Israels schlimmster Feind: Lügen und Märchen

16. April 2014 um 13:49 | Veröffentlicht in Araber, die Welt+Nahost, Friedensinitiativen, Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser, USA | Hinterlasse einen Kommentar
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Bruce Thornton, FrontPageMag.com, 8. April 2014

Die Washington Post berichtet, dass einige Mitglieder des Führungsstabs von Außenminister John Kerry glauben, es sei an der Zeit Kerrys zu vergeblichen und wahnhaften Versuchen, einen Frieden zwischen den Israelis und den Arabern zu vermitteln und die „Zweistaatenlösung“ zu verwirklichen, „genug“ zu sagen. Das ist eine Offenbarung, von der man glauben sollte, dass der Chefdiplomat der größten Macht der Geschichte sie vor Jahrzehnten erlebt haben sollte. Seit den fehlgeschlagenen Oslo-Vereinbarungen von 1993 ist für alle mit Ausnahme der Scheinheiligen, der ignoranten und der Judenhasser offensichtlich gewesen, dass die Araber keinen „Palästinenserstaat Seite an Seite in Frieden mit Israel lebend“ wollen – etwas, das sie in der Vergangenheit schon oft hätten haben können. Doch im Gegenteil: Wie sie reihenweise in Wort und Tat bewiesen haben, wollen sie Israel vernichtet sehen.

Wie Caroline Glick in ihrem neuen Buch „The Israeli Solution“ dokumentiert, ist die „Zweistaatenlösung“ eine diplomatische Schimäre für den Westen und eine Taktik für revanchistische Araber, die ihre eliminatorischen Ziele mit militärischen Mitteln nicht erreichen können. Doch der „Palästinenserstaat“ ist nur eines von vielen Märchen, Halbwahrheiten und glatten Lügen, von denen westliche Diplomaten und Führungspolitiker benebeln und die Sicherheit und mögliche Existenz Israels gefährden.

Zuerst gibt es die Ente, Israel sei ein irgendwie illegitimer Staat, ein neoimperialistischer Außenposten, den Westler schufen, um ihre wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen zu schützen. In diesem beliebten Märchen „stahlen“ einfallende jüdische Kolonisten das Land und reinigten die Region ethnisch von ihren wahren Besitzern, dem uransässigen „palästinensischen Volk“. Dieses Verbrechen wurde nach dem Sechstage-Krieg 1967 wiederholt, als Israel die „Westbank“ einnahm, sie als Kolonialmacht besetzte und ihre Einwohner einem brutalen diskriminierenden Regime unterwarf. Die fortbestehende Macht dieser Lüge ist in dem regelmäßigen Vergleich Israels mit dem Südafrika der Apartheid zu sehen. Und diese falsch historische Analogie treibt im Gegenzug die Bewegung für „Boykott, De-Investition und Sanktionen“ an, die versucht Israel sogar noch mehr zu einem Paria-Staat zu machen, um den Erfolg dieser Taktik beim Auflösen der weißen Herrschaft in Südafrika zu wiederholen.

Jede Dimension dieser Darstellung ist falsch. Der Staat Israel entstand durch denselben legitimen Prozess, der die anderen neuen Staaten in der Region schuf, die Folge der Auflösung des ottomanischen Reichs nach dem Ersten Weltkrieg. Übereinstimmend mit der traditionellen Praxis siegreicher Staaten schufen die Allianzmächte Frankreich und England den Libanon, Syrien, Irak und Jordanien und natürlich Israel, um ihren nationalen Interessen zu konsolidieren und zu schützen. Dieses legitime Recht die Landkarte umzugestalten mag schlecht und kurzsichtig wahrgenommen worden sein – Regionen mit vielen verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppen waren schlechte Kandidaten dafür Nationalstaaten zu werden, wie die Geschichte des Irak und des Libanon beweisen, während erstklassige Kandidaten wie die Kurden außen vor gelassen wurden. Doch das Recht das zu tun wurde durch den alliierten Sieg und die Niederlage der Mittelmächte gegeben, die althergebrachten Löhne des Anfangens eines Krieges und ihn zu verlieren. Ebenso wurden in Europa das österreichisch-ungarische Reich aufgelöst wurde und die neuen Staaten Österreich, Ungarn, Jugoslawien und Tschechoslowakei geschaffen. Und der Erzaggressor Deutschland wurde mit beträchtlichem Landverlust bestraft, der rund 10 Millionen Deutsche außerhalb des Vaterlands zurückließ. Israels Anspruch auf sein Land ist so legitim wie der Jordaniens, Syriens und des Libanon auf ihres.

Dann gibt es das Melodrama der „Vertreibung“ der „Palästinenser“, die wegen Israels Aggression dazu verdammt worden sind als staatenlose „Flüchtlinge“ zu leben. Diese Darstellung ignoriert natürlich die Tatsache, dass die meisten Araber freiwillig aus Palästina flohen; die erste Welle, hauptsächlich die arabische Elite, begann im November 1947 mit der UNO-Abstimmung zum Teilungsplan. Zu dieser Zeit war es Beobachtern klar, dass die meisten Araber sich entschieden aus ihrem angeblichen angestammten Heimatland zu fliehen. Im September 1948 schrieb das TIME Magazine, kein Freund Israels: „Es gibt nur wenig Zweifel, dass die potentesten Faktoren [die die arabische Flucht erklären] die Ankündigungen waren, die über Radio vom Hohen Arabischen Rat gemacht wurden, die Araber sollten weggehen.“ Diesen folgen 1948 300.000 weitere, die entweder dem Konflikt entgehen wollten oder vom Hohen Arabischen Rat mit dem Versprechen dazu veranlasst wurden, nach dem Sieg würden sie zurückkehren und feststellen – wie der Generalsekretär der Arabischen Liga, Azza Pasham, im Mai 1948 sagte: „All die Millionen, die die Juden für Land und wirtschaftliche Entwicklung ausgegeben hatten sind leichte Beute, denn es wäre ein Einfaches die Juden ins Mittelmeer zu werden.“ In der Tat bestätigte der Abzug der Israelis aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 die Vorhersage, die 1948 scheiterte. Die Gewächshaus-Industrie des Gazastreifens, die amerikanische jüdische Spender für $14 Millionen kauften und der PA übergaben, um der Wirtschaft in Gaza zu helfen, wurde stattdessen von Plünderern zerstört.

Doch aus einer historischen Perspektive ist es irrelevant, wie die Araber zu Flüchtlingen wurden. Als die Griechen 1922 ihren Krieg gegen die Türken verloren, mit dem sie die Souveränität über Land gewinnen wollten, in dem ihre Vorfahren fast 3000 Jahre lang lebten, wurden 1,5 Millionen Griechen aus der Türkei im Tausch für eine halbe Million Türken aus Europa übernommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg flohen auch 12 Millionen Deutsche oder wurden aus Osteuropa getrieben, wobei mindestens eine halbe Million starben. In beiden Fällen – ob zu Recht oder nicht – gehörte zur Entlohnung eines begonnenen und verlorenen Kriegs die Vertreibung der Verlierer. Doch nur im Fall der palästinensischen Araber sind diese beständigen Kosten der Aggression umgekehrt worden und diejenigen, die in einem Krieg obsiegten, den sie nicht begannen, werden für das Leiden der Flüchtlinge dämonisiert, die von der Aggression ihrer religiösen und ethnischen Gefährten geschaffen wurden.

Eine weitere historische Anomalie: In keinem anderen Konflikt haben Flüchtlinge es verfehlt sich in den Ländern zu integrieren, in denen sie die ethnische, religiöse und kulturelle Identität teilen. Die meisten der etwa 800.000 Juden zum Beispiel – vertrieben aus Ländern wie Ägypten und dem Irak, in denen ihre Vorfahren Jahrhunderte lang lebten – wurden in Israel willkommen geheißen, das die Rechnung für ihre Versorgung und Integration in die Gesellschaft übernahm. Die arabischen Staaten andererseits hielten ihre Geschwister Araber und Muslime in armseligen Lagern, die sich in armselige Städte entwickelt haben, ihr Lebensunterhalt wird von der United Nations Relief Works Agency bezahlt, der einzigen UNO-Agentur, die sich nur einer einzigen Gruppe Flüchtlinge widmet. Damit hat die internationale Gemeinschaft die revanchistische Politik der arabischen Staaten ermöglicht, wie Alexander Galloway, Leiter der UNRWWA, es 1952 sagte: „Es ist vollkommen klar, dass die arabischen Staaten das arabische Flüchtlingsproblem nicht lösen wollen. Sie wollen es als offene Wunde halten, einen Affront der Vereinten Nationen und als Waffe gegen Israel. Arabische Führer scheren sich den Teufel darum, ob die Flüchtlinge leben oder sterben.“

Das bringt uns zum Hauptmythos: dass es ein ausgeprägtes palästinensisches „Volk“ gibt, die ursprünglichen Besitzer des Landes, denen ungerechterweise eine nationale Heimat verweigert wird. Beachten Sie, dass in den oben angeführten Zitatenkein Araber jemals diese Menschen als „Palästinenser“ bezeichnet, sondern als „Araber“, was die meisten von ihnen sind, denn sie teilen Religion, Sprache und Kultur ihrer arabischen Nachbarn in Jordanien, dem Libanon und Syrien. Fakt ist, wie Sha’i ben-Tekoa in seinem Buch Phantom Nation dokumentiert, kam die erste UNO-Resolution, die Bezug auf „Palästinenser“ statt auf „Araber“ nimmt, drei Jahre nach dem Sechstage-Krieg; sie bezeichnete die internationale Anerkennung eines „palästinensischen Volks“ und Nation als weitere arabische Taktik, mit der die Unterstützung des Westens gewonnen werden sollte, indem man eine dem traditionellen Islam fremde Idee ausnutzte. Davor war „palästinensisch“ eine geografische Bezeichnung, die typischerweise eher auf Juden angewandt wurde. Zahlreiche Zitate arabischer Führer offenbaren nicht einen einzige Verweis auf ein palästinensisches Volk, aber zahlreiche identifizieren die Einwohner der geografischen Einheit Palästina als „Araber“.

Zum Beispiel sagte 1937 der Sekretär des Hohen Arabischen Rates, Auni Abdel Hadi: „So etwas wie ein Land Palästina gibt es nicht. ‚Palästina‘ ist ein Land, das die Zionisten erfanden. ‚Palästina‘ ist uns fremd.“Der christlich-arabische George Antonius, Autor des einflussreichen The Arab Awakening (Das Erwachen der Araber), sagte David Ben Gurion: „Es gab keine natürliche Barriere zwischen Palästina und Syrien und es gab keinen Unterschied zwischen ihren Einwohnern.“ Später in seinem Buch definierte er Syrien als den Libanon, Palästina und Jordanien umfassend. In seiner Aussage vor der UNO sagte der Hohe Arabische Rat 1947: „Politisch sind die Araber Palästinas nicht unabhängig in dem Sinne, dass sie eine gesonderte politische Identität bilden.“ Dreißig Jahre später sagte Faruk Kaddumi, damals Leiter der politischen Abteilung der PLO, gegenüber Newsweek: „Es gibt keine Unterschiede zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrer und Libanesen. Wir sind alle Teil einer Nation. Unsere palästinensische Identität unterstreichen wir lediglich aus politischen Gründen… Ja, die Existenz einer separaten palästinensischen Identität dient nur taktischen Zwecken. Die Gründung eines Palästinenserstaates ist ein neues Mittel im fortgesetzten Kampf gegen Israel.“

Solche Beispiele können vielfältig genannt werden, was all das Gerede von einem separaten palästinensischen „Volk“, das seinen eigenen Staat verdient, zu nichts als Propaganda macht, die von einer fingierten Geschichte unterstützt wird, die behauptet, die Araber, die im 7. Jahrhundert als Eroberer und Besatzer oder später als Migrationsarbeiter und Einwanderer nach Palästina kamen, seien die „eingeborenen“ Bewohner, die von biblischen Völkern wie den Kanaanitern oder den geheimnisvollen Jebusitern abstammen – ein Anspruch, der durch keinerlei schriftliche oder archäologische Beweise unterstütz wird. Derweil existieren natürlich jede Menge Beweise, die zeigen, dass die Juden seit 1.300 v.Chr. ständig in der Region lebten. Einmal mehr wird die Logik der Geschichte auf den Kopf gestellt, wobei die Nachfahren der ursprünglichen Einwohner für fremde Invasoren gehalten und die Besatzer als Opfer heilig gesprochen werden.

Eine solche Umkehrung ist Orwells 1984 würdig. Doch diese Lügen und Märchen – und es gibt viele weitere – haben den Konflikt zwischen Israel und den Arabern geformt und definiert und setzen die Parameter diplomatischer Lösungen. Wir sollten aber die biblische Aufforderung zur befreienden Macht der Wahrheit beherzigen. Und die Wahrheit ist: Ein Jahrhundert lang haben mit völkermörderischem Hass angefüllte Fanatiker gewalttätig und bösartig eine liberal-demokratische Nation angegriffen, die sich legitim im angestammten Heimatland ihres Volks eingerichtet hat. Bis unsere diplomatischen und Außenbeziehungen in der Region dieser Wahrheit verschrieben wird, ist die „Zweistaaten-Lösung“ weiter eine gefährliche Farce.

„24h Jerusalem“ auf arte

13. April 2014 um 7:00 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Jerusalem, Medien+Nahost | 7 Kommentare
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Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 13. April 2014 (direkt vom Autor)

Innerhalb von 24 Stunden kann man bei ARTE mehr über Jerusalem erfahren, als nach 40 Jahren Leben in dieser Stadt. Arte hat von Samstag bis Sonntag eine Gemeinschaftsproduktion mit dem BR 24 Stunden lang ausgestrahlt. Mit 70 Kamerateams, darunter 20 israelischen und 20 palästinensischen Teams, wurden Menschen der Stadt und Europäer gefilmt und interviewt.

Dank Arte erfährt man, dass fast alle Juden in der Stadt fromm bis ultraorthodox sind oder Uniform tragen und Palästinenser kontrollieren, mit Pferden niedertrampeln oder schikanieren. Dann erfährt man, dass viele der Uniformieren mit großer Aufschrift „Polizei“ (allerdings auf Hebräisch) in Wirklichkeit „Soldaten“ sind…wenn man dem Fernsehbericht glauben darf.

Die betont hervorgehobene graue Beton-„Mauer“ verläuft zwar laut Landkarte überwiegend am Stadtrand, aber wie von Arte dargestellt, zieht sie mitten durch die Stadt. Denn sonst hätte Arte nicht bei jedem Viertel so deutlich betont, dass es in „Ostjerusalem“ oder in „Westjerusalem“ liege oder wie Gilo, eine „Siedlung“ mit 50.000 Einwohnern, mitten in Ostjerusalem liege, „umgeben von arabischen Vierteln“. Tatsächlich liegt Gilo im Süden der Stadt und grenzt nach Süden an Bethlehem und ansonsten an das israelische Westjerusalem. Tatsächlich ist Gilo erst 1967 von Israel erobert worden, wobei Arte verschweigt, dass der Grund und Boden des Viertels seit den Dreißiger Jahren Juden gehört.

Ähnliche Verwirrung entsteht bei Kennern Jerusalems, wenn von jüdischen „Siedlern“ etwa in Silwan die Rede ist, die palästinensische Wohnungen „beschlagnahmt“ hätten. Arte weiß offenbar nicht, dass Silwan vor etwa 150 Jahren von jemenitischen Juden gegründet worden ist und dass die Juden bei arabischen Pogromen vertrieben wurden.

Bei Arte erwähnt der Sprecher gelegentlich, dass es während der Zweiten Intifada 137 Selbstmordattentate gegeben habe. Erst bei dem gefilmten Spaziergang mit der Schriftstellerin Zruria Schalev, die in einem explodierten Bus schwer verletzt worden war, wird klar, dass die Selbstmordattentäter offenbar Japaner und keine Palästinenser waren. Denn Schalev fiel laut Arte einem „Kamikaze“-Attentat zum Opfer.

Die politische Befindlichkeit der Bewohner Jerusalems ist klar aufgeteilt.

Unter den Juden gibt es überwiegend „Extremisten“, „radikale Siedler“, „schikanierende Polizisten“ und vergleichsweise viele linke Aktivisten mit scharfer Kritik an der israelischen Regierung. Einer fährt weit hinaus, bis nach Jericho, um zu zeigen, wie Israel die Jahalin-Beduinen benachteiligt. Dieser Ausflug hat mit Jerusalem genauso wenig zu tun, wie der ausführlich gefilmte Empfang am Ben Gurion Flughafens eines zum Judentum konvertierten amerikanischen Katholiken, der am Abend in einem Jerusalemer Theater auftritt. Eine Gruppe Aktivisten übt sich als Hausbesetzer und bricht vor laufender Arte-Kamera in die verfallende Residenz der ehemaligen Regierungschefin Golda Meir ein, um die Wohnungsnot in Jerusalem zu lösen. Eine Aktivistin von „Peace Now“ (Frieden Jetzt) fährt zur Mauer in Abu Dis, um sich dort mit einem Polizisten anzulegen und zu erklären, dass die Mauer keinen Bestand habe, weil sie Menschen künstlich voneinander trenne. Gewiss hat sie Recht. Doch dass diese 8 Meter hohe Mauer erst vor 10 Jahren errichtet worden ist, nachdem damals fast täglich Busse und Restaurants in die Luft geflogen waren und dass dieser mörderische Spuk schlagartig nach dem Bau der Mauer endete, erwähnt sie nicht und wird dazu auch nicht befragt.

Erstaunt erfährt der ahnungslose Zuschauer, dass nicht nur Jericho, die judäische Wüste und der Ben-Gurion-Flughafen zu Jerusalem gehören, sondern auch Bethlehem, wo ein UNO-Offizier, Christoph von Toggenburg, den Beschuss eines Palästinensers durch israelische Soldaten erkundet und zum Schluss kommt, dass der Soldat gezielt und „absichtlich“ geschossen habe. Das Ergebnis der Prüfung aufgrund der Aussage des verletzten Palästinensers ist so klar, dass sich eine Stellungnahme des israelischen Militärsprechers für Arte offenbar erübrigte. Nach Jerusalem „eingemeindet“ wurde auch Kibbuz Ramat Rachel, obgleich der auf Eigenständigkeit besteht, trotz seiner Lage am Rande der Stadt.

Kritik am Vorgehen der israelischen Regierung und der Jerusalemer Stadtverwaltung, die nur 7% ihres Haushalts in den „palästinensischen“ Vierteln investiert, obgleich die Araber ein Drittel der Stadtbevölkerung ausmachen (selbstverständlich ohne zu prüfen oder zu erklären, woran das liegen könnte), kommt in geballten Ladungen in vielen Interviews mit Palästinensern, israelischen Aktivisten und „europäischen“ Protagonisten vor. Mehrere Palästinenser klagen über die israelischen Behörden, ihnen den israelischen Ausweis zu entziehen, falls sie sich außerhalb Jerusalems niederlassen. In Jerusalem seien sie Bürger zweiter Klasse und würden erniedrigt. Da die palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah mit keinem Wort kritisiert wird, steht der ahnungslose Zuschauer vor dem Rätsel, wieso 300.000 Palästinenser es vorziehen, von den Israelis unterdrückt zu werden, anstatt in die Freiheit der palästinensischen Autonomiegebiete zu ziehen.

Wer in Deutschland und Europa vielleicht erwartet hat, in einer 24-stündigen Dokumentation auch über die Reize und Sehenswürdigkeiten Jerusalems zu erfahren, wurde enttäuscht. Im Westen der Stadt gibt es nur die bedrückende Holocaust Gedenkstätte Jad Vaschem und bis zum Überdruss den Gemüsemarkt Machaneh Jehuda. In der Altstadt treibt es den Zuschauer von einer Heiligen Städte zur nächsten, wo entweder gebetet oder Gesang geübt wird. Das einzige Museum in Jerusalem haben jüdische „Extremisten“ geschaffen: Das „Tempelinstitut“, wo die Kultgeräte im künftig wiedererrichteten jüdischen Tempel (anstelle der bestehenden Moscheen) gezeigt werden. Die einzige von Arte gezeigte Ausgrabung ist für das Publikum geschlossen.

Anstatt stundenlang Bäckern und Köchen über die Schulter zu schauen, hätte Arte gewiss ein paar Minuten im Israel-Museum und an anderen Sehenswürdigkeiten innehalten können. Anstatt ausführlich einen arabischen Flüchtling, Abu Issam, aus dem Viertel Lifta sein Schicksal erzählen zu lassen, hätte Arte der Ausgewogenheit halber auch Juden zu Wort kommen lassen können, die fast gleichzeitig aus der arabischen Welt vertrieben worden sind. Niemand bei Arte stellt die Frage, wieso die arabischen Flüchtlinge von damals bis heute in engen Lagern leben müssen und nicht in die (palästinensische) Gesellschaft integriert worden sind. Fast peinlich stößt die offene (Schleich-) Werbung allein für ein einziges palästinensisches Hotel im „Osten“ der Stadt auf, obgleich es in Jerusalem nun wirklich nicht an guten, historischen und sehenswerten anderen Hotels mangelt.

Die Produzenten von Arte haben schriftlich und bei Pressekonferenzen eingestanden, von den Palästinensern zweimal boykottiert worden zu sein und finanzielle Verluste in Höhe von 400.000 Euro eingesteckt zu haben. In der Folge hätten sie das Konzept umgeworfen. Herausgekommen ist eine einseitige pro-palästinensische oder eher anti-israelische Propaganda-Show, auch wenn sie in den Nachtstunden mit langen Interviews uralten Holocaustüberlebenden und der jüdischen Seite mehr Gewicht gegeben haben.

(C) Ulrich W. Sahm

weitere Einordnungen:
- 24h Jerusalem – according to Arte (Claudio Casula, Spirit of Entebbe)
- Auf ARTE ringen nicht existente Völker miteinander (Ulrich W. Sahm)
- Eine Ergänzung von Ulrich W. Sahm zum Artikel bei Audiatur
- Bildungsfernsehen

Der katastrophale Ausgang der „Friedensverhandlungen“

11. April 2014 um 14:03 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Europa+Nahost, Friedensinitiativen, Israel, USA | 2 Kommentare
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Isi Leibler, Word from Jerusalem, 1. April 2014

Wie erwartet haben sich die Bemühungen der Obama-Administration eine Friedensregelung durchzusetzen als katastrophaler Fehlschlag erwiesen. Es ist nebensächlich, ob die Verhandlungen formell zusammenbrechen oder ein das Gesicht wahrendes „Rahmenabkommen“ angenommen wird, das nicht bindend ist und das ausreichende Vorbehalte enthält, um es bedeutungslos zu machen. Bedauerlicherweise hat die US-Intervention die Lage nur verschärft und sogar die Chancen einen unauffälligen Zwischenfortschritte und wirtschaftliche Kooperation untergraben.

Die Friedensregelungen zwischen Israel und Ägypten und Jordanien wurden erreicht, weil beide Seiten einen Ausglich erreichen wollten. Die USA versuchten damals nicht Lösungen zu erzwingen. Sie wurden erst als Moderator und ehrlicher Vermittler involviert, nachdem beide Seiten die ersten Schritte unternommen hatten und sie einluden.

Die fehlerbehafteten Initiativen der Obama-Administration haben zum Ergebnis, dass das Ansehen der USA sowohl in Israel als auch der arabischen Welt auf ihr niedrigstes Level abstürzten. US-Außenminister John Kerry ist zwischen Einschüchterung und gelegentlichem Beschwichtigen Israels hin und her gepoltert. Der Durch wurde überwiegend auf Israel ausgeübt, während die Palästinenser, die mit Gazehandschuhen angefasst wurden, es ablehnten auch nur einen einzigen Kompromiss von Bedeutung einzugehen. Das schuf bei den Israelis enormen Frust und Verstimmung gegenüber den USA.

Die positiven Erinnerungen an Obamas Besuch in Israel und die fortgesetzte militärische Unterstützung und Kooperation – derzeit auf einem Allzeit-Hoch – wurden von israelischer Wut gegenüber den USA überschattet, weil die Regierung drangsaliert wurde brutale Massenmörder zu freizulassen, die dann von der PA als Helden glorifiziret wurden.

Die PA forderte das als Vorleistung, damit sie überhaupt verhandelt. Ein uninformierter Beobachter würde annehmen, dass Israel der Bittsteller ist; er wäre sich nicht bewusst, dass die Gebiete erst erworben wurden, nachdem Israel ein arabisches Konglomerat besiegte, das einen Vernichtungskrieg gegen den jüdischen Staat initiierte.

Amerikanische und europäische Führungspolitiker täuschen sich weiter selbst, dass es im israelisch-palästinensischen Konflikt um zwei feindselige Völker geht, die um Grundbesitz kämpfen. Ihnen scheint nicht bewusst zu sein, dass sowohl Arafat als auch Abbas israelische Angebote von 95% der Gebiete jenseits der Grünen Linie ablehnten, ohne auch nur ein Gegenangebot zu machen. Inzwischen sollten sie erkannt haben, dass das Ziel der Palästinenserführer nicht der Erwerb von Land ist, sondern das Ende der jüdischen Souveränität in der Region. Das erklärt ihre unnachgiebige Weigerung Israel als jüdischen Staat anzuerkennen.

Die US-Administration ignoriert die Wirklichkeit, dass der korrupte und doppelzüngige PA-Vorsitzende Mahmud Abbas – selbst wenn er es wollte – kein Mandat hat irgendein Zugeständnis zu machen; und sollte er davon abweichen, würde er wahrscheinlich ermordet. Der anhaltende Druck auf Israel, ohne Gegenleistung einseitig Zugeständnisse zu machen, hat die palästinensischen Extremisten nur gestärkt, die selbstgefällig demonstrieren, dass Unnachgiebigkeit sich auszahlt.

Die politischen Entscheidungsträger der USA versagen auch darin einzusehen, dass die Unterschiede zwischen der PA und der offen völkermörderischen Hamas als vorrangig taktisch sind. Die PA glaubt, ihre Strategie der Diplomatie und der Demontage Israels in Phasen ist weit effektiver als Terrorismus (zu dem sie wiederholt zurückzukehren drohen). Doch die PA wie die Hamas teilen dasselbe Ziel – die Eliminierung Israels.

Jetzt ist die Zeit, dass die Obama-Administration die Realität akzeptiert, dass die PA sich in eine kriminelle Gesellschaft entwickelt hat. Wie anders soll man ein Regime definieren, das Kinder im Kindergartenalter einer Gehirnwäsche unterzieht, damit sie glauben, Israel und die Juden seien bösartige Parasiten und ständig die Beseitigung des jüdischen Staates fordert? Diese Dämonisierung Israels wird tagtäglich von den Mullahs in den Moscheen und den von der PA kontrollierten Medien verstärkt. Zusätzlich werden Terroristen zu Heiligen gemacht, als Helden behandelt und ihnen werden staatliche Pensionen gewährt. Es gibt zahlreiche Ähnlichkeiten zwischen der Gehirnwäsche beim deutschen Volk durch die Nazis und dem, was Arafat und jetzt Abbas den Palästinensern auferlegt haben.

Durch Obamas persönliche Anfangs-Intervention sind die Siedlungen – lediglich 3 bis 4% der Gebiete jenseits der Grünen Linie – zur heute zentralen Frage geworden. Während Israelis über die Rolle von Siedlungen in entlegenen Gegenden uneins sind, haben sie Frust, dass der Hausbau in jüdischen Vororten Ostjerusalems und innerhalb der Siedlungsblöcke, die bei Israel bleiben werden, unendlich größere weltweite Verurteilung hervorrufen als das Massenschlachten in Syrien.

Doch trotz all der Bemühungen und Zugeständnisse, die Israel gemacht hat, gibt es Signale, dass die Obama-Administration die Verantwortung für das Scheitern der Verhandlungen, die wir von Anfang an als dem Untergang geweihte, hoffnungslose Scharade erkannten, uns anlasten wird. Die historischen jüngsten US-Attacken gegen Verteidigungsminister Moshe Ya’alon, weil der seine Sorgen zu Folgen von Aspekten der amerikanischen Außenpolitik auf Israel zum Ausdruck brachte, legen davon Zeugnis ab.

Dass Israel wieder wegen Häftlingsentlassungen unter Druck gesetzt wird, ist skandalös. Die Regierung wurde in dem klaren Einvernehmen von den USA in die Freilassung dieser Massenmörder geprügelt, dass die vier Phasen der Freilassung nur erfüllt würden, wenn es bei den Verhandlungen Fortschritt gibt. Abbas hatte mehr als reichlich klar gemacht, dass er zu nichts Kompromisse eingehen wird; und doch beharrten die Amerikaner darauf Druck auszuüben. Es gibt unbestätigte Berichte, dass die Amerikaner sogar überlegen, die Freilassung der Terroristen der israelischen Öffentlichkeit durch die Entlassung von Pollard schmackhafter zu machen und Netanyahu zu veranlassen in die Endphase arabisch-israelische Terroristen einzubeziehen (dem Israel niemals beipflichtete). Wenn jetzt Pollard, der nach jedem Maßstab vor langer Zeit schon hätte freigelassen werden sollen, als Bauernopfer benutzt wird, Israel unter Druck zu setzen weitere Massenmörder freizulassen, dann spiegelt das widerliche, schon obszöne moralische Entgleisung seitens der Obama-Administration.

Um diesem Aberwitz noch eins draufzusetzen fordert Abbas darüber hinaus, selbst wenn wir das letzte Los der Mörder freilassen, er die „Verhandlungen“ nicht weiter führt, außer Israel entlässt weitere Mörder und friert alle Bautätigkeit jenseits der Grünen Linie ein. Selbst Tzipi Livni verzweifelte in der Zustimmung, dass unter solchen Umständen die finale Phase nicht umgesetzt werden sollte.

Unsere Regierung muss aufpassen, dass – ungeachtet dessen, welche Zugeständnisse Israel macht – die Palästinenser, wenn sie einmal das Gefühl haben, dass sie uns bis zum Maximum ausgepresst haben, sie dann zu den Vereinten Nationen marschieren und die internationalen Gerichte in Den Haag abklappern, um uns des Bruchs internationalen Rechts anklagen, um Boykotte zu initiieren und uns zu delegitimieren.

Wir sind in die Drohungen nicht eingeweiht, der die Regierung sich seitens der US-Administration ausgesetzt sieht. Doch Netanyahu muss in den sauren Apfel beißen den amerikanischen Druck zurückzuweisen und, wenn nötig, unseren Fall dem amerikanischen Volk direkt vorzulegen. Wir würden wiederholen, dass es keinen Wunsch gibt über die Palästinenser zu herrschen – und betonen, dass die überwiegende Mehrheit praktisch bereits von ihnen selbst regiert wird.

Es muss betont werden, dass Israel sich geografisch in einem Bau voller Skorpione befindet, der die Aufmerksamkeit auf die barbarischen und bestialischen Verbrechen zieht, bei denen in Syrien mehr als 150.000 Menschen abgeschlachtet wurden. Von den benachbarten Palästinensern werden immer noch Raketen auf unsere Zivilisten abgeschossen. Wir sollten sie daran erinnern, dass wir Barbaren an unseren Toren gegenüber stehen und dass unsere Hauptsorge darin besteht, die Sicherheit unserer Kinder und Enkel sicherzustellen. Aus diesem Grund können müssen wir, wenn wir keine Vereinbarung von Bedeutung erreichen können, mit dem Status quo leben.

Israel wird weiter für Wirtschaftsbeziehungen zu den Palästinensern werben, in der Hoffnung, dass im Lauf der Zeit neue Führer aufkommen werden, die bereit sind Zugeständnisse zu machen und unsere Sicherheitsanforderungen anzuerkennen. Dann könnte die Zweistaatenlösung über Nacht Realität werden und gemeinsame israelisch-palästinensische Kooperation würde es uns allen ermöglichen zu gedeihen und uns einer glänzende Zukunft erfreuen. Das ist ein weit entfernter Zukunftstraum, auf die die meisten Israelis sich Hoffnungen machen, doch leider ist das derzeit nicht einmal am Horizont zu sehen.

Israels Zukunft: Zwanzig Jahre nach Oslo

10. April 2014 um 14:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Israel, Palästinenser, die Welt+Nahost | 2 Kommentare
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Langfristig dürfte der von arabischer Hetze gegen Israel verursachter Schaden größer sein als alles, was Israel bisher an Nützlichem aus den Oslo-Vereinbarungen gewonnen hat. Der Hauptwechsel der palästinensischen und Arabischen Politik im Verlauf der letzten zwanzig Jahre hat in dem Versuch bestanden die politischen Ziele zu erreichen, die sie durch militärische Mittel nicht erreicht haben – durch Aufhetzung. Daher ist eine der wichtigen Entwicklungen der letzten zwanzig Jahre die Zunahme der Bemühungen zur weltweiten Dämonisierung Israels gewesen.

Zu diesem Zweck haben die Palästinenser schrittweise Erfolg damit gehabt eine Vielzahl westlicher Verbündeter zu mobilisieren. Das hat zum langsamen, aber steten Wachsen der BDS-Bewegung (Boykott, De-Investition und Sanktionen) gegen Israel geführt.

Aus der Welt des Islam kommt weit mehr ideologische Kriminalität als aus jedem anderen wichtigen Teil der Welt. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Prozentsatz der Palästinenser mit extrem krimineller ideologischer Denkweise niedriger ist als in anderen Gesellschaften des Nahen Ostens wie Syrien, dem Irak oder Ägypten. Ein von den Palästinensern erreichter Erfolg ist, dass es ihnen ohne Rechtfertigung geglückt ist ein Image zu entwickeln, das sich von dem anderer von Gewalt durchdrungenen Kulturen unterscheidet.

Westliche Verbündete der Palästinenser ignorieren gewollt die Glorifizierung der Mörder israelischer Zivilisten durch Mahmud Abbas und andere PA-Führer. Viele verschließen die Augen vor der völkermörderischen Plattform der Hamas. Mehrere von denen, die mit den extremen palästinensischen Hetzern kollaborieren, verstecken sich fälschlich hinter einer humanitären Maske.

Mein Buch Israel’s New Future – Interviews wurde 1994 veröffentlicht.1 Es zeichnete die Erwartungen von 16 prominenten Israelis für die zukünftigen Entwicklungen nach der offiziellen Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen 1993 auf. Danach veränderten sich die Perspektiven zu Israels Zukunft erheblich. Viele von verschiedenen der Interviewten getätigten Voraussagen in dem Buch trafen zu; bei einer Vielzahl anderer lagen sie falsch. Diejenigen, die besonders stark irrten, waren die Optimisten.

Der ehemalige israelische Außenminister Abba Eban vermerkte in seinem Interview, dass „Israel direkt mit Syrien, Jordanien und dem Libanon verhandelt“ und das, was er „die palästinensische Mainstream-Bewegung“ nannte. Er fügte an: „Wir sind erwünschte Gäste in Marokko und Tunesien“, sowie: „Es gibt Kontakte mit Saudi-Arabien und den Golfstaaten. Darüber hinaus befindet sich der arabische Boykott in seiner ersten Phase der Auflösung.“

Eban merkte an, dass diese Entwicklungen eine völlige Veränderung im arabischen Ansatz andeuteten: „Niemals haben Israelis und Araber sich auf so viele Weisen in Washington, Tokio, Moskau, Ottawa, Rom und unserer Region getroffen. Militärisch sind die Araber gegen Israel sehr erfolglos gewesen. Jetzt wollen sie vom Trauma der Niederlage frei sein. Vor dem Zusammenbruch des Kommunismus und dem Golfkrieg, den wichtigsten Hauptentwicklungen der letzten Jahre, sah niemand vorher, dass dies geschehen würde.“2

Die politische Dynamik im Nahen Osten verschiebt sich rasch und in mehrere Richtungen. Die heutige politische Lage im Nahen Osten ist weit von der entfernt, die Eban ein paar Monate nach Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen ausmachte. Viele wichtige militärische und politische Entwicklungen haben in den letzten 20 Jahren in Israels unmittelbarem Umfeld stattgefunden. Von einigen war Israel direkt betroffen, so vom Beginn der zweiten Intifada im Jahr 2000.

Auch Israel hat wichtige Ereignisse initiiert, zum Beispiel den einseitigen Abzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005. Es gab viele andere wichtige Ereignisse ohne israelische Beteiligung, so die fälschlich als „Arabischer Frühling“ bezeichneten Revolutionen in arabischen Ländern. Israel ist bisher vom syrischen Bürgerkrieg nur am Rande betroffen.

Israelische Optimisten, die mit fast messianischem Enthusiasmus an die Oslo-Vereinbarungen glaubten, lagen radikal falsch. Die Palästinenser haben sich nicht in reformierte Demokraten verwandelt. Das politische Konzept des „Land für Frieden“ kann nach Israels einseitigem Abzug aus dem Gazastreifen 2005 und der Machtübernahme durch die Hamas dort im Jahr 2007 ebenfalls als Fehlschlag eingestuft werden. Was die Pessimisten angeht, die die Oslo-Vereinbarungen als „den Anfang des Endes Israels“ betrachteten, so befindet die Jury immer noch in der Beratung.

Die Unruhe im Nahen Osten geht heute weit über die der Zeit der Oslo-Vereinbarungen hinaus. Ereignisse, die mögliche Kurven und Biegungen in Israels Zukunft verursachen können, finden inzwischen mit größerer Häufigkeit statt als am Ende des letzten Jahrhunderts. Hätte ich heute die aktuelle Lage und mögliche zukünftige Entwicklungen kommentiert, würde ich bereits in der Einleitung, die ich für meine neueste, im letzten Sommer veröffentlichte Ausgabe Israel’s New Future Revisted3 Veränderungen vornehmen müssen.

Kann man in einer derart unbeständigen und sich rasch verändernden Realität Israels Zukunft überhaupt vorhersagen? Was ist aus den Oslo-Vereinbarungen und den Entwicklungen seitdem gelernt worden? Eine wichtige Lektion besteht darin, dass eine Friedensvereinbarung mit den Palästinensern im Lauf der Jahre wahrscheinlich weitgehend ein Stück Papier wird. Wenn das geschieht, werden die scheinheiligen westlichen Humanitären wieder Israel die Schuld zuschreiben, wie sie es bei einem Großteil des Fehlverhaltens der Palästinenser getan haben.

Was sollte Israel anstreben? Als erstes muss Israels innenpolitische Situation unter Kontrolle gehalten werden. Wirtschaftliche Schlüsselanforderungen sollten sorgfältig studiert und interner sozialer Unfrieden sollte innerhalb vernünftiger Grenzen gehalten werden.

Weitreichende Zugeständnisse für einen echten Frieden mit den Palästinensern und der arabischen Welt zu machen, könnte gerechtfertigt sein. Das jedoch für eine Vereinbarung auf dem Papier mit abnehmendem Bezug zur Realität vor Ort zu tun, würde im Verlauf der Jahre unverantwortlich sein. Umso mehr in einem sich rasch verändernden Umfeld und einer instabilen, weithin unberechenbaren Welt.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

 

1 Israel’s New Future: Interviews. Jerusalem, Rubin Mass, Jerusalem Center for Public Affairs, 1994.
2 Manfred Gerstenfeld: Interview mit Abba Eban: “Challenges in the Aftermath of Peace”. In: Israel’s New Future, S. 25.

Antisemitismus und Antiisraelismus in Australien

7. April 2014 um 13:30 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Jeremy Jones (direkt vom Autor)

Die beste Schätzung der Zahl in Australien lebender Juden liegt bei 120.000. Es gibt viele weitere mit einem oder mehr jüdischen Großelternteilen. Rund 50.000 Juden leben in Melbourne, 45.000 in Sydney und jeweils zwischen 7.000 und 10.000 in Perth und in Brisbane und der Goldküste. Es gibt kleinere Gemeinden in anderen Landeshauptstädten und regional wichtigen Städten.

Jeremy Jones AM ist Direktor des International and Community Affairs des Australia/Israel & Jewish Affairs Council sowie Ehrenmitglied auf Lebenszeit und ehemaliger Präsident des Executive Council of Australian Jewry.

JeremyJones

Jeremy Jones

Es sollte betont werden, dass stereotype Bilder von Juden keine prominente Stellung haben. Im Allgemeinen werden Juden nicht als anders als Australier anderer Religionen oder Kulturen angesehen. Antisemitische Vorfälle haben aber Einfluss auf das persönliche oder gemeinschaftliche Sicherheitsgefühl. Das verdient, dass damit ernsthaft umgegangen wird. Es gibt jedoch wenig Belege, die die Ansicht unterstützen, dass Australien für Juden unsicher ist.

Antisemitismus hat in Australien verschiedene Ausdrucksformen und entstammt unterschiedlichen Quellen. Bei einigen rechten, rassistischen Gruppen gehört Antisemitismus zu ihren Vorurteilen. Mehrere politische Gruppen nutzen Antisemitismus zynisch, um ihre Agenden voranzubringen. Verschiedene Einzelpersonen glauben, dass ihre Religion Antisemitismus rechtfertigt oder gar gebietet und eine Vielzahl Fanatiker propagieren antijüdische Stereotype.

Einige kleine, aber auffallende Gruppen werben für Holocaust-Leugnung. Eine davon ist das Adelaide Institute, das inzwischen hauptsächlich im Internet vertreten ist. Eine weitere ist die rassistische Australian Leage of Rights. Es gibt auch eine kleine Zahl christlicher oder quasi-christlicher Pfarrer, die Ersetzungstheologie oder andere antijüdische Botschaften predigen. Unter muslimischen Gebetsleitern, die behaupten, dass das Judentum existenziell gegen den Islam opponiert, ist der berüchtigste der ehemalige Mufti von Australien, Scheik Tajeddine al-Hailaly.

Fälle von Gewalt gibt es ebenfalls zu wenige, um daraus umfassende Schlüsse zu ihrer Motivation zu ziehen. Jedes Jahr erhalten jüdische Organisationen eine Hand voll Berichte zu physischen Angriffen auf Juden. Auf zur Synagoge gehende Juden sind Gegenstände geworfen worden, hauptsächlich von jungen Männern. Es hat eine Reihe Vorfälle gegeben, die sich gegen Gebäude richteten, so in Synagogen gelegte Feuer, durch Fenster oder Türen jüdischer Institutionen geworfene Steine und anderer geringfügiger Vandalismus. Im Internet gibt es viele antisemitische Kommentare, sporadisch auch andernorts.

Antiisraelismus ist bei rechtsradikalen Neonazis präsent, in den kleinen linksextremen politischen Parteien, beträchtlichen Bereichen der Grünen Partei, eingegraben in Teilen der (sozialdemokratischen) Australian Labor Party und einer relativ kleinen „arabistischen“ Gruppe innerhalb der regierenden Koalition aus Liberaler und Nationaler Partei. Er ist allerdings in der Linksaußen stehenden akademischen Welt und einigen euorpaorientierten Mittelinks-Kommentatoren der Medien weit verbreitet.

Man findet ihn auch in Kirchengruppen, die von der Propaganda des Ökumenischen Rats der Kirchen (Weltkirchenrat) beeinflusst werden und einigen religiös mit den Kirchen des Nahen Ostens Verbundenen sowie bei politischen arabischen und muslimischen Gruppen. Zu den Erscheinungsformen gehören wiederkehrende verdrehte und verzerrte Berichte in den Mainstream-Medien, gelegentliche Reden im Parlament und Veranstaltungen, auf denen Redner Israel diffamieren. Wenn Antiisraelismus in Sprache verpackt ist, die negatives Verhalten von Israels dem Judentum allgemein zuschreibt, wird das als Antisemitismus betrachtet. Werden Juden oder Israel als symbolische Darstellung des Judentums mit Nazis verglichen, wird das in Analysen als antijüdische Rhetorik begriffen.

In den meisten großen Städten gibt es Gruppen, die aktiv für den Boykott Israels und von Israelis eintreten. Kundgebungen und Demonstrationen gegen Israel finden in Zeiten von Spannungen im Nahen Osten oder an Tagen statt, die für antiisraelische Gruppen von Bedeutung sind. Es gibt regelmäßige, organisierte Lobbyarbeit bei Politikern, Touren antiisraelischer Redner und organisierte Besuche des Nahen Ostens, die angelegt sind antiisraelische Anschauungen zu verstärken.

Die Auswirkungen dieser Aktivitäten erscheinen gering. Demonstrationen vor Max Brenner Chocolate-Cafés, einem beliebten Ort für antiisraelische Kundgebungen, haben keinen negativen Einfluss auf das Geschäft. Proteste gegen auftretende israelische Unterhaltungskünstler haben anscheinend den Besuch ihrer Veranstaltungen nicht beeinflusst und antiisraelische Aktivitäten von Akademikern sind Sprungbrett für wichtigere proisraelische Reaktionen gewesen, so für formelle Abkommen zwischen australischen und israelischen akademischen Institutionen.

Die muslimische Gemeinschaft zählt rund 500.000 Personen, die aus vielen Ländern stammen. Türken, Indonesier und Libanesen sind die zahlenstärksten Gruppen. Es gibt viele unterschiedliche Arten muslimischer Bräuche und Menschen mit enorm unterschiedlichem Stand an Bildung, Erfolg und Integration in den verschiedenen Gemeinschaften. Einige muslimische Gruppen sowie Einzelpersonen unterstützen Antiisraelismus. Es gibt überzeugte Hardcore-Unterstützer antijüdischer und Antiisrael-Gruppen, darunter Hisb-ut-Tahrir, Hamas und Hisbollah. Gelegentlich sind in islamischen Buchläden antijüdische Bücher verfügbar und antijüdische Redner sind auf Vortragsreisen zu Gast gewesen.

Allerdings opponieren mehrere prominente muslimische Persönlichkeiten aktiv gegen Antisemitismus und bemühen sich um ausgewogene Information zu Israel. Ein wichtiger Aspekt besteht darin, dass die [gegenüber den Juden] viel größere zahlenmäßige Stärke der muslimischen Gemeinschaft von antiisraelischen Politikern für die Behauptung benutzt wird, die politischen Parteien und Australien sollten antiisraelische Politik einführen.

Es hat beständige parteiübergreifende Verurteilungen von Antisemitismus und einseitig antiisraelischen Aktivitäten wie Boykotten gegeben. Israels Unabhängigkeitstag wird vom Staat und nationalen politischen Führungspersönlichkeiten gewürdigt. Philosemitismus ist in Australien wahrscheinlich bedeutender als Antisemitismus, sowohl in der Geschichte als auch gegenwärtig. Die jüdische Gemeinschaft bekämpft Antisemitismus und Antiisraelismus auf viele Weisen aktiv.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Ein Antisemitismus Namens Dialog

5. April 2014 um 17:00 | Veröffentlicht in Deutschland, die Welt+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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Stefan Göpke (direkt vom Autor)

Vor einigen Tagen bin ich durch Zufall auf die facebook-Gruppe „Dialog Israel-Palästina“ gestoßen. Ich habe es für einen interessanten Ansatz gehalten, da in der Gruppenbeschreibung explizit zu konstruktiven Ansätzen aufgerufen wurde. Doch schnell machte sich Ernüchterung breit. Auf konstruktive Ansätze wurde lediglich mit allem gefeuert, was der antisemitische Phrasen-Bausteinkasten hergibt. Selbst die einfachsten Fragen konstruktiver Art wollte oder konnte der arabische Admin nicht beantworten. Hätte man doch erwartet, dass er an einem Dialog interessiert sein könnte, statt seine israelfeindlichen Plattitüden abzusondern. Begleitet wurde sein Ausweichen von einem Israelfreund der besonderen Art, der permanent vor der Beantwortung meiner Fragen warnte, da diese eine Falle wären und einem Dialog zerstören würden.

Der Grundtenor dieser Gruppe ist zwischen zwei Positionen zu suchen: Einerseits die Anklagen gegen „Verbrechen Israels“. Zum Ausgleich die Aufforderung, dass Israel seine Verbrechen bekennen möge, quasi als ersten Schritt zur Besserung, der Grundlage für einen Frieden.

Die dreistesten antisemitischen Propagandalügen werden in der Gruppe geduldet. Meine Darlegung, dass SodaStream im Endeffekt ein zukunftsträchtiges Friedensprojekt sei, wurde jedoch ohne Argumente als zionistische Propaganda gebrandmarkt. Soweit zum Thema konstruktiver Dialog.

Auf meine Nachfragen erklärte mir ein anderer Admin, der sich als Dialog-Förderer sah, dass er nicht wissen könne, ob die von mir bemängelten Hetzbeiträge nun Lügen seien oder die Wahrheit. Auch ich könne das nicht wissen. Außerdem sei es ja nur Kritik an einem Staat. Und diese sei ja schließlich legitim. Ich erklärte ihm, dass es vielleicht nicht justiziabel sei, Lügen über Israel zu verbreiten. Unmoralisch und verantwortungslos ist es in jedem Fall. Ich versuchte ihm nahe zu bringen, dass mit dieser miesen Hass-Propaganda Menschen zum Mord an Israelis bzw. Juden aufgestachelt werden. Dies schien dem selbstgerechten Dialog-Förderer aber nicht zu stören. Sein Credo: Niemand kann wissen, was die Wahrheit sei. Und alle extremen Positionen hätten ihr direktes Gegenstück. Wenn es Araber gäbe, die die Auslöschung Israels und der Juden forderten, so steht für ihn fest, dass es eben auch Massen von Israelis geben müsse, die die Auslöschung der arabischen Welt forderten. Anders geht es nicht. Außerdem müsse jeder einen Lösungsansatz bei sich selber suchen. Das meinte er auf die Frage nach Vernichtungsdrohungen gegen Israel. Natürlich sieht er die Israelis in der Pflicht, diesbezüglich Lösungsansätze zu finden. Wen sonst?

Zeit für ein Gedankenexperiment, dachte ich. Ich fragte ihn, welchen Lösungsansatz er denn hätte, wenn ihn jemand des Besitzes von Kinderpornografie beschuldigen würde. Er empörte sich, dass dies nicht der Wahrheit entspräche. Das könne er mit Sicherheit sagen. Das könne ich nicht beurteilen, erwiderte ich. Mir ginge es gemäß seinem Credo um seinen Lösungsansatz bezüglich seiner Person.

Ob denn – die Frage nach der Wahrheit außer Acht gelassen – Kritik an seiner vermeintlichen Kinderpornosammlung legitim sei, beantwortete er mit dem hysterischen Hinweis, dass er mich anzeigen wolle. Er wisse schließlich, dass er keine Kinderpornos besitze. Eine solche Ehrverletzung müsse er sich nicht gefallen lassen. Ich betonte, dass ich nach seiner Maxime nur wissen wolle, welchen Lösungsansatz er für sich sehen würde, da die Wahrheit in seinen Vorstellungen ja keine Rolle spiele. Er wird dünnhäutig, wenn es um seine Person geht.

Zeit für die nächste Stufe. Ich bat ihn, mein Gedankenexperiment fortzusetzen. Er möge sich vorstellen, dass ein Nazi-Lynchmob ein Exempel an einem Pädophilen statuieren wolle. Nazis spielen sich ja gerne mal als Beschützer der Kinder auf. Was wäre, wenn man diesen mordlustigen Barbaren das Gerücht um eine Kinderporno-Sammlung in seinem Besitz antragen würde? Wäre das legitim? Er tobte und ließ seinem Tasten-Tourette freien Lauf. Es ginge schließlich um eine konkrete Person und mögliche Folgen für diese.

Aha. So fragte ich nochmal, warum es denn nach seinen Wertvorstellungen nicht moralisch wäre, wenn Lügen über ihn (also eine konkrete Person) verbreitet werden würden, wodurch er (also eine konkrete Person) ggf. sogar um sein Leben fürchten müsse. Denn andererseits hat er keine Probleme damit, Lügen über Israel zu dulden. Wohl wissend, dass mit dieser Hass-Propaganda andere Menschen zum wahllosen Mord an Israelis oder Juden allgemein angestachelt werden. Seine Antwort war einfach: Er sperrte mich für die Gruppe.

Somit bestätigte er, dass er keine Antworten und keine Moral hat. Sein Problem wäre, dass in meinem Gedankenexperiment nicht immer 100% klar gewesen sei, dass es sich bei der Kinderporno-Sammlung um eine Hypothese handele. Der Mann hat plötzlich Probleme. Probleme, die er jedoch nicht hat, wenn es um Lügen über Israel geht. Das wäre ja legitime Kritik, da es nur um ein Land ginge.

Es hat natürlich nichts mit Antisemitismus zu tun, wenn er großzügig den Bewohnen Israels und den Juden tausendfach das zumutet, was ihn sich in einem Gedankenexperiment die Hose füllen lässt, wenn es um die eigene Person geht.

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