Amerikanische Großkirchen-Christen gegen Israel

17. Juni 2013 um 14:45 | Veröffentlicht in Christen+Kirchen, USA | 1 Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Rabbi Yitzchok Adlerstein (direkt vom Autor)

Die Führung der meisten „großen“ protestantischen amerikanischen Kirchen ist gefüllt von antiisraelischer Agitation, besonders bei denen, die in Missionskomitees sitzen. Inzwischen ist eine beträchtliche Zahl ihrer Mitglieder von antiisraelischer Rhetorik beeinflusst. Darüber hinaus sind jüngere Mitglieder infolge antiisraelischer Haltungen an Universitäten zunehmend Israel gegenüber feindselig. Wenn die Palästinenser hier weiter Fortschritte machen, wird das ein schwerer Schlag für das Selbstverständnis Amerikas als „felsenfest im Lager Israels stehend“ sein.

Zu diesen sehr linken Kirchen gehören die Presbyterianer, Methodisten, Episkopalen, Lutheraner und die United Church of Christ. Sie zählen derzeit rund 16 Millionen Mitglieder. Ihre Mitgliedschaft und ihr Einfluss in den Vereinigten Staaten nehmen ab. Die Rhetorik dieser Kirchen wird in der Regel von noch harscherer aus kleineren Gruppen so genannter „Friedenskirchen“ übertroffen, darunter Mennoniten und Quäker.

Rabbi Yitchok AdlersteinRabbi Yitchok Adlerstein ist Direktor of Interfaith Affairs am Simon-Wiesenthal-Zentrum. Er ist der stellvertretender Lehrstuhlinhaber für Jewish Law and Ethics an der Loyola Law School und Gründungsredakteur des jüdisch-orthodoxen Blogs Cross-Currents.

Die großen Kirchen beanspruchen viele Kongressabgeordnete. Sie repräsentieren Amerikas Kernland und haben eine Reihe von israelfeindlichen Resolutionen verabschiedet. Dazu gehören Aufrufe zu Boykotten sowie De-Investion und Sanktionen (BDS). Einige zielen gegen Israel, andere fokussieren sich auf die „Siedlungen“. Mehrere Kirchen unterstützen das von Hass erfüllte, 2009 von einigen palästinensischen Christen veröffentlichte Kairos-Palaestina-Dokument. Es gibt auch Tourismus nach Israel unter palästinensischer Schirmherrschaft.

BDS begann 2004 mit der Verabschiedung einer Resolution in der Presbyterianischen Kirche (USA), die selektive De-Investition bei Anteilen amerikanischer Firmen forderte, die mit Israel Geschäfte machen. Lange zuvor stellte sich der 1948 gegründete Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) auf die Seite von Ländern der „Dritten Welt“ und deren Denken. Der ÖRK ist eine internationale Dachorganisation großer Kirchen, die in ihren Konfessionen zusammen 590 Millionen Mitglieder zu haben angibt. Er hat Israel regelmäßig verurteilt, aber nie gegen Versuche von Israels Nachbarn und Terroristen protestiert das Land von der Landkarte zu löschen. Oft schaden die von den Kirchen bezahlten Offiziellen Israel, ohne ein besonderes Mandat einer Versammlung zu haben. Im Herbst 2012 z.B., kurz vor den US-Präsidentschaftswahlen, schickte ein Konsortium aus Kirchenvertretern einen Brief an Kongressmitglieder, in dem in Frage gestellt wurde, wie US-Militärhilfe von Israel verwendet wird, verbunden mit Forderungen nach Kürzungen dieser Hilfe.

Mehrere dieser Kirchen veröffentlichen auch extrem antiisraelisches Bildungsmaterial. Dies ist oft das einzige, das Kirchenmitglieder zu Gesicht bekommen. Die Methodisten produzierten vor einigen Jahren eine Studie, die von einem vom jüdischen Glauben abgefallen Pastor geschrieben wurde. Er gab zu das Judentum zu hassen. Darin gab es Abbildungen israelischer Soldaten, die an Naziwachen in Konzentrationslagern erinnerten.1

Die Motive dieser Kirchen sind verschieden. Einige zielen darauf den Staat Israel als „ein in Sünde empfangenes, kolonialistisches Unterfangen“ delegitimieren. Andere streben an, vom fehlenden Frieden im Heiligen Land christliches Zeugnis zu geben. Diese Kirchen haben viel von dem aussortiert, das ihre Großeltern glaubten und praktizierten; behalten haben sie das Mitgefühl für die Machtlosen. Indem sie die Palästinenser verteidigen, machen sie geltend den Underdog gegen das „mächtige und böse Israel“ zu unterstützen.

Die Theologie spielt in den antiisraelischen Aktivitäten der Großkirchen eine zunehmende Rolle. Es begann mit dem Sabeel-Zentrum für Ökumenische Befreiungstheologie und dessen Leiter Dr. Naim Ateek. Viele linke Kirchen sind Partnerschaften mit Sabeel eingegangen. Ateek nutzte in seiner Osterbotschaft von 2001 Kreuzigungs-Symbolik: „Vielen von uns scheint es so, dass Jesus wieder am Kreuz ist, zusammen mit tausenden gekreuzigter Palästinenser um sich herum.“2 Das führt den alten, mörderischen christlichen Vorwurf des Gottesmordes durch die Juden wieder ein. Ateek und andere streiten ab, dass die Bibel überhaupt von einem Bund für das Land mit den Juden spricht. Das ist eine Erneuerung der Ersetzungstheologie und des Supersessionismus und extrem gefährlich für Juden in der ganzen Welt, besonders in einer Zeit zunehmenden Antisemitismus.

Die palästinensischen Einflüsse bei antiisraelischem Schüren von Hass sind riesig. Sie haben ein Jahrzehnt lang Teams palästinensischer Christen durch die USA geschickt, die mit emotionalen Erzählungen über Leid an den innersten christlichen Gefühlen zerren. Sie sind effektiver als palästinensische Muslime, die nicht als „Brüder“ kommen.

Dennoch gibt es Überraschungen. 2012 ersetzten mehrere Konfessionen De-Investion durch Investitionsresolutionen. In einigen Fällen wurden Abstimmungen, die so aussahen als würden sie in die antiisraelische Richtung laufen, durch leidenschaftliche Reden von Pastoren gerettet, die darüber sprachen, welche Folgen solch eine Resolution auf die jüdische-christliche Freundschaft und Partnerschaften in ihren Kirchen haben würden.

Ich spreche regelmäßig mit Freunden in Kirchen, die über allerlei Fälle antiisraelischer Stimmungen nachdenken. Wenn ich viel davon der Fehlleitung christlicher Liebe zuschreibe, werde ich oft dadurch unterbrochen, dass jemand sagt: „Rabbi, ich wünschte, das stimmte. Es gibt weit mehr althergebrachten Antisemitismus in dieser Kirche als irgendjemand von uns gerne zugeben würde.“

Das Handeln dieser Großkirchen hat den Brunnen des christlich-jüdischen Dialogs vergiftet. Juden gingen einen manchmal fruchtbaren Dialog auf der Grundlage der Zusagen ein, dass die christlichen Partner die Verachtung für Juden und das Judentum hinter sich lassen würden und ernsthafte Versuche zu verstehen unternommen würden, was Juden wichtig ist. Die Art und Weise, wie diese Kirchen Israel behandeln, zeigt, dass beides nicht geschehen ist.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

1 www.camera.org/index.asp?x_context=2&x_outlet=118&x_article=1466
2 www.sabeel.org/res-archives.php?eventid=126

Weltkirchenrat greift Israel und Zionismus an

14. Juni 2013 um 14:30 | Veröffentlicht in Christen+Kirchen | Hinterlasse einen Kommentar
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Michael Curtiss, Balfour Post, 5. Juni 2013

Seit mehr als zweitausend Jahren streiten sich Historiker und Analysten darüber, wie man die Berichte aus der Vergangenheit und der Gegenwart darstellen soll. Einige haben angestrebt Mitgefühlt oder Mitleid wegen der Leiden und Schwierigkeiten der Völker zu wecken, über die sie diskutieren. Andere haben ein Porträt präsentiert, das weniger emotional und dramatisch ist und eines, aus dem allgemeine Lehren gezogen werden können.

Es ist klar, dass viele – vielleicht eine Mehrheit – derer, die über den Zustand der palästinensischen Araber im Nahen Osten und das Verhalten des Staates Israel ihnen gegenüber schreiben oder sprechen, den ersten Ansatz gewählt haben. Das wurde gerade von den Äußerungen von Gremien großer christlicher Kirchen bestätigt. Am 24. Mai 2013 genehmigte die Vollversammlung der Church of Scotland den Bericht eines Komitees mit dem Titel „Das Erbe Abrahams?“. Der Bericht wurde ergänzt, weil die Kirche zugab, dass er „Sorge und Betroffenheit bei Teilen der jüdischen Gemeinschaft in Israel und darüber hinaus verursachte“. Diese Sorge wurde angemessen begründet. Selbst nach den angeblich moderateren Passagen in den Veränderungen des Dokuments beinhaltet es weiter dies: „Christen unterstützten Israel als Buße für Antisemitismus und den Holocaust. Als Israel dann durch die Misshandlung der Palästinenser umstrittener wurde, schwiegen die Christen.“

Der gesamte Bericht war in seiner antiisraelischen Haltung tendenziös und einseitig, sogar in dem Glauben an christliches Schweigen zu Israel. Fakt ist, dass das Gegenteil der Fall gewesen ist, da eine große christliche Kirche nach der anderen eifrig Israel wegen seines Handelns oder Nichthandelns den Palästinensern gegenüber verurteilte. Der jüngste Fall ist eine am 29. Mai 2013 vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und dem Nahost-Rag der Kirchen auf einer internationalen und ökumenischen Konferenz in Beirut (Libanon) veröffentlichten Erklärung. Repräsentanten jeder christlichen Kirche im Nahen Osten und aus christlichen Kirchen in 34 Staaten nahmen an dem Treffen im Kloster Notre Dame du Mont teil, um über „Christin im Nahen Osten: Gegenwart und Zeugnis“ zu diskutieren.

Die Konferenz sprach allgemein von zeitgenössischen Problemen im Nahen Osten und war sich dieser bewusst: Die Intensivierung religiöser Stammessysteme; die Zunahme des Fundamentalismus in vielen der Religionen der Welt; die Streuung des Einflusses radikalisierte islamistischer Gruppen; weit verbreitete Gewalt und Unsicherheit; ein Defizit an demokratischer Legitimität und Glaubwürdigkeit; Armut und das Fehlen von Chancen, besonders für Frauen und junge Leute.

Aber dennoch wurde nach der Erwähnung „christlicher Auswanderung aus der Region und ein pauschalisiertes Gefühl der Verlassenheit nach Jahrzehnten nicht hilfreicher Intervention“ das wahre Problem des Umgangs der Araber mit Christen nicht genannt, die verfolgt worden sind und die arabischen Länder in großer Zahl verlassen. Der Bericht behandelte nicht einmal das Schlachten in Syrien ein paar Kilometer vom Konferenzort entfernt, dass 80.000 Menschen abgeschlachtet und fast einen Million zu Flüchtlingen gemacht wurden.

Stattdessen folgte man dem bekannten und irreführenden palästinensischen Narrativ des Opfer seins. Unter Ausklammerung der gegenwärtigen, unglaublichen Turbulenzen in der arabischen Welt wie auch der täglichen Berichte aus Syrien fliehender Palästinenser und dem Präsident Assad unterstützenden Eintritt der Hisbollah in das Land definierte dieser ÖRK das bestehende Problem auf unfassbare Weise. Für den ÖRK „ist weiter Palästina das zentrale Problem in der Region“. Das sei für den Aufruhr in der Region zentral, ein Aufruhr, der die Doppelzüngigkeit der westlichen Mächte verschärfte, besonders die der USA. Dieser Aufruhr wurde erklärt mit der „Fortdauer, nach 65 Jahren, der steten Enteignung des palästinensischen Volks … das sein Land durch israelische Besatzung, fortgesetzte Siedlung auf Land innerhalb der Grenzen von 1967 durch einen Staat, der durch überwältigende militärische Macht und externe Bündnisse und Einfluss die Macht dazu hat“.

Der ÖRK war in diesem massiven Angriff auf Israel und der Vernachlässigung der Kämpfe, die man vom Tagungsort im Kloster vielleicht hören konnte, sowohl konkret als auch allgemein. Er behauptete, Jerusalem sei eine „besetzte Stadt mit einer Regierung, die diskriminierende Politik gegen Christen wie Muslime anwendet“. Der Rat sagte nichts zu Diskriminierung von Christen in anderen Ländern oder in Saudi-Arabien, wo christliche Glaubensausübung verboten ist. Stattdessen forderte der Rat, Jerusalem solle eine offene Stadt mit „gewissenhaftem Schutz“ seiner heiligen Stätten der drei Religionen sein, womit die Tatsache ignoriert wurde, dass Israel genau das aus seiner Sorge um die freie Religionsausübung gemacht hat.

Der ÖRK ging sogar in seiner unausgewogenen, sektiererischen und kurzsichtigen Erklärung noch weiter. Er griff Christen an, die seine Ansichten nicht teilen. Er behauptete: „Christen, die ‚christlichen Zionismus‘ fördern, verzerren die Interpretation des Wortes Gottes und die historische Verbindung der Palästinenser – Christen wie Muslime – zum Heiligen Land.“ Der ÖRK ist offenbar nicht nur heiliger  als alle anderen Christen, die mit seiner von Gott erhaltenen Botschaft nicht überein stimmen, sondern er unterstellt auch – auf weniger subtile Art – eine jüdische Weltverschwörung. Der ÖRK meint, dass christliche Zionisten „die Manipulation der öffentlichen Meinung durch zionistische Lobbys ermöglichen und innerchristliche Beziehungen Schaden zufügen“. In seinem extrem respektlosen Rat empfahl der ÖRK, dass er – vielleicht mit Hilfe eines Kreuzzugs und gewiss unter Andeutung einer Vendetta – seine akademischen Ressourcen versammelt und seine ökumenischen Partner konsultiert, um das Thema des christlichen Zionismus anzugehen, sein Quellen, seinen Gebrauch als politische Waffe gegen das palästinensische Volk und seine Auswirkungen auf die innerchristlichen Beziehungen aufzudecken.

Es ist beschämend, dass der ÖRK statt objektiver Analyse die palästinensische Wahrnehmung ihrer Lage nachgeahmt hat, die – zusätzlich zu echten Problemen – die Palästinenser als Opfer, als das internationale Symbol der Unterdrückten, präsentiert. Diejenigen – einschließlich des ÖRK – die sich mit den Unterdrückten oder mit den angeblichen Opfern identifizieren, haben die Sache der Palästinenser und die Verurteilung Israels zum Hauptfokus ihrer Agenda der Nahost-Angelegenheiten gemacht. Der ÖRK, angetrieben von einer modischen, politisch korrekten, antiwestlichen Ideologie der kollektiven Identifizierung mit den angeblich Unterdrückten, hat die Diskussion der verstörenden Probleme des Nahen Ostens von den akuten in Syrien, dem Libanon, Irak, Ägypten und dem Iran auf die vermeintlichen Unzulänglichkeiten Israels verschoben.

Es ist beschämend, dass er ÖRK Mitchristen in falschen Verdacht bringt, diejenigen christlichen Zionisten, die eine andere Wahrnehmung Israels haben und ihre Anteilnahme und Liebe für den jüdischen Staat beweisen. Der ÖRK und diejenigen christlichen Organisationen und Einzelpersonen, die mit seiner Erklärung übereinstimmen, sollten sich bewusst sein, dass ihre Behauptungen zu Israel und dem christlichen Zionismus, die nicht als Argumentationsfaden gewürdigt werden können, dem Beginn von Verhandlungen für eine friedliche Regelung des arabisch-israelischen Konflikts abträglich sind und diese behindern.

Ein für Juden und Israel brutales Dokument der Church of Scotland

10. Juni 2013 um 14:30 | Veröffentlicht in Christen+Kirchen, die Welt+Nahost | 3 Kommentare
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Manfred Gerstenfeld interviewt Kenneth Collins (direkt vom Autor)

Ein Dokument mit dem Titel „Das Erbe Abrahams? Ein Bericht zum Gelobten Land“ wurde am 23. Mai 2013 von der Vollversammlung der Church (Kirk) of Scotland angenommen. Es hat zum Ziel die jüdische Verbindung zu Israel von einem theologischen Standpunkt aus in Misskredit zu bringen und wurde vom Church and Society Council (Rat für Kirche und Gesellschaft) der Kirk geschrieben. Darin wird erklärt, dass der Anspruch der Juden auf das Land Israel durch ihren Umgang mit den Palästinensern unwirksam gemacht wird und schlägt vor, dass die Kirche Boykotte und Sanktionen gegen Israel erwägen sollte.

Dieser neue Bericht ist in Zusammenarbeit und mit Unterstützung des World Mission Council erstellt worden, als „letzte Überlegung zu Fragen, denen ins Gesicht gesehen werden muss, da die politische und humanitäre Lage im Heiligen Land für uns alle weiterhin eine Quelle von Schmerz und Sorge ist“. Nach Protesten der jüdischen Gemeinschaft in Großbritannien wurden an dem Dokument einige kosmetische Veränderungen vorgenommen doch die Schlüsselelemente sind praktisch unverändert.

KennethCollinsDr. Kenneth Collins ist ehemaliger Präsident des Glasgow Jewish Representative Council und Vorsitzender des Scottish Council of Jewish Communities. Er ist derzeit Gastprofessor an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Collins merkt an: Die Church of Scotland ist mit etwa einer Million aktiven Mitgliedern die größte und bedeutendste religiöse Vereinigung in Schottland, doch viele weitere erkennen ihre Rolle im nationalen Leben des Landes an.

Dieses Dokument ist eine radikale Abkehr von einem anderen aus dem Jahr 2003, das den Titel „Theologie des Landes und des Bundes“ trug. Darin wurde vermerkt: „Als Christen müssen wir sensibel sein und akzeptieren, dass wir kein Recht haben den Juden zu diktieren, wie sie auf ihre Traditionen reagieren sollten; ob sie z.B. Zionisten oder Nichtzionisten sein sollten, religiös oder säkular.“

1981 trat die Kirche an den damaligen Oberrabbiner Immanuel Jakobovits heran, er möge dabei helfen einen Dialog mit der jüdischen Gemeinschaft aufzubauen. Das dauerte viele Jahre; es wurden gemeinsame religiöse Themen, wie auch theologische Themen wie dem Auseinandergehen von Juden und Christen in den ersten Jahrhunderten der heutigen Zeitrechnung diskutiert. Es gab immer gegenseitiges Verständnis, selbst dort, wo keine Übereinstimmung erzielt werden konnte.

Man zögert im zeitgenössischen Schottland den Begriff Antisemitismus zu verwenden. Die jüdische Gemeinschaft erfreut sich eines hohen Grades an Akzeptanz und spielt eine positive Rolle in der bürgerlichen Gesellschaft. Doch dieses Dokument ist theologisch extrem antijüdisch. Es überschreitet alle gemeinsamen Höflichkeiten der interreligiösen Beziehungen und kann deshalb als mit antisemitischen Komponenten versehen betrachtet werden.

Mehrere Entwicklungen haben dieses Dokument möglich gemacht. Eine ist eine Vertiefung der Beziehungen zwischen der Kirche und palästinensischen Christen. Die Kirche wird von aggressiven, antiisraelischen Christen wie der Sabeel-Bewegung und den Unterzeichnern des Kairos-Dokuments beeinflusst.

Ein zweiter Faktor ist die Struktur der Church of Scotland. Ihre Leitungsperson, der Moderator der Vollversammlung, übt die Funktion nur ein Jahr lang aus. Als Folge davon wird die effektive Leitung der Führung durch ihre Verwaltung ausgeübt. Mit den jüngsten personellen Veränderungen in ihrer Zentralverwaltung und in Schlüsselkomitees sind die Kirchenmitglieder, die am interreligiösen Dialog mit den Juden beteiligt waren, im Verlauf der letzten Jahre ausgetauscht worden. Neue Mitglieder mögen sich der früheren, über Jahrzehnte aufgebauten Beziehung der Kirche zur jüdischen Gemeinschaft nicht bewusst sein. Neue Geistliche müssen nicht mehr das biblische Hebräisch lernen, eine Mehrheit hat die nicht Fähigkeit den biblischen Originaltext zu lesen.

Die Church of Scotland hat in Israel eine Reihe Institutionen – Kirchen, Hostels, eine Schule und ein Luxushotel. Diese dienen hauptsächlich der einheimischen arabischen Gemeinschaft. Arabische Christen sind eingeladen worden auf der anstehenden Vollversammlung zu sprechen und es gibt kein Forum für jüdische Teilnahme.

Die Reaktion der jüdischen Seite war harsch. Ephraim Borowki, der Direktor des Sottish Council of Jewish Communities, nannte das Dokument „ein Ärgernis für alles, wofür interreligiöser Dialog steht. Es liest sich wie eine Polemik gegen Juden und Judentum aus der Zeit der Inquisition. Es ist unausgewogen, in den Quellen schwach und widersprüchlich. Das von ihm gezeichnete Bild sowohl des Judentums wie auch Israels ist noch nicht einmal eine Karikatur. Die Arroganz, dem jüdischen Volk zu sagen, wie es jüdische Texte und jüdische Theologie zu interpretieren hat, ist atemberaubend. Es überrascht kaum, dass die Kirche dieses Jahr von ihrer langjährigen Praxis des Dialogs mit der jüdischen Gemeinschaft abwich, weil sie behauptet das Judentum besser zu kennen als wir selbst.“

Das Board of Deputies of Great Britain, die jüdische Dachorganisation in Großbritannien, reagierte damit, dass sie über das Dokument sagte: „Es ist durchsetzt mit Falschdarstellungen der jüdischen Geschichte, Werte und Überzeugungen, wie auch mit grundlegenden faktischen Fehlern. Es ist ein ignorantes und tendenziöses Dokument, das sich als theologische Äußerung verkleidet.“ Die Londoner Times brachte Story in Schottland auf ihrer Titelseite und nannte sie „einen Schlag ins Gesicht der jüdischen Gemeinschaft“. Der Untertitel lautete: „Wut darüber, dass Bericht Israels Existenzrecht in Frage stellt.“

Die offizielle jüdische Antwort aus Schottland schließt: „Wenn die Kirche keine Brücken bauen kann, könnte sie es wenigstens unterlassen sie zu verbrennen?“

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Weltkirchenrat veröffentlicht schwachsinniges antiisraelisches Dokument

5. Juni 2013 um 17:37 | Veröffentlicht in Christen+Kirchen, die Welt+Nahost | 6 Kommentare
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Elder of Ziyon, 3. Juni 2013

Ich las gerade einen netten Artikel von Dexter Van Zile über die Erklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen am Ende ihrer jüngsten Konferenz im Libanon; Thema war „Christliche Gegenwart und Zeugnis im Nahen Osten“.

Unglücklicherweise ist die Organisation besonders schlecht gerüstet, um das Problem der islamischen Gewalt gegen Christen anzusprechen. Er ist jedoch sehr wohl in der Lage Israel und seine Unterstützer anzugreifen.

Im Verlauf der Geschichte hat der ÖRK – eine Dachorganisation von 250 protestantischen und orthodoxen Kirchen – beharrlich daran gearbeitet den jüdischen Staat zu dämonisieren, während er zu den Sünden seiner Gegner schweigt. Er machte auch Verbeugungen und Katzbuckeln angesichts der islamischen Gewalt zum zentralen Brett der modernen Ökumene. Für die Opfer solcher Gewalt einzutreten ist schlicht jenseits des Horizonts des ÖRK. Die Organisation ist einfach unfähig zu diesem Problem die Wahrheit zu sagen.

Das vom Rat ausgegebene gültige Dokument ist sogar noch schlimmer als Van Zile es beschreibt.

Abgesehen davon, dass die größte Bedrohung der Christenheit im Nahen Osten ignoriert wird – die schlicht und einfach der islamische Extremismus ist – ist der ÖRK einzig von Israel besessen.

Palästina ist weiterhin das zentrale Thema in der Region. Den Konflikt zwischen Israel und Palästina in Übereinstimmung mit den UNO-Resolutionen und dem internationalen Recht zu lösen, wird enorm helfen die anderen Konflikte in der Region zu lösen. Die Hartnäckigkeit der fortgesetzten Entzug des Landes des palästinensischen Volks – Christen wie Muslimen – nach 65 Jahren durch israelische Besatzung, fortgesetzte Besiedlung des Landes innerhalb der Grenzen von 1967, durch überwältigende militärische Macht und externe Allianzen und Einflüsse geschafft wurde, ist für die Unruhe in der Region zentral und wird durch die Doppelzüngigkeit der Politik der Westmächte, besonders der USA, verschärft. Christen sind aufgefordert, diese fortgesetzte Ungerechtigkeit zu verurteilen und dagegen zu handeln, womit die Stimme und Forderungen der palästinensischen Christen bekräftigt werden, wie sie auch im Kairos-Palästina-Dokument gehört werden.

Im Jahr 2013 aus dem Libanon (!) zu behaupten, dass die zentrale Frage des Nahen Ostens immer noch der israelisch-arabische Konflikt ist, bedeutet willentlich blind zu sein. Syrien, Tunesien, Ägypten, die Türkei, der Jemen – all die in der Region stattfindenden tektonischen Veränderungen – haben nichts mit Israel zu tun. Nicht nur das: Dieselben Umbrüche sind die, durch die die Christen am stärksten bedroht sind.

Das alles ungeachtet des fauligen Verweises auf das „Land innerhalb der Grenzen von 1967“, als hätten diese Grenzen je existiert und als hätte es vor 1967 jemals ein „Palästina“ in der Westbank gegeben. Und ungeachtet der Stichelei gegen die USA, deren allgemein unterstützende Haltung des jüdischen Eigenstaatlichkeit als „doppelzüngig“ angesehen wird. Und ungeachtet des subtilen Verweises auf angebliche jüdische Macht (externe Allianzen und Einflüsse“).

Jerusalem ist heute eine besetzte Stadt mit einer Regierung, die diskriminierende Politik gleichermaßen gegenüber Christen und Muslimen übernommen hat. … Jerusalem muss eine offene, frei zugängliche, inklusive und gemeinsam genutzte Stadt für zwei Völker und drei Religionen sein, deren heiligen Orte sorgfältig geschützt werden.

Entschuldigung? Wo hat denn der ÖRK die jordanische Herrschaft über die heiligen Orte verurteilt, die Juden in den „Status quo-Jahren“ vor 1967 völlig ausschlossen? Ich glaube nicht, dass es eine einzige gab, gewiss nichts in den Überschriften seiner Archive, das andeutet, die Vertreibung der Juden aus ihren heiligen Orten 1948 hätte den Rat auch nur ein Fitzelchen gekümmert.

Und das abgesehen von der kleinen, möglicherweise bedeutungsvollen Tatsache, dass Israel Christen nicht diskriminiert!*

Christen, die „christlichen Zionismus“ fördern, verzerren die Interpretation des Wortes Gottes und die historische Verbindung der Palästinenser – Christen wie Muslimen – zum Heiligen Land, ermöglichen die Manipulation der öffentlichen Meinung durch zionistische Lobbygruppen und schaden den innerchristlichen Beziehungen.

Ja, sie verbringen mehr Zeit mit der Besprechung dieses Themas – das wenig mit Christen im Nahen Osten zu tun hat – als sie es mit muslimischen Angriffen auf Christen tun.

Christen müssen Islamophobie zurückweisen, die den Islam falsch als ein undifferenziertes Ganzes abstempelt und Jahrzehnte der Kultivierung von Kooperation mit Muslimen untergräbt; sie müssen die Versuchung Verschmelzung, Generalisierung und Sensationalisierung unserer muslimischen Brüder und Schwestern abweisen.

Aber kein einziges Wort zu muslimischem und christlichen Antisemitismus, der in der arabischen Welt grassiert.

Der ÖRK ist besessen vom jüdischen Staat, jenseits aller Logik und Fakten. Er ist praktisch bereit ein voll islamisches Narrativ zu übernehmen und die Juden den Wölfen vorzuwerfen.

 

* Anmerkung heplev: Weil es sich an den Weltkirchenrat richtet, ist hier nur von den Christen die Rede. Muslime werden genauso wenig diskriminiert – im Gegenteil: Was den Tempelberg angeht, werden von Israel Juden diskriminiert!

Antisemitische Elemente im Neuen Testament

20. Mai 2013 um 12:00 | Veröffentlicht in Christen+Kirchen, Geschichte | 2 Kommentare
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Manfred Gerstenfeld interviewt Pieter van der Horst (direkt vom Autor)

Das Neue Testament enthält einige antisemitische Passagen. Man findet diese nur in den spätesten Dokumenten. Das Hauptbeispiel ist das Johannes-Evangelium. Es wurde nach dem Bruch zwischen Christen und Juden geschrieben. Die antijüdischen Gefühle durchdringen das gesamte Buch; es beinhaltet die meisten antisemitischen Verse des Neuen Testaments.

Bei Johannes distanziert sich Jesus komplett vom jüdischen Volk. Er lässt ihn über die Juden, ihre Gesetze und Feste sprechen, als sei er nicht länger einer von ihnen. Am schlimmsten ist, dass Johannes ihn in einem Streit zwischen Jesus und den jüdischen Leitern sagen lässt: „Ihr aber habt den Teufel zum Vater.“1 In späterer christlicher Literatur wird diese Äußerung aufgenommen.

Pieter van der Horst

Pieter van der Horst

Professor Pieter van der Horst studierte klassische Philologie, Literatur und Theologie. Er war Professor für jüdische Studien und andere Fächer an der Universität Utrecht.

Diese fatale kurze Bemerkung hat über zwei Jahrtausende hinweg tödliche Folgen gehabt. Es kostete in der weiteren Geschichte Zehntausende Juden das Leben, besonders im Mittelalter. Dieser Vers wurde von christlichen Judenhassern als Lizenz zur Ermordung von Juden genutzt. Diese Mörder glaubten: „Wenn Jesus sagte, dass Juden den Teufel zu Vater haben, sollten wir sie nach bestem Vermögen ausmerzen.“

Alle Neutestamentler stimmen darin überein, dass dies nicht Jesu Haltung ist, sondern die von Johannes. Wenn eine religiöse Gruppe von ihrer Mutterreligion wegbricht, muss sie ihre eigene, neue Identität schaffen. Die Soziologie der Religion lehrt uns, dass die neue Gruppe in der ersten Phase immer anfängt die alte Religion heftig anzugreifen. Die effektivste Dämonisierung ist es, die Juden als „Kinder des Teufels“ zu bezeichnen und das Jesus selbst sagen zu lassen. Unglücklicherweise ist das Johannesevangelium jedoch eines der beliebtesten Bücher der Christenheit.

Die antijüdischen Texte im Matthäus-Evangelium fügen sich in ein Bild ein, das an sich nicht antisemitisch ist. Nur in der Erzählung der Passion Jesu in diesem Evangelium findet sich, dass Pilatus, der römische Gouverneur Judäas, sagt: „Ich finde nichts Böses an diesem Mann.“ Pilatus wäscht dann seine Hände als Zeichen, dass er nichts mit Jesu Hinrichtung zu tun haben wünscht. Pilatus Frau sagt: „Lass die Hände von diesem Gerechten, denn seinetwegen habe ich heute im Traum viel gelitten.“2 Alles, was wir aus anderen Quellenwissen, sagt uns, dass Pilatus durch und durch skrupellos und gnadenlos war. Die Vorstellung, er könnte einen Menschen vor der Todesstrafe retten, weil er ihn für unschuldig hält, ist nicht historisch und fast lächerlich.

Matthäus‘ Text muss im Kontext seiner Zeit verstanden werden, ungefähr in den 80-er Jahren des ersten Jahrhunderts. Mitte der 60-er Jahre unserer Zeitrechnung, unter Kaiser Nero, hatten die ersten Christenverfolgungen begonnen, denen später weitere weniger starke Verfolgungen auf örtlicher Ebene folgten. Das ängstigte die Christen.

Aus politischen Gründen war Matthäus sehr daran interessiert, dass seine Schriften den Römern den Eindruck vermitteln sollten, dass Christen für sie keine Gefahr seien. Wenn Pilatus, ein hoch respektierter römischer Magistrat, von Jesus sagt: „Dieser Mann ist völlig unschuldig“, dann impliziert das, dass die Römer das Christentum nicht fürchten müssen. Das führt dann im Gegenzug zu der Geschichte, dass die Juden angeblich brüllen: „Sein Blut soll über uns kommen“ – was bedeutet: „Wir übernehmen die Verantwortung für seinen Tod.“ Die Verantwortung für Jesu Tod auf das jüdische Volk zu verschieben steht mit Widerspruch zu dem, was Matthäus in den früheren Teilen seines Evangeliums sagt, wo es praktisch heißt, dass Jesus sich immenser Beliebtheit bei den Massen erfreute, soll heißen: mit der Mehrheit der einfachen jüdischen Menschen.

Es gibt auch einen vereinzelten Fall eines antijüdischen Ausbruchs durch den Apostel Paulus. In einem seiner Briefe an die Thessalonicher, der christlichen Gemeinde in der griechischen Stadt Thessaloniki, berichtet er, dass die Juden seinen Predigten stark ablehnten. Paulus gerät dann in Rage und sagt: „Diese haben den Herrn Jesus getötet und die Propheten, sie haben uns verfolgt, sie missfallen Gott und sind allen Menschen feind.“3

Das ist der einzige Text im Neuen Testament, der sagt, die Juden seien die Feinde des Restes der Menschheit. Dieses Motiv entstammt dem vorchristlich-heidnischen Antisemitismus, wo er oft auftritt. Er steht in völligem Gegensatz zu dem, was Paulus in seinem Brief an die Römer ausführlich über das jüdische Volk sagt. In drei Kapiteln – 9, 10 und 11 – zeichnet Paulus ein weit positiveres Bild des jüdischen Volks. Es gibt keine Erwähnung, dass sie die Feinde der Menschheit sind; es gibt auch keine solche in Paulus‘ anderen Briefen.

In seinem späteren Brief an die Römer sagt Paulus: „Wir Christen sollten erkennen, dass der Olivenbaum das Volk Israel ist und wir nur in diesen Olivenbaum eingepfropft wurden.“4 Der einzige Fall eines antijüdischen Ausfalls scheint der eines Menschen zu sein, der seine Emotionen nicht immer unter Kontrolle hat. Erst in späteren Jahrhunderten griff die Christenheit die jüdische Religion so heftig an, wie sie konnte, einschließlich durch Dämonisierung.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

1 Johannes 8,44
2 Matthäus 27,15-26
3 1. Tessalonicher, 2,14-16
4 Römer 11,24

Der (neue) evangelische Propst in Jerusalem schießt scharf – daneben

31. März 2013 um 8:10 | Veröffentlicht in Christen+Kirchen | 29 Kommentare
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Die Evangelische Nachrichtenagentur idea veröffentlichte auf ihrer Internetseite die Zusammenfassung eines Interviews mit Probst Wolfgang Schmidt, dem höchsten Repräsentanten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Israel. (Das vollständige Interview ist in ideaSpektrum 13/2013 vom vom 27. März, S. 16-18 abgedruckt.) Darin verstieg sich der gute Mann zu einigen Aussagen, die Korrekturen geradezu herausfordern, so schräg und losgelöst von den Fakten waren sie. Ein Freund aus Jerusalem hat sich die Mühe gemacht:

Laut Propst Schmidt wird das religiöse Miteinander zunehmend intoleranter allein wegen den ultraorthodoxen Juden. Selbstverständlich sind die Moslems hypertolerant, wenn sie sogar Touristen beim Besuch auf dem Tempelberg mit Steinen bewerfen und Juden ohnehin. Und genauso tolerant sind vor allem protestantische Pastoren wie Mitri Raheb, die den Juden jegliche Ansprüche und Geschichte im Heiligen Land absprechen.

Schmidt behauptet über die Ultraorthodoxen: „Denn sie haben sehr rigide Vorstellungen davon, was richtig und was falsch ist.“ So wie Schmidt im Interview mit idea redet, scheint das ausgerechnet auf ihn zuzutreffen, zumal er einige Falschheiten verbreitet und dennoch überzeugt von „richtig“ oder „falsch“ ist. Beispiele folgen.

Ganz grundsätzlich: Jede Religion mitsamt ihrem „Glauben“ ist von ihrer eigenen Richtigkeit voll überzeugt, sonst würden die Christen keine Mission betreiben und die Moslems keine Vorstellungen einer Weltherrschaft sogar mit Gewalt durchsetzen. Warum sollten fromme und gar ultraorthodoxe Juden nicht genauso von ihrer religiösen Wahrheit überzeugt sein?

Die nachweislich falschen Behauptungen von Schmidt in seinem Interview:

1) So werde gegenwärtig beispielsweise diskutiert, wie weit am Sabbat der öffentliche Verkehr stillzustehen habe.“ Das ist zwar richtig aber in diesem Zusammenhang anders herum. Denn für die Ultraorthodoxen gilt ohnehin am Sabbat ein Fahrverbot aus religiösen Gründen. Wenn in „der Gesellschaft“ über Verkehr am Sabbat diskutiert wird, dann über die Freigabe von Verkehr. Es wird darüber diskutiert, öffentliche Busse auch am Sabbat fahren zu lassen auf speziellen Linien, zum Beispiel Nachtbusse am Freitag, um angeheiterte Jugendliche vom Nachtleben in Tel Aviv oder Jerusalem sicher nach Hause zu bringen. In Jerusalem fahren auch am Sabbat die Taxis, ohne dass jemand dieses je infrage gestellt hätte. Zudem muss Schmidt eigentlich wissen, dass es in Jerusalem zwei separate öffentliche Verkehrssysteme gibt, ein jüdisches im Westen der Stadt, das am Sabbat weitgehend ruht und ein arabisches im Ostteil der Stadt, wo am Sabbat alles fährt und auch die Läden offen sind. Niemand käme auf die Idee, daran zu rütteln.

2) Diskutiert wird Wehrdienst für die Orthodoxen. Richtig, aber doch zu Ungunsten der Orthodoxen. Wieso stört das ein „religiöses Miteinander“? Stört es Schmidt und das „religiöse Miteinander“ innerhalb Israels, wenn die säkulare jüdische Mehrheit weniger Rücksicht auf die religiös bedingten Privilegien der Orthodoxen Juden nehmen will? Es ist kaum anzunehmen, dass sich hier der Vertreter der EKD für Vorrechte der Ultraorthodoxen einsetzen wollte.

3) Während die Zahl der ‚traditionellen‘ Christen, die seit den ersten Jahrhunderten in dieser Region zuhause sind, zurückgehe, wachse das Christentum…“ Hierzu müsste Schmidt klare Beweise liefern. Im Staat Israel wächst die Zahl der alteingesessenen Christen ständig. Er meint vielleicht die Christen in den palästinensisch verwalteten und überwiegend muslimischen Gebieten. Doch dort gibt es keinerlei zuverlässige Zahlen. Er hat recht mit der Behauptung, dass viele Gastarbeiter Christen sind. Doch die erscheinen nicht in den Statistiken, da sie nicht Staatsbürger sind. [Anmerkung heplev: idea gibt im Heft im Interview das Thema vor - „Statistiken zufolge geht die Zahl der Christen in Israel dramatisch zurück“. Mich würde interessieren, welche falschen Statistiken die sich da vorgenommen haben. Die Zahl der Christen in Israel steigt deutlich, ganz im Gegensatz zu allen arabischen Gebieten rundherum!]

4) Kritik übte Schmidt an der Trennmauer, die Israel errichtet hat, um sich vor Angriffen militanter muslimischer Palästinenser zu schützen.“ Der arme Propst muss täglich unter schrecklichen Traumata leiden. Erst muss er den ummauerten Komplex der Erlöserkirche verlassen. Die Trennmauer errichteten die Protestanten, um sich vor militanten Einbrechern zu schützen. Dann erreicht er die historische Stadtmauer Jerusalems, die errichtet wurde, um die Stadt vor militanten Feinden zu schützen. Aber wirklich schlimm ist nur die von Juden (Israelis) errichtete Trennmauer, denn es ist absolut inakzeptabel für den nächstenliebenden evangelischen Pastor, dass Juden sich vielleicht vor Mördern schützen könnten. Nein, die Israelis haben keine Angst vor „Angriffen militanter muslimischer Palästinenser“, sondern haben im Laufe der Intifada gut 1000 Tote durch massenmordende Selbstmordattentäter hinnehmen müssen. Dieser Spuk endete zufällig zeitgleich mit der Errichtung der Trennmauer. Weil Schmidt ja nun auch Deutscher ist, wirft seine Kritik – so wie er sie formuliert hat – einige schlimme Fragen auf: Verweigert er den Juden das Recht, sich vor Massenmord zu schützen? Da er die „angreifenden militanten muslimischen Palästinenser“ nicht kritisiert, stimmt er deren willkürlichen Massenmord an Zivilisten etwa zu?

5) An den Checkpoints fühle ich mich oft zurückversetzt in die Zeit, als ich nach Ost-Berlin gereist bin.“ Interessant. Schmidt konnte natürlich nach Ost-Berlin reisen. Aber wie viele Ost-Deutsche konnten in die andere Richtung reisen? Zudem: Wer hat jene Mauer gebaut und zu welchem Zweck? Da er hier vergleicht, will er vielleicht behaupten, dass Israel die Mauer gebaut habe, um die Israelis daran zu hindern, ins palästinensische Paradies zu flüchten? Hat es in Deutschland (hochgerechnet) etwa 13.000 Tote durch Selbstmordattentate geben und ist deshalb die Mauer gebaut worden?

6) „Wenn Israel es aufgrund der politischen Verhältnisse und der Situation im Land schon für nötig gehalten hat, diese Mauer zu errichten, dann frage ich mich, warum man sie nicht auf den Grenzen von 1967 errichtet hat.“ Herr Schmidt sollte sich mal erkundigen. Es gibt keine „Grenze von 1967“ sondern nur Waffenstillstandslinien. Warum kritisiert er nicht die Palästinenser, Krieg gegen Israel geführt zu haben, anstatt über die künftigen Grenzen zu verhandeln. Schmidt ergreift hier einseitig eine palästinensische Position. Hätten die palästinensische Regierung und deren Organisationen die Selbstmordattentate unterbunden und die Täter geahndet, gäbe es keine Trennmauer. Vor 1987, der ersten Intifada, gab es im ganzen Land nicht einmal Checkpoints geschweige denn Zäune und Trennmauern.

7) Die Art und Weise, wie die Mauer heute verlaufe, gebe „Anlass zur Vermutung, dass es noch andere Motive gibt, als nur den Terrorismus zu bekämpfen“. Das ist eine schöne Verschwörungstheorie. Wie wäre es, wenn der Pastor sich erst einmal kritisch zum Terrorismus äußert, und sich fragt, wieso der notwendig ist und wieso es die Trennmauer erst seit 2003 gibt und nicht schon vorher?

8) „So halte die Grenzziehung vielfach die Palästinenser draußen, vereinnahme aber ihr Land auf die israelische Seite der Mauer.“ Das ist richtig. Nur hat es der Staat Israel wirklich nötig, an einigen Stellen, wo übrigens besondere „landwirtschaftliche Tore“ eingerichtet worden sind, um den palästinensischen Landbesitzern Zugang zu ihren Äckern zu ermöglichen, jene paar Felder auf der israelischen Seite verkommen zu lassen? Solange die Israelis ohnehin beiderseits der Mauer präsent sind, bedeutet das doch keine „Bereicherung“. Und wie viele palästinensische Bauern sind da tatsächlich betroffen?

9) Schmidt: „Meiner Ansicht nach werden alle Ansätze, die sich nicht an einer Zwei-Staaten-Lösung orientieren, scheitern.“ Alle Achtung: Entweder stellt sich der deutsche Pastor in die Tradition der biblischen Propheten oder aber er redet als Politiker. Dann hätte er seinen Beruf verfehlt. Solange es in seinem Gastland (Israel wie die palästinensischen Autonomiegebiete) Gegner wie Befürworter dieser politischen Lösung gibt, sollte er sich tunlichst nicht in Angelegenheiten einmischen, für die er nun einmal nicht verantwortlich ist.

Es gibt noch ein paar weitere Anmerkungen von einem weiteren Freund, die zum Teil in Richtung der theologischen Kompetenz des Herrn Propstes gehen. In Ergänzung der Frage zur „Mauer“ schreibt er:

Es ist schon aussagekräftig, wenn auch idea nur faktenresistent von „der Mauer“ redet. Aber mal abgesehen davon, dass die „Mauer“ lediglich rund 5% der Gesamtlänge der Terroristensperre ausmacht: Wie anders, als mit Sicherheitsaspekten soll ihr Verlauf erklärt werden, wenn man nicht böswillige Unterstellungen betreibt? Um „Landraub“ zu begehen, der sich lohnt, hätte der Schutzwall zum Teil deutlich weiter östlich der Grünen Linie verlaufen müssen. Dass vom Westen politisch gewollte Linien nicht den Sicherheitserkenntnissen entsprechen könnten, scheint dem Propst völlig abzugehen – was nutzt z.B. ein Zaun (oder eine Mauer) vor einer Bergkuppe, wenn die Terroristen von dort herab prima weiter schießen können? Aber da er ja kein Sicherheitsexperte ist, muss er wohl so denken, statt sich zu informieren. Das passt zu einem Mann, der auf jeden Fall nur denjenigen verurteilen mag, eine Mauer baut, nicht denjenigen, der den Bau verursacht.

Für Propst Schmidt ist „das leere Grab das stärkste denkbare Symbol für die Auferweckung Jesu Christi“. Er redet überhaupt gerne von Symbolik und „symbolischem Gehalt“. Konkretes gibt es offenbar nicht. Schon gar nicht ein Herangehen an biblische Texte „nur mit dem historischen Maßstab“, „weil sie auch nicht so geschrieben wurden“. Hm. Hier scheint „nicht nur“ zwar der Schlüssel sein zu sollen, aber inwiefern nimmt er das „nur“ ernst? Lukas 1,1-4 schreibt ganz deutlich, dass das, was der Evangelist aufgeschrieben hat, auch geschehen ist. Historisch korrekt. Nicht symbolisch. Wir haben nicht „nur die Redeweise der Symbole und Analogien“, die der Propst anführt. Ganz im Gegenteil. Und die Auferstehung nur als Symbol zu denken, widerspricht Paulus, der klar schreibt, ohne die Auferstehung „ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich“ (1. Kor. 15,13). In diesen Dingen schlingert Propst Schmidt um ein klares, biblisch fundiertes Glaubensbekenntnis herum, indem er nur Symbolik und keine konkrete Übernahme der Berichte und Briefe seines Heiligen Buchs anführt. Vielleicht tue ich ihm dabei Unrecht und die er glaubt bodenständiger – aber das kommt hier zumindest nicht zum Ausdruck. Er mag Recht haben, wenn er sagt, die Aussage auf der Pforte des Gartengrabes („Er ist nicht hier. Er ist auferstanden“ – die übrigens meines Wissens weiterhin – und schon immer auf Englisch – auf der Innenseite der Tür des Grabes steht) zeigt, wie relativ die historische Fragestellung im Blick auf den eigenen Glauben ist. Aber wenn nur noch Glaube und keine historische Tatsache vorhanden ist, wo ist dann die Grundlage für den Glauben? Ist er dann nicht nur noch Märchen, Erfindung?

Dann fordert der Propst, dass man die „Auseinandersetzungen“ zwischen den Konfessionen in der Grabeskirche nicht so ernst nehmen, sondern ihnen mit einem gewissen Verständnis begegnen solle, weil es nicht ohne Reibereien abgeht, wenn sechs Konfessionen mit so unterschiedlicher Geschichte und Hintergründen gemeinsam ein Gemeindezentrum führen. Als Beispiel führt er gemeinsame katholisch-evangelisch betriebene Gemeindezentren an, bei denen es auch „nicht immer ganz reibungslos“ zugeht.
Das ist eine Untertreibung, die Ihresgleichen sucht. Es sind keine „Reibereien“ sondern gewalttätiger Neid ohne Grenzen, der die Konflikte an der Grabeskirche antreibt. Welches von Katholiken und Protestanten gemeinsam geführte/genutzte Gemeindezentrum weltweit braucht einen Menschen anderen Glaubens, der die Schlüsselgewalt hat, damit die offiziellen Vertreter der Konfessionen nicht übereinander herfallen? Wo gewaltiger Druck von außen ausgeübt werden muss, damit die Herrschaften sich nach Jahre dauerndem Streit endlich einigen, dass, wie und von wem wie eine Reparatur am Gebäude durchgeführt werden kann, damit es nicht zusammenfällt? Wo muss regelmäßig die Polizei eingreifen, weil die Vertreter der Konfessionen sich gegenseitig verprügeln?
Die Grabeskirche in Jerusalem ist ein Ort des Neides, ein Ort der Abschreckung Andersgläubiger. Leider.

Der Propst hat einige seltsame Ansichten, die sich aus seinem Theologieverständnis speisen. Und er hat reichlich unverständliche Meinungen, wenn es um Fakten vor Ort in Israel geht. Schade, dass ein solch Ahnungsloser oder Verblendeter Mensch Christen repräsentiert.

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