Warum Israels „Kritiker“ nicht anders können als antisemitisch zu sein und wie sie das beenden können

Benjamin Kerstein, the Algemeiner, 25. März 2021

Supporters of the Boycott, Divestment, and Sanctions campaign. Photo: Alex Chis.

Der Spruch „Einige meiner besten Freunde sind Juden“ war üblicherweise das Signal, dass man es mit einem Antisemiten zu tun hatte. Heute hat sich das verräterische Signal geändert und wurde ersetzt durch: „Natürlich kann man Israel kritisieren, ohne antisemitisch zu sein.“

Ich habe in der Vergangenheit bereits geschrieben, dass dem nicht so ist, weil Israelkritiker das so gemacht haben. Während einer Zeit der Eskalation der Gewalt gegen Juden, aufgestachelt von antiisraelischem Hass, schürt Israel zu kritisieren unweigerlich Antisemitismus. Sollten Israels Kritiker sich entscheiden auf weniger, statt mehr Antisemitismus hinzuarbeiten – obwohl sie derzeit darauf erpicht zu sein scheinen genau das Gegenteil zu tun – dann sähe die Lage ganz anders aus.

Die auf der Hand liegende wahre Frage lautet jedoch: Warum scheinen Israels Kritiker unfähig zu sein für weniger Antisemitismus hinzuarbeiten?

Eine mögliche Antwort könnte von ihrer Opposition zur weithin übernommenen Antisemitismus-Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz angedeutet werden, die Beispiele für israelischbezogenen Antisemitismus enthält, so zum Beispiel „die Behauptung, die Existenz eines Staates Israel ist ein rassistisches Bestreben“ und „Vergleiche zwischen der aktuellen israelischen Politik und der der Nazis zu ziehen“.

Opposition zur IHRA-Definition ist derzeit so intensiv, dass linke Gruppen versuchen sie durch eine eigene Definition zu ersetzen. Unter dem etwas bizarren Namen The Nexus Document ist die alternative Definition insofern interessant, als sie sich tatsächlich nicht sehr von der der IHRA unterscheidet. Aber es sind genau die winzigen Anpassungen, die die Absicht dahinter offenbaren: Sie beseitigt jegliche spezifischen Beispiele für antisemitischen Angriffe auf Israel, womit sie, wie mein Kollege Ben Cohen es ausdrückte, „lächerlich vage“ gemacht wird.

Tatsächlich scheint der Sinn des Nexus-Dokuments einzig darin zu bestehen, Leute zu schützen, die behaupten Israel sei ein rassistischer Nazistaat. Man könnte damit behaupten, dass diejenigen, die Israel nicht kritisieren dürfen, in Wirklichkeit palästinensische Nationalisten der einen oder anderen Art sind. Zum Mindesten übernehmen sie die wesentlichsten Ideen des palästinensischen Nationalismus: die imperialistische, koloniale Natur des Zionismus; die grundlegende Illegitimität der jüdischen Selbstbestimmung; der angebliche Rassismus der gegenwärtigen israelischen Gesellschaft; palästinensischer Terrorismus als lobenswerter Akt des Widerstands; der Imperativ der Ersetzung Israels durch einen mehrheitlich arabischen Staat; und die Gründung Israels als welthistorische Katastrophe.

Das Problem, dem sich all die antiisraelischen Liberalen und Progressiven gegenüber sehen, ist jedoch, dass palästinensischer Nationalismus nicht liberal oder progressiv ist und es nie war. Er ist immer eine rassistische Bewegung gewesen, die die Juden grundsätzlich entmenschlicht. Seit den 1920-er Jahren hat er das Pogrom und das Abschlachten von Männern, Frauen und Kinder mit Hilfe von Messern, Schusswaffen und Selbstmordbombern eingesetzt, um seine Ziele zu erreichen. Er glorifiziert Kriegsverbrechen und Gräueltaten. Er kollaborierte offen und begeistert mit dem Nationalsozialismus, so weit, dass er den Holocaust anspornte und befürwortete. Er brachte die PLO und die Hamas hervor, zwei der effektivsten Terrororganisationen der Geschichte, die beide für ethnische Säuberungen eintreten. Und er ist regelmäßig mit krudem Antisemitismus aktiv, den von rechtsradikalem Antisemitismus zu unterscheiden schwierig, wenn nicht unmöglich ist, den die Linke angeblich verachtet.

Mit anderen Worten: Die palästinensische Nationalbewegung verletzt liberale und progressive Werte und hat sie immer verletzt, etwas, das viele Linke, so sehr sie für ein Ende der Besatzung und einen Palästinenserstaat eintreten, immer beachtet und damit abgelehnt haben – was sehr für sie spricht.

Sie präsentiert sich als antiisraelische Linke, wenn auch mit einem furchtbaren Dilemma: Wie können sie eine Bewegung unterstützen, die all ihren selbsterklärten Prinzipien widerspricht?

Die Antwort ist einfach: damit, dass sie sich Antisemitismus zu eigen machen. Sie haben keine andere Wahl. Sie müssen erklären, dass Israel, der Zionismus und die Juden derart böse sind, dass nichts tabu ist. Es ist nicht unbedingt so, dass israelfeindliche Linke antisemitisch sind, als vielmehr so, dass es keine Möglichkeit gibt, dass sie nicht antisemitisch sein können. Es gibt schlicht keinen anderen Weg, um ihre Übernahme des palästinensischen Nationalismus rational zu machen. Ohne Antisemitismus würden Sie augenblicklich als Heuchler, Rassisten und Völkermörder entlarvt.

Wenn israelfeindlicher Antisemitismus überwunden werden soll, dann müssen antiisraelische Linke sich letzten Endes selbst mit ihm auseinandersetzen. Sie müssen anerkennen, dass es vollkommen unmöglich ist für eine Zweistaatenlösung oder palästinensische Selbstbestimmung zu werben, ohne einen bestimmten reaktionären Nationalismus gut zu heißen, der ihre am leidenschaftlichsten vertretenen Überzeugungen ablehnt.

Ironischerweise besteht der für sie beste Weg das zu tun in der Annahme der IHRA-Definition, die einen moralischen Kampf veranlassen könnte, der die Linke von dem moralischen Bankrott reinigt, der die Kritik an Israel zu etwas Rassistischem gemacht hat.

Das Problem mit der Antisemitismus-Definition der „Jerusalem-Erklärung“

Elder of Ziyon, 26. März 2021

Auf den ersten Blick scheint die Jerusalem-Erklärung zu Antisemitismus (JDA – Jerusalem Declaration on Antisemitism) sich nicht sonderlich von der IHRA-Arbeitsdefinition für Antisemitismus zu unterscheiden, die die Verfasser ersetzen wollen.

Beide betonen, dass ihre Beispiele für Antisemitismus komplett von Kontext abhängen.

Die IHRA führt ihre Beispiele damit ein, dass sie sagt: „Zeitgenössische Beispiele für Antisemitismus im öffentlichen Leben, den Medien, Schulen, am Arbeitsplatz und dem religiösen Bereich könnten, nimmt man den Gesamtkontext in Betracht, beinhalten, sind aber nicht beschränkt auf…“

Die JDA geht darauf ein, widerspricht auch der IHRA keineswegs: „Im Allgemeinen sollte jeder, wenn man die Richtlinien anwendet, sie im Licht des anderen und immer mit einem Blick auf den Kontext lesen. Kontext kann die Absicht hinter einer Äußerung beinhalten oder ein Redemuster im Lauf der Zeit oder sogar die Identität des Sprechenden, besonders wenn das Thema Israel oder der Zionismus ist. So könnte z. B. Feindschaft gegenüber Israel ein Ausdruck einer antisemitischen Feindseligkeit sein oder sie könnte eine Reaktion auf eine Menschenrechtsverletzung sein oder sie könnte die Emotion sein, die eine palästinensische Person aufgrund ihrer Erfahrung durch den Staat empfindet.“

Das ist alles absolut richtig.

Das Problem mit der JDA ist exakt ihr Kontext, nämlich die Gründe, warum sie geschrieben wurde. Und je tiefer man blick, desto schlimmer wird es.

Die Arbeitsdefinition der IHRA wurde nicht als politisches Dokument geschrieben. Sie wurde nicht von „rechten Zionisten“ geschrieben. Sie sollte die genaueste Definition von Antisemitismus sein, wobei ein Auge auf alle Arten von Antisemitismus geworfen wurde, egal aus welcher Quelle. Sie deckt den rechtsextremen Antisemitismus, linksextremen Antisemitismus, arabischen Antisemitismus, Farrakan-artigen Antisemitismus ab – es gibt nicht das kleinste Bisschen Tendenz darin, egal, was ihre Kritiker behaupten.

Die JDA hingegen ist höchst politisch. Wie die Autoren in The Forward schrieben: „Obwohl wir die Schädlichkeit des Antisemitismus von links nicht unterschätzen, ist klar, dass die gefährlichste Bedrohung für Juden heute von der extremen Rechten und von populistischen Gruppen kommt.“ Eine Antisemitismus-Definition sollte nicht zwischen den Quellen des Antisemitismus unterscheiden.

Kontext ist in der Tat entscheidend, um festzustellen, ob eine Äußerung oder Handlung antisemitisch ist oder nicht. Die IHRA sagt, „zweierlei Maß anzuwenden, indem man von Israel ein Verhalten verlangt, das von keinem anderen demokratischen Staat erwartet oder gefordert wird“, ist ein guter Indikator für Antisemitismus, wenn auch nicht notwendigerweise immer. Die JDA sagt: „Kritik, die manche als exzessiv oder kontrovers betrachten oder als ein ‚zweierlei Maß‘ spiegelnd, ist an und für sich nicht antisemitisch.“ Wieder widersprechen sie einander nicht – beide Definitionen sagen, dass Kontext entscheidend ist um antisemitischen Inhalt festzustellen.

Der Unterschied besteht darin, dass die IHRA versucht in ihrer Definition so inklusiv wie möglich zu sein und die JDA versucht so ausschließend wie möglich zu sein. In allen anderen Kontexten – bei der Definition von Rassismus oder Frauenfeindlichkeit oder jeder anderen Bigotterie – ist die Linke so inklusiv wie möglich und der Opfergruppe muss geglaubt werden, wenn sie sagt, dass sie angegriffen wurde. Aber im Fall des Antisemitismus engen die JDA-Autoren die Definition absichtlich so ein, dass sie jeden ausschließt, den sie nicht mit der Rechten assoziieren kann.

Lassen Sie uns ein paar Beispiele durch beide Definitionen laufen.

Wenn jemand, der keine Geschichte antisemitischer Äußerungen hat, aus heiterem Himmel kommt und sagt, dass Israel sich gegenüber den Palästinensern wie Nazi-Deutschland verhält, ist das antisemitisch?

Die IHRA sagt: „Vergleiche zwischen zeitgenössischer israelischer Politik und der der Nazis zu ziehen“ ist ein Beispiel für Antisemitismus.

Die JDA sagt: „Selbst wenn es kontrovers ist, ist es nicht per se antisemitisch Israel mit anderen historischen Fällen zu vergleichen, einschließlich Siedler-Kolonialismus oder Apartheid.“ Der Nationalsozialismus ist ein historischer Fall und dürfte demnach nicht unter diese Definition fallen.

Was ist mit dem Kontext? Es ist klar, dass jeder Vergleich zwischen Israel und Nazideutschland nichts bedeuten soll, aber es soll Juden verletzten, dass man sie mit ihren Mördern auf eine Stufe stellt. Wenn Israel kein jüdischer Staat wäre, würde der Vergleich nicht gezogen. Natürlich ist das antisemitisch. Die Tatsache, dass dieses Beispiel bei der JDA-Definition ausgeschlossen wurde, auch wenn es bei der IHRA ausdrücklich eingeschlossen ist, zeigt, dass die Auslassung bewusst gemacht wurde – die JDA wollte nicht sagen, dass Gleichsetzung des jüdischen Staates mit Nazideutschland als antisemitisch angenommen wird, was zeigt, wie weit die Autoren bei der Verteidigung des Antizionismus als legitim gehen würden.

Das zweierlei Maß kommt ins Spiel, wenn Israel als rassistischer oder Apartheidstaat bezeichnet wird oder massive Kampagnen zum Boykott Israels geschaffen werden, wenn es keine auch nur entfernt ähnlichen Kampagnen gegen irgendeinen anderen Staat gibt. Die JDA sinkt bei diesem Thema zur Farce ab, wenn sie sagt: „Boykott, De-Investition und Sanktionen sind übliche, gewaltfreie Formen politischen Protests gegen Staaten. Im Fall Israel ist das per se nicht antisemitisch.“

Üblich? Welche anderen Staaten boykottieren die Leute mit der Menge an Publicity, die BDS hat? Und warum wird Israel herausgehoben, wenn nach jeder Berechnungsweise, selbst wenn man die irrsinnigsten Lügen über Israel glaubt, immer noch nicht das Niveau der Menschenrechtsverletzungen erreicht, die von den meisten Staaten, einschließlich westlichen, erreicht wird?

Genauso wird die Linke diskutieren, wie man den jüdischen Staat beseitigt und durch einen weiteren arabischen Staat ersetzt (der fälschlich als „binational“ bezeichnet wird). Welchem anderen Staat, der auf einer nationalen Gruppe von Menschen basiert, ist je gesagt worden, er solle sich selbst abschaffen? Welchem anderen Staat wird ständig gesagt, er habe kein Existenzrecht?

Die Botschaft der JDA lautet, dass es nur ein großer Zufall sei, dass der einzige Staat auf dem Planeten, der boykottiert, als illegitim angesehen, mit Südafrika gleichgesetzt wird und dem man sagt, sein nationaler Ethos sei rassistisch, ausgerechnet der einzige Staat voller Juden ist. Vielleicht kaufen einige dieses Argument, aber die meisten Leute tun das nicht – und es gibt einen sehr guten Grund, warum die IHRA-Definition von bisher 29 Staaten angenommen oder begrüßt worden ist.

Der Antizionismus ist offensichtlich mit dem Antisemitismus verwandt, schlicht, weil es in der Welt einfach kein vergleichbares „anti“ gibt. Dazu kommt, dass diese zwei „anti“ einander sehr, sehr ähnlich sind – der Dinge, derer Juden historisch beschuldigt wurden, wird heute der jüdische Staat beschuldigt, so der unzulässige Einfluss auf Regierungen, die Ermordung von Kindern, weil einem danach ist und die bewusste Verbreitung von Krankheiten. Es gibt keinen Unterschied zwischen denen, die Israel beschuldigen palästinensisches Wasser zu vergiften oder palästinensische Organe zu stehlen und denen, die historisch Juden beschuldigen die Brunnen zu vergiften, eine Seuche zu verursachen oder Ritualmorde zu begehen.

Es gibt einen weiteren Punkt, der festgestellt werden muss: Antisemitismus hat historisch Juden als der verabscheuungswürdigsten Verbrechen beschuldigt. Israel wird der verabscheuungswürdigsten Verbrechen unserer Zeit beschuldigt – Rassismus, Kolonialismus, wahlloser Tötung und Inhaftierung von Kindern, Apartheid, ethnischer Säuberung. Die Parallelen sind für jeden offensichtlich, der auch nur flüchtige Geschichtskenntnisse hat, aber die JDA gesteht diesen Aspekt des modernen Antisemitismus nicht ein.

Eine Definition, die bewusst die meisten Beispiele dessen ausschließt, was sie zu definieren behauptet, ist überhaupt keine Definition. Sie ist Propaganda.

Natürlich könnte es Ausreißerfälle geben, bei denen fanatischer Antizionismus nicht antisemitisch ist, aber sie sind die Ausnahme. Eine ganze Kategorie wegen theoretisch möglicher Ausnahmen von Antisemitismus auszuschließen ist keine Bekämpfung von Antisemitismus, sondern ermöglicht ihn.

Und wenn man sich die Unterzeichner der JDA ansieht, dann sieht man jemanden wie Richard Falk, dessen antisemtischer Stammbaum lang und vielseitig ist. Er mag diese Definition, weil, so glaubt er, sie ihn vom Haken lässt. Und die JDA wollte seine Unterschrift haben und stolz zur Schau stellen, ohne auch nur eine Spur der Angst, dass das das gesamte Dokument diskreditiert.

Die JDA ist keine ernsthafte Definition. Sie ist Irreführung, um die heute wesentliche Erscheinungsform des Antisemitismus zu ignorieren. Linker Antisemitismus mag nicht so tödlich sein wie der der Rechten, aber er wird als Mainstream betrachtet – und das macht ihn auf viele Weisen weit gefährlicher.

(Anmerkung: Auch Matthias Küntzel hat sich mit der JDA befasst. Er kommt zum gleichen Ergebnis. Die Ruhrbarone gehen auf einige entscheidende Details ein.)

Die vielen Charakterzüge des Judenhasses

Was die BDS-Bewegung wirklich will

Joseph Puder, FrontPage Mag, 9. März 2021

Der kollektive Hass auf Juden kann als Antisemitismus definiert werden. Wie der Coronavirus hat er viele Mutationen entwickelt. Antisemitismus ist der älteste Hass, der einfach nicht dahinschwinden will. Er ist im liberalen Großbritannien zu finden, bei Typen wir Rev. Stephen Sizer, einem Vikar der Church of England. 2015 postete er einen Artikel auf Facebook, in dem er Juden und Israel der „Verantwortung für die Anschläge vom 9/11“ beschuldigt. Sizer hat sich einer langen Geschichte von Judenhass angeschlossen. Aus der Judenfeindlichkeit der katholischen Kirche wurde mit Martin Luther ein rabiater Antisemitismus, der die Grundlage für Hitlers Nazi-Völkermordversuch an den Juden legte.

Ende der 1990-er Jahre, als Student im Aufbaustudium an der Seton Hall University (einer katholischen Institution) wurde ich von der mutigen und legendären, verstorbenen Schwester Rose Thering eingeladen einer Rede des Kardinals Edward I. Cassidy, dem damaligen Präsidenten des Pontifikalrats für die Förderung christlicher Einheit und Leiter der Kommission des Heiligen Stuhls für religiöse Beziehungen zu den Juden, vor der Fakultät beizuwohnen. Er zeigte auf, dass die katholische Kirche und ihre Anhänger in der Geschichte judenfeindlich gewesen sein könnten, postulierte aber, dass Antisemitismus kein Teil davon war.

Schwester Rose, die mich für die Seton Hall angeworben hatte, drängte mich, dem Kardinal eine Frage zu stellen. Sie war nicht überzeugt, dass die These des Kardinals wirklich stimmig war und mir ging es genauso. Also hob ich meine Hand und als ich drangenommen wurde, fragte ich: „Eminenz, wie definieren Sie das Pogrom von Kielce in Polen am 4. Juli 1946, bei dem 42 jüdische Männer, Frauen und Kinder, alles Holocaust-Überlebende, ermordet wurden? War das ein Beispiel für Judenfeindlichkeit oder für Antisemitismus?“ Der Kardinal wirkte ziemlich ratlos, schwieg einen Augenblick und vermied es dann höflich meine Frage zu beantworten.

Schwester Rose, die ihr Leben lang gegen Antisemitismus gekämpft hat, zwinkerte mir zu, um ihre Zustimmung zu signalisieren. Die historische Wahrheit lautet, dass man Judenfeindlichkeit und Antisemitismus nicht unterscheiden kann. Diese im Antisemitismus eingebettete Voreingenommenheit ist in der Judenfeindlichkeit verwurzelt. Antisemitismus hat eine Vielzahl an Charakterzügen. Religiöser und kultureller Hass auf Juden geht bis in die Zeit der Griechen und Römer zurück. Rassen-Antisemitismus wurde im 18. Jahrhundert zum neuen Charakterzug. Die Geschichte ist voll mit einer Vielzahl judenfeindlicher Formen des Hasses. Die oben erwähnten sind jedoch die offenkundigsten. Die Vertreibung der Juden von der Iberischen Halbinsel am Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts gründete auf religiösem Hass, genährt von der katholischen Kirche und vollzogen von der Inquisition. Der von den Nazis verübte Holocaust an den Juden beinhaltete alle Elemente des Antisemitismus. Er war rassisch, religiös (wenngleich die deutschen Nazis versuchten ihr eigene Religion zu schaffen und das Christentum verachteten), kulturell, politisch und wirtschaftlich.

Der Kern des christlich-religiösen Antisemitismus ist in die Auffassung eingebettet, dass „Juden wegen der Kreuzigung Jesu von Gott verflucht sind“. Das folgt aus Versen im Evangelium nach Matthäus 27,24-25: „Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: ‚Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache!‘ Da rief das ganze Volk: ‚Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!‘“

Der zitierte Abschnitt, mit dem die Juden als „Christusmörder“ etikettiert wurden (obwohl Jesus auch ein Jude war), kostete das Leben unzähliger unschuldiger Juden aufgrund eines Grolls, den der Autor des Matthäus-Evangeliums gegen die Rabbiner von Yavne (westlich von Jerusalem) hegte. Das Matthäus-Evangelium wurde in den 80-er Jahren des ersten Jahrhunderts geschrieben, 50 Jahre nach dem behaupteten Ereignis der Kreuzigung. Er ersetzte seinen Konflikt mit den Rabbinern durch die mutmaßliche Fehde zwischen den Pharisäern und Jesus. Der Autor von Matthäus war kein Augenzeuge und die Juden, die er beschrieb, waren von geringer Anzahl und nicht „das ganze Volk“. Zu ihnen gehörten hauptsächlich Sadduzäer (die elitäre Tempel-Bürokratie) und es ist unwahrscheinlich, dass auch die Hillel-Pharisäer zu ihnen gehörten. Die meisten Juden Judäas und Galiläas hegten keine Arglist gegen Jesus. Darüber hinaus war Pontius Pilatus tatsächlich nicht der gütige römische Gouverneur von Judäa, wie er in dem Abschnitt von Matthäus 27 beschrieben wird. Er war ein grausamer Tyrann, der schließlich ersetzt wurde. Pilatus sah in Jesu Popularität eine Gefahr für die römische Herrschaft.

Der Autor von Matthäus war als jüdischer Evangelist der Jesus-Bewegung von dem von den Rabbinern ausgegeben Erlass erbost, der das Missionieren in der Synagoge (von Antiochia) verbot und Seinesgleichen aus der Synagoge verbannte. Dann kommt natürlich der offensichtlich verleumderische Verweis auf das Volk (die Juden), die sagen, dass Jesu Blut auf sie und ihre Kinder kommen solle. Welche Eltern würden das Blut eines getöteten Menschen auf sich haben wollen, geschweige denn auf ihren Kindern? Das ist eindeutig eine Veränderung, die in einer späteren Periode vorgenommen wurde, als die Christenheit die Staatsreligion des römischen Reiches wurde.[1]

Die Erklärung Nostre Aetate aus dem Jahr 1965 während des Zweiten Vatikanischen Konzils führte zu einer gewaltigen Verschiebung der Lehre an katholischen Seminaren, in Gottesdiensten und drang bis in katholische Schulen vor. Papst Johannes Paul II. (der polnische Papst) trug einiges zum Verständnis und Kooperation zwischen Katholiken und Juden bei, darunter die Einrichtung diplomatischer Beziehungen zwischen dem Vatikan und Israel. Darüber hinaus wurde die „Geringschätzung“ für Juden aussortiert. In den meisten katholischen Institutionen von heute wird die Lehre von Toleranz und Respekt für Nichtchristen und besonders für Juden vermittelt.

Während die katholische Kirche einen weiten Weg hinter sich hat Freundschaft mit Juden zu schaffen, kann dasselbe über einige der aktuellen großen protestantischen Kirchen nicht gesagt werden. Christianity Today (1. September 2004) brachte eine Schlagzeile: „Sind die großen Kirchen antisemitisch?“ In diesem Artikel antwortete Diane Knippers, Präsidentin des Institute on Religion and Democracy (IRD): „Eine extreme Fokussierung auf Israel, bei gleichzeitiger Ignorierung von Menschenrechtsverletzern, ist eine starke Verfälschung der Botschaft der Kirchen zu den universalen Menschenrechten. Wir können keine rationale Erklärung für die Schieflage finden. Wir müssen uns fragen: Gibt es – bewusst oder unbewusst – ein judenfeindliches Bestreben, das dieses Trommeln gegen den einzigen jüdischen Staat antreibt?

Die Betonung säkularer „sozialer Gerechtigkeit“ durch einige dieser großen Kirchen führte zu BDS-Kampagnen (Boykott, De-Investition und Sanktionen gegen Israel) in der Presbyterian Church USA (PCUSA), der evangelisch-lutherischen Kirche usw. Sie sind getrieben durch ehemalige Missionare in der muslimischen Welt, die sich dann mit einer pro-palästinensischen und anti-israelischen Voreingenommenheit an die Kirchenleitungen wandten, die sich zu Antisemitismus im Gewand des Antizionismus entwickelte. Das soll nicht heißen, dass auch die Leute in den Kirchenbänken solche Kampagnen unbedingt unterstützen.

Dieser jüngste antisemitische Charakterzug ist der Antizionismus oder Antiisraelismus und dieser ist ein Vorwand dafür gegen israelische Juden und letztlich gegen Juden allgemein zu schießen. Die Variante findet sich in der BDS-Bewegung, deren Mitbegründer Omar Barghouti ist, der erklärte: „Das Ziel von BDS ist es Israel zu einem Paria zu machen.“ Er und die BDS-Bewegung greifen Israel für akademische und kulturelle Boykotte aus den Staaten heraus. Barghouti wurde in Qatar geboren, lebte in Ägypten und erhielt seinen MA an der Universität Tel Aviv!… Der ehemalige sowjetische Refusenik und Menschenrechtsaktivist Nathan Sharansky führte den 3D-Test zur Unterscheidung legitimer Kritik von Antisemitismus ein. 3D steht für Delegitimation Israels, Dämonisierung Israels und an Israel ein zweierlei Maß (Doppelstandards) anzulegen. Auf die BDS-Bewegung und einige der großen protestantischen Kirchen treffen all diese Kriterien zu.

Die manchmal gewalttätige, manchmal verbale kollektive Voreingenommenheit gegen Juden, die in vielfältigen Formen auftritt, hat eine Rekordzahl an antisemitischen Vorfällen zum Ergebnis, besonders in Europa und in jüngster Zeit auch in den USA. Es ist an der Zeit, dass eine anständige Gesellschaft sich der Tatsache stellt: Schweigen und Untätigkeit bedeuten Zustimmung.

[1] Das sehe ich anders. Mit „Volk“ ist nicht das ganze Volk Israel gemeint, sondern die Truppe, die anwesend war und Jesus tot sehen wollte, eine selbsternannte religiöse Elite, die so fanatisch war, dass sie das durchaus von sich gegeben haben kann. Die Datierung der Verfassung des Matthäus-Evangeliums wird von Puder als fix angegeben, ist es aber nicht. Die Sadduzäer verschwanden nach dem Jahr 70, hätten also in Auseinandersetzungen mit dem Autor des Evangeliums keine Rolle mehr gespielt. Insgesamt sitzt Puder einem leider – gerade auch von kirchlicher Seite – sehr gängigen Verständnis auf, das sich nach der Spaltung zwischen Jesusgläubigen und traditionell-jüdischen Gruppen einbürgerte und die Grundlage für christlichen Judenhass bildete, der sich entwickeln konnte, weil das erklärende Element für jüdisches Denken und Handeln in den christlichen Gemeinden abhanden kam, das judenfeindliche Auslegung der Streitgespräche in der Bibel bis dahin verhinderte.

Doppelt aufgedeckt: Wo der BDS-Aktivismus auftaucht, kommt der Antisemitismus hinterher

Lay of the Land, 24. Mai 2020

Die Bewegung Boykott, De-Investition und Sanktionen (BDS) will den jüdischen Staat delegitimieren, während an ihn zugleich andere Maßstäbe angelegt werden als an den Rest der Welt.

Sie gibt sich als gewaltfreie Bewegung zur Unterstützung der Rechte der Palästinenser, aber für ihre Gründer und Führer ist sie ein Mittel dem Staat Israel das Ende zu bereiten. Jedes Jahr versucht BDS während der Israel Apartheid Week (IAW) – einer Woche, die antiisraelischen Aktivitäten an Universitäten in der ganzen Welt gewidmet ist – Israels Vernichtung anzustreben, während sie versucht die Öffentlichkeit so zu täuschen, dass sie glaubt, die Bewegung stehe für Menschenrechte ein. Dieses Jahr bleibt den Studenten diese Schädigung durch Covid-19 erspart, wahrscheinlich das einzig Positive, was die Pandemie mit sich brachte.

Das Mentekel. Die riesige israelische Flagge an den Stufen des Hauptgebäudes der Universität von Kapstadt in der IAW 2018 wurde rot beschriftet, um Blut heraufzubeschwören. Die  Schrift lautet: „Apartheidstaat, Blut klebt an deinen Händen“. Das war eine der vielen Einschüchterungstaktiken, denen jüdische Studenten an Universitäten in Südafrika sich gegenüber sehen mussten. An der Universität Wits in Johannesburg wurden Parolen wie „F*** Zionism“, „F***  Israel“, „Israel ist schwarzenfeindlich“ und „Zionismus ist Rassismus“ überall auf dem Campus gesprüht.

Wofür steht BDS dann wirklich? Sie können zwar ihre Forderungsliste auf https://bdsmovement.net/call ansehen, aber im Wesentlichen erklären sie, dass die einen Boykott Israels beibehalten werden, bis es allen palästinensischen Flüchtlingen das „Rückkehrrecht“ einräumt – d.h. bis zum Ende Israels.

BDS-Mitgründer Omar Barghouti erklärt die wahren Auswirkungen des von seiner Organisation geforderten „Rückkehrrechts“:

„Wenn die Flüchtlinge zurückkehren, wird es KEINE Zweistaatenlösung geben. Ein palästinensischer Kommentator formulierte es so: ‚Dann gibt es ein Palästina neben einem Palästina, statt eines Palästina neben Israel.‘“

Ein Mann, der meint, was er sagt. Man muss sich nur die Worte von BDS-Mitgründer Omar Barghouti ansheen, um die Wahrheit hinter der Fassade der Lügen offenzulegen: Wir sind definitv, absolut gegen einen jüdischen Staat auf irgendeinem Teil Palästinas. Kein Palästinenser, rationaler Palästinenser, kein Verräter-Palästinenser wird jemals einen jüdischen Staat in Palästina akzeptieren.“

Um es deutlicher zu sagen: Wenn die palästinensischen Flüchtlinge und Millionen ihrer Nachkommen in die Häuser zurückkehren sollten, die sie 1948 verließen – ein Recht, das keiner anderen verlegten Bevölkerung eingeräumt wird, auch nicht den Juden aus Nordafrika und dem Nahen Osten, und gewiss nicht ihren Nachkommen – dann würde es kein Israel, keinen jüdischen Staat, keine jüdische Selbstbestimmung mehr geben.

Herr Barghouti – und die BDS-Führung – glauben nicht, dass das jüdische Volk das Recht hat einen souveränen Staat wo auch immer im Land zwischen Jordan und Mittelmeer zu haben.

Die globale BDS-Bewegung – sowohl durch ihre Ziele wie ihre Taktiken – ist direkt gegen eine wirklich gerechte und friedliche Lösung. Nach jedem der fünf großen Kriege, die allesamt von den Arabern/Palästinensern begonnen und dann verloren wurden, war Israel bereit um Frieden und Grenzen zu verhandeln, aber die Palästinenser lehnten alle Ouvertüren ab. Wann immer Waffenstillstände in Kraft gesetzt wurden, wurden sie von den Palästinensern nur als Vorwand eingehalten sich wieder zu bewaffnen und die nächste Runde ihres nie endenden Konflikts vorzubereiten.

Jeden März startet die BDS ihre berüchtigte IAW (Israel Apartheid Week) an Universitäten in aller Welt. „IAW“ ist der Höhepunkt einer Jahre andauernden Aktivität an Universitäten, während die BDS und ihre Anhänger eine antiisraelische, antisemitische und antizionistische Agenda propagieren, die einen breiten Boykott Israels fordert. Ihre antisemitischen Wurzeln und Rhetorik sollte allen demokratischen Gemeinschaften Sorge bereiten.

BDS produziert regelmäßig antiisraelische Inhalte, darunter veröffentlichte Briefe, Artikel, Broschüren und Kampagnen in sozialen Medien, die alle durch ungenaue, nicht verifizierte und falsche Berichterstattung mit Fehlern behaftet sind. Dadurch, dass Israel als schlimmer als Nordkorea, der Iran und Syrien behandelt wird, unterlässt BDS faire oder ausgewogene Kommentierung. Ihre Äußerungen, die fordern Israel solle „internationales Recht und universelle Prinzipien der Menschenrechte einhalten“, untergraben ihre Glaubwürdigkeit durch die ihr fehlende Erwartung der Einhaltung durch die angeführten und andere Länder; deren Menschenrechtsbilanz grauenhaft ist. Die absolute Einseitigkeit von BDS gegen Israel wird dadurch offenbart, dass die Welt die dringendsten Menschenrechtsprobleme ignoriert.

Selektive Moral. Palästinensergebiet im Flüchtlingslager Yarmuk in Syrien 2018 nach schwerem Beschuss lockt kein Interesse von BDS, weil die Verursacher der Notlage keine Juden oder Israelis sind. (Foto: Louai Beshara/AFP via Getty Images)

BDS ist eine Organisation, die von antiisraelischen und antijüdischen Dämagogen bemannt wird, die keine Rolle bei irgendeiner Lösung der Situation zwischen Israel und den Palästinensern haben dürfen.

Das Konzept der Boykotte, De-Investitionen und Sanktionen gegen Israel ist nicht neu. Vor der Gründung der BDS musste Israel um seinen Platz in der globalen Wirtschaft kämpfen, während es von den arabischen Staaten der Welt boykottiert wurde. Weil ihre Bemühungen es nicht schafften Israels robuster, exportorientierter Wirtschaft zu schaden, greift BDS auf ein widerwärtiges Niveau der anstößigen und schmähenden Beschimpfungen zurück.

Für diejenigen, die daran erinnert werden müssen – Israel gründet auf einer Reihe jüdischer Werte:

  • Menschenwürde
  • Heiligkeit des menschlichen Lebens
  • Menschenrecht Bildung
  • das Ideal des Weltfriedens
  • Gerechtigkeit für alle
  • soziale Verantwortung

Auf dieser Grundlage ist Israel in der Lage gewesen eine florierende Wirtschaft aufzubauen, führenden internationalen Wirtschaftsorganisationen wie der OECD beizutreten und einer der führenden Innovatoren in Hi-Tech, Bio-Tech, medizinischem Fortschritt und Sicherheit zu werden.

Wo BDS-Aktivismus hingeht, folgt Antisemitismus. Es hat eine beunruhigende Zunahme antisemitischer Vorfälle an südafrikanischen Universitäten gegeben, wo BDS am aktivsten ist. Unter den berichteten Vorfällen befinden sich Schikanen und antisemitischer Vandalismus. Erst vor einem Jahr erlebte die UCT (Universität Kapstadt) Vandalismus, bei dem während der „Israel Apartheid Week“ eine gestohlene israelische Flagge entstellt wurde. Diese Aktionen verstoßen gegen die Gesetze der südafrikanischen Verfassung gegen die Verbreitung von Hass.

Das Angesicht des Bösen. So wurden jüdische Studenten begrüßt, die die Haupthalle der UCT betraten. Ist das etwa keine Einschüchterung der schlimmsten und gefährlichsten Sorte?

Das entstehende Bild ist beunruhigend. Neben der antisemitischen BDS-Strategie zur Delegitimierung einzig des jüdischen Staates und an ihn andere Standards anzulegen als an den Rest der Welt, versteckt die Bewegung sich hinter dem Argument, das sei nicht antisemitisch, sondern „antizionistisch“, während man versucht den Unterschied zwischen den beiden Konzepten zu verwischen. Das jüdische Recht auf Selbstbestimmung wird ignoriert, während man ihre verdrehte Definition von Zionismus als „kolonialistische“ Politik propagiert, die danach trachtet „die Kontrolle von Land und Ressourcen zu übernehmen und die Palästinenser zwangsweise zu entfernen sowie ‚ethnische Säuberungen‘ zu betreiben“.

Schlimmer noch: Man schreibt jede Erscheinungsform jüdischer Identität um, die nicht ins Propagandabild passt; und stellt Juden mit den alten Kolonialmächten und dem früheren Apartheidregime in Südafrika auf eine Stufe. Ich war dem bei einer Podiumsdiskussion zu Israel persönlich ausgesetzt, an der ich 2016 an der Universität Kapstadt (UCT) teilnahm.

Südafrikanische Graffiti. ‚Menetekel‘, als an der Universität Kapstadt in  Südafrika Bilder von Hitler und Hakenkreuzen auf Säulen gesprüht wurden; 18.  März 2015 (Foto: SAUJS-Cape Town)

Das war schockierend; schlimmer, es war furchterregend!

Mit antiisraelischen Aktivisten wie dem Antikriegs-Aktivisten und Autor Terry Crawford-Browne und dem ehemaligen Geheimdienst-Minister Ronnie Kasrils auf dem Podium ging es in der Diskussion weniger um Israel als gegen Israel. Von den Podiumsteilnehmern kamen typische Unwahrheiten, darunter:

  • „Israel wurde von kolonialistischen Juden gegründet, die den bestehenden Palästinenserstaat zerstörten.“
  • „Von der IDF wurden unschuldige Palästinenser ermordet.“

Der Versuch die Leute hinters Licht zu führen. Der  hitzige BDS-Vertreter Terry Crawford Browne führte am 21. September 2015 in Kapstadt einen fehlgeschlagenen Protest gegen den Einzelhandels-Riesen Woolworth wegen Handels mit Israel an.

Ich hob die Hand um etwas zu sagen, wurde aber von dem offenkundig voreingenommenen Moderator ignoriert; als eine junge Studentin im Publikum – vermutlich unbekannt – zu Wort kam und mutig einige der ungeheuerlichsten Vorwürfe der Podiumsteilnehmer widerlegte, wurde ihr vom Publikum mit stürmischer Feindseligkeit und Hohn begegnet. Es war einschüchternd. Das Klima des Hasses und Antisemitismus bei der Versammlung, getarnt als Antizionismus, war nichts, das ich in Südafrika zuvor persönlich erfahren hatte. Leider ist diese Art von Verhalten an Universitäten weltweit üblich.

Solche Campus-Aktivitäten vermitteln auf gefährliche Weise die Botschaft, dass gegenüber Unschuldigen mit anderer Sichtweise gewalttätig zu werden gerechtfertigt und akzeptabel ist. Tatsächlich gefährdet das die Sicherheit anderer Studenten. Diese Manifestationen aus Lügen und Verdrehungen scheinen in unseren Tagesmedien auch eine Gefahr für jeden Studenten in Südafrika darzustellen; durch die Aufstachelung anderer, dass sie körperliche Schäden zufügen oder Immobilien beschädigen.

Seit die palästinensische Zivilgesellschaft 2005 eine Kampagne zu Boykott, De-Investitionen und Sanktionen (BDS) gegen Israel forderte, brachte der Oberste iranische Revolutionsführer Ali Hosseini Khamenei das vor kurzem auf ein neues Niveau, als er die muslimische Welt dazu drängte alles und jedes zu boykottieren, was vom jüdischen Volk stammt.

Barghouti ignoriert die allgemein akzeptierte Wahrheit, dass zwar Kritik an irgendeinem Land der Welt legitim, BDS-Kritik an Israel aber grundlegend und prinzipiell antisemitisch ist.

Die wahre Gestalt

Während die Wahrheit über den Nahost-Konflikt durchsickert und die sorgfältig aufgebaute BDS-Fassade entlarvt wird, wird ihr wahrlich antisemitischer Charakter offengelegt.

Ein Beispiel dafür ist Norman Finkelstein, eines der Aushängeschilder der BDS, den die Organisation nach Südafrika brachte, um ihre Kampagne gegen Israel zu stärken. In einem Interview mit Frank Barat am Imperial College in London im März 2012 war Finkelstein, immer noch kritisch Israel gegenüber, zumindest ehrlich genug, die wahren Absichten der BDS zu offenbaren, die hinter ihrer arglistig gefertigten Fassade steckt; er tat es mit dieser Äußerung, die den BDS unterstützenden Interviewer überraschte:

„BDS ist nichts anderes als ein Kult… Das Problem mit diesen Solidaritätsbewegungen ist, dass sie ein Spiegelbild der sogenannten palästinensischen Autonomiebehörde sind, deren Mittel niemals ihr Ziel erreichen werden, das in der Vernichtung Israels besteht. … Tretet aus eurem kleinen Kult aus, aus eurem kleinen Ghetto und betrete die reale Welt. Ich werde nicht lügen, ihr wollt nicht das Gesetz durchsetzen, ihr wollt Israel vernichten. Dass ihr euch auf Israels Minderheiten konzentriert und nicht auf das Leid der 10 Millionen anderen Minderheiten im gesamten Nahen Osten und andernorts, ist ein Hinweis darauf, was für Heuchler ihr seid. Israel hat einen Anspruch und ich bin es nach so vielen Jahren müde über diese Lügen nachdenken und auf sie antworten zu müssen.“

Beschimpfung von BDS. Berüchtigt für seine antiisraelischen Aktivitäten und sein Buch über die „Holocaust-Industrie“ sorgte Norman Finkelstein für einiges Aufsehen in der Bewegung Boykott, De-Investitionen und Sanktionen (BDS), als er in einem Interview vom Script abwich, das den BDS unterstützenden Interviewer sprachlos machte.

Im Lauf der Zeit wird durch deren eigenes Tun und Reden das wahre Gesicht der BDS-Bewegung als hasserfüllte Organisation offenbart, die Lügen und Verzerrungen verbreitet, um ihre Ziele zu verfolgen. Das gewünschte „Ziel“ ist das Ende Israels.

Das dürfte die zunehmende Zahl von BDS-Anhängern erklären, die diese Vorwände durchschauen und die destruktive Botschaft der Organisation ablehnen.

Hört auf so zu tun, als sei Antizionismus kein Antisemitismus

Juden, die denen Deckung geben, die den einzigen jüdischen Staat des Planeten beseitigen wollen, verteidigen nicht Kritik an Israel; sie legitimieren eine gefährliche Form des Hasses.

Jonathan S. Tobin, Israel HaYom, 18. Dezember 2020

Falls Sie es noch nicht gehört haben: Leute, die Israel eliminieren wollen, sind sehr daran interessiert Antisemitismus aufzuhalten. Mit anderen Worten: Dieselben Leute, die dem jüdischen Volk Rechte verweigern wollen, die jemand anderem auf dieselbe Weise zu verweigern sie ihnen nicht einfällt, glauben, sie seien berechtigt sich zu Freunden und Beschützern der Juden zu erklären. Und nein, ich scherze hier nicht damit.

Das gilt für die Jewish Voice for Peace (Jüdische Stimme für den Frieden) und die Teilnehmer eines Online-Panels, das diese Woche über „Auflösung von Antisemitismus, Gerechtigkeit gewinnen“ gehalten wurde. Die linke Gruppe und ihre prominenten Gäste, darunter die Abgeordnete Rashida Tlaib (Demokratin, Michigan), der Akademiker Marc Lamont Hill und New York Times-Kolumnist/CNN-Kommentator Peter Beinart glauben alle, es sei sehr wichtig, dass jeder, auch die Juden, begreifen, dass sie hier sind um zu helfen. Das einzige Problem ist, dass sie glauben, die Leute würden ihr Ziel der Beseitigung des Staates Israel mit Hass durcheinander werfen.

Es ist sehr frustrierend für sie, weil alle Beteiligten, einschließlich die stellvertretende JVP-Direktorin Rabbi Alissa Wise, die Gastgeberin der Veranstaltung war, sich als Verfechter der Gerechtigkeit und Gegner von Hass betrachten, während sie auch für die antisemitische BDS-Bewegung eintreten. Und sie glauben, dass diejenigen, die sei wegen Antisemitismus zur Rede stellen, Lügner oder fehlgeleitete Betrogene der faschistischen Rechten sind. Tatsächlich erscheint ihnen schon die Idee, dass jemand ihnen zuhören könnte und mit der Meinung davon kommen könnte, sie wollten Juden Schaden zufügen, unglaubhaft. Wie Beinart bei dem Forum seiner nicht jüdischen Kollegen sagte, die als Antisemiten bezeichnet wurden: „Klingen sie für Sie wie Leute, die Juden hassen? Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.“

Was Beinart zu sagen versuchte war, dass Leute, die sich selbst als „progressiv“ bezeichnen und Lärm wegen Menschenrechten und Freiheit machen, keinesfalls Judenhasser sein können, auc dann nicht, wenn sie auch wollen, dass es keinen jüdischen Staat gibt. Und dass die Juden, die sich mit solchen Leuten verbünden, in den besten Traditionen jüdischer Aufopferung für soziale Gerechtigkeit handeln, selbst wenn sie seltsamerweise desinteressiert an Gerechtigkeit für ihr eigenes Volk sind. Sie behaupten, dass Rechtsextreme die einzigen echten Antisemiten sind. Die Tatsache, dass eine Gruppe wie JVP Ritualmordvorwürfe betreibt, wenn sie jüdische Unterstützung für amerikanische Ersthelfer, die in Israel ausgebildet wurden, für den Tod von Afroamerikanern durch die Polizei verantwortlich macht, wird von denen ignoriert, die sie nur als progressive Feld-Wald-und-Wiesen-Aktivisten betrachten.

Was sollen wir damit anfangen?

Viele vernünftige und anständige Juden sagen uns, wir sollten uns wegen nichts davon Sorgen machen. JVP repräsentiert nur eine kleine Anzahl Juden, versichern sie uns, und ist keine Bedrohung für die proisraelische Welt. Sie haben recht, wenn sie darauf hinhweisen, dass die BDS-Bewegung dem jüdischen Staat wenig oder nicht geschadet hat. Israel ist stärker und sicherer als jemals zuvor. Die Träume der BDS-Bewegung und ihrer palästinensischen Verbündeten Israel von der Landkarte zu löschen, sind Fantasien. Darüber hinaus haben die Normalisierungs-Abkommen, die Israel in den letzten Monaten mit vier muslimischen Ländern geschlossen hat, der Bewegung zum internationalen Boykott Israels das Rückgrat gebrochen, haben dem jüdischen Staat eine zunehmende Zahl arabischer Verbündeter eingebracht. Die Administration von Präsident Donald Trump dürfte zwar die proisraelischste aller Zeiten gewesen sein, aber sein Nachfolger Joe Biden ist ebenfalls gegen BDS und unterstützt die Idee eines jüdischen Staates, auch wenn er vermutlich mit seiner Regierung weniger übereinstimmen wird.

Welchen Schaden kann im Vergleich zu all dem die zunehmende Kraft antizionistischer Gruppen an Universitäten – sowohl bei den Lehrenden als auch den Studenten – anrichten? Warum sich wegen JVP, Beinart und dem Rest von ihnen sorgen oder ihnen sogar zuhören?

Die Antwort hat zwei Teile.

Ein Grund lautet, dass diese Antizionisten, wie Beinart geltend macht, die Sprache der Progressiven sprechen, die die politische und soziale Kultur der amerikanisch-jüdischen Welt dominieren. Die andere lautet, dass, wie wir bereits bezüglich der kritischen Rassentheorie und der Cancel Culture gesehen haben, marginale Ideen und Bewegungen, die zuerst in der akademischen Welt Erfolg haben, es wahrscheinlich irgendwann Wirkung zeigen, wenn nicht die Medien und die Popkultur beherrschen.

Zu den ärgerlichen Aspekten dieser Debatte gehört der Vorwand seitens Gruppen wie JVP und ihren Trittbrettfahrern, der bei ihrem Panel am 15. Dezember erörter wurde, sie würden Israel lediglich „kritisieren“. Bloße Kritik der Regierung Israels ist kein Antisemitismus. Was die BDS-Bewegung und die Antizionisten wollen, ist keine andere israelische Regierung oder eine veränderte Politik. Sie wollen Israel eliminieren und durch einen binationalen Staat ersetzen, in dem Juden sowohl ihre Souveränität als auch ihre Fähigkeit sich gegen feindliche Nachbarn und islamistische Terrorgruppen zu verteidigen, die glauben Juden hätten kein Recht auf einen Staat in ihrer angestammten Heimat, egal, wo seine Grenzen gezogen werden.

Beinart, der vor nur ein paar Jahren als führendes Licht des „liberalen Zionismus“ posierte, tritt heute für genau einen solchen Ausgang ein und sagt Typen wie Tlaib, die sein neues Ziel teilen, strebten Menschenrechte für alle an. Er sagt, wenn Tlaib und Hill für „Palästina vom Fluss bis zum Meer“ eintreten, dann heißt das, dass sie den israelischen Juden, die zwischen Jordan und Mittelmeer leben, nicht schaden wollen – oder zumindest nicht schaden, solange sie sich kampflos ergeben.

Auf diese Weise ist der Schaden, wie auch die Verweigerung jüdischer Rechte und Geschichte, die Teil ihrer Agenda ist, klar. Aber wenn jemand seine Sache, egal, wie scheußlich deren Ziel ist, in der Sprache der Progressiven formuliert wird, dann befindet man sich auf eine Wellenlänge mit einer jüdischen Gemeinschaft, die das universalistische Element der jüdischen Identität über ihre Gemeinde-Elemente stellt. Für einen jüdischen Staat einzutreten, kann für junge Progressive vage rassistisch klingen, besonders wenn sie – wie im Fall so vieler amerikanischer Juden – was den Konflikt und den Großteil der jüdischen Geschichte mit Ausnahme grundlegenden Wissens über den Holocaust ignorieren. In einer weithin assimilierten Gemeinschaft liegt das Gefühl ein jüdisches Volk zu sein, das Generationen früher selbstverständlich war, heute ziemlich brach.

Genauso wichtig ist die Notwendigkeit, dass wir die Art und Weise nicht unterschätzen, wie die akademische Welt andere Sektoren der Gesellschaft beeinflussen kann. Es ist noch nicht lange her, dass die Art von „Cancel Culture“, in der diejenigen, die die kritische Rassentheorie und radikale Vorstellungen von Geschichte hinterfragen, zum Schweigen gebracht wurden, nur an Universitäten vorkam. Aber wie wir dieses Jahr gelernt haben, ist solche Empörung, die einzig dazu dienten überempfindliche und intolerante Studenten davor zu schützen gegensätzliche Ansichten zu hören, in den Mainstream übergesprungen.

Geolichermaßen war der Hass gegen Israel und der Antizionismus eigentlich ein marginales Phänomen, von dem in den Mainstream-Medien selten zu lesen war. Aber Beinart predigt inzwischen auf den Kommentarseiten der NYT und auf CNN die Eliminierung Israels. Er ist diesbezüglich alles andere als allein. Und Leute wie Tlaib und ihre Kollegin Ilhan Omar (Demokratin aus Minnesota), die von ehrbaren Medien wegen ihres Vertreibens antisemitischer Ausdrucksweisen über geteilte Loyalität amerikanischer Juden und das Kaufen amerikanischer Kongress-Abgeordneter, damit sie Lobbyarbeit für Israel leisten, sowie die Unterstützung der BDS, werden überall willkommen geheißen und als die Rockstars ihrer Partei behandelt statt als die Hassredner, die sie sind.

Zwischen denen, die Israels Beseitigung fordern, und der anständigen Gesellschaft muss eine Grenze gezogen werden. Gegen keinen anderen Staat der Welt wird auf diese Weise geschossen und von keinem Volk außer den Juden wird gefordert seine Rechte und Geschichte zu leugnen, wie es die Antizionisten tun. Und wie die BDS-Bewegung bewiesen hat, ist das wahre Ziel nicht Israel, sondern die Bemühung amerikanische Juden isolieren, aus der Öffentlichkeit zu drängen und zum  Schweigen zu bringen, die sich für Israel einsetzen. Die progressiv klingende Rhetorik von Leuten wie den Teilnehmen an dem JVP-Panel ist die Fassade hinter der Übergriffe, Schikanen und sogar Gewalt und Einschüchterung gegen Juden gerichtet wird.

Egal, wie aufgeschlossen sie klingen, der Antizionismus bleibt ihr Originalton des Hasses und sollte von allen mit gutem Willen als solcher behandelt werden.