Das vierte „Nein“ der Khartoum-Resolution: Nein zur Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge

First One Through, 21. November 2019

Nach der für die Araber erniedrigenden Niederlage im Krieg vom Juni 1967 mit Israel versammelten sich die Führer von acht arabischen Ländern in Khartoum im Sudan, um ihre Einheit miteinander und die Sache gegen Israel zu proklamieren, das gerade den Sinai von Ägypten, die Westbank von Jordanien und die Golanhöhen von Syrien erobert hatte. Sie veröffentlichten die Resolution von Khartoum, die unter anderem die berühmten „drei Nein“ zu Israel verkündete:

3. Die arabischen Staatsoberhäupter sind überein gekommen ihre politischen Bemühungen auf der internationalen und diplomatischen Ebene vereinen, um die Auswirkungen der Aggression zu eliminieren und den Rückzug der aggressiven israelischen Streitkräfte aus arabischem Land sicherzustellen, die seit der Aggression vom 5. Juni besetzt sind. Das iwrd innerhalb des Rahmens der Hauptprinzipien erfolgen, an denen die arabischen Staaten festhalten, nämlich: Nein zum Frieden mit Israel, Nein zur Anerkennung Israels, Nein zu Verhandlungen mit Israel und das Bestehen auf den Rechten des palästinensischen Volks in seinem eigenen Land.

Die Komödie klassischer Clowns könnte den Zuhörern späterer Generationen entgehen, aber die arabischen Staatsoberhäupter machten das Thema, dass die Palästinenser ihr „eigenes Land“ haben, zur neuen Priorität, nach 18 Jahren Besetzung der Westbank und des Gazastreifens von 1949 bis 1967, in denen sie keinerlei Anstrengungen machten einen unabhängigen Palästinenserstaat zu schaffen.

Zudem verhinderte das Nein zu Frieden/Anerkennung/Verhandlungen mit Israel nicht nur für alle arabischen Akteure jeden Weg zu Frieden mit Israel, es schlug die Tür für palästinensische Flüchtlinge zu, irgendeine Chance auf Rückkehr in ihre Häuser in Israel zu erhalten.

Wie in Punkt 11 der Resolution 194 der UNO-Vollversammlung von 1948 erklärt: „Flüchtlingen, die wünschen in ihre Häuser zurückkehren und in Frieden mit ihren Nachbarn zu leben, sollte erlaubt werden das zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu tun und denen, die sich entscheiden nicht zurückzukehren, sollte für den Verlust oder Schaden an ihrem Grundbesitz Entschädigung gezahlt werden.“ Die Resolution von Khartoum 1967 machte klar, dass es keinen Frieden mit Israel und folglich keine Rückkehr von Flüchtlingen geben würde.

Das war für die arabische Welt weder neu noch neuartig.

Im Oktober 1950, nicht lange nach dem Ende des israelischen Unabhängigkeitskriegs, suchten die Vereinten Nationen nach einer Methode mit den heimatlosen Arabern umzugehen, die Israel verlassen hatten. Die UNO-Aussöhnungskommission für Palästina hielt die Meinung von Israels erstem Premierminister David Ben Gurion zum Status der arabischen Flüchtlinge fest:

Herrn Ben Gurions Sicht dieses Textes [Resolution 194] machte die Möglichkeit einer Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Häuser sozusagen abhängig von der Etablierung von Frieden: Solange die arabischen Staaten es ablehnten Frieden mit Israel zu schließen, war es offenkundig, dass Israel sich nicht voll auf die Erklärung verlassen konnte, die arabische Flüchtlinge bezüglich ihrer Absichten machen könnten in Frieden mit ihren Nachbarn zu leben. Herr Ben Gurion schloss die Möglichkeit nicht aus, dass die Repatriierung einer begrenzten Anzahl arabischer Flüchtlinge akzeptiert wird, aber er machte klar, dass die Regierung Israels als echte Lösung für den großen Teil der Flüchtlingsfrage in der Ansiedlung der Flüchtlinge in arabischen Staaten betrachtet. Andererseits erkannte Herr Ben Gurion den humanitären Aspekt des Problems voll an und erklärte bei mehreren Gelegenheiten, dass die Regierung Israels, wenn die Zeit kommt, bereit sein würde sich an den Anstrengungen zu beteiligen, die für ihre Lösung notwendig sind und dass es in einem ernsten Geist der Kooperation tun würde. Herr Ben-Gurion sagte der Kommission jedoch, dass die Regierung Israels die Flüchtlingsfrage als eine derer betrachtete, die während der allgemeinen Verhandlungen um die Errichtung des Friedens in Palästina untersucht werden sollte.

Die arabischen Staaten lehnten die Existenz des jüdischen Staates bei seiner Gründung 1948 ab und gruben sich nach dem Verlust von Territorium tiefer ein, das 1967 in IHREM Besitz war (nicht in dem lokaler Palästinenser). Während Ägypten und Jordanien 1979 und 1994 Friedensverträge mit Israel unterzeichneten, hat der Rest der arabischen Welt das immer noch nicht getan. Dreißig arabische und muslimische Staaten lehnen es immer noch ab grundsätzlich die Existenz Israels anzuerkennen.

Während also die Zahl der palästinensischen „Flüchtlinge“ 1967 bei rund einer Million lag, ist diese Zahl bis 2019 auf über 5 Millionen in die Höhe geschossen. So viele Araber nach Israel zu bringen würde die demografische Zusammensetzung und den Charakter Israels komplett verändern, ein Punkt, den die Vereinten Nationen verabscheuen, wenn es um in der Westbank lebende Juden geht, wie in der Resolution 2334 des UNO-Sicherheitsrats von 2016 erklärt wird: „Unter Verurteilung aller Maßnahmen, die auf die Veränderung der demografische Zusammensetzung, den Charakter und den Status der seit 1967 besetzen palästinensischen Gebiete, einschließlich Ostjerusalems abzielen.“ Wenn der gewünschte arabische Staat mit 5% jüdischer Bevölkerung nicht klarkommen kann, wie kann irgendjemand auch nur ansatzweise darüber nachdenken, dass der jüdische Staat, der bereits 20% arabische Bevölkerung hat, weitere 5 Millionen Araber aufnimmt?

Arabische Frauen betreten den Platz vor der Westmauer in Jerusalem, Israel. (Foto: First.One.Through)

1967 erklärte die arabische Welt die drei Nein zu Israel und besiegelte damit praktisch auch das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge, dass sie niemals wieder in ihre Häuser in Israel ziehen würden.

Islam und der Westen: Motive hinter dem falschen Narrativ

Raymond Ibrahim, 26. November 2019

Jede ehrliche Beurteilung des historischen Jihad des Islam gegen die christliche Welt muss, gelinde gesagt, ein Augenöffner sein. Im ersten Jahrhundert seiner Existenz (zwischen 632 und 732) eroberte, arabisierte und islamisierte der Islam fast drei Viertel der nachrömischen christlichen Welt, die dabei dauerhaft aufgelöst wurde. Europa wurde als „der Westen“ bekannt, weil es buchstäblich der Rest und der westlichste Teil des Christentums war, der nicht vom Islam geschluckt wurde.

Grob ein Jahrtausend lang führten Araber, Berber, Türken und Tataren – die sich allesamt Muslime nannten und als solche betrachteten – in praktisch jeder Ecke Europas einen Überfall nach dem anderen durch, alle gerechtfertigt und als Jihade gepriesen. Sie kamen bis nach Island und provozierten die USA in ihren ersten Krieg als Nation. Die Verheerungen waren unbeschreiblich; manche Regionen Europas, besonders in Spanien und auf dem Balkan, blieben infolge der unaufhörlichen Angriffe unbewohnbar. Rund 15 Millionen Europäer wurden während dieses immerwährenden Jihad versklavt und nach Angaben der zeitgenössischen Berichte, grauenhaft behandelt.

Kurz gesagt: „Wenn wir … uns fragen, wie und wann die moderne Auffassung von Europa und der europäischen Identität geboren wurde“, schreibt der Historiker Franco Cardini, „wir erkennen das Ausmaß, in dem der Islam in seiner Schaffung ein Faktor war (wenn auch ein negativer). Wiederholte muslimische Aggressionen gegen Europa zwischen dem siebten und achten Jahrhundert, dann zwischen dem vierzehnten und dem achtzehnten Jahrhundert … waren eine „gewalttätige Hebamme“ für Europa.“

Hier kommt die unvermeidliche Frage auf: Wie konnte eine so lange, gut dokumentierte Geschichte totaler islamischer Aggression, die gewaltige Auswirkungen auf die Entwicklung westlicher Zivilisation hatten, die heute als Antithese der Wirklichkeit präsentiert wird?

Die Antwort kreist um eine Reihe moderner Philosophien – von der Aufklärung bis zum moralischen/kulturellen Relativismus – die jede zu einem alles durchdringenden „Narrativ“ zur historischen Beziehung zwischen dem Islam und dem Westen beigetragen haben. Mit der Darstellung des Westens als Aggressor und des Islam als Opfer – daher die fortgesetzten Beschwerden des Letzeren mit der darauf gründenden Feindlichkeit – ist diese Geschichte so eingegraben, wie sie das Gegenteil der Wirklichkeit ist.

Um das zu begreifen, muss man erst einmal verstehen, dass trotz seiner vielen Erscheinungsformen, Permutationen und Schwerpunkten im Verlauf der Jahrhunderte die unausgesprochene Triebkraft weitgehend dieselbe gewesen ist: um einen Bruch des traditionellen Erbes, Religion, Identität und Gepflogenheiten Europas  zu dämonisieren und zu rechtfertigen. Wenn das weit hergeholt klingt, bedenken Sie: Während nach jedem objektiven Standard der Westen für praktisch jeden Segen verantwortlich ist, der heute als selbstverständlich gehalten wird – von wissenschaftlichen, technologischen, wirtschaftlichen und medizinischen Fortschritten über die Abschaffung der Sklaverei bis zu Antidiskriminierungsgesetzen – hasst kein Mensch welcher Rasse oder Zivilisation auch immer sein Erbe, außer Westlern. Da stimmt eindeutig etwas nicht.

Oder bedenken Sie, wie Linke/Liberale/Progressive, die andauernd gegen jeden Rest westlichen Traditionalismus plärren, gewohnheitsmäßig gemeinsame Sache mit dem Islam machen – trotz dessen wahrlich unterdrückerischer Qualitäten. So verurteilen Feministinnen das „Patriarchat“ des Westens – sagen aber nichts gegen den muslimische Umgang mit Frauen als Eigentum; Homosexuelle verurteilen christliche Bäckereien – sagen aber nichts gegen die Hinrichtung von Homosexuellen durch Muslime; Multikulturalisten verurteilen Christen, die es ablehnen ihren Glauben niederzuhalten, um den religiösen Sensibilitäten muslimischer Minderheiten entgegenzukommen – sagen aber nichts gegen die eingegrabene und offene muslimische Verfolgung von Christen.

Der Grund für diese Diskrepanzen ist einfach: „Der Feind [Islam] meines Feindes [Christentum] ist mein Freund.“

Wie und warum solch eine formell durchaus bekannte Geschichte muslimischer Aggression gegen Europa ab hier nicht nur einfach unterdrückt wurde, sondern anfangen sollte Sinn zu machen: Von allen nicht europäischen, nicht christlichen Völkern lebten einzig die Muslime mehr als ein Jahrtausend lang neben und interagierten mit Europa (soll heißen: waren übergriffig und führten Krieg gegen Europa); das machte die Muslime zu den einzigen Leuten – das einzige Gegenstück – das verwendet werden konnte um das Argument gegen das prämoderne Europa genutzt werden konnte. Aber zuerst wurde ein intellektuell befriedigender Weg benötigt, Muslime in die Rolle als Opfer zu bringen, statt als Eroberer.

Dann betrat 1978 das Buch Orientalism des Literaturprofessors Edward Said die Bühne. Seine zentrale These lautet, dass die Orientalisten – die Europäer, die das akademische Studium des Ostens vor Jahrhunderten begannen – nicht objektiv über Muslime und ihre Geschichte schrieben, sondern sie stattdessen absichtlich verleumdeten und stereotypisierten, um zu rechtfertigen, dass man in der Kolonialzeit über sie herrschte.

Das machte perfekt Sinn – aber nur, weil das postmoderne, westliche Gemüt bereits darauf vorbereitet war. Denn wenn, wie der marxistische Materialismus es lehrt, Ideen/Religionen keinen Einfluss auf die Geschichte haben (und damit veranlasste wirtschaftlicher Bedarf, nicht „Jihad“ die Muslime sich auszubreiten); wenn es, wie der Relativismus und der davon hervorgebrachte Multikulturalismus lehren, keine absoluten Wahrheiten gibt, weder religiös noch sonstwie (und damit keine Kultur oder Zivilisation „besser“ ist als andere); wenn, wie Populärpsychologie lehrte, gewalttätiges und negatives Verhalten immer ein Produkt sozialer Ungerechtigkeiten ist (und je mehr Muslime sich gewalttätig verhalten, desto mehr beweist das nur, dass sie frustrierte Opfer sind) – was sagt das dann über die Jahrhunderte europäischer Schriften, die Muslime durchweg als von Gewalt und Begierde ideologisch getrieben darstellen?

Einfach: Man tut sie als eifernde und heuchlerische Lügen der verachtenswerten Christen und Europäer ab, die darauf aus sind einen überlegenen, toleranteren Glauben und Zivilisation zu dämonisieren. Damit war ein komplett neuer akademischer Ansatz gegenüber dem Islam geboren – der, dem alle historischen Schriften genommen sind, die dem Narrativ nicht entsprechen. Die Geschichte sollte nicht länger Ideen und Einstellungen formen; stattdessen sollten vorgegebene Ideen und Gesinnungen – Wunschdenken – die Geschichte formen.

Bernard Lewis, selbst Ziel von Edward Saids Orientalism, fasste diesen neuen Ansatz – oder „Pseudo-Geschichte“ – treffend zusammen:

Gemäß einer aktuellen modischen, erkenntnistheoretischen Ansicht gibt es absolute Wahrheit entweder nicht oder sie ist unerreichbar. Daher spielt Wahrheit keine Rolle; Fakten spielen keine Rolle. Aller Diskurs ist eine Manifestation einer Machtbeziehung und alles Wissen ist schiefstehend. Daher spielt Genauigkeit keine Rolle; Beweise spielen keine Rolle. Alles ist eine Sache der Haltung. – die Motive und die Ziele – des Nutzers von Wissen und das könnte schlicht für sich selbst reklamiert oder einem andren angedichtet werden. Beim Unterstellen von Motiven ist die Irrelevanz von Wahrheit, Fakten, Beweisen und sogar Plausibilität eine große Hilfe. Die bloße Behauptung genügt.“ (Islam and the West, S. 115)

Der Erfolg von Orientalism liegt weniger in irgendetwas, das ihm innewohnt – der amerikanische Altphilologe Bruce Thornton charakterisiert es als ein „zusammenhangloses Amalgam aus dubioser postmoderner Theorie, sentimentaler Dritte-Welt-Idealisierung, eklatanten historischen Fehlern und westlichen Schuldgefühls – und mehr, weil das in den im Westen vorherrschenden Zeitgeist passt (der natürlich durch „dubiose postmodernen Theorie, sentimentale Dritte-Welt-Idealisierung eklatante historische Fehler und westliche Schuldgefühle“ gedeiht).

Dieses Narrativ überwiegt heute nicht deshalb, weil die Menschen belesen sind oder der akademischen Welt Aufmerksamkeit widmen; so demonstrierte der französische Historiker Marc Ferro in seinem Buch Cinema and History (1988), dass für die überwiegende Mehrheit der Menschen im Westen ihr geschichtliches Wissen aus Filmen stammt. Und fast jeder große Film, der von vormodernen Europäern und Muslimen handelt – Robin Hood (1991), Kingdom of Heaven (2005) usw. – vergleicht scheinheilige, intolerante und fanatische Christen mit gebildeten, fortschrittlichen und toleranten Muslimen. Lewis schrieb schon 1997 als Kommentar zu solchen Filmen: „Die Fehldarstellung der Vergangenheit im Kino ist vermutlich die fruchtbarste und effektivste Quelle solcher Fehlinformation in der heutigen Zeit…“

Zwanzig Jahre später hat das Narrativ nur Metastasen gebildet und alle Aspekte des öffentlichen Lebens infiziert, einschließlich der Politik und der sogenannten „Mainstream-Nachrichten“. Unterdessen zensieren soziale und andere Mediengiganten – YouTube, Google, Facebook, Twitter – zunehmend Material, das dem Narrativ widerspricht.

Auf diese Weise wurde altbekannte Geschichte auf den Kopf gestellt und benutzt, um den Westen zu schwächen – wobei die größte Sünde darin besteht immer wieder zu glauben oder sich zu verhalten wie ihre „furchtbaren“ Vorfahren des bezüglich des Islam taten.

Eine bahnbrechende arabische Initiative zur Distanzierung von BDS

Jenni Frazer, Jewish Journal, 20. November 2019

Das Mellennial Gloucester Hotel, wo die Konferenz Arab Council for Regional Integration veranstaltet wurde. (Foto: table-art.co.uk)

London – Bei einer bahnbrechenden Veranstaltung in London am 19. und 20. November kamen 30 Personen der Öffentlichkeit aus 15 Ländern der arabischen Welt zusammen, um die Bewegung Boykott, De-Investitionen, Sanktionen (BDS) gegen Israel zu verwerfen und zu direkten zivilen Beziehungen zwischen dem jüdischen Staat und ihren jeweiligen Gesellschaften aufzufordern.

Auf einer intensiven zweitägigen Konferenz, die ihren Abschluss mit einer Unterschriften-Zeremonie fand, diskutierte die Gruppe, inzwischen als Arab Council for Regional Integration (Arabischer Rat für Regionale Integration) einige der unnachgiebigsten Themen des Nahen Ostens und suchte Lösungen dafür; man forderte die Aussöhnung sowohl als Weg die Beziehungen zu Israel zu reparieren, als auch einige der größten internen Probleme in den eigenen Ländern gesunden zu lassen. Die Delegierten sprachen Probleme des „kalten Friedens“ der Verträge zwischen Israel und Ägypten sowie Israel und Jordanien an, ebenso wurde der Hoffnung Ausdruck verliehen in der Zukunft bei anderen Dingen in der Region zu kooperieren.

Zu den teilnehmenden Schlüsselpersönlichkeiten gehörten der ägyptische Parlamentsabgeordnete Anwar Sadat, Neffe des ermordeten Präsidenten und Parteichef der Reform- und Entwicklungspartei seines Landes; der ehemalige Informationsminister von Kuwait Sami Abdul-Latif Al-Nisf, der leidenschaftlich von den „Fehlern“ sprach, die im arabisch-israelischen Konflikt gemacht wurden – er erklärte auch: „Es ist ein Fehler darauf zu bestehen, dass Israel ein rassistischer Apartheidstaat ist, wenn es das eindeutig nicht ist“; dazu zwei wichtige religiöse Personen: Hassen Chalghoumi, ein tunesischer Geistlicher mit Wohnsitz in Paris und der libanesische Imam Saleh Hamed. Beide standen ernsten persönlichen Sicherheitsproblemen gegenüber, um an der Konferenz teilzunehmen.

Die Teilnehmer kamen aus der gesamten arabischen Welt; sie waren jung und alt, Männer und Frauen, Diplomaten, Persönlichkeiten aus Medien und Kunst, die oft mit der Führung ihres Staates hadern, aber eine nuancierte und unabhängige Route wählen, um über die Lösung des arabisch-israelischen Konflikts zu reden.

Einige der Delegierten, so Mohammed Dajani, ein palästinensischer Akademiker, der die arabische Welt damit schockierte eine Gruppe seiner Studenten nach Auschwitz zu bringen, waren bereits dafür bekannt Israel-Aktivisten zu sein. Aber viele der Meinungen waren höchst bedeutsam, nicht nur, weil sie Musik in jüdischen und israelischen Ohren sind, sondern weil dies das erste Mal ist, dass solche Äußerungen öffentlich und aktenkundig gemacht wurden.

Zufällig fand die Konferenz am Jahrestag des historischen Besuchs von Ägyptens Präsident Anwar Sadat in Israel 1977 statt; sie wurde vom US-Diplomaten und langjährigen Nahost-Friedensunterhändler Dennis Ross herzlich empfohlen. Es gab einige aufschlussreiche Diskussionen und Präsentationen. Nicht zuletzt gab es zahlreiche persönliche Geschichten über gute Beziehungen zu Juden und einen Appell mehrerer Teilnehmer an Juden in die arabischen Länder zurückzukehren und dort für Versöhnung zu arbeiten. Professor Dajani schlug vor, dass die Geschichten derer mit engen Kontakten zu Juden gesammelt werden und vom neuen Arabischen Rat veröffentlicht werden könnten.

Extremismus und Terrorismus wurden beklagt sowie Sorge über „Gehirnwäsche“ bei Kindern in Schulen und Studenten an Universitätsebene zum Ausdruck gebracht; zudem bemerkenswerterweise vom Geistlichen Hassan Chalghoumi eine Verurteilung der „Politisierung“ des Islam sowie von Saleh Hamed aus dem Libanon ein Appell an Europa hart gegen die Zahl der Moscheen vorzugehen, in denen Imame Hass predigen.

In einem Videolink aus Washington DC sagte Botschafter Ross den Teilnehmern, ihre Ausführungen „wären wunderbar gewesen, hätten sie Jahre früher stattgefunden“, aber trotzdem hieß er die Initiative willkommen. Er sagte: „Ihr repräsentiert die Stimmen, die genug sagen. Je mehr Stimmen wie eure bereit sind sich zu äußern, desto mehr werdet ihr eure Stimmung [im Gespräch] mit Israel aufbauen und desto mehr werdet ihr Israels Führer beeinflussen. Ihr repräsentiert einen Strahl der Hoffnung: Es ist ein mutiges Tun, aber auch das Richtige und ich bin von eurem Beispiel inspiriert. Ihr wisst, ihr seid auf dem richtigen Weg.“

Die Veranstaltung wurde vom Center for Peace Communications aus den USA gefördert, deren Vorstand Dennis Ross leitet. Das CPC beschreibt sich selbst als „eine Gruppe Amerikaner, die glauben, dass Sicherheit und Wohlstand im Nahen Osten und Nordafrika Frieden zwischen Völkern erfordert.“ Joseph Braude, der die Konferenz einberufen hatte, ist ein ranghoher Mitarbeiter im Middle East Program des Foreign Policy Institute in Washington DC sowie Gründer und Präsident des CPC.

Es waren keine Israelis dabei, weil einige der Delegierten in ihren Heimatländern wegen des „Verbrechens“ der Normalisierung der Beziehungen Strafverfolgung ausgesetzt sein könnten. Es war eindeutig, sagte Braude, „eine zivile Initiative, an der keine Regierung beteiligt gewesen ist“, aber die zum Ausdruck gebrachten Ansichten werden zwangsläufig im gesamten Nahen Osten nachhallen.

Der ehemalige Nahost-Gesandte und britische Premierminister Tony Blair gab am Ende der Veranstaltung einen Überraschungsauftritt per Videolink, um die Konferenz und ihre Ziele zu kommentieren.

In ihrer Gründungserklärung, vorgelesen vom britischen Friedensaktivisten Marquis of Reading, sagten die Delegierten, sie wollten „jede Bemühung unterstützen, um Frieden, Koexistenz und Aussöhnung sowie Integration bei den Ländern der Region zu unterstützen“.

Um ihren Ländern zu nutzen, sagten sie, wollten sie „die Barriere des Boykotts innerhalb der Region – insbesondere den arabischen Boykott Israels – durchbrechen, was Partnerschaft in Technologie, Medizin, Infrastruktur, Geschäften, Wirtschaft und auf dem Feld der menschlichen Sehnsüchte behindern“.

Der Boykott, sagten sie, „behindert auch die Hoffnungen auf Frieden zwischen den Völkern Israels und Palästinas: Abgehalten davon eines der beiden Völker direkt zu kontaktieren, waren die Araber nicht in der Lage Bande zu kultivieren, die es uns ermöglicht hätten Versöhnung und Kompromiss auf beiden Seiten zu fördern. Insgesamt verstärkte der Boykott das Leiden unserer Gesellschaften und schwächte unsere Kapazitäten.“

Die Delegierten applaudierten zwar dem „Aufkommen fairer, besonnener Stimmen, die zu Veränderungen (im Nahen Osten) aufrufen“, aber sie gestanden auch ein, dass es „eine Bandbreite an Akteuren sowohl innerhalb der Region als auch außerhalb [gibt], die Druck ausgeübt haben, um die Kultur der Ausgrenzung und die Verbreitung von Hass intensivieren… diese tragischen Kampagnen haben Entwicklung, Wohlstand und Fortschritt in arabischen Staaten gestoppt, zur Verbreitung von Terrorismus, Extremismus und wirtschaftlichem Zusammenbruch geführt sowie nationale Aussöhnung und wirtschaftlichen Frieden behindert.“

Braude sagte dem Journal, die Zusammenkunft sie „eine Gelegenheit für Stimmen gewesen, die dieselben Überzeugungen teilen, denen aber eine organisatorische Plattform gegeben worden ist sie zum Ausdruck zu bringen.“

Der Rat richtet jetzt eine Reihe engagierter Komitees für Kunst, Politik und eine eigene Plattform sozialer Medien und plant weitere Treffen in Washington innerhalb von zwei Monaten, um den Fortschritt zu besprechen.

Point of No Return kommentierte Frazers Artikel am 21. November 2019:

Diese Initiative ist willkommen, verfehlt es aber „bahnbrechend“ zu sein, weil sie den Elefanten im Raum nicht angeht: Das Versagen der arabischen Welt direkt mit Israelis zu reden. Berichte, wie gut Juden und Araber miteinander klarkommen und Aufrufe an Juden [in arabische Länder] zurückzukehren gehören ins Reich der Phantasterei: Die arabische Seite muss eingestehen, dass sie mit echten Israelis reden muss, die mehrheitlich aus arabischen und muslimischen Ländern stammen. Seltsamerweise lobt Dennis Ross sie für den „Aufbau einer Stimme um Israels Führer zu beeinflussen“ – was ist mit den Führern der arabischen Welt?

Der Zweite Libanonkrieg und asymmetrische Kriegsführung

Dov Lipman, HonestReporting, 27. Oktober 2019

Ein israelischer Polizist rennt nur Momente nach einer Salve Katjuscha-Raketen der Hisbollah an einem brennenden Strommast vorbei, die während des zweiten Libanonkriegs am 13. Juli 2006 Nahariya trafen. (Foto: Roni Schutzer/Getty Images)

Lange vor dem zweiten Libanonkrieg, schon 1968, nutzte die palästinensische Befreiungsorganisation den südlichen Libanon als Startrampe für Raketenangriffe auf israelische Städte. Die Israelischen Verteidigungskräfte waren 1982 in den Libanon vorgestoßen, um die Terror-Infrastruktur zu zerstören, die für diese Angriffe verantwortlich war; dann zog sie sich im Jahr 2000 nach Unterdrückung der Bedrohung ab.

Aber in den darauf folgenden Jahren rüstete die Terrororganisation Hisbollah mit der militärischen und finanziellen Unterstützung durch den Iran auf. Ab dem Jahr 2000 bis zum Sommer 2006 griff die Hisbollah Israel mit Artillerie und grenzüberschreitenden Vorstößen circa 200-mal an, tötete Dutzende Israelis und verletzte mehr als 100.

Hisbollah löst den Zweiten Libanonkrieg aus

Am 12. Juli 2006 schossen Hisbollah-Terroristen in einem nicht provozierten Angriff Raketen aus dem Südlibanon auf israelische Grenzstädte, wodurch fünf israelische Zivilisten verletzt wurden.

Dieser Raketenangriff war eine aber nur Ablenkung für einen anderen Angriff.

Bei einem sorgfältig geplanten Überfall schoss eine Hisbollah-Einheit eine Panzerbekämpfungs-Rakete auf zwei IDF-Fahrzeuge, die an der israelisch-libanesischen Grenze Patrouille fuhren. 3 israelische Soldaten wurden getötet. Die Hisbollah entführte zwei israelische Reservesoldaten – den 31-jährigen Doktoranden am Technion und frisch verheirateten Ehud Goldwasser sowie den 26-jährigen Jurastudenten Eldad Regev. Fünf weitere IDF-Soldaten wurden im Libanon bei einem sofortigen Versuch die entführten Soldaten zu retten getötet.

Eldad Regev und Ehud Goldwasser

Israel begann Hisbollah-Ziele zu bombardieren, ebenso Brücken und Straßen im Libanon; damit sollte verhindert werden, dass die Hisbollah die entführten Soldaten weit von der Grenze weg schafft.

Der zweite Libanonkrieg war in vollem Gange.

Die Hisbollah kündigte an, dass sie Goldwasser und Regev freilassen würde, wenn Israel libanesische „Gefangene“ frei ließe, die in Israel festgehalten wurden. Auf der Liste der Hisbollah stand auch Samir Kuntar, der für einen besonders grausamen Anschlag von 1979 verantwortlich war. Kuntar drang aus dem Libanon nach Israel ein, brach in ein israelisches Wohnhaus ein, entführte den 31-jährigen Danny Haran und seine vierjährige Tochter Einat. An einem nahe gelegenen Strand erschoss Kuntar Danny; dann tötete er Einat, indem er ihren Kopf gegen die Felsen schlug.

Israel betrachtete die Entführung von Regev und Goldwasser durch die Hisbollah als Kriegsakt, verhängte eine Luft- und Seeblockade über den Libanon, begann massive Luftangriffe auf Hisbollah-Ziele, gefolgt von einer Bodeninvasion.

Raketenangriffe auf Israel

Vom Iran und Syrien bewaffnet bombardierte die Hisbollah israelische Städte mit Raketen. Während des einmonatigen zweiten Libanonkriegs feuerte die Hisbollah mehr als 4.000 Raketen auf israelische Städte – über 100 pro Tag. Etwa ein Viertel landete in zivilen Bereichen von Haifa, Kiryat Schmona, Safed, Tiberias und Nazareth. Eine Million Israelis musste in der Nähe von Luftschutzbunkern bleiben und 250.000 Einwohner waren gezwungen die Städte im Norden in Richtung sicherer Gebiete außerhalb der Raketenreichweite  zu verlassen.

Die Raketenangriffe der Hisbollah verursachten in Israel zahlreiche Waldbrände. Es wird geschätzt, dass es 50 bis 60 Jahre dauern wird die 16.500 Morgen vernichteter Wälder wiederherzustellen.

Einwohner von Nahariya mussten während der Angriffe der Hisbollah mit Katjuscha-Raketen aus dem Libanon 2006 in einem Luftschutzbunker bleiben. (Foto: Mosche Milner, Gefälligkeit des israelischen GPO.)

Die Hisbollah startete diese Raketen aus zivilen Bereichen im südlichen Libanon und lagerte ihre Munition in Wohngebieten. Das gefährdete die libanesische Bevölkerung, weil Israel versuchte die Raketen und ihre Abschussrampen zu zerstören. Israel warf Flugblätter ab, die die Zivilisten informierten, sie sollten Bereiche verlassen, die es bombardieren musste.

Während Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International Israel wegen der Beschießung libanesischer Zivilisten und der Anwendung von unverhältnismäßiger Gewalt verurteilten, fasst Washington Post-Kolumnist Richard Cohen zusammen, warum die Anschuldigungen haltlos waren:

Die schrecklichen Konsequenzen von Verhältnismäßigkeit sind so klar, dass man sich fragt, ob das nicht nur ein Feigenblatt für allgemein antiisraelische Gefühle ist. Jeder, der sich im Nahen Osten ein wenig auskennt, weiß, dass Verhältnismäßigkeit Wahnsinn ist. Für Israel, ein kleines Land in Reichweite, wie wir herausfinden, einer aus dem Hinterhof eines Feindes gefeuerten Rakete, ist Verhältnismäßigkeit nicht nur nicht anwendbar, sondern Selbstmord. Das Letzte, was es brauchen kann, ist ein Abnutzungskrieg. Es reicht nicht, diese oder jene Raketenbatterie auszuschalten. Es muss Abschreckung wieder herstellen: Gibst du mir eine Ohrfeige, werde ich die das Licht ausknipsen.

Israel braucht dringend solche Abschreckung, seit es im Jahr 2000 aus dem Libanon und – vor kurzem – aus dem Gazastreifen abzog. Im Libanon geriet es praktisch in einen proportionalen Kreislauf aus Zuschlagen und Zurückschlagen mit der Hisbollah. Das kostete Israel 901 Tote und die Hisbollah verkündete 1.375, zu nahe an Pari, um eine nachhaltige Unterscheidung zu schaffen. Wie immer die Zahlen aussahen, es ändert die Tatsache nicht, dass israelische Wehrpflichtige oder Reservisten nicht glauben, dass Tod und Märtyrertum dasselbe sind. Auf Juden warten im Himmel keine Jungfrauen.

Eine Artillerieeinheit der IDF feuert 2006 von einer Stellung an der Nordgrenze auf Hisbollah-Ziele. (Foto: Mosche Millner, Gefälligkeit des GPO)

Die israelische Regierung erklärte wiederholt, sie kämpfe nicht gegen den Libanon, sondern nur gegen die Terrorinfrastruktur der Hisbollah. Da sich Waffenlager, Raketenwerfer sowie Kommando- und Kontrollzentren in oder sehr nahe von Häusern, Krankenhäusern, Schulen, Moscheen und allgemeiner Infrastruktur befanden, war der Schaden für den Libanon erheblich und unvermeidlich.

Die israelische Luftwaffe flog während des Monats der Kämpfe 11.897 Kampfeinsätze – mehr als während des Yom Kippur-Kriegs und fast doppelt so viele Einsätze wie im ersten Libanonkrieg. Die IDF verschoss 170.000 Artilleriegranaten, mehr als doppelt so viele wie während des Yom Kippur-Kriegs. 130.000 Häuser im Libanon in dem Bereich, aus dem Raketen gefeuert wurden, wurden beschädigt. 650 Kilometer Straßen, 73 Brücken und 900 Wirtschaftsgebäude wurden zerstört. Dank der Hisbollah-Doktrin sich in Zivilisten einzubetten wurde der zweite Libanonkrieg eine Fallstudie asymmetrischer Kriegsführung. Dr. Shaul Shay erklärte asymmetrische Kriegsführung so:

In asymmetrischen Konflikten sind demokratische Staaten – die typischerweise gewisse moralische Werte hoch halten – gezwungen, nichtstaatliche Akteure zu bekämpfen, die sich nicht an rechtliche oder humanitären Verpflichtungen gebunden verstehen. Trotz der gegenteiligen Propaganda schätzt Israel menschliches Leben wert, während nichtstaatliche Akteure wie die Hamas oder Al-Qaida regelmäßig humanitäre Prinzipien als bewusste Strategie missbrauchen, indem sie sowohl ihre eigene Zivilbevölkerung als auch die des sich verteidigenden Staates größeren Risiken aussetzen. Dass solche Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah aus dicht besiedelten Gebieten heraus agieren, illustriert diese Tatsache.

Israel erhielt breite Unterstützung, von westlichen Ländern bis zu arabischen Staaten. Saudi-Arabien erklärte, die Hisbollah sei allein verantwortlich für den Krieg. Die Vereinigten Arabischen Emirate Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, der Irak und die Palästinensische Autonomiebehörde stimmten der saudischen Beschreibung des Angriffs der Hisbollah auf Israel als „unerwartet, unangemessen und unverantwortlich“ zu.

Nachbermerkungen zum Krieg

Während des Krieges wurden 121 IDF-Soldaten und 46 israelische Zivilisten getötet, davon 19 israelische Araber. Mehr als 4.000 Israelis wurden verletzt. Israel tötete mindestens 600 Hisbollah-Terroristen und verletzte 1.500. Um die 500 Libanesen starben während der Kämpfe und mehr als 2.500 wurden verletzt. Die Kämpfe endeten am 14. August mit einem von der UNO vermittelten Waffenstillstand. Der UNO-Sicherheitsrat genehmigte die Resolution 1701, die die Entwaffnung der Hisbollah forderte, den Rückzug der IDF aus dem Libanon und dass die libanesischen Streitkräfte und eine vergrößerte UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) im südlichen Libanon stationiert werden sollten.

Leider erklärten sowohl die libanesische Armee als auch UNIFIL, dass sie nichts tun würden um die Hisbollah zu entwaffnen. Wie erwartet bewaffnete die Hisbollah sich wieder und nur zehn Jahre nach dem Krieg hatte sie bereits 100.000 Raketen, die jeden Ort in Israel erreichen können. 2019 entlarvte und neutralisierte die IDF eine Reihe von die Grenze querenden Tunneln der Hisbollah, von denen UNIFIL eingestand, dass sie die Resolution 1701 verletzen.

Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah sagte New TV in einem Interview vom 27. August 2006: „Wenn es auch nur eine einprozentige Chance gegeben hätte, dass die Gefangennahme vom 11. Juli zu dem geführt hätte, was geschah, hätte ich das gemacht? Ich würde sagen nein, absolut nicht.“

Noch trauriger ist, dass Israel nicht in der Lage war, die gefangenen Soldaten zu finden. Da man nicht wusste, ob Goldwasser und Regev noch lebten, stimmte Israel zwei Jahre später einem Gefangenenaustausch zu, der die Freilassung von Samir Kuntar beinhaltete. Die Tür des Fahrzeugs, in dem die beiden israelischen Soldaten sich befanden, öffnete sich und zwei Särge wurden herausgeholt, die die sterblichen Überreste der beiden Soldaten beinhalteten.

Es gab zwar erhebliche Kritik aus dem israelischen politischen und zivilen Establishment bezüglich der Schwierigkeit, die eine mächtige Armee hatte eine kleinere und weniger gut ausgerüstete Terrororganisation wie die Hisbollah zu besiegen, aber israelische Offizielle weisen auf die Tatsache hin, dass die starke Antwort der IDF die israelische Abschreckung wiederherstellte.

Araber empört, dass Britannien es ablehnt sich für die Balfour-Erklärung zu entschuldigen

Elder of Ziyon, 3. November 2019

Diesen Monat fragte ein Reporter von Al-Quds al-Arabi Karen Prince, die britische Leiterin des US-Sicherheitsrat, ob sie sich von der Balfour-Erklärung distanziert, deren 102. Jahrestag am Samstag war.

Überhaupt nicht, sagte sie und dass Großbritannien auf seine Rolle bei der Gründung Israels (ohne wirklich etwas dazu zu tun) stolz sei. Sie fuhr dann fort, das Großbritannien eine Zweistaatenlösung befürwortet. (Elder hat ein Video dazu.)

Arabische Medien sind aufgebracht. Ägyptens Youm7 sagte, ihre Erklärung „provoziert die Araber“.

Hanan Aschrawi forderte am Samstag, nicht nur, dass Britannien sich für die Erklärung entschuldigt und auf der Stelle einen Palästinenserstaat in den sogenannten Grenzen von 1967 anerkennt, sondern dass Großbritannien die Palästinenser für ihr Leid entschädigt.

Die Demoratische Reformbewegung der Fatah wiederholt Aschrawis Worte und fügt an, die Welt müsse sich „dem Prinzip unterwerfen, dass es keinen Frieden, Sicherheit und Stabilität in dieser Region der Welt gibt, bis die Rechte unseres Volkes wiederhergestellt sind, deren oberstes im Recht auf Unabhängigkeit und der Aufbau seines Staates und seiner Hauptstadt Jerusalem besteht“.

Eine Hand voll gelangweiligt dreinblickender Leute protestiert halbherzig bei der britischen Botschaft in Amman (Jordanien).

Eine ägyptische Internetseite interviewte ein paar junge Leute, von denen keiner je etwas von der Balfour-Erklärung gehört hatte, nicht einmal in Kursen an der Universität.

Die israelischen Araber verdienen Besseres von ihren Führern

Melanie Phillips, 29. September 2019 (Jewish Chronicle)

Israelis Wahl-Patt überraschte wenige und erschreckte viele. Eine Entwicklung regte allerdings eine ganze Reihe von Leuten auf.

Das war die Entscheidung von drei der vier Parteien in der Arabischen Gemeinsamen Liste Benny Gantz als Premierminister zu empfehlen, den Parteichef von Blau und Weiß – das war erst das zweite Mal, dass die arabischen Parteien einen Kandidaten für den Posten des Premierministers befürworteten.

Die Gemeinsame Liste hat einen Beitritt zu einer Koalitionsregierung ausgeschlossen. Aber als drittgrößte Partei könnte sie die offizielle Opposition werden.

All das straft natürlich die Verleumdung Lügen, dass Israel würde seiner arabischen Bevölkerung gleiche Rechte verweigern.

Die Unterstützung wurde von einer Reihe Leute als Zeichen gelobt, dass Israels Araber anfangen die Beziehung zu ihren jüdischen Mitbürgern zu normalisieren.

Aber sie unterstützen die Politik von Blau und Weiß nicht. So machte Ayman Odeh, Führer der Gemeinsamen Liste, klar, dass die Gantz lediglich dazu nutzt Premierminister Benjamin Netanyahu aus dem Amt zu hebeln.

Und als virulente Antizionisten haben sich ihre Mitglieder verpflichtet Israels Existenz zu vernichten.

Odeh sagte, er wolle, dass die Araber in Israel eine „gemeinsame Heimat“ haben. Die haben sie bereits. In den Krankenhäusern und Universitäten, den Streitkräften und Gerichten, in der Knesset und an den Stränden arbeiten, studieren, kämpfen und entspannen sich arabische Israelis Seite an Seite mit Juden.

Was Odeh mit „gemeinsamer Heimat“ meint, ist jedoch nicht, dass Araber an einem jüdischen Staat teilhaben, den er vernichten will, sondern er meint Juden ein einem mehrheitlich arabischen Staat.

Manche war besonders gebannt davon, dass Odeh das berühmte Zitat aus einem jüdischen Psalm verwendete: „Der Stein, den die Bauleute verwarfen, wurde zum Eckstein.“

Diejenigen, die das als eine Art interreligiösen Wegweiser bejubeln, sollten sich beruhigen und darüber nachdenken. Der Stein, den die Bauleute in diesem Psalm ablehnten, war eine Metapher für das jüdische Volk. Odeh hat daraus stattdessen eine Metaüpher für die Araber gemacht.

Es sind die Araber, die der Eckstein seiner neuen Gesellschaft sein sollten. Und sie würde dazu werden, wie Odehs Übernahme dieser hebräischen Worte impliziert, indem sie den Umhang der Juden übernehmen.

Die Knesset-Abgeordneten der arabischen Parteien benehmen sich in der Knesset wie die Fünfte Kolonne, arbeiten für Israels Vernichtung und Unterstützen die Ermordung von Juden. MK Ahmed Tibi z.B. opponiert gegen das Rückkehrgesetzt, hat die jüdischen Symbole in der Nationalflagge infrage gestellt und 2012 erklärt: „Der Besatzer will euch als Terroristen bezeichnen, aber wir sagen, es gibt nichts Edleres als für deine Heimat zu sterben.“

Die ehemalige MK Hanin Zoabi beschuldigte Israel die Organe palästinensischer Häftlinge zu „ernten“ und hielt eine Rede, in der sie argumentierte: „Der Zionismus ist Menschenrechten überall auf der Welt gegenüber feindlich gesinnt“ und dass Juden kein Recht auf Selbstbestimmung hätten.

Es gibt eine lange Geschichte gleichartiger Hetze durch andere Mitglieder der Gemeinsamen Liste. Was der Grund ist, dass selbst Avigdor Liberman, der ganz versessen darauf ist Netanyahu aus dem Amt zu treiben, sagte, er würde sich niemals mit den arabischen Parteien zusammenschließen, denn „die sind unsere Feinde“.

Sie befinden sich zudem nicht in Übereinstimmung mit einer zunehmenden Zahl israelischer Araber, die sich wirklich in den jüdischen Staat integrieren wollen. Vor den Wahlen vom letzten April wurden einige mit bitterer Kritik an den MKs der Gemeinsamen Liste zitiert.

„Sie repräsentierte uns nicht und sie fügte den [durchschnittlichen] arabischen Bürger, der sich integrieren will, großen Schaden zu“, sagte ein Einwohner von Abu Gosch, einem arabischen Dorf bei Jerusalem. „Wir erkennen die Existenz des einzigen demokratischen Landes im Nahen Osten an und wollen Teil des Landes sein. Und wir sind stolz auf dieses Land. Wir, israelische Araber, leben mit unseren jüdischen Brüdern. Wir leben nicht neben-, sondern miteinander.“

Eine Ärztin aus Akko sagte: „Ein ordentliches Einkommen zu haben, als Mensch zu leben – das ist das, was der durchschnittliche Staatsbürger sich wünscht. Und die Leute, die angeblich für uns eintreten sollen – die arabischen Parteien – haben uns einfach im Stich gelassen. Ich bin stolz eine muslimische und arabische Israelin zu sein. Was die Köpfe der arabischen Parteien tun, ist mörderische Terroristen zu glorifizieren. Sie bekommen die Aufmerksamkeit, reden von Palästina und bekommen nicht mit, was hier passiert.“

Israelische Araber brauchen bessere Repräsentation. Es wäre ein großer Vorteil, wenn sie sich an der israelischen Politik beteiligten statt sie zu scheuen. Sie könne das allerdings nicht mit rassistischen Führern tun, die Israel vernichten wollen.

Eine wahrhaft gemeinsame Zukunft wird erst kommen, wenn arabische Führer von der zunehmenden Anzahl arabischer Israelis lernen, die stolz sind Bürger Israels zu sein und endlich anfangen sich um deren Bedürfnisse zu kümmern, statt Pläne zu Israels Untergang zu schmieden.

Der Yom Kippur-Krieg: ein Wendepunkt

Dov Lipman, HonestReporting, 12. September 2019

Photo: Government Press Office

Die arabischen Staaten versuchten Israel zu vernichten, schon bevor es gegründet wurde, indem sie ihre Leute aufstachelten Juden anzugreifen. Sie versuchten Israel zu vernichten, als sie den UNO-Teilungsplan von 1947 ablehnten und griffen Israel sofort nach dessen Unabhängigkeit 1948 an. Sie versuchten die 1950-er und 1960-er Jahre hindurch Israel mit Terroranschlägen zu vernichten, dazu 1956 mit der Sperrung des Suezkanals. Sie versuchten 1967 Israel über militärischen Angriff von allen Seiten zu vernichten. Nachdem sie mit all diesen Versuchen scheiterten Israel zu vernichten und Israels Ouvertüren für Frieden gegen die Rückgabe von Land, das es im Sechstage-Krieg eroberte, ablehnten, kamen die Araber ihrem Ziel im Oktober 1973 mit dem, was als Yom Kippur-Krieg bekannt wurde, sehr nahe.

Anwar Sadat

Der ägyptische Präsident Nasser starb im September 1970 und sein Nachfolger Anwar Sadat, der Optionen für eine langfristige Friedensvereinbarung mit Israel erkundete, stand unter dem Druck der ägyptischen Straße Ägyptens Ehre nach der Niederlage im Sechstage-Krieg wiederherzustellen.

Außerdem lag die ägyptische Wirtschaft in Trümmern; aber Sadat wusste, dass die tief gehenden Reformen, von denen er fühlte, dass sie nötig waren, bei Teilen der Bevölkerung zutiefst unbeliebt sein würden. Ein militärischer Sieg würde ihm die Popularität geben, die er brauchte um Veränderungen zu schaffen.

Gegen Ende 1972 begann Ägypten seine Streitkräfte aufzurüsten. Es erwarb MiG-21-Kampfjets und fortschrittliche panzerbrechende Lenkwaffen von der Sowjetunion. Zusätzlich wurden Generale, die 1967 versagt hatten, durch kompetentere Offiziere ersetzt und die Armee konzentrierte sich auf die Verbesserung ihrer militärischen Taktiken auf Grundlage der Verfahren des sowjetischen Militärs. Sadat erklärte, er sei vorbereitet „eine Million Soldaten zu opfern“, um das Territorium wiederzugewinnen, das Ägypten 1967 verlor.

Sadat arbeitete hart daran von anderen Ländern Rückhalt für die ägyptischen Bemühungen zur Rückeroberung des Sinai zu gewinnen und im Herbst 1973 behauptete er, er habe mehr als 100 Staaten, die diese Initiative unterstützten – zumeist aus der Arabischen Liga und von afrikanischen Staaten. Er streckte auch Fühler zu europäischen Ländern aus und abgesehen von massiver Militär- und diplomatischer Unterstützung durch die Sowjetunion gewann er die Unterstützung Großbritanniens und Frankreichs im UNO-Sicherheitsrat.

Hafez al-Assad

Der syrische Präsident Hafez al-Assad initiierte ebenfalls eine massive militärische Aufrüstung mit einem Plan die Golanhöhen zurückzuerobern. Auch er hatte Träume Syrien als das dominanteste Militär der arabischen Länder aufzubauen. König Hussein von Jordanien zögerte sich an einem neuen Krieg zu beteiligen. Er fürchtete die Möglichkeit in einem neuen Krieg noch mehr Territorium als die Westbank zu verlieren, die er 1967 verlor. Er war zudem aufgebracht wegen Sadats Versprechen an Yassir Arafat von der PLO, dass diesem die Kontrolle über die Westbank gegeben werde, sobald Israel besiegt sei. König Hussein betrachtete die Westbank als Teil von Jordanien und wollte es wieder unter seine Kontrolle gebracht sehen.

Darüber hinaus brach 1970 ein Beinahe-Bürgerkrieg zwischen Jordanien und der PLO-Führung aus, während der die PLO aus Jordanien vertrieben wurde. Syrien stellte sich auf die Seite der PLO und half dieser sogar militärisch, also fühlte sich Jordanien unbehaglich sich der ägyptisch-syrischen Allianz anzuschließen. Der Irak lehnte es wegen seiner strapazierten Beziehungen zum Iran ab sich einem Angriff anzuschließen und der Libanon wollte nicht involviert werden, weil seine Armee klein und instabil war.

Sadat war zum Krieg entschlossen. Seine geheime Planung begann 1971 – wobei er sogar die höheren Kommandoebenen aus der Planung heraushielt. Der Plan Israel gemeinsam mit Syrien anzugreifen, bekam den Codenamen Operation Badr, nach der Schlacht von Badr, in der Muslime, geführt von Mohammed, den Stamm der Qureish aus Mekka besiegten. Im Oktober 1972 sagte Sadat seinem Obersten Rat der Streitkräfte, dass er vorhabe gegen Israel in den Krieg zu ziehen.

Sadat drohte im April 1973 in einem Interview mit Newsweek öffentlich mit Krieg gegen Israel. Mehrfach in diesem Jahr führten arabische Armen groß angelegte Übungen durch und jedes Mal ging Israel für ein paar Tage auf die höchste Alarmstufe. Aber den Kommandeuren wurde bis weniger als eine Woche vor dem Angriff nichts von den tatsächlichen Kriegsplänen gesagt und die ägyptischen Soldaten erfuhren davon erst ein paar Stunden davor.

Auf der israelischen Seite gab es jede Menge Warnzeichen, die ignoriert wurden. Am 25. September besuchte Jordaniens König Hussein heimlich Israel, um Premierministerin Golda Meir zu warnen, dass die Syrer Israel angreifen und Ägypten sich anschließen würde. Das war eine von elf Warnungen vor dem Krieg, die Israel aus legitimen Quellen erhielt.

Im Oktober sah der IDF-Geheimdienst ägyptische Militärbewegungen nahe des Suezkanals, aber er tat das als reine Manöver ab. Israel sah auch syrische Truppen sich auf die Grenze zu bewegen, gleichzeitig mit einer Einberufung von Reserven und der Streichung allen militärischen Urlaubs. Aber Israels Geheimdienstführung betrachtete all das nicht als Bedrohung und hörte auf keine der Warnungen. Man schätzte korrekt, dass Syrien nicht alleine angreifen würde und das nur in Übereinstimmung mit Ägypten täte. Fälschlicherweise urteilte man auch, dass Ägypten nicht angreifen würde.

Der Schwiegersohn des ehemaligen Präsidenten Nasser, Aschraf Marwan, war ein ranghoher Mossad-Agent und sagte Israel, dass Ägypten nicht angreifen werde, bevor die Sowjetunion ihr mehr MiG-23-Kampfjets und Scud-Raketen liefern würde, die sie auf israelische Städte schießen konnten. Da die Kampfflugzeuge noch nicht angekommen waren und Ägyptens Soldaten nicht genug Zeit für das Training mit den Scuds hatten, nahm Israel fälschlicherweise an, dass Ägypten für einen Angriff nicht bereit war. Israel schickte keine Verstärkungen auf die Golanhöhen, was sich als bedenklicher Schritt erwies.

Am Tag vor dem Krieg sah General Ariel Sharon, ein zukünftiger Premierminister, Geheimdienst-Informationen, die eine viel größere ägyptische Truppenkonzentration entlang des Suezkanals zeigten als für ein Manöver verwendet werden würde, dazu Ausrüstung, die für die Überquerung des Kanals genutzt werden sollte. Er war sicher, dass der Krieg unmittelbar bevor stand und gab diese Information an seine Vorgesetzten weiter.

Die israelischen Geheimdienste sahen, dass sowjetische Berater und ihre Familien Ägypten und Syrien verließen; an den Grenzen zusammengezogene ägyptische und syrische Panzer, Infanterie und Raketen befanden sich auf einem Allzeit-Hoch und Transportflugzeuge voller Militärausrüstung landeten in den Hauptstädten Kairo in Ägypten und Damaskus in Syrien.

Marwan, der israelische Spion in höchsten Ebenen der ägyptischen Regierung, warnte weiterhin vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff, aber seine Warnungen schafften es nie vom Geheimdienst zur Premierministerin. In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober traf sich der Leiter des Mossad, Zvi Zamir, mit Marwan, der ihm sagte, dass ein gemeinsamer syrisch-ägyptischer Angriff bei Sonnenuntergang am nächsten Abend stattfinden würde. Israels Oberkommando forderte daraufhin eine teilweise Einberufung der Reserven.

Am Morgen des 6. Oktober überlegte Israels Führung einen Präventivschlag ähnlich dem gegen die ägyptische Luftwaffe, bevor Ägypten im Juni 1967 angriff. Aber nach Anhörung all der unterschiedlichen Meinungen entschied Premierministerin Meir, dass nicht angegriffen werden sollte. Sie erklärte, Israel würde amerikanische Militärhilfe benötigen, um einen ägyptisch-syrischen Angriff zu überleben und sie fürchtete, wenn Israel zuerst angreift, dann würde es dafür verantwortlich gemacht werden den Krieg angefangen zu haben und diese Hilfe nicht bekommen. Die Angst der Premierministerin war nicht unbegründet. US-Präsident Richard Nixon und Außenminister Henry Kissinger warnten Meir ständig davor einen Krieg zu initiieren. Am 6. Oktober noch betonte Kissinger Israel gegenüber erneut, dass es keinen Präventivschlag führen dürfe.

Am Yom Kippur, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender, an dem die meisten Juden einen großen Teil des Tages in der Synagoge verbringen, nur sechs Stunden, nachdem Israel beschloss keinen Präventivschlag zu führen, griffen ägyptische und syrische Streitkräfte Israel an – sie überschritten die Waffenstillstandslinien von 1967 im Sinai im Süden und auf den Golanhöhen im Norden. Ägypten griff mit 100.000 Soldaten und 1.350 Panzern an. Zur Zeit des Angriffs hatte Israel am Kanal 450 Soldaten und um die 100 Panzer. Israels fehlende Vorbereitung ermöglichte der ägyptischen Armee mit relativer Leichtigkeit auf den Sinai vorzudringen. Auch Syrien machte große Fortschritte und eroberte einen beträchtlichen Bereich des von Israel kontrollierten Territoriums auf den Golanhöhen.

Ägyptische Militärlaster überqueren am 7. Oktober 1973 eine über den Suezkanal gelegte Brücke.

Israel fand sich in einer fatalen Lage wieder, was die USA veranlasste über eine Luftbrücke Militärausrüstung zu schicken. Dies wurde auch gemacht, um den massiven Nachschub zu kontern, den die Sowjetunion nach Ägypten schickte. Als die israelische Armee fast schon die Außenbezirke der syrischen Hauptstadt Damaskus erreichte, befahl der ägyptische Präsident Anwar Sadat, der erkannte, dass der fehlgeschlagene arabische Feldzug bald zu Ende sein könnte, seinen Streitkräften in die Offensive zu gehen. Israel wehrte nicht nur diesen ägyptischen Vormarsch ab, sondern drängte die ägyptischen Streitkräfte so weit zurück, dass die IDF den Suezkanal überquerte, nach Ägypten vordrang und begann auf ägyptische Städte, einschließlich Kairo zu marschieren. Dieses Vordringen wurde allerdings gestoppt, als am 25. Oktober unter Druck der USA ein von der UNO vermittelter Waffenstillstand in Kraft trat.

Die Grenzen von Syrien und Ägypten waren nicht die einzigen Fronten, an der sich Israel in diesem Krieg verteidigen musste. Palästinensische Milizen schossen Katjuscha-Raketen und panzerbrechende Flugkörper aus dem Libanon auf israelische Städte nahe der libanesisch-israelischen Grenze. Sie schafften es einige Israelis leicht zu verletzen und es gab Schaden an israelischen Gebäuden. Die israelische Führung beschloss, dass sie keine weitere Kampfzone öffnen konnte und entschied, keine Streitkräfte in den Südlibanon zu schicken, um die Quelle des Raketenfeuers auszuräumen.

(Ägypten brach den Waffenstillstand schon am nächsten Morgen und trotz der Vereinbarung gingen die Kämpf bis Mitte Januar 1974 weiter.)

Israel verlor in dem Krieg mehr als 2.500 Soldaten und rund 8.000 wurden verletzt. 293 israelische Soldaten wurden gefangen genommen. Die Arabischen Armeen, denen sich der Irak anschloss, verloren zwischen 8.000 und 18.000 Soldaten (Ägypten und Syrien veröffentlichten nie offizielle Zahlen) und zwischen 18.000 und 35.000 Verwundete.

Israelische Kriegsgefangene wurden von ihren syrischen und ägyptischen Fängern furchtbar gefoltert. IDF-Soldaten wurden tot aufgefunden, nachdem sie mit verbundenen Augen und hinter dem Rücken gefesselten Händen hingerichtet wurden. Einige wurden mit Äxten geköpft und eine hohe Anzahl wurde mit Elektroschocks am ganzen Körper, einschließlich der Genitalien gefoltert, mit Zigaretten verbrannt und ihnen wurden die Fingernägel ausgerissen. Viele wurden noch lange nach Kriegsende gefangen gehalten.

Abgesehen von den horrenden Verlusten auf beiden Seiten hatte der Krieg für beide Seiten beträchtliche Folgen. Der Fehler nach Geheimdienst-Warnungen vor dem Krieg nicht zu handeln führte dazu, dass Premierministerin Meir und Verteidigungsminister Mosche Dayan zurücktraten. Israel schuf schließlich einen Nationalen Sicherheitsrat, um die Kommunikation und die Koordination zwischen dem Sicherheits/Geheimdienst-Apparat und der Regierung zu verbessern.

Die Auswirkungen des Krieges gingen aber weit darüber hinaus. Die Araber hatten nach dem Krieg widersprüchliche Emotionen und beide zogen in dieselbe Richtung. Einerseits hatten die Araber das Gefühl, sie hatten zwar ihr Ziel der Vernichtung Israels verfehlt, aber sie hatten Israel auch beträchtlichen Schaden zugefügt und das stellte ihre Ehre nach der vernichtenden Niederlage im Sechstage-Krieg sechs Jahre zuvor wieder her. Das gab ihnen die Fähigkeit Frieden mit Israels als „Gleichberechtigte“ auszuloten.

Andererseits sahen die Araber Israels militärische Stärke, wie es seine anfänglichen Verluste wegsteckte und dann in die Offensive ging, wobei es tief in die eigenen Länder eindrang. Diese Angst vor der Stärke Israels drängte sie dahin Frieden zu erkunden. Die israelische Seite erlitt einen schweren psychologischen Schlag, als sie plötzlich erkannte, dass sie nicht unbesiegbar war und es keine Garantie gab die arabischen Nachbarn im Krieg immer zu besiegen. Das verschob Israel zu einer stärkeren Entschlossenheit in Richtung Frieden zu arbeiten.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten luden Israel, Ägypten, Syrien und Jordanien zu einem Treffen zu einer Friedenskonferenz im Dezember 1973 in Genf ein. Der Versuch scheiterte wegen Syriens Weigerung daran teilzunehmen. Durch die Bemühungen der USA unterzeichneten Israel und Ägypten am 18. Januar 1974 das Sinai I-Abkommen, mit dem Israel sich aus einigen seiner vorgeschobenen Positionen zurückzog, während es fast den gesamten Sinai behielt.

Das Sinai II-Abkommen wurde am 4. September 1975 unterzeichnet; mit ihm zog Israel von mehr Land im Sinai ab und UNO-Kräfte zogen dort ein, um das Gebiet zwischen Israel und Ägypten zu patrouillieren. Israel kontrollierte immer noch mehr als zwei Drittel des Sinai, die zu halten entscheidend war, während beide Seiten eine langfristige Übereinkunft ausloteten, ein Prozess, der letztlich 1979 im Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten gipfelte.

Die syrische Front war komplizierter; militärische Aktivitäten zwischen beiden Seiten setzten sich bis zum 31. Mai 1974 fort, als die USA eine „Entflechtungsvereinbarung“ vermittelten, in der Israel sich aus Syrien auf die Golanhöhen zurückzog, Syrien zustimmte seine Kriegsgefangenen in einem Gefangenenaustausch freizulassen und die UNO eine Entflechtungs- und Beobachtertruppe einrichtete, die den Frieden in einer Pufferzone bewahren sollte, die zwischen den beiden Ländern geschaffen wurde.

Der Yom Kippur-Krieg kennzeichnet das letzte Mal, dass die arabischen Nachbarländer Israels sich militärisch zusammenschlossen, um den Versuch zu unternehmen den jüdischen Staat zu vernichten.