoxe Gemeinden von Russland bis Griechenland, die diese Aggression unterstützten, kollektiv für den Krieg verantwortlich gemacht. Die Weltgemeinschaft hegt keine Zweifel, dass die Verantwortung direkt auf den Schultern des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic und den militärischen wie politischen Führern der bosnischen Serben liegt.

Israelische Politik und Handeln in der Westbank und dem Gazastreifen und in jüngerer Zeit im Libanon sind niemals auch nur ansatzweise denen ähnlich gewesen, die von den Serben während der 1990-er Jahre angewandt wurden. Doch werden nicht nur israelische Politiker und Offiziere auf unvernünftige Weise für ihr Tun verurteilt und in mehreren europäischen Ländern mit Verhaftung bedroht, sondern es werden auch israelische Staatsbürger und Juden weltweit für kollektives Hautabziehen herausgegriffen: von Umfragen in Deutschland, bei denen 51% der Befragten die Ansicht zum Ausdruck brachten, dass Israels derzeitiger Umgang mit den Palästinenser dem gleicht, der von den Nazis den Juden gegenüber an den Tag gelegt wurde zu Postern in Paris, auf dneen steht „Hitler hat einen Sohn – Sharon“; von von der die Lokalregierung bezahlten Informationstafeln in der spanischen Stadt Oleiros, die „Stoppt die Neonazis“ blinken zu Banner auf einem Marsch in Dublin, der ein Ende des palästinensischen Holocaust fordert und den Davidstern mit dem Hakenkreuz der Nazis gleichsetzt. Wo immer man hinsieht, werden wir mit Bildern israelischer „SA“ bombardiert, die „SS-Taktiken“ verfolgt und „Blitzkrieg“-Operationen betreibt.

Natürlich gibt es absolut keine moralische Gleichsetzung zwischen Hitlers industrieller Abschlachtung der Juden und Israels Umgang mit den Palästinensern. Wer das bezweifelt, stelle sich die folgenden Fragen: Wäre es jüdischen Schulen in den von Deutschland besetzten Niederlanden, Polen, Ungarn und zahlreichen anderen Ländern möglich gewesen ihre Schüler mit der haarsträubendsten antideutschen Propaganda und Hetze zu indoktrinieren? Hätten dieselben Schulkinder, frisch aus den Gehirnwäsche-Klassen in die Ferien entlassen, die Freiheit gehabt sich vor aller Welt Medien in Sommerlagern einzuschreiben, die der Ausbildung einer neuen Generation antideutscher Guerillas gewidmet sind? Wären ihre religiösen und säkularen Führer in der Lage gewesen, in ihren eigenen Fernsehsendern aufzutreten und ihre Besatzer ungestraft „Söhne von Affen“ zu nennen? Natürlich nicht: Die Juden unter Naziherrschaft waren zu sehr (in den meisten Fällen erfolgreich) damit beschäftigt dem Zusammenpacken in Zügen und dem Abtransport in die Gaskammern zu entkommen. Um es frei heraus zu sagen: Während sechs Millionen Juden, drei Viertel des europäischen Judentums, in den sechs Jahren, in denen Hitler Europa dominierte, durch die Hände der Nazis starben, hat sich die palästinensische Bevölkerung unter Israels Kontrolle des Gazastreifens und der Westbank – von 1967 bis Mitte der 1990-er Jahre, als diese Gebiete an Arafats PA übergeben wurden – verdoppelt, die Lebenserwartung ist von 48 auf 73 Jahre gestiegen. Kaum ein naziartiges Auslöschungsprogramm.

In der Tat scheint die Gleichsetzung von Zionismus mit Nationalsozialismus bei Westlern weit weniger in Beziehung zum tatsächlichen Zustand der israelisch-palästinensischen Beziehungen zu stehen, als zu dem Wunsch die Last der Jahrtausend-Verfolgung der Juden durch Christen im Allgemeinen und dem Holocaust im Besonderen abzuladen. Das wird durch die Tatsache belegt, dass diese widerwärtige Analogie nicht in Reaktion auf die Besatzung der Westbank und des Gazastreifens 1967 entstand, noch nicht einmal auf die Gründung Israels 1948, sondern auf der Höhe der Auslöschung der Juden im Zweiten Weltkrieg durch die Nazis und in den unmittelbar auf den Krieg folgenden Jahren Fahrt aufnahm. So finden wir einen hochrangigen Vertreter der britischen Botschaft in Bagdad, der (1943) shamlos behauptete, es gäbe eine „mächtige jüdische Organisation in Palästina, die auf faschistischen Gleisen und Nazi-Prinzipien betrieben wird“ und dass „jüdische Flüchtlinge aus der faschistischen Tyrannei der Nazis in Europa in Palästina einen guten Teil der Methoden eingeführt hat, die von Himmlers Strolchen angewandt werden, um die deutschen Massen zu reglementieren“. 1945 warnte Sir Edward Grigg (Lord Altrincham), der britischer Miniter vor Ort im Nahen Osten, auf einer Pressekonferenz in Kairo vor der „Gründung einer Art von Nazi-Gangstertum im Heiligen Land“. Während Sir Edward Spears, der während des Krieges britischer Botschafter in Syrien und dem Libanon war, ging näher auf Griggs Ansichten ein: „Der politische Zionismus, wir er sich heute in Palästina manifestiert, predigt so ziemlich dieselben Doktrinen wie Hitler.“ Selbst Premierminister Clement Attlee war nicht immun gegenüber der Gleichung Zionismus ist Nationalsozialismus. „Das war einfach Hitlers Methode“, antwortete er am 28. April 1948 auf einen amerikanischen Antrag Holocaust-Überlebende die Einreise nach Palästina zu gestatten. „Er brachte Leute als Touristen hinein, aber sie wurden rasch bewaffnet, sobald sie dort waren. Die Juden würden sie als Einwanderer hereinholen, doch sie würden bald Soldaten werden und es ist bekannt, dass sie bereits gedrillt und ausgebildet waren.“[19]

In Wirklichkeit gibt es in der Tat etwas, das im gegenwärtigen Nahen Osten – in Begriffen des Stils und der politischen Absicht (wenn auch nicht mit der Möglichkeit es umzusetzen – an den Nationalsozialismus erinnert und das ist die widerliche antisemitische Propaganda und der beharrliche Einsatz vieler Teile der arabischen Welt für die Vernichtung Israels. Selbst Ägypten, das seit mehr als dreißig Jahren mit Israel in Frieden lebt, könnte heute der erfolgreichste Produzent antisemitischer Ideen und Gesinnungen sein. Diese werden von der extremen islamistischen Presse, vom Medienestablishment und selbst von Unterstützern des Friedens mit Israel offen geäußert. In unzähligen Artikeln, akademischen Schriften, Büchern, Karikaturen und öffentlichen Äußerungen werden Juden mit den schwärzestmöglichen Begriffen dargestellt.

Dieser Zustand kann kaum überraschen angesichts der Echtzeit-Verehrung Hitlers und des Nationalsozialismus. Hassan al-Banna, der einst Uhren reparierte und Lehrer war und dann 1927 die militant islamische Gruppe der Muslimbrüder gründete, war nicht nur ein unverfrorener Bewunderer des deutschen Tyrannen, sondern organisierte auch die „Stoß-Bataillone“ der Gesellschaft, die für die meisten ihrer Terroranschläge während der 1940-er Jahre veratnwortlich waren – ganz nach dem Vorbild der berüchtigten Nazi-SS.[20] Ebenso Ahmad Hussein, der geistige Vater der Jungen Ägyptischen Gesellschaft, einer national-faschistischen Organisation, die ihre deutschen und italienischen Gegenüber nachahmte und in der spätere Präsident Nasser in den frühen 1930-er Jahren geschult wurde. Nassers Offizierskollege und Nachfolger im Präsidentenamt, Anwar Sadat, war ein gleichermaßen strammer Nazi-Sympathisant, der während des Zweiten Weltkriegs zusammen mit anderen Offizieren wegen versuchter Kollaboration mit den Nazis-Streitkräften in Nordafrika im Gefängnis saß.

Solche Gesinnung fand ihr Echo im Irak, wo Pro-Nazi-Offiziere im Frühjahr 1941 die Macht an sich rissen, nur um von der britischen Armee abgesetzt zu werden. In damals unter britischer Herrschaft stehenden Palästina berichtete ein Nazi-Funktionär schon 1937 nach Berlin, dass „die palästinensischen Araber auf allen Ebenen eine große Sympathie für das neue Deutschland und seinen Führer zeigen, eine Sympathie, deren Wert besonders hoch ist, da sie sich auf eine rein ideologischen Grundlage stützt.“ Er fügte hinzu: „Am wichtigsten für die Sympathien, die die Araber jetzt gegenüber Deutschland empfinden, ist ihre Bewunderung für unseren Führer.“ Jahre nach dem Krieg prahlte Hadsch Amin al-Husseine, der ehemalige Mufti von Jerusalem, der die Kriegsjahre in Berlin verbrachte, wo er nicht nur der Nazi-Propaganda half, sondern auch ihrer Mordmaschinerie, mit seiner engen Freundschaft zu Heinrich Himmler, Hitlers mörderischem Gefolgsmann; Husseini beschwor Hitlers Bewunderung für die Palästinenser als Beweis ihres wahren Patriotismus.[21]

Die Falschmeldung: Apartheid

Eine weitere böswillige antiisraelische Verleumdung ist im Verlauf der letzten Jahrzehnte ist alltäglich geworden sie setzt den jüdischen Staat mit dem Südafrika der Apartheid gleich. Diese von der PLO in den frühen 1960-er Jahren erfundene[22] Falschmeldung schlug bei den Arabern und ihren Verbündeten aus der Dritten Welt, aber auch bei vielen gebildeten Westlern wie den Nobelpreisträgern Desmond Tutu,[23] Jimmy Carter[24] und Maired Corrigan-Maguire[25] Wurzeln. Die Botschaft könnte nicht klarer sein. Genauso, wie das südafrikanische Regime entmannt wurde, muss das zionistische Gegenstück vernichtet werden.

Wie bei den Verleumdungen durch die Nazis ist der Apartheid-Vorwurf nicht nur falsch, sondern das komplette Gegenteil der Wahrheit. Ob in seiner Form in Südafrika oder andernorts wie dem US-amerikanischen Süden bis in die späten 1960-er Jahre, war Apartheid ein umfassendes und diskriminierendes System der Rassentrennung auf Grundlage der Ethnie, der alle Gesellschaftsschichten einbezog – von der Schule über den öffentlichen Nahverkehr, soziale Aktivitäten und Dienste bis zur Gesundheitsversorgung. Nichts davon ist jemals in Israel angewendet worden. Seine religiösen und ethnischen Minderheiten sind nicht nur freie und gleichberechtigte Bürger des jüdischen Staates gewesen, sondern vom Beginn des zionistische Unternehmens im frühen zwanzigsten Jahrhundert an, lange vor der Gründung des Staates Israel, hatten die Araber ihre Wohnorte in Massen verlassen und strömten auf der Suche nach einem besseren Leben in jüdischen Städte und Orte. In den Worten des Berichts einer von Lord Peel geleiteten britischen Untersuchungskommission des Jahres 1937:

Der Effekt des allgemeinen Nutzens der jüdischen Einwanderung für das Wohlergehen der Araber wird von der Tatsache illustriert, dass die Zunahme der arabischen Bevölkerung in am stärksten städtischen Bereichen erfolgte, die von jüdischer Entwicklung geprägt sind. Ein Vergleich der der Volkszählungen von 1922 und 1931 zeigt, dass vor sechs Jahren die Bevölkerung von Haifa um 86% zunahm, die von Jaffe um 62%, in Jerusalem um 37%, während sie in rein arabischen Städten wie Nablus und Hebron nur 7% und in Gaza eine Abnahme von 2 Prozent betrug.[26]

In der Tat hatte die zionistische Bewegung vom ersten Anfang an angenommen, dass es eine beträchtliche arabische Minderheit im zukünftigen jüdischen Staat geben würde und die allgemeine Überzeugung war, die, dass sie gleichberechtigt „an allen Sektoren des öffentlichen Lebens des Landes“ beteiligt sein würden, wie es Ze’ev Jabotinsky ausdrückte, der Gründungsvater des zionistischen Zweiges, der Ahne der heutigen Partei Likud.[27]

1934 leitete Jabotinsky den Entwurf einer Verfassung für das jüdische Palästina. Nach deren Bestimmungen sollten Araber und Juden sowohl die Vorrechte als auch die Pflichten der Eigenstaatlichkeit teilen, insbesondere den militärischen und den öffentlichen Dienst; Hebräisch und Arabische sollten denselben rechtlichen Status erhalten; und „in jedem Kabinett, in dem der Premierminister Jude ist, soll der Posten des stellvertretenden Premierminister einem Araber angeboten werden und umgekehrt“.[28] Im Widerhall dieser Vision sagte David Ben-Gurion der Führung seiner Partei Mapai 1947, dass die Nichtjuden im jüdischen Staat „gleichberechtigte Bürger sein werden; gleichberechtigt in allem, ohne Ausnahme; das heißt, der Staat wird auch ihr Staat sein.“[29]

Komitees, die die Grundlagen für den im Werden begriffenen Staat legten, diskutierten detailliert die Gründung einer arabischsprachigen Presse, der Verbesserung des Gesundheitssystems, die Eingliederung arabischer Offizieller in die Regierung, die Integration der Araber in die Polizei und das Bildungsministerium und die arabisch-jüdische kulturelle und intellektuelle Integration. Selbst militärische Pläne für die Abwehr einer erwarteten panarabischen ‚Invasion in den späten 1940-er Jahren wurden ausgearbeitet,, mit den ausdrücklichen Anweisungen des Oberkommandierenden der Hagana zur „Anerkennung der vollen Rechte, Bedürfnisse und Freiheit der Araber im hebräischen Staat ohne jegliche Diskriminierung und den Wunsch nach Koexistenz auf der Grundlage beiderseitiger Freiheit und Würde“.[30]

Dasselbe Prinzip wurde in Israels Unabhängigkeitserklärung verankert, die am 14. Mai 1948 abgegeben wurde. Der neue Staat verpflichtete sich „absolute soziale und politische Gleichheit der Rechte für alle seine Bürger festzuschreiben, ohne Unterschied von Religion, Rasse oder Geschlecht“. Insbesondere wurden die arabischen Bürger gedrängt „am Aufbau des Staats auf Grundlage voller und gleichberechtigter Staatsbürgerschaft und auf Grundlage angemessener Repräsentation in all seinen provisorischen wie permanenten Institutionen mitzuarbeiten“. Während der Erklärung Verfassungsstatus fehlt, wurden ihre Prinzipien als Richtlinien für Regierungsverhalten übernommen; im Verlauf der Jahre sollten sie durch Entscheidungen des obersten Gerichtshofs und Handeln der Knesset (des Parlaments) Rechtsstatus erhalten.

Als Ergebnis genießen israelische Araber volle Gleichheit vor dem Gesetz und sind mit dem vollen Spektrum demokratischer Rechte ausgestattet – einschließlich dem Recht für staatliche Institutionen zu stimmen und in ihnen zu dienen. (Vom ersten Moment an hat es arabische Abgeordnete in der Knesset gegeben.) Von der Festsetzung des Arabischen als Amtssprache über die Anerkennung nichtjüdischer religiöser Feiertage als gesetzliche Ruhetage ihrer jeweiligen Gemeinschaften bis zur Gewährung von Bildungs-, kultureller, rechtlicher und religiöser Autonomie dürften die Araber in Israel wohl weit mehr Vorrechte genießen als ethnische Minderheiten überall sonst in der demokratischen Welt.

Im Verlauf der Jahre haben die Araber erstaunliche soziale und wirtschaftliche Fortschritte gemacht. Weit davon entfernt hinterherzuhinken, hat ihre Entwicklung oft die des jüdischen Sektors übertroffen, mit dem Ergebnis, dass die Lücke zwischen den beiden Gemeinschaften stetig kleiner wurde. Z.B. ist die Sterblichkeitsrate im Verlauf der letzten Jahrzehnte um fast zwei Drittel gefallen, während die Lebenserwartung israelisch-arabischer Männer von 70 Jahren (1970) auf heute 76,3 Jahre gestiegen ist. Diese Zahl setzt sich nicht nur wohltuend vom Nahost-Durchschnitt von 68 ab, sondern der durchschnittliche israelische Araber kann erwarten beträchtlich länger zu leben las viele seiner weißen europäischen Pendants.[31]

Nicht weniger bemerkenswert sind die Fortschritte in der Bildung gewesen. Seit Israels Gründung, während die arabische Bevölkerung sich verachtfacht hat, hat sie Zahl der arabischen Schulkinder um den Faktor 35 zugenommen. Wenn 1960 der durchschnittliche israelische Araber ein Jahr in der Schule verbracht, liegt das heute bei elf Jahren; im selben Zeitraum ist die Analphabetenrate bei Erwachsenen von 52 auf 6,2% zurückgegangen (3,5% bei Frauen unter 45 Jahren). Das setzt die israelischen Araber nicht nur meilenweit vor ihre Brüder in der arabischen Welt – in Marokko liegt die Analphabetenrate bei 69%, in Ägypten bei 61%, in Syrien bei 44% – spiegelt aber ein Fortschrittstempo, das fast doppel so hoch ist wie im jüdischen Sektor.

Noch dramatischer ist die Geschichte in Sachen höhere Bildung, wo die Zahl der Araber mit Abschluss von 1961 bis 2001 um das Fünfzehnfache stieg. Vor dreißig Jahren hatten lediglich 4% der arabischen Lehrer einen akademischen Abschluss; bis 2000 war diese Zahl auf 47% gestiegen.

Der Lebensstandard? In den späten 1940-er Jahren, nach der Flucht seiner wohlhabenderen Klasse und dem Zusammenbruch der Wirtschaftsbeziehungen zu den Nachbarstaaten, blieb die arabische Minderheit in Israel weitgehend verarmt zurück. Sowie sie zunehmend in das lokale Wirtschaftsleben eingebunden wurden, erfuhren die Araber einen steilen Anstieg ihrer Einkünfte und eine sichtbare Verbesserung ihrer materiellen Umstände. Bis 2002 hatten 86% der arabischen Haushalte – mehr arabische Haushalte als jüdische – drei oder mehr Zimmer. Entgegen dem Standardbild der beengten Viertel und akuten Landknappheit ist die Bevölkerungsdichte in arabischen Orten niedriger als ihre Pendants in jüdischen Orten.

Was Einkommensstatistiken angeht, so ist es unbestreitbar, dass israelische Araber im Durchschnitt weniger verdienen als Juden. Aber wem ist das zuzuschreiben? Zum einen ist der durchschnittliche Muslim in Israel zehn Jahre jünger als sein jüdischer Gegenpart; überall in der Welt verdienen jüngere Leute weniger. Dann gehen auch weniger arabische Frauen auf den Arbeitsmarkt als jüdische Frauen. Die Auffälligkeiten dieser und weiterer Faktoren – Größe der Familie, Bildungsniveau, kulturelle Traditionen usw. – können durch den Blick auf Segmente der israelischen Gesellschaft von heute wie den ultraorthodoxen Einwohnern oder denen von Entwicklungsstädten (Orten, die während der 1950-er und 1960-er Jahre gegründet wurden, um die frischen Wellen jüdischer Einwanderer, besonders die aus arabischen Ländern, aufzunehmen) ansehen, deren Einkommensniveau denen im arabischen Sektor ähnlicher sind. 1997 z.B., als der durchschnittliche Monatslohn im arabischen Nazareth 4.450 Schekel betrug, betrug die vergleichbare Summe für das zumeist jüdische Nazareth Illith 4.780 Schekel. Während der späten 1990-er Jahre war die Arbeitslosenrate in Israels arabischem Sektor durchweg niedriger als in jüdischen Entwicklungsstädten.

Finanzielle Zuweisungen der Regierung an arabische Stadtverwaltungen sind im Verlauf der letzten vierzig Jahre stetig gestiegen und sind jetzt den Subventionen im jüdischen Sektor ebenbürtig, wenn sie sei nicht gar übersteigen. Bis Mitte der 1990-er Jahre erhielten die arabischen Kommunen rund ein Viertel solcher Zuweisungen, deutlich über dem „Anteil“ der Araber an Israels Gesamtbevölkerung. In zahlreichen Fällen gingen die Beiträge an arabische Kommunalhaushalte beträchtlich über die Beiträge an ähnlich situierte jüdische Orte hinaus: 1996 z.B. lagen die relativen Auszahlungen an die arabische Stadt Tamra dreimal so hoch wie die an die jüdische Stadt Yahud; fast dreimal mehr ging an (das arabische) Abu Snan als an das (jüdische) Even Yahuda; zweimal mehr hoch an das (arabische) Iksal als an das (jüdische) Azur.

Die Stadt Haifa, um ein prominentes Beispiel zu geben, war ein Modell arabisch-jüdischer Koexistenz, weil zwei Gemeinschaften Seite an Seite in Frieden und Harmonie lebten. Und während diese idyllische Koexistenz durch den Krieg von 1948 grausam zerbrach, als die meisten der arabischen Einwohner von ihrer nationalen Führung trotz Betteln der jüdischen Nachbarn es nicht zu tun ins Exil getrieben wurden, wurden die, die blieben, als gleichberechtigte Bürger in das Gewebe des entstehenden jüdischen Staates integriert.

Mit dem folgenden Wachstum ihrer Anzahl infolge einer hohen natürlichen Zunahme sowie Migration aus ländlichen und aus der Peripherie kommenden Migration haben die Araber von Haifa ihre zentrale Rolle wiedergewonnen und die Koexistenz von vor 1948 wieder hergestellt. Juden und Araber leben zusammen, studieren zusammen, gehören denselben Vereinen an, fahren mit denselben Bussen, gehen in denselben Zentren einkaufen und essen in denselben Restaurants. Es überrascht daher kaum, dass, als sich am 4. Oktober 2003 Hanadi Jaradat, eine 29-jährige Rechtsanwältin aus Jenin, sich an einem friedlichen Samstagnachmittag in einem stark besuchten Restaurant sprengte und 21 Menschen ermordete sowie weitere sechzig verletzte, das für das abscheuliche Verbrechen ausgesuchte Geschäft in gemeinsamem arabisch-jüdischem Besitz war und die Opfer sowohl Juden als auch Araber.

Tatsächlich sind die gelegentlichen Vorschläge Israels Grenzen im Rahmen einer umfassenden Friedensregelung neu zu ziehen, um vorwiegend arabische Bereiche an der Grenze in den zukünftigen Palästinenserstaat in der Westbank und dem Gazastreifen einzugliedern, bei den israelischen Arabern ausnahmslos auf Ablehnung gestoßen, die lieber Bürger des jüdischen Staats bleiben wollen als sich ihren Brüdern in einem neu geschaffenen Staat anzuschließen. Selbst die Einwohner der Gebiete haben bei all ihrer Kritik und Beschwerden Israel durchweg zu den am meisten bewunderten Demokratien der Welt gezählt, in krassem Gegensatz zu ihrer vernichtenden Meinung über arabische Regime, einschließlich ihrer eigenen palästinensischen Autonomiebehörde. Noch 2011 sagten die meisten der befragten Palästinenser in Ostjerusalem, die Anspruch auf israelische Sozialleistungen haben und frei in Israels Staatsgebiet von vor 1967 reisen können, dass sie lieber Bürger des jüdischen Staates werden würden als Bürger eines neuen palästinensischen.[32]

So viel zu Israels angeblicher Apartheid.

Das Spiel der Beschuldigungen: Von Ritualmord-Vorwürfen bis zum 9/11

Und was ist mit dem Ausgießen der absonderlichsten Verschwörungstheorien und Ritualmordlegenden, denen Israel – und nur Israel – seit dem ersten Tag seines Bestehens ausgesetzt war? Wiederum ist dieses Phänomen nicht auf die arabische und muslimische Welt beschränkt, wo mittelalterliche Mythen von Juden als heimlichen Zerstörern und Vergiftern von Brunnen weit verbreitet sind (noch im Oktober 2000 veröffentlichte die größte ägyptische Regierungszeitung, Al-Ahram, die wahrscheinlich tonangebendste arabischsprachige Zeitung, einen fast ganzseitigen Artikel mit dem Titel „Jüdische Matzen werden aus arabischem Blut gemacht“; darin werden Juden jedes denkbaren Lasters beschuldigt, von der Verbreitung von AIDS, Rinderwahn und Vogelgrippe bis zur Ermordung palästinensischer Kinder, um ihrer Organe zu ernten und den Anschlägen vom 9/11. Das wird von westlichen politischen und intellektuellen Eliten wiederholt, um Israel zu dämonisieren, indem man die niederträchtigsten antisemitischen Verschwörungstheorien zu jüdischer und israelischer Sippenherrschaft in Weltangelegenheiten beipflichtet.

Natürlich sind Juden traditionell beschuldigt worden, ihnen fehle der wahre Patriotismus in den Ländern, in denen sie Bürger sind und sie würden stattdessen versuchen ihre nichtjüdischen Landsleute in endlose Konflikte und Kriege zu verwickeln und zwar im Auftrag solch kosmopolitischer Bewegungen und Ideale wie „Weltimperialismus“, internationalem Bolschewismus“ oder „Weltzionismus“. Die Protokolle der Weisen von Zion behaupteten das. Adolf Hitler auch, der ein Bewunderer des antisemitischen Pamphlets war und seine Nazi-Propagandamaschine dazu benutzte die von ihm entfesselte horrende Gewalt fälschlich als „jüdischen Krieg“ hinzustellen. Als die Vereinigten Staaten schließlich nach dem Angriff auf Pearl Harbor in den Zweiten Weltkrieg eintrat – mehr als zwei Jahre nachdem Ausbruch der Feindseligkeiten, stellten die Nazis und ihre arabischen Lakaien das als Beweis für den angeblichen jüdischen Einfluss auf die Regierung Roosevelt dar.[33]

Dieses Zerrbild traf einen empfänglichen Nerv auf der anderen Seite des Ozeans. Vor dem Zweiten Weltkrieg war es beim US-Offizierskorps eine feste Größe, dass jüdische Versuche die bösartigen Antisemitismus der Nazis zu kontern die Beziehungen der USA zu Deutschland störten und letztlich das Land entgegen seiner wahren Interessen in den Krieg steuern würden. Die Tatsache, dass diese verzweifelten Bitten keinerlei Einfluss auf die Administration hatten oder dass die Beziehungen der USA zu den Nazis angesichts von Hitlers wahnsinnigem Wunsch nach Weltherrschaft von Anfang an dem Untergang geweiht waren, schienen diese Gegner nicht gestört zu haben. Noch im April 1948 machte General Albert C. Wedemeyer, Chef für Planung und Operationen und ein fanatischer Antisemit, der die internationalen jüdischen Verschwörer hinter jeder Ecke sah, die zionistische Bewegung und Roosevelts jüdische Berater dafür verantwortlich, dass die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg gezogen wurden.[34]

Mehr als sechzig Jahre danach ist die Besessenheit vom angeblichen Einfluss des „Weltjudentums“ gesund und munter. Nur ist es heute der Irak-Krieg von 2003 statt dem Zweiten Weltkrieg, der angeblich von jüdischen und israelischen Machenschaften ausgelöst wurde und es ist George W. Bush statt D.F.R., der dafür kritisiert wird sich von einer jüdischen Intrige verladen worden zu sein. (Fakt ist, dass Israel Saddam Hussein nie als existenzielle Bedrohung betrachtet hat und dem bevorstehenden Krieg gegen den Irak aus Sorge, er könne die Fähigkeit der USA hartnäckiges Streben nach Atomwaffen verringern, skeptisch gegenüber stand – und was dann in der Tat auch eintrat.)

Nach Angaben von Ahmad Thomson, einem muslimischen Berater Tony Blairs, war der britische Premierminister der Letzte in einer langen Reihe Politiker, der dem Zauber einer „unheimlichen“ Gruppe Juden und Freimaurer geriet, die den Angriff auf den Irak als Mittel zur Kontrolle den Nahen Ostens betrachteten.[35] Diese Behauptung (obgleich ohne die Freimaurer) wurde unter anderem in einem „Arbeitspapier“ von Harvard-Professor Stephen Walt und seines Kollegen John Mearsheimer von der University of Chicago wiederholt, das im März 2006 unter Leitung der renommierten Kennedy School of Government an der Harvard University veröffentlicht wurde; diese Arbeit präsentierte den Irak-Krieg nicht nur als Geistesprodukt eines hinterhältigen jüdischen Intriganten, sondern beklagte die angebliche Kaperung der US-Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte durch die „Israel-Lobby“, die die stärkste Macht der Erde dahin manipuliert hat „ihre eigene Sicherheit beiseitezustellen, um die Interessen eines anderen Staates voranzubringen“.[36]

Lobbyarbeit ist natürlich das tägliche Brot des sozialen und politischen Lebens Amerikas und unter anderem haben „ethnische“ und „nationale“ Lobbygruppen bei zahlreichen Gelegenheiten großen Einfluss auf die US-Außenpolitik ausgeübt. Während des Zweiten Weltkriegs, um ein markantes Beispiel anzuführen, brachte die irische Lobby Präsident Roosevelt dazu zu tolerieren, dass die irischen Häfen die Kriegsanstrengungen gegen die Nazis verweigerten – mit enormen Kosten an Menschen und Material.[37] Ähnlich half die China-Lobby seit Jahrzehnten die Anerkennung und Normalisierung der Beziehungen zum kommunistischen China zu verhindern, etwas, das den Vereinigten Staaten neben anderen nachteiligen Entwicklungen möglicherweise die Kriege in Korea und Vietnam erspart hätte. Doch keine dieser Lobbygruppen, ganz zu schweigen von der heutigen skrupellosen Manipulation der US-Außenpolitik durch die arabische Öl-Lobby, haben auch nur einen Bruchteil der Kritik bekommen wie die „jüdische Lobby“. „Warum prinzipiell verlangt werden soll, dass die Juden und nur die Juden darauf verzichten ihre ethnischen Zugehörigkeit nicht zurate zu ziehen, weiß ich nicht“, schrieb der angesehene amerikanisch-jüdische Intellektuelle Irving Howe. „Aber es ist absolut empörend dass das Vorhandensein solcher Loyalitäten, die in sich in keiner Weise Juden von irgendjemand anderem unterscheidet, eine Grundlage dafür sein soll die Argumente abzulehnen, wie sie demokratische Radikale und Intellektuelle zugunsten der Unterstützung Israels anführen.“[38]

No Business like the Bash Israel Business

Angesichts all dessen überrascht es kaum, dass diejenigen, die mit dem Einprügeln auf Israel Karriere machen – in den Medien, an Universitäten und in der Politik – große Stars mit Zugang zu den wertvollsten Liegenschaften bei der Presse werden und mehr Einladungen zu Reisen in die Welt damit erhalten, dass sie Israel verunglimpfen, als sie in Anspruch nehmen können.

Nehmen wir das Affenspektakel zu Walt-Mearsheimers Abhandlung zum angeblichen Würgegriff der „Israel-Lobby“ auf die US-Außenpolitik. Während die beiden keine Mühen scheuten sich als mutige Intellektuelle hinzustellen, die ein großes persönliches Risiko eingingen, indem sie „der Macht gegenüber die Wahrheit sagten“ (Walt beklagte sogar gegenüber einem radikal-muslimischen Publikum, dass sich gegen Israel zu stellen nachteilige finanzielle Folgen mit sich bringt), ist die Wahrheit, dass ihr Dokument sie über Nacht aus dem Dunkeln ins öffentliche Rampenlicht katapultierte, was ihnen $750.000 Vorauszahlung eines prominenten New Yorker Verlagshauses eingebracht haben soll und Walt einen persönlichen Blog im viel gelesenen Internetmagazin Foreign Policy verschaffte. Ein Jahrzehnt später trat der ehemalige New Republic-Redakteur Peter Beinert in ihre Fußstapfen und strebte seine 15 Minuten Rum mit einem ähnlich bösartigen Buch an.[39]

Aber niemand verkörpert dieses Phänomen stärker als der verstorbenen Edward Said, Universitätsprofessor für Englisch und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University, der im September 2003 starb. Jahrzehnte lang wurde Said für seinen Mut in seiner Rolle als der wortgewandteste und sichtbarste Verfechter der palästinensischen Sache verehrt. Trotz Saids ständiger Beteuerungen, dass „Palästina … unmodern ist und keine Belohnungen einbringt“, ist die Wahrheit, dass es sein Status als Aktivist und Polemiker für die Sache der Palästinenser war, weniger seine wissenschaftlichen Arbeiten oder seine akademische Karriere, die ihm internationalen Prominentenstatus ebenso wie lauten Applaus, Ehrungen und Ruhm weit über die wildesten Träume der meisten Englisch-Professoren hinaus einbrachte.

Said war so schlau die palästinensische Sache in den späten 1960-er Jahren aufzunehmen, einer Zeit wachsender westlicher Sympathie für Fragen der Dritten Welt und antikoloniale Ideologie, die im Gegenzug den Glauben verstärkte, dass der Zionismus eine anachronistische, sogar illegitime Ideologie war, während die Palästinenser einen Befreiungskampf führten. Im Verlauf der nächsten drei Jahrzehnte war niemand geschickter als Said darin die Parolen und antikolonialen Sprachgebrauch zu verkünden, der Generationen an Westlern die Knie weich machte; und niemand war geschickter als Said darin Israel als nichts als eine künstliche koloniale Schöpfung westlicher Imperialisten darzustellen. Nicht unerwartet machten seine Ansichten zu Palästina ihn schnell bei den westlichen Medien beliebt. 1971 schrieb Said seinen erste Artikel für Le Monde Diplomatique. 1973 hatte er sein Debut in der New York Times. In beiden Artikeln ging es um den arabisch-israelischen Konflikt. Bis 1977 war er Mitglied des palästinensischen Nationalrats geworden und bis 1979 hatte er The Question of Palestine (Die Palästinafrage) veröffentlicht und wurde von Les Temps moderne nach Paris eingeladen, um an einem Seminar mit Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir in der Wohnung von Michael Foucault zum Frieden im Nahen Osten teilzunehmen. Der junge englische Professor, der sich im Dunkeln abgerackert hatte, bis er sich der Sache der Palästinenser annahm, hatte es weit gebracht. Said mag ein kompetenter Literaturkritiker gewesen sein, seine frühen Studien zu Jane Austen und Joseph Conrad mögen stichhaltige Beiträge zum wissenschaftlichen Fachgebiet gewesen sein, aber aus seiner Sicht hatte sein Werk wenig mit seinem Ruf oder Ansehen zu tun. Palästina wurde, wie ein Bewunderer es ausdrückte, „ein sich beinahe überwältigend wiederholendes Thema in Saids Werk“ und es war fast unmöglich eine Linie zwischen seinen Polemiken zur Palästinenserfrage und dem Rest seiner Werke zu ziehen.[40]

Gleichermaßen ist der britische Journalist Robert Fisk von Legionen an Fans dafür verehrt, dass er die Aufmerksamkeit der Welt mit seinen Bericht auf Israels angeblichen Ungerechtigkeiten und Verbrechen gegenüber den Palästinenser lenkte. Wie Said ist eine der wichtigen Beschwerden Fisks über die westlichen Medien die Art, wie er die Lage übersimplifiziert und in seiner Berichterstattung über den muslimischen Nahen Osten mit den Vorurteilen seines Publikums spielt. In seinen gerade veröffentlichten Memoiren erzählt er uns, es ist „eine gewisse Erleichterung Israelis zu finden, die wortgewandt und mutig genug sind die koloniale Mentalität infrage zu stellen“. In Wirklichkeit brauchen Israelis (anders als ihre arabischen Nachbarn) nicht mutig zu sein, um sich in irgendeiner Frage öffentlich gegen ihre Regierung oder andere vom Staat finanzierte Institutionen zu stellen. Das Ausmaß dieser eindimensionalen Herangehensweise an die Berichterstattung aus Israel bedeutet, dass niemand, der Fisk liest, wüsste, dass Gewalt, Krawall und Aufruhr Teil des Gewebes des Nahen Ostens war, lange bevor die gefürchteten Zionisten ihren Staat gründeten. Wenn man das glaubt, glaubt man alles. Aber vielleicht ist es das, worauf sich diese Kohorten an Israel-Bashern von jeher verlassen.

Vor etwas weniger langer Zeit sind die israelischen „neuen Historiker“ vergöttert, die Ende der 1980-er Jahre die Bühne betraten; sie galten als Pioinere des Anti-/Post-Zionismus, die mutig der unterdrückerischen und häretischen zionistischen Ideologie trotzten. Mit der Behauptung die „historische Wahrheit“ über die Gründung des Staates Israel und dem Aufkommen des arabisch-israelischen Konflikts aufgedeckt zu haben, sind sie zu gefeierten Personen geworden, die aus dem Prestige, Buchverträgen und Reisen Kapital schlugen, die überall in der Welt für Israel-Basher angeboten wurden. So witzelte Tom Segev, ein israelischer Journalist und „neuer Historiker“ gegenüber einem amerikanischen Journalisten: „Wir führen Hochzeiten und Bar Mitzwas durch.“[41] Und das, obwohl das völlige nicht vertraut sein der meisten „neuen Historiker“ mit der arabischen Welt – ihrer Sprache, Kultur, Geschichte und Politik; ihres herablassenden Umgangs mit den Palästinensern als passiven Objekten; ihrem Versagen neue Fakten auszugraben oder neuartige Interpretationen zu bieten;[42] und der Tatsache, dass die jüngste Freigabe von Millionen von Dokumenten aus der Zeit des britischen Mandats und Israels frühen Tagen ein weit eindeutigeres Bild der historischen Aufzeichnungen malt und zwar eines, das in völligem Widerspruch zu den antiisraelischen Karikaturen steht, die von den „neuen Historikern“ gezeichnet werden.

Andere Juden wie der US-Akademiker Norman Finkelstein sind unter anderem in Deutschland wegen ihrer höchst beleidigenden Behauptungen gefeiert worden, dass Israel und die diasporajüdische Gemeinschaften den Holocaust zum eigenen Nutzen übertrieben haben.[43] Schlimmer noch: Eine Reihe Juden, darunter Professor Moshe Zimmerman von der Hebräischen Universität und der verstorbene israelische Philosoph Yeshayahu Leibowith, vergöttert von Said und Fisk, haben Parallelen zwischen dem Handeln israelischer Regierungen und den israelischen Verteidigungskräfte (IDF) und den Nazis gezogen. Da diese Behauptung es den Europäern ermöglicht einiges von ihren Schuldgefühlen wegen des Holocaust loszuwerden, ist das bereitwillig übernommen worden. Eine in neun europäischen Ländern durchgeführte Eurobarometer-Umfrage, die am Vorabend des Holocaust-Gedenktags 2004 veröffentlicht wurde, stellte fest, dass 35,7% der Befragten glaubten, Juden „sollten aufhören die Opfer des Holocaust zu spielen“.

Die jüngste Welle an Antisemitismus und Angriffen auf Juden und jüdische Ziele in einem in Europas seit den 1930-er Jahren nicht bekanntem Ausmaß scheint diese Mentalität einen Schritt weiter zu bringen. Wenn alle Juden Israelis sind und alle Israelis Nazis, dann ist es legitim sie ins Visier zu nehmen. Und natürlich ist diese Haltung von der Tendenz der politischen und intellektuellen Eliten Europas Israel zu dämonisieren angespornt worden: Erinnern Sie sich an das Titelbild des New Statesman vom Januar 2002 mit einem goldenen Davidstern, der einen Union Jack [die britische Flagge] durchstößt, darunter die Schlagzeile: „Eine koschere Verschwörung?“

Der Libanonkrieg von 2006 hat einmal mehr unterstrichen, wie weithin Juden und Israelis als ein und dasselbe wahrgenommen werden. Während der Krise gab es in Großbritannien im Vergleich zum Juli 2005 eine Verdoppelung der antisemitischen Anschläge und Vorfälle und in Kanada gegenüber dem selben Zeitraum des Vorjahrs eine Verdreifachung dieser Vorfälle. Gleichzeitig wurden das jüdische Denkmal für Holocaustopfer in Brüssel und Berlins Holocaust-Gedenkstätte geschändet und mit Hakenkreuzen beschmiert, ebenso zwei Synagogen in Sydney (Australien) und eine in der brasilianischen Stadt Campinas; zwanzig jüdische Geschäfte in Rom wurden beschädigt und mit Hakenkreuzen beschmiert und ein pakistanischer Amerikaner ging im Juli 2006 in das jüdische Gemeindezentrum in Seattle und eröffnete das Feuer auf unschuldige jüdische Zivilisten, wobei er eine Person tötete und fünf verletzte.

Was diese Sachlage noch ärgerlicher macht: Die Medien und westliche Führungspolitiker haben sich seit dem 9/11 verbogen, um die Verbreitung von Islamophobie zu verhindern, wenn die Wahrheit darin besteht, dass es die Juden sind, nicht die Muslime, deren Leben am nachteiligsten durch zunehmende Feindseligkeit vor Ort betroffen ist – immerhin sind es die Juden, nicht die Muslime Frankreichs, die in Rekordzahlen auswandern, um einen sicheren Hafen zu finden. Es sind die Juden, die sich für Angriffe verletzlich fühlen, die sich der meisten Gewalt ausgesetzt sehen und deren Institutionen von Synagogen über Gemeindehäuser bis zu jüdischen Redaktionsräumen wegn der Ereignisse im Nahen Osten seit Jahren unter schwerer Polizeibewachung stehen – keine muslimische Gemeinde im Westen muss ähnliche Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Und doch ignorierten Politiker und die Medien einfach die Raketen von Hisbollah und Hamas auf israelische Bevölkerungszentren, sprangen aber im Dreieck wegen Jerusalems militärischer Reaktion; sie ignorieren zudem die Realität, dass es nicht Islamophobie, sondern Antisemitismus, das große Hassverbrechen in Europa ist, außerdem zunehmend in den USA, Kanada und Australien, wobei sowohl Israel und die jüdischen Gemeinden dieser Länder di Hauptlast dieser boshaften Angriffe ertragen.

Fazit: Israel und das menschliche Gewissen

Die Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus wird von vielen Gegnern Israels zweifelsohne als „zionistische Propaganda“ abgetan. Dieses Argument läuft aber tatsächlich nicht nur der vorherrschenden Meinung unter israelischen Akademikern und Intellektuellen zuwider, für die solche Behauptungen Anathema sind, sondern ziehen auch eine der fundamentalen Grundsätze des Zionismus in Zweifel – dass die Gründung des jüdischen Staates, in dem die jüdische Diaspora sich versammeln und normalisieren kann, das „jüdische Problem“ lösen sollte und besser werden lassen sollte, wenn sie nicht gar das Phänomen des Antisemitismus völlig eliminiert.

Was diese Denkweise der Gründungsväter des Zionismus jedoch nicht bedachten: dass das Vorurteil und die Obessesion, die bis dahin für jüdische Einzelpersonen und Gemeinden reserviert war, auf den jüdischen Staat übertragen würde. Wurden Juden vor der Gründung Israels wegen ihrer Hilflosigkeit verachtet, werden sie heute wegen ihres neu entdeckten physischen und politischen Stärke verunglimpft, wie die wiederholte Kritik an Israels angeblichem Gebrauch von „unverhältnismäßiger Gewalt“ bezeugt, wann immer es sich gegen willkürliche Terroanschläge durch Gruppen verteidigt, die sich seiner Vernichtung verschrieben haben.

Jahrtausende lang war das jüdische Volk – in den Worten des angesehenen Philosophen Martin Buber – ein unheilvolles, heimatloses Gespenst. Dieses Volk, das die Einbindung in jegliche Kategorie widerstand, ein Widerstand, an den sich die anderen Firmen niemals wirklich gewöhnen konnten, war immer das erste Opfer fanatischer Bewegungen und widerwärtiger Vorurteile und gebrandmarkt als die Ursache von massenhaftem Unglück. So schrieb der Dichter Heinrich Heine, selbst ein Konvertit aus dem Judentum, einmal, das Judentum sei „der Familienfluch, der tausend Jahre andauert“; und egal wie sehr er sich Mühe gegeben hat, der Staat Israel – wie einzelne Jduen und jüdische Gemeinden vor ihm – ist nie in der Lage gewesen dieser verstörenden Realität zu entkommen.

In der Tat ein betrüblicher Gedanke. Aber gibt es irgendeine andere Erklärung dafür, warum Israel mehr als sechzig Jahre nach seiner Gründung der einzige Staat der Welt bleibt, dessen Bürger als Erben des Nazi-Mantels dargestellt werden; deren Wirtschaft nicht nachlassenden Rufen nach Sanktionen, Boykotten und Investitionsabzug ausgesetzt ist; dessen Politik und Handeln jahrein, jahraus von der internationalen Gemeinschaft verteilt wird und dessen Existenzrecht ständig diskutiert und in Frage gestellt wird?

Efraim Karsh ist Forschungsprofessor für Nahost- und Mittelmeerstudien am King’s College in London, Chefforscher am Middle East Forum (Philadelphia) und zuletzt Autor von „Palestine Betrayed“ (Yale University Press, 2010)

[1] Efraim Karsh/Rory Miller: Freya Stark in America: Orientalism, Anti-Semitism, and Political Propaganda. Journal of Contemporary History, Vol. 39, No. 3 (July 2004), S. 327.

[2] Joseph W. Bendersky: From Cowards and subversives to Aggressors and Questionable Allies: US Army Perception of Zionism since World WW I. Journal of Israeli History, 25:1 (2006), S. 123-24.

[3] Rivka Yadlin: Genuis Yahir Veosheq:Anti-Zionut ke-Anti-Yahadut be-Mitsraim (Jerusalem: Yad Ben-Zvi, 1988), S. 127.

[4] Akhbar al-Yom (Cairo), Oct. 11, 1947. Für Hintergrundinformationen zur Erklärung und ihre vollständige Übersetzung s.: David Barnett/Efraim Karsh: Azzam’s Genocidal Threat. Middle East Forum, Fall 2011, S. 85-88.

[5] Political Program for the Present Stage drawn up by the 12th PNC, Cairo, June 9, 1974. Journal of Palestine Studies, Summer 1974, S. 224-225

[6] Efraim Karsh: Arafat’s War: the Man and his Battle for Israeli Conquest (New York: Grove, 2003).

[7] Schon am 11. Oktober 1949 schrieb der prominente ägyptische Politologe Muhammad Salah al-Din, der bald Außenminister des Landes werden sollte, in der einflussreichen ägyptischen Tageszeitung al-Misri: “Mit der Forderung nach Rückführung der Flüchtlinge nach Palästina beabsichtigen die ARaber, dass sie als die Herren der Heimat und nicht als Sklaven zurückkehren. Im engeren Sinne haben sie vor den Staat Israel auszulöschen. (Zitiert in: Forschungsabteilung, israelisches Außenministerium: „Refugee Repatriation – A Danger to Israel’s security.” 4. Sept. 1951, Israel’s State Archives, ISA, FM 2564/1.

[8] Edward Said: The Question of Palestine (New York: Vintage, 1980), S. 12–13.

[9] Edward Said: My Right of Return. Interview mit Ha’aretz-Journalist Ari Shavit, 18. August, S. 2000.

[10] Tony Judt: Israel: The Alternative. New York Review of Books, 23. Okt. 2003.

[11] Das berüchtigste Pogrom fand in der polnischen Stadt Kielce statt, wo am 4. Juli 1946 lokale Mobs überlegende und zurückkehrende Juden in der Stadt nach falschen Gerüchten, die Juden hätten ein christliches Kind entführt, das sie zu rituellen Zwecken töten wollten. Die Aufrührer töteten mindestens 42 Juden und verletzten ungefähr 50 weitere.

[12] Interview [by] Clare Hollingowith with Azzam Pasha, 23. März 1948, ISA, S25/9020. Cairo to London, Jun. 4, 1948, FO 371/68527

[13] David Ben Gurion’s Diary (Sde Boker), 2. Juni 1949.

[14] Daniel Pipes: The Hell of Israel is Better than the Paradise of Arafat. Middle East Quarterly, Spring 2005, S. 43-50.

[15] Yale Law School, the Avalon Project: Hamas Covenant, Articles 11.

[16] Robert Fisk: The Great War for Civilization: the Conquest of the Middle East (New York: Vintage, 2007).

[17] Hillel C. Neuer: The Struggle against Anti-Israel Bias at the U.N. Commission on Human Rights. Jerusalem Center for Public Affairs, No. 40, 1. Jan. 2006; UN Wipes Israel Off the Map—Photos – Nov. 29, 2005, UN Day of Solidarity with the Palestinian People http://www.eyeontheun.org/view.asp?l=21&p=142.

[18] Edwin Black: Ford Foundation Aided Groups Behind Biased Durban Parley. Forward, 17. Okt. 2003; Jerusalem Post, 2. Sept. 2001; Anne F. Bayefsky: Terrorism and Racism: the Aftermath of Durban. Jerusalem Letter/Viewpoints, No. 468, 16. Dez. 2001(http://www.jcpa.org/jl/vp468.htm); Irwin Cotler: Durban’s Troubling Legacy One Year Later: Twisting the Cause of International Human Rights Against the Jewish People. Jerusalem Issue Brief, Vol. 2, No. 5 (20. Aug. 2002).

[19] Record of Conversation which the Prime Minister and Secretary of State had with the United States Ambassador on the 28th April 1948. FO 800/487.

[20] Zu Bannas Ideologie und politischer Karriere s.: Hassan al-Banna: Shaheed (Karachi: International Islamic Publishers, 1981); Richard P. Mitchell, The Society of the Muslim Brothers (New York: Oxford University Press, 1993); Robert St. John, The Boss: The Story of Gamal Abdel Nasser (New York: McGraw Hill, 1960), S. 41-42.

[21] Muhammad Amin Husseini: Haqa’iq an Qadiyat Filastin (Cairo: Maktab al-Hay’a al-Arabiyya al-Ulya li-Filastin, 2nd ed., 1956; Abdel Karim Umar: Mudhakkirat al-Hajj Muhammad Amin al-Husseini (Damascus: Ahali, 1999), S. 107, 124-27.

[22] S. z.B. Fayez A. Sayegh: Zionist Colonialism in Palestine (Beirut: Palestine Liberation Organization Research Center, 1965).

[23] Tutu Condemns Israeli Apartheid. BBC News, 29. Apr. 2002

[24] Jimmy Carter: Palestine: Peace Not Apartheid (New York: Simon & Schuster, 2006).

[25] Mairead Corrigan-Maguire: Stand Up to Israeli Apartheid. Stop de Landroof (http://www.stopdebezetting.com/wereldpers/mairead-corrigan-maguire-stand-up-to-israeli-apartheid.html), aufgerufen am 19. März 2012

[26] Palestine Royal Commission, Report. Presented to the Secretary of State for the Colonies in Parliament by Command of his Majesty, July 1937 (London: HMSO; rep. 1946), S. 93 (vii).

[27] Vladimir Jabotinsky: The Jewish War Front (London: George Allen & Unwin, 1940), S. 216.

[28] Ebenda, S. 216-220.

[29] David Ben-Gurion: Bama’araha (Tel Aviv: Mapai Publishing House, 1949), Vol. 4, Part 2, S. 265.

[30] Hagana Commander-in-Chief to Brigade Commanders, “The Arabs Residing in the Enclaves.” 24. März 1948, Hagana Archiva (HA), 46/199z.

[31] Statistische Daten in diesem Artikel meist entnommen aus Israel’s Central Bureau of Statistics (http://www1.cbs.gov.il/reader/?MIval=cw_usr_view_Folder&ID=141). S. Auch zwei Artikel von Amnon Rubinstein in Ha’aretz, 10. Sept. 2002 und 7. Apr. 2003.

[32] David Polock: What do the Arabs of East Jerusalem Really Want? Jerusalem Center for Public Policy, 7. Sept. 2011.

[33] Jeffrey Herf: Convergence—the Classic Case: Nazi Germany, Anti-Semitism and Anti-Zionism during World War II. Journal of Israeli History, Vol. 25, No. 1 (März 2006), S. 75, 77-78.

[34] Bendersky: From Cowards and Subversives. S. 114-15, 118.

[35] Jews and Free Masons Controlled War on Iraq, Says No. 10 advisor. Daily Telegraph, 12. Sept. 2005.

[36] John Mearsheimer/Stephen Walt: The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy (Harvard University: John F. Kennedy School of Government, März 2006), S. 1.

[37] Efraim Karsh: Neutrality and Small States (London: Routledge, 1988; neu aufgelegt 2010), S. 70-72.

[38] Irving Howe:Vietnam and Israel. In: Irving Howe/Carl Gershman (Hg.): Israel, the Arabs and the Middle East (New York: Bantam Books, 1982), S. 343-344.

[39] The Crisis of Zionism (New York: Times Books, 2012).

[40] Efraim Karsh/Rory Miller: Did Edward Said Really Speak Truth to Power? Middle East Quarterly, Vol. 15, No. 1 (Winter 2008), S. 13-21.

[41] Michael Kennedy:rewriting History. Inquirer Magazine, 1. Feb. 1998, S. 12.

[42] So gab z.B. Benny (von der Ben-Gurion Universität in Beersheva) zu, dass er beim Schreiben von Birth of the Palestinian Refugee Problem (1987) „keinen Zugang zu“ den umfangreichen Dokumenten in den Archiven der konkreten israelischen Institutionen hatte – an anderer Stelle sagte er, er sei sich ihrer „nicht bewusst gewesen“ -, deren Handeln 1948 die Last seiner Anklage bildeten: Die Untergrundorganisation Haganah und die israelischen Verteidigungskräfte (IDF). S. Morris: Revisiting the Palestinian Exodus of 1948. In: Eugene Rogan/Avi Shlaim: The War for Palestine: Rewriting the History of 1948 (Cambridge: Cambridge University Press, 2001), S. 37.

[43] Norman G. Finkelstein: The Holocaust Industry (London: Verso, 2003).

Antisemitismus auf dem Tempelberg (Video)

Elder of Ziyon, 11. August 2015

Dieses 12-minütige Video zeigt – selbst im editierten Zustand – einen Mob Muslime, die einer kleinen Gruppe hareidischer Juden verfolgt, die den Tempelberg besucht.

Die Juden agieren still und respektvoll. Doch die Tatsache, dass sie sichtbar religiös sind, schient die Muslime nur noch stärker aufzubringen.

Die gesamte Zeit werden die Juden belästigt und angebrüllt, einfach weil die Juden sind. Die Muslime sind nicht zum Gebet hier oder zur Besinnung oder auch nur um Ball zu spielen – ihr gesamtes Leben konzentriert sich darauf Juden daran zu hindern friedlich dort umherzugehen.

Aber viel Glück dabei ein westliches Medienorgan zu finden, das dies genau als das beschreibt, was es ist: purer muslimischer Antisemitismus.

Die gute Nachricht ist, dass hareidische Juden anfangen den Tempelberg zu besuchen. Es sind nicht mehr nur Juden mit gestrickten Kippot.

Wer finanziert die „akademische Forschung“, die versucht Israel zu delegitimieren?

Manfred Gerstenfeld interviewt Ofira Seliktar (direkt vom Autor)

Das Thema, wer die sogenannte „akademische Forschung“ finanziert, die den Staat Israel delegitimiert und wer die verschiedenen Campus-Aktivitäten gegen ihn unterstützt, ist extrem komplex und facettenreich. Die unvollständigen Initiativen dieses Thema zu untersuchen sind weit davon entfernt angemessen zu sein.

Dennoch kennen wir bestimmte Fakten zu diesem Thema. Verschiedene Stiftungen, hauptsächlich mit arabischen und muslimischen Spendern, spielen eine führende Rolle bei der Finanzierung der Nahost- und Israelforschung überall in der Welt. Viele Spenden werden über Stiftungen gestreut, die von Königsfamilien eingerichtet wurden.

Ofira Seliktar ist Professorin em. für Politikwissenschaften am Gratz College (Pennsylvania) und ehemalige Forscherin am Middle East Research Institute der University of Pennsylvania. Sie ist Autorin von neun Büchern und vielen Artikeln zu amerikanischen Geheimdiensten.

Seliktar führt eine Reihe Beispiele an: Die saudische Prinz Walid al-Talal-Stiftung sticht bezüglich des Umfangs ihrer Spenden in den USA heraus. Sie hat z.B. Nahost-Zentren an Eliteuniversitäten finanziert, unter anderem in Harvard, Yale, Georgetown und Berkeley.

Die Sultan bin Abdul Aziz ibn Saud-Stiftung ist eine weitere prominente saudische Stiftung. Sie hat große Geldsummen an das Nahost-Zentrum in Berkeley sowie eine Reihe weiterer amerikanischer Universitäten gespendet. Die saudische Khalid Bin Abdallah, Bin Abdul Rahman al Saud-Stiftung hat der Harvard University einen Lehrstuhl gestiftet.

Die Sultan von Oman-Stiftung hat ebenfalls einen Lehrstuhl an der Harvard-Universität gestiftet. Qatar ist ein relativer Neuling auf dem Feld. Es entwickelt ein hoch ambitioniertes Programm zur Formung der westlichen höheren Bildung. Die Familie Kahlifa al-Thani, Herrscherfamilie des Landes, hat eine Stiftung eingerichtet. Diese ist bereits zu einem wichtigen Spieler in der Forschung zum Nahen Osten und der Außenpolitik geworden.

Der Iran wirbt für die schiitische Version des Islam und die iranische Außenpolitik. Seine Förderung wird durch das iranische Außenministerium, das Ministerium für Kultur und Führung, das Ministerium für Information und Sicherheit – das für die Geheimdienste zuständig ist – sowie eine Vielzahl religiöser Stiftungen geleitet. Eine sehr prominente ist die Alavi-Stiftung, die wiederum von der Mustazafeen Foundation geführt wird. Letztere ist der größte halbstaatliche Konzern im Iran, geschaffen 1979 von Ayatollah Khomeini. Die Alavi-Stiftung hat Stipendien an mehr als dreißig Universitäten in ganz Nordamerika vergeben. Die Sanktionen zum Zurückdrängen des iranischen Atomprogramms hatten keine Auswirkungen auf die Mustazafeen Foundation, die als halbstaatliche Gruppe ihr eigenes Budget hat.

Viele bedeutende Institute und Zeitschriften haben ebenfalls große Spenden aus arabischen Quellen erhalten. Dazu gehören das Middle East Policy Council und sein Middle East Policy Journal. Diese Zeitschrift veröffentlichte zum Beispiel den ursprünglichen Aufsatz von John Mearsheimer und Steven Walt zur Israel-Lobby, der später als Buch veröffentlicht wurde.

Ein weiteres von arabischen Spendern bezuschusstes Institut ist das Institute for Palestine Studies. Seine Publikation, The Journal of Palestine Studies, leistete Pionierarbeit bei den akademischen Studien von „Israel als Kolonialstaat“ und „Israel als Apartheidstaat“. Die Qatar-Stiftung kaufte den Verlagsriesen Elsevier Press. Der veröffentlicht unter anderem Lancet, ein sehr prestigeträchtiges Medizinjournal. Lancet hat zum Beispiel eine aufhetzerisches Op-Ed zu angeblichen israelischen Gräueltaten während der Operation Fels in der Brandung im Gazastreifen 2014 veröffentlicht.

Eine zweite Quelle antiisraelischer und pro-palästinensischer Forschung sind selbstständige Stiftungen. Anfang der 2000-er Jahre wurde den Aktivitäten der Ford Foundation viel Aufmerksamkeit gewidmet. 2003 veröffentlichte Edwin Black eine Reihe von Artikeln für die Jewish Telegraph Agency, in denen er erläutert, wie die Stiftung antiisraelischen Aktivismus finanziert. Eines der vielen Themen, die er aufdeckte, war die Finanzierung antiisraelischen Aktivismus bei der UNO-Weltkonferenz gegen Rassismus, die 2001 in Durban (Südafrika) stattfand. Als dies bekannt wurde, befahl der US-Kongress der Ford Foundation die Einstellung von Fördergeldern an die, die Feindschaft für das Image Israels unterstützen.

Noch eine Kategorie Spender für antiisraelische Aktivitäten sind Ölfirmen und große Konzerne mit umfangreichen Verbindungen in den Nahen Osten. Den größten Beitrag leistet die Ölfirma Aramco. Ein Artikel in Aramco World erklärt: „Der Nahe Osten ist das einzige Regionalstudienfach, das nicht wirklich auf Geografie basiert… Ein intellektuelles Thema, das entweder Araber oder den Islam einbezieht, sei es zeitgenössisch oder historisch, ist ein Thema, dem sich Forscher legitim annehmen können.“ Dier Artikel fährt damit fort, dass Aramco es unterstützt „den Weg zu größerem interregionalem Verständnis zu ebnen“, indem in Nahost-Zentren an amerikanischen Universitäten investiert wird.

Ein Thema, das umfangreiches und detailliertes Studium fordert, ist die Finanzierung von israelkritischer Forschung durch diverse deutsche Stiftungen. Das muss als innerhalb des allgemeinen Rahmens der Finanzierung von Studien deutscher Stiftungen in Israel betrachtet werden.

Seliktar schließt: Systematische Forschung zum Thema der Finanzierung der Delegitimierung Israels geht sogar über die Fähigkeit eines kompletten Forscherteams hinaus. Dafür wären die Entschlossenheit und die Ressourcen des Staates Israel nötig. Man kann sich nur wundern, warum diese Bedrohung der nationalen Sicherheit von der israelischen Regierung noch nicht thematisiert wurde.

Den neuen Antisemitismus bekämpfen

Wie kann man Antisemitismus und dessen neueste Mutation, den Antiisraelismus, effektiv bekämpfen?

Gerstenfeld_war-million-cutsIsi Leibler, Jerusalem Post, 6. Juli 2015

Wie kann man Antisemitismus und dessen neueste Mutation, den Antiisraelismus, effektiv bekämpfen? Der erste Schritt muss darin bestehen zu begreifen, wie diese Phänomene sich zeigen und wer dahinter steckt.

Im Verlauf der letzten zehn Jahre, während Antisemitismus und Antiisraelismus exponentiell zunahmen, wurden viele Bücher zum Thema veröffentlicht. Bis heute hat es neben den maßgebenden Werken des verstorbenen Robert Wistrich und der exzellenten Analyse Daniel Goldhagens (The Devil Never Dies: The Rise and Threat of Global Anti-Semitism – Der Teufel stirbt nie: Der Aufstieg des und die Bedrohung durch den globalen Antisemitismus) keinen zeitgenössischen Überblick über das globale Schlachtfeld zum ältesten Hass der Welt gegeben. Es gibt weitere wertvolle Studien, aber sie haben nur einen begrenzten Rahmen.

Dr. Gerstenfeld war zwölf Jahre lang Vorsitzender des Jerusalem Center of Public Affairs, Israels führendem Think Tank. Der früher international tätige strategische Unternehmensberater einiger der größten multinationalen Konzerne muss heute, nach dem Tod Wistrichs, als der qualifizierteste Analytiker des zeitgenössischen Antisemitismus mit dem Schwerpunkt Antiisraelismus betrachtet werden.

Er ist ein produktiver Autor und hat zehn Bücher zu diesem Thema veröffentlicht, darunter bahnbrechende Studien zum Antisemitismus an Universitäten in einer Vielzahl von Ländern, dem Antiisraelismus hinter der pseudo-humanitären Maske der scheinheiligen nordeuropäischen Gesellschaften, der Haltung gegenüber den Juden als Indikator des moralischen Verfalls der Niederlande und die zunehmend wichtige Rolle, die Holocaust-Umkehr und andere Verfälschungen in den Bemühungen zur Dämonisierung des jüdischen Staates angenommen haben.

Sein neues Buch ist ein Parforceritt und zweifellos sein Meisterwerk. Es ist ein lesenswerter, 500 Seiten starker Band, der das Thema enzyklopädisch abdeckt. Vermutlich ist es das erste Buch, das die Delegitimierung Israels als Einheit begutachtet und die angewandten Motive, die Täter-Kategorien, wie die in die Gesellschaft eindringenden Hassthemen und das Ausmaß des Schadens für Israel und die Juden ermittelt.

Unter Anführung einer großen Zahl an Beispielen aus vielen Ländern hebt das zentrale Thema des Buches die Tatsache hervor, dass unser gegenwärtiger Kampf weit komplexer ist als dem klassischen Antisemitismus entgegenzutreten, der sich auf einzelne Botschaften wie das Töten Jesu oder genetische Unterlegenheit der Juden konzentrierte. Der heutige Ansturm kommt aus vielen verschiedenen Quellen, verwendet viele verschiedene Motive und nutzt eine große Auswahl an Methoden und Übertragungskanälen an.

Sein Eröffnungskapitel ist eine klare Analyse dessen, wie Antisemiten sich angepasst haben und den Antiisraelismus als neue Mutation des traditionellen Judenhasses integrierten. Die folgenden Kapitel diskutieren, wie uralte Hassmotive von den aktuellen Feinden des jüdischen Volks aufgegriffen und modernisiert wurden. Gerstenfeld demonstriert, dass muslimischer Antisemitismus heute die Rolle des nationalsozialistischen Antisemitismus effektiv übernommen hat und an vorderster Front des Hasses und der Gewalt gegen Juden steht – die nicht nur von muslimischen Ländern ausgehen, sondern von überall, wo muslimische Migranten sich niedergelassen haben.

Er illustriert gekonnt die Verbindungen und Interaktionen zwischen Muslimen in westlichen Ländern, Politikern, den traditionellen Medien, Aktivisten in sozialen Medien, Nichtregierungsorganisationen, Kirchenleitern, Akademikern, Gewerkschaftsführern, Rechtsextremisten, Sozialdemokraten und vor allem denen in der extremen Linken, die von jüdischen Selbsthassern gestärkt werden, die den Hexentrank komplettieren, aus dem der heutige Ansturm giftigen Antisemitismus hervorgegangen ist.

Gerstenfeld demonstriert, dass Antisemitismus und Antiisraelismus dieselben Kernmotive nutzen. Er führt eine Reihe Studien an, die anzeigen, dass mehr als 150 Millionen EU-Bürger glauben, die Israelis verhielten sich wie Nazis oder strebten die Ausrottung der Palästinenser an. Er deckt systematisch den schamlosen, nackten Antisemitismus der Mehrheit der UNO-Repräsentanten auf. Dazu gehören die Europäer, die zunehmend dazu neigen sich bei Abstimmungen entweder zu enthalten oder für haarsträubende Resolutionen zu stimmen, die oft von Schurkenstaaten initiiert werden, die zweierlei Maß anwenden oder einzig Israel für Kritik aussondern. Gerstenfeld demonstriert, dass Antisemitismus nicht nur Teil der Geschichte Europas ist, sondern auch seiner Kultur. Seine Darstellung eines neuen kriminellen Europas macht ernste Diskussion nötig.

Er analysiert außerdem den Einfluss der fortgesetzten Delegitimierungskampagnen gegen Israel und die Auswirkungen für die Juden der Diaspora – besonders in Europa – die sich zunehmend Diskriminierungen ausgesetzt sehen.

Gerstenfeld umreißt seine Pläne für die Organisation des Kampfs für das bedrängte Israel und das jüdische Volk. Er ist sehr davon überzeugt, dass die israelische Regierung seit Jahrzehnten darin versagt hat dieses Problem zu behandeln, weil sie es als unbedeutendes Ärgernis ansah, statt die immensen Folgen anzuerkennen, die das Verlieren des Kriegs um die Meinung der Weltöffentlichkeit mit sich bringt. Er sieht eine dringende Notwendigkeit, dass die israelische Regierung eine hochentwickelte, personell gut ausgestattete und großzügig finanzierte Antipropaganda-Agentur einrichtet, die weltweit die abscheulichen Lügen und Verleumdungen entkräftet und die dafür Verantwortlichen demütigt und beschämt.

Die erste Aufgabe dieser Agentur wäre es sich mit Recherche zu beschäftigen, wobei die Schaffung und Aktualisierung einer Datenbank von „Feinden Israels und des jüdischen Volks“ eine wichtige Komponente wäre. Jeder neue Vorfall des Schürens von Hass könnte sofort mit dem bisherigen Unheil des Täters verbunden werden. Man wäre auch in er Lage die Schwachstellen der Feinde Israels zu identifizieren.

Gerstenfeld erklärt, dass viele Feinde Israels heute Freiheiten genießen. Er schlägt vor, dass wir zum Beispiel einige der schwächsten akademischen Anhänger der Bewegung für Boykott, De-Investitionen, Sanktionen (BDS) ausfindig machen und ihr professionelles Versagen bei Universitätskollegen und in ihrem Beruf international bloßstellen. Er macht geltend, dass das nicht einmal viel Geld kosten würde. Da die meisten Menschen Feiglinge sind, glaubt er, dass viele es sich dann zweimal überlegen würden, bevor sie sich der BDS-Bewegung anschließen.

Die zweite Aktivität der Antipropaganda-Agentur würde sich mit der Beobachtung neuer Entwicklungen beim Schüren von Hass beschäftigen. Sein Vorschlag, dass dies in drei verschiedenen Kategorien erfolgen sollte, ist empfehlenswert.

Die erste wäre die Einordnung nach Aktivitäten, d.h. Aufrufe zu Gewalt, Holocaust-Umkehr, BDS usw. In der zweiten ginge es um Täter wie muslimische Staaten, Muslime in der westlichen Welt, Medien, Politiker, linke Kirchen, NGOs, Akademiker, sozialdemokratische Parteien, Gewerkschaften usw. Die dritte würde die Entwicklungen in verschiedenen Ländern beobachten.

Eine dritte Abteilung der vorgeschlagenen Antipropaganda-Agentur würde sich auf direkten und indirekten Aktivismus konzentrieren. Ein Vorschlag lautet, dass Zehntausende junger Menschen, die bereit sind Israel zu verteidigen, darin ausgebildet werden könnten zu verstehen, wie Israels Feinde arbeiten, welche Lügen und Täuschungen genutzt werden und wie man diese entlarven kann. Heute ist die Verteidigung Israels chaotisch. Stärkere Koordination würde mit denselben Mitteln weit mehr möglich machen.

Zu dem Buch gehört eine Einführung durch den ehemaligen spanischen Premierminister José-Maria Aznar, der es als „einen exzellenten Beitrag für das bessere Verständnis der indirekten Angriffe auf Israel“ beschreibt. Es beinhaltet auch die Unterstützung und Empfehlung durch den tschechischen Kultusminister Daniel Herman, den ehemaligen italienischen Außenminister Giulio Terzi di Sant’Agata, den ehemaligen niederländischen Außenminister Uri Rosenthal, den ehemaligen schwedischen Minister für Entwicklung und Zusammenarbeit Alf Svensson, den ehemaligen US-Botschafter bei den Vereinten Nationen John Bolton und andere. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für jeden sein, der sich öffentlich engagiert, um für Israel einzutreten und Antisemitismus zu bekämpfen.