Friedens(b)engel – Kritik unerwünscht
9. November 2009 at 8:47 | In Christen+Kirchen, Deutschland, Europa+Nahost, Geistesgrößen | 3 CommentsTags: Friedenshetzer
In Metzingen wirbt die Kirchengemeinde um Pfarrer Metzger für die „29. Friedenswoche 2009“. Der Eröffnungsabend ist gelaufen, hierfür wurden „Begegnungen“ und ein „kulturelles Programm“ angekündigt (Anführungszeichen, weil aus dem Programm übernommen, keine Hintergedanken):
- Afrik. Tanzgruppe und Workshopangebot
- Arabische Tänze
- Lesungen
- Griech. Volkstanzgruppe
- Cafe International und Weltladen sorgen für leckeres Essen und Getränke.
- Infostände verschiedener Initiativen.
Auch der Punkt „Workshop Konfliktprävention durch Stockkampfkunst“ ist vorbei. Am 14. November geht es weiter:
- Vortrag des Oberbürgermeisters der Stadt Jena Dr. Albrecht Schröter zum Thema: „Mauern überwinden – damals und heute“. (Die Stadt Jena baut gerade auf seine Initiative hin eine Städtepartnerschaft zur palästinensischen Stadt Beit Jala auf.)
- Ökumenischer Bittgottesdienst mit Hannelore Shihadeh, schwäbisch/arabische Pfarrfrau aus Beit Jala.
- Vortrag von Hannelore Shihadeh, Abrahamsherberge Beit Jala / Mauern überwinden im Heiligen Land. (Hervorhebung der leidenden Lage Beit Jalas durch „die Mauer“)
- Themen-Film-Abend „Das Herz von Jenin“ (über einen palästinensischen Vater, der die Organe seines getöteten Sohnes für Transplantationen – auch für Israelis – zur Verfügung stellte, aber auch sehr kritisch gesehen werden muss. Die Angaben des Programms über den Tod des Jungen sind deutlich unvollständiger als nötig – zum Nachteil Israels.)
- Ein Vortrag „Wirtschaftsethik und Globalisierung im Zeichen der Krise“ durch einen Unternehmer, der u.a. auch in einem Verein für christlich-jüdische Begegnung aktiv ist
Im Vorfeld dieser Veranstaltungsgruppe erschienen in der Südwest-Presse zwei Texte: Der eine ein Interview mit Pfarrer Metzger, der andere eine mahnend-kritische Betrachtung der „Ökumenischen Friedensdekade“ in Metzingen. Beide stammen aus der Feder derselben Journalistin. Das Interview mit dem Pfarrer beginnt mit der Frage, was der Theologe an Israel stört. Der legt direkt los: Ihn stört nichts an Israel als solchem, aber… Und dann kommt die ganze üblich einseitige Litanei, was Israel den Palästinensern antut: Landnahme per Mauer auf Palästinensergebiet statt der international anerkannten Grenze von 1967, Siedlungen und Siedlerstraßen, Kontaktverbot mit Palästinensern für Israelis/die Grenze zu überqueren. Die Mauer schottet ab und verhindert, dass Menschen auf beiden Seiten sich wahrnehmen und näher kommen können. An der Grenze wurden schon zahlreiche Menschen erschossen (insofern also auch vergleichbar mit Berlin). Aber er ergreift nicht Partei für die Palästinenser, sondern „für alle Menschen, die leiden. Und ich glaube, dass die Palästinenser mehr leiden als die Israelis. Ich ergreife Partei für diejenigen Juden, Christen und Moslems, die sich bemühen, einander näher zu kommen und in friedlicher Koexistenz leben wollen.“ Oh, die Angst der Israelis vor Selbstmordattentätern kann er verstehen, „auch aus der Geschichte Israels, an der Deutschland seinen dunklen Anteil hat“. Aber er redet nicht über Selbstmordattentäter, denn: „Die politischen Argumente im Palästinakonflikt kennen wir doch sowieso alle.“ (Aha, hat also keinesfalls mit Religion zu tun.)
Die Journalistin Carola Eissler hatte in diesem Interview recht aggressive Fragen gestellt bzw. Positionen Metzgers und seiner Mitstreiter zugespitzt auf den Punkt gebracht, was der Pfarrer so nicht hinnehmen wollte. In ihrem Artikel „Ein umstrittener Einfluss“ über die Veranstaltungen der Ökumenischen Friedensdekade in Metzingen zeigt sie wohl auf, woher diese skeptische Haltung kommt. Hier zieht sie die Verbindungen zwischen der Veranstaltungsreihe und den übrigen Kontakten und Schwerpunkte des Pfarrers: die Abrahamsherberge in Beit Jala und deren Aktivitäten. Offiziell ist die Herberge Kontaktort für Friedens- und Begegnungsarbeit zwischen Palästinensern und Juden, zwischen Christen, Juden und Muslimen. Sie zeigt die engen persönlichen Verbindungen zwischen entscheidenden Protagonisten der Metzinger Veranstaltungen und Metzger sowie der Abrahamsherberge auf, die der Pfarrer so beschreibt: „Es bestehen eben Kontakte zu profilierten Leuten.“ Diese Beschreibung ist unehrlich, handelt es sich doch weitgehend um enge Freunde und Bekannte, die der Mann seit Studientagen kennt, sowie um Vereinskollegen der Abrahamsherberge (dem Metzger selbst auch sehr aktiv angehört). Sie beschreibt, dass die Friedensarbeit der Herberge mehr oder weniger einem Werbefeldzug für das Luxushotel gewichen ist, dass entscheidende Persönlichkeiten in zweifelhaftem Ruf stehen und/oder sich ein Profil anheften, das ihnen nicht gebührt. Und was die „eben bestehenden Kontakte“ angeht, so gehören zu diesen über die Vereins- und Studienkumpels hinaus bekannte Extremisten, die sich vor allem durch antiisraelische Tiraden und Hasspredigten auszeichnen.
Insgesamt kommt Eissler zu dem Schluss: „Die Veranstalter der Metzinger Friedenstage werden sich die Frage stellen müssen, ob es ihnen um objektive Informationspolitik geht oder schlicht um einseitige Verurteilung Israels.“ Sie stellt die ganze Veranstaltung in Frage, verurteilt sie aber (noch) nicht als Propaganda. Sie neigt aber der kritischen Darstellung zu, das ist klar, denn sie zeigt die Aspekte auf, die Pfarrer Metzger und seine Genossen eben nicht offenlegen.
Das sieht der Pastor natürlich ganz anders. Wer sich „Frieden“ auf die Fahnen geschrieben hat, lässt sich einseitige Parteinahme nicht vorwerfen, sondern gibt den Vorwurf, angereichert mit ein paar weiteren Vorwürfen, zurück. Er wirft der Journalistin vor,* sie habe „Informationsfetzen“ zusammengeklaubt und in Verbindung von „mangelnder Sachkenntnis, Spekulationen und Unwahrheiten zu rufmordartigen Unterstellungen verarbeitet“, mit anonymen Anschuldigungen gearbeitet (daher geht er davon aus, dass sie aus der Luft gegriffen sind); er beschwert sich, dass in einem Pressegespräch (also nicht dem Interview?) die Vorwürfe z.B. gegen Pfarrer Shihadeh formuliert wurden; aber er wunderte sich dabei, dass die Journalistin beim Interview allein auf den israelisch-palästinensischen Konflikt abzielte. Er behauptet, jeder Vorwurf wäre sofort widerlegbar gewesen. Metzger wehrt sich dagegen, dass seinem
Vereinskollegen Blickle (Unternehmer) Einseitigkeit gegen Israel vorgeworfen wird. Er schickt ein Foto mit, um den Vorwurf der aufwändigen Wasserspiele zu entkräften. Dann fasst er zusammen, was ihn „erschreckt“ und was sich „aufdrängt“: dass die Journalistin tendenziös und schlecht recherchiert und berichtet, fragt, wer Interesse daran hat die Abrahamsherberge und ihren Leiter „im Vorfeld der Friedenstage“ „in verleumderischer und aggressiver Weise schlecht zu machen“ und ob „das Gespräch zwischen Juden, Christen und Moslems durch ein altes Schema von einseitiger Schuldzuweisung und Polarisierung“ torpediert werden soll. Zum Schluss folgt eine Themenauflistung, die zeigen soll, wie marginal „die Mauer“ im heiligen Land bei der Veranstaltungsreihe sei – was angesichts der am Anfang dieses Textes dokumentierten Veranstaltungsankündigung mit ihren Rednern und deren Verbindungen reichlich unglaubwürdig ist.
Dass er Eissler Einseitigkeit und Verleumdung vorwirft, passt ins Bild derer, die Frieden brüllen und Kritik nicht zulassen. Offensichtlich hat Eissler mehr Quellen benutzt als Metzger & Co. Eine begründet anonym angeführte Aussage als „aus der Luft gegriffen“ zu bezeichnen, ist eine Unverschämtheit. Bis auf den Versuch mit dem Foto die „Wasserspiele“ zu widerlegen findet sich in der Stellungnahme Metzgers kein einziges Argument, das einen der Vorwürfe widerlegt. Stattdessen erfolgen Vorwürfe, die ihrerseits wiederum Rufmord nahe kommen. Dazu eine Ablenkung, was die Anschuldigungen der Einseitigkeit angeht – Karl-Hermann Bickle selbst wird mitnichten Einseitigkeit vorgeworfen, sondern dem Verein Abrahamsherberge und dem dortigen Pfarrer.
Wie berechtigt solche Vorwürfe sind, zeigt ein Brief des Pfr. Peter Keller vom 31.07.2006* an alle Mitglieder des Fördervereins Abrahamsherberge, in dem er – im März des Jahres erst wieder zum Vorsitzenden gewählt – seinen Rücktritt vom Vorsitz sowie seinen und seiner Frau Austritt aus dem Verein verkündet und begründet: „Ich beobachte nämlich seit geraumer Zeit, dass unserem Verein die Balance verloren gegangen ist.“ Der Basisarbeit, die für eine Versöhnung zwischen Palästinensern und Israel nötig ist und wie sie in der Gemeinde von Beit Jala praktiziert wurde, wurde Einhalt geboten, „so dass das inhaltliche Wirken des Vereins an seine Grenze kam. Demgegenüber wurde dem ‚Hotelbetrieb‘ der AH deutliche Priorität eingeräumt“, dem nun alles zu dienen und zuliefern muss. Vorrangige Aufgabe wurde das Sammeln von Hotelgästen. Weil Kellers Standpunkt im Vorstand nicht mehrheitsfähig ist, zieht er sich aus dem Verein zurück.
Könnte es sein, dass Frau Eissler diesen Brief auch kennt? Und weiter nachgehört hat, um zu wissen, wie sie den Förderverein, den Hotelbetrieb und den Pfarrer Shihadeh einzuschätzen hat? Davon kann man wohl ausgehen. Und wenn sie das getan hat, dann hat sie recherchiert, nicht einseitig, sondern in der richtigen Richtung, so wenig das Herrn Metzger gefällt.
Die Reaktionen Metzgers im Interview sowie in seiner „persönlichen Einschätzung“ von Eisslers Artikel sorgten dafür, dass sich Ulrich Sahm in die Diskussion einzuschalten versuchte. Er schrieb am 2. November eine E-Mail (die mich auf Umwegen erreichte):
Sehr geehrter Herr Pastor,
ich habe mit großem Interesse Ihr Interview gelesen.
Sie behaupten da:
„Die Sperranlagen verlaufen zum größten Teil nicht auf der international anerkannten Grenze von 1967.“
Seit wann und von wem ist die sogenannte grüne Linie als eine „international anerkannte Grenze“ bestimmt worden?
„Dazu kommen die Siedlungen und die Siedlerstraßen.“
Sie scheinen die Osloer Verträge zwischen der PLO und Israel nicht zu kennen. Über die Siedlungen muss noch verhandelt werden und die sogenannten „Siedlerstraßen“ wurden auf ausdrückliche Bitte von Jassir Arafat errichtet, damit die Israelis nicht mehr durch palästinensische Autonomiegebiete wie Bethlehem oder Ramallah fahren müssen, um zu den Siedlungen zu gelangen. Falls sie diese Straßen kritisieren, sollten Sie ihre Kritik in erster Linie gegen die PLO richten, nicht aber gegen Israel.
„Mich stört, dass der Staat Israel seinen eigenen Bürgern bei Strafe verbietet, die Grenze zu überqueren, um Kontakt zu Palästinensern zu haben.“
Ja, mich stört das auch, nur haben Sie mal geprüft warum und seit wann diese Weisung erfolgte?
Warum stört sie nicht die Ermordung jener Israelis, die beim Besuch in Tulkarem ermordet wurden, weil sie Hummus essen wollten, während ihre arabischen Begleiter laufen gelassen wurden, warum stört sie nicht die Ermordung des (jüdischen) Besitzers des Everest Hotels in Bet Jala, der trotz enger und freundschaftlicher Kontakte in Beth Jala ermordet wurde, warum stört Sie nicht die Ermordung eines jungen Israeli, der nach Ramallah gelockt wurde, per Internet Chat, und viele weitere Fälle. Solange die pal. Autonomiebehörde diese Morde nicht geahndet hat, um die Mörder als solche dingfest zu machen und zu verurteilen, können Sie es wirklich den israelischen Behörden verdenken, ihren eigenen Bürgern, zu ihrem eigenen Schutz, zu verbieten, jene Gebiete zu betreten, in denen Mord an Israelis und insbesondere an Juden als Heldentat und nicht als Verbrechen gilt?
„aber auch an den israelischen Sperranlagen wurden schon zahlreiche Menschen erschossen.“
Haben Sie dazu Angaben? Bitte erwähnen Sie jetzt nicht Fälle, in denen bewaffnete Palästinenser Anschläge auf Israelis an den Straßensperren verübt haben. Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Mensch erschossen wurde, weil er versuchte, die Sperranlagen zu überwinden.
„Ich ergreife nicht Partei für die Palästinenser, sondern für alle Menschen, die leiden.“
Sehr gut. Wann und wo haben Sie mal die israelischen Terroropfer besucht oder einen Kranz an jenen Stellen niedergelegt, wo einige der über tausend Israelis von Selbstmordattentätern in die Luft gesprengt worden sind? Oder ist das aus Ihrer Sicht kein „Leiden“?
„Darin steckt auch meine Arbeit für die Abrahams Herberge.“
Sie behaupten selber, dass Juden nicht in die Autonomiegebiete einreisen dürfen. Welche Friedensarbeit kann unter diesen Umständen diese Institution leisten?
„Aber nur durch Lebensperspektiven für die Menschen in Israel und Palästina kann man verhindern, dass junge Menschen ihr Leben als Selbstmordattentäter wegschmeißen.“
Richtig, nur wieso haben die Menschen seit dem Bau der Mauer offenbar mehr „Lebensperspektiven“ als vorher? Die Mauer wurde rein chronologisch errichtet, wegen und infolge der Selbstmordattentate und seitdem herrscht einigermaßen Ruhe.
„Deshalb spreche ich nicht über Selbstmordattentäter, sondern unterstütze Menschen in Israel und Palästina, die miteinander am Gemeinsamen anknüpfen und friedliches, gerechtes Zusammenleben von zwei Völkern im Heiligen Land gestalten wollen.“
Warum verschweigen Sie, oder reden nicht, über jene Vorfälle, die das friedliche und gerechte Zusammenleben seit 2000 ziemlich gründlich unmöglich gemacht haben? Weil es nicht in Ihr Konzept passt?
Mit Ihrer einseitigen Sicht und der entsprechenden Geschichtsklitterung schüren Sie nur den Konflikt, was einem Pastor, der angeblich Mitgefühl mit den Menschen (auf beiden Seiten) hat, nicht gut ansteht.
Dieser Kritik hat der Friedensjünger anscheinend nichts entgegenzusetzen. Eine Folgemail vom 4. November fragte Sahm erneut an, wobei er weitere Vorgänge anreißt, die für Friedenshetzer nicht ganz untypisch sind (s. meine Unterstreichung):
Sehr geehrter Herr Pastor Metzger,
vor einigen Tagen hatte ich Ihnen eine Email geschickt als Reaktion auf Ihr Interview bei der Südwestpresse.
Ich habe volles Verständnis, dass Sie dieser Tage sehr beschäftigt sind. Gleichwohl wäre ich dankbar, wenn die mir wenigstens eine Empfangsbestätigung schicken könnten.
Da Sie offenbar weiterhin politisch aktiv sind, und einer Ihrer Freunde offenbar bemüht ist, mit einem Brief an den Chefredakteur der Südwestpresse, die Meinungsfreiheit und die journalistische Freiheit in Deutschland zu beschränken, reagiere ich hier empfindlich und bin der Meinung, dass dies in den Medien möglichst breit bekannt werden sollte. Es wurde einer Journalistin unterstellt, „für die israelische Regierung zu arbeiten“, eine ungeheuerliche Behauptung über eine Kollegin, die noch nie in Israel war und gemäß eigenen Recherchen nur einen Bruchteil der „Wahrheiten“ über die Abrahams-Herberge aufgedeckt hat.
Ich hatte Ihnen lediglich eine sachliche Kritik auf einige Ihrer öffentlichen Behauptungen geschickt und im Wesentlichen um Beweise für Ihre (aus meiner Sicht völlig falschen) Behauptungen gebeten.
Es befremdet mich, dass Sie keine Antwort schicken.
Da die Abrahams Herberge in weiten Kreisen in Deutschland bekannt ist, haben Sie gewiss keine Einwände, wenn ich diesen Brief als Kopie noch an weitere interessierte Personen schicke, denen der Friedensdialog zwischen Israel und den Palästinensern sehr am Herzen liegt.
(Einige der interessierten Personen sind meine Quellen.)
Diesmal kam eine Antwort:
Sehr geehrter Herr Sahm!
Hiermit bestätige ich den Eingang Ihrer zwei E-Mails.
Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich z.Z. nicht mit Ihnen über Standpunkte austauschen kann, die schon seit Jahren in aller Ausführlichkeit genannt sind, auch in der Diskussion zwischen Ihnen und dem Förderverein Abrahams-Herberge.
Wir haben uns jetzt um die Klärung hier vor Ort zu kümmern.
Mit freundlichen Grüßen
K.P.Metzger
Er mag keine Zeit für eine Auseinandersetzung haben. Aber der Duktus dieses Schreibens zeigt: Er will auch nicht. Er hat anderes, wichtigeres zu tun. Als echter Friedens(b)engel verbittet er sich Kritik und will in Ruhe gelassen werden; sich so verhalten, wie er es anderen fälschlich vorwirft, aber dieses Verhalten nicht selbst vorgehalten bekommen. Auf konkrete Fakten, die ihn widerlegen, geht er praktisch nicht ein. Seine Einseitigkeit weist er empört zurück – doch sein Umfeld und seine Argumentationsmuster verraten ihn. Was ein friedliebender Israelfeind aber niemals zugeben wird. Nein, Kritik ist unangebracht, böswillig und falsch. Wie bei allen üblich, die sich „Frieden“ ganz besonders groß auf die Fahnen geschrieben haben.
Die Argumentationsmuster sind immer wieder die gleichen: Wenn die „Mauer“ beklagt und verurteilt wird, dann „vergessen“ die Friedens(b)engel immer nur zu gerne, dass es keinen palästinensischen Staat gibt, dessen Grenzen anerkannt sind (sie sind Verhandlungssache über einen Endstatus) – und vor allem die Ursache ihres Baus; bestenfalls wird die nicht anerkannt. Wer aber „die Mauer“ für einen Skandal hält, der hat gefälligst die Massenmorde an Israelis durch Selbstmord- und sonstige Attentäter ebenfalls als völkerrechtlichen Skandal zu kennzeichnen. Das geht Pfarrer Metzger und seinen Mitstreitern völlig ab.
Auf Nachfragen bestätigt Ulrich Sahm, dass die Angaben in Eisslers Artikel samt und sonders zutreffend sind; einzige Ausnahme ist der letzte Absatz zu den Verhältnissen in Metzingen, denn die kennt er nicht. Er kann bei Bedarf Belege liefern. Wie sieht das bei Pfarrer Metzger aus?
* Die gekennzeichneten Dokumente liegen mir in Kopie vor.
Nachtrag (14.11.09):
Pfr. Metzger legt nach und lässt nachlegen. Dabei wird alles ignoriert, was Ulrich Sahm aus Jerusalem zu sagen und bestätigt hatte. Stattdessen wird Frau Eissler weiter Böswilligkeit und Unkenntnis unterstellt. Der Medienbeauftragte der Prälatur Reutlingen, Pfarrer Peter Steinle, plappert dabei in erster Linie alles nach, was Pfr. Metzger in seiner Einschätzung des Artikels „Ein umstrittener Einfluss“ schrieb. Das gilt besonders für die „Beweisführung“ über die Erwähnung von Karl Hermann Bickle. Eine Auseinandersetzung mit dem Schreiben Sahms hat offensichtlich nicht stattgefunden.
Pfr. Metzger hebt wieder auf die Anonymität der Quellen ab. Dass es nötig sein kann, diese zu schützen, akzeptiert er nicht. Will er behaupten, kritische Stimmen in den Palästinensergebieten seien überhaupt nicht gefährdet. Beweise dafür legt er nicht vor (um mal seine Argumentationsweise zu übernehmen). Dass die Abrahamsherberge von der EKD anerkannt und unterstützt ist, ist ein Scheinargument. Ich kenne Organisationen, die sehr anerkannt sind und trotzdem zum Miesesten gehört, was sich denken lässt. Auch die Unterstützung des Luxushotels durch jede Menge Pfarrer, Bischöfe, Pröpste, Dekane usw. sagt nichts über die Seriosität, Neutralität oder tatsächliche Friedensabsichten aus – es gibt haufenweise seriöse Leute, die fehlgeleitet wurden. Die Fakten kontern die beiden frommen (?) Herren jedenfalls nicht. Es steht hier maximal Aussage gegen Aussage.
Ulrich Sahm hat wieder einmal noch etwas mehr, das er direkt an die Herren Pfarrer schickte (honestly-concerned, Nahost-Mailing vom 13.11.2009, 00:36 Uhr):
Mein Kommentar zum Eissler Bericht
Sehr geehrter Herr Pressepfarrer, sehr geehrter Herr Pastor Metzger,
heute erhielt ich per Google einen Hinweis zu Ihrer Gegendarstellung in der Südwestpresse automatisch zugeschickt.
Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Obgleich ich Ihnen meine Kommentare zu dem Artikel von Frau Eissler zugeschickt hatte, scheinen Sie nicht einmal lesen zu können:
Ich hatte Ihnen den Link zu meiner Kritik an dem Film „Ein Herz von Jenin“ eingefügt, den, wie ich von Frau Eissler nach der Veröffentlichung ihres „umstrittenen“ Artikels erfahren habe, sie durch eine einfache Google-Suche entdeckt habe.
Sie behaupten nun, der sei auf der Homepage von N-24 erschienen. Das ist falsch und ich bitte Sie, dieses unbedingt öffentlich zu korrigieren. Oder, falls Sie bessere Informationen haben, mir den Link zuzuschicken, damit ich ein Honorar einfordern kann.
Ich bin erstaunt, dass Sie meine Reaktion vermeintlich „mit Interesse gelesen haben“, in Ihrer öffentlichen Reaktion aber offensichtlich gar nichts davon beachtet haben.
Als ganz besonders schlimm empfinde ich Ihre Kritk, dass Frau Eissler „anonyme Informanten“ zitiert hatte.
Ich hatte Ihnen geschrieben, das ich (mindestens vier) „anonyme Informanten“ kenne, die ähnliches bezeugen können. Ich würde jedoch den Teufel tun, deren Namen zu veröffentlichen. Es gehört zu den höchsten journalistischen Pflichten, unsere Quellen zu schützen, insbesondere, wenn denen Schaden entstehen könnte. Ihre Vorwürfe sind eine böswillige Attacke auf die Pressefreiheit.
Und wenn Sie manche Behauptungen als „ehrenrührig“ bezeichnen, so wissen Sie genauso wie ich, dass Sie da nicht die Wahrheit sagen.
Sie wissen genauso wie ich, wer da Ihren Förderverein aus genau diesen Gründen verlassen hat und seine Rücktrittsgründe mit einem weit verbreiteten Brief erklärt hat.
Zudem kenne ich eine weitere Geschichte, mit der bezeugt werden könnte, dass Schehade einerseits Spendengelder nahm und dann Menschen, denen er eigentlich mit den Spendengeldern helfen sollte, saftige Übernachtungspreise abverlangte. Auch diese Geschichte ist Ihnen wohlbekannt. Wegen dem oben genannten Problem, meine Quellen schützen zu müssen, kann ich keine Namen nennen.
Mich ärgert auch, dass Sie hier blauäugig, offenbar ohne die Lage vor Ort zu kennen, von der „Friedensarbeit“ auch mit Juden den deutschen Lesern ein falsches Bild vorgaukeln. Offenbar wissen Sie nicht, dass es jüdischen Israelis strikt verboten ist, die palästinensischen Autonomiegebiete zu besuchen, nachdem mehrmals jüdische Israelis und in Bet Jala sogar ein jüdischer Amerikaner (der Besitzer des Everest Hotels) ermordet worden sind.
Evangelische Pfarrer, die mehr daran interessiert sind zu verleumden und lieber vertuschen als aufzuarbeiten (falls sie nicht sogar bei unredlichen Machenschaften bewusst mitmachen) sind keine würdigen Vertreter ihrer Kirche!
Bischöfliches Vokabular
17. Oktober 2009 at 11:44 | In Christen+Kirchen, Geistesgrößen, die Welt+Nahost | 6 CommentsTags: Bischof Ackermann, Die 'Mauer'
Man stelle sich vor, Michel Friedman oder ein anderer prominenter (echter) Israel-Freund hätte das Wort benutzt – die Empörung würde Wellen schlagen, die die Hamburger Sturmflug von 1962 wie eine kleine Windböe aussehen ließe. Aber wenn ein deutscher Bischof von „Lebensraum“ faselt und sich das gegen Israel richtet, ist die Nazi-Vokabel offenbar nicht sonderlich kritisierenswert.
Gemacht hat es Bischof Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier. Seiner Meinung nach nimmt „die Mauer“ den Palästinensern Lebensraum. Soso. Der Vorsitzende von „Justitia et pax“ befindet auch, dass die Mauer erschreckend ist. Aha. Dem wird wohl jeder zustimmen, mancher allerdings aus anderen Motiven als der Friedens-Bischof. Der hat sich deutlich geäußert. Nazi-Vokabular gegen Israel ist angebracht. Dass diese Mauer notwendig und erschreckend ist, weil die Lebensraum suchenden Araber ohne sie dafür sorgen würden, dass die Juden nicht nur keinen Lebensraum mehr haben, sondern auch kein Leben mehr, das „entfällt“ dem Friedenschef genauso, wie die Tatsache, dass es „die Mauer“ als solche nur auf einem äußerst geringen Teilstück der Sperre gegen die Terroristen gibt. Im Übrigen findet wohl jeder noch so „rechte“ und antiarabische Israeli die Mauer, wo sie als solche steht, ebenfalls nicht schön. Aber ich vermute außerdem, dass den Israelis das eigene Leben wichtiger ist (und sein sollte) als arabischer „Lebensraum“.
Die Nazi-Äußerung der gutmenschlichen Sorte reichte dem großen Friedensbringer aber nicht. Er musste den Juden dann noch ins Stammbuch schreiben, dass die Mauer nichts nutzt und nicht ewig stehen wird. Da hat er sich wohl an Berlin erinnert gefühlt, wobei zu sagen bleibt: Die Mauer in Berlin war leider sehr effektiv, die „Mauer“ im heiligen Land ist es zum Glück auch. Sie erfüllt ihren Zweck: Die Terroristen haben kaum eine Chance nach Israel zu kommen, um dort ihrem Hobby nachzugehen; und ganz nebenbei haben massive Diebstähle aufgehört, die vor Errichtung der Sperranlagen noch an der Tagesordnung waren. (Wenn ich jetzt behaupte, das zeige, wer die Israelis „westlich“ der Grünen Linie bestohlen hat, bin ich dann Rassist? Wir dürfen doch von Arabern/Muslimen immer nur das Beste annehmen, die Verbrecher sind die Westler…)
Noch eine Frage an den Bischof: Will er mit seiner „Anmerkung“ behaupten, die Israelis wollten „die Mauer“ auf ewig stehen haben? So weit kommt’s noch. So ziemlich jedem Israeli wäre es lieber, man könnte dieses Monster schnellstmöglich wieder aus der Welt schaffen. Die Frage ist einzig und alleine die: Kann Israel sich das leisten? Israel kann es sich erst leisten, wenn die so genannten Palästinenser bereit sind den jüdischen Staat anzuerkennen und in Frieden mit ihm zu leben. Dieser Gedanke ist Bischof „Gerechtigkeit und Frieden“ aber offenbar so fremd, dass er nicht einmal ansatzweise konkrete Schritte in dieser Richtung von den Arabern in den besetzten bzw. auch nicht mehr besetzten Gebieten fordert.
Mit diesem üblichen Geschwätz westlicher Möchtegern-Friedensbringer geht es weiter: Beide Seiten müssen, beide Seiten sollten… Dass seine Konkretisierungen sich ausschließlich an Israel richten, merkt dieser Bischof Lebensraum wohl gar nicht. Er bezieht wie angekündigt Stellung und das geht nirgendwo gegen den Terror oder die Terroristen. Natürlich alles nur mit Einfühlungsvermögen und Umsicht, damit kein Mangel an Respekt da ist – vor allem vor dem Hintergrund der deutsch-israelischen Geschichte. Er nennt das „Kritik an der israelischen Politik“ Nochmal: Kritik an pal-arabischer Politik ist offenbar Fehl am Platze, vielleicht wäre es an der Zeit, dass Deutschland auch da so einen Hintergrund schafft wie bei den Israelis, damit Kritik möglich wird?
Ich vermute aber mal, den Israelis geht es am Allerwertesten vorbei, wie viel Einfühlungsvermögen und Umsicht der Bischof bei seiner „Kritik“ walten lässt – ob einer sagt „Ihr müsst den Palästinensern Lebensraum schaffen“ oder „Lasst euch gefälligst von denen widerstandslos umbringen“: Es kommt aufs Selbe raus. Und wie einfühlend und umsichtig die Vokabel „Lebensraum“ dabei ist, bedarf wohl kaum näherer Erörterung.
Dass es immer wieder Führungspersönlichkeiten deutscher Kirchen sind, die sich mit salbungsvoll verkündeten Unsäglichkeiten und falscher „Kritik“ gegen Israel und für die Judenmörder einsetzen, finde ich besonders erschreckend. Wenn von solchen Kirchenvertretern dann gleichzeitig vor evangelikalen Israelfreunden gewarnt wird, dann sollte sich niemand wundern, wenn Israelis daraus ihre Schlüssel ziehen.
Lautsprecher-Töne vs Kirchenglocken
15. Juli 2009 at 19:57 | In Christen+Kirchen, Europa+Islam, Israel, Jerusalem | 1 CommentJerusalem, 10. Juli 2009
Abends im Gästehaus fällt mir im Rückblick etwas auf, das mich nervt. Schon am Kotel war von den Moscheen aus der Gebetsruf zu hören – mehr als deutlich, alles übertönend. Jetzt im Gästehaus der Schwestern – und das gleich zweimal im Verlauf des Abends – gibt’s wieder deutlich alles über tönend den muslimischen Ruf. (Mal sehen, wie früh das morgen anfängt.)
Dieses alles übertönen wollen und müssen ist es, was mir aufstößt. Hier ist das für die Leute normal, sie kennen es nicht anders. Ich will auch nicht fordern, dass das geändert wird. Aber diese Penetranz stört mich doch gewaltig. Und die mag ich Zuhause nicht haben. Wenn ich mitbekomme, wie selbst manche Pfarrer es als selbstverständlich betrachten, dass Moscheen in Deutschland lautsprecherverstärkt zum Gebet rufen dürfen sollen, dann kriege ich schlechte Laune. Und wenn dann noch behauptet wird, dass sei nichts anderes als das Glockenläuten der Kirchen, dann werde ich richtig sauer. Denn das hat nichts miteinander zu tun. Es ist ein grundlegender Unterschied, ob EINMAL IN DER WOCHE die Glocken Christen zum Gottesdienst rufen oder FÜNFMAL TÄGLICH der Lautsprecher der Moschee verkündet, dass einzig Allah Gott ist (für mich ist er NICHT Gott, ist er KEIN Gott!) und damit impliziert wird, dass diesem Allah alles untertan gemacht werden müsse.
Das ist quantitativ wie qualitativ einfach nicht vergleichbar.
Mir kann dann sicherlich vorgehalten werden, dass auch „mein Gott“ so einen Absolutheitsanspruch hat wie der muslimische. Ja, das hat er. Aber im Gegensatz zum muslimischen Allah hat Jesus befohlen die Welt zu Jüngern zu machen, nicht sie zu unterwerfen. Wir sollen das Wort predigen, Menschen überzeugen – nicht allen ein Gesetzeswerk aufzwingen. Christ wird man immer noch ausschließlich durch eigene Entscheidung, nicht durch Formeln oder Zwang oder automatische Kirchenmitgliedschaft. Muslim ist man schon, wenn man einen muslimischen Elternteil hat, automatisch und zwangsweise. Anderen wird dieser Glaube aufgezwungen, weil sie weder nicht als Dhimmis unterdrückt werden wollen – Juden, Christen, Zoroasten – oder weil sie nicht entsprechend dem islamischen Gesetz getötet werden wollen, weil sie nicht zu den „Völkern des Buches“ gehören und deswegen die „Wahl“ für das Dhimmitum nicht bekommen. Wobei es diesem Allah noch nicht einmal darum geht, dass alle Menschen Muslime werden, sondern „nur“, dass die Scharia überall zur Anwendung gebracht wird.
Ich könnte auch ohne Glockengeläut leben. Die Gemeinde, die ich besuche, hat keine Kirche mit Glocken. Noch nicht einmal vom Band. Ich brauche sie nicht. Aber ich bin nicht bereit die Kirchenglocken zu entsorgen, um „Gleichberechtigung“ mit dem Islam zu schaffen. Das wäre geheuchelt und falsch. Sollte es doch so kommen, bitteschön. Hätte der Allah-Glauben wieder gewonnen, weil etwas Christliches beseitigt wurde, weil wir etwas von unserer Kultur aufgeben. Auch so kann man sich die Welt definieren. Die Araber und insbesondere die „Palästinenser“ haben ja auch immer gewonnen, wenn Israel zwar den Krieg für sich entschied, die Terroristen aber dennoch weiter machen konnten. Diese Mentalität werden unsere Gutmenschen nie auch nur ansatzweise begreifen, wenn sie sich denn überhaupt eingestehen würden, dass es sie gibt. Sie stehen für nichts mehr ein. Sie sind nicht bereit für etwas zu kämpfen. Dafür bekämpfen sie alles, was ihrem Wahn des vermeintlichen „Friedens“ im Weg stehen könnte – alles, das FÜR etwas steht, für den Erhalt von etwas, das uns lieb und wert sein sollte.
Und so werden wir uns vielleicht damit abfinden müssen – auch wenn ich nicht dafür bin – dass Parteien, die sich „pro“ nennen, Zulauf bekommen werden, weil sie ein Anliegen aufgegriffen haben, das nicht ihr eigenes ist, mit dem sie aber Stimmung machen können, weil sich keiner sonst des Problems annimmt; abfinden damit, dass diese „pro“-Leute Bürger einfangen, obwohl sie gar nicht „pro“ sind, sondern nur „gegen“ und dem Problem nichts Konstruktives entgegenzusetzen haben.
Im Hintergrund läutet gerade eine Kirchenglocke, zart und unaufdringlich, die Uhrzeit.
Religion und Gewalt
13. Juni 2009 at 12:12 | In Christen+Kirchen, Geschichte, die Welt+Islam | 6 CommentsTags: Ursachen von Gewalt, Bibel, Koran
„Samson war der erste Selbstmord-Attentäter“ und „Die Bibel ist mindestens genauso gewalttätig und grausam wie der Koran“ sind zwei der gängigen Behauptungen, die immer dann Verwendung finden, wann immer jemand die Gewalt im Islam thematisieren will. Das sind in der Regel Totschlaginstrumente, die alles abwürgen, was diskutiert werden könnte. Dieses Verhalten ist eine Strategie, die nicht auf Fakten beruht – jedenfalls nicht so, wie ihre Vertreter es gerne hätten.
Raymond Ibrahim hat die Behauptung untersucht und kommt zu einem interessanten Ergebnis: Man muss sich vor allem die Gebote der Religion ansehen, um zu einem Urteil zu kommen.
Raymonds Aufsatz steht in Übersetzung auf den Nahost-Infos: Sind Judentum und Christentum so gewalttätig wie der Islam?
Geschichte mit Theologie vermischen: Jüdisch-christliche vs islamische Gewalt
20. April 2009 at 20:00 | In Christen+Kirchen, Europa+Islam, Islam+Islamismus, die Welt+Islam | 5 CommentsAus gegebenem Anlass mit einem besonderen Gruß an “Martin”.
Raymond Ibrahim, Jihad Watch, 15. März 2009
Besonders nach den Terrorschlägen vom 11.09.2001 ist dem Islam oft vorgeworfen worden intrinsisch gewalttätig zu sein. Viele deuten zum Beweis, dass Gewalt und Intoleranz gegenüber Nichtmuslimen dem Islam innewohnt, auf den Koran und andere islamische heilige Schriften und Texte. Als Antwort sind eine ganze Reihe Rechtfertigungen geboten worden. Die fundamentale Prämisse fast aller davon ist, dass die behauptete Gewalt des Islam – wie sie in islamischen heiligen Schriften und Geschichte zu finden sind – sich nicht von der Gewalt unterscheidet, die von anderen Religionsgruppen im Verlauf der Geschichte begangen wurde und in ihren heiligen Schriften verzeichnet ist, so bei den Juden und Christen. Der Streit besteht, kurz gesagt, darin, dass es nicht der Islam per se ist, sondern eher die menschliche Natur für Gewalt anfällig ist.
Wann immer also das Argument angeführt wird, dass der Koran genauso wie die historischen Worte und Taten des Propheten des Islam, Mohammed, und seiner Gefährten Gewalt und Intoleranz bekunden, wird sofort das Gegenargument angeführt: Was ist mit den historischen Gräueln, die von den Hebräern in vergangenen Jahren begangen wurden, wie sie in ihren heiligen Schriften (aka dem Alten Testament) aufgezeichnet wurden? Was ist mit dem brutalen Kreislauf der Gewalt, den Christen im Namen ihres Glaubens sowohl gegen Mitchristen und Nichtchristen verübt haben?
Dann werden einige Beispiele aus der Bibel wie auch aus der jüdisch-christlichen Geschichte angeführt. Zwei Beispiele – eins aus der Bibel, das andere aus der Geschichte – werden oft als paradigmatisch für die religiöse Gewalt zitiert, die sowohl dem Judentum als auch dem Christentum inne wohnt und gewöhnlich die Diskussion beendet, ob der Islam in Bezug auf seine Lehren und Gewalt einzigartig ist.
Das erste ist die militärische Eroberung des Landes Kanaan durch die Hebräer (ca. 1200 v.Chr.), die zunehmend als „Völkermord“ charakterisiert wird. Yahweh sagte Moses:
Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken, nämlich an den Hetitern, Amoritern, Kanaanitern, Perisitern, Hiwitern und Jebusitern, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, damit sie euch nicht lehren, all die Greuel zu tun, die sie im Dienst ihrer Götter treiben, und ihr euch so versündigt an dem HERRN, eurem Gott. (5. Mose 20,16-18)
So schlug Josua [der Nachfolger Moses] das ganze Land, das Gebirge, das Südland, die Niederung, die Berghänge und all ihre Könige: er ließ keinen Entronnenen übrig. An allem Lebenden vollstreckte er den Bann, wie der HERR, der Gott Israels, geboten hatte.
Das zweite Beispiel dreht sich um die Kriege der Kreuzzüge, die von den mittelalterlichen europäischen Christen geführt wurden. Wohl waren die Kreuzzüge waren „Gegenangriffe“ auf den Islam – nicht ein unprovozierter Angriff, wie es oft durch revisionistische Geschichtsschreibung dargestellt wird. Ein vereintes Christentum versuchte das Heilige Land von Jerusalem zu annektieren, das vor seiner Eroberung durch den Islam im 7. Jahrhundert seit 400 Jahren integraler Teil des Christentums war.
Darüber hinaus waren muslimische Einfälle und Gräuel gegen Christen im Steigen in den Jahrzehnten vor Beginn der Kreuzzüge 1096 im Steigen begriffen. 1071 zum Beispiel hatten die seldschukischen Türken die Byzantiner in der Schlüsselschlacht von Manzikert vernichtend geschlagen und praktisch einen großen Teil des byzantinischen Anatolien annektiert (was schließlich den Weg für die Eroberung von Konstantinopel Jahrhunderte später ebnete). Ein paar Jahrzehnte davor schändete und zerstörte der Fatimiden-Kalif al-Hakim eine Reihe wichtiger Kirchen – so die Kirche St. Markus in Ägypten und die Auferstehungskirche in Jerusalem – und erließ mehrere noch mehr als normal unterdrückerische Anordnungen gegen Christen und Juden. Es ist dieser Hintergrund, vor dem Papst Urban zu den Kreuzzügen aufrief:
Aus den Grenzen Jerusalems und der Stadt Konstantinopel ist eine fürchterliche Botschaft gekommen und ist sehr regelmäßig vor unsere Ohren gebracht worden, nämlich dass eine Rasse aus dem Königreich der Perser [d.h. Muslime, Türken]… die Länder der Christen erobert hat und sie mit dem Schwert, Plünderung und Feuer entvölkert hat; sie hat einen Teil der Gefangenen in ihr eigenes Land weggeführt und einen Teil hat sie durch grausame Folter vernichtet; sie hat die Kirchen Gottes entweder zerstört oder sie für die Riten ihrer eigenen Religion verwendet (aus den Chroniken des Mönchs Robert).
Dennoch attestiert die Geschichte, dass die Kreuzzüge gewalttätig und blutig waren. Nach dem Durchbruch durch die Stadtmauern Jerusalems im Jahr 1099 schlachteten die Kreuzfahrer wahllos jeden einzelnen Einwohner der Heiligen Stadt ab. Die mittelalterliche Chronik Gesta Danorum schreibt: „Das Schlachten war so groß, dass unsere Männer bis zu den Knöcheln in Blut wateten.“ Darüber hinaus ist da noch Plünderung Konstantinopels, bei der Kreuzfahrer Christen erschlugen.
Angesichts dessen – ein erstklassiges Beispiel „hebräischer“ Gewalt aus der Bibel, das andere aus der christlichen Geschichte: Warum sollte der Islam die einzige Religion sein, die immer als intrinsisch gewalttätig charakterisiert wird, einfach weil sein heiliges Buch und seine Geschichte auch Gewalt beinhalten? Warum sollten Nichtmuslime immer auf den Koran und alte Geschichte als Beweise für die Gewalttätigkeit des Islam deuten, während sie nie in ihre eigenen Schriften und Geschichte sehen?
Solche Fragen sind zwar beliebt, aber sie enthüllen ein großes Durcheinander von Geschichte und Theologie, von zeitweisem Handeln von Menschen und was als die unveränderlichen Worte Gottes angenommen werden. Der fundamentale Fehler besteht darin, dass die jüdisch-christliche Geschichte – die gewalttätig ist – mit islamischer Theologie vermischt wird – mit Geboten der Gewalttätigkeit. Natürlich haben alle Religionen ihren Anteil an Gewalt und Intoleranz gegenüber „anderen“ gehabt. Ob diese Gewalt von Gott angeordnet ist oder ob kriegerische Männer sich es so wünschten, ist die alles entscheidende Frage.
Die Gewalt im Alten Testament ist so ein interessanter Fall. Yahweh befahl den Hebräern klar die Kanaaniter und die sie umgebenden Völker zu vernichten. Solche Gewalt ist daher ein Ausdruck des Willens Gottes, zum Guten oder zum Schlechten. Unabhängig davon ist alle von den Hebräern verübte und im Alten Testament begangene historische Gewalt genau das – Geschichte. Es geschah; Gott hatte es befohlen. Aber es ging dabei um eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort und richtete sich gegen ein bestimmtes Volk. Zu keiner Zeit ging diese Gewalt über in ein standardisiertes oder kodifiziertes jüdisches Gesetz (z.B. die Halakha).
Hier wird die islamische Gewalt einzigartig. Obwohl ähnlich der Gewalt des Alten Testaments – befohlen von Gott und manifestiert in der Geschichte – sind gewisse Aspekte islamischer Gewalt im islamischen Gesetz (u.a. der Scharia) standardisiert worden und gelten zu allen Zeiten. So ist die im Koran zu findende Gewalt tatsächlich historisch, seine endgültige Bedeutung ist theologisch oder, genauer gesagt, dogmatisch. Dazu sollte man sich die folgende Koranverse ansehen, die besser als „Schwert-Verse“ bekannt sind:
Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten [d.h. sich dem Islam unterwerfen], dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig. (Sure 9,5)
Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und an den Jüngsten Tag glauben, und die das nicht für verboten erklären, was Allah und Sein Gesandter [d.h. die nicht dem islamischen Gesetz folgen] für verboten erklärt haben, und die nicht dem wahren Glauben [d.h. dem Islam] folgen – von denen, die die Schrift erhalten haben, bis sie eigenhändig den Tribut in voller Unterwerfung entrichten. (Sure 5,29)
Wie bei den Versen des Alten Testaments, wo Yahweh den Hebräern befahl ihre Nachbarn anzugreifen und zu töten, haben auch die Schwert-Verse einen historischen Kontext. Allah gab diese Befehle erstmals, nachdem die Muslime unter Mohammeds Führung stark genug geworden waren, um ihre christlichen und heidnischen Nachbarn anzugreifen. Aber anders als die kriegerischen Verse und Erzählungen des Alten Testaments wurden die Schwert-Verse für die folgenden Beziehungen zu beiden „Völkern des Buches“ (d.h. die Christen und Juden) und die „Heiden“ (d.h. Hindus, Buddhisten, Animisten, usw.) fundamental. Zum Beispiel verlangt das islamische Gesetz aufgrund von Sure 9,5, dass Heiden und Polytheisten entweder zum Islam übertreten oder getötet werden müssen, während Sure 9,29 die Hauptquelle für die gut bekannten diskriminierenden Praktiken gegenüber Christen und Juden ist.
Fakt ist, dass auf Grundlage der Schwert-Verse (wie auch zahlloser andere Koranverse und mündlichen Traditionen, die Mohammed zugeschrieben werden), alle islamischen Gelehrten, Scheiks, Muftis, Imame und Gadis aller Zeitalter Konsens gefunden haben – was für die gesamte muslimische Gemeinschaft bindend ist – dass der Islam sich in immerwährendem Krieg mit der nicht muslimischen Welt befindet, bis erstere sich die letztere unterordnet. (Es wird weithin von muslimischen Gelehrten die Meinung vertreten, dass, da die Schwert-Verse zu den letzten Offenbarungen zum Thema der Beziehung des Islam zu Nichtmuslimen gehören, sie allein etwa 200 der früheren und toleranteren Koranverse aufheben, so auch „Es gibt keinen Zwang im Glauben“; Sure 2,256.) Der berühmte muslimische Gelehrte Ibn Khaldun, der im Westen für seine „progressiven“ Einsichten verehrt wird, legt die Vorstellung ab, dass Jihad „defenisve“ Kriegsführung sei:
In der muslimischen Gemeinschaft ist der heilige Krieg [d.h. der Jihad] eine religiöse Pflicht, wegen des Universalismus de muslimischen Auftrags und der Verpflichtung jedermann zum Islam zu bekehren, entweder durch Überzeugung oder durch Gewalt… Die andere Religionsgruppen hatten keinen universalen Auftrag und der heilige Krieg war für sie keine religiöse Pflicht, sondern nur zu Verteidigungszwecken sicher… Von ihnen wird nur verlangt ihre Religion unter ihrem eigenen Volk zu etablieren. Das ist der Grund, dass die Israeliten nach Moses und Josua sich nicht um eine königliche Autorität kümmerten [z.B. ein „Kalifat“]. Sie kümmerten sich ausschließlich um die Einrichtung ihrer Religion [statt sie in die Nationen zu verbreiten]… Aber der Islam hat die Verpflichtung die Macht über andere Nationen zu gewinnen (Muqudimmah, Band 1, S. 473).
Das vielleicht Einzigartigste an den Schwert-Versen ist die Tatsache, dass sie sich, wenn man sie ihren Gegenstücken im Alten Testament gegenüber stellt, besonders dadurch unterscheiden, dass sie eine Sprache benutzen, die Zeit und Raum überschreiten und heute nicht weniger als früher die Glaubenden aufstacheln nicht Glaubende anzugreifen und zu töten. Jahweh gebot den Hebräern die Hethiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiviten und Jebusiten zu töten – alles bestimmte Völker, die in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort verwurzelt sind. Zu keiner Zeit gab Jahweh den Hebräern ein Gebot mit offenem Ende, an das auch ihre Nachfahren, die Juden, gebunden waren, Nichtjuden zu töten. Andererseits: Obwohl die ursprünglichen Feinde des Islam, wie das Judentum, historische (d.h. christliche Byzantiner und heidnische Perser), hebt der Koran sie selten mit ihren richtigen Namen heraus. Statt dessen wurden die Muslime (und werden es weiter) angewiesen die Völker des Buches zu bekämpfen – „bis sie den Tribut in williger Unterwerfung zahlen und sich vollkommen unterdrückt fühlen“. (Koran, Sure 9,29) und „die Heiden zu töten, wo immer ihr sie findet“ (Sure 9,5).
Die beiden Konjunktionen „bis“ (hata) und „wo immer“ (haythu) demonstrieren die immerwährende und allgegenwärtige Natur dieser Gebote: Es gibt immer noch „Völker des Buchs“, die noch „vollkommen unterdrückt“ werden müssen (besonders in Nord- und Südamerika, Europa und Israel) und „Heiden“, die getötet werden müssen „wohin immer“ man sieht (besonders in Asien und dem Afrika südlich der Sahara). Fakt ist, dass das herausragende Merkmal fast aller gewalttätigen Gebote in den islamischen Schriften ihr offenes Ende und ihre generelle Natur: „Und kämpft gegen sie, damit keine Verführung mehr stattfinden kann und (kämpft,) bis sämtliche Verehrung auf Allah allein gerichtet ist.“ (Sure 8,39) Außerdem erklärt Mohammed in einer gut bezeugten Tradition, die in der authentischsten Hadith-Sammlung auftaucht:
Mir wurde geboten Krieg gegen die Menschheit zu führen, bis sie bezeugen, dass es keinen Gott außer Allah gibt und das Mohammed der Botschafter Allahs ist; und dass sie das Niederwerfungsgebet etablieren und die Almosensteuer zahlen [d.h. zum Islam konvertieren]. Wenn sie das tun, sind ihr Blut und ihr Eigentum geschützt [Sahih Muslim C9B1N31; ebenfalls Sahih Bukhar B2N24).
Abgesehen von den göttlichen Worten des Koran, ist Mohammeds Verhaltensmuster – seine „Sunna“ oder sein „Beispiel“ – eine extrem wichtige Quelle der Gesetzgebung im Islam. Muslime sind ermahnt Mohammed in allen Lebenslagen nachzueifern: „Wahrlich, ihr habt an dem Gesandten Allahs ein schönes Vorbild für jeden“ [wie er sich verhalten soll] (Sure 33,21). Und Mohammeds Verhaltensmuster vis-à-vis den Nichtmuslimen ist ziemlich deutlich. Sarkastisch gegen das Konzept des „moderaten“ Islam argumentierend stellt der Terrorist Osama bin Laden, der sich der Unterstützung der halben arabisch-islamischen Welt per Umfrage von Al-Jazira erfreut, die Sunna des Propheten folgendermaßen dar:
„Moderatheit“ wird von unserem Propheten demonstriert, der nicht mehr als drei Monate in Medina blieb, ohne einen Raubzug durchzuführen oder ohne einen Raubtrupp ins Land der Ungläubigen auszuschicken, um ihre Festungen niederzuschlagen und ihren Besitz, ihr Leben und ihre Frauen einzunehmen“ (aus dem Al-Qaida Reader, S. 56).
Fakt ist, dass die Ausraubung und Plünderung der Ungläubigen, die Versklavung ihrer Kinder und ihre Frauen ins Konkubinat zu verbringen, mit dem Koran und Mohammeds Sunna gut begründet ist (z.B. Sure 4,24; 4,92; 8,69; 24,33; 33,50 usw.). Und das Konzept der „Sunna“ – wonach 90% der mehr als eine Milliarde Muslime, die „Sunniten“ benannt sind – sagt im wesentlichen, dass alle, was von Mohammed und seinen frühen Gefährten ausgeübt oder genehmigt wurde, für die Muslime heute nicht weniger als früher anwendbar ist. Das heißt nicht, dass Muslime massenhaft wilde Hedonisten sind, die nur dafür leben zu plündern und zu vergewaltigen. Aber es bedeutet, dass diese speziellen Personen, die von Natur aus zu solchen Aktivitäten neigen und zufällig noch Muslime sind, recht einfach ihr Tun rechtfertigen können – und das tun – indem sie auf die „sunna des Propheten“ verweisen – so, wie die Al-Qaida beispielsweise ihre Anschläge vom 9/11 rechtfertigt, bei denen Unschuldige, einschließlich Frauen und Kindern, getötet wurden: Mohammed autorisierte seine Anhänger während der Belagerung der Stadt Taif im Jahr 630 n.Chr. Katapulte zu benutzen, obwohl ihm bewusst war, dass Frauen und Kinder dort Schutz suchten. Vom Propheten wird auch berichtet, dass er, als er gefragt wurde, ob es erlaubt sei nächtliche Raubzüge zu beginnen oder Feuer an den Befestigungen von Ungläubigen zu legen, wenn Frauen und Kinder sich darunter befanden, antwortete: „Sie sind von ihnen“ (Sahih Muslim B19N4321).
Das Judentum dreht sich zwar um das Gesetz und ist legalistisch, aber es hat keine Entsprechung zur Sunna; die Worte und Taten der Patriarchen, obwohl im Alten Testament aufgezeichnet, gingen nie dazu über Teil des jüdischen Gesetzes zu sein. Weder Abrahams „weiße Lügen“ noch Jacobs Tücke oder das Aufbrausen Moses, auch nicht Davids Ehebruch und nicht Salomos Herumpoussieren wurden zu Anweisungen für Juden oder Christen. Sie wurden lediglich als historische Taten begriffen, die von fehlbaren Männern begangen wurden, die oft von Gott für ihr nicht gerade ideales Verhalten bestraft wurden.
Was das Christentum angeht, so wurde ein großer Teil des Alten Testaments von Jesus aufgehoben. „Auge um Auge“ machte „halte die andere Wange hin“ Platz. Gott von ganzem Herzen zu lieben und seinen Nächsten auch, wurde das oberste Gesetz (Matth. 22,38-40). Darüber hinaus wird die „Sunna“ Jesu – wie in „Was würde Jesus tun?“ – wird von Nächstenliebe charakterisiert. Das Neue Testament beinhalten absolut keinerlei Aufforderungen zu Gewalttätigkeit. Dennoch gibt es einige, die Jesus als mit einem ähnlich militanten Ethos wie Mohammed versehen darstellen wollen, indem sie Verse zitieren, in denen Jesus – „Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen“ (Matth. 13,34) – sagte: „Ich bin nicht gekommen Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Matth. 10,34). Aber durch den Kontext dieser Äußerung wird klar, dass Jesus nicht Gewalt gegen Nichtchristen befahl, sondern voraussagte, dass es oft Konflikte zwischen christlichen Konvertiten und ihrer Umwelt geben würde – eine Voraussage, die nur allzu wahr wurde, als die frühen Christen, weit davon entfernt das Schwert aufzunehmen, passiv als Märtyrer durch das Schwert umkommen. Wie kann man irgendwie diesen Vers des Neuen Testaments, der das Wort „Schwert“ metaphorisch erwähnt ehrlich mit den buchstäblich hunderten koranischer Verfügungen und Äußerungen Mohammeds gleichsetzen, der den Muslimen eindeutig befiehlt gegen Nichtmuslime ein sehr reales Schwert zu ergreifen?
Und von hier aus kann man die Kreuzzüge am besten einschätzen. Wie immer man diese Kriege interpretiert – als offensiv oder defensiv, gerecht oder ungerecht – es ist offensichtlich, dass sie nicht auf der Grundlage der „Sunna“ von Jesus erfolgten, der seine Anhänger ermahnte: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen (segnet die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen und verfolgen).“ (Matth. 5,44)
In Wirklichkeit helfen die Kreuzzüge – weit entfernt davon, irgendetwas dem Christentum Innewohnendes nahezulegen – den Islam besser zu erklären. Denn was die Kreuzzüge ein für allemal aufzeigen, ist, dass, unabhängig von religiöser Lehre – und im Fall dieser so genannten „christlichen“ Kreuzzüge, trotz dieser – der Mensch für Gewalt und Intoleranz empfänglich ist. Das provoziert allerdings eine Frage: Wenn die Christen sich so verhielten – denen geboten ist ihre Feinde zu lieben, zu segnen und ihnen Gutes zu tun, die sie hassen, verfluchen und verfolgen – wie viel mehr kann man von Muslimen erwarten, die, während sie dieselben gewalttätigen Tendenzen teilen, von dem Gebot ihrer Gottheit noch bestärkt werden, die nicht Gläubigen anzugreifen, zu töten und auszuplündern?
Die Bibelfälscher
18. April 2009 at 16:35 | In Christen+Kirchen | 8 CommentsTags: Bibel-Auslegung
Das hätten jetzt einige gern – Moderntheologen oder Islamisten zum Beispiel – dass ich die Bibel als gefälscht bezeichne (in Morderntheologisch: „zu entmythifizieren“; die Muslime sind da ehrlicher, auch wenn sie trotzdem falsch liegen).
Nein, die Bibelfälscher sind in diesem Fall diejenigen, die zwar gerne aus der Bibel zitieren, sich aber nur ein Bruchstückchen herausklauben und – meist ohne wirklichen oder ganzen Text-Zusammenhang – so hinbiegen, dass es ihnen in ihren ideologischen Kram passt. Ein Paradebeispiel für dieses Tun ist die Vorführung der Ehebrecherin durch die Pharisäer. Sie wollten nicht nur ihr Todesurteil über die Frau vollstreckt sehen (warum nicht auch über den dazugehörigen Ehebrecher?), sondern gleichzeitig Jesus bloßstellen (Johannes-Evangelium 8,1-11). Damit, dass Jesus sagte: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“, und dann der Frau sagte, wenn die anderen sie nicht verurteilten, würde auch er sie nicht verurteilen, rechtfertigen die moderne Theologie und alle möglichen Nichtchristen Ehebruch als nicht von Gott verurteilt. Klingt ja auch gut: Jesus hat das nicht verurteilt, also ist es in Ordnung. Dumm nur, dass da noch ein kleiner Satz hinterher kam: „Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr.“ Uups, den lassen sie gerne aus. Denn der widerspricht der Verkündigung der Moderne. Und auch, wenn wir die Folgen der Sünde heute (zum Glück) nicht mehr selbst folgen, sondern Gott über-lassen, bleibt es dabei, dass die Frau gesündigt hatte und das Tun eben nicht gerechtfertigt ist.
Ein weiteres Beispiel für Verfälschung durch Umdeutung im Sprachgebrauch ist der Spruch des „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Das Prinzip steht als erstes im 2. Buch Mose 21,23ff. Heute gilt es als „alttestamentarische Grausamkeit“ und wird vor allem Israel und evangelikalen Christen als furchtbar steinzeitlich vorgeworfen. Dumm nur, dass dann die übertriebenen Rachegelüste von Islamisten und Terroristen nicht als noch weiter zurück gebrandmarkt werden, denn das biblische „Auge um Auge“ sorgte gerade dafür, dass keine übertriebene Rache geübt wurde, sondern dem Täter nicht mehr zugefügt wurde, als er verursacht hatte. Näheres hat dazu schon vor Jahren Ulrich W. Sahm geschrieben (und zusätzlich eine Ergänzung eingestellt).
Ein weiteres Gebiet der Verfälschung der biblischen Botschaft hat Castollux beschrieben und richtig gestellt: das „Selig sind die Friedensstifter“ aus der Bergpredigt (Matthäus 5,9). Diese Friedensstifter zu sein, nehmen Pazifisten, Radikalpazifisten und sonstige Friedenshetzer für sich in Anspruch. Sie werden wohl auch kaum akzeptieren, dass sie damit den Begriff nicht über- sondern schlicht falsch interpretieren, falsch einengen und die Möglichkeit Frieden zu schaffen derart begrenzen, dass sie eine ganze Batterie effektiver Maßnahmen dazu mit allen Mitteln zu verhindern anstreben.
Es gibt da ein wunderschönes Beispiel aus der Bibel selbst, die Versuchung Jesu (Matthäus 4,1ff Markus 1,9ff, Lukas 4,1ff). Der Teufel zitiert aus der Bibel, um Jesus auf den falschen Weg zu bringen. Jesus kontert das mit eigener, besserer Kenntnis der Schriften. Durch die Unvollständigkeiten lässt er sich nicht beirren. Genauso sollten sich (nicht nur) Christen nicht verwirren lassen, wenn ihnen Bibelzitate entgegengeschleudert werden, mit denen sie auf den Holzweg gebracht werden sollen. Lest die Stellen nach, prüft, ob die Aussage wirklich so ist, wie behauptet. Und haltet den Fälschern die Wahrheit entgegen. Stellt richtig, was falsch hingestellt wird. Die Fälscher sollten nicht die Oberhand behalten.
Antiisraelische Menschenrechtler machen Palästinenser arbeitslos
25. Oktober 2008 at 11:39 | In Christen+Kirchen, Europa+Nahost, Palästinenser | 1 CommentTags: Boykott, Industrie, Samaria, Schweden, Westbank, Wirtschaft
Es gibt sie zuhauf, die Boykottaufrufe gegen Produkte (meist nicht nur) aus der „Westbank“. Natürlich nur gegen „israelische“ Produkte – die von Arabern würden von „Menschenrechtsgruppen“ vermutlich massiv beworben, könnten sie sie denn identifizieren. Sie würden ihnen „Freiheits“-Stempel verleihen, „Unabhängigkeits“-Zertifikate oder vielleicht einen „Nicht-koscher-aber-halal“-Anhänger kreieren. Alles, was ihre Art der „kauft nicht bei Juden“-Kampagne propagieren und die Terroristen fördern könnte.
Dieser antiisraelische Kampagne wird mit fragwürdigen Interpretationen des „internationalen Rechts“ der Mantel des Kampfes für die Menschenrechte verliehen – und gleichzeitig Israel verunglimpft. In einem von politischer Korrektheit nur so strotzenden Staat wie Schweden fällt das gelegentlich deutlicher als in anderen Ländern auf fruchtbaren Boden – aber nicht unbedingt so, wie die man es sich als normal denkender Mensch wünschen würde. Dort fahren die „Menschenrechtler“ Kampagnen, durch die Firmen gerne einmal öffentlich „Selbstkritik“ üben (im üblichen kommunistischen Muster, das wir aus so Menschenrechts-Hochburgen wie der Sowjetunion bzw. dem Warschauer Pakt kannten und es heute noch in den „Volksrepubliken“ China, Kuba oder Nordkorea erleben können). Diese Firmen ziehen dann die Konsequenzen, so wie die im folgenden Artikel beschriebene Assa Abloy. In der Regel verschlechtert sich dadurch die Lage für die Araber in Judäa und Samaria – aber wollen die „Menschenrechtler“ das sogar?
Schweden verlegen Westbank-Firma nach innerhalb der Grünen Linie
Tova Lazaroff, Jerusalem Post, 23. Oktober 2008
In einer für den Industriepark Barkan in der Westbank ungewöhnlichen Situation – der Park ist bisher weit gehend dem Druck internationaler Boykotte entgangen – hat eine in Schweden ansässige Schlosserei, die dort eine Fabrik betreibt, diese Woche angekündigt, das sie aus politischen Gründen ins Gebiet innerhalb der Grünen Linie umzieht.
„Wir gehen, weil [der Industriepark] in der Westbank liegt“, sagte Assa Abloy-Sprecherin Ann Holmberg gegenüber der Jerusalem Post am Donnerstag am Telefon.
Assa Abloy, das die Firma Mul-T-Lock aus Yavneh im Jahr 2000 kaufte, erwarb damals auch eine Tochterfirma im Barkan Industriepark, der mehr als 10 Kilometer jenseits der Grünen Linie in der Nähe von Ariel liegt. Die Firma, sagte Holmberg, war nachlässig im Verständnis der Bedeutung der Lage, was sich letzten Monat änderte, als ihnen dies von einem Bericht heftig klar gemacht wurde, den die schwedischen Kirche, der Hilfegruppe Diakonia und SwedWatch – einer gemeinnützigen Organisation, die das Verhalten schwedischer Firmen beobachtet – gemeinsam veröffentlichten. Der Bericht beschuldigte die Firma sich „unethisch“ zu verhalten und „das internationale Recht zu verletzten“, weil sie eine Tochtergesellschaft in der Westbank habe.
Der Bericht selbst listete eine Reihe internationaler Gesetze auf, von denen man glaubt, dass die Firma sie gebrochen habe. Darin heißt es, dass „Geschäftsleute für die Verübung von Verbrechen gegen das internationale Recht entweder direkt haftbar sind oder der Beihilfe für andere beim Begehen eines Verbrechens verantwortlich gemacht werden“.
Die zerknirschte Homberg sagte: „Es tut uns sehr leid, dass wir das nicht früher bemerkten, aber wir hatten nicht verstanden, dass wir vielleicht internationales Recht brechen.“
Die Firma sagte am Dienstag in einer Erklärung: „Assa Abloy kann in diesem Zusammenhang nur bedauern, dass die Unangemessenheit einer Produktionsstätte in der Westbank nicht intern während der acht Jahre Eigentümerschaft bemerkt wurde.“
Vertreter von Diakonia in Israel wollten den Fall nicht kommentieren. Aber Adam Keller von der linken israelischen Gruppe Gush Shalom sagte, er glaube andere Firmen in Barkan dächten darüber nach dort wegzuziehen. Der internationale Druck mache es diesen Firmen schwer Geschäfte außerhalb Israels zu machen. Vor wenigen Monaten erst zog auch die Barkan-Weinkellerei fort, sagte er.
Allerdings ist Assa Abloy eine der wenigen, die das aufgrund einer solchen öffentlichen Äußerung ethischer Bedenken tun. Die Fabrikt, die 1984 hier den Betrieb aufnahm, beschäftigt 100 Menschen.
Gershon Mesika, Leiter des Regionalrats von Samaria, der die Industrieanlagen von Barkan betreibt, sagte, der Umzug mache ihm keine Sorgen, weil der Bedarf für Betriebsansiedlungen im Park – der 1400 Dunam groß ist und 120 Firmen beherbergt – so groß ist, dass es eine Warteliste mit 30 Firmen gibt, die nur darauf warten einziehen zu können. Sein Sprecher Davi Ha’ivri sagte, der Park selbst sei derzeit dabei neu aufgeteilt zu werden und könne um weitere 100 Dunam expandieren.
Die Firmen selbst seien eine wichtige Quelle zu Beschäftigung von Israelis wie auch Palästinensern der Gegend, sagte Ha’ivri. Er hob hervor, dass von den 6.000 Beschäftigten im Industriepark 3.500 Palästinenser sind – von denen viele in der Nähe wohnen und keine Arbeitserlaubnis für Firmen innerhalb der Grünen Linie bekommen könnten. „Wenn die Siedlungen und die Fabriken nicht hier wären, hätten diese 3.500 Palästinenser keinen Arbeitsplatz“, sagte Ha’ivri.
In diesem Park, fügte er hinzu, „arbeiten Juden und Araber zusammen und das ist die wahre Bedeutung von Koexistenz.“ Er machte die Europäische Union für den Wegzug verantwortlich: „Es ist schade, dass es die Politik der Europäischen Union ist erfolgreiche Fabriken aus dem Bereich von Barkan fortzuzwingen. Sie sind aber nicht in der Lage den öffentlichen Bedarf nach mehr Fabriken aufzuhalten.
Ran Nachman, Bürgermeister von Ariel, der den Park vor 27 Jahren schuf, sagte, es sei empörend, dass eine Firma, insbesondere eine europäische, aus politischen Gründen wegzieht. Als die Nazis die Juden in die Gaskammern trieben, so Sachman, „war Schweden neutral und tat nichts. Fünfundsechzig Jahre später hat sich nichts geändert. Es ist dasselbe Europa und derselbe Antisemitismus.“
Linke israelische Gruppen, die mit den Europäern arbeiten, so Gush Shalom, sind noch schlimmer, sagte Nachman. Er fügte hinzu, dass, wenn man in die Antike zurückgeht, dann gibt es in der Bibel niemanden, der von Palästinensern spricht, aber sie stellt fest, dass dies „das gelobte Land des jüdischen Volkes“ ist. Er erklärte: Wenn „Gush Shalom stirbt und verschwindet“, der Barkan-Industriepark immer noch dort sein wird.
Nun ist das biblische Versprechen auf der Weltbühne natürlich kein Argument, das irgendwo zieht. Aber die Empörung des Mannes ist verständlich, tun sie in diesem Industriepark doch etwas für das Wohlergehen der Araber! (Oder wollen Gush Shalom und ihre europäischen Handlanger behaupten, diese würden ausgebeutet?)
Es ist doch erstaunlich: Einerseits wird immer behauptet, dass wirtschaftliches Wohlergehen die „Verzweiflung“ und den Terror herunterfahren würde, was die Möglichkeiten für Frieden verbessere. Andererseits machen die „Menschenrechtler“ israelisch-arabische Kooperationen kaputt, wodurch Araber arbeitslos werden und damit das wirtschaftliche Wohlergehen dahin ist. Dieser Widerspruch lässt sich wohl nur in den wirren Köpfen dieser linkslastigen Hetztruppen auflösen.
Das Kollektiv der kollektiven Bestrafung
16. August 2008 at 21:40 | In Christen+Kirchen, die Welt+Nahost | Leave a CommentTags: Gazastreifen, Hamas, Kollektivstrafe
This Ongoing War, 15. August 2008
Hinter dem, was wir hier schreiben, steckt eine erschreckende Begegnung hier in Jerusalem von heute.
Im letzten Monat sprach einer von uns vor einer Gruppe Kirchenleiter aus Großbritannien. Im Ganzen handelte es sich dabei um eine nachdenkliche Gruppe mit dem üblichen Spektrum von Ahnungslosen am einen Ende bis recht gut informierten und engagierten Personen am anderen. Und mit allen politischen Standpunkten, die man erwarten kann.
Eine dieser klerikalen Einzelpersonen wohnt und arbeitet, obwohl aus dem Vereinten Königreich, im Heiligen Land und dient einer der winzigen und kleiner werdenden örtlichen christlichen Gemeinden. Nicht, dass israelische Juden irgendein besonderes Problem mit Menschen anderen Glaubens haben, die ihre Kirchen bauen und ihr Glaubensbekenntnis lehren. Wie aber einige unserer Leser wissen werden, gehören zu diesem Land auch Leute, die nicht israelische Juden sind; und von diesen haben einige einen weit aggressiveren Standpunkt, wenn es darum geht Menschen zu tolerieren, die einer anderen als der eigenen Konfession angehören.
Der Pastor und seine Frau schlossen sich uns später zum Abendessen an. In dem, was sich als ein ziemlich gespannter Austausch von Ansichten erwies, gaben sie ihrem großen Ärger für das Ausdruck, was die Israelis nach ihrer Meinung den belagerten Arabern im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen antun. Sie stellten außerdem fest, dass sie in den fünf Monaten, die sie hier lebten, eine schwere Zeit hatten israelische Juden zu finden, mit denen sie normale Gespräche führen konnten.
Das Paar hatte am Tag vor unserer Begegnung in einem Vorort Jerusalems Gaza besucht. Was sie uns von dieser Exkursion wissen lassen wollten, war, dass die Israelis die Gazaner furchtbar behandeln. Die Tore zwischen dem Gazastreifen und Israel sind die meiste Zeit geschlossen, was große Unannehmlichkeiten schafft; und das sei gewollt. Es war Teil dessen, was sie kollektive Bestrafung nannten.
Wir haben es weit gehend nicht geschafft sie dazu zu bringen den Zusammenhang dieser furchtbaren Dinge zu sehen. Wir sehen es so: Zu diesem Kontext gehören tausende Raketen-, Mörser-, Heckenschützen- und Messerangriffe auf Israelis, Amerikaner, Mitbürger des Gazastreifens und praktisch alles und jedem anderen. Dazu kommen Routinehandlungen an Mord, Plünderungen und systematischer Dämonisierung und Eliminierung aller (menschlicher, institutioneller und materieller) Spuren von jedermann und allem, was von der von der Hamas diktierten Norm abweicht.
Das Kirchenpaar hätte an der Kontextualisierung dessen, was sie als vorsätzliche, systematische Erniedrigung bezeichnen, nicht weniger interessiert sein können.
Wir sind zwar weder durch das Blut von Eltern, Tanten, Onkeln oder anderen engen Familienmitgliedern verbunden, die selbst den Nazi-Albtraum überlebten, die Konzentrationslager, die Todesschwadronen (der Großvater unserer Kinder, ein Holocaust-Überlebender, der seine gesamte Familie verlor, lebte den größten Teil seines Lebens mit einer Wehrmachts-Kugel im Oberschenkel) und die Liquidierung der jüdischen Gemeinden Europas; aber wir reagieren allergisch auf Leute, die den Begriff „kollektive Bestrafung“ auf das anwenden, was im Gazastreifen passiert.
Worte sind wichtig. Und mit dem Misshandeln durch Worte ist man nur einen Schritt davon entfernt Menschen zu misshandeln – und wir meinen damit wirklich zu misshandeln. Aber irgendwie wird, während der Frust und die Leidenschaften der Feinde Israels weiter auf uns einstürmen und an Intensität zunehmen, der Missbrauch von Schlüsselbegriffen immer offensiver.
Was uns zu einem Op-ed-Artikel bringt, der heute in einer irischen Zeitung erschien:
Die Rolle der Hamas bei der „kollektiven Bestrafung“
Meinung: Freitag, 15. August 2008
Am 27. Mai 1942 wurde der stellvertretende Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich, vom tschechischen Untergrund ermordet, als er in Prag zu seinem Büro fuhr, schreibt Seán Gannon (der Vorsitzende der Irish Friends of Israel).
In dem Bemühen „seinen Tod wettzumachen“, trieb die SS die Einwohner des nahe gelegenen Dorfes Lidice zusammen. Etwa 200 Männer wurden auf der Stelle exekutiert. Die Frauen wurden ins Konzentrationslager Ravensbrück geschickt, wo die meisten in der Folge umkamen; 80 Prozent ihrer Kinder wurden im Juli in Chelmno vergast.
Zwei Jahre später tötete eine Bombe von Partisanen 33 Mitglieder eines SS-Polizeibattaillons, als es durch das Zentrum Roms marschierte. Als Vergeltungsmaßnahme befahl der Gestapochef der Stadt, Herbert Kappler, dass für jeden toten Deutschen zehn Italiener hingerichtet werden sollten. Am nächsten Tag wurden 335 Menschen in die Ardeatinischen Höhlen gebracht und in den Nacken geschossen.
Das war die Art von Gräueltaten, die die Verfasser der Vierten Genfer Konvention im Sinn hatten, als sie 1949 die „kollektive Bestrafung“ ächteten. Artikel 33 legt fest, dass niemand „für eine Tat bestraft werden darf, die er oder sie nicht persönlich begangen hat“; das bezieht sich auf die aktive Auferlegung von Kriminalstrafen als Vergeltungsmaßnahme für die Schuld einer anderen Gruppe.
Daher stellt ihre ständige Anrufung durch Kritiker Israels im Zusammenhang der Sperrung des Gazastreifens wenig mehr als ein zynisches Ausnutzen der Sprache des internationalen Rechts dar, was Teil einer gut etablierten Strategie, die anstrebt jedes Detail israelischer Sicherheitsmaßnahmen zu delegitimisieren, indem sie in politischen Begriffen definiert werden, gegen die zurecht alle rechtmäßig denkenden Menschen opponieren: „Apartheid“ (der Sicherheitszaun), „Kriegsverbrechen“ (die gezielte Tötung von Terrorführern“, sogar „ethnische Säuberungen“ und „Völkermord“ (fast jede IDF-Operation).
Zum Beispiel behauptet die Ireland-Palestine Solidarity Campaign, Israels eher unregelmäßigen Einschränkungen der Strom- und Treibstoff-Exporte in den Gazastreifen stellten „kollektive Bestrafung“ und eine Verletzung des internationalen Rechts dar.
Die Rechtmäßigkeit wirtschaftlicher Sanktionen in Konfliktsituationen ist jedoch trotz ihres unvermeidlichen Einflusses auf Zivilisten in der UNO-Charta verankert. Das UN-Embargo gegen Saddam Husseins Regime verursachte enormes Leid unter den gewöhnlichen Irakern, während seine Sanktionen gegen die Al-Qaida und die Taliban das hatten, was das UNO-Büro für die Koordination für humanitäre Angelegenheiten „einen fühlbar negativen Effekt“ auf das Leben der unschuldigen Afghanen nannte. Doch niemand beschuldigt den Sicherheitsrat der Auferlegung „kollektiver Bestrafung“.
Und obwohl die Vierte Genfer Konvention technisch für den Konflikt mit dem Gazastreifen nicht gilt (dieser ist weder Vertragspartner noch, trotz Israels Kontrolle über seine Grenzen, von Israel besetztes Territorium), erfüllt Israel deren Anforderungen voll.
Die Konvention verpflichtet nicht zur Lieferung von Gütern und Dienstleistungen an Feindbevölkerung (Israel erklärte zurecht den Gazastreifen im September 2007 zu „Feindgebiet“), außer „unbedingt erforderlichen Lebensmitteln, Kleidung und für Kinder unter 15 Jahren, Schwangere und Entbindungsfälle vorgesehene Stärkungsmittel“.
Ein Erstes Zusatzprotokoll aus dem Jahr 1977 führt Strom und Treibstoff nicht unter den „anderen für das Leben der Zivilbevölkerung lebensnotwendigen Versorgungsgütern“, für die Transit gewährleistet werden muss. Und selbst solche können unter Embargo gestellt werden, wo es ernsthafte Gründe für die Annahme gibt, dass sie von Feindkräften abgefangen werden. Und obwohl dies offensichtlich im Gazastreifen geschieht (die Hamas griff sich im Februar 14 LKW-Ladungen an Rotkreuz-Hilfsgügern und wurde wiederholt von der PA beschuldigt, für das Elektrizitätswerk und Krankenhäuser im Gazastreifen bestimmten Treibstoff in die eigenen Taschen abgeleitet zu haben), erlaubt Israel weiterhin jede Woche den Transfer hunderter Tonnen von Hilfe in das Gebiet.
Israels Reise-Bann für Studenten aus dem Gazastreifen mit Übersee-Stipendien wurde ebenfalls als eine Form der „kollektiven Bestrafung“ beschrieben. In Verurteilung dieser Politik hob der ehemalige Direktor der Irish Fulbright Commission, John Kelly, in dieser Zeitung den Fall von sieben Fulbright-Stipendiaten hervor, zu denen er andeutet, ihnen sei die Reiseerlaubnis zum Studium in den USA verweigert worden, weil drei von ihnen Mitglieder der Islamischen Universität in Gaza waren, einer Hamas-Hochburg, die mit einer Reihe von terroristischen Verbrechen verbunden sind. Dreien der 14 Fulbright-Stipendiaten, die dieses Jahr den Antrag auf Ausreise aus dem Gazastreifen stellten, wurde dieser tatsächlich aus Sicherheitsgründen verweigert. Aber die zentrale Frage ist nicht, ob solche Studenten an sich ein Risiko darstellen, sondern ob der Zugang zu einer Universitätsausbildung in Übersee „einen humanitären Ausnahmefall“ darstellt, für den Israel seine legitime Blockade aufheben muss. Da das universale Recht auf Bildung sich nicht auf höhere Bildung erstreckt, ist das eindeutig nicht der Fall.
Das ist unzweifelhaft eine Tragödie für die hunderte Studenten, die von Universitäten im Ausland eingeladen wurden und den Gazastreifen nicht verlassen dürfen; Israel überdenkt derzeit seine Politik und untersucht Anwendungen für jeden Einzelfall.
Aber letztlich liegt die Verantwortung für die missliche Lage derer, denen die Reiseerlaubnis verweigert wurde, nicht bei der Regierung in Jerusalem, sondern bei den eigenen Herrschern der Hamas, die durch die Führung eines willkürlichen Terrorkrieges gegen alle Israelis die sind, die in Wirklichkeit Verbrechen der „kollektiven Bestrafung“ begehen.
Dem fügen wir an, dass das Kollektiv der kollektiven Bestrafung ungerührt bleiben wird. Sie haben wenig historischen Kontext, keinen Sinn für Proportionen, wenn sie die von einem Terror-Regime gewollt und enthusiastisch herbeigeführten Tode und – leider muss das so gesagt werden – eine gestörte Sensibilität gut heißen.
Aber vor allem wissen sie einfach nicht, wie man zwischen Erniedrigung, vorsätzlicher Erniedrigung und von Hass getriebenem terroristischen Mord unterscheidet. Das macht ihre Verbohrtheit etwas sehr Gefährlicheres, etwas Unheilvolleres, als einfach nur schlecht informiert zu sein.
Hass-Prediger im Talar
4. August 2008 at 21:28 | In Christen+Kirchen, Europa+Nahost, Geistesgrößen, Medien+Nahost | 3 CommentsTags: Pfarrer
Es gibt Leute, die kotzen mich einfach an. Obwohl ich sie nicht kenne, einfach nur ihrer ignoranten Arroganz und ihres notorischen Halbwissens wegen, das sie nutzen, um zu verleumden, zu hetzen und Verbrecher zu rechtfertigen. Leider gehören zu dieser Gattung (Un-)Mensch eine ganze Reihe Vertreter z.B. der evangelischen Kirche – studierte Theologen, die weder ihre Bibel nur in Teilen kennen (und anerkennen), noch Ahnung von Geschichte haben. Folgen der „historisch-kritischen“ Methode?
Besonders schlimm wird es, wenn solche Leute halbe Wahrheiten (oder noch weniger) verbreiten und mit ihrer Ignoranz die Geschichte auf den Kopf stellen.
Ein solches Exemplar hat im Korrespondenzblatt, „herausgegeben Pfarrer- und Pfarrerinnenverein in der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern“ eine Hetzschrift gegen Israel veröffentlichen dürfen, die unter hier als pdf-Dokument (S. 102-103, im Dokument die 6. und 7. Seite) abrufbar ist, die vor geschichtlichen Verdrehungen und Falschaussagen nur so strotzt und den Mord an acht Talmudschülern in Jerusalem regelrecht verteidigt. Es fängt gleich gut an:
„Arabischer Terrorist erschießt acht Jugendliche in einer Jerusalemer Talmudschule!“ – und Israel schlägt verständlicherweise zurück. Soweit das gängige Deutungsmuster.
So fängt Dieter Helbig, Pfarrer i.R., seinen Artikel an – und verschweigt, dass Israel gar nicht zurückgeschlagen hat! Gut, er zieht sich auf „Denkmuster“ zurück – aber was soll das, wenn das „Muster“ dem Geschehen nicht entspricht? Dass Israel gerade nicht „zurückgeschlagen“ hat, hat nach den Anschlägen im Juli massive Kritik nach sich gezogen. Hätte man „zurückgeschlagen“, wäre es möglich gewesen, dass die drei Attentäter vom Juli es sich überlegt hätten, ob sie ihren Hinterbliebenen die Folgen zumuten wollten, so auch eine nicht ganz falsche Argumentation. Herr Pfr. i.R. Helbig mag so weit nicht denken, dann müsste er nämlich sein eigenes Denkmuster überdenken.
Die beiden israelischen Historiker Zertal und Eldar, die ein grundlegendes Werk über die jüdische Siedlerbewegung ab 1967 vorlegen, betonen die tiefe Zäsur, die diese Bewegung von allen früheren zionistischen Unternehmungen trennt.
Eine tiefe Zäsur, aha. Die die israelischen Historiker Zertal und Eldar feststellen. Mal abgesehen davon, dass Eldar kein Historiker ist, sondern politischer Journalist für Ha’aretz, der „palästinensischen Zeitung, die auf Hebräisch geschrieben wird“, fragt sich, welcher Historikergilde die zwei angehören. Pfr. i.R. Helbigs weitere Stütze ist allerdings der „neue Historiker“ Ilan Pappé, der für seine historischen Erkenntnisse auf Fakten und Archivarbeit verzichtet und nur das für Geschichte und wahr hält, was heute von Palästinensern erzählt wird (seine Definition von Geschichtswissenschaften); abgesehen davon, hält er immer noch einem lügenden Fälscher die Stange, der ein Massaker an „Palästinensern“ erfunden hat, dafür Interviews mit ehemaligen Bewohnern des massakrierten Dorfes fälschte, als die ihm nichts von einem Massaker erzählten und deswegen per Gerichtsbeschluss seinen Titel verlor – Pappé wütet heute deshalb heute noch.
Über Akiva Eldar liest man bei Powell Books weiter: Eldar schreibt Kommentarseiten für die New York Times, LA Times, den Philadelphia Inquirer, die International Herald Tribune und die New York Jewish Week. Zu letzterer kann ich nichts sagen, aber die übrigen gehören allesamt der Liste der Verdächtigen an, wenn es um Israel-Bashing und die übelsten Verdrehungen des Geschehens im Nahen Osten geht. Da ist dann kein Wunder, was der Pfr. i.R. zitieren kann.
Prof. Idith Zertal lehrt u.a. an der Hebräischen Universität und hatte Lehraufträge an „berüchtigten“ Universitäten in Chicago und Frankreich, sowie an „Forschungsinstituten in den USA, Europa und Israel“. Die hätte sie nicht erhalten, trüge sie nicht eine linke Haltung zur Schau, die Israel alles Unrecht in die Schuhe schiebt, das im Nahen Osten zu finden ist. Inhaltlich und in ihrer Grundhaltung muss sie zu Eldar passen, sonst hätten die beiden wohl kaum ein gemeinsames Buch gegen die Siedler in Judäa und Samaria geschrieben, das diese als mehr oder weniger alleiniges Übel beschreibt, das den Nahen Osten plagt und den Staat Israel einkassiert hat.
Das sind also die Historiker, auf die sich der Herr Pfarrer stützt. Eine hervorragende Gesellschaft, die solche Kracher hervorbringt wie diesen:
„Das Scharon und einige seiner Siedlerfreunde praktisch die einzigen Politiker des Westens (außer den slawischen Unterstützern Serbiens) waren, die militärische Maßnahmen zur Verhinderung der serbischen ethnischen Säuberungen in Bosnien und dem Kosowo waren, war kein Zufall.“
Es wird nicht ganz klar, ob dies jetzt ein Zitat aus dem Buch der beiden Autoren des vom Herrn Pfr. i.R. Helbig so gerne zitierten Buches ist oder vom Rezensenten. Ich vermute Letzterer zitiert oder übernimmt den Inhalt. Und der Blogger „Bob from Brockley“ (selbst erklärter Feind Sharons) zeigt deutlichst auf, dass diese Darstellung völliger Blödsinn ist, pure antiisraelische Propagandahetze. Herr Pfr. i.R. Helbig stützt sich ja auf unglaublich gute Quellen. Und so unparteiische – eine ansonsten reichlich positive Rezension in der New York Times stellt fest:
“Die Herren des Landes” ist überaus detailliert. Trotzdem hätte es von einem größeren Zusammenhang und breiterer Diskussion profitiert. Es gibt eine Verteidigung, die hier nicht zu finden ist. Sind z.B. die Siedlungen die unausweichliche Folge des Zionismus oder eine Abweichung, die durch die besonderen Umstände von 1967 entstand? Oder etwas von beidem? Israel war damals weit entfernt von der heutigen Militärmacht. Es kämpfte einen Krieg um sein Überleben, in dem der Sieg nicht sichergestellt war: Massengräber wurden in öffentlichen Parks vorbereitet; Hotels wurden in Erste-Hilfe-Stationen verwandelt. Der Triumphalismus nach 1967 hatte tragische Konsequenzen gehabt, aber das war vermutlich ebenfalls unausweichlich. Jeder von Feinden umzingelte Staat sucht nach strategischer Tiefe.
Ebenfalls sehr fragwürdig ist, insbesondere, wenn man die linken Ansichten der Autoren bedenkt, dass die Palästinenser in ihrem Buch kaum vorkommen, außer als passive Opfer von habgierigen zionistischen Siedlern und expansionistischen israelischen Regierungen. Den Palästinensern ist großes Unrecht getan worden, aber sie haben auch die Chance zu wählen gehabt und nur zu oft schlecht gewählt. Abgesehen vom Landraub, wurde der Sicherheitszaun nach einer Flut von Selbstmord-Bombenanschlägen gebaut und verhindert weitere Anschläge. Als Yassir Arafat im Jahr 2000 Ehud Baraks Angebot in Camp David ablehnte, schlug er aus, was vermutlich die größte Chance einer Eigenstaatlichkeit von Wert war.
Ein Grundproblem solcher Leute: Sie nehmen nur die tatsächlichen, vor allem aber eingebildeten Untaten Israels, völlig losgelöst von jedem Zusammenhang und prügeln auf den jüdischen Staat ein. Mit einer Selbstgerechtigkeit, die ihresgleichen sucht, werden Auslassungen betrieben, die eine Verblendung offenbaren, die kaum zu übertreffen ist.
Herr Pfr. i.R. Helbig übernimmt unkritisch, was ihm Zertal und Eldar sowie Pappe liefern. In der ganzen, langen Litanei wird von ihm nicht einmal hinterfragt, was die linken Pappnasen ihm da liefern. Es findet lediglich eine undifferenzierte Hetze gegen alles statt, was Israel ist, sich aber nicht historisch belegen lässt, sondern von den Dokumenten der Vergangenheit widerlegt wird. Ben Gurion wird zum extremistischen Fanatiker gestempelt, aus dem arabischen Vernichtungskrieg gegen die Juden wird ein zionistischer Eroberungskrieg, die Ablehnung des UNO-Teilungsplans und damit seine Unwirksamkeit wird nicht erwähnt.
Herr Pfr. i.R. Helbig findet, dass eine von der Kirche festgelegte Haltung, keine Kritik an Israel üben zu dürfen, für die Zeit bis 1967 in Ordnung ist, danach nicht mehr. Welchen Unterschied macht es, vorher nicht kritisieren zu dürfen, jetzt aber um so heftiger zu geifern? Die Fortsetzung des „Landraubes“ seit 1967. Aha, „Landraub“ vor 1967 war in Ordnung, wegen des Holocaust. Wenn das keine ausgewogene Einstellung ist!
Herr Pfr. i.R. Helbig „muss hinnehmen“, dass seine arabischen Gesprächspartner sich von ihm verraten und verkauft fühlen, weil er findet, dass sie nicht vor die „Grenzen“ von 1967 zurück können. Das ist er den Opfern der Überlebenden der Shoa schuldig. Aha; dass die Araber das nicht akzeptieren, kann er wohl ertragen. Ihr Wunsch nach kompletter Vernichtung des jüdischen Staates ficht ihn nicht an, er ist ja anderer Meinung. Dass die „Meinung“ seiner arabischen Gesprächspartner kompromisslos ist und sich nicht ändern wird, ist ihm egal (wenn er es denn überhaupt begreift). Dass Israel sich auch nach 1967 in einem Überlebenskampf gegen unerbittliche Feinde mit absolutem Vernichtungswillen befindet und sich keine Niederlage leisten kann, wird er wohl abstreiten. Das passt nicht in sein Bild vom landräuberischen Judenstaat. Genauso wenig, wie er akzeptieren wird, dass der Rückzug aus dem Sinai, der aus dem Libanon, der aus dem Gazastreifen und der Teilrückzug aus dem nördlichen Samaria zeigen, dass Israel nicht Landräuber ist, sondern existenzgefährdende Kompromisse zu machen bereit war (Olmert & Co. wollen ja sogar immer noch weiter machen, obwohl es ausschließlich schlechte Erfahrungen hierzu gibt). Der Tonfall und die Argumentation der „Landräuber Israel“-Hetzer hat sich nach dem Abzug aus dem Gazastreifen nicht geändert. Das heißt, dass sie in ihrem blinden Hass absolut nichts zu lernen bereit sind.
Es lässt sich nicht genau erkennen, welche der Spiegelstrich-Absätze nun vom Herrn Pfr. i.R. selbst stammen und welche von Zertal/Eldar. Ist das Absicht? Damit er abstreiten kann, wenn man ihm vorwirft, was er da für einen verlogenen Mist fabriziert und auf die linken Schmierfinken verweisen kann, deren Machwerk er dargestellt hat?
Und so macht er dann die Juden für den Hass auf die Juden verantwortlich. Zugegebenermaßen vordergründig eine kleine Gruppe von Juden, eine Art Rat der Weisen von Zion, die sich im Westjordanland auf die Bergspitzen festgesetzt und damit den Staat Israel übernommen haben. Eine Gruppe Juden, die uns mit ihrer Existenz alle bedroht, weil sie der Al-Qaida den Nährboden liefert. Dass die Al-Qaida den arabisch-israelischen Konflikt nur als Nebenthema betrachtet und ihn als Marginalie am Rande des Kampfes gegen die USA einordnet – was macht das schon? Dass Al-Qaida aus der Gegnerschaft zu US-Streitkräften auf der Arabischen Halbinsel gegründet wurde – egal. Irgendwie muss man sich seine Argumentationsstränge zusammenschustern, damit das antiisraelische Bild zusammenfügt. Die Puzzleteile werden zurechtgeschnitten und die Lücken zugekleistert. Fertig.
Der Widerling hat „Verständnis“ für Juden mordende Palästinenser. So, wie er dieses äußert, muss davon ausgegangen werden, dass er das Morden als gerechtfertigt ansieht. In den beiden langen Seiten seines Einspruchs gegen den Staat Israel fällt nicht ein kritisches Wort zu den Terroristen, kein kritisches Wort über die arabischen Antisemiten, die nicht erst seit 1948 die Juden vernichten wollen, nein: Ausschließlich Israel ist das Übel und ihm wird nur ein Existenzrecht zugesprochen, weil Hitlerdeutschland den Holocaust am jüdischen Volk verübt hat. Wenigstens hier ist er konsequent: Die Araber müssen nach seiner Meinung ausbaden, was die Deutschen verbrochen haben. Was für ein Täter-Opfer-Verständnis soll das eigentlich sein? Übler kann man Antisemiten wie Ahmadinedschad keine Munition liefern.
Ein solcher Hassprediger darf also im offiziellen Vereinsblatt der evangelischen Pfarrer Bayerns unwidersprochen seine Gülle ablassen. Das spricht nicht unbedingt für die Macher des Blattes oder den Verein, der es publiziert. Anscheinend sollte man die einmal intensiv auf seine Einstellungen hin untersuchen. Es gebe immer wieder Leute, die „extrem ausrasten“, meint der „verantwortliche Schriftleiter“ des Blattes. Soll das rechtfertigen, dass er diesen Hetztext zum Abdruck genehmigt hat? Rechtfertigt das, dass erst in der nächsten Ausgabe „Antworten“ auf Pfr. i.R. Helbigs Text erscheinen werden?
Was hier passiert ist, gleicht dem in den üblichen antisemitischen Hetzschriften abgedruckten Verleumdungs-Geschreibsel. Wer das vor Abdruck bei der Redaktion nicht gemerkt haben will, der lügt. Die Redaktion ist um keinen Deut besser als der Schreiber selbst. Aber sie können besser versuchen, sich aus dem Eklat herauszuziehen. Das sollte man ihnen genauso wenig durchgehen lassen, wie Herrn Pfr. i.R. Helbig seine exkrementalen Entgleisungen.
Nachtrag: Der Dummbeutel der Woche, der Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Bescheuertheit, geht an Ruhestandpfarrer Dieter Helbig für seinen Artikel im offiziellen Organ des bayerischen Pfarrvereins und dessen presserechtlich verantwortlichen Redakteur Dekan Martin Ost.
Henryk M. Broder hat natürlich eine kräftigere Formulierung für den Herrn Pfr. i.R. gewählt. Und sich dafür entschuldigt (aber nicht beim Pfarrer).
„Palästina zur Zeit Jesu“
3. Mai 2008 at 15:15 | In Christen+Kirchen, Geschichte, Medien+Nahost, Nahost-Konflikt, Palästinenser | 1 CommentTags: Bibel, Bibelverse, Landkarten
CAMERAs snapshot hat eine Fehldarstellung der New York Times aufgegriffen, in der behauptet wurde, dass Jesus vor zwei Jahrtausenden in Palästina Aramäisch sprach“. CAMERA erklärt zurecht:
Zur Zeit Jesu gab es so etwas wie „Palästina“ nicht, da die Römer Judäa erst hundert Jahre nach dem Tod Jesu in „Palästina“ umbenannten. Während der Zeit Jesu lagen Bethlehem und Jerusalem in dem, was gemeinhin Judäa genannt wurde; Nazareth lag in dem, was man allgemein von Galiläa bezeichnete. Die New York Times sollte ihren faktischen Fehler korrigieren, Judäa und Galiläa mit Namen zu benennen, die erst ein Jahrhundert später existierten.
Geschichtliche Fakten sind: Im Jahr 132 n.Chr. gab es – erneut – einen Aufstand der Juden gegen die Römer unter Bar Kochba. Erst im Jahr 135 n.Chr. konnten sie ihn niederschlagen. Der Kaiser war derart erbost über den Aufstand, seine Folgen und seine Dauer, dass er alles Jüdische austilgen wollte. Daher benannte er den Landstrich um und gab ihm einen Namen, der an die Erzfeinde Israels, die Philister erinnerte: Palästina. (Wer es nicht weiß: Die Philister waren ein aus der Ägais stammendes Seefahrervolk, das zur Zeit der Römer schon einige Jahrhunderte lang nicht mehr existierte.) Fakt ist auch, dass der Name völlig außer Gebrauch kam – bis er in der jüngeren Vergangenheit wieder in Mode kam, um das Heilige Land, vor allem aber das britische Mandatsgebiet zu beschreiben.
CAMERA schreibt weiter:
Man muss nur die christliche Bibel öffnen, um Bezüge auf Judäa und Galiläa zu finden. Beispiele: Lukas 1,5: Herodes (der Große) ist „König von Judäa“; Lukas 2,4: „Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem“; Lukas 3,1: „als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war“.
Das ist eine korrekte Hinweise. Nur sind gerade (deutschsprachige) Bibeln auch eine Quelle der Fehlinformation, wenn man sich dort die Landkarten ansieht. Die Lutherbibeln in der Übersetzung von 1956 und 1964, wie auch die in der Übersetzung von 1984 enthalten eine Landkarte „Palästina zur Zeit des Neuen Testaments“; „Die gute Nachricht“ in der Ausgabe von 1976 enthält den gleichen Titel der entsprechenden Landkarte, genauso die Neufassung von 1997; ebenso verhält es sich mit der Bruns-Bibel (1962). Die „Hoffnung für alle“ fehlt mir derzeit, aber ich meine mich zu erinnern, dass auch dort eine Karte mi demselben Titel zu finden war.
Ausnahmen, die mir vorliegen, sind einmal die Genfer Studienbibel, die zwei Karten enthält, in der die richtigen Namen der Landstriche aufgeführt sind („Leben und Wirken Jesu“; „Das Römische Reich zur Zeit des Neuen Testaments“); zweitens die Schlachter-Übersetzung Version 2000, die „Israel zur Zeit von Jesus Christus“ schreibt. Meine Elberfelder Bibel enthält keine Landkarten. Meine englischen Übersetzungen auch nicht.
Elektronisch sieht es wohl nicht unbedingt besser aus als in den gängigen Bibeln: Mein PC-Bibelatlas enthält eine Karte „Palästina zur Zeit Jesu“.
Was will man den Leuten vorwerfen, wenn sie solche Fehlinformationen in ihren Bibel vorgesetzt bekommen? Das macht die Sache nicht besser, aber verständlich, auch wenn es lächerlich ist. Einen Begriff durch einen anderen zu ersetzen, ist äußerst schwer. Die „Palästinenser“ haben eine erfolgreiche Kampagne gestartet, die diese Falschinformation ausnutzte und sich zu einem Volk erfunden, das um sein Selbstbestimmungsrecht in seinem „angestammten“ Land kämpft, dessen Name allen bekannt ist, ihnen weder gehört noch zusteht.
Um so mehr muss darauf hingearbeitet werden, dass diese Falschdarstellungen aus den Köpfen der Menschen verschwinden und durch die richtigen Begriffe ersetzt werden.
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