Antisemitismus ist ein Verbrechen

… sagen selbst die Israelhasser. Und betreiben ihn dann doch. Beim Shalom Festival in Schottland meinten die schottischen Israelhasser von ScottishPSC ein Plakat aufhängen zu müssen. Das wurde dann von den Teilnehmern des Festivals verbessert.

Die Hasser fanden, Antizionismus sei eine Pflicht. Die Israelfreunde korrigierten das.

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Rest in Pieces

(Ein Gedanke zu Tisha B’Av)

Daniel Gordis, Jerusalem Post, 16. Juli 2010

Vorbei ist die Zeit, als die Welt verstand – und wenn auch nur für einen Moment – dass wir, nicht weniger als jeder andere, einen Ort verdienen, an dem wir sein dürfen.

Khaled ist seit einem Jahrzehnt unser Mann für alle Fälle, wenn etwas kaputt geht. Als er neulich da war, traf ich ihn in unserem Wohnzimmer an, als er eine Pause von seiner Arbeit machte. Er sah sich eine Reihe Fotografien an der Wand an; eine davon hieß „Rest in Pieces“.

„Was ist das?“, fragte er.

„Das ist ein jüdischer Friedhof in Argentinien“, sagte ich ihm. „Sehen Sie die hebräischen Buchstaben auf den Grabsteinen?“

„Aber warum sind die Grabsteine zerbrochen?“

„Leute haben sie zerschlagen“, erklärte ich.

„Aber warum macht jemand das?“

„Weil sie Juden hassen, vermute ich“, sagte ich ihm.

„Warum?“ Und einen Augenblick später: „Aber diese Juden sind tot. Sie hassen auch tote Juden?“ Jetzt war das ganze surreal geworden. Fragte mich da ein israelischer Araber wirklich, warum irgendjemand Juden hassen könnte? Khaled machte keine Scherze. Er schien völlig perplex und studierte weiter die Fotografie.

Ich wusste wirklich nicht, wo ich anfangen sollte. Ich erzählte ihm, dass an einigen Orten in Europa die Menschen immer noch jüdische Friedhöfe zerstören. Er war erstaunt. Einen Moment lang überlegte ich, ob ich ihm erzählen sollte, was die Jordanier 1948 bis 1967 mit den jüdischen Friedhöfen gemacht hatten; aus welchem Grund auch immer entschied ich mich, es nicht zu tun. Vielleicht wollte ich auch einfach nur einige Augenblicke lang den hoffnungsvollen Moment genießen, in dem ein Araber nicht verstehen konnte, warum jemand die Juden hasst. Es war die Art Augenblick, der einem etwas Hoffnung gibt, wenn auch nur für ein schwaches Aufflackern.

Aber ein solches Aufflackern verlöscht wieder, besonders in dieser Region. A paar Tage später waren meine Frau und ich in Tel Aviv; es gab ein herausragendes Programm zum Thema „Das Rückkehrrecht**: gerecht oder diskriminierend?“, das das von Prof. Ruth Gavison gegründete Metzilah-Zentrum sponserte; Ruth Gavison ist eine der angesehendsten Juristinnen des Landes und eine sehr tiefgründige zionistische Denkerin. Der erste Redner des Abends war Dr. Raif Zreik von der Universität Tel Aviv, den ich nie zuvor gehört hatte.

Zreik, das war auf der Stelle offensichtlich, ist ein Intellektueller, der nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Ausgebildet an der Hebräischen Universität, Columbia und Harvard ist er außergewöhnlich redegewandt, spricht ein wohlklingendes Hebräisch und übt keine Zurückhaltung. Er verschwendete auch keine Zeit.

Zreik begann mit der Erklärung, warum er weiß, er könne unsere Meinung nicht ändern. Der Unterschied zwischen einem Intellektuellen und einem Ideologen, sagte er, besteht darin, dass der Intellektuelle sich selbst überraschen kann. Intellektuelle sind offen und rational genug, um gelegentlich festzustellen, dass sie Positionen übernehmen, die sich von dem unterscheiden, was sie ursprünglich dachten. Ein Ideologe kann das niemals tun, sagte er.

Wir Einwanderer jedoch, behauptete Zreik, haben „nicht den Luxus Intellektuelle zu sein… Ihr seid alle engstirnige Intellektuelle, nicht weil ihr nicht klug seid, sondern weil eure Körper euch nicht ehrlich sein lassen. Wärt ihr das, müsstet ihr vielleicht zugeben, dass ihr kein Recht habt hier zu sein.“

Von da aus ging Zreik zu etwas über, das er die Makro-Sicht der zionistischen Geschichte nannte. Die Palästinenser waren in Palästina, sagte er, und die Juden in Europa. Die Juden in Europa gerieten in gewaltige Schwierigkeiten, doch dann gab es eine falsche Kombination aus dem Ort des Problems (Europa) und dem Ort der Lösung (Palästina).

Alles Folgende, darauf bestand er, ist das Ergebnis dieser ursprünglichen falschen Kombination.

Erstaunlich war, was Zreik alles nicht erwähnte: dass auch die Juden eine Verbindung zu diesem Ort haben und von dort ins Exil getrieben wurden; dass vor der Gründung Israels die Juden nirgendwo hin konnten; dass die Welt das begriff und letztlich – mit der Balfour-Erklärung, der Peel-Kommission und dem Teilungsplan – kollektiv entschied, dass die Juden einen Staat haben sollten und dass dieser hier sein sollte; dass es ironischerweise der Erfolg des Zionismus war, der den palästinensischen Nationalismus auslöste. Nein, nichts davon passt in seine Theorie, also blieb es unerwähnt. Zreik, so brillant er auch eindeutig ist, war zu genau dem Ideologen geworden, den er gerade definiert hatte.

Letztlich war Zreik eine intellektuelle Variante von Helen Thomas.*** „Sag ihnen, sie sollten verdammt noch mal aus Palästina verschwinden“ – Thomas’ Worte, aber auch Zreiks Haltung. Und da die Welt sich fast überall einmal wieder gegen die Juden wendet, ist die Aussage „macht verdammt noch mal, dass ihr aus Palästina raus kommt“ das Gleiche wie zu sagen: „Rest in Pieces.“ Zreik mag das nicht beabsichtigt haben, aber seine Theorie muss unweigerlich dahin führen.

WIE BEKOMMEN wir mehr Khaleds, fragte ich mich. Anständige Leute, die verständlicherweise mit ihrem Schicksal als israelische Araber nicht immer glücklich sind, aber Leute, die einfach gemeinsam mit uns leben und nicht die Uhr an einen Ort zurückdrehen wollen, an den sie niemals gehen kann.

Ich stellte fest, dass ich Khaleds Verwirrung angesichts des Hasses vermisste. Natürlich benutzen die meisten Leute nicht das Wort „Hass“. Sie nutzen Formulierungen wie, dass Palästina nur den Palästinensern gehört oder davon, dass das Rückkehr-Gesetz unmoralisch ist. Oder von der Nichttolerierbarkeit des Embargos. Aber letzten Endes reduzieren sich ihre Positionen auf diese: Ihr – anders als alle anderen – braucht keine Heimat und verdient sie nicht. Geht. Und Rest in Pieces.

Was uns zu dieser Woche bringt. Es gibt Juden, die sich fragen, ob der 9. Av immer noch Sinn macht. Schließlich schlachtet uns niemand. Israel geht es hervorragend. Und Jerusalem ist wieder aufgebaut. Warum all die Trauer? Für mich sprechen Momente wie ein Abend mit Dr. Zreik, so sprachgewandt und brillant er auch ist, dafür, dass wir diese Trauerzeit halten. Es geht nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft, darum, was immer noch passieren kann und was bereits angefangen haben könnte. „Der HERR entbot gegen Jakob seine Nachbarn als seine Feinde“, heißt es In Klagelieder 1,17. „Jerusalem wurde unter ihnen zum Abscheu.“

Von den Khaleds dieser Welt gibt es zu wenige und sie sind zu weit verstreut. Heute sind wir größtenteils von einer Welt umgeben, die unser einmal mehr müde geworden ist. Sie ist ihrer Schuld müde und ist des Staates müde, den sie wieder geschaffen hatte, als dieses Gefühl der Verantwortung sich auf seinem Höhepunkt befand. Vorbei ist die Zeit, als die Welt begriff, wenn auch nur für einen Augenblick, dass wir nicht weniger als alle anderen einen Ort verdienen, an dem wir sein können. Wir hatten das, eine kurze Zeit lang, aber das ist vorbei.

Was, wie ich annehme, der Grund dafür ist, dass wir die Lesung der Klagelieder immer noch nicht mit dem letzten Vers beenden, sondern mit der Wiederholung des vorletzten Satzes: „Bring uns zurück, HERR, zu dir… Erneuere unsere Tage, dass sie werden wie früher!“

(Foto: Zion Ozeri, http://www.zionozeri.com)

* Rest in Peace (Ruhe in Frieden) ist eine typische Grabinschrift und Segenswunsch für Verstorbene im englischsprachigen Raum; mancher wird die Abkürzung R.I.P,. schon gesehen haben. Der Titel ist ein Wortspiel darauf und bedeutet: Ruhe in Stücken.
** Gemeint ist das Recht jedes Juden der Welt nach Israel einzuwandern.
*** Helen Thomas ist die altgediente amerikanische Journalistin, die einem Rabbiner ins Mikrophon sagte, die Juden sollten gefälligst raus aus Palästina und dahin zurück, woher sie gekommen sind und deshalb ihren Platz im Presseraum des Weißen Hauses verlor.

Weltkirchenrat begünstigt Nationalismus und Antisemitismus

Das Dokument Kairos-Palästina und alternative Tourismus

Petra Heldt, Gatestone Institute, 22. Januar 2017

  • Die zwei unmittelbaren Ziele des Kairos-Dokuments sind: 1) Israel und die jüdische Verbindung zum Land Israel zu boykottieren; 2) die Unterstützung christlicher Zionisten und aller anderen Christen für Israel auszuschalten.
  • Den zwei Zielen von Kairos folgend zielte das Sekretariat des ÖRK auf Israels Tourismus-Industrie und strebte danach die Pilger aus Israel in die Palästinensergebiete umzuleiten sowie die Pilger von einer positiven Sicht Israels zu negativen Reaktionen auf den jüdischen Staat zu bringen.
  • Viele treue Christen, darunter ein beträchtlicher Anteil aus der evangelischen Kirche von Hannover, sind sich wohl kaum des Ausmaßes der Irreführung bewusst, die von Sekretariat des ÖRK eingesetzt wird. Sie wären empört, wüssten sie, dass sie für den nationalistischen und antisemitischen Plan des Sekretariats benutzt werden.

Der christliche Glaube ist dafür bekannt an Standpunkten der göttlichen Zusage an das jüdische Volk in sieben biblischen Bundesschlüssen festzuhalten: sechs bedingungslose mit Abraham (1. Mose 12,1-3), dem Land (1. Mose 12,1), den Leviten (4. Mose 25,10-13), David (2. Samuel 7,10-16), Israel und Juda (Jeremia 31,31-34), Jerusalem (Hesekiel 16) sowie eine mit Vorbehalt im Sinai (2. Mose 19,5). Diesen Verpflichtungen geht der allgemeine Bund mit der gesamten Schöpfung (1. Mose 9,12-17) voraus. Viele Versuche, die versuchen diese himmlische Union der zu Israel gewordenen Allgemeingültigkeit neu zu entwerfen, gehen unbeirrbar dem Nationalismus und Antisemitismus in die Falle.

Zu zwei theologischen Umstrukturierungsbemühungen dieser Art der jüngeren Vergangenheit zählen die „Deutschen Christen“ in Nazideutschland und einige palästinensische Christen. Ersterer Versuch endete im Holocaust; der letztere wird heute vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK, auch Weltkirchenrat) über zwei Hauptantriebe gefördert: das Ecumenical Accompaniment Programme to Palestine and Israel (EAPPI – Ökumenisches Begleitprogramm für Palästina und Israel) und das Kairos-Palästina-Dokument mit seinem Ableger „Alternative Tourism“. Diese beiden Programme sind hier von Interesse.

1) Das Kairos-Palästina-Dokument

Im Dezember 2009 startete ein Forum unter Vorsitz des ehemaligen Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Michel Sabbah, das Kairos-Dokument. Das ÖRK-Sekretariat verbreitete das Papier schnell bei protestantischen Kirchen weltweit; es fordert ein Programm der Boykotte, De-Investitionen und Delegimiation, das sich gegen den Staat Israel richtet.

Im April 2010 schrieb Malcolm Lowe seinen Grundlagen-Artikel „The Palestinian Kairos Document: A Behind-the-Scenes Analysis, der von der New English Review veröffentlicht wurde. Lowes sorgfältige Studie legt eine Reihe Irreführungen hinter dem Kairos-Dokument offen. Sieben der falschen Vorwände werden hier angeführt.

Irreführung 1: Israel ist ein Apartheidstaat

Zur Sache: Der Name des Dokuments spielt auf den Namen einer Erklärung an, die 1985 in Südafrika ausgegeben wurde.[1] Diese Anspielung soll Israel gewollt mit dem Apartheidregime auf eine Stufe stellen.

Fakt: Israel ist kein Apartheidstaat. Israel ist eine blühende Demokratie mit einer riesigen Zahl an Nichtjuden, die auf allen Ebenen der israelischen Gesellschaft voll integriert sind.

Irreführung 2: Die Leiter der Jerusalemer Kirchen unterstützen Kairos.

Zur Sache: Unter den sechzehn Unterzeichnern befindet sich nur ein einziger Dienst tuender Kirchenleiter, nämlich Munib Younan, der Bischof der Arabisch-Lutherischen Kirche. Die übrigen Unterzeichner sind palästinensische Aktivisten wie der lutherische Gemeindepfarrer Mitri Raheb und der pensionierte anglikanische Geistliche Na’im Ateek; darüber hinaus handelt es sich um niedrigrangige Beamte und Laien. Younan, der den Verlust seiner israelischen Sonderrechte fürchtete, zog seine Unterschrift zurück. Aus seelsorgerlichen Gründen veröffentlichten die Leiter der Jerusalemer Kirchen eine kurze Stellungnahme, die den christlichen Glauben unterstützt. Dieses Kommuniqué wurde dem Karios-Dokument betrügerisch als Vorwort vorangestellt.

Fakt: Die Leiter der Kirchen von Jerusalem unterstützen Kairos nicht. Jerusalemer Kirchenleiter bis auf einen bewahren den christlichen Glauben.

Irreführung 3: „Ohne Besatzung kein Widerstand“ (Kairos 1, 4)

Zur Sache: Die Autoren von Kairos und das Sekretariat des ÖRK wissen, dass Sabbahs Behauptung „keine Besatzung – kein Widerstand“ falsch ist. Ihnen ist die Tatsache bekannt, dass Organisationen wie die Hamas, die in der palästinensischen Bevölkerung über massenhafte Unterstützung verfügt, den „Widerstand“ so lange fortsetzen, wie der Staat Israel existiert. Dieselbe falsche Botschaft wird später in dem Dokument wiederholt (4, 3), wo Terrorismus in Anführungszeichen gesetzt wird – so man ihn denn überhaupt erwähnt.

Fakt: Für Kairos geht Terror gegen den Staat Israel weiter, solange es einen Staat Israel gibt (er wird nur nicht so genannt).

Irreführung 4: Christliche Zustimmung für Israel ist ein Zeichen christlichen Fundamentalismus (Kairos 2, 2.2).

Zur Sache: Kairos bietet Ateeks Irrlehre dar, als stelle sich Gott, da er nur „gut und gerecht“ ist, auf die Seite der Unterdrückten, nämlich des palästinensischen Volks (Kairos 2, 2.2). Es stellt sich gegen den biblisch-christlichen Glauben an Gottes Treue gegenüber Seinem Volk Israel und delegitimiert glaubenstreue Theologie als biblischen Fundamentalismus.

Fakt: Christen auf der Seite Israels sind theologisch tadellos und rechtmäßig.

Irreführung 5: Der Staat Israel ist ein von der Bibel angetriebener Betreiber von heiligem Krieg (Kairos 2,5)

Zur Sache: Kairos unterstützt Ateeks Ideologie und behauptet: „Die israelische Besatzung palästinensischen Landes ist eine Sünde gegen Gott und die Menschheit“; es kommt zu dem Schluss, dass Israels Politik auf biblischen Konzepten fußt (Kairos 2,5). Die Schreiber wissen, dass Israel einer solchen Theologie nicht beipflichtet, sondern dass es in Wahrheit die politische Theologie der Hamas ist, die Gewalt und heiligen Krieg im Namen ihres Gottes fordert.

Fakt: Israels Politik fußt auf Mustern politischen Denkens.

Irreführung 6: Kairos unterstützt die Zweistaatenlösung.

Zur Sache: Ateeks Organisation Sabeel und Kairos befördern die weltweite Ansicht, dass die „Zweistaatenlösung“ nicht realisierbar ist, dass „Gerechtigkeit“ nur erreicht wird, wen der Staat Israel in einem einzigen, binationalen Staat mit arabischer Mehrheit aufgeht. Nirgends in dem Dokument kommt der Begriff „zwei Staaten“ vor. Die Schreiber wollen einen einzigen Staat sehen, der Muslime, Juden und Christen gleichermaßen annimmt. (Kairos 9,3).

Fakte: Kairos unterstützt die Eliminierung des jüdischen Staates Israel.

Irreführung 7: Kairos fördert einen Boykott nur der Produkte aus Judäa und Samaria.

Zur Sache: Abschnitt 7 des Dokuments ist „Ein Wort an die internationale Gemeinschaft“ und fordert einen „Boykott aller Produkte der Besatzung“ (vgl. Abschnitt 2).

Fakt: Kairos propagiert den Boykott des Staates Israel.

Schluss:

Die zwei unmittelbaren Ziele des Kairos-Dokuments sind: 1) Israel und die jüdische Verbindung zum Land Israel zu boykottieren; 2) die Unterstützung christlicher Zionisten und aller anderen Christen für Israel auszuschalten.

Rifat Odeh Kassis, Mitautor und allgemeiner Koordinator der Initiative Kairos Palästina, gibt im Bild Al-Manar TV, dem offiziellen Fernsehsender der Terrororganisation Hisbollah, ein Intererview. (Foto-Quelle: Kairos Palestine)

2) Alternativer Tourismus

Den zwei Zielen von Kairos folgend zielte das Sekretariat des ÖRK auf Israels Tourismus-Industrie und strebte danach die Pilger aus Israel in die Palästinensergebiete umzuleiten sowie die Pilger von einer positiven Sicht Israels zu negativen Reaktionen auf den jüdischen Staat zu bringen. Seit 2010 entwickeln sich drei Phasen von „alternativem Tourismus“.

(1) 2010 veröffentlichte der ÖRK “ Leitlinien für Touristen unter dem Titel „Kommt und seht: Ein Aufruf an Christen, die überlegen ins Heilige Land zu pilgern.

Eine Gruppe handverlesener 27 Theologen aus 14 Ländern, darunter auch palästinensische Aktivisten, gab vor die Stimme palästinensischer Christen zu sein und rief christliche Pilger auf „ihren Glauben zu leben, wenn sie das Heilige Land besuchen, indem sie Sorge um das palästinensische Volk zeigen, dessen Leben von der israelischen Besatzung ihres Landes enorm eingeschränkt ist.“ Das Treffen wurde von der palästinensischen NGO Alternative Tourism Group (ATG)[2] in Zusammenarbeit mit drei Organen des ÖRK organisiert: der Ecumenical Coalition for Tourism (ECOT – Ökumenische Koalition für Tourismus), dem Kairos-Dokument und dem Palestine-Israel Ecumenical Forum (PIEF – Ökumenisches Forum Israel-Palästina).

Der „Verhaltenskodex für Reisende im Heiligen Land“ dieser Leitlinien entstammt direkt der Palästinensischen Initiative Für Verantwortlichen Tourismus, die am 6. Mai 2009 um Befürwortung durch den Papst bat. Die Leitlinien legen eine komplette Beschreibung von Pilgerreisen vor, einschließlich Listen an Stätten, Hotels, Reiseführern, Bussen, Büchern, Geschäften, Restaurants – allesamt ausschließlich palästinensisch; diese endet mit einer Kodex für das Verhalten in dieser muslimischen Gesellschaft.

(2) 2013 startete die Vollversammlung des ÖRK in Pusan (Südkorea) das Programm Pilgrimage of Justice and Peace (PJP – Pilgerfahrt Frieden und Gerechtigkeit). Im Juli 2014 empfahl das Zentralkomitee des ÖRK das PJP 347 Kirchen in 110 Ländern. Am fünften Jahrestag von Kairos bestätigte der ÖRK im Dezember 2014 in Bethlehem seine Kairos-Politik und seine Verbindung mit dem PJP.

„Wir [die Pilger] verpflichten uns palästinensische Christen in der Verbundenheit des Ökumenischen Rats der Kirchen bei der Pilgrimage for Justice and Peace zu begleiten.“

Trotz seiner wortreichen, mit theologischem ÖRK-Geschwätz überladenen Darstellung im Jahr 2013 ist die politische Absicht des PJP klar: die beiden unmittelbaren Ziele von Kairos zu fördern, nämlich Israels Verbindung zu seinem historischen Land auszulöschen und die christlichen Beziehungen zu Israel auszuradieren. Die Lutherische Kirche in Jerusalem verwendet PJP als Mittel Pilgern und Freiwilligen eine Einführung ins „Heilige Land“ zu geben.

(3) Rechtzeitig zum fünften Jahrestag von Kairos im Dezember 2014 veröffentlichten die deutsche, evangelische „Brot für die Welt“ (BFS) und die deutsche katholische Organisation „Misereor“ unter dem Titel Kommt und Seht eine gemeinsame deutsche Interpretation der Pilgerleitlinien des ÖRK von 2010. Die deutsche Broschüre folgt größtenteils der Linie der englischen Vorlage, verfehlt es aber die Originalquelle zu nennen. Der deutsche Text verschleiert zudem sorgfältig jede Bezugnahme auf Kairos. Die Einleitung von Kommt und Seht stellt die Broschüre täuschend als von Tourism Watch in Zusammenarbeit mit der Gemeinsamen Initiative für Menschenrechte im Nahen Osten, Misereor und Brot für die Welt erstellt dar. Zwei Herausgeber werden genannt: Brot für die Welt und der Entwicklungsdienst Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.

Beide Organisationen sind wichtige Geldgeber des ÖRK gewesen. Nach Angaben von NGO Monitor hat BFW 2013 2.248.975 Schweizer Franken überwiesen; 2014 waren es 5.509.589 SFr. 2013 überwies der EED 3.604.134 SFr.

Während Kairos und sein touristischer Ableger an Boykott, De-Investition und Sanktionen sowohl gegen den Staat Israel aus auch die bibeltreuen Christen arbeiten, halten freundliche Bischöfe gut gemeinte, fromme Vorträge zur Wichtigkeit frommer Pilgerreisen und verweisen dazu auf das PJP, wie die Internetseite des ÖRK verkündet. Dieselbe Internetseite verweist auf die Synode der Lutherischen Kirche von Hannover, wo unter der Führung eines ehemaligen Bischofs im November 2016 die Kirchensynode die Unterstützung des PJP-Programms diskutierte. Zusammen mit dem PJP kommt die Unterstützung für Kairos. Dieser Plan sieht aus wie ein weiterer Versuch in Verbindung mit dem Kairos-Palästina-Solidaritätsnetzwerk (KPSN) in Deutschland, das im Dezember 2014 immer noch über die schwachen Reaktionen beklagte, die Kairos seitens der Evangelischen Kirche in Deutschland erhielt. Sicher sind sich viele treue Christen, darunter ein beträchtlicher Anteil aus der evangelischen Kirche von Hannover, kaum des Ausmaßes der Irreführung bewusst, die von Sekretariat des ÖRK eingesetzt wird. Sie wären empört, wüssten sie, dass sie für den nationalistischen und antisemitischen Plan des Sekretariats benutzt werden.

Dr. Petra Heldt ist Direktorin der Ecumenical Theological Research Fraternity in Jerusalem.

[1] Kairos Theologians: The Kairos document: Challenge to the Church. A Theological Comment on the Political Crisis in South Africa. Skotaville Publishers 1986.

[2] Gruppe Alternativer Tourismus

Eine Antwort an die neuen Antizionisten: Die Rechte des jüdischen Volks auf einen souveränen Staat in ihrer historischen Heimat

Dore Gold und Jeff Helmreich, Jerusalem Viewpoints Nr. 507, 16. November 2003


  • Eine neue Kritik an Israel schlägt seine Beseitigung und Ersetzung durch einen binationalen palästinensisch-israelischen Staat vor. Israels neue Kritiker bezweifeln die Legitimität jüdischer Eigenstaatlichkeit, obwohl sie nichts zur Gültigkeit Dutzender neuer Staaten sagen, die im letzten halben Jahrhundert entstanden und von denen vielen jegliche verwurzelte nationale Identität fehlt. Der neue Angriff auf Israels Existenzrecht als jüdischer Staat trägt besonders ironische Züge, weil die jüdische Nationalität tausende Jahre vor dem Aufkommen der meisten modernen Nationalstaaten bestand.
  • Die modernen Kritiker der jüdischen Eigenstaatlichkeit vernachlässigen die Tatsache, dass der Ausdruck israelischer Gemeinsamkeit – wie der vieler Staaten in der ganzen Welt – in keiner Weise die Rechte seiner Minderheiten angehörenden Staatsbürger verletzt, die gleiches Recht unter dem Gesetz und dem politischen System genießen. Sie ignorieren auch, dass diese Form des nationalen Ausdrucks nicht einmalig ist; die meisten Staaten identifizieren sich auf formale Weise mit dem religiösen oder kulturellen Erbe ihrer zahlenmäßig überlegenen Gemeinden. Trotzdem wird nur Israel zur Kritik ausgewählt.
  • Israel ist der einzige im letzten Jahrhundert gegründete Staat, dessen Rechtmäßigkeit nicht nur durch den Völkerbund, sondern auch die Vereinten Nationen anerkannt wurde. Das Völkerbund-Mandat schuf nicht die Rechte des jüdischen Volkes auf eine nationale Heimstätte in Palästina, sondern erkannte viel mehr ein schon existierendes Recht an – denn die Verbindungen des jüdischen Volkes zu ihrem historischen Land waren den Führern der Welt des letzten Jahrhunderts bekannt und von ihnen akzeptiert.
  • Bis 1864 entstand in Jerusalem eine klare jüdische Mehrheit – mehr als ein halbes Jahrhundert bevor das britische Empire und das Völkerbund-Mandat ankamen. In den Jahren, in denen die jüdische Präsenz in Eretz Israel wieder hergestellt wurde, fand ein riesiger arabischer Bevölkerungszustrom statt, weil arabische Immigranten die Vorteile höherer Löhne und wirtschaftlicher Chancen nutzen wollten, die durch die jüdische Besiedlung des Landes entstanden. Präsident Roosevelt schloss 1939, dass „arabische Immigration nach Palästina seit 1921 die totale jüdische Immigration in der gesamten Zeit weit überschritt“.
  • Israels neue Kritiker wollen jüdische nationale Rechte delegitimisieren, indem sie argumentieren, deren Behauptung sei eine Erweiterung des europäischen Imperialismus. In Wirklichkeit fochten jüdische Untergrundbewegungen in den 40-er Jahren einen antikolonialistischen Krieg gegen die fortgesetzte britische Herrschaft. Israel war eine antiimperialistische Macht, als es gegründet wurde, während die arabischen Staaten mit imperialistischen Mächten verbündet waren und ihre Armeen vom französischen und vom britischen Reich ausgebildet und versorgt wurden.
  • Vor 1967 gab es keine aktive Bewegung zur Bildung eines einzigartig palästinensischen Staates. 1956 sagte Ahmed Schugairy, der acht Jahre später die PLO gründen sollte, dem UN-Sicherheitsrat: „Es ist allgemein bekannt, dass Palästina nichts anderes ist als Süd-Syrien.“ In den frühen 60-er Jahren betrachteten die Palästinenser Ägyptens Abdul Nasser genauso als ihren Führer wie jeden anderen Palästinenser. Vor diesem historischen Hintergrund ist es unmöglich zu sagen, dass die Palästinenser einen Anspruch auf das Land Israel haben, der dem der Juden vorrangig sei, wie es Israels Kritiker geltend machen.
  • Der neue Angriff auf Israel gründet zum Teil auf der Ignoranz der jüdischen Geschichte in der heutigen, stark säkularisierten Welt. Er kommt aber auch aus der neuen antisemitischen Welle, die sich in einer Meinungsumfrage der Europäischen Kommission widerspiegelt, die Israel als das Land aufzeigt, das von den meisten Europäern als eine Bedrohung des Weltfriedens angesehen wird. Der Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi – anspielend auf den antisemitischen Unterbau, der zu dem Ergebnis der Umfrage führte – sagte, „dem Ausmaß gegenüber, dass dies ein tieferes, generelleres Vorurteil gegenüber der jüdischen Welt andeuten könnte, stellen wir unsere noch radikalere Abscheu entgegen.“

Die neuen Antizionisten

Obwohl Israel seine Existenz vor mehr als fünfzig Jahren erreichte, hat sich eine neue und heimtückische Kritik auszubreiten begonnen, die erneut die Rechtmäßigkeit der Gründung Israels als jüdischem Staat attackiert. Die neue Linie kommt nicht aus Teheran oder Riyadh, sondern erstaunlicherweise von größtenteils europäischen Intellektuellen und bestimmten Stimmen am äußersten Rand der amerikanischen Linken; sie tauchte kürzlich im „Guardian“ und der „New York Review of Books“ auf. Sie schlägt die Beseitigung Israels vor und wird gemeinhin von Forderungen begleitet, an seiner statt einen binationalen palästinensisch-jüdischen Staat zu schaffen.1 Die neuen Antizionisten beginnen ausnahmslos mit der Behauptung, dass es keine jüdischen Rechte auf Souveränität in Israel gäbe oder dass auf jeden Fall der jüdische Nationalismus von Natur aus ungerecht ist.

Kurioserweise wird diese Kampagne nicht durch entsprechende Fragen zur Validität anderer der mehr als 190 Mitgliedstaaten der UNO begleitet, ob sie Israel nun ähneln oder nicht. Es gibt keine derartige Untersuchung der Ministaaten Europas – von Liechtenstein bis zum Vatikan – oder der afrikanischen Viel-Stämme-Staaten, von denen viele zusammenbrechen. Genauso wenig gibt es ein Infrage stellen der Rechte ausdrücklich katholischer, protestantischer oder muslimischer Staaten in ihrer Existenz. Die ausschließliche Konzentration auf Israel wirft Besorgnis erregende Fragen über die wahren Motive dieser Kommentatoren auf. Michael Gove, stellvertretender Herausgeber der „Times of London“ merkte neulich an: „Ich weiß nicht, wie Zeitungen damit durch kommen können. Man kann den Staat Israel kritisieren, aber zu sagen, es sollte ihn nicht geben, ist etwas völlig anderes. Damit legt man an die Juden ein anderes Maß an, als auf jeden anderen.“2

Gleichermaßen bemerkenswert vermeidet der Angriff auf die jüdische Eigenstaatlichkeit bei aller Konzentration auf Israel die geringste Berücksichtigung der Besonderheiten des Falls Israel. Die Angreifer versäumen es, die rechtlichen und politischen Konsequenzen des nationalen Ausdrucks Israels als jüdischem Staat bezüglich seiner Nichtjuden, religiöser und rassischer Gleichstellung oder der zivilen und politischen Gleichstellung zu untersuchen (vielleicht, weil sie keine finden). Sie ignorieren ebenfalls die besonderen historischen Umstände und Gefahren, die die Notwendigkeit aufbrachten, dass Israel sich als jüdisch identifiziert. Kurz gesagt, es ist ein Angriff auf Israel ohne Berücksichtigung der Kosten, des Nutzens oder der Einzigartigkeit der jüdischen Eigenstaatlichkeit – eigentlich ohne überhaupt eine Grundlage zu haben. Das wird nach einer kurzen Untersuchung der Geschichte, des Gesetzes und der Fakten um Israels Existenz als jüdischem Staat klar.

Rechte der Staaten und die Rechte Israels

Das internationale Recht tritt traditionell dafür ein, dass politische Einheiten, um als Staat definiert zu werden, vier Punkte erfüllen müssen: Erstens muss es ein Volk geben; zweitens muss es Territorium geben; drittens muss es eine Regierung geben; und viertens muss es die Möglichkeit geben, Beziehungen mit anderen Staaten einzugehen. Im Eintreten für die Aufnahme Israels in die UNO argumentierte der US-Repräsentant 1948 im UN-Sicherheitsrat, dass Israel diese vier Bedingungen erfüllt. Fakt ist, dass die neuen Attacken auf Israels Rechte besonders ironische Züge tragen, das die jüdische Nationalität schon tausende Jahre vor dem Aufkommen der meisten modernen Nationalstaaten bestand. Und dennoch hat der heutige Diskurs Zweifel an der Grundlage jüdischen Volk seins und der Verbindung des jüdischen Volkes zu Israels Territorium geschaffen. Ob der neue Angriff auf Israel ein Nebenprodukt der radikalen Säkularisierung gewisser Intellektuellen-Kreise ist, die keine Ahnung von jüdischer Geschichte haben, oder ob er einem wieder geborenen, heimtückischen Antisemitismus entstammt, sein Handlanger ist die allgemeine, bezüglich der einzigartigen Wurzeln Israels ungezügelten Ignoranz.

Der jüdische Anspruch auf Souveränität im Land Israel (Eretz Israel, Palästina) kam im letzten Jahrhundert wegen dreier zentraler Gründe auf:

  • Erstens war es kein neuer Anspruch, sondern ein neu zum Ausdruck gebrachtes historisches Recht, das nie abgegeben oder vergessen worden war. Selbst nach der Zerstörung des letzten jüdischen Staates im ersten Jahrhundert behielten die Juden ihre eigenen, autonomen politischen und rechtlichen Institutionen bei: Die davidische Dynastie wurde in Bagdad bis ins dreizehnte Jahrhundert durch die Herrschaft des Exilarchen (Resch Galuta) erhalten, während die Rückkehr nach Zion in die am weitesten praktizierten jüdischen Traditionen eingegangen ist, einschließlich dem Ende des Yom-Kippur-Gottesdienstes und der Sederfeier am Passah, wie auch in täglichen Gebeten. Auf diese Weise wurden historische jüdische Rechte im jüdischen historischen Bewusstsein am Leben erhalten.
  • Zweitens wurde die Sicherheitslage für das jüdische Volk in der Diaspora völlig untragbar, weil die Bedrohung durch antisemitische Verfolgung und Angriffe im 20. Jahrhundert mit der Androhung der tatsächlichen Vernichtung – oder Völkermord – ersetzt wurde, demonstriert durch den Holocaust. Diese Bedrohung konzentrierte sich ursprünglich auf Europa, breitete sich aber bald in den Nahen Osten aus, wo unabhängige, neue arabische Staaten begannen, ihre alt hergebrachten jüdischen Gemeinschaften als europäische Fremde zu betrachten und systematisch deren grundlegende Menschenrechte verletzten, entweder durch Verweigerung von Schutz oder durch Konfiszierung ihres Eigentums. Vom Ritualmord-Vorwurf von Damaskus 1840 bis zum Pogrom gegen die Juden von Bagdad 1941 brach die früher bestehende, unsichere arabisch-jüdische Koexistenz noch vor dem Aufkommen des Staates Israel zusammen. Weit davon entfernt sich aufzulösen, bleibt die Gefahr fanatischen Antisemitismus bestehen; deshalb wird ein starker jüdischer Staat gebraucht, der als letzte Zuflucht für bedrohte Juden, wo auch immer, dienen kann. Das jüdische Volk hat gelernt, dass es nicht in einen Zustand der Machtlosigkeit zurückkehren darf.
  • Drittens drohte die stetige Zunahme der Assimilation die jüdischen Gemeinden weltweit zu eliminieren. Die Existenz des jüdischen Staates, dessen öffentliche Kultur auf den einzigartigen Praktiken des jüdischen Volkes basiert, ist die beste Garantie für jüdische Kontinuität – religiös wie nicht-religiös – und die Geburt einer neuen jüdischen Zivilisation, die weiterhin ihre Leistungen zur Weltgemeinschaft beisteuern.3

Israels historische Grundlage: Die ungebrochene jüdische Verbindung zum Land Israel

Israel ist der einzige im letzten Jahrhundert gegründete Staat, dessen Rechtmäßigkeit vom Völkerbund wie auch den Vereinten Nationen anerkannt wurde.4 Das von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs ausgegebene Völkerbund-Mandat schuf nicht die Rechte des jüdischen Volks auf eine nationale Heimstatt in Palästina, sondern erkannte ein bereits bestehendes Recht an, denn die Verbindungen des jüdischen Volkes zu seinem historischen Land waren im vorher gehenden Jahrhundert wohl bekannt und von den Führern der Welt von Präsident Joseph Adams über Napoleon Bonaparte bis zum britischen Außenminister Lord Palmerston akzeptiert.5 Diese Rechte wurden von der Nachfolge-Organisation des Völkerbundes, den Vereinten Nationen, unter Artikel 80 der UN-Charta aufrecht erhalten. Die alte, sogar biblische Verbindung des jüdischen Volkes mit dem Land Israel wurde in der jüdisch-christlichen Tradition als historisches Axiom akzeptiert.

Vom rechtlichen Standpunkt her ergab sich die Gelegenheit, dieses historisch anerkannte Recht wahrzunehmen. Seit 1517 hatte Eretz Israel unter der Souveränität des ottomanischen Reichs gestanden; als die Ottomanen 1918 den Briten unterlagen, übergaben sie die Souveränität über ihre asiatischen Territorien außerhalb der Türkei im Vertrag von Sevres. Ein Souveränitäts-Vakuum war geschaffen, in dem der historische Anspruch des jüdischen Volkes erhoben werden konnte. Die Juden hatten aber viel früher schon begonnen, ihn zu erheben.

Seit dem Verlust des zweiten jüdischen Staates an die römischen Legionen im Jahre 70 n.Chr. und der Zerstörung des Tempels in Jerusalem hat das jüdische Volk nie seine Verbindung zum Land Israel (Palästina) verloren. Das Land wurde nicht von einer anderen Nation als Heimat gefordert, sondern war eine Provinz anderer großer Reiche. Der angesehene Nahost-Historiker Bernard Lewis schrieb:

Vom Ende des jüdischen Staates in der Antike bis zum Beginn der britischen Herrschaft war das jetzt mit dem Namen Palästina bezeichnete Gebiet kein Land und hatte keine Grenzen, nur Verwaltungseinteilungen; es war eine Gruppe provinzieller Unterteile einer größeren Einheit und nie gleich.6

In der Zwischenzeit hörte das jüdische Volk nie auf, seinen Anspruch auf das Land auszuüben. Lewis merkt an: „Es gab durch die Jahrhunderte hindurch eine ständige Bewegung von Juden ins Heilige Land.“7 135 n.Chr. nahmen die Juden am Bar Kochba-Aufstand gegen das imperiale Rom teil und erklärten Jerusalem wieder zu ihrer Hauptstadt. Nach ihrer Niederlage gegen die brutalste aller römischen Legionen unter dem Kommando Kaiser Hadrians war es Juden fast 500 Jahre lang verboten in Jerusalem zu leben. Einmal im Jahr, am 9. Tag des hebräischen Monats Av war es ihnen erlaubt, an den Überbleibseln ihres zerstörten Tempels an einer Stelle zu weinen, die „Klagemauer“ genannt wurde. Inzwischen benannten die römischen Behörden Judäa in Palästina um, damit die Erinnerung an jüdische Eigenstaatlichkeit ausgelöscht würde.

In dieser Zeit verschob sich das nationale jüdische Zentrum von Judäa nach Galiläa, wo zwischen dem Mittelmeer und den Golanhöhen hunderte Synagogen gebaut wurden. Das jüdische Recht wurde dann in den Mischnah von Juda Ha-Nasi kodifiziert. Trotz der katastrophalen Verluste an jüdischem Leben in den Kriegen gegen die Römer bildeten Juden im vierten Jahrhundert immer noch die Bevölkerungsmehrheit Galiläas. Im obergaliläischen Dorf Pek’in bestand eine kontinuierliche jüdische Präsenz von der Zeit der Römer bis zur Entstehung des Staates Israel.

Mit der Niederlage des oströmischen Reichs (Byzanz) durch die persischen Armeen im Jahr 614 nahm das jüdische Volk Jerusalem wieder ein und machte es kurzzeitig wieder zu seiner Hauptstadt. Die byzantinische Herrschaft wurde bald wieder hergestellt und die Juden erneut gezwungen Jerusalem zu verlassen, bis die Byzantiner 638 von den islamischen Armeen des Kalifen Omar geschlagen wurden, der die Stadt wieder für jüdische Besiedlung öffnete. Eretz Israel wurde Teil der erfolgreichen muslimischen Reiche – der Raschidun (den unmittelbaren Nachfolgern des Propheten Mohammed, der von Medina aus regierte), der Omayyaden (die von Damaskus aus herrschten), der Abbassiden (die von Bagdad aus regierten) und der Fatimiden (die von Kairo aus regierten).

Unter dem Islam waren die Juden als „Volk des Buchs“ geschützt, aber trotzdem gezwungen diskriminierende Steuern zu zahlen, die Jizya (Kopfsteuer) und die Kharaj (Bodensteuer). Die drückende Last dieser beiden Steuern führte zu einem Verlust der jüdischen Kontrolle des Landes in Galiläa innerhalb der ersten Jahrhunderte islamischer Herrschaft. Während der Besatzung Eretz Israels durch die Kreuzfahrer wurden viele Juden abgeschlachtet, besonders in Jerusalem. Trotzdem forderte der große jüdische Gelehrte und Poet Rabbi Yehuda Halevi (1075 – 1141) immer noch die Massen-Immigration der Juden in das Land Israel.8

Die Anfänge der jüdischen Erholung in Eretz Israel begannen mit der Niederlage und dem Rauswurf der Kreuzfahrer 1187 durch den kurdischen Muslim-Krieger Saladin, der, wie Kalif Omar, den Juden erlaubt, sich wieder in Jerusalem niederzulassen. Zwischen 1209 und 1211 z.B. kamen 300 Rabbiner aus Frankreich und Südengland, um sich in Jerusalem anzusiedeln, sobald das wieder sicher getan werden konnte. Ihnen schlossen sich Rabbiner aus Nordafrika und Ägypten an. Der große jüdische Gelehrte Nachmanides (Ramban) baute 1267 in Jerusalem eine Synagoge, die in der Altstadt heute noch steht.

Im dreizehnten Jahrhundert stellten jüdische Familien die Gemeinde in Safed wieder her, die bis zum 16. Jahrhundert das Studienzentrum des jüdischen Mystizismus werden sollte. Verstärkt durch ihre steigende Zahl, zeigten die Juden wieder mehr Durchsetzungsvermögen bezüglich ihres Anspruchs auf Jerusalem, so dass der Papst Schiffskapitänen 1428 verbat Juden nach Palästina zu bringen.9 Trotz der Härten kehrten weiter Juden zurück. Der große Kommentator der Mischnah, Ovadia Bartinura, verließ Italien, um sich 1488 in Jerusalem niederzulassen; sein Grab liegt am Fuß des Ölbergs.

Der Zustrom von Juden in das ottomanische Reich (1517 übernahmen die Ottomanen die Kontrolle von Eretz Israel) durch die spanische Inquisition 1492 führte zu einer substantiellen Ausdehnung der jüdischen Präsenz in Safed, Hebron und Tiberias, wo Sultan Suleiman der Prächtige seinem portugiesisch-jüdischen Ratgeber Don Joseph Nais Land für die jüdische Wiederansiedlung zuteilte. Noch vor dem Aufkommen des modernen, politischen Zionismus strömten beständig Juden aus dem Jemen und Litauen ins Land, zu denen in den Jahren 1809 – 1811 die Studenten des halakhitischen Gelehrten Vilna Gaon gehörten. Bis 1864 gab es in Jerusalem eine klare jüdische Mehrheit, mehr als ein halbes Jahrhundert vor der Ankunft des britischen Empire, der Ausgabe der Balfour Declaration und der Erstellung des Völkerbund-Mandats.

Zu den palästinensischen Arabern gehören Wellen arabischer Einwanderer

Während der Wiederherstellung der jüdischen Präsenz im Land Israel war der überwältigende Eindruck westlicher Besucher des 19. Jahrhunderts, dass es nur wenige arabische Einwohner gab. Der britische Generalkonsul James Finn schrieb 1857: „Das Land ist zu einem beträchtlichen Teil ohne Einwohner.“ Er fügte an, dass „das größte Bedürfnis des Landes eine Einwohnerschaft“ sei.10 Mark Twain besuchte Eretz Israel 1867, bereiste das Jesreel-Tal und ließ wissen: „In seiner ganzen Weite gibt es nicht ein einziges Dorf.“11 Arthur Penrhyn Stanley, der große britische Kartograph, kam 1881 zu ähnlichen Schlussfolgerungen: „In Judäa ist es kaum übertrieben zu sagen, dass es Meile um Meile kein Zeichen von Leben oder Bewohnung gab.“12

Geographen haben lange geschlussfolgert, dass es unwahrscheinlich ist, dass „mehr als ein kleiner Teil der derzeitigen arabischen Bevölkerung Palästinas von den alten Einwohnern des Landes abstammt“; tatsächlich war Palästina, entsprechend ihrer Analyse, „bevölkert von den wandernden Bevölkerungen Arabiens und zu einem gewissen Ausmaß von den Hinterlassenschaften seiner Häfen.“13 Darüber hinaus siedelten die Ottomanen muslimische Bevölkerung als Puffer gegen Beduinen-Angriffe an; Ibrahim Pasche, der Herrscher Ägyptens, brachte in den 1830-er Jahren mit seiner Armee ägyptische Kolonialisten mit. Es ist bemerkenswert, dass der gebräuchliche palästinensische Name al-Masri, der von einem Clan in Nablus benutzt wird, buchstäblich „der Ägypter“ bedeutet.“14

Trotzdem hält die Palästinensische Befreiungsorganisation den Mythos aufrecht, der von Yassir Arafat bei den Vereinten Nationen 1974 auf der Weltbühne eingebracht wurde, dass „die jüdische Invasion [Palästinas] 1881 begann“. Zudem behauptete er, dass es bereits eine große einheimische, arabische Bevölkerung gab, als die Juden ankamen. Seine implizite Botschaft war, dass es vor Ort eine fest installierte palästinensische Gesellschaft vor Israels Wiedergeburt gab, eine Gesellschaft, die Rechte hatte, die über denen der zurückkehrenden Juden standen.

Nun ist aber klar, dass in den Jahren der Wiederherstellung der jüdischen Präsenz in Eretz Israel ein riesiger arabischer Bevölkerungszustrom aus den benachbarten Ländern statt fand, weil arabische Immigranten den Vorteil höherer Löhne und wirtschaftlicher Chancen zu nutzen suchten, die durch die jüdische Besiedlung des Landes entstanden. Präsident Franklin Delano Roosevelt schloss 1939, dass „arabische Immigration nach Palästina seit 1921 die totale jüdische Immigration in der gesamten Zeit weit überschritt“.15

Die Wiederherstellung Israels war kein Produkt des europäischen Imperialismus

Ein weiteres gängiges Argument, das von der PLO vorgebracht wird, ist: Israel sei in Wirklichkeit das Produkt europäischen Imperialismus und daher keine legitime nationale Bewegung an sich. Das Ergebnis war, dass der Zionismus in der arabischen Welt als „hyperaggressive Variante des Kolonialismus“ dargestellt wurde.16 Diese Wahrnehmung ist auch in den Diskurs der europäischen Kritiker Israels eingedrungen. Es ist wahr, dass die Idee eines wieder hergestellten jüdischen Heimatlandes ursprünglich ihren stärksten Schub aus der Erklärung des britischen Außenministers Lord Balfour von 1917 erhielt, der seine Schaffung forderte, nachdem die Briten das ottomanische Reich besiegten. Die Ironie ist, dass in den Folgejahren, während des britischen Mandats über Palästina, die europäische (und besonders die britische) imperiale Politik die Entstehung einer nationalen jüdischen Heimstatt verhinderte.

Zuerst einmal wurde das Territorium Transjordaniens aus dem Palästina-Mandat herausgeschnitten und von den Briten der Haschemiten-Dynastie Arabiens abgegeben, die ihre alt hergebrachte Heimat, den Hedschas, an den saudischen Clan aus dem östlichen Arabien verlor. Zweitens versuchten die Briten, das verbleibende Territorium des westlichen Palästina weiter zu teilen, in einen jüdischen und einen arabischen Staat, was das Gebiet für jüdische Besiedlung weiter verkleinerte. Schließlich beschränkten die Briten mit dem Weißbuch von 1939 die jüdische Einwanderung ausgerechnet dann, als Nazideutschland seine Eroberung Europas und seinen Holocaust gegen das europäische Judentum begann.

In diesem Zusammenhang überrascht es nicht, dass jüdische Untergrundbewegungen in den 1940-ern einen antikolonialen Krieg gegen die fortgesetzte britische Herrschaft führten. Mit anderen Worten: Israel war antikolonialistisch, als es entstand. Im Gegensatz dazu standen die arabischen Staaten der damaligen Zeit auf Seiten der imperialen Mächte. Die arabischen Staaten, die den neu geborenen Staat Israel überfielen, waren vom französischen und britischen Reich ausgebildet und ausgerüstet worden. Während Israels Unabhängigkeitskriegs kommandierten britische Offiziere die Arabische Legion Transjordaniens, während die Royal Air Force in der Verteidigung ägyptischen Luftraums 1949 über der Sinai-Halbinsel gegen die israelische Luftwaffe kämpfte. Und die Nationen der Welt rührten nicht einen Finger, als die Juden Jerusalems umzingelt waren und sich der Vernichtung gegenüber sahen, obwohl die UNO die Internationalisierung der Stadt forderte. Nur die israelischen Streitkräfte durchbrachen die Belagerung Jerusalems und retteten seine jüdischen Einwohner. Kurz gesagt: Die jüdische Unabhängigkeit in Israel wurde von einer einheimischen und im Land heimischen Gemeinschaft gewonnen, die in Selbstverteidigung ohne große Hilfe von außen handelte.

Ist die jüdische Staatsbürgerschaft diskriminierend?

Heute argumentieren manche, dass Israel Gründung als jüdischer Staat bereits nicht jüdische Israelis diskriminiert, sie sogar – wie ein jüngst erschienener Artikel behauptet – zu Bürgern zweiter Klasse machen.17 Eine solche Behauptung ist nicht nur vollkommen falsch, wie jeder Student des israelischen Rechts oder der Politik weiß; sie verdreht schlimm die harmlose – und eigentlich schöne – Art, in der Staaten die Identität ihrer großen Gemeinden widerspiegeln oder ihrer Gründungsgeschichte Tribut zollen können, ohne die Rechte der einzelnen Bürger zu verletzen. Israels Kritiker gehen zu weit, wenn sie den einfachen Ausdruck der israelischen Gemeinschaft in flammende Mäntel religiöser Diskriminierung stecken wollen.

Fast jedes Land der Welt rühmt sich einer Mehrheitsgemeinschaft und fast alle zeigen die kulturelle Identität dieser Gemeinschaft auf die eine oder andere Weise. Die USA feiern offiziell christliche Feiertage; viele europäische Länder identifizieren sich entweder als katholisch oder protestantisch und viele muslimische Länder bezeichnen sich unumstritten als „Islamische Republik“, ob sie nun demokratisch sind oder nicht. Für manchen ist eine solche Identifizierung einfach ein Signal der spirituellen Überzeugung der Mehrheit; für andere ist es eine Homage an die Grundlagen des Landes. Es ist nichts offensichtlich Falsches an solchem Ausdruck.

Es ist in der heutigen multikulturellen Umgebung, mit einer Renaissance öffentlicher Wertschätzung kommunaler Identität, ein Anachronismus anzudeuten, dass allein im Fall Israels kommunale Identifikation problematisch ist. Man kann sich nur wundern, warum der Ausdruck jüdischer Nationalität, ohne diskriminierendes Beiwerk, so einzigartig schwer zu ertragen ist.18 Vielleicht entstammt der Grund der Geschichte der Opposition zur jüdischen Eigenstaatlichkeit: sie wurde zuerst von den arabischen Nationalisten und islamischen religiösen Radikalen aufgebracht, die gegen jüdische Herrschaft auf dem waren, was sie „arabischen Boden“ nannten. Diese Gegnerschaft, wenn auch in der Rhetorik palästinensischer Gruppen wie Hamas heute weit verbreitet,19 ist in der westlichen politischen Diskussion weit gehend inakzeptabel. Das zwingt ihre Vertreter, ihre antiisraelische Feindseligkeit in universelle Sprache von Recht und Gleichheit umzuformulieren. Und doch hat Israels Selbstverständnis als jüdischer Staat, so bequem dieses Ziel auch sein mag, wie die gemeinschaftliche Identifikation eines jeden anderen Staats wenig Gewicht in Fragen von Recht und Gleichheit.

Der wichtige Punkt ist nicht, ob ein Staat sein Gemeinwesen annimmt, sondern wie in Wirklichkeit in ihm Unterschiede gemacht werden. Sind Minderheits-Angehörige vom Gesetz her gleich gestellt? Können Sie ihre eigene Kultur öffentlich und in Gemeinschaft leben? Haben sie die gleichen Möglichkeiten, an der Macht beteiligt zu sein und im System repräsentiert zu werden, vielleicht sogar die Möglichkeit, zur Mehrheit zu werden? Kurz gesagt: Sind sie Staatsbürger erster Klasse?

Für nicht jüdische Staatsbürger Israels ist die Antwort auf all diese Fragen: „Ja. Uneingeschränkt.“ Arabische Israelis sind vor dem Gesetz jüdischen Bürgern gleich gestellt; sie haben dieselben Rechte und werden rechtlich vor Diskriminierung geschützt. Nichtjuden erfreuen sich aller Freiheiten, die die Demokratie anerkennt, einschließlich Religionsfreiheit, der freien Ausübung des Glaubens, Gleichberechtigung in finanziellen, materiellen und Arbeitsgelegenheiten, politischer Macht und aller juristischen Rechte. Und in der Tat verlangt die Unabhängigkeitserklärung nichts weniger. Die Erklärung besagt: der jüdische Staat „wird die vollständige Gleichberechtigung bezüglich der sozialen und politischen Recht aller seiner Einwohner sicher stellen, ohne Ansehen von Religion, Rasse oder Geschlecht; er wird die Freiheit von Religion, Bewusstsein, Sprache, Ausbildung und Kultur garantieren; er wird die Heiligen Stätten aller Religionen sichern.“ Die arabischen Staatsbürger Israels haben Positionen in Israels Oberstem Gerichtshof erreicht und haben machtvolle Parteien in die israelische Knesset gewählt, die voll am politischen Leben Israels teil haben.

Manche Kritiker Israels nutzen das Wesen des parlamentarisch-politischen Systems Israels – oft mit fragwürdigen Motiven – aus, um die arabischen Staatsbürger fälschlich als verletzbare Minderheit darzustellen. Das sind sie in der Tat – aber nur insofern, wie alle Minderheiten in einer parlamentarischen Regierung außerhalb der Regierungskoalition einige Nachteile haben. In Israel gibt es ein lebhaftes System bestimmter Gemeinschaften, die Seite an Seite leben, oft für dieselbe begrenzte Versorgung der weit gehend sozialisierten nationalen Wohlfahrt und Hilfsprogramme konkurrieren. Israelische Araber stehen z.B. mit anderen Minderheiten in Wettstreit, die normalerweise nicht bis an die Spitze kommen – ultraorthodoxe Juden, russische Einwanderer und religiöse Sephardim. Dass einige dieser Gruppen manchmal besser fahren als andere, zeugt nicht von Diskriminierung, es zeigt nur, wie das System arbeitet.

Am wichtigsten ist aber, dass die Nachteile politischer Minderheiten in Israel nichts mit Israels zeremonieller Identifikation als jüdischer Staat zu tun haben. Ihre Situation wird sich ändern, falls und sobald Israels sich in eine System proportionaler Repräsentation verändert, in dem jede Minderheit eine Partei für sich hat, in ein bezirksabhängiges Wahlsystem. Viele Israelis unterstützen einen solchen Wandel, obwohl der auch Unzulänglichkeiten hat. Aber selbst in der derzeitigen, nicht perfekten politischen Realität sind jüdische und arabische Staatsbürger vor dem Gesetz gleich.

All das leugnet nicht, dass Israel einen besonderen Auftrag als jüdischer Staat hat – aber einen, der die Rechte seiner nicht jüdischen Bürger nicht betrifft. Israel wurde als Zuflucht für jüdische Flüchtlinge aufgebaut, die Verfolgung entkommen wollen. Der legendäre israelische Staatsmann Abba Eban bezog sich auf diesen Aspekt Israels als einem Fall „internationaler Förderung von Minderheiten“, weil es entworfen wurde, um einen innewohnenden Nachteil zu korrigieren, den eine bestimmte Gruppe durch die Geschichte hindurch erleiden musste, die ihnen die Gleichberechtigung versagte. Unglücklicherweise brauchten die Juden immer noch einen Zufluchtsort vor Verfolgung. Aus diesem Grund verdienen die Diaspora-Juden die besondere Behandlung, die sie diesbezüglich erhalten. Als die jüdische Gemeinde Äthiopiens im Bürgerkrieg von 1991 wehrlos dem Angriff bewaffneter Partisanen gegenüber stand; oder als Argentiniens Juden in der jetzigen Wirtschaftskrise zum Sündenbock gemacht wurden; oder als sowjetische Juden vor dem Kommunismus flohen, öffnete allein Israel bedingungslos seine Toren. Juden, die in Israel Zuflucht suchen, gewährt der Staat sofort die Staatsbürgerschaft. Ein Nichtjude hat dasselbe Recht und dieselbe Gelegenheit Israels Staatsbürgerschaft zu erwerben, wie es von jedem anderen Land angeboten wird, einschließlich der USA. Und als Staatsbürger erfreut er oder sie sich aller Rechte und Privilegien, die Israels Gesetz und Regierung der Mehrheit seines Volkes gewährt, auf dem Prinzip der Gleichheit, das jetzt im Grundgesetz des Landes und dem Gewebe seiner politischen Kultur eingraviert ist.

Israelische Rechte gegen palästinensische Rechte

Trotzdem sagen Kritiker, ungeachtet der seinen nicht jüdischen Bürgern gewährten Rechte, Israel aus verschiedenen Gründen Übles nach: dass die Palästinenser einen größeren Anspruch auf nationale Souveränität über dasselbe Land haben. Diese Behauptung muss separat untersucht werden. Besonders, ob es vor Israels Gründung einen besonderen palästinensischen Nationalismus gab, der um einen eigenen Platz im Land stritt.

Die palästinensischen Araber betrachteten sich ursprünglich im frühen 20. Jahrhundert als Teil einer größeren arabischen Nationalbewegung. Lange Zeit in der ersten Hälfte des letzen Jahrhunderts wollten sich die arabischen Staaten vereinigen, während sie verschiedene Pläne für die arabische Einheit unterstützten. Im Arabischen gibt es zwei Bezeichnungen für Nationalismus: „qawmiyah“ – Loyalität gegenüber der arabischen Nation als Ganzem und „wataniyah“ – Loyalität gegenüber dem Land, in dem man wohnt. Jahrzehnte lang war „qawmiyah“ für die palästinensischen Araber bei weitem wichtiger.

Bernard Lewis hat z.B. geschrieben, dass die palästinensischen Araber zwar ein wachsendes Gefühl der Identität mit ihrem Kampf gegen die jüdische Einwanderung in den 1930-er Jahren hatten, „ihre Grundempfindung gemeinschaftlicher historischer Identität aber immer noch auf den verschiedenen Ebenen eine muslimische oder arabische oder – für einige wenige – syrische war; es ist bedeutsam, dass es sogar 1948, am Ende des Mandats, nach 30 Jahren separater politischer Existenz Palästinas praktisch keine Bücher auf Arabisch über die Geschichte Palästinas gab.“20

Mehr noch: Der Teilungsplan von 1947 beschrieb die Palästinenser weiter als „Araber“ und forderte einen „arabischen Staat“ in Palästina neben einem jüdischen Staat. Im Mai 1956 erklärte Ahmed Schuqairy, der acht Jahre später die PLO gründen würde, vor dem UN-Sicherheitsrat: „Es ist allgemein bekannt, dass Palästina nichts anderes ist als Süd-Syrien.“21 In den frühen 1960-ern schauten viele Palästinenser mehr auf Ägyptens Gamal Abdel Nasser als ihren Führer, als auf irgendeinen Palästinenser. Es gab vor 1967 keine aktive Bewegung der Palästinenser, die Westbank von Jordanien oder den Gazastreifen von Ägypten abzutrennen, um einen eigenen palästinensischen Staat zu schaffen. Heute entsteht eine dritte Quelle der Loyalität unter den palästinensischen Arabern, die mit der Hamas oder dem Islamischen Jihad verbunden sind – Loyalität gegenüber der islamischen Nation oder „Umma“. Hamas ist schließlich der palästinensische Zweig der Muslim-Bruderschaft, einer Organisation mit pan-islamischen Ambitionen.

Trotzdem erkennt Israel an, dass heute eine einzigartige palästinensische nationale Identität existiert. Aber vor dem historischen Hintergrund ist es unmöglich zu zeigen, dass palästinensischer Nationalismus einen Anspruch auf das Land Israel gibt, der dem der Juden überlegen ist.

Welche politische Einheit die Palästinenser auch immer aus Teilen der Westbank und dem Gazastreifen entsteht, sie könnte sich gut und gerne entscheiden, in zehn oder zwanzig Jahren eine Föderation mit dem haschemitischen Königreich Jordanien einzugehen, wo es bereits jetzt eine palästinensische Mehrheit gibt. Auf dem Balkan ist es z.B. für die Europäer schwierig, die Zukunft von Bosnien oder dem Kosovo vorauszusehen. Wird die Bevölkerung dort anstreben, sich mit Staaten zu vereinigten, die dieselbe ethnische Zusammensetzung haben, so dass Kroaten in Bosnien sich mit Kroatien zusammenschließen, während die Kosovaren die Einheit mit Albanien suchen? Dieselbe langfristige Frage trifft auf die palästinensischen Gebiete unter Arafat zu.

Die andauernde Notwendigkeit der jüdischen Eigenstaatlichkeit

Eine einzigartig jüdisch-demokratische Gesellschaft wird es auf jeden Fall in Israel weiter geben, die als lebenswichtiger Fluchtpunkt für Juden dient, die Antisemitismus in Frankreich, Russland, Südamerika oder dem Jemen ausgesetzt sind. Israel bleibt das einzige Land, dass jüdische Einwanderung bedingungslos erlaubt. In ein paar Jahren wird Israel die größte jüdische Gemeinde der Welt sein. Nur die Armee des jüdischen Volkes, die Israel Defense Forces, kann diese Gemeinschaft beschützen.

Mancher meint, dass Juden nicht länger den existenziellen Bedrohungen ausgesetzt sind, die der Antisemitismus einst bereit hielt. Es wird sogar angedeutet, dass der heutige Antisemitismus durch Israels Politik verursacht wird, statt dass diese ihm entgegen wirkt. Aber die jüngsten Erfahrungen von Juden in Äthiopien, Argentinien und in Europa, gemeinsam mit den abscheulichen Verleumdungen über das Weltjudentum durch islamische Leiter wie Malaysias Mohammed Mahathir zeugen von der Falschheit dieser Euphorie. Antisemitismus hat es seit Jahrhunderten gegeben, lange bevor der Staat Israel aufkam. Es könnte eher gesagt werden, dass es nicht die Realität israelischer Politik ist, die den neuen Antisemitismus verursacht, sondern eher die Vorurteile europäischer Redakteure, die schwer wiegend antiisraelische Fotos, aus dem Zusammenhang gerissen, als Titelseiten-Inhalte verbreiten, während sie die schweren Massaker herunter spielen, wie sie sich z.B. in Afrika ereignen.

Heute sind Führer der Welt bereit zuzugeben, dass die harsche Kritik, die an Israel geübt wird, auf ältere, antisemitische Wurzel zurückzuführen ist. Romano Prodi, Präsident der Europäischen Kommission, sagte z.B. – als er eine neue Meinungsumfrage kommentierte, die zeigte, dass Israel von den meisten Norma-Europäern als das Land angesehen wird, das den Weltfrieden am stärksten bedroht – das Ergebnis „zeige auf die fortbestehende Existenz von Einseitigkeit, die von vorne herein verurteilt werden muss“ und gehe „so weit, dass es ein tiefer gehendes, allgemeineres Vorurteil gegen die jüdische Welt andeute, dem gegenüber unsere Ablehnung noch radikaler ist.“22

Es gibt sogar einen antisemitischen Strang, der in der radikalen Opposition zur Globalisierung aufgekommen ist, die jetzt Juden als eine Art transnationaler wirtschaftlicher Kraft angreift und sie in erschreckend bekannten Begriffen für wirtschaftliche Umwälzungen verantwortlich macht. Die antisemitische Bedrohung lebt leider – und lebt gut.

Aber nicht nur die Sicherheit der Juden steht auf dem Spiel, sondern auch die Fortsetzung der jüdischen Existenz. Durch die jüdische Geschichte hinweg wurde nationale Unabhängigkeit als Bedingung jüdischer Selbstverwirklichung angesehen.23 Erlösung wurde an die Idee der Rückkehr geknüpft. Aus diesem Grund stärkte die Wiedergeburt Israels die jüdische Identität. Eine Umkehr der jüdischen Unabhängigkeit würde ganz klar den gegenteiligen Effekt haben. So, wie die Dinge stehen, wird jüdische Kreativität zukünftig zunehmend aus Israel kommen, wenn der jüdische Staat als Hauptzentrum jüdischen Lebens entsteht. So, wie das jüdische Volk in der Diaspora einst zum Wachstum der modernen Zivilisation im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert beitrug, wird es die jüdische Zivilisation in Israel sein, die die Schlüsselquelle jüdischer Beiträge zur Weltgesellschaft im einundzwanzigsten Jahrhundert sein. Ein starker jüdischer Staat ist für den Schutz des Fortbestehens der jüdischen Identität und seinem Platz im Weltgeschehen lebenswichtig.

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Anmerkungen:

1. Tony Judt: Israel: The Alternative. New York Review of Books, Bd. 50, Nr. 16, 23. Oktober 2003.
2. Lawrence Marzouk: UK Media Blasted Over Israel. Bernet & Potters Bar Times (UK), 29. Oktober 2003; http://www.barnettimes.co.uk/features/newsfeatures/display.var.427956.0.uk_media_blasted_over_israel.php
3. Ruth Gavison: On the Jewish Right to Sovereignty. Azure, Sommer 2003.
4. Rede von Premierminister Netanyahu vor der UNO-Vollversammlung, 24. September 1998. Außenministerium: http://www.mfa.gov.il/mfa/go.asp?MFAH0h3f0
5. Benjamin Netanyahu: A Place Among the Nations: Israel and the World. New York, Bantam, 1993, S. 14-15. Um eine historische Perspektive zu erhalten, sollte man Ben Gurions erste Prämisse bedenken, die Hauptpflichten der Juden für dieses Land, die er am 7. Januar 1937 der Peel-Kommission gegenüber vorstellte: „Ich sage im Auftrag der Juden, dass die Bibel unser Auftrag ist; die Bibel, die von uns geschrieben wurde, in unserer eigenen Sprache, in Hebräisch, in genau diesem Land. Das ist unser Mandat. Einfach nur die Anerkennung dieses Rechts wurde in der Balfour-Erklärung ausgedrückt.“
6. Bernard Lewis: The Palestinians and the PLO. A Historical Approach. Commentary, Januar 1975, S. 32.
7. Bernard Lewis: Semites and Anti-Semites: An Inquiry into Conflict and Prejudice. New York, Norton, 1999, S. 164.
8. Arie Morgenstern: Dispersion and the Longing for Zion, 1240-1840. Azure, Winter 2002.
9. ebenda
10. Alan Dershowitz: the Case for Israel. Hoboken, John Wiley & Sons, S. 26.
11. Mark Twain: The Innocents Abroad. New York, Oxford University Press, 1996, S. 349.
12. Netanyahu: A Place Among the Nations. S. 38-40.
13. Palestine: A Study of Jewish, Arab, and British Policies. New Haven, Yale University Press und Esco Foundation for Palestine, Inc., 1947, Bd. 1, S. 463-464.
14. Joseph Alpher: Israel and the Palestinians: What Everyone Should Know About the Conflict. Reform Judaism, Herbst 2002, Bd. 31 Nr. 1.
15. Netanyahu: A Place Among the Nations, S. 36.
16. Mortimer B. Zuckerman: Graffiti on History’s Walls. U.S. News & World Report, 3. November 2003.
17. Judt: Isarel: The Alternative.
18. Dennis Prager, Joseph Telushkin: Why the Jews? New York, Touchstone, 2003, S. 170
19. Hama-Führer schwören, den Kampf gegen Israel voran zu treiben (Hamas Leaders Vow to Press Fight Against Israel), Washington Post, Kurzberichte, 27. Dezember 1999, S. A16
20. Bernard Lewis: Semites and Anti-Semites, S. 186.
21. Harris O. Schoenberg: Mandate for Terror: The United Nations and the PLO. New York, Shapolsky Publishers, 1989, S. 59.
22. Ed O’Loughlin: Europe Apologizes to Israel for Poll. The Age (Australien), 5. November 2003.
23. Marvin Fox: Jewish Power and Jewish Responsibility. In: Daniel J. Elazar (Hg).: Jewish Education and Jewish Statesmanship. Jerusalem Center for Public Affairs, Jerusalem 1996, S. 60