Von Pferden und Wagen, Eiern und Hühnern

Batya Medad, 24. Januar 2005 (Original auch auf Think-Israel)

Heute Morgen hörte ich eines dieser Angebote in den Nachrichten. Es erinnerte mich an die Witze, die ich als Kind über leichtgläubige Leute hörte, die die Brooklyn Bridge kauften, oder die Kindergeschichte von dem kleinen Tier, das dem Fuchs glaubte, er würde es über den Fluss bringen und dann auf der anderen Seite im Fuchs ankam, statt auf ihm.

Das Angebot, das ich hörte, spannte den Wagen vor das Pferd; es ist eine Umkehrung, eine Perversion der Wirklichkeit. Der „israelisch-arabische Konflikt“ ist kein philosophisches Problem, wie das von den Eiern und Hühnern – wer zuerst da war. Und wie sieht das Angebot aus? Wenn Sie es noch nicht erraten haben: die Araber boten an den Terror zu stoppen, wenn wir unsere Militäraktionen einstellen. Ja, sicher.

Es scheint, dass sie bequemerweise etwas „vergessen“ haben, ein „winziges“ Detail ignorieren. Sie sind die Aggressoren, die Initiatoren und wir versuchen nur uns zu verteidigen. Sie lassen Bomben gegen Häuser, Schulen, Zivilisten, Familien und Schulkinder los. Wir wischen das Blut auf, heben Gräber aus und versuchen gelegentlich mit aller Vorsicht Terroristen zu schnappen, ohne jemandem Schaden zuzufügen, „der nur ein unschuldiger Zivilist sein könnte“.

Es würde keinerlei israelische Militäraktivität geben, wenn die Araber uns nicht angreifen und ermorden würden. Es gibt kein ambivalenteres Land, keines, das weniger enthusiastisch seinem Militär gegenüber ist, als Israel. Katholiken betrachten Sex als „das notwendige Übel“ – und Israelis behandeln ihr Militär genauso. Ohne eine Armee würden wir nie unsere Eigenstaatlichkeit erreicht haben und wären niemals in der Lage gewesen uns in den Kriegen zu verteidigen, die die Araber gegen uns führten.

Die Leute hier segnen ihre neu geborenen männlichen Kinder mit „Er soll nie ein Soldat sein müssen“. Nach dem Yom Kippur-Krieg 1973 gab es einen von Yoram Gaon gesungenen Hit: „Ani mavti’ach lach, yaldah sheli, k’tana, shezot t’hiyeh hamilchamah ha’achronah“ – „Ich verspreche dir, mein kleines Mädchen, dass dies der allerletzte Krieg ist.“ Ein weiterer, gern gehörter Song war „Shir Hashalom“, „Das Friedenslied“, das auf der von John Lennon in „Imagine“ besungenen Philosophie basierte. Sein Thema ist, dass es nichts gibt, das es wert ist dafür zu sterben, weder Religion noch Nationalität. Diese Philosophie ist extrem gefährlich für ein Land, dessen pure Existenz tagtäglich bedroht wird. Die Songschreiber haben die israelische Öffentlichkeit Jahre lang einer Gehirnwäsche ausgesetzt. Lehrer und Anthropologen haben immer gewusst, dass die einfachste Art, etwas zu lernen, die ist, es zu singen. Eine angenehme Melodie kann die Hemmungen von fast jedem überwinden. Man merkt noch nicht einmal, dass da eine Botschaft enthalten ist; es ist so gut zu singen. Das ist die Gefahr. Die Leute werden einfach alles glauben, wenn man es lange genug sagt.

Die natürliche Folge dieser Philosophie ist, dass, wenn es nichts gibt, für das es zu sterben lohnt, es auch nichts gibt, für das es sich zu leben lohnt. Unglücklicherweise sehen wir das immer mehr, da die Flucht in Drogen, Materialismus und mystische Suche mehr und mehr Allgemeingut werden. Es gibt eine furchtbare Leere in Teilen der israelischen Gesellschaft, weil sie sich von ihrem Erbe „abkuppeln“.

Die Spaltung in der israelischen Gesellschaft kann darin gesehen werden, wie der Wagen und das Pferd angeordnet werden. Wir in Yesha und unsere Unterstützer haben etwas, für das wir leben. Wir bauen unser Land auf und wir sind nicht bereit irgendjemandem nachzugeben. Unsere Ziele sind klar. Unsere Sicherheit und Unabhängigkeit stehen an erster Stelle. Unser Wagen ist hinter das Pferd gespannt und wir arbeiten hart. Wenn wir unsere Feinde bekämpfen müssen, werden wir das tun. Wenn sie aufhören und anzugreifen – nicht nur für ein paar Stunden oder einen Tag – wenn sie uns ihre Waffen übergeben und sich ergeben, dann können wir unsere „Militäraktivitäten“ einstellen. Aber wir werden immer wachsam bleiben müssen, um unser Land zu schützen.

Und für die, die den arabischen Versprechungen glauben, ich hätte da eine Brücke…

Israels Moral und die Kurzsichtigkeit der Welt

Daniel Gordis, AJC 7. Dezember 2004

Jedes Diskussion um die Art und Weise, wie Israel den bewaffneten Konflikt mit den Palästinensern in den letzten Jahren geführt hat, verlangt zu allererst Klarheit über die Natur des Konflikts und was auf dem Spiel steht. Israel befindet sich im Krieg – nicht gegen „Militante“ oder gegen solche, die das palästinensische Volk „befreien“ wollen. Israel befindet sich in einem Krieg um sein Überleben, gegen gut bewaffnete und zunehmend gut ausgebildete, hoch disziplinierte Gruppen von Terroristen, die ihre Ziele offen verkünden. Ihr Plan ist nicht die Befreiung der „Gebiete“, die im Juni 1967 in einem Krieg erobert wurden, den Israel nicht wollte. Ihr Ziel, wie Hamas und Hisbollah (und andere) frei verkündetn, ist die Auslöschung des „zionistischen Gebildes“ von da, wo ihrer Vorstellung nach ein ausschließlich muslimischer Naher Osten sein sollte.

Das sind nicht die Tschtschenen gegen Russland. Alles, was die Tschetschenen wollen, ist Unabhängigkeit. Würde ihnen die gewährt, gibt es allen Grund zu erwarten, dass der tschetschenische Terror gegen Wladimir Putins Russland aufhören würde. Dasselbe gilt für die Basken in Spanien. Aber nicht so im Fall von Israel. Die einzige Möglichkeit, dass Israel dem Versuch der Terroristen, jeglichen Anschein von Normalität für das israelische Leben zu zerstören, aufhört, wäre, dass es aufhört zu existieren. Die Israelis begreifen das und willen sehr gut, dass jedes andere Land, das um seine pure Existenz kämpft, darüber erbost sein würde, wenn man es so beurteilt wie Israel, insbesondere von Europa, in den letzten vier Jahren beurteilt wird.

Wie dieser Krieg begann

Die Israelis erinnern sich auch daran, wann dieser Krieg begann – unmittelbar, nachdem Ehud Barak Yassir Arafat aufforderte Farbe zu bekennen. Barak bot dem palästinensischen Volk den Staat und die Unabhängigkeit an, von der sie immer sagten, dass ihre Jahrzehnte dauernde Terror-Kampagne sie ihnen bringen sollte. Aber bei Baraks Vereinbarung hätte Israel weiterhin existiert. Und das konnte Arafat letztlich nicht ertragen. Also versuchten er und eine Vielzahl lose dazu gehörende Terror-Organisationen, zu denen nicht nur Hamas, Islamischer Jihad, Hisbollah, Fatah, Force 17 und die Al Aksa-Märtyrerbrigaden gehören, Israel in die Knie zu zwingen, indem sie die gesamte Bevölkerung in die Unterwerfung ängstigen.

Es wird absurderweise immer noch gesagt, dass Arafat das Paket von Camp David nicht unterschreiben konnte, weil Baraks Angebot nicht gut genug war. Die Westbank, so einige, wäre in drei Kantone geteilt worden, zwischen denen Israel die Kontrolle des Verkehr weiter behalten hätte. Vielleicht. Das Bild ist nicht klar. Aber lassen Sie uns annehmen, dass die Behauptung stimmt und dass Arafat ehrlich eine Vereinbarung gewollt hätte. Das effektivste, das er hätte machen können, wäre gewesen, den Zehntausenden von Palästinensern, die damals das Recht hatten nach Israel einzureisen, zu sagen, sie sollten sich auf die Autobahnen Jerusalem – Tel Aviv und Tel Aviv – Haifa setzen. Er hätte CNN einladen können, deren Anwesenheit es der IDF unmöglich gemacht hätte, die Menge mit Gewalt auseinander zu treiben. Und Arafat hätte die Landkarte von Baraks Vorschlag auf die zweite Seite der New York Times bringen könnten, um der Welt zu zeigen, dass er nicht unterschreiben konnte. Israel wäre gezwungen gewesen nachzugeben und die Karte wäre geändert worden.

Wir werden den Frieden nicht mehr erleben

Aber das stand nicht in Arafats Planung. Daher verstehen die meisten Israelis heute, dass es keinen Frieden geben wird. Nicht zu unseren Lebzeiten und wahrscheinlich nicht zu Lebzeiten unserer Kinder. Es mag eine Einstellung der Feindseligkeiten geben – einige Jahre mit mehr, andere mit weniger Gewalt – aber wir wissen nun, dass hier zu leben bedeutet, dass wir in einem Zustand des dauerhaften Krieges leben und unsere Kinder in diesem aufziehen. Dieser Satz, dieses „Schicksal“ hat Schmerz, Verzweiflung, Traurigkeit und sogar Hass in der israelischen Gesellschaft geschaffen. Und angesichts dieser Verzweiflung und dem zurückgewiesenen Angebot ist es bemerkenswert, welche Zurückhaltung Israel geübt hat. Wer sonst würde, angesichts des Wissens, dass, egal, was wir tun, wir uns immer im Krieg befinden werden, solche Zurückhaltung üben?

Die Welt ignoriert die israelische Zurückhaltung

Die Welt ignorierte natürlich diese Zurückhaltung. Sie richtet sich nicht auf amerikanische Takitik in Afghanistan oder dem Irak oder den Krieg der Russen in Tschetschenien oder die Gräueltaten im Sudan. Statt dessen konzentriert sie sich auf die Fehler, die zugegebenermaßen von Israel gemacht worden sind. Das Verhalten einer kleinen Minderheit unter den Soldaten an Straßensperren ist verurteilenswert gewesen (und juristische Schritte gegen viele von ihnen sind eingeleitet). Die Beschlagnahmung arabischer Häuser durch Truppen ist fraglos abscheulich, wenn auch manchmal unvermeidbar. Unschuldige Palästinenser, darunter Kinder, sind ins Kreuzfeuer geraten und israelische Truppen sind manchmal unvorsichtig und gelegentlich gehässig gewesen. Die Israelis wissen das und die meisten sind davon peinlich berührt.

Aber dass die Terroristen sich entschlossen haben zivile Stadtviertel zu ihren Operationsbasen zu machen, wird selten erwähnt. Niemand hat es gewagt, den Israelis „Auge-in-Auge“-Taktiken zu benutzen, bei denen Busse oder Hochzeitsgesellschaften oder Restaurants gesprengt werden, denn solche Vorwürfe wären lächerlich. Als Terroristen in die Geburtskirche in Bethlehem flogen, umringten israelische Truppen die Kirche, stürmten sie aber nicht. Vergleichen Sie das mit dem Umgang der Amerikaner mit Moscheen in Nadschaf oder Falludscha, als ihre Geduld mit Moqtada Al-Sadr zu Ende ging, oder was gemacht worden wäre, hätten Juden sich in einer Kirche oder Synagoge versteckt und die Palästinenser hätten sie verfolgt. All das entgeht dem kritischen Auge des wachsamen Westens.

Ebenso ist es mit der ständigen Entschlossenheit der IDF es besser zu machen. Der erfolglose Versuch vom September 2002 den Hamaschef Ahmed Yassin zu töten, den Yossi Klein-Halevi in seinem Teil dieser Serie diskutierte, hat eine Geschichte. Israel verwendete eine 500kg-Bomber, weil es anerkannte, dass es bei der Tötung von Hamas-Chef Saleh Schehadeh zwei Monate früher einen Fehler gemacht hatte. Damals benutzte die IDF eine 1000kg-Bombe, die Schehadeh tötete, aber auch vierzehn andere Personen in der Nähe, darunter Kinder. Die Reaktion Israels erfolgte prompt und emotional. Die Israelis waren beschämt und entsetzt. Als Yassin zwei Monate später überlebte, wurde jegliche Enttäuschung darüber, dass überlebte, bei Weitem von einem gewissen Stolz übertroffen, dass wir gelernt hatten, dass wir denselben Fehler nicht noch einmal begingen und dass wir trotz unseres Wunsches Yassin zu töten, den Wert unschuldigen Lebens an die erste Stelle setzten. Wir haben aber auch gemerkt, dass die Welt von dieser geänderten Taktik keine Notiz nahm.

Im April 2002, als Israel Terroristen in die Kasbah von Jenin verfolgte, machten wir das am Boden, in Kämpfen von Haus zu Haus, um zu vermeiden, dass unnötige Opfer auf palästinensischer Seite entstanden. An einem Tag wurden vierzehn unserer Soldaten getötet. Aber die Welt – statt auf die Unterschiede zwischen Israels Umgang mit der Schlacht und dem, was andernorts geschehen wäre aufzuzeigen – beschuldigte Israel ein Massaker angerichtet zu haben. Europäische Zeitungen berichteten das Massaker als Tatsache, nicht als Vorwurf. Kofi Annan, wegen Israels Dementis befragt, antwortete: „Kann Israel Recht haben und die ganze Welt Unrecht?“ Aber als eine UNO-Untersuchung belegte, dass es kein Massaker gegeben hatte und dass Israel Recht hatte, entschuldigte Annan sich? Nicht mit einem einzigen Wort. Druckten die europäischen Zeitungen Gegendarstellungen? Im Großen und Ganzen machten sie das nicht.

Kurzsichtigkeit beim Trennzaun

Die Kurzsichtigkeit der Urteile der Welt zu Israels Moralität wird am offensichtlichsten beim derzeit im Bau befindlichen Trennzaun. Wie die israelische Rechte es richtig begreift, ist der Zaun eine faktische Möglichkeit Land abzugeben. Wenn der Zaun gebaut würde und funktionierte, dann gäbe es keine Notwendigkeit, dass die israelischen Streitkräfte hinüber gehen und im täglichen Leben der Palästinenser präsent sind. Er würde natürlich auch den Terror dramatisch verringern. Aber die Welt, die komplett die palästinensische Desinformationskampagne kauft, die den Bau des Zauns unmöglich machen soll, spricht vom „Apartheid-Zaun“, statt von den Anschlägen, die zu seinem Bau führten oder von der Verringerung israelischer Militär-Präsenz, die er einläutet.

Warum sind die Palästinenser überhaupt gegen den Zaun? Weil der Zaun den Konflikt ziemlich beenden würde (obwohl die Qassam-Raketenangriffe andeuten, dass der Zaun keine vollständige Lösung sein wird). Und wie wir wissen ist das Ende des Konflikts das Letzte, was die Palästinenser wollen.

Der Zaun hat bei den Palästinensern unzweifelhaft Belastungen verursacht. Einige davon sind unvermeidbar angesichts der Art und Weise, in der die zwei Bevölkerungen in der Westbank und um Ostjerusalem ineinander verwoben sind. Und einige Teile des Verlaufs waren schlecht geplant. Aber vergleichen sie die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag mit dem des israelischen Obersten Gerichts. Der ICJ verlangte, dass Israel die Mauer als Ganzes entfernt. Israels Oberstes Gericht entschied, dass der Zaun prinzipiell rechtens ist und stimmte mit der Armee überein, dass sein Sinn die Sicherheit ist, kein Versuch palästinensisches Land zu stehlen. Aber trotzdem verlangte das Gericht, dass Teile des Zauns verlegt würden, um den Belastungen für die palästinensische Bevölkerung entgegen zu kommen.

Der Gerichtshof der internationalen Meinung jedoch scheint das außergewöhnliche Phänomen nicht bemerkt zu haben, dass der Gerichtshof eines Landes, das sich im Krieg befindet, zu Gunsten der Bevölkerung urteilte, die dieses Land vernichten will. Außen stehende Beobachter schrieben, dass „selbst das israelische Oberste Gericht sagt, dass der Zaun unmoralisch ist“. Dabei war genau das Gegenteil der Fall. Selbst unter Kriegsbedingungen, Bedingungen, die sich wohl nicht so bald ändern werden, funktioniert Israels demokratischer Apparat weiter, bis hin zum Schutz der Interessen derer, die gegen das Land Krieg führen, in dem das Gericht seinen Sitz hat. Auch hier stellt Israel die Interessen von unschuldigen (oder auch nicht so unschuldigen) Zivilisten über die eigenen Sicherheitsinteressen. Und auch das wurde von der Welt ignoriert.

Israels intensive Diskussion um die Führung des Krieges

Dieser demokratische Ethos der israelischen Gesellschaft deutet auf noch eine weitere einzigartige Dimension des Konflikts. Es könnte keinen radikaleren Unterschied zwischen Israel und der radikaleren Unterschied zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde geben, die gegen den jüdischen Staat Krieg führt: Israel ist ein Land, in dem eine intensive und offene Debatte darüber geführt wird, wie die Bedürfnisse nach Sicherheit mit jüdischen Werten weiter geführt wird. Trotz meiner eigenen Ansicht, dass alles in allem unsere Kriegsführung zurückhaltend gewesen ist, stimmt nicht jeder Israeli dem zu. Einige junge israelische Männer haben sich geweigert, jenseits der Grünen Linie zu dienen und vor Kurzem wurde ihre Militärdienst abgebrochen, ohne weitere ernsthafte Folgen. Eine Gruppe Piloten, über die viel publiziert wurde, verkündete, sie würde nicht länger gewissen Missionen fliegen, die sie als moralisch problematisch ansahen. Wenn man die Autobahnen Israels entlang fährt, kann man oft Demonstranten sehen, die Zeichen hochhalten, auf denen „hayalim amitzim lo maftzitzim“ steht („mutige Piloten, werft keine Bomben“). Ob man ihre Meinung teilt oder nicht, wir haben ein Recht stolz auf eine Demokratie zu sein, in der solche Fragen offen diskutiert werden, wo die Pressefreiheit regiert, wo die talmudische Tradition praktisch unbegrenzter Debatten über moralische Fragen weiter geht.

Wo sind die Palästinenser, die in ihren Straßen wegen der Beendigung der Bombenanschläge diskutieren, über die Qassam-Raketen, die Schießereien, damit ihr Leben zur Normalität zurückgeführt werden kann? Wegen des Sicherheitszauns sieht man hunderte von Graffitis, die Israel einer Apartheids-Politik beschuldigen, verlangen, dass der Zaun entfernt wird. Aber wo sind die Graffitis, die ein Ende des Terrors fordern, der den Zaun erst hat entstehen lassen? Oder die Graffitis, die anmerken, dass, wenn nur Arafat weiter verhandelt hätte, nichts davon passiert wäre? Diese Stimme ist leider nicht zu hören.

Während ich das schreibe führt Ariel Scharon einen Versuch an, dass Israel sich aus dem Gazastreifen und einer Hand voll Siedlungen in der Westbank zurückzieht. Und was war die Reaktion aus Gaza? Ein Hagel von Qassam-Raketen, der israelische Kinder töteten und ganze israelische Städte in Angst versetzte, alles dazu gedacht den Rückzug unmöglich zu machen. Denn der Rückzug aus Gaza würde der Welt zeigen, dass Israel nicht daran interessiert ist, für immer an diesen Gebieten festzuhalten; die Palästinenser sind verzweifelt daran interessiert, dass die Welt das nicht zu sehen bekommt. Denn der Rückzug aus Gaza würde Israel eine besser zu verteidigende Front verschaffen, was die Palästinenser nicht wollen. Und weil ein Rückzug aus Gaza die Menschen in Gaza zwingen würde anzuerkennen, dass ihre Armut und ihr Leid nicht das Ergebnis israelischer Politik sind, sondern der israelischen Eroberung des Landes von 1967 voraus gingen und ihr ebenso folgen werden.

Wie antwortete Israel auf den Qassam-Hagel? Mit der Operation „Tage der Reue“ im Oktober 2004 – wieder am Boden, wieder mit Gefallenen – und nicht aus der Luft, was sicherer gewesen wäre, was aber unzweifelhaft mehr Kollateralschäden verursacht hätte.

Trotz der großen Komplexität des israelisch-arabischen Konflikts im Allgemeinen und der derzeitigen Konflikts mit den Palästinensern im Besonderen, sind einige Grundfakten klar: Israel versuchte einen palästinensischen Staat zu schaffen. Als diesem Angebot mit einem Terrorkrieg begegnet wurde, versuchte Israel einen Zaun zu bauen, der die Terroristen auf der einen Seite und die Soldaten auf der anderen Seite hielt. Als der Zaun als „Apartheidzaun“ behandelt wurde, versuchte Israel sich aus dem Gazastreifen zurückzuziehen, was die Palästinenser unmöglich zu machen versuchen. Die Welt nennt Israel rassistisch, aber die einzige Bevölkerung, die Scharon umzusiedeln versucht, ist die jüdische Bevölkerung von Gaza, nicht die Dörfer, die offen Terroristen beherbergen und unsere Kinder umzubringen versuchen. Und all das ereignet sich im Kontext einer demokratischen Gesellschaft, die – in Fortsetzung tausender Jahre jüdischer Tradition – leidenschaftlich darüber streitet, ob unsere Antworten zu drakonisch gewesen sind oder zu unzureichend die Palästinenser bedacht haben (einige davon ja, andere nicht), die traurigerweise im Kreuzfeuer einer Tragödie gefangen wurden, die von ihren eigenen Führern losgetreten wurde.

Israels moralischer Kampf gegen den Terror

Yossi Klein Halevi argumentiert, dass Israels Sieg in diesem Krieg gegen den Terror eines Tages als einer der größten Siege der jüdischen Geschichte angesehen werden könnte. Das mag durchaus stimmen. Aber Israels Führung dieses Krieges wird, den Verdacht habe ich, ebenfalls als eine der moralischsten Kämpfe gegen den Terror angesehen werden, einem krank machenden Phänomen, das durchaus die westliche Welt über die nächsten Jahre in immer größerem Ausmaß ergreifen könnte.

Unglücklicherweise ist Israel oft ein Barometer dessen, wem sich die westliche Welt demnächst gegenüber sehen wird. Als Israel 1981 den irakischen Atomreaktor zerstörte, war die Verurteilung praktisch universal. Heute weiß die westliche Welt, dass Israel sie vor einem Desaster bewahrt haben dürfte. Dasselbe gilt für den Kampf gegen den islamischen Terror. So wie der Kampf sich ausweitet und Westler in Großbritannien, Frankreich, Spanien und den USA mehr und mehr Terror aus erster Hand erleben, wird die Welt dazu kommen, die Zurückhaltung und innere Stärke zu bewundern, mit der Israel um sein Leben gekämpft hat. Letztendlich, glaube ich, wird Israels Führung dieses Krieges – mit all ihren Fehlern und Schwächen – ein Modell sein, nach dem große Teile der derzeit kritischen Welt eines Tages vorzugehen versuchen wird.

Yitzhak Rabin und sein Platz in der Geschichte

Dr. Joel Fishman, Editorial in Makor Rishon, 29. Oktober 2004 (direkt vom Autor)

Der vergangene Mittwoch, 27. Oktober – oder nach dem hebräischen Kalender der 12. Heschwan – war der Jahrestag des Todes von Premierminister Yitzhak Rabin. Dieses Tages wurde mit einer ganzen Reihe von Zeremonien in Schulen, der Knesset, sowie im Regierungsradio und Fernsehen gedacht. Neun Jahre sind seit der Ermordung vergangen und es besteht weiter ein nationales Bedürfnis sich des Premierministers zu erinnern, der einen gewaltsamen Tod starb. Wir müssen uns an das Geschehene in der Hoffnung erinnern, dass das Verbrechen des politischen Mordes und einer nationalen Tragödie dieser Art sich nie wiederholt. Mit dem Lauf der Jahre ergibt sich aber eine weitere Ebene des Verständnisses und des Bewusstseins, die unsere Aufmerksamkeit benötigt, nämlich den Platz Yitzhak Rabins in unserer nationalen Geschichte. Kerzen anzünden, Lieder, Nostalgie, Anekdoten, Reden und sorgfältig ausgearbeitete Fernseh-Dokumentationen sind kein Ersatz für kritische Geschichtsschreibung.

Eine der charakteristischen Eigenschaften jüdischer Tradition ist, dass sogar Könige wie David, Salomo und die Hasmonäer-Herrscher den Gesetzen unterworfen sind und entsprechend beurteilt werden. Als Volk haben wir ein realistisches historisches Verständnis der Stärken und Schwächen unserer Führer und Könige. Wir haben eine reiche geschichtliche Tradition und es wäre ein Rückfall auf eine niedrigere kulturelle Ebene, würden wir aufhören gute historische Aufzeichnungen zu machen und jeden politischen Führer über Kritik zu stellen und ihm damit eine Art Heiligkeit gewährten.

Eine gesunde Gesellschaft braucht die Schriften kritischer Geschichtsschreibung, weil ein akkurates Verständnis der Vergangenheit notwendig ist für das Verständnis der Gegenwart. Es sollt auch vermerkt werden, dass einig europäische Staaten die Notwendigkeit erfahren haben, mit ihrer jeweiligen nationalen Geschichte während des Zweiten Weltkriegs umzugehen. Obwohl ihre Wirklichkeit anders aussah, können ihre Bemühungen als Beispiel für andere dienen. Die Deutschen haben den Begriff der „Vergangenheitsbewältigung“, der sich besonders auf Deutschlands Nazi-Vergangenheit bezieht. Ähnlich ist es in den Niederlanden, das bereits bei seiner Befreiung ein staatliches Institut für Kriegsdokumentation einrichtete, das Informationen in Form offizieller Dokumente und mündlicher Zeugnisse über die Zeit sammelte. Der Direktor des Instituts, Prof. L. de Jong – mein Freund und Lehrer – schrieb die offizielle Geschichte des Königreichs der Niederlande im Zweiten Weltkrieg in einer großen Arbeit, die die schmerzhafte Wahrheit erzählte und eine gründliche und schockierende Untersuchung holländischer Kollaboration mit der deutschen Besatzungsarmee auf allen Ebenen von Regierung und Gesellschaft bietet. Bei jeder Erscheinung eines Bandes war die Presse empört, aber nach dem ersten Schock stimmten die meisten Holländer überein, dass de Jong die Wahrheit sagte. Die Wahrheit zu sagen, selbst wenn sie schmerzt, ist eine wichtige öffentliche Notwendigkeit. Es ist von großer Wichtigkeit, dass israelische Historiker ebenfalls beginnen mit der Vergangenheit klar zu kommen, insbesondere in Bezug auf den Mann Yitzhak Rabin, den Oslo-Prozess und sein Erbe.

Es gibt eine nationale Notwendigkeit die Diskussion um Yitzhak Rabin auf eine höhere Ebene zu bringen. Ein sorgfältiger Blick auf die historischen Fakten würde es schwieriger machen Verallgemeinerungen zu verbreiten wie: „Die Rechte hat den Friedensprozess getötet“ (Amnon Lipkin-Shahak) oder: „Wir hätten Frieden, wenn Yitzhak weiter gelebt hätte“ (Itamar Rabinowitsch). Behauptungen wie diese zeugen weder von kritischem Denken, noch erweitern sie unser Wissen. Die erste, die dem Vorwurf gleicht, dass die Juden Jesus töteten, ist ungenau und die zweite heuchlerisch.

Ein erster Schritt zum kritischen historischen Verständnis der Sache sollte die Überprüfung der Terminologie sein, mit der Meinungsströmungen in Israel beschrieben werden. Man sollte lieber Golan Lahats Vorschlag anwenden, dass die israelische Gesellschaft nicht als entlang der traditionellen europäischen Linien von „links“ und „rechts“ geteilt betrachtet werden sollte, sondern eher anhand ihrer Ansichten zur Sicherheit. So könnte man Israelis danach einordnen, wer Oslo anfangs unterstützte und dann ablehnte. (Das würde auch auf den theoretischen Fall von Israelis anwendbar sein, die erst dagegen waren und dann dafür – wofür es aber anscheinend keine vermerkten Beispiele zu geben scheint.)

Der Sinn dieses Aufsatzes ist nicht die Debatte der historischen Fragen, sondern einige der Fragen festzustellen, denen man sich stellen muss. Nur wenige würden leugnen, dass Oslo keinen Frieden brachte, aber es ist wichtig, dass man erfährt warum. In diesem Zusammenhang ist eine der wichtigsten Fragen, die ehrliche Historiker untersuchen müssen, die nach Yitzhak Rabins Verantwortung für die nicht da gewesene Zahl an zivilen Opfern, die dadurch entstanden, dass man die PLO aus Tunis hierher holte und sie mit Waffen versorgte.

Nach dem Mord an Ofra Feliks im Januar 1995 führte Rabin den Ausdruck Korbanoth Ha-Shalom ein, wörtlich: Opfer für den Frieden. Damit wurde die Tatsache geleugnet, dass sie Terroropfer waren. Rabin imitierte Ben Gurions Erklärung vom September 1939 („Wir werden den Krieg führen, als gäbe es kein Weißbuch und das Weißbuch bekämpfen als gäbe es keinen Krieg“) und erklärte wiederholt, dass Israel den Terror bekämpfen würde als gäbe es keine Verhandlungen und Verhandeln als gäbe keinen Terror. Diese Stellungnahme diente als vernünftige Erklärung für Rabins Entscheidung das Leben von Zivilisten zu opfern. Heute müssen wir fragen, ob es verantwortlich war, diese Opfer als „Preis für den Frieden“ zu akzeptieren und rationale Diskussion durch Leugnung der Wahrheit und den Gebrauch von Schlagworten und Werbeliedern zu unterdrücken.

Ähnlich müssen sich Historiker der unterschwelligen Annahme von Oslo stellen, dass die PLO den Willen wie die Möglichkeit haben würde die Extremisten von Hamas und Islamischen Jihad zu bekämpfen und so Israel vor Terror zu schützen. David Makovsky hat diese Prämisse als „eine der großen Fehleinschätzungen von Oslo“ bezeichnet. Das Ergebnis davon war eine Reihe problematischer politischer Entscheidungen, so die Einsetzung einer Diktatur in der Palästinensischen Autonomie. Weiter beschreibt Natan Sharansky Rabins Glaube, dass die undemokratische Natur des Regimes Arafats den Interessen Israels dienen würde. Er schildert ausführlich, dass eine Woche nach Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen 1993 „Premierminister Rabin den Satz prägte, der den gesamten Ansatz der Regierung eisig so zusammenfasste: ‚Arafat wird sich um die Terroristen kümmern’, sagte er, ‚ohne Obersten Gerichtshof, ohne B’Tselem und ohne alle möglichen blutenden liberalen Herzen.’“

David Makovsky wie Dore Gold haben die Frage nach der launenhaften Natur der Entscheidungsfindung der Regierung Rabin aufgeworfen; Entscheidungen wurden oft ohne die Hilfe des Einholens von professionellem Rat getroffen. Wie war es möglich, dass Rabin den wichtigen Schritt des Eintritts in Verhandlungen mit der PLO unternahm, ohne professionellen militärischen und juristischen Rat einzuholen? Man könnte sich fragen, ob es im größeren Zusammenhang eine zu große Konzentration auf die Macht auf der obersten Ebene gab und ob die Entscheidungsfindungsprozess , wie er in Sachen nationale Sicherheit statt fand, nicht richtig funktionierte. Gleichermaßen muss Rabins Entscheidung bewertet werden, die Palästinenser zu bewaffnen. Viele Israelis erinnern sich der Worte der Erklärung Yitzhak Rabins im Radio aus dem Dezember 1993:

Hört auf Angst zu haben. Es gibt die Gefahr nicht, dass diese Gewehre gegen uns benutzt werden. Der Sinn dieser Waffen für die palästinensische Polizei ist, dass sie in ihrem umsichtigen Kampf gegen die Hamas benutzt werden. Sie werden nicht einmal davon träumen sie gegen uns einzusetzen, denn sie wissen sehr wohl, dass, sollten diese Gewehre auch nur einmal gegen uns benutzt werden, der Oslo-Vertrag annulliert werden wird und die IDF an alle Orte zurückkehrt, die ihnen übergeben wurden. Der Oslo-Vertrag ist, trotz allem, was die Opposition behauptet, nicht unwiderrufbar.

Über die Frage des Inhalts dieser Stellungnahme [für die es derzeit anscheinend keine bestätigte Verschriftlichung zu geben scheint] hinaus geht die Art und Weise, in der Rabin seine neue Politik der israelischen Öffentlichkeit präsentierte und der Grad an Verantwortung, die er gegenüber seinem Volk empfand. Während des Winters 1993/94 erklärte Rabin (wie andere Olso-Vertreter auch), dass, wenn Oslo nicht funktionieren würde, er seine Politik umkehren und alles zurücknehmen würde – eine Idee, die ursprünglich von Shimon Peres stammte. Als aber klar wurde, dass das Glücksspiel um den Frieden nicht klappte, verhandelte Rabin weiter, statt die Verluste zu mindern. Für Neal Kozodoy, den früheren Redakteur von „Commentary“, der eine Sammlung von Aufsätzen zum Friedensprozess veröffentlichte, war die zentrale Frage: „Warum, nachdem die Täuschungen und Selbsttäuschungen von Oslo schließlich demaskiert waren und die Wirklichkeit nicht länger geleugnet werden konnte, warum waren immer noch Stimmen zu hören, die darauf bestehen, dass ‚der Nahost-Friedensprozess, nur weil er fehl geschlagen ist, nicht aufgegeben werden darf?’“

Das bringt uns zurück zu verschiedenen Grundproblemen. War Rabins Politik realistisch? Stellten seine Versprechen eine Art Verpflichtung dar, ob sie nun erfüllt wurden oder nicht? In welchem Ausmaß betrachtete Rabin sich selbst an sein Wort gebunden, wenn überhaupt? Sicher, wir können nicht erwarten, das Wahlkampf-Versprechen einen juristischen Vertrag darstellen oder dass sie bis auf den letzten Buchstaben erfüllt werden. Im wirklichen Leben könnten sie auch völlig ignoriert werden. Trotzdem stellen sie eine Art moralischer Verpflichtung dar. Zwischen Ideal und Wirklichkeit mag es eine Lücke geben, aber trotzdem würde man von einem Führer nicht erwarten, dass er solche Dinge mit der Absicht unternimmt sie zu erfüllen oder genau das Gegenteil dieser Plattform zu tun. Es handelt sich hier um schwer wiegende Versprechen und wenn sie nicht wenigstens zu einem gewissen Maß erfüllt werden, dann gibt es ein echtes Problem.

Weiterhin gibt es die Frage, wie ein Führer in einer Demokratie mit der Opposition umgehen sollte. Es war nie ein Geheimnis, dass es Teil der Regierungspolitik war, ihre Gegner systematisch anzugreifen, um sie zu diskreditieren und dass sie dabei eine hetzerische und gewalttätige Sprache benutzte. Hillel Halkin berichtte, dass die Schlagseite der Titelseite von Ha’aretz am 26. März 1995 lautete: „Rabin: Likud, Kollaborateur der Hamas“. Nach Halkin wurde in dem Artikel berichtet, dass Rabin den Likud angriff und erklärte, „die Terrororganisationen haben Erfolg, weil der Likud ein Kollaborateur des Islamischen Jihad und der Hamasgeworden ist“.Dieser Artikel beschreibt die Entscheidung in der (Arbeits-)Partei, die Angriffe gegen die politische Rechte zu verstärken, weil Netanyahu in den Umfragen vorne lag. Die Tatsache, die nicht herunter gespielt oder geleugnet werden sollte, ist, dass es heftige Hetze auch seitens derjenigen gab, die gegen Oslo waren. Aber der Historiker muss fragen, ob es in einer Demokratie korrekt war, dass die Regierung ihre Gegner delegitimisierte, die zumeist aus gesetzestreuen Bürgern bestanden. In diesem Zusammenhang muss man die Atmosphäre der moralischen Drangsalierung vermerken, die die Regierung Rabin damals schürte und die Tatsache, dass auch der geringste Zweifel oder Fragen höhnisch oder mit Schweigen abgetan wurden.

Wenn wir an Rabin denken, dann denken wir meistens an Oslo und die Palästinenser, aber seine Verhandlungsführung mit Syrien sollte nicht vergessen werden. Am Tag vor den Wahlen von 1992 z.B. erklärte er in deutlicher Sprache, dass jeder, der die Golan-Höhen aufgibt, sich der Aufgabe der Sicherheit Israels schuldig macht. Dann, nach der Erreichung der Macht, geißelte er die, die ihn an seine Versprechen erinnerten. Uri Dan berichtet, dass Rabin am 8. Juni 1993 erklärte: „Sobald konkrete Vorschläge da sind, können sich die Siedler auf dem Golan in ihren Demonstrationen drehen wie Propeller. Es wird ihnen nichts einbringen.“ Später verglich Rabin einige von ihnen verächtlich mit der Hamas und, so wird berichtet, bezeichnete sie als „Feinde des Friedens“. Über seine öffentlichen Statements hinaus fügte er Israels zukünftiger Verhandlungsposition durch die im Alleingang geführten indirekten Verhandlungen mit Syrien Schaden zu. Erst bat er die Amerikaner den Syrern die hypothetische Frage zu stellen, welchen Art von Frieden sie Israel im Tausch für einen kompletten Rückzug von den Golan-Höhen anbieten würden. Innerhalb von vier Monaten und mit der Einmischung der Amerikaner wurde dieser diplomatische Schritt bald als israelischer Versuch interpretiert von den gesamten Golan-Höhen abzuziehen. (Das erinnert an den Gefangenen-Austausch mit der Terrorgruppe Ahmed Jibril, der im Mai 1985 vorgenommen wurde, als Rabin Verteidigungsminister war. Damals entließ Israel im Tausch für sechs israelische Soldaten 1.100 verurteilte PLO-Terroristen, die lebenslange Freiheitsstrafen wegen Mord verbüßten, darunter Kozo Okamoto. Das Ergebnis dieser Transaktion war, dass Rabin ähnlich erfolgreich Israels zukünftige Position bei Geisel-Verhandlungen schwächte.)

Rabin hatte keine deutliche Mehrheit in der Knesset, aber er erzählte Besuchern gewöhnlich, dass er selbst mit einer Mehrheit von nur einer Stimme machen würde. Daher kaufte er, um das Oslo II-Abkommen Ende 1995 ratifiziert zu bekommen, die entscheidende Unterstützung von Gonen Segev und Alex Goldfarb (Segev war Infrastruktur-Minister und wurde später wegen Kreditkarten-Betruges verurteilt; er erhielt eine Bewährungsstrafe. Derzeit wartet er auf den Beginn eines Verfahrens wegen Drogenschmuggel). Amotz Asa-El von der „Jerusalem Post“ schrieb, dass der Fall Segev „historisch ist, weil er den Mann betrifft, der die entscheidende Stimme für die sensibelste und kontroverseste politische Entscheidung abgab, die hier je getroffen wurde, in einer Zeit, als die israelische Gesellschaft bereits entzweit war von der Debatte um die Oslo-Verträge und den Terror, der ihrer Genehmigung folgte.“ Was sagt uns diese Tatsache über den Mann Rabin und sein Erbe?

Es gibt auch ein Thema in Bezug auf das Studium des Führers eines Landes, das in Israel weit gehend ignoriert wurde, aber überall sonst als legitim gilt: persönliche Vorzüge, Gewohnheiten, Schwächen und Gesundheit, insbesondere vor dem Hintergrund, wie diese das politische Verhalten beeinflussen. Doris Kearns Goodwin hat z.B. detailliert über Franklin D. Roosevelt, seine Geliebte und seine gesundheitlichen Probleme geschrieben, die oft vernachlässigt werden. Was Israel angeht, so kennen wir die Auswirkungen von Entmutigung und Depression bei Menachem Begin.

Im Fall von Yitzhak Rabin gibt es mehrere Fragen, die Historiker in aller Fairness stellen müssen. Hatte Rabin seine Alkohol-Abhängigkeit hinter sich gelassen, als er 1992 sein Amt antrat? Wenn ja, wann? Litt er unter einer Krankheit, die seine Stimmung und sein Verhalten beeinflusst haben könnte und nahm er Medikamente? War er in der Lage Druck auszuhalten, wie z.B. im Fall des Austauschs der Gefangenen von Jibril oder die Entscheidung die Hamas-Männer wieder zu repatriieren, die im Dezember 1992 ins Exil in den Libanon geschickt wurden? Manche Beobachter, so auch Yigal Carmon, haben großzügig erklärt, dass Rabins letzte Jahre im Amt nicht seine besten waren. Andere, wie Itamar Rabinovitch, haben geschrieben, dass Rabin in genau diesen Jahren seinen Höhepunkt als ausgereifter Staatsmann erreicht hatte. Wer hat recht? Wie auch immer, wir müssen nach der Wahrheit suchen.

Einen Tag im Jahr muss man seiner gedenken. Die übrigen 364 Tage müssen wir unsere Geschichte so schreiben, „wie sie wirklich war“. Wir sollten uns nicht das Gehirn vernebeln lassen, sondern die harten Fragen stellen und unser Bestes tun, eine ehrliche und kritische Geschichte des Mannes Rabin und seines Erbes ohne ideologische Einseitigkeit und ohne Rechtfertigungen schreiben.

Der Krieg gegen den Terror: Was können wir erkennen?

Micah Halpern, 13. Juli 2004 (direkt vom Autor)

Wie können wir wissen, ob der Krieg gegen den Terror wirklich gewonnen wird?

Nach mehreren Monaten der Ruhe schoss der Explosionsknall einer Bombe durch die Innenstadt von Tel Aviv – seit langer Zeit der erste erfolgreiche, tödliche Anschlag in einer größeren Stadt in Israel. Zum Glück kostete er nur ein Leben und die Zahl der Verletzten war „niedrig“ – Dutzende, nicht Hunderte.

Was war das Ungewöhnliche – dieser Anschlag oder die Einstellung der Anschläge? Was ist für die israelische Gesellschaft die Normalität?

Unter Benutzung der israelisch-palästinensischen Lage als Modell ist es an der Zeit einige wichtige, populäre falsche Vorstellungen zu analysieren, die in der freien, d.h. westlichen Welt, über die Natur des Kriegs gegen den Terror herumgeistern.

Falsche Vorstellung Nr. 1: Da es keine schweren Terroranschläge gegeben hat, müss es so sein, dass die Palästinenser aktiv daran arbeiten den Terror zum Schweigen zu bringen.

Die Wirklichkeit: Nichts könnte von der Wahrheit ferner entfernt sein. Die Wahrheit ist, dass Israel in diesen letzten Monaten sehr erfolgreich dabei gewesen ist, die Terroristen aufzuhalten, bevor sie in die Stadtzentren gelangten und unschuldige Zivilisten ermorden konnten. SEHR erfolgreich.

Im Verlauf einer einzigen Woche gehen Dutzende von Terrorwarnungen über meinen Schreibtisch. Jeder bedroht das Leben unschuldiger israelischer Zivilisten, Touristen, Gastarbeiter. Jede Person, die in Israel lebt, es besucht oder durch es hindurch reist, ist in Gefahr. Und unausweichlich sind unter den Verletzten oder Toten fast jeden Anschlags Araber – Männer, Frauen oder Kinder, die auch israelische Staatsbürger sind.

Falsche Vorstellung Nr. 2: Weil es keine öffentliche israelische Ankündigung eines beabsichtigten Anschlags gegeben hat, haben die Palästinenser aufgehört, Anschläge durchzuführen.

Die Wirklichkeit: Das ist überhaupt nicht der Fall. Es gibt viele Gründe dafür, dass die Behörden sich entscheiden, nicht alle Informationen, die sie haben, öffentlich zu machen und nicht jedes Mal an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn sie jemanden in Haft haben.

Zusätzlich zu den Dutzenden Warnungen und Alarmen gibt es Dutzende von vereitelten Anschlägen. Manchmal werden die Anschläge gestoppt, während sie sich noch in der Planung befinden. Bei anderen Gelegenheiten werden die terroristischen Angreifer oder die Werkzeuge ihres Handwerks erst im letzten Moment entdeckt, entschärft und beseitigt – wenn sie auf dem Weg zur Ausführung ihres Anschlags sind, um ihre Bombe auszulösen und sich selbst und andere in Stücke zu reißen.

Es ist wirklich nicht weniger als ein Wunder, dass so viele Terroristen aufgehalten und gefangen werden, dass so viele Terroristen abgefangen werden. Aber es ist kein Grund für öffentliches Feiern. Es bedeutet einfach, dass Israel im Kampf gegen den Terror erfolgreich gewesen ist und dass man viele Schlachten erfolgreich bestritten hat. Jedesmal eine Pressekonferenz einzuberufen, wenn man erfolgreich ist, würde die Öffentlichkeit auf eine von zwei Möglichkeiten täuschen. Es ist wie mit dem Optimisten und dem Pessimisten – ist das Glas halb voll oder halb leer? Ist es ein gutes, sicheres Zeichen, dass so viele Anschläge verhindert werden, oder ist es ein gefährliches Signal, weil es so viele Anschläge hätten geben können?

Die Wirklichkeit ist, dass man in diesem Geschäft hundertprozentigen Erfolg anstrebt. Die Wirklichkeit ist aber auch, dass ein solches Ziel einfach nicht erreichbar ist.

Egal, wie gut wir also sind, wie genau unsere Quellen sind, wie erfolgreich man gewesen ist, es wird immer etwas oder jemanden geben, der durch die Maschen schlüpft. Immer und unvermeidlich. Die einzige Hoffnung besteht darin, dass das nicht zu vernichtend sein wird.

Und doch gibt es wenig Zweifel, dass wichtige Fortschritte im Kampf gegen den Terror in Israel und, ja, auch in der westlichen Welt gemacht wurden. Israel hat einen Krieg geführt, der schon viele Jahre andauert und viel zu viele Leben gekostet hat, aber es sieht so aus, als würden es anfangen seinen Krieg zu gewinnen.

Es gibt verschiedene Variablen, einfache Bezugspunkte, die Experten und Analysten benutzen, um zu bestimmen, wie der Krieg gegen den Terror läuft:

  • Das Erfolgslevel beim Aufhalten der Terroristen bewegt sich im Bereich über 90%
  • Psychologisch fühlen sich die Bürger nicht belagert; sie gehen aus, sie reisen, sie essen in der Öffentlichkeit und erlauben ihren Kinder, das auch zu tun
  • Die Sicherheitskräfte können die Züge der Terroristen antizipieren und sie deutlich vor der Ausführung ihrer Tat fangen
  • Es gibt Informationsquellen vor Ort, so dass man aus vielerlei Quellen die Richtung kennt, die die Terroristen einschlagen
  • Man fängt auch, zufällig und versehentlich eine große Anzahl von Terroristen, die ins Netz gehen, weil man die richtigen Dinge unternimmt
  • Man fragt sich sogar selbst, warum es in letzter Zeit so ruhige geblieben ist und warum es in zuletzt keine Terroranschläge gegeben hat

Es gibt im Kampf gegen den Terror keinen perfekten Schutzschild. Das Beste, was man tun kann, ist sein Bestes zu geben.

Aufwachen fällt schwer

Daniel Gordis, 25. Juni 2004 (online nicht mehr gefunden)

Vor langer Zeit hatte ich eine Freundin, deren Mutter nach langer Krankheit starb. Kurz nach dem Tod ihrer Mutter unterhielten diese Frau und ich uns darüber, wie es ihr ging. Ich erinnere mich immer noch, was sie sagte. „Weißt du, was für die liebste Tageszeit ist?“, fragte sie. „Die ersten Sekunden, wo ich wach bin. Die Sekunden, bevor ich mich erinnere.“

Ich war von diesem Bild beeindruckt, sowie sie das sagte, aber erst Jahre später verstand ich es vollständig, als die Intifada (oder, richtiger gesagt, der Krieg) sich auf ihrem Höhepunkt befand. Vermutlich 2002 und Anfang 2003. Wir wachten morgens auf und ich diesen ersten Sekunden zwischen dem Zeitpunkt als der Radiowecker und weckte und dem, als wir wirklich hörten, was gesagt wurde, konnten wir vergessen. Dass der Tag mit Beerdigungen gefüllt sein würde. Dass die Morgenzeitung Fotos der neuesten Opfer auf der Titelseite, oberhalb der Falz, zeigen würde. Dass die Nachrichten gelegentlich über den nationalen Verbrauch an Antidepressiva berichtete und fast immer verkündete, wo die „heißesten“ Warnungen vor Anschlägen dieses Tages vorlagen. In den ersten Sekunden des Tages, wenn der blass-blaue Himmel und der Jerusalemer Stein vor dem Fenster noch vor den Nachrichten registriert werden, war das Leben in Ordnung. Sehr in Ordnung. Diese wenigen ersten Sekunden lang.

Aber dann gewöhnten wir uns an das Leben im Krieg. Die Angst brauchte nicht mehr die wenigen Sekunden, um einzusetzen. Wie viele Israelis, gingen wir schlafen und dachten darüber nach und träumten davon. Und wachten damit auf. Sofort. Ohne jegliche Sekunden vor der Erinnerung. Sie war so allumfassend und dauerte so lange, dass es diese fließenden Sekunden am Morgen nicht länger gab.

Sie sind jetzt wieder zurückgekehrt, diese Sekunden, die es braucht um etwas zu begreifen, aber auf eine andere Weise. Seltsamerweise, so habe ich gemerkt, wache ich manchmal immer noch mit dem Gefühl der Angst auf und erkenne dann nach ein paar Sekunden – es ist inzwischen anders. Nicht vorbei, aber besser. Viel besser. Wenn es damals ein paar Sekunden dauerte, bis ich bemerkte, in welchem Chaos wir uns befanden, ist es nun umgekehrt. Jetzt brauchen wir diese Sekunden, um uns selbst daran zu erinnern, dass es viel weniger zu fürchten ist als es früher der Fall war. Ich ertappe mich dabei, dass ich mit einem instinktiven Gefühl einer düsteren Vorahnung aufwache, aber beim Aufwachen und Nachrichten hören sickert es plötzlich durch, dass das Schlimmste hinter uns liegen könnte.

In diesen Tagen drehen sich die Nachrichten, nun, nicht um Frieden, aber einige Schritte in Richtung Abkoppelung. Von dem, was wir hier erleben werden, das, was Frieden am nächsten kommt. Sharon, den die Welt als blutrünstigen, kompromisslosen Ideologen beschreibt, führt ein verletztes und verärgertes Land langsam und rührig aus dem Gazastreifen. Und Umfragen zeigen, dass die große Mehrheit der Israelis zufrieden damit sind. Wäre damals, 2002, kaum zu glauben gewesen.

Nicht, dass das Zuhören bei den Nachrichten sonderlich Spaß macht. Ein perfektes Beispiel von Anfang der Woche: Sie begannen mit Sharons (hoch kontroversem) Zeitplan für den (hoch kontroversen) einseitigen Rückzug. Dann ein Bericht, dass Bibi Netanyahus früherer Stabschef (damals, als Bibi Premier war) gesagt habe, die Siedler sollten legitim tödliche Gewalt gegen Soldaten benutzen könnten, wenn die kämen um sie abzutransportieren. Jetzt, berichten die Nachrichten, wird gegen ihn wegen Aufhetzung ermittelt (ein ernstes Verbrechen hier, seit Rabin ermordet wurde). Dann ein Bericht, dass die Armee im Geheimen (obwohl das offensichtlich nicht so geheim sein kann, wenn es in den Nachrichten kommt) Spezialeinheiten trainiert, die mit den Siedlern klar kommen und sie notfalls gewaltsam evakuieren können sollen.

Dann ein kurzer Überblick über die Kommentare von Peres vom Vorabend. „Wer braucht Sondereinheiten?“, wollte er wissen. „Sie wollen da nicht weg, dann lasst sie das. Lasst die Palästinenser sie bearbeiten. Warum sollten unsere Kinder Gefahr laufen Menschen da wegzuholen, wenn sie nicht kommen wollen? Wir ziehen einfach die Armee zurück und sie bleiben auf sich gestellt.“ Ja, klar. Aber ich habe das in letzter Zeit viele Leute sagen hören.

Dann gehen die Nachrichten zu „leichten“ Themen über. Ein zu früh geborenes Baby in Lebensgefahr, weil eine junge Kinderschwester versehentlich einen Ernährungsschlauch in die Vene des Babys eingeführt hatte, statt in seinen Bauch. Die Schwester wurde suspendiert und die Ärzte arbeiten daran, das Leben des Babys zu retten. Es wird erwartet, dass es ohne langfristige Schäden überleben wrid.

Der Streik der Bademeister geht weiter und bisher sind sechs Leute ertrunken, die an unbewachten Stränden schwammen. Da aber das Schuljahr zu Ende geht, wird erwartet, dass die Gerichte die Bademeister zurück zur Arbeit befehlen werden.

Ein Fußballfan wurde verurteilt, weil er 2001 bei einem Spiel „Tod den Arabern“ geschrieen hatte. Der Richter wies seine Behauptung zurück, dass das nur ein Gerede im Eifer des Gefechts gewesen sei. Ein weiteres Urteil wegen Hetze.

Und dann die nationale Hundegeschichte. Ein Pitbull, ein Kampfhund, der von einer Familie Zuhause gehalten wurde, griff die zweijährige Tochter an und tötete sie; der erste solche Vorfall in der Geschichte des Landes. Der Hund wurde vom Veterinäramt in Tel Aviv eingezogen und sollte am nächsten Tag eingeschläfert werden. Aber dann griff die Verteidigung ein. „Ein Hund, der Menschen frisst?“, fragten sie. „Wir könnten das brauchen.“ Auch die IDF wollte, dass die Hund ihnen übergeben würde, statt ihn einzuschläfern.

Was als furchtbar Tragödie begonnen hatte, wurde dann zu einer nationalen Komödie. Nur in Israel, sagen die Leute, konnte der Amtstierarzt von Tel Aviv einen gefährlichen Hund nicht töten, weil er möglicherweise im Kampf gegen den Terror genutzt werden könnte. Die Leute wussten nicht, ob sie lachen oder weinen sollten. (Heute ist wenigstens diese Geschichte vorbei – der Hund wurde gestern eingeschläfert.)

Es gibt mit den Morgennachrichten viel aufzunehmen. So viel, dass man den wichtigsten Teil vergessen könnte: dass dies die Nachrichten sind, die „normale“ Länder haben. Keine Nachverfolgung des Konsums von Antidepressiva mehr. Stimmt, es hat wieder einige Terrorwarnungen gegeben, aber sie sind vorbei und ich kenne niemanden, der seine Pläne ändert. Seit Februar, mit dem letzten gesprengten Bus, hat es in Jerusalem keine Anschläge gegeben. Seit März und dem Anschlag auf den Hafen von Aschdod keine größeren Anschläge in wichtigen zivilen Zentren. 2002 verging kaum eine Woche, manchmal nicht einmal zwei Tage, ohne schwere Verluste. Und jetzt sind Monate vergangen. Monate der Ruhe.

Sicher, das ist nicht perfekt. Es wird hier und da geschossen. Tali Hatuel und ihre vier Töchter, die am Tag der Likud-Abstimmung aus nächster Nähe im Gazastreifen in ihrem Auto erschossen wurden. Und andere. Aber es ist nicht zu leugnen, dass sich etwas entscheidend geändert hat. Elisheva und ich waren vor ein paar Tagen in der Emek Refa’im-Straße, dem Hauptanziehungspunkt in unserem Viertel. Die Straßen waren gedrängt voll und die meisten Sicherheitsleute schliefen mehr oder weniger. (Obwohl in diesem Land immer noch mehr Wachleute als Lehrer beschäftigt werden.) Wir gingen in ein Restaurant und der Wachmann schaut uns kaum an. Die Kellnerin wies uns einen Tisch bei der Tür an, was uns vor ein paar Monaten noch nervös gemacht hätte. Wir nahmen den Tisch ohne darüber nachzudenken. Mitten im Essen ging die Alarmanlage eines Ladens in der Nähe los. Der Wachmann ging los, um nachzusehen und verschwand. Niemand schien beunruhigt. Könnte es sein, dass etwas neues aufkommt?

Einige Leute haben ein starkes persönliches Interesse daran zu leugnen, das sich etwas geändert hat; sie wollen nicht aufwachen und den Unterschied sehen. Sie haben natürlich recht, dass, wenn alles ruhig ist, das nicht am mangelnden Bemühen der Terrororganisationen liegt. Erst gestern fanden die Sicherheitskräfte bei ihrer Suche in der Westbank zwei Gürtel, einen mit 10kg und einen mit 20kg [Sprengstoff]. Und gestern verhafteten sei auch drei Palästinenser auf dem Weg zu einem Anschlag in Jerusalem. Alltägliches. Wir fallen über sie her und wir haben viel bessere Informationen. Der Unterschied heutzutage ist, dass wir sie aufhalten.

Die israelische Linke will nicht zugeben, wie sehr sich die Lage gebessert hat, denn dann müssten sie zugeben, dass unsere Strategie wirkt. Der Sicherheitszaun, ein hässlicher Schatten auf den Hügeln der Westbank, und eine noch hässlichere Beton-Monstrosität bei Jerusalem und einigen anderen Orten funktionieren. Schlicht und einfach. Wenn sie nicht durchkommen, können sie nicht viel machen. Und mehr und mehr können sie nicht herein kommen.

Und wenn man beständig die Führung einer Organisation tötet, wird man irgendwann ihre Effektivität herabsetzen. Der Welt und der israelischen Linken und einer Hand voll IAF-Piloten mögen die „gezielten Tötungen“ (oder außergerichtlichen Exekutionen, wie die europäische Presse das nennt) nicht gefallen, aber sie wirken. (Man darf annehmen, dass, sollten amerikanische Soldaten bin Laden finden, er es auch nicht bis zur Gerichtsverhandlung schaffen könnte.) Die Hamas ist eine geschwächte Organisation. Genauso der Jihad. Sogar die Fatah. Sie sind schwer beschädigt – und nervös. Es mag keine populäre Vorgehensweise sein, außerhalb Israels wie auch im Inland, aber sie funktioniert. Man muss nur abends ausgehen, um den Unterschied zu spüren, den sie macht.

Die Rechte ist natürlich gleichermaßen besorgt, dass die Leute anfangen könnten zu glauben, dass der Krieg abebbt. Wie die Belagerungs-Mentalität entscheidend dafür ist, die Leute hier zu überzeugen, dass die Armee die Siedler nicht aus ihren Häusern holen sollte. (Nebenbei gesagt: Selbst die, die die Abtrennung unterstützen, müssen zugeben, dass der Schmerz, Familien aus ihren Häusern zu holen, nachdem Regierungen von Arbeitspartei und Likud sie gleichermaßen über Jahrzehnte ermutigten dorthin zu ziehen, herzzerreißend sein wird. Und dass es wahrscheinlich zu Gewalt kommen wird. Wir laufen einer anderen Art von Turbulenzen entgegen.) Anzudeuten, dass es „vorbei“ oder „fast vorbei“ ist, würde das Land also in Oslo-artige Zuversicht zurückwerfen und damit, die Angst haben sie, in alle Übereinkünfte, die damals nicht hätten getroffen werden sollen und sicher jetzt nicht wieder getroffen werden sollten.

Einige Palästinenser, mit denen ich mich neulich unterhielt, mögen ebenfalls den Gedanken nicht, dass alles vorbei ist. Sie sagen das nicht, aber wenn harsche Maßnahmen und einseitiger Abzug seitens Israel zu einer dramatischen Verringerung der Kämpfe – und der Toten – führen kann, dann wissen sie, dass es keine Verhandlungen geben wird. Sie werden nichts als Bauern im Schachspiel sein. Israel wird entscheiden und Israel wird handeln, fürchten sie. Genau. Hätten sich diese Gedanken im Oktober 2000 machen sollen, oder? Man sollte aber vermuten, dass sie daran gewöhnt sind, dass ihre Führer sehr, sehr krasse strategische Fehler machen. Immerhin haben sie mehr als ein paar nutzlose Kriege begonnen – 1946, 1947, 1967, 1973, um nur ein paar zu nennen. Warum glaubten sie, diesmal würde es anders sein? Was? Wir werden abhauen? Wohin denn?

Und selbst einige amerikanische Juden würden lieber das Gefühl der Krise beibehalten. Selbst, als die Lage sich hier beruhigte und sehr, sehr still sind, befand sich auf dem Israel-Umzug einer großen Stadt an der Ostküste Ende März das ausgebrannte Gerippe eines der Busse, in dem Menschen in einer israelischen Stadt eingeäschert wurden. Es gibt Orte für diese Busse, denke ich, denn die Geschichte des Terrors muss erzählt werden. In Den Haag. Bei der nächsten UNO-Konferenz zu Menschenrechten. Aber nicht bei einem Umzug zum Israel-Tag. Wollen wir, dass Tausende junge Amerikaner das als Erinnerung an Israel mitnehmen? Ausgebrannte Busse? Geschwärztes Metall? Wollen wir, dass die Kids denken, diese Freak-Show sei es, worum es mit dem jüdischen Staat geht?

Als eine Freundin letzte Woche Elisheva und mir separat schrieb und fragte, ob sie mit ihren Kindern zu dem Umzug gehen sollte, schrieben wir jeder einzeln zurück und fanden später heraus, dass wir beide dasselbe gesagt hatten: Geht hin. Habt Spaß und lasst euch zählen. Aber wenn ihr kurz vor dem Ende seid, dann geht raus. Nimm deine Kinder (die bisher noch nie in Israel waren) nicht mit in die Nähe des Busses. Es ist das Letzte, was sie bei einer solchen Parade sehen sollten.

Denn der Bus ist nicht das, was ihre Kinder sich in Israel verlieben lassen wird. Und so effektiv der Terror als Mittel zur Mobilisation gewesen ist, er ist nicht das, weswegen wir hier sind. Diejenigen von uns, die an diesem Ort leben, lieben ihn aus dem gleichen Grund, aus dem wir Menschen lieben. Denn mit ihnen sind wir vollständiger als wir je ohne sie sein können. Wenn die Stadt mit Plakaten gepflastert ist, die verkünden, dass der 26. Band der talmudischen Enzyklopädie jetzt gekauft werden kann, dann staune ich. Ich habe nie gesehen, dass in Los Angeles Plakate in der ganzen Stadt angeklebt wären, die das Erscheinen eines Buches ankündigen. Neue Filme, ja. Aber ein Buch? Nie. Nicht einmal Harry Potter.

Micha rief mich letzte Woche auf der Arbeit an um zu sagen, er brauche etwas Geld für das Treffen seiner Bnai Akiva-Jugendgruppe. Warum, wollte ich wissen. Weil sie ins Israel-Museum gingen, zur jährlichen Festwoche des hebräischen Buchs. Ein Haufen Fünftklässler, die absolut glücklich sind, auf eine Buchmesse zu gehen. Und er bestand darauf, Geld mitzunehmen – er hätte keinen Spaß, wenn er kein Buch kaufen könnte. Und dann zögerte er. „Ima ist nicht in der Stadt, Papa.“ Ich weiß, sagte ich ihm. (Ich weiß normalerweise, wenn meine Frau nicht da ist.) „Kann ich mit dem Bus zum Museum fahren?“ Ich zögerte einen Moment und wusste dann, dass es nur eine Antwort möglich war. Entweder hast du Vertrauen zu diesem Ort oder nicht. „Sicher, nimm den Bus“, sagte ich ihm. Er war erleichtert. Er wollte seinen Freunden nicht erzählen müssen, dass seine Eltern ihn nicht mit dem Bus fahren ließen. Diese Kinder denken nicht an ausgebrannte Busse, wenn sie an ihr Zuhause denken. Sie denken an Buchmessen im Museum. Amerikanische Juden könnten sich das merken.

Wenn ich Avi am Handy auf Hebräisch plappern höre und ihn dann so ganz nebenbei frage, mit wem er spricht, dann bin ich perplex, dass er den Namen von jemandem in Atlanta erwähnt. Zwei Kinder, deren Muttersprache Englisch ist und die rasend schnell in Hebräisch lachen und reden? In einer Sprache, die vor hundert Jahren praktisch niemand sprach? Und wenn ich ihn frage, warum sie Hebräisch sprechen, dann sieht er mich an als ob die Frage dumm ist. „Wir leben hier, oder?“ Bei Israel geht es für die von uns, die sich entschieden haben hierher zu kommen, um Wiedergeburt. Darum, ein verletztes Volk zu heilen. Um die Zukunft. Nicht um ausgebrannte Busse.

Ich war vor ein paar Tagen einen Abend in Ma’aleh Ha-Chamishah, einem Kibbutz rund 20 Minuten vor Jerusalem. Auf dem Weg ins Hotel zu dem Treffen bemerkte ich, dass es keinen Wachmann gab. Zum ersten Mal seit Jahren ging ich also in ein Hotel ohne durchsucht zu werden. Ein paar Stunden später, auf dem Weg zum Auto, kam ich an einer Lounge des Hotels vorbei, wo eine Gruppe älterer Leute saß und Karten spielte. Sie sprachen zwar Hebräisch, aber die auf ihre Unterarme tätowierten bläulich-lila Zahlen waren ein deutliches Zeichen, dass sie keine hier geborenen Israelis waren. Zwanzig Meter weiter checkte eine lange Schlange amerikanischer College-Schüler auf einer Geburtstagsreise ins Hotel ein und machten ziemlichen Radau. Die Karten spielenden Leute schien diese plötzliche Invasion nicht zu stören. Ich denke, dass wenn man da herkommt, wo sie her kommen, dann ist ein Trupp jüdischer Kids, selbst laute, selbst eine Busladung von Jugendlichen, die dringend eine Dusche brauchen, eine gute Nachricht.

Die Ruhe wird nicht anhalten, nicht so ganz. Wir wissen das. Es gab vor der ersten Intifada Terror und vor der zweiten auch. Es wird wieder Terror geben. Wir wissen das. Aber der nächste Anschlag, die nächsten Tragödien, werden nicht unbedingt das bedeuten, was wir wieder mittendrin in dem Ganzen sind. Er wird nur bedeuten, dass wir immer noch im Nahen Osten leben. Wir werden uns daran erinnern müssen.

Vor ein paar Monaten schrieb ich von unseren Taxifahrern und wie sie ihre Arbeit tun – ihrer Tochter bzw. Schwester, die im Café Moment vor zwei Jahren getötet wurde. Am Montagnachmittag wurde ein Aussichtspunkt nach ihr benannt, in Gilo, dem Viertel, indem sie aufwuchs und in dem ihre Familie immer noch wohnt.

Es war einer dieser prächtigen Tage in Jerusalem. Klarer, blauer Himmel, nicht zu heiß. Und ein völlig normaler Jerusalemer Nachmittag. Busse fuhren die Straßen rauf und runter. Leute in Autos auf ihrem Weg von der Arbeit nach Hause. Schulkinder, die herum hingen. Mütter, die die Kinderwagen direkt unter uns durch den Park schoben. Jungs, die mit ihren Fahrrädern durch den Park fuhren und die Zeremonie beobachteten. Und eine große Zuschauermenge bei der Einweihung des Denkmals.

Der Leiter der Zeremonie las die Zahlen vor. Seit September 2000 ist Jerusalem 591-mal angegriffen worden. Gilo, das Viertel, in dem wir sitzen, ist 180-mal angegriffen worden. Und 209 Einwohner Jerusalems sind getötet worden. Eine von Limors Freundinnen sprach darüber, wie die Tage und das Leben weiter gehen, aber sie und Limors Familie nicht mehr die Menschen sind, die sie einmal waren.

Aber das allgemeine Gefühl ist anders. Es gab bei der Feier Sicherheitsmaßnahmen, aber hauptsächlich, weil erwartet wurde, dass der Bürgermeister kam. (Er tauchte nicht auf – er hatte einen Termin mit einem chinesischen Geschäftsmann.) Und die Polizisten unterhielten sich mehr, als dass sie beobachteten. Erstaunlich, selbst mit ihrem Bild in der ersten Reihe und dem Schmerz ihrer Eltern immer noch so offenkundig, dass man manchmal nur schwer atmen konnte, sprach ein Familienmitglied von Limor von der Suche nach Frieden, der Hoffnung auf den Tag, an dem wir unsere Waffen weglegen können. Angesichts dieses Schmerzes und der Zahlen – immer noch der Traum von etwas anderem.

Und wenn man sich umdrehte und die Aussicht betrachtete, konnte man das breite Panorama der judäischen Berge sehen. Sandige, sanfte Hügel, die genau so aussehen, wie sie vor Jahrhunderten ausgesehen haben müssen. Eine Stadt aus der Antike, aber eine moderne Stadt. Eine verwundete Stadt, aber eine heilende. Eine Stadt, die sich einst hinter Barrikaden und Wachleuten duckte, wo aber die Kinder wieder auf ihren Fahrrädern fahren und Kinderwagen wieder durch die Parks geschoben werden. Eine Stadt, wo wir unsere Kinder in die Schule schicken und eigentlich nicht mehr daran zweifeln, dass wir sie am Ende des Tages wieder sehen.

Das sind dieselben Berge, die die Propheten gesehen haben müssen, oder? Könnten sie vielleicht dieselben Berge gewesen sein, die Zephania sah, als er ausrief (Zeph. 3,14-15):

Juble, Tochter Zion…
Freue dich und frohlocke von ganzem Herzen.
Der Herr hat … deinen Feind weggefegt…
du wirst kein Unglück mehr sehen.

Könnte das sein? Könnte es sein, dass auch dieser Traum langsam wahr wird? Könnte es sein, dass fast vier Jahre nach dem Beginn all dieser Dinge das Aufwachen wieder sicher ist? Könnte es sein, nur vielleicht, dass wir auch diesen Krieg gewonnen haben?

Verklagt die Bartasde!

Beth Goodtree, JewishIndy, 31. Mai 2004 (Arutz-7-Version)

Wie in Industrie und Handel kann ein Name alles sein. Wenn jemand in der Industrie versucht einen etablierten Namen zu benutzen, kann er auf jede Menge Arten verklagt werden. Nun, vor 40 Jahren stahl jemand einen 2000 Jahre alten Namen und sie verlangten ihn für sich. Es ist an der Zeit sie zu verklagen, sie dazu zu bringen das zu unterlassen und Abstand davon zu nehmen, wir müssen Entschädigung bekommen und richtig stellen, wer wer ist und wer woher kommt, wer die anderen sind und woher sie kommen. Mit anderen Worten: Es ist an der Zeit unsere Namen zurückzuholen, unser Leben und unsere Geschichte. (Oder, wie meinem Mutter sagte, die es so vermied zu fluchen, wie sie Insekten vermied: „Verklag die Bartasde!“)

Wir haben Marken-Gesetzte, um den Diebstahl eines eingeführten Namens zu verhindern. Sie sind dazu da, einen neu einsteigenden Usurpator aufzuhalten, der versuchen könnte, mit dem guten Ruf und der Geschichte einer bestehenden Einheit Geschäfte zu machen und damit den eigentlichen Besitzer des Namens zu ruinieren. Diese Marken-Gesetze sind nicht auf die USA beschränkt; sie gelten international.

Weil der Diebstahl, von dem ich spreche, in der Geschichte einmalig ist, gibt es keine Präzedenzfälle. Allerdings gibt es viele ähnliche Fälle. Und im Gesetz können ähnliche Situationen genutzt werden, um ein Gesetz auszudehnen, das neue oder sich weiter entwickelnde Umstände nicht direkt abdeckt.

Nehmen wir als Beispiel den Markennamen „McDonald’s“. Jeder weiß, das ist eine Kette mit Fast food-Restaurants mit einem bestimmten Service-Stil und Essen. Vor Kurzem öffnete ein Mann namens McDonald, der keinerlei Bezug zu der Restaurant-Kette hat, ein Geschäft, das er „McDonald’s“ nannte. Obwohl sein Geschäft keine Konkurrenz mit der Fast food-Kette war, obwohl er seinen eigenen Namen für das Geschäft benutzten, obwohl er nichts wollte, was mit der McDonald’s-Kette zu tun hat, wurde er gezwungen seinen Laden nicht weiter „McDonald’s“ zu nennen.

Jetzt stellen Sie sich eine von außen kommende Gruppe Gauner daher, die Anerkennung, Geld und Territorium wollte und ließ sich auf etwas dünn besiedeltem Land irgendwo am Rande des Irak nieder. Dann begannen sie sich selbst „Sumerer“ und ihr Land „Sumer“ zu nennen – und behaupten, das ursprüngliche irakische Volk aus antiker Zeit zu sein. Das mag dumm erscheinen, aber es ist ganz genau das, was an einem anderen Ort in den 1960-ern gemacht wurde (obwohl die Wurzeln dieses Diebstahl in den 1940-ern liegen).

Das heute Israel genannte Land hieß 2000 Jahre lang Palästina. Obwohl das nicht sein ursprünglicher Name war, wurde er zum allgemein akzeptierten Namen dieses Landes und der dort lebenden Menschen.* Und die dort lebenden Menschen waren die Juden (auch Hebräer genannt), die sowohl eine Geschichte der Verbindung zu diesem Land hatten, die viele tausend Jahre zurück ging, als auch eine kontinuierliche Präsenz im Land. (Muslime lebten dort sicher nicht, denn der Islam ist ein Neuankömmling in der Welt der Religion und tauchte erst 4.300 Jahre nach dem Beginn des Judentums auf der Bühne auf – 600 Jahre, nachdem die in Palästina lebenden Juden als „Palästinenser“ bekannt wurden.)

Während der ganzen 2000 Jahre hat es nie ein arabisches Land namens Palästina gegeben. Auch sind Araber nie Palästinenser genannt worden – sie wurden nur „Araber“ genannt, hauptsächlich, weil sie, bis im letzten Jahrhundert das Öl zur Handelsware wurde, nomadisierende Stämme waren, die ein primitives Leben führten und ihren Herden ohne Rücksicht auf Grenzen oder höhere Konzepte zivilisierter Regierung, Grenzen usw.

Die jüdische Heimat wurde (in den letzten 2000 Jahren) immer Palästina genannt, bis Israel 1948 gegründet wurde. Durch die Benennung des neuen Landes als „Israel“ waren die Geschichte Palästinas und des jüdischen Volks allerdings nicht plötzlich verfügbar, damit der lauteste, gewalttätigste und am meisten lügende Häuptling sich ihrer bemächtigte. Und es gibt Gesetze, solchen Diebstahl zu ahnden, wenn sie auch bisher in diesem Zusammenhang von niemandem benutzt wurden.

„Palästina und „palästinensisch“ können dahin gehend als ähnlich wie eine Marke betrachtet werden, dass sie sich auf den Namen eines bestimmten Volkes wie auch auf die Produkte dieses Volks beziehen – eine Religion, ein Ethnik, eine Kultur und eine Geschichte. Das internationale Recht verlangt nicht, dass eine Marke juristisch registriert ist. Wer einen Namen als erster benutzt und kontinuierlich verwendet, ist derjenige, der die Urheberrechte an besagtem Namen.

Was uns zu den Namen „Palästina“ und „Palästinenser“ bringt. Da die Juden – um 2000 Jahre – die ersten waren, die kontinuierlich die Bezeichnung „Palästina“ und „Palästinenser“ kontinuierlich verwendeten, haben wir die Rechte an diesen Namen und allem, was sie einschließen. Und damit niemand denkt, der Begriff „Israel“ habe solchen Gebrauch ersetzt: Hat er nicht. So lange es gedruckte Bücher gibt und solche weiter gedruckt werden, die sich Juden als „Palästinenser“ bezeichnen und die jüdische Heimat als „Palästina“ bezeichnen, deckt das die Forderung nach „kontinuierlichem Gebrauch“ ab.

Also ist es lange überfällig, dass die Araber, die den Namen „Palästina“ fälschlich und unehrlich benutzen, ihn aufgeben und Abstand davon nehmen und eine Strafe zahlen, die alle Gelder und alles Land einschließt, die sie durch den kriminellen Diebstahl des Namens und der Geschichte der originalen und einzigen Palästinenser, den Juden, angesammelt haben. Und wenn sie keine Ahnung haben, wie sie sich selbst wahrhaftig nennen sollen: Einer von ihnen hat es am besten formuliert. Zahir Musein, Mitglied des Exekutiv-Komitees der PLO sagte in einem Interview mit der holländischen Zeitung „Trouw“ am 31. März 1977 folgendes:

„Es existiert kein palästinensisches Volk. Die Schaffung eines palästinensischen Staates ist nur ein Mittel zur Fortführung unseres Kampfes gegen den Staat Israel für unsere arabische Einheit. In Wirklichkeit gibt es heute keinen Unterschied zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrern und Libanesen. Nur aus politischen und taktischen Gründen sprechen wir heut von der Existenz eines palästinensischen Volks, da die nationalen arabischen Interessen verlangen, dass wir die Existenz eines besonderen „palästinensischen Volks“ behaupten um gegen den Zionismus zu opponieren.“

In Wirklichkeit sind diese Leute, die nun israelisches Land in Gaza, Judäa und Samaria besetzt halten, ganz durchschnittliche, gewöhnliche Araber, die parasitär Nutzen aus dem gestohlenen Namen und der Geschichte des hebräischen Volks einstecken. Und selbst, wenn die UNO ein Mandat propagiert, nach dem sie das „ursprüngliche“ Volk seien oder das Volk, das jetzt den Namen „besitzt“, können sie dir Wirklichkeit nicht umschreiben, die Wahrheit gesetzlich regeln oder Jahrhunderte altes internationales Recht durch eine islamistische Agenda und mit einem Federstrich verneinen.

* Selbst einige unserer älteren Mitbürger nennen Israel und die Juden immer noch synonym Palästina und Palästinenser. Dieser Punkt wurde mir eingehämmert, als ich unseren Hund adoptierte. Im Nahen Osten geboren, kam er über Hong Kong nach Amerika. Als ich nachfragte, wo er geboren wurde, wurde mir gesagt: „Palästina“. Auf weiteres Nachfragen, wo, sagten die ursprünglichen Besitzer: „Israel“.

Das Rückkehrrecht ist eine Super-Idee

Beth Goodtree, jewishinternetassociation.org, 27. Mai 2004 (Link: Arutz-7)

Der muslimisch-arabische Schrei nach einem “Rückkehrrecht” geht an die Herzen der Liberalen und der Medien. Unglücklicherweise scheint niemand zu begreifen, dass dieses von den muslimischen Arabern verlangte „Rückkehrrecht“ kein wirkliches Rückkehrrecht ist; außerdem wollen sie es nicht universell angewendet sehen. Also wollen wir die ganze Vorstellung des „Rückkehrrechts“ im harten Licht der Fairness untersuchen und sehen, wer wohin zurückkehren kann.

Nach den muslimischen Arabern gibt es für das „Rückkehrrecht“ keine zeitliche Begrenzung. Es ist so, dass ich dem zustimme. Jedem, der aus seinem Haus vertrieben ist (vertrieben – nicht, wer es freiwillig verließ), sollte die Rückkehr erlaubt werden. Ebenfalls, den muslimischen Arabern zufolge, erben die Nachkommen das Rückkehrrecht. Ich stimme dem von ganzem Herzen zu.

Daher wollen wir die muslimisch-arabische Version des „Rückkehrrechts“ im Licht des jüngsten arabischen Gipfels untersuchen, der kürzlich in Tunis abgehalten wurde. Zurückhaltend, vielleicht zu zurückhaltend, versucht die Präambel der „Tunis-Erklärung“ die Welt einzulullen, dass sie glaubt sie [die Araber] seien ein Haufen friedliebender, gesetzestreuer, nicht faschistischer, nicht aggressiver, nicht diktatorischer und Nicht-Tyrannen, deren einziges Ziel die Nettigkeit und Leichtigkeit seien und nicht Dominierung der Welt und Unterordnung unter den Islam.(1) Und während die tatsächlich aufgeführten Punkte der Erklärung eine entschieden einseitige Agenda puschen, die der Präambel entgegen läuft, ist die Präambel selbst Teil dieser Erklärung; also wollen wir sie in der ausgewogenen Art anwenden, in der sie der zivilisierten Welt Glauben machen wollen, dass sie ihr Ziel sei. (Mit anderen Worten: Lassen wir sie beim Wort nehmen.)

In der Präambel wird folgendes erklärt: „In Bestätigung unserer Verbundenheit zu den Gründungsprinzipien der Arabischen Liga und der Zielsetzungen ihrer Charta, wie auch der noblen, humanitären Werte, die von der Charta der Vereinten Nationen und allen Vorkehrungen des internationalen Rechts geweiht wurden.“

Wie unbekümmert sie das von sich geben. Vielleicht dachten sie sich, dass niemand in der Charta der Arabischen Liga nachsieht. Ich aber habe das gemacht und erfahren, dass sie auf einer früheren Vereinbarung gründet, einer von 1944, die „Das Protokoll von Alexandria“ heißt.(2)

Das Protokoll von Alexandria ist nun ein sehr interessantes Dokument, das das Image zu widerlegen scheint, dass die Arabische Liga auf ihrem Pow-wow im Mai 2004 zu vermitteln versuchte. In diesem Protokoll von Alexandria wird Kapitel 5 „Besondere Resolution betreffs Palästina“ aufgeführt, das folgendes erklärt: „… für die Beendigung jüdischer Einwanderung zu sorgen, der Erhaltung arabischen Landes und der Erzielung der Unabhängigkeit für Palästina.“ (Wie kommt es dann, dass kein Araber sich lauthals über die Besatzung und Erniedrigung beschwerte und vor den 1960-er Jahren einen eigenen Staat Palästina forderte, als Ägypten den Gazastreifen regierte und Jordanien Judäa und Samaria kontrollierte?)

Beachten Sie, dass das Datum dieses Protokolls von Alexandria, auf dem die Arabische Liga basiert und auf das sich die Erklärung von Tunis 2004 als Grundlage bezieht (wenn auch indirekt), vor dem UN-Mandat entstand, das Israel schuf. Das bedeutet, dass das UN-Mandat den oben zitierten Abschnitt für nichtig erklärt, die ach so diplomatisch die Verhinderung eines Staates Israel und der Rückkehr der Juden in ihre angestammte Heimat forderte.

Man kann sehen, dass die Präambel von Tunis im Jahr 2004 dazu gedacht ist zu verwirren, denn sie befürwortet einen judenreinen Nahen Osten, indem sie sich auf ein lange vergessenes Dokument bezieht (lange vergessen im westlichen Gedächtnis, natürlich nicht im arabischen) und trotzdem eine Forderung nach „humanitären Werten, die von den Vereinten Nationen und allen Vorkehrungen des internationalen Rechts geweiht wurden“ fordert.

Also werfen wir einen Blick auf diese „humanitären Werte“, die in der Präambel von Tunis 2004 zitiert werden, die sich auf UN-Mandate und internationales Recht beziehen. Da sie nichts weiter gesondert spezifizieren, entscheide ich mich einen Blick auf „UN Fact Sheet No. 9 (Rev.1) [UN Faktenblatt Nr. 9], The Rights of Indigenous Peoples“ [Die Rechte einheimischer Völker] zu werfen.(3)

Man muss noch nicht einmal die substanziellen Dinge lesen; der erste Satz der Einleitung reicht völlig. Er besagt: „Ein Ziel… ist die Förderung und der Schutz der Rechte der einheimischen Bevölkerung.“

Und während die Araber israelisches Land in Gaza, Judäa und Samaria besetzen und lauthals „Besatzung“ brüllen und Völkermord-Anschläge begehen, um zu beweisen, dass sie das einheimische Volk sind (trotz ihrer eigenen, gegenteiligen Statements; 4) bewies letztes Jahr einer ihrer am meisten Respektierten, dass das jüdische Volk die eingeborenen Bewohner sind. (Und die Erklärung von Tunis 2004 erklärt ihre Unterstützung für die Recht der eingeborenen Bevölkerung durch ihre Unterstützung der UNO und des internationalen Rechts.)

Zur Auffrischung des Gedächtnisses: Dieser hoch respektierte Araber ist Dr. Nabil Hilmi, Dekan der juristischen Fakultät an der Universität von al-Zaqaziq. Er gab seine Stellungnahme in der Ausgabe der ägyptischen Wochenzeitung al-Ahram al-Arabi vom 9. August 2003 ab. Deswegen schlug er vor, jeden Juden dieses Planeten wegen des Auszugs aus Ägypten auf ich weiß nicht wie viele Milliarden Dollar zu verklagen. Die Klage, sagte er, „gründe auf das, was in der Torah geschrieben steht. Es kann im Exodus (2. Buch Mose), Kapitel 12, Verse 35 und 36 gefunden werden…“(5)

Das bedeutet, dass einer der führenden Gelehrten der arabischen Welt die hebräische Bibel als Tatsache ansieht und sie als unbestreitbaren Beweis vor Gericht vorzulegen bereit ist. Das bedeutet, dass er auch der Hauptzeuge für die heutigen Juden sein kann, die die Nachfahren des eingeborenen Volks (wie in dem unbestreitbaren Buch der historischen Fakten bewiesen – der Bibel) nicht in dem sind, was heute Israel genannt wird, sondern auch in Jordanien, Teilen Syriens, des Libanon und anderer Orte.

Sollte die Arabische Liga wirklich glauben, was sie sagt, sollte sie daher sofort alles Land evakuieren, das sie dem hebräischen Volk gestohlen hat und unsere heiligen Stätten zurückgeben und wiederherstellen, wozu in den umstrittenen Gebieten und Israel auch folgende gehören: der gesamte Tempelberg in Jerusalem, die 38.000 Grabsteine auf dem Ölberg, die von den Jordaniern zur Benutzung als Pflastersteine und Urinale entfernt wurden, das Josephgrab, die Höhle der Patriarchen und das Rachelgrab.(6) Und wenn sie schon dabei sind: Lasst sie den Juden Medina zurückgeben!(7)
Anmerkungen: