Das manipulierte Symposium der Hebräischen Universität zum Antisemiten Achille Mbembe

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Am 15. September lädt ein Professor der Hebräischen Universität Jerusalem Teilnehmer zu einem Online-Symposium über den in Kamerun geborenen Philosophen Achille Mbembe ein, der an der Universität Witwatersand in Johannesburg lehrt. Die Einladung zu dieser Veranstaltung besagt, dass sie in der Folge der jüngsten Kampagne gegen ihn in Deutschland und der Angriffe auf seine Arbeit als antisemitisch stattfindet.

Mbembe ist wegen seines Antisemitismus zurecht bloßgestellt worden. Das ist bei weitem nicht der einzige Grund, warum er eine höchst problematische und negative Persönlichkeit ist. Alan Posener, Redakteur bei der Wochenzeitung Welt am Sonntag schrieb: „Mbembes Arbeit repräsentiert einen Totalangriff auf die europäische Tradition der Aufklärung. Das gilt insbesondere für seinen Aufsatz Necropolitics.“[1] Posener fügte hinzu: „Die Aufklärung selbst ist nicht frei von antisemitischen Merkmalen, aber bei der Gegenaufklärung ist der Antisemitismus ein konstitutiver Faktor, so wie der Antizionismus für Mbembe, der gegen die Aufklärung ist.“

Posener schrieb: „Ich weiß nicht, was ich schlimmer finden soll, Mbembes Antisemitismus oder seine Verachtung für die Aufklärung, seine ungerechtfertigte Kritik an Israel oder seine ungerechtfertigte Kritik am Liberalismus.“ Posener behauptete, dass Mbembes Aufsatz die Unterschiede zwischen „Widerstand und Selbstmord, Opferrolle und Erlösung, Märtyrertum und Freiheit verwischt“. Er beschuldigt Mbembe der „Rechtfertigung von Mord durch Selbstmord“. Posener definierte Mbembe als einen „Nihilisten“.[2]

Die große öffentliche Debatte in Deutschland begann vor ein paar Monaten infolge einer Einladung Mbembes als Hauptredner bei der Eröffnungsfeier der Ruhr-Triennale am 14. August. Dieses Musik- und Kulturfestival sollte im August und September 2020 stattfinden. Lorenz Deutsch, der Kultur-Sprecher der liberalen FDP im nordrhein-westfälischen Landtag, schrieb im März in einem offenen Brief an die Direktorin des Festivals, in dem er die Ausladung Mbembes forderte.

Er bemerkte, dass Mbembe geschrieben hatte, Israels Verhalten gegenüber den Palästinensern sei „schlimmer als Südafrikas Umgang mit der schwarzen Bevölkerung unter der Apartheid“.[3] Mbembe ist zudem ein akademischer Unterstützer der BDS, obwohl er das bestreitet. Er unterschrieb 2010 eine Petition, die die Universität Witwatersrand aufforderte alle Verbindungen zur Ben Gurion-Universität zu kappen.

Der deutsche Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein sagte, die Eröffnungsrede eines solch wichtigen Festivals sollte nicht von jemandem gehalten werden, der nachweislich den Holocaust relativiert.[4] Das Festival wurde im April wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Doch damit endete die Affäre Mbembe nicht. Er veröffentlichte einen Artikel, der zwei große Lügen enthielt. Mbembe behauptete, er sei angegriffen worden, weil er schwarz ist.[5] Das war allerdings in der Diskussion über ihn überhaupt nicht aufgekommen. Die zweite falsche Behauptung lautete, die Angriffe auf ihn kämen aus der extremen Rechten. Tatsächlich kamen die meisten Angriffe aus dem deutschen Mainstream.

Allmählich kamen mehrere weitere Aspekte von Mbembes Hetze gegen Israel ans Licht. Einer war, dass er dafür gesorgt hatte, dass eine israelische Wissenschaftlerin 2018 von einem Symposium an der Universität Stellenbosch in Südafrika ausgeladen wurde. Mbembe machte seine Teilnahme davon abhängig, dass sie nicht teilnimmt.[6]

Die Einladung der Professorin der Hebräischen Universität zu dem Symposium verbirgt all das und mehr. Sie sagt, dass sie anstrebt Mbembes Beitrag zu unserem Verständnis von Palästina-Israel zu überdenken. Mit anderen Worten: Das Seminar will ergründen, wie dieser Nihilist, Demokratie-Minimierer, extrem antiisraelische Hetzer und Teilzeit-Antisemit uns helfen kann den palästinensisch-israelischen Konflikt zu verstehen. Soweit bekannt ist, hat Mbembe nichts zur Verherrlichung von Völkermord, Mord und Tod in der palästinensischen Gesellschaft veröffentlicht. Ernste Akademiker würden dies als nur weiteres wichtiges Hindernis für einen möglichen Beitrag des Seminars zum Thema betrachten.

Nicht so für die Organisatoren der Hebräischen Universität. Sie schreiben, sie „wünschen zu erkunden, wie seine Arbeit genutzt werden kann, Schlüsselereignisse und Dynamiken in Bezug auf die Naqba und ihre Nachwirkungen, die 1967 besetzten Palästinensergebiete oder zu Israels Herrschaftssystem im Allgemeinen zu analysieren. Wir hoffen, dass diese Veranstaltung die Gelegenheit eröffnen wird lokalen Wissenschaftlern unterschiedliche Aspekte seiner Arbeit vorzustellen, sei es auf Grundlage des bekannten Necropolitics (2019) oder anderer Erfindungen.“

In dieser Karikatur einer akademischen Einführung werden allerlei andere Aspekte der Interventionen Mbembes in der Einladung zu dem Symposium nicht erwähnt. Sie erwähnt seine Gleichsetzung von Holocaust und Apartheid nicht. Mbembe hat zugegeben, dass es einen quantitativen Unterschied zwischen beiden gibt. Posener reagierte damit, dass er schrieb, das sei grundfalsch: „Der Holocaust war nicht eine viel größere Form der Apartheid, und, was wichtiger ist, die Apartheid nicht eine kleinere Version des Holocausts. Vielmehr handelt es sich um einen nicht quantitativ, sondern qualitativ anderen Vorgang.“[7]

In den alten Tagen, zugegebenermaßen vor ein paar Jahrzehnten, konnte angenommen werden, dass Universitäten die Entwicklung von Wissen förderten. Auf Grundlage vorhandenen Wissens konnte man über unvoreingenommene Untersuchung weitere Erkenntnisse entwickeln. Für Teile der akademischen Gemeinschaft gilt das weiter, auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Für die Urheber des Symposiums gilt dies hingegen nicht. Stattdessen versuchen sie angeblich weiteres Wissen zu entwickeln, indem entscheidende Elemente existierender Informationen nicht erwähnt werden.

Es gibt zudem einen weiteren üblen Aspekt. Die Organisatoren des Symposiums werben für Mbembe als Person, die für den Boykott einer weiteren israelischen Universität eintrat und für die Rücknahme der Einladung einer israelischen Wissenschaftlerin zu einer Konferenz in Südafrika sorgte. Das Problem besteht aber nicht in dem, was es dem Image der Organisatoren antut, die sich mit ihrer Einladung zum Symposium selbst akademisch disqualifizierten. Das größere Problem ist, dass es eine respektierte akademische Institution beschmutzt – die Hebräische Universität.

[1] https://warwick.ac.uk/fac/arts/english/currentstudents/postgraduate/masters/modules/postcol_theory/mbembe_22necropolitics22.pdf

[2] https://starke-meinungen.de/blog/2020/07/13/mit-carl-schmitt-und-co-gegen-die-spaetmoderne-achille-mbembe/

[3] http://www.welt.de/kultur/article207338945/Achille-Mbembe-bei-Ruhrtriennale-Es-reicht-mit-dem-steuerfinanzierten-Israelhass.html

[4] zeit.de/kultur/2020-05/felix-klein-holocaust-achille-mbembe-protests-english

[5] taz.de/Mbembe-zum-Antisemitismusvorwurf/!5684094/

[6] http://www.algemeiner.com/2020/05/04/despite-passionate-defense-of-academic-freedom-scholar-at-center-of-german-antisemitism-row-campaigned-to-exclude-israeli-professors/

[7] https://starke-meinungen.de/blog/2020/06/17/ueber-textverdrehungen-und-taschenspielertricks/

Aktuelle Attacken gegen die Einzigartigkeit des Holocaust

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Erinnerung an den Holocaust ist seit vielen Jahrzehnten einem fortdauernden Angriff durch die extreme Rechte, die extreme Linke und Teile der islamischen Welt ausgesetzt. Dazu gehört auch einer seiner wichtigsten Aspekte: dass der Holocaust einzigartig war. Er ist bei vielen Gelegenheiten aus einer Vielzahl von Gründen attackiert worden. In den letzten Jahren sind neue Arten von Angriffen aufgekommen.

Der Holocaust war ein einzigartiges Ereignis. Einige Elemente sind zwar mit anderen Völkermorden vergleichbar, aber die Kombination seiner Charakteristika war es nicht. Es gibt eine Reihe Kriterien, die zusammen den Holocaust beispiellos machen: eine nie da gewesene Gesamtheit (alle Juden), Allgemeinheit (Juden überall), Vorrang (alle Bereiche des deutschen Staates waren involviert), industriellen Charakter, der zudem nicht praktisch war (statt jüdische Arbeitskraft auszubeuten, wurden sie getötet).

Vergleicht man die Schoah mit anderen Völkermorden, schrieb der führende Holocaust-Philosoph, der verstorbene Emil L. Fackenheim, so war der armenische Völkermord auf das türkische Reich beschränkt. Er richtete sich dort nicht gegen alle Armenier, zum Beispiel nicht gegen die in Jerusalem. Die geografische Beschränkung gilt auch für die Völkermorde in Kambodscha, Ruana, Bosnien und den Sudan.

Fackenheim sagte, dass im Gegensatz dazu die Nazis sich daran machten jeden Juden auf dem Angesicht der Erde auszurotten. Er stellte heraus, dass die „nordamerikanischen Indianer in Reservaten überlebt haben; jüdische Reservate waren in einem siegreichen Nazi-Imperium unvorstellbar.“ Fackenheim merkte an, dass vom Holocaust gesagt werden könne, er gehöre mit anderen Katastrophen zur Spezies Völkermord. Innerhalb dieser Kategorie ist die geplante und weitgehend ausgeführte Vernichtung im Holocaust ohne Vorbild und zumindest bisher ohne Nachfolger. Daher muss für ihn der Begriff „einzigartig“ verwendet werden.[1]

Ein anderer jüdischer Philosoph führte Fackenheims Sicht weiter aus. David Patterson schrieb zum Vergleich der Schoah mit anderen Völkermorden: „Ich würde noch weiter gehen und darauf bestehen, dass der Holocaust nicht auf einen Fall von Völkermord reduziert werden kann, genauso wenig wie man ihn auf irgendein anderes historisches oder politisches Phänomen im engeren Sinne reduzieren kann, obwohl er natürlich diese Elemente enthält. Die Nazis wollten mehr tun als ein Volk zu vernichten. Wir sagen, sie wollten ein grundlegendes Prinzip ausrotten, Jahrtausende jüdischer Lehre und Zeugnis auslöschen, den lebenden Gott Abrahams, Isaaks und Jacobs vernichten, eine Art Gott ausmerzen, wie man die Welt und die Menschheit begreift, wie sie insbesondere durch die Juden verkörpert wird.“[2]

In Deutschland wurde die Debatte des Themas der Einzigartigkeit des Holocaust gerade zum Anhängsel der Affäre Achille Mbembe. Dieser öffentliche Intellektuelle aus Kamerun war von den Organisatoren der Ruhrtriennale im August eingeladen worden den Eröffnungsvortrag zu halten. Dann wurde bekannt, dass er ein extremer antiisraelischer Hetzer und in antisemitische Taten involviert war. Es folgte eine öffentliche Debatte. Diese ging trotz der durch die Corona-Pandemie verursachten Absage des Festivals weiter.

Eine der vielen Rügen gegen Mbembe lautete, er habe den Holocaust mit der Apartheid Südafrikas gleich gesetzt. Er gab zu, dass es einen quantitativen Unterschied zwischen beiden gab. Dennoch reagierte Alan Posener, der für Die Welt schreibt, in einem Artikel damit, dass dies fundamental falsch sei: „Der Holocaust war nicht eine viel größere Form der Apartheid, und, was wichtiger ist, die Apartheid nicht eine kleinere Version des Holocausts. Vielmehr handelt es sich um einen nicht quantitativ, sondern qualitativ anderen Vorgang.“[3]

Seitdem hat Posener einen Teil der Weltsicht Mbembes als totale Attacke auf die europäische Tradition der Aufklärung entlarvt. Er fügte an: „Zwar ist die Aufklärung selbst nicht frei von antisemitischen Zügen; aber für die Gegenaufklärung ist der Antisemitismus konstituierend, wie der Antizionismus für den Anti-Aufklärer Mbembe.“[4]

Über Mbembes Antisemitismus und sein massives Reinwaschen hinaus entwickelte sich ein wichtiges sekundäres Element der Affäre, das sich auf die nationale Erinnerung bezieht. Leider wurde das Thema der nationalem Erinnerung Deutschlands hauptsächlich von Leuten aufgebracht, die Mbembes Antisemitismus übertünchten.

Die Erinnerung an den Kolonialismus war ein zentraler Teil eines offenen Briefes vom 18. Mai, der von mehr als 700 afrikanischen Wissenschaftlern und Künstler unterschrieben wurde. Er war an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Frank-Walter Steinmeier gerichtet. Der Brief begann mit einem Absatz, der zwei dicke Lügen enthielt. Die erste lautete, Mbembe habe sich nicht antisemitisch geäußert. In dem Brief hieß es: „Wir, afrikanische Intellektuelle, Denker, Schriftsteller und Künstler verurteilen vorbehaltlos die lügnerischen Antisemitismus-Anschuldigungen rechtsextremer fremdenfeindlicher und rechtskonservativer Gruppierungen in Deutschland gegen Professor Achille Mbembe.“[5]

Die zweite Lüge war, dass in dem Absatz behauptet wurde, die Vorwürfe gegen Mbembe kämen aus der extremen Rechten. Die Aufdeckung des Antisemitismus Mbembes stammte zumeist aus Mainstream-Quellen. Der Brief endete mit der Forderung, der deutsche Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein sollte gefeuert werden. Das war extrem dreist, denn dieser sagte die Wahrheit über Mbembes Antisemitismus noch bevor weitere Fakten zum Schüren von Hass durch den Mann ins Blickfeld gerieten.

Dasselbe Problem der Anerkennung der Erinnerungskultur zum Kolonialismus kam in einer chaotischen Debatte auf. Teil davon waren die Äußerungen einer prominenten Reinwäscherin Mbembes, Professorin Aleida Assmann. Sie ist eine führende deutsche Expertin zu Gedenkkultur. Anfangs vermittelte sie den Eindruck, dass sie den Holocaust relativiert.

Assmann versuchte ihre Haltung in einem Interview mit Die Welt zu klären. Sie sagte: „Für mich als Deutsche steht die Singularität des Holocaust außer Frage und ist nicht verhandelbar. Es besteht ein eklatanter Unterschied zwischen den kolonialen Genoziden und dem Holocaust. Die europäischen Kolonisatoren haben die Ureinwohner umgebracht, weil sie ihnen im Wege waren und sie sich ihr Land aneignen wollten. Die Deutschen haben die europäischen Juden systematisch verfolgt und umgebracht, weil sie von dem Wahn besessen waren, dass ihre Zukunft nur in einer Welt ohne Juden möglich sei.“ Sie fügte hinzu, dass die deutsche Fixierung auf die Einzigartigkeit des Holocaust kaum eine Erinnerung an andere Verbrechen zum Ergebnis habe, z.B. die Kolonialgeschichte oder den Vernichtungskrieg des Zweiten Weltkriegs.[6]

Die führende deutsche Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD) beteiligte sich ebenfalls an der Debatte um Mbembe. Sie forderte mehr Objektivität zu Postkolonialismus und Israelkritik sowie ernste Analyse von Mbembes Arbeit. In der Frankfurter Allgemeine Zeitung antwortete deren Journalist Patrick Bahners auf den offenen Brief der VAD mit dem Bericht, wie er den Leiter der VAD kontaktierte, den Frankfurter Professor für Ethnologie Hans Peter Hahn und ihn bat im einzelnen aufzulisten, wer seiner Meinung nach Mbembes Texte nicht genug Aufmerksamkeit schenkte.

Überraschenderweise erwähnte Hahn zwei Wissenschaftler, die sich für Mbembe aussprachen: Aleida Assmann und die Philosophin Susan Neiman, beides Expertinnen für Erinnerungskultur in globaler Perspektive. In seiner Antwort an Bahners verwies Hahn auf die Tatsache, dass Assmann am Ende einer 50-minütigen Radiosendung von Deutschlandfunk Kultur zum Fall Mbembe gefragt wurde, was sie aus seiner Arbeit mitgenommen habe. Sie sagte, es falle ihr schwer Mbembe zu verstehen; Grund sei sein abstrakter philosophischer Ton, der manchmal poetisch werde. Assmann fügte hinzu, dass sie am meisten an Mbembes Überlegungen zu Reparationen [postkoloniale Beziehungen] interessiert ist. Neiman sagte, sie wüsste nicht, was sie mitnehme.

Hahn argumentierte, dass das beiläufige Eingeständnis der beiden Experten, dass sie „keine Ahnung von Mbembes Theorien haben“, ein Ungleichgewicht im öffentlichen Radio widerspiegelt. „Deutsche Intellektuelle erlauben sich über und für afrikanische Autoren zu reden, ohne sie gelesen zu haben.“

Eine sehr starke Stimme in der Debatte zur Erinnerungskultur war die des Philosophen Ingo Elbe. Er schrieb, dass in der Debatte der Kampf gegen Israel auch stellvertretend über Angriffe auf die deutsche Erinnerungskultur und ihren angeblichen Provinzialismus ausgefochten wird.[7]

In einem anderen Artikel schrieb Elbe, dass das postkoloniale Erinnerungskonzept zu der falschen Behauptung geführt habe, die Betonung der Einzigartigkeit des Holocaust schaffe eine Blockade des Leidens und eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer. Elbe fügte hinzu, dass die Opferkonkurrenz bekämpft werden muss. Er schrieb darüber hinaus, die Behauptung, das Holocaust-Gedenken blockiere andere Erinnerungen, spiele schwarzen und muslimischen Antisemitismus herunter und übersehe besonders jüdische Erfahrungen, die einer Strategie der antirassistischen Gegenhegemonie geopfert werden.[8] Die um Mbembes geplanten Vortrag initiierte Debatte ist noch lange nicht vorbei.[9] Die damit verbundene Diskussion um Deutschlands Gedenkkultur dürfte jedoch viel länger andauern.[10]

In der internationalen akademischen Welt findet ein weiterer wichtiger Angriff auf die Einzigartigkeit des Holocaust statt. Der führende israelische Genozidforscher Israel W. Charny hat die schuldigen Wissenschaftler bloßgestellt. Er hat aufgezeigt: „In der akademischen Welt hat sich eine Alternative zu klassischen ‚schlampigen‘ Holocaust-Leugnungen entwickelt. Mehrere Forscher verbreiten heute die explizit falsche These, die Juden seien als Opfer nicht angegriffen worden, weil sie Juden waren. Stattdessen wird behauptet, sie seien eine Minderheit, die von den Nazis gemeinsam mit anderen Minderheiten verfolgt wurden.“

Charny fügte hinzu: „Diese Art fadenscheinigen intellektuellen Jonglierens führte zu absolut  falschen Äußerungen in mehreren Artikeln im ‚seriösen‘ Journal of Genocide Research (JGR). Der deutsche Fall der Holocaust-Verwässerung oder -Minimierung ist nicht nur ein deutsches Phänomen. In einem Artikel wird behauptet, die ausdrücklich antijüdische Wannsee-Konferenz sei überhaupt nicht von Judenhass motiviert gewesen, sondern stellte eine Politik gegenüber europäischen Minderheiten insgesamt dar, trotz der Tatsache, dass es diese Konferenz war, die die Pläne für die ‚Endlösung‘ festlegte.“

Charny schießt: „Die verzerrte Einstellung, dass der Holocaust nur einer von vielen Völkermorden ist, die das deutsche Nazi-Regime beging, ist eine Verniedlichung der grundlegenden Bedeutung des Holocaust, die von einer schockierenden Zahl gutgläubiger Wissenschaftler propagiert worden ist.“[11]

Es hat im vergangenen Jahrzehnt eine Explosion an Holocaust-Missbrauch gegeben. Dieser offenbart sich auf viele Weisen, einschließlich Holocaust-Umkehr (d.h. zu behaupten, dass Israel sich wie die Nazis verhält), Leugnung, Ablenkung, Reinwaschung, Entjudung, Gleichsetzung und Trivialisierung.[12] Diese Liste ist nicht vollständig, weil in den letzen Jahren mehrere zusätzliche Entstellungen aufgekommen sind. Solange es nirgendwo breit angelegte Post-Holocaust-Studienprogramme gibt, muss der Missbrauch des Holocaust in einer Kategorie nach der anderen angegangen werden.

[1] Emil L. Fackenheim: Holocaust. In: Michael Morgan (Hg.): A Holocaust Reader: Responses to the Nazi Extermination. New York (Oxford University Press) 2001, zitiert in: Patterson: Emil L. Fackenheim, S. 93.

[2] Patterson: Emil L. Fackenheim, S. 93.

[3] https://starke-meinungen.de/blog/2020/06/17/ueber-textverdrehungen-und-taschenspielertricks/

[4] https://starke-meinungen.de/blog/2020/07/13/mit-carl-schmitt-und-co-gegen-die-spaetmoderne-achille-mbembe/

[5] https://simoninou.files.wordpress.com/2020/05/brief-von-afrikanischen_intellektuellen_an-die-dt-bundeskanzlerin_-angela-merkel.pdf

[6] https://www.welt.de/kultur/plus208072327/Achille-Mbembe-und-der-Antisemitismus-Aleida-Assmann-ergreift-Partei.html

[7]  www.welt.de/debatte/kommentare/plus209117081/Mbembe-Debatte-Wenn-Linke-einen-Schlussstrich-unter-Auschwitz-fordern.html

[8] www.mena-watch.com/solidaritaet-statt-provinzialitaet-fallstricke-multidirektionaler-erinnerung/

[9] https://taz.de/Postcolonial-Studies-und-Herrschaft/!5691524/

[10] https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2020-06-25/geschichte-ist-immer-schmutzig/474847.html

[11] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/21517

[12] https://jcpa.org/text/holocaustabuse.pdf

Nichts hält ewig, außer dem Antisemitismus

Elder of Ziyon, 12. Juli 2020

Dieser Tweet ist von der üblichen arabischen und linken jüdischen Menge geteilt worden:

Eine Bahnfahrkarte dritter Klasse von Alexandria nach Haifa über Benha (vor 1948). Ich kann die Tatsache immer noch nicht fassen, dass man einmal einen Zug von meiner Heimatstadt Alexandria nach Haifa nehmen konnte. Was haben wir für eine Welt verloren.

Warum können wir heute nicht mit dem Zug von Alexandria nach Haifa fahren? Israel und Ägypten haben seit jetzt mehr als 40 Jahren einen Friedensvertrag. Wo ist das Problem?

Das Problem ist arabischer Antisemitismus. Israel würde eine solche Zugfahrt willkommen heißen und ihr freudig auch die Weiterfahrt nach Jordanien und Saudi-Arabien erlauben.

Jeder weiß das.

Aber die Kommentierenden geben irgendwie vor, Israel sei das Problem:

So wahr.
Gott segne die Zionisten, dass sie unsere Welt so viel freundlicher machen.
Wird im Lauf der Zeit zurückgewonnen werden. Nichts dauert ewig.

Niemand, nicht einmal die jüdischen Sozialisten, die das retweetet haben, ist der Ansicht, dass Israel hier nicht das Hindernis ist – es ist arabischer Hass auf Juden. Für sie ist es selbstverständlich, dass kein arabischer Staat auch nur daran denkt eine Eisenbahnlinie zum jüdischen Staat zu gestatten. Aber ihre Hirne können den nächsten Schritt einfach nicht unternehmen: zu fragen, warum das so ist.

Die Bahnlinie verlief einmal von Alexandria durch Palästina nach Aleppo in Syrien und weiter nach Bagdad im Irak. Etwas später hat Israel von einer Eisenbahn geredet, die Saudi-Arabien mit Haifa verbinden könnte, womit die alte Hedschas-Eisenbahn wieder zum Leben erweckt würde.

https://drive.google.com/uc?id=1dHzdqz2Wlb1KKjenYkelEeJL_8tt2TG7

Israel hat sicher nichts gegen eine solche Eisenbahn.

Dieser winzige Thread zeigt einmal mehr, dass nicht Israel das Friedenshindernis ist. Es ist arabischer Antisemitismus.

Vielleicht dauert, wie die letzte Person postete, nicht ewig, aber Antisemitismus scheint so dauerhaft zu sein wie die Sterne.

Unterstützung von Mord und Völkermord

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; eine englische Version wurde beim BESA Center veröffentlicht)

In zivilisierten Gesellschaften gibt es einen breiten Konsens, dass alle Leben wichtig sind. Daraus sollte folgen, dass auch all diejenigen, die Leben nehmen wollen, wichtig genommen und Maßnahmen gegen sie ergriffen werden sollten. Zivilisierte Gesellschaften sollten nicht zu denen schweigen, die die Absicht haben zu morden, geschweige denn Völkermord zu begehen. Eine kurze Analyse zeigt, dass dies bei vielen westlichen Politikern und anderen wichtigen Personen der Gesellschaft nicht der Fall ist.

In der nicht westlichen Welt gibt es viele Menschen, die keine Hemmungen haben offen oder indirekt zu sagen, dass sie dafür sind Morde zu begehen und das tun würden, wenn sie die Gelegenheit haben. Am besten ist das zu erkennen, wo die potenziellen Opfer Juden sind. Ein Land, dessen Führer regelmäßig ihren Wunsch zu morden geäußert haben, ist der Iran. Sein Oberster Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei hat eine besondere verbale Formel für die Vernichtung Israels gefunden. Das ist etwas, das nicht ohne Massenmord erzielt werden kann.

Anfang des Jahres kommentierte er ein auf seiner Internetseite veröffentlichtes Poster, das im Aufruf zur Vernichtung Israels das Wort „Endlösung“ verwendete. Khamenei sagte: „Das zionistische Regime zu eliminieren bedeutet nicht Juden zu eliminieren. Wir sind nicht gegen Juden. Es bedeutet das aufgezwungene Regime zu beseitigen und Muslime, Christen und jüdische Palästinenser wählen ihre eigene Regierung und vertreiben Gangster wie [Premierminister Benjamin] Netanyahu.“[1]

Im Verlauf der Jahre hat Khamenei von Israel als Krebsgeschwür gesprochen. 2018 twitterte er zum Beispiel: „Israel ist ein bösartiges Krebsgeschwür in der Region Westasien, das entfernt und ausgemerzt werden muss: Das ist möglich und es wird geschehen.“[2] Auch andere führende Persönlichkeiten des Iran haben sich für die Vernichtung Israels ausgesprochen, wobei einige ausdrücklich die Zerstörung von Städten erwähnten.[3] Trotzdem wird dem Iran erlaubt ungehindert Mitglied der Vereinten Nationen zu bleiben.

Die palästinensische Terrororganisation Hamas – von den Palästinensern 2006 als stärkste Partei gewählt – diskutiert ebenfalls offen und regelmäßig ihren Wunsch Völkermord an den Juden zu begehen. Dieses Streben wird in ihrer ursprünglichen Charta deutlich erklärt; darin heißt es: „Die Hamas freut sich darauf Allahs Versprechen umzusetzen, egal wie lange es dauern mag. Der Prophet, Gebet und Frieden sei mit ihm, sagte: ‚Der Tag des jüngsten Gerichts wird nicht kommen, bis die Muslime die Juden bekämpfen (und sie töten); bis die Juden sich hinter Steinen und Bäumen verstecken, die rufen werden: O Muslim! Da versteckt sich ein Jude hinter mir, komm und töte ihn!‘“[4]

Ranghohe Vertreter der Hamas rufen gelegentlich öffentlich zum Mord an Juden auf. 2019 drängte Fathi Hammad vom Hamas-Politbüro die Mitglieder der palästinensischen Diaspora auf, überall in der Welt Juden zu töten. Hammad sagte: „Überall habt ihr Juden und wir müssen jeden Juden auf dem Globus angreifen, indem wir sie schlachten und töten, wenn Gott es zulässt.“[5]

Die palästinensische Autonomiebehörde (PA) bietet Terroristen und ihren Familien großzügige Bezahlungen. Damit schafft sie einen riesigen Anreiz für Palästinenser Juden in Israel zu töten. Diese Renten sind auch nicht auf die Mörder beschränkt. Wenn Palästinenser beim Versuch Juden zu ermorden getötet werden, fließt die finanzielle Unterstützung an ihre Familienmitglieder.[6] Dieses System ist öffentlich und wird oft als „Geld für Mord“ bezeichnet.[7] 2019 gab die PA Terror-Häftlingen 570 Millionen Schekel (€146 Millionen) an Belohnungen.[8] Bis zum August 2019 erhielten die palästinensischen Terroristen, die 2001 beim Bombenanschlag auf das Restaurant Sbarro in Jerusalem 15 israelische Zivilisten töteten – etwa die Hälfte davon Kinder – und viele weitere verletzten fast €800.000 von der PA.[9]

Der Führer der libanesischen Terrororganisation Hisbollah, Hassan Nasrallah, sagte im Mai 2020 über die Gründung Israels: „Die Gründung dieses Virus eines Gebildes, dieses Krebsgeschwür in unserer umma.“ Er fügte hinzu: „Israel hat überhaupt keine Legitimität zu existieren und muss vernichtet werden.“[10]

Darüber hinaus rufen Kleriker und andere einflussreiche Personen innerhalb der muslimischen Welt zur Vernichtung Israels auf. Das sind nicht immer Prediger, die in einer isolierten Moschee sprechen. Zum Beispiel betete 2012 der Kleriker Futouh Abd Al-Nabi Mansour bei einem landesweit ausgestrahlten Gottesdienst in der el-Tenaim-Moschee in Kairo. Dabei war der damalige ägyptische Präsident Morsi anwesend. Der Kleriker sagte: „O Allah, vernichte die Juden und ihre Helfer; O Allah, zerstreue sie und reiße sie in Stücke; O Allah, demonstriere deine Macht und Größe an ihnen.“ Morsi war zu sehen, wie er „Amen“ dazu sagte.[11]

Es gibt auch anderswo innerhalb der muslimischen Welt prominente Unterstützung für Mörder. Am 18. November 2014 ermordeten zwei muslimische Terroristen aus Ostjerusalem sechs Menschen in einer Jerusalemer Synagoge, darunter einen heldenhaften drusischen Polizisten. Die Terroristen wurden getötet.[12] Am nächsten Tag hielten jordanische Parlamentarier eine Schweigeminute für die Mörder. Sie lasen laut Koranverse „um die reinen Seelen [der Terroristen] und die Seelen all der Märtyrer der arabischen und muslimischen Nationen zu verherrlichen.“ Der jordanische Premier Abdullah Ensour schickte den Familien der Terroristen ein Kondolenzschreiben, in dem stand: „Ich bitte Gott sie in Gnade einzuhüllen und euch Ruhe, Trost und Erholung von eurer Trauer zu gewähren…“[13][14]

Es gibt auch Neonazis und andere Rechtsextreme, die öffentlich „Tod den Juden“ rufen. Ihre Möglichkeit ihre mörderischen Wünsche in die Tat umzusetzen, so fruchtbar sie auch sind, können meist nur lokal umgesetzt werden. Dennoch sind sie gefährlich, wie bei den Morden in zwei US-Synagogen zu sehen war. In einem weiteren Fall stand am Yom Kippur im Oktober 2019 nur eine solide Tür zwischen den Juden in der Synagoge in Halle und dem Mann, der gekommen war, um sie zu ermorden. Doch dies mörderischen Einzelpersonen spielen nicht in derselben kriminellen Gefahren-Liga wie muslimische Länder und wichtige Terrororganisationen, die Mord unterstützen.

Darüber hinaus gibt es diejenigen, die die Förderer von Mord finanzieren. Der Iran und Qatar stellen der Hamas und der Bevölkerung des Gazastreifens Geld zur Verfügung. Letzteres ermöglicht es der Hamas Geld für eigene Operationen zu verwenden, die sei andernfalls der Bevölkerung zur Verfügung stellen müsste.[15]

Mehrere westliche und andere Spenderländer zahlen der PA Geld. Sie finanzieren ein Gebilde, das Mord fördert. Diese Heuchler des Auslands behaupten ihr Geld werde nicht dafür verwendet die Renten von Terroristen oder ihren Familien zu zahlen. Die Verfügbarkeit dieser Gelder bedeutet jedoch, dass die PA ihre eigenen Gelder zur Bezahlung der Renten der Terroristen nutzt.

In der westlichen Welt gibt es eine Vielzahl an Einstellungen offiziell oder de facto zu überlegen, dass diese Werbung für Mord oder Völkermord keine Rolle spielt. Eine Kategorie besteht aus denen, die für die Interessen der Mörder eintreten. Einer davon ist der ehemalige Vorsitzende der Labour Party Jeremy Corbyn. Er hieß Repräsentanten der Hamas und der Hisbollah im Unterhaus willkommen. Corbyn bezeichnete sie als seine „Freunde“ und „Brüder“.[16]

Zu weiteren gehören der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter und Mary Robinson, ehemalige Präsidentin von Irland und UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte. 2014 unterschrieben sie ein Op-Ed im The Guardian, in dem vorgeschlagen wurde, dass Europa und die USA die Hamas als politische Bewegung anerkennt. Sie unterließen es zu erwähnen, dass die Hamas eine Organisation mit Völkermord-Aspirationen ist. Das war ein Vorzeigeprojekt ranghoher Menschenrechts-Aktivisten, die für die Interessen von Möchtegern-Massenmördern werben.[17] Der englische Rockmusiker Roger Waters sagte im Hamas-Fernsehen, der Zionismus sei „ein übler Fleck“, der „behutsam entfernt werden muss“.[18]

Das Adviesraad Internationale Vraagstukken (AIV oder Beraterkollegium für Außenangelegenheiten), das die niederländische Regierung berät, gehört in dieselbe Kategorie. Es veröffentlichte 2013 einen Bericht, der Kontakte zwischen der EU, den Niederlanden und der Hamas empfahl.[19] Das Simon Wiesenthal Center (SWC) schrieb an den niederländischen Premier Mark Rütte, er möge das AIV aufgrund dieser Empfehlung auflösen, die offensichtlich auf Kosten Israels gehen würde.[20][21] Die Empfehlungen des AIV wurden nicht angenommen, aber die Organisation auch nicht aufgelöst.

Dan gibt es diejenigen, die der Meinung sind, man müsse mit der Politik der Mörder leben. Einer davon ist Josep Borrell, der Hohe Repräsentant der EU für Außenangelegenheiten und Sicherheitspolitik. Er sagte in einem Interview: „Der Iran will Israel auslöschen; das ist nichts Neues. Damit muss man leben.“[22]

Eine weitere Kategorie – und eine wichtige – besteht aus denjenigen, die Israel großzügig kritisieren, aber nie die Kriminalität der großen palästinensischen Gremien erwähnen. Sie geben natürlich nie zu, dass diese Organe offen für Mord und Völkermord werben. Wenn sie die Palästinenser überhaupt kritisieren, dann tun sie dies oberflächlich und konzentrieren sich auf andere Dinge.

Ein wichtiges Beispiel einer Person, die das tut, ist US-Senator Bernie Sanders, ein führender Kandidat in den Vorwahlen der US-Demokraten; er ist Jude. Als er in seinem Wahlkampf über die Palästinenser sprach, verwies er auf ihre Würde.[23] Die israelische Regierung bezeichnete er hingegen als „rassistisch“.[24]

Würde man die Parlamente europäischer Länder untersuchen, könnte man die Parlamentarier zählen, die bei vor möglichem palästinensischen Völkermord und Mord wegsehen, während sie an Israel Kritik üben. In den Niederlanden gilt das für mindestens ein Drittel der 150 Parlamentarier. In den Regierungen von Schweden und Norwegen liegt der Anteil vermutlich höher.

Es gibt auch Menschen, die den Möchtegern-Völkermördern unabsichtlich helfen. 2015 initiierte der damalige US-Präsident Barack Obama die extrem fehlerhafte Vereinbarung Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) mit dem Iran, der es den Iranern ermöglichte ihr Streben nach extremen Waffen ungestraft weiterzuführen und ihre subversiven und terroristischen Aktivitäten im Nahen Osten zu intensivieren.[25]

Im Kontext dieser Analyse sollten man sich auch das ansehen, was oft „Holocaust-Umkehrung“ genannt wird. Diese wird von Leuten gezeigt, die behaupten Israel habe vor die Palästinenser auszulöschen und/oder Israel sei wie die Nazis. 2020 gab die Ungarische Aktions- und Schutzliga einen Bericht von Ungarns Inspira Ltd. In Auftrag, für das in 16 europäischen Ländern Befragungen von Mitgliedern der Erwachsenen-Bevölkerung im Alter von 18 bis 75 Jahren durchgeführt wurden. Vierundzwanzig Prozent sagten, sie glauben, die Israelis verhielten sich gegenüber den Palästinensern wie Nazis.[26]

Die wichtigste repräsentative Studie vor Inspira wurde 2011 von der Universität Bielefeld im Auftrag der sozialdemokratischen Friedrich-Ebert-Stiftung in sieben europäischen Ländern durchgeführt. Veröffentlicht wurde sie 2011.[27] Für sie wurden im Jahr 2008 tausend Personen pro Land im Alter über 16 Jahren befragt. Eine Frage lautete, ob man der Aussage zustimmt, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt. Den niedrigsten Anteil derer, die zustimmten, gab es in Italien und den Niederlanden mit 38% bzw. 39%. Andere Zahlen lauteten: Ungarn 41%, Großbritannien 42%, Deutschland 48% und Portugal 49%. In Polen lag die die Zahl bei 63%.[28]

Das oben aufgezeigte ist nicht nur eine Anklage eines Teils der europäischen Führungspolitiker. Es zeigt auch den tiefgehenden moralischen Verfall beträchtlicher Segmente der Bevölkerung dieses Kontinents.

[1] www.timesofisrael.com/khamenei-explains-final-solution-poster-i-favor-destroying-israel-not-jews/

[2] www.timesofisrael.com/khamenei-israel-a-cancerous-tumor-that-must-be-eradicated/

[3] www.timesofisrael.com/top-iranian-general-we-can-destroy-israel-in-three-days/; www.i24news.tv/en/news/international/middle-east/1588584294-top-iran-official-threatens-to-destroy-israeli-cities-amid-simmering-row-with-us

[4] Raphael Israeli: Fundamentalist Islam and Israel. Lanham, MD (JCPA, University Press of America) 1994, S. 132-159.

[5] www.timesofisrael.com/senior-hamas-official-calls-on-members-of-palestinian-diaspora-to-kill-jews/

[6] www.jewishvirtuallibrary.org/palestinian-authority-financing-of-terrorism

[7] www.commentarymagazine.com/articles/feithgerber/the-department-of-pay-for-slay/

[8] www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/275660

[9] www.jpost.com/Arab-Israeli-Conflict/18-years-after-Sbarro-suicide-attack-PA-has-paid-910823-to-the-culprits-598106

[10] www.jpost.com/middle-east/hezbollah-leader-hassan-nasrallah-israel-must-be-destroyed-628984

[11] http://www.timesofisrael.com/in-morsis-presence-egyptian-preacher-urges-allah-destroy-the-jews/

[12] https://mfa.gov.il/MFA/ForeignPolicy/Terrorism/Palestinian/Pages/Terror-attack-in-Jerusalem-synagogue-18-Nov-2014.aspx

[13] www.timesofisrael.com/jordanian-mps-hold-moment-of-silence-for-two-palestinian-terrorists/

[14] www.jpost.com/middle-east/jordanian-parliament-observes-moment-of-silence-for-terrorists-of-synagogue-attack-382433

[15] www.theguardian.com/world/2019/may/07/qatar-send-480m-help-palestinians-west-bank-gaza-israel-ceasefire

[16] http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/aug/13/jeremy-corbyn-labour-leadership-foreign-policy-antisemitism

[17] www.theguardian.com/commentisfree/2014/aug/05/gaza-blockade-must-end-un-first-step-settlement

[18] www.adl.org/blog/roger-waters-extends-his-legacy-of-antisemitic-rhetoric

[19] http://www.adviesraadinternationalevraagstukken.nl/documenten/publicaties/2013/03/21/tussen-woord-en-daad

[20] www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/172514

[21] www.wiesenthal.com/about/news/simon-wiesenthal-center-urges-6.html

[22] http://www.politico.eu/newsletter/brussels-playbook/politico-brussels-playbook-hungarys-change-of-heart-us-eu-relationship-burns-fighting-words/

[23] http://www.jpost.com/American-Politics/Bernie-Sanders-Im-pro-Israel-but-we-must-treat-Palestinians-with-dignity-608540

[24] www.timesofisrael.com/sanders-you-can-support-israelis-without-backing-their-racist-government/

[25] www.jewishvirtuallibrary.org/iran-nuclear-history-implementation-of-the-jcpoa

[26] Action and Protection League: Number of anti-semitic incidents hate crime Incidents per Year. Von Inspira erstellter Bericht.

[27] http://library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[28] ebenda, S. 57

Juden und die Krawalle vom Mai/Juni in Los Angeles

Manfred Gerstenfeld interviewt Rabbi Abraham Cooper (direkt vom Autor)

Die meiste Gewalt und Plünderungen während der Demonstrationen gegen Rassismus in Los Angeles Ende Mai und Anfang Juni 2020 fanden am zweiten Tag von Schawuot statt, dem 31. Mai, der zudem ein Sabbat war. Es gab einen fast friedlichen Protest im Pan Pacific Park im Bezirk Fairfax, ausgelöst durch den Mord an George Floyd. Das ist in der Nähe eines von vielen Juden bewohnten Gebiets.

Nach dem Protest verließen einige den Park und griffen Geschäfte und Gebäude auf der Melrose Avenue, dem Beverly Boulevard und der La Brea Avenue an. Manche Randalierer erreichten Stellen auf dem La Cienega Boulevard, wo sie zumeist Einkaufszeilen angriffen.

Rabbi Abraham Cooper
Rabbi Abraham Cooper

Rabbi Abraham Cooper, geboren 1950 in New York, ist Associate Dean beim Simon Wiesenthal Center in Los Angeles. Etwa vierzig Jahre lang hat er den Bereich Internationale soziale Aktionen des SWC geleitet, der sich mit allem vom weltweiten Antisemitismus, über Nazi-Kriegsverbrechen und Entschädigungen, Extremistengruppen bis zu Toleranzerziehung beschäftigt.

Am nächsten Tag gab es Ausschreitungen in Santa Monica, das direkt an Los Angeles grenzt. In dieser Gegend wurden hunderte Geschäfte geplündert und niedergebrannt. Die Polizei wurde ein paar Blocks entfernt zusammengezogen und beobachtete einen zumeist friedlichen Protest. Mit der Kamera wurden Szenen von Vorfällen eingefangen, in denen die Polizei nicht eingriff. Schließlich wurden während der folgenden Woche Ausgangssperren verhängt und hunderte Menschen verhaftet. Dennoch sind die meisten Plünderer nicht gefasst worden. Die Auswirkungen einer offenbar hilflosen Polizei, die sich in Los Angeles und an anderen Orten in den USA zurückhält, werden noch lange zu spüren sein.

Das Los Angeles Police Department (LAPD) war Tage lang überfordert und ineffektiv. In erster Linie deshalb, weil der Bürgermeister es ablehnte sich auf die Gewalt zu konzentrieren. Er entschied sich stattdessen sich ausschließlich auf die friedlichen Protestierenden und die Themen soziale Gerechtigkeit und Gleichheit zu konzentrieren, während er Black Lives Matter begrüßte. Trotz der Krawalle und anhaltenden Proteste befürwortete der Bürgermeister eine Kürzung des Polizei-Budgets um $150 Millionen und drückte diese durch. Eine ähnliche Summe wurde dem Büro des Sheriffs von Los Angeles entzogen. Die politische Elite von Los Angeles war im Grunde den gesamten Polizeidienst den Wölfen zum Fraß vor. Einzig der Stadtrat Paul Kortz, der Jude ist, erwähnte Bedenken wegen der Hass-Graffiti, mit der eine Synagoge markiert wurde.

Viele der geplünderten und zerstörten Geschäfte gehörten Angehörigen von Minderheiten. Fast 200 Apotheken waren Ziel, vermutlich von organisierten Banden, die nach Narkotika suchten. Im Bezirk La Brea/Hancock gehörte eine große Zahl der betroffenen Geschäfte Juden. Darunter befanden sich eine koschere Bäckerei und eine Apotheke, die ihren Verkauf koscherer Produkte markant bewarb. Mehrere jüdische Einwohner der Gegend sagten, dass einige offensichtlich jüdische Einrichtungen angegriffen wurden, während andere Geschäfte in dem Bereich unversehrt blieben.

Eine Reihe Synagogen und jüdische Institutionen wurden mit Graffiti „getaggt“. Diese waren nicht unbedingt antisemitisch. Eine Synagoge, von der viele Mitglieder Holocaust-Überlebende waren, wurde mit antiisraelischen und propalästinensischen tags besprüht. Dem LAPD war das nicht bekannt, bis ein paar Tage später ein Foto geliefert wurde. Die große konservative Synagoge Beth Am in La Cienega entging auf wundersame Weise Schäden, obwohl beidseitig Einkaufzentren am Strip ausgeplündert wurden.

Ich glaube nicht, dass man die Krawalle als Pogrom an der jüdischen Gemeinde bezeichnen kann. Trotzdem wurden, als die Krawalle begannen und das Ausmaß sowie die Richtung noch unklar waren, als Vorsichtsmaßnahme die Sifrei Torah [Thora-Rollen] aus den Synagogen entfernt.

Wir haben unter dem furchtbaren Handicap des fortgesetzten Lockdowns wegen der Coronavirus-Pandemie gearbeitet. Es ist schwierig gewesen ein absolut genaues Bild zu bekommen, ob Juden spezifische Ziele der ersten Unruhen waren. Viele Protestierende hatten an diesem Sabbat ihre Autos in orthodoxen Vierteln geparkt und gingen zu Fuß zur Demonstration. Ihre Interaktionen mit jüdischen Nachbarn waren an diesem Tag ereignislos, sogar freundlich. Was an diesem Abend während des Krawalls geschah, wer ihn organisierte und in welchem Ausmaß organisierte Banden daran beteiligt waren, sind Fragen, die immer noch nicht kmplett beantwortet worden sind.

Das Simon Wiesenthal Center und sein Toleranzmuseum wurden nicht angegriffen oder auf andere Weise attackiert. Unsere Einrichtungen – einschließlich des Museums – sind jetzt seit mehr als drei Monaten geschlossen. Es hat antisemitische Schmähungen und Drohungen in sozialem Medien gegeben. Eine davon sah wie eine Drohung der Antifa gegen jüdische Viertel aus. Sie wurde allerdings zu Neonazis in Europa zurückverfolgt.

Die Proteste am 1. Juli gegen die mutmaßliche Annexion von Teilen des Westjordanlandes durch Israel, die in den sozialen Medien angekündigt und stark beworben wurden, verstärkten das Gefühl von Angst und Unsicherheit. Propalästinensische Demonstranten vor dem israelischen Konsulat trafen auf Flaggen schwenkende proisraelische Gegendemonstranten. Beide Seiten waren laut, aber es gab keine Gewalt und keine Verhaftungen. In San Diego posteten Palästinenser ein Flugblatt, auf dem alle großen jüdischen – nicht israelischen – Einrichtungen samt ihren Adressen und einer zugesagten, von Antiisrael-Aktivisten angeführten Auto-Karawane auflistet waren.

Der Lockdown hat es der jüdischen Gemeinschaft schwer gemacht sich angemessen zu organisieren, um sicherzustellen, dass unsere Sorgen gehört werden. Es gibt keine Einmütigkeit. Die örtliche jüdische Föderation konzentriert sich darauf denen zu helfen, die von den Krawallen oder dem Covid-19-Virus betroffen sind. Sie haben in der Öffentlichkeit keine solide Pro-Polizei-Haltung.

Mehr als einen Monat lang hat Los Angeles‘ Bürgermeister Eric Garcetti kein Interesse gezeigt sich mit Repräsentanten der jüdischen Gemeinde zu treffen. Er stimmte schließlich zu im Juli ein solches Treffen mit jüdischen Leitern anzusetzen. Die meisten Mitglieder des Stadtrats haben den Lockdown genutzt, um jede ernsthafte Diskussion des drakonischen Budgets zu vermeiden, das sie beschließen. Vertreter der jüdischen Gemeinde haben sich mit dem Polizeichef des LAPD und Befehlshabern aus den Bereichen getroffen, in denen die meisten unserer Gemeinschaft wohnen. Die Polizei hat das Gefühl im Stich gelassen zu werden. Unsere Bemühungen haben sich darauf konzentriert unsere Gemeinden während der anstehenden hohen Feiertage abzusichern.

Es gibt eine Reihe jüdischer Selbstverteidigungsgruppen. Einige sind legal bewaffnet. Es gibt auch eine jüdische Dachorganisation, die versucht jüdische Leiter über die Entwicklungen informiert zu halten, außerdem Hatzalah, die Gemeindemitgliedern hilft, die Krisenreaktionen oder medizinische Notversorgung benötigen.

Viele Juden zögern Black Lives Matter zu kritisieren, da sie zustimmen, dass das Wichtigste ist sich für „soziale Gerechtigkeit und Gleichheit“ einzusetzen. Sehr wenige äußern öffentlich Sorge um die „öffentliche Sicherheit“.

Eine neue Meinungsumfrage deutet an, dass nur 17% der Protestierenden Afroamerikaner sind. Menschen, die in Bereichen mit hoher Kriminalitätsrate leben, wollen nicht, dass der Polizei Gelder entzogen werden. Aktivisten, die eine andere Vision für Amerika haben, nutzten den Mord an Floyd George für ihre eigene Agenda. Influencer der sozialen Medien und aus Hollywood hängten sich eilig an und Corporate America zog nach.

Der Pandemie-Lockdown in Los Angeles und ein Großteil des Landes hat es sehr schwierig gemacht, effektive Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Liberale und Progressive machen sich das BLM-Narrativ zu eigen. Pastoren von Minderheitskirchen mögen gegen die Finanzkürzungen sein, müssen aber vorsichtig vorgehen, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, sich auf die Seite der „Weißen“ zu stellen.

Die Situation hier und in den gesamten USA wird durch die anstehenden nationalen Wahlen weiter verkompliziert. Im Moment herrscht bei den Medien eine Dämonisierungspolitik vor, die nicht einmal mehr vorgibt objektiv zu sein. Abgesehen von Fox News wollen die meisten führenden Medien, dass Trump verliert, die Berichterstattung zu wichtigen Themen ist verzerrt.

Deutschland: Herausstehende Fälle von Antisemitismus im vergangenen Jahrzehnt

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Es ist schwer den Überblick über die wichtigen antisemitischen Vorfälle in den europäischen Ländern zu behalten, in denen der Hass massiv ist. Zu Deutschland habe ich zum Beispiel mehr als 200.000 Worte an Notizen gesammelt, die weniger als zwei Jahre abdecken.

Ein rascher Weg etwas Perspektive zu Deutschlands antisemitischen Vorfällen des vergangenen Jahrzehnts zu bekommen, besteht darin die jährlichen Berichte des Simon Wiesenthal Center (SWC) zu den weltweit zehn schlimmsten antisemitischen Vorfällen durchzusehen. Diese Berichte werden seit 2010 veröffentlicht.

Diese Berichte des SWC helfen uns einige der auffälligsten Bekundungen von Antisemitismus in Deutschland während des letzten Jahrzehnts zu bestimmen. Der Mitte-links eingeordnete SPIEGEL ist Europas am weitesten verbreitete Wochenzeitschrift. In einer Online-Ausgabe von 2012 schrieb der SPIEGEL-Kolumnist Jakob Augstein: „Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.“ Das war eine dicke Lüge, da der damalige US-Präsident Barack Obama eine Politik verfolgte, die oft weit entfernt von oder sogar dem entgegengesetzt war, war Israel wollte.

Augstein fügte eine weitere Lüge an: „‚Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.‘ Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er stimmt. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.“ Der verstorbene Grass, in seiner Jugend Nazi, war ein extrem antisemitischer Verleumder Israels. Blickt man darauf zurück, wo seitdem Kriege stattgefunden haben, ist es leicht zu erkennen, dass Augstein ebenfalls ein großer Verleumder Israels ist.

Er fuhr fort: „Israel wird von den islamischen Fundamentalisten in seiner Nachbarschaft bedroht. Aber die Juden haben ihre eigenen Fundamentalisten. Sie heißen nur anders: Ultraorthodoxe oder Haredim. Das ist keine kleine, zu vernachlässigende Splittergruppe. Sie stellen 10% der israelischen Bevölkerung. Diese Leute sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner. Sie folgen dem Gesetz der Rache.“ Jeder, der auch nur ansatzweise mit der Realität vertraut ist, weiß jedoch, dass es einen enormen Unterschied gibt zwischen den Völkermord propagierenden muslimischen Fundamentalisten von Hamas und Hisbollah und Israels Haredim, die Mord verabscheuen, der von den Zehn Geboten verboten ist.

Noch ein Augstein-Zitat: „Gaza ist ein Ort aus der Endzeit des Menschlichen. 1,7 Millionen Menschen hausen da, zusammengepfercht auf 360 Quadratkilometern. Gaza ist ein Gefängnis. Ein Lager. Israel brütet sich dort seine eigenen Gegner aus.“[1] Die Wahrheit lautet, dass es die Hamas ist, die Völkermord an Israelis propagiert. Israelische Reaktionen erfolgen zu seiner Verteidigung. Der SPIEGEL ist ebenfalls verantwortlich, weil der diese Lügen und Diffamierungen Israels weithin verbreitet.

Der deutsch-jüdische Autor Henryk Broder, der im deutschen Parlament als Experte für Antisemitismus im Land aussagte, bezeichnete Augstein als „kleinen Streicher“. Er fügte hinzu: „Jakob Augstein ist kein Salon-Antisemit, er ist ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder, ein Überzeugungstäter, der nur dank der Gnade der späten Geburt um die Gelegenheit gekommen ist, im Reichssicherheitshauptamt Karriere zu machen. Das Zeug dazu hätte er.“[2]

Am 10. November 2014 lud die Partei Die Linke die berüchtigten Israel-Basher Max Blumenthal (auf der Top 10-Liste des SWC für 2013 geführt) und David Sheen ein, um bei einem „Fachgespräch“ im Fraktionssitzungssaal der Partei im Bundestag zu sprechen – am Tag nach dem Gedenktag zur Reichskristallnacht, dem Pogrom von 1938, als die Nazis in ganz Deutschland jüdische Synagogen niederbrannten. Blumenthal bezeichnet den Zionismus oft als Rassismus und verbindet angebliche israelische Verbrechen mit Nazi-Bildsprache.

Das war dem damaligen Fraktionsvorsitzenden der Partei Gregor Gysi dann doch zu viel und er sagte die Nutzung des Fraktionssitzungssaals ab. Der Vorfall wurde als „Toiletten-Affäre“ bekannt, weil Gysi gezwungen war sich in einer Toilette zu verbarrikadieren, um dem Zorn von Blumenthal und Sheen zu entgehen. Dieser Vorfall hob die fortbestehenden Bemühungen einer Gruppe extrem antiisraelischer Abgeordneter Israel zu dämonisieren hervor, die von Inge Höger und Annette Groth angeführt wird. Diese beiden Parlamentarierinnen waren an Bord der umstrittenen Gaza-Flottille mit der Mavi Marmara und wurden bei ihrer Rückkehr nach Berlin von vielen der Abgeordneten ihrer Partei bejubelt.

Das SWC schrieb, dass Groth, Häger und die Vertreter der Linkspartei Claudia Haydt und die MdB Heike Hänsel – als Organisatoren und Teilnehmer – eine entscheidende Rolle dabei spielten während der „Toiletten-Affäre“ Israelhass zu schüren. Beim Vortrag von Blumenthal und Sheen waren sie alle anwesend. Sie sind Teil einer beträchtlichen Gruppe von Hardcore-Israelfeinden in der Fraktion der Linkspartei im Bundestag. In Reaktion auf den „Toiletten-Affäre“-Skandal erklärten MdBs, die eine Petition des Reform-Flügels der Linkspartei unterschrieben: „Wiederholt müssen wir konstatieren, dass sich – allen wiederholten Bekenntnissen zu einer differenzierten Sicht auf den Nahostkonflikt zum Trotz – Mitglieder unserer Partei in verantwortlichen Positionen durch Schürung obsessiven Hasses auf und der Dämonisierung von Israel antisemitische Argumentationsmuster und eine Relativierung des Holocausts und der deutschen Verantwortung für die millionenfache Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden befördern.“[3]

Aus dem SWC-Bericht von 2016: Führer der lokalen Lehrergewerkschaft GEW in Oldenburg riefen zu einem totalen Boykott Israels auf. Im September veröffentlichte die GEW Oldenburg einen pro-BDS-Artikel von Christoph Glanz, einem Lehrer an einer öffentlichen Schule und fanatischer Gegner des jüdischen Staats. Glanz, der versucht hatte sich als Jude auszugeben, um Antisemitismusvorwürfe zu umgehen, forderte die Ausmerzung des Staates Israel und die Umsiedlung seiner Juden nach Südwestdeutschland.

Das extremste antisemitische Ereignis des Jahres 2019 war der fehlgeschlagene Anschlag auf die Synagoge in Halle. Dutzende in dieser Synagoge am Yom Kippur – dem heiligsten Tag des Judentums – betende Juden entkamen wie durch ein Wunder der sicheren Verletzung oder gar dem Tod durch die  Hand eines Neonazi, weil der Angreifer es nicht schaffte eine Sicherheitstür an der Synagoge in Halle aufzubrechen. Nachdem er mit dem Eindringen in die Synagoge scheiterte, tötete der mit einer Maschinenpistole und Sprengstoff bewaffnete Stephan Balliet (27) zwei in der Nähe befindliche Zivilisten und verletzte zwei weitere. Balliet gab zu, dass er von seinem Judenhass motiviert war. In seinem Bekennerschreiben erklärte er: „Töte so viele Anti-Weiße wie möglich, vorzugsweise Juden.“[4]

Aus dem Bericht von 2019: Deutschland befindet sich mitten in einer 18-monatigen Arbeitsperiode im UNO-Sicherheitsrat. Sein UNO-Botschafter Christoph Heusgen schaffte es 2019 auf die Liste der Top 10. Er sorgte für Aufruhr, nachdem bekannt wurde, wie oft er gegen Israel abstimmte, aber vor allem durch seine Gleichsetzung von 130 innerhalb einer Woche auf durch die Terrororganisation Hamas auf israelische Zivilisten geschossene Raketen mit dem Abriss der Häuser von Terroristen.

Heusgen erklärte: „Wir glauben, dass das internationale Recht der beste Weg ist Zivilisten zu schützen und ihnen zu ermöglichen, in Frieden und Sicherheit und ohne Angst vor israelischen Bulldozern oder Hamas-Raketen zu leben.“[5] BILD, Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung, beschuldigte Heusgen in einem Editorial „reiner Boshaftigkeit“ gegen den jüdischen Staat. Heusgen stimmte 2018 in der UNO 16-mal gegen Israel und enthielt sich einmal der Stimme. 2019 stimmte er für neun antiisraelische Resolutionen, darunter eine, die Jerusalems heiligste Stätten als „besetztes palästinensisches Gebiet“ bezeichnete, während er sich dreimal enthielt und nur einmal gegen eine antiisraelische Resolution stimmte.

Das ist weit weniger als ein Prozent meiner Notizen zu Antisemitismus in Deutschland. Dennoch zeigt es prägnant, dass das Land weit davon entfernt ist bei der Ausrottung des Antisemitismus Erfolg zu haben. Die Veröffentlichung von Augsteins Artikel durch den SPIEGEL, die für Boykott werbende Lehrergewerkschaft und Heusgens Gleichsetzung Israels mit der Hamas spiegelt, wie dieser Hass den deutschen Mainstream durchdrungen hat und lebt.

[1] Die Augstein-Zitate finden sich u.a. hier: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Jakob_Augstein

[2] https://www.achgut.com/artikel/0027684

[3] https://www.tagesspiegel.de/politik/antisemitische-argumentationsmuster-nach-der-jagd-auf-gysi-entlaedt-sich-die-wut-in-der-linken/10983888.html

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_in_Halle_%28Saale%29_2019#Tatmotive_und_Vorbilder_im_Internet

[5] https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2019/12/16/israelischer-botschafter-nimmt-deutschen-diplomaten-heusgen-in-schutz/