Richtig oder falsch: Merkels schamlose Verharmlosung

Der Mörder, der inzwischen als der 27jährige Stephan Balliet identifiziert wurde, ist ein weißer Rechtsextremist/Neonazi und keiner der vielen muslimischen Migranten, welche Angela Merkel willkommengeheißen hat.

Ruthie Blum, Jerusalem Post, 10. Oktober 2019 (übersetzt von Yvaine)

Angela Merkel nach ihrer Rede anlässlich des 80. Jahrestags der Reichskristallnacht in der Synagoge Rykestraße, Berlin, 9. November 2018. (Foto von Axel Schmidt/Reuters)

Am Mittwochabend wurden die Israelis durch die Nachricht eines bewaffneten Angriffs vor einer deutschen Synagoge und einem jüdischen Friedhof an Jom Kippur erschüttert.

Als alle hebräischen Fernsehsender mit ihrem 20:00-Uhr-Programm begannen – nach dem üblichen Sendestopp zu Ehren dieses höchsten und düstersten Feiertages im Judentum – gingen im ganzen Land Seufzer à la „jetzt geht das schon wieder los“ mit dem Festmahl einher, das das 25stündige Fasten beendete. Häufigkeit und Ausmaß antisemitischer Gewalt haben in Deutschland derart zugenommen, dass sie bereits Thema der internationalen Berichterstattung geworden sind. Dieser jüngste Vorfall, bei dem zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt wurden, kam also nicht völlig überraschend.

Ein weiterer vorhersehbarer Aspekt des Vorfalls – ein Mann in Armeekleidung mit einer GoPro-Kamera versuchte sich in die verschlossene und bewachte Synagoge zu schießen, um Juden zu massakrieren – war die Art und Weise, wie israelische Nachrichtensprecher wiederholt betonten, dass der Täter „ein gebürtiger Deutscher und kein Immigrant“ ist.

Anders gesagt: Der Mörder, der inzwischen als der 27-jährige Stephan Balliet identifiziert wurde, ist ein weißer Rechtsextremist/Neonazi und keiner der vielen muslimischen Migranten aus Nahost, welche Angela Merkel willkommen geheißen hat.

Ein solch eklatanter umgekehrter Rassismus von Nachrichtensprechern, Experten und linken Politikern in Israel unterscheidet sich nicht von dem, was ihre Kollegen anderswo zum Ausdruck bringen. Die Absicht ist klar: eine politische und damit moralische Unterscheidung zwischen zwei verschiedenen Formen des Judenhasses zu treffen.

Um diesen Punkt zu bekräftigen, hob ein israelischer Analytiker die Tatsache hervor, dass der Schütze, als dessen ursprüngliche Mission an den Sicherheitsvorkehrungen der Synagoge scheiterte, in ein Kebab-Restaurant in der Nähe ging. Dies sei ein Beweis, so der Analytiker, dass Neonazis Muslime genauso hassen wie Juden.

Aber der Zweck dieses Kommentars war nicht, das Offensichtliche zu wiederholen und den Zuschauern nochmals zu sagen, was sie ohnehin schon wissen – nein, der Zweck war, die Diskussion in eine bestimmte Richtung zu lenken, nämlich in die des so genannten „gefährlichen Aufkommens“ rechter Führer in Europa und Amerika wie z. B. Viktor Orban oder Donald Trump. Zudem soll die Schuld an diesem Antisemitismus unmittelbar auf ihre Schultern gelegt werden.

Diese unentschuldbare Taktik erlaubt jenen, die Erklärungen wie „psychische Erkrankung“ für jihadistische Judenmörder bieten oder die sie sonstwie entschuldigen, sich gegenseitig die Hände zu reichen, ohne den Antisemitismus zu verurteilen. So nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend an einer Mahnwache in der Neuen Synagoge Berlin für die Opfer des Angriffs in Halle teil, die von Sawsan Chebli organisiert wurde, einer politischen Beamtin palästinensischer Herkunft.

Zur Rabbinerin der Neuen Synagoge, Gesa Ederberg, sagte Merkel: „Leider haben wir an Ihrem heiligen Tag etwas Schreckliches erlebt. Zwei Menschen wurden getötet, und es gab einen Angriff auf Juden in Deutschland. Mein Ziel und das aller Politiker ist es, alles zu tun, damit Sie sicher leben können. Und dieser Tag zeigt, dass es nicht genug war und dass wir mehr tun müssen.“

Rabbi Ederbergs Beitrag bestand darin, die „Zivilgesellschaft aufzufordern, sich jedem zu widersetzen, der den Begriff ‚Jude‘ als Beleidigung benutzt“, und „alle braunen Mächte“ zu bekämpfen.

Damit meinte sie natürlich keine Hautfarbe, was einem Anti-Migranten-Rassismus gleichkäme, sondern vielmehr die bekannte Kleidung der Nazis.

Natürlich sind Nazis legitime Ziele für den Zorn. Aber sie gehören einem ausgegrenzten Randsektor der deutschen Gesellschaft an. Können Merkel oder Rabbinerin Ederberg dasselbe über die antisemitischen Nahostler in ihrer Mitte sagen? Wohl kaum.

Man fragt sich, wie Merkel die in israelische Flaggen gehüllten Mahnwachenteilnehmer sah. Oder was diese umgekehrt über Merkel gedacht haben, wenn man bedenkt, wie sie die Aussagen des Kommandanten der islamischen Revolutionsgarden, General Hossein Salami, als „antiisraelische Rhetorik“ verharmlost hat, als er sagte, Israel müsse vernichtet werden und der iranische Staat sei in der Lage, „das finstere zionistische Regime von der Landkarte zu tilgen“.

Merkels schwache Reaktion – sanftmütiges Gemurmel über das Existenzrecht Israels – ergibt in Anbetracht ihrer Iranpolitik Sinn. Den Atomvertrag mit den Mullahs in Teheran von 2015 und den damit verbundenen Handel will sie unbedingt aufrechterhalten. Ebenso weigert sie sich, die Aktivitäten des wichtigen iranischen Erfüllungsgehilfen Hisbollah innerhalb deutscher Grenzen zu verbieten.

Dies erklärt, warum sie gleichsam nicht auf Salamis entsetzliches Dekret über den „zweiten Schritt“ der Revolution von 1979 reagierte, die die Herrschaft der Ayatollahs einleitete: die „globale Mobilisierung des Islam“.

Und es erklärt auch etwas noch Schockierenderes: nämlich die Teilnahme des Auswärtigen Amtes an einer Feier zum 40-jährigen Jahrestag der Islamischen Revolution in der iranischen Botschaft in Berlin. Es ist unglaublich, dass eine Regierung, deren Außenminister Heiko Maas behauptet, wegen der Gräueltaten in Auschwitz überhaupt erst Politiker geworden zu sein, solche Feiern sanktioniert, geschweige denn selbst daran teilnimmt!

Ebenso schockierend war das Glückwunschtelegramm, das Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Teheran geschickt hatte, um die Mullahs für ihre Revolution zu lobpreisen.

Diese Anbiederung europäischer Liberaler an das weltweit gefährlichste hegemoniale, genozidale und antisemitische Regime seit Hitler und Stalin ist einfach nur ekelhaft, vor allem anbetrachts der Tatsache, dass in Deutschland Holocaustleugnung und Nazisymbole verboten sind, Holocaustgedenkstätten und -museen im ganzen Land verbreitet sind, Holocaustbildung und Besuche in ehemaligen Konzentrationslagern zum Schulprogramm gehören und Tausende von jungen Israelis dort eine Wohnung genommen haben, um von staatlichen Zuschüssen zu profitieren und sich ins berühmte Berliner Nachtleben zu werfen.

Darüber hinaus hat Merkel erklärt, dass die Sicherheit der jüdischen Bevölkerung Priorität hat. In einem CNN-Interview im Mai sagte sie sogar: „Es gibt bis zum heutigen Tag keine einzige Synagoge, keine einzige Kindertagesstätte für jüdische Kinder, keine einzige Schule für jüdische Kinder, die nicht von deutschen Polizisten bewacht werden muss“.

Zirka eine Woche vor diesem Interview wurde der erste Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, öffentlich für seine Aussage gerügt, dass Juden, die ihre Kippot in der Öffentlichkeit tragen, gefährdet sind, da der Judenhass in Deutschland „sein hässliches Gesicht offener zeigt“.

Kleins Ermahnung folgte auf einen Bericht des Bundesinnenministeriums, wonach antisemitische Hassdelikte 2018 gegenüber dem Vorjahr um fast 20% zugenommen hatten und die Zahl der körperlichen Angriffe auf Juden auf 69 angestiegen war – 2017 waren es noch 37 gewesen.

Zur Rücknahme seiner völlig berechtigten Warnung gezwungen, forderte Klein „alle Berliner und Bundesbürger auf, ihre Kippot [am 1. Juni] zu tragen, wenn es neue unerträgliche Angriffe gegen Israel und Juden anlässlich des Al-Quds-Tages in Berlin gibt“, denn es könne nicht sein, dass Juden in einer freien und demokratischen Gesellschaft ihre Identität geheimhalten müssen.

Hoppla. Klein hätte das jedes Jahr stattfindende antizionistische Hassfest im Rahmen der Bekämpfung von Antisemitismus wahrscheinlich nicht erwähnen sollen. Merkel, die sich nicht einmal dazu durchringen kann, die Entschlossenheit des Iran, den jüdischen Staat zu vernichten, als antisemitisch zu bezeichnen, muss sicherlich über die Form verärgert gewesen sein, die Kleins Kehrtwendung zum öffentlichen Kippah-Tragen angenommen hat. Gute Deutsche, so glaubt sie, verdammen die Sünden ihrer Vergangenheit; sie wagen es nicht, sich mit heute aktuellen Sünden zu beschäftigen, die von politischer Korrektheit gefördert werden.

Das bringt uns wieder nach Israel, dessen Eliten oft unter einer ähnlich verzerrten Sichtweise von Antisemitismus als einer Krankheit leiden, die bei weißen Rassisten tödlicher und schlimmer ist, als wenn sie von Islamisten kommt. Eine solche Realitätsverzerrung ist besonders lächerlich in einem Land, das täglich von Jihadistenterror bedroht ist. Noch problematischer ist es allerdings, dass diese Sichtweise ins Bewusstsein gebürtiger Israelis sickert, denen die oben erwähnte falsche Unterscheidung zwischen angeblich „verschiedenen“ Arten von Judenhass eingetrichtert wird.

Ein gutes Beispiel für diese falsche Einstellung war Anfang September zu sehen, als israelische Studenten, die ein Semester in Polen zubrachten, vor einem Warschauer Nachtclub angegriffen wurden. Die Täter (die, wie sich herausstellte, aus Katar kamen) hörten sie Hebräisch sprechen, schrien „Befreit Gaza und f*** Israel!“ und schlugen danach zwei der Israelis zu Brei.

Der Zwillingsbruder eines der Opfer postete auf Facebook ein Foto seines Bruders im Krankenhaus und verurteilte dabei nicht die arabischen Angreifer, sondern die polnischen Augenzeugen, die den Israelis nicht zu Hilfe gekommen waren.

„Die Geschichte wiederholt sich“, schrieb Barak Kashpizky. „Polen stehen tatenlos daneben, während Menschen, die ‚nicht aus unserer Nation stammen‘, Juden bewusstlos prügeln.“

Am nächsten Tag sagte Kashpizky in Interviews mit israelischen Medien: „Ich glaube nicht, dass es antisemitisch war; es war nationalistisch.“

Für diesen Sabra ist das Wort „nationalistisch“ vertraut; im Hebräischen wird damit zwischen arabischem Terrorismus und anderen Gewaltverbrechen unterschieden. Tatsächlich besitzt dieser Mann, der inmitten von Juden aufgewachsen ist, kein Konzept und keine persönliche Erfahrung von Antisemitismus außer dem Holocaust und der Untätigkeit der Polen. Infolgedessen konnte er die Angreifer seines Bruders nicht als Antisemiten sehen, und er erklärte ihr bestialisches Verhalten als von antiisraelischem „Nationalismus“ motiviert.

Merkel, an der alles abprallt, hätte ihm zugestimmt.

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Deutschlands Terroranschlag an Yom Kippur kam nicht aus dem Nichts – Analyse

Angela Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert: „Wir müssen uns geschlossen gegen jede Form von Antisemitismus stellen.“

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 10. Oktober 2019

Blumen und Kerzen vor der Synagoge in Halle, 10. Oktober 2019, nachdem zwei Menschen durch Schüsse getötet wurden (Foto: Reuters/Fabrizio Bensch)

Der britische Oberst Richard Kemp fasst die vorhersagbare Reaktion der deutschen Kanzlerin Angela Merkel auf den mutmaßlich von einem Neonazi verübten Mord an zwei Menschen in Halle und den Versuch des Neonazis in der Synagoge der Stadt Massenmord zu begehen, wie folgt in einem Tweet zusammen: „Wie immer nur Worte, wo Handeln nötig wäre.“

Merkels Reaktion auf den Ausbruch antisemitischer Gewalt am Mittwoch, mutmaßlich verübt von Stephan Balliet in der ostdeutschen Stadt 170km südwestlich von Berlin, bestand darin zu einer Mahnwache vor Berlins Neuer Synagoge zu eilen und ihren Sprecher Steffen Seibert erklären zu lassen: „Wir müssen uns gegen jede Form von Antisemitismus stellen.“

Geheimdienst- und Terrorbekämpfungs-Politik fordert, dass Kemp – der seit Jahren an vorderster Front der Bekämpfung weltweiten Antisemitismus steht und 2003 Kommandeur der Operation Fingal in Afghanistan war – ernst genommen wird. Daher offenbarte Kemps knapper Gegenschlag Merkels lustlose Darbietung bei der Bekämpfung aller Formen von Judenhass in Deutschland.

Merkel liefert ständig Kommentare und Reden zum Bedürfnis ihres Landes die jüdischen Institutionen zu schützen. Sie sagte CNN im Mai in einem Interview, dass Deutschland „immer eine gewisse Anzahl an Antisemiten unter uns hatte, leider“; dem fügte sie hinzu: „Es gibt bis heute keine einzige Synagoge, keine einzige Kinderkrippe für jüdische Kinder, keine einzige Schule für jüdische Kinder, die nicht von deutschen Polizisten geschützt werden muss.“

Merkel lehnte es ab zu sagen, was die „gewisse Anzahl an Antisemiten“ bedeutet. 2017 zeigte z.B. eine Studie des Bundestags, dass 40% der deutschen Bevölkerung eine zeitgenössische antisemitische Ansicht vertritt, nämlich einen starken Hass auf den jüdischen Staat. Wie dieser bestürzend hohe Grad antisemitischer Einstellungen in Deutschland sich in Gleichgültigkeit über zunehmende antisemitische Gewalt umsetzt, ist eine Frage, die Recherche verlangt.

Das Problem ist jedoch, wie Kemp festhielt, dass Merkel sich nicht bemüht den tödlichen Antisemitismus mit der Wurzel zu beseitigen. Sie verbleibt in einer rein defensiven und rhetorischen Haltung.

Zwei weitere Beispiele antisemitischer Gewalt aus der Vorwoche in Deutschland unterstreichen die Gefahr für Juden und Israelis.

Ein Syrer versuchte mit einem Messer bewaffnet in das jüdische Gemeindezentrum und die Synagoge in Berlin-Mitte einzudringen. Er schrie „Allahu akbar“ und „F… Israel“, als er sich dem Gebäude näherte. Nach Angaben von Kritikern veranlasste Berlins große Toleranz für Antisemitismus die Behörden den Syrer schnell wieder freizulassen. Ein Kommentar in der BILD griff Berlins Bürgermeister Michael Müller wegen seiner massiven Inkompetenz bei der Bekämpfung des Antisemitismus in der Hauptstadt an.

In Bayern warf ein Arabisch sprechender Mann einer israelischen Frau einen Felsbrocken an den Kopf, nachdem er sie Hebräisch sprechen hörte. Die Frau erlitt eine leichte Verletzung und der Verdächtige floh vom Tatort.

Julian Reichelt, Chefredakteur der BILD, schrieb einen tiefgründigen und eindringlichen Kommentar mit dem Titel „Nie wieder“.

Es lohnt sich festzuhalten, dass der Neonazi Balliet einer antisemitischen Weltsicht eng verbunden war, zu der die Theorie der „zionistisch besetzten Regierung“ gehört.

Der Schmelztiegel, in dem der Antisemitismus von Rechtsextremen, Linken und Islamismus sich treffen, ist ein brennendes Verlangen den Staat Israel zu zerstören.

Reichels dialektisches Meisterwerk eines Kommentars, der die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet und den Zusammenhang des Antisemitismus herstellt, ist von Merkels Regierung, großen Medien und der breiteren Gesellschaft der Bundesrepublik ignoriert und heruntergespielt worden.

Er führte deutsche politische Tatenlosigkeit gegenüber der Diskriminierung des israelischen Studenten Adar M. durch Kuwait Airways an, dem ein Flug verweigert wurde, nachdem er 2016 ein Ticket zur Reise von Frankfurt nach Bangkok kaufte; der Grund: Er ist Israeli. Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer unternahm nichts gegen Kuwait Airways. Sein Reden befindet sich, wie das von Merkel, auf der einen Seite des Zauns, während sein Handeln auf der anderen bleibt.

„Wenn eine antisemitische Terrororganisation (Hisbollah) offen in Deutschland operiert, traut unsere Bundesregierung sich nicht, sie zu verbieten“, schrieb Reichelt.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat Merkel gedrängt die tödlich antisemitische Terrororganisation Hisbollah zu ächten. Merkel und ihr von Heiko Maas geführtes Außenministerium haben ein Verbot der Hisbollah und ihrer 1.050 Mitglieder und Anhänger in Deutschland, die eine tödlich antisemitische Ideologie verbreiten, vehement abgelehnt.

Die Jerusalem Post berichtete im August zuerst über ein von der Hisbollah kontrolliertes Zentrum in Münster, in dem ein libanesisches Mitglied erklärte: „Wir haben Khamenei die Treue gelobt; wir werden des Terrorismus beschuldigt und sind stolz darauf.“

Die Post berichtete letzte Woche, dass Merkels Regierung es ablehnte den Aufruf des Oberkommandierenden der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) des Iran, General Hossein Salami, „Israel von der Landkarte zu wischen“, als antisemitisch zu kennzeichnen. Merkel und ihr Außenministerium bestehen darauf Salamis Gerede als bloße „antiisraelische Rhetorik“ zu bezeichnen.

All das hilft zu erklären, warum die Torpfosten in Deutschland sich in eine Richtung bewegt haben, die mehr Toleranz für tödlich antisemitische Aktivitäten und Reden erlaubt. Es gibt schlicht keine reale Terrorbekämpfungspolitik, die sich gegen den Antisemitismus in Deutschland richtet. Wie kann Merkel erwarten, dass Antisemitismus in Deutschland bekämpft wird, wenn sie es ablehnt zu sagen, dass die Aufrufe des iranischen Regimes mehr als sechs Millionen Juden auszurotten antisemitisch ist?

Merkels Drang den Atomdeal mit dem Iran zu schützen und das klerikale Regime nicht zu verärgern scheint Priorität vor offensiver Bekämpfung des Antisemitismus des iranischen Regimes zu haben. Handelsabkommen mit der Islamischen Republik Iran bleibt im Denken und Handeln von Merkels Regierung ganz oben auf der Liste. Kann angesichts von Merkels Politik für das Regime ihre über ihren Sprecher Seibert gegebene Zusicherung „Wir müssen uns gegen jede Form von Antisemitismus stellen“ in der Wirklichkeit gründen?

Zusätzlich zur Weigerung die Hisbollah als Terrororganisation zu ächten sind Merkel und ihr Innenminister Horst Seehofer auch dagegen die palästinensische Terrororganisation Volksfront zur Befreiung Palästinas zu verbieten. Die USA und die EU haben die PFLP beide als Terrororganisation klassifiziert.

Deutschland ist für Juden ein furchtbar unsicheres Land geworden. Aliyah bleibt die beste Option für Deutschlands 160.000 Personen zählende jüdische Gemeinschaft.

Das Sicherheitsklima wird für Juden in Deutschland zunehmend unsicher, weil Merkel es versäumt Antisemitismus aggressiv mit Handeln zu konfrontieren statt mit Worten. Es lohnt sich Kemps weisen Hinweis zu wiederholen: „Wie immer nur Worte, wenn Handeln nötig wäre.“

Die Schlacht von Lepanto: Ein militärischer und ein „Sieg für die Moral“ über den Islam

Raymond Ibrahim, 8. Oktober 2019

Zeichnung der Folter und folgenden Häutung von Marco Bragadin, weil er die Einladung zum Islam ablehnte.

Der heutige Tag war geschichtlicher Zeuge eines der umwälzendsten Zusammenstöße zwischen dem Islam und dem Westen – einer, bei dem letzerer ersteren ausnahmsweise zerschlagen und gedemütigt hat. 1570 landeten die muslimischen Türken – im Gestalt des osmanischen Reiches – auf der Insel Zypern, was Papst Pius V. veranlasste 1571 eine Art „Heiliger Liga“ der maritimen katholischen Saaten zu fordern, die vom spanischen Reich geführt wurde. Bevor sie Zypern erreichen und befreien konnten, wurde die letzte Festung in Famagusta durch Verrat eingenommen.

Nach dem Versprechen sicheren Abzugs, wenn sie sich ergeben, hatte der osmanische Kommandeur Ali Pascha – wegen seines frommen Hintergrunds als Müezzinzade („Sohn des Muezzin“) bekannt – sein Wort gebrochen und ein massives Abschlachten begonnen. Er befahl dem Festungskommandeur Marco Antonio Bragadin Nase und Ohren abzuhacken. Ali lud dann den verstümmelten Ungläubigen ein den Islam und das Leben anzunehmen: „Ich bin Christ und so will ich leben und sterben“, antwortete Bragadin. „Mein Körper gehört euch. Foltert ihn, wenn ihr wollt.“

Also wurde er an einen Stuhl gefesselt, wiederholt am Mast einer Galeere hochgezogen und unter  Spott ins Meer fallen gelassen: „Sieh, ob du deine Füße sehen kannst, großer Christ, ob du Hilfe für Famagusta kommen sehen kannst!“ Der verstümmelte und halb ertrunkene Mann wurde dann in die Nähe der St. Nicholas-Kirche getragen – heute eine Moschee – und an eine Säule gebunden, wo er langsam bei lebendigem Leib gehäutet wurde. Die Haut wurde hinterher mit Stroh ausgestopft und zu einer makabren Puppe des toten Kommandeurs genäht; dann paradierte man ihn unter Spott vor den höhnenden muslimischen Eroberern herum.

Die Nachricht davon und andere fortgesetzte Gräueltaten und Kirchenschändungen auf Zypern und Korfu brachten die Heilige Liga auf und sie setzte Segel gen Osten. Ein Blutbad folgte, als die beiden gegnerischen Flotten – 600 Schiffe und 140.000 Mann, von beiden auf osmanischer Seite mehr – schließlich aufeinander trafen und am 7. Oktober 1571 vor der Westküste Griechenlands bei Lepanto zusammenprallten. Ein Zeitgenosse gibt an:

Die größere Heftigkeit der Schlacht dauerte vier Stunden an und war so blutig und entsetzlich, dass die See und das Feuer eins zu sein schienen, rot vor Blut, bedeckt mit maurischen Mänteln, Turbanen, Köchern, Pfeilen, Bögen, Schilden, Rudern, Kisten, Behältern und anderer Kriegsbeute und vor allem menschlichen Leichen. Christen wie Türken, einige tot, andere verwundet, manche auseinandergerissen und wieder andere noch nicht ihrem Schicksal ergeben im Todeskampf, ihre Kraft mit dem Blut aus ihren Wunden dahinschwindend, das in solchen Mengen floss, dass das gesamte Meer davon gefärbt war, aber trotz all des Leides waren unsere Männer nicht von Mitleid für den Feind bewegt … Obwohl sie um Gnade bettelten wurde auf sie geschossen und mit Piken eingestochen.

Der Schlüsselmoment kam, als die Flaggschiffe der gegnerischen Flotten, die osmanische Sultana und die christliche Real, ineinander krachten und sich gegenseitig enterten. Chaos setzte ein, als überall Männer miteinander rangen, selbst die Großadmiräle wurden in dem Getümmel gesehen. Ali Pascha feuerte Pfeile und Don Juan schwang den Säbel und das Kriegsbeil, jeweils eins davon in jeder Hand.

Am Ende „gab es eine unendliche Zahl Toter“ auf der Real, während „eine enorme Anzahl großer Turbane, die so zahlreich zu sein schienen wie es der Feind gewesen, auf der rollenden Sultana zu sehen waren – die Köpfe noch darin.“ Der Don tauchte lebend auf, der Pascha jedoch nicht.

Frühes Gemälde der Schlacht von Lepanto

Als die Mitglieder der türkischen Zentral-Flotte Alis Kopf auf einer Pike auf der Sultana sahen und ein Kreuz, wo vorher die Flagge des Islam flatterte, setzte massive Demoralisierung ein und der Nahkampf auf dem Wasser war bald vorbei. Die Heilige Liga verlor zwölf Galeeren und zehntausend Mann, aber die Osmanen verloren 230 Galeeren – von denen 117 von den Europäern gekapert wurden – und dreißigtausend Mann. Es war ein Sieg erster Klasse und die gesamte Christenheit – katholisch, orthodox und protestantisch – jubelte.

Praktisch gesprochen änderte ich jedoch wenig. Zypern wurde von der Heiligen Liga nicht befreit. „Indem wir euch Zypern abrangen, haben wir euch einen Arm abgeschlagen“, erinnerten die Osmanen den venezianischen Botschafter ein Jahr später. „Indem ihr [bei Lepanto] unsere Flotte besiegt habt, habt ihr uns den Bart geschoren. Ein einmal abgeschlagener Arm wird nicht wieder nachwachsen, aber ein geschorener Bart wächst dem Rasierten um so besser nach.“

Trotzdem bewies der Sieg, dass die erbarmungslosen Türken, die in vorangehenden Jahrzehnten und Jahrhunderten einen Großteil Osteuropas erobert hatten, aufgehalten werden konnten. Lepanto legte nahe, dass die Türken mit einem Frontalangriff besiegt werden konnten – zumindest auf dem Meer, das seit kurzem die neuesten Jagdgründe der islamischen Mächte geworden war. Wie Miguel Cervantes, der bei der Schlacht dabei war, den Don Quixote so bewegt sagen ließ: „Dieser Tag … war für die Christenheit so freudig, weil die ganze Welt erfuhr, wie falsch es gewesen war zu glauben, die Türken seien auf See unsichtbar.“

Moderne Historiker bestätigen diese Einstellung. Der Militärhistoriker Paul K. Davis gibt an: „Mehr als ein militärischer Sieg war Lepanto einer für die Moral. Jahrzehnte lang hatten die osmanischen Türken Europa Angst eingejagt und die Siege von Süleiman dem Prächtigen verursachten dem christlichen Europa schwere Sorgen … Christen jubelten über diesen Rückschlag für die Osmanen. Der Nimbus der osmanischen Macht wurde durch diese Schlacht beträchtlich getrübt und das christliche Europa ermutigt.“

Egal wie spektakulär, der Seesieg konnte jedoch die Macht nicht erschüttern, die vor allem eine Landmacht war – so dass mehr als ein Jahrhundert später, 1683, rund 200.000 bewaffnete Osmanen bis nach Wien vorgedrungen waren und es belagerten.

Aber das – und was danach bis heute geschah – ist eine andere Geschichte.

Die israelischen Araber verdienen Besseres von ihren Führern

Melanie Phillips, 29. September 2019 (Jewish Chronicle)

Israelis Wahl-Patt überraschte wenige und erschreckte viele. Eine Entwicklung regte allerdings eine ganze Reihe von Leuten auf.

Das war die Entscheidung von drei der vier Parteien in der Arabischen Gemeinsamen Liste Benny Gantz als Premierminister zu empfehlen, den Parteichef von Blau und Weiß – das war erst das zweite Mal, dass die arabischen Parteien einen Kandidaten für den Posten des Premierministers befürworteten.

Die Gemeinsame Liste hat einen Beitritt zu einer Koalitionsregierung ausgeschlossen. Aber als drittgrößte Partei könnte sie die offizielle Opposition werden.

All das straft natürlich die Verleumdung Lügen, dass Israel würde seiner arabischen Bevölkerung gleiche Rechte verweigern.

Die Unterstützung wurde von einer Reihe Leute als Zeichen gelobt, dass Israels Araber anfangen die Beziehung zu ihren jüdischen Mitbürgern zu normalisieren.

Aber sie unterstützen die Politik von Blau und Weiß nicht. So machte Ayman Odeh, Führer der Gemeinsamen Liste, klar, dass die Gantz lediglich dazu nutzt Premierminister Benjamin Netanyahu aus dem Amt zu hebeln.

Und als virulente Antizionisten haben sich ihre Mitglieder verpflichtet Israels Existenz zu vernichten.

Odeh sagte, er wolle, dass die Araber in Israel eine „gemeinsame Heimat“ haben. Die haben sie bereits. In den Krankenhäusern und Universitäten, den Streitkräften und Gerichten, in der Knesset und an den Stränden arbeiten, studieren, kämpfen und entspannen sich arabische Israelis Seite an Seite mit Juden.

Was Odeh mit „gemeinsamer Heimat“ meint, ist jedoch nicht, dass Araber an einem jüdischen Staat teilhaben, den er vernichten will, sondern er meint Juden ein einem mehrheitlich arabischen Staat.

Manche war besonders gebannt davon, dass Odeh das berühmte Zitat aus einem jüdischen Psalm verwendete: „Der Stein, den die Bauleute verwarfen, wurde zum Eckstein.“

Diejenigen, die das als eine Art interreligiösen Wegweiser bejubeln, sollten sich beruhigen und darüber nachdenken. Der Stein, den die Bauleute in diesem Psalm ablehnten, war eine Metapher für das jüdische Volk. Odeh hat daraus stattdessen eine Metaüpher für die Araber gemacht.

Es sind die Araber, die der Eckstein seiner neuen Gesellschaft sein sollten. Und sie würde dazu werden, wie Odehs Übernahme dieser hebräischen Worte impliziert, indem sie den Umhang der Juden übernehmen.

Die Knesset-Abgeordneten der arabischen Parteien benehmen sich in der Knesset wie die Fünfte Kolonne, arbeiten für Israels Vernichtung und Unterstützen die Ermordung von Juden. MK Ahmed Tibi z.B. opponiert gegen das Rückkehrgesetzt, hat die jüdischen Symbole in der Nationalflagge infrage gestellt und 2012 erklärt: „Der Besatzer will euch als Terroristen bezeichnen, aber wir sagen, es gibt nichts Edleres als für deine Heimat zu sterben.“

Die ehemalige MK Hanin Zoabi beschuldigte Israel die Organe palästinensischer Häftlinge zu „ernten“ und hielt eine Rede, in der sie argumentierte: „Der Zionismus ist Menschenrechten überall auf der Welt gegenüber feindlich gesinnt“ und dass Juden kein Recht auf Selbstbestimmung hätten.

Es gibt eine lange Geschichte gleichartiger Hetze durch andere Mitglieder der Gemeinsamen Liste. Was der Grund ist, dass selbst Avigdor Liberman, der ganz versessen darauf ist Netanyahu aus dem Amt zu treiben, sagte, er würde sich niemals mit den arabischen Parteien zusammenschließen, denn „die sind unsere Feinde“.

Sie befinden sich zudem nicht in Übereinstimmung mit einer zunehmenden Zahl israelischer Araber, die sich wirklich in den jüdischen Staat integrieren wollen. Vor den Wahlen vom letzten April wurden einige mit bitterer Kritik an den MKs der Gemeinsamen Liste zitiert.

„Sie repräsentierte uns nicht und sie fügte den [durchschnittlichen] arabischen Bürger, der sich integrieren will, großen Schaden zu“, sagte ein Einwohner von Abu Gosch, einem arabischen Dorf bei Jerusalem. „Wir erkennen die Existenz des einzigen demokratischen Landes im Nahen Osten an und wollen Teil des Landes sein. Und wir sind stolz auf dieses Land. Wir, israelische Araber, leben mit unseren jüdischen Brüdern. Wir leben nicht neben-, sondern miteinander.“

Eine Ärztin aus Akko sagte: „Ein ordentliches Einkommen zu haben, als Mensch zu leben – das ist das, was der durchschnittliche Staatsbürger sich wünscht. Und die Leute, die angeblich für uns eintreten sollen – die arabischen Parteien – haben uns einfach im Stich gelassen. Ich bin stolz eine muslimische und arabische Israelin zu sein. Was die Köpfe der arabischen Parteien tun, ist mörderische Terroristen zu glorifizieren. Sie bekommen die Aufmerksamkeit, reden von Palästina und bekommen nicht mit, was hier passiert.“

Israelische Araber brauchen bessere Repräsentation. Es wäre ein großer Vorteil, wenn sie sich an der israelischen Politik beteiligten statt sie zu scheuen. Sie könne das allerdings nicht mit rassistischen Führern tun, die Israel vernichten wollen.

Eine wahrhaft gemeinsame Zukunft wird erst kommen, wenn arabische Führer von der zunehmenden Anzahl arabischer Israelis lernen, die stolz sind Bürger Israels zu sein und endlich anfangen sich um deren Bedürfnisse zu kümmern, statt Pläne zu Israels Untergang zu schmieden.

Die verschwiegene Geschichte von „Hava Nagila“

Unentdeckt: die früheste bekannte Version des hebräischen Liedes

Edwin Seroussi/James Loeffler, The Tablet, 19. September 2019

Jedes Lied trägt viele Geschichten in sich. Bevor es eine universale jüdische Hochzeits-Hymne wurde, ein europäischer Fußballgesang und ein jüdisches Musical-Klischee par excellence, begann das hebräische Lied „Hava Nagila“ als chassidische Volkslied-Melodie. Die vielen Leben des Liedes haben eine preisgekrönte Dokumentation, eine israelische Schlacht vor Gericht und ein Generationen andauerndes Zerwürfnis zwischen zwei jüdischen Familien hervorgebracht. Aber seine tatsächliche Entstehung blieb geheimnisumwoben. Wie konnte eine osteuropäische Volksweise zum zionistischen akustischen Symbol werden, nur um sowohl seine religiösen wie seine politischen Formen abzustreifen und sich einmal mehr in eine allgemeine Ode an die Freude zu verwandeln?

Die Geschichte beginnt mit dem Musiker Abraham Zvi Idelsohn. 1882 in Feliksburg im Nordwesten des russischen Reiches (dem heutigen Lettland) geboren, ließ er sich in Libau zum Kantor ausbilden, bevor er in den 1890-er Jahren zum Studium ans Berliner Stern-Konservatorium und die Leipziger Musikakademie ging. Idelsohn arbeitete dann als Kantor in Leipzig, Regensburg und Johannesburg (Südafrika). 1907 siedelte er mit seiner Familie nach Jerusalem über.

In direkter Nachbarschaft zu Eliezer Ben-Yehuda, dem Vater des modernen Hebräisch, setzte sich Idelson als persönliches Ziel eine moderne hebräische Musik zu schaffen, die die nationale Wiedergeburt jüdischen Lebens in seiner angestammten Heimat begleitet. Im Geist des zionistischen Philosophen Ahad Ha’am begann Idelsohn all die Reichtümer jüdischer musikalischer Traditionen zu sammeln, die er im osmanischen Palästina und in der gesamten Diaspora fand. Unter Verwendung der aufkommenden Aufzeichnungstechnologie begann er Volkslieder zu transkribieren und machte Aufnahmen vor Ort, um einen alt-neuen Musikklang zu formen, der (aus seiner Sicht) authentisch jüdisch sein würde. Das bedeutete das aufzudecken, von dem er sich vorstellte, es sei die älteste Schicht von Melodien aus der Zeit vor dem Exil, die allen jüdischen Traditionen gemeinsam war und sie von den fremden Zugängen durch das Exil zu befreien.

Idelsohns Projekt war ein ungeniert politisches. Er verurteilte die kulturelle und spirituelle „Assimilation“, die er unter deutschen Juden erlebte. Er griff die anderen jüdischen Musiker an, weil sie in die europäische klassische Musik strömten, statt sich für ihr eigenes Erbe zu interessieren. Viele seiner Innovationen – das erste große hebräische Liederbuch für Schule und Synagogen, das erste Schulbuch zur Geschichte der jüdischen Musik, die erste hebräische Oper und sein bahnbrechendes zehnbändige Werk Hebräisch-orientalischer Melodienschatz (1914-1932) – sollten Zionismus verbreiten, Juden dazu drängen eine nationale kulturelle Identität anzunehmen, die in den gemeinsamen Quellen des erneuerten kulturellen Lebens in Zion wurzelt. Wie andere Architekten dieser neuen hebräischen Kultur spürte Idelsohn jüdisch-religiöser Kultur nach, um sie als neue säkular-nationale Traditionen zu gestalten.

Idelsohns Manuskript-Skizze von „Hava Nagila“, arrangiert für Gesang und Piano. (National Library of Israel)

In diesem Zusammenhang fand 1918 die Premiere von Idelsohns neuem Lied „Hava Nagila“ statt, bei einem Konzert für gemischte Chöre in Jerusalem. Der genaue Veranstaltungsort des ersten Auftritts ist unklar, aber es scheint bei einer öffentlichen Feier zu einem von drei Ereignissen vorgestellt worden zu sein: der gerade abgegebenen Balfour-Erklärung vom 2. November 1917, General Allenbys Übernahme der Kontrolle Jerusalems und Palästinas am Ende des Ersten Weltkriegs oder des Legens des Grundsteins für die hebräische Universität im Juni 1918. Auf jeden Fall feiert der Kontext zionistischen politischen Gewinn. Und die Eröffnungszeile von Idelsohns hebräischem Text verdeutlicht das Gefühl eines bedeutsamen Ereignisses: „Hava nagila, hava nagila / Hava nagila we nis-mechah“ – „Kommt, lasst uns jubeln, lasst uns jubeln, lasst uns jubeln und fröhlich sein“. Diese Zeilen sind dem Vers aus Psalm 118,24 nahe: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.“ Dieser wird während des Hallel rezitiert, den besonderen Dank-Psalmen, die der jüdischen Liturgie zu Festen und anderen freudigen Gelegenheiten hinzugefügt wurden. Für einen zionistischen Aktivisten wie Idelsohn hätte es keine bessere Gelegenheit für die Vorstellung eines solchen Liedes geben können als die fühlbaren Anfänge der Erfüllung des Traums von einer jüdischen nationalen Heimstatt.

Was ist mit der Melodie? Viel später, 1932, schrieb Idelsohn, dass er die Melodie ursprünglich 1915 von einem Sadegurer Chassiden in Jerusalem transkribierte. Die Sadegurer Chassiden-Gemeinde verfolgt ihre Wurzeln in die Stadt Sadigura in der Bukowina des Kaiserreichs Österreich-Ungarn (heutige Ukraine) zurück. Ihr Gründer, Rabbi Avrohom Yaakov Friedman, war einer von sechs Söhnen des Rabbiners Yisrael Friedman, der mit seinem Hofgefolge wegen politischer und religiöser Verfolgung von der anderen Seite der Grenze im russischen Rizhin in die Sicherheit des österreichisch-ungarischen Reiches floh. Jeder der Söhne des Riziner Rebbe gründete eine eigene Dynastie. Die Sadegurer Chassidim blieben bis zum Ersten Weltkrieg auf diese Stadt konzentriert; dann flohen ihre Leiter nach Wien und schließlich 1938 nach Tel Aviv.

Der Ankunft der Sadegurer in Palästina Ende der 1930-er Jahre ging eine Untergruppe voraus, die sich Jahrzehnte vorher als Teil der konstanten, wenn auch nicht massiven chassidischen Immigration in das osmanische Palästina ansiedelte. So war es möglich, dass Idelsohn dieser Gemeinschaft 1915 in oder um Jerusalem begegnete, kurz bevor er zwangsweise in die osmanische Armee rekrutiert wurde, in der er während Teilen des Ersten Weltkriegs als Militär-Kapellmeister in Gaza diente. Andererseits verbrachte Idelsohn den Winter 1913 und Anfang 1914 auf einer Spendensammel-Reise nach Berlin und Wien. Also hörte er die Melodie vielleicht dort.

Einer der Gründe, dass wir das nicht sicher wissen, sind die Störungen und Ortswechsel in Idelsohns Leben. Kurz nachdem er „Hava Nagila“ erdachte, verließ Idelsohn Palästina auf spektakuläre Weise, zuerst nach Europa und schließlich nach Cincinnati, wo er einen neuen Lehrauftrag für jüdische Liturgie am Hebrew Union College annahm. Sein Weg vom zionistischen Kulturaktivisten zum akademischen Ausbilder an dem unerschütterlich nichtzionistischen Reform-Seminar war steinig. Idelsohn begrüßte eindeutig die Chance den Kurs des amerikanischen Judentums zu beeinflussen und seine Prägung erweist sich in der Art, wie die jüdische Reform- wie auch die konservative Bewegung anfingen Musik in ihre Bildungs- und Gemeindearbeit einzubringen. Aber er hatte damit zu kämpfen sich sozial und wirtschaftlich anzupassen und vermisste seine engere Familie, von der viele nach Johannesburg gezogen waren. Die Vermutungen seiner Kollegen bezüglich seiner Politik halfen auch nicht. Genauso wenig ein unbedeutender Skandal, der Idelsohn und einen Vertrauensmann aus dem Mittleren Westen involvierte, der den zugewanderten Professor betrog. Dann kam eine kräftezehrende Krankheit, die zur Frühpensionierung führte und dazu, dass er selbst nach Südafrika zog, wo er 1938 starb.

Derweil verbreitete sich Idelsohns Lied wie ein Lauffeuer in der jüdischen Welt. Unmittelbar nach seiner Premiere in Jerusalem, schrieb er später, „verbreitete sich Hava schnell im ganzen Land“, eines von einer Reihe neu komponierter Pionier-Lieder, die dann Gunst in Kibbuzim und Moschawim Gefallen fanden. Auf dem Weg nach Cincinnati produzierte er in Berlin 1922 die erste kommerzielle Aufnahme dieses gefeierten „palästinensisch“-hebräischen Liedes, eine Produktion, die weiter zur Verbreitung von „Hava Nagila“ über den Jischuw hinaus beitrug. Gleichzeitig kurbelten seine Veröffentlichungsanstrengungen rasch das Profil des Liedes. „Hava Nagila“ erschien in der zweiten Ausgabe seines hebräischen „Sänger“, ebenfalls 1922 in Berlin gedruckt. Danach drang es in den späten 1920-er und den 1930-er Jahren schnell in zionistischen Jugendkreisen und Sommerlager in Europa und Nordamerika vor.

Idelsohns Veröffentlichung von „Hava Nagila“ 1922 in „Sefer haschirim“ (Berlin) (Dank an das Jewish Music Research Center an der Hebräischen Universität Jerusalem)

Derweil dauerten Fragen zu „Havas“ Herkunft und Idelsohns Rolle bei seiner Autorenschaft an. Ein Gericht in Tel Aviv deckte in den 1960-ern eine bittere gerichtliche Auseinandersetzung um Lizenzgebühren des Liedes auf. Jahrzehnte lang haben die Nachkommen von Kantor Mosche Nathanson, einem in Jerusalem geborenen Kantor, der nach New York City zog, nachdem er in seiner Jugend mit Idelsohn studierte, behauptet, er sei es gewesen, der praktisch die unsterblichen Worte auf die Melodie gesetzt hatte, die von seinem Lehrer als Teil einer Aufgabe gestellt wurde. Die Dokumentation Hava Nagila: The Movie aus dem Jahr 2012, stellte lebende Mitglieder der beiden Familien vor, die in rhetorischem Kampf um die Autorenschaft des Liedes feststeckten.

Viele Jahre lang sind Forscher zu dem Schluss gekommen, dass es kaum die Möglichkeit gab noch irgendetwas über den Ursprung von „Hava Nagila“ verifizieren zu können. Bis vor ein paar Wochen. Im August kehrte einer von uns (Edwin Seroussi) in die Klau-Bibliothek des Hebrew Union College (HUC) in Cincinnati zurück, 40 Jahre, nachdem er das Privileg hatte zwei Monate dort zu verbringen, um die große Birnbaum-Sammlung jüdischer Musik zu katalogisieren, die von der Klau-Bibliothek beherbergt wird. Mit der enthusiastischen Zusammenarbeit der heutigen Bibiotheksmitarbeiter erkannten wir, dass mehrere, Idelsohn gehörende wichtige Aufzeichnungen an seinem letzten Arbeitsplatz verblieben – dem HUC. Dieses Material in die Öffentlichkeit zurückzubringen war das Ziel des letzten Besuchs.

Als Idelsohns Familie ihn – fast völlig gelähmt – 1937 nach Südafrika brachte, begleitete ihn sein Besitz. Diese Sammlung beinhaltete seine umfangreiche Korrespondenz sowie viele seiner Schriften, Fotografien und Partituren. In den frühen 1960-er Jahren stifteten seine Erben sie der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem (heute die Nationalbibliothek Israels). Trotzdem hatte Idelsohn zuvor der Klau-Bibliothek des HUC in Cincinnati einige seiner wichtigen Manuskriptbände gestiftet. Er gestaltete sogar einen Sonderkatalog für diese Dinge. Aus unbekannten Gründen blieben diese kostbaren Materialien jedoch ein Dreivierteljahrhundert unbearbeitet und wurden erst vor kurzem zur Konservierung und Katalogisierung wieder erfasst.

Einzigartig in dieser wiedergefundenen Idelsohniana sind seine Hefte, sechs an der Zahl, in denen er die Melodien eintrug, die er beginnend 1907 sammelte, während er seine Feldforschung im osmanischen Palästina betrieb die er mit seinen eigenen Kompositionen mischte. In den folgenden Jahrzehnten sollten diese wahllos gesammelten Melodien, entsprechend ihrer Ursprungsgemeinden aufgezeichnet, seine große Publikation ausmachen, den Orientalisch-hebräischen Melodienschatz. Er hinterließ zudem komplette Entwürfe und Manuskripte seiner zwei wichtigen Bücher Jüdische Musik in ihrer historischen Entwicklung (1929) und Jüdische Liturgie in ihrer Entwicklung (1932) sowie viele andere Dokumente und zusätzliche Korrespondenz.

Eines der Hefte, „I4a“ im Originalkatalog, beinhaltet, was offenbar die früheste und Originalnotierung der Melodie ist, die schließlich das Lied „Hava Nagila“ werden sollte. Dieses Heft ist, anders als die anderen, nicht datiert, sondern beinhaltet ein Lied aus dem Jahr 1906. Es erscheint jedoch so, dass Idelsohn in den Folgejahren Material hinzufügte.

Die früheste Notierung der Melodie, die schließlich das Lied „Hava Nagila“ werden sollte (Dank an die Klau-Bibliothek, Hebrew Union College – Institute for Religion, (CN) Idelsohn 4a)

Von rechts nach links geschrieben, wie Idelsohn einen Großteil seiner Musik aus der Zeit um 1908 bis er Palästina 1921 verließ, ist dieses chassidische niggun fast identisch mit der normgebenden Version von „Hava Nagila“, die bis heute kursiert. Wie erwähnt behauptete Idelsohn in Band 9 des Melodienschatzes (1932), dass er die Melodie 1915 bei in Palästina lebenden Chassiden des Sadigura-Hofstaats sammelte. Angesichts dieser neuen Entdeckung könnte es jedoch durchaus sein, dass er die Melodie schon früher sammelte, höchstwahrscheinlich ein paar Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. Solche Ungenauigkeiten sind in seinen späteren Publikationen nicht unüblich.

Ein wichtiges Detail aus diesen frühen Notierungen der Melodie ist erwähnenswert. Andererseits schrieb Idelsohn auf Hebräisch „Chasidit krilovitz me-Sadigura“ d.h. „chassidische [Melodie des] Krilowitz aus Sadigura“. Dieses subtile Detail könnte implizieren, dass die „Sadigura-Krilowitz“-Anmerkung, die oben auf der Version des niggun in Band 9 von Idelsohns Schatz sich nicht notwendigerweise auf zwei Städte bezieht, die beide chassidische Gerichte hatten, Sadhora/Sadigura (in der Bukowina in der Ukraine) und in Krilowitz (in Podolia in der Ukraine), aus denen die Melodie stammen. Diese Anmerkung kann auch so gelesen werden, dass eine Person (natürlich einen Chassid) namens Krilowitz (ein übrig gebliebener Familienname) kennzeichnet, der aus Sadigura stammt und trotzdem öffnet die Präposition „aus“ in der Anmerkung die Möglichkeit eine bestimmte Einzelperson zu lokalisieren, die Idelsohn die inzwischen allgegenwärtige jüdische Melodie weltweit überlieferte.

Die am tiefsten gehende Kritik am Zionismus war gemäß Gerschom Scholem eine Zeile, die vom deutsch-jüdischen Philosophen Hermann Cohen geäußert wurde: „Diese Typen wollen einfach glücklich sein.“ Vielleicht ist das genau das, was Idelsohn im Sinn hatte, als er eine chassidische Melodie als zionistische Hymne neu fasste. Aber Musik hat ihre eigenen Regeln. Letztlich ging „Hava Nagila“ über seine mystischen Wurzeln in Osteuropa und seine moderne hebräische Neufassung im osmanischen/britischen Palästina hinaus, um ein universales Symbol jüdischen Glücklichseins zu werden. Was Idelsohn aus dem Schicksal seines Liedes heute machen würde – oder aus dem Zionismus – kann man nicht beantworten. Aber das Geheimnis seiner Herkunft ist heute ein wenige näher daran gelöst zu werden.

Eine Sicht auf Israel

Joseph Puder, FrontPageMag, 8. Juli 2019

Für viele ist Israel heute die Startup-Nation, ein wohlhabender und militärisch mächtiger Staat. Dazu wurde es nicht über Nacht. Einige radikale antiisraelische Stimmen beschreiben Israel fälschlich als „weiß“. Die Fakten lauten jedoch anders. Es gibt mehr als hunderttausend Immigranten aus Äthiopien, afrikanische Wirtschaftsmigranten zu tausenden und Mizrahi-Juden aus dem arabischen Nahen Osten, die rund die Hälfte der Bevölkerung stellen. Israelis aller Farben und Überzeugungen lassen die Wüste erblühen, überwinden die Härten von Kriegen, Terror und absorbieren Millionen jüdische Flüchtlinge ohne natürliche Ressourcen zu haben.

Israel ist heute für seinen einzigartigen Unternehmer- und Innovationsgeist bekannt; es begann seine Unabhängigkeit 1948 aber als Land, das seiner natürlichen und finanziellen Ressourcen beraubt war. Ein weit verbreiteter Witz im Land lautete so: „Moses schlug die falsche Richtung ein. Statt die Israeliten vom Sinai ins Land aus Milch und Honig nordöstlich des Sinai zu führen, hätte er es nach Osten über das Rote Meer nach Saudi-Arabien bringen sollen. Auf diese Weise hätten wir Öl und Reichtum gehabt.“

Witz beiseite, der jüdische Staat hatte in seinen frühen Jahren keine Geldreserven, wenig wirtschaftliche Infrastruktur und wenig öffentliche Dienstleistungen. In den 1950-er Jahren führte die Regierung Rationalisierungen ein, was als Zeitalter der „Tzena“ (Enthaltung) bekannt war. An Familien wurden Lebensmittelmarken ausgegeben, die ihnen den Kauf von begrenzten Mengen an Zucker, Mehl und Öl sowie Eiern im Monat erlaubte. Auch Fleisch war rationiert und rotes Fleisch war damals selten und teuer. Als kleines Kind in den 1950-ern und junger Teenager in den 1960-ern erinnere ich mich an die Knappheit an Kinderspielzeug. Dieser Reporter spielte mit Streichholzschachteln, die zu imaginären Panzern wurden, die Auschwitz befreiten und die Juden retteten. Ich wuchs mit Familien aus Holocaust-Überlebenden auf, einschließlich meiner eigenen. Ihre Torturen formten den Geist der Kinder, auch dieses Reporters.

Israel hatte damals eine quasi-sozialistische Wirtschaft, es fehlte großer Privatbesitz an wirtschaftlichen Firmen. Banken, die nationale Fluggesellschaft El Al, Israelis Schifffahrtsflotte ZIM waren in Staatsbesitz und wurde vom Staat betrieben. Und was nicht die Regierung besaß, besaßen die Gewerkschaften oder die Histadrut. Es war eine kritische Zeit in der Geschichte des Landes, die mit einem massiven Zustrom an Immigranten aus Europa, dem Nahen Osten und dem Maghreb ( Nordafrika) zusammenfiel, die Wohnungen, Nahrung, Kleidung, und Arbeit bekommen mussten. Angesichts der Kapitalknappheit, fiel die Last mit diesen Problemen klarzukommen dem öffentlichen Sektor zu.

Es sollte bemerkenswert sein, dass in Israels Unabhängigkeitskrieg 1948 ein volles Prozent der jüdischen Bevölkerung getötet wurde und die Infrastruktur des Landes in Unordnung war. Die USA und Großbritannien verhängten während des Krieges und danach ein Embargo für Waffenverkäufe, während Israels Feinde Ägypten, Jordanien (das von einem britischen Offizier namens Glubb Pasha kommandiert wurde), Irak, Libanon und Syrien bereits etablierte Staaten waren und sich auf ihre bestehenden großen Arsenale zählen konnten. Die Jahrzehnte der 1950-er und 1960-er waren alles andere als friedlich. Fedayyin (Terroristen) aus dem Gazastreifen überquerten die Grüne Linie nach Israel mit dem Ziel Israelis zu töten und Farmland sowie Industrieeinrichtungen zu vernichten. Angegriffen wurden Busse, was vielen Frauen und Kindern den Tod brachte. Das führte schließlich zum Sinai-Feldzug von 1956, bei dem Israel die ägyptischen Streitkräfte im Sinai besiegte und den Suezkanal erreichte. Der Sechstage-Krieg, rund ein Jahrzehnt später, erlebte, wie Israel eine überaus verblüffende Großtat mit dem Sieg über drei große arabische Armeen innerhalb von sechs Tagen ausführte.

Nach dem Krieg waren die engen Grenzen des Landes nun weiter und boten dem kleinen Land mehr Sicherheit, was die frühere enge Taille von nur 15km zwischen der Grenze und dem Mittelmeer löschte, in der seine Hauptbevölkerungszentren und der internationale Flughafen lagen. Die Euphorie des Sechstage-Krieges klang 1969 ab, da Israel sich dem Abnutzungskrieg gegenüber sah, bei dem der Cousin dieses Reporters getötet wurde. In diesem Krieg gerieten israelische Piloten mi ihren sowjetischen Pendants aneinander und schossen ein paar dutzend sowjetische MiGs in Luftkämpfen ab.

In den 1970-ern dominierte die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation) das Jahrzehnt, besonders vor dem Yom Kippur-Krieg von 1973. Ein Krieg, in dem Israel an seinem heiligsten Tag des Jahres angegriffen wurde und sich bis zum Sieg wehrte, allerdings zu einem hohen Preis an Leben und Material. Am Ende des Jahrzehnts, 1979, ereignete sich das Wunder des Friedens mit Ägypten. Im selben Jahr entstand auch die Islamische Republik Iran, das weltführende, staatlich gesponserte Terrorregime.

Die 1980-er erlebten zwei große Kriege in der Region, dein zwischen Iran und Irak (1980 – 1988), der das Leben von mehr als einer Million Soldaten und Zivilisten forderte. Im Vergleich dazu war der Zweite Libanonkrieg 1982 auf der Skala von Tod und Zerstörung ziemlich unbedeutend. Immerhin beseitigte Israel die PLO-Gefahr aus dem Libanon. 1981 eliminierte Israel die Atombestrebungen des irakischen Diktators (Saddam Hussein) durch die Zerstörung des Atomreaktors Osirak in einer Aktion mit dem Codenamen „Operation Opera“.

Im wirtschaftlichen Sektor reduzierte der israelische Stabilisierungsplan der Regierung vom Juli 1985 die Beteiligung der Regierung an der Wirtschaft sowie die öffentlichen Ausgaben (von rund 60% des BSP auf 43%). Die Schulden wurden von 163% auf 78% reduziert. Zusätzlich wurden die Verteidigungsausgaben von 20% des BSP auf 10% gekürzt. Aus US-Darlehen für die Verteidigungskäufe wurden Zuschüsse gemacht. Bis Mitte 1986 wurde die Inflation aus dem dreistelligen Bereich in den zweistelligen auf rund 20% heruntergebracht.

Anfang der 1990-er verstärkte die Ankunft von mehr als einer Million Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion die innere Nachfrage dramatrisch. Das führte zu beschleunigtem wirtschaftlichem Wachstum und eine starke Zunahme der Investitionen. Die 1990-er erlebten die Oslo-Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO, unterzeichnet auf dem Rasen des Weißen Hauses Ende September 1993. Ein Jahr später unterzeichnete Jordanien einen Friedensvertrag mit Israel. Trotz der Oslo-Vereinbarungen stachelte Yassir Arafat, der PLO-Vorsitzende, zu palästinensischem Terror auf, wozu mörderische Bombenanschläge gehörten, was die Israelis gegenüber der Möglichkeit einen Friedenspartner zu haben verbittern ließ.

Das 21. Jahrhundert begann mit der von Arafat initiierten Intifada, die bis 2004 andauerte. Friedensouvertüren und beträchtliche Zugeständnisse der israelischen Premierminister Barak und Olmert in den Jahren 2000 und 2008 führten nicht zu einem Durchbruch. Die Palästinenser lehnten beide Chancen ab. Die israelische Wirtschaft andererseits erfuhr einen fantastischen Boom. Tyler Cowen schrieb in einem Text in Bloomberg Opinion (6. Juni 2019): „Im letzten halben Jahrhundert oder so entwickelte sich Israel von einem relativ armen Land in eines der 25 reichsten der Welt, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen. Israel hat das weitgehend durch Handel, Integration in die Weltwirtschaft, Liberalisierung der Wirtschaft und große Investitionen in den Techniksektor und Startups, oft mit Unterstützung der Regierung, erreicht.“ Fakt ist: Israels Pro-Kopf-Einkommen 2018 stand bei $41.581,119, sein Bruttosozialprodukt bei $392 Milliarden und seine Wachstumsrate lag bei erstaunlichen 4,4% für 2018. Israel hat seit dem Export von Orangen und Phosphaten weit gebracht: zu einem der führenden Hightech-Exporteure, darunter Wassertechnologie, medizinisches Gerät und hochentwickelte Waffen.

Um eine Perspektive dafür zu bekommen, wie dramatisch Israel sich verändert hat, stellte dieser Reporter in einer Podiumsdiskussion auf dem Capitol Hill vor Kongressmitgliedern und Mitarbeitern heraus, dass bis in die Letzten Jahrzehnte eine Reise von Tel Aviv nach Jerusalem sie zweieinhalb Stunden gekostet hätte. Heute würde diese Fahrt außerhalb der Rushhour nur 30 bis 35 Minuten dauern. Israels Infrastruktur hat enorme Erweiterungen durchgemacht, es gibt jetzt vierspurige Autobahnen durch das ganze Land und komfortable Eisenbahnen. Israel ist nicht nur reich geworfen, es ist ein komfortables Land, um darin zu leben und zu reisen.

Muslimführer bestreitet jüdische Rechte in Jerusalem vor Repräsentanten des Vatikan

Elder of Ziyon, 4. Oktober 2019

Am Donnerstag besuchten die Repräsentanten des Vatikan für die östlichen Kirchen Leonard Sandri und Fracesco Patton den Tempelberg/das Al-Aqsa-Gelände.

Kardinal Sandri hielt eine Rede, in der er die Position des Vatikan zu Jerusalem betonte, darunter dieses Zitat von Papst Franziskus vom letzten März:

Wir glauben es ist wichtig die Heilige Stadt Jerusalem als gemeinsames Erbe der Menschheit zu erhalten und vor allem für die Gläubigen der drei monotheistischen Religionen, als einen Treffpunkt und Symbol friedlicher Koexistenz, an dem gegenseitiger Respekt und Dialog kultiviert werden.
Mit diesem Ziel vor Augen müssen der besondere multireligiöse Charakter , die geistliche Dimension und die eigene kulturelle Identität Jerusalems erhalten und gefördert werden.
Wir hoffen daher, dass den Gläubigen der drei monotheistischen Religionen in der Heiligen Stadt die volle Freiheit des Zugangs und das Recht eines Jeden seinen eigenen Gottesdienst zu feiern gewährt wird, damit in Jerusalem von seinen Gläubigen das Gebet zu Gott, dem Schöpfer von allem, für einen zukünftigen Frieden und Brüderlichkeit auf der Erde aufgerichtet wird.

Scheik Mohammed Azzam Al-Khatib Al-Tamimi, Generaldirektor der Waqf und der Al-Aqsa-Moschee, antwortete mit einer antiisraelischen Äußerung, die zudem jegliche jüdische Verbindung zu Jerusalem leugnete:

Ich danke der franziskanischen Delegation in Jerusalem, der Delegation des Vatikan, für diesen Besuch und für Ihre Solidarität mit der Behörde der Waqf in Jerusalem, die wegen der fortgesetzten historischen israelische Verletzung der Al-Aqsa-Moschee eine schwierige Zeit erlebt.
Das heutige Treffen hat eine historische Bedeutung und wir können sagten, dass es früheren Besuchen des Obersten Pontifex Franziskus bei unserem Grundbesitz (Waqf) und unserer Al-Aqsa-Moschee folgt und er ist eine klare und feierliche Botschaft auf Grundlage der christlich-muslimischen Koexistenz und Ihre fortgesetzte Unterstützung zum Erhalt des historischen Status quo in islamischen und christlichen Schreinen gemäß den Vereinbarungen, die vor der Besetzung Jerusalems 1967 eingerichtet wurden.
Das Modell der friedlichen islamischen und christlichen Koexistenz in Jerusalem hat 1.400 Jahre angehalten, aber leider können wir nicht vergessen, sondern verurteilen die Kriege und Angriffe gegen Gotteshäuser, gegen die Gläubigen und die unschuldigen Einwohner der Heiligen Stadt und betrachten diese Taten als Anomalie in der Geschichte Jerusalems.

Dann macht er es noch schlimmer:

Wir nutzen die Gelegenheit dieses Treffens um unser Festhalten an den Prinzipien des Omar-Paktes, der die Form der christlich-muslimischen Beziehung auf der Grundlage einrichtete, dass die Al-Aqsa-Moschee ausschließlich Gebetsort für die Muslime ist, so wie die Grabeskirche das für die Christen ist.

Dieser Pakt, auf Arabisch als „al-‘Uhda al-‘Umariyya“ bekannt, ist bezüglich seiner Authentizität in Frage gestellt; es gibt viele Versionen. Die scheinbar zuverlässigste Version, von Al-Tabari festgehalten, beinhaltet:

Dies ist die Zusage der Sicherheit [aman], die der Diener des Gottes, Omar, der Kommandeur der treuen Gläubigen, dem Volk von Jerusalem gegeben hat. Er hat ihnen Sicherheit für sich selbst, ihren Besitz, ihre Kirchen, ihre Kreuze, den Kranken und Gesunden der Stadt zugesichert, für alle ihre Rituale, die zu ihrer Religion gehören. Ihre Kirchen werden nicht von Muslimen bewohnt werden, noch werden sie zerstört werden. Weder sie noch das Land, auf dem sie stehen, auch nicht ihr Kreuz, nicht ihr Landbesitz werden beschädigt werden. Sie werden nicht zwangskonvertiert. Kein Jude wird mit ihnen in Jerusalem leben.*

Wenn Al-Tamimi sich auf Omars Versprechen an die Christen bezieht, löscht er weiter jüdische Geschichte aus.

Die Vertreter des Vatikans sind natürlich zu höflich, um bei einer Zeremonie gegen den auseindeutigen Antisemitismus des Repräsentanten der Waqf zu protestieren, die die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Religionen feiert sollte. Die Juden den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen ist ein kleiner Preis, der dafür bezahlt wird.

Oh und arabische Nachrichtenseiten berichten über Tamimis Worte, als würde der Vatikan dem zustimmen.

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* Gehörte der antisemitische Teil wirklich zu Omars Zusicherung? Tamimi scheint das so zu sagen. Islamicity in den USA argumentiert, es habe nicht so sein können, zerstört dann aber Tamimis Beharren auf muslimische Exklusivität für den Tempelberg!

Es gibt in dem Vertrag zwar eine Klausel bezüglich des Bannes der Juden aus Jerusalem, aber deren Authentizität ist umstritten. Einer der Führer von Omar in Jerusalem war ein Jude namens Kaab al-Ahbar. Omar erlaubte Juden weiterhin auf dem Tempelberg und an der Klagemauer zu beten, während die Byzantiner ihnen alle solche Aktivitäten verboten. Damit steht die Authentizität der Klausel zu den Juden in Frage.

Andere Quellen sagen, dass Omar Jerusalem niemals besuchte, sondern Zeugen sahen, dass Juden auf den Tempelberg gelassen wurden und sogar halfen den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee zu bauen.