Der Mythos Antizionismus

@americanzionism, Elder of Ziyon, 29. Juni 2020

Lasst mich ausreden. Ich weiß, dass einige der Dinge, die Sie hier lesen, für Sie schwer glaubhaft sein werden, denn Sie sind schon lange vorprogrammiert worden das Gegenteil zu glauben. Aber haben Sie etwas Geduld mit mir.

So etwas wie Antizionismus gibt es nicht, jedenfalls nicht so, wie Sie es kennen. Es gab einmal eine Intellektuellen-Bewegung namens Antizionismus, aber die gibt es nicht mehr. In den Tagen lange vor der Gründung des Staates Israel, als Juden unter furchtbarer Verfolgung litten, kam eine moderne Denkschule auf, die glaubte, der Weg zur Lösung des Antisemitismus-Problems sei, dass Juden ihr eigenes Land haben, wo sie als Juden leben können ohne den antisemitischen Launen ihrer Gastgeber ausgesetzt zu sein, die uns verfolgen; und der einzige gerechte und akzeptable Ort dafür ist die jüdische Heimat, die ihnen vor Langem genommen, die aber nie vergessen wurde. Diese Bewegung wurde als das bekannt, was wir politischen Zionismus (heute einfach Zionismus) kennen.

Fast so schnell, wie der Zionismus als eindrucksvolle politische Bewegung aufkam, stieg der Antizionismus auf. Es gab zwei Schulen des intellektuellen Antizionismus[1]. Die erste war der antizionistische Jüdische Arbeiterbund, eine jüdisch-sozialistische Bewegung, die glaubte, das Klassensystem habe den Antisemitismus geschaffen und wenn man sich mit den nichtjüdischen sozialistischen Bewegungen verbündet, dann könne man das Klassensystem eliminieren und dem Antisemitismus ein Ende setzen. Die andere waren die Assimilationisten. Sie glaubten, der Antisemitismus sei aufgekommen, weil die Juden sich von ihren Gastgebern abgesondert hätten. Wenn Juden z.B. wie Deutsche sprechen würden (statt des bäurischen Jiddisch) und wie Deutsche kleideten (statt wie Chassidim), dann würden sie von den Deutschen akzeptiert.

Die zwei Schulen des Zionismus versus Antizionismus existierten damals auf einer intellektuellen Ebene. Niemand wusste, wer richtig oder falsch lag und deshalb konnten beide Seiten ihren Standpunkt als den wahren propagieren. Aber sobald der Staat Israel gegründet und ein lebensfähiges jüdisches Heimatland verwirklicht war, erlosch der Antizionismus. Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen „es sollte kein Heimatland für die Juden geben, weil das den Antisemitismus nicht lösen wird“ und „Ich will die Vernichtung des Heimatlandes der Juden sehen“. Die erste Äußerung ist Antizionismus, aber man kann das Argument nicht mehr anführen. Es gibt ein neues Heimatland für die Juden. Israel existiert, ob man es mag oder nicht. Die zweite Äußerung ist kein Antizionismus. Während also der Zionismus weiterging und immer noch weitergeht, von einer theoretischen, intellektuellen zu einer praktischen Bewegung, hörte der Antizionismus auf zu existieren.

Werfen Sie einen anderen Blick darauf. Während der Renaissance gab es zwei Denkschulen, die über unser Sonnensystem nachdachten, die Geozentristen, die glaubten, die Sonne und die Planeten umkreisen die Erde; und die Heliozentristen, die glaubten, die Erde und die anderen Planeten kreisen um die Sonne. Bis das bewiesen werden konnte, waren es einfach zwei konkurrierende intellektuelle Theorien. Die vorherrschende Theorie war der Geozentrismus. Aber sobald Kopernikus den Heliozentrismus bewiesen hatte, war es kein intellektueller Kampf mehr. Sicher, einige Leute waren weiter dagegen, lehnten naturwissenschaftliche Vernunft ab (mancher tut das heute noch), aber es stand nicht mehr wirklich zur Debatte. Dass die Erde um die Sonne kreist, war erfolgreich bewiesen. Der Heliozentrismus siegte.

Genauso wurde bewiesen, dass der Zionismus korrekt ist. Der Zionismus siegte. Er löste den Antisemitismus rund um die Welt nicht, aber er löste ihn für die Juden, die nach Israel zogen. Sicher, sie haben Völker um sich herum, die sie hassen, weil sie Juden sind und sie tot haben wollen, aber innerhalb Israels leben sie zumeist in seliger Ignoranz des Antisemitismus, den Juden in der Diaspora immer noch erleben. Es ist nicht unüblich für mich einem jungen Israeli zu begegnen, der zum ersten Mal außerhalb von Israel auf Reisen ist, der das Konzept des Antisemitismus befremdlich finden wird, weil er ihn nie selbst erfahren hat. Das ist der Triumph des Zionismus. Als freies Volk im eigenen Land zu leben, nicht abhängig von der Gnade der antisemitischen Launen anderer. Juden sind nie sicherer gewesen, selbst mit den ständigen Bedrohungen von Angriffen und den Raketen und den Terroristen, als sie es heute im Staat Israel sind. Der Zionismus geht nach der Gründung der jüdischen Heimat weiter, nicht als intellektuelles Konzept, sondern als praktische Bewegung. Wie bauen wir ein Land auf, wie verteidigen wir das Land, wie ernähren wir das Land? Die Lebensfähigkeit des Landes steht nicht länger in Frage. Es war ein Erfolg. Der Zionismus siegte. Nicht nur hat sich der intellektuelle Zionismus als richtig erwiesen, sondern der intellektuelle Antizionismus hat sich als falsch erwiesen.

Von den beiden Hauptzweigen des intellektuellen Antizionismus schlugen das Bund-System wie auch das assimilationistische fehl. Dier Jüdische Bund gab 1920 nach der bolschewistischen Revolution auf. Viele der jüdischen Bündler, die in Russland und Osteuropa blieben, schlossen sich der sowjetischen Revolution an. Die Revolution triumphierte, die Juden nicht. Der Antisemitismus blieb und schließlich wurden die Juden in Positionen von Macht oder Prestige von Stalin in den 1930-er Jahren eliminiert. Ein Überrest des Bundes überlebte an verschiedenen Orten noch eine Weile, unternahm aber nichts, um den Antisemitismus zu eliminieren. Das sozialistische System ließ die Juden der Sowjetunion im Stich. Das Versprechen den Antisemitismus zu beenden verwandelte sich für sowjetische Juden in den Albtraum eines gesteigerten Antisemitismus. Man muss nur einen Blick auf die Katastrophe zu werfen, die das autonome jüdische Oblast in Birobizhan und das Schicksal ihrer Gründer war. Sozialistisch-intellektueller Antizionismus wurde als falsch bewiesen. Sozialismus funktionierte für die Juden auf einigen Ebenen, aber nur in der jüdischen Heimat und nur unter dem Schutz des Zionismus.

Der andere Zweig der Antizionisten waren die Assimilationisten. Sie wollten sich voll in die europäische Gesellschaft integrieren. Sie glaubten, volle Integration reiche aus, um den Zionismus zu beenden und eine Heimat sei nicht nötig. Die Juden in Westeuropa begann sich wie Europäer zu kleiden, sprachen wie Europäer, handelten wie Europäer und einige hörten sogar komplett auf sich mit dem Judentum zu identifizieren. Aber sie wurden nie als Europäer akzeptiert, nicht einmal diejenigen, die das Judentum aufgaben und sich als Mitglieder ihrer Gastgeberländer identifizierten. Das Versprechen der Aufklärung galt für die Juden nicht oder zumindest wurden sie dabei ausgelassen. Assimilation tat nichts, um den Hass auf Juden in Europa zu verringern. Wenn, dann wurde er schlimmer. Theodor Herzl begann als Assimilationist, entdeckte aber schließlich, dass er das eine gescheiterte Ideologie war und wurde zum Zionisten. Selbst mit Assimilation nahm der Antisemitismus zu und nahm zu und nahm zu, gipfelte in der Tragödie des Holocaust, wo das Judentum aufzugeben dieses nicht rettete und sogar nur ein Viertel jüdisches Blut zu haben dich zum Tode verdammen konnte. Es war erwiesen, dass assimilationstischer Antizionismus falsch lag.

Wen der Zionismus nicht länger ein intellektuelles, sondern ein praktisches Konzept ist und wenn es den intellektuellen Antizionismus nicht mehr gibt (weil es die jüdische Heimat gibt und diese ein überwältigender Erfolg ist), was ist dann übrig? Ist es praktischer Antizionismus? Nun, denken wir darüber nach, was praktischer Antizionismus ist. Praktischer Antizionismus bedeutet die Auflösung des Heimatlandes der Juden, ein Projekt das über seine wildesten Vorstellungen hinaus Erfolg hatte, das seine Hauptziele erreicht. Es bedeutet, die Juden aus einer Position der Sicherheit und Selbstbestimmung zu nehmen und sie dahin zurückverzusetzen, wo sie vor mehr als 100 Jahren waren, eine Nation ohne ein Land, den Launen eines antisemitischen Gastgebers ausgeliefert. In der Diaspora erleben wir jeden Tag Antisemitismus. Angegriffene Juden, beschossene Synagogen, verwüstete Gräber, diskriminierte Schüler, dass Juden für die Schaffung und Verbreitung von Krankheiten verantwortlich gemacht werden, die Juden als Gemeinwesen zu Unrecht dämonisiert werden. Dieselben Lügen, derselbe Hass auf Juden, der seit dem Altertum in der Diaspora bis heute fortbesteht, aber nicht innerhalb Israels. Alles zurückzudrehen, was die Juden erreichten und die Juden 100 Jahre zurückzusetzen ist kein praktischer Antizionismus. Es gibt keine Beziehung zwischen „eine jüdische Heimat wird die Juden nicht beschützen“ zu sagen und zu sagen „Israel muss vernichtet werden“. Niemand kann heute ehrlich sagen: „Ich bin Antizionist, weil ein jüdisches Heimatland die Juden nicht schützen wird“, denn es wurde bewiesen, dass das falsch ist. Das ist nicht nur kein praktischer Antizionismus, sondern das ist nicht einmal praktisch, Punkt.

Da sie jetzt wissen, was Juden früher nicht wussten, werden die Juden keine Rückkehr zur Zeit der Hoffnungslosigkeit akzeptieren. Praktischen Antizionismus gibt es nicht. Intellektuellen Antizionismus gibt es nicht mehr. Antizionismus ist ein Märchen. Was Menschen heute Antizionismus nennen, ist in Wirklichkeit verschleierter Antisemitismus. Man kann heute genauso wenig ein intellektuelles Gespräch über Antizionismus führen, wie man es über Geozentrismus führen kann. Praktischer Antizionismus würde die Umkehr von etwas bedeuten, das bewiesen hat, dass es die Juden beschützt und den Juden mehr nutzte als jedes andere Ereignis in der modernen Geschichte. Wie anders soll man das sonst nennen außer Antisemitismus? Ich sage nicht, dass Israel perfekt ist. Bei Weitem nicht. Israel hat Fehler wie jedes andere Land. Und das ist gut. Das ist der Punkt. Es ist ein weiterer Triumph des Zionismus, dass die Juden ein Volk wie jedes andere in der Welt sein können, mit der Freiheit Fehler zu haben und nicht perfekt sein zu müssen.

Es gibt eine Form des intellektuellen Antizionismus, die immer noch existiert, wenn auch mit Unzulänglichkeiten; das ist der religiöse Antizionismus. Ich rede nicht von dem Kult der Schilder trägt und die Aushängeschilder eines jeden Judenhassers auf dem Planeten ist, das ist Antisemitismus; ich rede von den echten antizionistischen ultraorthodoxen Sekten, die mit der Interpretation heiliger Texte gegen den Zionismus opponieren. Sie wissen tief in ihrem Innern, dass Juden in Israel sicherer sind, aber sie sind aus religiösen Gründen dagegen. Allerdings unterstützen viele Mitglieder dieser Sekten innerlich Israel und fast alle von ihnen unterstützen ihre Mitjuden. Darüber hinaus wird oft übersehen, dass viele ultraorthodoxe Gruppen Israel aus genau demselben Grund unterstützen, aus religiösen Gründen. Sie finden die Rechtfertigung dafür, dass Juden das Land Israel besitzen, in genau denselben Abschnitten und Texten wie die andere Seite, die sie nutzt, um Juden zu verbieten das Land zu besitzen. Das ist keine eindeutige Sache. Zufällig sind die ultraorthodoxen Sekten, die behaupten Antizionisten zu sein, in Wirklichkeit Zionisten; es gibt nur ein Zeitproblem. Sie glauben, wenn der Messias kommt, werden alle Juden nach Zion zurückkehren. Ich sage nicht, dass religiöser Antizionismus richtig ist, das ist er nicht; nur: Er ist der einzige verbleibende realistische Antizionismus, der noch existiert.

Vielleicht lesen Sie dies und sagen: „Ich will nicht erleben, dass die Juden getötet werden. Ich will nicht erleben, wie sie aus dem Land vertrieben werden. Ich bin ein Antizionist, weil ich will, dass alle Barrieren fallen und dass alle ein gemeinsames Land haben.“ Damit gibt es zwei Probleme. Erstens forderst du damit, dass alles ungeschehen gemacht wird, was Juden in den letzten mehr als 100 Jahren erreicht haben und dass die Juden, historisch eine unterdrückte Minderheit, sich wieder in die Launen anderer begeben. Es hat Bereiche gegeben, in denen Juden relativ autonom waren, wie der Tscherta [der Ansiedlungsrayon im zaristischen Russland – heplev]. Aber das war keine echte Autonomie. Ohne eigenes Land mit eigener Verteidigung und Selbstbestimmung wurden sie ständig angegriffen und erlitten furchtbare Tragödien. Alles, was kein jüdisches Heimatland ist, ein Ort in der Welt, wo Juden keine Minderheit sind und sich verteidigen können, ist für Juden gefährlich.

Zweitens – und das ist wichtiger: Diese Lösung ignoriert Hunderte Jahre Geschichte, die gezeigt haben, dass die beiden Völker nicht als eines beieinander leben können. Die Briten versuchten das Mandat als Region für beide, Araber und Juden, aufzubauen. Jedes Straßenschild, jeder Pfund, jedes Regierungsdokument trug sowohl die Sprache der Juden als auch die der Araber. Jede Regierungsbehörde bestand aus Arabern und Juden. Das hatte zum Ergebnis, dass niemand glücklich damit war. Die Araber und die Juden kämpften schlimmer als je zuvor gegeneinander. Das ist so, als würde man verheiratetes Paar nehmen, das sich getrennt hatte, weil es ständig stritt – das sich auch getrennt weiter streitet, es ist klar, dass sie nicht für einander bestimmt waren – und ihnen zu sagen, dass die Lösung all ihrer Probleme nicht in einer Scheidung bestehen würde, sondern dass sie zusammenziehen müssten. Alles, was diese Lösung erreichen würde, wäre ein langer Bürgerkrieg und schließlich das Ende aller echten Anwesenheit von Juden in ihrer Heimat. Wenn du diese Haltung immer noch unterstützt, dann darfst du das, aber mach dir nichts vor: Das ist kein Antizionismus, das ist Antisemitismus.

Für Menschen, die sich Antizionisten nennen, weil sie irgendetwas meinen wie „Juden sind nicht aus dem Nahen Osten“, „Ihr seid nicht die echten, ursprünglichen Juden“, „Ihr seid konvertierte Khasaren“, „Das ist nicht eure Heimat“, „Das ist gegen die Thora“, „Ihr seid Eroberer, Kolonisten, Kolonialisten, Rassisten usw.“, „Israel hat wegen Netanyahu, der Regierung, Politik, Umgang mit den Palästinensern, weil ihr Frauen sterilisiert, weil ihr Babys verkauft, weil ihr Organe stehlt“ usw. kein Existenzrecht und das als Vorwand nehmen, um die Vernichtung Israels zu fordern, nun: Das ist nicht nur antisemitisch, sondern du bist ein Antisemit.

Wenn du nun sagst: „Israel hat kein Recht zu existieren, aber ich unterstütze eine Zweistaaten-Lösung und dass die Palästinenser auch ein Land haben“ – das ist nicht antisemitisch. Aber das ist auch kein Antizionismus, also hör auf dich als Antizionist zu bezeichnen und lass uns reden.

[1] Es gab andere zionistische und antizionistische Unter-Bewegungen. Das ist ein kompliziertes Thema jenseits des Umfangs dieses Artikels. Selbst innerhalb von Unter-Bewegungen gibt es Varianten.

Was, wenn es keine „Besatzung“ geben würde? Die Antizionisten der 1950-er liefern die Antwort

Elder of Ziyon, 4. August 2020

Laura Adkins schreibt auf Twitter: „Das Wildeste an der Kontroverse um @Sethrogen ist für mich, dass seine Bemerkungen aus dem Zusammenhang gerissen wurden oder dass jeder sich beeilt, um seine Worte ins eigene Narrativ einzupassen (was nicht anders zu erwarten war). Das Wilde ist, dass die organisierte jüdische Gemeinschaft Dutzende Millionen für den Versuch ausgibt Juden wie [Seth] Rogen (links, ungebunden, unter 40, kinderlos, nach oben mobil) für sich zu gewinnen, die im Allgemeinen ähnliche Ansichten zum Judentum und Israel haben. Und trotzdem wird er weithin verunglimpft. Das ist ja mal eine Rekrutierungsstrategie!“

Da hat sie Recht und es muss eine Diskussion darüber geben, wie man Juden erreicht, die überhaupt nichts von der Realität Israels (oder des Judentums) wissen.

Aber IfNotNow fügt hinzu: „Was, wenn – hört bis zu Ende zu – sie aufhörten die Besatzung zu unterstützen und aufrecht zu erhalten? Stark für Freiheit und Würde für alle einzutreten, statt unsere offensichtlich gemeinsamen progressiven Werte durch einen Häcksler zu schicken, würde auf viele junge Juden Eindruck machen.“

Wie würden linke antizionistische Gruppen handeln, würde Israel zwangsweise 600.000 Juden aus ihrer historischen Heimat entfernen? Würden Gruppen wie IfNotNow verdorren und absterben?

Natürlich nicht. Die „Besatzung“ ist ein Vorwand, kein Grund, für wilden antiisraelischen Hass. Und der einfachste Beweis dafür ist ein Blick auf die Antizionisten der 1950-er Jahre – vor der „Besatzung“.

Die prominenteste antizionistische Gruppe war das American Council for Judaism, geleitet vom Reform-Rabbiner Elmer Berger. Er bekämpfte Israel schon vor 1948 und kämpfte dagegen, dass jüdische Holocaust-Opfer sich in Israel niederließen. Nachdem Israel zum Staat wurde, machte er weiter, veränderte nur seine Argumentation. Der ACJ verbrachte einen Großteil der 1950-er Jahre damit zu argumentieren, dass Israels Rückkehrrechts-Gesetz amerikanische Juden irgendwie automatisch den USA gegenüber illoyal machte.

In einer Broschüre mit dem Titel „Four Articles on the Law of Return“ (Vier Artikel zum Rückkehrrecht) schrieb Berger: „Die These des American Council for Judaism lautet, dass die zionistisch-israelische Achse den Juden außerhalb Israels, einschließlich Amerikanern jüdischen Glaubens, einen Status doppelter Nationalität aufzwingt.“

Dieses Argument ist lachhaft und die einzigen Leute, die es heute verwenden, sind randständige Araber. Aber der ACJ, wie auch IfNotNow und andere antizionistische Gruppen, sind nicht an Logik interessiert – nur daran irgendwelche Argumente zu finden, die helfen können Israel zu vernichten.

Alfred Lilienthal war ein weiterer prominenter Antizionist. Sein Buch „What Price Israel“ (Welchen Preis, Israel) von 1953 verdreht das Argument der „doppelten Loyalität“ nicht so, als sei es eine Tatsache, sondern dass es eine Waffe ist, die Antisemiten gegen amerikanische Juden nutzen können – und er nutzte diese angebliche Sorge darüber, wie Antisemiten handeln würden, als Grund Israel ein Ende zu setzen.

Dann fuhr er damit fort seine eigenen antisemitischen Redewendungen von sich zu geben, wie diese Buch-Rezension im Political Research Quarterly schreibt:

Nach Angaben von Lilienthal war die Gründung Israels „von einem Strategie-Vorstand mit immensem internationalen Einfluss ausgeführt“ worden, der auf Einschüchterung und hinterhältige Methoden zurückgriff. Die „amerikanischen Strippenzieher“ waren Joseph Proskauer, Robert Nathan und David Niles, unterstützt von Bernard Baruch, Drew Pearson, A. A. Berle Jr., Harvey Firestone und dem vestorbenen Senator Robert F. Wagner. Mit einem derartigen Aufgebot an Einfluss war es kein Wunder, klagt Lilienthal an, dass die amerikanische Presse der Seite des jüdischen Nationalismus komplett unterworfen war und dass politische Kandidaten Angst hatten die Teilung Palästinas zu unterstützen.

Wir erkennen dies heute als antisemitische Verschwörungstheorie an, genauso wie denkende Menschen heute dasselbe von vielen der Argumente der heutigen Antizionisten denken.

Und genauso wie die heutigen jüdischen Antizionisten machte Lilienthal Israel für arabischen Hass verantwortlich:

Die Politik der Vereinigten Staaten die Teilung Palästinas zu bevorzugen und ihre Unterstützung Israels, ruft Lilienthal aus, spielte direkt in der Hände der UdSSR und verprellte die arabischen Länder. Friedliche Beziehungen zwischen Israel und den arabischen Ländern hängen nicht davon ab, dass beide Seiten ihre Streitigkeiten per Vertrag und hinterheriger Kooperation beilegen, sondern einzig daran, dass Israel sein Verhalten ändert. Die Existenz eines arabischen Boykotts Israels ignorierend erklärt Lilienthal: „Um einen vertrauensvollen Frieden im Nahen Osten anzunehmen, muss Israel sich auf friedlichen und gegenseitig nützlichen Handel mit seinen arabischen Nachbarn einlassen.“

Lilienthals lächerliche Argumente endeten hier nicht. Er erklärte, wenn die Israel-Hilfe der USA stattdessen an die arabische Welt gegangen wäre, würden die Araber enorme Fortschritte in Sachen Demokratie machen. Seitdem hat die arabische Welt Billionen Dollar an Öleinkünften erhalten – und die Demokratie ist genauso weit weg, wie sie es vor siebzig Jahren war.

Im Nachhinein können wir sehen, dass die Argumente der politischen Vorgänger von IfNotNow und Jewish Voice for Peace und anderer Gruppen entweder lächerlich falsch oder buchstäblich antisemitisch waren. Aber ihre Argumente waren schlicht Vorwände, Haken, um ihre Hasshüte daran aufzuhängen.

Das hat sich nicht geändert.

Wer sind heute die stärksten, am wenigsten zaghaften zionistischen Stimmen in Israel?

Sheri Oz, Israel Diaries, 7. Juni 2020

Es scheint so, als gehörten einige der stärksten zionistischen Stimmen einem Drusen aus Daliat el-Carmel, einem Arabisch sprechenden Christen aus Haifa und einem aramäisch-christlichen Maroniten aus Gush Halav. Werfen wir einen Blick auf das, was diese drei Männer auf Facebook zu den gestrigen Protesten in Tel Aviv posteten – dem Protest gegen die Ausweitung des israelischen Rechts auf unsere Gemeinden in Judäa und Samaria. Dem folgt eine kurze Anmerkung zu dem, was ich in den englischsprachigen israelischen Medien gefunden habe.

Ich werde zuerst die deutsche (aus dem Englischen übersetzte) Übersetzung einstellen und dann den Post selbst.

Samer Berany schrieb (meine Übersetzung):

Das werdet ihr in den Nachrichtenmedien nicht sehen.
Guten Morgen, Freunde;
Gestern gab es eine gewalttätige und gefährliche antiisraelische Demonstration auf dem Rabin-Platz unter der Schirmherrschaft von 39 Organisationen und Bewegungen der extremen Linken, darunter viele kommunistische Organisationen wie Maki, die Israelische Kommunistische Jugend-Allianz und natürlich Hadasch.
Ja, Leute … 39 Organisationen und Bewegungen ohne dass eine einzige drusische Organisation vor Ort war.
Zehntausende Teilnehmer, unter ihnen viele Israelis, die die PLO-Flagge hissten und die palästinensische Hymne „Baladi Baladi“ sangen, aber Drusen und Tscherkessen … Null … und keine NGO oder Bewegung.
Die Medien werden nicht darüber reden, aber sobald sie einen bemitleidenswerten Drusen treffen, der beriet ist darüber zu klagen, wie schlimm es unter dem israelischen Volk ist, eröffnen sie die Abendnachrichten mit ihm oder ihr im Zentrum einer ausführlichen Story.

Yoseph Haddad schrieb (seine Übersetzung [ins Englische]):

Die Proteste gestern am Rabin-Platz wurden von der Gemeinsamen Liste und direkt neben Palästinenser-Flaggen geführt, eine arabische Israelin hob ein Schild hoch, darauf hieß es: „Wir können seit 1948 nicht atmen.“
Stimmt, es ist nicht alles perfekt, es gibt eine Menge Probleme und wir müssen sie in Ordnung bringen, aber diesen Satz als repräsentativ für die israelischen Araber zu schreiben … ist nichts als eine große Lüge! Welch eine Schande!

 

Shadi Khalloul Risho schrieb (meine Übersetzung [ins Englische]):

Ich sehe und ich glaube nicht, in welchem Ausmaß es Juden gibt, die in Tel Aviv von der Wahrheit abgekoppelt sind. Ich sehe keine israelischen Flaggen, sondern Flaggen des Islamischen Kalifats, Palästina-Einheit. Einmal mehr tricksen sie manipulativ Israelis dazu israelische Widerstandskraft gegen einen bösartigen Feind zu schwächen, der am Ende auch mit ihnen keinerlei Erbarmen haben wird. Die dich niedergerissen und verwüstet haben, ziehen weg von dir. (Jesaja 49,17)

Und was liefert uns die englischsprachige israelische Presse? Sie bringen immer nur Kriegsverbrechen und Apartheid. Einige luden sogar Bernie Sanders‘ Video hoch, in dem er gestern Abend an den Schreien gegen unser Land mitmachte, weil es unser Recht auf unsere Gemeinden in Judäa und Samaria ausweitet.

Um diese Täuschung der Medienberichte zu sehen, betrachten Sie den letzten Satz in einem Artikel der Jerusalem Post:

Dier Protestlers in Tel Aviv brüllten „Ich kann nicht atmen“ und dass ihnen „von der übergriffigen Diktatur die Luft abgeschnürt“ werde, womit sie die in den gesamten USA tobenden Rassenkrawalle meinten.

Was sie den Lesern allerdings nicht sagten, ist, dass auf dem Schild, das sie zitierten, stand: „Wir können seit 1948 nicht atemen.“

Geringfügige Unruhe bei der Demo in Tel Aviv, als Protestierende der Polizei trotzten, „Iyad“ brüllten und gegen „brutale Bullen“ schrien.

Ich muss fragen: Fühlen sich alle an dem Protest teilnehmenden Juden wohl, dass sie gegen in Haifa, Netanya, Petach Tikva lebenden protestieren und sogar die, die rund um genau den Platz leben, auf dem sie gestern Abend standen?

Ich sehe nicht, dass irgendeine der englischsprachigen Medienseiten dieses Bild in ihren Berichten zeigt:

Palästinenser und Juden kommen n Tel Aviv bei einem Protest zusammen, der Annexion und Apartheid die Stirn bietet. Das ist die Koexistenz und Mit-Widerstand, an die ich glaube. Ich freue mich auf den Tag, an dem wir alle zusammen frei und gleichberechtigt sein werden.

Ich denke, sie wollen nicht, dass irgendjemand glaubt, es gebe Opposition gegen die Existenz des Staats Israel, egal in welcher Größe. Was sonst kann „Schafft den Zionismus ab“ bedeuten?

Vielleicht am ironischsten ist ein Gespräch, das sich heute Morgen mit einem arabischen Israeli hatte, der immer noch an die angebliche Zweistaatenlösung glaubt; und er will nicht, dass es kein Israel gibt, in dem er weiter leben kann. Während er über seine Opposition gegen die anstehende Ausweitung israelischen Rechts nach Judäa und Samaria redet, sagte er mir recht offen und deutlich, dass 99% der palästinensisch-arabischen Bevölkerung in „der Westbank“ sich einfach wünschen, dass Israel zurückkommt und dort die Kontrolle wieder übernimmt. Um was zur Hölle dreht sich dieser Protest dann eigentlich?

Können Menschen wirklich so außer Kontakt mit dem sein, was heute los ist und in alten Mustern und Propaganda fest?

Israel hat gegen uns geführte Kriege gewonnen, mit denen unsere Auslöschung erreicht werden sollte. Wir haben gewonnen. Und dann entschuldigen wir uns dafür, dass sie uns nicht losgeworden sind? Sind wir schüchtern? Sind wir ängstlich? Wir könnten von Samer, Yoseph und Shadi etwas über Selbstachtung lernen.

Antizionismus zusammengefasst

Sar Shalom, Israel Thrives, 21. Mai 2020

Einat Wilf stellte einmal fest: „Für diejenigen, die an ein Privileg gewöhnt sind, fühlt sich Gleichberechtigung wie Diskriminierung an.“ Viele Gutmenschen in diesem Land verwenden das, um das heutige Israel durch das Objektiv der Realität von heute als neu aufgekommen zu betrachten. Durch dieses Objektiv sehen sie Israels Juden als privilegiert und interpretieren Israels Weigerung nachzugeben als Wegerung dieses Privileg abzugeben.

Der Fehler dieser Gutmenschen besteht darin, dass die glauben, die jüdische Geschichte habe 1948 oder vielleicht 1917 begonnen. Was sie übersehen ist, dass es im 19. Jahrhundert und davor schon eine jüdische Geschichte gab. Ein paar Begebenheiten vermitteln ein kritisches Element dieser Geschichte. In den 1830-er Jahren wurde ein Pascha, der einer Gruppe Chassiden eine Pacht gegeben hatte, durch einen Pascha abgelöst, der diese nicht erneuerte und sie den umliegenden Arabern gab, die diesen Chassiden 24 Stunden gaben ihren Flecken Land zu verlassen. 1860 massakrierten die Araber von Hebron ungehindert Juden in ihrer Stadt. Diese Vorfälle demonstrieren, dass die Araber Privilegien genossen, bevor auch nur jemand an Zionismus dachte.

Der Erfolg des Zionismus kippte diese Privilegien. Die Araber haben auf den Verlust der Privilegien so reagiert, wie jede andere Gruppe, die Privilegien verlor, reagiert hat. Der Antizionismus sagt, dass sie das Recht haben wegen ihrer verlorenen Privilegien beleidigt zu sein.

Ist Antizionismus antisemitisch?

Die Frage wurde irgendwo in den USA von zwei jungen Juden diskutiert, schrieb Victor Rosenthal auf seinem Blog Abu Yehuda anlässlich seines Erlebens des Vormittags des Yom HaSchoah, des Holocaust-Gedenktags in Israel.

Seine Reaktion: Ihr scherzt ja wohl?

Das war wohl eine rhetorische Frage. Aus ihr klingt Empörung. Zurecht.

Aber den Unbedarften und vor allem den Hetzern muss man das traurigerweise immer wieder erklären, wobei vor allem Letztere das ums Verrecken nicht einsehen werden, denn dann müssten sie ja mal zugeben, dass sie falsch gedacht haben. Und sie müssten von ihrem Hass ablassen und das geht ja nun gar nicht.

Zionismus ist die „Nationalbewegung der Juden“. Was nichts anderes hießt, als dass Juden als Volk das Recht auf ihren eigenen Staat in Anspruch nehmen wollen. Wer also gegen Zionismus ist, der verweigert – einzig – den Juden ihren eigenen Staat. Das machen gerade diese Hetzer mit keinem einzigen anderen Volk so. Selbst den Kurden gegenüber gestehen sie ein, dass diese eigentlich einen eigenen Staat haben könnten, auch wenn in der politischen Realität dann ganz anders gehandelt wird. Dass Kurden kein Volk sind, keinerlei Selbstbestimmungsrecht haben, wird so nicht zum Ausdruck gebracht. Das geschieht ausschließlich mit den Juden. Und ausschließlich Juden etwas zu verweigern, was allen anderen – wirklich, theoretisch oder auch nur prinzipiell – zugestanden wird; heißt, dass man einzig Juden diesbezüglich diskriminiert. Weil sie Juden sind.

Und das ist Antisemitismus.

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Wer jetzt kommt und davon faselt, dass Israel ja den Palästinensern Land raubt, den Hals nicht voll bekommt usw.: Blödsinn. Die Juden hatten sich mit weniger zufrieden gegeben, sie hätten ihren Staat auch auf dem kleinen Fetzen gegründet, den ihnen die Peel-Kommission 1936 vorgeschlagen hat. Sie haben sich gegen den von den Arabern angestrebten Völkermord wehren müssen. Müssen sich heute weiter gegen den von den palästinensischen Arabern angestrebten Völkermord wehren.

Dass Israel heute flächenmäßig größer ist als beim Vorschlag von 1936 und beim Teilungsplan der UNO 1947 hat einen einzigen Grund: die Völkermord-Bestrebungen der Araber. Jede Mal wollten sie die Juden vernichten, jedes Mal hatten sie hinterher von ihnen teilweise illegal besetztes Land verloren. Also kommt mir nicht weiter mit euren verlogenen Charakterschweinereien. Wer den Juden verweigert, was er anderen zusteht, ist ein Antisemit. Basta.