EU bewegt sich in Richtung Verbot des militärischen Flügels der Hisbollah

16. Mai 2013 um 15:00 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost | 1 Kommentar
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Es wird erwartet, dass die Europäer dem politischen Flügel der schiitischen-libanesischen Gruppe weiterhin erlauben als legale Organisation zu agieren.

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 12.Mai 2013

Die Europäische Union hat sich auf einen Konsens zum Verbot des bewaffneten Flügels der Hisbollah zu bewegt; dazu gehört, dass er Ende 2013 auf die EU-Terrorliste gesetzt werden soll.

Die EU plant das britische Model der Ächtung des militärischen Flügels als Terrororganisation zu befürworten, während dem politischen Flügel der schiitisch-libanesischen Gruppe erlaubt wird weiter als legale Organisation zu agieren, sagten Quellen, die sich in den inneren Mechanismen der EU-Diskussionen zur Sache gut auskennen, gegenüber der Jerusalem Post in der letzten Woche.

Der britische MP Michael McCann von der Labour Party sagte jedoch in einer Debatte im Unterhaus letzte Woche, dass das bezüglich Erwartungen notwendiger strafender Reaktionen auf die Hisbollah und ihrem Hauptsponsor, der Islamischen Republik Iran, zu kurz greift. „Sie bleiben eine klare und gegenwärtige Gefahr für Millionen israelischer Männer, Frauen und Kinder mit ihren Tausenden Raketen, die auf wichtige Bevölkerungszentren gerichtet sind“, sagte McCann dem Parlament in der Debatte am Donnerstag. „Raketen, die auf ein Wort ihrer korrupten, antisemitischen Zahlmeister in Teheran abgeschossen werden könnten.“

„Es ist klar, dass die Hisbollah in ihrer Gesamtheit sowohl von der Regierung des Vereinten Königreichs als auch der EU geächtet werden sollte“, sagte er.

Eine mit der Antiterror-Strategie der EU vertraute Quelle sagte der Post, dass Zypern und Burgas im Entscheidungsfindungsprozess zum Verbot der  Hisbollah weithin mit Beweismaterial beschrieben werden. Großbritannien und andere EU-Staaten arbeiten daran den Konsens zum Verbot der Hisbollah herauszuarbeiten, bevor die Antiterror-Arbeitsgruppe der EU sich trifft, fügte die Quelle hinzu.

Im Februar beschuldigte Bulgariens Innenministerium die Hisbollah im letzten Juli den Bombenanschlag auf einen israelischen Touristenbus im Schwarzmeer-Ferienort Burgas verübt zu haben, bei dem fünf Israelis und ihr bulgarischer Busfahrer getötet wurden. Im März verurteilte ein Strafgericht in Limassol (Zypern) Hossam Taleb Yaacoub, der seine Mitgliedschaft bei der Hisbollah zugab, wegen der Planung von Terroranschlägen auf Israelis auf der Insel.

Richterin Tasia Psara-Miltiadou sagte bei Yaacoubs Verurteilung: „Es gibt keinen Zweifel, dass diese Gruppe [die Hisbollah] zahlreiche Mitglieder hat und mit verschiedenen Aktivitäten, darunter militärischem Training ihrer Mitglieder, weitermacht… Das Gericht urteilt, dass die Hisbollah als kriminelle Vereinigung agiert.“

Die Hisbollah in militärische und politische Flügel zu trennen, veranlasste McCann – Abgeordenter für East Kilbride, Strathaven und Lesmahagow in Schottland – sich vehement gegen diese Teil-Listung auszusprechen. „Während die letzte Regierung den militärischen Flügel der Hamas verbot, wird oft ihre bedeutende Rolle in der libanesischen Politik als Grund dafür zitiert, dass das Vereinte Königreich nicht weiter ging und die gesamte Organisation verbot, von der selbst ihre eigenen Führer sagen, dass sie unter einem einzigen Kommando agiert. Auch der unangebrachte Glaube, dass die Politiker der Hisbollah legitim und unabhängig von ihrem tödlichen Terrorismus sind, steckt hinter der Untätigkeit der EU“, sagte er.

McCann fuhr fort: „Die Politiker der Hisbollah sind für den jüngsten Zusammenbruch der libanesischen Regierung verantwortlich, die sie lange über militärische Stärke statt Wählerstimmen dominierten; jetzt ist es daher an der Zeit ihre angebliche Rolle bei der Stabilisierung des Libanon als den Denkfehler bloßzustellen, der er ist. Ihre bösartige Rolle bei der Aufrechterhaltung der brutalen militärischen Bekämpfung durch [den syrischen Präsidenten] Bashar Assad gegen sein eigenes Volk – wieder eine genauso politische wie militärische Operation – demonstriert weiter, dass jeder Versuch eine Unterscheidung zwischen militärisch und politisch zu treffen im günstigsten Fall naiv ist.“

Der MP, ein Vizevorsitzender der Labour Friends of Israel, forderte die britische Regierung auf „die ganze Hisbollah“ als Terrororganisation zu verbieten.

Mit Blick auf ein europäisches Verbot der Hisbollah sagte McCann: „Und ich würde weiter gehen, da sich in der französischen und deutschen Gegnerschaft für ein Verbot Brüche zu zeigen beginnen. Ich würde jetzt sagen, dass es auch an der Zeit ist, dass die Regierung diesen parteiübergreifenden Konsens nutzt und für hartes Handeln der EU eintritt.“

Nach Angaben einer Quelle der Post favorisiert die deutsche Regierung ebenfalls ein Verbot des militärischen Flügels der Hisbollah.

Danach gefragt, ob man plant ein solches Verbot einzubringen, sagte ein Sprecher des deutschen Außenministers Guido Westerwelle der Post letzte Woche: „Die Überlegungen zur Hisbollah werden von der Regierung mit ihren EU-Partnern besprochen. Wir sind in dieser Sache auch in Kontakt mit unseren israelischen Partnern.“

Der Sprecher fügte an, Kanzlerin Merkel und Westerwelle sie klar gewesen, dass die EU im Fall des Beweises einer Verbindung zwischen der Hisbollah und dem Terroranschlag in Burgas handeln müsste. Die Hisbollah hat in Deutschland fast 1.000 Mitglieder und diese Zahl steigt nach Angaben des Verfassungsschutzes.

Die österreichische Tageszeitung Kurier berichtete letzte Woche, dass Verteidigungsminister Moshe Ya’alon sich mit seinem österreichischen Kollegen Gerald Klug in Tel Aviv traf und die österreichische Regierung drängte die Hisbollah auf die EU-Terrorliste zu setzen. Klug sagte, er würde das Thema bei seiner Regierung ansprechen. Österreich ist einer der Schlüsselverweigerer gegen den britischen und niederländischen Druck gewesen die Hisbollah auf die Liste der Terrororganisationen zu setzen.

In einem Exposé Anfang Mai in der österreichischen Zeitung Die Presse sagte der Journalist Oliver Grimm, wenn die EU die Hisbollah auf die Terrorliste setze, würden ihre im südlichen Libanon stationierten UNO-Friedensschützer verletzbar und „Brüssel, Berlin, Paris, Wien würden lieber wegsehen und hoffen, dass es keine weiteren Hossam Taleb Yaacoubs und ein zweites Burgas geben wird“.

Die Hisbollah nicht als Terrororganisation zu führen ist von Experten als ein Faktor angeführt worden, der die EU daran hindert aggressive Terrorbekämpfungsermittlungen gegen die Beiruter Gruppe und ihre Netzwerke in Europa zu unternehmen. Terrorbekämpfungsexperten sagen, die Hisbollah fahre damit fort Spendengelder zu sammeln und Waffen und Technologie in Europa zu erwerben, um ihre Terroroperationen voranzubringen.

Die European Foundation for Democracy mit Sitz in Brüssel kam in einem Bericht [Titel: „Hezbollah fundraising in Germany tax-deductibe“ - Spendensammlung der Hisbollah ist in Deutschland von der Steuer absetzbar] aus dem Jahr 2009 zu dem Schluss, dass „Waisenkinderprojekte e.V.“ aus Göttingen Spenden direkt an die libanesische Al-Shahid Vereinigung leitet, die Teil des Hisbollah-Netzwerks ist, das für Selbstmord-Bombenanschläge im Libanon wirbt – besonders bei Kindern. In Deutschland sind Spenden an die Projekt absetzbar und damit vom deutschen Staat subventioniert.

Die Gelder der Hisbollah in Europa hat man an die Familien von Selbstmordbombern und an Gruppen fließen lassen, die Terroranschläge gegen Israelis verüben.

Antiisraelismus in der italienischen Politik

13. Mai 2013 um 14:22 | Veröffentlicht in Europa+Nahost | 1 Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Angelo Pezzana (direkt vom Autor)

Bei den italienischen Parlamentswahlen im Februar 2013 gewann eine neue und extrem antiisraelische Partei namens Bewegung Fünf Sterne 109 der 630 Sitze in der Abgeordnetenkammer. Sie ist mit 54 der 315 gewählten Sitze maßgeblich auch im Senat vertreten.

Der Parteichef der Fünf Sterne ist der ehemalige Komiker Beppe Grillo. Er behauptet Israel werde den dritten Weltkrieg verursachen, der Iran sei ein friedliches Land und was am 9/11 geschah, sei falsch berichtet worden. Während ihre Wähler aus allen Teilen der italienischen Wählerschaft kommen, nimmt die Fünf Sterne allgemein Positionen links von der Mitte ein.

Angelo Pezzana

Angelo Pezzana

Angelo Pezzana ist italienischer Journalist. 2001 gründete er die Internetseite www.informazionecorretta.com/. Diese bietet tägliche Nachrichten auf Italienisch über Israel, die arabische Welt und Terrorismus bereit.

Pezzana fährt fort: Man kann die Partei Fünf Sterne nicht mit den Neofaschisten und Neonazis der ungarischen Jobbik und der griechischen Goldenen Morgendämmerung vergleichen. Sie ähnelt eher den Piratenparteien in mehreren europäischen Ländern, ist aber besser strukturiert. Ihr Wahlerfolg gebührt ihren Protesten gegen das politische System in einer Zeit, in der die italienische Wirtschaft eine große Krise durchmacht. Bei den Regionalwahlen in Friaul im April wurde ihr Stimmanteil im Vergleich zu den Parlamentswahlen zwei Monate zuvor halbiert. Die Partei ist aber immer noch gefährlich, weil ihre leeren Parolen für viele infolge der derzeitigen Krise in Italien attraktiv bleiben.

Grillo und der andere Parteiführer, Gianrobert Casaleggio, kontrollieren und kommunizieren mit ihren Abgeordneten über das Internet. Das könnte als eine politische Mutation von Orwells Big Brother in „1984“ betrachtet werden. Wer immer ihre Befehle nicht befolgt, wird aus der Partei ausgeschlossen. Grillos öffentliche Äußerungen sind bewusst vulgär und zielen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Wegen der Krise in Italien ist es z.B. leicht, große internationale Finanzinstitutionen anzugreifen. Mehrere tragen immer noch die Namen von Juden, auch wenn ihre Gründungsfamilien sie nicht länger kontrollieren. Grillo kann damit indirekt Juden der Komplizenschaft an der Krise bezichtigen. In der Öffentlichkeit verstehen viele seine Absicht.

Italiens größte Partei im Parlament ist die Mitte-Links stehende Demokratische Partei (DP). Durch einen Sitze-Bonus für die größte Partei im Wahlsystem hat sie 295 Sitze in der Kammer. Unter ihren vielen Segmenten sind die ehemaligen Kommunisten das größte und kontrollieren die Bürokratie der Partei. Der ehemalige Premierminister und Außenminister Massimo D’Alema ist eine ihrer einflussreichsten Persönlichkeiten. Er hat eine lange Geschichte der Feindseligkeit gegenüber Israel. Viele DP-Parlamentsmitglieder und Europa-Parlamentarier teilen seine Ansichten, bringen sie aber weniger deutlich zum Ausdruck.

Ein aufsteigender Stern unter den jüngeren DP-Politikern ist der 38-jährige Matteo Renzi, Bürgermeister von Florenz. Er hat das Potenzial in nicht allzu ferner Zukunft Parteichef zu werden. Renzis Haltungen zu Israel sind weit positiver als die vieler anderer DP-Mitglieder.

Präsident Giorgio Napolitano hat einen Ruf erworben, der über die symbolische Position hinaus geht, die einzunehmen von ihm entsprechend der Verfassung erwartet wird. Obwohl er 88 Jahre alt ist, akzeptierte er die Wiederwahl für eine zweite Amtszeit, da die DP und Silvio Berlusconis Freiheitspartei sich nicht auf einen anderen Kandidaten einigen konnten. Obwohl ehemaliger Kommunist, ist seine Haltung gegenüber Israel positiv. Napolitano hat sich regelmäßig pro-israelisch geäußert und auch den Zionismus verteidigt.

Die Freiheitspartei hat nur 98 Sitze im Abgeordnetenhaus, obwohl sie kaum weniger Stimmen bekam als die DP. Die beiden Parteien sind trotz ihrer großen politischen Differenzen zur Zusammenarbeit gezwungen, da keine von ihnen eine Mehrheit im Senat hat und Fünf Sterne zumeist nur blockiert. Die Freiheitspartei ist immer pro-israelisch gewesen.

Im vorigen Abgeordnetenhaus gab es vier jüdische Abgeordnete. Drei gehörten zur DP und zum Zentrum und sprachen nie über Israel. Fiamma Nirenstein von der Freiheitspartei jedoch zeigte ein einzigartig intelligentes und mutiges Eintreten für Israel. Sie schaffte es, Parlamentarier der Freiheitspartei wie auch anderer Parteien zu pro-israelischen Demonstrationen zu motivieren. Nirenstein war auch die geschickte Urheberin einer parlamentarischen Untersuchung des Antisemitismus, die auch auf Englisch im Internet steht. Sie hat sich allerdings entschieden sich nicht wieder zur Wahl zu stellen [und ist inzwischen nach Israel ausgewandert - H.E.].

Auf der lokalen Ebene nehmen oft linke Parteien starke Positionen ein, die bei den Parlamentswahlen die 3%-Hürde nicht überwinden. Sie haben außerdem viele Bürgermeisterämter inne. Einer ist der antiisraelische Bürgermeister von Neapel, Luigi de Magistris. Er hieß eine Gaza-Flottille willkommen. Außerdem verlieh er dem Palästinenserpräsidenten Abu Mazen die Ehrenbürgerschaft Neapels. Seine Stadt ist schlecht geführt, Müll türmt sich auf den Straßen und er wird wahrscheinlich nicht wieder gewählt.

Im offiziellen italienischen Gemeinwesen findet man selten expliziten Antisemitismus. Einer der Hauptkanäle des Antisemitismus ist das Internet, wo die extreme Rechte und die extreme Linke Propaganda fördern, die der gleicht, die in der früheren Nazi-Zeitung Der Stürmer zu finden war. Förderung von antiisraelischem Hass mit der beliebtesten Parole – „die Israelis tun den Palästinenser an, was die Nazis den Juden antaten“ – hat italienische Schulen zu Brutstätten antiisraelischer und antisemitischer Propaganda gemacht und viele Lehrer sind an dieser Hetze beteiligt.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Europa hat ein ernstes Hisbollah-Problem

9. Mai 2013 um 15:39 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost | 1 Kommentar
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Nach Jahrzehnten der Leugnung könnten sich Europas Führungspolitiker der düsteren Wahrheit zur fortschrittlichsten Terrororganisation der Welt gegenüber sehen

Benjamin Weinthal, The Tower, Mai 2013

Die legendäre britische Geheimdienstler des Ersten Weltkriegs, T.E. Lawrence – inzwischen auf ewig als „Lawrence von Arabien“ bekannt – beschrieb einmal seinen Kommandeur, Brigadegeneral Gilbert Clayton so: Er ist „wie Wasser oder durchdringendes Öl, das still und beharrlich alles durchtränkt.“ Lawrence‘ eigene Worte bieten eine bemerkenswert treffende Beschreibung der vom Iran gestützten Terrororganisation Hisbollah. Seit ihrer Gründung 1982 unter dem Deckmantel einer religiös-schiitischen Partei hat sich die Hisbollah langsam in eine ausgeklügelte internationale Miliz, ein weltweit agierendes kriminelles Unternehmen, Exporteur des revolutionären iranischen Islamismus und Terrors ausgedehnt; und sie ist die de facto-Regierung des südlichen Libanon, wenn nicht sogar die dominierende Kraft des gesamten Landes.

Die von vielen als „das A-Team der Terroristen“ beschriebene Hisbollah ist neuerdings wieder in den Nachrichten – nach einer Serie von Terrorkomplotten auf europäischem Boden, einschließlich eines größeren Anschlags letzten Sommer in Bulgarien. Das hat eine Diskussion innerhalb der Europäischen Union darüber ausgelöst, ob man die Organisation auf die Liste der Terrorgruppen setzen soll. Das sollte als offensichtliche Reaktion erscheinen, doch für die EU wäre es ein historischer Schritt.

Während des größten Teils der letzten drei Jahrzehnte hat Europa gegen über der Organisation eine Politik verfolgt, die mehr oder weniger genau als Appeasement beschrieben werden kann. Im Tausch für eine nicht ausgesprochene Vereinbarung keine Terroranschläge gegen ihre Mitgliedsstaaten zu verüben, hat die EU weggesehen, der Gruppe erlaubt sich auf dem Kontinent zu organisieren, zu operieren und Spendengelder zu sammeln.

Offensichtlich gibt es ein Problem, wenn eine Regierung nahe legt, dass eine Terrororganisation nur dann eine Terrororganisation ist, wenn sie in ihrem jeweiligen Land agiert. Das gilt besonders für die EU, die einen sich über einen Kontinent erstreckende regionale Union ist, die vorgibt die kollektiven und höchsten Ideale liberaler Demokratie zu symbolisieren und hochzuhalten. Doch wenn die Europäer bezüglich der Hisbollah so eine Art Deal mit dem Teufel gemacht haben, muss beiden etwas aus dem Handel geblieben sein. Die Europäer kauften sich einen langen Zeitraum der Ruhe und haben zumeist Kontrollen oder Verurteilung vermieden. Die Hisbollah hat ein relativ freie Hand gehabt zu agieren.

In den vergangenen Monaten ist aber ein Prozess in Gang gesetzt worden, der die europäischen Führungspolitiker zwingen könnte diesen Status quo zu ändern – und die Folgen für die Hisbollah könnten enorm sein.

Europas offizielle Politik des Herunterspielens der Hisbollah entstand früh in der Geschichte der Organisation. Nach einer Welle an Hisbollah-Anschlägen überall in Europa in den 1980-er Jahren war Europas oberstes Ziel sie nicht mehr stattfinden zu lassen. Die unausgesprochene Vereinbarung zwischen den beiden konzentrierte sich um die Anerkennung der Anwesenheit der Hisbollah – einschließlich Spendenaktionen – in Europa im Tausch dafür, dass es keinen Terrorismus auf europäischem Boden gibt.

Das mag europäische Ängste gelindert haben, aber es hatte schwer wiegende und unbeabsichtigte Folgen. Es machte Europa nicht und politisch und militärisch impotent gegen eine der gefährlichsten Terrororganisationen der Welt, sondern erlaubte der Hisbollah Europa in ihr wirtschaftliches Rückgrat zu verwandeln und eines der mächtigsten kriminellen Unternehmen der Welt zu schaffen. Matthew Levitt vermerkt in einem aktuellen Artikel, die Hisbollah sei „tief in ein breites Spektrum an kriminellen Aktivitäten auf dem Kontinent involviert“. Dazu gehören „Drogenschmuggeln und Geldwäsche“, die Terroristen und andere paramilitärische Aktionen finanzieren, sowie „Spendensammeln und Waffenbeschaffung“ und „Fälschung europäischer und anderer Währungen“.

Dass man sich entschied vor der Tatsache die Augen zu verschließen, dass die die Hisbollah keine Terroranschläge verübte, sie aber kaum als harmlose Kraft in Europa war, verschlimmerte die EU ihre Sünden und konzentrierte sich auf die „positiveren“ Aspekte der Organisation: ihre sozialen Leistungen, ihre romantische Politik, ihre Sorge um die Kinder der militanten libanesischen Schiiten. Vielleicht um den gemachten Handeln zu rechtfertigen wurde Europas durchschaubares Appeasement in aller Stille noch bizarrer: Es gestaltete eine Art Traum-Hisbollah für sich selbst – eine missverstandene, aber irgendwie bewundernswerte Organisation, die half den Libanon zu stabilisieren und soziale Gerechtigkeit sicherzustellen – die dem Terrorgebilde ziemlich unähnlich war, die mehr Amerikaner getötet hatte als jede andere Gruppe außer der Al-Qaida.

Insbesondere ist Europa in das Sozialhilfeprogramm der Hisbollah vernarrt. „Sie sind darin ziemlich professionell“, zitiert die New York Times den Forscher Stephan Rosiny. „Und das ist etwas, von dem einige westliche Spender zugeben, dass einen positiven Eindruck auf einige westliche Politiker macht.“ Das, sagt die Times, „bietet eine Ratio für die gemeinnützigen Netzwerke der Gruppe“ in Europa, die sowohl von Polizei und Geheimdiensten praktisch in Ruhe gelassen werden und den Behörden wenig Möglichkeiten gibt zu wissen, wohin die Gelder tatsächlich gehen. Die Ergebnisse sind offensichtlich und öffentlich gewesen. Der Artikel der Times vermerkt z.B., dass mehr als 1.000 Personen am „Jerusalemtag“ im August 2012 marschierten, „ein Protest gegen die israelische Kontrolle dieser Stadt“, darunter viele offene Unterstützer der Hisbollah. In Amerika würde eine Terrorgruppe, die  Hunderte Unterstützer auf die Straße bringt, ein paar Alarmglocken läuten lassen. Doch die europäischen Behörden verbuchten wenig Sorge, wenn überhaupt. Im Real-Life-Fantasiegemüt der selbstgefälligen Europäer wandelte sich die Hisbollah in einfach eine weitere Aktivisten-Organisation auf einem Kontinent, der mit solchen Gruppen übersät ist.

Die sich herausbildende Legitimität des Stellvertreters des Iran metastasierte sogar ins politische Establishment Europas. Eine Konferenz in Beirut im Februar 2004 zum Beispiel wurde gemeinsam von der Hisbollah und der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) organisiert und finanziert; die FES ist ein wichtiger Think Tank der damals in Deutschland regierenden Sozialdemokraten. Man nannte die Konferenz „Internationale Konferenz zur islamischen Welt und Europa in Beirut: Von Dialog zu Verständnis“. NGO-Monitor aus Jerusalem berichtet: „An der Konferenz wirkten Sprecher der Hisbollah und der Hamas mit und zur Tagesordnung gehörte ein Punkt zu ‚Besatzung und Widerstand‘“ – eine ausgelutschte Umschreibung für Gewalt und Mord an Unschuldigen, begangen von Terroristen.

Bill Rammell, ein offizieller Vertreter des britischen Außenministeriums, fasste die allgemeine europäische Sichtweise zur Hisbollah 2009 so zusammen: „Wir werden zusehen weiter zu diskutieren und unser vorrangiges Ziel innerhalb diese wird es sein die Hisbollah zu drängen eine konstruktivere Rolle zu spielen, sich insbesondere von der Gewalt wegzubewegen.“ Europa hat sich, kurz gesagt, selbst überzeugt, dass ihre Umarmung der Hisbollah am Ende eine gute Sache ist und irgendwann helfen wird aus ihr eine friedfertigere Organisation zu machen.

Infolge einer Kombination aus Angst, Wunschdenken und fehlgeleiteten politischen Realismus hat Europa eine Sicht der Hisbollah entwickelt, die zur Rechtfertigung seines Nichtstuns geschaffen ist. Einfach gesagt ist Europas rosafarbene Sicht der Terrororganisation zum Wächter des Status quo geworden. Die einsame Ausnahme dazu sind die Niederlande, die die Hisbollah 2004 als Terrorgruppe klassifizierte.

Der Hisbollah-Mythos blieb noch bis Juli letzten Jahres intakt. Doch das Bild könne sich jetzt ändern, hauptsächlich weil die Hisbollah ihren stillschweigenden Deal mit Europa aufgekündigt zu haben scheint, indem sie Terroranschläge auf dem Kontinent wieder aufnahm. Insbesondere der Bombenanschlag auf einen israelischen Touristenbus in der bulgarischen Ferienstadt Burgas scheint für einige führende Europäer als Schock gekommen zu sein. Der Anschlag, bei dem fünf Israelis und ihr bulgarischer Busfahrer getötet und 32 weitere Personen verletzt wurden, wurde von Geheimdienstquellen der USA und Israels rasch und glaubwürdig einer gemeinsamen Aktion des Iran und der Hisbollah zugeschrieben.

Europäische Führungspolitiker verarbeiteten diese Gräueltat allerdings nur langsam. Viele hielten am Mythos der Hisbollah als einer Art Sozialdienst fst, die lose den weit entfernten Militanten angehört. Erato Kozakou-Marcoullis z.B., damals Außenministerin von Zypern, das zu der Zeit die rotierende EU-Präsidentschaft inne hatte, sagte: „Die libanesische Hisbollah ist eine Organisation, die aus einer politischen Partei und einem Netzwerk von sozialen Diensten besteht.“ Gleichzeitig fügte sie aber an: „Sollte es handfeste Beweise dafür geben, dass die Hisbollah Terrorakte betreibt, würde die EU darüber nachdenken die Organisation auf die Liste zu setzen.“

Solche Beweise tauchten bald darauf ausgerechnet aus dem Land dieser Ministerin auf. Neun Monate nach dem Anschlag von Burgas verurteilte ein zypriotisches Gericht Hossam Taleb Yaacoub wegen der Planung eines weiteren Terroranschlags auf israelische Touristen im Auftrag der Hisbollah. Der Inhaber der schwedischen sowie libanesischen Staatsbürgerschaft gestand sowohl Mitglied der Organisation zu sein als auch „Informationen über die Juden zu sammeln. Das macht meine Organisation überall auf der Welt.“

Weitere Beweise türmten sich zu Hisbollah-Operationen in Europa. Bulgariens damaliger Innenminister Tsvetan Tsvetanov bestätigte im Februar, dass zwei der der verdächtigten Burgas-Bomber „Mitglieder des militanten Flügels der Hisbollah waren“. Ermittler, fügte er an, hatten außerdem Informationen aufgedeckt, „die die Finanzierung und die Verbindung zwischen der Hisbollah und den zwei Verdächtigen zeigen“. Im Januar 2013 deutete ein Bericht des Washington Institute for Near East Policy mit dem Titel „Hezbollah and the Qods Force in Iran’s Shadow War with the West“ (Hisbollah und die Quds-Kräfte in Irans Schattenkrieg mit dem Westen) an, dass „innerhalb weniger Tage nach der Explosion in Burgas – während sich die Ermittlungen zum Bombenanschlag und die Suche nach Komplizen auf ihrem Höhepunkt befanden – von den bulgarischen Behörden berichtet wurde, sie hätten einen Agenten der Quds-Kräfte ertappt, der eine Synagoge in der Hauptstadt des Landes auskundschaftete“. Die Verletzbarkeit Osteuropas als leichtes Einfalltor für Agenten der Hisbollah und des iranischen Regimes wurde weiter hervorgehoben, als eine gut platzierte Quelle in Sofia mir Anfang April erzählte, dass ein iranischer Agent das jüdische Chabad-Zentrum in der bulgarischen Hauptstadt observierte.

Die vielleicht wichtigste Entwicklung sind jedoch nicht Beweise für die Terroraktivitäten der Hisbollah gewesen, sondern der dramatische Anstieg des öffentlichen Interesses aus Washington. Während seines Besuchs in Israel im März sagte Präsident Barack Obama in Jerusalem einem Publikum aus Studenten: „Jedes Land, das Gerechtigkeit wertschätzt, sollte die Hisbollah als das benennen, was sie wahrlich ist: eine Terror-Organisation.“

Daher ist die Frage: Wie viel länger wird Europa seine Seite des Teufelspaktes mit der Hisbollah aufrecht erhalten?

Es hat einige Zeichen gegeben, dass praktisches Handeln gegen die Hisbollah kommen könnte. Ein Sprecher des deutschen Innenministers Hans-Peter Friedrich sagte mir Mitte April, dass Deutschlands Entscheidung die Hisbollah zu verbieten von den Beweisen abhängig sein würde, die in den Verfahren in Bulgarien und Zypern gesammelt würden. Frankreich und Deutschland, die einflussreichsten EU-Länder, haben weitere Anzeichen gegeben, dass sie zumindest bereit sind den „militärischen Flügel“ der Hisbollah auf die EU-Terrorliste zu setzen, wenn schon nicht die Organisation als Ganzes. Großbritannien hat das bereits getan; Außenminister William Hague drängt die EU dem Beispiel zu folgen.

Eine solche Kompromiss-Kennzeichnung ist für Frankreich und Deutschland zweifelsfrei verlockend, doch es wäre weitgehend bedeutungslos. Zwar ein Schritt in die richtige Richtung, würde es den politischen und finanziellen Operationen der Hisbollah in Europa gestatten weiterzumachen, womit der Status quo praktisch erhalten würde. Genau aus diesem Grund haben die Regierungen von Israel, Kanada, den USA und den Niederlanden jeden Schritt der EU abgelehnt, der anstrebt eine Unterscheidung zwischen den militanten, finanziellen und politischen Aktivitäten der Gruppe zu machen. Und während Deutschlands Regierung bezüglich ihrer Haltung zur Hisbollah vage bleibt, hat ein Parlamentarier wiederholt ein komplettes Verbot gefordert.

Philipp Missfelder, Bundestagsabgeordneter und außenpolitischer Sprecher der Christlich-Demokratischen Union der deutschen Kanzlerin Angela Merkel lehnt den Kompromiss, nur den militärischen Flügel der Hisbollah auf die Liste zu setzen, ab. „Die Europäische Union muss jetzt handeln und ihre Instrumente zur Klassifizierung der Hisbollah als Terrororganisation nutzen“, erklärte Missfelder; er hat auch vorgeschlagen, dass Deutschland einseitige Schritte nach dem Vorbild der Niederländer unternimmt und die Trennung zwischen verschiedenen Flügeln der Organisation ablehnt.

Die Hisbollah selbst räumt beide Punkte ein. Entsprechend formulierte es ihr stellvertretender Führer Naim Qassem: „Einen militärischen und einen politischen Flügel haben wird nicht.“ 2009 sagte der der Los Angeles Times: „Dieselbe Führung, die die parlamentarische und Regierungsarbeit leitet, führte auch die Jihad-Aktionen im Kampf gegen Israel.“ Und ihre Führer bestätigen, dass ein europäischer Schritt gegen sie der Organisation schweren Schaden zufügen würde. So wird in dem Artikel der New York Times oben berichtet, dass selbst der Führer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, sagte, ein solcher Schritt würde

die Finanzquellen austrocknen, die moralische, politische und materielle Unterstützung beenden, Stimmen abwürgen, seien sie die Stimmen des Widerstands oder die Stimmen der Unterstützung des Widerstands; er würde Druck auf Staaten ausüben, die den Widerstand auf die eine oder andere Weise schützen und Druck auf den libanesischen Staat, den Iran und den Irak, besonders aber den libanesischen Staat ausüben, um ihn als Staat zu einzustufen, der Terrorismus unterstützt.

Doch trotz der offensichtlichen Vorteile die terroristische Natur der Hisbollah anzuerkennen und der fortgesetzten Komplizenschaft an der Todesmaschine, die in Syrien am Werk ist, sind die EU-Führer immer noch wenig begeistert, wenn es um die Aussicht geht, gegen die Gruppe vorzugehen. Stellt sich die Frage: Warum?

Der offensichtlichste Grund ist Angst. Einfach gesagt: Dass die Hisbollah Terrorismus einsetzt, ist bemerkenswert erfolgreich dabei gewesen den EU-Regierungen Angst einzujagen. Sie haben große Angst davor Vergeltung gegen europäische Ziele zu provozieren. Europäische Offizielle sind dazu recht offen. Letzten November zum Beispiel sagte Frankreichs Botschafter in Israel, Christophe Bigot, dass die Hisbollah auf die schwarze Liste zu setzen Hunderte französischer Soldaten gefährden würde, die als UNO-Friedensschützer im südlichen Libanon stehen. Österreich hat ähnliche Sorgen bezüglich der eigenen Truppen zum Ausdruck gebracht. Deutschlands Inlandsgeheimdienst (der Verfassungsschutz) hat 950 Hisbollah-Mitglieder innerhalb der Staatsgrenzen dokumentiert, von denen viele aktiviert werden könnten, sollte die Hisbollah sich entscheiden an deutschen Zielen Vergeltung zu üben. Obwohl solche Befürchtungen nicht völlig irrational sind, sollten festgehalten werden, dass die Niederländer, die Amerikaner und die Kanadier trotz der Listung der Hisbollah als Ganzem noch keine gewalttätige Vergeltungsakte erleben mussten.

Zu großen Druck auf den Libanon auszuüben ist eine weitere wichtige Rechtfertigung vieler europäischer Regierungen, die geltend machen, die Hisbollah zu einem politischen und diplomatischen Paria zu machen destabilisiere den zerbrechlichen Staat. Gilles de Kerchove, der Terrorbekämpfungs-Koordinator der EU, sagt z.B.: „Zur Hisbollah könnte man angesichts der Lage im Libanon, der ein höchst fragiles, höchst zersplittertes Land ist, fragen, ob sie auf die Liste zu setzen überhaupt helfen wird zu erreichen, was Sie erreichen wollen.“

Der Libanon ist sicher ein ungemein instabiles Land, doch man kann argumentieren, dass die Hisbollah einer der wichtigen Faktoren ist, die zu dieser Instabilität beitragen. Tony Bradan, Research Fellow bei der Foundation for Defense and Democracies, fasst das Thema zugespitzt zusammen:

Sich eine scheinbar so selbstlose Haltung zu eigen zu machen ist ziemlich bequem. Es gewährt den Europäern den Anschein einer umsichtigen Urteilsfähigkeit, was sie in die Lage versetzt die Sache komplett zu umgehen, ohne Rücksicht auf die Belege. In Wirklichkeit hat die Hisbollah das Land und seine Bürger in praktisch jeder Hinsicht unterwandert. Lässt man sie unbehelligt, untergräbt die Hisbollah nicht nur die Sicherheit, die Institutionen und das politische System des Libanon, sondern ist auch dabei seine Auslandsbeziehungen zu kompromittieren, sein Finanzsystem zu ruinieren und zu zerstören, was immer von seinem gesellschaftlichen Zusammenhalt übrig ist.

Badran vermerkt mehrere Gründe dafür. Zuerst einmal wird die Hisbollah wegen dem Mord am ehemaligen Premierminister Rafiq Hariri durch eine Autobombe im Jahr 2005 beschuldigt und „vier ihrer Kommandeure und Agenten sind als Verdächtige benannt worden“. Die Hisbollah wird verdächtigt Hariri im Auftrag des syrischen Geheimdienstes verdächtigt. Sie ist auch stark in den syrischen Bürgerkrieg involviert – wo sie für das herrschende Regime Assad kämpft – und droht diesen Konflikt in den Libanon hinein auszubreiten. Religiös motivierte Gewalt ist im Libanon infolge des Krieges bereits im Anstieg begriffen. Es gibt außerdem starke Belege dafür, dass die Organisation einen weiteren Krieg mit Israel vorbereite. Seit ihr letzter Konflikt mit dem jüdischen Staat 2006 endete deuten konservative Schätzungen an, dass die Hisbollah rund 60.000 Raketen auf Nordisrael ausgerichtet hat. Wenig könnte die libanesische Stabilität mehr bedrohen als ein weiterer unnötiger Krieg mit Israel.

Europas stillschweigendes Abkommen mit der Hisbollah hätte irgendwann einmal Sinn machen können, wenn auch nur auf der machiavellistischsten, pragmatischsten Ebene. Doch heute ist nur schwer zu erkennen, welchen möglichen Nutzen die EU daraus zieht. Sie hat die Hisbollah nicht davon abgehalten den Terror auf dem Kontinent wieder aufzunehmen. Sie hat Europas moralisches und politisches Ansehen in der Welt untergraben. Das ist für die Hisbollah von großem wirtschaftlichen Nutzen gewesen, zum Nachteil von Europas Strafrecht. Und es droht genau die Stabilität im Libanon und dem weiteren Nahen/Mittleren Osten zu untergraben, die Europa erhalten will.

Gleichzeitig stärkt das Versagen der EU zu handeln die Hisbollah genau in dem Moment, in dem die Organisation so anfällig ist wie noch nie. Die Hauptquelle der militärischen Unterstützung der Hisbollah ist der Iran. Der derzeitige Bürgerkrieg in Syrien, in dem die Hisbollah auf Seiten von Bashar Assad eingriff, droht die geografische Verbindung zwischen dem Iran und dem Libanon zu unterbrechen, was es der Hisbollah erschweren würde sich zu bewaffnen. Doch solange die Organisation weiterhin wirtschaftliche Unterstützung durch Spendensammlung und kriminelle Aktivitäten in der Europäischen Union erhält, wird die Organisation in der Lage sein ihre militärischen Fähigkeiten mit anderen Mitteln wiederherzustellen. Im Ergebnis wird die Hisbollah weiterhin israelische und europäische Bürger bedrohen, das mörderische syrische Regime verteidigen, die iranische Politik im Nahen Osten voranbringen und den Libanon als Geisel für ihre Forderungen halten.

Die Welt hat derzeit eine Gelegenheit der Hisbollah einen bedeutenden, vielleicht tödlichen Schlag zu versetzen, doch sie kann es nicht ohne europäische Hilfe tun. Der Terroranschlag in Bulgarien und der vereitelte Versuch in Zypern sollten alle Beweise sein, die die europäischen Führungspolitiker brauchen, um zu dem Schluss zu kommen, dass ihre Beziehung zur Hisbollah nicht länger in ihrem Interesse ist, wenn sie das denn je war. Der Teufel hat sein Wort bereits gebrochen. Wie lange wird es dauern – und welchen Preis wird die Welt zahlen müssen – bevor Europa handelt?

Muslimischer Antisemitismus in Belgien

6. Mai 2013 um 14:00 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost | 3 Kommentare
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Manfred Gerstenfeld interviewt Mark Elchardus (direkt vom Autor)

Es gibt einen großen Unterschied in den antisemitischen Einstellungen zwischen muslimischen und nicht muslimischen Schülern in Niederländisch sprechenden weiterführenden Schulen in Belgien. Rund 50% der muslimischen Schüler bringen antisemitische Haltungen zum Ausdruck, die anderen nur 10%. Diese Ergebnisse entstammen unserer Studie in Brüssel mit dem Titel „Jugendliche in Brüssel“ und aus anderen Studien die danach in Antwerpen und Gent durchgeführt wurden. Im Allgemeinen ist der Antisemitismus in Gent nicht ganz so stark ausgeprägt wie in Antwerpen und in Brüssel.

Die von uns studierten Jugendlichen waren allgemein im Alter von 12 bis 18 Jahren, weitere über 18 Jahre alt. Einige Studien gründeten auf der Altersgruppe der Zwölfjährigen. Andere, wie die Analyse des Antisemitismus, decken die Altersgruppe ab 14 Jahren ab. Überrascht stellten wir fest, dass die Präsenz muslimischer Schüler in den Schulen weit höher war als wir erwartet hatten. An den weiteführenden Schulen von Brüssel ist fast jeder zweite Schüler Muslim. Gewöhnlich wird die Zahl der Muslime unterschätzt, da sie – öfter als andere – bei Umfragen keine Antworten geben. Der Grund dafür sind schwächere Sprachkenntnisse und/oder ein insgesamt geringes gesellschaftliche Interesse in dieser Gemeinde.

Mark Elchardus

Mark Elchardus

Er merkt an: In unseren Umfragen wurde allen Jugendlichen dieselben Fragen gestellt. Wir erkundigten uns dabei nach 8 Typen antisemitischer Vorurteile, sowohl mit positiven Aussagen wie „Juden kann man vertrauen wie jedem anderen auch“ und negativen wie „Juden wollen alles beherrschen“.

Zwischen 26 und 36 Prozent der muslimischen Schüler stimmten den verschiedenen positiven Aussagen zu. Bei nicht muslimischen Schülern waren es zwischen 38 und 58 Prozent. Zwischen 37 und 51% der Muslime stimmten den verschiedenen negativen Aussagen zu. Für andere Schüler lag die Bandbreite zwischen 7 und 18 Prozent.

In der Studie zu Brüssel wurde auch die Verbindung zwischen Antisemitismus und allgemeiner Fremdenfeindlichkeit untersucht. Unter einheimischen niederländischen Schülern ist diese Korrelation recht schwach. Antisemitische Einstellungen unterscheiden sich daher von allgemeiner Fremdenfeindlichkeit. Wir stellten auch fest, dass unter diesen Schülern der Antisemitismus weit weniger verbreitet ist als Vorurteile oder negative Einstellungen gegenüber Muslimen.

Es ist schwierig die Korrelation zwischen allgemeiner Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus bei den Nachkommen nicht westlicher Einwanderer zu untersuchen. Sie sind zumeist Muslime. Fremdenfeindlichkeit wird gewöhnlich in Bezug auf Ausländer oder Einwanderer gemessen. Diese Analyse ist nur schwer auf nicht westliche Einwanderer anzuwenden, die sich in der belgischen Gesellschaft als Nachkommen von Einwanderern oder Ausländer betrachten.

Unsere Brüsseler Studie führte im flandrischen Parlament zu lebhaften Diskussionen. Das resultierte in der Forderung nach einer weiteren Studie in den beiden größten flämischen Städten, Antwerpen und Gent. Die Parlamentarier wollten auch, dass wir erkennen ließen, wie man die unerwünschten Ergebnisse durch Bildung bekämpfen könnte.

Aus der muslimischen Gemeinschaft erhielten wir extrem negative Reaktionen. Dasselbe galt für eine Reihe von Nichtmuslimen, die sich als „Verteidiger“ oder „Sprecher“ der muslimischen Gemeinden darstellen. Einige sagten sogar, ich sei ein Rassist. Eine Muslim-Organisation beschwerte sich über mich bei Zentrum für Chancengleichheit und die Bekämpfung von Rassismus. Diese Beschwerde wurde abgeschmettert. Aber der dortige Rechtsexperte brauchte mehr als einen Monat, um zu diesem Schluss zu kommen.

Muslimische Organisationen sollten eine wichtige Rolle bei der Integration der Muslime in die Gesellschaft spielen. Es ist bedauerlich, dass keine dieser Organisationen Antisemitismus oder die sehr negativen Einstellungen gegenüber Homosexuellen verurteilt, die wir in unseren Studien in Antwerpen und Gent feststellten. Auch kündigte keine von ihnen an, dass sie muslimischen Jugendlichen, die diese Vorurteile haben, informelle Bildung bieten wollen. Kurz gesagt: Muslimische Organisationen streiten entweder die Ergebnisse unserer Studien ab oder schweigen dazu.

Diese Leugnung wird immer auf dieselbe Art und Weise zum Ausdruck gebracht: „Muslime können keine Antisemiten sein, da Israels Verhalten alle muslimischen Einstellungen gegenüber Juden rechtfertigt.“ Nach der Veröffentlichung der zweiten Studie kam eine neue Form der Leugnung von Antisemitismus wie auch Hass gegen Homosexuelle auf. Es wurde die absurde Behauptung aufgestellt, dass die Ergebnisse der Studien falsch sind, denn wenn man mit Muslimen spricht, dann stellt man fest, dass sie keine Vorurteile haben und gut in die Gesellschaft integriert sind. Diese Leugnung der Wahrheit durch muslimische Leiter, die dafür verantwortlich sind beim Aufbau der Gesellschaft zu helfen, ist entmutigend und außerdem alarmierend.

Antisemitismus tritt bei Nichtmuslimen hauptsächlich in den sozial schwächeren Segmenten der Gesellschaft in Erscheinung. Doch Antisemitismus unter muslimischen Schülern ist keine Funktion sozialer und kultureller Faktoren wie dem Einkommen und der Bildung der Eltern oder des von den Jugendlichen besuchten Schultyps. Der einzig relevante Faktor ist muslimischer Traditionalismus. Zum Beispiel stimmen 12% der progressiven Muslime der Aussage zu: „Es ist am besten Juden zu meiden.“ Unter konservativen Muslimen steigt das auf 46% an. Es gibt allerdings wenige progressive Muslime. Auf acht von ihnen kommen 100 Konservative.

Wir verzeichneten keinen Unterschied zwischen muslimischem Antisemitismus und Antiisraelismus. Die Vorurteile zu diesen beiden waren dieselben. Das ist allerdings ein Thema, das weitere Untersuchungen verdient.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

John Baird: Die Europäische Union muss sich Kanada anschließen und die Hisbollah als Terrororganisation kennzeichnen

2. Mai 2013 um 14:26 | Veröffentlicht in Europa+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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John Baird, National Post, 11. April 2013

Nachdem ich die beiden vergangenen Wochend mit meinen Amtskollegen im weiteren Mittleren Osten verbracht habe, glaube ich, dass es an der Zeit ist, dass die Europäische Union Kanada anschließt und die Hisbollah als Terrororganisation kennzeichnet.

Seit sie ihr übles Haut 1982 erhob, ist die Hisbollah zu einer der technisch fortschrittlichsten Terrorgruppen der Welt geworden. Sie ist eine massiven Bedrohung der Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten und darüber hinaus geworden. Während die Hisbollah sich hinter ihren Sozialprogrammen versteckt, bleibt sie im Herzen und ihren Taten nach eine Terrororganisation.

Die Hisbollah ist für die abscheulichsten Terroranschläge des libanesischen Bürgerkriegs verantwortlich. Sie tötete mit den Selbstmord-Bombenanschlägen von 1983 auf die Kasernen der USA und Frankreichs in Beirut mehr als 300 Soldaten und Zivilisten. 1985 entführte sie die TWA-Flug 847, wobei sie einen US-Soldaten tötete und auf den Asphalt warfen und dann die anderen Passagiere zwei Wochen lang als Geiseln hielten. 2011 verurteilte das Sondertribunal für den Libanon Mitglieder der Hisbollah wegen ihrer Beteiligung an der Ermordung des libanesischen Premierministers Rafik Hariri.

Und wenn auch die Europäische Union die Hisbollah noch nicht als Terrororganisation gekennzeichnet hat, das das sie nicht davon abgehalten den Europäern Terror zuzufügen. Es gibt starke Hinweise dafür, dass die Hisbollah hinter dem Bombenanschlag auf einen Touristenbus in Burgas (Bulgarien) im Juli 2012 steckt, bei dem ein Bulgare und fünf Israelis getötet wurden. Außerdem ist ein Hisbollah-Agent schuldig gesprochen worden einen ähnlichen Anschlag auf israelische Touristen in Zypern geplant zu haben.

Das sind nicht unsere Freunde.

Inzwischen hilft die Hisbollah dem Regime Assad in Syrien bei seinem blutigen Krieg gegen das eigene Volk, indem sie dem Regime und seinem Milizen Training, Rat und logistische Unterstützung bietet. Fast 70.000 Menschen sind in Syrien gestorben und der Konflikt dort bedroht die Stabilität der gesamten Region. Die Hisbollah ist unbestreitbar – sogar stolz – an diesem Gemetzel beteiligt, was eine völlige Missachtung menschlichen Lebens spiegelt.

Traurigerweise ist das kein isolierter Vorfall; es ist Kennzeichen der Organisation und ihrer Aktivitäten. Vom Iran und Syrien unterstützt haben ihre Führer zur Vernichtung des Staates Israel aufgerufen.

Eine Terror-Kennzeichnung ist mehr als ein Etikett: Sie kriminalisiert die Finanzierung der Gruppe. Dier Zweck ist ihr ihre Ressourcen zu auszutrocknen, die sie für die Planung und Durchführung ihrer Aktivitäten nutzen. Darüber hinaus schickt es eine starke politische Botschaft, dass die internationale Gemeinschaft in ihrer Ablehnung der Terroraktivitäten einig ist.

Kanada kennzeichnete die Hisbollah 2002 als Terrororganisation; die Niederlande 2004; und Großbritannien kennzeichnete den militärischen Arm der Hisbollah 2008. Auch andere haben die Hisbollah auf ihre Terrorliste gesetzten, darunter die USA und Australien. Es ist an der Zeit, dass die EU sich zu ihren Verbündeten stellt und die Hisbollah als das kennzeichnet, was sie ist – und damit die Welt daran erinnert, dass Terrorismus nicht toleriert wird, weder Zuhause noch im Ausland.

John Baird ist Kanadas Minister für auswärtige Angelegenheiten.

Zyperns Außenminister: Wir können Hisbollah nicht als Terrorgruppe bezeichnen

25. April 2013 um 14:36 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost | 2 Kommentare
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Raphael Ahrens, The Times of Israel, 10. April 2013

Außenminister auf Besuch bestätigt: Verbindungen zu Israel bleiben trotz der Entspannung zwischen Jerusalem und Ankara fest, ist vorsichtig: Die Türkei nimmt, aber ohne Gegenleistung

Zypern führte seine Freundschaft mit dem Libanon an und sagte, es sei nicht bereit die Hisbollah einseitig zur Terrororganisation zu erklären, trotz der Tatsache, dass ein Gericht in Limassol ein Mitglied der schiitischen Gruppe wegen seiner Rolle bei der Planung Israelis zu töten vor zwei Wochen ins Gefängnis schickte.

Zypern wird jedoch eine Kennzeichnung nicht blockieren, wenn die Europäische Union (bei der sie Mitglied ist) internationalen Forderungen zustimmt, die Gruppe zur Terrororganisation zu erklären, sagt der zypriotische Außenminister Ioannis Kasoulides der Times of Israel am Dienstag in Jerusalem.

In einem weitreichenden Exklusivinterview diskutierte der Außenminister auch die zukünftige Stabilität der bilateralen Beziehungen, besonders angesichts der jüngsten Annäherung zwischen Jerusalem und Ankara und der zypriotisch-türkischen Feindschaft. Die Türkei fiel 1974 auf Zypern ein und besetzte die Hälfte der Insel, wo sie den nicht anerkannten Staat Nordzypern gründete.

„Die EU muss eine kollektive Entscheidung [bezüglich der Erklärung der Hisbollah zur Terrororganisation] finden, der alle zustimmen müssen“, sagte Kasoulides. Gewisse einzelne Mitgliedsstaaten haben zur Hisbollah eine einseitige Entscheidung getroffen. Ich denke, dass jeder anerkennen muss, dass Zypern als sehr kleines Land und sehr nahe am Gebiet, nicht in der Lage ist eine einseitige Entscheidung zu treffen. Doch es gibt Kollektiventscheidungen der EU, die wir befolgen werden.“

Israel, die USA, Großbritannien und andere Staaten, einschließlich Ägyptens und Bahrains, haben die schiitische Gruppe ihrer Listen der Terrororganisationen hinzugefügt, doch die EU hat sich bisher geweigert das zu tun. Die Hisbollah offiziell zur Terrorgruppe zu erklären würde ihre Operationsfähigkeit erheblich erschweren. Das zu tun verlangt aber auch Einstimmigkeit der 27 EU-Mitgliedsstaaten, die bisher nicht erreicht wurde – hauptsächlich wegen Einwände.

Seit aber eine bulgarische polizeiliche Ermittlung Anfang diesen Jahres die Hisbollah für den Terroranschlag von Burgas verantwortlich machte, bei dem am 18. Juli 2012 fünf Israelis und ein Bulgare getötet wurden, sind die Rufe lauter geworden, dass die Union ihre Haltung überdenken soll. Solche Forderungen intensivierten sich weiter, nachdem ein zypriotisches Gericht den Hisbollah-Agenten Taleb Yaacoub wegen an einem Komplott zum Angriff auf israelische Touristen in dem Mittelmeerland überführte und zu vier Jahren Gefängnis verurteilte.

Yaacoub, der einen libanesischen wie auch schwedischen Pass besitzt, wurde im Sommer 2012 unter dem Verdacht festgenommen, einen Terroranschlag auf israelische Besucher zu planen. Während des Verfahrens gestand er seine Mitgliedschaft bei der Hisbollah ein und gab zu Gegenden observiert zu haben, die häufig von Israelis besucht werden, behauptete aber, er habe nicht gewusst, dass seine Arbeit Teil eines Plans war sie zu töten. Seine Verbrechen „gefährdeten potenziell die Sicherheit israelischer Bürger wie auch Ziele auf dem Territorium der Republik Zypern“, erklärten die Richter.

„Die Entscheidung des zypriotischen Gerichts“, erklärte das israelische Außenministerium nach der Verkündung des Urteils in Limassol. „ schafft zusammen mit den Ergebnissen der bulgarischen Ermittlung des Anschlags von Burgas ein klares Bild der Infiltration der Hisbollah in die Staaten der Europäischen Union in einem Versuch Terroranschläge gegen israelische Ziele auf europäischem Boden auszuführen.“ Jerusalem wiederholte seine Forderung an die EU die Gruppe zur Terrororganisation zu erklären; Diplomaten aus mehreren Mitgliedsstaaten sagten, die Befunde in Zypern und Bulgarien verstärkten die Wahrscheinlichkeit, dass das geschieht.

Kasoulides sagte am Dienstag zu „mit dem Konsens zu gehen, wenn es einen gibt“, lehnte es aber resolut ab eine einseitige Erklärung im Namen seiner Regierung abzugeben. Während Großbritannien und die Niederlande wegen des Fehlens einer einstimmigen Entscheidung der EU diesen Schritt gegangen sind, „sind dies zwei große Länder und weit weg“, argumentierte er.

Als Hauptgrund für Nicosias Weigerung die Hisbollah auf die schwarze Liste zu setzen führte Kasoulides die engen Beziehungen seines Landes zum Libanon an. „Bei mehreren Gelegenheiten, als es Bürgerkrieg oder andere Arten von Krieg im Libanon gab, beherbergten wir viele Libanesen in Zypern“, sagte er. „Was immer auch passiert – Überlegungen zu Recht und Gesetz oder was auch immer – wir müssen unsere Freundschaft mit diesem Land bewahren. Denn wir sympathisieren mit ihnen und die Tatsache, dass sie so oft die Opfer von fremden Konflikten gewesen sind, hat nichts mit ihnen zu tun. Wir müssen auch das im Kopf behalten.“

Die Tatsache allein, dass ein zypriotisches Gericht einen Hisbollah-Agenten wegen der Vorbereitung eines Terroranschlags verurteilte, reicht nicht aus um die Gruppe zur Terroreinheit zu erklären, argumentiert Kasoulides. „Es gab eine nicht zu leugnende Tatsache, die auf dem Gebiet der Republik Zypern stattfand, entschieden vom Justizsystem Zyperns. Doch es ist offensichtlich, dass es nur ein Einzelvorkommnis war – das ist der einzige Beweis, den wir haben.“

Die EU wird zusätzliche Informationen über weitere mutmaßliche Hisbollah-Aktivität sammeln und irgendwann zu einer Entscheidung kommen, fügte er hinzu. „Es ist für die EU viel einfacher solche eine Entscheidung zu treffen, anders als eine individuelle Entscheidung durch Zypern aufgrund des einen Ereignisses, das auf seinem Territorium stattgefunden hat.“

Zypern hat bereits „eine Menge in dieser Sache unternommen“, fügte er hinzu. „Der nächste Schritt liegt bei Brüssel, nicht bei Zypern.“

Kasoulides, der Anfang des Jahres in Zyperns neuer Mitte-Rechts-Regierung zum Außenminister ernannt wurde, nachdem er bereits von 1997 bis 2003 in dieser Position diente, besuchte Israel Dienstag zusammen mit Giorgos Lakkotrypis, dem Minister für Energie, Handel, Industrie und Tourismus. Der Besuch machte in Israel Schlagzeilen, weil Premierminister Benjamin Netanyahu sein Treffen mit den zypriotischen Würdenträgern aufgrund seiner Gespräche mit US-Außenminister John Kerry absagte, der zur gleichen Zeit in Jerusalem war. Den zypriotischen Minister wurde zunächst als Ersatz ein Treffen mit Yuval Steinitz angeboten, dem Minister für Internationale Beziehungen, doch Kasoulides und Lakkotrypis lehnten ab. Das Büro des Premierministers verschob das Treffen schließlich und ein Treffen mit Netanyahu wurde später am Dienstag abgehalten.

Während PMO-Beamte Mittwoch sagten, das Treffen sei „gut“ gewesen, ohne Details über seinen Inhalt preiszugeben, nannten die israelischen Medien es einen „diplomatischen Vorfall“; sie vermerkten dass die bilateralen Beziehungen derzeit extrem empfindlich sind, besonders seit Jerusalems jüngster Entspannung mit Ankara und dem neuen Licht, das auf die regionale Energie-Kooperation schienen könnte.

Doch Kasoulides, der vor dem Treffen mit dem Premierminister mit der Times of Israel sprach, sagte, Nicosias Freundschaft mit Israel sei garantiert, unabhängig von Jerusalems Beziehungen zu anderen Ländern. „Trotz der Differenzen, die wir mit der Türkei haben – und wir haben viele, außerdem gibt es mangelndes Vertrauen von Zypern gegenüber der Türkei und umgekehrt – haben wir nie die Beziehungen der Türkei zu anderen Ländern und in diesem Fall Israel als Nullsummenspielt bezüglich Zypern betrachtet, sagte er. „Wir sind nicht in dieser Art von Feindseligkeit oder Wettbewerb. In dieser modernen Welt gilt die Haltung, der Freund seines Feindes ist nicht dein Freund nicht mehr.“

Die zypriotische Regierung schätzt es „sehr“, dass Netanyahu Präsident Nicos Anastasiades sofort nach der Entschuldigung beim türkischen Ministerpräsidentn Recep Tayyip Erdoğan wegen des Vorfalls mit der Gaza-Flottille 2010 anrief, dessen Zusammenstößen zwischen propalästinensischen Aktivisten und IDF-Soldaten auf dem Schiff Mavi Marmara neun tote türkische Staatsbürger zum Ergebnis hatten. Am 22. März entschuldigte sich Netanyahu für „operationelle Fehler“ und sicherte den Familien der Getöteten Entschädigung zu. Im Gegenzug stimmte Erdoğan zu die vollen diplomatischen Beziehungen zu Israel wieder aufzunehmen.

Doch seitdem hat Ankara alles in die Länge gezogen und die erhofften Schritte zur Normalisierung der Beziehungen nicht unternommen, was israelische Analysten dazu brachte Netanyahus Schritt als schweren Fehler zu werten. Während Kasoulides es ablehnte seine Meinung dazu abzugeben, ob die Entschuldigung ein guter oder ein schlechter Schritt war, drückte er Skepsis bezüglich der wahren Absichten der türkischen Regierung aus. „Die Mavi Marmara-Frage ist zwischen Israel und der Türkei gelöst worden; wie die erklärte Politik der Türkei aussieht, den Versuch zu unternehmen eine Art Führer der muslimischen Welt zu spielen, das ist eine ganz andere Sache und da muss abgewartet werden“, sagte er in Bezug auf das mutmaßliche Streben des türkischen Führers nach regionaler Hegemonie. Es fällt z.B. schwer zu glauben, dass die Beziehungen „sich ein paar Tage, nachdem Premierminister Erdoğan Zionismus mit Faschismus gleich setzte, so dramatisch verbessern können. Doch es steht mir nicht zu diese Art von Konflikt zwischen Israel und der Türkei zu schüren“, sagte Kasoulides.

Zypern weiß aus Erfahrung, dass „die Türkei immer die Gewohnheit an den Tag legt zu nehmen, aber nicht in der Lage ist sich dafür erkenntlich zu zeigen“, fügte er hinzu. „Das geschieht im Fall der Beziehungen zwischen Zypern und der Türkei, daher kann ich nicht sagen, wie sich die Dinge zwischen der Türkei und Israel entwickeln werden. Es ist gut vorsichtig zu sein und abzuwarten.“

Türkisch-israelische Entspannung – für die Energie spielentscheidend?

Analysten regionaler Energiepolitik haben außerdem betont, dass eine israelisch-türkische Aussöhnung das Spiel verändern könnte, da Jerusalem sich entscheiden könnte sich lieber mit Ankara als mit Nicosia zusammenzutun, um das Erdgas des Landes zu exportieren. „Es ist möglich, dass die erwartete Wiederannäherung der Türkei und Israels im Energiesektor eine Zusammenarbeit folgen wird“, sagte der türkische Energieminister Taner Yıldız diese Woche.

Kasoulides sagte, Zypern sei sehr an einer Energie-Partnerschaft mit Israel interessiert – das war sogar der Hauptgrund für seinen Besuch, sagte er – doch er räumte ein, dass sein Land kein Recht hat ein Monopol auf eine solche Zusammenarbeit zu beanspruchen.

Netanyahu sagte im März in seinem Telefonanruf bei Präsident Anastasiades, die Entspannung mit der Türkei „würde keineswegs die Beziehungen zwischen Israel und Zypern beeinflussen, insbesondere nicht die Beziehungen im Energiesektor“, sagte Kasoulides. „Das war der Inhalt des Gesprächs, das war der Zweck des Gesprächs.“

Das Büro des Premierministers bestätigte, dass Netanyahu Anastasiades anrief und versicherte „weiterhin die bilateralen Beziehungen auszuweiten“, lehnte es aber ab weitere Details zum Gespräch zur Verfügung zu stellen.

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