Liberaler Kolumnist ruft Hamas zur Beendigung des Terrorismus auf

MEMRI-Sonderbericht Nr. 401, 21. Juli 2002

Der tunesische Liberale Al-Afif al-Akhdhar, der in Paris lebt und für die arabischsprachige Londoner Tageszeitung Al-Hayat schreibt, veröffentlichte einen offenen Brief an Hamas, in dem er alle Organisationen aufruft die Selbstmordanschläge zu beenden. Es folgen Auszüge aus dem Artikel:
(heplev: Die Einschätzung Israels durch den Autor kann ich nun überhaupt nicht teilen. Ich werfe ihm auch vor, dass er Terror nicht aus moralischen Gründen ablehnt, sondern nur, weil „seine Zeit“ vorbei sei! Aber die Vorwürfe an die Hamas finde ich sehr interessant. )

Ihr dient Israel

… Eure Selbstmordaktionen und eure arroganten Erklärungen bezüglich der Notwendigkeit der Elimination des Staates Israel, das ein Mitglied der UNO ist, gibt der israelischen Propaganda einen Trumpf, der es ihr ermöglicht den Propagandakrieg mit der Behauptung zu gewinnen, dass die Palästinenser keinen Staat neben Israel wollen, sondern einen Staat auf den Ruinen des Staates Israel. Diese Erklärung [dass Israel ausgelöscht werden muss] ist im internationalen Konsens nicht akzeptabel und passt nicht zu einem vernünftigen Politiker, denn sie führt zur diplomatischen und medialen Isolation und setzt das Volk den Tragödien aus…

Was ist das Ziel dieser Selbstmordanschläge und kann dieses Ziel in absehbarer Zukunft erreicht werden?

Die von nationalen Befreiungsbewegungen [in aller Welt] seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts benutzte bewaffnete Gewalt, z.B. in Algerien und Vietnam, hatte nie gezielt Zivilisten angegriffen. Ihr erklärtes Ziel war, den Feind zu zwingen sich an den Verhandlungstisch zu setzen und eine Einigung zu erzielen. Im Gegensatz dazu seid ihr von der Hamas von diesem politisch-militärischen Weg abgewichen und greift israelische Zivilisten an und erklärt dazu, dass Verhandlungen mit Israel ein Verbrechen seien. Ihr habt es sogar abgelehnt, an den Wahlen von 1994 teilzunehmen, weil die Palästinensische Nationale Autonomiebehörde, die sie organisierte, aus Verhandlungen mit Israel entstanden war…

Irrational nihilistisches Verhalten

Dieses irrational nihilistische Verhalten hat einen Namen: nihilistische Worst-case-Politik. Sie ist die schlimmste, denn sie geht unweise Risiken ein. Sie folgt der Logik des biblischen Samson: „Lass mich mit den Philistern sterben.“ Sie ist nihilistisch, weil sie im Endeffekt alle Werte und Normen negiert, die die internationale Gemeinschaft untermauern. Euch sind die zerstörerischen Ergebnisse der Selbstmordoperationen egal, wie auch die zunehmende Unterdrückung eures Volkes und die Ausdehnung des Krieges in arabische Länder der Region, wodurch in diesen Anarchie gespäht und sie unregierbar gemacht werden.

In dieser Gleichgültigkeit gegenüber menschlichem Schmerz, in der ihr Blut [das der Palästinenser] so gering geschätzt wird, in der ihr Leben verachtet wird und in der ihre Zukunft auf dem Altar der naiven Illusion der „Befreiung Palästinas bis zum letzten Grashalm“ enteignet wird, drückt sich eine halluzinatorische Paranoia aus, die Mord und Selbstmord als Ziele an sich betrachtet. Es drückt sich eine Art Identität aus, die von denen geliebt wird, die nach Macht und Blut hungern, die religiöse Werte genauso verachten wie die Werte dieser Welt.

Diese Worst-case-Haltung ist die Quelle aller politischen Blindheit. Sie ist es, die dafür gesorgt hat, dass ihr euch in den eigenen Fuß geschossen habt und menschliche Bomben gegen die Zukunft eures Volkes explodieren lässt. Sie ist es, die dazu geführt hat, dass eure politischen Möglichkeiten sich allem annähern, das dem Feind eures Landes nutzt. Beleg dafür ist das Timing eurer Selbstmord-Anschläge und eurer schändlichen Kooperation mit Sharon im Widerstand gegen alles, was den Frieden voran bringt.

Ihr habt in den letzten Jahrzehnten alle Chancen verpasst

1996 habt ihr eure Selbstmordanschläge zeitlich so abgepasst, dass sie mit den israelischen Wahlen zusammen fielen, damit ihr Netanyahu helfen konntet den Friedensprozess abzubrechen und Peres zu stürzen, dessen Plan es war in die Geschichte als der Verfasser des arabisch-israelischen Friedens einzugehen. 1997 sagte der verstorbene syrische Präsident: „Wäre Peres gewählt worden, gäbe es bereits Frieden zwischen uns und Israel.“

Rabins Ermordung durch einen jüdischen Terroristen und der Sturz seines Verbündeten Peres durch euch beendeten jede Friedensdynamik. Das kranke palästinensische Volk und seine Führer bezahlen immer noch für diesen Fehler. Hamas und die Likud-Führung teilen als gemeinsamen Nenner die resolute Opposition gegen alles, was in Richtung Frieden geht und verhindern die Gründung eines palästinensischen Staates, den der Likud als den Anfang des Endes Israels betrachtet und ihr als Garantie für Israels Existenz! Als Sharon in der Knesset gegen den ägyptisch-israelischen Frieden stimmte, stimmtet ihr durch die Moslem-Bruderschaft in den Straßen von Kairo dagegen… Sharon stimmte gegen die Madrider Friedenskonferenz; so auch ihr auf eure besondere Weise. Er stimmte gegen die Oslo-Vereinbarungen; so auch ihr, indem ihr sie als Gotteslästerung bezeichnetet. Der Held von Sabra und Shatila stimmte gegen den israelisch-jordanischen Frieden; so auch ihr.

Was sorgt dafür, dass eure Haltung der der Feinde eures Volkes und eures Staates sich so annähert? Könnte es Kollaboration sein? Gott bewahre! Es gibt einen anderen Grund, der das Ergebnis nicht minder schwer wiegend macht. Es ist eure Unfähigkeit euch von der Religion hin zur Politik zu bewegen.

(Der Journalist) Huda Al-Husseini schrieb: „In einem Telefongespräch sagte mir ein britischer Experte für islamistische Bewegungen, dass es das Ziel der Hamas sei den Staat Israel zu eliminieren…“ Dieser Experte sagte: „Als ich mich mit Hamas-Führern traf, war ich von der Entdeckung überrascht, dass die meisten ihrer Mitlieder sagen, die Gründung eines islamischen Staates würde etwa um 2022-23 kommen… Da muss ein Datumsfehler vorliegen, denn 1999 besagte ein religiöses Urteil von Ahmed Yassin, dem spirituellen Führers der Hamas, dass das Datum der Gründung des islamistischen Staates in Palästina, auf den Ruinen Israels und in Übereinstimmung mit den Prophezeiungen der Tora, 2027 stattfinden würde – 40 Jahre nach Ausbruch der ersten Intifada.“

Wenn ihr euch nicht ändert, werde ihr mehr verlieren

Ich frage die Intelligenten unter euch: „Erlauben euch eure Religion und euer moralisches Bewusstsein die palästinensischen Jugendlichen, deren Leben ihr mit solchem Unsinn riskiert, einer Gehirnwäsche zu unterziehen?“ Wie könnt ihr eurer Strategie erlauben, dass sie auf einer halluzinösen Interpretation der jüdischen Theologie gründet? Ist es nicht diese theologische Interpretation der Sache des palästinensischen Volkes, die seine Tragödien schuf? [Wegen eben solcher Theologie] kollaborierte Hadsch Amin Al-Husseini mit Hitler und lehnte die Einigung ab, die ihm 1937 von der Peel-Kommission zur Teilung Palästinas angeboten wurde und bei der 20% an die Juden und 80% an Palästina gehen sollten. Dann wiederholte er seinen Fehler, als er den Teilungsplan ablehnte, der diesmal 55% für die Juden und den Rest für Palästina vorsah… Ihr habt den Clinton-Plan abgelehnt, der eurem Volk 96-97% der Westbank gegeben hätte. Dazu habt ihr religiöse Entscheidungen angeführt, dass ihr das ablehntet, weil es eine amerikanisch-jüdische Verschwörung gegen das palästinensische Volk war…

Ich verlange nicht, dass ihr strategische Pläne entwickelt, obwohl eure politischen Aktivitäten ohne Strategie nicht möglich sind. Alles, was ich von euch verlange, ist, dass ihr ein bisschen Realismus behaltet, der euch helfen wird, die Trennung zwischen euren Wünschen und der regionalen und internationalen Realität zu verstehen. Wenn ihr diesen euren Ansatz nicht aufgebt, werdet ihr ihm weiter bis zum bitteren Ende folgen – in der Rolle der sturen Verweigerer, die in ihren Illusionen über sich selbst und die Welt falsch liegen.

Ohne Veränderung werdet ihr die Botschaft des 11. September nicht begreifen – dass die Ära der Selbstmordoperationen vorbei ist und jede Gewalt an sich international unakzeptabel ist und Terror darstellt, egal, welche Gründe dahinter stehen. Gewalt wird keinerlei politische Belohnung finden. Der vorbeugende Krieg, d.h. die Offensive als beste Form der Verteidigung, ist die strategische Regel im Krieg gegen Terror. Es ist kein Zufall, dass die EU-Staaten kürzlich die PFLP und die Al Aksa-Märtyrerbrigaden auf die Liste der Terror-Organisationen setzten – die Liste, auf der ihr und der Islamische Jihad als erste verzeichnet ward.

Al-Hayat (London), 14. Juli 2002

Es gibt kein palästinensisches Volk

Joseph Farah, WorldNetDaily, 11. Juli 2002

Eine provokante Überschrift? Es ist mehr als das. Es ist die Wahrheit.

Wahrheit ändert sich nicht. Wahrheit ist Wahrheit. Wenn etwas vor 50 Jahren wahr war, vor 40 Jahren, vor 30 Jahren, dann ist es auch heute noch wahr. Und die Wahrheit ist, dass es vor nur 30 Jahren sehr wenig Verwirrung in der Palästinafrage gab.

Vielleicht erinnern Sie sich daran, dass die einstige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir kühn erklärte: „So etwas wie ein palästinensisches Volk gibt es nicht.“

Diese Darstellung ist seitdem Quelle von Hohn und Spott arabischer Propagandisten gewesen. Sie lieben es, über Golda Meirs „Rassismus“ zu reden. Sie lieben den Hinweis, sie verleugne Geschichte. Sie lieben es zu sagen, ihre Aussage sei offenkundig falsch, eine bewusste Lüge, ein strategischer Betrug.

Worüber sie jedoch nicht reden wollen, sind die sehr ähnlichen Aussagen von Yassir Arafat und dem inneren Kreis seiner politischen Führung – Jahre, nachdem Golda Meir die Wahrheit gesagt hatte: dass es keine eigene palästinensische Kultur und nationale Identität gibt.

Trotz der Tatsache, dass das Alltagswissen inzwischen verkündet, es gäbe so etwas wie das palästinensische Volk, bringe ich diese unbequemen Zitate auf, die von Arafat und seinen Handlangern gemacht wurden, als ihre PR-Wachsamkeit versagte. Vor langer Zeit, am 31. März 1977, veröffentlichte die niederländische Zeitung Trouw ein Interview mit dem PLO-Exekutivratsmitglied Zahir Muhsein. Er sagte Folgendes:

Ein palästinensisches Volk gibt es nicht. Die Schaffung eines palästinensischen Staates ist nur ein Mittel, unseren Kampf gegen Israel für unsere arabische Einheit fortzusetzen. In Wirklichkeit gibt es keinen Unterschied zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syriern und Libanesen. Nur aus politischen und taktischen Gründen sprechen wir heute von der Existenz eines palästinensischen Volkes, da die arabischen Interessen verlangen, dass wir die Existenz eines eigenen „palästinensischen Volkes“ fordern, um uns dem Zionismus zu widersetzen.

Aus taktischen Gründen kann Jordanien als souveräner Staat mit festgelegten Grenzen keine Ansprüche auf Haifa und Jaffa geltend machen, während ich als Palästinenser unzweifelhaft Haifa, Jaffa, Beer-Sheba und Jerusalem beanspruchen kann. In dem Augenblick aber, in dem wir unser Recht an ganz Palästina wieder gewonnen haben, werden wir nicht eine Minute zögern, Palästina und Jordanien zu vereinen.

Das ist ziemlich deutlich, oder? Es ist sogar noch deutlicher als Golda Meirs Aussage. Es bestätigt einmal mehr, was ich zu dieser Frage bisher geschrieben habe. Und es ist nicht die einzige Aussage dieser Art. Erst im Herbst 1993 gab Arafat selbst eine sehr entschiedene und eindeutige Erklärung in dieser Richtung ab. Sie zeigt schlüssig, dass in Wirklichkeit das Argument einer palästinensischen Nationalität die strategische Täuschung ist – eine Täuschung, die auf die Zerstörung Israels abzielt.

Es war sogar so, dass am Tag, als Arafat 1993 die Prinzipienerklärung auf dem Rasen des Weißen Hauses unterzeichnete, er sein Tun im jordanischen Fernsehen erklärte. Er sagte Folgendes: „Da wir Israel nicht durch Krieg zerstören können, tun wir es in Phasen. Wir übernehmen alles und jedes Stückchen Land Palästinas, dessen wir habhaft werden können und gründen darauf eine souveräne Einheit. Diese nutzen wir als Sprungbrett um mehr zu greifen. Wenn die Zeit reif ist, können wir die arabischen Nationen dazu bringen, gemeinsam mit uns den Endschlag gegen Israel zu führen.“

Egal, wie viele Leute sich selbst davon überzeugen, dass das Streben der Palästinenser nach einem Staat aufrichtig und der Schlüssel zum Frieden im Nahen Osten ist, sie täuschen sich weiterhin selbst. Ich habe es früher schon gesagt und werde es weiterhin sagen: In der Weltgeschichte hat niemals ein Palästina als Nation oder Staat existiert. Die Region, die als Palästina bekannt ist, wurde von Römern, islamischen Eroberern und christlichen Kreuzfahrern, vom ottomanischen Reich und kurze Zeit von den Briten nach dem ersten Weltkrieg beherrscht. Die Briten stimmten zu, wenigstens einen Teil des Landes den Juden als Heimatland ihrer Vorfahren wieder herzustellen. Es wurde nie von den Arabern als eigenständige Einheit regiert.

Warum hat es solch eine kritische Priorität gewonnen?

Die Antwort ist: Wegen einer massiven Täuschungskampagne und mehr als 40 Jahren unbarmherzigen Terrorismus.

Golda Meir hatte Recht. Ihre Aussage ist durch die Wahrheit der Geschichte und durch die freimütigen, aber nicht weit verbreiteten Verkündungen Arafats und seiner Untergebenen bestätigt worden. Israel und der Westen dürfen dem Terrorismus nicht nachgeben, indem sie den Mördern genau das geben, was diese wollen – einen PR-Triumph und einen strategischen Sieg. Es ist noch nicht zu spät, zum Terrorismus „Nein“ zu sagen. Es ist noch nicht zu spät, zu einem weiteren arabischen Terrorstaat „Nein“ zu sagen. Es ist noch nicht zu spät, die Wahrheit über Palästina zu verkünden.

© WorldNetDaily.com, Inc. 2002

Palästinensischer Aufruf gegen Selbstmordattentate (3/3)

Am 19. und am 21. Juni 2002 erschien in der palästinensischen Tageszeitung „Al-Quds“ eine Anzeige mit einem Aufruf von palästinensischen Intellektuellen, der weltweit – auch in unseren Medien – große Beachtung fand.

andere Reaktionen und Einschätzungen:

IMRAs Aaron Lerner kommentierte am 20. Juni 2002 in seinem wöchentlichen Kommentar auf Israel National Radio:

Palästinenser stellen die Effizienz des Terrors nicht in Frage, nicht die Moral

Es ist wichtig, dass fest gestellt wird, dass die verschiedenen Palästinenser Erklärungen bezüglich Terroranschlägen die Anschläge nicht als „unmoralisch“ bezeichnen – nur als kontraproduktiv. Für die Palästinenser ist das nicht die Frage der Moral des Terrors, sondern der Effizienz des Terrors.

Terranschläge wie der mörderische Anschlag heute Abend in Itamar oder z.B. ein Anschlag auf die Westmauer in Jerusalem werden von keiner dieser für den Konsum im Ausland bestimmten Erklärungen abgedeckt, da sie jenseits der grünen Linie statt finden. Alle Erklärungen beziehen sich nur auf Angriffe gegen Zivilisten „innerhalb Israels“, also innerhalb der „grünen Linie“.

heplev: Ich denke, dem ist nichts hinzu zu fügen. Es wird von diesen ganzen „moderaten“ Palästinensern nicht in Frage gestellt, ob Selbstmord-Operationen moralisch nicht zu rechtfertigen sind. Im Gegenteil. Jede Erklärung des Kommuniques beinhaltet immer wieder, dass „Märtyreroperationen“ gut und richtig sind, wenn sie Erfolg versprechen. Der einzige Grund, der das Kommunique veranlasst hat, ist die Befürchtung, dass diese Taten kontraproduktiv sind. Zur Verdeutlichung hier eine Äußerung von Sari Nusseibeh, einem der Erstunterzeichner und im Westen so hoch gehaltenen „Moderaten“, im Al Jazira-TV. Er befand sich in einer „Talkshow“ mit einem Hamas-Führer und der begeisterten Mutter eines Selbstmordbombers, die er kurz vor dem folgenden Absatz in höchsten Tönen lobte:

Nusseibeh wurde zu der Anzeige „gegen“ Selbstmordbomber in Israel befragt. Er antwortete:

Nach dem, was ich gehört habe, gibt es einige Missverständnisse zwischen dem Rahmen der persönlichen Motivation derer, die diese Aktionen durchführen einerseits und dem Rahmen, über den wir reden andererseit. Der letzte ist die Frage des politischen Gewinns oder Nutzens (einer solchen Aktion). Ich möchte mich nicht zur Frage der persönlichen Motivation eines Einzelnen äußern, sondern wir wollen besonders den Bereich des politischen Nutzens diskutieren, denn wir glauben, dass jede Aktion des Widerstands dieser Frage untergeordnet werden muss. Das heißt: verursacht diese Aktion Nutzen oder Schaden. Wir müssen auch unterscheiden zwischen demjenigen, der den Märtyrertod gegen militärische Ziele sucht und dem, der ihn gegen zivile Ziele sucht. In unserer Anzeige richteten wir uns ausdrücklich an potentielle Märtyrer der letzteren Kategorie, die Art mit der Sprengsatz-Operationen. Und denen sagten wir Folgendes: Wir sagten – und das will ich betonen -, dass wir weder (ihre Aktionen) weder verurteilen noch verunglimpfen und wir frönten keinen Sentimentalitäten. Statt dessen sprachen wir brüderlich, um einen Dialog zu schaffen, damit es eine Auswertung gibt, an der alle Theoretiker und die Aktiven teilnehmen können. Wie Sie selbst zu Beginn erklärten, Bruder Ghassan [das ist der anwesende Hamas-Führer], alle sind an dieser Frage beteiligt, vom Standpunkt der Bewertung des positiven Nutzens, des positiven Nutzens gegenüber dem Schaden der Aktionen gegen Zivilisten innerhalb Israels.“
[http://www.aljazeera.net/programs/open_dialog/articles/2002/7/7-2-1.htm]

Es wird von palästinensischer Seite in keiner Weise irgendwo anerkannt, welchen Anteil (nach meiner Meinung nämlich den allergrößten) die Palästinenser an den derzeitigen Zuständen haben; es wird nirgendwo Verantwortung übernommen für die Hass-Erziehung in den Schulen und Medien, für die Hass-Predigten in den Moscheen usw. – für die Gehirnwäsche, der die palästinensische Bevölkerung seit fast einem Jahrzehnt ausgesetzt ist.

Ich finde es unbegreiflich, dass bei uns im Westen solche Erklärungen wie das Kommunique der „moderaten palästinensischen Intellektuellen“ nicht in richtigen Zusammenhang dargestellt werden. Unsere Medien berichteten lediglich, dass „moderate Palästinenser“ Selbstmordaktionen verurteilten. Dem westlichen Wunschdenken entsprechend wird von neuer Friedenshoffnung geschwärmt, statt den Wortlaut zu analysieren. Der zynische Gebrauch der westlichen Träume durch palästinensische Propaganda – so kontrovers sie auch innerhalb bzw. unter den Fraktionen dort diskutiert werden – fällt hier nicht einmal auf!

Palästinensischer Aufruf gegen Selbstmordattentate (2/3)

Am 19. und am 21. Juni 2002 erschien in der palästinensischen Tageszeitung „Al-Quds“ eine Anzeige mit einem Aufruf von palästinensischen Intellektuellen, der weltweit – auch in unseren Medien – große Beachtung fand.

Palästinensische Reaktionen:

2.1. PLC/Fatah-Mitglied Hatem Abd Al-Qader:(3)

In einem Interview mit der arabisch-israelischen Wochenzeitschrift Al-Sinara erklärte das Mitglied des PLC und der Fatah-Führung Hatem Abd Al-Qader:

Dieses Kommunique ist für die Fatah-Bewegung nicht akzeptabel. Es ist nicht ausgewogen, denn es bezieht sich auf Operationen gegen israelische Zivilisten, aber nicht auf die von Sharon begangenen Verbrechen gegen das palästinensische Volk. Die Unterzeichner sollten sich auf diese Verbrechen konzentrieren. Wenn diese Operationen terroristisch sind, dann ist das, was Sharon ausübt, auch Terror. Und Terror kann nicht nur aus einem Blickwinkel betrachtet werden.

Als der Interviewer anmerkte, dass das Kommunique sich nicht auf Sharon und die Operationen der israelischen Regierung in den Gebieten bezieht, erklärte Abd Al-Qader:

Ich weiß, was in dem Kommunique steht. Es wurde mir gezeigt, aber ich habe mich geweigert es zu unterzeichnen. Es stimmt, dass das Kommunique eine Richtung einschlägt, wo ein gewisser Menschenverstand zu finden ist, aber trotzdem ist es nicht ausgewogen. Wir könnten eine Kommunique haben, das einige Dinge in den richtigen Rahmen setzt. Wir sind absolut gegen die Tötung von Zivilisten auf beiden Seiten; wir lieben auch das Blutvergießen nicht. Aber die Frage ist, wie der Teufelskreis durchbrochen werden kann. Es muss durch die Beendigung der Aggression gegen das palästinensische Volk geschehen.

Der Interviewer fragte weiter: Was sind die Voraussetzungen für die Einstellung der Märtyreroperationen? Al-Qader antwortete:

Konkrete Bemühungen zur Beendigung dieser Operationen könnten gemacht werden, wenn Israel sich zu fünf Punkten verpflichtet:

Erstens muss es die Aggression gegen das palästinensische Volk beenden – das heißt: die Vorstöße auf unser Gebiet einstellen. Zweitens muss es sich allen besetzten palästinensischen Gebieten abziehen. Drittens muss es die Belagerung der Palästinenser in den Gefängnissen aufheben. Viertens muss es alle [palästinensischen] Gefangenen frei lassen. Fünftens msus die internationale Gemeinschaft für Garantien sorgen, das wir in der Lage sein werden unser Recht auf Widerstand über die 1967-er Grenzen hinaus auszuüben… Ohne diese Bedingungen wird es schwierig sein, diese Operationen zu begrenzen. Niemand kann das, so lange die israelische Aggression weiter geht. Und wer immer behauptet, er könne diese Operationen ohne die passende Atmosphäre beenden, der träumt oder befindet sich im Delirium.

Der Interviewer meinte dann: Aber Präsident Yassir Arafat gab ein Kommunique heraus, in dem er einen Stopp der Operationen verlangte. Er griff diese sogar an. Abd Al-Qader antwortete:

Die einzigen, die diese Operationen ausführen, sind lokale Führer… Sogar die Entscheidungen der Al Aksa-Märtyrerbrigaden hängen heute von der politischen Lage ab… Die Al Aksa-Märtyrerbrigaden, der militärische Arm der Fatah, sind nicht der zentralen Entscheidung der politischen Führung unterstellt… Arafat hat fast keine Kontrolle und der andere Verantwortliche ist Israel…

2.2. Einer der obersten Hamas-Repräsentanten, Dr. Abd al-Aziz Al-Rantissi:(4)

In einem anderen Al-Sintara-Interview wrude Dr. Abd al-Aziz Al-Rantissi, einer der Hamas-Köpfe im Gazastreifen, zu dem Kommunique befragt. Er sagte:

Wir halten niemanden davon ab seine Meinung nach Belieben zu sagen. Die meisten Unterzeichner haben keine Verbindung zum Widerstand und glauben in keiner Weise an den palästinensischen Widerstand… Uns ist bewusst, dass es Uneinigkeiten gibt, aber wir schauen in der Folge auf die palästinensische Straße, was die Hamas-Aktion von Dienstag und die der Fatah in Jerusalem am Montag und weitere Operationen angeht. Und wir erkennen eine Regel: dass das palästinensische Volk den Widerstand unterstützt, wie es auch die verschiedenen palästinensischen Fraktionen tun…

Die Unterzeichner des Kommuniques ignorieren die Belagerung des palästinensischen Volkes und fingen an, von den Leiden der Aggressoren zu reden – womit sie die Wut der palästinensischen Straße erregten… Dieses Kommunique wurde von Europa bezahlt. Statt die Hungrigen unter den Palästinensern zu ernähren, bezahlt Europa Kommuniques mit politischen Positionen, die den Widerstand des palästinensischen Volkes negieren.

2.3. Al-Rantissi auf der Hamas-Internetseite:(5)

In einem Artikel auf der Internetseite von Hamas schrieb Al-Rantissi: „…Warum unterstütztet ihr nicht, was CNN-Gründer Ted Turner sagte, als er Verständnis für die Märtyreroperationen zeigte, die die Palästinenser gegen die zionistische Militärmaschinerie unternimmt… Euer Freund Uri Avneri vom zionistischen Peace Now-Block, war ausgewogener als ihr; das wirft bezüglich der Ziele dieses verwünschten Kommuniques viele Fragen auf… Wenn Avneri bescheinigt, dass Millionen den Widerstand und den Jihad unterstützen, für wen steht ihr, oh [Unterzeichner] des europäisch finanzierten Kommuniques? Warum richtet ihr eure Pfeile nicht gegen die wirklichen Gründe des Hasses und der Feindseligkeit? Oder denkt ihr, wür müssten der Besatzung und ihren Handlungen zustimmen?… Oh Unterzeichner des Kommuniques, das vom Euro unterstützt ist – ich erinnere auch daran, dass das palästinensische Volk vom Blut unterstützt ist.“
2.4. Die Haltung der Fatah-Führung:(6)

Zwei grundsätzliche Ansätze können in der Haltung der Fatah-Führer beobachtet werden: Die erste legt der Beendigung der Märtyreroperationen Bedingungen auf, während die zweite völlig Arafats Haltung ignoriert mit der Begründung, dass Arafat „nicht länger die Kontrolle des militärischen Arms der Fatah“ hat.

In einem Interview mit der israelisch-arabischen Wochenzeitung Al-Sinara erklärt der Generalsekretär der Fatah in der Westbank, Hussein Al-Scheik, dass einige der Operationen „weder zum rechten Zeitpunkt noch am richtigen Ort“ stattfanden. „Sharon ist derjenige, der für die Eskalation und die palästinensische Reaktion verantwortlich gemacht werden muss. Der Ball sollte nicht auf der palästinensischen Seite liegen.“
2.5. Ein Gegen-Kommunique (Al-Watan, Saudi Arabien, 30. Juni 2002
(http://www.memri.org/bin/articles.cgi?Page=countries&Area=palestinian&ID=IA10102)

150 arabische Intellektuelle, darunter viele Palästinenser, gaben ein Gegen-Kommunique heraus, das Selbstmord-/Märtyreranschläge unterstützt. Dieses Kommunique sagt:
„Was heute von allen arabisch-palästinensischen Menschen verlangt werden muss, von allen Fraktionen, ist der Widerstand gegen die Besatzung und sie von all unserem Land auf alle Arten und mit allen Mitteln zu entfernen, hauptsächlich durch bewaffneten Kampf mit allen Waffen, die zu finden sind. Das muss die Antwort sein auf die zionistische Militärmaschine, die mit amerikanischen Waffen ausgestattet ist und übermäßig gegen unser Volk eingenommen ist, gegen unsere Sache und gegen alles in der arabischen Welt.“

Palästinensischer Aufruf gegen Selbstmordattentate (1/3)

Am 19. und am 21. Juni 2002 erschien in der palästinensischen Tageszeitung „Al-Quds“ eine Anzeige mit einem Aufruf von palästinensischen Intellektuellen, der weltweit – auch in unseren Medien – große Beachtung fand.

Aufruf – Aufgrund unserer nationalen Verantwortung und wegen der bedenklichen Lage, in der das palästinensische Volk sich befindet, hoffen wir, die Unterzeichner, dass diejenigen, die hinter den Militäraktionen stehen, die auf die Schädigung von Zivilisten in Israel zielen, ihre Vorgehensweise überdenken und damit aufhören, unsere Jugend dazu anzutreiben diese Operationen auszuführen, denn wir sehen nicht, dass sie zu anderen Ergebnissen führen als zunehmendem Hass, Feindseligkeit und Feindschaft zwischen zwei Völkern, die die Kluft zwischen ihnen vertiefen und die Möglichkeit zerstören, dass beide Völker nebeneinander in Frieden in benachbarten Staaten leben.

Wir denken, dass diese Operationen keine Fortschritte in der Realisierung unseres [nationalen] Plans bringen, der zur Freiheit und Unabhängigkeit aufruft. Im Gegenteil: Sie verstärken die Einigkeit unter den Feinden des Friedens auf der anderen Seite [Israel] und liefern der aggressiven Regierung, an deren Spitze Sharon steht, Rechtfertigungen den grausamen und aggressiven Krieg, den er gegen unser Volk führt, fortzusetzen – einen Krieg, der sich gegen unsere Dörfer, unsere Städte, unsere Alten und unsere Kinder, wie auch gegen unsere Errungenschaften, unsere Hoffnungen und unser nationales Projekt richtet.

Militärische Operationen können positiv wie negativ nur nach dem Maß beurteilt werden, in dem sie politische Ziele erreichen. Daher gibt es eine Notwendigkeit diese Aktionen zu überdenken; wir wissen, dass wir glauben[1], die Ermutigung zu wechselseitigen existentiellen Kämpfen zwischen den beiden Völkern im Heiligen Land würde zu etwas anderem führen als der Zerstörung und dem Ruin für alle Menschen in dieser Region. Wir wüssten keine logische, menschliche oder politische Rechtfertigung für dieses Ergebnis.

Wir rufen jedermann auf, der diesen Aufruf unterstützt, seine Unterschrift per Fax an die Nummer 02-62277166 zu schicken.
Dieses Kommunique wird bald ein weiteres Mal veröffentlicht.
Dieses Kommunique wurde mit finanzieller Unterstützung der EU für die Friedenskampagne veröffentlicht.(1)

Zu den 55 Unterzeichnern gehörten u.a. Sari Nusseibeh und Hanan Ashrawi

1an dieser Stelle steht in MEMRIs Original: „wissen, dass wir nicht glauben, …“, was aber zu einem Widerspruch innerhalb des Absatzes führen würde.

Zwei Tage später wurde das Kommunique erneut veröffentlicht, diesmal modifiziert und mit weiteren Unterzeichnern. Zusätzlich wurde eine englische Übersetzung in der Jerusalem Times (Palästinensische Autonomie) am 20. Juni veröffentlicht.
Diese zweite Version hatte 315 Unterzeichner, darunter die 10-jährige Maiys Ouda, den ehemaligen PA-Minister Ziyad Abu Ziyad und das PLC-Mitglied und Leiter des politischen Komitees Ziyad Abu Amru. Die Information bezüglich der Finanzierung durch die EU war nicht mehr enthalten, statt dessen gab es eine Bemerkung, dass die Namen der Unterzeichner in der Reihenfolge ihrer Abgabe erschienen. Es wurde außerdem die folgende Erklärung hinzu gefügt:

Es ist überflüssig darauf hinzuweisen, dass alle Unterzeichner dieses Kommuniques alle Maßnahmen schärfstens verurteilen, die von der Israelischen Unterdrückung gegen unser Volk durchgeführt wurden, darunter die Politik der militärischen Vorstöße, Ermordungen und Belagerung. Wir betonen, dass die Besatzung der Grund der Tragödie ist, der unser Volk ausgesetzt ist und dass Widerstand ein Recht und eine Verpflichtung sind.(2)

Diese beiden Änderungen spiegeln die unten beschriebene Kritik an den Unterzeichnern wider.

[1] an dieser Stelle steht in MEMRIs Original: „wissen, dass wir nicht glauben, …“, was aber zu einem Widerspruch innerhalb des Absatzes führen würde.

Die Verlogenheit in der Diskussion um den Nahen Osten oder: Wie man für mehr Gewalt sorgt

Charles Krauthammer, Jewish World Review, 20. Juni 2002

Wann immer in Israel ein Massaker stattfindet, beeilen sich die palästinensischen Sprecher zu sagen: „Ja, das ist schrecklich, aber das kommt davon, wenn man ein Volk ohne Hoffnung auf ein Ende der Besatzung hält.“ Verteidiger im Westen beten diese Rechtfertigung/Erklärung unverändert nach.

Von allen verlogenen Dingen, die die Gespräche über den Nahen Osten verschmutzen, ist dieses das Schlimmste. Es wird voraus gesetzt, dass der Hörer nicht nur dumm ist, sondern auch noch unter Gedächtnisverlust leidet. Auf dem Gipfel von Camp David vor zwei Jahren wurde den Palästinensern in Anwesenheit des Präsidenten der Vereinigten Staaten ein Ende der Besatzung angeboten – ein vollständiges Ende, ein endgültiges Ende – und zwar vom Premierminister Israels. Sie sagten dazu „Nein“. Sie sagten „Nein“, weil sie im Gegenzug aufgefordert worden wären Frieden zu machen.

Erinnern Sie sich? Das Mantra, das den Israelis Jahrzehnte lang vorgebetet wurde, war: „Land für Frieden“. Es stellt sich heraus, dass Arafat das Land wollte, es aber in Camp David wie immer ablehnte Frieden zu machen. Der Grund dafür, dass heute jeden Tag Unschuldige sterben, ist nicht die Besatzung, sondern dass die Palästinenser glauben, sie könnten (wie die Hisbollah im Libanon) Land ohne Frieden bekommen.

Und warum sollten sie das nicht glauben? Das [US-] Außenministerium will ihnen genau das geben. Der Weg aus dem nahöstlichen Sumpf, so hat Colin Powell den Präsidenten gedrängt, ist, den Palästinensern „ein Licht am Ende des Tunnels“ zu geben, indem man ihnen einen eigenen „Interim-„ oder „provisorischen“ palästinensischen Staat gibt – während die Massaker weiter gehen, z.B. die 26 in Stücke gerissenen Jerusalemer der zwei kurz nacheinander erfolgten Selbstmord-Bomben dieser Woche.

Diese Belohnung des Terrorismus ist nicht nur ein moralischer Skandal. Sie ist katastrophale Diplomatie. Was sagt dieser provisorische Staat den Palästinensern? Man kann einen vor zwei Jahren angebotenen Staat ablehnen, einen Krieg beginnen, täglich Morde begehen und dann wieder einen Staat angeboten bekommen – diesmal, ohne dass jemand verlangt, dass man Frieden schließt.

Einer amerikanischen Außenpolitik, deren Hauptziel Stabilität und Gewaltlosigkeit ist (und wenn vielleicht auch nur um uns Handlungsfreiheit an anderen Orten in der Region im Kampf gegen den Terrorismus zu verschaffen), könnte man keine schlimmere Politik empfehlen. Wenn zwei Jahre des Blutvergießens den Palästinensern einen Interimstaat verschafft – sogar ohne eine einfache Feuerpause, geschweige denn einen wirklichen Frieden -, wie sollten sie dann von einer Fortsetzung der Gewalt entmutigt werden?

Einen Staat zu haben, bevor Frieden geschlossen wird, ist eine Garantie für die Steigerung der Gewalt. Was bedeutet überhaupt „provisorischer Staat“? Es hat nie einen „provisorischen Staat“ gegeben. Powell wird das Konzept während seiner Umsetzung entwickeln müssen. Wenn aber „Staat“ etwas bedeutet, dann dreierlei:

  1. Territoriale Unverletzbarkeit– Heute ist der Terrorismus reduziert (Israel verhindert 90 Prozent der geplanten Anschläge), weil die israelische Armee in die Palästinensergebiete vorstößt und Terroristen gefangen nimmt und aufhält. Nach einer Staatsgründung wird daraus die Invasion eines anderen Landes. Die Terroristen werden dann eine Zufluchtsstätte haben. Jedes Mal, wenn Israel sie verfolgt, wird der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen werden und Amerika wird kritisiert werden, bis es diese israelische „Invasion“ verurteilt. Als Folge wird mehr Terrorismus stattfinden und mehr Unmut über die amerikanische Diplomatie entstehen.
  2. Waffen– Die grundlegende Voraussetzung amerikanischer Politik der letzten 25 Jahre ist gewesen, dass es der einzige Weg ist den Frieden zu sichern, indem ein entmilitarisiertes palästinensisches Gemeinwesen geschaffen wird. Natürlich werden die USA bei ihrem Angebot eines „provisorischen Staates“ auf einer Begrenzung der Bewaffnung der Palästinenser bestehen. Diese Grenzen werden genauso sicher überschritten, wie die zur palästinensischen „Polizei“ aus den Oslo-Vereinbarungen. Aber es wird schlimmer werden. Wenn sie erst einmal einen Staat haben, werden die Palästinenser sagen, dass jeder Staat mit etwas Selbstachtung das Recht hat sich so zu bewaffnen, wie er es für richtig hält. Warum nicht Palästina? Die Westbank wird nicht nur vor Waffen des Guerillakriegs wimmeln (Maschinengewehre und Autobomben), sondern vor Waffen für einen regionalen Krieg – Katjuscha-Raketen und Luftabwehr-Flugkörper. Was, glauben Sie, wird passieren, wenn zivile Flugzeug beim Landeanflug auf den Ben Gurion-Flughafen von einem bewaffneten palästinensischen Staat aus beschossen werden?
  3. Bündnisse– Ein Grundmerkmal von Eigenstaatlichkeit ist das Recht Bündnisse abzuschließen. Schon vor der Eigenstaatlichkeit hat Arafat sich heimlich mit dem Iran und Hisbollah verbündet. Mit einem Staat wird er in die Lage gebracht, das offen zu tun. Und was werden wir tun, wenn er ein Bündnis mit Syrien und dem Irak schließt und ihre Panzerarmeen in die Westbank kommen lässt um Palästina vor israelischer „Aggression“ zu schützen?

Provisorische Eigenstaatlichkeit ist Unsinn. Dass die USA sie anbieten, stellt einen moralischen und strategischen Zusammenbruch dar. Sie lässt die Palästinenser ihre Ziele erreichen – ohne die Voraussetzung einer Forderung die Waffen niederzulegen.

Eigenstaatlichkeit der Palästinenser ist eine Selbstverständlichkeit [geworden]. Heute ist die einzige Frage, ob sie sie bekommen, während sie die Massaker an den Juden fortsetzten oder erst nachdem sie den Massakern abgeschworen haben. Erinnern Sie sich? Land für Frieden!

Während der arabische Terror sich erholt, kehren auch die palästinensischen Medien zur alter Form zurück und ermutigen zu Terror, israelisch-arabischer Militanz und der Unterstützung des Irak

Michael Widlanski, The Media Line, Juni 2002 (nicht mehr online)

Während der einmonatigen israelischen Militäroperation in der Westbank verstummte Yassir Arafats Stimme – der Radiosender Voice of Palestine (Stimme Palästinas) – für einige Wochen, während die IDF die Palästinenser vom Senden abhielt.

Als die israelische Armee ihre Truppen von Arafats Hauptquartier abzog und Arafat selbst seinem Radio und einigen Zeitungen höchstpersönlich erlaubte, Arafats eigene Verurteilung eines einzelnen Terroranschlags (der Bombe auf dem Markt von Netanya am 19. Mai), gab es eine Spur Hoffnung, dass die Dinge sich ändern könnten.

Ein Überblick über die palästinensischen Druck- und Funkmedien der letzten zwei Wochen zeigt aber, dass Arafats staatlich kontrollierte Medien nicht in eine moderatere Phase eingetreten sind, sondern stärker zu ihren alten Verhaltensweisen zurückkehrten:

*– bei Anschlägen auf israelische Zivilisten wird ein Auge zugedrückt, aber besonders zu Anschlägen auf israelische Soldaten und „Siedler“ ermutigt;
*– eine weit gehende Unterstützung für Iraks Saddam Hussein wird angedeutet;
*– Militanz und Separatismus unter Israels arabischen Staatsbürgern wird offen unterstützt.

„Israel dehnt seinen Terror aus, der sich direkt gegen die Söhne unseres Volkes innerhalb der Grünen Grenze richtet“, erklärte Voice of Palestines Nachrichtensprecher Nizar al-Ghul zu Beginn der Sonntagmorgen-Nachrichten am 2. Juni.

Al-Ghul und seine Kollegen bei Voice of Palestine in Ramallah und dem staatlichen palästinensischen Fernsehen in Gaza haben nie den Begriff „Terror“ (Arabisch: irhaab) benutzt, um eine arabische Tat gegen einen Juden zu beschreiben. Und sie haben, wie Arafat selbst, nie diejenigen, die diese Anschläge, welcher Art auch immer, gegen Juden klar und deutlich als „Terroristen“ bezeichnet.

In den zwei untersuchten Wochen, nannten die Sender des palästinensischen Radios und Fernsehens die israelischen Aktivitäten routinemäßig „terroristisch“, „kriminell“ und „Nazi-Methoden“.

„Die Israelis haben nicht aufgehört, ihren Terror und ihre Aggression gegen die Einwohner von Nablus und dem Balata-Flüchtlingslager auszuüben“, verkündete Mohammed Sanouri am Sonntag, als er die Nachrichten von VOP verlas.

„Bei einer anderen Nazi-Aktion unterbrachen die Besatzungssoldaten eine Feier und fesselten die Hände von Bakir Najiy Alaan aus Beit Hania. Sie hielten ihn mehrere Stunden lang gefesselt“, sagte Sanoury.

„Die israelischen Soldaten verübten ihren Terrorismus gegen andere Mitglieder der Gegend“, fügte VOP-Ansager Sanoury hinzu, erzählte seinen Hörern aber nie, dass die Israelis in den letzten zwei Wochen bereits mehrere Selbstmord-Bomber in Beit Hanina und im nahen Shuefat im Norden Jerusalems gefangen nahmen.

Avi Dichter, Leiter der israelischen Gegenspionage-Organisation – gemeinhin „Shin Bet“ oder „Shabak“ genannt -, sagte einem israelischen Parlamentsausschuss, dass in den letzten drei Wochen 40 solcher Bomber verhaftet oder getötet wurden, bevor sie ihre Ziele in Israel erreichen konnten.

Sanoury, al-Ghul und andere Ansager erwähnten nie, dass Nablus und das Balata-Lager Bomben-Werkstätten für Arafats FATAH-Organisation gewesen sind, besonders für die „Brigaden der Märtyrer der Al Aksa“, die große Teile der Selbstmord-Bombenanschläge der letzten Monate gegen Israel verübt hat.

Wenn Mitglieder dieser Organisationen sich in israelischen Einkaufszentren, Supermärkten und Hotels selbst in die Luft gesprengt haben, werden sie immer noch als „shouhada“ bezeichnet – dem arabischen Wort für „Märtyrer“.

Der Akt des Selbstmord-Bombenanschlags selbst wird in den palästinensischen Funkmedien und von den von Arafat kontrollierten Zeitungen Al-Ayyam und A-Hayat al-Jadida als „amaliyya tafjiriyya“ (eine „Sprengoperation“) oder als „amaliyyat istish-haad“ (eine Operation heroischen Märtyrertums) beschrieben.

Arafat und andere Mitglieder seiner Autonomiebehörde (PA) haben formal „Terrorangriffe gegen Zivilisten auf jeder Seite“ kritisiert und deuteten damit an, dass Anschläge im Inneren der „Grünen Grenze“ Israels (der Frontlinien Israels vor 1967) „kontraproduktiv“ seien. Aber die palästinensische Führung und ihre Medien umarmen öffentlich diejenigen, die israelische Soldaten und israelische „Siedler“ töten.

In einem seltsamen Beitrag am Sonntagmorgen, der direkt nach den Nachrichten gesendet wurde, beschrieb die VOP-Reporterin Juma’a Kuneis Internet- und Computerspiele, in denen virtuelle Israelis virtuell erschossen und in die Luft gejagt werden. „Israelische und arabische ‚Hacker‘ greifen sich gegenseitig regelmäßig auf diesem Kanal an“, merkte Kuneis an. Sie bot eine Empfehlung für ein solches Internetspiel an, in dem sorgsam darauf geachtet wird, nur auf Siedler und Soldaten zu schießen, nicht auf Ziele innerhalb Israels. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Spreng-Einsätze innerhalb Israels stattfinden“, schließt Kuneis.

Israel ist allerdings ein billiges Ziel der Aufhetzung in den palästinensischen Medien, die auf Israels arabische Bürger zielt und sie offen ermutigt, eine militantere Haltung einzunehmen und separatistische Stellung zu beziehen. „Die Beziehungen der arabischen Massen in Israel sind wegen Israels rassistischer Politik in ständigem Niedergang“, verkündete Hashem Mahmid, eine arabisch-israelisches Knesset-Mitglied (MK) in einem Interview, das letzte Woche gesendet wurde.

Mahmid und andere israelisch-arabische Parlamentarier – Mohammed Baraka, Azmi Bashara und Ahmed Tibi – sind regelmäßiger Teil des palästinensischen Fernsehens und Radios geworden; sie geben Erklärungen ab, die sie nur im israelischen Funk und Fernsehen zweimal überlegen würden. „Die extremistischen, Rechtsaußen-Mitglieder des israelischen Parlaments werden nicht aufhören, bis sie alle Araber aus dem parlamentarischen Spiel hinaus geworfen haben“, behauptete Sprecher Al-Ghul, als er ein Interview mit Ahmed Tibi ankündigte, dem israelisch-arabischen MK, der auch als politischer Berater Arafats diente.

Der schnurrbärtige Tibi, der gerne die Pose des „Moderaten“ und „gegen Gewalt“ einnimmt, wenn er in israelischen Medien auftaucht, nimmt eine völlig andere Haltung ein, wenn er glaubt, dass nur die Araber zuhören. „Rund um die Welt und in den Zeitungen müssen wird die Demokratie (Israels) wegen seiner Beschränktheit und ihres angeborenen Rassismus angreifen“, sagte Tibi, dessen erster Beruf Gynäkologe war, der aber beschuldigt worden ist, in seinem Zweitberuf als Politiker noch weniger feinfühlig zu sein.

Ein israelisches Parlamentskomitee stimmte letzte Woche ab, Tibis parlamentarische Immunität einzuschränken, nachdem Tibi im letzten Jahr in mindestens vier Fällen von Raufereien israelische Polizisten oder Gerichtsdiener physisch angriff. „Zeigt mir, wer sie sind und ich sorge dafür, dass sie nie wieder auf die Straße kommen“, schrie Tibi im Komitee, als ihm gesagt wurde, dass sogar ein oder zwei arabische MKs von seinem Verhalten in Verlegenheit gebracht wurden und im Stillen darum gebeten hatten ihn zu disziplinieren. Tibi wusste, dass seine Kommentare von einem Radioreporter vor dem Raum aufgenommen wurden. „Es gibt niemanden, der mich davon abhalten kann, die Söhne unseres Volkes in Gaza und Ramallah zu besuchen“, prahlte Tibi letzte Woche im palästinensischen Radio. „Sie sind mein Volk“, sagte und bezog sich auf die Menschen in der Westbank und dem Gazastreifen, „und niemand kann mich aufhalten.“

Die wachsende Radikalisierung und palästinensische Medienprominenz israelisch-arabischer Politiker kommt zu einer Zeit, in der eine wachsende Zahl israelischer Araber an palästinensischen Terroraktionen gegen Israel teilnehmen. Der jüngste veröffentlichte Fall betrifft zwei Schwesternpaare aus den Gemeinden Arabeh und Saknin in Nordisrael; diese Fälle haben dafür gesorgt, dass es in Israel Rufe nach einer härteren Politik gegenüber militanten Arabern gibt. Das ist es, warum einige israelischer Araber im Stillen die Politik von Tibi und seinen mit-MKs nicht so gut finden. „Sein Name ist Ahmed Tibi, aber in seiner Heimatstadt Taibeh haben die Leute angefangen, in lächerlich zu machen, indem sie ihn ‚Ahmed TV‘ nennen“, sagte ein israelischer Geheimdienstler.

Die palästinensischen Staatsmedien hofieren offen die arabisch-israelischen Staatsbürger, die sie „unsere Brüder innerhalb der Grünen Grenze“ nennen oder „unsere Brüder von 1948“. Die Palästinenser benutzen den Begriff Israel nicht in Bezug auf Araber; sie deuten allgemein an, dass die israelischen Araber eines Tages umkehren und sich ihren Brüdern unter arabischer Herrschaft anschließen.

Ein anderes Gebiet arabischer Solidarität in den palästinensischen Medien ist die ständige positive Beachtung, die Iraks Saddam Hussein gegeben wird. Die Zeitungen Al-Ayyam und Al-Hayyat al-Jadida brachten beide letzte Woche Titelseiten-Geschichten in ihren Internet-Ausgaben, die Saddam unterstützten. „Zwei Märtyrer im Südirak durch Raketenangriffe der Amerikaner“, hieß die eine Schlagzeile, die den getöteten Irakern in der Schlacht gegen amerikanische und britische Flugzeuge den Status des „Märtyrers“ gaben. Eine weitere Titelgeschichte fasste die Chancen für eine Verbesserung der Stimmung zwischen dem Irak und Saudi Arabien zusammen.

Über Reden von Saddam und diplomatische Treffen zwischen irakischen Beamten und anderen arabischen Beamten wird auch immer positiv berichtet – teilweise ein Zeichen des palästinensischen Danks für die fortgesetzten irakischen Zahlungen an die Familien der palästinensischen Märtyrer, besonders der Selbstmord-Bomber, die beim Angriff auf Israelis starben.

Die Indoktrination der Palästinenser, Israel zu hassen, beginnt im palästinensischen Fernsehen sehr früh.

In den letzten zwei Wochen – vielleicht, weil wir uns im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft befinden – hat das palästinensische Fernsehen Nachmittagsfilme gebracht, die eine israelische Gräueltat einschließen, die an Fußball spielenden palästinensischen Kindern verübt wurde. In den kurzen Filmen, die zwischen 14 und 15 Uhr gesendet werden (optimierte Zeit für zusehende Kinder), entscheidet sich eine Bande israelischer Soldaten (gespielt von ägyptischen und palästinensischen Schauspielern), die 10-jährigen palästinensischen Fußball-Kinder als Zielscheiben zu benutzen. Es gibt keinen Grund für den Angriff durch die israelischen Soldaten, von denen die meisten als Kippa oder Jarmulke tragend dargestellt werden – die jüdischen Käppchen, die von religiösen Juden getragen werden.

Nachdem sie mehrere der Kinder mitten auf dem Spielfeld getötet haben, sieht man die israelischen Soldaten, wie sich lachend einander auf die Schultern schlagen, während die Kamera zu einer Nahaufnahme auf die toten palästinensischen Kinder zu fährt.

© 2002 Michael Widlanski