Was heißt überhaupt „pro-israel“?

20. November 2009 at 21:07 | In die Welt+Nahost | Leave a Comment

Mitchell Bard, Jerusalem Post, 5. November 2009

Der Begriff „Pro-Israel“ wird routinemäßig benutzt, um amerikanische Sympathie gegenüber dem Staat Israel zu beschreiben. Man hört aber zunehmend Fragen, was dieser Begriff wirklich heißt. Die „Pro-Israel“-Gemeinde war nie monolithisch, aber die Zahl der Kritiker der israelischen Politik und die Menge ihrer Beschwerden sind derart angeschwollen, dass mancher bezüglich seiner Definition verwirrt ist.

Bedeutet er Unterstützung des Volks Israel und/oder der Regierung? Kann jemand Pro-Israel sein und Israel kritisieren?

Historisch hat es immer amerikanische Juden (und Nichtjuden) gegeben, die glaubten, sie wüssten, was für Israel am besten ist und argumentierten, dass ihre Sichtweisen, trotz der Abweichung vom Mainstream der Pro-Israel-Gemeinschaft oder der Regierungspolitik Israels „Pro-Israel“ seien.

Was „Chutzpe-Lobby“ genannt werden könnte, behandelt Israel wie ein Kind, das nicht weiß, was gut für es ist und bringt ihre Urteile als Ersatz ein, um Israel vor sich selbst zu retten.

Als jemand, der seit mehr als 20 Jahren in akademische Forschung zu den Beziehungen zwischen den USA und Israel wie auch in das Eintreten für Israel involviert ist, gibt es keine Irritation. Hier finden sie einen Satz Kriterien zur Unterscheidung, ob jemand pro-israel ist oder nicht:

1. Glaubt die Person, dass das jüdische Volk eine Nation ist, das das Recht auf Selbstbestimmung in seinem Heimatland Israel hat?

2. Respektiert die Person die israelische Demokratie und ersetzt nicht das Urteil der israelischen Wähler durch sein eigenes?

3. Betont die Person das Gute in Israel, bei Anerkennung seiner Fehler, statt die Fehler zu betonen und die positiven Aspekte der Nation zu ignorieren?

4. Die Person kritisiert Israel innerhalb der Familie. Israel mag das einzige Land sein, dessen Premierminister sich regelmäßig mit Bürger andere Staaten trifft, um sich deren Ansichten anzuhören. Der einfachste Weg, dass ein Jude Aufmerksamkeit erhält – die Geschichte, dass ein Mann einen Hund beißt – ist der Jude, der Israel öffentlich geißelt. Israels Interessen sollten das persönliche Ego hintan stellen lassen.

5. Die Person lehnt die Vorstellung ab, dass es in Ordnung ist Israel öffentlich zu kritisieren, nur weil Juden in Israel ihre Regierung tadeln. Amerika ist nicht Israel; die Israelis haben eine gemeinsame Geschichte und miteinander geteilte Erfahrungen. Amerikaner, selbst amerikanische Juden, haben nicht das gleiche Maß an Wissen oder Erfahrung in Bezug auf Israel, also wird Kritik unterschiedlich interpretiert. Kritik ist auch nicht durch israelische Ermutigung gerechtfertigt, da sie den amerikanischen Kontext nicht verstehen und typischerweise nur Kritiker segnen, mit denen sie übereinstimmen (linke Israelis freuen sich mächtig, wenn sie amerikanische Juden dazu ermutigen können sich gegen rechte Regierungen auszusprechen, sind aber wütend, wenn linke Regierungen kritisiert werden – und umgekehrt).

6. Respektiert die Person israelische militärische Entscheidungen? Die Israelis sind nicht unfehlbar, aber amerikanische Sessel-Generale haben typischerweise keine Qualifikationen, um israelische Militär-Experten herauszufordern (selbst US-Generale können falsch liegen, wie durch George Marshalls Vorhersage von 1948 bewiesen wurde, dass die Juden in die Flucht geschlagen würden).

7. Glaubt die Person daran, dass man durch Konsens handelt? Manchmal führt dies zu einer Verwässerung der Positionen, aber Einheit ist einer der wichtigsten Vorteile der israelischen Lobby gegenüber der arabischen Lobby.

8. Kennt die Person die Geschichte und die Fakten der umstrittenen Themen, einschließlich der palästinensischen Darstellung?

9. Ersetzt die Person die Wirklichkeit durch Wunschdenken oder nicht? Jeder will Frieden, aber objektive Bedingungen können nicht ignoriert werden (z.B. zu hoffen, die Hamas wird sich ändern, fällt nicht darunter).

10. Schließt sich die Person den Kräften der Feinde Israels an oder nicht? Einige Organisationen, die behaupten Pro-Israel zu sein, machen gemeinsame Sache mit Gruppen, die lange Geschichte der Feindseligkeit gegenüber Israel haben und versuchen die Beziehungen der USA und Israels zu untergraben. Indem sie das tun, bringen sie den Frieden nicht näher und schwächen nur die politische Kraft der Pro-Israel-Gemeinschaft.

11. Kennt die Person die Zuhörer und erkennt sie, dass ihre Worte als Jude aufgebauscht werden? Wenn Kommentare vor Publikum, das die Gefühle zu Israel teilt, gemacht werden, ist wahrscheinlich, dass sie auf eine Art verstanden werden, während dieselbe Bemerkung von einem Publikum falsch ausgelegt werden, das gemischt ist oder antiisraelische Gefühle hegt.

12. Unterstützt die Person Versuche der israelischen Regierung Frieden zu schließen, selbst wenn das Risiko vom komfortablen Amerika aus hoch zu sein scheint?

13. Die Person ist für Frieden; für Frieden zu sein bedeutet jedoch nicht notwendigerweise für Israel zu sein, da viele Gruppen und Einzelpersonen, die sagen sie würden Positionen vertreten, die für Frieden sind, Israel schaden. Fakt ist, dass die, die glauben Israel sollte verschwinden, behaupten können, dies sei eine Pro-Frieden-Haltung.

Zweifellos werden einige Leute dieser Liste nicht zustimmen, besonders die, die glauben, dass das „Establishment“, das diese Kriterien akzeptiert, nicht die Mehrheit der amerikanischen Juden repräsentiert. Ihnen steht es frei sich pro-israelisch oder alles andere zu nennen, was sie wollen, aber diejenigen, die diese Kriterien nicht tragen, werden eher die Beziehungen zwischen den USA und Israel schwächen, statt ihnen behilflich zu sein und damit zu Bauern im Schachspiel der Feinde Israels werden.

Ergänzend dazu: Was heißt schon „Pro-Israel“?

Was bedeutet „pro-palästinensisch“ wirklich?

20. November 2009 at 21:03 | In die Welt+Nahost | Leave a Comment

Khaled Abu Toameh, Hudson New York, 17. November 2009

In den letzten Jahren hat es einen signifikanten Anstieg der Zahl von Nicht-Palästinenser gegeben, die sich selbst als „pro-palästinensische“ Aktivisten beschreiben. Diese Leute kann man zumeist an Universitäten in Nordamerika und Europa finden.

Auffällig daran ist, dass viele dieser „pro-palästinensischen“ Aktivisten niemals im Nahen Osten, geschweige denn in der Westbank oder dem Gazastreifen gewesen sind. In den meisten Fällen sind sie nicht einmal Araber oder Muslime. Was macht sie „pro-palästinensisch“?

Aus ihrer Sicht reicht Hetze gegen Israel an einer Universität oder die Veröffentlichung „antizionistischen“ Materials im Internet aus, sich den Titel „pro-palästinensisch“ zu verdienen. Aber was diese Leute nicht begriffen haben: Ihre Taten und Worte tun oft wenig, um die Interessen der Palästinenser voranzubringen. In einigen Fällen waren diese Taten und Worte sogar kontraproduktiv.

Man kann sich kaum vorstellen, wie organisierte Ereignisse, wie die „Israel Apartheid Week“ an einer Universität der Sache der Palästinenser helfen könnte. Gibt es nicht schon genug antiisraelische Hetze, das von arabischen und islamischen Medienorganen erbrochen wird?

Wenn jemand berechtigt ist „pro-palästinensisch“ genannt zu werden, dann die, die öffentlich gegen Korruption und Missbrauch der Menschenrechte durch Fatah und Hamas zu Felde ziehen. Diejenigen, die versuchen das System von innen zu verändern, gehören in das wirklich „pro-palästinensische“ Lager. Das sind die mutigen Menschen, die sowohl gegen die Fatah als auch die Hamas aufstehen und sie auffordern aufzuhören sich gegenseitig umzubringen und anzufangen etwas zu tun, das die Lebensbedingungen ihrer Wähler verbessert.

Statt Geld und Anstrengungen z.B. in die Organisierung einer Israel Apartheid Week zu stecken, könnte die selbst ernannten „Pro-Palästinenser“ eine Delegation aus Lehrern in palästinensische Dörfer und Flüchtlingslager schicken, um jungen Palästinensern Englisch beizubringen. Oder sie könnten eine weitere Delegation in den Gazastreifen entsenden, um die Menschenrechtsverletzungen durch die Hamas-Behörden zu beobachten und palästinensischen Frauen zu helfen muslimischen Fundamentalisten entgegenzutreten, die versuchen ihre Rolle auf Kinder, Küche und die Bedürfnisse ihrer Ehemänner zu beschränken.

Ich habe einen Vorschlag: Ersetzen wir die Israel Apartheid Week durch die Palestine Democracy Week, mit der die Palästinenser gedrängt und ermutigt werden sollten die Korruption und die miese Regierungsführung zu beenden.

Die „pro-palästinensischen“ Aktivisten im Westen kümmern Reformen und „good government“ in den palästinensischen Gebieten eindeutig nicht. Was diese Aktivisten angeht, sind Delegitimierung Israels und Hetze gegen „Zionisten“ weit wichtiger als auf ein Ende der Korruption und Gewalt in der palästinensischen Gesellschaft zu drängen.

Der Welt zu sagen, wie schlecht und böse Israel und die Juden sind, hilft den Palästinenser so viel wie die Forderung nach „good government“ und die Ermutigung des Aufkommens einer jungen und „sauberen“ Führung in den Palästinensergebieten.

Wenn das „pro-palästinensische“ Lager im Westen so viel wie in seine antiisraelischen Anstrengungen in die Werbung für eine moderate und zivile Gesellschaft unter den Palästinensern investieren würde, würde es ihnen einen großen Dienst erweisen.

Antiisraelische Sprüche zu brüllen oder die Israel Apartheid Week in den USA und Kanada zu organisieren, macht einen Menschen nicht notwendigerweise „pro-palästinensisch“.

Gegen Israel zu sein macht einen nicht unbedingt „pro-palästinensisch“. Andererseits würde Werbung für Koexistenz, Frieden und „good government“ den Palästinensern mehr nutzen.

Die Palästinenser brauchen keine Studenten und Professoren in Universitäten, die ihnen sagen, dass Israel schlecht ist. Sie bekommen bereits genug von dieser Hetze von der Hamas, Fatah und anderen arabischen Medien und Führern.

Es ist an der Zeit, dass das „pro-palästinensisch“ Lager im Westen seine Politik und Taktik überdenkt. Es ist an der Zeit, dass dieses Lager den authentischen Stimmen der Palästinenser zuhört – denen, die Tag und Nacht rufen, dass die Palästinenser gute Anführer und ein Ende der Gesetzlosigkeit, Anarchie und Korruption haben wollen.

Die palästinensischen Araber sind im internationalen Recht einzigartig

19. November 2009 at 21:43 | In Medien+Nahost, die Welt+Nahost | Leave a Comment
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Elder of Ziyon, 6. November 2009

Der Guardian sagt, der vermutliche Fort Hood-Mörder Nidal Hasan sei „der Sohn von Palästinensern aus einem Dorf bei Jerusalem“.

Die New York Times sagt: „Im Nachruf seiner Mutter in der Roanoke Times 2001 heißt es, sie wurde 1952 in Palästina geboren.“

Das führte dazu, dass ich mich über einen Widerspruch in der standardmäßigen pro-palästinensischen Erzählung wunderte, die die Welt komplett geschluckt hat: Wie „wissen“ alle, dass Israel juristisch als Besatzer der Westbank betrachtet wird. Zu diesem wurde es u.a. von der UNO und dem IGH erklärt. Die Definition von Besatzung ist allerdings geradlinig einfach:

Militärische Besatzung besteht, wenn ein Krieg führender Staat das Territorium eines anderen Staates in der Absicht besetzt, dieses Territorium zumindest vorübergehend zu halten.“

Die ursprüngliche Definition der Haager Konventionen von 1907 erklärt:

Militärische Amtsgewalt über das Territorium eines feindlichen Staates.

Artikel 42 – Territorium wird als besetzt angesehen, wenn es tatsächlich unter die Kontrolle der feindlichen Armee gestellt ist. Die Besatzung erstreckt sich nur über das Territorium, wo eine solche Amtsgewalt eingesetzt ist und ausgeübt werden kann.

Unklar bleibt die Frage: Welcher Staat ist es, den Israel besetzt? Es kann nicht Jordanien sein, denn Jordanien verzichtete 1988 auf die Kontrolle und die internationale Gemeinschaft hatte Jordaniens Annexion der Westbank nie anerkannt. Es scheint aus den oben erwähnten Quellen heraus klar, dass dieser [besetzte] „Staat“ „Palästina“ ist.

Mit anderen Worten: Nach Angaben der UNO und des IGH gibt es eine juristische Einheit namens „Palästina“ und sie hat mindestens seit 1967 existiert, wahrscheinlich seit 1948. Das ist schon in sich bemerkenswert, dass das internationale Recht implizit einen Staat anerkennt, der niemals ausgerufen oder anerkannt wurde. Fakt ist, dass es gegen das internationale Recht sein dürfte, einen Staat vorzeitig anzuerkennen (Anmerkung 26).

(Der IGH nimmt die Position ein, dass die Absicht der Vierten Genfer Konvention nicht nur für Vertragsparteien gilt und dass die Absicht der Verfasser war, Zivilisten auch dann zu schützen, wenn sie sich vorher nicht in einem Staat befanden. Das ist vermutlich wahr: Die Vierte Genfer Konvention beschäftigt sich besonders mit Zivilisten. Die beratende Meinung wird weit über den Umgang mit Zivilisten – die Verantwortung, die Israel 1967 freiwillig akzeptierte – und in den rechtlichen Status der Gebiete selbst ausgedehnt. Das wird nicht durch Genf definiert, sondern durch Den Haag. Was zu einem völlig anderen Satz Anomalien führt, da Israel immer wieder große Teile der Gebiete an die PA abtrat, denn eine strikte Lesart von „Besatzung“ würde implizieren, dass Israel weit größere Verantwortung für die palästinensischen Fragen in der Westbank hat als es derzeit ausübt – eine Position, die bei der UNO und dem IGH Entsetzen hervorrufen würde.)

Wenn wir diese Anomalien ignorieren und annehmen, dass es eine juristische Einheit namens Palästina gibt, die unter dieser Besatzung steht, dann ein weiteres Problem auf uns zu: die Definition von „Flüchtlinge“.

Wir haben in der Vergangenheit oft diskutiert, dass die palästinensisch-arabischen „Flüchtlinge“ die einzigen in der Welt sind, deren Definitin die Nachkommen der ursprünglichen Leute einschließt, die vor einem Krieg flohen. Die operationelle Definition der UNRWA wurde auf irgendeine Weise die juristische.

Doch diese Definition hat eine weitere Ausnahmedefinition: Wenn man berücksichtigt, dass die Westbank rechtlich „Palästina“ ist, dann würden die ursprünglichen „Flüchtlinge“ dort normalerweise als „intern geflohene Personen“ betrachtet. Denn sie zogen nur von einem Teil „Palästinas“ in einen anderen – wenn man akzeptiert, dass „Palästina“ „besetzt“ ist.

Diese Analyse zeigt, dass die einzige Möglichkeit, damit die Sicht der Welt zu „Besatzung“ und „Flüchtlingen“ akkurat und nicht widersprüchlich ist, darin besteht beide Worte umzudefinieren, um einen besonderen Umstand Platz zu bieten. Zu sagen, dass normale juristische Begriffe für die palästinensischen Araber umdefiniert werden müssen – und nur für die palästinensischen Araber – heißt, dass man die Vorstellung von Recht an sich zur Farce macht.

Heute sind sie schon weiter…

10. November 2009 at 22:37 | In Karika-Tour, die Welt+Islam, die Welt+Nahost | 4 Comments

Die Hamas wurde gegründet – da machte sich kaum einer wirklich Gedanken. Dann wurde sie stärker – und es interessierte nicht wirklich; der Vater des Terrorismus, so glaubte z.B. Rabin, wüde die Extremisten schon fertig machen, anders, als es die Israelis tun könnten. Die Europäer und die Amerikaner schoben das Problem weit von sich. Es gab warnende Stimmen. Eine davon gehörte Yaakov Kirschen, der bereits Ende November 1994 die Haltung im Westen karikierte:

Heute sind viele schon ein ganzes Stück weiter – da wird nach den „moderaten“ Extremisten-Terroristen gesucht.

Die „Friedensprozess“-Torheiten

4. November 2009 at 22:25 | In die Welt+Nahost | Leave a Comment
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John Hinderaker, PowerLine-blog, 1. November 2009

Frieden ist kein Prozess. Frieden existiert, wenn eine von zwei Bedingungen erfüllt ist: 1) Zwei Gruppen Menschen haben nicht den Wunsch einander zu töten (z.B. die USA und Kanada) oder 2) eine oder beide Gruppen würden einander gerne umbringen, wird aber abgeschreckt oder anderweitig davon abgehalten das zu tun (z.B. der Kalte Krieg). In keinem Fall ist da typischerweise ein „Prozess“ involviert. Verhandlungen sind, anders als Frieden, sind in der Tat ein Prozess. Aber Verhandlungen, selbst wenn sie zu einem Vertrag oder einer Vereinbarung führen, können keinen Frieden bringen, außer auch eine der oben genannten Bedingungen wird erfüllt (s. München, Oslo, unzählige weitere.)

Es ist seit langer Zeit von einem „Friedensprozess“ im Nahen Osten geredet worden, aber diese Diskussionen haben wenig oder nichts mit der tatsächlichen Existenz eines Friedens zu tun, der von anderen Faktoren abhängt. S. hierzu Nummer 2 oben.

Vor nicht ganz so langer Zeit haben Sprecher der PA die USA beschuldigt den „Friedensprozess“ zu untergraben, indem sie Forderungen zurückschraubten, Israel soll alle Bautätigkeit in Siedlungen einstellen.

Mit anklagendem Finger in Richtung Vereinigte Staaten sagten die Palästinenser am Sonntag, Washingtons Unterstützung der israelischen Weigerung, den Ausbau der jüdischen Siedlungen zu stoppen, habe jegliche Hoffnung abgetötet, die Friedensverhandlungen bald wieder aufzunehmen. …

Bei einem eintägigen Nahost-Besuch am Samstag begrüßte Außenministerin Hillary Clinton Israels Sicht, dass Siedlungsausbau in der besetzten Westbank kein Hindernis für die Wiederaufnahme von Verhandlungen sein sollte – was der palästinensischen Haltung widerspricht… Von Obamas und Clintons Kehrtwende getroffen, brachten die Palästinenser ihre Frustration zum Ausdruck.

„Die Verhandlungen befinden sich in einem Zustand der Lähmung und das Ergebnis der Unnachgiebigkeit Israels und Amerikas Zurückrudern ist, dass keine Hoffnung auf Verhandlungen am Horizont zu finden ist“, sagte Abbas‘ Sprecher Nabil Abu Rdainah.

Verhandlungen sind aber kein Ziel für sich. Wir hören viel von Hindernissen für den „Friedensprozess“, aber weit weniger über die tatsächlichen Hindernisse für den Frieden. Letztere wurden am Freitag zur Schau gestellt, als Zehntausende von Anhängern des Islamischen Jihad in Gaza demonstrierten:

Zehntausende Anhänger des Islamischen Jihad hielten am Freitag in Gaza eine Kundgebung, um an den getöteten Gründer der Gruppe zu erinnern. Die Mitglieder hielten Plastik-Modelle von Raketen und trugen Masken und Modelle von Selbstmord-Bombenwesten; sie skandierten „Tod Israel“ und „Mohammeds Armee wird zurückkommen, um den hebräischen Staat wegzuwischen“.

Nafez Azzam, einer der Führer des Islamischen Jihad, forderte die Menge am Freitag auf, Verhandlungen mit Israel abzulehnen und gewalttätigen Widerstand zu unterstützen… Der Islamische Jihad, eine Terror-Organisation, die kleiner ist als die Hamas, hat Dutzende von Selbstmord-Bombenanschlägen und anderer Angriffe gegen israelische Zivilisten ausgeführt.

Hier blickt ein bewaffneter Wächter des Islamischen Jihad über die Kundgebung:

Dieses Foto zeigt einen Typen mit einem Raketen-Modell, der von einer Gruppe umgeben ist, die Beerdigungskleidung trägt. Ich gehe davon aus, dass dies das übliche Freudenfest des Todes via Massenmord-Bombenanschlag ist. Welch entzückende Kultur:

Der Kindesmissbrauch der Palästinenser ist über die Jahre hinweg ein alltägliches Thema gewesen. Oft rüsten die Palästinenser kleine Kinder mit gefälschten Selbstmord-Gürteln aus – gelegentlich, wenn sie geistig behindert sind, mit echten – oder mit Raketen-Atrappen usw. Hier sehen wir ein palästinensisches Kind, das eine nachgemachte Waffe hält, über israelische Flaggen und ein Bild des israelischen Premierministers marschieren.

Wie schließt man Frieden mit einer Krankheit? Das ist die Frage, mit der Israel seit Jahrzehnten kämpft. Ich bin ziemlich sicher, dass die Antwort in den Punkten 1 und 2 von oben liegt, nicht in einem „Prozess“.

 

 

Hört zu, was sie sagen – in ihrer Sprache, nicht auf Englisch

3. November 2009 at 21:59 | In Araber, Palästinenser, die Welt+Nahost | 2 Comments

Barry Rubin, 23. Oktober 2009

Hier ein Tipp zum Verständnis des Nahen Ostens: Für Arabisch sprechende Länder und Gruppen gibt es zwei parallele Diskussionsstränge, die ablaufen: einer auf Englisch, einer auf Arabisch. Der englischsprachige richtet sich nach außen, an den Westen; der arabischsprachige gilt für die Richtung der politischen Entscheidungsträger, Meinungsmacher und Massen. Es überrascht nicht, dass er erste moderat ist; der zweite ist radikaler.

Die genauen Proportionen variieren je nach Land oder Bewegung. Aber selbst in Ägypten, Empfänger von großen US-Hilfsgeldern, veröffentlichen die staatlich kontrollierten Medien einen fast endlosen Strom antiamerikanischer Propaganda. Ein Schlüsselproblem ist allerdings, dass die meisten westlichen politischen Entscheidungsträger, Meinungsmacher und Journalisten entweder die nicht auf Englisch geführten Gespräche nicht ernst nehmen oder sie einfach nicht mitbekommen.

Im Gegensatz dazu sagen demokratische Staaten wie Israel oder Amerika in beiden Sprachen praktisch dasselbe mit höchstens sehr geringen Variationen. Vielleicht ist das ein Grund, warum viele oder die meisten Westler sich der großen Kluft nicht bewusst sind, die in anderen Gesellschaften existiert.

Der Unterschied zwischen wahrer und falscher Diskussion – wenn auch manchmal innerhalb derselben Sprache – ist natürlich recht alt. Im „Kommunistischen Manifest“ von 1848 schrieben Karl Marx und Friedrich Engels:

„Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern.“

Das war aber vor dem Zeitalter der Public Relations. Selbst die Kommunisten wurden schnell Meister darin zwei widersprüchliche Dinge zugleich zu sagen. Gäbe es sie heute noch, würden die Kommunisten sich als Rasse definieren und jeden, der gegen sie ist, einen Rassisten nennen oder wahrscheinlich den Begriff Kommunophobie geprägt haben. Aber ich schweife ab. Hier ein lustiges Beispiel, wie Doppelsprech gemacht wird:

Die sowjetische Führung wandte sich 1920 an das polnische Volk: „Unsere Feinde und eure täuschen euch, wenn sie sagen, dass die sowjetische Regierung wünscht den Kommunismus auf polnischem Boden mit den Bajonetten der Roten Armee zu pflanzen.“

Und hier das, wie die sowjetische Führung der Roten Armee sich 1920 an die Rote Armee wandte: „Die Straße zur Weltrevolution führt über den Leichnam Polens. Mit Bajonetten werden wir der arbeitenden Menschheit Glück und Frieden bringen.“

Ich denke, Sie wissen, was ich meine. Zurück zum Nahen Osten von heute. Je radikaler die Gruppe – wie die Hamas oder Al-Qaida zum Beispiel – desto größer der Anteil radikaler Äußerungen, die auf Englisch gemacht werden. Ihnen ist es einfach egal. Die Hisbollah ist ein wenig verschlagener. Was den Iran angeht, so ist Präsident Mahmud Ahamdinedschad diesbezüglich Mitglied der Schule des Kommunistischen Manifestes, aber Teheran lässt man bei relativ wenig Lügen recht viel durchgehen.

Aber warum sollten wir den arabischen Äußerungen mehr glauben als den englischen? Lassen Sie mich die Antwort auf drei der wichtigsten Punkte beschränken:

Zuerst legt der arabische Dialog die Hauptprinzipien und die Grenzen dessen fest, was akzeptabel ist. Ein Beispiel ist der palästinensische Diskurs. Wie soll die palästinensische Autonomie eine Zweistaatenlösung akzeptieren, die auf Grundlage der Beendigung des Konflikts, von Sicherheitsgarantien und der Ansiedlung aller Palästinenser in ihrem eigenen Staat basiert, wenn niemand das auf Arabisch zu sagen wagt? Die Grenzen zu überschreiten kann dafür sorgen, dass man umgebracht wird, dass man seinen Posten verliert, dass man als Verräter gebrandmarkt wird und seinen Feinden Munition gibt. Wenn ein palästinensischer Politiker kann sagen, dass Israel jemals etwas Gutes getan hat und einen ehrlichen Kompromiss-Frieden anstrebt, ist in etwa so, als würde ein republikanischer Politiker sich ein Kleid anziehen und mit einem Plakat die Straße entlang marschieren, auf dem die Rechtschaffenheit von Joseph Stalin proklamiert wird; und zwar in Mississippi; am 4. Juli; inmitten eines Picknicks der American Legion.

Das ist der Grund, warum es fast unmöglich ist eine moderate Äußerung von irgendeinem Palästinenserführer auf Arabisch zu finden – und ich habe viele Tausende davon gelesen. Zwei Beispiele fallen ein: Als Arafat im Fernsehen aus Gaza eine Rede hielt, von der er wusste, dass sie genau betrachtet werden würde; und ein wütender palästinensischer General, der sich, als sie Hebron betraten, beschwerte, dass Leute, die Terrorakte verübten, die Wirtschaft schädigten.

Während der Zeit des Friedensprozesses übrigens hielt Arafat eine Rede von einem amerikanisch-jüdischen Publikum und die Leiter einer Gruppe jüdischer Tauben bearbeiteten den Vortrag, um ihn angenehmer zu machen. Das meinte ich mit „Lügen für den Frieden“. Zu denken, dass irgendwie, wenn man die Fakten aufgrund von Wunschdenken falsch darstellt, am Ende alles gut ausgehen wird.

Zweitens umfasst die Diskussion auf Arabisch eine riesige Menge an Äußerungen, die in allen möglichen Situationen gemacht wurden. Im Gegensatz dazu wird jede englischsprachige Äußerung mit einer bestimmten Absicht im Sinn formuliert – um der westlichen Öffentlichkeit oder westlichen Regierungen etwas zu vermitteln.

Drittens zeigt die Erfahrung, dass sich das, was auf Arabisch gesagt wird, mit dem deckt, was die Staaten oder Gruppen tatsächlich tun.

Ich erinnere mich gerne an den größten Erfolg, den ich je bei der New York Times hatte. Bei einem Treffen mit einem offenen Journalisten zog ich einen riesigen Stapel Übersetzungen aus dem Arabischen aus der Tasche – solche der US-Regierung aus dem Auslands-Rundfunkdienst, die vor dem Computer-Zeitalter großen Raum in meinen Regalen einnahmen – und zeigte ihm, was von den Palästinensergruppen tatsächlich gesagt wurde; es war weit härter als das, was die amerikanischen Medien berichteten. Er verfasste darüber einen Artikel für die Titelseite. Ach, waren das noch Zeiten!

Heute spielt MEMRI eine sehr wichtige Rolle dabei, den Westen auf den arabischen Diskurs aufmerksam zu machen. Fakt ist, dass es derart erfolgreich gewesen ist, weil genau diese Fakten so weit entfernt von dem sind, was in den Medien erwartet und berichtet wird. Dort übersetzt man nicht nur die vielen extremistischen Äußerungen, sondern auch die weit weniger moderaten Autoren, die abweichende Dinge sagen.

Hier ist nun der Grund, weshalb man sorgfältig die Primärquellen untersuchen muss (das Originalmaterial in arabischer Sprache und nicht nur das, was die westlichen Medien sagen). Irgendjemand wird immer etwas ausplaudern. Immerhin muss man die Moral der Truppe hoch halten oder beweisen, dass man keinen Verrat begeht. Hier deshalb die MEMRI-Übersetzung eines Interviews mit Walid Sukariyya, einem Hisbollah-Mitglied im libanesischen Parlament. Er sagt, wie es ist.

Syriens Haltung zu Frieden mit Israel? Das sind nur „taktische Verhandlung-Jetons“.

Wie bekämpft Syrien Amerika? „Da Syrien aus offensichtlichen Gründen keine Konfrontation durch direkten Widerstand vornehmen kann, hat es seine Grenzen zum Irak für alle Widerstandskämpfer der Al-Qaida geöffnet, obwohl es deren Ideologie nicht teilt.“

Gemerkt? Er sagte Al-Qaida. Und natürlich ist das, wie ich früher schon berichtete, was aber auch ziemlich offensichtlich ist, eine der Hauptgruppen der irakischen Aufständischen. Mit anderen Worten also

-       arbeitet Syrien mit der Al-Qaida zusammen (dies sollte keine kontroverse Äußerung sein, aber im westlichen Diskurs wird es als solche behandelt)
-       hat sich Al-Qaida der Vernichtung Amerikas und des Westens verschrieben
-       ist daher Syrien ein Feind und selbst unter der engen Definition dessen, was „Krieg gegen den Terrorismus“ – der jetzt nur einer gegen die Al-Qaida ist – genannt wurde, steht Syrien auf der anderen Seite.

Schließlich: „Das ist der Grund, dass Damaskus den Widerstand unterstützt – weil es dem Feind nicht selbst entgegentreten will.“ Richtig: Syrien (und der Iran) nutzen Hamas und Hisbollah, um Israel ohne Risiko für sich selbst zu bekämpfen. Und sie werden nicht aufhören das zu tun.

Danke, Walid. Lasst das eine Lektion für euch alle da draußen sein: Hört zu, was die Leute im Nahen Osten wirklich sagen, besonders, wenn sie in ihrer eigenen Sprache reden.

(Der von MEMRI übersetzte Text stammt aus Al-Quds Al-Arabi (London) vom 19. Oktober 2009, Special Dispatch NR. 2612 vom 22. Oktober 2009)

Wo die Hetze überall zu finden ist

1. November 2009 at 13:33 | In Medien+Nahost, die Welt+Nahost | 4 Comments
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In der Süddeutschen Zeitung (Printausgabe vom 28.10.2009, S. 14) wird ein Buch besprochen, in dem von „Mauern als Grenzen“ geschrieben wurde. Oder wird nur aus dem Inhalt zitiert? Das wird nicht klar.

Klar wird: Es geht um Mauern überall auf der Welt und überall in der Geschichte. Und welche Mauer sucht die SZ zur Illustration aus? Natürlich die der Israelis gegen die Palästinenser.

Und während der gesamte Artikel nicht einmal die Länge dieser Mauer bemüht, darf bei der Bildunterschrift natürlich nicht fehlen, wie lang sie angeblich ist: „Bethlehem im Westjordanland: Kinder spielen Fußball vor dem Haus an der Separation Wall. Rund 750 Kilometer ist die Betonmauer lang, an manchen Abschnitten innerhalb der Städte bis zu acht Meter hoch.“

So toll Englisch dort mit hinein gebracht werden muss, so falsch sind die Angaben. Wie üblich mit einem Stück Wahrheit, denn innerhalb von bebauten Gebieten ist die Mauer tatsächlich bis zu acht Meter hoch. Warum? Weil sie den Terroristen die Möglichkeit nehmen soll über die Anlage hinweg weiter auf israelische Zivilisten zu können. Und deshalb stehen Mauern nur und ausschließlich an solchen Stellen.

Womit die „rund 750 Kilometer“ eine glatte Lüge sind. Die von unseren Medien plakativ ständig gerne weiter verbreitet wird, wider besseres Wissen. Weil es so schön plakativ und kurz ist? Wäre es wirklich zu viel verlangt zu differenzieren? Oder wird „Differenzierung“ nur von denen verlangt, die Israel unterstützen?

Nun gut, vielleicht kann man nichts anderes erwarten von einer Zeitung, deren Mitarbeiter nicht einmal Fußball von Basketball unterscheiden können. Wobei auch das wieder verkürzt ist: Der Junge im Hintergrund spielt seinen Ball mit dem Fuß, der im Vordergrund wirft seinen in einer eindeutigen Basketball-Haltung. Platz war wohl nicht genug, sonst hätte die „Information“ über die 750 Kilometer Beton nicht mehr hinein gepasst…

Was das vorgestellte Buch angeht, so habe ich mit anscheinend zentralen Aussagen leichte Probleme:

Kaum eine Mauer erfüllte ihren ersten, den realen Verteidigungszweck, besonders lang. (Ansonsten waren Mauern böswillige Werke, die ausgrenzen und einzäunen und die Freiheit abwürgen sollten. Aha.) Die Mauer der Amurriter gegen umherziehende Nomaden aus dem späten dritten Jahrtausend vor Christus hielt offenbar gerade einmal 30 Jahre, der römische Hadrianswall gegen die Pikten 160 Jahre, der Wall der Sassaniden gegen die Hunnen 100 Jahre. Da erscheint die vor zwanzig Jahren gefallene Berliner Mauer mit gerade einmal 28 Jahren fast wie ein Detail – zumindest in der Geschichte der Mauern.
Nur haben die Menschen nicht viel aus dieser Erkenntnis gelernt. Immer noch werden neue Mauern errichtet – gegen den so genannten Terror, gegen illegale Einwanderer, gegen verfeindete Völker wie das eigene: zwischen Israel und dem Westjordanland, zwischen den USA und Mexico, in Belfast, Zypern, in Korea, 18 000 Kilometer weltweit. Für wie lange?

Noch einmal: Es wird nicht klar, ob das von der Rezensentin Petra Steinberger stammt oder aus dem von Astrid Nunn herausgegebenen Buch. Was aber letztlich egal ist, es stand in der Süddeutschen und die muss sich die Kritik gefallen lassen:

Dass keine Mauer ihren Zweck lange erfüllte, ist reichlich relativ. Die 28 Jahre in Berlin sind nur im Rückblick und in sehr großen geschichtlichen Zusammenhängen „fast wie ein Detail“. Warum dann aber die 30 Jahre Mauer der Amurriter mehr als ein Detail sein sollen, bleibt eine Frage, die sich vielleicht nur mir stellt. Aber 160 Jahre oder 100 Jahre Effektivität würden den Israelis sicherlich erst einmal reichen. Ganz abgesehen davon, dass sie selbst die Mauer gar nicht auf Dauer haben wollen. Anderes zu behaupten ist eine spekulative Unterstellung. Allerdings könnte es dennoch nötig sein, dass die Mauer „bis in alle Ewigkeit“ existieren muss, um die arabischen Terroristen an der Umsetzung ihrer Berufung des Massenmords an Juden zu hindern. Diese Notwendigkeit ist aber etwas ganz anderes als sie zu wollen.

Perfide ist die Formulierung „gegen den so genannten Terror“. Sollte sich das auf Israel beziehen, dann ist das grenzenlose Hetze. Denn in Abrede zu stellen, dass der Terror der PalAraber Terror ist, negiert nicht nur die Natur dieses Terrors, sondern delegitimiert auch Israel und seine Verteidigung. Es unterstellt Israel ein Handeln, das es nicht an den Tag legt. Aber was will man von jemandem erwarten, die weder die Motivation der Maßnahme, noch die Effektivität oder gar das wahre Ausmaß der Sperranlage auch nur ansatzweise korrekt darstellt?

Bischöfliches Vokabular

17. Oktober 2009 at 11:44 | In Christen+Kirchen, Geistesgrößen, die Welt+Nahost | 6 Comments
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Man stelle sich vor, Michel Friedman oder ein anderer prominenter (echter) Israel-Freund hätte das Wort benutzt – die Empörung würde Wellen schlagen, die die Hamburger Sturmflug von 1962 wie eine kleine Windböe aussehen ließe. Aber wenn ein deutscher Bischof von „Lebensraum“ faselt und sich das gegen Israel richtet, ist die Nazi-Vokabel offenbar nicht sonderlich kritisierenswert.

Gemacht hat es Bischof Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier. Seiner Meinung nach nimmt „die Mauer“ den Palästinensern Lebensraum. Soso. Der Vorsitzende von „Justitia et pax“ befindet auch, dass die Mauer erschreckend ist. Aha. Dem wird wohl jeder zustimmen, mancher allerdings aus anderen Motiven als der Friedens-Bischof. Der hat sich deutlich geäußert. Nazi-Vokabular gegen Israel ist angebracht. Dass diese Mauer notwendig und erschreckend ist, weil die Lebensraum suchenden Araber ohne sie dafür sorgen würden, dass die Juden nicht nur keinen Lebensraum mehr haben, sondern auch kein Leben mehr, das „entfällt“ dem Friedenschef genauso, wie die Tatsache, dass es „die Mauer“ als solche nur auf einem äußerst geringen Teilstück der Sperre gegen die Terroristen gibt. Im Übrigen findet wohl jeder noch so „rechte“ und antiarabische Israeli die Mauer, wo sie als solche steht, ebenfalls nicht schön. Aber ich vermute außerdem, dass den Israelis das eigene Leben wichtiger ist (und sein sollte) als arabischer „Lebensraum“.

Die Nazi-Äußerung der gutmenschlichen Sorte reichte dem großen Friedensbringer aber nicht. Er musste den Juden dann noch ins Stammbuch schreiben, dass die Mauer nichts nutzt und nicht ewig stehen wird. Da hat er sich wohl an Berlin erinnert gefühlt, wobei zu sagen bleibt: Die Mauer in Berlin war leider sehr effektiv, die „Mauer“ im heiligen Land ist es zum Glück auch. Sie erfüllt ihren Zweck: Die Terroristen haben kaum eine Chance nach Israel zu kommen, um dort ihrem Hobby nachzugehen; und ganz nebenbei haben massive Diebstähle aufgehört, die vor Errichtung der Sperranlagen noch an der Tagesordnung waren. (Wenn ich jetzt behaupte, das zeige, wer die Israelis „westlich“ der Grünen Linie bestohlen hat, bin ich dann Rassist? Wir dürfen doch von Arabern/Muslimen immer nur das Beste annehmen, die Verbrecher sind die Westler…)

Noch eine Frage an den Bischof: Will er mit seiner „Anmerkung“ behaupten, die Israelis wollten „die Mauer“ auf ewig stehen haben? So weit kommt’s noch. So ziemlich jedem Israeli wäre es lieber, man könnte dieses Monster schnellstmöglich wieder aus der Welt schaffen. Die Frage ist einzig und alleine die: Kann Israel sich das leisten? Israel kann es sich erst leisten, wenn die so genannten Palästinenser bereit sind den jüdischen Staat anzuerkennen und in Frieden mit ihm zu leben. Dieser Gedanke ist Bischof „Gerechtigkeit und Frieden“ aber offenbar so fremd, dass er nicht einmal ansatzweise konkrete Schritte in dieser Richtung von den Arabern in den besetzten bzw. auch nicht mehr besetzten Gebieten fordert.

Mit diesem üblichen Geschwätz westlicher Möchtegern-Friedensbringer geht es weiter: Beide Seiten müssen, beide Seiten sollten… Dass seine Konkretisierungen sich ausschließlich an Israel richten, merkt dieser Bischof Lebensraum wohl gar nicht. Er bezieht wie angekündigt Stellung und das geht nirgendwo gegen den Terror oder die Terroristen. Natürlich alles nur mit Einfühlungsvermögen und Umsicht, damit kein Mangel an Respekt da ist – vor allem vor dem Hintergrund der deutsch-israelischen Geschichte. Er nennt das „Kritik an der israelischen Politik“ Nochmal: Kritik an pal-arabischer Politik ist offenbar Fehl am Platze, vielleicht wäre es an der Zeit, dass Deutschland auch da so einen Hintergrund schafft wie bei den Israelis, damit Kritik möglich wird?

Ich vermute aber mal, den Israelis geht es am Allerwertesten vorbei, wie viel Einfühlungsvermögen und Umsicht der Bischof bei seiner „Kritik“ walten lässt – ob einer sagt „Ihr müsst den Palästinensern Lebensraum schaffen“ oder „Lasst euch gefälligst von denen widerstandslos umbringen“: Es kommt aufs Selbe raus. Und wie einfühlend und umsichtig die Vokabel „Lebensraum“ dabei ist, bedarf wohl kaum näherer Erörterung.

Dass es immer wieder Führungspersönlichkeiten deutscher Kirchen sind, die sich mit salbungsvoll verkündeten Unsäglichkeiten und falscher „Kritik“ gegen Israel und für die Judenmörder einsetzen, finde ich besonders erschreckend. Wenn von solchen Kirchenvertretern dann gleichzeitig vor evangelikalen Israelfreunden gewarnt wird, dann sollte sich niemand wundern, wenn Israelis daraus ihre Schlüssel ziehen.

Womit Israel Probleme hat

13. Oktober 2009 at 14:09 | In Israel, die Welt+Nahost | Leave a Comment

Viele nennen sich „Freunde Israels“ und bilden sich dadurch ein, sie „dürften“ nicht nur, nein sie „müssten“ Israel „kritisieren“ – was dann auf volle Unterstützung der Positionen heraus, die von denen vertreten werden, die Israel vernichten wollen.

Dann gibt es „ultraorthodoxe“ Juden, die alle als Freunde Israels ablehnen, die bibeltreue Christen sind. In diese Kategorie gehören aber auch viele eher linke oder linksliberale Juden, die vor bibeltreuen Christen vor allem unterstellen, sie wollten nur missionieren und wendeten sich von Israel und den Juden ab (um Judenhasser zu werden), wenn die Israelis/Juden dieser Mission nicht nachkommen.

Ein Großteil zumindest der Israelis weiß das besser. Und sie sehen ein Problem inzwischen nicht (mehr) in den evangelikalen Unterstützern Israels, sondern bedauerlicherweise in einer ganz anderen Personengruppe, wie Yaakov Kirschen bedauernd festhält:

Goldstone ignoriert und heuchelt weiter

7. Oktober 2009 at 21:52 | In Geistesgrößen, UNO, die Welt+Nahost | 1 Comment
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Richard Goldstone wurde im Magazin Tikkun interviewt:

F: Was sind im Einzelnen die Schritte, die Israel hätte unternehmen sollen, um den Beschuss des südlichen Israel zu stoppen, bevor es den Gazastreifen angriff?
RG: Nun, es hätte stärkeren Druck mit diplomatischen Mitteln nutzen können. Es hätte den Sicherheitsrat zu diesem Zweck nutzen können. Israel hätte den Sicherheitsrat informieren und sagen können: „Wenn ihr das nicht stoppt, wenn ihr nichts tut, um es zu stoppen, werden wir schließlich auf militärische Mittel zurückgreifen müssen.“ Aber in unserem Bericht haben wir Israels Recht militärische Gewalt zu nutzen nicht in Frage gestellt.

F: Glauben Sie, dass Israel damit Erfolg gehabt hätte, die Bombardierung von Sderot zu beenden, hätte es sich an den Sicherheitsrat gewandt?
RG: Nun, das weiß ich nicht. Hätte es nicht funktioniert, dann habe ich keine Zweifel, dass Israel dazu berechtigt wäre hart zu handeln, um dem Raketen- und Mörserbeschuss ein Ende zu setzen und es hat die Pflicht seine Bevölkerung zu beschützen.
Militärische Gewalt sollte die allerletzte Zuflucht sein. Ich denke, es ist hier vertretbar, dass andere diplomatische Mittel Erfolg gehabt hätten. Hätten sie nicht funktioniert, dann ist die letzte Zuflucht die der Gewalt und dann die Frage, ob es militärische oder Polizeigewalt sein sollte, für die Israel das Recht gehabt hätte aktive Schritte zu unternehmen.

Wir sehen: Erstens hat Goldstone weiter ignoriert, dass Israel weit über 200 Eingaben bei der UNO getätigt hatte. Das hatte Null Folgen. Die UNO reagierte nicht, die Hamas ließ sich davon nicht stören.

Aber zweitens macht Goldstone gleich deutlich, dass Israels militärisches Vorgehen auch bei diesem Misserfolg von ihm nicht als wirklich gerechtfertigt angesehen wird, denn er schwätzt dann noch von „anderen diplomatische Mitteln“, die angeblich Erfolg gehabt haben würden. Und sowie er Israel noch einmal ein Eingreifen zugesteht, will er das sofort wieder relativieren: militärische Gewalt, Polizeigewalt. Als wären die Qassam- und Grad-Schützen einfache Kriminelle!

Darüber hinaus schreibt er Israel vor, wie es hätte militärisch vorgehen müssen, wenn es denn dazu überhaupt hätte kommen müssen (musste es laut Goldstone ja nicht):

F: Als also einmal die Entscheidung zum Angriff fiel, wird die Frage aufgeworfen: Gibt es irgendeinen Weg einen Krieg gegen Terroristen zu kämpfen, der nicht Tod und Opfer unter Zivilisten zur Folge gehabt hätte, wenn man annimmt, dass städtische Terroristen sich inmitten der Bevölkerung aufhalten?
RG: Wissen Sie, es hätten Kommando-Aktionen unternommen werden können.

„Kommando-Aktionen“ sind militärische Stoßtrupp-Unternehmungen von Spezialeinheiten, die also in die Städte des Gazastreifens eindringen sollen, ohne dass Zivilisten geschädigt werden – und mit auch nur minimaler Aussicht auf einen erfolgreichen Ausgang? Ähnliche Aktionen sind in Judäa und Samaria möglich, weil es dort eine eigene Infrastruktur hat. Im Gazastreifen gibt es eine solche seit 2005 nicht mehr. Und wie „Kommando-Unternehmen“ unter diesen Umständen ablaufen, haben wir in Jenin gesehen – mit allen negativen Folgen vom Völkermord-Vorwurf bis zu der Erklärung, dass das unverhältnismäßiges Vorgehen sei.

Genauso wird es im Fall von Goldstones „Kommando-Aktionen“ auch sein. Und Goldstone wird wieder vorne dabei sein und Israel vorwerfen, es habe diplomatisch nichts unternommen. Was dann genauso wahr sein wird, wie seine heutige Behauptung, Israel habe sich nicht an den Sicherheitsrat gewandt oder genug diplomatische Mittel genutzt. Die Heuchelei und Ignoranz der Goldstones dieser Welt sorgen dafür, dass Israel weiter „kritisiert“ wird, egal, wie zurückhaltend es reagiert. Solche Leute kann der jüdische Staat nur durch eines zufriedenstellen: Indem es sich von den Terroristen vernichten lässt.

(h/t: Elder of Ziyon)

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