Der Völkermord-Mechanismus

Itamar Marcus, Jerusalem Post, 26. April 2009

Überlebende der Völkermorde in Ruanda und Darfur sprachen diese Woche in Genf auf der Parallelkonferenz zu Menschenrechten, mit der die Durban II-Veranstaltung der UNO gekontert wurde. Ihrer Beschreibung zuzuhören, wie sie von ihren Mördern systematisch dämonisiert wurden, machte klar, dass Völkermord nicht in einem Vakuum geschieht. Der Hass-Zustand einer Bevölkerung, die bereit und begierig darauf ist Völkermord zu begehen, muss genährt werden. Völkermord muss in positive Worte gekleidet werden, damit er die notwendige breite öffentliche Unterstützung bekommt.

Dem Rahmen aller Völkermorde ist eine sehr besondere Art von Dämonisierung gemein. In Ruanda lehrten die Hutus, dass die Tutsies Kakerlaken und Schlangen seien. Tutsi-Frauen wurden als listige Verführerinnen dargestellt, die Schönheit und sexuelle Macht nutzten, um die Hutus zu erobern. In Bosnien besagte ein fiktiver Nachrichtentext, dass Muslime Tieren im Zoo von Sarajewo mit serbischen Kindern fütter würden. Radio Ruanda strahlte wiederholt eine Warnung aus, dass Hutus kurz davor stehen würden von Tutsis angegriffen zu werden, um die Hutus zu überzeugen, dass sie, um sich zu schützen, zuerst angreifen müssten.

Zu dieser Dämonisierung gehörten zwei spezielle Komponenten. Erstens mussten die Opfer als klare und aktuelle Gefahr wahrgenommen werden, damit die Mörder überzeugt waren in Selbstverteidigung zu handeln. Zweitens wurden die Opfer dämonisiert, damit die Mörder sich selbst überzeugten, das sie keine wirklich menschlichen Wesen vernichteten.

Ein anständiger Mensch wird sich am Mord an Unschuldigen nicht beteiligen, aber ein anständiger Mensch könnte sich am Töten von Untermenschen beteiligen, die seine Existenz gefährden. Völkermord als Selbstverteidigung zu formulieren kann anständige Menschen zu Mördern machen. Der Schutz von Kindern und Familie kann aus einem ruhigen Nachbarn einen leidenschaftlichen Mörder machen, weil Selbstverteidigung immer gerechtfertigt ist.

In Darfur und Ruanda bestand alles Nötige, um eine Gesellschaft normaler Menschen in Mörder zu verwandeln, darin sie zu überzeugen, dass sie in Gefahr waren und dass die Leute, die sie gefährdeten, weniger menschlich waren.

Ein Blick zurück in die jüdische Geschichte macht klar, dass die Methode, die genutzt wurde, um Gewalt gegen Juden zu schüren, immer diese Formulierung der „Selbstverteidigung“ einschloss, an der nur Details geändert wurden.

Wenn also Juden im Mittelalter fälschlich der Brunnenvergiftung beschuldigt wurden, die tausende Tote verursachte, dann schlossen sich selbst anständige Menschen dem Töten an. Sie empfanden sich nicht als Mörder, denn sie verteidigten sich und ihre Familien. Als man glaubte, Juden würden das Blut von Kindern für ihre Passah-Matzen benutzen, dann empfanden es selbst anständige Menschen als in Ordnung, wenn sie Juden massakrierten, denn sie verteidigten ihre Kinder vor fürchterlicher Folter.

Selbst Hitler benutzt dieses Argument der Selbstverteidigung in Mein Kampf: In diesem Fall [angesichts der Bedrohung des deutschen Volkes durch die Juden] war die einzige Rettung der Krieg, Krieg mit allen Waffeen, die der menschliche Geist, Verstand und Willen aufbringen kann… Wenn der Jude… über die Völker dieser Welt siegt, dann wird seine Krone der Trauerkranz der Menschheit sein… Daher glaube ich heute, dass ich entsprechend des Willens des allmächtigen Schöpfers handle: Wenn ich mich gegen den Juden verteidige, dann kämpfe ich für das Werk des Herrn.“*

Auch Hitler verpackte seinen Völkermord als legitime Selbstverteidigung. Die Details mögen in jeder Gesellschaft anders sein, aber die Formulierung ist immer dieselbe.

Wenn man die palästinensische Werbung für Hass heute untersucht, dann ist es besonders auffällig und verstören, dass diese Komponenten von Genoziden an Juden in der Vergangenheit hervorstechende Elemente der Hass-Werbung der palästinensischen Autonomiebehörde und der Hamas gegen Juden und Israelis sind. Zwei Sendungen des Hamas-Fernsehens Anfang des Monats dokumentieren dies klar.

Das Hamas-Fernsehen strahlte einen Sketch aus, in dem Schauspieler einen jüdischen Vater und seinen Sohn in traditioneller Kleidung darstellten, die den Hass gegen Muslime diskutierten, die ihre jüdische Religion fordert. Der Vater belebt sogar den Jahrhunderte alten Ritualmordvorwurf wieder, die Jüden würden das Blut der Muslime trinken: „Shimon, sieh, mein Sohn, ich will dich ein paar Dinge lehren. Du musst die Muslime hassen… wir wollen die Muslime ttöen, wir Juden wollen das Blut der Muslime trinken.“ Er kritisiert seinen Sohn später, dass er sich die Hände vor dem Gebet in Wasser wäscht: „Wir müssen unsere Hände mit dem Blut der Muslime waschen.“ (Al-Aqsa-TV, 3. April) Ironischerweise kam die Beschuldigung der Hamas, die Juden würden muslimisches Blut trinken, in der Woche vor dem Passah-Fest, dem Jahrestag vieler fürchterlicher Ritualmord-Vorwürfe.

Am selben Tag beendete ein religiöser Führer der Hamas seine Predigt mit dem Versprechen, dass letztlich der Völkermord an den Juden stattfinden wird. Um das richtig zu formulieren, begann er mit einer Darstellung der Juden als Feinde der Menschheit. Die Juden sind in sich böse, streben die Weltherrschaft an und sind eine Bedrohung der Muslime und der gesamten Menschheit.

Ziad Abu Alhai formulierte es so: „Hass auf Muslime und den Islam ist in ihren [der Juden] Seelen, sie sind von Natur aus so veranlagt… Israel ist ein Krebs, der die Welt beherrschen will.“ Er schlussfolgerte, dass den Juden die Auslöschung bestimmt ist: „Die Zeit wird kommen, durch Allahs Willen, wenn ihr Besitz zerstört und ihre Kinder ausgelöscht werden und kein Jude oder Zionist auf dem Angesicht dieser Erde verbleiben wird.“ (Al-Aqsa TV, 3. April)

Diese Dämonisierung und Entmenschlichung der Juden ist nicht auf die Hamas beschränkt. Obwohl sie zögert ausdrücklich zum Mord an Juden aufzurufen, während sie Geld vom Westen bekommen will, führt die PA weiterhin ihre unerbittliche Formulierung von Völkermord als Selbstverteidigung und zum Guten der Allgemeinheit fort.

In den PA-Fatah-Medien von heute werden Juden und Israelis durch böswillige Verleumdungen dämonisiert, darunter durch Lügen wie die Behauptung, dass Israel absichtlich AIDS und Drogen verbreite, naziartige medizinische Experimente an Palästinensern durchführe und plane die Al Aksa-Moschee zu zerstören.

Taysir al-Tamimi, der palästinensische religiöse Oberrichter, sagt: „Die AIDS-Frage muss die ihr zustehende Aufmerksamkeit bekommen… da wir Nachbar einer Gesellschaft [Israel] sind, wo diese Seuche weit verbreitet ist und die so handelt, dass [AIDS] in der palästinensischen Gesellschaft übertragen wird. Die Besatzungsbehörden, besonders die in Jerusalem, arbeiten daran Drogen und Drogenabhängigkeit zu verbreiten, ohne Zweifel.“ (PA-Radio, 17. Februar 2008)

Und dies kommt von Dr. Mutawakil Taha, dem Kopf der palästinensischen Schriftstellervereinigung und ehemalige stellvertretende Minister der PA: „Wir haben gesehen, wie sie [die Zionisten] mit Messern in die Bäuche schwangerer Frauen stechen, Kleinkinder abschlachten und kaltblütig Leben fressen. Sie beschossen Kinder und die Schöße von Frauen, damit dieses Volk sich nicht fortpflanzt.“ (PA-TV, 4. März 2008)

Ein Artikel in Al-Ayyam vom Juli 2008 beschuldigt israelische Siedler, sie setzten Ratten in Jerusalems Altstadt frei „um das Leben der [arabischen] Einwohner in eine Hölle auf Erden zu verwandeln, sie zur Flucht zu zwingen…“ (17. Juli 2008). Ein Video auf PA-TV stellte Szenen echter israelischer Panzer fiktiven Szenen eines Kindes gegenüber, auf das geschossen wird, womit die Fiktion geschaffen wurde, dass Israelis absichtlich auf palästinensische Kindern zielen und schießen. (PA-TV, 15. Mail 2008)

So, wie die Tutsis als Kakerlaken und Schlangen beschrieben wurden, haben sowohl die Hamas als auch die PA Juden als verabscheuungswürdige und gefährliche Tiere beschrieben, darunter als Kakerlaken, Spinnen, Skorpione und Alligatoren.

Zwar ist jede Verleumdung ein wenig andres, aber ihr Substanz dieselbe: Die Israelis und die Juden sind gefährlich, sie sind keine Menschen, wir müssen uns gegen sie verteidigen und wir sind klar im Recht, wenn wir das tun.

Es ist tragisch, dass diese Formulierung von Völkermord als notwendige Selbstverteidigung derart erschreckend erfolgreich geworden ist.

Eine Umfrage nach dem Mord an acht Jeschiwa-Schülern im letzten Jahr stellte fest, dass „84 Prozent der Palästinenser die Terror-Anschläge befürworten, bei denen acht junge Schüler in einer Jerusalemer Jeschiwa am 6. März 2008 getötet wurden“ (Umfrage des Palestinian Center for Policy and Survey Research, New York Times, 19. März 2008). Wie kann eine ganze palästinensische Gesellschaft den Mord an Kindern unterstützen? Eindeutig ist die Bezeichnung von Juden und Israelis als tödliche Gefahr für die Palästinenser ein totaler Erfolg gewesen.

Israel sieht sich jetzt einer Gesellschaft gegenüber, die sehr wahrscheinlich über das Stadium der Formulierung des Völkermords hinaus ist und den Punkt erreicht hat, die Tötung von Israelis, sogar Teenagern, als gerechtfertigt betrachtet. All dies wäre notwendig, damit die Bevölkerung bei dem von ihren Führern so oft in allen Details beschriebenen End-Script mitzieht, das das Mittel dazu wäre.
* Rückübersetzung aus dem Englischen

Lady Jenny Tonge gehört zu den führenden britischen Anstiftern von Antisemitismus

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

In letzter Zeit hat die Hetze gegen Israel und die Juden durch gewählte Vertreter der britischen Labour Party viel Aufmerksamkeit erhalten.[1] Die wahrscheinlich wichtigste Hasspredigerin gegen Israel im britischen Parlament ist jedoch Laday Jenny Tonge, Diese ehemals liberale Parlamentarierin ist heute ein parteiloses Mitglied des Oberhauses. Ihre bisher letzte antisemitische Äußerung im Oberhaus lautet: „Die Behandlung der Palästinenser durch Israel ist eine wichtige Ursache des Anstiegs des extremen Islamismus und Da-Isch [ISIS].“[2]

Vor ein paar Monaten hat die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA)[3] eine Antisemitismus-Definition angenommen. Dazu war die Zustimmung aller 31 Mitgliedsstaaten der IHRA notwendig, zu denen das Vereinte Königreich gehört.[4] Die Definition hat es enorm erleichtert diese und weitere Äußerungen Tonges als antisemitisch zu identifizieren.

Tonge sagte 2004, wäre sie Palästinenserin, sie würde überlegen Selbstmordbomberin zu werden.[5] Das passt zu einem Beispiel von Antisemitismus in der Definition – „zum Töten oder Schädigen von Juden im Namen einer radikalen Ideologie oder einer extremistischen religiösen Auffassung aufzurufen oder es zu rechtfertigen“.

Die Definition der IHRA umfasst neben weiteren Beispielen für Antisemitismus: „unwahre, entmenschlichenden, dämonisierende oder stereotypische Behauptungen über Juden schlechthin oder die Macht von Juden als Kollektiv“. Tonge machte dies 2006, als sie noch Abgeordnete der Liberalen Partei war; sie behauptete, die „pro-israelische Lobby hat die westliche Welt im Griff, ihre Finanzen in den Händen. Ich denke, sie haben einen gewissen Zugriff auf unsere Partei.“[6] Ähnliche Äußerungen fielen 2012 über die Macht der pro-israelischen Lobby in Großbritannien und den USA.[7]

Ein weiteres IHRA-Beispiel für das, was antisemitisch ist, lautet: „Juden als Volk zu beschuldigen für tatsächliches oder eingebildetes Fehlverhalten, das von einer einzelnen jüdischen Person oder Gruppe begangen wurde oder gar von Nichtjuden begangene Taten verantwortlich zu sein.“ In einem Brief an den Independent machte Tonge Israel 2006 für Selbstmord-Bombenanschläge im Irak verantwortlich; sie schrieb: „Israels Sicherheitsmauer zwingt sie, sich auf andere Kriegsschauplätze zu exportieren, um in diesem lächerlichen ‚Krieg‘ gegen den Terrorismus zu kämpfen, der von den Eseln geführt wird, die uns hier im Westen anführen.“[8] Sie machte zudem den Umgang Israels mit den Palästinensern als „Wurzel des weltweiten Terrors“ aus.[9] Das kommt zu der schon erwähnten Anschuldigung der Verantwortung Israels für den Anstieg des extremistischen Islamismus und ISIS hinzu.[10]

2009 sagte Tonge in London bei einer antiisraelischen Kundgebung während des Gaza-Kriegs: „Jüdische Menschen sollten sich absolut schämen, dass sie nicht mehr tun um Israel aufzuhalten.“ Sie fügte hinzu, das sei „absolut ekelerregend“[11]. 2015 hat sie jüdische Führungspersönlichkeiten in Britannien aufgefordert Israel zu verurteilen.[12] Ihre Äußerungen schienen zu implizieren, dass sie „jüdische Bürger beschuldigt Israel oder den angeblichen Dringlichkeiten der Juden weltweit gegenüber loyaler zu sein als den Interessen ihrer eigenen Staaten“. Das ist ein weiteres Beispiel für Antisemitismus, wie er von der IHRA definiert ist.

Die IHRA-Definition erwähnt als weiteres Beispiel für Antisemitismus „Juden als Volk oder Israel als Staat zu beschuldigen den Holocaust erfunden oder aufgebauscht zu haben.“ Tonge beschuldigt Juden „den Holocaust zu benutzen“, wenn sie fragt, ob es an „Holocaust-Schuld“ liegt, dass weiter zugelassen wird wie Israel mit den Palästinensern umgeht.[13]

Die IHRA-Definition erwähnt weiter, dass es antisemitisch ist „das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung“ zu bestreiten. Tonge nahm 2012 an einer antiisraelischen Veranstaltung an der Middlesex University teil, wo sie erklärte: „Hütet euch vor Israel. Israel wird dort nicht auf ewig existieren, so wie jetzt handeln können… Israel wird seine Unterstützung verlieren und dann werden sie ernten, was sie selbst gesät haben.“[14]

Tonge benutzte auch eine zeitgenössische Version des alten Ritualmordvorwurfes für eine Untersuchung der erfundenen Vorwürfe, israelische Medizinerteams ernteten Organe, als sie 2010 nach dem Erdbeben nach Haiti kamen um zu helfen.[15]

Über die Antisemitismus-Definition hinaus gibt es noch Vieles, das periphär auf Antisemitismus hindeutet, aber nicht in eine Definition einbezogen werden kann. Zum Beispiel brachte Tonge den palästinensisch-muslimischen Kleriker Raed Saleh ins britische Parlament. Er hat die Verleumdung propagiert, Juden würden das Blut von Nichtjuden nutzen, um ihr Sabbat-Brot zu backen.[16] Im Juli 2016 teilte Tonge einen Artikel des antiisraelischen Hasspredigers Gilad Atzmon über „jüdische Macht“.[17]

Die obige Analyse kann als Modell dafür dienen, wie man die IHRA-Definition nutzen kann, um antisemitische Verunglimpfungen offenzulegen. Israel und jüdische Gemeinden sollte so viele Menschen wie möglich ausbilden, um ähnliche Analysen vieler weiterer Fälle des Antisemitismus vorzunehmen.

Noch ein Gedanke am Ende: Die ansehnliche Liste der antisemitischen Verleumdungen durch Tonge stellt im Moment nicht mehr als die Äußerungen einer marginalen Gestalt im britischen Parlament dar, doch die Sammlung ihrer Verunglimpfungen veranschaulicht, wie sie Israel und die Juden für vieles des Bösen in der Welt verantwortlich macht. Es ist dasselbe wie das, was die mächtige römisch-katholische Kirche über viele Jahrhunderte hinweg bezüglich der Juden tat, was riesiges Leid verursachte. Joshua Trachtenberg fasst so zusammen, wie die mittelalterliche Christenheit die Juden sah: als „Hexenmeister, Mörder, Kannibalen, Vergifter, Gotteslästerer“.[18] Man kann sich also vorstellen, wie beängstigend es wäre, würde Tonge die Mehrheitsgesellschaft repräsentieren statt des Randes.

[1] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19195

[2] http://www.algemeiner.com/2016/07/22/jewish-pro-israel-groups-call-for-immediate-expulsion-of-controversial-british-peer-who-blamed-israel-for-rise-of-global-terrorism/

[3] Internationale Allianz für Holocaust-Gedenken

[4] http://www.holocaustremembrance.com/media-room/stories/working-definition-antisemitism

[5] http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/politics/5366870.stm

[6] Ebenda.

[7] http://www.bbc.com/news/uk-politics-17218291

[8] http://www.independent.co.uk/voices/letters/letters-big-bens-fatigue-481463.html

[9] http://www.jpost.com/International/British-politician-Israel-is-the-root-cause-of-terrorism

[10] http://www.thejc.com/news/uk-news/160766/israel-creating-terrorists-a-justified-grudge-baroness-tonge-claims

[11] http://www.thejc.com/news/uk-news/25560/hundreds-rally-attack-israel-over-gaza-operation

[12] http://www.algemeiner.com/2015/01/30/antisemitic-british-baroness-jenny-tonge-pressures-uk-jews-to-condemn-israel/

[13] http://www.jpost.com/International/British-politician-Israel-is-the-root-cause-of-terrorism

[14] http://www.thecommentator.com/article/944/fanatical_uk_lib_dem_jenny_tonge_joins_new_hate_fest_against_jewish_state

[15] http://www.theguardian.com/politics/2010/feb/13/jenny-tonge-sacked-israel-comments

[16] https://ukmediawatch.org/2013/10/09/guardian-publishes-letter-by-jenny-tonge-on-the-issue-of-antisemitism/

[17] http://jewishnews.timesofisrael.com/baroness-tonge-shares-article-about-jewish-power/

[18] Joshua Trachtenberg: The Devil and the Jews Cleveland (Meridian), 1961), S. 159.

2006: Niederländische Universität zensiert wissenschaftlichen Vortrag zu muslimischem Antisemitismus

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Vor zehn Jahren erreichte die Zensur eines Vortrags zu muslimischem Antisemitismus an der Universität Utrecht die internationalen Medien.[1] Das Opfer dieser Zensur, Professor Pieter van der Horst, war ein führender, international bekannter Akademiker, der an der Universität frühes Christentum und Judaismus lehrte. Er war außerdem Mitglied der Königlich-Niederländischen Akademie, deren Mitglieder die führenden Wissenschaftler der Niederlande sind.

Am 16. Juni 2006 hielt Van der Horst seine Abschiedsvorlesung zum Thema „Der Mythos des jüdischen Kannibalismus“.[2] Darin erläuterte er die Geschichte vom mehr als zweitausend Jahre alten, vorchristlichen griechischen Antisemitismus bis zur Popularität der antijüdischen Ritualmordvorwürfe in der zeitgenössischen arabischen Welt. Am selben Tag schrieb die niederländisch-jüdische Wochenzeitung NIW; dass der Text der Vorlesung vom Rektor der Universität stark zensiert worden war.[3] Van der Horst bestätigte später diese Behauptung in einem Artikel im Wall Street Journal mit dem Titel „Tying Down Academic Freedom“.[4]

Darin erwähnt Van der Horst, dass er sich als Ergebnis des akademischen Drucks gezwungen sah Teile seiner Vorlesung zu streichen. Er entfernte zum Beispiel den folgenden Absatz: „Ein Großteil der (zeitgenössischen) islamischen Verunglimpfung der Juden hat seine Wurzeln im deutschen Faschismus. Hitlers Mein Kampf steht in vielen Ländern des Nahen Ostens auf den Bestseller-Listen. Die Sympathie für den Nationalsozialismus reicht in die Tage des Führers zurück. Der Palästinenserführer Haddsch Amin al-Husseini, Großmufti von Jerusalem, kollaborierte sogar stark mit Hitler. Er verbrachte die Kriegsjahre in Berlin und besuchte Auschwitz, eine Reise, die seine Pläne beflügelte in Palästina ein Konzentrationslager zu bauen.“

Vor dem Termin der Vorlesung wurde Van der Horst von Willem Hendrik Gispen, dem Rektor der Universität, aufgefordert vor einem Komitee zu erscheinen; dort wurde ihm gesagt, dass die Universität ihn vor sich selbst schützen müsse. Wenn er die Bezüge auf den islamischen Antisemitismus nicht lösche, könnte er von gewalttätigen Muslimgruppen bedroht werden. Er würde außerdem der Fähigkeit der Universität Brücken zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu bauen Schaden zufügen. Um das Ganze noch schlimmer zu machen behauptete das Komitee fälschlich, das wissenschaftliche Niveau von Van der Horsts Vorlesung sei schwach gewesen.

Van der Horst erwähnte, dass Gispen ihm sagte, er habe vierundzwanzig Stunden zu entscheiden, ob er die umstrittenen Passagen entfernt, ansonsten würde er seine „Verantwortung als Rektor“ wahrnehmen. Obwohl die konkrete Bedeutung dieser Drohung unklar war, verstand Van der Horst die deutliche Botschaft: Die Universität Utrecht strebt nach politischer Korrektheit statt nach akademischer Wahrheit. Anfangs war er eingeschüchtert und löschte den umstrittenen Text aus seiner Vorlesung.[5]

Als der unzensierte Text veröffentlicht wurde, wurde bekannt, dass Van der Horst auch auf die Verbreitung des Antisemitismus im Iran, Syrien und den Palästinensergebieten verwiesen hatte. Über Letzte schrieb er: „Die Rohheit der dort zu findenden antijüdischen Gehirnwäsche übertrifft die schlimmsten Erwartungen. In vielen palästinensischen Schulbüchern werden Kinder Jahr um Jahr gelehrt, dass es eine heilige Pflicht ist das jüdische Volk zu vernichten, weil Juden, als Kinder Satans, gegen Gott rebellieren und gegen die Menschheit und den Islam konspirieren.“[6]

Van der Horsts Vorlesungstext war damals bereits eine Untertreibung. Sie erwähnte nicht einmal, dass der damalige Präsident des Iran, der fanatisch antisemitische Hassprediger Mahmud Ahmadinedschad, regelmäßig zu Völkermord aufstachelte.

Die Affäre Van der Horst und mehrere damit verbundene Lügen entwickelten sich in viele Richtungen. Artikel und Kommentare für und gegen Gispen und Van der Horst erschienen in großen niederländischen Zeitungen. Die Tageszeitung NRC gab einem Leitartikel den Titel: „Der ängstliche Rektor.“[7]

Im Interview mit NRC zu der Affäre gab Gispen ausweichende Antworten. Er lenkte im Interview mit irrelevanten Bemerkungen ab, so mit Äußerungen, dass seine jüdische Frau und Töchter Davidsterne tragen. Gispen behauptete außerdem, er brauche Personenschutz, nachdem die Universität Utrecht den Namen ihres Wissenschaftsinstituts für Nanomaterialien änderte, die den niederländischen Chemiker Peter Debye ehrte, der vor dem Krieg einen Nobelpreis erhalten hatte. Dieser hatte bei antijüdischen Maßnahmen kollaboriert und Briefe mit „Heil Hitler“ unterschrieben, als er in Nazideutschland arbeitete. Gispen behauptete aber nicht, dass die Drohungen, die er erhalten hatte, irgendetwas mit Muslimen zu tun hatten.[8] Nebenbei bemerkt: Debyes Name wurde 2008 wieder eingesetzt.[9]

NRC sollte später fälschlich behaupten, dass fünf von sieben Rektoren niederländischer Universitäten Gispens Zensur befürworteten. Arnold Heertje, ein bekannter emeritierter Wirtschaftsprofessor, befragte sie heran und stellte fest, dass nur zwei Gispens Zensur unterstützten.[10]

Heertje begriff, wie scheinheilig die Leiter der Universität Utrecht waren. Er schrieb, dass Gispens Verhalten von Angst motiviert war, die Universität würde Marktanteile verlieren, weil muslimische Studenten und Imame davon abgeschreckt würden dort zu studieren. Er sagte, der Rektor habe sich wie ein Sekundarschulleiter verhalten, der die Zahl der Schüler seiner Schule maximieren will. Eine solch geschäftsorientierte Gesinnung gegenüber akademischer Freiheit sei für Universitäten schädigend. Zuvor hatte Heertje die Frage aufgeworfen, ob jemand, der mit der akademischen Freiheit auf diese Weise umgeht, als Rektor einer Universität dienen kann.[11]

Die Affäre Van der Horst erklärt auf einen Schlag eine weit verbreitete Politik der akademischen Welt und den Kampf, den Menschen durchmachen müssen, wenn sie für eine Wahrheit einstehen, die als nicht politisch korrekt betrachtet wird. Zehn Jahre danach sehen wir noch deutlicher, was in dieser Affäre auf dem Spiel stand. Die Leiter der Universität Utrecht waren extreme Feiglinge und Opportunisten, bereit die akademische Freiheit zu auszuhöhlen und die Wahrheit zur weit verbreiteten, unumstrittenen Antisemitismus in der muslimischen Welt zu verschleiern.

Diese Affäre hatte auch eine interessante Nachwirkung. Nach diesen Ereignissen wurde international bekannt, dass die Israelische Akademie der Wissenschaften Van der Horst zu einem Vortrag nach Israel eingeladen hatte. In einer ironischen Reaktion auf die Universität Utrecht hieß es in der Einladung, Van der Horst könne sprechen, worüber er wolle und es würde kein Einfluss auf die Inhalte seines Vortrags ausgeübt, „so, wie es in akademischen Kreisen üblich“ ist.[12]

Van der Horst hielt zudem zwei brillante Vorträge im Jerusalem Center for Public Affairs, nämlich „Die ägyptischen Anfänge der langen Geschichte des Antisemitismus“[13] und „Der Ursprung des christlichen Antisemitismus“.[14] Damals sagte ich Van der Horst, es sei ein guter Nebeneffekt der Affäre. Davor war er ein sehr respektierter Professor, aber nur in seinem Forschungsbereich bekannt. Als Ergebnis der Öffentlichkeit zu der Zensur seiner Vorlesung kannten jetzt viel mehr Niederländer seinen Namen als den eines wichtigen Wissenschaftlers.

[1] Manfred Gerstenfeld: Utrecht University: The Myth of Jewish Cannibalism, Censorship, and Fear of Muslim Intimidation. Academics Against Israel and the Jews. Center for Public Affairs, Jerusalem, 2007, S. 236-241.

[2] Der unzensierte Text der Vorlesung auf Niederländisch ist hier zu lesen: www.franklinterhorst.nl/Toespraak%20prof%20van%20der%20Horst.htm

[3] Ted de Hoog: Censuur in Holland. NIW, 16. Juni 2006.

[4] Pieter W. Van der Horst: Tying Down Academic Freedom. Wall Street Journal, 30. Juni 2006; auf Deutsch etwa: Akademische Freiheit wird gefesselt.

[5] ebenda

[6] Pieter W. Van der Horst: De Mythe van het joodse kannibalisme (De ongecensureerde versie). CIDI, Den Haag, 2006. (Niederländisch); www.franklinterhorst.nl/Toespraak%20prof%20van%20der%20Horst.htm

[7] De bange rector. NRC Handelsblad, 15. Juni 2006. (Niederländisch)

[8] Jannetje Koelewijn: Ik ben niet bang en van censuur is geen sprake. NRC Handelsblad, 22. Juni 2006.

[9] http:// volkskrant.nl/archief/utrecht-geeft-het-debye-instituut-zijn-naam-terug~a924493/

[10] Arnold Heertje: De Rector is geen manager: Academische censuur. Trouw, 30. Juni 2006.

[11] Arnold Heertje: Zwijgen over antisemitisme. Parool, 21. Juni 2006.

[12] Gerstenfeld, S. 240

[13] http://jcpa.org/article/the-egyptian-beginning-of-anti-semitism%E2%80%99s-long-history/

[14] http://jcpa.org/article/the-origins-of-christian-anti-semitism/ (s. auch: Antisemitische Elemente im Neuen Testament)

EU-Chefin zur Bekämpfung von Antisemitismus trifft sich mit Ashrawi, deren Organisation MIFTAH Antisemitismus forciert

Elder of Ziyon 15. Juli 2016

Die EU-Koordinatorin für die Bekämpfugn von Antisemitismus, Katharina von Schnurbein, traf eine der führenden Lieferanten von Antisemitismus in der PLO, Hanan Ashrawi; dabei wurde ihr gesagt, dass israelische Juden die wahren Rassisten sind.

Ja, das ist wirklich passiert.

Einen Tag nach dem Treffen in der Knesset, bei dem Schnurbein sagte, sie habe erkannt, dass hinter Antizionismus oft Antisemitismus steckt traf sie sich mit Ausstellungsstück A.

Und Ashrawi enttäuschte nicht; sie hielt eine Tirade über „die rassistische Kultur des Hasses, die durch die Besatzungsmacht genährt wird“.

Man darf sich erinnern: Ashrawis Organisation Miftah hatte Artikel auf ihrer Internetseite, in denen es hieß, Juden äßen Matze an Pessah mit christlichem Blut gemacht würde und verteidigte das damit, mich zu beschimpfen, weil ich es entlarvte bevor die Medien der Welt anfingen Notiz davon zu nehmen und Miftah sich dann „entschuldigte“ (aber nur auf Englisch, während der antisemitische Artikel auf Arabisch verfasst war).

Danach entdeckte ich, dass Miftah auch bezweifelte, dass es je jüdische Tempel in Jerusalem gab; sie unterstützte Terroranschläge und glorifizierte Selbstmord-Bomber. Zudem verurteilte sie jede Art von Programm, das zum Dialog zwischen Palästinensern und israelischen Juden ermunterte, als „Normalisierung“, was in direkter Gegnerschaft zur EU steht, die mehrere solcher Programme finanziert.

Aber gibt es Jahre, nachdem ich diese antisemitischen Artikel aufdeckte und nachdem die USA und die EU Hanan Ashrawis Miftah weiter finanzierten, immer noch Antisemitismus auf ihrer Internetseite?

Natürlich gibt es ihn!

In diesem Artikel heißt es: „Die Geschichte hat uns gelehrt, dass die Kultur und die Mentalität der Juden eine Kultur des Beschwerens und der Anschuldigungen gegen den anderen (Goyim) ist.“

Der Artikel fährt damit fort, dass der Talmud ein rassistisches Werk ist, aber die angeführten Zitate zeigen eigentlich, dass die Palästinenser jüdische Geschichte nicht anerkennen wollen. Der Artikel zitiert den Talmud so: „Warum wird Israel mit einem Olivenbaum verglichen? Um zu lernen, dass genauso, wie der Olivenbaum seine Blätter in Sommer wie Winter nicht verliert, auch die Kinder Israels niemals ganz aus dieser oder der nächsten Welt verschwinden werden.“ Man kann sehen, wie da beleidigend wäre!

Oder auf ähnliche Weise sagte eine Midrasch, dass Gott alle Städte der Welt verglich, um zu sehen, wohin er seinen Tempel stellen wollte und Er wählte Jerusalem. Das ist ein weiteres Beispiel „jüdischen Rassismus“ der in Wirklichkeit entlarvt, dass die palästinensischen Araber die historischen Fakten der Tempel in Jerusalem und die jüdische Nation nicht akzeptieren wollen.

Ach ja: Der Artikel lobt auch noch den Holocaustleugner Roger Garaudy.

Dieser Artikel geißelt die USA, weil sie ein Gesetz verabschiedet haben Antisemitismus zu beobachten; die Araber seien die einzigen Semiten, heißt es.

Dieser Artikel sagt fälschlich, dass wichtige israelische Rabbiner regelmäßig zum Völkermord an allen Palästinensern aufrufen. Sie rufen manchmal Gott an, er solle Terroristen und diejenigen, die Israel zerstört sehen wollen, vernichten, aber sie bitten nicht um „Völkermord an den Palästinensern“.

Also ja, die für die Bekämpfung von Antisemitismus verantwortliche EU-Beamtin befand dass es nützlich sein würde die Sichtweise von jemandem zu bekommen, deren Organisation für die Verbreitung von Antisemitismus verantwortlich ist.

Und wie das Foto zeigt, war der Besuch nicht ironisch gemeint.

Die höchst unprofessionelle Untersuchung des britischen Labour-Antisemitismus

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Am 30. Juni veröffentlichte Shami Chakrabarti ihren Untersuchungsbericht zu Antisemitismus, Islamophobie und anderen Formen des Rassismus in der britischen Labour Party.[1] Es handelt sich um ein höchst unprofessionelles Dokument.

Der Einleitungssatz ihres Vorworts verkörpert bereits eine zweifache Manipulation. Chakrabarti schreibt: „Die Labour Party wird nicht von Antisemitismus, Islamophobie oder anderen Formen des Rassismus überrannt.“ Die eine Manipulation in diesem Satz besteht darin, dass der die britische Labour Party seit Monaten in die Krise stürzende Skandal ausschließlich extrem antisemitische Äußerungen gewählter Vertreter der Partei betrifft. Dass ihrem Auftrag Islamophobie und Rassismus hinzugefügt wurden, deren die Labour Party nicht beschuldigt worden ist, verwässert die spezifischen, zahlreichen Antisemitismus-Vorwürfe.

Die zweite Manipulation in diesem Einleitungssatz ist eine Täuschung, die man „Strohmann-Argument“ nennt – eine Taktik, bei der einem Gegner eine extreme und leicht zu widerlegende Äußerung zugschrieben und dieses erfundene, nicht vorgebrachte Argument dann „entkräftet“ wird. In diesem Fall bestritt Chakrabarti, das die Labour Party „von Antisemitismus“ überrannt worden sei. Allerdings hat dies nie jemand behauptet. Es protestierten weit mehr Parlamentsmitglieder gegen den Antisemitismus, als es die wenigen MPs und andere führende Persönlichkeiten in der Partei gab, die versuchten seine Bedeutung zu bagatellisieren.[2]

Um was es wirklich geht, ist etwas ganz anderes. Chakrabarti hatte um Eingaben für ihre Untersuchung gebeten. Ich habe einen offenen Brief veröffentlicht, den ich auch ihr für ihre Untersuchung übermittelte.[3] Ich schrieb: „Es gibt starke Hinweise darauf, dass der Antisemitismus in der Labour Party nicht nur ein paar Einzelne betrifft, sondern ein viel weiter verbreitetes Phänomen ist. Gewählte Repräsentanten der Labour Party würden solch extreme antisemitische und antiisraelische Äußerungen nicht tätigen, wenn sie aus ihrer Wählerschaft erheblichen Widerstand dagegen zu spüren bekämen. Ihre in sozialen Medienplattformen geposteten Hass-Verunglimpfungen sind ihren Wählern leicht zugänglich und die Zahl solcher Posts deutet darauf hin, dass es wenig bis keinen Widerstand ihnen gegenüber gibt. … Die jüdische Abgeordnete Luciana Berger hat in Reaktion auf ihre Kritik an der Verweigerung der Verurteilung von Antisemitismus in der Labour Party tausende extremer Hass-Mails bekommen; einige davon drohten ihr mit Vergewaltigung und Mord.[4] Es scheint logisch, dass die Absender alle oder hauptsächlich Mitglieder und Unterstützer der Labour Party sind. Warum sollten auch Menschen, die die Labour Party nicht unterstützen, sich für MP Bergers Kritik an dieser Partei interessieren? Eine Meinungsumfrage der Tageszeitung Times stellte fest, dass nur eines von zehn Labour-Parteimitgliedern Antisemitismus als ein Problem der Partei betrachtet.

Man könnte all das so zusammenfassen: „Beträchtliche Teile der Labour Party sind von Antisemitismus durchdrungen oder diesem gegenüber unempfindlich.“[5]

Chakrabartis nächste Manipulation besteht darin, dass sie Labour-Führer Jeremy Corbyn preist, der ihr den Auftrag gab, weil er nicht in ihrer Arbeit interveniert hat.[6] Nirgendwo in ihrem Bericht wird erwähnt, dass dieser Mann linksextremen Antisemitismus legitimiert. Corbyn lud Repräsentanten der Terrororganisationen Hisbollah und Hamas ins britische Parlament ein; er nannte sie „meine Freunde“.[7]

Trotz monatelangen Drucks hatte er zu der Zeit der Veröffentlichung des Chakrabarti-Berichts noch nicht eingestanden, dass das ein Fehler war. Corbyn hatte zudem wichtige Parteiämter an den Hamas-Freund Seamus Milne, der die Gründung Israels ein Verbrechen genannt hatte, sowie den früheren Bürgermeister von London, Ken Livingstone, gegeben. Livingstone hatte als Bürgermeister dem in Ägypten geborenen und in Qatar ansässigen Yussuf al-Qaradawi einen Empfang mit rotem Teppich bereitet. Dieser führende sunnitische Kleriker billigt Selbstmord-Bombenanschläge und vertritt sowohl antisemitische als auch homophobe Ansichten.[8]

Es ist unwichtig, ob man mehrere weitere bedeutende Verzerrungen Chakrabartis als Manipulationen oder Auslassungen bezeichnet. Das extremste Beispiel des exzessiven Fehlens an Professionalismus besteht darin, dass es auf seinen 28 Seiten keine konkrete Definition für Antisemitismus gibt. Wie kann man den antisemitischen Charakter einer ellenlangen Reihe an Juden und Israel hassenden Verunglimpfungen untersuchen, wenn man nicht definiert, was Antisemitismus ist? Chakrabarti veröffentlicht in ihrem Bericht keine Liste der antisemitischen Äußerungen der suspendierten gewählten Repräsentanten. Sie will offenbar nicht deutlich machen, dass es die Zahl und der extreme Charakter dieser Verleumdungen sind, die zu ihrem Auftrag führten.

In der Eingabe des Board of Deputies, der Dachorganisation der britischen Juden,[9] wurde zum Beispiel gefordert, dass die IHRA/EUMC-Definition des Antisemitismus genutzt werden solle. Ich machte in meinem offenen  Brief an sie denselben Vorschlag.

Dass der Chakrabarti-Bericht keine Antisemitismus-Definition nutzt, ist für die Labour Party ein Rückschritt bei ihrem Kampf gegen das Schüren von Hass. Der Report of the British All Party Parliamentary Inquiry into Anti-Semitism aus dem Jahr 2006 empfahl, dass „die EUMC-Definition von der [britischen] Regierung und den Strafverfolgungsbehörden übernommen und unterstützt wird“.[10] Die Untersuchung wurde von einer Labour-MP initiiert und von einem weiteren Labour-MP geleitet. Sechs ihrer 14 Mitglieder waren Labour-MPs.

Chakrabarti macht eine recht kryptische Bemerkung dazu, dass sie Muslima ist: „Ich wurde oft (besonders in den sozialen Medien) als eine Sympathisantin muslimischer Terroristen beschrieben. Ich stritt die Bezeichnung als Muslima nie ab.“[11] Ist das ein berechtigter Grund alle Beweise wegzulassen, dass eine unverhältnismäßig hohe Zahl der Suspendierten oder des Antisemitismus in der Labour Party Beschuldigten Muslime sind? Darüber hinaus wurde die extremste Verunglimpfung Israels, eine völkermörderische, von einer muslimischen Stadträtin geäußert. Der Vorwurf: Sie hat getwittert, sie hoffe, dass der Iran einen Atomwaffe dazu nutzen wird ‚Israel von der Landkarte zu wischen‘.[12] Es muss auch vermerkt werden, dass verschiedene der suspendierten gewählten Repräsentanten der Labour Party aus Bereichen mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil kommen, zum Beispiel der Region Bradford, wo etwa ein Viertel der Einwohner Muslime sind.

Corbyn hat eine enorme Anzahl an Fehlern gemacht. Sich für Chakrabarti zu entscheiden, um die Untersuchung durchzuführen, ist allerdings keiner davon. Sie schreibt: „Als jemand, die für freie Meinungsäußerung eintritt, habe ich immer an das Recht zu beleidigen geglaubt. Aber als Rechtsanwältin kenne ich den Unterschied zwischen einem Recht und einer Pflicht.“[13] Es ist unwahrscheinlich, dass ein Ermittler mit einer solchen Einstellung gegenüber Hassreden in ihrer Bewertung einer Reihe Juden und Israel hassender Verunglimpfungen in der Partei streng sein wird.

Dann gibt es in dem Bericht etwas, das man einen Propagandabereich nennen könnte. Diesem widmet Chakrabarti, die erst vor kurzem Parteimitglied wurde, der Skizzierung dessen, wie die Partei in der Vergangenheit Juden willkommen geheißen hat. Das ist für die aktuelle Situation irrelevant. Es ist zudem historischer Revisionismus, da sie vergisst den ehemaligen Außenminister Ernest Bevin zu erwähnen, einen Labour-Mann, der in großen Teilen der jüdischen Welt einer der am meisten gehassten Politiker war, weil er Israels Unabhängigkeit heftig ablehnte.

Ist es ein  Ausgleich für all ihre Auslassungen, dass Chakrabarti uns ein weiteres Extra gibt? Sie schreibt in dem Bericht regelmäßig von ihren Erfahrungen und denen ihrer Familie. Dieser Egotrip ist nur eine weitere Ablenkung von dem, was dieser Bericht hätte leisten sollen: die extrem antisemitischen, gehässigen Verunglimpfungen durch Labour-Repräsentanten zu untersuchen.

Der Text Chakrabartis mäandert durch verschiedene Äußerungen, ohne ein Leitbild zu vermitteln. Einige Anmerkungen sind von Bedeutung, beispielsweise dass der Holocaust nicht missbraucht werden sollte. Andere sind bestenfalls marginal, so die Empfehlung Begriffe wie „Zio“ oder „Paki“ nicht zu verwenden. Sie war einmal schockiert, als jemand als „Paki“ bezeichnet wurde und erwähnt das in ihrem Bericht. Nicht erwähnenswert sind dann aber Verunglimpfungen wie die durch einen Labour-Repräsentanten, darunter „Adolf Hitler war der ‚größte Mann der Geschichte’.“[14]

Chakrabarti betreibt außerdem auf eine weitere Weise Schadenskontrolle für die Labour Party. Sie schlägt vor, dass es ein Moratorium zur Vergangenheit geben sollte. Sollten weitere Fälle von Antisemitismus aus der Vergangenheit ans Licht kommen, so sollte man sich nicht weiter darum kümmern.

An dem Bericht könnte viel mehr Kritik geübt werden, aber das würde einen ganzen Aufsatz erfordern. Es gibt einen weiteren Grund, dass der Bericht einen gewissen Wert hat. Er ist eine Sammlung wichtiger Manipulationen, wichtiger Auslassungen und Verwässerungen dessen, was sein einziges Thema hätte sein sollen. Kurz gesagt: Ein Musterbeispiel für Reinwaschen und Schadenskontrolle, gemischt mit einem Egotrip. Wenn man Antisemitismus im Unterricht behandelt, ist er ein idealer Text, um ihn von Schülern bzw. Studenten kommentieren zu lassen und zu erklären, wie Antisemitismus wirklich untersucht werden sollte und was an dem Chakrabarti-Bericht radikal falsch ist.

[1]http://www.labour.org.uk/page/-/party-documents/ChakrabartiInquiry.pdf

 [2] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18940

[3] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19002 und https://heplev.wordpress.com/2016/06/13/37463/

[4] www.dailymail.co.uk/news/article-3566667/Jewish-Labour-MP-speaks-vile-anti-semitic-abuse-subjected-online-bullies.html; www.timesofisrael.com/jewish-labour-mp-posts-anti-semitic-abuse-she-received-online/

[5] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19002#.V3jQ__l967Q

[6] www.labour.org.uk/page/-/party-documents/ChakrabartiInquiry.pdf, S.3

[7] http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/aug/13/jeremy-corbyn-labour-leadership-foreign-policy-antisemitism

[8] news.bbc.co.uk/2/hi/4165691.stm

[9] http://www.bod.org.uk/board-of-deputies-makes-submission-to-labours-chakrabarti-inquiry/board-of-deputies-inquiry-submission-3/

[10] Report of the British All-Party Parliamentary Inquiry into Antisemitism (London: Stationery Office Ltd, September 2006), Abs. 26.

[11] www.labour.org.uk/page/-/party-documents/ChakrabartiInquiry.pdf, S.4

[12] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3531852/Labour-councillor-20-suspended-claims-called-Hitler-greatest-man-history-latest-anti-Semitic-scandal-hit-Corbyn-s-party.html

[13] www.labour.org.uk/page/-/party-documents/ChakrabartiInquiry.pdf, S. 11.

[14] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3531852/Labour-councillor-20-suspended-claims-called-Hitler-greatest-man-history-latest-anti-Semitic-scandal-hit-Corbyn-s-party.html