Benötigt: Eine Geschichte der Progressiven und der Perversität

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Progressive Perversität hat eine lange und umfangreiche Geschichte. Es besteht die Notwendigkeit der Analyse und Beschreibung dieses Phänomens über viele Jahrhunderte. Ein triftiger Anfang für die Forschungsarbeit eines kompetenten und ambitionierten Historikers könnte der Antisemitismus des Erasmus von Rotterdam sein, der oft als „Prinz des Humanismus“ bezeichnet wird. Er lebte Ende des fünfzehnten, Anfang des sechszehnten Jahrhunderts.

Der niederländische Theologe Hans Jansen untersuchte Erasmus‘ selbst für dessen Zeit extremen Antisemitismus. Dieser „Humanist“ bezeichnete das Judentum als „schlimmste Pest“. Er lehnte 1517 sogar eine Einladung nach Spanien ab, 25 Jahre nachdem der letzte nicht konvertierte Jude das Land verlassen hatte; seine Begründung: Er behauptete, dass es gebe kein stärker „verjudetes Land“ als Spanien.[1]

In der Geschichte der Christenheit kann die Reformation als progressive Umwälzung betrachtet werden, auch wenn sie zum Ziel hatte zu den Quellen der Religion zurückzukehren. Auf den großen Reformer und Antisemiten Martin Luther passt die Beschreibung eines perversen Progressiven ebenfalls. Luther empfahl die Synagogen zu Ehren Gottes und der Christenheit zu verbrennen. Er riet dazu jüdische Bücher zu konfiszieren und Juden aus christlichen Ländern zu vertreiben.

Luther erklärte auch, dass kein Volk so geldgierig sei wie die Juden. Er glaubte, wenn ein Christ einen Juden traf, sollte er sich bekreuzigen, weil vor ihm ein „lebender Teufel“ stehe.[2] Das ging weit über den Mainstream-Judenhass seiner Zeit hinaus. Es wäre jedoch ein Fehler die progressive Hetze ausschließlich mit Antisemitismus in Zusammenhang zu bringen. Doch Antisemitismus ist oft ein Indikator für gewaltige Vergehen von Einzelnen und von Gesellschaften.

Voltaire (1694 – 1778), der große Denker der Aufklärung, war ein extremer Antisemit. Er schrieb einmal, dass alle Juden mit rasendem Fanatismus in ihren Herzen geboren würden. Voltaire hat gesagt, dass die Juden in schlechtem Benehmen und Barbarei alle Nationen übertroffen haben.[3]

Die Französische Revolution, die 1789 begann, ist einer der großen Meilensteine der progressiven Perversität. Anfangs wurden der französische König und die Königin sowie Anhänger des alten Regimes hingerichtet. Später begannen die Progressiven andere Progressive auf die Guillotine zu schicken. Einige Zeit lang wurde das zu einem tagtäglichen Ereignis. Die Französische Revolution brachte langfristige soziale Erneuerung begleitet von Mord.

Robert Wistrich, der führende akademische Antisemitismus-Forscher unserer Generation, führte im Interview unter anderem viele progressive Intellektuelle an, die Antisemiten waren: „Zu den Erben der Traditionen der Aufklärung gehörten die frühen französischen Sozialisten des 19. Jahrhunderts. Sie legten, mit wenigen Ausnahmen, die Grundlagen für den französischen Antisemitismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Zu ihnen gehörten Charles Fourier, Pierre-Joseph Proudhon – Gründer des Anarchismus und eine bahnbrechende Persönlichkeit der französischen Arbeiterbewegung – sowie Alphonse Toussenel.“

Er fuhr fort: „Proudhons großer Rivale und Antagonist Karl Marx schrieb eine Arbeit, die Marxisten immer in den Pantheon seiner Schriften einbeziehen: Zur Judenfrage. Unter den vielen Perlen  intellektueller Inspiration seines Werks findet man Sätze wie „Der Mammon ist der weltliche Gott der Juden“ oder „Die heutige christliche Welt in Europa und Nordamerika hat den Scheitelpunkt dieser Entwicklung erreicht und ist gründlich verjudet worden“.[4]

Doch all das verblasst im Vergleich mit einem weiteren riesigen Meilenstein progressiver Perversität, der kommunistischen Revolution in Russland. Nicht nur der Zar, die Zarin und Anhänger des alten Regimes wurden hingerichtet. In späteren Jahren wurden unter Stalin viele kommunistische Führer zum Tode verurteilt. Dazu gehörten Lew Borisovitsch Kamenew (geboren als Leo Rosenfeld) und Griogori Jewsejewitsch Sinovjew (geboren als Hirsch Apfelbaum) 1936 im Schau-„Prozess gegen die Sechzehn“. Beide waren Mitglieder des ersten Politbüros gewesen. Mit diesem Prozess begann das, was als „der große Terror“ genannt wurde. Trotzky wurde 1940 von einem sowjetischen Agenten ermordet.

Der Nationalsozialismus wird allgemein als reaktionäre Bewegung betrachtet. Man sollte jedoch auch die Meinung des in Polen geborenen Soziologen Zygmunt Baumann in Betracht ziehen. Er verband den Holocaust mit strukturellen Elementen der modernen Gesellschaft und Zivilisation. Baumann erklärte, dass der Holocaust das Produkt von Männern sei, die in der edelsten Kultur westlicher Gesellschaft gebildet wurden und sagte, der Nationalsozialismus war eng mit der Moderne verbunden.[5]

Es gab einige progressive Elemente im Nationalsozialismus. Der französische Philosoph Luc Ferry schrieb, die Nazi-Gesetze zum Naturschutz und dem Jagdverbot waren die ersten der Welt, „um ein größeres ökologisches Projekt mit dem Wunsch nach wirklicher politischer Intervention in Einklang zu bringen“.[6] Die Nazis waren fürwahr Vorläufer der heutigen Tierschutz-Bewegungen, die in der Regel als progressiv betrachtet werden.

Der Historiker der progressiven Perversität könnte den zeitgenössischen Progressiven viele Seiten widmen. In unserer Zeit ist Fortschritt zum Teil mit linker Politik verbunden. Linker Antisemitismus ist eine wichtige Kraft, die sich gegen den Staat Israel richtet. Wir finden ihn bei vielen Grünen, Sozialisten und Kommunisten. Drei inzwischen verstorbene sozialistische europäische Führungspolitiker stellten Israels Handeln auf eine Stufe mit dem der Nazis: der schwedische Premierminister Olof Palme,[7] der griechische Premierminister Andreas Papndreou[8] und der französische Präsident François Mitterand. Der hartnäckige Antisemitismus der britischen Labour Party kommt zu einem großen Teil von Unterstützern ihres extremistischen Führers Jeremy Corbyn.

Für den Erforscher der progressiven Perversität, der sein Hauptwerk schreibt, ist die Analyse des zeitgenössischen Antisemitismus der Welt eine gute Leitlinie. Die akademische Welt ist ein logischer Ort dafür mit der Identifizierung der perversen Progressiven anzufangen. Auch außerhalb der akademischen Welt hat die BDS-Bewegung ihre wichtigen Anhänger bei der Linken. Andere Bereiche, auf die ein Blick geworfen werden sollte, sind Menschenrechts- und andere NGOs, Gewerkschaften, linke Kirchen und so weiter. Als Herausgeber der Universalen Erklärung der Menschenrechte könnte die UNO als progressiv betrachtet werden, selbst wenn sie hauptsächlich eine Ansammlung nicht demokratischer Staaten ist, die für enorm einseitige Resolutionen gegen Israel stimmen.

Die NGO-Konferenz am Rande der „Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit verbundene Intoleranz“ in Durban in Südafrika im September 2001 kann also symbolkräftiges Beispiel für progressive Perversität betrachtet werden. Irwin Cotler, ehemaliger Justizminister Kanadas, der an dem Treffen teilnahm, schrieb: „Für uns ist ‚Durban‘ Teil unseres Alltagslexikons als Inbegriff für Rassismus und Antisemitismus, genauso wie 9/11 ein fester Begriff für terroristischen Massenmord ist.“[9]

Progressive Perversität überschneidet sich mit humanitärem Rassismus. Letzterer bedeutet, in einem Konflikt die Vergehen einer Seite zu kritisieren, aber vor den viel schlimmeren Vergehen der anderen Seite die Augen zu verschließen. Die Goldstone-Kommission kann man als Paradigma des humanitären Rassismus betrachten, da sie zu den Verbrechen der Hamas, einer völkermörderischen Terrororganisation, schwieg und sich stattdessen auf die Fehler des israelischen Staates Israel konzentrierte.[10]

Die Herausforderungen für den diese Geschichte schreibenden Wissenschaftler sind groß. Sie erfordern Wissen und eine klare Sicht, die viele Jahrhunderte umfasst. Seine Bücher zum Thema, selbst wenn sie brillant sein sollten, könnten von einigen progressiven Kollegen attackiert werden, die die Wahrheit nicht vertragen. Das Potenzial ist jedoch ebenfalls groß. Ein Forscher, der seine Aufgabe erfolgreich durchführt, wird zum Star-Historiker. Um so mehr, als er die Grundlagen für die Analyse der Gesinnung vieler weiterer zukünftiger progressiver Perverser legt.

[1] https://heplev.wordpress.com/2014/07/28/erasmus-furst-des-humanismus-der-renaissance-und-antisemit/

[2] jcpa.org/article/historical-roots-anti-israel-positions-liberal-protestant-churches-2/

[3] http://www.nytimes.com/1990/09/30/books/l-voltaire-and-the-jews-590990.html; https://de.metapedia.org/wiki/Voltaire

[4] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/14217

[5] Zygmunt Bauman, Modernity and the Holocaust (Ithaca: Cornell University Press, 1989).

[6] Luc Ferry: Le nouvel ordre ´ecologiqueParis (Grasset) 1992, S.54.

[7] Per Ahlmark: Palme’s Legacy 15 Years On. Project Syndicate, Februar 2001.

[8] Moses Altsech (Daniel Perdurant, Pseud.): Anti-Semitism in Contemporary Greek Society. Analysis of Current Trends in Anti-Semitism, 7, Jerusalem (Hebrew University) 1995, S. 10.

[9] https://irwincotler.liberal.ca/blog/durban-911-ten-years-later/

[10] Gerald M. Steinberg/Anne Herzberg (Hg.): The Goldstone Report “Reconsidered”: A Critical Analysis. Jerusalem (NGO Monitor/The Jerusalem Center for Public Affairs) 2011.

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Eine kurze Geschichte des Judenhasses

Clifford D. May, The Washington Times, 13. März 2019

Ein Neumitglied des US-Kongresses macht sich offen blind-religiösen Eifer gegen Juden und Israel zueigen. Ihre Parteigenossen von den Demokraten verfehlen es mit nur wenigen Ausnahmen ihre Worte und Ansichten entschlossen zu verurteilen. Beunruhigend, sicher; aber erinnern wir uns: Dieser krasse Baum wächst in einem alten üppigen und weltweiten Wald.

Beispiele gefällig? Letzte Woche gehörten zu einem Karnevalsumzug in Belgien Wagen, die übergroße Statuen religiöser Juden trugen, wütend knurrende Männer mit großen Nasen, die auf Geldsäcken saßen, einer mit einer Ratte, die sich auf seiner Schulter niedergelassen hatte.

Die UNESCO, eine UNO-Organisation, die sich angeblich der „intellektuellen und moralischen Solidarität der Menschheit“ verschrieben hat, erkannte den Umzug als kulturelles Erbe-Ereignis an und lehnte jegliche Kritik daran ab. Die UNO hat sich freilich in eine  Organisation entwickelt, die Israel beständig und vehement diskriminiert.

Ebenfalls in Belgien wurde letzte Woche Mehdi Nemmouche, von der BBC alsl „in Frankreich geborener Jihadist“ erkannt, des Mordes an einem Paar und zwei Mitarbeitern des jüdischen Museums in Brüssel vor fünf Jahren schuldig gesprochen. Sein Anwalt hatte behauptet, der Anschlag sei eigentlich „eine gezielte Exekution“ durch Agenten des Mossad gewesen, Israels Auslands-Geheimdienst. Er machte sich nicht die Mühe irgendwelche Beweise dafür vorzulegen.

Die BBC merkte an: „An einem Punkt argumentierte die Verteidigung sogar, dass Nemmouche nicht als antisemitisch bezeichnet werden könne, weil er Calvin Klein-Schuhe trug – ein offenkundiger Verweis auf Herrn Kleins jüdisches Erbe.“

Gewaltverbrechen gegen Juden nehmen in Deutschland, Frankreich und Schweden zu. Großbritanniens Labour Party wird geführt von Jeremy Corbyn, der letztes Jahr an der Veranstaltung einer Gruppe teilnahm, die Israel „einen qualmenden Haufen Jauche, die ordnungsgemäß entsorgt werden muss“ bezeichnete.

In Irland verabschiedete das Parlament ein Gesetz, das noch nicht gültig ist,  um eine Reihe Geschäftstransaktionen mit Juden in der Westbank, auf den Golanhöhen und sogar im jüdischen Viertel der Altstadt von Jerusalem für kriminell zu erklären.

Von diesen wird oft gesagt, es handele sich um „illegal besetztes palästinensisches Territorium“. Ein weniger tendenziöser Begriff wäre „umstrittene Gebiete“. Israel nahm in einem Verteidigungskrieg 1967 sie Syrien (den Golan), und Jordanien (Westbank und Ostjerusalem einschließlich des jüdischen Viertels) ab.

Die Israelis haben in der Vergangenheit Land aufgegeben und würden das zweifelsohne wieder tu n – wenn sie das Vertrauen hätten, im Gegenzug Frieden zu bekommen, statt Raketen und Terrortunnel, wie es der Fall war, seit sie 2005 den Gazastreifen aufgaben. Welcher andere Staat würde das nicht haben wollen? Welcher andere Staat würde dafür kritisiert, dass er so handelt?

Judenhass ist so alt wie die Berge von Judäa; er geht sogar noch vor die Rebellion der jüdischen Nation gegen den römischen Imperialismus und Kolonialismus von 66 bis 73 n.Chr. zurück. Zu den von Rom verhängten Strafen gehört die Umbenennung der eroberten jüdischen Gebiete.

Syria Palaestina oder kurz Palästina, kommt von Philistia, Land der Philister, uralten Feinden der Israeliten (mit Goliath als dem Bekanntesten). Die Philister waren ein Seefahrervolk von den Inseln der Ägais, das sich im 12. Jahrhundert v.Chr. an den Ufern des östlichen Mittelmeers niederließ. Und nein, die wir heute Palästinenser nennen, sind nicht ihre Nachfahren.

Judenhass hat in den folgenden Jahrhunderten viele Formen angenommen, darunter Verfolgung und Pogrome in Europa und dem Nahen Osten. Juden sind aufgrund von Religion und Rasse gehasst worden, wegen ihres Reichtums und ihrer Armut, als Kapitalisten und Kommunisten. Juden sind als Kosmopoliten und (in Israel) als Nationalisten geschmäht worden.

Judenhasser können Christen, Muslime oder Atheisten sein. Manche der destruktivsten Judenhasser sind selbst Juden oder jüdischer Abstammung gewesen.

„Antisemitismus“ ist ein relativ neuer Kunstbegriff, geprägt 1879 von Wilhelm Marr, einem deutschen Judenhasser, dessen Ziel es war klarzumachen, dass selbst Juden, die konvertiert und/oder assimiliert sind, als Feinde betrachtet werden sollten, die Komplotte gegen die deutsche Nation und die arische Rasse schmieden.

1919 schrieb Hitler von „rationalem Antisemitismus“, einer Doktrin, deren „Endziel unbeirrbar die Beseitigung der Juden insgesamt sein muss“. Nachdem er 1933 an die Macht kam, initiierte er den Boykott jüdischer Geschäfte – eine BDS-Bewegung (für Boykott, De-Investitionen und Sanktionen) sozusagen. Schließlich schaffte es Hitler mit extremem Vorurteil, rund 6 Millionen Juden aus Europa zu beseitigen.

Heute streben Israels Gegner an etwa dieselbe Zahl aus dem Nahen Osten zu beseitigen. Manche BDS-Befürworter bestehen darauf, dass sei nicht ihre Absicht. Jeder, der glaubt, es sei möglich den jüdischen Staat zu vernichten, ohne die in diesem Staat lebenden Juden zu vernichten, wäre gut beraten sich durchzulesen, was in Syrien und dem Jemen abläuft und Somalia, dem blutgetränkten Land, aus dem die Abgeordnete Ilhan Omar und ihre Familie flohen.

Oder sie sollten einfach den Führern von Hamas, Hisbollah und der Islamischen Republik Iran zuhören, die nicht versuchen ihre völkermörderischen Absichten zu verbergen. Der oberste Revolutionsführer Ali Khamenei hat Israel als „bösartigen Krebstumor“ bezeichnet, der „entfernt und ausgerottet“ werden muss.

Ja, ich weiß: Nicht jeder, der Israel kritisiert, ist für diese „Endlösung“. Aber ich sehe keinen Grund denen, die sich selbst als Antizionisten bezeichnen, einen Vertrauensbonus zu geben.

Vor 1948 war das zionistische Projekt die Wiedergründung eines jüdischen Nationalstaats in einem Teil der antiken jüdischen Heimat. Man konnte aus vielen Gründen dagegen sein. Seit 1948 aber bedeutet Zionismus inzwischen die Unterstützung des Überlebens Israels, seines Existenzrechts.

Diejenigen, die dagegen sind, sind bestenfalls gleichgültig gegenüber dem Schicksal der einzigen aufblühenden jüdischen Gemeinschaft, die es im Nahen Osten noch gibt. Mit anderen Worten: Ihnen ist jüdisches Leben egal.

Das irgendwelche Kongressabgeordnete dieser Beschreibung entsprechen, ist Besorgnis erregend. Aber wir wollen nicht vergessen: Das ist Ausdruck einer uralten und weit verbreiteten Ideologie, einer, die nie lange inaktiv war.

Das Wort „Jude“ ist in Europa ein Schimpfwort

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Das Wort „Jude“ ist an vielen Orten in Europa mit ganzer Macht als Mainstream-Schimpfwort zurückgekehrt. Ein Adjektiv ist nicht nötig. Für viele Menschen ist der Ausdruck „dreckiger Jude“ eine Tautologie.

Ganz zu Beginn war das Wort „Jude“ nur ein Substantiv. Es kommt vom hebräischen Wort Yehudi, das vom biblischen Namen Juda abstammt. Das Wort Judentum entstammt der Religion der Yehudim. Als dann die christlichen Helden von Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ Shylock wiederholt als „den Juden“ bezeichneten, gab es jedoch keine Frage, dass das Wort mehr eine Schmähung als ein Verweis auf die Religion des Kaufmanns war.[1]

Die negativen Konnotationen des Wortes Jude waren in Europa Jahrhunderte lang üblich. In Frankreich bezeichnen die Menschen Juden seit vielen Jahren, um sie nicht zu beleidigen als „Israeliten“; oft machen Juden selbst das auch. Einer meiner Kollegen, als ich in Paris lebte, sprach immer von Israeliten, wenn er Juden erwähnte. Ich konnte ihn nicht überzeugen, dass ich mich in diesem recht üblichen Ausdruck nicht selbst wiederfand und ich mich als Juden betrachte, auf Französisch „Juif“.

Das Wort „Jude“ als abschätzigen Begriff aus der europäischen Gesellschaft zu entfernen war nicht leicht. Das wurde zum Teil und schrittweise erreicht, nachdem die Deutschen auf brutale Weise 6 Millionen Juden ermordeten. Ende der 1970-er Jahre verklagte ein niederländischer Jude das niederländische Hauptwörterbuch. Er fühlte sich persönlich beleidigt, weil das Wörterbuch das Wort Jude als „Fluch oder schlimme Bezeichnung“ definierte.

Das Wörterbuch führte auch „alter, dreckiger Jude“ als Beispiel für die Verwendung des Wortes Jude an. Darüber hinaus erwähnte es die metaphorische Verwendung des Wortes „Jude“ als „Betrüger und Schwindler“. Es gab zudem einen Beispielsatz zur Klärung des Ausdrucks: „Ich würde von einem solchen Juden nichts kaufen wollen.“ Trotzdem gewann der Autor des Wörterbuchs vor Gericht.

Gleichwohl änderte das niederländische Wörterbuch die Definition ab der nächsten Ausgabe.[2] Diese Realität war befristet. CIDI, eine niederländische Organisation, die Antiisraelismus und klassischen Antisemitismus bekämpft, gab in ihrem Jahresüberblick 2016 ihrer Sorge über die Herabwürdigung des Worts „Jude“ Ausdruck: „Dieses Wort ist bei Beschimpfungen zunehmend ‚normal‘ geworden. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Verwendung des Fluchs „Kankerjood“ (was so viel wie „Krebsgeschwür Jude“ bedeutet) gegen die Polizei bei einer Demonstration vor und zur Unterstützung der türkischen Botschaft.“[3]

In den Niederlanden wird auf die allgemeine Verwendung von „Jude“ als Schimpfwort noch ein Problem draufgesetzt. Nichtjüdische Fans des großen Fußballvereins Ajax Amsterdam haben das Wort „Jude“ als Name ihrer Gruppe übernommen. In Fußballstadien haben ihre Gegner seit mehr als zwanzig Jahren Lieder skandiert wie „Mein Vater diente in den Sondertruppen, meine Mutter war bei der SS. Zusammen verbrannten sie Juden, weil Juden am besten brennen“ und „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“. Diese antisemitischen Hassgesänge sind zu Gemeingut geworden und werden von Zeit zu Zeit gegen tatsächliche Juden verwendet.

Es gibt viele weitere Beispiele aus den Niederlanden, aber diese sind bei weitem nicht das einzige Land, in dem das Wort „Jude“ als Schimpfwort verwendet wird. Im Dezember 2018 veröffentlichte die EU-Agentur für Grundrechte eine wichtige Studie mit dem Titel Experiences and perceptions of antisemitism[4], in dem ein junge Frau aus Dänemark mit den Worten zitiert wird: „Mein größtes Problem ist gewesen, dass Menschen das Wort ‚Jude‘ als Schmähung im alltäglichen Sprachgebrauch verwenden, was ich anstößig finde.“[5]

Ein Däne sagte: „Ich habe große Angst um die Zukunft meiner Kinder, da ‚Jude‘ in meinem Stadtteil zum Schimpfwort wurde und Leute hassen Juden derart, dass das Leben nichts mehr wert ist. Wir haben Angst, dass unsere Kinder auf die eine oder andere Weise angegriffen werden.“[6]

Als Ergebnis von all dem verstecken Juden ihre jüdische Identität. Ein spanischer jüdischer Student, der als Freiwilliger vor einigen Jahren in einem von mir geleiteten israelischen Forschungsprogramm zu Antisemitismus arbeitete, erzählte mir, dass seine besten nichtjüdischen Freunde in Spanien nicht wussten, dass er Jude ist.

Letztes Jahr sagte Elvira Noa, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bremen, der Lokalzeitung Weser-Kurier, dass das Wort Jude bereits in vor langem in Schulen ein Fluch gewesen ist.[7] Eine Studie zu jüdischen Kindern und Jugendlichen in deutschen Bildungsinstitutionen aus dem Jahr 2018 hatte den Titel „Jude als Schimpfwort“.[8]

Professorin Julia Bernstein ist Kulturanthropologin; sie untersuchte die Diskriminierung in deutschen Schulen und stellte fest, dass „Jude“ als Synonym für Verrat und Geiz, Aggressivität und Verkörperung des Bösen verwendet wird. Sie schrieb, als Ergebnis davon wird es in einem solchen schulischen Umfeld schwierig jüdische Identität positiv zum Ausdruck zu bringen. Das resultiert darin, dass jüdische Kinder und Jugendliche ihren jüdischen Hintergrund verbergen. Bernstein wies darauf hin, dass „Jude“ heute auch in Schulen als Fluch zwischen Nichtjuden verwendet wird. Als Beispiel beschrieb sie eine Szene, in dem ein Schüler es einem anderen Schüler sein Lineal nicht leihen wollte. Der erste reagierte mit: „Benimm dich nicht wie ein Jude.“ Ein weiteres Beispiel ist: „Du beschissener Jude, sei kein Jude, mach doch keine Judenaktion.“[9]

Das Wort „Jude“ wird auch in Verbindung mit Adjektiven verwendet. Ein Deutscher wurde gefilmt, wie er einen israelischen Restaurantbesitzer in Berlin anschrie: „Dreckige Juden, ihr könnt alle in die Gaskammern gehen.“[10]

Der Gebrauch des Wortes „Jude“ als Fluch schient in einer Reihe europäischer Länder enorm zugenommen zu haben. Eine Menge davon ist eine Rückkehr zur Lage vor dem Holocaust. Es handelt sich um eine der vielen wiederkehrenden Ausdrucksweisen für Antisemitismus in europäischer Kultur. Wenn die Europäische Union mit der Bekämpfung des Antisemitismus ernst machen will, sollte sie eine Studie dazu anordnen. Erst wenn man die Details der Realität kennt, kann man dieses schädliche und weit verbreitete Phänomen bekämpfen.

[1] http://www.washingtonpost.com/news/acts-of-faith/wp/2016/05/03/jew-why-does-the-word-for-a-person-of-my-religion-sound-like-a-slur/?utm_term=.60768f1e2fd5

[2] https://onzetaal.nl/uploads/editor/1409_jood.pdf

[3] http://www.cidi.nl/cidi-monitor-antisemitische-incidenten-2016-jood-steeds-vaker-gebruikt-als-scheldwoord/

[4] Erfahrungen und Wahrnehmung von Antisemitismus

[5] fra-2018-experiences-and-perceptions-of-antisemitism-survey_en%20(11).pdf, pg. 17

[6] ebenda, S. 35

[7] hwww.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-wenn-jude-zum-schimpfwort-wird-_arid,1714969.html

[8] https://zwst-kompetenzzentrum.de/jude-als-schimpfwort/

[9] www.fnp.de/frankfurt/jude-schimpfwort-weit-verbreitet-viele-lehrer-fuerchten-konflikte-10940866.html

[10] www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5060722,00.html

Deutsche Regierung fördert Antisemitismus und Antiisraelismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; ursprünglich auf Englisch veröffentlicht bei BESA)

Die offizielle Politik der deutschen Regierung besagt, dass sie sich bemüht Antisemitismus zu bekämpfen. Ein Beispiel unter vielen ist die Bereitstellung von Sicherheitsdienstleistungen für jüdische Institutionen. Ein weiteres ist die Ernennung eines nationalen Antisemitismus-Beauftragten. Offizielle Politik ist auch Deutschlands Freundschaft zu Israel. Illustriert wird dies durch den Besuch einer Gruppe deutscher Minister in Israel, der von Zeit zu Zeit stattfindet, um mit ihren israelischen Kollegen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu diskutieren.

Es gibt weitere Aspekte der deutschen Politik. Diese sind direktes und indirektes Handeln zur Förderung von Antisemitismus und Antiisraelismus. Diese politischen Facetten erfordern Analyse.

Was die Förderung von Antisemitismus angeht, hat die deutsche Regierung seit 2015 ohne jegliche Kontrolle viele Zuwanderer aus muslimischen Ländern willkommen geheißen. Hunderttausende dieser Zuwanderer sind Antisemiten. Eine Studie in Bayern stellte fest, dass mehr als 50% der irakischen, syrischen und afghanischen Zuwanderer der Aussage „Juden haben zu viel Einfluss in der Welt“ zustimmen. Bei Deutschen liegt diese Zahl zwischen 15% und 25%.[1] Man könnte dem hinzufügen, dass eine Nation, deren Großvatergeneration 6 Millionen Juden ermordete, keine weiteren Antisemiten in ihrem Land willkommen heißen sollte. Das mit humanitären Gründen zu rechtfertigen, ändert die Fakten nicht.

Ein wichtiges Beispiel für die Beteiligung Deutschlands an der fortbestehenden Hetze gegen Israel ist sein Abstimmungsverhalten in der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Die Tageszeitung BILD veröffentlichte, dass die Vollversammlung  in den letzten Jahren mehr als 500 Resolutionen gegen Israel beschloss und keine einzige gegen die palästinensische Terrororganisation Hamas.

BILD führte einige Beispiele aus der Zeit von 2014 bis 2017 an. 2014 richteten sich von allen Resolutionen gegen einzelne Länder 87% gegen Israel. 2016 betrug die Zahl 77%. 2017 waren es 78%. Im UNO-Menschenrechtsrat richteten sich mehr als die Hälfte gegen Israel. Die Zeitung wies darauf hin, dass Deutschland sich regelmäßig auf die Seite der Feinde Israels stellt. Im November 2018 wurden 16 von 21 Resolutionen der Vollversammlung von Deutschland unterstützt, bei 4 enthielt es sich.[2]

In der vorherigen Regierung war der damalige sozialistische Parteichef, Außenminister Sigmar Gabriel, einer, der regelmäßig gegen Israel aufstachelte. Gabriel beschuldigte Israel der Apartheid. Es dauerte mehrere Monate, bis er sich entschuldigte. Als er im Januar 2018 in Tel Aviv sprach, behauptete er fälschlich, er sei ein Freund Israels. Er fügte hinzu, dass sein Land eine besondere Verpflichtung für Israels Sicherheit habe. Derweil war er verantwortlich für eine gewaltige Zahl deutscher Abstimmungen gegen Israel in den Vereinten Nationen, die dessen Sicherheit untergraben.[3]

In der aktuellen Regierung hat Außenminister Heiko Maas, ebenfalls ein Sozialist, oft gesagt, Auschwitz habe ihn inspiriert in die Politik zu gehen.[4] Dennoch unterstützt sein Ministerium weiter die Dämonisierung Israels bei den Vereinten Nationen. Die deutsche Abstimmung gegen Israel im November 2018 fand unter seiner Verantwortung statt.

Unter Maas hat es zudem vermehrt deutsche Unterstützung für die UNRWA gegeben, nachdem die USA ihre Unterstützung abzogen. Rabbi Abraham Cooper, stellvertretender Dekan des Simon Wiesenthal Center, fasst das Thema und Maas‘ Rolle darin zusammen: „Nachdem die USA der Gruppe ihre Unterstützung entzogen hat, die Kindern mit den vielen ‚Tugenden‘ des Märtyrertums das Gehirn wäscht, kündigte der deutsche Außenminister Heiko Maas eine ‚beträchtliche‘ Steigerung der Gelder seines Landes an die UNRWA an. Mit 100 Millionen Euro an Hilfsgeldern bleibt Deutschland einer der größten Gönner der UNRWA. Ja, die Unterstützung der palästinensischen Suche nach einer besseren Zukunft ist richtig und wichtig. Aber von der UNRWA finanzierte Lehrpläne der Hamas und der palästinensischen Autonomiebehörde laufen auf Kindesmissbrauch mit Hilfe von Schulbüchern hinaus. Niemand, den ich in Berlin traf, konnte mir zusichern, dass deutsches Geld nicht direkt der Hamas nutzte.“[5]

Im Februar schickte das deutsche Außenministerium unter Maas‘ Verantwortung zudem anlässlich der Feiern zum 40. Jahrestags der Revolution Repräsentanten in die Botschaft der Islamischen Republik Iran. Und das trotz der Tatsache, dass der Iran regelmäßig zur Vernichtung Israels aufruft.[6]

Die Wirklichkeit ist schlimmer. Der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier, ebenfalls Sozialist, „gratulierte der iranischen Regierung herzlich anlässlich des 40. Jahrestags der Revolution, ebenso im Namen meiner Landsleute“. Die Zeitung Tagesspiegel fragte, ob man Steinmeier dran erinnern müsse, dass der Iran Sponsor des internationalen Terrorismus ist, Israel mit Vernichtung droht, den Holocaust leugnet, Frauen unterdrückt, Homosexuelle hinrichtet und Religionskonvertiten mit dem Tod droht“. Sie schloss: „Der moralische Kompass, der die Worte eines Bundespräsidenten leiten sollte, hat in diesem Fall grob versagt.“[7] Um der Gratulation für die iranische Regierung noch mehr Perspektive zu geben: Als Donald Trump im November 2016 zum US-Präsidenten gewählt wurde, sagte Steinmeier, damals Außenminister, dass er ihm nicht gratulierte.[8]

Die liberale Oppositionspartei FDP forderte die Bundesregierung vor kurzem auf ihre Politik bei der UNO zu ändern. Einer der Abgeordneten der Partei, Frank Muller-Rosentritt, sagte, dass innerhalb eines Jahres 21 Resolutionen gegen Israel beschlossen wurden, während es nur eine gegen Syrien gab. Er fügte an: „Dieses Missverhältnis zeigt, dass die Feinde Israels die UNO instrumentalisieren, um den jüdischen Staat international zu delegitimieren.“[9]

Die direkte und indirekte Hilfe für Antisemiten und Antiisraelis gibt es nicht nur auf der Bundes-, sondern auch auf Länderebene. Statistiken zu antisemitischen Verbrechen zu erstellen ist Ländersache. Der Antisemitismus-Beauftragte des Bundes Felix Klein hat erklärt, dass alle veröffentlichten Statistiken zu diesem Thema irreführend sind und dass er vorhat diese Verfälschung anzugehen. Die vielen Verbrechen gegen Juden, bei denen die Täter nicht identifiziert werden können, werden als von Rechtsextremen begangen registriert.

Klein betonte, dass die notwendige Veränderung nur erreicht werden könne, indem man die Innenminister der Bundesländer davon überzeugt die Art zu ändern, wie Statistiken festgesetzt werden. Er erklärte, dass physische Angriffe auf Juden durch Muslime weit zahlreicher sind als das, was aufgezeichnet wurde.[10] Wenn Länder nicht korrekt veröffentlichen, wo nach den Tätern zu suchen ist, helfen sie praktisch einem Teil der Antisemiten.

Die Genehmigung von Schulbüchern liegt in der Verantwortung der Regierungen der einzelnen Bundesländer. Eine aktuelle Studie zweier deutschen Professoren, Samuel Salzborn und Alexander Kurth, untersuchten den Antisemitismus in deutschen Schulen. Zum Teil auf Grundlage einer früheren Studie stellten sie fest, dass in Schulbüchern Israel in den Fächern Geografie, Geschichte und Politik oft ausschließlich negativ und die Palästinenser ausschließlich positiv dargestellt werden. Sie kamen zu dem Schluss, dass Israel nur im Zusammenhang des Konflikts mit den Palästinensern erwähnt wird. Israels militärisches Handeln und seine Reaktionen auf den palästinensischen Terrorismus werden oft als genauso problematisch wie der Terrorismus selbst dargestellt.[11]

Das sind ein paar wenige Beispiele unter vielen weiteren. Angesichts von Deutschlands furchtbarer Vergangenheit und problematischer Gegenwart sollte eine eingehende Studie dazu durchgeführt werden, wie die deutschen Bundes- und Landesregierungen direkt und indirekt Antisemitismus und Antiisraelismus fördern. Andernfalls wird Deutschlands janusgesichtiges Vorgehen nicht deutlich werden.

[1] www.hss.de/download/publications/Argu-Kompakt_2017-8_Asylsuchende.pdf; www.ajc.org/news/ajc-berlin-publishes-study-on-anti-semitism-among-refugees; https://ajcberlin.org/sites/default/files/ajc_studie_gefluechtete_und_antisemitismus_2017.pdf

[2] www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/deutschland-bei-der-uno-fdp-will-anti-israel-irrsinn-stoppen-59894948.bild.html

[3] www.auswaertiges-amt.de/en/newsroom/news/gabriel-inss/1426618

[4] www.timesofisrael.com/most-horrible-place-on-earth-german-foreign-minister-visits-auschwitz/

[5] http://www.newsmax.com/abrahamcooper/germany-iran-unrwa-antisemitism/2018/12/10/id/893886/

[6] www.jpost.com/International/German-Foreign-Ministry-celebrates-Irans-Islamic-revolution-580612

[7] http://www.tagesspiegel.de/politik/glueckwuensche-an-den-iran-wo-terror-beginnt-endet-die-etikette/24024400.html

[8] https://www.n-tv.de/politik/Steinmeier-gratuliert-Trump-nicht-article19045691.html

[9] www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/deutschland-bei-der-uno-fdp-will-anti-israel-irrsinn-stoppen-59894948.bild.html

[10] ebenda

[11] http://www.tu-berlin.de/fileadmin/i65/Dokumente/Antisemitismus-Schule.pdf

Den Terrorismus besiegen

Jerusalem Post, Redaktion, 3. März 2019

IDF-Kriegsübungen im Norden simulieren einen Konflikt mit der Hisbollah (Foto: IDF-Sprecher)

Großbritannien designierte letzte Woche die gesamte Hisbollah-Organisation als Terrorgruppe; dem folgte einige Tage, nachdem Innenminister Sajid Javid seinen Plan verkündete, dass die Regierung dies tun würde, eine Debatte im Parlament. Zuvor war der militärische Arm der Hisbollah als Terrororganisation bewertet worden, aber nicht ihr politischer Arm.

Als Ergebnis wird der letzte Juni – als Irans Al-Quds-Tag gegen Israel mit dem letzten Freitag des Ramadan zusammenfiel – vielleicht das letzte Mal gewesen sein, dass jemand in der Lage war, den widerwärtigen Anblick tausender Demonstranten zu sehen, die auf den Straßen Londons Hisbollah-Flaggen schwenken.

Die Abstimmung im Parlament hat noch nicht stattgefunden, aber die britische Regierung hat eine klare Haltung gegen Terrorismus und die Art des iranischen Expansionismus eingenommen, den die Hisbollah als Teherans Stellvertreter im Libanon und Teilen Syriens repräsentiert. Die Hisbollah bedroht Israel regelmäßig – nicht nur mit Worten, sondern auch durch das Horten von Raketen und Geschossen sowie den Bau von Tunneln unter der nördlichen Grenze hindurch, von denen mehrere vor kurzem von der IDF zerstört wurden.

Die Regierung der britischen Premierministerin Theresa May sagte, die Entscheidung sei „auf Grundlage dessen getroffen worden, dass es nicht länger vertretbar ist zwischen dem militärischen und dem politischen Arm der Hisbollah zu unterscheiden… der weiterhin Waffen in direkter Verletzung der Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats anhäuft, was die Sicherheit der Region gefährdet“.

Javid sagte: „Die Hisbollah setzt ihre Versuche fort die fragile Lage im Nahen Osten zu destabilisieren.“ Außenminister Jeremy Hunt sagte: „Wir können nicht zufrieden sein, wenn es um Terrorismus geht. Es ist klar, dass die Unterscheidung zwischen dem militärischen und dem politischen Arm der Hamas nicht existiert… Ihre destabilisierenden Aktivitäten in der Region sind absolut inakzeptabel und der nationalen Sicherheit Großbritanniens abträglich.“

Die australische Außenministerin Marise Payne sagte kurz nach Javids Ankündigung, dass ihre Regierung nachziehen könnte – und sie sollte dazu ermutigt werden.

Doch trotz dieser starken Argumente, dass die Hisbollah nicht nur für Israel eine Bedrohung darstellt, sondern eine destabilisierende Kraft für den gesamten Nahen Osten ist – mit dem Potenzial auch westlichen und britischen Interessen zu schaden – sagte Deutschland am Wochenende, es sei nicht überzeugt, dass die Terrororganisation verboten werden sollte.

Die EU hat den militärischen Arm der Hisbollah seit 2013 verboten und ein deutscher Geheimdienstbericht aus dem letzten Jahr besagt, dass fast eintausend Hisbollah-Agenten im Land Spenden sammeln, rekrutieren und die antisemitische Ideologie der Organisation verbreiten.

Ein Sprecher des deutschen Innenministeriums gestand gegenüber Benjamin Weinthal von der Jerusalem Post sogar ein, dass die Hisbollah „das Existenzrecht des Staates Israel mit terroristischen Mitteln bekämpft“ und „ein solches Ziel seiner Natur nach antisemitisch ist“.

Dennoch bleibt Deutschland dabei, dass der sogenannte politische Arm der Hisbollah legitim ist.

Die Vorstellung, dass der politische und der militärische Arm irgendwie trennbar sind, ist völlig absurd. Ja, die Hisbollah ist im libanesischen Parlament als Partei vertreten und mit zwei Sitzen im Kabinett Mitglied in der Regierungskoalition des Landes. Aber der politische Zweig ist nur ein weiteres Mittel Macht zu gewinnen und die destruktive und radikalislamische Ideologie der Organisation zu verbreiten. Beide Arme der Hisbollah haben denselben Führer, Hassan Nasrallah, der regelmäßig damit droht Israel zu vernichten und unter dem Daumen der Mullahs im Iran agiert.

Aber sie wollen Israel nicht nur in Vergessenheit bomben; sie haben Terroranschläge gegen Juden in aller Welt versucht und durchgeführt. Wenn eine antisemitische Terrororganisation mit einer tödlichen Geschichte droht, wäre es geboten, dass die Welt das ernst nimmt.

Damit Deutschland eingesteht, dass die Hisbollah eine Ideologie propagiert und agiert, um etwa die Hälfte der Juden der Welt zu eliminieren, es aber weiterhin ablehnt diese giftige Terrororganisation zu verbieten, ist falsch.

Wir befinden uns immer noch in einer Zeit, wo es lebendige Erinnerung an den Holocaust gibt und Deutschland eine besondere Verantwortung hat zu handeln und sicherzustellen, dass nichts auch nur annähernd Derartiges wieder geschieht.

Das muss mit der Beseitigung des Antisemitismus auf dem eigenen Staatsgebiet anfangen – und eine Art das zu tun besteht darin, die Hisbollah insgesamt zur Terrororganisation zu erklären.

Dreizehn Millionen britische Bürger haben eine dämonische Sicht auf Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Einundzwanzig Prozent der britischen Erwachsenen-Bevölkerung – oder rund elf Millionen Menschen – tendieren dazu, „stark“ oder „in gewissem Maß“ der Vorstellung zuzustimmen, dass Israel ein Apartheidstaat ist. Zehn Prozent – oder fünf Millionen – tendieren dazu zuzustimmen, dass Menschen „israelische Waren und Produkte boykottieren sollten“. Angesichts der Zahl an Menschen, die diesen verzerrten Aussagen gegen Israel zustimmen ist es nicht beruhigend, dass nur 23% der Behauptung nicht zustimmen, dass Israel ein Apartheidstaat ist, während 46% mit dem Boykott israelischer Waren nicht einverstanden sind.[1]

Diese Daten zu einigen Aspekten des gegen Israel gerichteten Antisemitismus sind das Ergebnis einer neuen Studie von David Graham und Jonathan Boyd mit dem Titel „The Apartheid Contention and Calls for a Boycott“,[2] die im Januar 2019 gemeinsam vom Institute for Jewish Policy Research (JPR) und dem Community Security Trust (CST) veröffentlicht wurde.

Den Befragten wurden zwölf Aussagen vorgelegt, zu denen sie sagen sollten, ob sie ihnen „stark“ oder „in gewissem Maß“ zustimmen oder nicht. „Israel begeht in Palästina Massenmord“ erhielt mit 24% den größten Anteil an Zustimmung. 23 Prozent stimmten der Aussage „Israel versucht gezielt die palästinensische Bevölkerung auszulöschen“ zu.[3] [4] Mit anderen Worten: 13 Millionen britische Bürger haben eine dämonische Sicht auf Israel.

Achtzehn Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass die „Interessen Israels im Widerspruch zu den Interessen des Rests der Welt“ stehen. Wenn das Wort „Israel“ durch das Wort „Jude“ ersetzt wird, ist klar, dass ein klassisches antisemitisches Bild in eine antiisraelische Empfindung mutiert ist. Dasselbe ist bei „Israel hat zu viel Kontrolle über globale Angelegenheiten“ geschehen, eine Aussage, der 17% der erwachsenen Briten zustimmen. Noch eine weitere Aussage, „Israel ist die Ursache aller Probleme im Nahen Osten“, erhielt 10% Zustimmung. All diese Aussagen hätten aus einer aktualisierten Version von Hitlers Mein Kampf stammen können, die sich statt mit den Juden mit Israel beschäftigt.

Dreizehn Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu: „Israel nutzt die Opferrolle aus dem Holocaust für eigene Zwecke aus.“ Fünf Prozent waren mit der Aussage „Israel hat alles Recht zu existieren“ nicht einverstanden. Das beziffert sich auf etwa 3 Millionen Menschen. Bei vielen Aussagen machen die, die weder zustimmen noch nicht zustimmen oder es nicht wissen, nahezu oder mehr als die Hälfte der Befragten aus.

Aus der Studie ergeben sich viele weitere wichtige Einblicke. Der höchste Anteil derer, die „Israel ist ein Apartheidstaat“ zustimmen, sind die im Alter über 60, während der niedrigste sich bei denen unter 30 Jahren befindet. Das gilt auch für diejenigen, die den Aussagen nicht zustimmen.[5] Menschen mit Universitätsabschluss tendieren mehr dazu der Aussage „Israel ist ein Apartheidstaat“ zuzustimmen als andere.[6] Bei dieser letzten Statistik könnte man sich fragen, welchen Einfluss die Linke heute an Universitäten hat.

Die Präsenz von Antisemitismus in der Labour Party ist weithin bekannt. Dennoch ist die größte Anzahl antiisraelischer Ansichten unter denen zu finden, die für kleinere Parteien stimmen. 37 Prozent derer, die schottische oder walisische Nationalisten wählen wollen, stimmen der Aussage „Israel ist ein Apartheidstaat“ zu. 31 Prozent der Grünen-Wähler stimmen ihr zu. Bei Liberaldemokraten beträgt der Anteil 30% und selbst bei der eher rechten UK Independence Party beträgt die Zahl 26%. All diese Anteile liegen über dem Durchschnitt.

Von denen, die die konservative Partei wählen, stimmen 18% zu, dass „Israel ein Apartheidstaat“ ist. Bei denen, die Labour wählen wollen, lautet die Zahl 27%.[7] Was die Zustimmung zum Boykott israelischer Waren und Produkte angeht, führen die Labor-Wähler das Feld mit 16% an, gefolgt von denen der Grünen mit 14%. Konservative laufen bei 6% ein. Alle anderen liegen nahe am Durchschnitt von 10%.[8]

Sieht man sich die Anteile derer an, die der „Apartheid-Aussage“ zustimmen, und bricht sie nach ethnischen Gemeinschaften herunter, stellen wir fest, dass 52% der britischen Araber zustimmen, 33% der asiatischen Pakistaner und 30% der asiatischen Bangladeschis. All diese Gruppen sind Muslime. Ihnen folgen die asiatischen Inder mit 28%. Bei weißen britischen Staatsbürgern lautet die Zahl 24%. Der niedrigste Prozentsatz der Zustimmung, 17%, findet sich bei der schwarzen Bevölkerung.[9]

Was den „Boykott israelischer Waren und Produkte“ angeht, führen Araber und andere Muslime das Feld der Zustimmung an. Die Anteile betragen 45% Araber, 43% asiatische Pakistanis und 37% asiatische Bangladeschis.[10] Selbst asiatische Inder, bei denen Muslime wahrscheinlich eine Minderheit sind, liegen mit 25% weit über dem Durchschnitt von 10%.

Die Studie differenzierte die Antworten auch nach der Religion der Befragten. Die Ergebnisse bestätigen, dass Muslime unter den Befragten am stärksten antiisraelisch sind. 34 Prozent der Muslime stimmen dem „Boykott israelischer Waren und Produkte“ zu. Die Zahlen für die nicht Religiösen lauten 14% und für Christen 8%. Was die Apartheid-Behauptung angeht, ist der Unterschied zwischen Anhängern von Religionen nicht allzu dominant.[11] Die Studie kommt auch zu dem Schluss, dass man umso wahrscheinlicher eine Übereinstimmung zwischen den beiden Behauptungen zu Israel findet, je höher das Level der antijüdischen Empfindungen ist.[12]

Die Erkenntnisse dieser Studie sind nicht nur eine Anklage vieler Millionen Briten und eines weit größeren Anteils der muslimischen Immigranten und ihrer Nachkommen, diese Befunde müssen auch zu einer Verurteilung der israelischen Regierung führen, die immer noch keine Agentur für Gegenpropaganda eingerichtet hat.[13] Israelische Botschaften sind nicht dazu ausgestattet mit diesen Problemen umzugehen. Nach den anstehenden Wahlen sollten Knesset-Mitglieder das Thema der Gegenpropaganda entschlossen aufbringen.

[1] http://www.jpr.org.uk/documents/JPR_2019._Apartheid_briefing_paper.pdf, S. 3

[2] Die Apartheid-Behauptung und Aufrufe zum Boykott

[3] http://www.jpr.org.uk/documents/JPR_2019._Apartheid_briefing_paper.pdf, S. 2

[4] ebenda, S. 2

[5] ebenda, S. 6

[6] ebenda, S. 6

[7] ebenda, S. 8

[8] ebenda, S. 8

[9] ebenda, S. 9

[10] ebenda, S. 9

[11] ebenda, S. 9

[12] ebenda, S. 10

[13] Manfred Gerstenfeld: War of a Million Cuts. The Struggle Against the Delegitimization of Israel and the Jws and the Growth of New Antisemitism. Jerusalem (RVP Press) 2015, Kapitel 21, S. 365-400.

UNICEFs unverhohlene Diskriminierung von Juden

Aussie Dave, Israellycool, 10. Februar 2019

Der United Nations International Children’s Emergency Fund (UNICEF) wurde von der UNO-Vollversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen. Aber obwohl er im infolge des Holocaust gegründet wurde und obwohl es ein nationales UNICEF-Komitee in Israel gibt (gegründet als unabhängige örtliche Nichtregierungs-Organisation, die unter anderem im Privatsektor Gelder für UNICEF sammelt), weist UNICEF recht erstaunliche Diskriminierung von Juden auf.

Geht man auf den Bereich Stellenanzeigen der UNICEF-Internetseite, dann sieht man das hier, wenn man nach Standorten filtern möchte:

Israel existiert nicht und ist durch einen Staat Palästina ersetzt worden (obwohl es kein nationtales UNICEF-Komitee in den „Palästinensergebieten“ gibt).

Aber es wird noch ärger. Das hier ist die aktuellen offene Position in „Palästina“:

Obwohl wieder der nicht existente „Staat Palästina“ angeführt wird (auch wenn sie die israelische Standardzeit nicht umgehen können), wird die Stelle als nur für Palästinenser offen konkretisiert. Juden nicht zugelassen!

Das ist unverblümte Diskriminierung von Juden. Danny Kaye würde in seinem Grab rotieren.

Wie kann das überhaupt zulässig sein?

Wenn Sie bisher für UNICEF gespendet haben, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt damit aufzuhören.