Wie man Israel NICHT verteidigt

Elder of Ziyon, 19. März 2021

In einer Reaktion auf die Ereignisse am Middlebury College, über die ich berichtete,[1] schrieb Max Shulman-Litwin, ein Mitglied des Millebury Hillel, ein Op-ed für die College-Zeitung, in dem er erklärte, warum Juden bei den Students for Justice in Palestine unbehaglich ist.

Shulman-Litwin tappt in eine Falle, in die viele Juden geraten, wenn sie über den Nahen Osten reden – seine Argumente sind wischiwaschi und er stimmt zu, dass Israels Kritiker in gewissem Grad recht haben. Dann erwartet er, dass die Leser seinem nuancierten Denkansatz folgen eine gewundene Linie zwischen dem ziehen, von dem sie sagen, dass er es (fälschlich) für wahr hält und wo sie zu weit gehen.

Max’ Einleitung des Artikels zeigt, wie armselig sein gesamtes Op-ed ist:

Die Ortsgruppe Middlebury der Students for Justice in Palestine (SJP) hat eine Internetseite erstellt, die uns hilft das Ausmaß des Leides des palästinensischen Volks in der Gegenwart und in der Vergangenheit zu verstehen. In diesem Op-ed bestreite ich nicht den Verdienst ihrer Argumente für die Rechte des palästinensischen Volks, aber ich lenke die Aufmerksamkeit auf eine schädliche blinde Stelle ihres Aktivismus.

Er verlinkt die SJP-Internetseite, die Israel als Aparteidstaat bezeichnet! Noch bevor er anfängt Israel oder die Juden zu verteidigen, räumt er praktisch das gesamte Argument derer ein, die Israel vernichten wollen!

Max’ gesamter Artikel folgt derselben Apologetik:

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir die Regierung des Staates Israel (an dem ich erschreckende Mängel finde) nicht kritisieren … Der Staat Israel sollte eine sichere Zuflucht bieten, in der der Juden frei von ethnischer Säuberung gedeihen können. Ich ringe jedoch damit die Worte zu finden, um meine Klagen wegen der Art und Weise auszudrücken, in der dies ausgeführt wurde; statt ein Land der Emanzipation und Chancengleichheit zu schaffen, bekämpften die, die die Juden beschützen wollten, Feuer mit Feuer, schützten das Wohlergehen der Juden auf Kosten dessen der palästinensischen Araber, die davor in der Region gelebt hatten. Die Rechte dieser nicht geflohenen palästinensischen Araber wurden auf viele Arten beeinträchtigt und diese Menschen haben Jahrzehnte lang unter unterschiedlichen israelischen Regierungen unsägliche Ungleichheit und Misshandlungen erlitten.

Palästinensischer Terrorismus, Verweigerung, Antisemitismus – sie sollen in einem Artikel nicht erwähnt werden, der den jüdischen Standpunkt des Konflikts zeigt. Nur angebliche jüdische Verbrechen.

Meine Güte, danke für deine Objektivität.

Und selbst diese Kritik an SJP wird von der Idee verringert, dass sie bestimmt nicht wirklich die Absicht hatten antisemitisch zu sein, wenn sie Israel judenrein haben wollen:

SJP behauptet, dass der Zionismus nichts weiter ist als eine kolonialistische Ideologie; dabei gehen sie so weit den Vorschlag zu erwägen, dass jüdische Staatsbürger in die Länder Osteuropas zurückkehren, deren Völker ihre jüdischen Bevölkerungen so grauenhaft abschlachteten. Ein Ergebnis dieser Selbstgefälligkeit und fehlenden Überlegung der Folgen ihrer eigenen Forderungen, selbst wenn das nicht ihre Absicht ist, reiht sich SJP schädlich bei denen ein, die hoffen weitere Unterdrückung von Juden zu verursachen.

Seine Verwässerung des SJP-Wunschs Israel zu vernichten ist unglaublich:

Wenn palästinensische Araber das das Land Israel/Palästina vor 1948 bewohnten und alle palästinensischen Araber und ihre Nachkommen in ihre ursprünglichen Heime zurückkehren sollen, wohin sollen die Juden gehen, da der Kreislauf judenfeindlicher Gewalt und Antisemitismus fortbesteht? … SJP versucht gar nicht erst diese Frage anzusprechen; ihre Absicht mag rechtschaffen und anständig sein, aber das Ergebnis der von ihnen propagierten Politik ist tolerant (oder darf ich es wagen zu sagen: ermutigend) gegenüber dem Hass, der das jüdische Volk allgemein heimgesucht hat.

Nein, Max, sie haben keine gerechten und anständigen Absichten. Der gesamte Sinn der „Rückkehr“ besteht nicht darin für Palästinenserrechte einzutreten, sondern Israel zu vernichten. Lesen Sie dises Buch oder sehen Sie sich dieses Interview an, bevor sie beschließen eine Hassgruppe wie SJP zu verteidigen.

Viele der besten Verteidiger Israels – wie Einat Wilf oder die verstorbene Petra Marquardt-Bigman – sind entschieden linksliberal. Viele von ihnen sind gegen Siedlungen. Aber sie wissen, dass diejenigen, die Israel attackieren, ihren Argumenten keine Vorbehalte und Ausreden und Unbehagen hinzufügen – sie greifen volle Pulle an. Wenn Juden und Zionisten nicht entsprechend reagieren, werden die Schaulustigen – in diesem Fall auf dem Campus von Middlesbury – natürlich zu dem Schluss kommen, dass die Antisemiten recht haben, weil die „proisraelische“ Seite der Hälfte ihrer Prämissen zustimmt.

Dieser Artikel schadet mehr, als er nutzt.

Der Campus von Middlebury sollte jemanden finden, der die Dinge wirklich begreift, um eine Antwort zu schreiben, dass SJP eine Hassgruppe ist und dass Israel ein moderner, liberaler, erstaunlicher jüdischer Staat ist, der bereitwillig Frieden anstrebt.

Israel ist nicht nur ein „Schutzort“ für Juden. Es ist die ewige jüdische Heimat. Und wenn Sie das nicht begreifen, dann spielen Sie nicht als Sprecher auf, der Israel und die Juden verteidigen kann.

[1] Drei Studentengruppen und ein Dozent missbrauchten ein Online-Netzwerk der Universität für die Weitergabe von Informationen, die dort nicht hingehörten; eine war die eines jüdischen Studenten auf die Verleumdung Israels; bestraft wurde einzig der Jude.

Selbst die wortgewandtesten Palästinenser (wie Noura Erakat) haben die idiotische Nullsummen-Mentalität, das Israel zu helfen bedeutet den Palästinensern zu schaden

Elder of Ziyon, 10. Februar 2021

Von Beginn an ist die „pro-palästinensische“ Bewegung überhaupt nicht pro-palästinensisch gewesen. Sie war immer antiisraelisch. Und ihre Anhänger, egal wie gebildet und wortgewandt, sind derart von Hass auf den jüdischen Staat verzehrt, dass sie buchstäblich den Unterschied zwischen den beiden Konzepten nicht erkennen können.

Noura Erakat, „Menschenrechts-Anwältin“ und wissenschaftliche Assistentin an der Rutgers University, schrieb ein Op-ed für NBC News, das diese grundlegende Tatsache herausschält – und damit einen wichtigen Grund offenbart, warum die Palästinenser so lange in der Luft hängen geblieben sind.

Trotz mehrerer früher Schritte, die ihn von seinem Vorgänger unterscheiden, verspricht Joe Biden Trumps Vermächtnis fortzusetzen. Es stimmt, dass die neue Administration vor hat die entscheidende humanitäre Hilfe der USA für die palästinensischen Flüchtlinge wiederherzustellen und die Vertretung der PLO in Washington DC wieder eröffnen wird. Noch am Montag kündigte sie an, dass sie dem UNO-Menschenrechtsrat wieder beitreten wird, aus dem die Administration  Trump sich aus Protest gegen seine Überprüfung Israels zurückzog.

Aber nichts von dieser Politik, so willkommen sie auch sein mag, wird den unterdrückerischen Status quo der Vereinigten Staaten angehen. Schlimmer noch: Die Administration Biden wird mehrere der schlimmsten Präzedenzfälle der Administration Trump beibehalten.

Diese Beispiele sind äußerst verräterisch:

Der neue Außenminister Antony Blinken hat deutlich gemacht, dass die Administration die US-Botschaft nicht aus Jerusalem zurück nach Tel Aviv verlegen wird; sie wird Israels Normalisierungsvereinbarungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Marokko und dem Sudan beibehalten und feiern, ohne dass auch nur ein einziges Zugeständnis für die Palästinenser sichergestellt wird; und sie wird weiterhin Israel bedingungslos militärische Unterstützung in Höhe Von 3,8 Milliarden jährlich zur Verfügung stellen – ein Präzedenzfall, der von Bidens früherem Boss, Präsident Barack Obama, eingerichtet wurde.

Ende letzter Woche äußerte die Administration Biden auch „ernste Sorgen“ wegen des Versuchs des Internationalen Strafgerichtshofs, die Zuständigkeit über israelische Regierungsvertreter zur Verfolgung von Kriegsverbrechen auszuüben und sie überlegt sogar die Sanktionen der Administration Trump gegen das führende Personal des Gerichtshofs beizubehalten.

Sie bringt drei Beispiele dessen, was sie als palästinenserfeindliche Politik betrachtet: Beibehaltung der Botschaft in Jerusalem, Unterstützung von Frieden zwischen Israel und arabischen Staaten und Erhalt der Militärhilfe, die in den USA ausgegeben wird.

Nichts von dieser Politik schadet den Palästinensern. Nichts davon beeinträchtigt palästinensisches Leben, außer das von Terroristen im Gazastreifen, die israelische Zivilisten mit Raketen ermorden wollen. Nichts davon ist Geschwindigkeitsdämpfer für einen Palästinenserstaat.

Sie unterstützen Israel als souveränen Staat – was diese „Menschenrechts-Anwältin“ als „belastend“ betrachtet.

Der Rest des Artikels ist mehr davon, Beschwerden, dass eine Definition von Antisemitismus, die die Dämonisierung der puren Existenz des jüdischen Staates einschließt, irgendwie palästinenserfeindlich ist.

Erakat ist derart von Hass auf Israel erfüllt, dass sie buchstäblich weder den Unterschied zwischen „pro-Israel“ und „palästinenserfeindlich“ kennt, noch den zwischen „pro-palästinensisch“ und „israelfeindlich“. Sie unterschreibt eine Nullsummen-Mentalität, dass das, was gut für Israel ist, automatisch schlecht für die Palästinenser ist – und, noch schlimmer, dass nichts als gut für die Palästinenser gelten kann, solange es nicht auch schlecht für Israel ist.

Die VAE und Bahrain (und in gewissem Maß auch Marokko und der Sudan) haben die Nullsummenspiel-Mentalität aufgegeben. Niemand kann ihnen „Palästinenserfeindlichkeit“ nachsagen, obwohl die Golf-Araber der aktuellen Palästinenserführung verständlicherweise kritisch gegenüber stehen. Sie betrachten Israel auch nicht als einen Feind, sondern als Partner, der ihnen helfen kann Erfolg zu haben; nicht als offene jüdische Wunde im arabischen Nahen Osten, sondern als dauerhaften Bestandteil, der die Region verbessert und arabische Staaten erheben kann. Statt Nullsumme streben sie nach Win-win. Die Nullsummen-Mentalität, die sie über so viele Jahrzehnte beibehielten, half ihnen – oder den Palästinensern – kein Bisschen.

Die Nullsummen-Denkweise ist kindisch und kontraproduktiv. Wenn es eine dauerhafte Veränderung durch die Abraham-Vereinbarungen gibt, dann dass diese infantile Art des Denkens im Nahen Osten endlich im Abnehmen befindlich ist.

Solange die Palästinenser – einschließlich ihrer westlichen „Verteidiger“ – dieses Grundkonzept nicht begreifen, werden sie niemals irgendwo hingelangen.

Natürlich ist Israel als rassistisch zu bezeichnen antisemitisch. Hier ist ein perfektes Beispiel.

Elder of Ziyon, 3. Februar 2021

Nada Elia lehrt Amerikanische Kultur an der Western Washington University. Sie schreibt regelmäßig für Mondoweiss.

Vor kurzem schrieb sie einen Artikel im Middle East Eye, der sowohl ihre Ignoranz als auch ihren Antisemitismus zeigt.

Nachdem Israels Innenministerium gerade ankündigte, dass Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft Ugandas nicht nach Israel einwandern dürfen, verurteilten viele progressive Israelis und Diaspora-Juden die Entscheidung als rassistisch.

Natürlich ist es das; Rassismus ist ein prägendes Charakteristikum des Zionismus, der eine ethnische Gruppe anderen gegenüber privilegiert. Die Entscheidung stimmt zudem mit dem virulenten Rassismus gegen Schwarze im Einklang, der Israel plagt; dem nur der antipalästinensische Rassismus des Landes gleichkommt oder ihn übertrifft.

Wie jemand mit auch nur flüchtigen Kenntnissen Israels begreift, hat diese Entscheidung des Innenministeriums nichts mit der Ethnie der Ugander zu tun. Es liegt daran, dass der Staat Israel nur Übertritte zum Judentum anerkennt, die von orthodoxen Rabbinern vorgenommen wurden und die Abayudaya-Gemeinde in Uganda wurde von jüdisch-konservativen Rabbinern konvertiert.

Man kann darüber streiten, ob Israel Überritte durch nichtorthodoxe Bewegungen akzeptieren sollte, aber das ist nun gar keine Frage von ethnischer Überlegenheit oder Rassismus. Wäre das der Fall, dann hätte Israel nicht mehr als 100.000 äthiopische Juden willkommen geheißen.

Jeder, der Israel besucht, kann auch sehen, dass es keinen „virulenten Rassismus gegen Schwarze“ gibt; eine ganze Generation Hebräisch sprechender äthiopischer Juden haben sich in die Gesellschaft integriert und niemand blinzelt deswegen auch nur. Es gibt etwas Rassismus, der dem in jedem einzelnen westlichen Staat ähnelt und der wird von niemandem gebilligt.

Warum also lügt Nada Elia?

Weil jemanden als Rassist zu bezeichnen die schlimmste Beschimpfung ist, die man heute von sich geben kann. Und Nada Elia ergötzt sich daran Israel (heißt: die Juden Israels) als rassistisch zu bezeichnen. Als Herabsetzung ist das das linke Äquivalent zu „kike“ [eine beleidigende, herabsetzende Bezeichnung, die in Nordamerika verwendet wurde/wird].

„Ethnische Säuberer“, „Kolonialisten“, „Rassisten“, „Apartheid“, „weiße Herrenmenschen“ – all diese Begriffe sind bewusste Beschimpfungen für Juden und nur für Juden, wenn sich das auf Israel bezieht. Sie sind die moderne, progressive Version von „sheeny“, „Christusmörder“ und „Wucherer“.

Israelische Juden als „Nazis“ zu bezeichnen – was die Kritiker der IHRA-Definition billigen – ist das direkte moralische Äquivalent und geschaffen um genau denselben Schmerz zu verursachen, wie für schwarze Menschen das andere „N“-Wort zu verwenden.

Auf gewisse Weise sind diese Beleidigungen schlimmer, weil sie vorgeben Darstellungen der Wahrheit zu zionistischen Juden zu sein und in höflicher Gesellschaft verwendet werden können. Das Hauptargument dagegen diese Verunglimpfungen als antisemitisch zu bezeichnen lautet im verdrehten Geist der Hasser, sie seien korrekt. Komplette Schriften wurden verfasst, die es rechtfertigen Israel als „Apartheid“-Staat oder als „rassistischen“ Staat zu bezeichnen, ohne die offensichtlichen Gegenbeispiele zu zeigen, die beweisen, dass die Argumente nichts anderes als Beschimpfungen ohne Basis in der Realität sind.

Die IHRA erkennt das und stellt diese Verunglimpfungen korrekt dar. Moderne Antisemiten wie Nada Elia geben vor, die Beleidigungen seien derart offensichtlich wahr, dass es kaum wert sei sie zu beweisen.

Der Bundestag, BDS und Auslands-Israelis in Berlin

Ruthie Blum, Israel HaYom, 16.12.2020

Bei einer Pressekonferenz in Berlin am Donnerstag [letzter Woche – heplev] legten die Direktoren von 32 akademischen und kulturellen Institutionen – einige nahmen vor Ort teil, andere über Zoom – einen offenen Protestbrief gegen den Bundestagsbeschluss vom Mai 2019 vor, mit dem BDS als antisemitische eingestuft wurde.

Der Beschluss basierte auf der „Arbeitsdefinition für Antisemitismus“, die von der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA – International Holocaust Remembrance Alliance) formuliert und 2017 von der deutschen Regierung übernommen wurde. Die IHRA-Definition beinhaltet einen Satz, der erklärt, dass Manifestationen des Phänomens „den jüdischen Staat Israel, der als jüdisches Kollektiv wahrgenommen wird, zum Ziel zu machen gehören können“.

Deutschland ist nur eines von vielen Ländern, die die IHRA-Definition unterzeichnet. Albanien, Argentinien, Österreich, Belgien, Bulgarien, Kanada, Zypern, die Tschechische Republik, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Israel, Italien, der Kosovo, Litauen, Luxemburg, Moldawien, die Niederlande, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien, die Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, das Vereinte Königreich, die Vereinigten Staaten und Uruguay haben sie ebenfalls begrüßt. Selbst der Weltweite Imam-Rat, eine internationale NGO mit muslimischen religiösen Führern aus allen islamischen Denominationen und Denkschulen, machte das vor kurzem.

Daher ist es kein Wunder, dass die Erklärung der Unterzeichner der Initiative „Weltoffenheit“ – letzte Woche von dem erhabenen Gremium der selbsternannten Verteidiger der Freiheit in Deutschland veröffentlicht – sicherstellten darauf zu bestehen, dass sie nur von den höchsten Idealen motiviert sind. Sie gingen so weit zu versichern, dass sie „den BDS-Boykott Israels ablehnen“, aber „die Logik von Gegenboykott, ausgelöst vom parlamentarischen Anti-BDS-Beschluss für gefährlich halten“.

„Als Repräsentantinnen und Repräsentanten öffentlicher Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen verbindet uns der staatliche Auftrag, Kunst und Kultur, historische Forschung und demokratische Bildung zu fördern und der Allgemeinheit zugänglich zu machen“, begann ihre Erklärung. „Dafür sind wir auf eine Öffentlichkeit angewiesen, die auf der normativen Basis der grundgesetzlichen Ordnung streitbare und kontroverse Debatten ermöglicht.“

Ihr Manifest fährt fort: „Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt dabei auch marginalisierten und ausgeblendeten Stimmen, die für kulturelle Vielfalt und kritische Perspektiven stehen.“

Nach Angaben der Unterschreiber, darunter die Leiter des Goethe-Instituts, des Humboldt-Forums, des Wissenschaftskollegs Berlin und der Kulturstiftung des Bundes, stehe „der gemeinsame Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus und jede Form von gewaltbereitem religiösem Fundamentalismus im Zentrum unserer Initiative“.

Unter Anspielung auf den Holocaust sagten sie, dass heute „eine spezifische Herausforderung für uns heute darin besteht, die Besonderheiten der deutschen Vergangenheit unseren Kooperationspartner:innen in der ganzen Welt verantwortungsvoll zu vermitteln, um eine gemeinsame Gegenwart und Zukunft zu entwerfen. Eine Vergangenheit, die einerseits geprägt ist durch den beispiellosen Völkermord an den europäischen Juden und Jüdinnen und andererseits durch eine späte und relativ zögerliche Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte. Dazu bedarf es eines aktiven Engagements für die Vielfalt jüdischer Positionen und der Öffnung für andere, aus der nichteuropäischen Welt vorgetragene gesellschaftliche Visionen.“

Eine jüdische, nicht europäische Gruppe, die all dem oben Geschriebenen – natürlich mit Ausnahme ihrer angeblichen Gegnerschaft zu BDS – zustimmt, ist eine Truppe in Berlin lebender Auslandsisraelis, die von einem Projekt namens Schule für das Verlernen des Zionismus eintaucht. In der Erklärung ihres Auftrags geben sie an: „Die Schule für das Verlernen des Zionismus entstand in Berlin (als Ort zwischen Tel Aviv und Ramallah) durch eine Gruppe jüdischer Israelis, die Teil einer Bewegung für Gleichberechtigung in Palästina/Israel ist und den Abbau von System anstrebt, die Ungleichheit, Unterdrückung und Ausbeutung anstreben.“

Das von der „Künstlerin und Aktivistin“ Yehudit Yinhar mit gegründete Projekt begann informell 2019 mit regelmäßigen Treffen gleichgesinnter Linker auf Hebräisch. Wegen seiner zunehmenden Popularität wurde daraus ein ernsteres Programm, das in einer Reihe Online-Veranstaltungen im Herbst diesen Jahres gipfelten.

In einem Interview mit der Internetseite The Left Berlin am 19. Oktober erklärte Yinhar: „Die Schule für das Verlernen des Zionismus wurde von einer Gruppe jüdischer Israelis – Künstler und Wissenschaftler – gegründet , die daran interessiert waren über das hegemoniale Narrativ  nachzudenken, in dem wir aufgezogen wurden. Das ist ein Raum, in dem wir über das Persönliche und das Politische in unserer Geschichte nachdenken, ebenso über Machtorte, die oft für die, die Teil davon sind, unsichtbar sind.“

Ihre Behauptung, dass sie und ihre Mitprodukte der Crème der la Crème der israelischen Gesellschaft mit einem „hegemonialen Narrativ“ aufgezogen wurden, ist lächerlich. Ihre nächste Behauptung – dass ein „Raum“ benötigt werde, „in dem Wissen, das in der Regel nicht Teil der Konversation ist, in der wir aufgezogen wurden, vorgelegt und diskutiert werden und neue Wissensverbindungen hergestellt werden könnten“- war ausgesprochen lachhaft.

Es handelt sich um eine junge Frau, die dazu erzogen wurde unabhängig zu denken, alles zu studieren, was ihr Herz begehrt und in Verfolgung ihrer Träume um den Globus zu ziehen, was der Grund ist, dass sie als Kunststudentin an der Weißensee-Kunsthochschule in Berlin (KHHB) landete.

Das hat sie jedoch nicht daran gehindert ein völlig falsches Bild des jüdischen Staates zu  zeichnen, aus dem sie kommt. Im Gegenteil, ihr Privileg scheint ihr die Lizenz zu geben die verzerrte Darstellung Israels durch andere zu fördern und zu nähren.

Ein kurzer Blick auf drei der Sprecher, die von der Schule für das Verlernen des Zionismus eingeladen wurden, um ihr antiisraelisches Gift zu spucken, reicht aus, um die erschreckende Beschaffenheit des Unterfangens zu begreifen. Nehmen Sie z.B. Ilan Pappé: Der israelische Professor an der University of Exeter in Großbritannien hielt am 8. Oktober eine Zoom-Ansprache mit dem Titel „Zionismus als Siedler-Kolonialismus“.

Dann ist da Ran Greenstein, Dozent an der Universität Witwatersrand in Südafrika. Der Autor von „Zionism and Its Discontents: A Century of Radical Dissent in Israel/Palestine“[1], sprach am 14. Oktober über „Zionismus herausfordern – alternative Wege in Israel/Palästina“.

Und Shir Hever, ein Wirtschaftswissenschaftler am Palestinian-Israeli Alternative Information Center – Autor von „Political Economy of Israel’s Occupation: Repression Beyond Exploitation“[2] – hielt am 15. Oktober eine geschmeidige Schmährede mit dem Titel „Marxist and revolutionary perspecitves of the economy oft he occupation – and their limits“.[3]

Diese fast satirischen Gestalten als „selbsthassende Juden“ zu bezeichnen wäre ungenau. Sie hassen Israel, nicht sich selbst oder gleichgesinnte linksextreme Mitglieder ihres Stammes. Dasselbe gilt für „Künstler“ wie Yinhar und hinterlistige Ihresgleichen.

Das wahre Bild, das sie und die Hüter der deutschen Kultur, die den Anti-BDS-Beschluss des Bundestags beklagen, gerne tarnen würden, ist eines, das Geld involviert. Tatsächlich ist es nicht ihre Freiheit sich auszudrücken, die in Gefahr ist, sondern ihre Finanzierung.

Als die KHHB, das vom Steuerzahler finanzierte Kunstinstitut, an dem Yinhar studiert, vom Inhalt der Vortragsreihe der Schule für das Verlernen des Zionismus Wind bekam, zog sie sofort ihre Euros ab. Letztes Jahr wandte der Bundestag dieselben Antisemitismus-Standards auf das Dutzend „kultureller und Forschungsinstitutionen an … die einen Auftrag des Staates haben Kunst und Kultur, historische Forschung und demokratische Bildung zu fördern“.

Angesichts des aktuellen Aufschreis aus diesen Institutionen ist klar, dass deutsche Gesetzgeber ihren Beschluss durchziehen, wenigstens weit genug, um die Programme der intellektuellen Schwätzer klamm zu halten. Und zwar zurecht.

[1] Zionismus und seine Unbehagen: Ein Jahrhundert radikaler Meinungsverschiedenheiten in Israel/Palästina

[2] Die Politische Wirtschaft der israelischen Besatzung: Unterdrückung über Ausbeutung hinaus

[3] Marxistische und revolutionäre Perspektiven auf die Wirtschaft der Besatzung – und ihre Grenzen

Die Kluft überwinden: Walter Grab und das ostdeutsche historische Establishment

Der in Wien geborene Historiker Walter Grab gehörte zu den wenigen, die sich für ihre wissenschaftliche Arbeit über den akademischen Eisernen Vorhang wagten … Dies ist die Geschichte seiner einzigartigen Beziehung zum ostdeutschen Wissenschaftler Heinrich Scheel.

Yonatan Shiloh-Dayan, the Librarians, 7. Januar 2020

Walter Grab

„Gibt es irgendwelche andere in Ostdeutschland veröffentlichte Studien, die ich nicht kenne?“, schrieb Walter Grab, ein in Wien geborener israelischer Historiker, im August 1971 an seinen Ostberliner Kollegen Heinrich Scheel. „Die Professoren Steine und Markov kannten keine“, fuhr er fort, „aber hier sind Sie die höchste Autorität.“ Mit „hier“ meinte Grab Ostdeutschland. Als er zum ersten Mal das Feld historischer Forschung betrat, das sich dem Studium der deutschen Jakobiner widmete, betrachteten ihn seine Kollegen als einen Repräsentanten des Westens, wenn nicht gar einen echt westdeutschen Historiker. Einige sprachen ihn persönlich als den Initiator westdeutscher Forschung zu den deutschen Jakobinern an. Schließlich war das nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt, bedenkt man, dass Grab seine Arbeiten ausschließlich auf Deutsch veröffentlichte und dass sein Fachgebiet bis in die frühen 1960-er Jahre in der westdeutschen akademischen Welt kaum existierte. Offenbar musste das Feld erfunden oder zumindest wieder eingeführt werden, sollte es nicht ein ausschließlich ostdeutsches Forschungsunternehmen bleiben.

Grab selbst konnte seine etwas solistische Positionierung innerhalb des westlichen Kontextes nicht leugnen, er fand sogar Nutzen darin. „Es gibt in diesem Bereich in der Bundesrepublik keine echten Experten“, schrieb er dem jungen deutschen Forscher Helmut Haasis, der Ende der 1960-er Jahre seine Hilfe und Zusammenarbeit als Wegbereiter in dem Forschungsfeld suchte. Sicherlich betrachtete er sich als den richtigen Mann für die Aufgabe. „Ist es nicht auch natürlich, dass ich, selbst ein Opfer von Verfolgung, der erste bin, der das Studium der Jakobiner in der Bundesrepublik ankurbelt?“, sinnierte er später nach. Grabs Positionierung war tatsächlich ungewöhnlich: Ein vertriebener Historiker für deplatzierte Geschichte. Einer, der sich selbst, wie Dan Diner vermerkte, als ein im Land der Juden exilierter Jude betrachtete und sich nach den Wellen der Revolution voll und ganz dem Wiederfinden der Wurzeln fehlgeschlagener Versuche widmete, im späten 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert eine demokratische Tradition in Deutschland einzurichten.

Heinrich Scheel

Grab gewann erstmals Anerkennung als Dokumentator des Einflusses und der Folgen der französischen Revolution in Deutschland, nachdem 1966 sein Buch über die norddeutschen Jakobiner erschien (Demokratische Strömungen in Hamburg und Schleswig-Holstein zur Zeit der Ersten Französischen Republik). Dabei handelte es sich um eine Ausarbeitung seiner Dissertation, die er kurz zuvor (im Alter von 46) an der Universität Hamburg unter Betreuung durch den damals umstrittenen Fritz Fischer abschloss. Als er seinen Doktortitel erhielt, war in Ostdeutschland die Forschung zu den Auswirkungen der französischen Revolution in Deutschland, deutsche Jakobiner und Dämagogen sowie frühe deutsche revolutionäre Literatur und Theater durch Historiker und Literaturforscher wie Walter Markov, Gerhard Steiner, Karl Obermann, Helmut Bock und Hedwig Vogt recht gut etabliert. Vor allem das Studium der deutschen Jakobiner war mit der Person Scheels verbunden, einem Historiker, der der herrschenden sozialistischen Partei des Einparteienstaats verpflichtet und langjähriges Mitglied der ostdeutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin war. 1962 veröffentlichte Scheel einen umfangreichen Band über die süddeutschen Jakobiner und verdiente sich seinen Platz als Experte in einem kaum ausgefüllten Feld. Grab, der trotz ideologischer Differenzen die Pionierrolle ostdeutscher Forscher beim Studium der frühen revolutionären Demokratie anerkannte, baute enge Kontakte mit allen maßgeblichen Persönlichkeiten in seinem Fachgebiet auf, darunter Scheel. Angesichts der traurigen Realität der Rivalitäten im Kalten Krieg war das nicht sonderlich üblich. Wiederholt bestand er gegenüber seinen westdeutschen Kollegen darauf, dass ohne die Zusammenarbeit mit ostdeutschen Forschern und ohne Bekanntschaft mit exklusiven Materialien in ostdeutschen Archiven im Studium einer vernachlässigten deutschen demokratischen Tradition kein ernsthafter Fortschritt gemacht werden konnte.

Bei der Katalogisierung von Grabs persönlichem Archiv für die Nationalbibliothek in Jerusalem als Teil eines gemeinschaftlichen Forschungsprojekts, durchgeführt vom Franz Rosenzweig Research Centre und dem Deutsches Literaturarchiv in Marbach, stieß ich auf aufschlussreiche Fußstapfen eines angeblichen Ost-West-Austausch-Vorhabens. Diese Spuren, die eine Verwicklung politischer Zwänge, ideologischer Verpflichtungen und professionellen Profits hervorhoben, lieferten ein größeres Bild der Beziehungen zwischen dem Deutsch sprechenden, ehemals kommunistisch angehauchten israelischen Historiker und seinen ostdeutschen Kollegen, vervollständigt durch institutionelle Korrespondenz, die im historischen Archiv der Universität Tel Aviv verblieb. Besonders interessant ist diesbezüglich seine Korrespondenz mit Scheel. In der Zeit, als Grab erstmals auf der akademischen Bühne erschien, war der nur wenig ältere Scheel weit versierter im Studium einer zerschlagenen deutsch-demokratischen Vergangenheit. Trotzdem gelang es Grab die geographische Teilung in ihren Studienbereichen (Scheel war „verantwortlich“ für Süddeutschland, Grab für die nördlichen Teile), zusammen mit Scheels geopolitischer und kultureller Isolation zu nutzen, um die Machtbalance zwischen ihnen auszugleichen und entsprechend zu handeln.

Ein Brief Grabs an Scheel, Oktober 1972 (im Original kann man diese Bilder vergrößern)

Die Partnerschaft zwischen den beiden begann 1963. Sie trafen sich in Ostberlin und Scheel bot seinem israelischen Kollegen umfangreiche Hilfe bei der Verhandlung mit ostdeutschen Archiven an. Später offerierte Scheel sogar ein gemeinsames Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse 1967 in einem ostdeutschen akademischen Journal erscheinen sollten. Das war für Grab eine immense Gelegenheit, die aber niemals verwirklicht wurde. Genau in diesem Jahr verschärfte sich die ostdeutsche Politik gegenüber Israel nach dem Sechstage-Krieg und der deutsche Historiker beschloss die Parteilinie nicht zu verlassen. So machte die Politik der Partnerschaft einen Erfolg schon sehr früh sehr schwierig. Trotzdem versuchte Grab für sich selbst und zum Nutzen aller Seiten sicherzustellen, dass die professionellen, politischen und ideologischen Differenzen einigermaßen beherrschbar blieben. „Ich werde mich weiterhin bemühen, Sie auf dem Laufenden über neue Publikationen im Westen zu halten“, schrieb er seinem Ostberliner Kollegen im Oktober 1972, „und wäre Ihnen dankbar, wenn auch Sie mir Informationen zukommen lassen[…] Eine Nichtbeachtung oder Unkenntnis der Forschungen drüben und hüben“, fügte er mit einer Prise Unzufriedenheit hinzu, „ist ja nur der wissenschaftlichen Erkenntnis schädlich und schafft unnötige Spannungen zwischen Wissenschaftlern, die befreundet sein sollten.“

Ein Brief Grabs an Scheel, März 1976 (im Original kann man diese Bilder vergrößern)

So willig er auch war, es gab für Grab nur begrenzte Möglichkeiten zu verhindern, dass die Weltpolitik in ihrer Partnerschaft intervenierte. Als die ideologischen Unstimmigkeiten zwischen den beiden sich gegen Mitte der 1970-er Jahre verschärfte, wurde die Last schwieriger zu tragen. Scheel, der mehr als einen Schritt zurücktrat, begann sich zu fragen, ob Grabs Arbeit über die deutschen Jakobiner nicht von westdeutschen Institutionen höherer Bildung „imperialistisch missbraucht“ würde. Grab antwortete auf diese Anschuldigung in einem Brief vom März 1976. Als Zeichen seiner Bereitschaft politische Hindernisse zu überwinden erklärte er, er hätte nichts dagegen seine Arbeiten im Journal der Akademie der Wissenschaften in Ostberlin (Das Jahrbuch für Geschichte) zu publizieren und dass er keinesfalls scheuen würde kommunistische Schwellen zu überschreiten: „die Pforten des ‚Jahrbuchs für Geschichte‘ … sind mir jedoch, wie Sie, lieber Kollege Scheel, gut wissen, verschlossen, zumindest seit dem Sechstagekrieg“, schrieb er. „Diese Bereitschaft, auch in der DDR zu publizieren, unterscheidet mich zweifellos von jenen ‚systemkonservierenden‘ bundesrepublikanischen Historikern, die in der Frankfurter Rundschau Rezensionen über meine Arbeiten veröffentlichen.“ Die Korrespondenz zwischen den beiden, die kürzlich in Jerusalem ankam, ist sehr vielsagend, um Grabs einzigartige Positionierung als emigrierter Wissenschaftler und Außenseiter mit ihrem offensichtlichen zu verstehenden Nutzen und weniger offensichtlichen Grenzen zu begreifen. Einerseits gab es keine institutionellen Beschränkungen, die ihn daran hindern und abhalten konnten seine Forschungsergebnisse im Namen des Erhalts einer vereinigten Front zu bewerben. Andererseits musste Grab, der als Stimme von außen wahrgenommen wurde, seine Haltung verhandeln und die Tatsache akzeptieren von beiden Seiten ideologisch „markiert“ zu sein, damit man ihn als legitimen Teilnehmer auf einem höchst aufgeladenen Spielfeld historischer Forschung betrachtete.

Walter Grabs Archiv wird in der Nationalbibliothek Israels bewahrt.