Palästinensische öffentliche Meinungsumfrage offenbart Zunahme der Unterstützung bewaffneter Terroranschläge auf Israel und Anschläge innerhalb israelischen Staatsgebiets

Palestinian Media Watch, 9. Januar 2023

Überblick

Am 13. Dezember 2022 veröffentlichte Dr. Khalil Shqaqis Palestinian Center for Policy and Survey Research (PCPSR)[1] seinen Bericht zur öffentliche Meinungsumfrage für das letzte Quartal des Jahres. Laut der Ergebnisse nahm die Unterstützung er palästinensischen Öffentlichkeit für einen „bewaffneten Kampf“ gegen Israel, eine Rückkehr zu einer bewaffneten Intifada,[2] „bewaffneten Angriffen auf israelische Zivilisten innerhalb Israels und die Unterstützung „bewaffneter Gruppen“ in der palästinensische Autonomiebehörde (PA) im dritten Quartal zu, besonders in Judäa und Samaria. Es gab auch überwältigende Unterstützung (72%) für „bewaffnete Gruppen“ [wie das Terrornetzwerk Löwengrube], aber mehr als die Hälfte sagte, sie hätten Sorge, dass das zu Zusammenstößen zwischen den Gruppen und den PA-Sicherheitsdiensten führen könnte. Insbesondere gab es eine signifikante Zunahme der Unterstützung für Terroranschläge innerhalb Israels und die Erkenntnisse deuten offenbar auf einen Trend innerhalb der palästinensischen Öffentlichkeit gegenüber Extremismus hin, besonders in Judäa und Samaria.

Für die Ergebnisse wurden eine Reihe möglicher Gründe angeführt, darunter die Bildung der neuen rechten Regierung in Israel, die eskalierenden militärischen Zusammenstöße zwischen palästinensischen „bewaffneten Gruppen“ und der IDF in Samaria, besonders nach dem Ereignis vom März 2022, und die „nie da gewesene Zahl“ palästinensischer Todesopfer bei den Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften.

In der ITIC-Bewertung haben zu einem beträchtlichen Teil ranghohe Personen in der PA und den Terrororganisationen im Gazastreifen ebenfalls zum zunehmenden Extremismus  beigetragen. Personen aus der PA, angeführt von Premierminister Mohammed Schtayyeh, ermutigen zu Gewalt und belohnen palästinensische Terroristen und ihre Familien, die Anschläge verüben.[3] Sie propagieren zudem internationalen Dialog und Aktivitäten zur Delegitimierung Israels, rufen zu Boykotten auf und behaupten wiederholt und öffentlich, dass es heute in Israel keinen Friedenspartner gibt.[4] Ihre Bemühungen nahmen dieses Jahr als Ergebnis der intensiven Terrorbekämpfungsmaßnahmen der IDF, besonders im nördlichen Samaria (Operation Tagesanbruch) zu und sind seit der Wahl in Israel und der Bildung einer neuen Regierung mit Benjamin Netanyahu als Premierminister noch verstärkt worden. Im Gazastreifen setzen die Terrororganisationen, vor allem Hamas und der Palästinensische Islamische Jihad, ihre Bemühungen fort Unruhe in Judäa und Samaria zu schüren und Palästinenser zu ermutigen Zusammenstöße mit den israelischen Sicherheitskräften zu liefern sowie Terroranschläge zu verüben, während sie Terroranschläge an Israels südlicher Grenzen unterlassen.

Im Vergleich der in den 2022 vierteljährlich durchgeführten Umfragen offenbarten Einstellungen ist zu sehen, dass es trotz des im vierten Quartal festgestellten Anstiegs des Extremismus während des Jahres keine signifikante Veränderung der Einstellungen gegeben hat. Wenn man jedoch die Einstellungen im Gazastreifen mit denen in Judäa und Samaria vergleicht, wird deutlich, dass die öffentliche Unterstützung für Gewalt und Anschläge innerhalb israelischen Staatsgebiets zugenommen hat. Der Anteil der Anhänger von Gewalt ist im Gazastreifen allerdings höher als in Judäa und Samaria, obwohl die meisten Zusammenstöße während des Jahres in Judäa und Samaria stattgefunden haben, wo die Spannungen zwischen lokalen Einwohnern und israelischen Sicherheitskräften höher waren.

Das ITIC untersuchte die Ergebnisse 2022 durchgeführten der Umfragen nach Antworten auf Folgendes:

  • Rückkehr zur Gewalt und einer bewaffneten Intifada gegen Israel
  • Der „bewaffnete Kampf als beste Option der Palästinenser zur Beendigung der „Besatzung“ und Gründung eines unabhängigen Staates
  • Unterstützung von Terroranschlägen „einsamer Wölfe“ innerhalb israelischen Staatsgebiets

Ebenfalls untersucht wurden Einstellungen zu Fragen, die nur einmal im Jahr gestellt werden, für die Veränderungen nicht augenscheinlich festgestellt werden konnten, so Einwände der PA-Sicherheitskräfte gegen das Eindringen von IDF-Streitkräften in Judäa und Samaria (Umfrage vom März 2022), was 64% unterstützten; Einstellungen gegenüber von „einsamer Wolf“-Terroristen verübte Anschläge, die keiner Organisation angehören (Juni 2022), was 56% unterstützen; und die Bildung von „bewaffneten Gruppen“ wie der Löwengrube,[5] die keine Befehle von der PA annehmen und kein Teil ihrer Sicherheitskräfte sind (Dezember 2022), was 75% unterstützen.

Umfrageergebnisse

Vergleich der 2022 durchgeführten Umfragen

Das PCPSR führt vierteljährlich Umfragen durch, letztes Jahr vom 16. bis 20. März, 22. bis 25. Juni, 13. bis 17. September und 7. bis 10. Dezember. Der Gesamtumfang der Stichprobe beträgt rund 1.200 Erwachsene, die im persönlichen Gespräch an 120 zufällig ausgesuchten Orten in Judäa, Samaria und dem Gazastreifen befragt wurden; die Fehlerspanne beträgt +/- 3%. Einige der Fragen werden von Umfrage zu Umfrage wiederholt und manche beziehen sich auf Ereignisse, die sich während des jeweiligen Quartals ereigneten.

Weiter unten sind die Resultate der Untersuchung der Umfrageergebnisse durch das ITIC zum palästinensisch-israelischen Konflikt und die „bewaffneten Konflikt“ [d.h. Terroranschläge] des Jahres 2022.

Rückkehr zu bewaffneten Zusammenstößen und einer weiteren Intifada gegen Israel

Die Ergebnisse deuten an, dass es im Verlauf des letzten Jahres keine signifikante Verschiebung in der palästinensischen öffentlichen Meinung zu bewaffneten Zusammenstößen und einer weiteren Intifada gab. Im März stand die Unterstützung bei 51%, im Juni bei 55%, im September bei 48% und im Dezember bei 55%. Im Gazastreifen war die Unterstützung größer, (60%) als in Judäa und Samaria (40%). Allerdings gab es im vierten Quartal in Judäa und Samaria einen signifikanten Anstieg der Unterstützung (51%).

Gesamtheit der öffentlichen Einstellungen

Judäa und Samaria vs. Gazastreifen

Der „bewaffnete Kampf“ als angemessenster Weg die palästinensischen Ziele der Beendigung der „Besatzung“ und der Gründung eines unabhängigen Staates zu erreichen

Die Ergebnisse der Umfrage vom Dezember deuten einen Anstieg bei der Unterstützung der allgemeinen palästinensischen Öffentlichkeit für einen „bewaffneten Kampf“ an (51%), eine Zunahme gegenüber dem September (41%). Im Juni betrug die Unterstützung allerdings 50%, womit der durchschnittliche Anstieg über das Jahr gesehen nicht bedeutend war. Allerdings nahm die Unterstützung in Judäa und Samaria von 35% auf 50% zu.

Gesamtheit der öffentlichen Einstellungen

Judäa und Samaria vs. Gazastreifen

Unterstützung für Terroranschläge auf israelische Zivilisten innerhalb des israelischen Staatsgebiets

Die Ergebnisse der Dezember-Umfrage deuten eine Zunahme innerhalb der allgemeinen Öffentlichkeit für „bewaffnete Anschläge“ innerhalb des israelischen Staatsgebiets (50% gegenüber 45% im September). In Judäa und Samaria hingegen betrug die Unterstützung 46% (gegenüber 34% im September) und im Gazastreifen betrug sie 57% (im  September 62%).

Gesamtheit der öffentlichen Einstellungen

Judäa und Samaria vs. Gazastreifen

Fragen, die nur bei einer Gelegenheit gestellt wurden

Umfrage vom Dezember 2022

Ergebnisse zu Fragen bezüglich bewaffneten Terrornetzwerken wie der Löwengrub deuten auch auf eine Zunahme gegenüber der Unterstützung von Extremismus. Die Ergebnisse deuten an, das 72% der allgemeinen Bevölkerung die Bildung solcher Netzwerke unterstützen (65% in Judäa und Samaria und 84% im Gazastreifen). 79% sind gegen die Übergabe der Waffen der Mitglieder der „bewaffneten Gruppen“ an die PA (785 in Judäa und Samaria und 82% im Gazastreifen). Zum Recht der PA Aktive der „bewaffneten Gruppen“ zu verhaften, sagten 87%, die PA habe dieses Recht nicht. Mehr als die Hälfte gaben der Sorge Ausdruck, dass die Bildung solcher Gruppen zu Zusammenstößen zwischen diesen und den palästinensischen Sicherheitskräften führen würde und 59% sagten, sie erwarten, dass die „bewaffneten Gruppen“ sich in weitere Gebiete von Judäa und Samaria [über Jenin und Nablus hinaus] ausbreiten.

Umfrage vom Juni 2022

Die Teilnehmer wurden gefragt, ob sie für oder gegen von „einsame Wölfe“-Terroristen verübten [Terror-] Anschläge sind, die zu keiner Bewegung oder bekannten Organisationen gehören und 56% antworteten, dass sie solche Anschläge befürworten (44% in Judäa und Samaria, 73% im Gazastreifen).

Umfrage vom März 2022

Die Teilnehmer wurden gefragt, ob sie der Äußerung zustimmen oder nicht, dass die palästinensischen Sicherheitskräfte  Waffen gegen israelische Sicherheitskräfte einsetzen sollten, wenn diese die Palästinensergebiete betreten. 64,5% unterstützten das (65% in Judäa und Samaria und 64% im Gazastreifen).

Das komplette Dokument in PDF-Format


[1] Das Palestine Center for Policy and Survey Research (PCPSR) wurde im Jahr 2000 gegründet und beschreibt sich als gemeinnützige NGO. Sein Hauptbüro befindet sich in Ramallah und sein Direktor ist Dr. Khalil Shqaqi. Es gilt als führende Forschungseinrichtung der palästinensischen Autonomiebehörde und  führt vierteljährliche öffentliche Meinungsumfragen durch und stellt die Ergebnisse auf seine Internetseite. Befragte sind Palästinenser in Judäa und Samaria und dem Gazastreifen, die Umfragen decken eine Vielzahl von Themen ab, die Bezug zur palästinensischen Arena haben, darunter Politik Wirtschaft, Medien, Einstellungen gegenüber Israel und bewaffnete Terroranschläge.

[2] Ein organisierter Aufstand. Allgemein gesagt anhaltende Gewalt und Terroranschläge sowohl auf IDF-Soldaten als auch israelische Zivilisten.

[3] Weitere Informationen finden Sie im Bulletin vom 13. November, „Die palästinensische Autonomiebehörde und die Fatah haben eine Politik der vollen Souveränität mit Palästinensern übernommen, die beim Verüben von Terroranschlägen auf Israel oder in Konfrontationen mit israelischen Sicherheitskräften getötet wurden.“

[4] Weitere Informationen finden Sie im Bulletin vom 2. Januar 2023: „Ein palästinensischer ‚Sieg‘ auf der internationalen Bühne: Die UNO stimmt dafür den Internationalen Strafgerichtshof aufzufordern eine Rechtsmeinung bezüglich der Praktiken Israels in den Gebieten.‘“

[5] Das ist ein Verweis auf 2022 gegründete, bewaffnete Terrornetzwerke, die sich Zusammenstöße mit israelischen Sicherheitskräften liefern und Terroranschläge verüben, so die Löwengrube, das Jenin-Bataillon und das Nablus-Bataillon.“

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