Eine Beschreibung von Antizionismus

Sar Shalom, Israel Thrives, 24. November 2017

Die aktuelle Ausgabe von Conversations des Institute of Jewish Ideas and Ideals beinhaltet einen Artikel von Ziv Zohar über eine Handvoll sephardischer/Mizrahi-Juden, „Broadening Our Vision: An Introduction to Seven Interesting Middle Eastern Rabbis“ (Unsere Vision erweitern: Eine Einführung in sieben interessante nahöstliche Rabbiner; der Artikel ist derzeit nicht online, aber ich könne einen Link zur Verfügung stellen, sobald er verfügbar ist). Einer der vorgestellten Rabbiner ist Yaakov Moshe Toledano, geboren in Tiberias und mit marokkanischen Vorfahren. Während seiner Tage waren der Zionismus und der Jischuw (der dessen Hauptmanifestation war) bei religiösen Juden ein umstrittener Gedanke. Rabbi Toledano antwortete auf die religiöse Opposition zu Zionismus mit einem Responsum, in dem er schrieb:

… im Glauben, dass es uns, so lange wir in diesem harten Exil waren, verboten war unseren Kopf zu heben. Stattdessen war uns geboten uns vor jedem Tyrannen und Herrscher niederzubeugen und unsere Rücken denen zu geben, die uns schlagen und unsere Wangen denen, die uns raufen (Jesaja 50,6); als wäre das Blut Israels verwirkt und als habe Er – Er sei gesegnet – verfügt, dass Jakob zum Raub und Israel den Plünderern übergeben worden (Jes. 42,24).

Rabbi Toledano schrieb mit Blick auf religiöse Opposition zum Verlassen der Länder unseres Exils. Die Bezugnahme auf das Exil würde das jedoch zu einem Verweis auf ein allgemeineres Publikum machen. Es wäre nicht perfekt anwendbar, da die progressive Linke Juden nicht als verpflichtet betrachtet sich „vor jedem Tyrannen und Herrscher“ zu verbeugen, da Europäer/Amerikaner und Ostasiaten eine Ehrerbietung nicht verdienen. Die Araber aber, als unterdrücktes Volk, verdienen eine ihrer Meinung nach eine solche Ehrerbietung. Damit würden Rabbi Tolanos Worte, wie die progressive Linke sie anwendet, hierzu werden:

Den Juden ist geboten sich vor jedem Araber zu verbeugen und ihre Rücken jedem Araber zu geben, der sie auspeitschen würde und ihre Wangen jedem Araber, der ihnen Haare ausreißen würde; so wie Israel eingebüßt worden war und sei angeordnet worden, dass Jakob au den Abraum geworfen und Israel arabischen Räubern gegeben wurde.

Für diese Meinung gibt es ein Wort. Das Wort lautet Antisemitismus.

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Antisemitismus ist ein Verbrechen

… sagen selbst die Israelhasser. Und betreiben ihn dann doch. Beim Shalom Festival in Schottland meinten die schottischen Israelhasser von ScottishPSC ein Plakat aufhängen zu müssen. Das wurde dann von den Teilnehmern des Festivals verbessert.

Die Hasser fanden, Antizionismus sei eine Pflicht. Die Israelfreunde korrigierten das.

Rest in Pieces

(Ein Gedanke zu Tisha B’Av)

Daniel Gordis, Jerusalem Post, 16. Juli 2010

Vorbei ist die Zeit, als die Welt verstand – und wenn auch nur für einen Moment – dass wir, nicht weniger als jeder andere, einen Ort verdienen, an dem wir sein dürfen.

Khaled ist seit einem Jahrzehnt unser Mann für alle Fälle, wenn etwas kaputt geht. Als er neulich da war, traf ich ihn in unserem Wohnzimmer an, als er eine Pause von seiner Arbeit machte. Er sah sich eine Reihe Fotografien an der Wand an; eine davon hieß „Rest in Pieces“.

„Was ist das?“, fragte er.

„Das ist ein jüdischer Friedhof in Argentinien“, sagte ich ihm. „Sehen Sie die hebräischen Buchstaben auf den Grabsteinen?“

„Aber warum sind die Grabsteine zerbrochen?“

„Leute haben sie zerschlagen“, erklärte ich.

„Aber warum macht jemand das?“

„Weil sie Juden hassen, vermute ich“, sagte ich ihm.

„Warum?“ Und einen Augenblick später: „Aber diese Juden sind tot. Sie hassen auch tote Juden?“ Jetzt war das ganze surreal geworden. Fragte mich da ein israelischer Araber wirklich, warum irgendjemand Juden hassen könnte? Khaled machte keine Scherze. Er schien völlig perplex und studierte weiter die Fotografie.

Ich wusste wirklich nicht, wo ich anfangen sollte. Ich erzählte ihm, dass an einigen Orten in Europa die Menschen immer noch jüdische Friedhöfe zerstören. Er war erstaunt. Einen Moment lang überlegte ich, ob ich ihm erzählen sollte, was die Jordanier 1948 bis 1967 mit den jüdischen Friedhöfen gemacht hatten; aus welchem Grund auch immer entschied ich mich, es nicht zu tun. Vielleicht wollte ich auch einfach nur einige Augenblicke lang den hoffnungsvollen Moment genießen, in dem ein Araber nicht verstehen konnte, warum jemand die Juden hasst. Es war die Art Augenblick, der einem etwas Hoffnung gibt, wenn auch nur für ein schwaches Aufflackern.

Aber ein solches Aufflackern verlöscht wieder, besonders in dieser Region. A paar Tage später waren meine Frau und ich in Tel Aviv; es gab ein herausragendes Programm zum Thema „Das Rückkehrrecht**: gerecht oder diskriminierend?“, das das von Prof. Ruth Gavison gegründete Metzilah-Zentrum sponserte; Ruth Gavison ist eine der angesehendsten Juristinnen des Landes und eine sehr tiefgründige zionistische Denkerin. Der erste Redner des Abends war Dr. Raif Zreik von der Universität Tel Aviv, den ich nie zuvor gehört hatte.

Zreik, das war auf der Stelle offensichtlich, ist ein Intellektueller, der nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Ausgebildet an der Hebräischen Universität, Columbia und Harvard ist er außergewöhnlich redegewandt, spricht ein wohlklingendes Hebräisch und übt keine Zurückhaltung. Er verschwendete auch keine Zeit.

Zreik begann mit der Erklärung, warum er weiß, er könne unsere Meinung nicht ändern. Der Unterschied zwischen einem Intellektuellen und einem Ideologen, sagte er, besteht darin, dass der Intellektuelle sich selbst überraschen kann. Intellektuelle sind offen und rational genug, um gelegentlich festzustellen, dass sie Positionen übernehmen, die sich von dem unterscheiden, was sie ursprünglich dachten. Ein Ideologe kann das niemals tun, sagte er.

Wir Einwanderer jedoch, behauptete Zreik, haben „nicht den Luxus Intellektuelle zu sein… Ihr seid alle engstirnige Intellektuelle, nicht weil ihr nicht klug seid, sondern weil eure Körper euch nicht ehrlich sein lassen. Wärt ihr das, müsstet ihr vielleicht zugeben, dass ihr kein Recht habt hier zu sein.“

Von da aus ging Zreik zu etwas über, das er die Makro-Sicht der zionistischen Geschichte nannte. Die Palästinenser waren in Palästina, sagte er, und die Juden in Europa. Die Juden in Europa gerieten in gewaltige Schwierigkeiten, doch dann gab es eine falsche Kombination aus dem Ort des Problems (Europa) und dem Ort der Lösung (Palästina).

Alles Folgende, darauf bestand er, ist das Ergebnis dieser ursprünglichen falschen Kombination.

Erstaunlich war, was Zreik alles nicht erwähnte: dass auch die Juden eine Verbindung zu diesem Ort haben und von dort ins Exil getrieben wurden; dass vor der Gründung Israels die Juden nirgendwo hin konnten; dass die Welt das begriff und letztlich – mit der Balfour-Erklärung, der Peel-Kommission und dem Teilungsplan – kollektiv entschied, dass die Juden einen Staat haben sollten und dass dieser hier sein sollte; dass es ironischerweise der Erfolg des Zionismus war, der den palästinensischen Nationalismus auslöste. Nein, nichts davon passt in seine Theorie, also blieb es unerwähnt. Zreik, so brillant er auch eindeutig ist, war zu genau dem Ideologen geworden, den er gerade definiert hatte.

Letztlich war Zreik eine intellektuelle Variante von Helen Thomas.*** „Sag ihnen, sie sollten verdammt noch mal aus Palästina verschwinden“ – Thomas’ Worte, aber auch Zreiks Haltung. Und da die Welt sich fast überall einmal wieder gegen die Juden wendet, ist die Aussage „macht verdammt noch mal, dass ihr aus Palästina raus kommt“ das Gleiche wie zu sagen: „Rest in Pieces.“ Zreik mag das nicht beabsichtigt haben, aber seine Theorie muss unweigerlich dahin führen.

WIE BEKOMMEN wir mehr Khaleds, fragte ich mich. Anständige Leute, die verständlicherweise mit ihrem Schicksal als israelische Araber nicht immer glücklich sind, aber Leute, die einfach gemeinsam mit uns leben und nicht die Uhr an einen Ort zurückdrehen wollen, an den sie niemals gehen kann.

Ich stellte fest, dass ich Khaleds Verwirrung angesichts des Hasses vermisste. Natürlich benutzen die meisten Leute nicht das Wort „Hass“. Sie nutzen Formulierungen wie, dass Palästina nur den Palästinensern gehört oder davon, dass das Rückkehr-Gesetz unmoralisch ist. Oder von der Nichttolerierbarkeit des Embargos. Aber letzten Endes reduzieren sich ihre Positionen auf diese: Ihr – anders als alle anderen – braucht keine Heimat und verdient sie nicht. Geht. Und Rest in Pieces.

Was uns zu dieser Woche bringt. Es gibt Juden, die sich fragen, ob der 9. Av immer noch Sinn macht. Schließlich schlachtet uns niemand. Israel geht es hervorragend. Und Jerusalem ist wieder aufgebaut. Warum all die Trauer? Für mich sprechen Momente wie ein Abend mit Dr. Zreik, so sprachgewandt und brillant er auch ist, dafür, dass wir diese Trauerzeit halten. Es geht nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft, darum, was immer noch passieren kann und was bereits angefangen haben könnte. „Der HERR entbot gegen Jakob seine Nachbarn als seine Feinde“, heißt es In Klagelieder 1,17. „Jerusalem wurde unter ihnen zum Abscheu.“

Von den Khaleds dieser Welt gibt es zu wenige und sie sind zu weit verstreut. Heute sind wir größtenteils von einer Welt umgeben, die unser einmal mehr müde geworden ist. Sie ist ihrer Schuld müde und ist des Staates müde, den sie wieder geschaffen hatte, als dieses Gefühl der Verantwortung sich auf seinem Höhepunkt befand. Vorbei ist die Zeit, als die Welt begriff, wenn auch nur für einen Augenblick, dass wir nicht weniger als alle anderen einen Ort verdienen, an dem wir sein können. Wir hatten das, eine kurze Zeit lang, aber das ist vorbei.

Was, wie ich annehme, der Grund dafür ist, dass wir die Lesung der Klagelieder immer noch nicht mit dem letzten Vers beenden, sondern mit der Wiederholung des vorletzten Satzes: „Bring uns zurück, HERR, zu dir… Erneuere unsere Tage, dass sie werden wie früher!“

(Foto: Zion Ozeri, http://www.zionozeri.com)

* Rest in Peace (Ruhe in Frieden) ist eine typische Grabinschrift und Segenswunsch für Verstorbene im englischsprachigen Raum; mancher wird die Abkürzung R.I.P,. schon gesehen haben. Der Titel ist ein Wortspiel darauf und bedeutet: Ruhe in Stücken.
** Gemeint ist das Recht jedes Juden der Welt nach Israel einzuwandern.
*** Helen Thomas ist die altgediente amerikanische Journalistin, die einem Rabbiner ins Mikrophon sagte, die Juden sollten gefälligst raus aus Palästina und dahin zurück, woher sie gekommen sind und deshalb ihren Platz im Presseraum des Weißen Hauses verlor.

Weltkirchenrat begünstigt Nationalismus und Antisemitismus

Das Dokument Kairos-Palästina und alternative Tourismus

Petra Heldt, Gatestone Institute, 22. Januar 2017

  • Die zwei unmittelbaren Ziele des Kairos-Dokuments sind: 1) Israel und die jüdische Verbindung zum Land Israel zu boykottieren; 2) die Unterstützung christlicher Zionisten und aller anderen Christen für Israel auszuschalten.
  • Den zwei Zielen von Kairos folgend zielte das Sekretariat des ÖRK auf Israels Tourismus-Industrie und strebte danach die Pilger aus Israel in die Palästinensergebiete umzuleiten sowie die Pilger von einer positiven Sicht Israels zu negativen Reaktionen auf den jüdischen Staat zu bringen.
  • Viele treue Christen, darunter ein beträchtlicher Anteil aus der evangelischen Kirche von Hannover, sind sich wohl kaum des Ausmaßes der Irreführung bewusst, die von Sekretariat des ÖRK eingesetzt wird. Sie wären empört, wüssten sie, dass sie für den nationalistischen und antisemitischen Plan des Sekretariats benutzt werden.

Der christliche Glaube ist dafür bekannt an Standpunkten der göttlichen Zusage an das jüdische Volk in sieben biblischen Bundesschlüssen festzuhalten: sechs bedingungslose mit Abraham (1. Mose 12,1-3), dem Land (1. Mose 12,1), den Leviten (4. Mose 25,10-13), David (2. Samuel 7,10-16), Israel und Juda (Jeremia 31,31-34), Jerusalem (Hesekiel 16) sowie eine mit Vorbehalt im Sinai (2. Mose 19,5). Diesen Verpflichtungen geht der allgemeine Bund mit der gesamten Schöpfung (1. Mose 9,12-17) voraus. Viele Versuche, die versuchen diese himmlische Union der zu Israel gewordenen Allgemeingültigkeit neu zu entwerfen, gehen unbeirrbar dem Nationalismus und Antisemitismus in die Falle.

Zu zwei theologischen Umstrukturierungsbemühungen dieser Art der jüngeren Vergangenheit zählen die „Deutschen Christen“ in Nazideutschland und einige palästinensische Christen. Ersterer Versuch endete im Holocaust; der letztere wird heute vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK, auch Weltkirchenrat) über zwei Hauptantriebe gefördert: das Ecumenical Accompaniment Programme to Palestine and Israel (EAPPI – Ökumenisches Begleitprogramm für Palästina und Israel) und das Kairos-Palästina-Dokument mit seinem Ableger „Alternative Tourism“. Diese beiden Programme sind hier von Interesse.

1) Das Kairos-Palästina-Dokument

Im Dezember 2009 startete ein Forum unter Vorsitz des ehemaligen Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Michel Sabbah, das Kairos-Dokument. Das ÖRK-Sekretariat verbreitete das Papier schnell bei protestantischen Kirchen weltweit; es fordert ein Programm der Boykotte, De-Investitionen und Delegimiation, das sich gegen den Staat Israel richtet.

Im April 2010 schrieb Malcolm Lowe seinen Grundlagen-Artikel „The Palestinian Kairos Document: A Behind-the-Scenes Analysis, der von der New English Review veröffentlicht wurde. Lowes sorgfältige Studie legt eine Reihe Irreführungen hinter dem Kairos-Dokument offen. Sieben der falschen Vorwände werden hier angeführt.

Irreführung 1: Israel ist ein Apartheidstaat

Zur Sache: Der Name des Dokuments spielt auf den Namen einer Erklärung an, die 1985 in Südafrika ausgegeben wurde.[1] Diese Anspielung soll Israel gewollt mit dem Apartheidregime auf eine Stufe stellen.

Fakt: Israel ist kein Apartheidstaat. Israel ist eine blühende Demokratie mit einer riesigen Zahl an Nichtjuden, die auf allen Ebenen der israelischen Gesellschaft voll integriert sind.

Irreführung 2: Die Leiter der Jerusalemer Kirchen unterstützen Kairos.

Zur Sache: Unter den sechzehn Unterzeichnern befindet sich nur ein einziger Dienst tuender Kirchenleiter, nämlich Munib Younan, der Bischof der Arabisch-Lutherischen Kirche. Die übrigen Unterzeichner sind palästinensische Aktivisten wie der lutherische Gemeindepfarrer Mitri Raheb und der pensionierte anglikanische Geistliche Na’im Ateek; darüber hinaus handelt es sich um niedrigrangige Beamte und Laien. Younan, der den Verlust seiner israelischen Sonderrechte fürchtete, zog seine Unterschrift zurück. Aus seelsorgerlichen Gründen veröffentlichten die Leiter der Jerusalemer Kirchen eine kurze Stellungnahme, die den christlichen Glauben unterstützt. Dieses Kommuniqué wurde dem Karios-Dokument betrügerisch als Vorwort vorangestellt.

Fakt: Die Leiter der Kirchen von Jerusalem unterstützen Kairos nicht. Jerusalemer Kirchenleiter bis auf einen bewahren den christlichen Glauben.

Irreführung 3: „Ohne Besatzung kein Widerstand“ (Kairos 1, 4)

Zur Sache: Die Autoren von Kairos und das Sekretariat des ÖRK wissen, dass Sabbahs Behauptung „keine Besatzung – kein Widerstand“ falsch ist. Ihnen ist die Tatsache bekannt, dass Organisationen wie die Hamas, die in der palästinensischen Bevölkerung über massenhafte Unterstützung verfügt, den „Widerstand“ so lange fortsetzen, wie der Staat Israel existiert. Dieselbe falsche Botschaft wird später in dem Dokument wiederholt (4, 3), wo Terrorismus in Anführungszeichen gesetzt wird – so man ihn denn überhaupt erwähnt.

Fakt: Für Kairos geht Terror gegen den Staat Israel weiter, solange es einen Staat Israel gibt (er wird nur nicht so genannt).

Irreführung 4: Christliche Zustimmung für Israel ist ein Zeichen christlichen Fundamentalismus (Kairos 2, 2.2).

Zur Sache: Kairos bietet Ateeks Irrlehre dar, als stelle sich Gott, da er nur „gut und gerecht“ ist, auf die Seite der Unterdrückten, nämlich des palästinensischen Volks (Kairos 2, 2.2). Es stellt sich gegen den biblisch-christlichen Glauben an Gottes Treue gegenüber Seinem Volk Israel und delegitimiert glaubenstreue Theologie als biblischen Fundamentalismus.

Fakt: Christen auf der Seite Israels sind theologisch tadellos und rechtmäßig.

Irreführung 5: Der Staat Israel ist ein von der Bibel angetriebener Betreiber von heiligem Krieg (Kairos 2,5)

Zur Sache: Kairos unterstützt Ateeks Ideologie und behauptet: „Die israelische Besatzung palästinensischen Landes ist eine Sünde gegen Gott und die Menschheit“; es kommt zu dem Schluss, dass Israels Politik auf biblischen Konzepten fußt (Kairos 2,5). Die Schreiber wissen, dass Israel einer solchen Theologie nicht beipflichtet, sondern dass es in Wahrheit die politische Theologie der Hamas ist, die Gewalt und heiligen Krieg im Namen ihres Gottes fordert.

Fakt: Israels Politik fußt auf Mustern politischen Denkens.

Irreführung 6: Kairos unterstützt die Zweistaatenlösung.

Zur Sache: Ateeks Organisation Sabeel und Kairos befördern die weltweite Ansicht, dass die „Zweistaatenlösung“ nicht realisierbar ist, dass „Gerechtigkeit“ nur erreicht wird, wen der Staat Israel in einem einzigen, binationalen Staat mit arabischer Mehrheit aufgeht. Nirgends in dem Dokument kommt der Begriff „zwei Staaten“ vor. Die Schreiber wollen einen einzigen Staat sehen, der Muslime, Juden und Christen gleichermaßen annimmt. (Kairos 9,3).

Fakte: Kairos unterstützt die Eliminierung des jüdischen Staates Israel.

Irreführung 7: Kairos fördert einen Boykott nur der Produkte aus Judäa und Samaria.

Zur Sache: Abschnitt 7 des Dokuments ist „Ein Wort an die internationale Gemeinschaft“ und fordert einen „Boykott aller Produkte der Besatzung“ (vgl. Abschnitt 2).

Fakt: Kairos propagiert den Boykott des Staates Israel.

Schluss:

Die zwei unmittelbaren Ziele des Kairos-Dokuments sind: 1) Israel und die jüdische Verbindung zum Land Israel zu boykottieren; 2) die Unterstützung christlicher Zionisten und aller anderen Christen für Israel auszuschalten.

Rifat Odeh Kassis, Mitautor und allgemeiner Koordinator der Initiative Kairos Palästina, gibt im Bild Al-Manar TV, dem offiziellen Fernsehsender der Terrororganisation Hisbollah, ein Intererview. (Foto-Quelle: Kairos Palestine)

2) Alternativer Tourismus

Den zwei Zielen von Kairos folgend zielte das Sekretariat des ÖRK auf Israels Tourismus-Industrie und strebte danach die Pilger aus Israel in die Palästinensergebiete umzuleiten sowie die Pilger von einer positiven Sicht Israels zu negativen Reaktionen auf den jüdischen Staat zu bringen. Seit 2010 entwickeln sich drei Phasen von „alternativem Tourismus“.

(1) 2010 veröffentlichte der ÖRK “ Leitlinien für Touristen unter dem Titel „Kommt und seht: Ein Aufruf an Christen, die überlegen ins Heilige Land zu pilgern.

Eine Gruppe handverlesener 27 Theologen aus 14 Ländern, darunter auch palästinensische Aktivisten, gab vor die Stimme palästinensischer Christen zu sein und rief christliche Pilger auf „ihren Glauben zu leben, wenn sie das Heilige Land besuchen, indem sie Sorge um das palästinensische Volk zeigen, dessen Leben von der israelischen Besatzung ihres Landes enorm eingeschränkt ist.“ Das Treffen wurde von der palästinensischen NGO Alternative Tourism Group (ATG)[2] in Zusammenarbeit mit drei Organen des ÖRK organisiert: der Ecumenical Coalition for Tourism (ECOT – Ökumenische Koalition für Tourismus), dem Kairos-Dokument und dem Palestine-Israel Ecumenical Forum (PIEF – Ökumenisches Forum Israel-Palästina).

Der „Verhaltenskodex für Reisende im Heiligen Land“ dieser Leitlinien entstammt direkt der Palästinensischen Initiative Für Verantwortlichen Tourismus, die am 6. Mai 2009 um Befürwortung durch den Papst bat. Die Leitlinien legen eine komplette Beschreibung von Pilgerreisen vor, einschließlich Listen an Stätten, Hotels, Reiseführern, Bussen, Büchern, Geschäften, Restaurants – allesamt ausschließlich palästinensisch; diese endet mit einer Kodex für das Verhalten in dieser muslimischen Gesellschaft.

(2) 2013 startete die Vollversammlung des ÖRK in Pusan (Südkorea) das Programm Pilgrimage of Justice and Peace (PJP – Pilgerfahrt Frieden und Gerechtigkeit). Im Juli 2014 empfahl das Zentralkomitee des ÖRK das PJP 347 Kirchen in 110 Ländern. Am fünften Jahrestag von Kairos bestätigte der ÖRK im Dezember 2014 in Bethlehem seine Kairos-Politik und seine Verbindung mit dem PJP.

„Wir [die Pilger] verpflichten uns palästinensische Christen in der Verbundenheit des Ökumenischen Rats der Kirchen bei der Pilgrimage for Justice and Peace zu begleiten.“

Trotz seiner wortreichen, mit theologischem ÖRK-Geschwätz überladenen Darstellung im Jahr 2013 ist die politische Absicht des PJP klar: die beiden unmittelbaren Ziele von Kairos zu fördern, nämlich Israels Verbindung zu seinem historischen Land auszulöschen und die christlichen Beziehungen zu Israel auszuradieren. Die Lutherische Kirche in Jerusalem verwendet PJP als Mittel Pilgern und Freiwilligen eine Einführung ins „Heilige Land“ zu geben.

(3) Rechtzeitig zum fünften Jahrestag von Kairos im Dezember 2014 veröffentlichten die deutsche, evangelische „Brot für die Welt“ (BFS) und die deutsche katholische Organisation „Misereor“ unter dem Titel Kommt und Seht eine gemeinsame deutsche Interpretation der Pilgerleitlinien des ÖRK von 2010. Die deutsche Broschüre folgt größtenteils der Linie der englischen Vorlage, verfehlt es aber die Originalquelle zu nennen. Der deutsche Text verschleiert zudem sorgfältig jede Bezugnahme auf Kairos. Die Einleitung von Kommt und Seht stellt die Broschüre täuschend als von Tourism Watch in Zusammenarbeit mit der Gemeinsamen Initiative für Menschenrechte im Nahen Osten, Misereor und Brot für die Welt erstellt dar. Zwei Herausgeber werden genannt: Brot für die Welt und der Entwicklungsdienst Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.

Beide Organisationen sind wichtige Geldgeber des ÖRK gewesen. Nach Angaben von NGO Monitor hat BFW 2013 2.248.975 Schweizer Franken überwiesen; 2014 waren es 5.509.589 SFr. 2013 überwies der EED 3.604.134 SFr.

Während Kairos und sein touristischer Ableger an Boykott, De-Investition und Sanktionen sowohl gegen den Staat Israel aus auch die bibeltreuen Christen arbeiten, halten freundliche Bischöfe gut gemeinte, fromme Vorträge zur Wichtigkeit frommer Pilgerreisen und verweisen dazu auf das PJP, wie die Internetseite des ÖRK verkündet. Dieselbe Internetseite verweist auf die Synode der Lutherischen Kirche von Hannover, wo unter der Führung eines ehemaligen Bischofs im November 2016 die Kirchensynode die Unterstützung des PJP-Programms diskutierte. Zusammen mit dem PJP kommt die Unterstützung für Kairos. Dieser Plan sieht aus wie ein weiterer Versuch in Verbindung mit dem Kairos-Palästina-Solidaritätsnetzwerk (KPSN) in Deutschland, das im Dezember 2014 immer noch über die schwachen Reaktionen beklagte, die Kairos seitens der Evangelischen Kirche in Deutschland erhielt. Sicher sind sich viele treue Christen, darunter ein beträchtlicher Anteil aus der evangelischen Kirche von Hannover, kaum des Ausmaßes der Irreführung bewusst, die von Sekretariat des ÖRK eingesetzt wird. Sie wären empört, wüssten sie, dass sie für den nationalistischen und antisemitischen Plan des Sekretariats benutzt werden.

Dr. Petra Heldt ist Direktorin der Ecumenical Theological Research Fraternity in Jerusalem.

[1] Kairos Theologians: The Kairos document: Challenge to the Church. A Theological Comment on the Political Crisis in South Africa. Skotaville Publishers 1986.

[2] Gruppe Alternativer Tourismus