Warum Linke bei Aufrufen zu Gewalt gegen Juden nur mit den Schultern zucken

Während die Welt die Holocaust-Opfer ehrt, wird Empörung wegen Aufrufen zum Mord an Juden an der University of Michigan als Beweis dafür verspottet, dass Juden „Mimosen“ sind.

Jonathan S. Tobin, Israel HaYom, 29. Januar 2023

Stellen Sie sich vor eine Gruppe weißer Nationalisten marschiert über den Campus irgendeiner großen Universität in den USA und ruft zum Lynchen von Afroamerikanern auf. Ganz ähnlich den Neonazi-Marsch in Charlottesville (Virginia) 2017, hätte der Vorfall auf der Titelseite jeder Zeitung im Land gestanden. Von Küste zu Küste hätten Politiker das als Beweis der hoffnungslos rassistischen Natur der amerikanischen Gesellschaft verurteilt. Und wären irgendwelche Studenten daran beteiligt gewesen, dann wären sie schnell suspendiert und wahrscheinlich exmatrikuliert worden.

Aber als eine Gruppe pro-palästinensischer Studenten früher im Januar Aufrufe zur „Intifada“ – Terroranschläge gegen Juden – skandierend über den Campus der University of Michigan marschierte, gähnte die Nation nur. Einige konservative Publikationen berichteten darüber und ein paar Politiker wie Senator Ted Cruz (Republikaner aus Texas) verurteilten das. Aber es sorgte für keine Erwähnung in der New York Times und der Washington Post oder CNN.

Viele jüdische Gruppen verurteilen zwar erzürnt den Vorfall, aber die linke jüdische Meinung war unbeeindruckt. Forward-Kolumnist Rob Eshman tat ihn nicht nur als bedeutungsloses Gedöns ab. Er schrieb auch, dass die Wut seitens der zionistischen Juden und ihrer sogen wegen des Einflusses, den Rufe nach dem Vergießen von jüdischem Blut auf jüdische Studenten hätten, war ein Beispiel dafür, dass amerikanische Juden nicht als ein Haufen „Mimosen“ seien, die Angst davor hätten über das Handeln einer israelischen Regierung zu debattieren, die nicht wirklich mit liberalen in Einklang sind.

Und das ist der Grund, dass ich dieses Jahr, wie vielleicht in jedem anderen Jahr, nicht sonderlich beeindruckt von des Aufhebens bin, die wegen des Internationalen Holocaust-Gedenktag gemacht wird.

Während Israel und ein Großteil der jüdischen Gemeinschaft am Yom HaSchoah, der zwischen Pessach und Israels Feiertagen zum Gefallenen-Gedenken und Unabhängigkeitstag (fällt dieses Jahr auf den 18. April) der 6 Millionen im Holocaust Ermordeten gedenkt, zeihen die UNO und der Großteil der Welt den 27. Januar vor, den Jahrestag der Befreiung von Auschwitz 1945.

Die feierlichen Reden und Zeremonien, die an diesem Tag gehalten werden, mögen in vielen Fällen gut gemeint sein. Sie mögen helfen die Erinnerung an das Abschlachten europäischer Juden durch die deutschen Nazis und ihre Kollaborateure wach zu halten. Aber wenn es irgendetwas gibt, das wir aus Holocausterziehung und –gedenken gelernt haben sollten, dann dass es wenig dazu beiträgt den zeitgenössischen Antisemitismus zu bekämpfen.

Die unablässigen Bemühungen die Schoa zu verallgemeinern entzieht dem Ereignis seine Einmaligkeit und verwässert alle Bedenken in einen bedeutungslosen Wunsch Intoleranz zu bekämpfen. Das missversteht das Wesen des Antisemitismus, der zwar in der Lage ist in unterschiedliche Formen zu schlüpfen, um von Faschisten, Nazis, Kommunisten, Islamisten und heute von woke-intersektionalen Ideologen adaptiert zu werden, aber praktisch ein politischer Virus ist. Sein Zweck ist kein Beispiel für „die Unmenschlichkeit des Menschen“. Er will politische Ziele erreichen, indem er Hass auf das Judentum, die Juden und den jüdischen Staat lenkt.

Wichtiger noch: Das meiste des andächtigen Saldaberns und Trauer wegen des Holocaust zum Ausdruck zu bringen ist gezielt losgelöst von jeglicher Sorgen um Bedrohungen des Staates Israel und des Rechts der Juden, die dort leben, um sich gegen diejenigen zu verteidigen, die einen weiteren Holocaust an ihnen begehen würden.

Wie der Titel von  Dara Horns Buch uns lehrte: „Die Leute lieben tote Juden.“ Es sind die Lebenden, besonders die, die ihre Rechte geltend machen und sich verteidigen, die ein Großteil der Welt nicht ausstehen kann und um die er sich nicht weniger scheren könnte.

Und das bringt uns zurück zur University of Michigan.

Es ist vielsagend, dass viel von der vermeintlich aufgeklärten linken Meinung ein Problem mit der Antisemitismus-Definition hat der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) hat. Sie mögen sie nicht, weil sie ausdrücklich Aufrufe zur Vernichtung des jüdischen Staates und Vergleiche zwischen Israel und den Nazis als Beweise für Antisemitismus anführt. Linke wollen eine Trennmauer zwischen dem Hass auf lebende Juden und den für die von den Nazis getöteten vergossenen Krokodiltränen schaffen.

Diejenigen, die von solch hohlen Argumenten überzeugt sind, ignorieren die Tatsache, dass Israelis für zeitgenössische Antisemiten der Ersatz für traditionelle Wortbilder des Hasses sind, der sich gegen Juden richtet. Wie die IHRA-Definition klar macht, werden die Versuche Israels Verhalten bei seiner Verteidigung gegen Bemühungen zu vernichten mit zweierlei Maß zu beurteilen, das auf keine andere Demokratie angewendet wird, scheinheilig. Sie sind Beweis einer bösartigen Form des Vorurteils gegenüber Juden.

Aber der Punkt zum „Intifada“-Marsch auf dem An Arbor-Campus der University of Michigan ist, dass diejenigen, die ihn verteidigen – oder, wie im Fall von Eshman, ihn rational zu machen oder zu rechtfertigen – nicht nur die Vorstellung von „Kritik“ an Israel mit der antisemitischen BDS-Kampagne oder dem Eintreten von Gewalt durcheinander bringen. Millionen Israelis stehen jeden Tag auf und kritisieren ihre Regierung auf ganz ähnliche Weise wie hunderte Millionen Amerikaner es mit ihrer machen. Antizionistischer Aktivismus soll den einzigen jüdischen Staates auf dem Planeten beseitigen – nicht seine Politik ändern oder seine Grenzen anpassen. Weil Antizionismus den Juden verweigern will, was niemand sonst irgendwem anders zu verweigern wagen würde, ist der Anspruch, dass er nicht als nur eine weitere Variante des Antisemitismus eingestuft werden sollte, ein große Lüge.

Darüber hinaus sind Juden, die sich über Aufforderungen sie zu töten, keine „Mimosen“ mit weichen Knien, die beim ersten Zeichen von Widerspruch gegen ihre Überzeugungen in Deckung gehen oder versuchen gegnerische Ansichten zu unterdrücken. Das liegt nicht nur daran, dass niemand es wagen würde dasselbe über Afroamerikaner zu sagen, die rassistische Attacken auf ihre Gemeinschaft auf die Art angingen, wie sie das Recht der Juden infrage stellen empört auf Befürwortung von Antisemitismus zu reagieren.

Die Atmosphäre vieler, wenn nicht der meisten US-Universitäten ist eine, in der pro-israelische Stimmen oft einschüchternd zum Schweigen gebracht werden. Wie die aktuelle Kontroverse wegen des Angebots eines Lehrauftrags für Kenneth Roth, den Israel hassenden und antisemitischen früheren Leiter von Human Rights Watch an der Kennedy School of Government der Harvard University veranschaulicht ist Antizionismus in Amerikas höherer Bildung normalisiert worden. Pro-israelische Akademiker müssen entweder still bleiben oder eine andere Möglichkeit suchen sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, während die, die toxische Mythen über den jüdischen Staat verbreiten, gefeiert werden.

As hat tiefgehende Auswirkungen auf jüdische Studenten. Sie wissen, dass für ihr Volk den Mund aufzumachen sie in Konflikt mit der modischen linken Meinung bringt, die sich die giftige Mär der Intesektionalität zu eigen gemacht hat, in der Juden und Israel fälschlich als Nutznießer von „weißem Privileg“ gekennzeichnet werden. Diejenigen, die Israels Vernichtung anstreben, werden fälschlich als Opfer behandelt. Diejenigen, die glauben, Juden sollte bereit sein die Vorzüge der Argumente für ihre Abschlachtung zu diskutieren sind entweder wegen des Wesens des palästinensischen Nationalismus und Terrorismus verwirrt oder moralisch bankrott. In einigen Fällen lautet die offensichtliche Antwort, dass auf ihre Art der Interessenvertretung beides zutrifft.

Die linke Bereitschaft im Namen der freien Meinungsäußerung Aufrufe zum Töten von Juden zu tolerieren, ist nicht nur heuchlerisch. Es ist auch hinterhältig. Es ist ein Spiegel des Wunsches das zu normalisieren, woran niemand denken würde, wenn es um Hass auf jede andere ethnische oder Religionsgruppe geht.

Diejenigen, die bereit sind Aufrufe zum Vergießen jüdischen Blutes schlicht als Argument zu bezeichnen, zu dem vernünftige Leute unterschiedlicher Meinung sein können, betreiben eine anrüchige Art von Interessenvertretung. Sie erinnern uns auch daran, wie bedeutungslos eine solche Art des Gedenkens des Holocausts geworden ist. Das einzige wahre oder bedeutungsvolle Denkmal für die 6 Millionen ist der jüdische Staat, der zu spät geschaffen wurde um sie zu retten, der aber zukünftige Versuche die Juden abzuschlachten verhindern kann. Jeder – ob Jude oder Nichtjude – der das nicht versteht, hat kein Recht zu dem Thema irgendetwas zu sagen.

Um den heutigen, als Antizionismus getarnten Antisemitismus zu verstehen, werfen Sie einen Blick in die Vergangenheit

Elder of Ziyon, 16. Januar 2023

Letzte Woche wurde ein unabhängiger Bericht veröffentlicht, der einen Blick auf die Vorwürfe tiefgreifenden Antisemitismus in der National Union of Students (NUS) in Großbritannien wirft.

Der Antisemitismus ist eng mit Antizionismus verbunden, bei dem jüdische Studenten Blitzableiter für Hass auf Israel sind.

Spiked Online fasst den Bericht zusammen:

Der von Rechtsanwältin Rebecca Tuck geschriebene Bericht zeigt eine NUS, die Antisemitismus als zweitrangiges Problem betrachtet, dessen Ausmaß von jüdischen Studenten übertrieben wird. Viel zu viele NUS-Führer scheinen zu glauben, dass Antisemitismus weit weniger wichtig ist als andere Formen der Diskriminierung.

Tucks Bericht ist vernichtend. „Mindestens ein Jahrzehnt lang“, argumentiert sie, „haben jüdische Studenten sich in NUS-Zusammenhängen oder gewählten Rollen nicht willkommen gefühlt.“ In der Tat haben viele jüdische Studenten das Gefühl, dass die NUS sie als Parias behandelt. Bei zahlreichen Vorfällen haben führende NUS-Mitglieder die Bedeutung Vorfällen von Judenhass heruntergespielt.

Normalerweise werden Beschwerden über Rassismus von der NUS und in der höheren Bildung sehr ernst genommen. Der reine Hinweis auf Rassen-Schikane auf dem Campus lässt Universitäten sich selbst als „institutionell rassistisch“ verurteilen. Jedenfalls, wenn die Beschwerde nichts mit einem Antisemitismus-Vorfall zu tun hatte. Der Bericht zeigt, dass jüdische Studenten oft gesagt wurde, was sie als Antisemitismus betrachteten, sei nur legitime Kritik an Israel. Wenn jüdische Studenten darauf hinwiesen, dass sie im Gegenteil verleumdet wurden, weil sie Juden sind, nicht wegen ihrer politischen Überzeugungen, wurden ihre Beschwerden heruntergespielt oder abgetan.

Wie Tuck überzeugend argumentiert, hat die NUS diese Beschwerden wegen ihrer pro-palästinensischen Haltung zum israelisch-palästinensischen Konflikt beharrlich zurückgewiesen. Tatsächlich hat es in den letzten Jahren den Anschein, dass einige Führer der NUS jüdische Studenten für das Handeln Israels verantwortlich machen. Das hat ein Umfeld zur Folge, das Juden gegenüber zutiefst feindlich gestimmt ist.

Die Täter argumentieren dagegen immer, dass sie nur pro-palästinensisch sind, nicht antisemitisch (und die Juden sollten aufhören so empfindlich zu sein).

Einmal mehr liefert uns die Geschichte die Antwort zu der Anklage.

Vor 75 Jahren, am 15. Januar 1948, hatte die Palestine Post diese drei kleinen Artikel auf den Seiten 3 und 4.

„Mexikanische Araber bedrohen Juden“
„Syrische Juden vertrieben“
„Judenfeindliche Studenten streiken in Beirut“

Genauso wie heute in Großbritannien sind die Angriffsziele Juden – Juden, von denen angenommen wird, dass sie durch ihre Verbindung zum Zionismus schuldig sind. Das ist offensichtlich Antisemitismus.

Doch ebenfalls genauso wie heute in Großbritannien wären all diese Vorfälle von den Antizionisten der damaligen Zeit als normale Reaktion auf die Übel des Zionismus abgetan worden, die nichts mit Juden als Juden zu tun hätten.

Aus der Sicht 75 Jahre später kann niemand ernsthaft argumentieren, dass die Vorfälle in Mexiko, Syrien und Beirut kein reiner Antisemitismus waren. Die Angreifer taten damals nicht einmal so, als würden sie zwischen Zionisten und Juden unterscheiden – nur ihre Fürsprecher machten das.

Aber kann irgendjemand anzweifeln, das hinter der „antizionistischen“ Aggression, die wir heute auf dem Campus und an anderen Orten erleben, nicht genau dieselben Quellen, die selbe Motivation und denselben mentalen Prozess steckt wie die in diesen drei Artikeln?

Das Einzige, was sich in 75 Jahren geändert hat, ist, dass die modernen Antisemiten versuchen in ihrem Sprachgebrauch vorsichtiger sind, um zu vermeiden ausdrücklich zu sagen, dass Juden ihr Ziel sind. (Die Sowjets machten daraus eine Wissenschaft.) Aber die Giftigkeit ist dieselbe, die Boykotte und die Ausgrenzung sind dieselben, die Drohungen sind dieselben und der hysterische Hass auf eine Minderheit ist derselbe.

Leider sind die Reaktionen der verantwortlichen Obrigkeiten (der Präsident der AUB ist bereit über die Forderungen von Antisemiten zu diskutieren, als hätten die Gültigkeit) ebenfalls dieselben.

Ein neues, dummes Argument: Die Oslo-Vereinbarungen sind im Nachhinein illegal

Elder of Ziyon, 9. Januar 2023

Ralph Wilde, ein Dozent an der Jura-Fakultät des University College London, schreibt in OpinionJuris, dass Israels Anwesenheit irgendwo jenseits der Waffenstillstandslinien von 1949 illegal ist – nicht die Siedlungen, sondern der „Besatzung“ eines jeden Quadratzentimeters.

Es handelt sich um einen klassischen Fall, n dem die Meinung den Beweisen vorausgeht und die Beweise dann an das Argument angepasst werden.

Es gibt da einen Haufen Müll, aber hier ist ein Argument, das ich nie zuvor gesehen habe und das ungemein dumm ist.

Weder die Resolution 242 des UNO-Sicherheitsrats noch die sogenannten Oslo-Vereinbarungen bieten einen alternative juristische Grundlage für die Existenz/Fortführung der Besatzung. Tatsächlich verletzen die Oslo-Vereinbarungen selbst das Völkerrecht, weil ihnen „zuzustimmen“ von der PLO über illegalen Einsatz von Gewalt erpresst wurde und, damit zusammenhängend, mit den Normen des internationalen Rechts kollidierte, die einen besonderen, nicht veräußerlichen/jus cogens-Status haben (das Verbot des Einsatzes von Gewalt, die keine Selbstverteidigung ist und des Rechts auf Selbstbestimmung).

Laut Wilde waren die Oslo-Vereinbarungen illegal, weil die PLO von Israel gezwungen wurde sie zu unterzeichnen.

Meines Wissens hat bisher nie jemals diese Behauptung aufgestellt. Nicht während des Oslo-Prozesses von 1993 bis 2000, nicht während der zweiten Intifada, nicht danach.

Die PLO selbst erhob diese Behauptung gewiss nie; bis heute wirft Mahmud Abbas Israel die Verletzung der Oslo-Vereinbarungen vor, aber er hat nie auch nur einmal gesagt, sie würden nicht gelten, weil die PLO erpresst wurde.

Was kommt als nächstes? Werden wir im Nachhinein den Versailler Vertrag für ungültig erklären, weil Deutschland den Ersten Weltkrieg verlor und daher Erpressung ausgesetzt war, wenn es ihn nicht unterschrieb?

Wildes Logik ist bemerkenswert. Aber er versucht sie wirklich vernünftig erscheinen zu lassen. In seinem umfangreicheren Artikel zum Thema schreibt er:

Da ein Großteil des Völkerrechts auf der Grundlage einer Fiktion von souveräner Gleichheit agiert, trotz de facto bestehender Ungleichheit, sind Verträge zwischen ungleichen Partnern aus diesem Grund nicht notwendigerweise ungültig. Aber eine rote Linie besteht, wo die mächtige Seite, wie hier, die andere Seite in einer besonderen Weise unterjocht – auf eine Weise, die die Handlungsfreiheit dieser anderen Seite derart beeinträchtigt, wenn es um ihre Zustimmung zu der Vereinbarung geht, dass die Vereinbarung als durch eine besondere Form der Unterdrückung herbeigeführt verstanden werden kann. Auf die Oslo-Vereinbarung  trifft dieser Test zu und sie sind auf dieser Grundlage rechtsunwirksam. Tatsächlich stellt ihre Beschaffung im Kontext der Besatzung eine offenkundige und unerhörte Form der Erpressung dar, die von der gleichwertigen Regel des Gewohnheits-Völkerrechts für die Vorschrift in der Wiener Konvention für Vertragsrecht vorgeschrieben wird, wenn es um ihre Nichtigkeit geht.

Das bedeutet, dass jeder Fall von Besatzung niemals durch Verhandlungen beendet werden kann, weil die besetzte Seite per Definition zu dieser Vereinbarung erpresst wurde.

Wildes bizarres Argument wirft eine weitere Frage auf. Wer bestimmt laut seiner Fantasie-Version des Völkerrechts, dass eine Seite erpresst wird? Normale Menschen würden sagen, das wären die erpressten Seiten selbst. Aber wenn die PLO nicht behauptet, dass sie zur Unterzeichnung erpresst wurde, und tatsächlich ständig argumentiert, dass Oslo gültig ist und Israel dagegen verstößt, wie kann dann irgendjemand diese Behauptung zur Tatsache erheben?

Offenbar glaubt Wilde, dass seine eigene Meinung zu dem, was Erpressung darstellt, das übertrift, was die Seite meint, von der er sagt, sie werde erpresst! Das ist nicht mehr Vortäuschung der Interpretation von Völkerrecht – das ist ein Versuch Völkerrecht auf Grundlage dessen zu schaffen, was ein einzelner, nicht beteiligter, israelfeindlicher Akademiker meint.

Darüber hinaus haben wir ein weiteres Problem. Wenn Oslo unter Zwang unterzeichnet wurde, warum unterschrieb die PLO dann die vorgeschlagenen Friedensvereinbarungen von Camp David und Taba nicht, als sie nicht nur von Israel, sondern von der damals einzigen Supermacht Welt unter Druck gesetzt wurden, den USA? Wie konnte Arafat diesem Druck widerstehen, aber den viel milderen Nötigung von 1993 nicht? Was hat sich – im Rahmen des Völkerrechts – verändert, dass er 1993 keinen freien Willen hatte, 2000 aber sehr wohl?

Wilde erweist sich bei all seiner Belesenheit und Expertise mit diesem Argument als Betrüger. Er verdreht eindeutig das Völkerrecht so, dass es in seine vorab bestimmte Schlussfolgerung passt.

Und das sollte ihn dafür disqualifizieren wen auch immer zu unterrichten.

Die Blase einer weiteren PA-Lüge platzen lassen: Die Campbell-Bannerman-Verschwörung

Maurice Hirsch, Palestinian Media Watch, 28. Dezember 2022

Wie Palestinian Media Watch wiederholt enthüllte, ist ein integraler Bestandteil des „Narrativs“ der palästinensischen Autonomiebehörde, um Israels Legitimität zu untergraben, um zu behaupten, dass Juden jegliche historische Verbindung zum Land Israel fehlt und dass die Gründung Israels nichts weiter als ein Akt westlicher Kolonisierung sei. Um ihre Geschichtsrevision zu untermauern, behaupten PA-Führer oft, es gebe einen Geheimplan, der vom britischen Premierminister Sir Henry Campbell-Bannerman ausformuliert wurde, um „ein fremdes Organ in die Mitte des Volks der arabischen Nation zu pflanzen, um seine Solidarität zu zerbrechen, seine Ressourcen zu stehlen und seine Wiederbelebung zu verhindern.“ Das ist laut der Geschichtsrevision der PA der einzige Grund für die Gründung des Staates Israel. Ähnlich vielen anderen Teilen des PA-Narrativs ist die Behauptung zur Campbell-Bannerman-Verschwörung eine komplette Lüge, der jegliche Fakten- oder Beweis-Grundlage fehlt. In Wirklichkeit haben ehrliche muslimisch-arabische Forscher, die versuchten haben die Authentizität des Dokuments zu beweisen, schließlich zugegeben, dass ein solches Dokument gar nicht existiert.

Prof. Dr. Mohsen Mohammad Saleh, der Leiter des Al-Zaytouna-Centre for Studies and Consultations, einem libanesischen Forschungsinstitut, das „sich auf die Palästinenserfrage und den Konflikt mit Israel sowie damit verbundenen palästinensischen, arabischen, islamischen und internationalen Entwicklungen konzentriert“, schrieb einen Artikel, mit dem die Herkunft des sogenannten „Campbell-Bannerman-Dokuments“ festzustellen.

Obwohl sein Ziel darin bestand das Dokument beglaubigen, war Salah enttäuscht:

„Kurz gesagt wurde ich neugierig in der Sache. Bei einem Besuch in Britannien machte ich mich daran das zu recherchieren, aber ich fand keine Spur davon oder Quelle dafür!!“
[Internetseite von Al-Zaytouna, Political Analysis: Ist the „Campbell-Bannerman Document“ Real or Fake?, 29. Sept. 2017]

In dem Artikel legt Salah dar, wie Dr. Anis Sayegh (den Salah als „einen der führenden Forscher zur modernen palästinensischen Geschichte und Leiter des Forschungszentrums der Palästinensische Befreiungsorganisation [PLO] von 1966 bis 1976“ bezeichnet) die Herkunft des angeblichen Dokuments entdeckte. Laut dem Bericht wurde erstmals auf das Dokument nach einer beiläufigen Diskussion zwischen einem Ägypter namens Antoun Canaan („dem ersten Araber, der in einer veröffentlichten Arbeit auf das Campbell-Bannerman-Dokument verwiesen hat“) und einem nicht identifizierten Inder, der in einem Flugzeug direkt neben ihm saß, verwiesen:

In seinem Bericht erwähnte er, dass er, als er Vorsitzender des PLO-Thinktanks war, sehr daran interessiert gewesen sei das „wichtige Dokument“ in die Hände zu bekommen, aber keine einzige etablierte Quelle und sie zitierende Bücher finden konnte, auch nicht in Arbeiten verlässlicher Autoren wie Buhran al-Dajani, Munthir Antabawi, Kahiri Hamad und Schafiq Irschidat. Jeder von ihnen verwies in einer Art Zirkelschluss auf einen der anderen.

Aus diesem Grund beschloss Dr. Anis Sayegh Zeit in Recherche zum Dokument in Großbritannien zu investieren, verbrachte einen ganzen Monat im britischen Nationalarchiv, der Bibliothek im British Museum und der Cambridge University, wo Campbell-Bannerman studiert und seine gesamte private Dokumentensammlung einlagerte. Dr. Sayegh untersuchte auch das Archiv der Zeitung The Times für den Zeitraum 1904 bis 1907 und fand tausende Verweise auf die imperialistisch-koloniale Konferenz, stellte aber nichts zu Dokument selbst fest.

Nachdem er mit leeren Händen nach Beirut zurückkehrte, hatte er die Chance zu erfahren, dass der erste Araber, der auf das Campbell-Bannerman-Dokument verwies, Antoun Canaan war. Er reiste nach Ägypten, wo Antoun lebte und traf ihn nach einiger Suche. Er war überrascht von ihm zu hören, dass er, als er Mitte der 1940-er Jahre zum Studio von Palästina nach London reiste, im Flugzeug einen Inder traf, der neben ihm saß. Der Mann sagte ihm, er erinnerte sich daran von einer Kolonialkonferenz in London gelesen zu haben, an dem Delegierte mehrerer Kolonialmächte die Aufteilung der arabischen Staaten, die Verhinderung ihrer Wiedervereinigung und die Gründung eines jüdischen Staates zu diskutieren, aber der Inder gab Canaan kein akademisch dokumentiertes Material zu dem Dokument.“ [Internetseite von Al-Zaytouna, Al-Zaytouna, Political Analysis: Ist the „Campbell-Bannerman Document“ Real of Fake?, 29. Sept. 2017]

Salah führt zwar an: „Unser Scheitern dabei das Dokument sicherzustellen, beweist nicht, dass es in derselben oder in anderer Form nicht existiert“, fügt er hinzu. „Gleichzeitig können wir nicht behaupten, etwas existiere, wenn es alles andere als schlüssig gefestigt ist.“

Salah beendet den Artikel damit, dass er das angebliche Campbell-Bannerman-Dokument mit den gründlich diskreditierten „Protokollen der Weisen von Zion“ und dem sogenannten „Napoleon-Versprechen“ von 17998 gleichsetzt, das in einiger arabischer und islamischer Literatur ohne Beweise angeführt wird“:

Damit wird das Campbell-Bannerman-Dokument den sogenannten „Protokollen der Weisen von Zion“ und dem sogenannten „Napoleon-Versprechen“ von 1798 hinzugefügt, die ebenfalls nie authentifiziert wurden, aber immer noch ohne Beweise in einiger arabischer und islamischer Literatur angeführt werden. [Internetseite von Al-Zaytouna, Al-Zaytouna, Political Analysis: Ist the „Campbell-Bannerman Document“ Real of Fake?, 29. Sept. 2017]

Die volle Version von Salahs Artikel erscheint unten.

Während es eindeutig keine faktische oder Beweisgrundlage für die Existenz des angeblichen Campbell-Bannerman-Dokuments, verhindert das auf wahre PA-Weise nicht, dass die Verschwörung von der PA und ihren Vertretern wiederholt angeführt wird.

In einer Predigt, die erklärt, wie der Koran die Palästinenser lehrt ihre Feinde zu erkennen, beantwortete der oberste PA-Schariarichter und Mahmud-Abbas-Berater zu Religionsangelegenheiten und islamische Beziehungen Mahmud Al-Habbasch, der vor kurzem Juden als „grasende Humanoiden-Herden … Affen und Schweine“ bezeichnete, die Frage „Wie kannst du deinen Feind erkennen?“, indem er sagte:

„Der Feind ist einer, der Hausfriedensbruch, Übertritte, Angriffe, Unterdrückung begeht, Schäden anrichtet… Jeder, der eines dieser Dinge an uns begeht… ist ein Feind und wir dürfen ihn nur von diesem Standpunkt aus betrachten… Sie werden alles unternehmen, um euch auf jede Art und Weise anzugreifen und sie werden ‚ihre Hände und ihre Zungen mit Üblem gegen dich ausstrecken‘.“ [offizielles PA-Fernsehen, 9. Sept. 2022]

Al-Habbasch fährt fort:

Wer sind die, die „ihre Hände und ihre Zungen mit Bösem gegen dich ausstrecken“ und die wünschen, wir würden unsere Religion, unsere Werte und unserer Prinzipien aufgeben… wer sind sie?…

Nicht nur die, die die Besatzung gegen uns direkt verhängen, sind unsere Feinde. Sie sind Feinde, die Besatzung ist ein Feind, sie hat keinen anderen Namen, die Besatzung ist ein Feind; aber nicht nur die Besatzung, sondern auch die Vorväter der Besatzung, die Gründer der Besatzung, die sie einführten und bei ihrer Einrichtung vor mehr als 100 Jahren halfen. [offizielles PA-Fernsehen, 9. September 2022]

In der Vorbereitung seines Verweises auf da Campbell-Bannerman-Dokument schmückte Al-Habasch dann die Zufallsgeschichte des unbekannten Inders zu einer kompletten Verschwörung darüber aus, dass westliche Länder ihren Untergang vorhersehen, ihre Ersetzung durch „die Zivilisation im Osten und Süden des Mittelmeers“ und ihres Komplotts dieser Möglichkeit entgegenzuwirken:

Vor mehr als 100 Jahren, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, kamen die kolonialistischen Vorväter des zionistischen Projekts zusammen, die Vorväter des Projekts „Israel“, das unser Land besetzt und unsere Rechte stiehlt. Sie trafen und versammelten sich und sagten, ihr Kultur – die aggressive imperialistische Kultur des Kolonialismus, die auf Materialismus, Unterdrückung, Profit und Grausamkeit gegründet ist – diese Zivilisation, wen sie denn als solche bezeichnet werden kann, steht kurz vor dem Zusammenbruch. Und wer ist der Kandidat, der ihren Platz einnimmt, der die Welt anführt und die Flagge der Gerechtigkeit und des Guten hisst?

Diejenigen, die zusammenkamen, waren Premierminister und Minister der europäischen Kolonialstaaten und dazu Denker, Historiker und Berater; sie trafen sich in London zu Beginn des 20. Jahrhunderts, 1902 oder 1903, und sagte, ihre Kultur stehe vor dem Zusammenbruch und der eine, der ihren Platz einnehmen wird, ist die Zivilisation im Osten und Süden des Mittelmeers…

Aber die unterdrückerisch angreifenden Kolonialisten wollten das nicht. Sie sagten: Um das zu verhindern, müssen wir den Fortschritt in der Region verhindern. Wir müssen sie geteilt lassen, zerfallen, gespalten, mit sich selbst in Konflikt. Wir müssen Hass, groll und Konflikte bei ihnen untereinander verbreiten. [Wir müssen die Region] rückständig hinterlassen. Wir müssen die Region von Fortschritt, von der Fähigkeit zu Initiative und den Grundlagen von Identität abhalten. Und mehr als alles andere müssen wir im Herzen dieser Region ein isoliertes Gebilde einpflanzen, ein Volk, das für all das und in ihrem Land fremd ist, das uns ein Freund sein wird – und das werden die Juden sein (sic: ein Überfluss an Beweisen belegt jüdische Geschichte in Israel). Das ist das, was sie wollten, sie benutzten die Juden nur. Sie benutzten sie, um kolonialistische Expansionswünsche, Aggression verwirklichen. Sie und die Besatzung sind zwei Gesichter, zwei üble Seiten einer Münze, zwei übel Seiten einer noch übleren Münze… [offizielles PA-Fernsehen, 9. September 2022]

Al-Habbas schloss dann:

Sie sind diejenigen, die sich gegen uns versammelten und dann gaben sie aus, was in der Geschichte als „das Balfour-Verbrechen“ (d.h. die Erklärung) bekannt wurde. Sie sind ein Feind. Sie griffen uns an, unterdrückten uns, bestahlen unsere Rechte, gaben unsere gut verwurzelten und dauerhaften Rechte denen, die sie nicht verdienen. .. Der Koran erwähnte Balfour nicht namentlich und er erwähnte den Bericht nicht – das Komplott, das ihm vorausging, das wir schon erwähnten und das in der Geschichte als das Komplott des britischen Premierministers [Henry] Campbell-Bannerman oder das Dokument oder der Plan bekannt wurde. Der Koran erwähnte die Namen dieser Kriminellen nicht, aber er vermerkte ihre Charakterzüge und ihre Beschreibungen… [offizielles PA-Fernsehen, 9. September 2022]

Das war nicht das erste Mal, dass Al-Habbasch die erfundene Geschichte erzählte; er argumentiert, dass das Ziel der Einpflanzung der Juden in den Nahen Osten darin bestand die Einwohner der Region „zu spalten, rückständig zu machen und sich untereinander bekämpfen zu lassen“:

Vor mehr als 100 Jahren trafen sich ein paar wenige Führer des Westens 1905 in London und diskutierten den Status Europas, des Kolonialismus und der Welt. Ihre Schlussfolgerung war: Ihre Zivilisation stand vor dem Sturz. Die Kultur des Westens, die Kultur des wilden Kapitalismus und die Kultur der Aggression, des Imperialismus und des Kolonialismus stehen vor dem Sturz. Und die [Einwohner der] Gegend, die ihren Platz erben würde, waren die [Einwohner der] Gegend südlich und östlich des Mittelmeers, dank ihrer Vorteile der geografischen Einheit, großer natürlicher Ressourcen und einer einheitlichen Sprache und Religion „und um diese Gegend davon abzuhalten die Nationen zu führen, müssen wir diese Region und ihre Einwohner spalten, rückständig machen und sich untereinander bekämpfen lassen“.

Muwaffaq Matar, Mitglied des Revolutionsrats der Fatah und regelmäßiger Kolumnist für die offizielle PA-Zeitung, verweist auf ähnliche Weise auf die angebliche Verschwörung; er behauptet, der Plan sei „eine Schachfigur in unsere Heimat Palästina zu pflanzen, als Stätte der Konzentration und des Handelns zur Verhinderung des Erwachens der arabischen Nation und ihrer Einheit“:

Wir in der palästinensischen Befreiungsbewegung handeln nach Willen und Kultur des palästinensischen Volks. Wir haben die Natur der schicksalhaften Verbindungen mit unserer arabischen Nation verstanden und betrachten nach unserer Willenskraft, Glauben und Kampf seine wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Leistungen, Einheit, Entwicklung und Wachstum sowie seine kulturelle Aufklärung als die stärkste Komponente in unserem Kampf unser historisches und natürliches Recht den Klauen der kolonialistischen Staaten zu entziehen., die 1905 das Campbell [-Bannerman]-Dokument beschlossen, um eine Schachfigur auf dem Land unserer Heimat Palästina als Ort der Konzentration zu errichten und zu handeln, um das Erwachen der arabischen Nation und seiner Einheit zu verhindern.“ [offizielles PA-Zeitung Al-Hayat Al-Jadida, 24. November 2022]

Omar Hilmi Al-Ghou, regelmäßiger Kolumnist der offiziellen PA-Zeitung und ehemaliger Berater des früheren PA-Premierministers Salam Fayad für nationale Angelegenheiten, hat ebenfalls wiederholt auf die angebliche Verschwörung hingewiesen:

„Der zionistische Faschismus ist tief verwurzelt und hat seit des Beginns der Umsetzung des zionistischen Projekts im  historischen Palästina existiert; mit anderen Worten: vor mehr als 100 Jahren – Dutzende Jahr vor dem Nazi-Holocaust, der keine Verbindung zu den Ergebnissen der Campbell-Bannerman-Konferenz in den Jahren 1905 bis 1907 hat…“ [offizielle PA-Zeitung Al-Hayat Al-Jadida, 20. Juni 2022]

„Es muss betont werden, dass das Balfour-Versprechen (sprich: die Erklärung) … aus kolonialistisch-imperialistischen Gründen gegeben wurde, die auf der Campbell-Bannerman-Konferenz 1905 bis 1907 definiert wurde. Diese Konferenz festigte den ideologischen, kolonialistischen, politischen und wirtschaftlichen Hintergrund zur Gründung einer fremder Körperschaft mitten im Volk der arabischen Nation, um ihre Solidarität zu zersplittern, ihre Ressourcen zu stehlen und ihre Wiederbelebung zu verhindern… [offizielle PA-Zeitung Al-Hayat Al-Jadida, 3.November 2019]

„Das Ziel der Gründung des zionistischen Projekts und seine physische Basis, der kolonialistische Staat Israel, bestand darin das palästinensische Volk aus der arabischen, regionalen und globalen Weltpolitik zu beseitigen und auszulöschen und den israelischen Kolonialstaat zu hint4erlassen, der keine historischen Wurzeln hat und der arabischen Umgebung dem Nahen Osten allgemein fremd ist. Es handelt sich um einen unnatürlichen Staat ohne politische und anthropologische Eignung, die der kapitalistische Westen einrichtete, um seine kolonialistischen Ziele im arabischen Heimatland entsprechend der Campbell-Bannerman-Konferenz zu verwirklichen, die von dem unheilvollen Balfour-Versprechen und seinem historischen Fortschritt und Entwicklung gestärkt wurde.“ [offizielle PA-Zeitung Al-Hayat Al-Jadida, 13.Juli 2019]

Das PA-Fernsehen interviewte auch einen Ägyptologen, der ebenfalls erklärte, wie Großbritannien als Teil der Campbell-Bannerman-Verschwörung Juden in den Nahen Osten einplante um die Araber zu spalten:

Der Ägyptologe Dr. Wasim Al-Sisi: 1907 war der Premierminister von England ein Mann namens Sir Henry Campbell-Banner… Er sammelte Delegationen aus europäischen Staaten und sagte: „es gibt seine sehr reiche, fruchtbare und ungebildete Region und das ist der Nahe Osten. Der wichtigste Staat ist Ägypten, wegen des Reichtums seiner Zivilisation. Diese Region wird uns [Europa], wenn sie sich entwickelt, strangulieren… Wir wollen eine Instanz… die wir in dieser Region einpflanzen. Ihre Rolle lautet sie [die arabischen Staaten] aufzubrechen. Das wird ihnen nicht die Gelegenheit geben sich auszurichten. Denn wenn sie sich koordinieren und vereinen, werden wir verloren sein. Im Gegenzug dafür werden wir diesem Gebilde helfen und es stärken, weil es Teil von uns ist.“ [offizielles PA-Fernsehen, Aus Kairo, 8. Oktober 2018]

Es sollte festgehalten werden, dass der britische Premierminister Sir Henry Campbell-Bannerman einen Empire-Konferenz leitete, deren Protokolle Behauptungen einer Verschwörung zur Untergrabung des Nahen Ostens widerlegen.

Es folgt der komplette Text des von Salah geschriebenen Artikels:

Das Campbell-Bannerman-Dokument wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts von Dutzenden Forschern in der arabischen Welt als Bezug verwendet. Sie betrachten es als Ausgangspunkt, um den Hintergrund des Aufkommens des jüdisch-zionistischen Projekts in Palästina zu verstehen, wie es von den westlichen imperialistischen Mächten verfolgt wird. Das Dokument hat allerdings „mysteriöse“ Herkunft und seine Authentizität ist nicht akademisch und verlässlich bestätigt worden.

In den letzten Monaten habe ich auf vielen Ebenen die Debatte um das Dokument verfolgt. Ein Video auf Arabisch hat sich in den sozialen Medien weithin verbreitet, das vor dem Inhalt des Dokuments und seinen gefährlichen Folgen warnt.

Das mutmaßliche Dokument erklärte – laut des ersten Teils des Malaf Watha’iq Felastin (Palästina-Dokumente-Dossier), veröffentlicht 1969 vom Ministerium für Kultur und Nationale Führung in Ägypten (unter Gamal Abdel Nasser) S. 121 – das eine geheime „Kolonialkonferenz“ fand 1905 bis 1907 in London auf Initiative der britischen Konservativen Partei veranstaltet. An ihr nahmen prominente Historiker, Soziologen, Geografen, Landwirtschaftswissenschaftler, Erdöl-Experten und Ökonomen teil. Die vermeintliche Konferenz gab 1907 eine Reihe von Empfehlungen an den damaligen britischen Premierminister Henry Campbell-Bannerman, wobei Folgendes betont wurde:

„an der Landbrücke zwischen Europa wie auch dem Mittelmeer und der alten Welt eine starke, fremde, menschliche Barriere aufzubauen, um – in der Region nahe des Suezkanals – eine Kraft zu bilden, die den Völkern der Region feindlich und den europäischen Ländern und ihren Interessen freundlich gegenüber gesinnt ist, ist die praktische und sofortige Umsetzung der vorgeschlagenen Methoden und Ansätze.“

Laut dem mutmaßlichen Dokument bedeutet dies, dass „westliche Experten“ die Gründung eines fremden Gebildes, nämlich das nachfolgenden Israel, im östlichen Mittelmeer (besonders in Palästina) als eine Möglichkeit eine vorgeschobenen Basis zu Schutz westlicher Interessen zu schaffen, die Region zu schwächen und seine Wiedervereinigung zu verhindern. Mehrere Forscher argumentierten, dass dies, ob das Dokument nun echt ist oder nicht, das ist, was wirklich passiert ist.

Der Autor, wie andere Forscher, sind diesem Dokument bei anderen respektierten arabischen Quellen und Verweisen begegnet, die von renommierten Autoren wegen ihrer Sorgfalt berühmt bekannt sind, verwendet werden, dazu im Palästina Documenta Dossier, das von einem offiziellen ägyptischen Gremium veröffentlicht wurde, das ein hohes Maß an akademischer Prüfung angestrebt. Als Ergebnis hat der Autor dieses Dokument in seinen Schriften und Vorträgen verwendet, bevor er sich der Probleme bewusst wurde, die es aufwirft.

Vor etwa 14 Jahren traf ich Munir Shafi, der mich drängte das Dokument mit britischen  Originalquellen zu verifizieren, besonders nachdem er von meiner Spezialisierung erfuhr, die sich auf solche Dokumente konzentriert; dabei verließ sich meine Dissertation auf unveröffentlichte britische Dokumente, die im britischen Nationalarchiv, früher dem Public Rekord Office, aufbewahrt werden, die ich weiterhin von Zeit zu Zeit für meine akademischen Arbeiten konsultierte.

Dr. Anis Sayegh, einer der führenden Forscher für modernen palästinensische Geschichte und 1956 bis 1976 Leiter des Forschungszentrums der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), machte mich ebenfalls auf das Dokument aufmerksam. Er erzählte mir von seiner eigenen Erfahrung bei der Forschung zu dem Dokument und seinen Zweifeln bezüglich seiner Authentizität.

Kurz gesagt: Ich wurde diesbezüglich neugierig. Bei einem Besuch in Großbritannien machte ich mich deshalb daran zu recherchieren, aber ich fand keine Spur davon oder Quelle dafür!

Was die Zweifel weiter schürte ist, dass das Palästina Documenta Dossier – und andere Quellen – keine Fundstellen für das Dokument anführte, das keinen Eintrag im britischen Archiv hat, ohne ein Datum, eine Seriennummer und eine Klassifizierung laut der Akten Außenministerium, Colonia Office, War Office oder des Büros des Premierministers (PREM) usw.

Dr. Anis Sayeghs Geschichte mit diesem Dokument ist sowohl interessant als auch bitter. Er fasste sie in seinen arabischen Memoiren Anis Sayegh über Anis Sayegh auf den Seiten 279 – 281 zusammen. In seinem Bericht erwähnt er, dass er als Vorsitzender des PLO-Thinktanks diente, daran interessiert war das „wichtige Dokument“ zu erreichen, aber dafür in Dutzenden verweisen und Büchern, die es anführte, keine einzige zuverlässige, etablierte Quelle finden konnte, die es anführte, einschließlich der Arbeiten verlässlicher Autoren wie Buhran al-Dajani, Munthir Antabawi, Khairi Hamas und Shafiq Irschidat. Jeder von ihnen verwies in einer Art Zirkelschluss auf die anderen.

Aus diesem Grund beschloss Dr. Anis Sayegh der Erforschung des Dokuments in Britannien Zeit zu widmen; er verbrachte einen ganzen Monat im britischen Nationalarchiv, der Bibliothek des British Museum und der Cambridge University, wo Campbell-Bannerman studiert hatte und seine gesamte Sammlung an privaten Dokumenten hinterlegte. Dr. Sayegh untersuchte auch das Archiv der Zeitung The Times für den Zeitraum von 1904 bis 1907 und fand tausende Verweise auf die imperialistische Kolonialkonferenz, fand aber nichts über das Dokument selbst.

So kehrte Dr. Sayegh frustriert zurück. Weder der Inder noch Canaan hatten das Originaldokument untersucht und hatten keinerlei akademische Fundstelle dafür. Dr. Sayegh beschloss daher alle weitere Verweise oder Zitate dazu in Studien zu verbieten, die vom Palestinian Research Center veröffentlicht wurden. Was mich angeht, so beschloss ich dasselbe zu tun, nachdem ich keine Beweise fand, die es authentifizieren.

Nach dieser Übersicht könnte wir einige Anmerkungen und Punkte wie folgt hervorheben:

1. Die Einberufung der imperialistischen Kolonialkonferenz in dieser Zeit war eine Tatsache. Zu den britische Dokumenten gehören Dossiers und Einträge darüber. Allerdings existiert das sogenannte Campbell-Bannerman-Dokument in diesem Dokumenten nicht.

2. Unser Scheitern bei das Dokument sicherzustellen beweist nicht dessen Nichtexistenz nicht in gleicher oder anderer Form. Doch gleichzeitig können wir nicht behaupten, dass etwas existiert, wenn es alles andere als schlüssig festgestellt ist.

3. Die Tatsache, dass wir das Dokument nicht in unseren Händen halten, verweigert uns – akademisch gesprochen – die Befähigung es als Referenz zu verwenden, insbesondere angesichts seiner Sensibilität und ernsten Folgen. Darüber hinaus werfen die Ergebnisse von Dr. Sayegh nach seiner umfangreichen Sucher ernste Zweifel zu seiner Authentizität auf.

4. Laut der vielen Jahre Forschung des Autors dieses Artikels in den britischen Archiven und auf Grundlage seiner Recherchen in den dortigen Archiven werden britische Dokumente üblicherweise in drei Kategorien eingeteilt:

  • Archive, die veröffentlicht werden: Die meisten dieser Dokumente werden nach 30 Jahren veröffentlicht, manche erst nach 50, 75 oder sogar 100 Jahren.
  • Archive, die ohne veröffentlicht zu werden bewahrt werden.
  • Archive, die zerstört werden.

Das bedeutet, dass es einen sorgefältigen Prozess von Vorab-Kontrollen von Dokumenten in den Archiven gibt, in dem die höheren Interessen des Staates und seine sensiblen Geheimnisse sowie die Folgen der Veröffentlichung solcher Dokumente für Staaten, Institutionen und Einzelpersonen, außerdem für Feinde und Verbündete berücksichtigt werden. Das könnte es uns erlauben zu dem Schluss zu kommen, dass einige Dokumente zerstört worden sein könnten, wenn sie als die hohen Staatsinteressen gefährdend oder als überführendes Beweismaterial gegen ihn liefernd betrachtet werden.

5. Der britische Kolonialismus und Kolonialmächte waren im Allgemeinen intelligent, erfahren und vorsichtig genug solche Dokumente, sollten sie existieren, wegen der in ihnen enthaltenen belastenden Beweise für ihre „Komplotte“ als Kolonialmacht vor Forschern zurückzuhalten. In einigen Fällen mögen Anweisungen diesbezüglich mündlich bleiben und nicht in dokumentierten Texten aufgeschrieben werden; oder ihre Veröffentlichung und Zirkulation wird verboten, eine Vorgehensweise, die viele Regierungen der Gegenwart einhalten.

6. Der Verlauf der Ereignisse vor Ort könnte das Wesen des Campbell-Bannerman-Dokuments bestätigen, obwohl das von einem akademischen Standpunkt aus nicht ausreicht seine Authentizität zu begründen. Die Balfour-Erklärung wurde immerhin 1917 ausgegeben und Großbritannien bestand darauf das Wachstum des zionistischen Projekts und die Gründung eines Staates in Palästina direkt zu fördern. Damit wurden der Wille des palästinensischen Volks und seine Aufstände 30 Jahre lang (1917 bis 1948) unterdrückt, bis der „jüdische Staat“ in seiner militärischen, politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und administrativen Infrastruktur vollendet war.

1948 wurde Israel im Herzen der arabischen und muslimischen Welt gegründet. Das Überleben und der Wohlstand dieses Staates ist, zumindest aus einer praktischen Sicht, mit der Schwäche, der Spaltung und der Rückständigkeit seiner Umgebung verbunden; tatsächlich sind Projekte echter Einigung und Wiederbelebung Ausdruck des Willens der Völker der Region und der gesamten Nation grundsätzlich feindlich gegenüber und eine existenzielle Bedrohung für Israel, das sich – aus der Sicht des Volks der Region – das „Herz“ der arabischen und muslimischen Nation (Palästina) aneignete und sein Volk enteignete.

7. Es gibt Dokumente und Texte, deren Substanz das des vermeintlichen Campbell-Bannerman-Dokument bestätigt. Als der Gründer der zionistischen Bewegung, Theodor Herzl, sich 1902 mit dem damaligen britischen Kolonialminister Joseph Chamberlain traf, sagte Herzl ihm, die zionistische Basis in Palästina würde ein Pufferstaat sein, der britische Interessen sichert. Mit anderen Worten: Die zionistische Bewegung verstand sehr wohl, dass ihr Projekt niemals ohne die Förderung und den Schutz einer Großmacht Erfolg haben könnte und musste im Kontext der Interessen einer solchen Großmacht handeln.

Im Ersten Weltkrieg tauchten Schriften von britischen Nichtjude auf, so von Charles Preswich Scott, dem Herausgeber des Manchester Guardian, und Herbert Sidebotham, einen erfolgreichen Autor, die die Einrichtung eines Pufferstaats in Palästina forderten und behaupteten, die einzige Gruppe, die für diesen Zweck geeignet sei, sei das jüdische Volk.

Allgemein gesprochen war der strategische Faktor ein wichtiger Grund im Denken derer hinter der Balfour-Erklärung (der jüdische Staat als Pufferstaat, vorgeschobener Operationsbasis und Kommunikations- und Transitpunkt…). Wir könnten solche strategischen Verweise in Äußerungen von Premierminister David Lloyd George und Lord Curzon und anderen finden, die Balfour auf seinen Posten folgten.

Darüber hinaus legte Herbert Samuel, der zionistisch-jüdische Minister in der von Herbert Asquith geführten britischen Regierung dem Kabinett im Januar 1915 ein geheimes Memo vor, das die Besetzung Palästinas und die Öffnung für jüdische Migration und Besiedlung forderte, so dass die Juden dort die Mehrheit werden können, was die strategischen Vorteile der Eroberung Palästinas hervorhob.

8. Schließlich kann das Campbell-Bannerman-Dokument weder akademisch noch journalistisch angegeben werden, bis harte Beweise für seine Authentizität gefunden worden sind, bedenkt man die Folgen für die Glaubwürdigkeit und Objektivität für seinen Gebrauch. Tatsächlich würde das denen, die gegen die palästinensische Sache sind, erlauben die andren starken Belege und Argumente pro-palästinensischer Forscher auf eine Weise zu diskreditieren, untergraben, verspotten und schädigen, , die jeden Nutzen davon das Dokument mit guten Absichten anzuführen bei weitem aufwiegt. Das gilt insbesondere, wenn es einen großen Korpus echter Dokumente und tatsächlicher kolonialer Praxis vor Ort gibt, die das Ausmaß der kolonialen Unterstützung für das zionistische Projekt und koloniale Versuche offenlegen, die Einigungs- und Wiederbelebungsprojekte in der Region zu verhindern.

Damit ist das Campbell-Bannerman-Dokument den sogenannten „Protokollen der Weisen von Zion“ und dem sogenannten „Versprechen Napoleons“ von 1798 hinzugefügt worden, die niemals beglaubigt wurden, aber dennoch ohne Beweise in einiger arabischen und islamischen Literatur angeführt werden. Die Kriterien für Glaubwürdigkeit und Objektivität, Beglaubigung, Legitimierung und der Ausgewogenheit von Skepsis und Anpassung, für die die Muslime in ihrer Geschichte berühmt waren, bleiben das beste „Kapital2 im Umgang mit solchen Informationen und Dokumente.

[Internetseite von Al’-Zaytouna, Political Analysis: Is the „Campbell-Bannerman-Document Real or Fake?“, 29. Sept. 2017]

Wie Israel auf dem Medien-Schlachtfeld jüdische Studenten beeinflusst

Ruby Frank, HonestReporting, 3. Januar 2022

Universitätsstudenten sind für die israelfeindlichen Bewegungen zentral geworden; von denen viele Mitglieder in Organisationen wie Students for Justice in Palestine (SJP) und anderen Verbündeten der Bewegung Boykotte, De-Investitionen und Sanktionen (BDS) sind.

Selbst bei denen, die nicht direkt involviert sind, ist ein Präzedenzfall geschaffen worden, wobei man, um als „woke“ zu gelten, negative Ansichten gegenüber Israel haben muss.

Während ich an meinem Abschluss in Politikwissenschaften an der University of Birmingham in Großbritannien arbeitete, beobachtete ich regelmäßig diese Dynamik, sowohl auf dem Campus als auch auf dem „virtuellen Campus“ der Social Media-Seiten der Universität. Auf dem Campus gab es israelfeindliche Proteste, aber es war der Diskurs auf der Social-Media-Plattform der Universität, der besonders beachtenswert war.

Obwohl dies Kampagnen behaupten progressiv und auf Menschenrechten gegründet zu sein, sind ihre Aktivitäten oft getarnter, krasser Antisemitismus der sich gegen jüdische Studenten als Gruppe richtete und diese verunglimpften.

Es war nicht ungewöhnlich, dass ich selbst und andere jüdische Studenten sowohl in Vorlesungen als auch in Online-Foren aufgefordert wurden das Handeln der israelischen Regierung zu verteidigen, egal wie unsere persönlichen Überzeugungen aussahen.

Es ist ein extrem problematisches zweierlei Maß, die jüdische Diaspora kollektiv für das Handeln der israelischen Regierung verantwortlich zu machen. Diese Bewegungen würden andere Gruppen niemals auf gleiche Weise für das Handeln von Regierungen verantwortlich machen, auch nicht die Palästinenser für das Handeln der Terrororganisation Hamas zur Verantwortung zu ziehen.

Darüber hinaus wurden die Beiträge der Hamas zur den armseligen Umständen und Menschenrechtsverletzungen, die die Palästinenser erleben, oft ignoriert. Der Antisemitismus ist eindeutig eine größere Motivation in den Kampagnen als Progressivität oder die Verbesserung der Menschenrechtslage.

In Online-Foren der Universität wurden oft Fehlinformationen und voreingenommene Berichte über Ereignisse verwendet, um Israel und diejenigen, die es unterstützen, zu dämonisieren, indem sie die Rolle des Terrorismus beim Handeln Israels zu schmälern. Oft wurden irreführende Infografiken ohne Kontext veröffentlicht. Solch einseitige Informationen und die Verwendung ungenauer und abfälliger Bezeichnungen wie „Siedler-Kolonialismus“, „ethnischer Säuberer“, „Faschisten“ oder „Apartheid-Befürworter“ zur Beschreibung derer die Israel unterstützen, behinderten das Potenzial von konstruktivem Dialog und wurden genutzt, um eine hasserfüllte Agenda voranzutreiben.

Im Gegensatz zu dem progressiven Bild, das diese Bewegungen darzustellen versuchen, gibt es eine beträchtliche Präsenz hasserfüllter Diskurse innerhalb der „Wokeness“, die oft unter Studenten gefördert wird. Das ist die Antithese von Progressivität.

Die zentrale Rolle der sozialen Medien innerhalb des Universitätslebens und die Erweiterung des Campus in die virtuelle Welt vergrößert die Reichweite dieser Einträge drastisch.

Das hat greifbare Folgen; es wird nicht nur online eine feindselige Umgebung für jüdische Studenten geschaffen, sondern auch in Person auf dem Campus. Kein Wunder, dass so viele jüdische Studenten wie ich selbst oft zögern sich im universitären Bereich offen als Juden erkennenzugeben.

Es wurde nur allzu üblich, dass jüdische Studenten sich auf dem Campus unsicher fühlten, besonders in Zeiten erhöhter Spannungen im israelisch-palästinensischen Konflikt. Oft wurden Maßnahmen getroffen wie das Verbergen des Davidsterns an ketten oder Wegrouten zu ändern, um israelfeindlichen Protesten aus dem Weg zu gehen.

Israel muss seine Bemühungen auf dem Medien-Schlachtfeld fortsetzen, insbesondere was die Plattform der sozialen Medien angeht. Das ist entscheidend für die Förderung der öffentlichen Meinung zu Israel, besonders unter jungen Progressiven, die potenzielle zukünftige Weltführer und Einflussnehmer sind.

Durch das Ansprechen und die Entlarvung einseitiger Berichterstattung rund um Israel in den Medien können wir wichtige Schritte hin zur Förderung des Images Israels in den Medien fördern. Aber das wäre nicht das einzige positive Ergebnis.

Progressive Einstellungen gegenüber Israel zu verändern könnte auch erheblichen Einfluss auf die Herausforderungen für jüdische Studenten auf dem Campus haben.

Israelbezogenen Antisemitismus anzugehen, indem Unterstützung für und Verständnis für Israel bei Studenten gefördert wird, würde eine Erfahrung für mehr Sicherheit für jüdische Studenten  an Universitäten und Colleges weltweit sicherstellen.

Akademische Antisemiten, die nicht mögen als das bezeichnet zu werden, was sie sind.

Israel zu kritisieren kann antisemitisch sein

Richard L. Cravatts, FrontPage Magazine, 15. November 2022

In einer weiteren, tendenziösen Zurschaustellung von Tugendsignalisierung einer Gruppe selbsternannter „Forscher, die sich auf Antisemitismus, Holocaust-Studien, Moderne Jüdische Geschichte und damit verbundene Felder spezialisierten“, warnten 128 Akademiker die UNO davor ein Mittel zum Vorgehen gegen Antisemitismus zu übernehmen.

In einem in EUobserver am 3. November veröffentlichten Brief mit dem Titel „Lockt die UNO nicht mit einer vagen und zur Waffe gemachten Antisemitismus-Definition in die Falle“ behaupten diese woken Gelehrten, sie seien „mit zunehmender Sorge Zeugen politisch motivierter Bemühungen den Kampf gegen Antisemitismus bei der und gegen die UNO zu instrumentalisieren“. Wie konnte das laut dieser Gruppe passieren? Aus ihrer wahnhaften Sicht „hat der israelische UNO-Botschafter Gilda Erdan … Bemühungen … angeführt … die Palästinenser zu untergraben und“ von höchster Bedeutung ist für diese Gelehrten „die israelische Regierung vor internationalen Politik abzuschirmen“.

Botschafter Erdan hat darauf hingewiesen, dass die UNO selbst eine ständige Brutstätte fanatischer Israelfeindlichkeit gewesen ist, etwas, das diese Gruppe offenbar beleidigt, die behauptet, Erdan sei „so weit gegangen die UN-Organisation für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) und den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) als ‚antisemitisch‘ zu denunzieren“. Aber die Hauptsorge der Gruppe war, dass „Herr Erdan jetzt versucht die Spielregeln fundamental zu ändern, indem er die UNO unter Druck setzt die ‚Antisemitismus-Arbeitsdefinition‘ der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA WDA) zu übernehmen“.

Da die IHRA-Arbeitsdefinition für Antisemitismus von 2016 weiter von Organisationen und Universitäten übernommen wird, die sie als Möglichkeit der Identifizierung antisemitischer Vorfälle – und besonders  des „neuen Antisemitismus“, der sich als Israelkritik verkleidet – betrachten, haben sich vorhersagbar Gruppen wie diese, die den jüdischen Staat weiterhin verleumden und verunglimpfen wollen, dagegen ausgesprochen. Was macht diesen entrüsteten Leuten Sorge? Möglicherweise der Abschnitt der IHRA-Definition, der anregt, dass „das Anlegen von zweierlei Maß durch Forderungen eines Verhaltens seitens Israels, das von keiner anderen Demokratie erwartet oder gefordert wird“ antisemitisch ist.

Es überrascht nicht, dass die Personen und Gruppen, die die IHRA-Definition am heftigstem anzweifelten, genau die für das Begehen der Versionen dieses „neuen Antisemitismus“ verantwortlichen Leute sind, daher ist die Vorstellung, dass sie selbst antisemitischer Äußerungen als Teil ihres kognitiven Krieges gegen Israel beschuldigt werden können, ein verständliches Hindernis dafür, ihren uneingeschränkten und unerbittlichen Abscheu gegenüber dem jüdischen Staat auszudrücken.

Die IHRA-Definition weist sehr präzise darin darauf hin, dass manche Kritik an Israel, wenn der jüdische Staat damit unverhältnismäßig ins Visier genommen wird und an ihn moralische und juristische Standards angelegt werden, die man von anderen Ländern nicht erwartet, als ein Fall von Antisemitismus gewertet werden könnten. Nicht maßvolle und bedachte Kritik an Israel; nicht akademische Debatte über Verhandlungen mit Palästinenser über Grenzen, Eigenstaatlichkeit, Landtausch und Friedensverträge; nicht Diskussion guten Willens darüber, wie der lange anhaltende Konflikt gelöst werden kann.

Aber sogenannte „Kritik“ an Israel, die den Zionismus als eine rassistische, fundamental böse und heimtückische Ideologie angreift; die die Vernichtung des jüdischen Staates fordert, weil er angeblich unrechtmäßig und illegal geschaffen sei; die Terrorismus gegen israelische Bürger als vernünftige und zu erwartende Reaktion auf Besatzung rechtfertigt; und in den Hallen der UNO, bei NGOs und in Universitätssälen rund um die Welt Denunzierungen, Boykotte und andere Verleumdungen über Israel ausgießt – das sind die Arten von Bekundungen und Gedanken, die von der IHRA-Definition als antisemitisch angesehen würden.

Aber diese Gelehrten wollen damit nichts zu tun haben, wie sie ein halbes Dutzend Mal in diesem Brief wiederholen; ihre Theorie lautet, dass die IHRA-Definition schlicht ein Mittel ist, mit dem Verteidiger Israels den jüdischen Staat vor absolut jeder Kritik abschirmen. Sie behaupten z.B., die Definition würde auf irgendeine magische Weise „die israelische Regierung vor internationaler Kritik abschirmen“, dass die Beispiele für möglichen Antisemitismus in der Definition „zu Waffen gemacht werden, um legitime Kritik an Israels Politik als Antisemitismus zu diskreditieren und zum Schweigen zu bringen“, dass die Definition eine „politisierte Definition ist, die dazu instrumentalisiert wird freie Meinungsäußerung zu verhindern und die israelische Regierung davor zu schützen für ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen zu werden“ und was für diese Gruppe die offensichtliche Sorge ist, „dass Organisationen, die Israels Verstöße herausfordern, Verleumdungskampagnen ausgesetzt sein würden, die auf böswilligen Antisemitismus-Vorwürfen ausgesetzt sein würden“. [Hervorhebung hinzugefügt]

Nur in der auf den Kopf gestellten Realität der Akademiker konnte eine Gruppe jüdischer Professoren ein Mittel verurteilen, das im Kern den Zweck hatte aktuelle Vorfälle von Antisemitismus zu identifizieren und zu definieren und sich stattdessen mit Israels ideologischen Feinden solidarisch zu erklären – dieselben Personen, die – getarnt an „Israelkritik“ – weitgehend für den derzeitigen Tsunami an Judenhass an Universitäten verantwortlich sind. Tatsächlich sind, während Anhänger der IHRA-Definition die Universitäten gedrängt haben sie zu übernehmen, genau die Leute, die gegen ihre Verwendung opponieren, diejenigen, die die Komplizen bei der Verbreitung des Fanatismus sind, den anzugehen sie geschaffen wurde, wie es hier der Fall ist.

Warum sollen Professoren und besonders solche, die akademische Disziplinen lehren, die mit Juden zu tun haben, sich mehr darum sorgen das Recht von Palästinenseranhängern zu unterstützen ihre widerlichen Ansichten zu Zionismus, Israel und jüdischer Selbstbestimmung zu äußern, als darum jüdische Studenten und Lehrkräfte vor antisemitischem Fanatismus zu schützen, der regelmäßig in der Peripherie der Debatte um Israel/Palästina eindringt?

Was lässt sie den Wunsch hegen stolz an der Seite der ideologischen und existenziellen Feinde des jüdischen Staates zu stehen und ihr angebliches Recht zu schützen nach Belieben Verleumdungen, Beleidigungen und Lügen über Israel in einer ununterbrochenen, auf eine einzigartige Weise konzentrierten Kampagne auszustoßen, die an Israel ein anderes Maß als an andere Staaten anlegt und vergleichbare Kritik an jedem anderen Staat der Welt unterlässt – beides Dinge, von denen die IHRA-Definition nahelegt, dass sie ein Bespiel für Antisemitismus sein können? Was ist so edel und rechtschaffen an palästinensischer Selbstbestimmung, die diese jüdischen Professoren dazu treiben ihre Artikulation mehr zu schützen, als dass sie den Antisemitismus unterdrücken wollen?

Wirft man einen beiläufigen Blick auf die 128 Unterzeichner dieses nichtsnutzigen Briefes, so erhält man eine Antwort auf einige dieser Fragen. Zu der Liste gehört Omar Bartov von der Brown University, ein langjähriger, bösartiger Kritiker Israels, der in einer Kolumne in Ha’aretz schrieb, dass die „Bemühungen der israelischen Regierung und ihrer Anhänger“ darin besteht „jede scharfe Kritik an Israel und seiner Politik abzuwürgen“ und: „Die israelische Regierung und ihre Anhänger haben ein ausgeprägtes Interesse daran die Unterscheidung zwischen Israelkritik und Antisemitismus zu verwischen, um jede stichhaltige, herbe Kritik an der Politik Israels gegenüber den Palästinensern als antisemitisch hinzustellen.“

Ein weiterer Unterzeichner, Joel Beinin, Donald J. McLachlan-Professor für Geschichte und Professor für Geschichte des Nahen Ostens an der Stanford University; er ist ein fanatischer Antizionist, der Israel für Kritik wegen vielfältige5 und regelmäßiger Vergehen herausgreift, während er gleichzeitig die sozialen und politischen Fehler der benachbarten arabischen Staaten verzeiht, die den jüdischen Staat umgeben und der für die Krankheiten des Nahen Ostens den westlichen Imperialismus und den fortbestehenden kolonialen Einfluss des US-Stellvertreters in der Levante – Israel – verantwortlich macht.

Beinins Absicht, wie bei allen Israelhassern weltweit, ist es, ein defensives Handeln Israels als Überreaktion erscheinen zu lassen, egal wie viele seiner Bürger ermordet oder wie viele Bedrohungen seiner Existenz verkündet worden sind. Israel ist dann immer der Fiesling und die Palästinenser sind, egal wie sie sich verhalten und was sie tun, sind immer die Opfer. „Sowohl laut Ehud Barak als auch Ariel Sharon“, schrieb Benin herablassend, „betreibt Israel einen Krieg trotz der spektakulär ungleichen militärischen Balance im Konflikt“, als ob ein Staat, der auf nicht provozierte Angriffe auf seine Bürger reagiert, verpflichtet sei sicherzustellen, dass sein Feind genauso gut bewaffnet ist und dass der Kampf fair sein wird – etwas, das sich nur ein College-Professor aus dem Komfort und der Sicherheit seines Büros in Stanford ausdenken kann.

Ein dritter Unterzeichner des Briefs ist Ian Lustick von der University of Pennsylvania, ein eingefleischter Israelkritiker, der sogar so weit geht für die Idee einer „Einstaaten-Lösung“ für den israelisch-palästinensischen Konflikt zu werben; heißt: für einen binationalen Staat, in dem Millionen in den neuen Staat eingebrachter feindlicher Araber den jüdischen Charakter und die demokratische Natur Israels unwiderruflich auslöschen würden – Israel würde praktisch vernichtet, genau das, was seine Feinde sich schon lange wünschen. Lustick entschuldigt die völkermörderischen Impulse des Hauptfeinds Israels – der Hamas – und schlägt in einer wahnhaften Kolumne vor, dass die Terrororganisation, deren Charta zufällig die Gruppe immer noch verpflichtet Juden zu ermorden, wo immer sie sind, „hauptsächlich deshalb populär ist, weil eines der Dinge, die man ihr zu tun zutraut, ist, dass sie wahrscheinlich bereit ist, wenn auch nicht offiziell, lange mit Israel zu leben“. Das würde die Einwohner der Städte in Südisrael überraschen, die seit 2005, als Israel aus dem Gazastreifen abzog, mit rund 25.000 Raketen und Mörsern unter Beschuss genommen worden sind, die die Hamas schoss, um schlafende Juden zu ermorden.

Das ist aber genau das, warum die IHRA-Definition sich unverhältnismäßig mit Dingen aufhält, die Israel betreffen: weil heutige Fälle von Antisemitismus sich am häufigsten in der Debatte rund um Israel und die Palästinenser stattfinden. Kritiker der IHRA sind natürlich steinhart davon überzeugt, dass Antizionismus komplett losgelöst von Antisemitismus ist und dass selbst boshafte, widerliche und völlig unverhältnismäßige Kritik an Israel absolut niemals ein Beispiel für Antisemitismus sein kann, obwohl die IHRA-Definition festgelegt hat, dass er das unter einigen Umständen oft ist.

Es ist offensichtlich, warum Antisemiten und diejenigen, die diesen Fanatismus entschuldigen oder daran beteiligt sind, danach streben eine Antisemitismus-Definition zu ignorieren, die sie als Antisemiten entlarvt, was genau der Grund ist, dass diese bestimmte Gruppe Gelehrter und andere Gruppen und Einzelne das Mittel der IHRA ignoriert haben oder daran arbeiten es zu entwerten. Denn sie verübeln, dass sie nicht in der Lage sind ihren widerwärtigen Aktivismus und die destruktive Kampagne fortzusetzen; daher kann diese Gruppe die IHRA-Definition nur als „eine vage und polarisierende Definition“ betrachten, „die gekapert worden ist, um die israelische Regierung zu schützen“.

Da die IHRA-Definition dazu verwendet werden kann die Vorfälle von Antisemitismus und anderes Reden zu identifizieren, die die Grenze von bloßer Kritik an Israel zu dem überschreiten, was sich an Universitäten regelmäßig weltweit offenbart: Judenhass, getarnt als politische Debatte und Solidarität mit den unschuldigen Dauer-Opfern von Israels niederträchtigem Verhalten – den Palästinensern.

Wenn akademischer Antikolonialismus jüdische Geschichte verfälscht

Ein Buch über Juden Algeriens ignoriert Jahrhunderte vorkolonialer Unterdrückung

Lynn Julius, JNS.org, 30. Oktober 2022

Die Geschichte der Juden in arabischen Ländern ist an westlichen Universitäten lange ein obskures oder „Nischen“-Studienfeld gewesen. Zuletzt hat allerdings eine Schar bahnbrechender junger Akademiker das zu ihrem Spezialgebiet gemacht. Es sind Bücher zu so unterschiedlichen Themen wir Jüdische Kommunisten in Marokko, Juden in Bagdad und jüdische Musiker in Nordafrika aufgetaucht.

All diese Vorstöße in vergleichsweise jungfräuliches Gebiet sind zu begrüßen. Aber junge Akademiker in den USA sind auch Produkte ihrer Bildung und ihres Umfelds. Das aktuelle Klima ist das eines modischen, postmodernen Antikolonialismus – und das spiegelt sich in Arbeiten über Juden in arabischen Ländern.

Nehmen wir zum Beispiel Joshua Schreiers Buch Arabs of the Jewish Faith (Araber jüdischen Glaubens). Schreier hat eindrucksvolle Forschungsarbeit zu Frankreichs „Zivilisierungsauftrag“ bei den Juden Algeriens geleistet. Das Buch hat seinen Titel aus einer Äußerung eines ehemaligen Präfekten von Oran, Charles du Bouzet, ein Jahr, nachdem aus innenpolitischen Wahlgründen „einheimischen“ Juden durch das Décret Crémieux von 1870 die französische Staatsbürgerschaft zugewiesen wurde. (Einheimische Muslime waren davon ausgeschlossen.)

Du Bouzet sah keinen wirklichen Unterschied zwischen Arabern und Juden. Zum Beispiel wimmeln Kolonialarchive vor Verweisen auf Juden als korrupt und unmoralisch sowie der Behauptung, dass die Prostituierten von Oran alle im jüdischen Viertel zu finden waren.

In der Praxis wurden Juden allerdings als tauglicher für „Zivilisierung“ betrachtet als Muslime. Die französischen Kolonialisten glaubten, die Juden könnten nützlicher sein, weil Juden angeblich wichtige Handelsnetzwerke beherrschten und sogar loyales Kanonenfutter für das französische Militär bieten könnten.

Als Teil seines „Zivilisierungsauftrags“ strebte Frankreich an in jüdische Häuser, Schulen, Familienbeziehungen und Synagogen vorzudringen. Schreier versucht zu zeigen, dass Juden sich nicht ohne Widerstand unterwarfen. Sie waren keine passiven Opfer des Kolonialismus.

Schreiers Arbeit betrachtet Kolonialismus eindeutig als Zwang ausübend, aufdringlich und weitgehend unwillkommen. Er impliziert darüber hinaus, dass Dinge wie staatliches Eindringen ins Familienleben bis ins 21. Jahrhundert fortbestehen. Die französische Staatsbürgerschaft ist von den richtigen französischen Werten abhängig, behauptet er. Er legt einen zeitgenössischen Fall vor: Faiza, eine Marokkanerin, die in Frankreich lebt, wurde die französische Staatsbürgerschaft verweigert, weil sie eine von Kopf bis Fuß reichende Burka trug.

Es wurde auch behauptet, dass nach dem französischen Einmarsch in Algerien 1830 Ungleichbehandlung die Juden von den Muslimen „trennte“, was unnötige Feindseligkeit und Reibereien zwischen den beiden Gruppen schuf, die in Konflikt und Exil endeten. Die Distanzierung der Juden von der arabischen Kultur und Gesellschaft ist das „erste Exil“, das der einflussreiche Historiker des algerischen Judentums, Benjamin Stora, in seinem Buch Die drei Exile des algerischen Judentums beschrieb.

Dem Kontext der Diskussion fehlt jegliche tiefgehende Untersuchung dessen, wie Juden vor der Kolonialzeit behandelt wurden, als unter osmanischer Herrschaft das muslimische Scharia-Recht galt: Die Juden waren Dhimmis, institutionell gegenüber Muslimen minderwertig und mit wenig juristischen Rechten.

Schreier räumt ein, dass Juden in dieser Zeit nicht vor Erniedrigung, zusätzlichen Steuern und Kleiderordnungsgesetzen gefeit waren. Wenn sie in den Genuss wichtiger Posten kamen, dann nicht als Entscheidungsträger. Sie konnten Anordnungen ausführen. Juden konnten von Kontrahenten ermordet und von Wellen an Mob-Gewalt ins Visier genommen werden.

Schreier behauptet allerdings: „Eine buchstäbliche Interpretation des Dhimmi-Status sollte nicht für Sozialgeschichte stehen“, was „nahelegt, dass Juden relativ sicher und ein integraler Bestandteil der späten osmanischen und frühen kolonialen algerischen Gesellschaft waren“. Er verweist auf die mächtige merkantile jüdische Elite, die mit Getreide, Feldfrüchten, Wolle und Vieh handelte – sagte aber nicht, dass mehrere dieser erfolgreichen Händler den Schutz fremder Nationalitäten genossen. Er legt auch Beispiele für semitisch-nomadische Juden vor, „die wie Araber bewaffnet und gekleidet waren“, insbesondere im südlichen Algerien.

Andere Forscher, die oft in arabischen Ländern geboren waren, haben argumentiert, dass koloniale Emanzipation eine Befreiung vom Dhimmi-Status war. Soweit es die meisten Juden betraf, hatte der Kolonialismus viel, was für ihn sprach. Er gab den Juden in ihren Ländern zum ersten Mal mehr Sicherheit, Gleichberechtigung und juristische Rechte. Er führte Grundstandards in Gesundheitsvorsorge und Hygiene ein und setzte körperlichen Strafen in Schulen ein Ende. Er gab Juden eine westliche Bildung, die ihnen erlaubte in der modernen Welt Erfolg zu haben.

Den Dhimmi-Status herunterzuspielen bedeutet, die umfangreichen Zeugenberichte europäischer Reisender zu ignorieren, die die Eintreibungen und Misshandlungen beschreiben, die Juden in der vorkolonialen Zeit erlitten. Schreier tut diese Berichte als „übertrieben“ ab. Er behauptet, dass sie mit Skepsis behandelt werden sollten, weil sie geschrieben wurden, um einer kolonialen Agenda zu dienen, um die Emanzipation und Assimilation in französische Werte zu bewerben. Schreiers Verdacht erweitert sich auf Forscher wie den verstorbenen, respektierten, in Algerien geborenen französischen Professor Richard Ayoun, dessen Werk Schreier als „Beispiel für Forschung, die das koloniale Modell der Emanzipation von einem orientalischen Zustand der Demütigung wiedergibt“ bezeichnet.

In Wirklichkeit sollte es in erster Linie die jüdischen Gemeinden in muslimischen Ländern mit dem Nötigsten versorgen, damit sie um ihre Rechte als emanzipierte Bürger kämpfen können, die 1860 eine Gruppe französischer Juden in der Alliance Israelite Universelle einrichteten. Diese Institution war nicht nur eine jüdische Version des französischen „Zivilisierungsauftrags“. Es war eine Antwort auf die sehr reale Erniedrigung, die in der vorkolonialen Zeit beobachtet und festgehalten wurde und von Ritualmordlügen und Zwangskonversionen bis zu Prügel und abgebrannten Synagogen reichten. Das Buch Exile in the Maghreb von David Littman und Paul Fenton bietet reichlich Belege dafür – nicht nur aus europäischen, sondern auch aus jüdischen und muslimischen Quellen.

Dennoch finden die Bemühungen der Allianz den muslimischen Antisemitismus zu bekämpfen in Arabs of the Jewish Faith kaum Erwähnung, weil die erste Schule der Allianz in Algerien erst im frühen 20. Jahrhundert gegründet wurde.

Allzu oft macht der Antikolonialismus dieser modernen Wissenschaftler sie blind oder lässt sie arabischen und muslimischen Antisemitismus bagatellisieren. „Soziale Geschichte“ sollte keine Ausrede für Wunschdenken sein.