Friedens(b)engel – Kritik unerwünscht
9. November 2009 at 8:47 | In Christen+Kirchen, Deutschland, Europa+Nahost, Geistesgrößen | 1 CommentTags: Friedenshetzer
In Metzingen wirbt die Kirchengemeinde um Pfarrer Metzger für die „29. Friedenswoche 2009“. Der Eröffnungsabend ist gelaufen, hierfür wurden „Begegnungen“ und ein „kulturelles Programm“ angekündigt (Anführungszeichen, weil aus dem Programm übernommen, keine Hintergedanken):
- Afrik. Tanzgruppe und Workshopangebot
- Arabische Tänze
- Lesungen
- Griech. Volkstanzgruppe
- Cafe International und Weltladen sorgen für leckeres Essen und Getränke.
- Infostände verschiedener Initiativen.
Auch der Punkt „Workshop Konfliktprävention durch Stockkampfkunst“ ist vorbei. Am 14. November geht es weiter:
- Vortrag des Oberbürgermeisters der Stadt Jena Dr. Albrecht Schröter zum Thema: „Mauern überwinden – damals und heute“. (Die Stadt Jena baut gerade auf seine Initiative hin eine Städtepartnerschaft zur palästinensischen Stadt Beit Jala auf.)
- Ökumenischer Bittgottesdienst mit Hannelore Shihadeh, schwäbisch/arabische Pfarrfrau aus Beit Jala.
- Vortrag von Hannelore Shihadeh, Abrahamsherberge Beit Jala / Mauern überwinden im Heiligen Land. (Hervorhebung der leidenden Lage Beit Jalas durch „die Mauer“)
- Themen-Film-Abend „Das Herz von Jenin“ (über einen palästinensischen Vater, der die Organe seines getöteten Sohnes für Transplantationen – auch für Israelis – zur Verfügung stellte, aber auch sehr kritisch gesehen werden muss. Die Angaben des Programms über den Tod des Jungen sind deutlich unvollständiger als nötig – zum Nachteil Israels.)
- Ein Vortrag „Wirtschaftsethik und Globalisierung im Zeichen der Krise“ durch einen Unternehmer, der u.a. auch in einem Verein für christlich-jüdische Begegnung aktiv ist
Im Vorfeld dieser Veranstaltungsgruppe erschienen in der Südwest-Presse zwei Texte: Der eine ein Interview mit Pfarrer Metzger, der andere eine mahnend-kritische Betrachtung der „Ökumenischen Friedensdekade“ in Metzingen. Beide stammen aus der Feder derselben Journalistin. Das Interview mit dem Pfarrer beginnt mit der Frage, was der Theologe an Israel stört. Der legt direkt los: Ihn stört nichts an Israel als solchem, aber… Und dann kommt die ganze üblich einseitige Litanei, was Israel den Palästinensern antut: Landnahme per Mauer auf Palästinensergebiet statt der international anerkannten Grenze von 1967, Siedlungen und Siedlerstraßen, Kontaktverbot mit Palästinensern für Israelis/die Grenze zu überqueren. Die Mauer schottet ab und verhindert, dass Menschen auf beiden Seiten sich wahrnehmen und näher kommen können. An der Grenze wurden schon zahlreiche Menschen erschossen (insofern also auch vergleichbar mit Berlin). Aber er ergreift nicht Partei für die Palästinenser, sondern „für alle Menschen, die leiden. Und ich glaube, dass die Palästinenser mehr leiden als die Israelis. Ich ergreife Partei für diejenigen Juden, Christen und Moslems, die sich bemühen, einander näher zu kommen und in friedlicher Koexistenz leben wollen.“ Oh, die Angst der Israelis vor Selbstmordattentätern kann er verstehen, „auch aus der Geschichte Israels, an der Deutschland seinen dunklen Anteil hat“. Aber er redet nicht über Selbstmordattentäter, denn: „Die politischen Argumente im Palästinakonflikt kennen wir doch sowieso alle.“ (Aha, hat also keinesfalls mit Religion zu tun.)
Die Journalistin Carola Eissler hatte in diesem Interview recht aggressive Fragen gestellt bzw. Positionen Metzgers und seiner Mitstreiter zugespitzt auf den Punkt gebracht, was der Pfarrer so nicht hinnehmen wollte. In ihrem Artikel „Ein umstrittener Einfluss“ über die Veranstaltungen der Ökumenischen Friedensdekade in Metzingen zeigt sie wohl auf, woher diese skeptische Haltung kommt. Hier zieht sie die Verbindungen zwischen der Veranstaltungsreihe und den übrigen Kontakten und Schwerpunkte des Pfarrers: die Abrahamsherberge in Beit Jala und deren Aktivitäten. Offiziell ist die Herberge Kontaktort für Friedens- und Begegnungsarbeit zwischen Palästinensern und Juden, zwischen Christen, Juden und Muslimen. Sie zeigt die engen persönlichen Verbindungen zwischen entscheidenden Protagonisten der Metzinger Veranstaltungen und Metzger sowie der Abrahamsherberge auf, die der Pfarrer so beschreibt: „Es bestehen eben Kontakte zu profilierten Leuten.“ Diese Beschreibung ist unehrlich, handelt es sich doch weitgehend um enge Freunde und Bekannte, die der Mann seit Studientagen kennt, sowie um Vereinskollegen der Abrahamsherberge (dem Metzger selbst auch sehr aktiv angehört). Sie beschreibt, dass die Friedensarbeit der Herberge mehr oder weniger einem Werbefeldzug für das Luxushotel gewichen ist, dass entscheidende Persönlichkeiten in zweifelhaftem Ruf stehen und/oder sich ein Profil anheften, das ihnen nicht gebührt. Und was die „eben bestehenden Kontakte“ angeht, so gehören zu diesen über die Vereins- und Studienkumpels hinaus bekannte Extremisten, die sich vor allem durch antiisraelische Tiraden und Hasspredigten auszeichnen.
Insgesamt kommt Eissler zu dem Schluss: „Die Veranstalter der Metzinger Friedenstage werden sich die Frage stellen müssen, ob es ihnen um objektive Informationspolitik geht oder schlicht um einseitige Verurteilung Israels.“ Sie stellt die ganze Veranstaltung in Frage, verurteilt sie aber (noch) nicht als Propaganda. Sie neigt aber der kritischen Darstellung zu, das ist klar, denn sie zeigt die Aspekte auf, die Pfarrer Metzger und seine Genossen eben nicht offenlegen.
Das sieht der Pastor natürlich ganz anders. Wer sich „Frieden“ auf die Fahnen geschrieben hat, lässt sich einseitige Parteinahme nicht vorwerfen, sondern gibt den Vorwurf, angereichert mit ein paar weiteren Vorwürfen, zurück. Er wirft der Journalistin vor,* sie habe „Informationsfetzen“ zusammengeklaubt und in Verbindung von „mangelnder Sachkenntnis, Spekulationen und Unwahrheiten zu rufmordartigen Unterstellungen verarbeitet“, mit anonymen Anschuldigungen gearbeitet (daher geht er davon aus, dass sie aus der Luft gegriffen sind); er beschwert sich, dass in einem Pressegespräch (also nicht dem Interview?) die Vorwürfe z.B. gegen Pfarrer Shihadeh formuliert wurden; aber er wunderte sich dabei, dass die Journalistin beim Interview allein auf den israelisch-palästinensischen Konflikt abzielte. Er behauptet, jeder Vorwurf wäre sofort widerlegbar gewesen. Metzger wehrt sich dagegen, dass seinem
Vereinskollegen Blickle (Unternehmer) Einseitigkeit gegen Israel vorgeworfen wird. Er schickt ein Foto mit, um den Vorwurf der aufwändigen Wasserspiele zu entkräften. Dann fasst er zusammen, was ihn „erschreckt“ und was sich „aufdrängt“: dass die Journalistin tendenziös und schlecht recherchiert und berichtet, fragt, wer Interesse daran hat die Abrahamsherberge und ihren Leiter „im Vorfeld der Friedenstage“ „in verleumderischer und aggressiver Weise schlecht zu machen“ und ob „das Gespräch zwischen Juden, Christen und Moslems durch ein altes Schema von einseitiger Schuldzuweisung und Polarisierung“ torpediert werden soll. Zum Schluss folgt eine Themenauflistung, die zeigen soll, wie marginal „die Mauer“ im heiligen Land bei der Veranstaltungsreihe sei – was angesichts der am Anfang dieses Textes dokumentierten Veranstaltungsankündigung mit ihren Rednern und deren Verbindungen reichlich unglaubwürdig ist.
Dass er Eissler Einseitigkeit und Verleumdung vorwirft, passt ins Bild derer, die Frieden brüllen und Kritik nicht zulassen. Offensichtlich hat Eissler mehr Quellen benutzt als Metzger & Co. Eine begründet anonym angeführte Aussage als „aus der Luft gegriffen“ zu bezeichnen, ist eine Unverschämtheit. Bis auf den Versuch mit dem Foto die „Wasserspiele“ zu widerlegen findet sich in der Stellungnahme Metzgers kein einziges Argument, das einen der Vorwürfe widerlegt. Stattdessen erfolgen Vorwürfe, die ihrerseits wiederum Rufmord nahe kommen. Dazu eine Ablenkung, was die Anschuldigungen der Einseitigkeit angeht – Karl-Hermann Bickle selbst wird mitnichten Einseitigkeit vorgeworfen, sondern dem Verein Abrahamsherberge und dem dortigen Pfarrer.
Wie berechtigt solche Vorwürfe sind, zeigt ein Brief des Pfr. Peter Keller vom 31.07.2006* an alle Mitglieder des Fördervereins Abrahamsherberge, in dem er – im März des Jahres erst wieder zum Vorsitzenden gewählt – seinen Rücktritt vom Vorsitz sowie seinen und seiner Frau Austritt aus dem Verein verkündet und begründet: „Ich beobachte nämlich seit geraumer Zeit, dass unserem Verein die Balance verloren gegangen ist.“ Der Basisarbeit, die für eine Versöhnung zwischen Palästinensern und Israel nötig ist und wie sie in der Gemeinde von Beit Jala praktiziert wurde, wurde Einhalt geboten, „so dass das inhaltliche Wirken des Vereins an seine Grenze kam. Demgegenüber wurde dem ‚Hotelbetrieb‘ der AH deutliche Priorität eingeräumt“, dem nun alles zu dienen und zuliefern muss. Vorrangige Aufgabe wurde das Sammeln von Hotelgästen. Weil Kellers Standpunkt im Vorstand nicht mehrheitsfähig ist, zieht er sich aus dem Verein zurück.
Könnte es sein, dass Frau Eissler diesen Brief auch kennt? Und weiter nachgehört hat, um zu wissen, wie sie den Förderverein, den Hotelbetrieb und den Pfarrer Shihadeh einzuschätzen hat? Davon kann man wohl ausgehen. Und wenn sie das getan hat, dann hat sie recherchiert, nicht einseitig, sondern in der richtigen Richtung, so wenig das Herrn Metzger gefällt.
Die Reaktionen Metzgers im Interview sowie in seiner „persönlichen Einschätzung“ von Eisslers Artikel sorgten dafür, dass sich Ulrich Sahm in die Diskussion einzuschalten versuchte. Er schrieb am 2. November eine E-Mail (die mich auf Umwegen erreichte):
Sehr geehrter Herr Pastor,
ich habe mit großem Interesse Ihr Interview gelesen.
Sie behaupten da:
„Die Sperranlagen verlaufen zum größten Teil nicht auf der international anerkannten Grenze von 1967.“
Seit wann und von wem ist die sogenannte grüne Linie als eine „international anerkannte Grenze“ bestimmt worden?
„Dazu kommen die Siedlungen und die Siedlerstraßen.“
Sie scheinen die Osloer Verträge zwischen der PLO und Israel nicht zu kennen. Über die Siedlungen muss noch verhandelt werden und die sogenannten „Siedlerstraßen“ wurden auf ausdrückliche Bitte von Jassir Arafat errichtet, damit die Israelis nicht mehr durch palästinensische Autonomiegebiete wie Bethlehem oder Ramallah fahren müssen, um zu den Siedlungen zu gelangen. Falls sie diese Straßen kritisieren, sollten Sie ihre Kritik in erster Linie gegen die PLO richten, nicht aber gegen Israel.
„Mich stört, dass der Staat Israel seinen eigenen Bürgern bei Strafe verbietet, die Grenze zu überqueren, um Kontakt zu Palästinensern zu haben.“
Ja, mich stört das auch, nur haben Sie mal geprüft warum und seit wann diese Weisung erfolgte?
Warum stört sie nicht die Ermordung jener Israelis, die beim Besuch in Tulkarem ermordet wurden, weil sie Hummus essen wollten, während ihre arabischen Begleiter laufen gelassen wurden, warum stört sie nicht die Ermordung des (jüdischen) Besitzers des Everest Hotels in Bet Jala, der trotz enger und freundschaftlicher Kontakte in Beth Jala ermordet wurde, warum stört Sie nicht die Ermordung eines jungen Israeli, der nach Ramallah gelockt wurde, per Internet Chat, und viele weitere Fälle. Solange die pal. Autonomiebehörde diese Morde nicht geahndet hat, um die Mörder als solche dingfest zu machen und zu verurteilen, können Sie es wirklich den israelischen Behörden verdenken, ihren eigenen Bürgern, zu ihrem eigenen Schutz, zu verbieten, jene Gebiete zu betreten, in denen Mord an Israelis und insbesondere an Juden als Heldentat und nicht als Verbrechen gilt?
„aber auch an den israelischen Sperranlagen wurden schon zahlreiche Menschen erschossen.“
Haben Sie dazu Angaben? Bitte erwähnen Sie jetzt nicht Fälle, in denen bewaffnete Palästinenser Anschläge auf Israelis an den Straßensperren verübt haben. Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Mensch erschossen wurde, weil er versuchte, die Sperranlagen zu überwinden.
„Ich ergreife nicht Partei für die Palästinenser, sondern für alle Menschen, die leiden.“
Sehr gut. Wann und wo haben Sie mal die israelischen Terroropfer besucht oder einen Kranz an jenen Stellen niedergelegt, wo einige der über tausend Israelis von Selbstmordattentätern in die Luft gesprengt worden sind? Oder ist das aus Ihrer Sicht kein „Leiden“?
„Darin steckt auch meine Arbeit für die Abrahams Herberge.“
Sie behaupten selber, dass Juden nicht in die Autonomiegebiete einreisen dürfen. Welche Friedensarbeit kann unter diesen Umständen diese Institution leisten?
„Aber nur durch Lebensperspektiven für die Menschen in Israel und Palästina kann man verhindern, dass junge Menschen ihr Leben als Selbstmordattentäter wegschmeißen.“
Richtig, nur wieso haben die Menschen seit dem Bau der Mauer offenbar mehr „Lebensperspektiven“ als vorher? Die Mauer wurde rein chronologisch errichtet, wegen und infolge der Selbstmordattentate und seitdem herrscht einigermaßen Ruhe.
„Deshalb spreche ich nicht über Selbstmordattentäter, sondern unterstütze Menschen in Israel und Palästina, die miteinander am Gemeinsamen anknüpfen und friedliches, gerechtes Zusammenleben von zwei Völkern im Heiligen Land gestalten wollen.“
Warum verschweigen Sie, oder reden nicht, über jene Vorfälle, die das friedliche und gerechte Zusammenleben seit 2000 ziemlich gründlich unmöglich gemacht haben? Weil es nicht in Ihr Konzept passt?
Mit Ihrer einseitigen Sicht und der entsprechenden Geschichtsklitterung schüren Sie nur den Konflikt, was einem Pastor, der angeblich Mitgefühl mit den Menschen (auf beiden Seiten) hat, nicht gut ansteht.
Dieser Kritik hat der Friedensjünger anscheinend nichts entgegenzusetzen. Eine Folgemail vom 4. November fragte Sahm erneut an, wobei er weitere Vorgänge anreißt, die für Friedenshetzer nicht ganz untypisch sind (s. meine Unterstreichung):
Sehr geehrter Herr Pastor Metzger,
vor einigen Tagen hatte ich Ihnen eine Email geschickt als Reaktion auf Ihr Interview bei der Südwestpresse.
Ich habe volles Verständnis, dass Sie dieser Tage sehr beschäftigt sind. Gleichwohl wäre ich dankbar, wenn die mir wenigstens eine Empfangsbestätigung schicken könnten.
Da Sie offenbar weiterhin politisch aktiv sind, und einer Ihrer Freunde offenbar bemüht ist, mit einem Brief an den Chefredakteur der Südwestpresse, die Meinungsfreiheit und die journalistische Freiheit in Deutschland zu beschränken, reagiere ich hier empfindlich und bin der Meinung, dass dies in den Medien möglichst breit bekannt werden sollte. Es wurde einer Journalistin unterstellt, „für die israelische Regierung zu arbeiten“, eine ungeheuerliche Behauptung über eine Kollegin, die noch nie in Israel war und gemäß eigenen Recherchen nur einen Bruchteil der „Wahrheiten“ über die Abrahams-Herberge aufgedeckt hat.
Ich hatte Ihnen lediglich eine sachliche Kritik auf einige Ihrer öffentlichen Behauptungen geschickt und im Wesentlichen um Beweise für Ihre (aus meiner Sicht völlig falschen) Behauptungen gebeten.
Es befremdet mich, dass Sie keine Antwort schicken.
Da die Abrahams Herberge in weiten Kreisen in Deutschland bekannt ist, haben Sie gewiss keine Einwände, wenn ich diesen Brief als Kopie noch an weitere interessierte Personen schicke, denen der Friedensdialog zwischen Israel und den Palästinensern sehr am Herzen liegt.
(Einige der interessierten Personen sind meine Quellen.)
Diesmal kam eine Antwort:
Sehr geehrter Herr Sahm!
Hiermit bestätige ich den Eingang Ihrer zwei E-Mails.
Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich z.Z. nicht mit Ihnen über Standpunkte austauschen kann, die schon seit Jahren in aller Ausführlichkeit genannt sind, auch in der Diskussion zwischen Ihnen und dem Förderverein Abrahams-Herberge.
Wir haben uns jetzt um die Klärung hier vor Ort zu kümmern.
Mit freundlichen Grüßen
K.P.Metzger
Er mag keine Zeit für eine Auseinandersetzung haben. Aber der Duktus dieses Schreibens zeigt: Er will auch nicht. Er hat anderes, wichtigeres zu tun. Als echter Friedens(b)engel verbittet er sich Kritik und will in Ruhe gelassen werden; sich so verhalten, wie er es anderen fälschlich vorwirft, aber dieses Verhalten nicht selbst vorgehalten bekommen. Auf konkrete Fakten, die ihn widerlegen, geht er praktisch nicht ein. Seine Einseitigkeit weist er empört zurück – doch sein Umfeld und seine Argumentationsmuster verraten ihn. Was ein friedliebender Israelfeind aber niemals zugeben wird. Nein, Kritik ist unangebracht, böswillig und falsch. Wie bei allen üblich, die sich „Frieden“ ganz besonders groß auf die Fahnen geschrieben haben.
Die Argumentationsmuster sind immer wieder die gleichen: Wenn die „Mauer“ beklagt und verurteilt wird, dann „vergessen“ die Friedens(b)engel immer nur zu gerne, dass es keinen palästinensischen Staat gibt, dessen Grenzen anerkannt sind (sie sind Verhandlungssache über einen Endstatus) – und vor allem die Ursache ihres Baus; bestenfalls wird die nicht anerkannt. Wer aber „die Mauer“ für einen Skandal hält, der hat gefälligst die Massenmorde an Israelis durch Selbstmord- und sonstige Attentäter ebenfalls als völkerrechtlichen Skandal zu kennzeichnen. Das geht Pfarrer Metzger und seinen Mitstreitern völlig ab.
Auf Nachfragen bestätigt Ulrich Sahm, dass die Angaben in Eisslers Artikel samt und sonders zutreffend sind; einzige Ausnahme ist der letzte Absatz zu den Verhältnissen in Metzingen, denn die kennt er nicht. Er kann bei Bedarf Belege liefern. Wie sieht das bei Pfarrer Metzger aus?
* Die gekennzeichneten Dokumente liegen mir in Kopie vor.
Nachtrag (14.11.09):
Pfr. Metzger legt nach und lässt nachlegen. Dabei wird alles ignoriert, was Ulrich Sahm aus Jerusalem zu sagen und bestätigt hatte. Stattdessen wird Frau Eissler weiter Böswilligkeit und Unkenntnis unterstellt. Der Medienbeauftragte der Prälatur Reutlingen, Pfarrer Peter Steinle, plappert dabei in erster Linie alles nach, was Pfr. Metzger in seiner Einschätzung des Artikels „Ein umstrittener Einfluss“ schrieb. Das gilt besonders für die „Beweisführung“ über die Erwähnung von Karl Hermann Bickle. Eine Auseinandersetzung mit dem Schreiben Sahms hat offensichtlich nicht stattgefunden.
Pfr. Metzger hebt wieder auf die Anonymität der Quellen ab. Dass es nötig sein kann, diese zu schützen, akzeptiert er nicht. Will er behaupten, kritische Stimmen in den Palästinensergebieten seien überhaupt nicht gefährdet. Beweise dafür legt er nicht vor (um mal seine Argumentationsweise zu übernehmen). Dass die Abrahamsherberge von der EKD anerkannt und unterstützt ist, ist ein Scheinargument. Ich kenne Organisationen, die sehr anerkannt sind und trotzdem zum Miesesten gehört, was sich denken lässt. Auch die Unterstützung des Luxushotels durch jede Menge Pfarrer, Bischöfe, Pröpste, Dekane usw. sagt nichts über die Seriosität, Neutralität oder tatsächliche Friedensabsichten aus – es gibt haufenweise seriöse Leute, die fehlgeleitet wurden. Die Fakten kontern die beiden frommen (?) Herren jedenfalls nicht. Es steht hier maximal Aussage gegen Aussage.
Ulrich Sahm hat wieder einmal noch etwas mehr, das er direkt an die Herren Pfarrer schickte (honestly-concerned, Nahost-Mailing vom 13.11.2009, 00:36 Uhr):
Mein Kommentar zum Eissler Bericht
Sehr geehrter Herr Pressepfarrer, sehr geehrter Herr Pastor Metzger,
heute erhielt ich per Google einen Hinweis zu Ihrer Gegendarstellung in der Südwestpresse automatisch zugeschickt.
Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Obgleich ich Ihnen meine Kommentare zu dem Artikel von Frau Eissler zugeschickt hatte, scheinen Sie nicht einmal lesen zu können:
Ich hatte Ihnen den Link zu meiner Kritik an dem Film „Ein Herz von Jenin“ eingefügt, den, wie ich von Frau Eissler nach der Veröffentlichung ihres „umstrittenen“ Artikels erfahren habe, sie durch eine einfache Google-Suche entdeckt habe.
Sie behaupten nun, der sei auf der Homepage von N-24 erschienen. Das ist falsch und ich bitte Sie, dieses unbedingt öffentlich zu korrigieren. Oder, falls Sie bessere Informationen haben, mir den Link zuzuschicken, damit ich ein Honorar einfordern kann.
Ich bin erstaunt, dass Sie meine Reaktion vermeintlich „mit Interesse gelesen haben“, in Ihrer öffentlichen Reaktion aber offensichtlich gar nichts davon beachtet haben.
Als ganz besonders schlimm empfinde ich Ihre Kritk, dass Frau Eissler „anonyme Informanten“ zitiert hatte.
Ich hatte Ihnen geschrieben, das ich (mindestens vier) „anonyme Informanten“ kenne, die ähnliches bezeugen können. Ich würde jedoch den Teufel tun, deren Namen zu veröffentlichen. Es gehört zu den höchsten journalistischen Pflichten, unsere Quellen zu schützen, insbesondere, wenn denen Schaden entstehen könnte. Ihre Vorwürfe sind eine böswillige Attacke auf die Pressefreiheit.
Und wenn Sie manche Behauptungen als „ehrenrührig“ bezeichnen, so wissen Sie genauso wie ich, dass Sie da nicht die Wahrheit sagen.
Sie wissen genauso wie ich, wer da Ihren Förderverein aus genau diesen Gründen verlassen hat und seine Rücktrittsgründe mit einem weit verbreiteten Brief erklärt hat.
Zudem kenne ich eine weitere Geschichte, mit der bezeugt werden könnte, dass Schehade einerseits Spendengelder nahm und dann Menschen, denen er eigentlich mit den Spendengeldern helfen sollte, saftige Übernachtungspreise abverlangte. Auch diese Geschichte ist Ihnen wohlbekannt. Wegen dem oben genannten Problem, meine Quellen schützen zu müssen, kann ich keine Namen nennen.
Mich ärgert auch, dass Sie hier blauäugig, offenbar ohne die Lage vor Ort zu kennen, von der „Friedensarbeit“ auch mit Juden den deutschen Lesern ein falsches Bild vorgaukeln. Offenbar wissen Sie nicht, dass es jüdischen Israelis strikt verboten ist, die palästinensischen Autonomiegebiete zu besuchen, nachdem mehrmals jüdische Israelis und in Bet Jala sogar ein jüdischer Amerikaner (der Besitzer des Everest Hotels) ermordet worden sind.
Evangelische Pfarrer, die mehr daran interessiert sind zu verleumden und lieber vertuschen als aufzuarbeiten (falls sie nicht sogar bei unredlichen Machenschaften bewusst mitmachen) sind keine würdigen Vertreter ihrer Kirche!
Pappnasen-Parteinahme und vermutlich zweierlei Maß
25. Oktober 2009 at 23:09 | In Europa+Nahost | 1 CommentTags: linke Toleranz
Ilan Pappé durfte seinen Vortrag halten. Allerdings nicht da, wo das eigentlich vorgesehen war. Die Kommentare zu dieser Meldung (und Einträge an anderer Stelle) waren sofort heftigste Vorwürfe zu lesen: Zensur, Gleichsetzung Deutschlands mit China (was Meinungsfreiheit und Unterdrückung derselben angeht) und die „man darf nichts Kritisches über Israel sagen, wenn man überleben will“-Tiraden dürfen keinesfalls fehlen, sonst stimmt das Bild nicht.
Nun, wenigstens hat die Pappnase ihren Verleumdungsvortrag noch von sich geben und das Publikum konnte ihm huldigen. Dieselben Kritiker werden allerdings das Folgende vermutlich ganz in Ordnung, voll gerechtfertigt und richtig finden, ohne an Zensur oder sonstiges zu denken:
Was war heute Mittag hier los?
Stellungnahme zu Sonntag, den 25.10.09
Das B-Movie wurde unter Gewaltandrohung daran gehindert, den Film „Warum Israel“ von Claude Lanzmann zu zeigen. „Warum Israel“ sollte im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung in Kooperation mit Kritikmaximierung Hamburg um 15 Uhr in unserem Kino aufgeführt werden. Personen aus dem Spektrum des internationalen Zentrums B5 hatten den Zugang zum B-Movie versperrt.
Trotz mehrmaliger Kommunikationsversuche wurde uns unmissverständlich klar gemacht, dass die Veranstaltung auf keinen Fall zugelassen werde. Um eine gewalttätige Auseinandersetzung zu verhindern, sahen wir uns gezwungen, die Veranstaltung abzusagen und auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.
Einen derartigen Eingriff in unsere Programmgestaltung lehnen wir prinzipiell ab.
Eine ausführliche Stellungnahme folgt.
(War auf http://b-movie.de/ am 25.10.2009 direkt auf der Eingangsseite zu finden; keine Ahnung, wie lange es dort bleibt. Mehr gibt es schon jetzt bei Markus.)
Nachtrag: „Kritikmaximierung“, die mit B-Movie den Film zeigen wollten, haben eine ausführlichere Schilderung der Ereignisse.
„Seine Bücher verkaufen sich übrigens auch in Israel“
24. Oktober 2009 at 10:36 | In Deutschland, Europa+Nahost, Geistesgrößen | 1 CommentTags: Antisemiten, Bundespräsidialamt, Henning Mankell
So schrieb der Leiter Referat 22 (Afrika, Asien, Entwicklungspolitik) in seiner Antwort auf – anscheinend nicht nur – meinen Protest gegen die Laudatio des Bundespräsidenten für Henning Mankell in Osnabrück. Tolles „Argument“!
Was will der gute Mann uns damit sagen? Dass die in Israel verkauften Mankell-Bücher eine Rechtfertigung für die Ehrung sind? Dass die antisemitischen Hass-Tiraden des Schweden gerechtfertigt sind?
Israel hat genug eigenen Idioten und duldet sie, ohne dass deren Lügen und Gehässigkeiten gerechtfertigt wären. Man denke an Uri Avnery, Ilan Pappé, Avram Burg usw., die zum Teil sogar gute Posten und hohe Ämter bekleideten.
Oder unterstellt der gute Mann, dass, wenn ein Staat, der mit anders Denkenden nicht so umgeht wie beispielsweise Putin-Russland (Ermordung von missliebigen Journalisten usw.), diese anders Denkenden im Recht sind?
Der Referatsleiter offenbart, dass er wohl ein etwas seltsames Bild von Israel hat. Müsste Israel den Verkauf von Mankell-Büchern verbieten oder von der Bevölkerung ein Mankell-Boykott ausgerufen und durchgezogen werden, damit der Bundespräsident keine Laudatio auf ihn hält? (Ich vermute – aber das ist nur eine Vermutung – dass sich Mankells Bücher in Israel seit August deutlich schlechter verkaufen als vorher, falls der Verkauf sich nicht ohnehin auf einem so niedrigen Level bewegte, dass kaum jemand boykottieren muss.)
Dass Mankell-Bücher sich in Israel verkaufen, zeigt nur, dass Israel eine offene Gesellschaft ist, in der sich auch extrem miese Charaktere herumtreiben können. Und dass viele gar nicht wissen, wie mies der Charakter eines Promis ist. Allerdings hätte das Bundespräsidialamt das wissen müssen, schließlich war der „Unmut“ über Mankells antisemitische Tiraden sehr frisch. Der Leiter Referat 22 streitet ja nicht einmal ab, dass Mankell Antisemitisches von sich gegeben hat oder dass er das hätte wissen müssen. Er lenkt lieber vom eigentlichen Problem ab und schwafelt von „scharfer Kritik“. Was ich als typisch gutmenschliche Ignoranz und Schummelei bezeichnen würde. Wenn ich gute Laune habe. Bei weniger guter Laune gibt es treffendere und härtere Begriffe.
Der Präsident und die Antisemiten
23. Oktober 2009 at 14:05 | In Deutschland, Europa+Nahost | 4 CommentsTags: Antisemiten, Bundespräsident, Henning Mankell
Schon kurz nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia Langer kam wieder Unmut auf, weil Bundespräsident Köhler in Osnabrück eine Laudatio auf Henning Mankell hielt, der sich kurz vorher bei der Generaldirektion Palästinas und im Interview mit (wundert’s?) Aftonbladet als Antisemit und Israelvernichter geoutet hatte. Daraufhin schrieb ich am 21.09.2009 eine E-Mail an unseren Präsidenten:
Sehr geehrter Herr Bundespräsident Köhler,
Sie werden (hoffentlich) schon reichlich Post und E-Mails zum Thema erhalten haben. Daher brauche ich nicht mehr die Belege dafür anzuführen, wie Herr Mankell sich immer wieder als Antisemit produziert und Israel jegliches Existenzrecht abgesprochen hat.
Dennoch möchte ich meine Bestürzung zum Ausdruck bringen, dass Sie – nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Frau Felicia Langer – jetzt die nächste Person ehren, die sich als derartig boshafter Hasser offenbart hat.
Ich weiß nicht, wer Ihnen zuarbeitet, aber vielleicht sollten Sie Ihre Mitarbeiter anhalten etwas genauer hinzusehen. Mankell mag einige gute Taten auf seinem Konto verbuchen können, aber rechtfertigt das die Verleihung eines Preises an ihn, wenn er in übelster Weise gegen einen Staat hetzt, der um sein Überleben kämpft und diesen dämonisiert?
Ich denke, Leute wie Herr Rieger von der braunen Fraktion könnten noch so viel positive Leistungen vollbringen, er würde niemals von Ihnen mit einer Laudatio geehrt werden (und da bekämen Sie meine volle Unterstützung). Warum ist das bei anderen Hass-“Predigern“ anders?
Mit traurigen Grüßen
Jetzt erreichte mich eine Antwort aus dem Bundespräsidialamt (offensichtlich ein allgemeines Rundschreiben an alle, die sich beschwerten):
Sehr geehrter Herr …,
Bundespräsident Horst Köhler hat mich gebeten, Ihnen für Ihre E-Mail vom 21. September zu danken und diese zu beantworten.
Wenn wir Sie richtig verstehen, wiegt die scharfe Kritik Henning Mankells an Israel so schwer, dass sie einer Ehrung für sein Afrika-Engagement im Weg steht. Henning Mankell bezieht in der Tat polarisierend Stellung in einer politischen Diskussion, die im europäischen Ausland und in Israel selber anders geführt wird als in Deutschland. Dennoch ist das Afrika-Engagement des schwedischen Schriftstellers weltweit anerkannt. Seine Bücher verkaufen sich übrigens auch in Israel. Der Bundespräsident hat sich in seiner Laudatio eindeutig auf dieses Engagement für Afrika bezogen.
Ebenso eindeutig bekennt sich der Bundespräsident zur besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel und sein Existenzrecht. Dazu gehört auch ein dauerhafter Friede für den Nahen Osten. In seiner Rede im Bundestag anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar 2009, hat er daher auch der Toten der Auseinandersetzung im Gaza-Streifen gedacht und gemahnt, dass der Teufelskreis der Gewalt im Nahen Osten endlich gebrochen werden muss. Die Bürger Israels müssen in sicheren Grenzen frei von Angst und Gewalt leben können. Und das palästinensische Volk muss in einem eigenen lebensfähigen Staat seine Zukunft finden können. Der Bundespräsident wird sich auch weiterhin nachdrücklich dafür einsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Georg Schmidt
Leiter Referat 22 (Afrika, Asien, Entwicklungspolitik)
Eine enttäuschende Reaktion – pure Rechtfertigung und kein Eingehen auf das eigentliche Problem. Ich rechne das nicht dem Bundespräsidenten persönlich an, sondern den Mitarbeitern des Bundespräsidialamtes; entsprechend habe ich dem Leiter des Referats 22 zurückgeschrieben (Anmerkung vorab: der erwähnte Vergleich stammt in der Tat von Broder):
Sehr geehrter Herr Schmidt,
da hatte jemand im Umfeld von Herrn Broder – oder dieser selbst – einen passenden Vergleich:
Wenn ein gewisser Herr mit „deutschem“ Gruß vom Vorsitzenden des ADAC für Leistungen beim Autobahnbau geehrt würde – würden da nicht auch alle empört protestieren?
Es geht nicht um Herrn Mankells Haltung zu Israel oder um Polarisierung, sondern um den von ihm darin zum Ausdruck gebrachten offenen Antisemitismus.
Antisemiten für irgendetwas zu ehren, was mit ihrem Antisemitismus vielleicht nichts zu tun hat, empfinde ich als obszön. Und da haben offensichtlich die verantwortlichen Mitarbeiter im Bundespräsidialamt versagt. Brandstiftern gehören keine Ehrungen verliehen – und nicht die Ehre einer Laudatio durch den Bundespräsidenten.
Ich empfinde es als empörend, dass nur bei Nazis/Neonazis alles abgelehnt wird, was solche Personen betreiben, bei sonstigen Antisemiten aber zwischen deren miesen Einstellungen, Äußerungen und Handeln und anderen Tätigkeiten unterschieden wird. Würden Sie dem Herrn Bundespräsidenten zuraten eine Laudatio auf einen Kinderschänder zu halten, der einen Literaturpreis verliehen bekommt?
Mit enttäuschten Grüßen
Nachtrag (24.10.09):
Ein wunderschönes Beispiel wie man üblicherweise verfährt, wenn jemand irgendetwas mit „rechts“ zu tun hat und diese Person dann als Ganzes von allem ausgeschlossen wird, ohne Rücksicht auf irgendwelche nicht vorhandenen oder herzustellenden Zusammenhänge, findet sich hier.
Thumann tutet
28. August 2009 at 22:02 | In Europa+Nahost, Geistesgrößen, Medien+Nahost | 2 CommentsTags: Hetze, DIE ZEIT, Michael Thuman
Michael Thumann von der ZEIT holt sich an Benjamin Netanyahus Besuch in Berlin einen runter: Der Streit mit Schweden geht alle EU-Staaten etwas an, konstatiert er. Dem kann man zustimmen, denn wenn eine Regierung sich nicht von antisemitischen Ritualmord-Vorwürfen distanziert und das von ihrer Botschaft in Israel geäußerte Entsetzen zu löschen befiehlt, dann sollten bei den übrigen Regierungen der EU die Alarmglocken schrillen. Zumal, wenn die den Antisemitismus auf diese Weise befürwortende Regierung die EU-Präsidentschaft inne hat.
So sieht es Herr Thumann allerdings nicht. Der will das umgekehrt haben: Israel ist in dieser Auseinandersetzung die böse Seite, denn es verursacht „eine Art Neuauflage des Karikaturenstreits“. Welcher hanebüchene Unsinn das ist, hat u.a. Lizas Welt bereits beschrieben.
Bei Herrn Thumann ist Israel das Problem, weil es starrköpfig ist und sich von einem „nicht auf den Mund gefallenen“ „Kritiker“ seiner Politik nichts sagen lassen will. Netanyahu hat grundsätzlich ein Problem mit Westlern, die Israel nur Gutes wollen. Doch um Obama so anzugehen wie Bildt, dazu fehlt es ihm dann doch an Mut. Ebenso die US-Medien, die viel schlimmere Dinge über Israel verbreiten.
Also ist laut Herrn Thumann Schweden nur deshalb Opfer israelischer Wut, weil es ein kleines, schutzloses Opfer ist, anders als die mächtigen USA. Auch, weil die Schweden (und die EU) sich für Menschenrechte einsetzen, will der Premier ihnen an den Kragen – damit die sich nicht erdreisten „in den wichtigen kommenden Monaten bei den Siedlungen, bei Hamas und der Zweistaatenlösung auf Israel einzuwirken. Oder nach universellen Werten zu fragen“. „Zum Beispiel nach der Pressefreiheit“, weil Journalisten der Aftonbladet Probleme mit der Akkreditierung bekommen. (Hey, warum soll ausgerechnet immer nur Israel sich „kritische“ Journalisten ins Land holen? Bei anderen Staaten führt das nicht zu einem derartigen Aufruhr. Und über die pal-arabischen journalistischen Gegebenheiten und Gepflogenheiten hat Herr Thumann meines Wissens auch noch keine Weisheiten abgelassen – vielleicht ist das sogar auch besser so.)
Dröseln wir das Ganze mal etwas auf:
Die Israelis hätten sich nicht so aufregen sollen, schreibt er. „Ein kurzer Brief der israelischen Botschaft in Stockholm, vielleicht eine Gegendarstellung in der Zeitung wäre angemessen gewesen.“ Dass nicht Israel die Sache losgetreten hat, sondern Schweden (mindestens eine Zeitung, einige Organisationen und Blogger), ignoriert der Qualitätsjournalist geflissentlich; und dass die heftige Reaktion Israel mehr durch die (Re-)Aktion der schwedischen Regierung (Anweisung, die Bemerkung auf der Internetseite der schwedischen Botschaft zu löschen) ausgelöst wurde, ebenso. Was die angebliche Überreaktion der Regierung Netanyahu angeht, kann sich Thumann zu Fehlschläger Malte setzen, der das auch so sehen will, ohne die Sache wirklich begriffen zu haben. Nur schlägt Lehming nicht in die Kerben, die die offene Verleumdung Israels bedeuten und Antisemitismus unterstützen.
Das geht bei Thumann spätestens damit los, dass er einseitig Israel Verantwortungen zuschreibt, die so nicht vorhanden sind. Er unterstellt Israel, dieses schränke die Pressefreiheit ein – ziemlich absurd, wenn man sieht, wie auch israelische Schwachköpfe mit Qualitätsmedien-Tastatur sich zum Thema äußern (und von ihm selbst angeführt werden!). Der Intra-Widersprüchler Thumann lenkt aber geschickt ab, indem er erstens Israel die Einschränkung der Pressefreiheit in Schweden verlangen lässt und dann noch die biblische Rache an schwedischen Journalisten anführt. Dabei gibt es kein Menschenrecht für Journalisten, dass man sie überall wie die Polizei rein lässt. Außerdem will Israel nicht, dass die schwedische Regierung gegen Aftonbladet vorgeht – da bleibt von Einschränkung der Pressefreiheit nichts übrig. Der Vorwurf ist eine bösartige Konstruktion.
Der ZEIT-Schreiber macht eine Reihe Nebenkriegsschauplätze auf, um nicht auf den Kern der Sache kommen zu müssen: Israel will sich nicht kritisieren lassen, es agiert selbstherrlich und will vom Siedlungsproblem ablenken. Mit dieser Ablenkung offenbart er sein eigentliches Ziel: auf Israel einprügeln und das Opfer wieder zum Täter machen zu können; eine politische Agenda voranzutreiben, die Terroristen darüber entscheiden lässt, wie und wie schnell Friedhofsfrieden auf jüdischen Massengräbern hergestellt wird. Das ziemt sich heutzutage für einen Journalisten. Berichterstattung ist das nicht mehr.
Heutzutage ist jeder Depp Nahost-Experte. Und die deppertsten schreien am lautesten. Michael Thumann versucht da mitzuhalten – auf Kosten von Wahrheit und Anstand und vor allem auf Kosten eines Staates, der von den übrigen „Mitspielern“ in seiner direkten und sehr viel weiteren Umgebung vernichtet werden soll. Am „besten“ ist das dann noch, wenn sich solche Leute darüber hinaus zu Freunden dieses Staates ernennen und behaupten, sie handelten zu Israels Bestem. Es darf gespannt gewartet werden, ob und wann Herr Thuman auch auf diesen Zug aufspringt.
Was Thumann mit seiner Tirade auslöst, findet sich dann im Kommentarbereich des Artikels wieder. Da kann der Michel ungehemmt seinen Hass auf Israel freien Lauf lassen. Kein Vorurteil und keine Lüge, die da nicht gebetsmühlenartig angeführt werden. Er schafft die Stimmung, die dafür sorgt, dass Hetzte als normal gelten darf und Israel der Jude unter den Staaten ist, der sich Ritualmord-Vorwürfe ganz selbstverständlich gefallen zu lassen hat und an den andere Maßstäbe angelegt werden als an jeden anderen Staat. Einerseits ist es gut, dass diese Leute sich outen. Andererseits ist es bedrückend zu sehen, wie viele es davon gibt und dass die Mainstream-Medien ihnen eine Plattform bieten.
Die Nazifizierung Israels
25. August 2009 at 17:08 | In Europa+Nahost, Medien+Nahost | 1 CommentTags: Hasspropaganda, Propagandakrieg
Op-ed eines prominenten europäischen Philosophen im Guardian verwendet Naziterminologie gegen den jüdischen Staat
Robin Shepherd, 18. August 2009
Versuche in Europa, Israel als moderne Inkarnation Nazideutschlands darzustellen, waren einst die Domäne der Extremisten. Islamisten, Faschisten und Kommunisten – jeder handelte aus eigenen Gründen – haben die Technik angewendet den jüdischen Staate als Inbegriff des politisch Bösen dargestellt, mit dem kein Kompromiss eingegangen werden kann und für die die totale Ausrottung das einzig akzeptable Ergebnis ist.
Es ist jedoch ein Zeichen der Zeit, dass die Nazifizierung Israels als Verunglimpfungstechnik begonnen hat in den Mainstream einzudringen. In meinem anstehenden Buch – A State Beyond Pale: Europe’s Problem with Israel (Ein völlig inakzeptabler Staat: Europas Problem mit Israel) – liefere ich einen ganzen Abschnitt zur Nazi-Analogie wie auch Belege durch Meinungsumfragen dazu, wie weit verbreitet der Gebrauch geworden ist. Ein Kommentar des prominenten slowenischen Philosophen Slavoj Zizek im heutigen Guardian bietet eine perfekte Illustration, wie diese Technik jetzt angewendet wird.
Zizek, der bei Europas Linksliberalen fast den Status einer Ikone genießt, beginnt seinen Text mit einigen wohlbekannten Verdrehungen über die Zwangsräumung zweier palästinensischer Familien im Ostjerusalemer Viertel Scheik Jarrah Anfang des Monats. Zizel präsentiert das, was in Wahrheit eine Räumung wegen Nichtzahlung von Miete ist, als nur einen Vorfall einer breiteren Politik der ethnischen Säuberung – eine Politik, die an, so folgert er, die Art und Weise erinnert, wie die Nazis mit den Juden umgingen.
„Der Staat Israel betreibt eindeutig einen langsamen, unsichtbaren Prozess, der von den Medien ignoriert wird“,m sagt er. „Eines Tages wird die Welt aufwachen und feststellen, dass es in der Westbank keine Palästinenser mehr gibt, dass das Land palästinenserfrei ist und dass wir diese Tatsache akzeptieren müssen.“ (Hervorhebung durch den Autor, Deutsch im Original)
Es gibt viel über israelische Siedlungspolitik zu sagen und viel kann kritisiert werden. Aber hat von Zizek Besitz ergriffen und dem Guardian erlaubt den Begriff „palästinenserfrei“ zu benutzen? Es ist offensichtlich eine Umkehrung des Nazi-Begriffs judenfrei. (Linguisten legen nahe, dass er nicht so gewichtig ist wie der Begriff judenrein, aber sein Zweck und seine Etymologie sind klar.)
Es gibt keine Wiederholung des Begriffs. Auf ihm wird nicht herumgeritten. Es gibt kein großes Trara. Er ist einfach beiläufig in die Schilderung gerutscht, in einer Weise, die nahe legt, dass sein Gebrauch sowohl vom Autor als auch von der Zeitung als normal angesehen wird.
Und das führt natürlich in den Kern des Problems. Die Verunglimpfung des jüdischen Staates im modernen Europa ist inzwischen Teil eines Gebäudes aus Hass und Fanatismus geworden, dass es keine Tabus mehr gibt. Heute ist es möglich zu Israel alles zu sagen, buchstäblich alles, so grotesk und diffamierend es auch sein mag, und keine Scham zu fühlen, keine Kritik zu ernten.
Über keinen anderen Staat der Welt wird in einer solchen Art gesprochen. Und ja: Es ist Antisemitismus. Und ja: Er ist wieder da.
(Der Artikel aus dem Guardian – in Englisch – ist hier zu lesen.)
Sonderbericht: Schmutziges schwedisches Geheimnis
24. August 2009 at 20:49 | In Europa+Nahost, aua | 6 CommentsTags: Schweden
Beinhaltet schwedisches Lachs-Geheimnis entsetzliches Verbrechen an norwegischen Dorfbewohnern?
Uria Asor, YNetNews, 24. August 2009
Oslo – Gavad lax – eingelegter Lachs – ist eines der beliebtesten skandinavischen Gerichte. Sein Herstellungsprozess ist schnell und einfach und seine Zutaten scheinen überall gleich zu sein: Lachsfilet, Salz, Zucker, Öl und Kräuter.
Doch trotzdem behaupten diejenigen, die es wissen müssen und Lax-Kenner, dass der schwedische gravad lax anders schmeckt als die Varianten in Norwegen, Finnland und Dänemark. „Die schwedische Variante beinhaltet eine leicht Säure“, sagt der dänische Koch Richard Muller Holstrum. „Ich war nie in der Lage die Quelle davon herauszufinden.“
Aber YNets investigativer Sonderbericht hat erstmals aufgedeckt, was die geheime Zutat in Schwedens gravad lax sein könnte. Die furchtbaren Funde zeigen an, dass die Quelle Fußpilz ist, der von den Füßen unschuldiger norwegischer Fischer stammt.
Entsetzen im Dorf
Arnolf Lillehammer, Einwohner des norwegischen Dorfes Idiben nahe der schwedischen Grenze, wird niemals das letzte Mal vergessen, dass er seinen Vater lebend sah. „Es geschah kurz vor dem letzten Sommer“, erinnert sich Arnolf. „Der See war kurz vor dem Zufrieren und Vater fuhr am Nachmittag zum Fischen. Er bat mich ihm bei seiner Rückkehr zu helfen die Fische zu reinigen. Nach drei Stunden begannen wir uns Sorgen zu machen. Am nächsten Tag, nachdem wir sein Boot fanden, erkannten wir, dass etwas Schreckliches geschehen war.“
Drei Wochen später wurden Arnolfs Befürchtungen von purem Entsetzen abgelöst, nachdem die Leiche seines Vaters im Schnee vergraben gefunden wurde; beide Füße waren abgeschnitten.
Das war nicht der erste Fall, dass jemand in der Gegend verschwand. Fakt ist, dass im östlichen Norwegen in den letzten Jahren Dutzende von Fällen erfasst wurden, bei denen Fischer am Ende des Tages nicht nach Hause zurückkehrten. Vor Ort schrieb man diese Verschwundenen den harten Winterbedingungen zu; grimmige Winter ließen keine Hoffnung darauf, die Leichen jemals zu finden. Doch das schreckliche Schicksal des Vaters von Arnolf Lillehammer, Videkon, machte klar, dass dies eine unheimlichere Angelegenheit war, als man bis dahin dachte.
Über den bizarren Tod berichteten die lokalen Medien ausführlich; Polizeivertreter widmeten der Lösung des Mysteriums große Anstrengungen, aber Antworten gab es keine. Die Familie Lillehammer erhielt schließlich Hilfe von unerwarteter Seite: An einem klaren Sommertag erschien ein Mann namens Björn B. (der volle Name wird zurückgehalten) an der Tür der Familie und stellte sich als Deserteur der schwedischen Armee vor.
Der Lachskrieg
Björn erzählte den fassungslosen Verwandten, dass er im Rahmen seiner Rolle als Geheimdienstler mit den Aktivitäten einer höchst geheimen Einheit der schwedischen Armee Kontakt hatte. Die Entdeckung sorgte für heftige Gewissensbisse. In dem Augenblick, als er von der Tragödie der Familie Lillehammer las, wusste er, dass er nicht damit würde leben können, wenn er ihnen nicht sein Wissen nicht gestand.
In den 1950-er Jahren, offenbarte Björn, hatte Schweden einem starken Rückgang der Exporte von eingelegtem Lachs zu kämpfen, zum größten Teil wegen der wachsenden Konkurrenz von norwegischem Lachs. Geheime Experimente und Geschmackstests schwedischer Wissenschaftler identifizierten schließlich die geheime Zutat, die schwedischem Lachs wieder den Vorsprung geben sollte: ein Gramm Fußpilz von einem menschlichen Fuß auf 100 Gramm gravad lax.
Die Einwohner ostnorwegischer Dörfer sind bekannt dafür, dass sie Monate lang ihre Socken nicht wechseln und daher ein offensichtliches Ziel. Und so gründete Schweden die Eliteeinheit Strumpor Stinkande, die für den frischen Nachschub an menschlichen Füßen für die schwedische Lachsindustrie zuständig ist.
Hochrangige schwedische Militärs weisen die Berichte über die Existenz der oben erwähnten Einheit natürlich entschieden zurück, doch Björn B.s Aussage wurde letzte Woche in dem norwegischen Dorf Durknhart untermauert. Ein Junge fand am Flus ein Stück Metall, das dem Anstecker einer Militäreinheit ähnelt, der ein eindeutiges Symbol trägt: einer Socke, flankiert von zwei Flügeln.
Alles, was verbleibt, ist abzuwarten, ob der Internationale Kriminalgerichtshof in den Haag die Herausforderung annimmt und das eingehend untersucht, was ein brutales Verbrechen zu sein scheint, begangen von Schweden gegen das norwegische Volk.
Die Antwort des schwedischen Außenministeriums
Wir sind fassungslos angesichts dieses unbegründeten antischwedischen Berichts und erwarten, dass die israelische Regierung ihn hart verurteilt. Das Nichtvorhandensein jeglicher Verurteilung erinnert an die klägliche Antwort der Regierung Ben Gurion auf die Ermordung des schwedischen Grafen Folke Bernadotte in Jerusalem im Jahr 1948.
Anmerkung: Der Schreiber dieses Textes ist ein erfundener investigativer Reporter; der investigative Bericht oben ist genauso unwürdig wie der letzte Woche veröffentlichte schwedische Bericht.
Klartext – David Frankfurter: Schwedensauna
24. August 2009 at 16:16 | In Europa+Nahost | Leave a CommentTags: Hasspropaganda, Propagandalügen, Schweden
David Frankfurter, 24. August 2009
Ich bin sicher, dass Sie den Krieg der Worte zwischen Schweden und Israel verfolgt haben. Eine schwedische Zeitung wiederholte Gerüchte und Unterstellungen, israelische Soldaten würden Organe aus Palästinensern ernten. Schweden (das derzeit die EU-Präsidentschaft inne hat) hat es abgelehnt, diesen Ritualmord-Vorwurf zu verurteilen; dazu wird freie Meinungsäußerung mit Hass-Reden verwechselt. Das schwedische Außenministerium distanziert sich sogar von Kritik an dem Artikel, die die Mitarbeiter der eigenen Botschaft in Israel übten.
Mein Freund Gerald Steinberg vertritt die Auffassung, dass dies damit im Einklang steht, dass Schweden ein wichtiger Geldgeber für antisemitische NGOs ist, die Israel ständig mit Lügen, Unterstellungen, Propaganda und Verdrehungen verleumden. Gerald gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass dieses Aufsehen die Schweden etwas lernen lässt und dass sie diese destruktive Finanzierung einstellen.
Unglücklicherweise bin ich weniger optimistisch. Dieser Ritualmord-Vorwurf entspricht nämlich schwedischer Regierungspolitik, wie sie seit über einem Jahrzehnt geübt wird.
Im März 2004 beleuchtete ich Berichte schwedischer Zeitungen, die zeigten, dass Schweden von 1997 bis 2004 mit Bedacht und dauernd eigene Berichte als geheim klassifizierte, die zeigten, dass die Spenden an Arafats Palästinensische Autonomiebehörde für Korruption und die Schaffung eines Polizeistaates abgezweigt wurden. Warum? Damit sie weiterhin wissentlich Milliarden Kronen für palästinensische Korruption und Gewalt schleusen konnten. Ebenfalls vor dem Zugriff des Parlaments versteckt wurden Dutzende Millionen an Spendengeldern für die palästinensische Verhandlungsunterstützungs-Gruppe – eine Organisation, die die Verhandlungen eingestellt hat und zu einer puren palästinensischen Propaganda-Agentur wurde. Schwedische Politiker waren „geschockt“ – doch das Geld floss weiter.
Später im selben Jahr veröffentlichten Lisa Abramowicz und ich einen Artikel, der die Tatsache beleuchtete, dass die schwedische Regierung eine Konferenz in Götheborg finanzierte, die darauf abzielte Möglichkeiten der Finanzierung des palästinensischen Terrorismus zu finden.
Seit deutlich mehr als einem Jahrzehnt hat Schweden bewusst und mit Bedacht Wege gesucht und gefunden, im Geheimen und offen palästinensische Propaganda und physischen Krieg gegen die Juden zu finanzieren. Und die israelische Regierung glaubt, sie kann die Schweden dazu bringen ihre Gepflogenheiten mit ein wenig diplomatischem Druck zu ändern. Sie vergessen, dass die Schweden zwar in einem kalten Land leben, aber bewiesen haben, dass sie die Hitze solchen Drucks aushalten können.
Ergänzend dazu:
- Fjordmann: Der Schwedische Judenhass
- Lila: Die Stirn
- Michelle Mazel (Frau eines ehemaligen israelischen Botschafters in Schweden): Abusing Freedom of Speech (Jerusalem Post, 23.08.09)
- Gerald Steinberg: Swedish governmen funds anti-Semitic NGOs
- Meryl Yourish: Sweden’s double standard on freedom of the press
Klartext – Michael Freund: Israels Rassentrennungs-Befürworter niederstarren
9. August 2009 at 13:14 | In Europa+Nahost, Israel, Jerusalem, Klartext, die Welt+Nahost | Leave a CommentTags: Linke
Jerusalem Post, 5. August 2009
Die Linke ist – wieder einmal – in Aufruhr. Zusammen mit ihren internationalen Genossen empört sie sich wegen dem gerade von einem Gericht genehmigten Einzug jüdischer Familien ins Viertel Scheik Jarrah in Jerusalem.
Das kommt zusätzlich zu der Rage, die vorher schon wegen Plänen zum Bau von Apartment-Blocks für Juden am Ort des sich in Privateigentum befindlichen Shepherd Hotel im östlichen Teil der Hauptstadt zum Ausdruck gebracht wurde.
Die Linke hat all ihre zur Verfügung stehende gerechte Wut versammlet und eine hitzige Runde frommer Unfehlbarkeitsdünkel begonnen, in der sie mit Beschimpfungen und fiebernde Vokabular um sich werfen, als würde die Welt untergehen. Die Organisation Ir Amim z.B. warnte gerade erst, wenn die Pläne für das Shepherd Hotel weitergeführt würden, würde das „ein tödlicher Schlag nicht nur für [US-Präsident Barack] Obamas Anstrengungen sein, sondern auch für die Zweistaaten-Lösung“.
Nicht weniger hysterisch die Reaktion von Robert Serry, den Sondergesandten der UNO für den Nahen Osten, der eine harsch formulierte Erklärung abgab: „Ich missbillige die völlig inakzeptablen Handlungen Israels, bei der israelische Sicherheitskräfte palästinensische Flüchtlingsfamilien vertrieben… um Siedlern zu erlauben von ihrem Eigentum Besitz zu nehmen.“ Er nannte die Aktion „provokativ“ und behauptete, sie werde „die Spannungen zunehmen lassen“ und die „internationalen Anstrengungen für den Frieden untergraben“.
Sind diese Leute auf den Kopf gefallen? Die Linke und ihrer Helfer betonen immer wieder die Notwendigkeit die „Siedlungsaktivitäten“ zu beenden, als ob es jüdischer Hausbau sei, nicht arabische Intoleranz, die die Wurzel des Nahost-Konflikts bildet.
Noch verblüffender ist die Tatsache, dass sie bereit sind offen diskriminatorische Einstellungen zu begrüßen – die sich gegen Juden richten – um ihre politische Agenda voranzutreiben.
Sehen Sie, es wurde einmal, vor nicht allzu langer Zeit, als inakzeptabel angesehen, Leuten aufgrund ihrer rassischen oder religiösen Identität zu sagen, wo sie zu leben hätten. Juden oder Schwarzen oder irgendeiner anderen ethnischen Gruppe nahe zu legen, ihnen sollte nicht erlaubt sein frei in einem bestimmten Gebiet zu leben und zu bauen, wurde als widerwärtige Art von Fanatismus und Rassentrennung betrachtet.
Doch das ist genau das, was die israelische Linke und die internationale Gemeinschaft jetzt so leidenschaftlich erklären, während sie versuchen Juden davon abzuhalten in Ostjerusalem und in Judäa und Samaria zu leben. Ironischerweise haben sie sich praktisch die Weltsicht des Ku-Klux-Klan zueigen gemacht, indem sie darauf bestehen, dass Frieden sich nur auf die Auferlegung von Restriktionen im Apartheid-Stil gegen Juden und ihre Wohnsitzwahl gründen kann.
Doch auch hier versagt die Linke darin auch nur ein Mindestmaß intellektueller Beständigkeit beizubehalten, da sie ihre Prinzipien selektiv nur auf eine Seite des Konflikts anwendet. Nehmen wir z.B. die Frage illegaler Bautätigkeit in Judäa und Samaria. Die Linke hat lautstark zur Entwurzelung nicht genehmigter Außenposten aufgerufen, die von jüdischen Einwohnern in den Territorien erreichtet wurden. Sie schickt Beobachterteams aus, um die Entwicklung dieser aufkeimenden Gemeinden zu verfolgen und stellt Berichte und Presseerklärungen dazu zusammen und gibt sie aus. Der Grund? Angeblich geht es um Recht und Gesetz. Viele der jüdischen Außenposten sollen ohne die notwendigen Genehmigungen der Regierung gebaut worden sein; daher verlangt die Linke, dass sie abgerissen werden.
Nun bin ich absolut dafür das Gesetz einzuhalten, aber zumindest in Demokratien ist ein Schlüsselelement die Vorstellung, dass alle davor gleich sind. Wenn es jedoch um illegales Bauen in Judäa und Samaria geht, scheint die Linke nur bei jüdischen Gebäuden Lärm zu machen, nicht bei arabischen.
Wie jeder, der einmal durch die Gebiete gefahren ist, weiß, sind dort unsagbar Tausende illegaler Bauwerke in arabischen Dörfern und Städten und entlang der Straßen entstanden, die eine Aussicht auf die jüdischen Siedlungen haben. Wenn das Gesetz nach Ansicht der Linken an oberster Stelle steht, dann sollte es egal sein, ob die Person, die illegal baut, Moses oder Mohammed nachfolgt. Aber das ist ganz klar nicht so.
Wann hat man zuletzt gehört, dass die Linke eine solche Haltung einnahm?
Offensichtlich ist da im Land der Linken etwas sehr faul, wenn die selbst erklärten Progressiven von heute bereit sind, sich so offen für religiöse Diskriminierung auszusprechen.
Überlegen Sie bitte, wie absurd das alles ist. Heute heißt links zu sein die Einführung Rassentrennung in Jerusalem zu unterstützen und Juden zu verbieten in bestimmten Vierteln zu leben. Und um als friedliebend angesehen zu werden, muss man für eine Beschränkung dafür eintreten, wo Juden Wohnungen kaufen können. Das muss man sich erstmal vorstellen.
Ich sage: Es ist an der Zeit, dass die Linke deswegen Besuch bekommt und aufgefordert wird, diese Frage direkt anzugehen. Lasst und die Rassen trennende Linke und ihre Helfer niederstarren und zwingen wir sie dazu sich dem Aberwitz ihrer Haltung zu stellen.
Wir müssen die Tatsache ein für allemal klar machen, dass Friede, der auf Ungerechtigkeit gründet, der den Respekt der grundlegendsten Menschenrechte für Juden nicht respektiert, überhaupt kein Friede ist.
Bürgerrechte für Juden, wie jedes universelle Menschenrecht, können und dürfen nicht zeitlich oder örtlich beschränkt sein. Diese Art von eifernder Borniertheit kam in den USA vor vier Jahrzehnten aus der Mode.
Es gibt keinen Grund, sie jetzt im Nahen Osten zur Anwendung zu bringen.
Wer sind in Europa die Faschisten?
20. Juli 2009 at 11:33 | In Europa+Islam, Europa+Nahost | 2 CommentsTags: Antiislamisierung, Geert Wilders, Linke, Niederlande
Paul Hinderaker, PowerLine-Blog, 16. Juli 2009
Wir schreiben von Zeit zu Zeit über europäische Politiker und Parteien – besonders Geert Wilders und seine Partei für die Freiheit in den Niederlanden – die sich gegen die Islamisierung Europas stellen. Die linken und liberalen MSM, sowohl hier wie in Europa, sind schnell dabei diese Politiker und ihre Parteien als „rechtsextrem“ oder „faschistisch“ zu etikettieren. Unglücklicherweise hört man dasselbe von Leuten, die es besser wissen sollten.
Es gibt in der Tat einige nationalistische europäische Politiker und Parteien, die diese Etikettierung verdienen. Jean-Marie LePen in Frankreich und Jörg Haider in Österreich fallen einem da ein. Andererseits, zeigt Sören Kern im Brussels Journal auf, sind Wilders und seine Partei schlicht nicht „rechtsextrem“ oder faschistisch. Genauso wenig ist es z.B. die Dänische Volkspartei.
In Europa sind die Rechtsextremen und die Faschisten antisemitisch. Aber Wilders‘ Partei für die Freiheit und die Dänische Volkspartei sind vehement pro-Israel (Wilders verbrachte einen Teil seiner Jugend in Israel und besucht es regelmäßig). Als solche stehen sie in Europa weit gehend alleine, wo der Antisemitismus in der Linken ehrenwert geworden ist und wo große Parteien, wenn es um Israel geht, feindselig bis lauwarm sind. Kern beschreibt es so:
Mit wenigen Ausnahmen sind die einzigen aufrichtigen europäischen Unterstützer der Juden und Israels die politisch rechts Stehenden. Fakt ist, dass im Großen und Ganzen Juden viel mehr seitens der europäischen Linken zu befürchten haben als von der extremen Rechten.
Über Fragen bezüglich Juden und Israel hinaus ist die Partei der Freiheit im Wesentlichen eine libertäre und in mancher Beziehung traditionell liberale Partei. A. Millar vermerkt (ebenfalls im Brussels Journal), dass ihre Plattform für die letzten Wahlen die Verteidigung der Rechte von Frauen forderte und Schwule vor Straßengewalt schützte. Diese Punkte passen nahtlos in die Antiislamisierungs-Stoßrichtung er Partei, da die Islamisierung eine klare Bedrohung von Frauenrechten und Sicherheit für Schwule darstellt. (Millar deutet auf einen Vorfall des letzten Jahres, bei dem das Mode-Model Nike DuPree von zehn muslimischen Jugendlichen vom Catwalk gezerrt und angegriffen wurde, was die Niederlande schockierte.) Angesichts der Bedrohung, die die Islamisten für Frauen, Schwule, Juden und allgemein die Freiheit darstellen, sind sie die wahren Faschisten des modernen Europa, wobei ihre Allesversteher nicht weit dahinter zurückstehen.
Wilders nimmt einige Positionen ein, denen ich nicht zustimmen, z.B. ein Verbot des Koran. Aber seien allgemeine Haltung bezüglich Muslimen in der niederländischen Gesellschaft ist vernünftig, nicht extrem. Er stellt sich gegen Masseneinwanderung, besonders aus muslimischen Ländern, und will, dass die Muslime sich in eine niederländische Gesellschaft zu assimilieren.
Die Linke wird natürlich alle konservativen europäischen Parteien in einen Topf werfen und sie dämonisieren. Denn all diese Parteien – und besonders die Partei der Freiheit mit ihrem jüngsten Wahlerfolg im Herzen Westeuropas – stellen für die hart linke, multikulturelle Agenda eine Bedrohung dar. Aber diejenigen, die das ablehnen, haben eine Verantwortung entsprechende Parteien eigenständig genau zu studieren, bevor sie sie verurteilen.
In Europa steht zu viel auf dem Spiel, um sich gedankenlos jedem Aspekt linker Sichtweise zu verschreiben.
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