Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (10. – 16. September 2017)

Dieser Eintrag wird auf der Seite oben gehalten; die sonstigen Einträge folgen darunter.
Eine Liste der täglichen terroristischen ‚Vorkommnisse‘ wird in den Friedfertigkeiten 2017 geführt.

Sonntag, 10.09.2017:

Premierminister Netanyahu gab bekannt, dass der Shin Bet im Juli und August mehr als 70 Terroranschläge verhindert hat. Der Shin Bet-Chef selbst gab an, dass seit Jahresbeginn 2017 200 Terroranschläge verhindert wurden.

Die Hamas kauft in Ägypten Diesel, um die Energiekrise im Gazastreifen zu erleichtern. Sie weigerte sich bisher die Kosten zu tragen und behauptete die PA müsse das tun; weil das nicht passiert, haben sie sich eine „unabhängige Quelle“ gesucht.

Der Imam der Al-Aqsa-Moschee, Ikrama Sabri, verurteilte, dass das Waqf-Büro auf dem Tempelberg als Teil des Kampfs gegen den arabischen Terror geschlossen wurde. Diese Entscheidung sei „null und nichtig“. Er will aber nicht Klage dagegen einreichen, weil das „die Anerkennung Israels“ bedeute und „die Preisgabe der Al-Aqsa an die Gerichte der Besatzer“ darstelle.

Ein 18-jähriger Jude wurde jetzt angeklagt; er hatte einen Araber angegriffen, der eine (jüdische) Kollegin begleitete. Er und zwei Begleiter hatten erst geglaubt, der Araber sei mit der Jüdin liiert und bedrohten ihn mit einem Messer, als er sagte, er sei ein Kollege. Außerdem hatten sie den Mann geschlagen und getreten.

PA-Geheimdienstler verhafteten Mohammed Jabar aus Hebron; er hatte vor einer Woche den Knessetabgeordneten Rabbi Yehuda Glick zum Zuckerfest bewirtet.

Ein PA-Gericht hat den Blogger, der wegen Kritik an Mahmud Abbas festgenommen wurde, gegen Kaution wieder freigelassen.

Der israelische Geheimdienst berichtet, dass die Hamas sich im Libanon mit der Hisbollah zusammentut und mit Hilfe des Iran sich nördlich der israelischen Grenze organisiert.

Montag, 11.09.2017:

Die Gouverneurin von Ramallah pries mal wieder „Märtyrer“ und ihr „wohlduftendes Blut“. Sie besuchte „Märtyrer“-Familien und lobte sie.

Fatah-Führer verliehen der Mutter dreier berüchtigter Terroristen des Palästinensischen Islamischen Jihad, die von Israelis bei Terroranschlägen getötet wurden, einen Preis.

Justizministerin Ayeled Shaked forderte Restaurantbesitzer auf keine Illegalen zu beschäftigen, sondern stattdessen Palästinenser mit gültiger Arbeitserlaubnis einstellen sollen.

Dienstag, 12.09.2017:

Abbas-Berater Mahmud al-Habbasch beschrieb den US-Botschafter in Israel und die Amerikaner im Allgemeinen als von „einem satanischen Trieb“ motiviert; sie hätten „alle Moral verloren“.

Wegen eines Manövers in Israel haben Hisbollah und die UNO ihre Bereitschaftsstufe erhöht.

Mittwoch, 13.09.2017:

Es heißt, dass Ägypten es ablehnt zwischen Israel und der Hamas in Sachen Gefangenengespräche zu vermitteln.

Die PA provoziert weiter und ist wohl nicht mehr davon abzubringen ihre Mitgliedschaft in UNWTO, der Welt-Tourismus-Organisation der UNO zu beantragen. Allerdings wurde aufgrund des Drucks von Israelfreunden jetzt die Abstimmung um zwei Jahre verschoben.

Donnerstag, 14.09.2017:

Eine Dokumentation im PA-Fernsehen dämonisiert Israel in einem Lied als „Kopf der Schlange“. Das Lied fordert auf „die Zionisten“ anzugreifen.

Samstag, 16.09.2017:

Ägypten soll einen neuen Vorschlag für einen „Gefangenenaustausch“ zwischen Hamas und Israel vorgeschlagen haben. Für Informationen über die gefangen gehaltenen Israelis und die Leichen zweier israelischer Soldaten soll Israel die Leichen von 39 PalAraber, darunter 19 Hamas-Terroristen übergeben. Nach Erhalt der Informationen soll Israel arabische Häftlinge freilassen, die nach ihrer Freilassung im Tausch gegen Gilad Shalit wieder festgenommen wurden. Danach sollen Israel und die Hamas in „ernsthafte indirekte Verhandlungen“ über den Austausch von Gefangenen eintreten. (Von Israel wie von der Hamas gibt es bisher keine Stellungnahmen hierzu.)

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Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (3. – 9. September 2017)

Dieser Eintrag wird auf der Seite oben gehalten; die sonstigen Einträge folgen darunter.
Eine Liste der täglichen terroristischen ‚Vorkommnisse‘ wird in den Friedfertigkeiten 2017 geführt.

Sonntag, 03.09.2017:

Der seit Oktober 2015 inhaftierte Hamas-Führer Hassan Youssif wurde aus der Administrativhaft entlassen. Er war damals wegen seiner Beteiligung an Aktivitäten festgenommen worden, die darauf abzielten die PalAraber zu Terroranschlägen anzustiften. (Im Oktober 2015 begann die „Messer-Intifada“.)

Die PA gab bekannt, dass ein Araber, der letzten Monat bei „Auseinandersetzungen“ in einem „Flüchtlingslager“ verletzt worden war, jetzt starb.

Montag, 04.09.2017:

In der Region (Kreis) Megiddo hat es während der letzten zwei Wochen immer wieder Brandstiftungen gegeben. Die Brände haben mehrere Kibbutzim bedroht. Landrat von Megiddo hat deshalb auf Anraten der Feuerwehr beantragt, dass der Minister für öffentliche Sicherheit weitere Feuerwachen baut.

Dienstag, 05.09.2017:

Die PA beschuldigt Israel, es strebe an palästinensische Araber zu vertreiben und sie durch „ausländische“ Siedler zu ersetzen. Gleichzeitig werde die Umsetzung legitimer internationaler Resolutionen hinsichtlich der Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaats mit Jerusalem als Hauptstadt behindert. Zum „Siedler-Angriff“ gehöre der Bau von Siedlungen, Häuserabriss und Vertreibung der Einwohner.

Mittwoch, 06.09.2017:

Die Hamas weigerte sich beim Treffen mit Rotkreuz-Chef Peter Maurer dem Roten Kreuz Zugang zu den israelischen Gefangenen zu gewähren. Und Informationen über die Festgehaltenen würden nur veröffentlicht, wenn Israel 54 Terroristen freilässt, die seit ihrer Freilassung im Galit-Deal wieder verhaftet wurden.

Auf massives Manöver der IDF reagierte die Hisbollah mit der überheblichen Ankündigung, die Israelis könnte sie nicht überraschen und man sei auf jede „Dummheit“ vorbereitet.

Der PA-Gouverneur von Hebron warnte Israel die Zusammenlegung der jüdischen Gemeinschaften in Hebron und Kiryat Arba würde die Hebron-Vereinbarung von 1997 zunichte machen, was ernste Konsequenzen für die Region hätte. Eine Entscheidung des Verteidigungsministeriums trennt demnächst das „jüdische“ Hebron verwaltungsmäßig vom „arabischen“, so dass ersteres unabhängig agieren und sich der Infrastruktur von Kiryat Arba anschließen kann.

Donnerstag, 07.09.2017:

Mahmud Abbas plant bei seiner Rede vor der UNO diesen Monat die Vereinten Nationen aufzurufen die Grenzen „Palästinas“ festzulegen.

Dem Wasserdiebstahl im Jordantal wird jetzt mit Robotern begegnet, die durch die Rohrleitungen geschickt werden. Wasserversorger Mekorot und die Zivilverwaltung haben 5 illegale Abzweiger gesperrt.

Freitag, 08.09.2017:

Nachdem die Zahl der Terroranschläge gegen Israelis im Juli einen Höchststand erreichte, fiel sie im August auf die Hälfte.

Grundsätzliches von der Hisbollah

Melanie Phillips zitiert Hassan Nasrallah (Artikel vom 03.08.2006):
„Wenn wir die gesamte Welt nach einer Person suchen, die feiger, verachtenswerter, schwächer und kläglicher in ihrer Psyche, Geist, Ideologie und Religion ist, würden wir niemanden wie den Juden finden. Aufmerken: Ich sage nicht: den Israeli.“


TheMediaLine berichtet am 11.08.2003:
Hizbullah TV redet vom Tod eines Siedlers…

Hisbollahs Al-Manar Television berichtete von der gestrigen Tötung des 16-jährigen Haviv Dadon als dem Tod „eines Siedlers“. Schlomi, wo die Rakete einschlug, liegt nach jeglichem internationalen Statut in keinem besetzten Gebiet. Die Al-Manar-Nachrichten bezogen nannten auch „die 1948 besetzten Gebiete“, mit anderen Worten: Sie legen nahe, dass das Land, das durch die UNO für die Gründung des Staates Israel vorgesehen wurde, illegal übergeben wurde – was keine internationale Körperschaft je behauptet hat.


Newsletter der israelischen Botschaft in Deutschland vom 27.06.2003:
NASRALLAH: ISRAEL HAT KEIN RECHT ZU EXISTIEREN

Der Generalsekretär der Hisbollah Hassan Nasrallah hat wiederholt erklärt, dass seine Organisation das Existenzrecht des Staates Israel nicht anerkenne, sondern nur einen einzigen Staat, der sich vom Mittelmeer bis zum Jordan erstrecke und in dem Moslems, Christen und Juden leben werden und dessen Charakter von der Mehrheit der in diesem Staat lebenden Menschen bestimmt werde. In einem Interview mit einer brasilianischen Zeitung (22.06.) behauptete Nasrallah, der Grund für das Bestehen der Hisbollah sei die Verteidigung des Libanon.

Selbst wenn Israel die „Sheba Farmen“ aufgäbe, bestünden noch immer einige Probleme, um welche sich die Hisbollah zu kümmern habe, z.B. die libanesischen Gefangenen in Israel, die palästinensischen Flüchtlinge, „die tagtäglichen israelischen Ausschreitungen“, die politische Unabhängigkeit des Libanon und die Auseinandersetzungen um die Quellen des Wazani-Flusses.

Nasrallah betonte den politischen und gesellschaftlichen Beitrag der Organisation und machte deutlich, dass die Errichtung einer islamischen Republik in einem Staat wie dem Libanon nicht durchführbar sei (SIBF, 22.06.).

Die Hisbollah lehnt die Vorstellung einer syrisch-libanesischen Road Map (ergänzende Road Map zu derjenigen mit den Palästinensern) ab und betrachtet den bewaffneten Kampf als einziges Mittel. So auch George Nagam, ein Fraktionsmitglied der Hisbollah im libanesischen Parlament, der eben diese Idee einer syrisch-libanesischen Road Map zur Lösung des Konflikts mit Israel ablehnt, – einer Idee, die von der Regierung in Beirut befürwortet wird.

Nagam sagte, dass Widerstand der einzige Weg sei, um „alle Rechte und besetzten Landstriche zurückzuerlangen“ (Radio Nur, 24.06.).

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (23. – 29. Juli 2017)

Sonntag, 23. Juli 2017:

Neben den übrigen Maßnahmen hat Mahmud Abbas jetzt auch ausdrücklich die Sicherheitskooperation mit Israel ausgesetzt.

Die Polizei will die Metalldetektoren eventuell durch Sicherheitskameras ersetzen. Auch das wird von der Waqf abgelehnt (wie alle Sicherheitsmaßnahmen der Israelis).

Die 3 Todesopfer des Terroranschlags vom Freitagabend wurden heute in Modi’in beerdigt. An dem Begräbnis nahmen mehrere tausend Israelis teil (die die Opfer gar nicht kannten).

Das Zentralkommando der IDF hat 60 Reservisten zusätzlich zu einem Sondereinsatz einberufen; sie sollen kleine bzw. jüdische isolierte Siedlungen (besser) schützen.

Das „Nahost-Quartett“ äußert „Besorgnis wegen der Gewalt in Jerusalem“.

Ein Journalist besuchte die Eltern des Mörders von Freitagabend. Der Vater äußerte Kritik am Handeln seines Sohnes, die Mutter ist besonders stolz auf ihn.

Nach dem Terroranschlag vom Freitag ist der Zugang von PA-Arabern in israelische Orte in Judäa und Samaria eingeschränkt worden.

Benjamin Netanyahu hat angeordnet, dass das Haus des Terroristen von Halalmisch abgerissen wird.

Montag, 24. Juli 2017:

Fatah-Veröffentlichung: „Oh Allah, befreie unsere Moschee vom Dreck der Besatzung.“
Mahmud Abas: Die islamischen und christlichen heiligen Stätten müssen verteidigt werden.
Ein Abbas-Sprecher: Was Israel auf dem Tempelberg macht, ist ein Schritt auf dem Weg zum Bau des Dritten Tempels.
Editorial in der offiziellen Zeitung der PA: Den heiligen Stätten wird Schaden zugefügt, sie werden verjudet.

Ein PA-Araber, der im Februar 2014 versuchte Soldaten zu überfahren, machte das in der Gewissheit, dass die PA daraufhin seine Familie finanziell versorgt, wenn er getötet wird oder ins Gefängnis muss. So wollte er seine Schulden loswerden.

Trumps Sondergesandter für den Nahen Osten, Jason Greenblatt, ist in Israel, um die Lage um den Tempelberg zu beruhigen. Das wird wohl schlecht gehen, wenn es nach dem Islamistenführer Saleh geht – der fordert, dass beim Tempelberg keine Kompromisse gemacht werden.
Derweil fordert der UNO-Gesandte für den Nahen Osten, Nikolai Mladenow, dass die Krise bis Freitag gelöst wird, damit die Gewalt nicht weiter eskaliert.

Angeblich sollen König Abdallah von Jordanien und Netanyahu eine Lösung gefunden haben; demnach sollen die Metalldetektoren entfernt und anderer Sicherheitsmaßnahmen ersetzt werden.

Dienstag, 25. Juli 2017:

Die PA hat das Budget für die Zahlungen an die in Israel einsitzenden Terroristen und für deren Familien bzw. die Familien toter Terroristen im Jahr 2017 deutlich erhöht: Insgesamt stehen dafür jetzt mehr als 350 Millionen Dollar jährlich zu Verfügung.

Die IDF hat die Mutter des Halimisch-Terroristen festgenommen, nachdem sie die Palästinenser aufforderte weitere Juden zu töten.

Natürlich reicht es nicht, dass Israel die Metalldetektoren (und Kameras!) abbaut. Nein, die PA-Terroristen wollen mehr und deshalb bleiben laut Abu Mazen die Beziehungen zu Israel komplett eingefroren. Und auch die Waqf fordert die Muslime auf weiterhin nicht auf den Tempelberg zu gehen.

Mittwoch, 26. Juli 2017:

Mahmud Abbas und seine Fatah/PA-Führer ermuntern die PalAraber, dass sie weiter wegen des Tempelbergs randalieren sollen.

Meinungsumfrage: 67% der Israelis glauben, dass der Abbau der Metalldetektoren am Tempelberg ein Fehler ist. Nur 23% stützen die Entscheidung von Netanyahus Sicherheitskabinett. Volle 77% finden, dass Israel damit vor der Gewalt kapituliert hat.

Der Direktor der Al-Aqsa-Vereinigung lehnt Kameras auf dem Tempelberg ab. Im Übrigen sei das ein Eingang zu einer Moschee, nicht zu einem Restaurant und niemand müsse gute Laune haben, wenn er dorthin kommt.

Die Waqf hat Forderungen vorgelegt, um die Krise zu „beenden“ – es darf demnach keinerlei Sicherheitsmaßnahmen geben, die Muslime betreffen. Das ist keine „Rückkehr zur Situation vor dem 14.7., das ist viel mehr – nämlich „freie Fahrt“ für Terroristen.

Derweil feiert die Hamas im Gazastreifen den „Sieg über Israel“; trotzdem hat sie für Freitag zu einem „Tag des Zorns“ wegen der „israelischen Angriffe auf die Al-Aqsa-Moschee“ aufgerufen. Die PA hat sich dem Aufruf angeschlossen. Die Tanzim-Terroristen der Fatah wollen in Judäa und Samaria „demonstrieren“, Straßen blockieren und „Siedlungen isolieren“.

Die Hisbollah gratuliert den PalArabern zu ihrem „Tempelberg-Sieg“.

Und Erdowahn muss auch weiter seinen Senf dazugeben: Es reicht nicht, dass die Metalldetektoren abgebaut wurden. Es sei (für die Türkei!) inakzeptabel, wenn Muslimen Einschränkungen auferlegt würden. Im Übrigen wolle Israel den islamischen Charakter der Stadt vernichten – „mit täglich neuen Maßnahmen“.

Donnerstag, 27. Juli 2017:

Was für ein verlogener Haufen: Die PA lässt in ihrem Fernsehen behaupten, der Mörder von letztem Freitag, der drei Mitglieder einer Familie umbrachte und eine weitere Frau schwer verletzte, bevor er von einem Soldaten angeschossen wurde, habe aus Mitleid und Mitgefühl die Kinder nicht ermordet und auch die Frau nicht getötet. Er sei der Beweis dafür, dass es auch im Krieg Moral gebe. (Der einzige Grund, dass er Mutter und ihre Kinder nicht ermordete, bestand darin, dass der aufmerksame israelische Soldat ihn anschoss, bevor er sich gegen sie wenden konnte!)

Gegen die Mutter des Terrormörders von Halamisch wurde jetzt Anklage wegen Aufstachelung zu Gewalt erhoben.

Ein PA-Sprecher bezeichnete die „israelische Kapitulation am Tempelberg“ als „Sieg, der das Verschwinden der Besatzung näher bringt“.

Die Arabische Liga fordert „internationale Garantien, damit sich die israelischen Übertretungen auf dem Tempelberg nicht wiederholen. Die Eskalation auf dem Tempelberg bedrohe die gesamte Region.

Tausende nahmen in Um el-Fahm an der Beerdigung der 3 Tempelberg-Terroristen teil; dabei wurden auch PLO-Flaggen geschwenkt.

Ein arabischer Rechtsanwalt aus der PA: Juden sind wie streunende Tiere. (Was durch die Metalldetektoren bewiesen wird, die sie überall aufstellen.)

Ein PA-Araber, der bei „Zusammenstößen“ mit Sicherheitskräften in Hizme vor drei Tagen verletzt wurde, ist jetzt seinen Wunden erlegen.

Freitag, 28.07.2017:

Die IDF bilanziert: An den gewalttätigen Krawallen in Judäa und Samaria den Freitag über beteiligten sich mehrere Hundert Araber; sie warfen Molotowcocktails, Steine, 2 selbstgebaute Sprengsätze und verbrannten Reifen. 4 Personen wurden festgenomen.

Am Donnerstagabend wurde die Entscheidung getroffen das Haus des Terrormörders von Neve Tzuf (Halimisch) zu zerstören. Die Bewohner haben 72 Stunden das Haus zu verlassen oder eine Gegenklage einzureichen.

Am Nachmittag hob Israel die Altersbeschränkung für den Besuch des Tempelbergs auf; daraufhin strömten viele Araber auf das Plateau. Die Polizei bereitete sich auf weitere „Zusammenstöße“ nach den Abendgebeten vor.

Der PA-„Außenminister“ erklärte die „Schlacht um Jerusalem“ für eröffnet.

Arbeitsunfall: Ein Hamasnik wurde bei der Arbeit in einem Terrortunnel durch einen Stromschlag getötet.

Samstag, 29.07.2017:

Mahmud Abbas lässt wissen, dass die Sicherheitskooperation mit Israel nur allmählich wieder aufgenommen werden wird. Die Zusammenarbeit werde vom ungehinderten Zugang der Muslime zum Tempelberg abhängig gemacht.

Ein arabischer Mann wandte sich Hilfe suchend an Grenzpolizisten an einem Checkpoint nahe der Machpela in Heborn. Sein Sohn war gestürzt und hatte sich am Kopf verletzt. Ein israelischer Sanitäter versorgte den Jungen, bis ein Krankenwagen des Roten Halbmonds kam und ihn ins Krankenhaus brachte.

Die Rückkehr der Hisbollah

Eyal Zisser, Middle East Quarterly, Herbst 2002

Anfang April 2002 schienen Israel und die Hisbollah am Rande eines Krieges zu stehen. Hisbollah verstärkte ihre militärischen Operationen gegen israelische militärischer und zivile Ziele entlang der Grenze und schuf damit eine Lage, die Israel nicht länger tolerieren konnte. Jerusalem sandte eine Warnung an Damaskus, aber es schien, als ob Syriens junger Führer Bashar al-Assad den Ernst der Lage nicht erkennen würde. manchmal schien ihn die Möglichkeit, dass die Region in einen Krieg gestürzt werden könnte, nicht zu interessieren. In diesem Moment erschien es unvermeidlich, dass Israel militärische Maßnahmen ergreifen würde, was einen regionalen Brand aus lösen könnte – oder zumindest einen Krieg zwischen Israel und Syrien.[1]

Die Voraussagen über einen offenen Krieg an Israels Nordgrenze bewahrheiteten sich nicht und die Grenze fiel in eine Periode relativer Ruhe – vorläufig. Denn diese Ruhe ist das Ergebnis einer Entscheidung Radikaler, deren Grundziel es ist die Ruhe zu beseitigen. Die Krise vom April klang ab, dank Hisbollah Entscheidung die begonnene Offensive gegen Israel auszusetzen. Ominöserweise scheint die Einfluss nehmende Kraft der Iran zu sein, nicht Syrien.

Die Ereignisse im April entlang der Nordgrenze Israels bestätigen drei wichtige Faktoren. Erst einmal hat Hisbollah ihr eigenes „Hisbollah-Land“ geschaffen, ein Territorium im Südlibanon, über das sie komplette Kontrolle ausübt. Dieses Territorium dient als Heimatbasis für Hisbollahs militärische Operationen gegen Israel und zur Mobilisierung von Unterstützung für die Aktivitäten der Organisation im Libanon selbst. Die Gegend liegt außerhalb der wirksamen Kontrolle der libanesischen Regierung und sogar Syriens.

Zweitens hat Hisbollah in den letzten Jahren – und besonders seit dem Rückzug der Israelischen Armee (IDF) aus dem Libanon im Jahr 2000 – erfolgreich eindrucksvolle militärische Kapazitäten aufgebaut. Sie hat ein Raketenarsenal, das tausende Katjuschas einschließt sowie weitere moderne Raketen, die den ganzen Norden Israels abdecken.[2] Hisbollahs direkte und indirekte Bedrohung der israelischen Zivilbevölkerung ist größer als die durch einige benachbarte arabischen Staaten.

Schließlich, als Ergebnis ihrer territorialen Basis und der Aufrüstung, ist Hisbollah ein mächtiger Spieler der Region geworden und erfreut sich mehr Unabhängigkeit als in der Vergangenheit. Syrien, das einst gewichtig in den Aktivitäten der Organisation mitreden konnte, ist zur Seite geschoben worden. Jetzt ist der Iran derjenige, der das Sagen hat.

Das ist alles als für viele Analysten eine grausame Überraschung. Nach dem libanesischen Bürgerkrieg im Oktober 1989 zu Ende ging – und noch mehr nach dem Rückzug der IDF aus dem Libanon im Jahr 2000 – sagten diese Analysten voraus, dass Hisbollah einen Prozess der „Libanonisierung“ durchmachen würde; sie würde ein politische Bewegung des Libanon werden, die durch ihre Verantwortung vor Ort moderat würde. „Hisbollah hat keine Lust auf eine Militärkampagne über die Grenze hinweg zu beginnen, wenn Israel sich aus dem Süden zurück ziehen sollte“, schrieb ein solcher Experte 1998.[3] „Gelegentliche Angriffe aus dem Libanon auf Israel könnten geschehen, aber der große Volkswiderstand wird aufgegeben, wenn Israel abzieht.“[4]

Es erscheint nun offensichtlich, dass Hisbollah sich nicht geändert hat und dass sie eine radikale und militante Organisation bleibt, deren Hauptziel es ist einen bewaffneten Kampf gegen Israel zu führen. Die Tatsache, dass in den letzten Jahren ihre militärischen Möglichkeiten mit der Hilfe und Ermutigung durch den Iran in strategische Dimensionen gewachsen ist, beweist, dass der libanesische „Schleier“, den Hisbollah trägt, extrem dünn ist. Die vorgetäuschte „Libanonisierung“ erlaubt der Organisation den Aufbau ihrer militärischen Stärke ungestört fortzusetzen eine politische Gefolgschaft für ihren künftigen Kampf zu gewinnen, nicht nur gegen Israel, sondern auch im Libanon.

Diese Lage hat viele Folgen, nicht nur für die Ruhe entlang der nördlichen Grenzen Israels mit Syrien und dem Libanon, sondern auch für die Zukunft des Libanon selbst. Ein Gebilde nimmt im Libanon Formen an, das die militärische Macht eines Ministaates hat, sondern das auch die konventionellen Beschränkungen eines souveränen Staates vermissen lässt. Es gibt hierfür einen Präzedenzfall: den Ministaat, der von der PLO im Libanon in den 1970-ern geschaffen wurde – und die durch ihn geschaffenen Spannungen, die zum Krieg führten. Vorläufig ist die militärische Konfrontation entlang der israelisch-libanesischen Grenze verschoben worden. Aber sie ist weiter möglich; einige würden sagen, dass sie unvermeidbar ist.

Nach dem Abzug

Im Mai 2000, als die IDF ihren Rückzug aus dem Südlibanon abschloss, stellte die Hisbollah diesen Rückzug – zu einem gewissen Maß sogar richtigerweise – als einen wichtigen historischen Sieg im arabischen Kampf gegen Israel dar.5[5] Zum ersten Mal in der Geschichte des arabisch-israelischen Konflikts hatte Israel sich bedingungslos von arabischem Land zurückgezogen – ohne Friedensvertrag, ohne Waffenstillstands-Abkommen, sogar ohne ein still schweigendes Abkommen, dass an seiner Grenze zum Libanon Ruhe herrschen würde. Im Gegenteil, Damaskus wie Beirut machten Israel deutlich, dass sein Rückzug NICHT die Ruhe garantieren würde, nach der es sich so sehnte und dass der bewaffnete Kampf gegen Israel weiter gehen würde.[6]

Nach Israels Rückzug machte Hisbollah ihre Position als aufsteigende Macht in der arabischen und muslimischen Welt und als Speerspitze des arabischen und muslimischen Kampfs gegen Israel geltend. Aber über die kurzfristigen Gewinne, die Hisbollah durch den Abzug der IDF einheimste, betonte der Rückzug das akute Dilemma, das Hisbollah seit den frühen 1990-er Jahren überschattete: Würde Israels Rückzug – und mit ihm die Entspannung oder sogar Einstellung des bewaffneten Kampfes gegen Israel – zur „Libanonisierung“ der Organisation führen?

Die 90-er Jahre hindurch glaubten die meisten Analysten, dass Hisbollah einen Prozess der „Libanonisierung“ durchlaufen würde, das aus ihr eine gewöhnliche Bewegung des Libanon machen würde – ein islamistisches Äquivalent solcher Bewegungen wie der Kommunistischen Partei, der Syrisch-Nationalistischen Partei, der (hauptsächlich schiitischen) Amal-Bewegung, der (hauptsächlich drusischen) Progressiven Partei, usw. Dieser Prozess der „Libanonisierung“, so glaubte man, würde Hisbollah zwingen, ihre langfristigen Ziele zu den Akten zu legen, einschließlich ihrer Forderung nach einem islamischen Regime, das die konfessionelle Ordnung ersetzen sollte. Noch wichtiger: Dieser Prozess würde die Hisbollah zwingen ihren militärischen Kampf gegen Israel aufzugeben.

Zugegeben, während der 90-er Jahre machte Hisbollah große Anstrengungen, sich als politische und soziale Kraft zu etablieren. In vielerlei Hinsicht hatte sie damit Erfolg. Von Anfang an gründete Hisbollah in der schiitischen Gemeinde im Libanon, die tausende Rekruten und eine Massen-Gefolgschaft zur Verfügung stellte. Für viele Schiiten im Libanon war Hisbollah, und ist es noch immer, eine legitime Kraft für sozialen und politischen Wandel. Es ist auch wahr, dass Hisbollah heute mehr ist als eine quasi-militärische Truppe. Selbst, wenn sie ihre Waffen nieder legen würde, würde sie als politische und soziale Bewegung weiter bestehen.[7]

Gleichzeitig ist es aber heute offensichtlich, dass der militärische Auftrag der Hisbollah, einschließlich ihres bewaffneten Kampfes gegen Israel und den Westen, für die Weltsicht der Organisation und ihre praktische Planung von zentraler Bedeutung ist. Ohne sie würde Hisbollah aufhören als heldenhafte Organisation zu bestehen, die ihre Gefolgsleute so bewundern und unterstützen – ein Wandel, den zu vermeiden Hisbollahs derzeitige Führer alles unternehmen werden.

Die Spannungen, die die Hisbollah jetzt erfährt – das ist die Spannungen zwischen den rauschenden ideologischen Zielen, durch die sie genährt wurde, und der Notwendigkeit, eine pragmatische Strategie zu entwickeln, um zu überleben – erinnert an die Spannungen, die andere muslimische Bewegungen erfahren haben – so Hamas in der Westbank und Gaza, die Muslimbruderschaft in Ägypten, Jordanien und dem Sudan. Und trotzdem ist der Fall der Hisbollah einmalig, aus drei Gründen.

Zuerst schient der unvorhergesehene Erfolg der Hisbollah in ihrem Kampf gegen Israel und dem Westen ihren Führern zu Kopf gestiegen zu sein. Das trifft besonders auf ihren Generalsekretär Hassan Nasrallah zu, der sich selbst jetzt als Helden eines göttlichen Auftrags betrachtet – was zum Teil durch seine Darstellung als schiitisches Genie in den israelischen und westlichen Medien kommt. Hisbollah ist immer von seiner eigenen Medienberichterstattung besessen gewesen und von den Medienberichten über Israel hingerissen gewesen (die sie aufmerksam verfolgt). Das hat dazu geführt, dass die Führer der Bewegung immer prahlerischere Einschätzungen der eigenen Stärke abgaben – und der Schwäche Israels. Nasrallah sorgte für den Ton, indem er behauptete, dass „Israel, das atomare Waffen sowie die stärkste Luftwaffe der Region hat, schwächer ist als ein Spinnennetz.“[8] Auf der Höhe der palästinensischen Selbstmordbomben-Kampagne im März 2002 entschied Scheik Nabil Qa’uk, Hisbollahs Kommandant im Südlibanon, dass „Israel von innen heraus explodiert. Tel Aviv verwandelt sich in eine Geisterstadt… Israel liegt am Boden und blutet auf allen Ebenen: politisch, militärisch und bezüglich der Sicherheit. Alles, was wir tun müssen, ist ihm den Todesstoß zu versetzen.“[9]

Zweitens hat die iranische Unterstützung der Organisation, besonders die Hilfen, die es Hisbollah für den Aufbau seiner gegenüber einigen anderen arabischen Staaten überlegenen militärischen Kapazitäten gewährte, hat die Hisbollah aus den Beschränkungen befreit, die islamistische Bewegungen normalerweise unterliegen und die sie gewöhnlich zwingen, eine pragmatischere Linie zu fahren.

Drittens hat Hisbollah eine territoriale Nische gefunden, um deren Übernahme sich kein Staat reißt. Als die IDF im Mai 2000 aus der Sicherheitszone abzog, übernahm Hisbollah schnell das Gebiet entlang der Grenze zu Israel und wurde damit faktisch der Herrscher dort – militärisch, politisch und zivil. Syrien hatte ihr das Okay für die Übernahme des Südens gegeben und die libanesische Regierung hatte nicht die Kraft das zu verhindern.

Hisbollah hat auch ihre territoriale Basis erfolgreich militarisiert. Weil Israel ihr keinen Grund für Schläge gegen den israelischen Norden liefern wollte, stand es mit verschränkten Armen da, während Hisbollah ihren umfangreichen militärischen Aufbau entlang der Grenze durchführte. Dieses Arsenal schließt Erkundungs- und Überwachungsposten ein, die von im ganzen Südlibanon stationierten Hisbollah-Truppen unterstützt werden.[10] Noch mehr Besorgnis erregend aus Israels Sicht ist das machtvolle Arsenal, das nach Berichten rund 10.000 Katjuschas und im Iran hergestellte Raketen (al-Fajr) mit einer Reichweite bis zu 70 km umfasst. Diese können Ziele in Israel bis südlich nach Hadera (zwischen Haifa und Tel Aviv) erreichen.[11] Hisbollah hat den Südlibanon so in eine Art „Hisbollah-Land“ verwandelt – Nachfolger des „Fatah-Landes“, das die PLO bis 1982 beherrschte, aber von der Ausdehnung her weit größer. Diese Gegend steht vollständig unter der Kontrolle der Hisbollah; sie dient als Heimatbasis, von der aus sie einen offenen Krieg in der Region auslösen könnte.

Als Hisbollah ein machtvoller politischer und militärischer Spieler im Libanon wurde, nahm Syriens Größe und Macht ab. Der Abwärtstrend, der begann, als Israel aus 2000 aus dem Südlibanon abzog, verstärkte sich nach dem Tod von Hafez al-Assad am 10. Juni 2000 und der Machtübernahme seines Sohnes Bashar al-Assad. Viele, die den Vater fürchteten oder respektierten, empfanden seinen Sohn als unwürdigen Erben. Man dachte, ihm würde das nötige Charisma fehlen, das Selbstbewusstsein und die Erfahrung, um Syrien zu regieren. Im Libanon riefen Christen (und andere) offener zum syrischen Rückzug aus dem Land auf. Bashar wehrte diese Herausforderung nicht ab und entschied sich statt dessen zur Kapitulation; er zog seine Truppen aus dicht bevölkerten Gegenden des Libanon ab um die tagtäglichen Spannungen zwischen ihnen und der libanesischen Bevölkerung zu reduzieren. Damit, hoffte er, würde er in der Lage sein, die Kritiker der syrischen Hartnäckigkeit im Libanon zu beschwichtigen. Es ist allerdings selbstverständlich, dass diese Strategie im Libanon als eine Schwäche betrachtet wurde.[12]

Die Beziehung, die sich zwischen dem syrischen Präsidenten und Hisbollah-Generalsekretär Nasrallah zu bilden begann, bezeugt Bashars Schwäche auf der Bühne des Libanon. Nasrallah gab einmal zu, dass er Hafez al-Assad nie persönlich begegnete.[13] Vielleicht sah der ältere Assad keinen Sinn in einem solchen Treffen, da Nasrallah für ihn nicht mehr als eine weitere Spielfigur im Libanon war. Bashar andererseits hat sich oft mit Nasrallah getroffen und schaut offenbar zu ihm als einem Kriegsherrn und erfahrenen Vorbild auf. Als Bashar seinem Vater an die Macht folgte, nahm Nasrallah den Jüngeren unter seine Fittiche und hat seitdem die Bereitschaft Hisbollahs zum Ausdruck gebracht, Bashar bei der Stärkung seiner Haltung und der Verteidigung seiner Interessen zu helfen.[14]

Hisbollah macht bei der Intifada mit

Der Ausbruch der sogenannten Al Aksa-Intifada im September 2000 löste das Dilemma der Hisbollah nach dem Rückzug. Als die Gewalt durch die Palästinensergebiete fegte, schloss sich Hisbollah dem Kampf an. Ihre Fernsehstation, Al-Manar, stellte sich voll in den Dienst der „Intifada“. Hisbollah selbst begann ihren bewaffneten Kampf gegen Israel anzukurbeln. Sie griff IDF-Stellungen in den Shebaa-Farmen an, die es zu libanesischem Territorium erklärte, das von Israel besetzt sei. Bei der ersten Operation am 7. Oktober 2000 gelang es Hisbollah, drei israelische Soldaten zu entführen; dann kündigte sie an, sie sei bereit über deren Freilassung zu verhandeln. Später entschied Israel anhand forensischen Materials, dass die Soldaten bei ihrer Entführung getötet worden seien.15[15] Seit Oktober 2000 hat Hisbollah alle paar Wochen Angriffe gegen IDF-Stellungen an den Shebaa-Farmen geführt.

Hisbollah nahm vermutlich an, dass Israel von Vergeltungsaktionen absehen würde, weil es alle Energie gegen die Palästinenser verwandte. Hisbollah nahm auch an, dass die konzentrierten und begrenzten Anschläge auf Militärposten es für Israel schwierig machen würden, diese als Kriegsgrund darzustellen, der eine direkte Offensive gestartet werden kann. Hisbollah kalkulierte auch damit, dass es ein Gleichgewicht des Terrors mit Israel geschaffen hätte: Wenn Israel Vergeltung üben würde, würde es mit Hisbollahs Raketenstellungen konfrontiert, die über den Südlibanon verteilt sind. Ursprünglich zahlte sich Hisbollahs Spiel aus: Ehud Barak sah als Premierminister von Vergeltung für Hisbollahs Angriffe auf seine Militärstellungen ab.

Als aber Ariel Sharon nach den Wahlen vom Februar 2001 Premierminister wurde, änderte sich die israelische Politik. Am 17. April 2001, nach einem Angriff auf den IDF-Posten am Har Dov, der einen Soldaten tot zurück ließ, schlug die israelische Luftwaffe gegen eine syrische Radarstation in Dahr al-Baydar zu. Vier syrische Soldaten wurden bei diesem Angriff getötet. Später, am 1. Juli 2001, traf die israelische Luftwaffe eine syrische Radarstellung in Riyaq, ebenfalls nach einem Angriff der Hisbollah gegen IDF-Stellungen in den Shebaa-Farmen.[16]

Israels Antwort überrasche Hisbollah wahrscheinlich. Trotzdem sah Israel davon ab Hisbollah direkt anzugreifen und griff keine direkten libanesischen Infrastrukturziele an, wie es das in der Vergangenheit getan hatte. Statt dessen griff es syrische Militärziele an, eine Wahl, die theoretisch Hisbollah die Notwendigkeit für Vergeltungsmaßnahmen nahm. Israel warnte Damaskus auch, dass es Hisbollahs neue Offensive abbrechen oder die Konsequenzen tragen muss.

Aber Hisbollah entschied sich, dem Versuch Israels die Spielregeln zu ändern, zu widerstehen. Als Israel die syrische Radarstellung in Riyaq angriff, schlug Hisbollah sofort zurück, indem es Offensiven auf israelische Stellungen in den Shebaa-Farmen und den Hermon begann. Damit machte Hisbollah klar, dass es Israel nicht erlauben würde das Gleichgewicht zu ändern, das die Gruppe ihm aufgedrückt hatte, nach der der Kampf zwischen Israel und der Hisbollah auf die Shebaa-Farmen beschränkt würde. Hisbollah wollte Israel von der Ausweitung der Operationen gegen sich abschrecken oder eine neue Front; auch davor, an anderer Stelle eine neue Front gegen Syrien zu eröffnen. Paradoxerweise kam die Hisbollah, da Syrien selbst keine Vergeltung für Israels Angriffe auf seine Streitkräfte im Libanon übte, in dem Schlagabtausch Mitte 2001 als Verteidiger der Syrer im Libanon, neben seiner anerkannten Rolle als Verteidiger des Libanon und der Libanesen gegen israelische Angriffe.[17]

Die zweite Front

Im März 2002 erreichte die Welle palästinensischen Terrors gegen Israel einen beispiellosen Höhepunkt, der Israels Operation Schutzschild auslöste. Das Ziel dieser Operation war, nach Angaben israelischer Sprecher, die Zerstörung der terroristischen Infrastruktur der Palästinenser in der Westbank. Im Verlauf dieser Operation stieß Israel in die meisten der Städte der Westbank vor.

Hisbollah betrachtete ihrerseits die Gewalt in den Gebieten als eine Gelegenheit, die eigenen Ziele voran zu bringen. Seine Sprecher verkündeten ihre bedingungslose Unterstützung für die palästinensische Sache und fügten hinzu, dass sie in Kürze ihre Worte in Taten umsetzen würden. Nasrallah drückte es so aus: „Die Intifada in Palästina ist heute unsere Front, so dass unsere Unterstützung nicht nur eine Verpflichtung ist, sondern eine Notwendigkeit. Wir haben es daher auf uns genommen, der Intifada zu helfen, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten.“[18]

Auch schon vor der Operation Schutzschild hatte Hisbollah – vielleicht ermutigt von der Ansicht, dass Israel verwundbar sei – einen dramatischen Angriff auf israelische Zivilisten in der Nähe der im Norden gelegenen Stadt Schlomi ausgeführt, bei dem sieben Personen getötet wurden. Hisbollah leugnete vorsichtig jede Verbindung zu der Aktion; eine unbekannte palästinensische Organisation übernahm die Verantwortung für den Anschlag. Nach israelischen Informationen war aber eindeutig Hisbollah dafür verantwortlich.[19] Durch den Vorfall wurde deutlich, dass die Hisbollah sich bereits entschieden hatte, die Lage zu eskalieren und dass Ereignisse in den Palästinensergebieten im März und April sie ermutigt hatten, ihre Ziele noch höher zu stecken.

Hisbollah begann ihre Angriffe auf IDF-Stellungen um die Shebaa-Farmen zu verstärken und dehnte ihre Operationen auf andere Gebiete aus, so die nördlichen Golanhöhen und das zentrale und westliche Galiläa. In einigen Fällen leugnete Hisbollah ihre Verantwortung und zeigte auf die Palästinenser. Palästinensische Organisationen wie Ahmad Jibrils PFLP-GC, halfen der Hisbollah durch eigene Angriffe auf Israel aus dem Libanon, ohne Zweifel mit dem Wissen und der Unterstützung Syriens und vielleicht sogar mit der schweigenden Duldung Hisbollahs. Andererseits hinderten Hisbollah, wie auch die libanesische Regierung, andere palästinensische Aktivisten (z.B. Arafats Fatah-Fraktion) daran, eigene Libanon-Fronten gegen Israel zu eröffnen.[20]

Israel war unwillig, gegen Hisbollah Vergeltung zu üben, damit der Schlagabtausch nicht in einen Krieg eskalierte. Israelische Quellen verbargen nicht ihre Sorge, dass die Hisbollah ihre Raketenarsenal benutzen könnte, um zivile israelische Ziele als Vergeltung für eine ernsthafte israelische Offensive gegen die Organisation zu beschießen. Israel wusste, dass, wenn das passierte, es eine umfassende Militärkampagne starten müsste und vielleicht sogar Bodentruppen in den Libanon schicken müsste, um Raketenangriffe auf israelische Städte zu beenden. Dieses Szenario beschwor in Israel alte Besorgnisse, besonders bei Premierminister Ariel Sharon, der 1982 in eine ähnliche Kampagne verwickelt war.

Außenminister Colin Powells Mission im Nahen Osten Anfang April 2002 beruhigte die Spannungen entlang der israelisch-libanesischen Grenze scheinbar. Powell richtete harte Warnungen an die Regierungen Syriens und Libanons, bei der er ihnen sagte, sie sollten die Operationen der Hisbollah einschränken.[21] Allerdings war es dann der iranische Außenminister Kamal Kharazi, der bei einem Besuch in Beirut die Hisbollah anwies, das Ausmaß ihrer Offensive zurückzunehmen. Kharazi überraschte viele, als er sich in Beirut für die Wiederherstellung der Ruhe aussprach (wenn er auch schnell sich selbst interpretierter, indem er sagte, er meinte es sei Israel, das eingeschränkt werden müsse).[22]

Warum schränkte der Iran die Hisbollah ein? Damals taumelte der Iran, weil er in das eingeschlossen wurde, was Präsident George W. Bush „die Achse des Bösen“ nannte und iranische Führer spekulierten offen darüber, dass Bushs Rede ein Vorspiel der US-„Aggression“ gegen den Iran sein könnte. Der Iran mag Hisbollah beschränkt haben, weil er fürchtete, dass die USA ihm – als Sponsor der Hisbollah – die Schuld für jede Eskalation geben und sogar gegen den Iran Vergeltung üben könnte. Der Iran könnt es auch vorgezogen haben die Fähigkeiten der Hisbollah unter der Decke zu halten. Irans ursprüngliches Konzept, Hisbollahs Militärmacht aufzubauen um Israel abzuschrecken, für den Fall, dass Israel einen Schlag gegen strategische Ziele im Iran (wie einen Atomreaktor) führen sollte. Dieses strategische Vermögen in einer Solidaritäts-Demonstration für die Palästinenser zu offenbaren und damit eventuell zu gefährden, hätte den langfristigen Interessen des Irans nicht gedient.

Im Gegensatz dazu spielte Syrien keine sichtbare Rolle in der Krise. Agierte Bashar schlau hinter den Kulissen und benutzte Hisbollah als Hebel gegen Israel? Oder agierten Hisbollah und der Iran bereits unabhängig von Bashar und hielten den unerfahrenen syrischen Präsidenten außen vor? Was immer zutrifft, Syrien stach in der Krise nicht heraus, was einmal mehr die Frage aufwirft, wer wirklich im Libanon das Sagen hat: ein geschwächtes Syrien oder eine ermutigte Hisbollah?

Der Staub hat sich gelegt, aber die Fragen bleiben: Was wollte Hisbollah mit der Offensive im April 2002 erreichen und was wird sie als nächstes tun?

Viele in Israel glauben, dass Hisbollah einen offenen Krieg in der Region bevorzugen würde.[23] Aber Hisbollah formt den Kampf auf ihre eigene Art. Ihr stellvertretender Generalsekretär, Na’im Qasim, erklärte die langfristigen Leitlinien seiner Organisation im Kampf gegen Israel:

Die Befreiung ist ein langwieriger Prozess und kommt nicht durch eine einzelne Militärische Aktion oder innerhalb von einem oder zwei oder zehn Tagen zustande. Solcher Widerstand folgt nicht klassischen Kriegsstrategien, wo man angreift und besiegt wird. Unsere Methode ist die des Zuschlagens und Verschwindens; wir greifen bestimmte Ziele unter bestimmten Umständen an. Bezüglich unserer derzeitigen Operationen sollten Sie feststellen, dass wir unseren Kampf als Antwort auf die Ereignisse in Palästina [Operation Schutzschild] forcierten. Wir haben deutlich gemacht, dass das Warnsignale an Israel waren und unsere Solidarität mit den Palästinensern ausdrücken sollten.[24]

So enden Hisbollahs Taten kurz davor Israel zu einem Krieg anzustacheln, sollen aber Israels Grenzen austesten, Israel abnutzen und Hisbollahs eigene fortgesetzte Rolle als „Widerstandsbewegung“ rechtfertigen. So war es vor Israels Rückzug aus dem Libanon und so ist es auch jetzt.

In der Zwischenzeit sammelt sich Beweismaterial gegen die häufig angenommene „Libanonisierung“ der Hisbollah. Die Organisation baut weiter ihr unabhängiges militärisches Potenzial auf. Und sie fährt fort ihre Bande mit den radikalen Palästinensern und der Autonomiebehörde zu stärken. Von ihrer Verwicklung in die Sache mit dem Waffenschmuggelschiff „Karine-A“ (von Israel verhindert) bis zu ihrem Versuch Waffen durch Jordanien zu schmuggeln (von Jordanien verhindert), agiert Hisbollah als militärische Organisation, entschieden, den Konflikt mit Israel direkt und indirekt am Leben zu erhalten.[25]

Die meiste Zeit der 90-Jahre hindurch war es unschick, islamistische Führer beim Wort zu nehmen. Ihre öffentlichen Erklärungen werden kategorisiert – und manchmal abgetan – als ideologische Rhetorik. Aber jetzt, wo eine islamistische Organisation – al-Qaida – ihrem Reden entsprechend gehandelt hat, verdienen vielleicht die Erklärungen der Hisbollah-Führer eine nähere Betrachtung. Hier ist also Nasrallah zu den künftigen Absichten der Hisbollah:

Einer der zentralen Gründe der Schaffung der Hisbollah war, dem zionistischen Programm in der Region entgegen zu treten. Hisbollah wird dieses Prinzip bewahren; und wenn ein ägyptischer Journalist mich nach der Befreiung besuchen und fragen sollte, ob die Vernichtung Israels und die Befreiung Palästinas und Jerusalems Hisbollahs Ziel waren, dann würde ich antworten: „Das ist das Hauptziel der Hisbollah und es ist nicht weniger heilig als unter Endziel. Die Generation, die zur Zeit der Gründung des Gebildes lebte, lebt noch. Diese Generation sieht Dokumentationen und liest Dokumente, die zeigen, dass das eroberte Land Palästina genannt wurde, nicht Israel.“ Wir sehen uns einem Gebilde gegenüber, das das Land eines anderen Volkes eroberte, dieses aus seinem Land vertrieb und horrende Massaker beging. Wir sehen also, es ist ein illegaler Staat; es ist ein Krebsgebilde und die Wurzel aller Krisen und Kriege und kann kein Faktor dabei sein, einen wirklichen und gerechten Frieden in dieser Region herbeizuführen. Daher können wir die Existenz eines Staates namens Israel nicht anerkennen, nicht einmal in ferner Zukunft, wie einige Leute anzuregen versucht haben. Die Zeit streicht nicht die Legitimität des palästinensischen Anspruchs aus.[26]

In den letzten zwanzig Jahren war das die Haltung, die von jedem Hisbollah-Führer vertreten wurde. Sie hat sich nicht geändert.

Nun besitzt diese Bewegung, die Israel ewige Feindschaft geschworen hat, ihr eigenes „Hisbollah-Land“, eine Enklave, so wild wie das Afghanistan der Taliban, wo eine radikal-islamistische Bewegung das Sagen hat. Vor dem Eingreifen arabischer Regierungen und der Vergeltung Israels abgeschirmt, ist sie eine Militärmacht von bedeutender Stärke geworden, eine, die erfüllt ist vom Gefühl der Unbesiegbarkeit. Durch schlaues Manövrieren zwischen stärkeren Mächten ist Hisbollah der Schlüssel zu Frieden und Ruhe im Nahen Osten geworden.

Nur ein Spieler hat die klare Lizenz, diese Zeitbombe von der Bühne zu schaffen: Syrien. Aber Bashar al-Assad scheint den Willen, wie auch die Kraft nicht zu haben, entscheidende Schritte zu unternehmen. In diesem Vakuum und mit jedem Tag, der vergeht, rückt die Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah aus dem Bereich des Wahrscheinlichen ins Unvermeidliche.

Eyal Zisser, Forscher am Mosche Dayan-Zentrum für Nahost- und Afrikanische Studien und Kopf der Nahost-Doktorandenkurse an der Universität von Tel Aviv, hat mehrere Bücher zur syrischen Geschichte und Politik geschrieben.

 

[1] Ha’aretz (Tel Aviv), 12. April 2002 ; Yedi’ot Aharonot (Tel Aviv), 16. April 2002.

[2] Ha’aretz, 12. März 2002.

[3] Augustus Richard Norton: Hisbollah: From Radicalism to Pragmatism?; Middle East Policy, Januar 1998, unter.

[4] Bahman Baktiari und Augustus Richard Norton: Lebanon End-Game; Middle East Insight, März/April 2000, unter.

[5] Hassan Nasrallah, Hisbollah-Generalsekretär, im al-Manar-Fernsehen (Beirut), 6. Juni 2000.

[6] As-Safir (Beirut), 21. April 2000; Ash-Sharq al-Awsat (London), 21. April 2000.

[7] Eyal Zisser: Hizballah at a Crossroads. in: Bruce Maddy-Weitzman/Efraim Inbar u.a.: Religious Radicalism in the Greater Middle East. London (Frank Cass), 1997, S. 90-100; Hala Jaber: Hezbollah: Born with a Vengeance. New York (Columbia University Press), 1993, S. 145-168.

[8] Hassan Nasrallah im al-Manar-Fernsehen, 6. Juni 2000.

[9] zitiert in The Daily Star (Beirut), 7. März 2002.

[10] Ha’aretz, 7. Juli 2000; Yedi’ot Aharonot, 1. Februar 2002.

[11] Yedi’ot Aharonot, 1. Februar 2002; Benjamin ben Eliezer, israelischer Verteidigungsminister, im israelischen Fernsehen, 5. Juni 2002.

[12] Al-Hayat (London), 5. April 2002; Ha’aretz, 5. April 2002.

[13] Radio Damaskus, 10. Juni 2001.

[14] Tishrin (Damaskus), 13. Juni 2000.

[15] Ha’aretz, 9. Oktober 2001 und 1. Februar 2002.

[16] Ha’aretz, 18. April 2001; al-Hayat, 18. April 2001 und 2. Juli 2001.

[17] Al-Hayat, 2. Juli 2001; as-Safir, 2. Juli 2001.

[18] Al-Manar-Fernsehen, 1. Februar 2002.

[19] Ha’aretz, 15. März 2002.

[20] Al-Hayat, 19. April 2002; Ha’aretz, 19./20. April 2002.

[21] The New York Times, 16. April 2002; al-Hayat, 16. April 2002.

[22] Al-Hayat, 10 April 2002; as-Safir, 22. April 2002.

[23] Ha’aretz, 24. Mai 2002; Ma’ariv (Tel Aviv), 1. Juni 2002.

[24] Al-Manar-Fernsehen, 17. Spril 2002.

[25] Ha’aretz, 15. März 2002; al-Hayat, 15. März 2002.

[26] Hassan Nasrallah, Interview im ägyptischen Fernsehen, 2. Juni 2000.

Karikatur: Was Hisbollah von Drohungen denkt

gefunden auf The Jewish Press (28. Juni 2017)

Ein Sprecher der IDF hat angekündigt, dass bei einem Angriff der Hisbollah auf Israel der Libanon gewaltig leiden würde: „Wir schicken ihn zurück ins Steinzeialter“, soll er gesagt haben. Und Hisbollah – lacht sich kaputt: „Als würde uns das kümmern!“

Nichts ist erfolgreicher als Niederlagen

Daniel Pipes, Jerusalem Post, 28. Februar 2001 (mit Ergänzungen)

Heute vor genau 10 Jahren endete die irakische Eroberung Kuwaits mit einem totalen Misserfolg. Man erwartete, dass der irakische Präsident Saddam Hussein bald die Kontrolle über den Irak verlöre, aber ein Jahrzehnt später ist er weiterhin fest im Sattel.

Wie konnte er das schaffen? Tariq Aziz, eines von Saddams wichtigsten Sprachrohren, deutete noch vor dem Kriegsausbruch im Januar 1991 an, warum sein Herr sich keine Sorgen machte. Regime des Nahen Ostens, so sagte Aziz dem US-Außenminister James Baker, sind nie „in einen Krieg mit Israel oder Vereinigten Staaten gegangen und haben dabei politisch verloren“. Das ist zwar etwas übertrieben (arabische Führer zahlten einen Preis für die Niederlage gegen Israel 1948/49), aber Aziz hat im Prinzip recht: Eine militärische Niederlage schadet einem nahöstlichen Herrscher in der Regel nicht. Statt dessen leugnet er die Katastrophe auf dem Schlachtfeld und blüht politisch auf.

Einige Beispiele:

Suezkrise 1956: Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser erlitt durch die Briten, Franzosen und Israelis eine demütigende militärische Schlappe, bestand aber darauf, einen Sieg errungen zu haben. Ihm wurde weitgehend geglaubt. Das Ergebnis war, dass diese Episode „ihn politisch und moralisch stärkte“, schreibt Shukri Abed von der University of Maryland; sie half Nasser, die dominierende Figur der arabischen Politik zu werden.

Sechs-Tage-Krieg 1967: Die katastrophale Niederlage durch die Israelis veranlasste Nasser dazu, seinen Rücktritt anzubieten, aber die Ägypter antworteten mit massiven Straßendemonstrationen, die ihn aufforderten, an der Macht zu bleiben (was er tat). Syriens Verteidigungsminister von 1967, Hafez Assad, machte weiter und wurde Präsident seines Landes.

Die Schlacht von Karama 1968: Yassir Arafats Fatah verlor ihren ersten größeren bewaffneten Zusammenstoß mit den Israelis, behauptete aber gesiegt zu haben.

Belagerung von Beirut 1982: Arafat verwandelte einen demütigenden Rückzug aus Beirut in einen politischen Sieg, indem er betonte, dass die Israelis 88 Tage benötigten um ihn zu besiegen, weit länger, als sie für den Sieg über andere arabische Streitkräfte brauchten.

Heute erinnert man sich an diese Ereignisse als glorreiche Siege. Die Hamas erzählte z.B. ein paar Jahre später, dass die Palästinenser 1982 Israel „demütigten“ und „seine Entschlossenheit brachen“.

Was erklärt aber dieses überraschende Muster? Drei Aspekte des muslimischen Lebens helfen, das aufzuklären.

 

  • Ehre hat monumentale Bedeutung; sie zu erhalten bedeutet mehr, als wirklich etwas zu erreichen. Hussein Sumaida, ein Exil-Iraker, erklärt Saddams Motive dafür, dass er sich 1991 gegen den Großteil der Welt stellte: „Sieg oder Niederlage spielten keine Rolle. Wichtig war, eine gute Show zu liefern und die Herzen der glühenden arabischen Welt zu gewinnen.“
  • Fatalismus bietet muslimischen Herrschern eine Möglichkeit, keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Es war alles eine Frage des Schicksals, was konnten wir schon tun? As’ad Abu Khalil von der California State University stellt fest, dass arabische Führer in Zeiten der Niederlage typischerweise die Haltung übernehmen, dass „Menschen keinerlei Einfluss oder Auswirkungen auf ihre Taten oder Pflichten haben. Nur Gott handelt.“ Sich auf diese „Unvermeidbarkeit des Schicksals“ zu berufen entledigt die arabischen Regime und Armeen ihrer Verantwortung. Dieses Muster, merkt er korrekt an, „ist so typisch geworden, dass man es voraussehen kann“.
  • Verschwörungstheorien dominieren derart, dass bei jeder Konfrontation mit dem Westen (einschließlich Israels) angenommen wird, dass der Westen dadurch die Herrscher vernichten und ihre Länder erobern will. Die Ägypter glauben z.B. weitgehend, dass die britischen und französischen Regierungen 1956 planten Nasser zu eliminieren und Ägypten zu besetzen. Als diese vernichtenden Folgen nicht eintraten, kam sein bloßes Überleben einem überwältigenden Sieg gleich.

Einen Feind auf dem Schlachtfeld zu schlagen, ist nicht genug, um im Nahen Osten zu gewinnen; der Herrscher und sein Regime muss ebenfalls eliminiert werden. Die politischen Auswirkungen für den Irak sind offensichtlich.

—–

 

Ergänzungen:

28. August 2006: Hassan Nasrallahs Starstatus im Nahen Osten, nachdem er nach allen objektiven Maßstäben den Krieg mit Israel verloren hat, passt genau in dieses Muster. Lee Smith stellt die Kontinuitäten in „The Real Losers: Hezbollah’s Hassan Nasrallah admits that the war was a mistake“ heraus. (Die wahren Verlierer: Hisbollahs Hassan Nasrallah gesteht ein, dass der Krieg ein Fehler war.)

19. November 2012: Barry Rubin führt in „The Israel-Hamas War and the Suicide Strateby: How Arab Forces Expect to be Weak, Start Losing Wars and Still Hope to Win” (Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah und die Selbstmordstrategie: Wie arabische Streitkräfte erwarten schwach zu sein, beginnen Kriege zu verlieren und immer noch hoffen zu gewinnen) ähnliche Punkte wie die meinen an. Was er die „Selbstmordstrategie“ nennt, beinhaltet, dass ein Führer denkt: „Ich werde einen Krieg anfangen, den ich nicht gewinnen kann, um eine Situation zu schaffen, in der die andere Seite meine Infrastruktur zerstört und mein Volk tötet. Dann werde ich militärisch verlieren, aber die Schlacht gewinnen. Wie?“ Rubin listet dann drei Elemente auf:

  • Ich tötet ein paar Leute der anderen Seite und füge ihr etwas Schaden zu. Da sie schwächer und weniger mutig sind als ich, werden sie aufgeben. Je länger der Krieg dauert, desto wahrscheinlicher werden sie nach einer Ausstiegsmöglichkeit suchen, selbst wenn dazu gehört, dass sie viele Zugeständnisse zu machen. Terrorismus gegen ihre Zivilisten einzusetzen verstärkt diese Taktik.
  • Mit dem Leiden und der Vergrößerung des Leidens durch Nutzung allgemein verständnisvoller westlicher Medien werde ich dafür sorgen, dass die andere Seite Mitleid mit mir hat und sich gegen die eigenen Führungspolitiker stellt, die dann als herrisch, blutrünstig und imperialistisch hingestellt werden.
  • Das Gespenst von Krieg, Leiden und besonders zivilen Opfern wird die „internationale Gemeinschaft“ dazu bringen Druck auf meine Gegner auszuüben, damit sie klein beigeben, den Kampf beenden (selbst wenn ich ihn auf niedrigerer Ebene weiterführe), mich überleben lassen und mir Vorteile verschaffen.

Während diese Strategie „oft gegen westliche Gegner oder Israel funktioniert hat“, vermerkt Rubin, „wird sie gegen andere Araber oder den Iran nicht funktionieren, denn für diesen Kräfte könnte nichts gleichgültiger sein als wie viel Schaden und wie viele zivile Opfer sie verursachen“.

Feiern eines vorgetäuschten Hamas-Sieges

November 2012: Die Israelischen Verteidigungskräfte mögen viele der Hamas-Führer exekutiert, ihre Infrastruktur zerschlagen und den Gazastreifen ins Schwanken gebracht haben, aber – wie man es von ihr kennt – hat die Hamas am Tag nach Inkrafttreten eines Waffenstillstands einen Feiertag ausgerufen. Nicht nur das, sondern sie hat den 22. November zu einem Tag erklärt, der fortan jedes begangen werden soll: „Wir fordern jedermann auf zu feiern, Familien von Märtyrern, die Verwundeten und die, die Häuser verloren haben zu besuchen.“ Die Feierei war derart ernst, dass ein Mensch von Schüssen in die Luft getötet und drei verletzt wurden.

Der offizielle Fatah-Vertreter Bassam Zakrneh fordert auf seiner Facebookseite: „Meine Brüder, wenn der Tod von 163 Märtyrern, einschließlich des Führers Ahmed Jabari, mit Tausenden Verletzten und der Zerstörung aller [Regierungs-] Institutionen als Sieg betrachtet wird, was um Gottes Willen ist dann eine Niederlage?“

  1. Juli 2014: Ich betrachte dieses Thema einmal mehr in „Warum will die Hamas Krieg?“ Der Schlüsselabschnitt:

Die Hamas-Führer agieren recht rational. Regelmäßig (2006, 2008, 2012) entscheiden sie sich Krieg gegen Israel zu führen, im vollen Bewusstsein, dass sie diesen auf dem militärischen Schlachtfeld verlieren, aber in der Erwartung, dass sie auf der politischen Ebene gewinnen werden. Israelische Führungspolitiker nehmen umgekehrt an, dass sie militärisch gewinnen, aber politisch eine Niederlage einstecken werden – schlechte Presse, Resolutionen der Vereinten Nationen und so weiter.

11. September 2014: Der ägyptische Analytiker Abdel-Moneim Said nimmt dieses Thema in „Victory and defeat“ (Sieg und Niederlage) auf. Er beginnt mit der Erinnerung an seine Zeit bei einer Studentenzeitung nach dem furchtbaren ägyptischen Verlust im Sechstage-Krieg: „Zu meiner großen Überraschung stellte ich fest, dass eine ganze Menge meiner Kollegen bei dieser Zeitung glaubten, wir hätten den Krieg von 1967 gewonnen!“ Wie konnte das sein?

Die Logik sah so aus: Der Zweck der israelisch-amerikanischen Aggression bestand darin den ruhmreichen Präsidenten und das sozialistische System in Ägypten zu stürzen, da aber der Präsident immer noch an der Macht ist, nachdem das Volk ihn mit Massendemonstrationen unterstützte und seiner weisen Führung am 9. und 1. Juni und angesichts dessen, dass das sozialistische System immer noch bestand, hatte der Feind seine Ziele nicht erreicht. Also hatten wir gewonnen!“

Leider, fährt er fort, „blieb die oben beschriebene allgemeine Linie unverändert und viele arabische Revolutionskräfte nutzen sie weiterhin“. Said bietet liefert Beispiele:

Nach dem Krieg zur Befreiung von Kuwait entschied der irakische Präsident Saddam Hussein, er habe „die Mutter aller Schlachten“ gewonnen. Immerhin bestand das Ziel des Krieges darin ihn und sein Regime zu stürzen. Da er und sein Regime immer noch da waren, waren er und sein Regime siegereich [aus dem Krieg] hervorgegangen. …

Scheik Hassan Nasrallah wandte dieselbe Logik auf den Krieg zwischen dem Libanon und Israel im Sommer 2006 an. Solange er persönlich und seine Gruppe Hisbollah überlebten, konnte er uneingeschränkten Krieg geltend machen.

Selbst Präsident Bashar al-Assad glaubt, er könne sich zum Sieger erklären, bevor die Schlacht auch nur zu Ende ist. Befindet er nicht immer noch mit seiner Partei, seiner Clique und seinem Clan dort im Herzen Syriens?

Dann wendet er diese Logik auf die Kämpfe vom Juli/August 2014 zwischen der Hamas und Israel an:

Wenn eine Seite 2.100 Tote hat, tausende weitere Verletzte, ein Großteil ihrer zivilen Infrastruktur und ihre Tunnel zerstört werden und ein beträchtlicher Teil ihrer militärischen Kapazitäten dezimiert werden, weil die qualifizierten Kommandeure dafür getötet wurden, während die andere Seite 72 Tote und zwei Verwundete als Verluste hat und bei den Störungen durch Hunderte, die von Zeit zu Zeit in Bunkern Zuflucht suchen mussten, dann können die Ergebnisse des jüngsten Kriegs im Gazastreifen kaum als palästinensischer Sieg gutgeschrieben werdne. Dennoch haben Hamasführer In Übereinstimmung mit der erwähnten Logik ihren Sieg proklamiert.

Es herrscht die Meinung, dass das israelische Ziel war die Hamas zu eliminieren und das Schießen von Flugkörpern zu beenden. Daher sollten die Palästinenser, solange sowohl die Hamas als auch die Flugkörper weiter existieren, angesichts dieses dröhnenden Sieges jubeln. Natürlich zog niemand auch nur ein einziges palästinensisches Ziel in Betracht, das mit der Befreiung der besetzten Gebiete (wofür, sollte man annehmen, es Waffen, Flugkörper und Tunnel gibt) zu tun hat. Die Frage, ob die Schlacht der Befreiung auch nur eines einzigen Quadratmeters des besetzten Landes gewonnen wurde, ist nicht aufgebracht worden.

Wir feierten den Sieg, weil der Feind es nicht schaffte seine Ziele zu erreichen, wie wir sie definiert haben. Was unsere Ziele angeht, wurde es von Anfang an als selbstverständlich angesehen, dass sie nicht in unserer Gleichungen von Krieg und Frieden eingehen würden.