Antizionismus – ist antisemitisch

Peter Fox auf auf twitter, 6. Juli 2018

Ich sehe etwas Geplappere, ob Antizionismus Antisemitismus ist.

Ist er. Hier die Gründe:

1/ Antizionisten werden behauptet, dass sie lediglich Kritiker israelischer Politik sind und wie diese die Palästinenser beeinträchtigt. Allerdings ist Antizionismus per Definition Gegnerschaft gegen den Staat Israel und sein Recht als Staat mit jüdischem Charakter zu existieren.

2/ Wenn es für dich in Ordnung ist, dass Palästina ein muslimischer Staat ist, aber nicht, dass Israel ein jüdischer Staat ist, dann erhebst du Antisemitismus zum politischen Diskurs.

3/ Gegen das Existenzrecht eines Staates zu sein ist etwas, das du zu anderen Länder nicht hörst, nicht einmal zu den verabscheuungswürdigsten. Niemand sagt jemals, er sei Anti-Nordkorea oder Anti-Iran. So unterirdisch diese Staaten auch geworden sind, die meisten hoffen auf Reformen, nicht auf ihre Vernichtung.

4/ Das soll nicht heißen, dass alle Antizionisten Antisemiten sind, aber alle Antizionisten betreiben eine Form von Borniertheit, die sich gegen Juden richtet, ob sie das nun wissen oder nicht.

5/ Wenn deine Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit das einzige jüdische Land der Welt von der Landkarte wischt, dann gibst du die Worte des iranischen Regimes wieder. Sieht nicht gut aus.

6/ Legitime Kritik an der Regierung Israels ist absolut akzeptabel. Antizionistische Opposition zur Existenz Israel ist es nicht.

7/ Wenn ein Schwuler sagt, etwas sei homophob, hören wir hin. Wenn ein Schwarzer sagt, etwas sei rassistisch, hören wir hin. Wenn eine Frau sagt, etwas sei sexistisch, hören wir hin. Wenn eine jüdische Person sagt, etwas sei antisemitisch, dann solltest du auch hinhören.

8/ Antisemitismus ist die einzige Form der Bigotterie, die nicht ernst genommen wird, außer sie nimmt das extremste Ausmaß an.

9/ „Aber nicht alle Juden sind Zionisten.“ – Jawoll, und nicht alle Frauen waren Sufragetten. Eine kleine Minderheit an Gegner macht die überwiegende Ansicht einer marginalisierten Gruppe nicht ungültig. Jede Bewegung hat ihre Außenseiter und jüdische Antizionisten sind da keine Ausnahme.

10/ Jüdischer Antizionismus ist so alt wie der Zionismus selbst, aber das macht ihn für das Weltjudentum nicht weniger destruktiv.

11/ Es gibt nichts Progressives an dem Versuch das jüdische Recht auf Selbstbestimmung zu beenden. Wenn du an Gleichberechtigung für die Palästinenser glaubst, dann sollte dein Herz auch die Gleichberechtigung für die Israelis zu schätzen wissen.

12/ Der Zionismus ist perfekt vereinbar mit Solidarität für Palästinenser und für mich spiegelt mein Zionismus meine progressiven Werte, zu denen palästinensische Eigenstaatlichkeit gehört. Frieden benötigt gegenseitige Verantwortung; und wenn alle Schuld auf Israel geschoben wird, dann ist das inhärent parteiisch.

13/ Der Zionismus und die Geschichte Israels und Palästinas sind ein vielschichtiges Thema, also gibt es selten eine eindeutige Antwort, die für beide Seiten gleich sind. Von Respekt und Empathie auszugehen ist immer ein guter Anfang.

14/ Nationen und ihr Trauma kategorisch abzulehnen verleiht dem Diskurs keinen Wert. Wenn du dich um die Fragen sorgst, die Israel und Palästina betreffen und nach einer fairen Lösung suchst, dann wäre es gut damit anzufangen Fragen zu stellen und weniger Urteile zu fällen.

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Antizionismus ist der neue Antisemitismus

Forest Rain, 2. Februar 2018

So sieht es aus, wenn man einen Markennamen erschafft.

Sie haben ein Produkt zu verkaufen. Sie müssen den Markt überzeugen es zu kaufen.
Das Problem: Das Produkt ist alt. Die Leute kennen es schon und es ist von vielen als fehlerhaft abgelehnt worden. Die Durchschnittsbürger wird das Produkt nicht so kaufen, wie es ist. Was ist zu tun?

Man muss ihm ein neues Image verpassen. Das Produkt muss in eine neuen Sprachgebrauch verpackt werden, brauchte eine neue Hintergrundgeschichte, ein neues Aussehen und Gefühl und viele, vermutlich genügend Kunden werden überzeugt sein, dass sie ein neues Produkt sehen und es kaufen.

Das „Produkt“ ist Judenhass. Die „Kunden“ sind alle, überall und viel sind begierig ihn zu kaufen. Manche sind weniger enthusiastisch, aber mit erfolgreichen Marketingkampagnen im Lauf der Zeit ebenfalls überzeugt werden.

Vor der Wiedergründung des jüdischen Staates, als Zion noch ein Traum war, hätte es nicht viel Sinn gemacht sich zum Antizionisten zu erklären.

Im politischen Klima von heute ist es sozial inakzeptabel eine Minderheit zu diskriminieren, geschweige denn unverblümt Hass oder Abscheu gegenüber eine gewissen sozialen Gruppe zu erklären. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keinen Hass gibt; es heißt nur, dass derjenige, der hasst, eine Ausdrucksform finden muss, die als sozial akzeptabel betrachtet wird.

Israelhass ist nichts anderes als Judenhass mit neuem Markennamen:

  • Die Sprache hat sich verändert, „Jude“ ist durch den Begriff „Zionist“ oder „Kolonialist“ ersetzt worden.
  • Die Hintergrundgeschichte ist verändert worden; heute ist Israel der Aggressor, Israel, das den Palästinensern das antut, was die Nazis den Juden antaten (was es plötzlich möglich und sogar akzeptabel macht Juden mit Nazis gleichzusetzen“.
  • Die Symbolik hat sich verändert, von der des Wucherer-Juden zum grausamen IDF-Soldaten, der palästinensische Kinder misshandelt.

Wirft man einen Blick hinter die Pyrotechnik des Marketings, dann ist leicht erkennbar, dass der Inhalt derselbe geblieben ist, der einzige Unterschied ist die Verpackung. Vor allem ist das Ziel dasselbe.

Antisemitismus dämonisiert Juden für die Missstände der Welt, bis zu dem Punkt, an dem Juden das Recht auf Leben bestritten wird (Progrome, Holocaust).

Antizionismus verweigert Juden das Recht auf Selbstbestimmung in ihrer angestammten Heimat, Zion. Er ist eine Verweigerung des Rechts eine Heimat zu haben und sich in dieser Heimat zu verteidigen. Das ist die Verweigerung des Rechts auf Leben.

Um klarzustellen: Kritik an einem oder vielen Teilen der Politik Israels ist nicht illegitim. Das kann nicht als Antizionismus betrachtet werden, während pauschale Kritik an Israels Existenz oder auf Politik zu bestehen, die dazu führt, dass Israel aufhört zu existieren, sowohl antizionistisch als auch antisemitisch ist.

Der üblichste Standpunkt des modernen Antisemiten lautet: „Ich habe nichts gegen Juden, ich hasse nur Israel.“ Es ist interessant festzustellen, dass dieses Paradigma gegenüber keinem anderen Staat akzeptiert wird. „Ich hasse Amerikaner nicht, ich hasse nur Amerika.“ „Ich hasse die Franzosen nicht, ich denke nur, Frankreich sollte nicht existieren.“ Das sind Äußerungen, die von einem Durchschnittsmenschen nicht einmal in Betracht ziehen. Warum ist dasselbe Gefühl akzeptabel, wenn der Fokus auf Israel liegt?

Die heißen Themen von heute sind soziale Gerechtigkeit, Frauenrechte, Minderheitenrechte. Es ist „cool“ geworden ein „Krieger für soziale Gerechtigkeit“ zu sein. Gleichzeitig Judenhass in der Form von Antizionismus wird normal.

Bei der Bewegung Women’s March zum Beispiel sollte um Feminismus gehen, um Frauenrechte. Es war Linda Sarsour, die jüdischen Frauen die Rechte nahm, als sie erklärte, es sei unmöglich zionistisch und feministisch zu sein. Sei schuf eine neues Paradigma, mit dem ihre Anhänger akzeptieren mussten oder von ihren Genossen ablehnt werden. Darüber hinaus normalisierte sie Judenhass mit weiteren Erklärungen, indem sie Zionisten mit weißen Herrenmenschen und Rassisten gleichsetzte.

Wenn Zionisten in dieselbe Gruppe gehören wie weiße Herrenmenschen und Rassisten, dann ghört der Zionist nicht länger zu einer geschützten Minderheitsgruppe, stattdessen zu einer Gruppe, die abgelehnt und aus der Gesellschaft ausgestoßen werden muss.

Um das Problem weiter zu verschlimmern, loben sozial einflussreiche Institutionen Sarsour, machen ihre antizionistischen (lies: antisemitischen) Äußerungen noch akzeptabler. Das Magazin Glamour wählte Sarsour zu einer seiner Frauen des Jahres 2017. Die berühmte Schule von New York wählte Sarsour zur Vorsitzenden ihres Panels zu Antisemitismus (angesetzt für den 28. November).

Das Problem ist aber nicht Linda Sarsour oder Ihresgleichen. Zur Freiheit gehröt die Freiheit zu hassen.

Das Problem sind alle, die Antisemitismus nicht erkennt, wenn sie Antizionismus sehen. Das Problem sind alle, die die Marketing-Kampagne geschluckt und vergessen haben, was Zionismus ist.

Die Geschichte hat uns gelehrt, dass die Entmenschlichung der Juden nicht an einem einzelnen Tag gemacht wird. Es handelt sich um einen langsamen Prozess der Delegitimierung. Wir haben das bereits erlebt. Die Kostüme und die Szenerie sind anders, aber der Inhalt ist genau derselbe, der alte Horror, mit neuem Markennamen.

Eine Beschreibung von Antizionismus

Sar Shalom, Israel Thrives, 24. November 2017

Die aktuelle Ausgabe von Conversations des Institute of Jewish Ideas and Ideals beinhaltet einen Artikel von Ziv Zohar über eine Handvoll sephardischer/Mizrahi-Juden, „Broadening Our Vision: An Introduction to Seven Interesting Middle Eastern Rabbis“ (Unsere Vision erweitern: Eine Einführung in sieben interessante nahöstliche Rabbiner; der Artikel ist derzeit nicht online, aber ich könne einen Link zur Verfügung stellen, sobald er verfügbar ist). Einer der vorgestellten Rabbiner ist Yaakov Moshe Toledano, geboren in Tiberias und mit marokkanischen Vorfahren. Während seiner Tage waren der Zionismus und der Jischuw (der dessen Hauptmanifestation war) bei religiösen Juden ein umstrittener Gedanke. Rabbi Toledano antwortete auf die religiöse Opposition zu Zionismus mit einem Responsum, in dem er schrieb:

… im Glauben, dass es uns, so lange wir in diesem harten Exil waren, verboten war unseren Kopf zu heben. Stattdessen war uns geboten uns vor jedem Tyrannen und Herrscher niederzubeugen und unsere Rücken denen zu geben, die uns schlagen und unsere Wangen denen, die uns raufen (Jesaja 50,6); als wäre das Blut Israels verwirkt und als habe Er – Er sei gesegnet – verfügt, dass Jakob zum Raub und Israel den Plünderern übergeben worden (Jes. 42,24).

Rabbi Toledano schrieb mit Blick auf religiöse Opposition zum Verlassen der Länder unseres Exils. Die Bezugnahme auf das Exil würde das jedoch zu einem Verweis auf ein allgemeineres Publikum machen. Es wäre nicht perfekt anwendbar, da die progressive Linke Juden nicht als verpflichtet betrachtet sich „vor jedem Tyrannen und Herrscher“ zu verbeugen, da Europäer/Amerikaner und Ostasiaten eine Ehrerbietung nicht verdienen. Die Araber aber, als unterdrücktes Volk, verdienen eine ihrer Meinung nach eine solche Ehrerbietung. Damit würden Rabbi Tolanos Worte, wie die progressive Linke sie anwendet, hierzu werden:

Den Juden ist geboten sich vor jedem Araber zu verbeugen und ihre Rücken jedem Araber zu geben, der sie auspeitschen würde und ihre Wangen jedem Araber, der ihnen Haare ausreißen würde; so wie Israel eingebüßt worden war und sei angeordnet worden, dass Jakob au den Abraum geworfen und Israel arabischen Räubern gegeben wurde.

Für diese Meinung gibt es ein Wort. Das Wort lautet Antisemitismus.

Antisemitismus ist ein Verbrechen

… sagen selbst die Israelhasser. Und betreiben ihn dann doch. Beim Shalom Festival in Schottland meinten die schottischen Israelhasser von ScottishPSC ein Plakat aufhängen zu müssen. Das wurde dann von den Teilnehmern des Festivals verbessert.

Die Hasser fanden, Antizionismus sei eine Pflicht. Die Israelfreunde korrigierten das.

Rest in Pieces

(Ein Gedanke zu Tisha B’Av)

Daniel Gordis, Jerusalem Post, 16. Juli 2010

Vorbei ist die Zeit, als die Welt verstand – und wenn auch nur für einen Moment – dass wir, nicht weniger als jeder andere, einen Ort verdienen, an dem wir sein dürfen.

Khaled ist seit einem Jahrzehnt unser Mann für alle Fälle, wenn etwas kaputt geht. Als er neulich da war, traf ich ihn in unserem Wohnzimmer an, als er eine Pause von seiner Arbeit machte. Er sah sich eine Reihe Fotografien an der Wand an; eine davon hieß „Rest in Pieces“.

„Was ist das?“, fragte er.

„Das ist ein jüdischer Friedhof in Argentinien“, sagte ich ihm. „Sehen Sie die hebräischen Buchstaben auf den Grabsteinen?“

„Aber warum sind die Grabsteine zerbrochen?“

„Leute haben sie zerschlagen“, erklärte ich.

„Aber warum macht jemand das?“

„Weil sie Juden hassen, vermute ich“, sagte ich ihm.

„Warum?“ Und einen Augenblick später: „Aber diese Juden sind tot. Sie hassen auch tote Juden?“ Jetzt war das ganze surreal geworden. Fragte mich da ein israelischer Araber wirklich, warum irgendjemand Juden hassen könnte? Khaled machte keine Scherze. Er schien völlig perplex und studierte weiter die Fotografie.

Ich wusste wirklich nicht, wo ich anfangen sollte. Ich erzählte ihm, dass an einigen Orten in Europa die Menschen immer noch jüdische Friedhöfe zerstören. Er war erstaunt. Einen Moment lang überlegte ich, ob ich ihm erzählen sollte, was die Jordanier 1948 bis 1967 mit den jüdischen Friedhöfen gemacht hatten; aus welchem Grund auch immer entschied ich mich, es nicht zu tun. Vielleicht wollte ich auch einfach nur einige Augenblicke lang den hoffnungsvollen Moment genießen, in dem ein Araber nicht verstehen konnte, warum jemand die Juden hasst. Es war die Art Augenblick, der einem etwas Hoffnung gibt, wenn auch nur für ein schwaches Aufflackern.

Aber ein solches Aufflackern verlöscht wieder, besonders in dieser Region. A paar Tage später waren meine Frau und ich in Tel Aviv; es gab ein herausragendes Programm zum Thema „Das Rückkehrrecht**: gerecht oder diskriminierend?“, das das von Prof. Ruth Gavison gegründete Metzilah-Zentrum sponserte; Ruth Gavison ist eine der angesehendsten Juristinnen des Landes und eine sehr tiefgründige zionistische Denkerin. Der erste Redner des Abends war Dr. Raif Zreik von der Universität Tel Aviv, den ich nie zuvor gehört hatte.

Zreik, das war auf der Stelle offensichtlich, ist ein Intellektueller, der nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Ausgebildet an der Hebräischen Universität, Columbia und Harvard ist er außergewöhnlich redegewandt, spricht ein wohlklingendes Hebräisch und übt keine Zurückhaltung. Er verschwendete auch keine Zeit.

Zreik begann mit der Erklärung, warum er weiß, er könne unsere Meinung nicht ändern. Der Unterschied zwischen einem Intellektuellen und einem Ideologen, sagte er, besteht darin, dass der Intellektuelle sich selbst überraschen kann. Intellektuelle sind offen und rational genug, um gelegentlich festzustellen, dass sie Positionen übernehmen, die sich von dem unterscheiden, was sie ursprünglich dachten. Ein Ideologe kann das niemals tun, sagte er.

Wir Einwanderer jedoch, behauptete Zreik, haben „nicht den Luxus Intellektuelle zu sein… Ihr seid alle engstirnige Intellektuelle, nicht weil ihr nicht klug seid, sondern weil eure Körper euch nicht ehrlich sein lassen. Wärt ihr das, müsstet ihr vielleicht zugeben, dass ihr kein Recht habt hier zu sein.“

Von da aus ging Zreik zu etwas über, das er die Makro-Sicht der zionistischen Geschichte nannte. Die Palästinenser waren in Palästina, sagte er, und die Juden in Europa. Die Juden in Europa gerieten in gewaltige Schwierigkeiten, doch dann gab es eine falsche Kombination aus dem Ort des Problems (Europa) und dem Ort der Lösung (Palästina).

Alles Folgende, darauf bestand er, ist das Ergebnis dieser ursprünglichen falschen Kombination.

Erstaunlich war, was Zreik alles nicht erwähnte: dass auch die Juden eine Verbindung zu diesem Ort haben und von dort ins Exil getrieben wurden; dass vor der Gründung Israels die Juden nirgendwo hin konnten; dass die Welt das begriff und letztlich – mit der Balfour-Erklärung, der Peel-Kommission und dem Teilungsplan – kollektiv entschied, dass die Juden einen Staat haben sollten und dass dieser hier sein sollte; dass es ironischerweise der Erfolg des Zionismus war, der den palästinensischen Nationalismus auslöste. Nein, nichts davon passt in seine Theorie, also blieb es unerwähnt. Zreik, so brillant er auch eindeutig ist, war zu genau dem Ideologen geworden, den er gerade definiert hatte.

Letztlich war Zreik eine intellektuelle Variante von Helen Thomas.*** „Sag ihnen, sie sollten verdammt noch mal aus Palästina verschwinden“ – Thomas’ Worte, aber auch Zreiks Haltung. Und da die Welt sich fast überall einmal wieder gegen die Juden wendet, ist die Aussage „macht verdammt noch mal, dass ihr aus Palästina raus kommt“ das Gleiche wie zu sagen: „Rest in Pieces.“ Zreik mag das nicht beabsichtigt haben, aber seine Theorie muss unweigerlich dahin führen.

WIE BEKOMMEN wir mehr Khaleds, fragte ich mich. Anständige Leute, die verständlicherweise mit ihrem Schicksal als israelische Araber nicht immer glücklich sind, aber Leute, die einfach gemeinsam mit uns leben und nicht die Uhr an einen Ort zurückdrehen wollen, an den sie niemals gehen kann.

Ich stellte fest, dass ich Khaleds Verwirrung angesichts des Hasses vermisste. Natürlich benutzen die meisten Leute nicht das Wort „Hass“. Sie nutzen Formulierungen wie, dass Palästina nur den Palästinensern gehört oder davon, dass das Rückkehr-Gesetz unmoralisch ist. Oder von der Nichttolerierbarkeit des Embargos. Aber letzten Endes reduzieren sich ihre Positionen auf diese: Ihr – anders als alle anderen – braucht keine Heimat und verdient sie nicht. Geht. Und Rest in Pieces.

Was uns zu dieser Woche bringt. Es gibt Juden, die sich fragen, ob der 9. Av immer noch Sinn macht. Schließlich schlachtet uns niemand. Israel geht es hervorragend. Und Jerusalem ist wieder aufgebaut. Warum all die Trauer? Für mich sprechen Momente wie ein Abend mit Dr. Zreik, so sprachgewandt und brillant er auch ist, dafür, dass wir diese Trauerzeit halten. Es geht nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft, darum, was immer noch passieren kann und was bereits angefangen haben könnte. „Der HERR entbot gegen Jakob seine Nachbarn als seine Feinde“, heißt es In Klagelieder 1,17. „Jerusalem wurde unter ihnen zum Abscheu.“

Von den Khaleds dieser Welt gibt es zu wenige und sie sind zu weit verstreut. Heute sind wir größtenteils von einer Welt umgeben, die unser einmal mehr müde geworden ist. Sie ist ihrer Schuld müde und ist des Staates müde, den sie wieder geschaffen hatte, als dieses Gefühl der Verantwortung sich auf seinem Höhepunkt befand. Vorbei ist die Zeit, als die Welt begriff, wenn auch nur für einen Augenblick, dass wir nicht weniger als alle anderen einen Ort verdienen, an dem wir sein können. Wir hatten das, eine kurze Zeit lang, aber das ist vorbei.

Was, wie ich annehme, der Grund dafür ist, dass wir die Lesung der Klagelieder immer noch nicht mit dem letzten Vers beenden, sondern mit der Wiederholung des vorletzten Satzes: „Bring uns zurück, HERR, zu dir… Erneuere unsere Tage, dass sie werden wie früher!“

(Foto: Zion Ozeri, http://www.zionozeri.com)

* Rest in Peace (Ruhe in Frieden) ist eine typische Grabinschrift und Segenswunsch für Verstorbene im englischsprachigen Raum; mancher wird die Abkürzung R.I.P,. schon gesehen haben. Der Titel ist ein Wortspiel darauf und bedeutet: Ruhe in Stücken.
** Gemeint ist das Recht jedes Juden der Welt nach Israel einzuwandern.
*** Helen Thomas ist die altgediente amerikanische Journalistin, die einem Rabbiner ins Mikrophon sagte, die Juden sollten gefälligst raus aus Palästina und dahin zurück, woher sie gekommen sind und deshalb ihren Platz im Presseraum des Weißen Hauses verlor.