Das tödliche israelische Haus schlägt wieder zu

11. September 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Europa+Nahost, Nahost-Konflikt, Palästinenser, USA | 4 Kommentare
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Daniel Greenfield, Sultan Knish, 1. September 2014

Es gibt wenige Waffen, die so tödlich sind wie ein israelisches Haus. Wenn seine Ziegel und Mörtel miteinander kombiniert werden, wird das Haus, ob es nun eines dieser bescheidenen einstöckigen Hügelkuppen-Dinger oder ein fünfstöckiges Apartmenthaus mit fließend kaltem und warmem Wasser ist, weit gefährlicher als alles Grüne und Glühende, das aus iranischen Zentrifugen kommt.

Vergessen Sie die Streubombe und die Mine, die Giftgas-Granate und sogar maßgeschneiderte Viren. Der Iran kann seine Atombomben behalten. Sie beeindrucken niemanden in Europa oder in Washington. Völkermord ist eine Nebensache in der Anwesenheit einer furchterregenden Terrorwaffe, die eine vierköpfige israelische Familie darstellt, die in eine neue Wohnung zieht.

Der Sudan mag einen kleinen Berg afrikanischer Leichen aufbauen, aber er darf nicht erwarten die volle und ungeteilte Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu ziehen, bis er etwas wirklich Ungeheuerliches tut wie ein Haus zu bauen und es mit Juden zu füllen. Da die sudanesischen Juden genauso weg sind, wie die Juden Ägyptens, des Irak, Syriens und des guten, alten Afghanistan, stehen die Chancen, dass Bashir der Schlächter das macht, ziemlich dünn.

Infolge der Kurzsichtigkeit der muslimischen Welt die Juden aus Kairo, Aleppo und Bagdad nach Jerusalem zu vertreiben, wird die ultimative Waffe der internationalen Angelegenheiten völlig durch den jüdischen Staat kontrolliert. Der Vorrat an Juden des jüdischen Staates sollte die internationale Gemeinschaft weit stärker in Sorge versetzen, als seine hypothetischen Lagerbestände an Atomwaffen. Niemand außer Israel und möglicherweise Saudi-Arabien, kümmert sich um die iranische Bombe. Aber wenn Israel ein Haus baut, dann zerreißt die internationale Gemeinschaft sich die Kleider, jammert, droht seine Botschafter abzuziehen und boykottiert israelische Pfirsiche.

Wütende Briten in roten Keffiyehs halten Schilder über den Holocaust vor jüdischen Kosmetikläden in London hoch. Marginalisierte, über Algerien und Tunesien gekommene französische Jugendliche werfen Steine auf Synagogen. John Kerry unterbricht eine Rede über die Gefahren der globalen Erwärmung, als ein Helfer ihn über eine noch größere Gefahr für die Welt informierte. David leistete gerade die Anzahlung für eine Zweizimmer-Wohnung in Gvaot.

Man kann auf die Teppiche im Weißen Haus spucken und alles Gold in Griechenland stehlen. Man kann alles sprengen, was man will und bedrohen, wen man will, aber man sollte lieber keinen Bohrer in der Nähe der Hügel in die Hand nehmen, von denen Balaam das jüdische Volk verfluchen sollte und es nicht schaffte. Wo der alte, mesopotamische Zauberer scheiterte, treten seine Nachfolger in den Vereinten Nationen in seine Fußstapfen und verfluchen Israel jeden Tag der Woche.

Manche rmag glauben, dass Atombomben die ultimative Waffen seien, aber wie wir immer wieder sehen, sind die ultimative Waffe ein Hammer und eine Hand voll Nägel in einer jüdischen Hand.

Obama muss noch eine Strategie für ISIS ausgraben und kann sich nicht vorstellen, was er wegen Putin in der Ukraine unternehmen soll, aber es gibt immer eine Endstatus-Lösungsstrategie für Israel, zu der es gehört so viele jüdische Häuser wie möglich zu zerstören und die darin lebenden Familien zu vertreiben.

Jeder hat seine Standards. Es gibt Dinge, die wir alle nicht ertragen können. Und bei all den Miss America-Antworten über ein Ende der Kriege, des Hungers und das Tragen von Kariertem in der Öffentlichkeit ist das Einzige, gegen das jeder aufsteht oder sich setzt, ist das israelische Haus.

Wenn China ankündigt, es werde keine Demokratie in Hong Kong geben, ISIS eine Schlacht gegen die irakischen Streitkräfte verliert und Jihadisten die US-Botschaft in Tripoli besetzen, sind das alles nebensächliche Geschichten, die gründlich von dem Entsetzen erregenden Bericht begraben werden, dass Israel 998 Morgen Land für Hausbau „beschlagnahmen“ könnte.

Aus der Menge an Medienberichten hätte man auf die Idee kommen können, dass Israel Frankreich oder Kuwait erobert hätte statt etwas Land von der Größe eines Bauernhofs oder einer Ranch für Hausbau zuteilt. Hätte bloß Israel 2.000 Morgen zugeteilt, dann hätten Außerirdische in Berkeley landen können und die Nachrichten wären unter der Berichterstattung über die Häuser die möglicherweise gebaut werden und in der eines Tages Juden leben könnten, begraben worden.

Dass „beschlagnahmte“ Land hatte Israel gehört und es gab vorher keine Ansprüche darauf. Hätte Qatar entschieden ein muslimisches Bauprojekt an der Stelle zu finanzieren, wäre niemand dagegen gewesen. Doch für Juden gibt es andere Regeln. Es hat immer andere Regeln dazu gegeben, wo Juden leben dürfen. Das internationale Recht ist das neue Ghetto. Die es durchsetzen, sind Diplomaten und BDS.

Das US-Außenministerium hat behauptet, Häuser zu bauen sei für den Frieden „kontraproduktiv“. Andererseits scheint es nie kontraproduktiv zu sein, wenn die PA Terroristen finanziert. Die rechtliche Entscheidung zum Land wurde in Übereinstimmung mit dem bestehenden ottomanischen Recht des muslimischen Reichs getroffen. Doch muslimisches Recht ist nur dafür da angewendet zu werden, wenn es Muslimen Vorteile verschafft.

Offizielle Vertreter des Weißen Hauses haben in der Vergangenheit schon behauptet Netanyahu habe Obama „gedemütigt“, indem er den Bau von Häusern genehmigte. Russland mag mit Atomkrieg gegen die USA drohen und der Iran mag Obama zum Narren halten, aber nur Israel hat es geschafft die offizielle Anerkennung der „Erniedrigung“ Obamas zu gewinnen, ohne da überhaupt versucht zu haben; damit ist wieder einmal bewiesen, dass die jüdische Rasse derart talentiert ist, dass sie oft etwas Erreicht, von dem andere träumen mögen, aber ohne dass sie je erkannte, was es tat.

Da Netanyahu jetzt auf – wörtlich – auf die Matratzen gegangen ist, indem er neuen Hausbau genehmigte, werden die Medien kreischen, Israel habe Obama noch einmal komplett erniedrigt. Man sagt, jedes Mal, wenn eine Glocke erklingt, bekommt ein Engel seien Flügel. Doch jedes Mal, wenn ein israelischer Presslufthammer tost, steht Obama wie der berühmte Müll beklagende nachgemachte Indianer mit einer Träne, die ihm langsam die glitzernde Wange herunterläuft, weil ein weiteres erniedrigende israelisches Haus zu sehen ist.

Nach Angaben der New York Times, die niemals falsch liegt, macht der Bau von Häusern Frieden unmöglich. Frieden, der keineswegs irgendwie durch Raketen, Selbstmord-Bomber, einseitige Staatsausrufungen und Kriegserklärungen behindert wird, stößt auf ein einziges Hindernis. Die entschlossene, unnachgiebige Mauer des israelischen Hauses.

Man kann israelische Häuser mit Artillerie beschießen und einbrechen, um die darin lebenden Menschen zu massakrieren, aber nach all dem geht Israel hin und baut mehr von diesen verdammten Dingern.

Die Hamas schießt tausende Raketen und Israel baut tausende Häuser. Doch israelische Häuser stehen allgemein da, wo sie gebaut wurden, während Hamas-Raketen genauso wahrscheinlich Gazaner töten, wie sie Löcher in die Dächer dieser niederträchtigen Häuser schlagen. Und in der Rüstungsspirale zwischen Häusern und Raketen schienen die Israelis zu gewinnen. Und das ist nicht gut für den Frieden.

Wenn die Israelis die gefährliche Idee haben, dass sie einfach weiter Häuser bauen können und all die talentierten Raketenschützen überdauern können, die ihre Zeit mit dem Koran vor dem einen und dem Anarchisten-Kochbuch vor dem anderen verbringen, welche Hoffnung gibt es da auf Frieden?

Das ist der Grund, dass sich niemand groß um Hamas-Raketen kümmert, die meistens Israelis töten, von denen die höchst vernünftigen Leute in London, Paris und Brüssel glauben, dass sie sowieso kommen; genau diese Leute geraten deshalb wegen eines israelischen Hauses ins Schäumen geraten.

Israelis zu töten ist nie ein Friedenshindernis gewesen. Zwanzig Jahre Mord an Israelis haben nicht eine einzige israelische Regierung davon abgebracht sich an den Tisch zu setzen und mit den Terroristen zu feilschen. Aber eine israelische Familie, di ein einem Haus lebt, hält Territorium nieder, womit es schwerer wird den Terroristen etwas abzutreten, wenn die Engel auf die Pauke gehauen haben, die Meere ausgetrocknet sind und Frieden auf einem goldenen Tablett von 72 Jungfrauen hereingetragen wird, die von ihren fliegenden Selbstmordbomber-Gefährten begleitet werden.

Das Problem ist ein altes. Pharao kämpfte damit. Hitler auch. Und die Hamas ebenfalls. Was macht man, wenn es zu viele lebende Juden gibt? Die Antwort ist offensichtlich.

Israels Friedenspartner versuchten auf die altehrwürdige ägyptische Tradition alle Juden ins Meer zu werfen zurückzugreifen. Doch obwohl ein gesamtes Offizierskorps des Vereinten Königreichs zeitweise „Urlaub“ von den Streitkräften hatte, bekamen sie nur gerade mal die Hälfte von Jerusalem, wo sie jede einzelne Synagoge sprengten, und nahmen Israels die Westbank oder, wie die nicht indigenen, zionistischen Invasoren ohne Wurzeln in der Region es nennen: Judäa und Samaria.

Neunzehn Jahre später hatten Israels Friedenspartner ihr britisches Offizierskorps gegen ein sowjetisches ausgetauscht und verloren Jerusalem, die Westbank und Gaza, womit sie bewiesen, wenn es um das Töten von Juden geht, dann waren die Kommunisten besser darin, als die Juden nicht zurückschossen. Seitdem hat die Welt – oder die Teile davon, die in Gänze von Diplomaten und der Oberklasse der Journalisten bevölkert wird – Israel gedrängt das Land an ein erfundenes Land zurückzugeben, das ausschließlich von Terroristen bevölkert sein soll.

Dieser Friedensplan, der genauso gut funktioniert hat wie Feuer mit Benzin zu bekämpfen, ist von zwei Jahrzehnten Terror nie auch nur ansatzweise gefährdet gewesen, zittert aber jedes Mal bis hinunter zu seinen Zehen, wenn ein israelischer Hammer auf einen israelischen Nagel trifft. Denn das Land muss zurück, damit von ihm aus Raketen auf Israel geschossen werden können, so dass Israel wieder in es eindringen und zurückerobern kann und wegen dem es sich dann für einen weiteren Friedensprozess zur Rückgabe des Landes hinsetzt, aus dem die Raketen geschossen werden, in das eingedrungen wird, das zurückgegeben wird – für Frieden.

Und israelische Häuser gefährden diesen Kreislauf aus Frieden und Gewalt. Sie gefährden es, indem sie „Fakten vor Ort“ schaffen, eine pikante Formulierung, die nur auf Häuser mit Juden angewendet zu werden scheint. Muslimische Häuser schaffen keineswegs Fakten vor Ort, selbst wenn sie aus demselben Material gebaut und mit Menschen gefüllt sind. Oder vielleicht schaffen sie gute Fakten vor Ort. Die Art von Bevorrechtigung von Verhandlungen, die die professionellen Friedensmacher gut heißen.

Doch es ist schwierig zu wissen, welche davon die Friedensmacher genau gut heißen, denn ihre Argumente und ihre Definitionen verändern sich ständig. Alles, was wir wissen, ist, dass sie gegen israelische Häuser sind.

Die Vereinigten Staaten versicherten Israel wiederholt, dass Jerusalem auf keinen Fall durch den Friedensprozess gefährdet würde. Niemand Geringere als Joseph Robinette Biden Jr. war Co-Sponsor dreier Resolutionen im Senat, die darauf drängten, dass Jerusalem Israels ungeteilte Hauptstadt bleiben sollte. Dann war er wie alle guten Politiker furchtbar beleidigt, als die Israelis ihn tatsächlich beim Wort nahmen.

Obama hielt eine Wahlkampfrede, in der er erklärte, Jerusalem sollte ungeteilt bleiben. Einen Tag später erklärte er, dass er „ungeteilt“ in einer Art spirituellem Sinn meinte, der nicht ausschließt, dass es genau genommen physisch geteilt wird.

UNO-Chef Ban Ki-moon hat erklärt, israelische Häuser seien ein „fast tödlicher Schlag“ für den Friedensprozess. Es ist natürlich nur ein „fast tödlicher Schlag“, denn wie Dracula kann der Friedensprozess nicht getötet werden. Israelische Häuser sind, so furchterregend sie mit ihren Balkone und schlechten Heizungen im Winter auch sein mögen, niemals auch nur gerade gut genug um ihn zu töten.

Wie die Monster in einem Horrorfilm kommt der Friedensprozess immer wieder zurück und egal wie viele Schläge das israelische Haus ihm versetzt, ein Jahr später gibt es eine Fortsetzung, in der der Friedensprozess dem israelischen Haus erneut nachstellt.

Die Armee der tödlichen israelischen Häuser, die fünf Jahre lang nicht (oder gar nicht) gebaut werden dürfen, scheint im schwarzen Nachrichtendruck der New York Times und in den Explosionen der Kolumnisten des Guardian eindrucksvoll, doch ihr tatsächliches Potenzial beschränkt sich darauf jüdische Familien zu beherbergen und internationale Diplomaten und ihre Medien-Kleiderbügelhalter zur Weißglut zu bringen.

Europa ist fuchsteufelswild, Obama kocht, die UNO ist unter Strom gesetzt und irgendwo im Irak wischt der Kalif der ISIS sich das Schmalz aus dem Bart und fragt sich, was er tun könnte, um so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Er schreibt kurz einige Gedanken auf eine Serviette und tut sie dann als zu unplausibel ab.

So viel Aufmerksamkeit er von der Welt bekommen könnte, es gibt keine Möglichkeit, dass ISIS Häuser für Juden in Israel bauen würde.

Ein einfaches Beispiel, wie man die Delegitimierung Israels bekämpfen kann

8. September 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Europa+Nahost, Israel | 1 Kommentar
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Eine große Zahl billiger Projekte kann helfen der Delegitimierung Israels etwas entgegenzusetzen. Ein Beispiel unter vielen ist der Blog Bad News from the Netherlands (Schlechte Nachrichten aus den Niederlanden).1

Was hat mich überzeugt diesen Blog zu beginnen? Bis 2007 hatte ich eine große Zahl an einseitigen Artikeln gegen Israel in einer Vielzahl – aber nicht allen – der niederländischen Medien gesehen. Sie erwähnten vorrangig negative Aspekte oder Ereignisse in Israel. Diese Zeitungen verwendeten wenig Zeit oder Platz auf die weit negativeren Aspekte in der palästinensischen Gesellschaft, darunter die völkermörderischen Programme der größten Palästinenserpartei, der Hamas. Dieser Ansatz wurde von der Tatsache verdeckt, dass diese niederländischen Medien von Zeit zu Zeit auch ein paar wenige Artikel sendeten oder veröffentlichten, in denen Israel nicht ganz so negativ dargestellt wurde.

Inzwischen listet der Blog 2.800 negative Einträge über die Niederlande auf. Aus diesen Artikeln kann man z.B. die Schwäche des niederländischen Militärs erkennen. Die Armee hat nicht einen einzigen Panzer mehr. Alles, was die wohlhabenden Niederlande den Kurden für ihren derzeitigen Kampf gegen die Barbaren des Islamischen Staats geliefert hat, sind 1.000 kugelsichere Westen und Helme.2

In den Niederlanden ist die Integration von Einwanderern, besonders die von Muslimen, zum Teil gescheitert. Viele Nachkommen der dritten und vierten Generation scheinen mehr Probleme zu machen als ihre Einwanderer-Vorfahren. Wegen der von ihnen verübten extrem kriminellen Taten sind Marokkaner regelmäßig in den Nachrichten – in Zahlen, die in keinem Verhältnis zum Bevölkerungsanteil ihrer Gemeinschaft stehen. Noch wichtiger ist jedoch, dass die niederländischen Behörden zugegeben haben, dass die größte terroristische Bedrohung für das Land in der möglichen Rückkehr niederländischer Jihadisten aus den Nahen Osten und in denen, die bereits zurückgekehrt sind, besteht.3 Ein überproportionaler Teil des Budgets für den Geheimdienst und die Terrorbekämpfung wird auf kaum mehr als 100 Personen konzentriert, die allesamt aus der muslimischen Gemeinschaft stammen.4

Rabobank, eine führende Bank in den Niederlanden, hat ihre Mithilfe bei der Manipulation der Libor-Zinssätze zugegeben. Sie hat mehr als eine Dreiviertel-Milliarde Euro Bußgeld an die Behörden der Vereinigten Staaten und Europas gezahlt. Die Bank wird jetzt sowohl in Argentinien als auch in den USA auf Milliarden Dollar verklagt.5

Die niederländische Polizei versagt in vielen Dingen. Aus Etat-Gründen ist es Ermittlern der Polizei in Amsterdam bis Ende nächsten Jahres nicht gestattet bei Ermittlungen in Kriminalfällen Überstunden zu machen.6 Die Computerisierung der Regierungsbüros geht regelmäßig in die Hose. Hundert Millionen, wenn nicht mehrere Milliarden Euro werden auf Projekte verschwendet, die funktionsgestört sind oder niemals zu Ende geführt werden.7

Verglichen mit dem, was von Zeit zu Zeit über die direkte und indirekte Rolle der niederländischen Armee an großen Kriegsverbrechen und die Tötung von Zivilisten seit dem Zweiten Weltkrieg ans Tageslicht kommt, sind das alles nur Kleinigkeiten. Während der so genannten „niederländischen Polizeiaktionen“ von 1947 bis 1949 in Indonesien – dem damaligen Niederländisch-Indien – wurden mehr als 100.000 Menschen getötet. Vor kurzem lenkte ein Prozess vor Gericht die Aufmerksamkeit auf einige Kinder, deren Väter in zwei Städten ohne Verfahren erschossen und deren Häuser im Süden der Insel Sulawesi niedergebrannt wurden. Dort wurden fast 300 Männer ohne Gerichtsverfahren getötet. Auf der gesamten Insel wurden unter dem Kommando des niederländischen Offiziers Raymond Westerling tausende Männer ohne Gerichtsverfahren exekutiert.8 In der Kleinstadt Rawagede auf der Insel Java wurden fast alle Männer ohne Gerichtsverfahren getötet. Erst vor kurzem hat ein Gericht entschieden, dass ein paar Familienmitglieder entschädigt werden.9 Der Historiker, der die niederländischen Aktivitäten dieser „Polizeiaktionen“ untersuchte, hat seitdem zugegeben, dass die Recherche eilig und oberflächlich erfolgte.10

Die Flucht der niederländischen UNO-Soldaten aus der bosnischen Stadt Srebrenica 1995 ist ein weiteres immer wiederkehrendes Thema. Obwohl es unter UNO-Kommando stand, wurde dem niederländischen Bataillon von der eigenen Regierung gesagt es solle aus der Stadt fliehen. Danach wurden 8.000 bosnische Muslime von bosnischen Serben ermordet. Vor kurzem befand ein niederländischer Richter die Niederländer für schuldig 300 bosnische Muslime vertrieben zu haben.11 Die von den Familienmitgliedern der Opfer angestrengte Gerichtsverhandlung geht weiter, da sie wollen, dass die Niederlande für das zur Verantwortung gezogen werden, was all den Ermordeten zustieß.12

Der Blog hat auch über die Tötung von mehr als einhundert Zivilisten in Aktionen berichtet, in die niederländische Soldaten in Afghanistan verwickelt waren.13 Eine dieser tödlichen Aktionen wurde von ihren australischen Kollegen in der Region kritisiert. Sie erhielt in den Niederlanden im Vergleich zum israelischen Handeln im jüngsten Gaza-Konflikt weit weniger Aufmerksamkeit – und Afghanistan hatte die Niederlande nie angegriffen.

Einige Experten aus dem Ausland und ich nutzen die Inhalte des Blogs in Vorträgen und Artikeln sowohl in Israel als auch im Ausland, um Medieneinseitigkeit zu illustrieren. Hauptsächlich wird er allerdings gebraucht, um in der Lage zu sein Experten und Auslandsjournalisten innerhalb von zwei Minuten Gespräch zu zeigen, wie die Dämonisierung Israels funktioniert. Ich erhielt überraschende Reaktionen. Egal welche sieben Negativbeispiele auf der ersten Seite aufgebracht wurde, eine Reihe von ihnen sagte mir, nachdem sie diesen Blog lasen wären die Niederlande kein Land, das sie besuchen wollen würden. Ich argumentiere dann, dass sie wüssten, dass der Blog nur negative Einträge enthält. Sie antworteten, dass das keine Rolle spielte – da diese Meldungen wahr sind, würden sie nicht in die Niederlande reisen wollen.

Solche Reaktionen auf den Blog lehrten mich einmal mehr, wie stark die Kraft der negativen Präsentation ist und dass sie oft nicht durch positive Publicity ausgeglichen werden kann, egal, wie viel Mühe man sich in dieser Richtung macht.

Bad News from the Netherlands ist nur ein einzelnes Beispiel eines preisgünstigen, kleinen, aber effektiven Mittels im Kampf gegen die grenzenlose Dämonisierung Israels. Es können viele solche Mittel außerhalb des konventionellen Denkens entwickelt werden. Damit das klappt, muss allerdings eine zentrale israelische Organisation die Hass-Propaganda bekämpfen. Ein solches Gremium hätte schon vor Jahrzehnten gegründet werden müssen.

Dr. Manfred Gerstenfelds kommendes Buch „The War of a Million Cuts“ analysiert, wie Israel und die Juden delegitimiert werden und wie sie dagegen kämpfen.
Er war von 2000 – 2012 Vorsitzender des Jerusalem Center of Public Affairs.

 

1 http://badnewsfromthenetherlands.blogspot.co.il/
2 Natalie Righton: Hooguit scherfvesten, geen echte wapens voor Koerden. Volkskrant, 19. August 2014 [in Niederländisch]
3 Tom Reijner: AIVD: 14 Nederlandse jihadisten omgekomen bij strijd in Syrie. Elsevier, 30. Juni 2014 [in Niederländisch]
4 Hans Steketee: Veiligheidsdienst AIVD verliest zicht op escalerend jihadisme. NRC, 20. Juni 2014 [in Niederländisch].
5 Rabobank gedaagd in Argentinie om Liborfraude. AD.nl, 8. August 1014 [in Niederländisch].
6 John van den Heuvel: Recherche op zwart zaad. Telegraaf, 24. August 2014 [in Niederländisch].
7 G. Hoevenaars: ICT overheid kan 5 miljard goedkoper. Spits, 16. Mai 2014 [in Niederländisch].
8 Kinderen van Sulawesi willen genoegdoening. Elsevier, 27. August 2014 [in Niederländisch].
9 Shari Deira: Nederlandse staat aansprakelijk voor bloedbad dorp. Elsevier, 14. September 2011 [in Niederländisch].
10 Joeri Boom: de Excessennota moet opnieuw. De Groene Amsterdammer, 5. Dezember 2008 [in Niederländisch].
11 Pim van den Dool: Moeders van Srebrenica in hoger beroep tegen uitspraak rechter. NRC, 16. Juli 2014 [in Niederländisch].
12 ebenda.
13 www.ad.nl/buitenland/article1779408.ece

Nächster Halt: Europa

6. September 2014 um 9:00 | Veröffentlicht in Europa+Islam, Europa+Nahost, Karika-Tour | Hinterlasse einen Kommentar
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DryBones, 5. September 2014

DryBones2014-09-05

Wird Europa fähig sein zu überleben? Wird es sich wehren? Wird Amerika „von hinten“ führen?
Wir werden es erleben – schon bald!

Juden in Europa

5. September 2014 um 15:45 | Veröffentlicht in Europa+Nahost, Satire/Humor | Hinterlasse einen Kommentar
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Die neue „Normalität“

5. September 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Europa+Islam, Europa+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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Naomi Ragen, 30. August 2014

Ich erinnere mich, dass ich damals, in den 1970-ern, einen Fernsehbericht über den Bürgerkrieg im Libanon sah. In mein Gedächtnis hat sich ein Interview mit einer namenlosen Frau eingeätzt, die beschrieb, wie sie lebte, als ihre Straße von Heckenschätzen beschossen wurde, die aus Spaß gewöhnliche Bürger herauspickten. Ihre Worte lauteten in etwa: Wir gehen früh am Morgen raus, weil die Heckenschützen zu dieser Zeit noch schlafen. Und dann in der größten Hitze des Tages, weil sie dann müde sind, sagte sachlich. Ihre Worte trafen mich mit Schrecken, nicht so sehr wegen dem, was sie sagte, denn was solle die arme Frau auch machen; sie musste manchmal raus, um für ihre Familie Lebensmittel einzukaufen. Nein, was es mir kalt den Rücken herunterlaufen ließ, war, dass dies alles für sie normal geworden war. Sie hatte die Situation akzeptiert und es war zur Lebensweise geworden, ohne Rückbesinnung auf irgendeine andere Art zu leben.

Dies ist mehr als alles andere die wahre Gefahr des aktuellen Konflikts zwischen Israel und den brutalen Terroristen an seinen Grenzen. Mein Sohn sagte mir gegenüber neulich zum Versorgen meiner Enkel während des Sommers, als ständig im ganzen Land Raketenangriffe kamen und Sirenen heulten: „Wir haben uns irgendwie daran gewöhnt.“

Lassen Sie mich das, was ich als nächstes sagen werde, damit einleiten, das ich es in den folgenden Kontext stelle: Ich glaube, dass die Israelis – einschließlich meines Sohnes – die mutigsten, erfindungsreichsten und intelligentesten Menschen der Erde sind. Ich glaube, dass sie ein großzügiges, einfallsreiches, kreatives, gütiges, humanes, das Leben liebendes Volk sind, die den Hass welcher Nation der Erde auch immer am wenigsten verdienen.

Aber ich kann mir eigentlich viele andere auf unserem kleinen Planeten vorstellen, die es verdienen verunglimpft, beleidigt werden, gegen die marschiert wird, die boykottiert, gehasst und gemieden werden.

Leute, die mit menschlichen Köpfen Fußball spielen (ich habe meinen Augen nicht getraut). Leute, die andere köpfen und das auf YouTube zeigen. Leute, die Kinder mit Puppen lehren Köpfe abzuschneiden und dann stolz die Videos der kleinen Schätzchen mit ihren Sägemessern und kopflosen Puppen bei der Arbeit hochladen. Leute, die ihre zwölfjährigen Töchter an jihadistische Vergewaltiger verleihen. Leute, die Frauen Säure ins Gesicht schütten, weil sie ihre Avancen ablehnen. Leute, die andere von der Straße holen und sie hinrichten.

Sie verstehen. Ich kann beim besten Willen nicht begreifen, warum nicht sie von den Gutmenschen und den wütenden Linken ins Visier genommen werden. Ich begreife nicht, warum es für Journalisten nur dann Nachrichten sind, wenn es Juden tun.

Mitten in einem persönlichen leichten Durchdrehen nach einer Menge Beerdigungen der attraktivsten, liebenswürdigsten, wunderbarsten jungen Männer der Welt, unserer IDF-Soldaten, machte ich einen lange geplanten Urlaub, eine Ostsee-Kreuzfahrt, die in Kopenhagen begann und bei der wir in Helsinki, Stockholm, St. Petersburg und einigen weiteren Haltepunkte anlegten, die ich bereits wieder vergessen habe.

Durch die Straßen einer friedlichen europäischen Stadt zu gehen war anfangs ein kleiner Schock. Es war, als müsse man sich erst wieder an Vernunft gewöhnen. All diese Blonden auf Fahrrädern in Dänemark, den Wind im Haar, hinreißende kleine Babys in Wagen an Fahrrädern. Menschen in Straßencafés, auf Bootstouren, die an einem Sommertag durchs Grüne, durch blühende Gärten schlendern. Im Kopf versuchte ich – nur für einen Moment – mir vorzustellen, wie die Sirenen ertönen und alle in Deckung hasten.

Doch das war unmöglich.

Ahh, das ist es also, was einst, vor nicht wirklich langer Zeit, Normalität genannt wurde.

Ich dachte an den Beginn des Zweiten Weltkriegs, als Haile Selassie 1935 seine Stimme erhob, als Italien barbarisch in sein kleines Land einfiel. „… Es gibt keinen Präzedenzfall dafür, dass ein Volk Opfer einer solchen Ungerechtigkeit wird und derzeit dadurch bedroht wird, dass man es seinem Aggressor überlässt.“ Zur ewigen Schande der Welt fiel dieses ergreifende Flehen auf taube Ohren, während die Welt weiter dem Geschäft nachging zu versuchen sich mit Hitler zu vertragen, um ihr eigenes, ruhiges Leben fortzusetzen.

Die Geschichte bekräftigt, wie gut diese Strategie funktionierte.

Was ich am beängstigendsten und unverständlichsten finde ist, wie wenige Menschen sich daran erinnern. Ist es echte Ignoranz oder gewollte Ignoranz? Dazu habe ich noch keine Entscheidung gefunden. Junge Leute scheinen sich der Menschheitsgeschichte gegenüber so wenig bewusst. Sie können dir sagen, wie oft Selena Gomez sich von Justin Bieber getrennt hat, aber ich bezweifle ernsthaft, dass sie einem irgendetwas selbst der Geschichte der letzten zehn Jahre sagten können, geschweige denn von den letzten hundert Jahren des Planeten Erde.

Es ist eine bequeme Vergesslichkeit, die zweifelsohne durch den Marsch neuer Kräfte der Barbarei verursacht wurde, die unter dem Deckmantel der Einwanderung in die freie Welt eingefallen sind. Die gewalttätigen Demonstrationen überall in Europa zur Unterstützung der schlachtenden Horden vergewaltigender Entführer und völkermörderische, rassistischer Irrer, die unter der neu geprägten Version des Islam die reizenden Straßen von Paris übernommen haben, die Gehwege der Londoner High Street und anderer europäischer Hauptstraßen sind zu zahlreich, als dass man sie zählen könnte. Ihre abstoßenden, antisemitischen Parolen verschmutzen die Mauern der einst zivilisierten Welt. Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wird es noch zu sehen bekommen. Wo immer ihr lebt, sie werden bald auf einer Straße in eurer Nähe sein.

Juden haben aus offensichtlichen Gründen nicht den Luxus unsere Geschichte zu vergessen. Von allen Völkern der Welt sind wir diejenigen, die am wenigsten bereit sind sie zu wiederholen – aus offensichtlichen Gründen.

Ich war von der Geschichte der Juden an allen Orten der Welt, die ich besuchte, fasziniert. Ohne Ausnahme folgte die jüdische Präsenz überall in Europa demselben Muster. Juden wurden vertrieben. Dann wurden Juden aus bestimmten Gründen vorübergehend „erlaubt“ sich in bestimmten Städten eine bestimmte Zeit lang niederzulassen, um den besonderen Bedürfnissen der derzeitigen Herrschaftsklassen zu dienen. Dann wurden sie wieder hinausgeworfen. Und dann tröpfelten sie wieder zurück, bis sie erneut hinausgeworfen wurden.

Es erscheint mir so, dass Europas derzeitige Haltung gegenüber dem jüdischen Staat mit einem wahnhaften Wunsch nach Rückeroberung dieser historischen Fähigkeit befleckt, Juden vorzuschreiben, wo sie leben dürfen und wo nicht; was sie tun dürfen und was nicht. Vielleicht ist das der Grund, dass sie über die Europäische Union weiter Edikte und Warnungen und Forderungen ausgeben und üble Blutschuld-Vorwürfe erfinden, es ablehnen anzuerkennen, dass die Geschichte weitergezogen ist und dass die Juden nicht länger die Genehmigung Europas brauchen, um sich anzusiedeln und zu wachsen und zu gedeihen und zu kreieren und ihren eigenen Bedürfnisse nachzukommen, ohne Rücksicht darauf wie Europa bedient werden will.

In den 70-er Jahren des 18. Jahrhunderts wurden Juden in Schweden nur zugelassen, wenn sie zum Christentum übertraten, bis ein Siegelmacher aus Deutschland namens Aron Isak diese Forderung zurückwies: „Ich würde meine Religion nicht für alles Gold der Welt ändern.“ Das beeindruckte den Oberbürgermeister von Stockholm dermaßen, dass er Herrn Isak empfahl mit König Gustav III. zu sprechen, der ihm nicht nur das Recht gewährte Schwedens erster jüdischer Staatsbürger zu werden, sondern auch zehn weitere Familien mitzubringen, damit er ein Minyan bilden konnte.

Aus einem ruhigen Leben in einer toleranten und liberalen Bevölkerung ist das jüdische Leben in Schweden und dem größten Teil Europas zu einem Albtraum geworden, weil muslimische Einwanderer aus der gesamten islamischen Welt das Land überfluteten und auf einen Bevölkerungsanteil von vier Prozent anwuchsen.

Seit dem jüngsten Krieg im Gazastreifen ist das Leben für die schwedischen Juden noch unerträglicher geworden. „Wir haben immer gewusst, dass es in Schweden solche gibt, die uns hassen, aber diesmal kam das noch mächtiger zum Ausdruck, denn es gab so viele antisemitische Äußerungen und Angriffe durch Antisemiten, dass es unmöglich war sie alle zu verfolgen. Selbst unter Prominenten, Politikern und Journalisten – das war keine Kritik an der Operation im Gazastreifen, sondern wirklich Hass auf Juden“, erzählte der 22-jährige schwedisch-jüdische Student Victor Boslöv-Reichmann NRG.

Die Ironie, dass Europa historisch seine Türen den Juden verschloss, nur um sie den Muslimen weit zu öffnen, ist kaum zu ignorieren. In Schweden hat das zumindest keinen Segen gebracht. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2013 berichteten mehr als 1.000 schwedische Frauen in der Hauptstadt Stockholm von muslimischen Einwanderern vergewaltigt worden zu sein, ein großer Teil von ihnen noch nicht einmal Teenager.

Unser Schiff legte in Stockholm an. Jede Menge hübscher Häuser. Jede Menge dunkelhaariger Männer, die blonde Schwedinnen beäugten. Und viele Schilder, die das „Abschlachten“ von Palästinensern im Gazastreifen verdammten.

Ich flog nach Israel nach Hause. Am ersten Abend nach der Rückkehr gab es in Jerusalem Roten Alarm.

Leider fühlte es sich normal an.

Dennoch war das besser als in Schweden zu sein – oder an irgendeinem anderen Ort im Ausland, wo die örtliche Ruhe durch unmoralische Ignoranz erkauft ist. Wenn es aber stimmt, dass George Santayana recht hatte, als er schrieb: „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“, dann wird es an keinem dieser Orte noch allzu lange ruhig bleiben.

Dieser Artikel wurde zuerst in der Jerusalem Post vom 29. August 2014 veröffentlicht.

„Landgrabschen“ oder bürokratische Landvermessung

4. September 2014 um 17:26 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Europa+Nahost, Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt | 2 Kommentare
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Ulrich W. Sahm, 4. September 2014 (direkt vom Autor)

Die Reaktion der Welt zur neuesten israelischen Ankündigung zur „Siedlungspolitik“ kam postwendend. Wie im Ritual protestierten Washington, Ban Ki Moon in New York, die EU in Brüssel und das AA in Berlin. Kritisiert wurde Israels „Landraub“, ein „Landgrabschen“, eine „Enteignung“ (so Bundesaußenminister Steinmeier) und ein „falsches Signal zur falschen Zeit“. Palästinensische Sprecher reden von einem Verbrechen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International „empörten“ sich über den „unerhörten illegalen Akt“ eines „Landgrabschens zwecks Siedlungsbau“. Mindestens fünf palästinensische Dörfer seien betroffen. Das komme einer „Kollektivbestrafung“ gleich, während Israel sich weiter von seinen Verpflichtungen gegenüber dem internationalen Recht entferne.

Auch in Israel gab es die üblichen vorhersehbaren Reaktionen, je nach politischem Standpunkt. Wirtschaftsminister Naftali Bennett redete von einer „angemessenen zionistischen Antwort auf die Morde der Hamas“. Tzipi Livni, Chefunterhändlerin bei den gescheiterten Friedensverhandlungen, verurteilte den „Zeitpunkt“. Die Ankündigung sei ein „vernichtender Schlag“ für die Sicherheit und das Ansehen Israels. Bei den Gesprächen habe sie stets klar gemacht, dass der Siedlungsblock Gush Etzion auch künftig bei Israel bleiben werde. Die neueste Ankündigung habe das Gebiet in „umstrittenes Territorium“ verwandelt.

Gush Etzion, südwestlich von Bethlehem gelegen, ist eine Ansammlung mehrerer israelischer Siedlungen. Der Siedlungsblock befindet sich auf Land, das Juden vor der Staatsgründung legal erworben hatten. Laut Teilungsplan der UNO 1947 sollte das Gebiet dem künftigen jüdischen Staat zugeschlagen werden. Aber im Unabhängigkeitskrieg 1948 wurde der Siedlungsblock von den Jordaniern überrannt. Die Bewohner wurden ermordet und eine gescheiterte Befreiungsoperation forderte viele israelische Opfer. Nach 1967 begann hier die israelische Siedlungspolitik. Überlebende kehrten in ihre zerstörten Dörfer zurück. Gush Etzion zählt zu jenen „Siedlungsblöcken“, die nach amerikanischer Auffassung, von US-Präsident Bill Clinton bestätigt, auch nach der Errichtung eines palästinensischen Staates bei Israel bleiben solle.

Die wortreichen Verurteilungen bezogen sich auf eine vierzeilige Verlautbarung von COGAT, dem (militärischen) „Koordinator der Regierungsaktivitäten in den Gebieten“. Da heißt es wörtlich auf Hebräisch: „In der Folge einer Anweisung der politischen Ebene nach Abschluss der Operation „Heimkehr der Söhne“ (die Suche nach den entführten und ermordeten drei Talmudschülern im Juni) beginnt heute, am 31.8.14, der Prozess der Definition von etwa 4.000 Dunam (400 Hektar) in Gevaot in der Gush-Etzion Region als Staatsland. Dieser Prozess wurde möglich nach einer tiefgehenden Prüfung des Blaue-Linie-Teams der Zivilverwaltung. Eine Frist von 45 Tagen wurde für Widerspruch eingeräumt“.

Ein israelischer Sprecher meinte zu der „falschen und ungerechtfertigten“ internationalen Kritik: „Die legen sich ihre Argumente gemäß ihrer Weltanschauung zurecht und verurteilen automatisch alles, was Israel in den besetzten Gebieten tut, ohne genauer hinzuschauen.“ Der Jurist im Staatsdienst, der namentlich nicht genannt werden wollte, bot im Hintergrundgespräch eine ausführliche Erklärung.

Gush Etzion liege im C-Gebiet des seit 1967 besetzten Westjordanland. Gemäß den Osloer Verträgen habe Israel in rund 60% des Westjordanlandes zu einem neuen Vertrag volle Verwaltungsvollmacht. Die Palästinenser beanspruchen dieses vormals von Jordanien annektierte Gebiet für ihren künftigen Staat Palästina. Es jetzt schon als „palästinensisches Gebiet“ zu bezeichnen, sei ein Vorgriff auf den Ausgang der Verhandlungen.

Die Briten haben als Mandatsmacht bis 1948 schon vor über 50 Jahren begonnen, türkisch-osmanisches Bodenrecht „heutiger Logik“ anzupassen. „Ich habe selber Grundbucheintragungen aus dem 19. Jahrhundert gesehen. Ein gewisser Acker reichte vom zweiten Baum links und zum dritten Felsen rechts und grenzt an den Acker von Muhammad und Ahmad. Die Bäume und Felsbrocken sind verschwunden und niemand kennt mehr Muhammad oder Ahmad“, so der Jurist. Die Briten wandten moderne Landvermessung an, was die israelische Zivilverwaltung heute fortsetzt. Gemäß osmanischem Recht gebe es vier Kategorien Land: Sultansland (Land im Staatsbesitz, von den Briten auch „Kronland“ genannt), Privatland, gemeinsam benutztes Land (wie Straßen) und „totes Land“ wie Wüste und Sümpfe. Nicht alles Privatland ist jemals im osmanischen „Tabu“ (Grundbuch) eingetragen worden und deshalb „ungeklärt“. Entsprechend türkischer Gesetze wird Gewohnheitsrecht respektiert. Anhand von Schafskot und Luftaufnahmen lässt sich feststellen, ob Land benutzt und beackert worden ist. Diese Prüfungen dauern Jahre. Erst danach können „ungeklärte“ Grundstücke zu „Staatsland“ erklärt und für Raumplanung freigegeben werden. Es geht also keineswegs um eine „Enteignung“, wie Bundesaußenminister Steinmeier am Dienstag behauptet hatte, und auch nicht um eine „Verstaatlichung“, wie die US Botschafterin bei der UNO am Mittwochabend gerügt hat, sondern um Erschließung und Flächennutzungspläne, wie in jedem Staat üblich. Um Irrtümer auszuschließen wurde eine Frist von 45 Tagen für Widerspruch möglicher Privateigentümer eingeräumt. Weder israelisches noch palästinensisches Privatland darf verplant werden. Das zeigt die wiederholte Räumung von Siedlerhäusern, die widerrechtlich auf palästinensischem Privatboden errichtet worden sind. Israelische Gerichte kennen da keine Rücksichten und verfügen mit richterlichem Befehl eine Räumung. Israel kann sich als Rechtsstaat diesen Urteilen nicht verweigern und muss Bulldozer schicken, falls die Betroffenen nicht selber ihre auf fremdem Boden errichteten Häuser abreißen. Das trifft Siedler und Palästinenser wie Daoud Nasser, der in Deutschland eine Protestkampagne gegen die Zerstörung eines von ihm illegal bepflanzten Apfelhaines gestartet hatte.

Der bürokratische Prozess einer Umdefinition von Land in „Staatsland“ dauere „mehrere Jahre“ und habe im Gebiet von Gush Etzion „schon ein Jahrzehnt vor der Entführung der drei Talmudschüler begonnen“, erklärte der Jurist. Zur Sicherheit, um Fehler zu vermeiden, müsse zum Abschluss auch noch der Oberstaatsanwalt seine Einwilligung geben, ehe das Land schließlich zu „Staatsland“ erklärt werden könne. Danach erst könne die Verplanung beginnen, etwa für die Errichtung von Häusern, öffentlichen Parks, Straßen oder landwirtschaftliche Nutzung. Und selbst dann verstreicht noch viel Zeit bis zur ersten Ausschreibung und deren Umsetzung.

(C) Ulrich W. Sahm

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