Die vielen Einblicke, die die Antisemitismus-Debatte der britischen Labour Party bietet

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor, ursprünglich veröffentlicht beim Begin-Sadat Center for Strategic Studies an der Bar Ilan-Universität – BESA)

Im Verlauf der letzten zweieinhalb Jahre hat sich in der britischen Labour Party eine wichtige Debatte über Antisemitismus entwickelt. Diese hat andere hoch problematische Einstellungen des Jeremy Corbyn überschattet, der seit September 2015 Parteichef ist. Inzwischen gibt es zahlreiche Beweise seines vielen Fehlverhaltens.

Corbyn unterstützt mörderische und sogar völkermörderische Terroristen. Manche bezeichnet er als „Freunde“ und „Brüder“. Er ist Unterstützer von Holocaustleugnern und -verzerrern. Corbyn ist zudem ein antiisraelischer Hetzer und Teilzeit-Antisemit.[1]

Der lang anhaltenen Debatte über Antisemitismus in der Labour Party können viele verschiedene Einblicke entnommen werden. Mehrere davon sind von entscheidender Bedeutung für das Vereinte Königreich und die westliche Welt insgesamt. Dennoch sind sie von den Medien und sonst in der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet geblieben. Es folgt eine Auflistung von wichtigen Sachverhalten, die aus der Diskussion bisher zu erfahren waren:

  1. Corbyns extremes Fehlverhalten ist für viele britische Bürger kein Grund sie an der Unterstützung von Labour zu hindern. Einige aktuelle Meinungsumfragen zeigen: Wenn jetzt Parlamentswahlen stattfänden, hätte die Labour Party eine gute Chance diese zu gewinnen.[2]
  2. Würde der Terroristen-Unterstützer Corbyn Premierminister des Vereinten Königreichs, könnte das westliche Bemühungen untergraben dem weltweiten Terrorismus entgegenzutreten, einschließlich dem vorrangigen, der muslimischen Gesellschaften entstammt. Es würde fast unmöglich Corbyn und einigen seiner proterroristischen Mitarbeiter all die vertraulichen Informationen vorzuhalten, die Großbritannien über Terrorismus und die ihn verüben hat. Dazu gehören Geheimdienstinformationen, die in anderen Ländern gesammelt wurden. Corbyn und einige seiner Partner sind für den Kampf des Westens gegen den Terror ein potenzielles Trojanisches Pferd. Die Tatsache, dass das zukünftige Terrorrisiko in den Medien Großbritanniens oder sonst in der Öffentlichkeit wenig Aufmerksamkeit erhalten hat, ist ein Thema für eine eigene Analsyse.
  3. Sollte Corbyn in Großbritannien Premierminister werden, könnte dies verschiedene westliche Länder durchaus zwingen zu überdenken, welche vertraulichen Informationen sie den britischen Geheimdiensten zugänglich machen.
  4. Frühere sozialistische Führungspolitiker andernorts wie der verstorbene schwedische Premierminister Olof Palme, der griechische Premierminister Andreas Papandreou und der französische Präsident François Mitterand haben sich extrem antisemitisch zu Israel geäußert. Antisemitismus existiert auch in einer Vielzahl europäischer sozialistischer Parteien. Aber nie seit dem Zweiten Weltkrieg hat es ansatzweise so etwas wie eine umfassende Aufdeckung von Antisemitismus in einer westlichen sozialistischen Partei gegeben, wie er aktuell in der Labour Party existiert.
  5. Das Spektrum der Argumente derer, die Labour verteidigen und Corbyn sowie die Labour-Antisemiten reinwaschen, bietet einzigartige Einblicke in den britischen Antisemitismus. Das könnte auch die bessere Entschlüsselung des Antisemitismus im sonstigen Europa ermöglichen, insbesondere in sozialistischen Parteien. Ein wichtiger Anteil der Labour-Parteimitglieder unterstützt dieses Reinwaschen.
  6. Extrem antisemitische Äußerungen einer Reihe gewählter Labour-Repräsentanten gab es schon unter Corbyns Vorgänger Ed Miliband. Diese Äußerungen bekamen keinerlei beachtenswerte Aufmerksamkeit in der Partei oder den britischen Medien. Der Anteil muslimischer Täter war weit größer als ihre Präsenz in der britischen Gesellschaft oder wahrscheinlich auch in der Labour Party selbst.[3]
  7. Linker Antisemitismus bringt sich in der Regel als Antiisraelismus zum Ausdruck. Die Debatte in der Labour Party hat gezeigt, in welcher Breite sich klassischer Antisemitismus selbst in einer sozialdemokratischen Partei manifestieren kann.
  8. Die Gesamtzahl der Beschwerden darüber, dass Labour-Mitglieder sich seit Corbyns Antritt als Parteichef antisemitisch äußern, dürfte die Zahl Eintausend deutlich überschreiten. Selbst dass jetzt die Definition des Antisemitismus der Internationalen Holocoaust-Gedenkallianz (IHRA) vom nationalen Parteivorstand der Labourführung akzeptiert wurde, wird vermutlich immer noch nicht ausreichen, damit mit den Beschwerden über antisemitische Äußerungen durch Labour-Mitglieder angemessen umgegangen wird. Das Problem könnte ein strukturelles sein.
  9. Mehrere jüdische Labour-Parlamentarier und ein nichtjüdisches Parlamentsmitglied sind Angriffen durch Linke ausgesetzt worden, die in der Regel Rechtsextremen, Neofaschisten oder Neonazis zugeschrieben werden.
  10. Die jüdische Gemeinschaft Großbritanniens, die nur 0,4% der britischen Bürger repräsentiert, hat in der Regel versucht direkte Konflikte mit Mächten der britischen Gesellschaft zu vermeiden. Sie hat angestrebt ihre Interessen über die Entwicklung guter Kontakte mit den Behörden und anderen mächtigen Organisationen zu fördern.

    Die Vielzahl der Facetten des Labour-Antisemitismus und wie damit in der Partei umgegangen wird, hat die jüdische Gemeinschaft in einen offenen Konflikt mit diesen mächtigen Organisationen gezwungen. Die fehlende Erfahrung des britischen Judentums mit dieser Art von Konfrontation hat es ihr unmöglich gemacht eine klare Strategie zu entwickeln. Damit wurde der Antisemitismus für Labour das Hauptproblem, das in der britischen Öffentlichkeit über einen Zeitraum diskutiert wurde.

  11. Hätte die jüdische Gemeinschaft eine Strategie gehabt, hätte ein wichtiges Ziel davon die Betonung sein müssen, dass Antisemitismus ein Teil eines weit größeren Spektrums an Fehlverhalten der Labour Party ist, wobei das Entscheidendste in Corbyns Freundschaft mit und Unterstützung von Terroristen liegt. Die Bloßstellung der Partei auf diese Weise hätte in der britischen Öffentlichkeit eine viel breitere Diskussion zu Corbyn angeregt.
  12. Die britische jüdische Gemeinschaft könnte durchaus in der Zukunft einen Preis für ihre Konfrontation mit der mächtigen Labour-Führung zu zahlen haben. Dieser Preis wird vermutlich höher werden, sollte Corbyn Premierminister werden. Aber selbst wenn er dieses Ziel nicht erreicht, dürfte seine Parteiführung immer noch zu einem beträchtlichen Einfluss auf das britische Judentum führen. Einige Indikatoren sind an den Reaktionen von Corbyn-Sympathisanten auf einen Artikel des früheren britischen Oberrabbiners Lord Sacks zu erkennen,[4][5] in dem dieser erklärte, dass Corbyn Antisemit ist.[6]
  13. In der jüdischen Gemeinschaft ist eine wichtige Diskussion darüber eröffnet worden, ob Juden in Großbritannien bleiben können, sollte Corbyn Premierminister werden. Diese Entwicklung ist ohne Beispiel. Dennoch ist unklar, ob ein Premierministeramt Corbyns tatsächlich zu signifikanter jüdischer Emigration aus dem Vereinten Königreich führen würde.
  14. Sozialdemokratische Parteien im Ausland haben der antisemitischen Entwicklung in der Labour Party wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die niederländische Arbeitspartei (PvdA) hat sie offen ignoriert. Parteiführer Lodewijk Asscher wurde in einem offenen Brief der proisraelischen Organisation CIDI vor Corbyns Antisemitismus gewarnt.[7] Er gab eine irrelevante Antwort.[8] Auf Asschers Einladung besuchte Corbyn die Niederlande und sprach auf einem Treffen der PvdA. Es gab gewalttätige Hetze gegen einen jüdischen Protestierenden.[9] Die Vorsitzende Nelleke Vedelaar ist eine erklärte Corbyn-Anhängerin.[10]

Im Lauf der Zeit werden wahrscheinlich weitere Einblicke, die der Diskussion um Antisemitismus in der Labour Party entstammen, deutlich werden.

[1] https https://besacenter.org/perspectives-papers/corbyn-against-jews-israel/

[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Opinion_polling_for_the_next_United_Kingdom_general_election

[3] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18841

[4] http://www.theguardian.com/news/2018/aug/30/jeremy-corbyn-jonathan-sacks-and-the-antisemitism-row-engulfing-labour

[5] http://www.independent.co.uk/voices/letters/jonathan-sacks-rabbi-jeremy-corbyn-antisemitism-enoch-powell-a8513101.html

[6] http://www.telegraph.co.uk/politics/2018/08/28/jeremy-corbyns-zionist-remarks-offensive-statement-made-senior/

[7] http://www.cidi.nl/cidi-roept-asscher-op-om-corbyn-aan-te-spreken-op-antisemitisme/

[8] http://www.cidi.nl/pvda-leider-asscher-reageert-op-open-brief-cidi/

[9] http://www.timesofisrael.com/dutch-activist-says-he-was-assaulted-protesting-jeremy-corbyn-visit/

[10] http://www.volkskrant.nl/nieuws-achtergrond/-de-hele-nelleke-wint-onvriendelijke-strijd-pvda-voorzitterschap~b5efa9c9/

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Wow: Jeremy Cobyn glaubt tatsächlich, dass Juden nicht vor 1945 ins damalige Palästina immigrierten!

Daled Amos, Elder of  Ziyon, 4. September 2018

Letzte Woche zeigte Elder of Ziyon, dass Jeremy Corbyn die Geschichte ignoriert:

Hier ist das, was Corbyn sagte:

Ich wurde damit aufgezogen, dass Israel auf einem leeren Stück Land gegründet wurde und dass sie es schafften die Wüsten zum Blühen zu bringen und dass sie Sachen bauten, wo vorher nichts war. Jeder, der die Geschichte der Region studiert, weiß, dass Palästina am Ende des Zweiten Weltkriegs – im Zeitraum von 1945 bis 1948 – Medien hatte, Industrie hatte, Bildung, Universitäten, einen für die gesamte Region relativ hohen Lebensstandard und eine einheitliche Gesellschaft und ein einheitlicher Staat war. Es war eine Verunglimpfung dessen, die es ermöglichte die westliche Meinung zur Unterstützung Israels zusammenzusetzen.

Corbyn behauptet, dass die bereits um 1945 bis 1948 vorhandene Infrastruktur beweise, dass Juden wenig zum Land beitrugen.

Aber warum 1945 bis 1948?

Offenbar nimmt Corbyn an, dass Juden erst 1945 anfingen in das damalige Palästina zu immigrieren – als Holocaust-Flüchtlinge.

Die erste große Welle jüdischer Immigration fand während der Aliyah Aleph von 1882 bis 1903 statt, der von 1934 bis 1948 die Aliyah Bet folgte, eine Reaktion auf Nazideutschland. Selbst die Aliyah Bet teilt sich in zwei Phasen: 1934 bis 1942 war sie ein Versuch Juden zu helfen der Verfolgung und dem Völkermord durch die Nazis zu entkommen; 1945 bis 1949 (die Daten, auf die Corbyn sich bezieht) waren der Versuch Heime für jüdische Überlebende zu finden.

Aber jüdische Beiträge zu Gründung der Infrastruktur Palästinas gehen mehr als ein Jahrhundert weiter zurück.

In seinem Buch „Jerusalem: A Biography“ vermerkt Simon Sebag Montefiore nebenher die Verhältnisse des Landes 100 Jahre vor 1948:

Es gab keine Kutsche, nur verhängte Sänften. Sie besaßen praktisch keine Hotels oder Banken, die Besucher übernachteten in Klöstern; am komfortabelsten war das Amerikanische mit seinen eleganten, luftigen Innenhöfen. Aber 1843 gründete ein russischer Juden namens Menachem Mendel das erste Hotel, das Kaminitz, dem bald das Englische Hotel folgte; und 1848 eröffnete eine sephardische Familie, die Valeros, die erste europäische Bank in einem Raum ein paar Stufen abseits der David-Straße. (S. 360, Hervorhebung hinzugefügt)

Werfen wir einen Blick auf diese und andere Beiträge, die Juden zur palästinensischen Infrastruktur beitrugen, die zur Wiedergründung Israels führten.

Hotels

Die Jerusalem Post hat einen Artikel zum Hintergrund des Kaminitz von Menachem Mendel:

Er und seine Gattin kamen am ersten Tag des Monats Elul [1833] in Haifa an und reisten weiter nach Safed, wo sie sich einer Gemeinschaft frommer Jünger des Gaon von Wilna anschlossen. Diese Gemeinschaft wurde 1810 gegründet, zwei Jahrhunderte vor heute [2010] und 138 Jahre vor der Gründung des Staates Israel.

… Noch in Europa [während er Gelder für die jüdische Gemeinschaft in Israel sammelte] veröffentlichte er das, was der erste Leitfaden für Immigranten und Touristen im Heiligen Land gewesen sein dürfte. Unter dem Titel Korot Ha’itim (Geschehnisse der Zeit) dokumentiert das Buch die Härten, denen im Heiligen Land lebende Juden ausgesetzt waren, insbesondere während der Krawalle in Safed und dem Erdbeben [1837]. Aber es beinhaltet auch nützliche Ratschläge und viele positive Anmerkungen zum Land trotz der Gefahren und der Schwierigkeiten, die Menachem Mendel durchlitt. Das Buch wurde 1839 in Wilna veröffentlicht. 1841 wurde in Warschau für die Menschen, die nicht ausreichend Hebräisch konnten, eine Jiddische Übersetzung veröffentlicht.

Banken

Jacob Valero immigrierte ebenfalls mehr als ein Jahrhundert vor der Wiedergründung Israels nach Israel:

Er wurde 1813 in Istanbul geboren und seine Familie kam aus der Türkei ins Israel vor der Staatsgründung. Später wurde er Geldwechsler. 1848 gründete Valero zusammen mit einer Rihe weiterer örtliche Geschäftsleute die Bank in einer kleinen Zweizimmer-Wohnung in der Altstadt Jerusalems nahe des Jaffa-Tors.

… Als die Aktivitäten der Bank ausgeweitet wurden, eröffnete sie zwei weiter Filialen in Damaskus und Jaffa.

… Valero wurde wegen seiner Verbindungen zu den osmanischen Herrschern in Jerusalem und Istanbul sowie zu globalen Persönlichkeiten, die die Dienste seiner Bank nutzten, zum Lokalhelden. Er war eine vornehme Person der örtlichen Szene, die in den letzten Tagen des Osmanischen Reichs florierte und eine Reihe der Ehren erhielt, die die auseinanderfallende osmanische Regierung lokalen Würdenträgern in Regionen mit großer Entfernung zu ihrem Zentrum ausgab.

Strom

Dann gibt es noch Pinhas Rutenberg, der 1919 immigrierte. Rutenberg gründete die Palestine Electric Company, die später zur Israel Electric Company wurde. 1921 erteilten ihm die Briten die Strom-Konzession für Jaffa und später für Jordanien. Die Jaffa Electric Company erstellte 1923 ein Netz, das schließlich Jaffa, Tel Aviv, die Umgebung und britische Militäranlagen in Sarafend [zwischen Rischon Letzion und Be’er Ya‘akov] abdeckte. Er erhielt Unterstützung des damaligen Kolonialministers Winston Churchill.

Die Palestine Electric Company Ltd. In den frühen 1920-er Jahren (Foto: Public Domain)

Rutenberg hat zudem den Ruf 1925 der erste Bürger Palästinas unter dem britischen Mandat zu sein, als die Briten ein Gesetz zur Schaffung palästinensischer Staatsbürgerschaft erließen.

Flugreisen

Außerdem gründete Rutenberg die Palestine Airways.

Fünfsitziges Linienflugzeug der Palestine Airways 1934.

Beachten Sie, dass der Name auf Hebräisch „Israel Airways“ lautete, ähnlich wie die Münzen und Briefmarken während des britischen Mandats, die die Abkürzung für „Erez Yisrael“ auf Hebräisch trugen.

1937 wurde die Fluggesellschaft bis 1940 vom Britischen Luftfahrtministerium übernommen; die Absicht war sie irgendwann wieder in Privathand zu überführen. Sie operierte von Juli 1937 bis August 1940. Palestine Airways stellte den Betrieb ein, als ihr Flugzeug von RAF für den Kriegseinsatz übernommen wurde.

Pottasche

Während Rutenberg die Stromkonzession gewährt wurde, erhielt Mosche Novomeysky – unter Schhwierigkeiten – die Erlaubnis von den Briten im Bereich des Toten Meeres Material zu fördern. Er immigrierte 1920 nach Israel und entwickelte die Palestine Potash Company, die zu den Dead Sea Works wurde. Novomoeysky legte Wert darauf gute Beziehungen zu den Arabern in der Gegend zu entwickeln. Wegen seines Rufs blieben Kibbuzim, die er gründet von den antijüdischen Krawallen 1936 bis 1939 verschont.

Denkmal für Mosche Novomeysky bei den Dead Sea Works (Foto: Dr. Avishai Teicher Pikiwiki Israel)

Bäckerei

Bäckerei Angel ist nicht die erste Bäckerei in Israel – Salomon Angel kauften die Bäckerei Trachtenberg in Bayit VeGan auf, als sie 1927 bankrott war:

Es gab einen primitiven Ofen, zu dem die gesamte Nachbarschaft kam, um ihre Töpfe mit Hamin [ein langsam gekochtes Essen für den Sabbat, das Aschkenasim als Tscholent kennen] dort zu lassen und dann darüber zu streiten, wem welcher Topf gehört“, erinnert sich Vicky Angel, Dannys Witwe, als sie sich an die frühen Tag der Bäckerei Angel erinnerte.

Salomon Angel selbst war Jerusalemer der siebten Generation, Mitglied einer sephardischen Familie, die ihre Abstammung auf Juden zurückführt, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden.

Sie können eine Vorstellung davon bekommen, dass nach Angaben des Historikers Howard Sachar

1930 bereits 1.500 von Juden betriebene Fabriken und Werkstätten Textilien, Kleidung, Metallwaren, Nutzholz, Chemikalien, Steine und Zement herstellten, die eine kompletten Kapitalwert von rund 1 Milliono PL (palästinensische Lira) hatten.

Aber die jüdischen Beiträge hörten 1930 nicht auf.

Radio

Das Institute für Palestine Studies hat einen Artikel zum Radio Jerusalem, das 1936 den Betrieb aufnahm, „nur zwei Jahre nach der Gründung des ersten offiziellen arabischen Radiosenders in Kairo (Mitte 1934) und ein Jahr vor dem Tod des berühmten italienischen Physikers Marconi (1937).“ Es wurde von den britischen Mandatsbehörden gegründet und sendete auf Arabisch, Hebräisch und Englisch. Aber 4 Jahre zuvor hatten die Briten 1932 Mendel Abramowitsch eine Lizenz erteilt. Sein Sender wurde als Radio Tel Aviv bekannt und sendete bis April 1935, als die Briten ihm die Lizenz wieder entzogen, um den Palestine Broadcasting Service vorzubereiten.

Krankenhäuser

Nach Angaben des Artikels „Gesundheitsdienst für Beduinen im Mandat Palästina“ während der osmanischen Herrschaft von 1516 bis 1917 mussten die palästinensischen Araber

sich in erster Linie auf traditionelle Medizin einschließlich Kräutermedizin, Knochenrichtung durch Kauterisation, Aderlass, Einsatz von Blutegeln, Schropf-Behandlung sowie Amulett-Nutzer, Hebammen und (männliche) religiöse Heiler verlassen.

Vor diesem Hintergrund wurde 1854 im Jüdischen Viertel der Altstadt das Rothschild-Krankenhaus gegründet. Als es zu viele Patienten gab, als dass man sie dort behandeln konnte, wurde außerhalb der Altstadt ein neues Krankenhaus gebaut. Das Hospital wurde von Dr. Bernhard Neumann geleitet, der aus Warschau stammte und in Krakau und Wien studiert hatte. ER war seit 1847 in Jerusalem gewesen. Es bot allen Patienten ohne Rücksicht auf Religion oder Nationalität kostenlose Behandlung; 1918 wurde es von Hadassah übernommen und wurde z u Israels erstem Hadassah-Krankenhaus. Dem Rothschild-Krankenhaus folgten in Jerusalem zwei weitere, Bikur Holim und Misgav Ladach. Ein weiteres von Rothschild finanziertes Krankenhaus wurde später in Zichron Yaakov für die Bauern und Arbeiter in der Gegend eingerichtet.

Das Originalschild des Rotschild-Krankenhauses (Foto: Yoninah)

Das Sachar rundet das Bild ab:

Hadassahs engagierte Massenmitgliedschaft hatte bis 1930 in Palästina vier Krankenhäuser eingerichtet, eine Pflegeschule, 50 Kliniken, Labore und Apotheken sowie einen exzellenten Entbindungs- und Kinderhygienedienst in den meisten Städten und einer Reihe größerer Dörfer. Die WIZO (Women’s International Zionist Organization) betrieb in Tel Aviv drei Säuglingsfürsorgezentren.

Eisenbahn

Ein Artikel im Middle East Monitor klingt fast so, als hätte er eine Quelle für Corbyns obige Äußerung über jüdische „Verunglimpfung“ arabischer Leistungen sein können.

Die Eisenbahn Jaffa-Jerusalem, die 1892 unter osmanischer Herrschaft eröffnet wurde, war die erste in Palästina gebaute Eisenbahn und eine ersten, die im Nahen Osten gebaut wurde. Als damals wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung wurde die Strecke nacheinander von den Franzosen, den Osmanen und nach dem Ersten Weltkrieg von den Briten betrieben, die beauftragt waren Palästina zu verwalten. Die Eisenbahnverwaltung wurde 1920 an die Palestine Railway übertragen, einer Gesellschaft, die der britischen Mandatsregierung gehörte.

Tatsächlich wurde die Eisenbahnlinie zwar unter osmanischer Herrschaft eröffnet, aber die Türken hatten wenig damit zu tun sie möglich zu machen, bis auf die Genehmigung, die sie anderen für den Bau gaben. Und sie wurde dann nur von den Franzosen betrieben.

Die hauptsächlich für den Betrieb der Eisenbahn Jaffa-Jerusalem verantwortliche Person war Yosef Navon, ein jüdischer Unternehmer aus Jerusalem. Er verbrachte drei Jahre in Konstantinopel, u m für das Projekt zu werben und erhielt 1888 vom Osmanischen Reich die Genehmigung, die die Erlaubnis einschloss die Linie nach Gaza und Nablus zu erweitern. Weil er nicht genug Kapital hatte, um das Projekt voranzubringen, ging Navon 1889 nach Europa, um einen Käufer für die Konzession zu finden, was ihm schließlich gelang – in Frankreich. Eine französische Firma, mit Navon als Mitglied ihres Direktoriums, baute die Eisenbahn. Sie begann ihren Betrieb 1892 und gilt als erste Eisenbahn des Nahen Ostens.

Ein Zug erreicht in den 1809-ern den Bahnhof von Jerusalem, die erste Eisenbahn im Nahen Osten. (Foto: Public Domain)

Dies ist keine vollständige Liste der jüdischen Unternehmen und Projekte, aber sie vermittelt eine Vorstellung des Ausmaßes jüdischer Beiträge zu Palästina während der etwa hundert Jahre, die dem britischen Mandat und der Wiedergründung Israels voraus gingen.

Immerhin, so schreibt Sachar, entwickelte der Jischuw zusätzlich zur industriellen und wirtschaftlichen Infrastruktur

seine eigene Quasi-Regierung, sein eigene, weitgehend autonome landwirtschaftliche und industrielle Ökonomie und seine eigenen öffentlichen und sozialen Institutionen.

Offenbar besteht eines der Probleme, die Jeremy Corbyn im freundschaftlichen Verkehr mit Terroristen hat, darin, dass seine Äußerungen über Juden und Israel nichts mehr als einer Durchschrift ihrer Narrative und Fälschungen werden.

Ein offizieller Denkansatz zu deutschem Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Am 11. April berief die Bundesregierung den Diplomaten Felix Klein auf den neu geschaffenen Posten des deutschen Antisemitismus-Beauftragten. Die Notwendigkeit einer solchen Ernennung war ein indirektes Eingeständnis der Heftigkeit der Äußerung von Judenhass in Deutschland mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust.

Klein ist während der letzten vier Jahre Sonderbeauftragter für Beziehungen zu jüdischen Organisationen und Antisemitismus-Fragen des Auswärtigen Amts gewesen.[1] Er trat sein neues Amt am 1. Mai 2018 an; in der kurzen Zeit seitdem hat er bereits gezeigt, dass er bezüglich einer Facette der Antisemitismus-Diskussion etwas bewirken kann. Es gibt nun einen offiziellen Regierungsvertreter, der regelmäßig und öffentlich viele Aspekte des deutschen Antisemitismus anspricht.

Es ist schwierig gewesen, im Verlauf der Jahre ein komplett verlässliches Bild des erheblichen deutschen Antisemitismus zu erhalten. Ein Aspekt besteht darin, dass die Polizei 2017 vier Fälle klassischen Antisemitismus pro Tag aufnahm.[2] Insbesondere Berlin scheint eine Brutstätte des Judenhasses geworden zu sein. Die Beobachtungsorganisation Rias hat dort 2017 fast eintausend antisemitische Vorfälle festgehalten. Dazu gehören auch Anzeigen von Vorfällen, die nicht zu Anklagen führen können.[3] Die Zahlen beinhalten keine Fälle der jüngsten Form des Antisemitismus: des Antiisraelismus.

In Hinblick auf den Antiisraelismus stellte eine Studie der Universität Bielefeld 2014 fest, dass 40% der Deutschen glauben, Israel führe einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser.[4] Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung berichtete 2015, dass 41% glauben „Israel handelt gegenüber den Palästinensern wie die Nazis gegenüber den Juden agierten“.[5] Offenbar projizieren die Deutschen die beispiellosen Verbrechen der Generation ihrer Großväter auf Israel.

Auch wenn Klein nicht alle Aspekte des Antisemitismus anrührte, hat er bereits viele seiner Komponenten angesprochen. In einem Interview mit der WELT, erwähnte er diesen Monat, dass es deutsche Regionen gibt, in denen kein Jude lebt und Schulen keine Juden haben. Trotzdem manifestiert sich Antisemitismus auch an diesen Orten.[6]

Klein nannte drei Schlüsselvorfälle in der Geschichte des Antisemitismus im Nachkriegsdeutschland. Der erste war ein Prozess von Nazis gegen den Holocaust-Überlebenden Philip Auerbach 1951. Er war verantwortlich für finanzielle Entschädigung von Naziopfern. Der zweite Vorfall betraf Rainer Werner Fassbinders Theaterstück „Der Müll, die Stadt und der Tod“. Die Premiere sollte 1984 in Frankfurt stattfinden. In diesem Stück propagierte ein führender, zentraler Deutscher antisemitische Stereotype. Zu guter Letzt erklärte Klein, dass die Diskussion um die Beschneidung im Jahr 2012 zur größten Bekundung von Antisemitismus in Deutschland führte. Verursacht wurde sie vom Beschneidungsverbot durch ein Kölner Gericht.[7]

Klein deutete zudem an, dass er die Absicht hat die politische Verzerrung angezeigter antisemitischer Taten in deutschen Statistiken anzugehen. Verbrechen gegen Juden durch unbekannte Täter werden als von Rechtsextremen begangen festgehalten. Klein stellte heraus, dass die notwendige Veränderung nur dadurch erreicht werden kann, dass man die Innenminister der Bundesländer davon überzeugt die Art zu modifizieren, wie Statistiken aufgestellt werden. Er gestand ein, dass physische Angriffe auf Juden durch Muslime weit zahlreicher sind als das, was aufgezeichnet wird. In diesem Zusammenhang fügte Klein hinzu, dass auch verifiziert und sichergestellt werden sollte, dass alle Imame eine Einstellung gegen Antisemitismus haben.[8]

Für jeden Beobachter von Antisemitismus ist offensichtlich, dass antijüdische Vorfälle in Schulen ein besonders ernstes Problem darstellen. Dies betreffe verletzliche junge Menschen, die dem Hass und der Gewalt von Klassenkameraden nicht entkommen können. Die Täter sind oft, aber nicht immer Muslime. Klein sagte, dass Wissen um Judentum und jüdisches Leben in den Schulen angemessen verbreitet werden muss und nicht nur mit Bezug auf den Holocaust. Er erklärte, dass Schulleiter und Lehrer bei antisemitischen Vorfällen entschiedener vorgehen müssten. Lehrer sollten regelmäßiges Training zur Bekämpfung von Antisemitismus und Rassismus im Schulumfeld erhalten.

Klein hat außerdem ein anderes wichtiges Problem angeführt: das deutsche Justizsystem. Die Interviewer der WELT brachten dieses Thema ihm gegenüber auf, nachdem ein syrischer Flüchtling, der einen Mann mit einer Kippa zusammengeschlagen hatte, nur zu vier Wochen Gefängnis verurteilt worden war.

Klein erhielt das Versprechen, dass er elf Mitarbeiter bekommen wird. Das hebt sich von der Herangehensweise der EU ab: Trotz einer Bevölkerung, die sechsmal größer ist als Deutschland, hat ihre Koordinatorin zur Bekämpfung von Antisemitismus nur eine einzige Assistenkraft. Die verantwortliche Dame leistet Bemerkenswertes, aber wie viel kann man mit so wenig Hilfe tun? Klein hat angekündigt, dass einer der Mitarbeiter sich mit Internet-Antisemitismus beschäftigen wird. Andere werden an internen Sicherheitsbeziehungen arbeiten.[9]

Klein hatte schon wichtige Wirkung erzielt, als er eine antisemitische Karikatur über den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu in der Süddeutsche Zeitung kritisierte. Er erklärte: „Die Karikatur weckt Assoziationen zu den unerträglichen Zeichnungen der nationalsozialistischen Propaganda.“ Er beschuldigte die Zeitung eine rote Linie überschritten zu haben.[10] Diese bedeutende Zeitung hat eine umfangreiche Bilanz antisemitischer Angriffe gegen Israel. In diesem Fall entschuldigte die Zeitung sich und kündigte dem Karikaturisten.[11]

Klein hat zudem einzelne Vorfälle kommentiert, so den jüngsten Angriff eines Palästinensers auf einen israelischen Professor auf Besuch im Bonn.[12] Darüber hinaus hat er den Boykott israelischer Waren verurteilt.[13] Er äußert sich auch deutlich gegen Antisemitismus, der von Rechts kommt, von Links sowie muslimischen Antisemitismus. Zusätzlich hat er herausgestellt, dass die deutschen Kirchen in Anbetracht ihrer Geschichte eine besondere Verantwortung tragen. Er erwähnte ausdrücklich den anhaltenden Einfluss des extrem antisemitischen protestantischen Reformers Martin Luther und das Verhalten der Kirchen während der Naziherrschaft in Deutschland.[14]

Deutschland ist als Land zum Teil deshalb im Wandel begriffen, weil es eine völlig unangebrachte Willkommenspolitik betreibt, die einen Zustrom von rund 1,5 Millionen Menschen im einem Zeitraum von drei Jahren mit sich brachte, hauptsächlich aus muslimischen Ländern. Viele dieser Zugewanderten haben antisemitische Vorurteile. Die Tatsache, dass es heute in Deutschland einen Regierungsbeauftragten gibt, der viele Facetten des Antisemitismus offenlegt, wird wahrscheinlich Publizität schaffen, die schlecht genug ist, damit die Obrigkeit des Landes versuchen wird zumindest einen Teil der vielen Probleme zu lösen.

[1] http://www.dw.com/de/regierung-ernennt-antisemitismus-beauftragten-felix-klein-kabinett-meseberg/a-43344736

[2] http://www.dw.com/en/germany-averaged-four-anti-semitic-crimes-per-day-in-2017-report-says/a-42538545

[3] https://report-antisemitism.de/media/bericht-antisemitischer-vorfaelle-2017.pdf, S. 5

[4] https://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/antisemitismus_bedroht_j%C3%BCdisches_leben_und

[5] http://www.bertelsmann-stiftung.de/en/topics/aktuelle-meldungen/2015/januar/germans-take-skeptical-view-of-israel/

[6] http://www.welt.de/politik/deutschland/plus179337122/Extremismus-Antisemitismus-ist-unislamisch.html

[7] ebenda

[8] ebenda

[9] ebenda

[10] www.welt.de/politik/deutschland/article176437583/Geschmacklose-Zeichnung-Antisemitismusbeauftragter-kritisiert-Sueddeutsche-Zeitung-scharf.html

[11] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/22223

[12] rp-online.de/nrw/panorama/antisemitische-attacke-auf-israelischen-professor-in-bonn_aid-23915269; www.presseportal.de/pm/30621/3996412

[13] http://www.domradio.de/themen/judentum/2018-05-25/antisemitismusbeauftragter-nimmt-kirchen-die-pflicht

[14] ebenda

Antizionismus – ist antisemitisch

Peter Fox auf auf twitter, 6. Juli 2018

Ich sehe etwas Geplappere, ob Antizionismus Antisemitismus ist.

Ist er. Hier die Gründe:

1/ Antizionisten werden behauptet, dass sie lediglich Kritiker israelischer Politik sind und wie diese die Palästinenser beeinträchtigt. Allerdings ist Antizionismus per Definition Gegnerschaft gegen den Staat Israel und sein Recht als Staat mit jüdischem Charakter zu existieren.

2/ Wenn es für dich in Ordnung ist, dass Palästina ein muslimischer Staat ist, aber nicht, dass Israel ein jüdischer Staat ist, dann erhebst du Antisemitismus zum politischen Diskurs.

3/ Gegen das Existenzrecht eines Staates zu sein ist etwas, das du zu anderen Länder nicht hörst, nicht einmal zu den verabscheuungswürdigsten. Niemand sagt jemals, er sei Anti-Nordkorea oder Anti-Iran. So unterirdisch diese Staaten auch geworden sind, die meisten hoffen auf Reformen, nicht auf ihre Vernichtung.

4/ Das soll nicht heißen, dass alle Antizionisten Antisemiten sind, aber alle Antizionisten betreiben eine Form von Borniertheit, die sich gegen Juden richtet, ob sie das nun wissen oder nicht.

5/ Wenn deine Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit das einzige jüdische Land der Welt von der Landkarte wischt, dann gibst du die Worte des iranischen Regimes wieder. Sieht nicht gut aus.

6/ Legitime Kritik an der Regierung Israels ist absolut akzeptabel. Antizionistische Opposition zur Existenz Israel ist es nicht.

7/ Wenn ein Schwuler sagt, etwas sei homophob, hören wir hin. Wenn ein Schwarzer sagt, etwas sei rassistisch, hören wir hin. Wenn eine Frau sagt, etwas sei sexistisch, hören wir hin. Wenn eine jüdische Person sagt, etwas sei antisemitisch, dann solltest du auch hinhören.

8/ Antisemitismus ist die einzige Form der Bigotterie, die nicht ernst genommen wird, außer sie nimmt das extremste Ausmaß an.

9/ „Aber nicht alle Juden sind Zionisten.“ – Jawoll, und nicht alle Frauen waren Sufragetten. Eine kleine Minderheit an Gegner macht die überwiegende Ansicht einer marginalisierten Gruppe nicht ungültig. Jede Bewegung hat ihre Außenseiter und jüdische Antizionisten sind da keine Ausnahme.

10/ Jüdischer Antizionismus ist so alt wie der Zionismus selbst, aber das macht ihn für das Weltjudentum nicht weniger destruktiv.

11/ Es gibt nichts Progressives an dem Versuch das jüdische Recht auf Selbstbestimmung zu beenden. Wenn du an Gleichberechtigung für die Palästinenser glaubst, dann sollte dein Herz auch die Gleichberechtigung für die Israelis zu schätzen wissen.

12/ Der Zionismus ist perfekt vereinbar mit Solidarität für Palästinenser und für mich spiegelt mein Zionismus meine progressiven Werte, zu denen palästinensische Eigenstaatlichkeit gehört. Frieden benötigt gegenseitige Verantwortung; und wenn alle Schuld auf Israel geschoben wird, dann ist das inhärent parteiisch.

13/ Der Zionismus und die Geschichte Israels und Palästinas sind ein vielschichtiges Thema, also gibt es selten eine eindeutige Antwort, die für beide Seiten gleich sind. Von Respekt und Empathie auszugehen ist immer ein guter Anfang.

14/ Nationen und ihr Trauma kategorisch abzulehnen verleiht dem Diskurs keinen Wert. Wenn du dich um die Fragen sorgst, die Israel und Palästina betreffen und nach einer fairen Lösung suchst, dann wäre es gut damit anzufangen Fragen zu stellen und weniger Urteile zu fällen.

Liebe scheinheilige Welt #NeverForget #InternationalHolocaustDay

Kay Wilson, Israellycool, 28. Januar 2018

Liebe scheinheilige Welt,

so wie im Dritten Reich sind in unseren Landen Synagogen und Schulen Tag und Nacht in Gefahr.

Unseren Landen gibt es heute Demonstrationen gegen unsere angestammte Heimat, die Hass gegen uns entflammen.

Eure Geschäfte boykottieren unsere Waren und eure Unternehmen ziehen ihre Investitionen aus unseren ab.

Eure Universitäten sind Gastgeber gewalttätiger Proteste gegen den Besuch unserer Redner.

Ihr setzt Opfer in einem laufenden politischen, komplexen Konflikt in unserer angestammten Heimat den Machenschaften, der massenhaften, industrialisierten Ermordung von sechs Millionen unseres Volks gleich.

Mit offenen Armen empfangen eure Führer einen Mann, der auf Arabisch Reden hinrotzt, die vor Antisemitismus, Lügen und Hass triefen – einen Mann, der (genauso wie Hitler) erklärt hat, dass sein zukünftiger Staat „judenfrei“ zu sein hat.

Eure Politiker drängen auf einen Deal mit einem tyrannischen Regime, das geschworen hat uns mit einer Atomwaffe zu vernichten.

Unter Ignorierung des an den Jesiden und Christen des Nahen Ostens verübten Völkermords verabschieden eure internationalen Komitees mit psychopathischer Besessenheit einseitige und unbarmherzige Beschlüsse gegen diejenigen, die in unserer angestammten angestammten Heimat leben.

Eure internationalen Räte verzerren unsere Geschichte, indem sie unsere uralten heiligen Stätten zugunsten derer zwangsenteignen, die uns tot sehen wollen.

Eure Bürgermeister suchen Schlupflöcher, die es ausgewiesenen Terrorgruppen, die geschworen haben uns zu vernichten, erlaubt durch eure Straßen zu marschieren.

Eure europäischen Regierungen bleiben gegenüber einer Politik gleichgültig und verteidigen sie, die dafür sorgt, dass eure außenpolitische Hilfe als Belohnung in den Händen derer landet, die uns ermordeten, die geschworen haben jeden Juden zwischen Fluss und Mittelmeer zu ermorden.

Eure Medien ignorieren die gezielte Ermordung unserer Leute, die in unserer angestammten Heimat leben oder wecken Mitgefühl für die Mörder – indem sie sie als „Frustrierte“ bezeichnen.

Am Internationalen Holocaust-Gedenktag ziehen eure Reden eine historisch falsche moralische Äquivalenz zwischen Menschen, die auf tragische Weise in im Krieg litten und starben, mit unseren Leuten – Menschen, die Ziele einer Endlösung waren und gezielt in Ghettos gestopft, enteignet, eingefangen, in Viehwaggons gesperrt, in geheime Wälder verfrachtet und vergast wurden, weil sie Juden waren.

Und in diesen Reden können einige von euch sich nicht einmal dazu aufraffen das Wort „Jude“ zu sagen.

Heuchler-Welt, senke beschämt deinen Kopf.

Mit freundlichem Gruß

Die Juden

Weitere Blickwinkel zum Besuch des österreichischen Kanzlers in Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dem ersten Besuch von Sebastian Kurz als österreichischer Bundeskanzler in Israel ist viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet worden. Dieser 31-jährige Politiker ist der Parteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP).[1] Wenn seine Äußerungen und Taten typisch für alle besuchenden Regierungschefs europäischer Länder wären, hatte Israel die Beziehungen zur Europäischen Union enorm verbessert.

In Yad Vaschem gestand Kurz die große Verantwortung Österreichs und der Österreicher für „beschämende, während der Schoah begangene Verbrechen“ ein.[2] Er besuchte privat auch die Westmauer.[3] Die populistische Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), Juniorpartner der ÖVP, musste Kurz‘ Haltung gegen Antisemitismus übernehmen, um in die Regierung eintreten zu können.[4] Israel hat allerdings nur Kontakt mit Vertretern der von der FPÖ gehaltenen Ministerien gepflegt, weil die Partei Neonazi-Wurzeln hat.[5]

Während seines Besuchs bat Kurz Israel nicht einmal darum Kontakte mit den FPÖ-Ministern aufzunehmen. Das war eine angenehme Geste.[6] Der Boykott der Partei durch Israel kann gerechtfertigt werden, da es auch die sozialistische schwedische Außenministerin Margot Wallström nicht empfängt, eine Teilzeit-Antisemitin, die antiisraelischen Hass verbreitet.[7] Es wäre zudem eine interessante Vergleichsanalyse, würde man auswerten, wie FPÖ-Chef Heinz Christian Strache und der britische Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn jeweils zum Antisemitismus stehen.[8]

Kurz erwähnte muslimischen Antisemitismus nicht ausdrücklich, aber er sagte: „Ich kann Ihnen versichern, dass Österreich alle Formen des Antisemitismus in Europa entschieden bekämpfen wird, sei es ein bestehender oder ein neu importierter Antisemitismus.“[9] Österreich wird im nächsten halben Jahr die EU-Präsidentschaft übernehmen. Kurz versprach in Jerusalem, dass er sich während dieser Zeit darum bemühen wird, dass Europa Israels „besondere Sicherheitsbedürfnisse ernster nehmen wird“.[10] Kurz‘ Äußerungen sind um so wichtiger, als er ein stärkeres Profil Österreichs in der EU anstrebt als viele seiner Vorgänger.

Österreich machte, nachdem es 1938 Teil Deutschlands wurde, nicht nur bereitwillig beim Holocaust mit. Viele seiner Nachkriegs-Führungskräfte verzerrten die Geschichte des Landes stark, indem sie es als erstes Opfer des deutschen Nationalsozialismus hinstellten.[11] Ihnen half dabei die falsche Erklärung der Alliierten, dass Österreich Hitlers erstes Opfer gewesen sei.[12] Es sollte der österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky sein, Parteichef der sozialistischen SPÖ, der 1991 erstmals die Wahrheit sagte und sich gegenüber den Überlebenden entschuldigte.[13]

Einen der größten Nachkriegsskandale Österreichs leistete sich der ehemaligerÖVP-Parteichef Alois Mock. Er schlug 1986 den ehemaligen UNO-Generalsekretär Kurz Waldheim als Kandidaten seiner Partei für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten vor. Damals war bereits bekannt, dass sein Kandidat der Nazi-Studentenorganisation angehört hatte und Mitglied der paramilitärischen SA-Reiterstandarten war. Waldheim bagatellisierte die Fakten. Der sozialistische Parteichef und damalige österreichische Bundeskanzler Fred Sinowatz sagte daraufhin: „Ich nehme zur Kenntnis, dass Waldheim nicht bei der SA war – nur sein Pferd.“[14]

Waldheim hatte entscheidende Elemente seines Dienstes im Krieg in seiner Biografie ausgelassen.[15] Währen eines Zeitraums war er Adjutant des österreichischen Generals Alexander Löhr in Jugoslawien, der 1947 als Kriegsverbrecher hingerichtet wurde.[16] Ebenso wenig erwähnte Waldheim seine Stationierung in Saloniki während der Zeit, in der die große jüdische Bevölkerung zusammengetrieben und in ein Todeslager geschickt worden war. Er sagte später, er habe von dieser – unstrittigen – Tatsache nichts gewusst. Trotzdem wurde Waldheim vom österreichischen Volk gewählt. Während seiner Amtszeit sollte er oft von Moral und Werten sprechen.

Nachkriegsprobleme bezüglich Juden in Österreich beschränkten sich nicht nur auf die ÖVP. Der sozialistische Kanzler Bruno Kreisky stand an vorderster Front der Rehabilitierung früherer Nazis.[17] Er war zudem ein selbsthassender Jude, der sagte, wenn die Juden ein Volk wären, dann sei es „ein mieses Volk“.[18] All dies gibt den radikal anderen Haltungen eine Perspektive, die derzeit von Kurz zum Ausdruck gebracht werden.

Es gibt einen damit verbundenen Aspekt, der ebenfalls Erwähnung finden sollte. Der World Jewish Congress (WJC – Jüdischer Weltkongress) führte die Kampagne gegen Waldheim an und war für viele Aufdeckungen zu seiner Vergangenheit verantwortlich. Diese kleine Organisation – von Mock kräftig verleumdet – führte eine meisterliche Kampagne.[19][20] Der WJC hatte später den Erfolg, dass Waldheim die Einreise in die USA nicht mehr gestattet wurde. Er wurde als Präsident auch von anderen westlichen Ländern nicht mehr eingeladen.[21]

1994 sickerte allerdings durch, dass Papst Johannes Paul II. dem Katholiken Waldheim die päpstliche Ritterwürde verliehen hatte. Statt sie ihm eigenhändig zu überreichen, wurde das im Geheimen vom päpstlichen Nuntius, dem Erzbischof Donato Squicciarini gemacht. Die Washington Post schrieb: „Die neue Ehre seitens des Vatikans kam man kaum als Abweichung bezeichnen. Als der damalige Präsident Österreichs vom Großteil der Weltgemeinschaft ausgegrenzt wurde, schloss sich der Vatikan einigen arabischen und kommunistischen Ländern an, Waldheim als ganz normales Staatsoberhaupt zu behandeln. … Dass der Papst einen solchen Mann ehrt, entehrt sowohl den Papst selbst als auch den Vatikan.“[22]

Die erfolgreiche Kampagne des WJC gegen Waldheim steht schlussendlich in starkem Kontrast zur regelmäßigen Unbeholfenheit des Handelns der israelischen Regierung gegenüber ihren Gegnern.

[1] http://www.timesofisrael.com/austrian-leader-visits-yad-vashem-vows-to-ensure-horrific-crimes-remembered/

[2] ebenda

[3] ebenda

[4] http://www.haaretz.com/world-news/europe/austrian-jewish-leader-not-credible-fpo-tackling-anti-semitism-1.5824303

[5] http://www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/Israel-renegotiates-ties-with-Austria-over-party-with-Nazi-roots-550024

[6] http://www.dw.com/en/austrian-chancellor-sebastian-kurz-in-israel-vows-to-fight-anti-semitism-promote-israeli-security/a-44164344

[7] www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/Israel-blasts-Swedish-FM-for-supporting-terrorism-encouraging-violence-441266

[8] https://besacenter.org/perspectives-papers/uk-labour-antisemitism/

[9] http://www.israelhayom.com/2018/06/12/in-israel-austrian-chancellor-vows-to-fight-all-forms-of-anti-semitism/

[10] derstandard.at/2000081324311/Die-besondere-Verantwortung-Oesterreichs

[11] Manfred Gerstenfeld: The Abuse of Holocaust Memory Distortions and Responses. 2009, JCPA, S. 25.

[12] http://www.demokratiezentrum.org/wissen/timelines/der-opfermythos-in-oesterreich-entstehung-und-entwicklung.html

[13] ebenda

[14] https://diepresse.com/home/zeitgeschichte/641277/Sinowatz_Nur-sein-Pferd-war-bei-der-SA-

[15] http://www.nytimes.com/1986/03/04/world/files-show-kurt-waldheim-served-under-war-criminal.html

[16] ebenda

[17] Robert Wistrich: From Ambivalence to Betrayal. Lincoln (University of Nebraska Press) 2012, S. 478-508

[18] ebenda

[19] http://www.worldjewishcongress.org/en/news/former-un-secretary-general-kurt-waldheim-dies-at-88?printable=true

[20] http://www.nytimes.com/1986/05/17/world/wiesenthal-faults-jewish-congress-on-waldheim.html

[21] http://articles.latimes.com/2012/apr/11/local/la-me-elan-steinberg-20120411

[22] http://www.washingtonpost.com/archive/opinions/1994/07/28/a-papal-pardon-for-waldheim/4fcd4ea2-c9b0-4d6b-b73c-b18cd40eae3e/